LOCKHART – City Pulse

Trackliste:

01. City Pulse
02. Can’t Shake It
03. The Dose That Made You Poison
04. Together As None
05. Under Fire
06. Just Can’t Wait
07. You Wouldn’t Know Love
08. Before The Fall
09. No Chance In Heaven

 

 

Spielzeit: 32:55 min – Genre: AOR/Melodic Rock – Label: High Roller Records – VÖ: 12.06.2026 – Page: www.facebook.com/Listentolockhart

 

Normale Leute sind „nur so alt, wie man sich fühlt“. LOCKHART gehen da einen großen Schritt weiter und leben in dem Jahrzehnt, in dem sie sich fühlen. Ihr kennt das Cover-Artwork, jetzt habt Ihr fünf Sekunden Zeit zum raten.

Korrekt, wir gehen ganz hart auf 80er Kurs. Offiziell gibt es die Truppe aus Kanada aber erste seit 2022 und nach einem ersten Lebenszeichen in Form einer EP gibt es nun mit „City Pulse“ den ersten Longplayer, obgleich der mit unter 35 Minuten jetzt nicht überaus long ist.
Und was soll man sagen – da geht jemand ganz in seiner Rolle auf. Von der Optik der Band über Artwork und Songtitel kann schon vor dem ersten Ton niemand mehr sagen, er habe nicht gewusst, was ihn erwartet. Es gibt keyboardlastigen 80er Rock der Sorte JOURNEY, FOREIGNER und Konsorten.
Besonders heavy ist „City Pulse“ dementsprechend nicht geworden. Die Produktion ist nett, etwas verwaschen und relativ retro. Die mehrstimmigen Vocals sind on point, (wenngleich bisschen seelenlos) die Snare hat ein Lagerhaus als Resonanzkörper und die Keyboards sind schwerst authentisch und gehen in Sachen Schmalz voll auf die 12.
Die Melodien sind nicht minder verlässlich. Okay, Spannung entsteht im Songwriting nicht, die Kompositionen sind ungefähr das Gegenteil von unvorhersehbar aufregend. Stattdessen liegt ihr Reiz darin, dass sie oft genug genau das machen, was man sich heimlich von ihnen wünscht, ohne zu glauben, dass der Song tatsächlich soweit gehen würde. Was zwangsläufig natürlich auch mal zu Melodien führt, die man schlicht und ergreifend schon so kennt, ich meine, der Titeltrack fängt komplett schamlos an wie FOREIGNERs „Head Games“. Aber ist halt auch eine gute Melodie.
Was die cheesy Atmosphäre eines ganz klischeehaften 80es-Rock-Albums angeht, machen LOCKHART also alles richtig. Kompositorisch gibt es genau die Melodien, die man von einem Album wie „City Pulse“ erwartet. In den Arrangements und der Intensität der einzelnen Songparts wäre aber noch etwas mehr Kontrast- und Dynamik-Arbeit wünschenswert. Wenn Deine Melodien schon vorhersehbar sind und die Keyboard auf Dauerfeuer gestellt sind, gibt es nach einer Strophe nicht mehr so viel, was den Chorus so richtig knallen lässt, und so dümpeln einigen Songs auf „City Pulse“ doch in der immer gleichen Soundbreite ein wenig vor sich hin. Mit mehr unterschiedlichen Intensitätsstufen hätte man da noch mehr Entertainmentfaktor rausholen können.

Fazit:
Ganz ohne Zweifel ist „City Pulse“ ein absolut authentisches, nachtfahr-geeignetes Debüt, das bei der Umsetzung seines Genres keinerlei Kompromisse macht. Noch eine weitere Meinung beim Songwriting hätte nicht geschadet, Spaß macht das Ding aber auf jeden Fall!

Anspieltipps:
„City Pulse“, „The Dose That Made You Poison“ und „Under Fire“

Jannis

LEX LEGION – Lex Legion

Trackliste:

01. Sleep Eternally
02. Gypsy Tears
03. When the Stars Align
04. (I Am) The Resurrected
05. Lost Inside
06. Darkness
07. Saviours
08. Life Eternal
09. Far Away

 

 

Spielzeit: 34:40 min – Genre: Heavy Metal – Label: MNRK – VÖ: 12.06.2026 – Page: www.facebook.com/OfficialLexLegion

 

LEX LEGION ist eine brandneue Band, die sich aus alten Weggefährten mit einer stattlichen Heavy Metal Vergangenheit zusammensetzt. Die Gruppe besteht aus vier Fünfteln der klassischen KING DIAMOND Besetzung der späten 1980er Jahre, Schlagzeuger Mikkey Dee, die Gitarristen Pete Blakk und Andy La Rocque sowie Bassist Hal Patino. Den Gesang übernimmt hier Nils K. Rue von PAGAN`S MIND
Das selbst betitelte Debütalbum ist ein zielstrebiger, zukunftsorientierter Rückgriff auf den Hardrock/Metal der beteiligten Musiker, die ja auch MOTÖRHEAD und die SCORPIONS in ihrer Vita stehen haben.
Alle Vorabinfos und Höreindrücke klangen mega spannend, daher war ich sehr gespannt auf das Debüt und widmet mich mit Freuden dem Diskus.

Gestartet wird das Album mit der Vorabsingle „Sleep Eternally“ und hohen Screams von Fronter Nils. Ein bisschen schwimmen direkt die KING DIAMOND Einflüsse hier schon mit. So eine Mischung aus krachendem Heavy und etwas Epic Metal wird uns hier geboten. Ein guter Opener der schon mal einen ordentlichen Eindruck hinterlässt und nicht zu Unrecht eine Vorabvideosingle geworden ist.
Es folgt der erste waschechte Hit der Scheibe mit dem Stampfer „Gypsy Tears“ welches euch vom Groove her ordentlich den Staub aus den Boxen ballern wird, versprochen! Dürfte, auch aufgrund des Chorus, ein ordentlicher Livehit werden das gute Stück.
Klassischer Metal mit etwas vertrackter Songstruktur wird uns bei „When the Stars Align“ geboten bevor bei „(I Am) The Resurrected“ wieder ordentlich der Dampfhammer aus den Boxen tönt mit dem entsprechenden Ohrwurmchorus.
Die zweite Hälfte wird dann von „Lost Inside“ eröffnet. Auch hier kommen direkt wieder 80iger Metal Gefühle hoch, so sehr klingt die Nummer nach der damaligen Zeit.
Mit einem doomigen Intro weiß dann direkt „Darkness“ zu Gefallen und sich gut abzuheben. Der klassische, zeitlose Heavy Metal bleibt hier im weiteren Verlauf aber klar Ton angebend.
Sänger Nils setzt dann mit seinem tollen Gesang „Saviours“ die Krone auf. Der Wahnsinn, was der Junge abseits der gewohnten Power Metalpfaden so draufhat und hier zeigt. Aber auch die Nummer an sich weiß erneut absolut zu gefallen!
Und auch bei den beiden letzten Tracks „Life Eternal“ sowie dem abschließenden Instrumental „Far Away“ macht man keine Gefangenen, bleibt sich seiner Linie treu und dürfte den Vorschusslorbeeren absolut gerecht werden.

Bei den beteiligten Namen waren die Erwartungen hoch, und die Band hat abgeliefert! Und das in Summe, DER absolute Überhit ist jetzt nicht auf der Scheibe zu finden, das braucht es aber auch irgendwie gar nicht, denn in der Gesamtheit ist das Album einfach ein tolles Zeugnis des klassischen, zeitlosen Metals der 80iger ist welches auch genauso klingt und Fans dieser Spielart sowie KING DIAMOND Anhänger gleichermaßen zusagen sollte!
Eine klare Kaufempfehlung also, der einzige Wehrmutstropfen ist die sehr geringe Spielzeit, die heutzutage einfach nicht mehr zeitgemäß ist!

Julian

 

 

 

FEMME FATALE – Femme Fatale (Deluxe Edition) (RG-Zeitmaschine)

Trackliste:

01. Waiting For The Big One
02. Falling In And Out Of Love
03. My Baby’s Gun
04. Back In Your Arms Again
05. Rebel
06. Fortunge And Fame
07. Touch And Go
08. If
09. Heat The Fire
10. Cradle’s Rockin’
11. It’s A Long Way To The Top (If You Wanna Rock And Roll)
12. Chains
13. Lady In Waiting
14. Till It’s Shot

Spielzeit: 56:47 min – Genre: Melodic / Hard Rock – Label: MCA Records – VÖ: 1988 – Page:

Man schrieb das Jahr 1988 und eine Femalefronted Melodic / Hard Rock Band aus den USA stellten sich an die Welt zu erobern. Dieses Unterfangen gelang auf mittlerer Ebene, in manchen Kreisen konnten FEMME FATALE einen gewissen Status erreichen, für den ganz großen Megaseller reichte es allerdings nicht.

FEMME FATALE brachte es auf einige Singles und zwei veröffentlichten Alben, wobei Album #2 aus Demos und Live Aufnahmen aus dem letzten Jahrhundert besteht, auf dem der Sound ein unter utopisches Niveau erreicht und besser in irgend welchen Archiven verschwunden wäre. Angeführt wurden FEMME FATALE von dem blonde Schnuckelchen Lorraine Lewis am Mikrofon, dazu kamen noch Bill D’Angelo an der Leadgitarre, Mazzi Rawd an Gitarre und Keyboards, Bassist Rick Rael und Drummer Boby Murry. Die Backing Vocals übernahmen die Bandmitglieder, von denen mir nach FEMME FATALE nichts mehr bekannt ist, außer von Lorraine die sich eher mäßig an einer Solokarriere versuchte und einige Jahre Frontfrau bei den Mädels von VIXEN war. Aus dem Schnuckel von damals ist im Laufe der Jahre eine Reife Frau mit knappen 70 Jahren geworden und der Glanz der Vergangenheit ist verblasst. Und man weiß ja wie verrückt die OP-Manie in den USA ist, vielleicht haben die eine oder andere OP mehr geschadet als genutzt. Aussehen ist ja bekanntlich Geschmackssache, aber es ist eine Genugtuung zu sehen das es nicht nur Normalos mit dem altern so geht sondern auch bekanntere Musiker*innen genauso. Also widmen wir uns der Mucke von FEMME FATALE. Lorraine hat eine sehr kräftige Stimme die eine gehörige Portion Dreck mitbringt und dadurch sehr gut mit dem Sound der Band harmoniert. Die Gitarren geizen nicht mit Riffsalven, verlieren sich aber nicht in unnötiger Selbstbeweihräucherung und spielen äußerst Sachdienlich. Die Keys spielen im Vergleich zu den Gitarren eine Nebenrolle und sind nur in ruhigen Momenten voll auszumachen. Der Bass zieht seine Bahnen in der zweiten Reihe und die Drums spielen zwar auffällig auf ohne sich dabei aufzudrängen. Die Produktion könnte Feintuning vertragen, ansonsten alles paletti.

FEMME FATALE kamen zu einer Zeit in der anständige Rockmusik noch nicht verbannt war, und das kann man deutlich hören, ab und an gibt es mal einige Experimente und Koketierungen um die Genregrenzen zu verschieben. Dies gelang auch auf eine ordentliche Weise, so wurden auch Elemente aus Glam und Sleaze Rock in den Stil eingebracht. Vergleichen kann man FEMME FATALE mit damals angesagten Bands aus dem selben Genre wie, HEART, LEE AARON, VIXEN, DEVAY, BON JOVI, HELIX, kräftigere HONEYMOON SUITE, ALIAS, RATT, ASPHALT BALLET ohne Bikerfeeling, AXE, BATON ROUGE, BEGGARS & THIEVES, BRIGHTON ROCK, CINDERELLA, DANGER DANGER und wie sie sich nicht alle nannten. Das gleichnamige Debütalbum von FEMME FATALE bediente die selbe Klientel wie die erwähnten Vergleiche nicht mehr und nicht weniger.

FEMME FATALE brachten 1988 mit ihrem Debüt ein für damals zeitgemäßes Album auf den Markt, dass weder Vergleiche scheuen noch sich hinter den ganz großen Namen verstecken musste.

„Waiting For The Big One“ ein cooler Melodic Rocker mit viel Potential, „Falling In And Out Of Love“ eine Hymne mit dem meisten Kick in den Hintern, wurde auch mit einem Major Label Video belohnt – hätte auf den vorderen Plätzen der Charts landen können. „My Baby’s Gun“ ein kräftiger Hard Rocker, „Back In Your Arms Again“ geht mit viel Melodie sehr gut ins Ohr. „Rebel“ eine für diese Zeit typische Ballade die es in die Charts schaffen sollte, „Fortunge And Fame“ ein Hard Rocker der alles plättet was nicht auf Seite geht. „Touch And Go“ es wird melodisch drauf los gerockt, „If“ die nächste Hymne die mit traumhaft geilen Gesangharmonien kommt. „Heat The Fire“ Hard Rock in seiner reinsten Form, „Cradle’s Rockin’“ geht die Sache wieder harmonischer an. „It’s A Long Way To The Top (If You Wanna Rock And Roll)“ AC DC mal mit dicken Eiern einer Frau, „Chains“ ein Melodic Rocker der auch auf dem Soundtrack zum Film Don’t Tell Mom The Babysitter’s Dead zu finden ist. „Lady In Waiting“ ein mehr schlecht als recht klingender Hard Rocker, „Till It’s Shot“ bei dem Demo zeigte sich die Qualität von FEMME FATALE.

Balle

BOYS FROM HEAVEN – The Wanderer

Trackliste:

01. I’ll Wait
02. Hotline
03. Hold Your Heart
04. Street Life
05. Say Goodbye
06. How Long
07. Eileen
08. I Will Never Let You Down
09. Time Is On Our Side
10. Till The Bitter End

 

Spielzeit: 42:00 min – Genre: AOR – Label: Frontiers Music s.r.l. – VÖ: 22.05.2026 – Page: www.facebook.com/boysfromheavenmusic

 

So nun sind nach TURN BACK TIME die Dänen von BOYS OF HEAVEN an der Reihe. Die Band schaffte es mühelos sich mit ihrer EP und den beiden Vorgängern erfolgreich vor mir zu verstecken, dies änderte sich mit „The Wanderer“ schlagartig. Als ich den ersten Durchgang mit den Jungs machte war ich ein wenig enttäuscht weil es nicht meiner Vorstellung entsprach. Erst ab Durchgang zwei besserte sich dieser Zustand und ab Durchgang drei offenbarte sich mir die volle Breitseite BOYS FROM HEAVEN und ich erkannte die Feinheiten des Albums. Da ich die Vorgänger nicht kenne, kann ich auch nichts über Änderungen schildern und gehe deshalb jungfräulich an dieses Album ran.

Zu den BOYS gehören Chris Catton am Mikrofon, Mads Schaumann an den Gitarren, Mads Noyé an Keyboards, Jonas Klintsträm Larsen an Saxophone und Søren Viig Mathiesen an den Drumsticks. Chris besitzt eine angenehme und feine Stimme die von der Range bestens zum AOR der Band passt. Dabei klingt er weder zu vorlaut noch schmalzig, einfach gesagt passend zum AOR. Die Gitarren und das Keyboard gehen es wie ein gleichberechtigtes Paar an bei dem keiner meint er müsse den anderen unterbuttern. Der Einsatz des Saxophons bringt eine warme und abwechslungsreiche Stimmung mit. Der Bass agiert dezent aus der zweiten Reihe, der Drumstickschwinger hält sich vornehm zurück um die Harmonie nicht unnötig in Unruhe zu versetzen.

Die BOYS FROM HEAVEN haben es mit ihrem Sound drauf eine ganzer Reihe Erinnerungen an AOR Bands der Vergangenheit aber auch der Gegenwart zu wecken. Weder als Abklatsch noch als Klon bewegen sich die Dänen auf einer Welle mit sehr guten Songs und AOR Sound. Beim hören fallen einem so Vergleiche wie QUARTERFLASH, BOULEVARD, BEAU COUP, BEAU GESTE, CHARLIE, THE LOOK, BITE THE BULLET, 8084, ADRENALIN und der Leichtigkeit von TOTO ein. Aber auch skandinavische Vertreter wie ALIEN, BAD HABIT, CAPTAIN BLACK BEARD, CARE OF NIGHT, CODE RED, CREYE und CRUZH kommen als Vergleiche in betracht. Vielleicht kommt mir aus diesem Grund so einiges auf „The Wanderer“ seltsam bekannt vor, was nicht als Nachteil gesehen sollte, sondern vielmehr als Kompliment an die Band.

Die BOYS FROM HEAVEN ziehen auf „The Wanderer“ alle Register die der AOR zu bieten hat und können bei jedem weiteren Durchgang bei verdammt gute Stimmung an Qualität zulegen.

„I’ll Wait“ ein cooler und eingängiger Rocker für jede Situation, „Hotline“ und gleich der zweite Rocker in Folge der überzeugen kann. „Hold Your Heart“ ein vom Gefühl getragener Rocker, „Street Life“ ein AOR Kracher mit Hammond Feeling. „Say Goodbye“ hier reiten die Jungs auf einer Gefühlswelle Richtung Sonnenuntergang an die Westcoast, „How Long“ ein sehr gut hörbarer Song. „Eileen“ erinnert an einem Happy Feel Good Soundtrack, „I Will Never Let You Down“ hätte sich sehr gut auf dem Soundtrack von The Lost Boys aber auch Zurück In Die Zukunft gemacht. „Time Is On Our Side“ hier kommt die volle Dröhnung Drama auf den Hörer zu, „Till The Bitter End“ eine starke Ballade.

Balle

TURN BACK TIME – Maybe Tomorrow

Trackliste:

01. Dancing In The Rain
02. Turn Back Time
03. Maybe Tomorrow
04. Faith
05. Into The Light
06. Jennie In Love
07. High
08. Girl Goodbye
09. Don’t Offend Me
10. Josephine

 

Spielzeit: 47:36 min – Genre: AOR – Label: Good Time Music – VÖ: 29.05.2026 – Page: www.facebook.com/Turnbacktimemusic

 

TURN BACK TIME so What the F.ck ist das schon wieder? Bei TURN BACK TIME handelt es sich um ein schwedische Band deren Mainmen aus Christer Green und Henrik Svedberg bestehen. Beide schrieben zum Großteil die Songs und bedienten die Instrumente auch zum Teil selbst.

Neben Christer an Gitarren, Bass und Keyboards, sowie Henrik an den Keyboards und Vocals bei Song 7 wurden beide von den Sängern Ronnie Hagstedt (Tracks 1, 4, 5, 6, 8, 10), Peder Lundgren (Tracks 2, 3, 7, 9), Morgan Lansford am Bass und Mr. Easy an den Drums unterstützt. Ronnies Stimme befindet sich in den mittleren Lagen, während Peder ein wenig dunkler und rauer klingt und bei Henrik hat man das Gefühl als wenn Peder die Vocals auch übernommen hat, da ist nicht hörbar ob Henrik die Vocals übernommen hat. Die Gitarren machen das was sie sollen und wofür sie gebaut werden, sie sorgen mit ihrem angenehmen Grundton für das richtige Riffing. Die Keys kommen wie man es von AOR Bands gewohnt ist mal als Keyboard, Orgel, Fanfare oder Piano ausgeführt. Der Bass gibt im Hintergrund ordentlich Gas und die Drums halten sich zurück und spielen nicht so auffällig auf.

Da das Songwriting auf die 1980er zurückzuführen ist, Christer und Henrik Live bis in die frühen 90er spielten ist es kein Wunder das die Mucke auch diesen unwiderstehlichen 80er Jahre Touch besitzt und das Feeling von damals problemlos in die Gegenwart transportiert. Zu hören gibt es 80er Like AOR mit skandinavischen Charme und einem schielenden Auge über den Atlantik in die USA und Kanada.

Vergleichen kann man TURN BACK TIME mit TOTO, SURVIVOR, PRISM, 101 SOUTH, sowie den Schweden TOMMY DENANDER, ALIEN, BAD HABIT und WORK OF ART mit einer Extraportion TOTO. Herausgekommen ist ein Album das jeden Anhänger der genannten Bands und Genre gefallen sollte.

Ein solides und gutes Album das TURN BACK TIME an den Start bringen, allerdings besitzen BOYS FROM HEAVEN mehr Biss und sind deshalb auch eine Nasespitze in der Bewertung um einen halben Punkt vorne.

„Dancing In The Rain“ ein flotter Opener der das Album einleitet, „Turn Back Time“ es bleibt flott und melodisch. „Maybe Tomorrow“ hier schimmern die gefühlvollen ALIEN voll durch, „Faith“ das Tempo geht wieder hoch. „Into The Light“ ein erstes richtiges Highlight, „Jennie In Love“ hier gibt es skandi TOTO in Reinkultur. „High“ geht fast als Hit durch, „Girl Goodbye“ hier kommt die volle Dosis TOTO Drama zum Einsatz. „Don’t Offend Me“ geht gut ins Ohr, „Josephine“ besticht in seiner Machart ohne Zweifel zu hinterlassen.

Balle

DEVIN TOWNSEND – The Moth

01. Semi-Prologue
02. War Beyond Words
03. The Moth
04. Ode To My Eye
05. Enter The City
06. Covered By Causes
07. Lexin
08. Runaways
09. A Proxy Fod God
10. The Mothers
11. Orion
12. Stay There
13. Home At Night
14. Intermission
15. Lexin Returns
16. The Clergy
17. Prepare For War
18. The Big Snit
19. Silver Princess
20. A Life In Review
21. Metamorphosis
22. Stained Hearts
23. Let Go
24. We Don’t Deserve Dogs

Spielzeit: 70:14 min – Genre: Progressive Metal – Label: InsideOutMusic – VÖ: 29.05.2026 – Page: www.facebook.com/dvntownsend

 

Es gibt exzentrische Leute, und dann gibt es DEVIN TOWNSEND. Der ist nochmal eine Stufe drüber. Dementsprechend kann man sich schon auf was einstellen, wenn der gute Mann nun mit seinem selbst so benannten Lebenswerk rausrückt. „The Moth“ flattert Devin nun schon seit zehn Jahren im Kopf herum. Und als dann der Leiter des Nordniederländischen Orchesters und Chors auf ihn zukam und fragte, ob man mal was zusammen machen wollte, war die Sache klar. Nun hat „The Moth“ das Licht der Welt gefunden. Opulente 70 Minuten Spieldauer, 24 Tracks und neben Devin, seinen Bandmitgliedern und dem Orchester illustre Gäste wie (natürlich) Anneke van Giersbergen und Steve Vai. Zwei Orchestratoren hat man hinzugezogen und ein dickes Technik-Team – ja, „The Moth“ ist kein gewöhnliches DEVIN-TOWNSEND-Album.
Aber irgendwie auch schon. Zuerst einmal ist es gottlos fett produziert, wie nun einmal gewohnt. Selbstverständlich hat es die ganz großen Emotionen, ist auf der Schwelle zu überladen und arbeitet mit der ebenfalls von Devin bekannten Überwältigungsmethode. Klar, es gibt auch ordentlich ruhige Töne, aber gemeinhin ist mehr eben doch mehr.
Im Endeffekt ist „The Moth“ ein sehr ernstes Werk mit viel viel darin enthaltener Arbeit von jemandem, der „Ziltoid“ erschaffen hat und unter anderem Hollywood-Filmsoundtracks, Wagner, Brahms, Dvorak, Musicals und Trailermusik der Marke TWO STEPS FROM HELL auf seiner Chillout-Playlist hat.
Die Arrangements des Orchester sind hervorragend und reizen viele Möglichkeiten eines Orchesters auf eine Weise aus, die ich im Metal noch nicht gehört habe.
Kompositorisch darf man bei „The Moth“ kein eingängiges poppiges Album erwarten. Das Ding ist schwer, bombastisch ohne Ende und hat mit Ohrwürmern nichts am Hut. Dazu hat es einige Songs in normaler Länge, aber auch eine Vielzahl an Tracks, die irgendwo zwischen 50 Sekunden und 2,5 Minuten liegen. Und auch in denen schafft unser Lieblingskanadier noch einen Stimmungswechsel.
Damit ist „The Moth“ wahrlich nicht leicht verdaulich und kann sich trotz seiner kurzen Tracks durchaus auch ziehen – gerade weil man nach 50 Minuten bombastischer Fettheit auch ein wenig abstumpfen mag.

Fazit:
„The Moth“ ist ein Wahnsinns-Projekt, in dem eine brutale Menge Arbeit steckt. Alleine schon das echte Orchester in dieser musikalischen Finesse rechtfertigt, dem Album mal etwas Zeit zu geben, denn beeindruckend ist es allemal. Ich sehe es auch einen stabilen Teil der Fans von DEVIN TOWNSEND abnormal glücklich machen, aber für mich ist „The Moth“ wohl eher eins seiner Alben, die ich zwei- oder dreimal höre, dabei krass respektiere und dann wieder zu einem der Vorgänger wechsele.

Anspieltipps:
Der Reihe nach. Was für ’ne Frage.

Jannis

 

UNCHAINED HORIZON – The Guardian`s Call

Trackliste:

01. The Guardian`s Call Part I
02. Grim Reaper
03. Heroes
04. Atlantis
05. The Guardian
06. War
07. Hysteria
08. No More Tomorrow
09. Metal Unites
10. Serpent Queen
11. The Guardian`s Call Part II

Spielzeit: 55:51 min – Genre: Heavy Metal – Label: Eigenveröffentlichung – VÖ: 13.03.2026 – Page: www.unchained-horizon.com

 

Beim Stöbern durchs allmächtige Internet bin ich drauf gestoßen das die deutschen Metaller von UNCHAINED HORIZON bereits im März ihr neues Album „The Guardian`s Call“ in Eigenregie veröffentlicht haben.
Selbstredend das ich Kontakt zur Band aufgenommen haben, die personell übrigens unverändert ist, da ich das Vorgängeralbum „Fallen Kingdom“, welches 2022 beim leider verblichenen Label Pure Steel Records erschien, sehr ordentlich fand und nach den ersten Höreindrücken vom neuen Album mächtig angefixt war!
So erhielt ich natürlich die Promo und kann euch jetzt, etwas verspätet, meine Meinung zum neuen Album mitteilen kann.

Mit dem Opener „The Guardian`s Call Part I” wird das neue Album eröffnet. Ein stimmungsvolles, ruhiges Intro welches perfekt auf das Album einstimmt.
Der erste richtige Track „Grim Reaper“ ist aber alles andere als ruhig. Hier regiert direkt vom Start weg die Axt und es fliegen uns die Riffs nur so um die Ohren. Klassischer Heavy Metal mit etwas Power Metal gewürzt wird uns hier geboten und der gute Schwung des Vorgängeralbums wird direkt mitgenommen. Im Mittelteil wird der Fuß kurz vom Gas genommen was der Nummer gut tut und sie interessant macht. Sehr schön!
Im Anschluss schmeißen die Jungs die Hitmaschine an, denn mit dem bärenstarken und melodischen „Heroes“, das mit epischen Einflüssen aufgepeppte „Atlantis“, dem nach etwas Anlauf erdigen und melodischen Stampfer „The Guardian“ sowie das epische über 8-minütige „War“ hat man absolute Ohrbomben im Anschluss im Gepäck die sich metertief in die Gehörgänge graben und alle auch schön abwechslungsreich gehalten sind.
Eine Offenbarung für die Genre und Bandfans!
Nach so vielen recht langen Songs gibt es mit „Hysteria“ knapp 3 Minuten knackigen, eingängigen Heavy Metal der etwas Oldschool abbekommen hat.
Im letzten Drittel hat die Truppe ihr Pulver aber noch nicht verschossen, sondern präsentiert uns mit dem mit ein paar NWOBHM Einflüssen gewürzte „Metal Unites“ sowie dem epischen 6-minütigen „Serpent Queen“ zwei weitere Hits bevor dann mit dem Outro „The Guardian`s Call Part II“ das Album abgeschlossen wird.

Also für eine Selbstveröffentlichung ist das Ganze hier auf einem verdammt hohen Niveau. Songwriting top, die Hits sitzen, die Produktion ist satt und auch die Eingängigkeit sowie die Abwechslung kommt hier nicht zu kurz!
Schöner, frischer Heavy Metal der einfach nur Spaß macht und Band und Genrefans gleichermaßen bestens munden sollte.
Ich bin froh, dass ich die Scheibe mir nun auch noch ordentlich zu Gemüte führen und euch vorstellen konnte.
Für mich ist das neue Werk auch eine klare Weiterentwicklung zum letzten Diskus und von daher geht es auch in den Punkten ein Stückchen nach oben.
Klare Kaufempfehlung also für die angesprochene Zielgruppe!

Julian

 

NARNIA – X

Trackliste:

01. Like a Thief in the Night
02. Oceanwide
03. Heaven`s Calling
04. Walk on Water
05. God Under Fire
06. Remedy (SOS)
07. Jerusalem
08. Every Breath
09. The War that Tore the Land – Reprise
10. The Man from Nazareth Pt. 2

 

Spielzeit: 42:41 min – Genre: Melodic Metal – Label: Narnia Songs – VÖ: 29.05.2026 – Page: https://narniatheband.com/

 

Die Melodic Metaller von NARNIA rund um die beiden Masterminds Sänger Cristian Liljegren und Gitarrist CJ Grimmark muss man glaube ich auch niemanden mehr vorstellen! Die Band ist seit über 30 Jahren im Metalkosmos unterwegs, hat mit ihrem christlichen Melodic Metal viele Anhänger und hauen nun ihr zehntes Album mit dem passenden Titel „X“ raus.
Das letzte Album „Ghost Town“ von 2023 war ja mal endlich wieder eines der besseren der Bandhistorie, mal schauen, ob der neue Diskus den Staffelstab aufnehmen kann und auch qualitativ wieder dort anschließen kann.
Der klassische Melodic Metal mit ein paar Neoclassic und Prog Metaleinschüben werden wir bestimmt auch hier wieder finden.

Als Opener tönt uns „Like a Thief in the Night” entgegen der ohne eine große Einleitung direkt zur Sache kommt. Und sofort sind eigentlich alle Trademarks der Band da, Melodic, ein Schuss Neoclassic und auch ein paar Prog Elemente. So macht das den Fan Spaß und der Einstieg ist butterweich und richtig gut.
Der nächste Song hört dann auf den Namen „Ocenwide“ und ist eine ganze Ecke melodischer als der Vorgänger und bleibt auch wegen seines Ohrwurmchorus direkt im Ohr hängen, so muss das sein!
Und das trifft dann auch auf die folgenden „Heaven`s Calling“ sowie „Walk on Water“ eins zu eins zu. Beide sind ein bisschen epischer geraten, erst etwas im Midtempobereich und dann etwas erdiger. Beide aber mit dem bei den Bandfans geliebten christlichen Einschlag und Texten.
Voller Fanservice also hier.
Der Mittelteil wird dann klar von der flotten Doublebass Nummer „Remedy (SOS)“ dominiert. Hier tritt man ordentlich aufs Gaspedal und hat ein paar nette Cinematic Einschübe zu Beginn und tonnenweise Ohrwurmrefrains und Riffs parat.
Wieder epischer und christlicher geht es dann bei „Jerusalem“ zur Sache. Auch die Nummer ist mehr als ordentlich und bietet dem geneigten Bandfan, was er sich wünscht. Hier sind auch die Keys mal sehr präsent im Vordergrund, was eine nette Abwechslung darstellt.
Das flotte „Every Breath“ stellt dann das Bindeglied zu den beiden letzten Tracks „The War that Tore the Land – Reprise” und “The Man from Nazareth Pt. 2” dar wo man noch ein paar Flashbacks an die ersten Bandalben im Gepäck hat die an Songs davon anschließen oder sie weiterführen.
Wobei der erste Song „nur“ ein instrumentales Einleitungsstück zu sein scheint für den überlangen Abschlusssong.

Auf jeden Fall dürfte jeder Die Hard NARNIA Fan mit dem neuen Album absolut fein sein. Die Jungs liefern hier ganz klar Fanservice und bieten der dürstende Fangemeinde das, was sie wollen und lieben.
Im letzten Drittel geht den Jungs zwar etwas die Puste aus, sonst wäre die Benotung auf einem ähnlichen Niveau wie auch der Vorgänger, aber auch so hat man hier wieder einige Hits im Gepäck und von daher ist das Album auf jeden Fall eine Kaufempfehlung für die Band und Genrefans, die mit christlichen Texten kein Problem haben!

Julian

 

 

 

THE CRUEL INTENTIONS – All Hail Hypocrisy

Trackliste:

01. Beating In My Chest
02. Living Out Of Line
03. All Hail Hypocrisy
04. Triple Threat
05. Wasteland
06. When Eden Burns
07. Pseudo Genius
08. Bad Addiction
09. Porridge Head
10. Whatcha Gonna Do
11. Cashed Out

Spielzeit: 33:21 min. – Genre: Hardrock, Sleaze Metal – Label: Indie Recordings – VÖ: 29.05.2026 – Page: www.facebook.com/thecruelintentions

 

Dieser Mai ist schon ein verrückter Monat. Zumindest für alle Freunde und Fans des Sleaze Metal – und somit auch für mich. Denn binnen drei Wochen bringen gleich drei meiner vier skandinavischen Favouriten mit dem Anfangsbuchstaben „C“ ein neues Album raus. Den Anfang machten CRASHDIET am 08.05., nur eine Woche später ihre Kollegen von CONFESS und zu guter Letzt jetzt auch noch THE CRUEL INTENTIONS. Wow! Da bleibt nicht viel Zeit zum Verschnaufen und die Kreditkarte glüht. Die Erwartungshaltung in allen drei Fällen war hoch, Rezis zu den ersten beiden findet Ihr natürlich auch hier bei uns.

2015 von Lizzy DeVine nach dem Aus seiner Band VAINS OF JENNA ins Leben gerufen, bläst das norwegisch/schwedische Quartett mit „All Hail Hypocrisy“ ein drittes Mal zum Frontalangriff. In den ersten Jahren konnten die Jungs mit einigen Singles erste Duftmarken setzen von denen einige auf dem ersten Album „No Sign Of Relief“ (2018) Verwendung fanden. Vier Jahre später erschien mit „Venomous Anonymous“ der Nachfolger mit gänzlich neuem Material und weitere vier Jahre weiter folgt nun „All Hail Hypocrisy“. Trotz der viel besagten Einfachheit ihrer Musik wachsen die Werke im Laufe der Zeit noch weiter. So war es vor vier Jahren und so ist auch im aktuellen Fall. Anfangs natürlich angetan, entwickelten sich die elf neuen Stücke dennoch bei jedem neuen Durchlauf immer weiter in den Gehörgängen.

THE CRUEL INTENTIONS haben es geschafft, ihre Songs abwechslungsreicher und raffinierter zu gestalten ohne zu vergessen wo sie herkommen. Das ist nun mal der Punk Rock und der dreckige, schnoddrige Rock´n Roll von frühen GUNS´N ROSES zum Beispiel. Das alles formen sie zu einer modernen Form des Sleaze Metal ohne Plattitüden und ganz ohne Patos. Dabei nimmt das räudige Organ von Frontmann und Gitarrist Lizzy DeVine eine Schlüsselrolle ein. Aber das extravagante Gitarrenspiel von Kristian Solhaug würde man bei einer gewöhnlichen Sleaze-Kapelle nicht unbedingt erwarten. Drummer Robin Nilsson bearbeitet seine Felle mit einer Wucht, die er scheinbar mühelos aus seinem Körper zaubert und Bassist Mats Wernerson ist für die Erdung des Bandsounds zuständig. Vor allem Live können die Jungs die komplette Energie aus ihren Songs ziehen. Immer wieder aufs Neue ein Erlebnis.

Aber auch die Studioumsetzung gelingt der Band zunehmend authentisch. Und so atmen neue Songs wie der Brecher „Beating In My Chest“, „Triple Threat“ oder der nicht weniger grandiose Titeltrack nahezu die gleiche Luft wie es bei den Livedarbietungen in naher Zukunft der Fall sein dürfte. Aber damit nicht genug: mit „Wasteland“ hat der Vierer einen Acoustic-Song aufgenommen den viele wohl nicht so erwartet hatten und der im Gedächtnis bleibt. Überhaupt wird das Prädikat „Album“ hier groß geschrieben. Jeder Song hat hier seine Berechtigung, es gibt keine Füller, der Sound ist toll – wo soll da noch eine Steigerung kommen?

Es war zu erwarten: „All Hail Hypocrisy“ wird ein Fest! Das Album ist voll auf die Zwölf, dreckig, aggressiv und doch melodiös, hat jede Menge Attitüde und den unverwechselbaren Sound der CRUEL INTENTIONS. Da ist die Höchstnote (fast) gerechtfertigt – man weiß ja nie was noch kommt.

Stefan

JOSEPH THOLL – It Might Be Art

Trackliste:

01. New Dawn
02. Oh The Madness
03. I’m In A Darkness
04. Invocation Of The Evening Star
05. Walking
06. It Might Be Art
07. I Syrenens Tid
08. Rebirth
09. On Velvet Waves
10. The Burial

 

Spielzeit: 33:46 min – Genre: Melodic Rock – Label: High Roller Records – VÖ: 12.06.2026 – Page: www.facebook.com/joseph.tholl.5

 

JOSEPH THOLL mag der ein oder andere unserer trueren Leser schon aus seiner Zeit bei ENFORCER kennen, die sich mit zunehmender Fanbase dem rohen klassischen Heavy Metal verschrieben haben. Inzwischen macht Joseph aber sein eigenes Ding, und das mit „It Might Be Art“ nunmehr bereits zum zweiten Mal in Albumlänge.
Okay, knapp unter 35 Minuten ist jetzt nicht wirklich „Länge“, aber im besten Fall ein kurzweiliges Hörerlebnis, und zweifelsohne, das ist es. Ordentlich Arbeit steckt für Joseph auch in dem Ding, schließlich hat er Gesang, Gitarre, einen Großteil der Bassparts, zudem Synths und Pianos selbst eingespielt. Kann er sich schon mal für auf die Schulter klopfen, anders als für den Kompliment-fischenden Albumtitel (Ja, Joseph, das ist Kunst, und das weißt Du auch ganz gut selber!).
Hat er vor allem auch alles sehr tholl gemacht. Die Stimme ist ausdrucksstark und seine Instrumente beherrscht der Mann auch komplett.
Aber was hat JOSEPH THOLL denn da jetzt eigentlich gemacht? Nun, das Genre ist insgesamt das, was man als New Wave of Swedish Great Rock Music bezeichnen könnte. Die melodische, ihren Fokus auf Musikalität legende, eingängige Art, die man so insbesondere von GHOST kennt, in letzter Zeit aber auch von REACH gehört hat. Dem gibt Tholl noch einen individuellen Indie/Alternative-Anstrich – Ihr wisst, mit so leicht andistorteten Vocals und so, und alter Schwede, macht der Mann das gut.
Die Melodiearbeit auf „It Might Be Art“ ist hervorragend, nahezu jeder Song hat das ein oder andere Motiv, das sich schon nach dem ersten Hören ins Gehirn eingebrannt hat. Dann gibt es die vielen kleinen Details wie Pauken-Rolls, Shaker, Orgel, mehrstimmige Vocals oder schön ausgewählte Synthsounds, die das Entertainment-Level der Platte weiter erhöhen. Die Gitarrenmotive und -Riffs sind mit viel Herzblut in die Songs eingegossen worden. Und kompositorisch gibt man den Songs genug Individualität, um sie auf dem Album unverwechselbar zu machen, mit poppigen Tracks, ruhigen oder straighter-rockigen. Dass dabei einige Tracks selbst an der Drei-Minuten-Hürde scheitern, ist gar kein Drama. Die 2,5 Minuten reichen, um die geile Songidee auszuerzählen, die in ihnen steckt, und ja, „It Might Be Art“ hat dank dieser Herangehensweise wirklich gar keine Längen. Und genau genommen auch nichts Kritikwürdiges.

Fazit:
„It Might Be Art“ ist ein Album für Leute, die Musik mögen. Und für Leute, die nochmal Bock darauf haben, ein Album zu hören, dessen zweiter Hördurchlauf als Non-Stop-Aneinanderreihungen von „Aaaah, richtig, das war auch geil!“ ausfällt. Mein erstes Festival des Sommers ist keinen Monat mehr entfernt und JOSEPH THOLL hat gerade rechtzeitig noch einen großen Beitrag für die Campingplatzplaylist geleistet!

Anspieltipps:
„I’m In A Darkness“, „New Dawn“, „I Syrenens Tid“ und „The Burial“

Jannis