DEVIN TOWNSEND – Lightwork

Trackliste:

01. Moonpeople
02. Lightworker
03. Equinox
04. Call Of The Void
05. Heartbreaker
06. Dimensions
07. Celestial Signals
08. Heavy Burden
09. Vacation
10. Children Of God

 

Spielzeit: 55:59 min – Genre: Progressive Rock/Metal – Label: Inside Out Music – VÖ: 28.10.2022 – Page: www.facebook.com/dvntownsend

 

An die eine Person im Rock-Garage-Leser-Keis, die DEVIN TOWNSEND noch nicht kennt: Du hast jetzt fünf Minuten, um diese Rezension zu lesen, und dann gehst du los und verwendest LIGHTWORK als Einstiegsdroge. Denn nichts anderes ist die neuste Platte des – sagen wir es wie es ist – Genies aus Kanada. Man kennt den Frank Zappa des Progressive Metal einerseits für seinen absoluten Bombast, die mächtigsten Klangwände, die mit den damit einhergehenden Melodien für kompletten Gänsehaut-Overload sorgen, ebenso wie für seine Experimentierfreudigkeit, seine absolut seltsamen Ideen, die allesamt funktionieren, seine unkonventionellen Arrangements, Instrumentierungsentscheidungen, Songstrukturen. Ein gutes DEVIN-Album ist eine bunte magische Wundertüte voller Emotionen, voller Dinge, von denen man zuvor nicht wusste, dass man sie braucht, voller teils überwältigender Positivität, die sich einen feuchten Dreck um Genrekonventionen schert und hochgradig poppige Eingängigkeit düsterem Gedönse gegenüberstellt.
Ach ja, „Lightwork“. Ist genau so ein Album. Die Produktion ist perfekt, die Qualitätsansprüche, die man an DEVIN hat, werden mindestens erfüllt, die Soundauswahl (Band, unterschiedliche Gesangsstile und gelegentliche Gastvocals, elektronische Elemente, Orchester, E-Drums) ist äußerst breit gefächert. Größtenteils ist „Lightwork“ eines der Alben des Ausnahmekünstlers, die kompatibler ausfallen. Einiges an ruhigen Parts, viel Harmonie, eingängige, oft poppige, große Melodien, dicker Bombast, wenig unklarer Gesang und kaum Geknüppel. Positivität überwiegt, lediglich zwei bis drei der Songs fallen düsterer aus. Auch die Experimentsongs (die geil sind, dabei aber weit weniger „konventionell“ als der Rest seiner Songs) sind eher selten. Und man kann es nicht anders sagen, „Lightwork“ ist in jeder Hinsicht perfekt. Die Melodien zünden praktisch zu 100%, der Sound ist gewohnt over the top, und vielleicht etwas mehr als noch auf vorangegangenen Alben spielt DEVIN viel mit den Möglichkeiten der Produktion, um Effekte beim Hörer zu erzielen. Manipulation im besten Sinne. Das Resultat ist eine einstündige, intensive meditative Reise, die den grandiosen Vorgänger „Empath“ subjektiv noch ein wenig übertrifft.

Fazit:
„Lightwork“ ist ein Album, das man einem rock/metallisch komplett ahnungslosen Menschen auf der Straße in die Hand drücken könnte, und es hätte das Potenzial, den Musikgeschmack dieses Menschen nachhaltig zu verändern. DEVIN TOWNSEND schöpft wie wenige andere Musiker unserer Zeit das Potenzial von Musik im Gesamten aus, überwindet Genregrenzen und Konventionen und schafft damit Musik, die letztendlich Balsam für die Seele ist. Und das haben wir doch momentan alle hin und wieder mal nötig.

Anspieltipps:
„Moonpeople“, „Lightworker“, „Dimensions“ und „Heavy Burden“

Jannis

THEM – Fear City

Trackliste:

01. Excito
02. Flight Of The Concorde
03. Welcome To Fear City
04. Retro 54
05. An Ear For The Action
06. Graffiti Park
07. 191st Street
08. Home Stretch
09. The Crossing Of Hellgate Bridge
10. Death On The Downtown Metro
11. Stay Tuned
12. A Most Violent Year
13. The Deconsecrated House Of Sin
14. In The 11th Hour

Spielzeit: 47:12 min – Genre: Heavy Metal – Label: Steamhammer/SPV – VÖ: 28.10.2022 – Page: www.facebook.com/thembandofficial

 

Wie schön es doch ist, zu sehen, wie die Kleinen erwachsen werden, ihren eigenen Charakter entwickeln und immer mehr herausfinden, wo sie hinwollen, was sie sein möchten. Perfekt beobachtbar ist das über die letzten paar Alben von THEM. Orientierte sich das internationale Projekt anfangs noch sehr am Sound und Stil von KING DIAMOND, ist es doch inzwischen in einem sehr eigenen Sound angelangt, der mit dem KING nur noch seltenen Falsettgesang, kleine Ähnlichkeiten im Melodieführungsgeschmack und Theatralik in den Vocals gemein hat. Dazu kommen natürlich thematische und optische Ähnlichkeiten sowie generell Konzeptalbum-Formate, die sich gleich über mehrere Releases entwickeln.
Aber sonst zeigen THEM auf „Fear City“ klanglich eine hohe Individualität. Thrashiger Heavy Metal mit hoher Grundhärte steht auf dem Programm, der die Doppel-Fußmaschine absolut ausreizt, gerne für thrashiges Humpa (Ihr wisst, was ich meine) zu haben ist und häufig erbarmungslos Vollgas gibt. Das jedoch mit hohem Melodieanteil, der zu auskomponiert ausfällt, als dass man „Fear City“ als Melodic-Thrash-Metal-Album bezeichnen könnte. Und Spaß am Experimentieren hat man ebenfalls. „Fear City“ erzählt die Geschichte der Vorgänger weiter, aber dieses Mal im New York der frühen 80er, was Einsatz von einigen Synthesizern rechtfertigt, und mit „Retro 54“ sogar einen sehr spaßigen Keyboard-angereicherten Hard-Rockigen Track, der leichten GHOST-Spirit transportiert. Mit „The Crossing Of Hellgate Bridge“ gibt es desweiteren einen amtlich vielseitigen Neun-Minüter, mit „Death On The Downtown Metro“ den mit abstand fiesesten Track des Albums, der auch um ein paar Blastbeats nicht verlegen ist, mit „In The 11th Hour“ ein düster-feierliches End-Fast-Instrumental, das die Platte emotional gut beendet, aber auch ein wenige Cliffhanger-Feeling erzeugt – und sonst eben ganz viele Songs, die die gefestigten Trademarks der Band auf hohem Niveau und ordentlich dreschend vereinen. Plus ein paar kurze Intermezzi.

Fazit:
Und mit alldem machen THEM, was sie am besten können und auch in der Vergangenheit durchgängig gemacht haben: nicht enttäuschen. Ordentlich ballern, geil spielen und singen, dabei eine gewisse Grundatmosphäre erzeugen, keine Kompromisse eingehen, souverän unterhalten. Gerne mehr davon!

Anspieltipps:
„Retro 54“, „The Crossing Of Hellgate Bridge“, „Death On The Downtown Metro“ und „ The Deconsecrated House Of Sin“

Jannis

LORNA SHORE – Pain Remains

Trackliste:

01. Welcome Back O Sleeping Dreamer
02. Into The Earth
03. SunEater
04. Cursed To Die
05. Soulless Existence
06. Apothesis
07. Wrath
08. Pain Remains I Dancing Like Flames
09. Pain Remains II After All I’ve Done I’ll Disappear
10. Pain Remains III In A Sea Of Fire

 

Spielzeit: 1:01:09 min – Genre: Deathcore – Label: Century Media – : 14.10.2022 – Page: www.facebook.com/LornaShore

 

Kaum ein anderes Album wurde dieses Jahr vermutlich so sehnsüchtig erwartet, wie der aktuelle Output „Pain Remains“ von LORNA SHORE. Denn, ob man jetzt Deathcore mag oder nicht, am New Jersey 5er kommt man dieses Jahr nicht vorbei. Trotz Rauswurf von Sänger CJ McCreery Ende 2019 und der Pandemie haben LORNA SHORE ein extrem fettes Teil rausgehauen. Mit Neusänger Will Ramos scheint die Band nun wirklich durchzustarten und den Deathcore salonfähig zu machen. Wurde der Vorgänger „Immortal“ (2020) noch mit der Tonspur von Ex-Sänger CJ McCreery aufgenommen, hat sich Will Ramos das erste Mal auf der 2021er EP „… And I Return to Nothingness“ gezeigt und damit auch gleich neue Trademarks gesetzt.
Schon der Opener „Welcome Back, O‘ Sleeping Dreamer“ mit seinen orchestralen und mit Chorälen unterlegten Intro sorgt für absolute Gänsehautmomente. Ich bin kein Fan von Symphonic Metal, aber diese Kombination von Bombast mit der Härte einer Band wie LORNA SHORE können dann sogar mich überzeugen. Wie düstere Nebelschwaden wabern die symphonischen Anteile über den Song und sorgen für eine noch dunklere Atmosphäre. Zusammen mit den metallischen Extremausbrüchen ergibt sich eine scheinbar nicht passende, aber doch absolut perfekte Symbiose. Keine leichte Kost, aber absolut lohnend. Auch „Into The Earth“ hat einen symphonischen Einschlag, ein ausgefeiltes Riffing und auch hier kann Will Ramos zeigen, zu welchen Kapriolen seine Stimme fähig ist. Die Bandbreite an Screams, Growls, Grunzen und keine Ahnung wie man das noch nennen könnte, passen so dermaßen gut zu LORNA SHORE, dass ich mir so manches Mal Freuden-Pipi aus den Augenwinkeln wischen muss. Dabei ist Will Ramos nicht der alleinige Hauptdarsteller. Will ist die Rampensau, aber LORNA SHORE funktionieren auch auf „Pain Remains“ nur als Gesamtkunstwerk. Zu diesem Kunstwerk gehören die Gitarren-Riff-Götter Adam De Micco und Andrew O’Connor, das Drum-Biest Austin Archey und Basser Michael Yager (der während der diesjährigen Tour den ausgefallen Austin Archey am Schlagzeug mit Bravour ersetzt hat).
Trotz meines Happy-Rotzes in der Nase ist gibt es einen kleinen minimalen Störfaktor auf „Pain Remains“. Der symphonisch-orchestrale Anteil auf dem aktuellen Dreher passt sehr gut zu den einzelnen Songs, aber nach einer gewissen Zeit ist dann doch ein Ticken zuviel. Aber in der Betrachtung des Gesamtwerkes ist das ist immer noch jammern auf verdammt hohem Niveau.
Nicht zuletzt durch Neuzugang Will haben LORNA SHORE einen so eigenen Stil entwickelt, man erkennt die Jungs immer sofort raus. Für viele mag Deathcore nur das übliche „Ochsengekloppe“, „Kreissägen-Geschrei“ oder ähnlich nett Umschriebenes sein, aber die Leistung von LORNA SHORE, sich in dem Genre so derart gut zu platzieren, muss man einfach anerkennen. Detailverliebt und komplex kann mich „Pain Remains“ fast hundertprozentig überzeugen und ich bin gespannt, auf welche musikalische Reisen mich LORNA SHORE in Zukunft noch mitnehmen werden.

Tänski

Haltet euch fest: 

 

 

 

SHILOBLAENGARE – Golden Book of Rock

Trackliste:

01. Intro Shilos Vision
02. Heal Me
03. Crazy
04. High the Mugs
05. I am a Fighter
06. Time
07. Golden Book of Rock
08. Heat of the Night
09. Break Away
10. Rockin Rollin

 

Spielzeit: 50:42 min – Genre: Rock – Label: Alster Records – VÖ: 19.08.2022 – Page: www.shiloblaengare.salinos.de

 

Aus dem hohen Norden Deutschlands kommt eine Melodic Rock Band die einen schier unaussprechlichen Namen haben. SHILOBLAENGARE, was auch immer das ist ; )
Die vier Herren und eine Dame sind schon eine gewisse Zeit in der Szene unterwegs und bieten ihren Fans schnörkelosen, trockenen Melodic Rock.
Ursprünglich mal als Coverband gestartet ist man seit 2016 auch mit eigenem Material unterwegs und präsentiert uns dieser Tage das zweite Album „Golden Book of Rock“.

Mit diesem starten wir jetzt mal und lauschen den Klängen des Intros „Shilos Vision“. Hier gibt es noch nicht viel Aufschluss über die Musik ist das Ganze doch nur eher ein Cinematic Intro.
Mit dem folgenden „Heal Me“ gibt es dann aber endlich den gewünschten Eindruck. Der Sound ist erdig und recht roh, kein Vergleich zu vielen heutzutage gängigen überladenen Hochglanzproduktionen.
Den Gesang teilen sich Bassist Ralf und Sängerin Biggi. Dies machen sie sehr ordentlich, die Nummer geht schön ins Ohr und rockt gut nach vorne!
Die Grundlage für das anschließende „Crazy“ bildet dann ein satter Groove auf dem man gut aufbaut.
Hier ist eher Ralf zu hören, Biggi unterstützt nur, ansonsten ist der Song nicht ganz auf der Höhe des Openers.
Aber, mit „High the Mugs” geht die Qualität direkt wieder nach oben, der Fuß und die Hände können hier nicht stillhalten und auch ansonsten ist die Nummer wunderbar eingängig und perfekt für die nächste Rockparty geeignet! Ein toller Track der einfach Laune macht!
Mit „I am a Fighter” kann es direkt auf der Party weitergehen und das etwas ruhigere „Time“ weiß direkt zu gefallen und bildet einen guten Kontrast zu den bisherigen trockenen, nach vorne gehenden Rocknummern.
Mit dem Titeltrack „Golden Book of Rock“ geht es dann in das letzte Drittel und der Song ist zurecht das Titelstück geworden! Eine schöne Nummer die qualitativ an die bisherigen Hits ohne Probleme anknüpfen kann.
So ganz schafft man es dann im weiteren Verlauf des letzten Drittels leider nicht an die bisherigen Hits anzuknüpfen, von Totalausfällen ist man aber auch weit entfernt. Guter Standardrock also!

Manchmal ist es auch mal ganz gut, wenn man bei all den heutzutage gängigen Überproduktionen auch mal was richtiges rohes und erdiges in die Hand/auf die Ohren bekommt! So geschehen beim Hören von „Golden Book of Rock“.
Die Jungs und das Mädel von SHILOBLAENGARE versuchen gar nicht erst ihre Wurzeln zu verstecken so klingen sie einfach wunderbar ehrlich.
Der Wechselgesang ist ebenfalls ordentlich und auch der Großteil der Songs geht einfach gut ins Ohr und lässt die Gliedmaßen meistens nicht stillstehen!
Ein sehr schönes, zweites Album wo zwar nicht jeder Song ein Volltreffer ist, aber es ist einfach gut, ehrlich und eine runde Sache!

Julian

 

BOREALIS – Illussions

Trackliste:

01. Illusions
02. Ashes Turn To Rain
03. My Fortress
04. Pray for Water
05. Burning Tears
06. Believer
07. Light of the Sun
08. Face of Reality
09. Bury Me
10. Abandon All Hope
11. The Phantom Silence

Spielzeit: 62:23 min – Genre: Power Metal – Label: AFM Records – VÖ: 07.10.2022 – Page: www.facebook.com/borealisband

 

4 Jahre ist das letzte Studioalbum der kanadischen Melodic Metaller von BOREALIS schon her, Zeit also mal für neuen Stoff! „Illussions“ schimpft sich das neue Werk und baut lyrisch und konzeptionell auf den letzten Diskus „The Offering“ auf und spielt einige Jahre später.
Neu auf dem Album ist ein musikalische neues Gesicht mit dem Komponist und Multiinstrumentalist Vikram Shankar (SILENT SKIES) der sich für alle Orchester und Symthesizer Elemente auf dem neuen Diskus verantwortlich zeigt.

Nachdem das letzte Album mir gut gefallen hat, war ich gespannt auf das neue Werk und startet mit Vorfreude den Titeltrack und Opener „Illusions“. Hmm okay wenn der Titeltrack nur ein Intro und dazu noch ein Instrumental ist werde ich immer etwas hellhörig! Aber seien wir mal nicht voreingenommen und starten direkt den nächsten Track „ Ashes to Rain“. Der erste vollwertige Track der gleich voll nach BOREALIS klingt!
Melodic Metal ist das eher weniger, da liegt die Promoinfo falsch, das ist eher Power Metal mit ordentlich Bombast und ne Spur Prog! Aber egal, geil ist es so oder so was uns hier entgegenschallt!
Sänger Matt ist natürlich nach wie vor bestens bei Stimme und durch seinen rauen Gesang werden wohl die EVERGREY Vergleiche nie aufhören.
Der nächste Song „My Fortress“ ist ebenfalls wieder voll mit Bombast und Synthies, da hat sich anscheinend die oben genannte personelle Verstärkung direkt bezahlt gemacht.
Und das tut sie auch weiter in der Folge. „Pray for Water“ ballert so wie die Songs zuvor und das erneut inklusive eines Ohrwurmchorus, „Burning Tears“ ist eine geile Ballade geworden die vor allem vom erstklassigen Gesang lebt und begeistert und bei „Light of the Sun“ sind wieder ordentliche Synthies mit an Bord.
Man kommt aber nicht dran vorbei festzuhalten das die besten Songs definitiv in der ersten Hälfte zu Suchen sind, denn ab „Burning Tears“ werden die Nummern doch etwas sperriger und ausladender. Zusammen mit dem extremen Bombastanteil wirkt das Ganze dann etwas eintönig und nicht so frisch wie zu Beginn.
Ein absolutes Highlight erwartet uns dann nur noch zum Abschluss mit dem überlangen „The Phantom Silence“ wo man nochmal so richtig ins oberste Qualitätsregal greift was die Atmosphäre, den Abwechslungsreichtum und die Eingängigkeit angeht. Es geht doch! Warum dann der sperrige Mittelteil?

Hmm vielleicht war die Erwartungshaltung etwas zu hoch, aber den Vergleich zum Vorgänger verliert das neue Album ganz klar!
Zu Beginn ist alles noch erste Sahne, aber dann verliert man sich zu sehr in Richtung Bombast und das Ganze wirkt eher sperrig als eingängig und melodisch.
Das man es drauf hat zeigen aber die Hits der Scheibe und ich bin mir sicher wenn sich BOREALIS wieder auf ihre Stärken besinnen wird das nächste Album auf jeden Fall wieder an die bisherigen Glanzleistungen anschließen!
Weniger ist manchmal eben doch mehr.

Julian

 

BLACKLIST – Afterworld

Trackliste:

01. Fires Of Black November
02. The Final Resistance
03. Nightbound
04. No Good Answers
05. Behind The Veil Of The Living World
06. Pathfinder
07. Scarlet Horizon
08. A Stranger In This Century
09. In Shadow Light
10. Lovers In Mourning

 

Spielzeit: 46:35 min – Genre: Dark Rock – Label: Profound Lore Records – VÖ: 28.10.2022 – Page: www.facebook.com/blacklistmusic

 

Ist mir BLACKLIST bekannt? Nope! Lass ich mich auch mal überraschen? Jepp! In unserer Redaktionsliste stand als Genre Dark Rock, ich ein Fan der SISTER OF MERCY bin und ich auf mir neue Ü-Eier stehe habe ich mich für BLACKLIST gemeldet. Ohne jegliche Ahnung und Vorrecherche mache ich mich also ans Werk und bin doch positiv überrascht. Die US-Boys machen richtig Spaß, es rockt trotz Zurückhaltung gewaltig an allen Ecken und Kanten.

Zu den Jungen Wilden gehören Joshua Strachan an Mikro, Gitarre, Synthesizer und Saxophon, James Minor und Chad Dziewior an Gitarre, Ryan Rayhill an Bass und Glenn Maryansky an den Drums.

Die Stimme von Joshua erinnert an die männliche Stimme von RADIORAMA oder auch Britpop Bands und überzeugt dabei, die Gitarren machen dezent Dampf, die Keys kommen auf ihre Kosten, Bass und Drums gehen es langsam an. Die Produktion rundet das so entstehende positive Gesamtbild sehr gut ab.

Der Sound wird als Post Punk bezeichnet, das kann ich so nicht bestätigen. Ich würde es als ein Mix aus U2, THE SISTERS OF MERCY, härtere DEPECHE MODE und THE CARS oder auch WINTER bezeichnen und das geht dabei voll auf die Glocke. Es wird jetzt nicht übertrieben hart zur Sache gegangen, in etwa wie bei U2 und den SISTERS und angereichert mit Synthi Sounds ala DEPECHE MODE oder THE CARS. Das Endprodukt hört sich sehr ansprechend an, mich hat es beeindruckt wie man doch eher zurückhaltend auch volle Power gehen kann. Es macht Laune zuzuhören wie sich Gitarre und Synthesizer duellieren, Bass und Drums dazu die zweite Geige spielen.

„Fires Of Black November“ ein ruhig melancholischer Einstieg mit Lagerfeuer Knistern im Hintergrund, „The Final Resistance“ ein cooler Rocker nach meinem Geschmack. „Nightbound“ kommt mit geilem Riffing, „No Good Answers“ hätten U2 auch nicht besser hinbekommen. „Behind The Veil Of The Living World“ hört sich an wie THE CARS auf Dark Pfaden, „Pathfinder“ ein geiler Rocker im U2 / SISTERS Gewand. „Scarlet Horizon“ ein Ohrwurm, „A Stranger In This Century“ ein weiterer ruhiger Schmachtfetzen. „In Shadow Light“ cool und flott, „Lovers In Mourning“ geht wieder als Ohrwurm durch.

Balle

DRAGONLAND – The Power Of The Nightstar

Trackliste:

01. The Awakening
02. A Light In The Dark
03. Flight From Destruction
04. Through Galaxies Endless
05. The Scattering Of Darkness
06. A Threat From Beyond The Shadows
07. Aphelion
08. Celestial Squadron
09. Resurrecting An Ancient Technology
10. The Power Of The Nightstar
11. Final Hour
12. Journey’s End
13. Oblivion

Spielzeit: 66:38 min – Genre: Power Metal – Label: AFM Records – VÖ: 14.10.2022 – Page: www.facebook.com/dragonlandband

 

Man kann sich trotz spektakulärer Pandemiemaßnahmen wie „Lass mal ab 9 keinen mehr vor die Tür gehen lassen“ oder „Man sollte 3G parallel zu kostenpflichtigen Tests einführen“ gewissermaßen dankbar schätzen in unserer aktuellen Situation, denn offenbar leitete die Regierung von DRAGONLAND den flächendeckenden und jahrelangen Lockdown schon im Jahr 2011 ein. So lange ist es nämlich her, dass die schwedischen Power-Metaller ihr letztes Album veröffentlicht haben – nachdem man davor gerade einmal zehn Jahre existierte und in denen direkt mal fünf Alben exportierte.
Nu – da sinnse wieder. Mit „The Power Of The Nightstar“, das laut Promotext im Vergleich „mehr elektronische Elemente“ beinhaltet als die Vorgänger. Anlass zur Sorge, dass aus dem individuellen neoklassisch inspirierten, orchestral angereicherten und komplexen Power Metal der Truppe digitales GLORYgeHäMMER gemacht hat (nichts gegen GLORYHAMMER, aber muss ja nicht jeder so klingen), bleibt unbegründet. Orchester gibt es nach wie vor reichlich – aber sinnhaft eingesetzt – und es klingt absolut auf der Höhe der Zeit. Die elektronischen Elemente sind tatsächlich ziemlich präsent, aber Album Nr. 6 ist eben auch ein Konzeptalbum über Sachen im Weltraum, und da sind elektronische Elemente schon von Vorteil, wenn man sich über Sounds und Einsatz Gedanken macht (machte man!).
Nebenbei: Die ganze Platte klingt geil, in Sachen Produktion wie Bandleistung, und die Trademarks von DRAGONLAND sind da; fixes (Space)Cembalo-Geshredde, Ahnung von klassischer Musik, ohne „Für Elise“ raushängen lassen zu müssen, und als Grundstil Power Metal, der das macht, was man auch von diversen anderen Genrevertretern kennt, aber eben oftmals in kompositorisch intelligenter – ohne dabei abgehoben zu wirken, sondern einfach, weil es Mehrwert bietet.
Konzeptalbum ist dabei fast eine Untertreibung. „The Power Of The Nightstar“ bietet nicht selten songwritingtechnisch Musical/Space-Opera-Flair. Klar, da sind klassische straighte Uptempo-Nummern, und davon nicht wenige, aber man will (und erreicht) eben doch etwas mehr als einfach nur „ein Album mit 12 Songs“, lässt Songs stimmungsvoll durch Orchester ineinander übergehen, bringt immer wieder unerwartete kreative Parts und setzt derweil nichtsdestotrotz die Atmosphäre der Texte musikalisch um, ohne aus dem Genre zu fallen. In seinem Verlauf wird „TPOTNS“ immer mehr zu einem Gesamtkunstwerk, bei dem einzelne Stellen zwar auch mal klassisch „normaler“ ausfallen, das aber auch beim konzentrierten Hören wirklich zu unterhalten vermag.

Fazit:
„Oh nein, der Refrain ist jetzt aber näher am Durchschnitt als der Rest“ ist so ziemlich die dramatischste Kritik, die ich zeitweise äußern konnte. „The Power Of The Nightstar“ ist eine fette, smarte, professionelle, detailverliebte Rückkehr einer Band, die mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

Anspieltipps:
„The Power Of The Nightstar“, „Final Hour“, „Celestial Squadron“ und „Through The Galaxies Endless“

Jannis

MICHAEL BORMANN’S JADED HARD – Power To Win

Trackliste:

01. Nothing But A Photograph
02. Power To Win
03. Our Sweet Lullaby
04. Heaven
05. When I Look In Your Eyes
06. A Step Away From Heaven
07. Just Wanna Fall In Love
08. Little White Lies
09. Domino
10. When She’s Good
11. Hysteria – Wrong And Right
12. We Must Make A Stand (Duisburg United)

Spielzeit: 53:25 min – Genre: Melodic Hard Rock – Label: RMB Records – VÖ: 28.10.2022 – Page: www.michaelbormannsjadedhard.com

 

Michael Bormann is Back, mit seiner Band JADED HARD rockt er das die Schwarte kracht. Ohne Gnade haut uns der Duisburger mit seinen Jungs Kracher after Kracher um die Ohren. Wie auch schon auf dem Debüt rocken sich die Jungs in unveränderter Besetzung den Arsch ab. Neben Michael an Mikro und Gitarre sind dabei Tommy Dahlem an Gitarre und Backingvox, Chris Ivo an Keys und Backingvox, Christoph Baumeister an Bass und Backingvox und Maikel Müller an den Drums.

Wie oben schon erwähnt hauen einem die Boys gnadenlos einen Kracher nach Kracher mit Hochdruck in die Gehörgänge. Gegenüber dem schon sehr guten Debüt hat sich musikalisch nichts geändert. Jeder Anhänger des Melodic Hard Rocks sollte beim Hören glücklich werden. Die härte ist genau im Richtigen Grad gehalten und die Gitarren im Zusammenspiel mit den Keyboard ergeben mit der Stimme von Michael eine undurchdringbare Mauer die einem regelrecht den Gips aus den Backen bläst. Der Bass und Drums machen gewaltig von hinten Dampf und erschlagen den Zuhörer fast. Die Produktion drückt ohne Ende das meine großen Quadralboxen ordentlich zu schuften haben. Aber scheißegal Hauptsache es knallt ohne Ende und bläst den Staub von den Regalen.

Auf diesem Album schrieb Michael die Songs nicht alleine sondern bekam von Bruno Kraler, Pete Alpenborg, Fredrik Joakimsson und Maikel Müller bei fünf Titeln Unterstützung. Egal ob aus der Feder allein von Michael oder mit Unterstützung das Ding haut rein wie eine Bombe und zerlegt einen ohne Ende. Man findet hier an allen Ecken und Enden Zitate der Großen aus den 80ern oder JADED HEART bis 2004 aber was solls, ich bin wie Michael ein Kind der 70er und 80er und mit der Mucke groß geworden. Hier kommt genau die Mucke aus den Boxen die leider keinen Anklang bei den öffentlichen Radiostationen finden wird. Corona hat auch die meisten Clubs dahingerafft also das Album eingelegt und sich in eine Zeit ohne Corona, Sorgen und Ängste versetzen lassen und eine knappe Stunde dem täglichen Irr- und Wahnsinn entfliehen und einfach die Seele baumeln lassen.

Als Fazit kann man den Boys bestätigen, weiter so, genau so kann es in Zukunft weitergehen. Bitte mehr von der Droge!

„Nothing But A Photograph“ ein typischer Bormann Song mit viel Melodie, Groove und geilem Refrain, mit „Power To Win“ folgt gleich ein nächstes Highlight. „Our Sweet Lullaby“ gehört mit Sicherheit zu den Highlights was für ein obercooler Rocker, bei „Heaven“ regiert Harmonie mit Melodie mit einem Endgeilen Solo. „When I Look In Your Eyes“ ab hier wird es gefährlich, der vierte Kracher in Folge ein Traum von Song, „A Step Away From Heaven“ immer noch keine Pause schon wieder so ein Melodicmonster. „Just Wanna Fall In Love“ eine coole Ballade, „Little White Lies“ wieder ein Highlight. „Domino“ ist keinen Deut schlechter als die Vorgänger, „When She’s Good“ erinnert mich an BON JOVI mit Hammondklängen. „Hysteria – Wrong And Right“ lässt mich an DEF LEPPARD, DOMAIN und eine kleine Prise DIO denken, „We Must Make A Stand (Duisburg United)“ ein politisches Statement verpackt in einen Geilen Rocker ein Projekt von Duisburger Musikern und war ursprünglich nicht für das Album gedacht.

Balle

MICHAEL BORMANN Interview

 

Michael Bormann den man normal niemanden mehr vorstellen muss veröffentlicht mit MICHAEL BORNMANN’S JADED HARD ein zweites hervorragendes Album. Falls jemand nicht wissen sollte wer Michael Bormann ist, er ist Gründungsmitglied und war bis 2004 das Zugpferd der Duisburger Band JADED HEART. Er ist nicht nur als Musiker unterwegs sondern auch als Songschreiber und Produzent für andere Künstler. Anlässlich der Veröffentlichung des zweiten Album stand mir Michael auf eine sehr sympathische Art Rede und Antwort. Trotz technischer Probleme gelang das Interview.

MB: Hallo Helmut, wie geht’s, ich hoffe doch gut keine Corona Nachwehen oder so?

RG: Hi Michael, frag lieber nicht, es geht mir relative gut. Wie geht es dir?

MB: Mir geht es eigentlich tierisch gut, ich bin zwar mehr oder weniger im Stress weil ich mehrere Dinge gleichzeitig mache. Momentan ziehen wir zu dem um, dies hat sich kurzfristig ergeben und kommt erschwerend dazu. Ich krieche gerade regelrecht auf den Brustwarzen rum, könnte Urlaub vertragen aber das muss eben noch zwei Monate warten.

RG: Dann kommt doch die angesagte Tour, so Corona dies zulässt?

MB: Ja, wir fangen Ende Januar an auf Tour zu gehen.

RG: Wieviel Auftritte habt ihr in Deutschland bei der bevorstehenden Tour geplant?

MB: Wenn ich wieder zurück gehe in die Zeit vor Corona, dann kann man mit 30 bis 40 Auftritten rechnen.

RG: Wie sieht es mit Auftritten auf Festivals wie z. B. das H.E.A.T. oder den Indoor Summer aus, ist zu erwarten das man Euch da auch sehen kann?

MB: Das fing ja alles mit dem H.E.A.T. Festival vor fünf Jahre an, 2017 wollte Eddy Freiberger unbedingt das ich die alten JADED HEART Nummern spiele und ich daraufhin die Band gegründet habe. Auf dem H.E.A.T. werden wir demnächst auch mal wieder auftreten, mit dem Veranstalter des Indoor Summer Festivals laufen gerade Gespräche, vielleicht sind wir nächstes Jahr auf beiden Festivals vertreten. Es gibt das eine oder andere Festival auf dem wir eine Show spielen. Nächstes Jahr ist das Rock N Loc im Mai schon bestätigt.

RG: Auch wenn du diese oder auch andere Fragen schon öfter gehört hast. Woher kennst du die Mitglieder deiner Band, wie habt ihr zusammengefunden?

MB: Die ursprüngliche Geschichte kennst du bestimmt, es waren alles Leute hier aus der Umgebung. Ich hatte damals meine Bormann Solo Band, da habe ich mit Rippel zusammengespielt, der schon seit vielen Jahren an meiner Seite war. Maikel den Schlagzeuger lernte ich durch Rippel kennen, der ist dann auch bei mir geblieben als sich die Bormann Solo Band so gegen 2016 aufgelöst hat. 2017 stand dann die Frage im Raum ob ich nicht ein Best Of von JADED HEART spielen könnte. Dafür brauchte ich natürlich auch Musiker, den Schlagzeuger hatte ich schon. Ich fragte dann auch Hexe, der zu der Zeit nicht bei mir spielte, ob er nicht Lust hat mit einzusteigen. Die hatte er natürlich.

RG: Meinst du mit Hexe Chris Ivo?

MB: Ja, das ist sein Spitzname falls du das nicht weißt. Hexe Ivo heißt er, keiner nennt ihn Chris, Hexe ist mit eingestiegen. Baumi unser Bassist war ein Kumpel von unserem Schlagzeuger und wollte erst nur aushelfen weil jemand anderes Einsteigen wollte. Es hat sich dann herausgestellt dass dieser Andere doch keine Zeit hat und es hat mit Baumi wunderbar funktioniert, dass er geblieben ist. Dann hatten wir erst einen ganz jungen Gitarristen, der sehr talentiert war, es gab aber das Problem das der Altersunterschied zu groß war. Der ist halb so alt wie ich und man hat dann auch gemerkt dass es nicht so wirklich passte. Der Gitarrist blieb ein Jahr, danach kam ein Gitarrist der nur ein paar Monate blieb. Dann kam mit Tommy sozusagen der richtige Gitarrist der auch schon drei Jahre dabei ist. So hat sich die Band ergeben.

RG: Kommen wir mal zum neuen Album, was kannst du mir über die Songs auf dem zweiten Album berichten.

MB: Also wenn ich anfange Songs zu schreiben, denke ich weder an einen Titel oder Text. Bei mir ist der Prozess eigentlich immer gleich, ich setze mich hin und habe dann ein Riff was mir gerade einfällt oder ich habe im Vorfeld immer mein Diktiergerät mit und wenn mir eine Melodie einfällt singe oder spiele ich das dann ins Diktiergerät. Das kann der Refrain oder ein Riff, oder auch der komplette Song sein, alles was in meinem Kopf entsteht. Und dann sitze ich hier und fange an beim Singen die Texte zu schreiben, so läuft der Prozess immer gleich bei mir ab. Ich mache mir im Vorfeld auch nie Gedanken darüber.

RG: Wie werden die Texte beeinflusst? Ist das Alltagsabhängig oder wie wirst du inspiriert?

MB: Sowohl als auch, es gibt immer Themen die aus meinem Leben stammen und autobiographisch sind und ich selbst erlebt habe. Es gibt aber auch Texte die aus dem Leben gegriffen oder die eben gerade aktuell sind. Wie z. B. den letzten Song „We Must Make A Stand“, wo es um die augenblickliche Situation geht, dass wir da jemanden haben der meint Krieg führen zu müssen. Das ist dann die Thematik oder es ist mal ein Love Song, das Thema kann alles Mögliche sein.

RG: Nimmst du in Bezug auf Produktion und Songwriting oft Hilfe in Anspruch oder bleibt dies fest in deiner Hand? Auf dem neuen Album hattest du beim Songwriting ja Unterstützung.

MB: Ich schreibe auch mit anderen Leuten zusammen Songs, frischen Wind hier und da finde ich ganz gut. Es macht immer wieder Spaß mit guten Musikern zusammen Songs zu schreiben und man hat immer frischen Wind dabei der nie schadet. Der Hauptanteil kommt immer von mir 60 oder 70 Prozent aller Songs sind immer komplett von mir. Auf dem neuen Album habe ich fünf Songs dabei die ich in Zusammenarbeit mit anderen geschrieben habe. Um es mal so zu sagen, ich mach Musik nicht nur für andere Leute, sondern auch für mich selbst, mir muss die Musik gefallen die ich mache. Ich persönlich denke das ich einen sehr guten Geschmack habe, weil ich auch die selbe Musik gut finde wie viele meiner Fans und Freunde. Wenn ich gewisse Songs geil finde dann kommen die auch bei diesen Fans und Freunden an. Von daher denke ich schon dass ich ein gutes Händchen dafür habe gute Songs schreiben zu können und das die gut ankommen. Wobei ich jetzt nicht sage das jeder Song den ich schreibe total Klasse ist, und kommt bei jedem gut an, so ist es natürlich nicht. Aber ich denke mal das viele meiner Songs einen gewissen Status oder Klasse besitzen das sie ankommen und dies hat sich bis jetzt immer von Anfang an gezeigt. Auch als wir damals mit der original Besetzung von JADED HEART 1990 anfingen, sind wir mit meinen Songs auf die Bühne gegangen und die sind immer sehr gut angekommen. Aus diesem Grund denke ich bescheiden das ich ein gewisses Händchen dafür besitze, ich bin nicht überrascht wenn man die Songs gut findet, wenn ich das so sagen darf ohne jetzt zu Eingebildet zu klingen, das will ich auf keinen Fall.

RG: Was hat dir die Teilnahme bei The Voice Of Germany gebracht? Gab es einen Bekanntheitsschub oder stiegen die Ticketverkäufe, Tonträger Verkäufe?

MB: Absolut gar nichts, ich kann dir sagen das es mich finanziell einfach nur Geld gekostet hat. Natürlich haben mich, das ist heute manchmal auch noch so, Leute in der Straßenbahn erkannt, die mich vorher nicht erkannt hätten. „Bist du nicht der ….“, mir ist das vor drei Jahren auf Malle mitten auf dem Meer passiert, kommt einer auf mich zu und sagt „Du warst doch bei The Voice oder“. Unfassbar auf Mallorca (Lacht). Der eine oder andere hat mich danach eher erkannt, aber mehr Ticket- oder Plattenverkäufe gabs nicht. Ich will dazu auch nicht viel sagen, denn die Nummer hätte ich mir schenken können.

RG: Gehen wir mal weiter zurück, wie verhielt es sich damals mit der RTL Soundmix Show in der Du aufgetreten bist.

MB: Ja die hat was gebracht, aber das war auch eine andere Zeit und Auswahlverfahren. Heute kommt ja jeder egal ob talentiert oder nicht ins Fernsehen, Hauptsache Crazy oder wie auch immer die ausgesucht werden. Wenn ich mir solche Formate ankucke, denke ich mir meinen Teil. Die Zeit von damals kann man mit jetzt nicht mehr vergleichen, die haben damals auch nicht so eine Massenveranstaltung wie es heute der Fall ist daraus gemacht. Da wurde ausgesucht wer da teilnehmen durfte, es kam nicht jeder ins Fernsehen. Das waren damals große Produktionen, die Leute haben sich Zeit genommen, heute kommt man sich vor wie Vieh. Damals war ehrlich gesagt Mega und hat was gebracht, leider nicht in den Bereich den ich wollte, aber ich hatte damals Plattenverträge vorliegen die mich gerne in der Deutschrock Ecke gesehen hätten. Ich bin nach der Show mit der Cover Band oder auch alleine mit Hubschraubern oder Flugzeugen hofiert worden, für zwei oder drei Jahre und ich habe dabei richtig viel Geld verdient. Das kann man sich nicht im geringsten Vorstellen, wenn man sich die Sache heute ansieht wenn ein Superstar auf der Bühne steht und die Groupies reißen einen regelrecht von der Bühne oder befinden sich vor der Umkleidekabine, das habe ich damals auch erlebt. Aber auch nur zu der Zeit also die Jahre unmittelbar nach der Soundmix Show, ich habe mir damals gedacht was ist denn hier los, das war irgendwie unfassbar.

RG: Wie sieht es bei dir im Shop aus, in welches Land hast du den größten Anteil an verkauften Artikel? In welches Land verkaufst du am meisten?

MB: Aus meinem persönlichen Shop kommen die meisten Bestellungen aus Deutschland, es geht aber auch viel in die Staaten, Schweden und Großbritannien. So Länder da nichts hingeht ist der komplette Ostblock da geht gar nichts hin.

RG: Wie sehen die Streamingzahlen aus, hast du da einen Überblick?

MB: Das ist abhängig vom Album, da geht es überwiegend in die USA die sind auf Platz 1, Platz 2 ist Deutschland, danach folgen Skandinavien und dann kommt der Rest der Welt.

RG: Wie sieht es bei dir mit Musikvideos aus, ist da was in Planung?

MB: Die sind abgedreht aber noch nicht geschnitten.

RB: Ich will dich jetzt nicht mehr länger in Anspruch nehmen und hoffe das wir uns in meiner Nähe mal wieder treffen können. Vielen Dank für das Interview, viel Erfolg mit dem neuen Album und einen noch einen schönen Abend.

MB: Ich Dank dir für das Interview und dir auch noch einen schönen Abend.

Balle

MIDNIGHT RIDER – Beyond The Blood Red Horizon

Trackliste:

01. Beyond The Blood Red Horizon
02. Majestic Warfare
03. No Man’s Land
04. Time Of Dying
05. Intruder
06. No Regrets
07. Rising Dawn
08. Demons
09. Your Parole
10. Always Marching On

 

Spielzeit: 41:21 min – Genre: Classic Heavy Rock – Label: Massacre Records – VÖ: 07.10.2022 – Page: www.facebook.com/midnightrider.officialband

 

Im festen Glauben daran, seine Rezension über MIDNIGHT RIDER mit den Worten „MIDNIGHT RIDER aus den USA“ zu beginnen, checkt man kurz die Herkunft der Truppe auf der Encyclopaedia Metallum und darf erstaunt feststellen, dass das Quartett keine 50 Kilometer entfernt von einem in Koblenz sitzt. Nun, hallo Nachbarn!
Also: MIDNIGHT RIDER aus den USA aus Koblenz haben jüngst ihr zweites Album „Beyond The Blood Red Horizon“ veröffentlicht und Cover sowie Band- und Albumname lassen entweder auf Synthwave oder Retro Heavy Metal schließen. Letzteres ist der Fall und der wird auf der Platte über eine knappe Dreiviertelstunde und zehn Songs zelebriert. Als 70es-orientiert beschreibt man sich im Promotext, nennt Einflüsse wie BLACK SABBATH, LED ZEPPELIN aber auch JUDAS PRIEST und RAINBOW. Das trifft’s ziemlich gut. MIDNIGHT RIDER verbinden die psychedelisch/stonerig/bluesig/doomigen Trademarks der ersten beiden Bands mit dem straighten Rockanteil der letzteren beiden, immer schön rifforientiert und getrieben von Sänger Waynes beachtlichen und sehr passenden Vocals. Schwerpunkte fallen ja nach Song unterschiedlich aus: Während „Time Of Dying“ die SABBATH-Seite der Band präsentiert und über größere Teile sehr zurückhaltend stimmungsvoll ausfällt, gibt es bei „Demons“ klassischen Hard Rock in Reinform. Kompositionstechnisch sind MIDNIGHT RIDER absolut souverän in den gewählten Genres unterwegs, wissen, welche Art von Riffs zu welchem Beat und mit welcher Bassuntermalung auf welchen Melodien wie und in welchen Strukturen eingesetzt werden muss, um die härtere Musik der 70er authentisch umzusetzen. In der ersten Hälfte von „BTBRH“ dominiert dabei der SABBATH/ZEPPELIN-Faktor etwas mehr, mit meditativ ausrastenden Gitarrensoli und allem, was dazugehört, und macht die Hälfte des Albums subjektiv etwas stärker, weil vereinnahmender.
In der zweiten Hälfte fehlt teils verstärkt der Faktor des Neuen, hier verlassen sich MIDNIGHT RIDER etwas zu sehr auf das Authentizitäts-Verkaufsargument, aber im Mindesten authentisch umgesetzt sind auch diese Songs – und immer wieder auch mehr als das, siehe besagtes „Demons“.
Die Ambition, zur weiteren Authentisierung (sagt man das so?) ausschließlich analoge Aufnahmemethoden zu verwenden, ist in Zeiten absoluter Digitalisierung spannend, allerdings hätte der Sound von „BTBRH“ durchaus noch ein wenig Feinschliff vertragen können, fällt er doch bei höheren Hörlautstärken ein wenig beißend aus, während die Bassdrum hinter dem Rest tendenziell untergeht – mehr, als sie es bei einem 70er-Rock-Album eigentlich tun würde.

Fazit:
Durchgängig hoher, gut umgesetzter Retro-Faktor, starke erste (und immer noch hochwertige zweite) Hälfte, respektable Aufnahme-Umstände – für die, die es gerne explizit oldschool mögen und dabei über kleinere Schwächen gerne hinwegsehen, ist „Beyond The Blood Red Horizon“ ein Album, von dem man sich selbst mal ein Bild machen sollte!

Anspieltipps:
„No Man’s Land“, „Time Of Dying“ und „Demons“

Jannis