CORNERSTONE – Reflections

Band: Cornerstone
Album: Reflections
Spielzeit: 37:22 Min
Stilrichtung: AOR / Melodic Rock
Plattenfirma: ATOM Records
Veröffentlichung: 09.09.2016
Homepage: www.cornerstone.co.at

Zu meiner Schande muss ich gestehen dass mir, die von den Brüdern Michael und Steve Wachelhofer gegründete Band CORNERSTONE, bislang völlig unbekannt war. Das mir jetzt vorliegende Album "Reflections" erschien bereits im September letzten Jahres und ist bereits die dritte Veröffentlichung der aus unserem Nachbarland Österreich stammenden Combo.

Wie ich bei meinen Recherchen im Internet erfahren habe, haben CORNERSTONE schon einige Besetzungswechsel hinter sich, sodass man mit Frontfrau Alina Peters bereits die dritte Sängerin am Start hat. Da ich keine Vergleichsmöglichkeiten habe, kann ich nicht sagen, wie CORNERSTONE vorher klangen, aber zu dem Sound, den die Band auf "Reflections" spielt, passt die Stimme von Frau Peters ganz hervorragend. Das Songmaterial pendelt ganz klar zwischen 80er Klängen von Toto, Chicago, Survivor oder Richard Marx und hätte einen coolen Soundtrack für eine TV Serie wie Miami Vice abgegeben. Damit dürfte für alle Kenner der AOR und Melodic Rock Szene klar sein, dass Sie hier angesprochen sind.

Mit dem entspannt relaxt rockenden Opener "Nothing To Lose", der einen wunderbar Catchy Refrain hat, setzten CORNERSTONE sofort eine Duftmarke die der eben genannten Zielgruppe gefallen dürfte. Ganz Klar, dass solche Songs damals von amerikanischen Radiostationen rauf und runter gespielt worden wären. Das Keyboard Intro von "Heart On Fire" erinnert ein wenig an den Bon Jovi Klassiker "Runaway", aber das ist spätestens bei dem mit Hit Potenzial ausgestattetem Refrain völlig nebensächlich.

Dank des Saxophons kommt "Last Night" herrlich Westcoast lastig daher und hätte auf einem Chicago Album eine Figur gemacht. Weitere Titel dieses Kalibers sind das flotte "Believe In Me", der Schmachtfetzen "Whatever" was keinesfalls Negativ gemeint ist oder das mit einem Funky Bass Groove ums Eck kommende "True Confessions", welches einfach gute Laune verbreitet.

CORNERSTONE haben mit "Reflections" einen Silberling abgeliefert der den AOR und Westcoast Sound der goldenen 80er Jahre ins Hier und Jetzt transportiert und sind mit der nötigen Stabilität im Line Up auf einem guten Weg sich in der Szene als feste Größe zu etablieren.
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WERTUNG:

 

 

Tracklist

01. Nothing To Lose
02. Last Night
03. Heart On Fire
04. Whatever
05. True Confessions
06. Northern Light
07. Brother
08. Sooner Or Later
09. Believe In Me
10. Once

Heiko Füchsel

STORMBURST – Raised On Rock

Band: Stormburst
Album: Raised On Rock
Spielzeit: 46:22 min
Stilrichtung: Melodic Rock
Plattenfirma: AOR Heaven
Veröffentlichung: 26.05.2017
Homepage: www.stormburst.se


Seit Juli 2014 existiert die Melodic Hard Rock Band STORMBURST und veröffentlicht nun ihr Debutalbum “Raised On Rock”. Lars-Åke ”Plåtis” Nilsson (Gesang, KEEN HUE), Thomas Hansson (Gitarre, STEAM, COASTLINE), Kent Jansson (Bass, SIX FEET UNDER, KEEN HUE, STEAM), Peter „Zeke“ Ytterberg (Schlagzeug, KEEN HUE, MOONSHINE HIGHWAY) und Peter Östling (Keyboard, SIX FEET UNDER) wollten einfach nur Spaß haben, hochqualitative Musik spielen ohne Songs covern zu müssen und einfach die Liebe zur Musik zelebrieren. 
Die Songs des Albums wurden meist in Lars-Åkes Heimstudio aufgenommen, gemixt und gemastert wurden sie dann im Studio Bakery von Jonas Tornemalm im Januar und Februar 2017. 

Sowohl „Show Me The Way“, also auch „Say You Will“ sind von der Stimmung her simpel, locker und melodisch eingängig. „Under The Gun“ ist ein härterer Klassik Rocker und auch „Show Me A Sign“ haut im Vergleich zu den ersten beiden Songs etwas mehr auf die Pauken. Die Ballade „Touched By Love“ schreit förmlich nach SCORPIONS bevor es im Up-Tempo weitergeht mit „Give Me“. Der Titelsong „Raised On Rock“ geht einem direkt ins Ohr und lässt die gute Sommerlaune einkehren. „All I Want Is You“ schmachtet daher, obwohl es nicht einmal eine Ballade ist. 

Insgesamt wissen die fünf Schweden wie man eingängige Melodic Rock Songs schreibt. Einige, wie „Show Me The Way“, „Raised On Rock“ oder auch “Say You Will” bleiben wirklich in den Gehörgängen kleben und machen wirklich viel Spaß beim Anhören. Das Album ist ein Loblied an die Helden der Bandmitglieder, sprich JOURNEY, SCORPIONS, EUROPE, WHISTESNAKE, BAD COMPANY, DEEP PURPLE (siehe Keyboards in „Under The Gun“). Ein starkes Debutalbum, das einen zwar nicht immer vollends mitreißt, aber man sich als Melodic Rock und AOR Liebhaber mal angehört haben sollte. 


WERTUNG: 

 

 

Trackliste: 

01. Show Me The Way
02. Say You Will
03. Under The Gun
04. Show Me A Sign
05. Touched By Love
06. Give Me
07. Raised On Rock
08. Chains Of Darkness
09. Never Too Late
10. Lay Your Love On Me
11. All I Want Is You
12. Lost And Blue
13. Restless Hearts
14. I’m Going Down

Lotta

 

707 – 707 / The Second Album / Mega Force (Re-Releases)

Band: 707
Album: 707 / The Second Album / Mega Force (Re-Releases)
Spielzeit: /
Stilrichtung: Melodic Rock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: /
Homepage: www.rockcandyrecords.com

Mit der Band “707” aus Michigan (USA) hat das Rock Candy Records Label mal wieder eine interessante, weitestgehend vergessene Perle des typisch amerikanischen AOR ausgegraben, die es wert ist (wieder) entdeckt zu werden. Gegründet im Jahre 1977 von Phil Bryant (Bass, Gesang), Jim McClarty (Drums), Duke McFadden (Keyboards, Gesang) und Kevin Russell (Gitarren, Gesang) legten die Jungs von Anfang an starken Wert auf den unter 3 Musikern aufgeteilten Gesang sowie einer gekonnten Balance aus einer eher flockiger AOR-Basis und vereinzelten rockigeren Tönen. Wie immer bei Rock Candy Records sind die nun vorliegenden Neuauflagen vorbildlich remastert und mit informativen Linernotes ausgestattet.

„707“ (1980)

Das Debüt der Truppe, erschienen auf dem damals ziemlich angesagten Casablanca Label (die u.a. Kiss unter Vertrag hatten), steht und fällt mit dem Opener "I Could Be Good for You" aus der Feder von Keyboarder McFadden und Schlagzeuger McClarty. Der Song entwickelte sich, ohne dass Band oder das Label davon Wind bekamen, zu einem veritablen Radio-Hit. Nicht zu Unrecht, denn der Song ragte meterhoch über den restlichen Tracks der Scheibe heraus. Ein absoluter Homerun, dessen Momentum weder Band noch Management so richtig zu fassen wussten und somit die Chance auf einen großen Durchbruch verpassten. Das Problem ist natürlich auch, dass die Scheibe mit besagtem Song bärenstark anfängt, das damit gegebene Versprechen aber dann im Fortlauf kein einziges mal einhalten kann. Das restliche Material kann da einfach nicht mithalten, was noch dadurch erschwert wird, dass gleich 3 verschiedenen Sänger ein kohärentes Soundbild verhindern. Songs wie das launige „You Who Needs To Know“ oder „Let Me Live My Live“ vermögen allerdings durchaus auch heute noch Laune zu machen.

„ The Second Album“ (1981)

Nach den ernüchternden Erfahrungen mit dem (trotz Hits) untergegangenen Debüt, wurde der Band mit Jai Winding (u.a. Le Roux) ein neuer Produzent an die Seite gestellt. Mit dem kamen die Jungs aber nicht wirklich klar, so dass die Arbeit an dem Nachfolger unter keinem allzu guten Stern standen. Im Endergebnis leidet „The Second Album“ unter dem Abgang von Keyboarder und Songschreiber Duke McFadden, einer gewachsenen Erwachtungshaltung von Seiten der Labelbosse, Unschlüssigkeit bei den Musikern wo die Reise denn hingehen sollte sowie einer Produktion die sich nicht entscheiden kann ob man den (hard)rockigen Tendenzen in der Band mehr Freiraum lassen oder aber den gepflegten AOR Sound der frühen Tage weiterverfolgen soll. So tönen Sogs wie „Millionaire“ oder „Strings Around My Heart“ wie mit angezogener Handbremse, bis dann in „Live With The Girl“ endlich der Knoten ein wenig platzt, die Band Ihre Trademarks unterbringen kann und ein paar Treffer landet. Alles in allem ist „The Second Album“ aber nur okayer Durchschnitt ohne wirkliche Highlights oder zwingenden Hits.

„ Mega Force“ (1982)

Nach 2 Alben für das Casablanca Label wechselten 707 zu Boardwalk Records und wurden dort prompt vor die Wahl gestellt entweder einen festen Frontmann/Sänger zu engagieren oder aber die Karriereambitionen zu begraben. Der Band blieb nichts anderes übrig als den zwar durchaus talentierten aber auch nicht zur Gänze als Bandmitglied akzeptierten Kevin Chalfant in Ihre Reihen aufzunehmen. In dieser Konstellation wurde mit „Mega Force“ das härteste und, im Rückblick, stärkste Album der Band eingespielt. Die Parallelen zu Journey sind dank Chalfant nicht von der Hand zu weisen, auch wenn 707 weniger R&B Elemente verarbeiteten. Ähnlich wie beim Erstling wird die Platte vom größten (und einzigen Hit) der Scheibe eröffnet (der Titeltrack war für den gleichnamigen Film aus dem gleichen Jahr verfasst worden). Neben diesem Kracher sind mit „Get To You“ und „Can't Hold Back“ noch weitere Songs enthalten, die das Album auch heute noch zu einer hörenswerten Angelegenheit machen. Aber, wie so oft, aus dem großen Erfolg wurde dann doch nichts und die Band löste sich nach einigen Touren im Vorprogramm von Schwergewichten wie Scorpions, Rainbow oder REO Speedwagon entmutigt auf.

Muss man die Diskographie von 707 im Schrank stehen haben? Nein, wohl eher nicht. Essentiell ist keine der Scheiben, Spaß machen aber vor allem das gute 3. Album der Band sowie des schön naive Debüt. Fans von nicht allzu herb zupackendem AOR/Rock sollten aber auf jeden Fall mal ein Ohr riskieren. Wer auf diese Musik steht ist mit den neuen, wertigen Auflagen aus dem Haus Rock Candy Records natürlich wie gewohnt bestens bedient.

WERTUNG:

„707“ 

 


„ The Second Album“

 


„ Mega Force“

 


Trackliste:

„707“

01. I Could Be Good For You
02. Let Me Live My Live
03. One Way Highway
04. Save Me
05. You Who Needs To Know
06. Slow Down
07. Feel This Way
08. Waste Of Time
09. Whole Lot Better

„ The Second Album“

01. Tonite's Your Nite
02. Millionaire
03. Live With The Girl
04. Strings Around My Heart
05. Pressure Rise
06. Rockin' Is Easy
07. City Life
08. Live Without Her
09. Love On The Run
10. The Party's Over

„ Mega Force“

01. Mega Force
02. Can't Hold Back
03. Get To You
04. Out Of The Dark
05. Hell Or High Water
06. We Will Last
07. Hello Girl
08. Write Again
09. No Better Feeling
10. Heartbeat
11. Eagle One (Bonus Track)
12. Mega Stomp (Bonus Track)
13. Mega Force (Alt Version)
14. Eagle One (Instrumental)
15. The Float (Bonus Track)
16. Mega Force (Live)

Mario

 

THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA – Amber Galactic

Band: The Night Flight Orchestra
Album: Amber Galactic
Spielzeit: 50:35 min
Stilrichtung: AOR / Melodic Rock
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 19.05.2017
Homepage: www.de-de.facebook.com/thenightflightorchestraofficial

“Internal Affairs” (2012) und „Skyline Whispers“ (2015) waren wunderbare Perlen in der Diskographie der ansonsten eher im Hartwurstsektor beschäftigten Björn "Speed" Strid (Soilwork), David Andersson (ebenfalls Soilwork) oder Sharlee D'Angelo (Arch Enemy). Ohne Zwänge oder Konzessionen lebten vor allem Sänger Strid sowie sein Bruder im Geiste, Gitarrist Andersson, Ihre Faible für den klassischen Rock und Disco/Pop der späten 70er/frühen 80er Jahre ungehindert aus. Dass dabei äußerst unterhaltsame Alben entstanden, ist nicht lange ein Geheimtipp geblieben, vor allem weil sich hier zur Abwechslung mal die Kritik und das Publikum einig waren und die Platten allerorts abfeierten. Wie es scheint waren die beiden Platten aber nur Fingerübungen für den neuesten Streich der Jungs, was bereits nach den ersten Tracks von „Amber Galactic“ deutlich wird. Die puren Classic Rock Reminiszenzen sind weitestgehend aus dem Sound des NIGHT FLIGHT ORCHESTRA verschwunden (was bei der Schwämme an Retro Bands die irgendwie alle gleich klingen kein großer Verlust ist). Dafür wurde der Fokus mit Präzision auf eingängige, tanzbare und mit hohem Suchtpotential versehene Hooklines gelegt. Die Hitdichte auf „Amber Galactic” ist eine Wucht und auch wenn die ein oder andere Strophe etwas beliebig erscheinen mag, so kann man sich doch sicher sein, dass der Refrain das Ganze wieder hell erstrahlen lässt.

Die Anspieltipps sind hier recht schnell abgefrühstückt, denn eigentlich ist so gut wie jeder Song ein Volltreffer. Besonders erwähnen sollte man aber auf jeden Fall das locker entspannte Melodie-Feuerwerk „Jennie“, den flotten Westcoast Kracher „Josephine“, die höllisch groovenden „Domino“ und „Gemini“ sowie den von einem himmlischen Refrain veredelten Rocker „Space Whisperer“. So sehr sich die einzelnen Tracks auch voneinander unterscheiden, als Ganzes funktionieren sie hervorragend und machen „Amber Galactic“, auf dem mit "Sad State of Affairs" wirklich nur ein schwächerer Track vertreten ist, zu einem absoluten Sahnestück im Melodic Rock Sektor.

Sonnenbrille auf, Cabrio aus der Garage (Fenster runter tut’s auch) und an der (imaginären) Küste dem Sonnenuntergang und der nächsten ausgelassenen 80er Party entgegen fahren – die perfekte Filmmusik zu diesem Tagtraum könnt ihr Euch mit „Amber Galactic“ in die Anlage schieben. Was die Jungs um Soilwork Brüllwürfel Björn "Speed" Strid auf ihren beiden ersten beiden (ebenfalls formidablen) Alben schon angedeutet haben, erblüht nun zu voller Reife. Hier wird nicht alter Kaffee lauwarm neu aufgewärmt, sondern die Qualität der Kompositionen lässt so manches Vorbild im direkten Vergleich ganz schön blass dastehen. Die Songs sind tatsächlich SO gut. Wer auch nur ansatzweise etwas mit AOR, Melodic Rock oder Westcoast Musik anfangen kann, sollte hier unbedingt zugreifen. Ihr werdet es nicht bereuen. Für mich schon jetzt DAS Highlight des Jahres 2017.

WERTUNG

 


Trackliste:

01. Midnight Flyer
02. Star Of Rio
03. Gemini
04. Sad State Of Affairs
05. Jennie
06. Domino
07. Josephine
08. Space Whisperer
09. Something Mysterious
10. Saturn In Velvet

Mario

 

HAREM SCAREM – United

Band: Harem Scarem
Album: United
Spielzeit: 45:12 Min
Stilrichtung: AOR / Melodic Rock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 12.05.2017
Homepage: www.haremscarem.net

Die Melodic Rock Gemeinde wird dieser Tage erfreut aufatmen, denn nach 3 Jahren erscheint mit "United" ein neues Lebenszeichen der kanadischen Hardrock Legende HAREM SCAREM und wie man es von Ihnen gewohnt ist, liefern die Jungs um Sänger Harry Hess einen erstklassigen, vor grandiosen Hooklines, strotzenden Longplayer ab.
Der Titel des Albums ist Programm, denn das 11 Tracks starke Werk, zeigt erneut eine Bockstarke Leistung des gesamten Teams und präsentiert uns Melodic Rock der Extraklasse der aber auch moderne Elemente beinhaltet.
Stücke wie der als Opener fungierende Titelsong oder die erste Video bzw Singleauskoppelung "Sinking Ship" verfügen trotz aller Melodiösität über genügend harter Riffs, für die Gitarrist Pete Lesperance über die gesammte Spielzeit immer wieder sorgt. Natürlich gibt es, wie es sich für eine anspruchsvolle Melodic Rock Veröffentlichung gehört, auch zwei wunderschöne Balladen. "One Of Life´s Mysteries" erinnert von seinem opulentem Aufbau dezent an Queen und erzeugt mehr als einmal eine Gänsehaut. Das ist ganz großes Kino! Der zweite Kuschelrocker hört auf den Namen "Bite The Bullet" und überzeugt durch die dichte Atmosphäre die er ausstrahlt.
Weitere Highlights sind das supereingängige "Here Today Gone Tomorrow", das mit einer grandiosen Melodie ausgestatte und locker aus der Hüfte groovende "Things I Know" oder der mit einer Journey Schlagseite aufwartende AOR Smasher "Heaven And Earth".
Es ist schier unglaublich mit welcher Selbstverständlichkeit HAREM SCAREM es verstehen, seit Ihrem 1991 erschienenen Debütalbums, gigantische Melodien und Songs förmlich aus dem Ärmel zu schütteln. Nach mehrmaligem Hören des hier vorliegenden neuen Silberlings kann ich nur hoffen, dass die Truppe noch viele, viele Jahre so weitermacht.


WERTUNG:

 

 

Tracklist

01. United
02. Here Today Gone Tomorrow
03. Gravity
04. Sinking Ship
05. One Of Life´s Mysteries
06. No Regrets
07. Bite The Bullet
08. Things I Know
09. The Sky Is Falling
10. Heaven And Earth
11. Indestructible

Heiko Füchsel

TREAT – The Road More Or Less Traveled

Band: Treat
Album: The Road More Or Less Traveled
Spielzeit: 71:15 min
Stilrichtung: Melodic Rock, AOR
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 21.04.2017
Homepage: www.facebook.com/treatofficial/


Wer vom Frontiers Rock Festival in Mailand noch nichts gehört hat, dem sei es hier gleich zu Anfang wärmstens ans Herz gelegt. Das Festival des gleichnamigen Labels fand dieses Jahr zum vierten Mal statt und steht bis jetzt auf meiner persönlichen Liste der spaßigsten Veranstaltungen 2017 ganz klar auf Platz 1. Umso mehr freut es mich über ein Album schreiben zu dürfen, welches beim letztjährigen Frontiers Festival aufgenommen wurde: TREAT mit ihrem am 21.04.2017 erschienenen Live-Album „The Road More Or Less Traveled“. Ein besonderes Schmankerl für H.E.A.T-Fans ist natürlich, dass sich Jona Tee u.a. bei dieser Show die Ehre am Keyboard gibt.

Kurz vor der Aufnahme des Konzerts am 23.04.2016 erschien Treat’s jüngstes Album „Ghost Of Graceland“, mit dessen Titelsong sie auch gleich eröffnen und im Laufe der Show noch drei weitere Songs spielen („Better The Devil..“, „Do Your Own Stunts“, „Endangered“). Ganze vier Songs des Vorgängeralbums „Coup De Grace“ haben es ins Live-Set geschafft: „Papertiger“, „Roar“, „Skies Of Mongolia“ und „We Own The Night“. Ansonsten bleiben die Schweden beim Altbewährten, ein sehr ausbalanciertes Set aus alt und neu also. Mit „World Of Promises“, „Get You On The Run“ und „Ready For The Taking“ sind auch ihre absoluten Klassiker dabei. 
Soundmäßig lässt die Aufnahme keine Wünsche offen, das Publikum ist kaum zu hören, der Sound ist warm und lebhaft. Sänger Robert Ernlund hat über die Jahre nichts an Stimmqualität eingebüßt und die Backing Vocals und der Sound der Instrumente bilden einen genauso angenehmen, präsenten und gleichzeitig leichten Geräuschteppich wie auf den Albumaufnahmen, deshalb vergisst man auch regelmäßig, dass es sich hier um Live-Aufnahmen handelt. 

Wie schon gesagt, bietet das Live-Album eine gleichmäßige Mischung aus TREATs alten und neuen Liedern. Persönlich hätte ich mir noch die ein oder andere ältere Perle wie „Party All Over“ gewünscht, aber man kann schließlich nicht alles haben. Überhaupt sind TREAT eine Band, deren neue Alben sich durchaus sehen lassen können und deswegen sollte man sich dieses Album auf jeden Fall anhören. Es gibt auch noch eine DVD dazu, bei der die Live-Stimmung noch besser rüberkommt!

WERTUNG: 

 

 

Trackliste:

01. Ghost Of Graceland        
02. Better The Devil
03. Nonstop Madness
04. Ready For The Taking
05. Papertiger
06. Do Your Own Stunts
07. Endangered
08. Gimme One More Night
09. We Own The Night
10. Roar
11. Get You On The Run
12. Conspiracy
13. Skies Of Mongolia
14. World Of Promises

Lotta
 

LIONCAGE – The Second Strike

Band: Lioncage
Album: The Second Strike
Spielzeit: 44:30 min.
Stilrichtung: AOR
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 24.03.2017
Homepage: www.lioncage.de  

Normalerweise stammen derartige AOR/Westcoastprojekte aus dem hohen Norden. Die Skandinavier sind Meister darin, bei ein paar Bier in der Sauna (oder wo auch immer) immer neue Bands oder lockere Kollaborationen aus dem Boden zu stampfen. Dass das aber auch in Deutschland möglich ist, zeigen LIONCAGE. Neben den drei „Löwen“ Thorsten Bertermann (Gesang), Torsten Landsberger (Schlagzeug) und Lars König (Gitarre) wirken noch eine große Anzahl von Freunden mit. Große Namen sucht man hier zwar vergebens, aber Namedropping ist oft auch eher eine Last. Einzig Tim Pierce, der schon mit dem Boss Bruce Springsteen, Joe Cocker oder dem King Of Pop Michael Jackson zusammengearbeitet hat), ist vielleicht dem ein oder anderen ein Begriff. 

Wie der Name „The Second Strike“ schon verrät, handelt es sich hier bereits um das zweite Werk des 2013 gegründeten Trios. Dabei steht lockerer AOR mit massig Westcoast-Anleihen auf dem Programm. Auch das ist wohl eher selten in deutschen Landen und auch eher von einer Schwedencombo zu erwarten. Und doch zählen LIONCAGE Standards wie TOTO, FOREIGNER, JOURNEY oder auch CHICAGO, YES oder GENESIS zu ihren Einflüssen. Das hört man dann auch vom ersten Ton an. „The Second Strike“ atmet den herrlich altmodischen Sound der Achtziger, ohne altbacken zu wirken. Und doch bleibt schon nach relativ kurzer Zeit ein ziemlich fader Beigeschmack hängen. Was ist passiert?

Hat der Öffner „Mysterious Angel“ noch eine angenehme Frische zu bieten, fällt der Spannungsbogen mit größerer Laufzeit immer mehr in sich zusammen. Schlecht sind die Songs allesamt nicht (vielleicht bis auf Langweiler wie „Save The Day“ oder „Colors“), große Begeisterungsstürme entlockt der Großteil des Materials aber höchstens richtig eingefleischten Westcoast-Maniacs. Zu viele gleichklingende Combos gibt es schon – speziell wie eingangs erwähnt – aus Skandinavien. Handwerklich stehen LIONCAGE in keinster Weise in deren Schatten, für einprägende Songs muss das Trio aber noch weiter in sich gehen. Ein Anfang ist gemacht, er ist solide und manchmal durchaus stark, aber das wird wohl nicht reichen, sich gegen die große Konkurrenz durchzusetzen. Noch nicht…

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1.    Mysterious Angel
2.    Lights
3.    Sunrise
4.    The Other Side Of The Moon
5.    When Dragons Fall
6.    Journeyman
7.    Let It In
8.    Secrets
9.    The Inner Circle
10.    Colors
11.    Save The Day

Stefan

BAI BANG – Rock of Life

Band: Bai Bang
Album: Rock Of Life
Spielzeit: 39:03 min
Stilrichtung: AOR / Melodic Rock
Plattenfirma: AOR Heaven
Veröffentlichung: 28.04.2017
Homepage: www.baibang.se

Nichts Neues aus dem Hause BAI BANG lautet die Devise, mit dem die schwedische Band um Frontmann Diddi Kastenholt, auch auf Ihrem inzwischen achten Langdreher namens "Rock Of Life" musikalisch zu Werke geht. Diese Aussage ist in keinster Weise Negativ gemeint, denn das Songmaterial weiß wirklich zu gefallen und die Fans wissen genau was Sie erwartet. Das bedeutet es gibt auch weiterhin Partytauglichen Melodic Hardrock mit teilweise deutlichem AOR Einschlag.

Der Opener "Crazy Night" bestätigt das gleich eindrucksvoll. In dieselbe Kerbe schlagen das folgende "Hey Hey You" und das mit extremen Hitpotential ausgestattete "Heart And Soul", welches meine Lauscher Tagelang aufs Heftigste mit dem Ohrwurm Virus infiziert hat. Typisch schwedischer AOR mit großartigen Melodien, den die im Ikea und Knäckebrot Ländle ansässigen Musiker anscheinend alle mit der Muttermilch aufgesogen haben. Anders lassen sich die fantastischen Veröffentlichungen der letzten Jahrzehnte eigentlich nicht erklären.

Mit weiteren Songs dieses Kalibers wie dem mit Def Leppard Touch versehenen Melodic Rock Stampfer "Stop Messin` Around", der Acoustic Ballade "Only The Best Die Young" die als Vollstrom Version bereits auf dem 2009 veröffentlichten Longplayer "Are You Ready zuhören war, das eingängige "Smoking Hot", welches gut auf eins der letzten Alben der ebenfalls aus Schweden stammenden H.e.a.t gepasst hätte, können BAI BANG das Level locker hoch halten.

Die das Album abschließenden drei Tracks namens "Runaway" welches mit dreckig harten Riffs eröffnet wird und einen leichten Warrant bzw Guns `n´ Roses Touch besitzt, der Gute Laune Track "Gimme All Your Love" und das wirklich genial umgesetzte Electric Light Orchestra Cover "Telephone Line" runden diesen Silberling perfekt ab. Die Fans von BAI BANG sowie alle Freunde des gepflegten Melodic Rocks kommen hier voll auf Ihre Kosten und sollten sich daher den Longplayer Defintiv ins Regal stellen.

WERTUNG:

 

 

Tracklist

01. Crazy Night
02. Hey Hey You
03. Heart And Soul
04. Rock Of Life
05. Stop Messin` Around
06. Only The Best Die Young
07. Smoking Hot
08. Gonna Rock You
09. Runaway
10. Gimme All Your Love
11. Telephone Line (E.L.O Cover)

Heiko Füchsel

OSUKARU – The Labyrinth

Band: Osukaru
Album: The Labyrinth
Spielzeit: 37:00 min
Stilrichtung: Melodic Rock/AOR
Plattenfirma: City Of Lights Records
Veröffentlichung: 24.03.17
Homepage: www.facebook.com/osukarumusic

Ende März brachten die Schweden von OSUKARU ihr neues Album „The Labyrinth“ heraus, welches ihr viertes Studioalbum und erstes Konzeptalbum ist. Gemixt wurde es von Viktor Stenquist (Beseech, Amorphis) und Attila Bokor (Morph, BOA, Osukaru). Oz Osukaru (Gitarre, Keyboard), Fredrik Werner (Gesang, Gitarre), Lisa Eugenia (Keyboard, Gesang), Olof Gadd (Bass) und Vidar Mårtensson (Schlagzeug) schreiben hiermit eine Liebeserklärung an klassische Fantasyfilme von früher, in diesem Fall insbesondere an den namengebenden Film „Labyrinth“ (Dt.: Die Reise ins Labyrinth) von 1986.

"The idea was to write songs that when played in the order they appear on the album, they would tell the overall story of the spectacular and magical movie 'Labyrinth', but with each song still being able to stand on its own" Oz says. 
"But as a twist, our version of the story is more from the antagonists point of view, as I would imagine the book read by the protagonist in the first scene of the movie is as well. So by going from that angle, we found a lot of interesting stories and themes to build our songs on."

Für diejenigen, die den Film nicht kennen: Die 15-jährige Sarah Williams (gespielt von Jennifer Connelly) begibt sich in ein Labyrinth, welches sie lösen muss um ihren kleinen Bruder wiederzufinden, welcher auf ihren Wunsch vom Goblin König (gespielt von David Bowie) verschleppt wurde. 
Gleich beim Intro wird man u.a. mit den Keyboards darauf vorbereitet, dass es hier sehr 80er-lastig wird. Das führt sich auch im ersten Song „The Stories We Tell“ fort, „Voices In The Dark“ glänzt mit seinem rythmischen, harten Riff und ist der erste Song des Albums bei dem Lisa und Fredrik beide singen (das kommt noch häufiger vor). „Edge Of Night“ überzeugt mit seiner coolen Bassline und seinem mitreißenden Groove während „It’s Only Forever“ wieder super 80ies ist und „Voodoo“ eher im oldschool Hard Rock Modus daherkommt. „Undying Rose“ ist die zweite Ballade des Albums, gefolgt vom raueren „The Offering“. Das Schlusslicht bildet der AOR-wie-aus-dem-Lehrbuch-Song „Moonlight Silhouette“.

FAZIT: Mit ihrem neuen Konzeptalbum liefern OSUKARU ein sehr schönes AOR Album ab, auch wenn es mir ab und zu etwas zu Gesangs/Geschichten-lastig ist (aber das soll wohl bei einem Konzeptalbum so sein). Vom Stil her würde ich es als eine moderne und härtere MEAT LOAF Version einordnen. Meine persönlichen Favoriten hier sind „Voices In The Dark“ und „Edge Of Night“.  

WERTUNG: 

 

 

Trackliste:

01. Maze Of Mind 
02. The Stories We Tell
03. Voices In The Dark
04. Edge Of Night
05. It’s Only Forever
06. Voodoo
07. Poisonous
08. Undying Rose
09. The Offering
10. Moonlight Silhouette

Lotta

HOUSE OF LORDS – Saint Of The Lost Souls

Band: House Of Lords
Album: Saint Of The Lost Souls
Spielzeit: 49:26 min
Stilrichtung: AOR / Melodic Rock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 24.03.2017
Homepage: www.facebook.com/houseoflordsofficial

Die HOUSE OF LORDS Maschine läuft seit der Reunion und dem Andocken bei Frontiers Records im Jahre 2004 wie geölt und veröffentlicht in regelmäßigen Abständen gute bis sehr gute Alben. Durch das verstärkte Implementieren von härteren Riffs auf den letzten Scheiben haben James Christian und seine Mannen zwar ein wenig an Kredit bei Ihren treuen Fans verspielt und tatsächlich minimal gestrauchelt. Durch eine Rückbesinnung auf alte Tugenden hoffen HOUSE OF LORDS aber nun wieder verloren gegangenen Boden wieder gut zu machen.

Los geht’s mit einem mystischen Intro, das unerwartet gut funktioniert (sowas geht ja ganz gerne in die Hose) und elegant in den ersten richtigen Track „Harlequin“ übergeht. Und da sind sie auch schon, die Elemente, ohne die ein HOUSE OF LORDS Album nun mal kein echtes HOUSE OF LORDS Album ist: Christian’s einmalige, unverwechselbare Stimme, große Melodien und eine fette Produktion. Die Qualität der Produktionen schwankte allerdings bei den letzten Veröffentlichungen, die leider etwas sehr nach Reißbrett klangen. Auf „Saint Of The Lost Souls” trifft vor allem das viel zu knallig/klinisch gemischte Drumset auf wenig Gegenliebe bei mir. Besonders schade ist dies da die Rhythmusgitarren von Jimi Bell (der einige hervorragende Soli abliefert) hierdurch arg in den Hintergrund geschoben werden. Die ersten beiden Tracks sind allerdings auch nicht der ideale Einstieg, da hat die Scheibe mit dem extrem auf 80er geföhnten „Hit the Wall“ oder dem flotten Titeltrack durchaus bessere Songs zu bieten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten entpuppt sich dann ausgerechnet der harte, ungewohnt progigge (!) Track „Grains of Sand“ als heimliches Highlight und liefert den Beweis, dass Christian auch aus einem sperrigen Song ein Juwel zaubern kann.

HOUSE OF LORDS sind nun mal eine Bank, ein richtig schlechtes Album hat die Band um Sänger James Christian bisher noch nicht abgeliefert und da macht „Saint Of The Lost Souls“ auch keine Ausnahme. Durch diese Vorhersehbarkeit, ja Gleichförmigkeit der Veröffentlichungen, passt die Band natürlich wie kaum eine andere in das Frontiers Portfolio. „Saint Of The Lost Souls“ ist zwar kein „Demons Down“ oder „Come to My Kingdom“ – wer auf die bisherigen Alben der Band steht, der macht aber auch bei Album No. 10 absolut nichts verkehrt.

WERTUNG: 

 

 

Trackliste:

01. Harlequin
02. Oceans Divide
03. Hit the Wall
04. Saint of the Lost Souls
05. The Sun Will Never Set Again
06. New Day Breakin'
07. Reign of Fire
08. Concussion
09. Art of Letting Go
10. Grains of Sand
11.The Other Option

Mario