SEBASTIAN BACH – Child Within The Man

Trackliste:

01. Everyone Bleeds
02. Freedom
03. (Hold On) To The Dream
04. What Do I Got To Lose?
05. Hard Darkness
06. Future Of Youth
07. Vendetta
08. F.U.
09. Crucify Me
10. About To Break
11. To Live Again

Spielzeit: 47:30 min. – Genre: Hardrock – Label: Reigning Phoenix Music – VÖ: 10.05.2024 – Page: www.sebastianbach.com

 

Es ist schon verrückt. Jetzt, da das brandneue Soloalbum von SEBASTIAN BACH endlich in die Läden kommt, ist der Posten des Frontmannes bei seiner ehemaligen Band SKID ROW erneut vakant. Nach zahlreichen Sängerwechseln schien es das Schicksal mit der Verpflichtung des schwedischen Wirbelwinds Erik Grönwall endlich einmal gut mit den Amis zu meinen, ein bockstarkes Album war das Resultat. Alles schien perfekt – außer natürlich die Wiedervereinigung mit dem bei den Fans immer noch als einzig wahren Sänger angesehenen Sebastian Bach. Dieser hatte vor kurzem noch selbst die Gerüchte angeheizt bzw. erklärt, es sei an der Zeit und SKID ROW sei sowieso nur mit ihm am Mikrofon die wahren SKID ROW. Da ist durchaus etwas dran, aber mit Grönwall haben die Jungs einen Glücksgriff getan, da er stimmlich einfach über alle Zweifel erhaben ist und mit seiner Energie auf der Bühne einfach immer abräumt und somit die gesamte Band immer gut da stehen lässt. Aber wir werden sehen, was die Zukunft bringt, der Zeitpunkt für eine Reunion ist für Bach selbst allerdings äußerst ungünstig.

Denn mit „Child Within The Man“ steht das nunmehr sechste Soloalbum an. Wobei – so fair muss man sein – war das 2007 erschienene „Angel Down“ das erste richtige Album, denn „Bring Em Bach Alive“ von 1998 enthielt nur fünf Studiotracks und „Bach 2 Basics“ aus dem Jahr 2001 war ein Coveralbum. Auch auf „Angel Down“ waren noch Songs aus alten SKID ROW Tagen zu hören. „You Don´t Understand“ zum Beispiel. Mit dem Engagement bei Frontiers Records schwamm sich der großgewachsene Frontmann musikalisch endgültig frei und präsentierte sich härter, moderner und dennoch melodisch.

Jetzt hat sich Reigning Phoenix Music den Mann mit der markanten Stimme geangelt – die musikalische Grundausrichtung indes bleibt ähnlich. Fetter Sound, Energie durch und durch, große Melodien und jede Menge seiner bekannten Screams bleiben das Grundrezept auch für „Child Within The Man“. Eigentlich könnte man hier die Rezension beenden – wer die beiden Vorgängeralben mochte, ist auch hier gut bedient. Aber so ganz gerecht würde es dem neuen Album nicht gerecht werden. Denn das Songwriting ist um ein gutes Stück besser und schließt somit zum Rest der Außendarstellung auf. Hatte Mr. Bach in der Vergangenheit schon immer starke Einzelsongs auf seinen Alben, klingt das hier wie aus einem Guss. Die bereits ausgekoppelten Singles sprechen da eine deutliche Sprache: Mit der ersten Auskopplung „What Do I Got To Lose?“ hat der blonde Frauenschwarm bereits im Januar ein dickes Ausrufezeichen gesetzt, was er mit den folgenden Stücken „Everybody Bleeds“ und „(Hold On) To The Dream“ (das Ding startet erst nach eineinhalb Minuten so richtig durch) untermauerte. Drei Volltreffer. Was kann man da vom Rest des Albums erwarten?

Metallische Songs wie „Hard Darkness“ oder „Vendetta“ zum Beispiel, das herrlich pissige „F.U.“ oder das coole „Freedom“. Eine Ballade darf natürlich auch nicht fehlen, die fällt mit „To Live Again“ allerdings weniger spektakulär aus wie seinerzeit auf den beiden glorreichen Alben von SKID ROW.

„Child Within The Man“ könnte aber in Teilen durchaus als neues SKID-ROW-Opus herhalten. Das ist zwar genau das, was sich viele Fans wünschen, aber es ist sicher nicht das Ansinnen des Hauptdarstellers. Vielleicht liegt es auch ein wenig daran, dass SEBASTIAN BACH wohl für immer irgendwie im Kopf mit seinen Kollegen in Verbindung gebracht wird. Anyway – „Child Within The Man“ ist ein vor Energie und Selbstbewusstsein nur so strotzendes Album geworden. Egal, wie sich die Zukunft von BACH oder/und SKID ROW gestaltet – auf dieses Album kann er mehr als stolz sein! Für mich das beste Solowerk.

Stefan

HUNTER – Rock´n Roll V.I.P.

Trackliste:

01. Phoenix Rising
02. Rock´n Roll V.I.P.
03. Hard To Survive
04. Runaway Ramp
05. Who Needs The Devil
06. Dust´n Bones
07. Demon Of The Highway
08. Vegas Madness
09. The Eagles Fly High
10. Black Cat
11. The Huntress

Spielzeit: 50:17 min – Genre: Hardrock – Label: Metalapolis Records – VÖ: 10.05.2024 – Page: www.hunter.band

 

Viel ist geschehen seit der Re-Union der deutschen Heavy Metal Urgesteine HUNTER. Was 2019 mit einer lockeren Aufwärmübung im Proberaum begann, mauserte sich schon nach kurzer Zeit zu einem ernstzunehmenden Angriff auf die Augen und Ohren der hiesigen Metalgemeinde. 2020 war es dann so weit: das Comeback-Album „The Return“ wurde veröffentlicht. Mit dabei, die Originalmitglieder Steven Brandy (guitars), Paul B. Herrmann (drums) und Rusty Wayman (vocals) alias Bertram Wegmann, der die Band allerdings kurz vor ihrem ersten Live-Gig verließ. Jetzt ist es an der Zeit, nachzulegen. Nicht ohne eine umfassende Auffrischung des Bandgefüges. Neu an Bord sind Bassist H. Van Noize, Gitarrist Ringin´D und Sänger Steve Strater.

Und „Rock´n Roll V.I.P.“ ist eine erneute Weiterentwicklung des Bandsounds. 1983 als Heavy Metal Band gestartet, die sich auf ihrem 1985er Debüt „Sign Of The Hunter“ eher in der Nähe von Kollegen wie IRON MAIDEN oder JUDAS PRIEST wohlgefühlt hatten, zeigte der 1987er Nachfolger „Keep The Change“ schon deutliche Zeichen in Richtung Hardrock. Mit „The Return“ schlug man in die selbe Kerbe, natürlich um einiges gereift – diesen Weg geht „Rock´n Roll V.I.P.“ nun konsequent weiter, wobei man sich in Teilen auch im Riff Rock beheimatet fühlt.

Was aber nicht für den epischen Opener „Phoenix Rising“ gilt. Mit majestätischem „Intro“ wird der Spannungsbogen weit aufgebaut, bevor die eingängige Nummer final startet. Cooler Einstieg, einer der besten Songs der Band überhaupt. Beim folgenden Titeltrack kommen sie also zum ersten Mal so richtig zum Vorschein: die Riff Rock Anleihen – die Gitarrenarbeit erinnert hier z.b. an die Schweizer Kollegen von KROKUS. Etwas metallischer kommt „Hard To Survive“ im die Ecke. Mit Double-Bass und härterem Riffing geht man zurück in die eigene Vergangenheit. Viel sonniger kommt „Runaway Ramp“ daher, einfach eine Gute-Laune-Nummer. Das bereits als Single ausgekoppelte „Who Needs The Devil“ ist ein weiteres Highlight der Platte. Warum? Checkt es selber aus, das Video dazu findet Ihr weiter unten. Der Titel „Dust´n Bones“ schreit geradezu nach einem weiteren Riff Rocker, und so ist es auch. Etwas flotter geht es bei „Demon Of The Highway“ zu, bevor „Vegas Madness“ den Fuß wieder ordentlich mitwippen lässt. Das anschließende „The Eagles Fly Free“ ist ein besonderes Stück, denn die Nummer wurde für die Eishockeymannschaft der Adler Mannheim geschrieben und ist ihre aktuelle Hymne. Mit den metallischen Abschlußsongs „Black Cat“ und vor allem das Instrumental „The Huntress“ geht man noch ein weiteres Mal zurück in den ersten Lebensabschnitt der Band.

„Rock´n Roll V.I.P.“ ist ein starkes Nachfolgealbum der Re-Union-Scheibe geworden. Es bietet viel Abwechslung, hat einfach gute Songs an Bord und klingt amtlich. Der deutsche Untergrund ist quicklebendig – HUNTER sind der beste Beweis dafür!

Stefan

SHEELA – Burned Down

Trackliste:

01. Long Time
02. Burned Down
03. Claire
04. Ready
05. Holdin´ On
06. Reno
07. Fire Woman
08. Spread Your Wings
09. Kickin´ Up The Dust
10. Hang Tough
11. You Got Something

Spielzeit: 46:16 min – Genre: Hardrock, Melodic Rock, Progressive Rock – Label: Lions Pride Music – VÖ: 29.04.2024 – Page:

 

Die deutsche Band SHEELA ist bekannt für ihren wilden Stilmix, der keinerlei Scheuklappen trägt. Angefangen von lupenreinem Heavy Rock klassischer Prägung (manchmal bluesig angehaucht) über moderne Ansätze bis hin zu progressiven Elementen vereint die nach einer keltischen Göttin benannten Kapelle ziemlich alles. Allerdings flog die 1992 gegründete Combo dabei immer unter dem Radar großer Plattenfirmen und damit auch großer Fanmassen. Was aber nicht bedeutet, dass die Band aus Wiesbaden nicht mit großen Namen auf der Bühne stand. Angefangen von den SCORPIONS bis hin zu NAZARETH, MANFRED MANN oder POISON, FATES WARNING und STYX war das Engagement durchaus sehenswert.

Und doch blieb die Band ein ewiger Geheimtipp, den ich persönlich zufällig 2001 mit ihrem dritten Album „Straight Hearted Ones“ entdecken durfte. Zu dieser Zeit arbeitete ich in einem Plattenladen und checkte so ziemlich alle Neuzugänge im Rockbereich aus, so auch SHEELA. Natürlich wanderte der Silberling umgehend in die Einkaufstüte. Allerdings blieb das auch mein einziger Kontakt – bis heute. Denn Lions Pride Music veröffentlicht dieser Tage das 1995er Debüt „Burned Down“ neu. Komplett neu gemixt und gemastered von Keyboarder Markus Teske himself und mit frischem Artwork versehen wagt „Burned Down“ also einen neuen Anlauf.

Die Platte hatte seinerzeit übrigens in Japan recht großen Erfolg und wurde im Burrrn-Magazine mit 86 Punkten gewürdigt. Zurecht, denn was Wolfgang Weber (vocals), Christian Moser (guitars), Markus Teske (keyboards), Tony Spagone (bass) und Jojo Nimtz (drums) über diese Dreiviertelstunde Spielzeit bieten, ist feinste Bespassung für Erwachsene, die gerne gute Rockmusik hören. Keine Plattitüden, keine Klischees, einfach nur handgemachte Musik erster Güte.

Eigentlich sollten Nummern wie „Spread Your Wings“ oder „Burned Down“ gängige Rockhits sein. OK, letztere erinnert mit seinem Groove schon etwas an die STYX Nummer „Love Is A Ritual“ – sei es drum. Aber auch den Opener „Long Time“, die melodische Hymne „Reno“ oder „Holdin´On“ solltet Ihr antesten (siehe Video weiter unten). Und überhaupt habt Ihr mit diesem Re-Release die Chance, Euch ein tolles Stück deutscher Hardrockgeschichte unter den Nagel zu reißen. Besser spät als nie, Ihr werdet es sicher nicht bereuen. SHEELA bieten hier genau die richtige Mischung aus Professionalität, Unbekümmertheit und den ein oder anderen stilistischen Blick über den Tellerrand.

Bei meiner Wertung greife ich einfach mal die des legendären Burrn-Magazines auf.

Stefan

KICKIN VALENTINA – Star Spangled Fist Fight

Trackliste:

01. Gettin Off
02. Dirty Rhythm
03. Fire Back
04. Man On A Mission
05. Turn Me Loose
06. Died Laughing
07. Takin A Ride
08. Amsterdam
09. Ride Or Die
10. Star Spangled Fist Fight

 

Spielzeit: 40:26 min – Genre: Hardrock, Heavy Metal – Label: Mighty Music – VÖ: 19.04.2024 – Page: www.kickinvalentina.com

 

Die vier Dampfhämmer aus den USA sind zurück! Mit ihrem mittlerweile vierten Album „Star Spangled Fist Fight“ wollen KICKIN VALENTINA so richtig durchstarten. Das zeigen schon die beiden Vorab-Singles mitsamt ihren Videoclips. Was 2013 mit der selbstbetitelten EP und einem wohlwollenden Kopfnicken nebst überraschtem Blick begann, mauserte sich im Laufe der Jahre zu einer innigen Liebe meinerseits. Kein Wunder bei derart starken Alben, die weitab vom Mainstream ihre Leute suchen. Auch unser Sturmi war bei seiner Rezi zum bis dato letzten Album „The Revenge Of Rock“ Feuer und Flamme.

Zehn Songs haben es auf „Star Spangled Fist Fight“ geschafft, und der Name ist Programm. Die Amis haben ihr energetisches und hochexplosives Hardrock-Gebräu weiterentwickelt und klingen 2024 wie eine Mischung aus HARDCORE SUPERSTAR und MOTÖRHEAD. Was für ein Pfund! Mit D.K. Revelle haben sie seit dem letzten Longplayer einen Frontmann in ihren Reihen, der noch eine Schippe drauflegt, aber auch in melodischen Momenten nicht versagt. Ansonsten ist das Line-Up seit der Gründung 2013 stabil und liest sich so: Heber Pampillon (guitars), Chris Taylor (bass) und Jimmy Berdine (drums).

Mit einem dreckigen Shout und ultrafetten Grooves startet „Gettin Off“ und setzt jede Menge Adrenalin frei. Eines gleich vorneweg: der Adrenalinspiegel wird sich die folgenden 40 Minuten nicht beruhigen. Und daran sind nicht nur die beiden Singles „Takin A Ride“ und das vergleichsweise soft/melodische „Ride Or Die“ schuld. Das punkige „Fire Back“ oder die Hymne „Man On A Mission“ sind weitere Anspieltipps. Und „Turn Me Loose“ ist mitnichten eine Coverversion des LOVERBOY-Klassikers. Vielmehr ist die Nummer eine kleine Machtdemonstration für alle, die KICKIN VALENTINA vielleicht fehlende Eingängigkeit vorwerfen. Power und Melodie passen eben doch zusammen.

KICKIN VALENTINA haben es geschafft, weder retro noch zu modern zu klingen. Ihr Hardrock ist einfach eine Abrissbirne mit ganz eigenem Anstrich, das kann wahrlich nicht jede Band von sich behaupten. Umso verwunderlicher ist es, dass die Amis (auch) hierzulande nicht bekannter sind. Vielleicht kann das ja ihr neues Album „Star Spangled Fist Fight“ endlich ändern – es wäre ihnen zu wünschen.

Stefan

 

SNAKEBITE – Cobra Crew

Trackliste:

01. Blow It Up
02. Stormriders
03. Heading For The Best
04. Wheels Keep On Turning
05. Don´t Turn Away
06. My Burning Love
07. Weekend Warrior
08. Kill Wig Metal
09. Chained To Rock
10. Long Way Home


Spielzeit:
40:11 min. – Genre: Hardrock – Label: Manic Attack Records – VÖ: 05.04.2024 – Page: www.snakebite-music.com

 

Die Ruhrpott-Metropole Essen ist ja eher bekannt für harte Kost wie KREATOR. Dass sich dort aber auch zahlreiche andere Bands tummeln – seit ungefähr 2014 auch SNAKEBITE – ist jedoch kein Geheimnis. Und irgendwie sind SNAKEBITE ein besonderer Vertreter der hart rockenden Zunft. Denn sie beschränken sich nicht darauf, richtig deftigen Heavy Metal zu zelebrieren, oder eben Hardrock – nein, sie machen einfach beides und sitzen damit zwischen den Stühlen. Macht aber gar nix, denn egal, was der Vierer macht, es klingt immer strikt nach den glorreichen Achtzigern. Und so steht dieser Tage mit „Cobra Crew“ Langspieler Nummer drei an. In den letzten zehn Jahren haben SNAKEBITE gezeigt, dass sie eine enorme Entwicklung hingelegt haben. Auch was den Sound angeht, denn der ist auf dem neuen Dreher über jeden Zweifel erhaben. Nicht zuletzt Dank einer erneuten Kollaboration mit Dennis Koehne und Tom Kornis an den Reglern.

Bisher ist es den Essenern auf jedem Album gelungen, Songs zu kreieren, die im Gedächtnis bleiben. Das Debüt hatte mit „Princess Of Pain“ mindestens ein herausragendes Stück zu bieten, bei „Rise Of The Snake“ war es die Melodiegranate „Desperate Hearts“ und der speedige Kracher „Run Fast“ und für das neue Album haben die Jungs mit „Stormriders“ einen weiteren metallischen Nackenbrecher vorweg geschickt, nicht ohne mit „Heading For The Best“ ihre melodische Seite zu betonen. Die Rezeptur auf „Cobra Crew“ bleibt also im Grunde gleich. Und doch ist eine Weiterentwicklung im Songwriting auszumachen. Die 10 neuen Stücke sind in sich einfach noch ein Stück veritabler und gereifter (alleine „Blow It Up“ bläst Dich einfach weg). Wer also frisches Futter aus der Retro-Ecke braucht, das irgendwo zwischen STRIKER und alten Recken wie den SLEEZE BEEZ pendelt, muss hier unbedingt zuschlagen.

SNAKEBITE zeigen einmal mehr, dass der Blick nicht immer in die Ferne schweifen muss, um richtig gute neue Musik entdecken zu können. Natürlich gibt es genug starke Konkurrenz aus Skandinavien oder auch aus Übersee, aber diese Kapelle aus Essen mausert sich schön langsam zu einer Konstante in der deutschen Hardrock/Heavy Metal Szene, die man nicht länger übersehen darf!

Stefan

KING ZEBRA – Between The Shadows

Trackliste:

01. Starlight
02. Children Of The Night
03. Wicked
04. Dina
05. Love Lies
06. Cyanide
07. With You Forever
08. Love Me Tonight
09. Out In The Wild
10. Restless Revolution


Spielzeit:
? min – Genre: Hardrock – Label: Frontiers Records – VÖ: 12.04.2024 – Page: www.kingzebra.ch

 

Bereits die dritte Rezension darf ich hier für die Band KING ZEBRA verfassen. Moment mal: im Beipackzettel zum neuen Langspieler „Between The Shadows“ steht, dass das hier erst ihr zweites Album ist – die Erklärung ist ganz einfach. Es gab auch ein „Leben“ vor dem aktuellen Sänger Eric St. Michaels (Ex-CHINA), der 2017 zur Band stieß. Mit ihm wurde nicht nur die musikalische Ausrichtung korrigiert sondern es kam auch ein gehöriger Schuss Professionalität dazu, so fair muss man sein. Dennoch mag ich auch die Frühphase der Schweizer mit ihren beiden Alben „Greatest Hits“ (was ein cooler Titel für ein Debüt) und „Wild! Wild! Wild!“.

Wir schreiben also Jahr sieben der neuen Zeitrechnung und nach der 2019er EP „King Zebra“ und dem 2021er Album „Survivors“ durfte man gespannt sein, was die Band aus Zürich als Nächstes ausbaldowert. Zunächst stand erst einmal ein Labelwechsel zu Frontiers Records an, was natürlich einen Schritt nach vorn bedeutet – zumindest auf dem Papier.

Schon die erste Single „Dina“ präsentiert die Schweizer in Hochform – aber auch ein gutes Stück mehr auf Achtziger getrimmt. Mit fetten Drums, ordentlichem Zuwachs bei den Keyboards und Ohrwurmmelodien par excellence knallt der Song aus dem Stand auf maximale Satisfaction für alle Melodic-Rock-Freunde. Abermals zusammen mit dem schwedischen Produzenten Oscar Nilsson haben KING ZEBRA insgesamt zehn neue Songs in Form gebracht, von denen nicht nur „Dina“ heraus sticht. Auch die zweite Single „Children Of The Night“kann begeistern. Aber nicht nur die bisherigen Singles sind erwähnenswert. Angefangen vom flotten Opener „Starlight“ über „Love Lies“, „Cyanide“ (was ein mega Song) bis hin zu ruhigeren Stücken wie „With You Forever“ oder dem stampfenden Rausschmeißer „Restless Revolution“: KING ZEBRA agieren auf höchstem Niveau.

Für einige wird „Between The Shadows“ nur eines von vielen Melodic-Rock-Alben 2024 sein, aber die Schweizer haben mit Eric St. Michaels einen Sänger mit charismatischer Stimme am Mikrofon und perfektionieren auf dem neuen Album ihre Stärke, einprägsame Hardrock Songs zu schreiben. Was den etwas aufgeblasenen Sound angeht, der wird sich live sicher schlechter reproduzieren lassen als die rockigeren Stücke des Vorgängers. Starkes Album, aber die Jungs sollten aufpassen, sich auf Dauer nicht zu sehr in Richtung des oft vorherrschenden Einheitsbrei ihres neuen Labels drängen zu lassen.

Stefan

LIPZ – Changing The Melody

Trackliste:

01. I´m Going Under
02. Changing The Melody
03. Bang Bang
04. Stop Talk About…
05. Bye Bye Beautiful
06. I´m Alive
07. Freak
08. Secret Lover
09. I Would Die For You
10. Monsterz

 

Spielzeit: 35:40 min – Genre: Hardrock, Sleaze Metal – Label: Frontiers Records – VÖ: 15.03.2024 – Page: www.facebook.com/lipzband

 

Die Geschichte der schwedischen Hardrocker LIPZ beginnt im Jahr 2011, wo sich die Brüder Alexander und Koffe Klintberg dazu entscheiden, eine Band zu gründen. So weit, so unspektakulär. Und auch der weitere Weg muss von Steinen übersät gewesen sein, denn nach einer einzigen Single in 2012 geschieht nicht viel. Erst drei Jahre später kommen LIPZ mit einer EP um die Ecke, drei weitere Jahre darauf mit ihrem Debütalbum „Scaryman“, das die Schweden beim italienischen Underground Label Street Symphonies Records veröffentlichen – jener Firma, die z.b. die kurzlebigen Hoffnungsträger POMPEI NIGHTS oder JOHN GÄLT aus der Ukraine unter Vertrag hatten. Vertraglich sind LIPZ in Italien geblieben, nur haben sie sich jetzt für ihr zweites Album „Changing The Melody“ die Dienste des Branchenprimus Frontiers Records gesichert. Das dürfte den Aktionsradius aus dem Stand vervielfachen.

Und doch haben die Schweden ihre interne Hürde mit tollen Songs wie dem Titeltrack des Erstlings recht hoch gesetzt. Mit ihrer trashigen Attitüde und den Ohrwurmmelodien ist es nicht schwer, neue Fans zu akkreditieren – sollte man meinen. Und doch haben LIPZ für ihr neues Album einen anderen Weg gewählt. Sie sind weiter in die Richtung von CRASHDIET oder auch CRAZY LIXX gerutscht, was heißen soll, dass ihr roher Charme des Vorgängers mit einem Male glattgebügelt wurde. Ob das eine Bandentscheidung war oder eher die der Verantwortlichen des neuen Labelpartners, lassen wir mal dahingestellt.

Auf ihrem neuen Album lassen sich die Schweden auch zu einer gehörigen Prise KISS hinreißen, was dem Ganzen wiederum ein gewisses Etwas gibt. Nummern wie „Bye Bye Beautiful“ oder der Titelsong sind sehr gut geworden und der Opener ist mit seiner Energie „I´m Going Under“ ist perfekt gewählt. Andererseits dümpeln Songs wie „Bang Bang“, „Freak“ oder „Secret Lover“ schon arg dahin. Highlights kann der Vierer leider nicht mehr setzen.

Und so bleibt von den 10 neuen Stücken nicht viel wirklich erwähnenswertes übrig. Klar können LIPZ Akzente setzen, aber die Konkurrenz ist immens groß und es bleibt abzuwarten, ob sich die Jungs in Zukunft dagegenstemmen können. Gute Ansätze sind da, aber das genügt heute leider nicht mehr…

Stefan

SMOKING SNAKES – Danger Zone

Trackliste:

01. Angels Calling
02. Sole Survivors
03. Run For Your Life
04. Lady Luck
05. Excited
06. Restless And Wild
07. Sorrow, Death And Pain
08. There Is No Tomorrow
09. Who Am I
10. We Are Alive
11. Rocking To The Morning Light

Spielzeit: 37:48 min – Genre: Hardrock, Sleaze Metal – Label: Frontiers Records – VÖ: 09.02.2024 – Page: www.facebook.com/smokingsnakesofsweden

 

Die New Wave Of Swedish Sleaze Metal rollt wieder und immer weiter. Neben den altbekannten Recken gibt es immer wieder neue Bands zu entdecken. Und hier und da landet eine beim italienischen Primus Frontiers Records. So wie auch die rauchenden Schlangen – nur Spaß. SMOKING SNAKES ist eine neue Kapelle aus Göteborg, die unlängst mit ihrem offiziellen Debüt „Danger Zone“ um die Gunst der Fans buhlt. Und wer denkt – „schon wieder eine dieser gleich klingenden Bands, die es schon zu hunderten gibt“. Nein, alleine das wuchtige Organ von Sänger Brett Martin ist erfrischend anders. Die Songs lehnen sich eher an W.A.S.P. oder DOKKEN an als an die Poserbands aus den Achtzigern. Und überhaupt klingen die SMOKING SNAKES ziemlich modern. Sie spielen nur mit der Sleaze-Attitüde als sie vollends zu erfüllen. Und doch sind Parallelen zu den Kollegen von THE CRUEL INTENTIONS oder CRASHDIET hörbar.

Letztere haben Brett Martin (vocals, guitars), Andy Delarge (bass), Stan Ricci (drums) und Leo Razor (lead guitars) sicherlich beim Komponieren ihres Eröffnungstracks „Angels Calling“ gehört – oder zumindest kurz davor. Nicht schlimm, ist ein guter Einstieg. Noch griffiger werden die Schweden aber bei den beiden folgenden Nummern: „Sole Survivors“ ist eine melodische, moderne Version des Sleaze Metals während „Run For Your Life“ ordentlich Gas gibt. Hierbei handelt es sich um eine Neueinspielung des Songs, der bereits auf einer älteren EP vertreten war. Bei „Lady Luck“ sind gut und gerne ein paar LORDI-Anleihen zu hören. Aber genug der Vergleiche. Immerhin sind die hier gebotenen Songs richtig gut, kommen knackig aus den Boxen (produziert und aufgenommen von Jakob Herrmann (AMARANTHE etc.) in den Top Floor Studios) und machen ordentlich Laune!

Das bleibt auch im weiteren Verlauf von „Danger Zone“ so. „Excited“ ist ein rhythmischer Hardrocker, „Restless And Wild“ – wie soll es anders sein – eine wilde Achterbahnfahrt und „There Is No Tomorrow“ wird von einem sägenden Gitarrenriff eröffnet, wie es MÖTLEY CRÜE zu „Shout At The Devil“-Zeiten wohl nicht besser hinbekommen hätten. „We Are Alive“ ist ein weiteres Highlight bevor „Rocking To The Morning Light“ ein äußerst gelungenes Debüt würdig abschließt. Ganz nebenbei der wohl der Song mit der größten Ohrwurmmelodie.

„Danger Zone“ mag nicht innovativ sein und auch nicht außergewöhnlich. Aber die Platte macht Spaß und diese fünf jungen Schweden haben jede Menge Power, jede Menge Attitüde und es wird interessant sein, sie live zu erleben – fasten your seat belts Ladies and Gents. Wer auf modernen Sleaze-Metal mit W.A.S.P.-Einschlag steht sollte – nein muss – hier zugreifen. Starkes Debüt!

Stefan

CRAZY LIXX – Two Shots At Glory

Trackliste:

01. Two Shots At Glory
02. Fire It Up (´23)
03. Invincible
04. Lights Out! (´23)
05. Sword And Stone
06. Whiskey Tango Foxtrot (´23)
07. Ain´t No Rest In Rock´n Roll (´23)
08. In The Night (´23)
09. Only The Dead Know (´23)
10. Sympathy (´23)
11. Church Of Rock (´23)
12. Riot Avenue (´23)

Spielzeit: 49:06 min – Genre: Hardrock, Sleaze Rock – Label: Frontiers Records – VÖ: 16.02.2024 – Page: www.facebook.com/crazylixx

Ohne Wertung

Über zwei Jahre mussten die Fans von CRAZY LIXX auf neues Material ihrer Helden warten. Im November 2021 erschien mit „Street Lethal“ das letzte Alben von Danny Rexon und seinen Kumpanen. Wer ewas mit der Szene vertraut ist, dürfte um das Engagement Rexon´s bei der britischen Rockröhre CHEZ KANE wissen. Und auch so kann sich der bekennende 80´s Freak nicht über Langeweile beklagen.

Jetzt steht er mit seiner Stammcombo wieder mit einem neuen Album in den Startlöchern. Dass es sich hier aber „nur“ um eine Art Best-Of handelt, wird erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Zwar haben CRAZY LIXX in den letzten Monaten immer wieder neu eingespielte Versionen älterer Songs mit coolen Videoclips bei Youtube veröffentlicht, die DNA von „Two Shots At Glory“ wird spätestens mit einem genaueren Blick auf das Albumcover klar, auf dem es heißt „Old, New & Borrowed“ – und natürlich mit einem weiteren Blick auf die Tracklist. Dort prangt bei 9 von 12 Songs der Zusatz (´23) – somit wird sofort klar, dass es sich hier um Neueinspielungen handelt.

Aber wollen wir auch noch kurz auf die dazugehörigen sogenannten UST-Videos zu sprechen kommen. Seit November 2022 gibt es in regelmäßigen Abständen Songs von CRAZY LIXX gepimpt mit Filmhits speziell aus den Achtzigern und Neunzigern zu sehen. Den Anfang machte seinerzeit „Break Out“ mit Ausschnitten des Kampfstreifens „Best Of The Best“ von 1989. 22 (!!!) weitere folgten, darunter Adaptionen von „Airheads“, „Tango & Cash“, „Detroit Rock City“, „Nightmare On Elm Street“, „Rocky IV“, „Freitag der 13.“ usw. Natürlich wurden nicht alle Songs neu eingespielt – nur die hier vertretene Songauswahl. Das tut dem Filmvergnügen aber keinen Abbruch.

Aber zurück zu „Two Shots At Glory“: Neben den 9 bereits bekannten Stücken gibt es 2 neue Songs („Invincible“ und den Titeltrack) und eine Coverversion von „Sword And Stone“, deren Version von BONFIRE sicher noch vielen im Gedächtnis ist. Diese kam beim Horrorstreifen „Shocker“ zum Einsatz und wurde von Paul Stanley, Bruce Kulick (beide KISS) sowie Hitfabrikant Desmond Child geschrieben.

Es ist schön zu sehen, dass CRAZY LIXX mit dieser Compilation nicht nur auf ihre bekanntesten Nummern setzen sondern durchaus auf Songs aus der zweiten Reihe zurückgreifen. Allerdings sind auch Songs aus der zweiten Reihe bei CRAZY LIXX oft großes Kino – und mit ihrem Konzept der dazugehörigen Videos ist „Two Shots At Glory“ eine coole Sache. Einzig der ziemlich glattgebügelte Sound vermasselt ein bisschen das Hörvergnügen.

Alles in allem könnte „Two Shots At Glory“ ein perfekter Filmsoundtrack aus den Achtzigern sein. Ich denke, das wollten die Schweden damit auch ausdrücken. Angefangen hat sicherlich alles mit dem Song „Silent Thunder“ aus ihrem 2019 Album „Forever Wild“, wo die Fans schon nach einem Soundtrack-Beitrag zum damals anstehenden zweiten Teil von TOP GUN gelechzt hatten. Leider ist dieser Wunsch seinerzeit nicht in Erfüllung gegangen. Egal, machen wir halt unser eigenes Ding, dachten sich die Schweden. Und here we go: „Two Shots At Glory“ ist geboren.

Stefan

SUICIDE BOMBERS – All For The Candy

Trackliste:

01. Intro – Candy Girls Worldwide
02. Dynamite Playboys
03. Take It Off
04. Tonight Belongs To Us
05. Out Of Love
06. You Better Believe It
07. All For The Candy
08. Caligulizer
09. Videodrome 2049
10. Last Call
11. Where Time Always Goes
12. Outro – Fin De Cette Motherfucking Transmission

Spielzeit: 46:53 min – Genre: Sleaze Metal – Label: Suicide Records – VÖ: 02.02.2024 – Page: http://www.facebook.com/suicidebombersmusic

 

Mein lieber Schwan – die norwegischen Bands geben ordentlich Gas. Die neue Platte der SUICIDE BOMBERS ist bereits die dritte Veröffentlichung aus Norwegen, die ich in diesem noch jungen Jahr besprechen darf. Dabei dauerte es im Falle der Sleaze-Rocker aus Oslo ziemlich lange, bis wir dieses neue Werk in Händen halten können. Denn „Murder Couture“ liegt schon satte vier Jahre zurück. Mit „All For The Candy“ gibt es jetzt also Album Nummero fünf auf die Ohren. Das Image der Band um Sänger und Gitarrist Chris Damien Doll ist noch sleaziger geworden. Auf „All For The Candy“ ist alles genretypisch grell und bunt, eine gehörige Prise Anzüglichkeit darf natürlich nicht fehlen.

Ein erstes Ausrufezeichen setzten die Jungs schon vor einigen Monaten mit ihrer Single „Dynamite Playboys“, die die Platte auch nach einem kurzen Intro eröffnet. Ich glaube ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster wenn ich behaupte, dass das hier einer der besten Songs der Band überhaupt ist. Das Teil hat Drive, Melodie und ist pure Energie. Wow! Dass der starke Einstieg aber kein Zufall ist, zeigt „Take It Off“ in bester Manier. „Tonight Belongs To Us“ ist eine weitere Losgeh-Nummer erster Güte – Durst ist vorprogammiert! Der Midtempo-Stampfer „Out Of Love“ reiht sich hier mühelos ein. Was haben wir noch? Der Titeltrack ist einfach ein Hit, das punkige „Caligulizer“ macht ordentlich Laune und „Videodrome 2049“ lässt den Fuß ordentlich mitwippen. „Last Call“ hat coole Gang-Vocals und das über siebenminütige „Where Time Always Goes“ ist wohl der längste und experimentellste Song der SUICIDE BOMBERS. Dafür haben sie sich Verstärkung von Keyboarder Geir Bratland (DIMMU BORGIR u.a.) geholt. Ganz großes Kino! Mit dem typischen Outro „Over And Motherfucking Out“ – dieses Mal in französischer Sprache – endet ein Album, das einerseits überrascht, andererseits aber auch die logische Weiterentwicklung einer Band darstellt, die ich seit Beginn an als Fan begleiten darf und deren Musik mich schon immer begeistert haben. Dennoch ist „All For The Candy“ anders – es findet sich nahezu kein Schwachpunkt, egal wohin man hört. Dieses Album ist durch und durch purster Sleaze Rock und hat mit dem überraschenden „Where Time Always Goes“ eine ganz neue Seite aufgetan. Sind die SUICIDE BOMBERS erwachsen geworden? Ein bisschen vielleicht – aber sie bieten immer noch das was eine Sleazeband ausmachen muss: puren Spaß, eindeutige Zweideutigkeit und jede Menge Rock´n Roll. Ganz nach dem Motto: Sex, Drugs & Rock´n Roll – did we mention sex?

„All For The Candy“ dürfte die Norweger ein ganzes Stück weiter an die Spitze der aktuellen Sleaze-Bewegung katapultieren. Die Konkurrenz sollte sich jedenfalls warm anziehen. Ganz starkes Ding!

Stefan