HELL IN THE CLUB – F.U.B.A.R.

Trackliste:

01. Sidonie
02. The Arrival
03. Total Disaster
04. The Kid
05. Best Way Of Life
06. Cimitero Vivente
07. Sleepless
08. The End Of All
09. Undertaker
10. Tainted Sky
11. Embrace The Sacrifice

Spielzeit: 41:54 min – Genre: Hardrock – Label: Frontiers Records – VÖ: 11.08.2023 – Page: www.hellintheclub.com

 

Vor knapp 15 Jahren betrat eine italienische Hardrockband die Bühnenbretter, die sich den Namen HELL IN THE CLUB gab. Schon ihr Debüt von 2011, das auf den Namen „Let The Games Begin“ hört, ließ aufhorchen, so richtig amtlich wurde es dann 2014 mit „Devil On My Shoulder“ und dem gleichnamigen Single-Hit. In den folgenden Jahren wurde der Sound etwas düsterer, aber spätestens mit der letztjährigen EP „Kamikaze“ ist die alte Leichtigkeit zurück im Bandsound. Nicht vergessen sollten wir ein mehr als gelungenes Cover von ALICE COOPER´s „He´s Back“, das der gleichen EP entstammt. Jetzt stehen Davide „Dave“ Moras (vocals, ELVENKING), Andrea „Andy“ Buratto (bass), Marco Lazzarini (drums, beide u.a. SECRET SPHERE) und Andrea „Picco“ Piccardi (guitars, z.B. Ex-WRATHCHILD) mit Album Nummero sechs unterm Arm, das auf das Kürzel „F.U.B.A.R.“ getauft wurde.

Mit „Sidonie“ startet der Longplayer äußerst hitverdächtig. Das stampfende „The Arrival“ folgt dem starken Opener – abermals ausgestattet mit Ohrwurmelodien. „Total Disaster“ macht das Eingangstrio perfekt und es wird eines klar: die Schweden DYNAZTY haben mächtig Konkurrenz bekommen. Wer mit dem neueren Material von Nils Molin und seinen Mitstreitern konform geht, wird im Laufe der gut 40 Minuten von „F.U.B.A.R.“ gehörig mit der Zunge schnalzen. Schon das folgende „The Kid“ ist ein weiteres Highlight. Danach geht den Italiern etwas die Puste aus. Zwar kann das knackige „Best Way Of Life“ gefallen und das mit gleichem Rhythmus ausgestattete „Cimitero Vivente“ (, was übersetzt „lebendiger Friedhof“ bedeutet) ebenfalls, die Klasse der ersten vier bis fünf Nummern erreichen HELL IN THE CLUB aber nicht mehr. Auch nicht beim funkigen „Sleepless“ oder dem straighten Rocker „Tainted Sky“.

Dennoch haben HELL IN THE CLUB ihr bisher wohl stärkstes Material auf „F.U.B.A.R.“ versammelt, wovon sicher einige Songs in zukünftigen Live-Setlists oder einer vielleicht irgendwann folgenden Best-Of-Platte stehen werden.

Stefan

SERGEANT STEEL – Mister Sippi

Trackliste:

01. Down To Mississippi
02. Please Me Tease Me
03. Mama Didn´t Raise No Fool
04. Alive
05. My Way
06. Knight´s Tale
07. One Way Ticket From Hell
08. Caught In The Web
09. My Girl
10. Rock Your Pants Off
11. Cry Out Your Heart, Baby (Unplugged)

Spielzeit: 41:13 min – Genre: Hardrock – Label: Metalapolis Records – VÖ: 30.06.2023 – Page: www.sergeant-steel.com

 

Österreichs Hard Rock Band #1 ist zurück! So steht es im Beipackzettel der neuen SERGEANT STEEL Scheibe „Mister Sippi“ geschrieben. Nun, dass das Sextett um Sänger Phil Vanderkill schon etwas Besonderes ist, haben sie auf bisher vier Langspielplatten bewiesen, die allesamt ihre Vorliebe für den guten alten Rock´n Roll, für die Hair Metal Zeit und für eine gehörige Prise Humor bekannt sind. Auf Album Nummer fünf haben die Jungs ihre Liebe zum Southern Rock entdeckt, das verrät schon der Albumtitel, der mit einem ordentlichen Schuss Wortwitz daherkommt.

Nachdem sich ihr langjähriger Produzent und Mentor Michael Wagener in den verdienten Ruhestand verabschiedet hat, haben die Österreicher das Zepter selbst in die Hand genommen und alles selbst gemacht, auch den Mix und das Mastering. Und überhaupt haben SERGEANT STEEL in ihrer mittlerweile 16-jährigen Karriere bereits mit jeder Menge großer Namen zusammengearbeitet. Neben dem coolen Duett mit Mark Slaughter auf „Riders Of The Worm“ 2015 konnte auch Mucki-Gitarrero KANE ROBERTS für ein Solo gewonnen werden. In den Anfangstagen arbeitete man mit keinem Geringeren als Produzentenlegende Beau Hill zusammen.

Doch zurück in die Gegenwart. Mit „Down To Mississippi“ startet die Platte so, wie es der Albumtitel vermuten lässt. So habt Ihr SERGEANT STEEL sicher noch nicht gehört. Hier wird gerockt, wie es nur im tiefsten Süden der USA üblich ist. Ein überraschender Einstieg also. Dieses Feeling beendet das messerscharfe Gitarrenriff von „Please Me, Tease Me“ von einen Moment auf den anderen. Was für eine geile Nummer. „Mama Didn´t Raise A Fool“ geht wieder zurück in die Südstaaten mit Honky Tonk Piano und klassischen Rock´n Roll Riffs. Mit „Alive“ düsen SERGEANT STEEL wieder in der Spur ihrer eigenen Vergangenheit. Die Jungs haben hier eine weitere Melodiegranate aufgenommen. Ebenfalls nicht verpassen solltet Ihr Songs wie das flotte „One Way Ticket To Hell“, das stampfende „Caught In The Web“ oder das lässige „Rock Your Pants Off“.

Das Sextett um das Kreativ-Duo Phil Vanderkill (vocals) und Jack Power (guitars) zeigt einmal mehr, dass SERGEANT STEEL eigentlich viel weiter oben auf den Line-Up-Listen der Festivals stehen müssten. Mit ihrem manchmal eigenwilligen Mix aus Hardrock und Southern Rock zeigen die Österreicher einmal mehr, dass mit ihnen zu rechnen ist. Das sehen hoffentlich nicht nur die Fans so, ein gehöriger Bekanntheitsschub wäre den Jungs auf jeden Fall gegönnt. Machts weiter so!

Stefan

MIDNITE CITY – In At The Deep End

Trackliste:

01. Outbreak (Intro)
02. Ready To Go
03. Someday
04. Hardest Heart To Break
05. Good Time Music
06. All Fall Down
07. Girls Gone Wild
08. Beginning Of The End
09. Raise The Dead
10. It´s Not Me It´s You
11. Like There´s No Tomorrow

Spielzeit: 46:16 min – Genre: Hardrock, Melodic Rock – Label: Pride & Joy Music – VÖ: 23.06.2023 – Page: www.midnitecity.com

 

Es ist Zeit für Feelgood-Musik. Das dachten sich auch die britischen Hair Metaller MIDNITE CITY und machen auf ihrem vierten Longplayer „In At The Deep End“ die Rolle rückwärts. Noch nie Kinder von Traurigkeit, präsentiert die Truppe um Sänger Rob Wylde auf ihrem neuen Werk eine Mischung aus DANGER DANGER und POISON. Ziemlich retro unterwegs waren die Jungs ja schon seit ihrer Gründung 2017, dass ihr neuer Langspieler aber so dermaßen nach den Achtzigern klingt, hätten nicht mal die härtesten Fans gedacht. Die Keyboards von Shawn Charvette haben einiges an Raum gewonnen, die Melodien sind noch blumiger geworden und es erinnert einfach alles an die jeweiligen Debütalben von D2 und POISON. Da dürften selbst die Originale erblassen.

Kann das mit diesem Sound im Jahr 2023 funktionieren? Nun, „Look What The Cat Dragged In“ und „Danger Danger“ sind auch heute noch in aller Ohren, Klassiker sozusagen. Da können die zehn Songs der Briten plus Intro doch auch was reißen. Von Chris Laney ohne Wenn und Aber soundmäßig in diese Richtung gemixt, haben es Songs wie die Hitsingle „Girls Gone Wild“ oder die überaus gelungene Ballade „Hardest Heart To Break“, die sehr prominent an den dritten Platz des Albums gesetzt wurde, ziemlich leicht um reichlich Punkte zu sammeln. Auch der Opener „Ready To Go“ oder „Raise The Dead“ rocken gut nach vorne. Mit „All Fall Down“ gibt es einen tollen Midtempo-Stampfer und „Good Time Music“ ist einfach gute Laune pur, wie es der Titel schon verspricht. „It´s Not Me It´s You“ ist ein Schmachtfetzen erster Güte, einzig „Beginning Of The End“ wirkt absolut unfertig und „Someday“ ist für mich ein Füller, der leider ziemlich weit vorne platziert wurde.

Wenn also acht richtig gute Songs nur zwei schlechteren gegenüber stehen, sollte das eine Wertung von 8/10 ergeben, richtig? Ich packe sogar noch nen halben Punkt obendrauf, einfach weil mir das Album richtig gut gefällt und „In At The Deep End“ eine schöne Sommer-Gute-Laune-Platte für laue Nächte und lange Trips auf dem Highway ist.

Stefan

THE DEFIANTS – Drive

Trackliste:

01. Hey Life
02. Go Big Or Go Home
03. 19 Summertime
04. What Are We Waiting For
05. Miracle
06. Against The Grain
07. So Good
08. Love Doesn´t Live Here Anymore
09. Another Time, Another Place
10. The Night To Remember
11. Nothing´s Gonna Stop Me Now

Spielzeit: 53:08 min – Genre: Hardrock, Melodic Rock – Label: Frontiers Records – VÖ: 09.06.2023 – Page: www.facebook.com/TheDefiantsOfficial

 

THE DEFIANTS sind seit ihrer Gründung 2015 die Lieblingsersatzdroge für alle DANGER DANGER Fans, die seit 2009 auf ein neues Lebenszeichen ihrer alten Helden warten. Seit „Revolve“ konnte man sich nicht mehr zusammenraufen. Dann machen Bruno Ravel (Bass) und Rob Marcello (guitars) eben unter dem Banner THE DEFIANTS zusammen mit dem zeitweiligen D2 Sänger Paul Laine weiter. Mit „Drive“ steht bereits Album Nummer drei in der Pipeline. Mit ihrer kraftvollen Variante von D2 konnten die Amis bereits auf ihrem 2015er Debüt bei den meisten alten Fans punkten. Auch der 2019 nachgereichte Zweitling „Zokusho“ schlug in die selbe Kerbe. Das ist bei „Drive“, dem neuen 11 Tracker, nicht anders.

Kerniger Sound irgendwo zwischen Melodic- und Hardrock, die großartige Stimme von Paul Laine und große Hooks machen aus dieser Platte ein Fest für alle Genrefans im Allgemeinen und natürlich ein weiteres Mal für DANGER DANGER Fans im Besonderen. Das belegen auch Songtitel wie „Go Big Or Go Home“ oder „The Night To Remember“ – letzterer eine Melodiegranate erster Güte. Ebenso der luftig-leichte Gute-Laune-Rocker „19 Summertime“. So will man das hören Jungs – erstklassig! Etwas härter angehauchte Nummern wie „Hey Life“ oder eben „Go Big Or Go Home“ wechseln sich ab mit keyboardgetünchten Sommersongs wie „What Are We Waiting For“. Dazwischen das grandiose „So Good“ (solche Songs können eben nur die alten D2-Recken) oder das gefühlvolle „Miracle“.

Wo THE DEFIANTS drauf steht, ist eben auch genau das drin. Nicht immer ist das so einfach zu sagen, im Falle von „Drive“ aber trifft es den Nagel aber ein weiteres Mal auf den Kopf. Somit machen Fans hier überhaupt nix verkehrt – die neue Platte von THE DEFIANTS ist einfach nur ein weiteres bockstarkes Stück Hardrock!

Stefan

HEAVENS EDGE – Get It Right

Trackliste:

01. Had Enough
02. Gone Gone Gone
03. Nothing Left But Goodbye
04. What Could´ve Been
05. When The Lights Go Down
06. Raise ´Em up
07. 9 Lives (My Immortal Life)
08. Dirty Little Secrets
09. Beautiful Disguise
10. I´m Not The One

 

Spielzeit: 41:12 min – Genre: Hardrock – Label: Frontiers Records – VÖ: 12.05.2023 – Page: www.facebook.com/heavensedgeband

 

In Melodic-Rock-Kreisen ist es ein mit äußerster Spannung erwartetes Comebackalbum. Zu genial war ihr 1990er Debüt, das sich mit zahlreichen Hits des amerikanischen Hardrocks in die Herzen der Fans tätowiert hat. Songs wie „Play Dirty“, „Skin To Skin“, „Find Another Way“, „Bad Reputation“ oder „Come Play The Game“ haben alles was es braucht, um mit Größen wie BON JOVI und Konsorten mithalten zu können. Aber es kann nun mal nicht nur BON JOVIs auf dieser Welt geben, zumal dahinter in den Achtzigern meist gigantische Mechanismen aus Plattenfirmen und Konzertveranstaltern standen, die nicht nur einmal bestimmt haben, was die Masse gut finden sollte. Bei HEAVENS EDGE aus Philadelphia stand mit Columbia Records immerhin ein mächtiger Partner an der Seite von Mark Evans (vocals), Reggie Wu (guitars), David Rath (drums), Steven Parry (guitars) und George G. G. Guidott (bass). So ganz ging die Rechnung aller Beteiligten leider nicht auf – an ihrem selbstbetitelten Erstling kann es nicht gelegen haben. Dieser musste aber für einige Zeit auf Eis gelegt werden, als ein Verrückter mit einer Knarre während eines Konzerts um sich schoss und Bassist G. G. verletzte. Nach längerer Genesung ging man mit einiger Verspätung endlich ins Studio.

Der Rest ist Geschichte, die Musiklandschaft veränderte sich und so blieb es vorerst bei diesem einen Album, die Band löste sich 1993 auf. Erst 1998 wurde eine Compilation aus Demos und unveröffentlichten Songs auf den Markt geworfen. In Europa übernahm das MTM, für die USA Perris Records. Auch diese Liedersammlung konnte überzeugen und war natürlich nicht so gebügelt unterwegs wie noch das Debüt. Dennoch war das ausgehende Jahrtausend nicht die optimale Zeit, um mit klassischem Achtziger-Hardrock auch nur einen Blumentopf zu gewinnen. Und so gingen die Jahre ins Land, erst 2013 gab es im Rahmen des Firefest in Nottingham eine offizielle Re-Union. 2019 dann ein weiterer Schicksalsschlag, bei Bassist G. G. Wurde Lungenkrebs diagnostiziert, kurz darauf verstarb er. Erst 2022 wagten die verbliebenen Mitglieder einen Neuanfang, der jetzt mit diesem 10-Tracker gekrönt wird.

Doch kann das erste neue Album in 25 Jahren an die alten Zeiten anknüpfen? Wir schreiben nun mal nicht mehr 1989, und so klingt „Get It Right“ nur in Teilen nach den altbekannten HEAVENS EDGE und schon gar nicht retro. Schon der erste Appetithappen „Had Enough“ ist ein moderner Rocksong – zugegebenermaßen mit cooler Gitarrenarbeit. Und sicher nicht das, was viele Fans vielleicht erwartet hätten. „Gone Gone Gone“ ist etwas melodiöser gestrickt und mit größerem Refrain. Lässiges Bottleneck-Riffing a´la CINDERELLA hat „Nothing Left But Goodbye“ zu bieten. Die Ballade „What Could´ve Been“ braucht ein paar Durchläufe, ist dann aber nicht mehr aus dem Ohr zu kriegen. Mit „When The Light Go Down“ haben die Amis sogar einen ziemlich poppigen Song im Gepäck. Bisher alles andere als enttäuschend, aber doch überraschend. Weitaus mehr Schmackes hat „Raise ´Em Up“ und „9 Lives (My Immortal Life)“, bevor „Dirty Little Secrets“ zumindest teilweise den Bogen in die Vergangenheit spannt. „Beatiful Disguise“ und „I´m Not The One“ schließen gut vierzig kurzweilige Minuten, die doch völlig anders ausgefallen sind, wie man es sich vielleicht bei der Ankündigung dieser Re-Union-Platte vorgestellt hätte.

„Get It Right“ löst unter den Fans der ersten Stunde vielleicht nicht von Anfang an die größte Verzückung aus, ist bei näherem Hinhören dennoch unmissverständlich der Band HEAVENS EDGE zuzuordnen. Wir schreiben immerhin das Jahr 2023. Speziell die erste Hälfte der Platte ist wirklich stark und es ist ein tolles Gefühl, diese großartige Band mit herausragenden Musikern wie Gitarrist Reggie Wu oder Mark Evans mit seiner charismatischen Stimme wieder unter uns zu wissen.

Stefan

GRAND DESIGN – Rawk

Trackliste:

01. Tuff It Out
02. God Bless Rawk´n Roll
03. Love Or A Fantasy
04. Your Luv Is Drivin´ Me Crazy
05. Desperate Hearts
06. Dangerous Attraction
07. We Were Born To Rawk´n Roll
08. Carry On My Wind
09. Give It All Up For Luv
10. Get Out
11. In The H.E.A.T. Of The Nite

Spielzeit: 50:11 min – Genre: Hardrock – Label: GMR Music – VÖ: 21.04.2023 – Page: www.granddesignrocks.com 

 

Der schwedische Underground schlägt wieder einmal zu. Genauer gesagt die Mannen um Chefdenker Pelle Saether, genannt GRAND DESIGN. Schlicht „Rawk“ nennt sich ihr mittlerweile sechstes Werk. Elf neue Melodiegranaten sind darauf versammelt, die manchmal an DEF LEPPARD angelehnt sind, GRAND DESIGN haben im Laufe der letzten 17 Jahre (2006 gegründet) ihren eigenen Stil geprägt. Der ist zwar gnadenlos retro, aber dennoch alles andere als altbacken. Das haben praktisch alle Alben der Schweden gezeigt. Zum 2020 erschienen Vorgänger „V“ ist auch das Line-Up stabil geblieben.

Stabil ist auch der Einstiegstrack „Tuff It Out“, einer äußerst formidablen Rocknummer, die mit stampfendem Rhythmus, coolem Riffing und herrlichen Melodien glänzt. Das anschließende „God Bless Rawk´n Roll“ MUSS die Hymne dieser Platte sein. Und das ist sie auch – Durst, Partylaune und heftiges Kopfnicken sind angesagt. Mit einem Ohrwurmrefrain ausgestattet ist „Love Or A Fantasy“, bisher ist die Scheibe ein absoluter Volltreffer. Etwas flotter rockt „Your Luv Is Drivin´ Me Crazy“ aus den Boxen, bevor „Desperate Hearts“ – der Titel deutet es schon an – das Tempo etwas rausnimmt. Die bereits 2020 erschienene Nummer „We Were Born To Rawk´n Roll“ ist wieder Party pur, gleiches gilt für das bereits 2021 in die Umlaufbahn geschossene „Get Out“. Das abschließende „In The H.E.A.T. Of The Nite“ ist ein entspanntes Highlight und die wohl epischste Komposition aus dem Hause GRAND DESIGN.

Auf „Rawk“ präsentieren sich GRAND DESIGN melodisch wie eh und je, äußerst kompakt und aufgeräumt. Hier ist nichts überflüssig, die Produktion ist gelungen, alle Songs sind stark – kann sich die Platte einen Platz in den Top 10 für 2023 ergattern? Wir werden sehen…auf jeden Fall ist „Rawk“ die bisher kompletteste Platte der Schweden.

Stefan

ANGELS IN VEIN – Long Time Coming

17Trackliste:

01. No One Gets Out Alive
02. With Me Tonight
03. Bang A Gong (T-Rex Cover)
04. Ready To Roll
05. 1973
06. If Only
07. Don´t Want Love
08. Just Like You
09. Don´t You (Forget About Me) (Simple Minds Cover)
10. Black Blossom
11. Trip Of A Lifetime

Spielzeit: 39:40 min – Genre: Hardrock, Sleaze Metal – Label: Perris Records – VÖ: 07.04.2023 – Page: www.facebook.com/angelsinvein

 

„Long Time Coming“ ist der Titel des Erstlingswerks von ANGELS IN VEIN. Und dieser ist auch passend gewählt – immerhin wurde die Band in 2015 gegründet. Der Weg bis hierhin war also steinig, die Weltsituation der letzten drei Jahre haben die Umstände sicher nicht vereinfacht. Aber jetzt stehen Sänger Chris VanDahl (CHERRY ST., L.A. GUNS), Gitarrist Stacey Blades (L.A. GUNS), Gitarrist Bryan Todd Anthony (ROXX GANG, L.A. GUNS), Bassist Adam Kury (u.a. LEGS DIAMOND) und Schlagzeuger Troy Patrick Farrell (WHITE LION, ENUFF Z´NUFF) in den Startlöchern und sind ready to fight.

Und wie es sich für eine anständige amerikanische Rotzrock-Kapelle gehört, erscheint ihre Platte über Perris Records. Bereits 2016 stand mit „1973“ ein erster praktisch fertiger Song fest (siehe Video weiter unten), warum es so lange gedauert hat, bis jetzt diese Sammlung an Songs das Licht der Welt erblickt, wissen nur die Götter. Mit „No One Gets Out Alive“ startet das Album dann auch ziemlich angepisst und mit modernem Anstrich. Diesen setzt „With Me Tonight“ auch fort. Mit dem T-REX Cover „Bang A Gong (Get It On)“ ändert sich allerdings die Großwetterlage. Denn mit „Ready To Roll“ und „1973“ hält der sleazige Rock´n Roll Einzug. Das macht noch mehr Spaß als die ohnehin starken beiden ersten Songs. „If Only“ schlägt erstmals softere Klänge an – eine klassische Powerballade. Auch das modern glamige „She Is“ kann sich hören lassen. Nach der zweiten Coverversion der SIMPLE MINDS´ „Don´t You (Forget About Me)“ rotzen uns die Amis noch „Black Blossom“ vor die Füße, einer der wenigen Songs, der mich nicht sonderlich gepackt hat. Ganz anders der Rausschmeißer „Trip Of A Lifetime“, der den Kreis zu den ersten beiden Nummern des Albums schließt.

ANGELS IN VEIN könnten als Supergroup bezeichnet werden, alle Bandmitglieder haben ihre Sporen in verschiedensten Inkarnationen bekannter Bands verdient. Aber im Grunde sind ANGELS IN VEIN einfach eine coole Rock´n Roll Combo, die mit „Long Time Coming“ nun endlich eine komplette Scheibe vorzuweisen hat, die Ihr als geneigter Fan der o.g. Bands unbedingt antesten solltet

Stefan

CRIME – Hard Times (Zeitmaschine – Re-Release)

Trackliste:

1.Writing On The Wall
2.Fire Walk With Me
3.Running With The Storm
4.Open Your Eyes
5.Kiss My Ass
6.Isolation
7.Get Out Of This Jail
8.I Don´t Wanna Lose This Feeling
9.Hard Times
10.LSD Airways
11.Angel

Spielzeit: 50:13 min – Genre: (Progressive) Hardrock – Label: Metalapolis Records – VÖ: 1993/2023 – Page: www.crime-band.de

Erinnert sich noch wer an das glorreiche Plattenlabel aus dem Süden der Republik, das Anfang der 1990er so manchen Leckerbissen in den CD-Player gezaubert hat?! Die Rede ist natürlich von Long Island Records aus Kissing. FRONTLINE, TAKARA, THE HEAT (mit Mat Sinner), JADED HEART, STEEL DAWN , IF ONLY, GUNSHY oder SABU sowie das göttliche „Stick It In Your Ear“ von PAUL LAINE (mit Bonus Tracks) gingen auf das Konto der bayrischen Überzeugungstäter. Dabei gab es natürlich auch viele Lizenzprodukte, Re-Releases etc.
Aber auch gute eigene Signings konnte man vorweisen. z.B. die deutschen Hardrocker CRIME, die neben dem 1993er Debüt „Hard Times“ zwei Jahre später noch „No Cure“ nachreichten. Danach war allerdings Schluß mit der Band um den griechischen Sänger Stavros Moutzoglou. Des weiteren musizierten bei CRIME Matthias Ehrhardt (guitars), Ulrich Kottke (bass), Gunter Kierstein (keyboards) und Alex P. Meli (drums).

Jetzt erfährt dieser Rohdiamant endlich eine offizielle Wiederveröffentlichung, allerdings vorerst nur digital, dafür aber Remastered.

Leider ist in den Weiten des Internets nicht viel über diese Band zu erfahren. Nur, dass die Band bei allen beteiligten Musikern wohl das einzig nennenswerte Engagement geblieben ist. Beim Öffnen der CD-Box springt einen ein Bandfoto an, das einen gleich erschaudern lässt. So, genau so, konnte man sich das Publikum in der lokalen Rock Discothek vorstellen. Zu dem Zeitpunkt existierten noch einige dieser Schuppen, speziell im eher ländlichen Bayern. Und dort kamen auch die Songs von CRIME zum Einsatz. Sogar bis in die altehrwürdige Rock Fabrik zu Augsburg hat sich dieser Silberling rumgesprochen. Denn dort hörte der Schreiber dieser Zeilen zum ersten Mal den Song „Get Out Of This Jail“ und lenkte seine Augen sofort auf den kleinen Bildschirm, wo das Cover der CD zu sehen war (eine echt geile Idee, die mir so manchen CD-Kauf ermöglichte, auf der anderen Seite aber viel Geld kostete). Der jetzt vorliegende digitale Re-Release kommt nicht von ungefähr über das Label jenes Mannes, der seinerzeit in der RoFa hinter der DJ-Kanzel residierte.

Die 11 Songs auf dem Album könnte man generell als Hardrock bezeichnen – typisch deutschen Hardrock – der sich hin und wieder progressiven Tendenzen hingibt. Das eröffnende „Writings On The Wall“ beginnt frisch und rockig, was allerdings gleich zu Beginn auffällt ist, dass der Sound des Silberlings etwas schwach auf der Brust ist. Das hat sich hoffentlich mit dem Remastering geändert. Auf der anderen Seite hat er Wiedererkennungswert. Das folgende „Fire Walk With Me“ ist dann ein Song von der progressiven Sorte, für mich allerdings nicht dazu prädestiniert, um schon jetzt zum Zug zu kommen. Dafür hat er nicht genügend Durchschlagkraft. Das macht das melodische „Running With The Storm“ aber wieder wett. Die Piano-Ballade „Open Your Eyes“ ist herzzerreißend schön und „Kiss My Ass“ reckt deutlich den Mittelfinger in die Höhe. Die richtigen Highlight kommen aber noch. „Isolation“ macht den Anfang bevor der große Discothekenhit „Get Out Of This Jail“ alle Register zieht. Im Midtempo beheimatet mit Keyboarduntermalung schraubt sich das Stück langsam hin bis zum großartigen Refrain – göttlich. Abermals eine Ballade haben die Jungs mit „I Don´t Wanna Lose This Feeling“ im Programm – abermals ein tolles Stück Musik. Der Titeltrack „Hard Times“ behandelt Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und startet auch mit einem dementsprechenden Intro. Es scheint, als würde der griechische Sänger Stavros seine Erfahrungen in dem Song verarbeiten. „LSD Airways“ kann leider nur noch bedingt überzeugen aber die abschließende dritte Ballade des Albums namens „Angel“ zeigt noch einmal das starke Songwriting über weite Teile des Albums. Nicht zuletzt auch im Balladensektor.

Natürlich ist das Debüt von CRIME eher ein Exot und vielleicht auch ein gesuchtes Teil. Aber deshalb wird „Hard Times“ hier nicht vorgestellt, es geht einfach um tolle Musik, die tief aus dem Herzen kommt und für jeden Hardrocker Pflichtprogramm sein sollte. Leider fand die Scheibe damals zu wenig Beachtung und auch die Zeit war wohl nicht auf der Seite von CRIME. Umso mehr ist dieser Re-Release, dem hoffentlich auch ein physischer folgt, mehr als verdient. Da heißt es zuschlagen!

Stefan

HOTWIRE – The Story So Far 1993-2023

Trackliste:

01. Slam!
02. Crying In The Night
03. Stay In Motion
04. Take Me To Your Heart
05. Midnight Romeo
06. Sometimes She Cries
07. Talk To Me
08. Under Your Skin
09. Heart Of The Young
10. Lovin´ Kind
11. Danger Is Calling
12. Alone
13. Waiting For A Sign
14. Waterfalls
15. Once In My Life

Spielzeit: 69:38 min – Genre: Hardrock, Melodic Rock – Label: Yellow Muffin Records – VÖ: 28.042023 – Page: www.facebook.com/hotwiregang

 

Die Ingolstädter Regionalhelden HOTWIRE sind zurück! Das ist eine der besten Nachrichten des noch relativ jungen Jahres. Angebahnt hatte sich dieses Spektakel bereits vor einiger Zeit, HOTWIRE spielten in Regensburg ein Reunionkonzert in der Besetzung der allerersten Maxi-CD, doch wie so oft kam u.a. die Pandemie dazwischen, die Kontakte sind wieder eingeschlafen und so steht die Band jetzt mit runderneuerter Mannschaft in den Startlöchern. Neben den beiden Originalmitgliedern Tom Glas (drums) und Michael Werner (vocals) sind Hans Heid (ebenfalls bei den deutschen Hardrockern MASS aktiv), Daniel Gumo Reiss (beide guitars) sowie Alexander Schott (bass) mit an Bord.

Der Titel „The Story So Far 1993-2023“ macht auch gleich deutlich, warum es ausgerechnet jetzt sein muss. Vor 30 Jahren stiegen die Ingolstädter ins Geschehen ein, 1994 erschien die erste 3-Track Maxi, ein Jahr später schließlich der erste Longplayer. Insgesamt drei weitere Alben folgten. Zwischenzeitlich trennten sich 2001 die Wege von Michael Werner und HOTWIRE, die mit Andy Urbeck alias Andy Scott das bis dato letzte Werk „Devil In Disguise“ aufnahmen. Jetzt bündeln HOTWIRE sämtliche Highlights aus zwölf Jahren und wagen mit dieser Compilation zumindest einen zaghaften Neuanfang.

Für Kenner ist mit „Slam!“ zwar lediglich ein neuer Song zu hören, der aus der Feder von Sänger Michael Werner stammt. Er hatte die Nummer bereits bei seinem Projekt JUST SAY WEST umgesetzt, im Rahmen mit HOTWIRE klingt das Stück aber erst jetzt fertiggestellt und professionell ausgearbeitet. Sehr stark und ein echter Anreiz, sich diese Compilation auch als Besitzer des Gesamtwerks zu krallen. Denn des weiteren wurden zwei Nummern komplett neu aufgenommen („Midnight Romeo“ und „Danger Is Calling“) und dem übrigen Material wurde ein neues Mastering spendiert. Und so drehen Highlights wie die oben genannten nebst „Alone“ oder „Crying In The Night“ vom LP-Debüt oder „Lovin´Kind“ von der ersten Maxi eine Ehrenrunde. Insgesamt sind hier also fünfzehn Songs aus zwölf Jahren versammelt.

Für alle, die HOTWIRE bisher nicht kannten, ist „The Story So Far 1993 – 2023“ die perfekte Gelegenheit, äußerst hörenswerten, traditionellen Achtziger-Hardrock aus dem Süden der Republik in geballter Form zu entdecken. Eigentlich vergeben wir bei Compilations keine Wertung, in diesem speziellen Fall, der auch dem Umstand geschuldet ist, dass viele HOTWIRE noch nicht kannten, möchte ich dennoch starke 8,5 Punkte auf die Tafel schreiben. Rock on guys – we need you!

Stefan

BAI BANG – Sha Na Na Na

Trackliste:

01. Sha Na Na Na
02. My Favourite Enemy
03. I Don´t Know
04. I Know All The Hits
05. I Wanna Rock´n Roll
06. Motivated
07. All Alone
08. It´s Enough
09. Rock Me
10. That´s All I Need (Wha Wao Wa)


Spielzeit:
35:50 min – Genre: Hardrock, Glam/Sleaze – Label: Pride & Joy Music – VÖ: 24.03.2023 – Page: www.baibang.se

 

Zu den großen Namen der skandinavischen Hardrockwelt haben nie gezählt. Und doch halten BAI BANG seit 1988 durch und produzieren in gewissen Abständen Alben die – seit dem Neuanfang 2009 – einiges an Melodie und Eingängigkeit hinzugewonnen haben. Die alten Releases zwischen 1988 und 2000 sind weitaus gesuchter, die Unbekümmertheit hat Sänger Diddi Kastenholt als einziges verbliebenes Originalmtiglied aber erst in der zweiten Hälfte ihrer Karriere ausgespielt. Zwar polarisieren die Schweden mit ihrer Einfachheit, für Fans melodischer Klänge haben BAI BANG allerdings schon so manchen Partyhit auf dem Gewissen.

Das Besetzungskarussell hat sich wieder einmal kräftig gedreht und so stehen mit Pelle Eliasson und Christian Lindberg (guitars) sowie Tobbe Skogh (bass) und Micke Rosengren (drums) vier neue Mitstreiter auf der Liste. Auch der Wechsel zu Pride & Joy Music ist eine Neuigkeit, wurden doch nahezu sämtliche Alben seit dem Neustart bei AOR- bzw. Metal Heaven veröffentlicht. Doch die Geschäftsaufgabe von Georg Siegl machte eine Neuausrichtung notwendig. Lediglich für die Compilation „Best Of 4“ stand man kurzzeitig bei Lions Pride unter Vertrag. Und so schließt sich der Kreis, wieder bei einem deutschen Label in Lohn und Brot zu stehen. Schon in der ersten Schaffensphase arbeiteten die Schweden sehr gerne mit Partnern aus Germany zusammen.

Jetzt hat das Quartett aus Helsingborg also eine neue Platte unterm Arm – „endlich“ dürften viele Fans frohlocken. Der Start in Form des Titeltracks „Sha Na Na Na“ gestaltet sich allerdings etwas holprig. Deutlich besseres Material hat man in der Vergangenheit von BAI BANG vernommen. Erst mit „I Don´t Know“ liegt das Quartett wieder in der Spur und damit genau da, wo sich die Highlights der Vergangenheit befinden. „I Know All The Hits“ ist sicher eine Art Selbstreflektion, bevor sich mit „I Wanna Rock´n Roll“ der bisher beste Song in Schale wirft. Die AOR Packung „Motivated“ ist eine schöne Abwechslung, die etwas an DEF LEPPARD´s „Hysteria“ erinnert. „All Alone“ nimmt noch mehr Tempo raus, bevor „It´s Enough“ genau die Melodiebögen inne hat, die BAI BANG ausmachen. Das etwas schwächere ABBA-Cover „Rock Me“ kann nicht darüber hinweg täuschen, dass mit „Having A Show“ und „That´s All I Need“ noch zwei Nummern folgen, die auch auf den älteren Platten der Schweden stehen könnten.

Der Titel „Sha Na Na Na“ lässt nichts Gutes erahnen. Aber BAI BANG machen das, was sie am besten können: hochmelodischen Hardrock, der manchmal nah an der Grenze zum Kitsch liegt. Ein ganz klassisches Love/Hate-Ding eben. „Sha Na Na Na“ ist nicht das beste Werk der Band, das liegt außer Frage, aber dennoch ein gutes. Schön, dass Diddi Kastenholt niemals aufgibt und allen Widrigkeiten trotzt. Solche Leute braucht die Szene – er ist mit Leib und Seele dem Rock´n Roll verschrieben!

Stefan