JOLLY JOKER – Loud & Proud

Trackliste:

01.I Don´t Care
02.Sky Is So High
03.Blood Velvet
04.The Chance
05.Fortune Teller
06.Motor
07.Voodoo Nights
08.Nothing´s Scared
09.Devil´s Hand
10.New Orleans

 

Spielzeit: 36:56 min – Genre: Hardrock, Hair Metal – Label: Dark Rails Records – VÖ: 04.02.2022 – Page: http://www.facebook.com/jollyjokerband

 

Spanien ist nicht gerade der Nabel der Welt, wenn es um Hardrock geht. Und doch schaffen es immer wieder verheißungsvolle Vertreter dieser Zunft auf meinen Schreibtisch. Jüngstes Beispiel sind JOLLY JOKER, die schon seit über 12 Jahren ihr Unwesen treiben. Drei Alben hat das Quartett aus Valencia bereits auf dem Kerbholz, mit „Loud & Proud“ steht nun Nummer vier in den Startlöchern. Da gibt es einiges nachzuholen für den geneigten Hörer. Denn seit Anfang an liefern Lazy Lane (vocals), Yannick Bonora (guitars), Andreas „Andy“ Siegl (bass) und Dani (drums) – so die aktuelle Besetzung – starkes Material ab. Songs wie „Fuck It All“ vom Debüt „Sex Booze & Tattoos“, „Rockin´ In Stereo“ von der zweiten Platte „Here Come The Jokers“ oder „I Am Rock´n Roll“ vom 2018 erschienen Drittwerk „Never Say Forever“ sind nur einige Beispiele dafür, was JOLLY JOKER so drauf haben.

Jetzt haben die Jungs zehn neue Songs fabriziert. Zwei davon wurden bereits als Singles ausgekoppelt. Und eines kann man mit Fug und Recht behaupten: „Blood Velvet“ und „Sky Is So High“ sind die bis dato ausgereiftesten Kompositionen der Spanier und können sich absolut mit der internationalen Konkurrenz messen. Zwar führt das Cover Artwork auf den ersten Blick etwas in die Irre, denn JOLLY JOKER stehen keineswegs nur für benzingetränkten, schnellen Rock´n Roll, sondern haben für „Loud &N Proud“ ihre pure Sleaze-Attitüde der Anfangstage fast komplett über Bord geworfen und sie mit einer guten Portion erdigen Classic Rock angereichert.

Der Rausschmeißer „New Orleans“ rockt und rollt in bester Manier vor sich – Honky Tonk Piano inklusive – stark. Und Songs wie der Opener „I Don´t Care“ oder „Nothing Scared“ rocken wie Sau. Dazu noch die beiden oben erwähnten Singles als Highlights. Zählt man das alles zusammen, haben JOLLY JOKER schon mehr erstklassige Songs abgeliefert als die meisten Kollegen.

Dass JOLLY JOKER schon für Bands wie L.A. GUNS, HARDCORE SUPERSTAR, BACKYARD BABIES, die QUIREBOYS oder ADAM BOMB den Anheizer spielen durften, hat sicherlich nicht geschadet, „Loud & Proud“ ist nicht nur absolut gelungen, sondern auch das bisher durchgängig stärkste Album der Spanier. Es scheint, als hätten Lazy Lane und seine Bande ihre Nische gefunden. Unbedingt antesten!

Stefan

GIANT – Shifting Time

Trackliste:

01.Shifting Time
02.Let Our Love Win
03.Never Die Young
04.Don´t Say A Word
05.My Breath Away
06.Highway Of Love
07.It´s Not Over
08.The Price Of Love
09.Standing Tall
10.Anna Lee
11.Don´t Wanna Lose You
12.I Walk Alone

Spielzeit: 48:07 min – Genre: Hardrock – Label: Frontiers Records – VÖ: 21.01.2022 – Page: www.facebook.com/GiantRockBand

 

Das Jahr 1987 markierte den Start einer grandiosen Band aus den USA, die zwischen 1989 und 1992 zwei hervorragende Alben zustande brachte und sich damit in die Herzen von Millionen Hardrockfans auf dem gesamten Planeten spielte. Seitdem melden sich GIANT auf Drängen ihrer aktuellen Plattenfirma cirka alle zehn Jahre mal, um mit den beiden verbliebenen Originalmitgliedern Mike Brignardello (bass) und David Huff (drums) neues Material vorzustellen. 2022 ist es wieder einmal so weit – mit „Shifting Time“ steht Album Nummer fünf in den Startlöchern.

Ihre Klassiker „Last Of The Runaways“ und „Time To Burn“ zu toppen, wird schier unmöglich sein – zu perfekt war die Symbiose der Huff-Brüder mit Mike Bridnardello und Alan Pasqua (keyboards) seinerzeit. Entstand das nach der Reunion im Jahr 2001 veröffentlichte „III“ noch mit Originalsänger- und Gitarrist Dann Huff, müssen GIANT seitdem ohne ihr Aushängeschild auskommen. Zu eng getaktet ist der Terminkalender des Songschreibers und Produzenten, der sich nicht nur in Nashville einen großen Namen gemacht hat.

Die Lücke, die Dann Huff bei GIANT hinterlassen hat, versuchte Terry Brock (STRANGEWAYS) auf „Promise Land“ (2010) zu schließen, für den vakanten Posten des Gitarristen wurde John Roth auserkoren. Der WINGER Gitarrero ist ein wirklich erstklassiger Ersatz für Huff, auf „Promise Land“ wirkte er allerdings noch etwas blass.

Das ist auf „Shifting Time“ wie weggeblasen. Roth hat das Spiel von Dann Huff dermaßen verinnerlicht, dass man fast meinen könnte, der Meister saß selbst im Studio. Was die Leistung Roth´s allerdings nicht schmälern soll – für Fans der ersten Stunde allerdings ist das ein großer Zugewinn. Auch der neue Mann am Mikrofon ist ein Glücksgriff, denn Kent Hilli entpuppt sich als mehr als adäquater Ersatz für Huff, der in seiner Doppelrolle riesige Fußstapfen hinterließ.

Aber schon das instrumental Intro „Shifting Time“ weckt Erinnerungen an das Debüt, der folgende Opener „Let Our Love Win“ ist traditionellste GIANT-Kost. Ebenfalls erwähnenswert ist das bockstarke „Never Die Young“. Der Albumtitel ist also nicht nur großspuriges Geplappere. Näher an den beiden ersten Platten haben sich GIANT nie bewegt. Ebenso kann „Highway Of Love“ Nostalgiepunkte einheimsen, dazwischen gesellen sich mit „Don´t Say A Word“ oder „My Breath Away“ tolle Hardrocksongs. In der zweiten Hälfte fällt „Shifting Time“ etwas ab und hat „nur“ noch gute, aber relativ austauschbare Songs zu bieten.

Dass John Roth eine Bereicherung für die alten Recken ist, muss spätestens mit diesem Album konstatiert werden und auch Kent Hilli (der über eine Coverversion von GIANT´s „Stay“ mit seiner Stammcombo PERFECT PLAN die Aufmerksamkeit von Label und Band weckte) passt stimmlich perfekt ins Gesamtbild. Der Name „Shifting Time“ ist natürlich nicht ohne Grund gewählt – zumindest die erste Hälfte der Platte hält auch, was der Titel verspricht und hält eine tolle Zeitreise bereit.

Stefan

REDSTACKS – Revival Of The Fittest

Trackliste:

01. Overture 1848
02. Oceans
03. Jealousy
04. Dreamworld Junkie
05. Mercy
06. Cold
07. Mind’s Eye
08. Dystopia Now
09. Money
10. Vortex
11. Angels In Crime

Spielzeit: 49:23 min – Genre: Classic Rock – Label: Pure Steel Records – VÖ: 21.01.2022 – Page: www.facebook.com/redstacksmusic

 

REDSTACKS veröffentlichen ihr Debütalbum! Wer oder was sind REDSTACKS, Kopfkratz noch nie von gehört? Zur 2018 gegründeten Band gehören die beiden Mainmen und Songwriter Jouke Westerhof an Gitarre und Jeffrey Revet an Keyboards. Noch dabei sind Rob Van Der Loo an Bass und Tim Beudel an den Drums. Zu hören sind diverse Gastsänger wie Paul Adrian Villarreal, Matin van Der Starre, Jan Willem Ketelaers, Nick Holleman, Timothy Drake, Laura Guldemond und Thomas Meeuwis.

Der Sound besteht aus feinen Melodien, geilen ausufernden Hammondsounds, Gitarren die sich anhören als kämen sie aus Röhrenverstärkern, der Bass blubbert fein vor sich hin, und an den Drums sitzt ein Berserker der in die Felle drischt, all das ergibt einen klassisch angehauchten Hard Rock der sich nicht verstecken muss, vielmehr überrascht der Classic Hammondsound und überzeugt.

So richtig einordnen lässt sich der Sound nicht am ehesten mit einer Mischung aus PINK CREAM 69, early 80s WHITESNAKE, URIAH HEEP Keys, alten DEEP PURPLE auf Speed mit MINDSTORM gekreuzt. Diese Mischung hört sich sehr interessant an, und dies ist sie auch. Am meisten Spaß macht fast der allgegenwärtige Hammond- und Röhrenverstärkersound. Sowas von Retro und warm ist leider heutzutage nicht mehr so verbreitet und eher Mangelware im Musikgeschäft. Einen Nostalgiepunkt haben die rockenden Holländer schon mal auf der Habenseite. Der Rest kommt auch gut weg, für alle die auf Classic Rock können bestens geeignet. Der Einsatz von mehr Leadsängern gibt dem ganzen eine leichten Projekt Anstrich aber bietet auf der anderen Seite Abwechslung. Man darf gespannt sein was noch von REDSTACKS kommt das Album macht Lust auf mehr.

Mit „Overture 1948“ legen die Jungs einen Classic Song vor mit geilem Hammondsound, bei „Oceans“ kommt zum Retro Hammondsound noch sehr gutes Riffing hinzu. Bei „Jealousy“ muss ich an PINK CREAM 69 mit SINNER und WHITESNAKE Vibes denken stark gemacht, „Dreamworld Junkie“ könnten DEEP PURPLE auf Speed sein. „Mercy“ eine Tonnenschwere melancholische Ballade, „Cold“ kommt flott und zügig aus den Boxen. „Mind’s Eye“ ein Classic Rocker wie er sein sollte, „Distopia“ mit leichter Blues und Funk Note passt irgendwie nicht zu den anderen Songs. „Money“ geht mit melodischem Gitarrenspiel wieder besser ins Ohr ein Classic Rock Highlight erinnert mich sowohl stimmlich als auch musikalisch an die göttlichen MINDSTORM. „Vortex“ ein lässiger Rocker mit geiler Melodieführung, „Angels In Crime“ geht wieder mehr ab auch ein toller Song.

Balle

JAGGED EDGE U.K. – Fuel For Your Soul (RG Zeitmaschine)

Trackliste:

01. Liar
02. Out In The Cold
03. You Don’t Love Me
04. Hell Ain’t A Long Way
05. Smooth Operator
06. Sweet Lorrain
07. Fuel For Your Soul
08. Law Of The Land
09. Loving You Too Long
10. All Thru‘ The Night
11. Money Talking
12. Burnin‘ Up

Spielzeit: 48:52 min – Genre: Melodic Hardrock – Label: Polydor – VÖ: 1990 – Page:

JAGGED EDGE kamen mit ihrem leider einzigen Album im Jahr 1990 wie aus dem nichts und legte eben mal ein bärenstarkes Stück Rockgeschichte hin. Die aus UK stammende Band bewies mit ihrem schwedischen Shouter das geile Mucke nicht nur aus den USA kommen muss, sondern dass auch europäische Bands durchaus im Stande sind sehr gute Mucke zu machen. Wie im Fall JAGGED EDGE die eben mal ein echtes Schmankerl und einen Klassiker eingetütet haben. Zum Lineup zählten Matti Alfonzetti an Mikro, Myke Gray an Gitarren, Andy Robbins an Bass und Fabio Del Rio an den Drums.

Matti veröffentlichte ein Jahr früher 1989 mit den Schweden BAM BAM BOYS ein starkes Melodic Rock Highlight. Die anderen Musiker von JAGGED EDGE waren auch bei folgenden Bands oder Projekten beteiligt, BRUCE DICKISON, SAVANNAH NIX, SHADES OF GRAY, SKIN oder HOLY SOLDIER.

Was kann der Hörer erwarten, wenn er JAGGED EDGE auflegt, ein wahres Melodic Rock Feuerwerk mit genialen Vocals, messerscharfe Riffs, wummer Bass und treibende Drums mit einer staubtrockenen Produktion die sich aber dennoch sehr gut anhört.

Der Stil lässt sich in etwa aus einer Mischung WHITESNAKE, KISS, DREAM POLICE, TREAT, EVENRUDE, ROUGH CUTT, SHARK ISLAND und noch viele mehr umschreiben. So einfach sich das liest aber der Stil ist die perfekte Symbiose aus US und Euro Melodic Hard Rock, diese Mischung ist einmalig und kein zweites Mal zu finden. Schade das nach der noch im selben Jahr erschienen EP „Trouble“ Schluss war, die Jungs konnten was und überzeugten mit geilen Songs und der dementsprechenden Umsetzung im Studio.

Die Vocals von Matti waren nicht von dieser Welt, seine Stimme ist rau aber dennoch gefühlvoll und überzeugt ohne Wenn und Aber. Die Gitarren zu hören ist eine Freude, das Riffing überzeugt, nicht zu hart abgemischt, sondern genau richtig und immer Songdienlich. Der Bass macht von der zweiten Reihe Druck ohne Ende. Die Drums sind immer mit Volldampf wahrnehmbar und man meint ein Berserker haut mit voller Gewalt in die Felle. All diese Kriterien machen dieses Album zu einem Highlight das in keiner gut sortierten Sammlung fehlen sollte. Im letzten Jahr wurde dieses Juwel von dem französischen Label Bad Reputation für einen normalen Tarif wieder aufgelegt. Leute wer das Album nicht besitzt sollte schleunigst zugreifen bevor die Chance vorbei ist sich diese Schatztruhe zum normalen Preis sichern zu können.

Mit dem melodischen Brecher „Liar“ gelingt ein perfekter Einstieg, mit „Out In The Cold“ ein Melodictraum folgt das nächste Highlight, flott, mit einer feinen Melodieführung und Harmonie. „You Don’t Love Me“ der nächste Geniestreich mit geilem Riffing, „Hell Ain’t A Long Way“ Energie gemischt mit Melodie und JAGGED EDGE ein Hammersong. Es folgt das obercoole „Smooth Operator“, „Sweet Lorraine“ klingt nach den weiten der USA und deren endlosen Highways. Mit „Fuel For Your Soul“ kommt der nächst Superhit ein echter Kracher, mit „Law Of The Land“ kommt wieder so ein US Song der aus dem Süden sein könnte. Das gefühlvolle „Loving You Too Long“ ist das nächste Highlight, „All Through The Night“ ein flotter Feger. „Money Talking“ ist keinen Deut schlechter als die Vorgänger, mit „Burnin‘ Up“ zeigen die Jungs nochmal das sie in die Oberliga gehörten und einen Platz in der Hall Of Fame im Rockolymp haben müssten. Ich würde eine 12 von 10 vergeben da es sich hier um einen Klassiker ohne Ausfall handelt, keine Filler sondern nur Killer und die Refrains sind gnadenlos und lassen einen nicht mehr los.

Balle

AT THE MOVIES – The Soundtrack Of Your Life Vol. 1 + Vol. 2

The Soundtrack Of Your Life Vol. 1 – Movie Hits Of The 80s

Trackliste:

01. No Easy Way Out
02. Maniac
03. St. Elmos Fire (Man In Motion)
04. A View To A Kill
05. (I’ve Had) The Time Of My Life
06. Wouldn’t It Be Good
07. We Don’t Need Another Hero (Beyond Thunderdome)
08. The Power Of Love
09. The Heat Is On
10. Never Ending Story
11. Far From Over
12. Last Christmas (Bonus Track)

Spielzeit: 48:40 min – Genre: Rock, Hardrock – Label: Atomic Fire Records – VÖ: 07.01.2022 – Page: www.atthemoviesband.com

 

Die vergangenen 2 Jahre haben schon kuriose Lebenssituationen hervorgebracht. Speziell der musizierenden Zunft wurde zeitweise quasi ein Berufsverbot auferlegt – zumindest was Liveauftritte oder gemeinsame Aufnahmesessions im Studio angeht. Um die Zeit totzuschlagen, haben sich einige schwedische Musiker ein Spaß-Projekt einfallen lassen, das bereits in 2020 erste Früchte trug. Erdacht von Gitarrist, Songschreiber und Produzent Chris Laney lassen AT THE MOVIES die glorreichen Zeiten noch einmal revue passieren. Angefangen hat alles mit der Version des ROBERT TEPPER Hits „No Easy Way Out“ aus Rocky IV. Zusammen mit Pontus Norgren (guitars, HAMMERFALL), Pontus Egberg (bass, KING DIAMOND, WOLF), Morten Sandager (keyboards, Ex-PRETTY MAIDS), Allan Sorensen (drums, Ex-ROYAL HUNT, PRETTY MAIDS) sowie dem Stimmakrobaten Björn Strid (NIGHT FLIGHT ORCHESTRA, SOILWORK) und Sängerin Linnea Vikström Egg (KAMELOT, THERION) und einigen Gastbeiträgen hat Chris Laney im Laufe der Zeit elf Tracks zu neuem Leben verholfen.

„The Soundtrack Of Your Life Vol. 1 – Movie Hits Of The 80´s“ nennt sich die erste Veröffentlichung, die jetzt noch einmal neu aufgelegt wird. Ursprünglich im Eigenvertrieb, hat sich das neue Label Atomic Fire Records die „Band“ geschnappt und veröffentlicht nicht nur den neuen, zweiten Teil des Soundtrack´s des Lebens mit dem Zusatz „The Best Of 90´s Movie Hits“, sondern eben auch eine neue Version des ersten Teils. Und natürlich ist der Name Programm: neben des schon erwähnten „No Easy Way Out“ gibt es JOHN PARR´s „St. Elmos Fire“ vom gleichnamigen Soundtrack, „A View To A Kill“ von DURAN DURAN (James Bond – Im Angesicht des Todes), eine Killerversion von TINA TURNER´s „We Don´t Need Another Hero“ (Mad Max III) mit Ronnie Atkins am Mikrofon – das Ding könnte gut und gerne ein PRETTY MAIDS Hit sein – oder „The Heat Is On“ von GLENN FREY (Beverly Hills Cop). AT THE MOVIES lassen nicht nur alte Hits wieder auferstehen, sondern deren Filme gleich mit – und das in rockigem Gewand, sofern das Original nicht schon ein Rocksong war. Hin und wieder hart an der Grenze, etwas zu cheesy zu sein, aber unterm Strich macht diese Sammlung alter Hits einfach nur Spaß. Für die Neuauflage haben AT THE MOVIES den Weihnachtshit schlechthin neu interpretiert: „Last Christmas“ von WHAM – als nicht allzu großer Fan des Originals muss ich allerdings sagen, dass man sich das Ding auch hätte sparen können. Anyway…

Stefan

 

The Soundtrack Of Your Life Vol. 2 – I Love The 90s

Trackliste:

01. Waiting For A Star To Fall
02. King Of Wishful Thinking
03. The One And Only
04. When You Say Nothing At All
05. (I Just) Died In Your Arms
06. (You Drive Me) Crazy
07. Heaven Is A Place On Earth
08. Crush
09. I’ve Been Thinking About You
10. Venus
11. I Want I That Way

Spielzeit: 42:39 min – Genre: Rock, Hard Rock – Label: Atomic Fire Records – VÖ: 07.01.2022 – Page: www.atthemoviesband.com

 

AT THE MOVIES gehen in die zweite Corona bedingte Zwangsrunde, nachdem ihr im Letzen Frühjahr in Eigenregie veröffentlichtes Album mit feinen Coverversionen von Filmhits der 80er für mächtig Wirbel sorgen konnte. Erscheint nun der zweite Streich diesmal mit Label im Rücken welches auch Zeitgleich Vol. 1 offiziell herausbringt. Teil 1 hat Stefan oben ausführlich betrachtet, so bin ich nun mit Vol. 2 dran. Der Titel „I Love The 90s“ ist ein wenig irreführend gewählt, es befindet sich ein Song aus dem Jahr 1969 und einige aus den 1980ern drauf. Der Titel bezieht sich auf das Jahr der Verwendung der Songs in Filmen, die einen zweiten Frühling durch die musikalische Untermalung der Filme bekamen oder erst durch diesen Einsatz der breiten Masse bekannt gemacht wurde.

Erneut unter der Führung von Chris Laney und unveränderter Mannschaft wurden einige Hits nochmal zu neuem Leben im Rockgewand erweckt. Dieses Rockgewand steht den Songs ausgesprochen gut wie schon auf Vol. 1 wird hier ordentlich abgerockt was die Axt hergibt und dermaßen auf den Putz gedonnert das es eine wahre Freude ist.

Böse Stimmen werden jetzt bestimmt behaupten das dies nicht sonderlich innovativ ist, was solls, Bullshit – Hauptsache die Dinger rocken und das tun sie. Die Musiker sind auch keine wirklich unbekannten in der Szene und wissen genau was sie machen und wozu sie in Imstande sind. Also machen diese Jungs das was sie können, eine Party feiern und uns den Soundtrack für eine solche liefern. Innovativ ist es vielleicht nicht sich mit fremden Federn zu schmücken aber Hey warum nicht, ein ehemaliger Castinggroup Mitglied bringt Schlagerschnulzen in italienischer Sprache unters Volk und sahnt ab wie noch was. Also warum nicht gestanden Musikern dasselbe zugestehen und Songs die ihnen gefallen in den Rock zu adaptieren und einen Groover für uns daraus machen. Andere Künstler machen des mit weitaus mehr Erfolg, musikalisch nicht wirklich besser, aber da in einer anderen Musiksparte ohne das gemosert und gemeckert wird. Im Schlager darf einer den anderen Covern ohne das eine Kritik kommt aber beim Rock oder Hardrock wird gemault, „Denen fällt nichts mehr ein, also machen die Coversongs“ tja ich sag da nur schaut euch um im Techno oder Dancefloor wird gecovert das es fast keine neuen Songs gibt.

Also warum nicht die Musiker machen lassen worauf sie gerade Bock haben, wenn so was bei rauskommt wie im Fall AT THE MOVIES kann man das verschmerzen das es Coversongs sind. Mir gefallen jetzt auch die Songs die ich im Pop nicht mochte, ist doch auch nicht schlecht, wenn die Mädels und Jungens für Völkerverständigung sorgen und Genreübergreifend über den Schatten springen und einfach gute Songs in noch bessere verwandeln. Ich für meinen Teil gönne mir noch einige Durchläufe beider Alben, z. B, „(I Just) Died In Your Arms“ kommt frisch und vorlaut aus den Boxen, die olle Carlisle Kamelle „Heaven Is A Place On Earth“ rockt wie Sau. Der Canibals Klassiker „I’ve Been Thinking About You“ räumt sämtliche Regale komplett ab da bleibt kein Auge trocken, der Hippie Song „Venus“ hat noch nie so frisch geklungen. Die Songs kommen frisch und unverbraucht aus der Anlage und geben auf jeder Party eine mehr als nur gute Figuren ab.

Balle

VICTORY – Gods of Tomorrow

Band: Victory
Album: Gods Of Tomorrow
Spielzeit: 53:02 min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 26.11.2021
Homepage: www.victory-band.com

Die Hardrocker VICTORY zählen nicht umsonst zu den beliebtesten Exporten aus deutschen Landen. Zwischen 1985 und 1992 haben sie sechs sehr gute bis grandiose Alben abgeliefert, die sich auch heute noch regelmäßig im heimischen Player drehen. Mit „Culture Killed The Native“ (1989) und „Temples Of Gold“ (1990) erreichten sie nicht nur ihren kommerziellen Höhepunkt, auch die damalige Besetzung mit Goldkehlchen Fernando Garcia war die wohl beste, obwohl auch die frühe Diskographie mit „Don´t Get Mad…Get Even“ (1986) mit Charlie Huhn am Mikro erstklassig war und auch das quasi-Spätwerk „You Bought It – You Name It“ von 1992 zu meinen persönlichen Favouriten zählt. Danach bekamen die Hannoveraner keinen Fuß mehr in die Türe, traditioneller Hardrock war erst einmal verpönt. Das 1996er Album „Voiceprint“ konnte daran nichts ändern, die Band löste sich auf. Ein paar Jahre später – genauer gesagt 2003 – dann das Comeback. Seitdem wurden zwei Alben mit wechselnder Besetzung veröffentlicht. Zehn Jahre nach dem bisher letzten Lebenszeichen „Don´t Talk Science“ gibt es nun mit „Gods Of Tomorrow“ eine neue Langrille von Mastermind Hermann Frank mit komplett runderneuerter Besetzung.

Neben Frank an der Gitarre hören wir auf der neuen Platte Gianni Pontillo (vocals), Mike Pesin (guitars), Malte Frederik Burkert (bass) und Michael Stein an den Drums. Speziell Pontillo ist ein echter Glücksgriff, denn seine ausdrucksvolle Stimme irgendwo zwischen Ted Bullet (THUNDERHEAD) und Ronnie Romero (LORDS OF BLACK, RAINBOW, VANDENBERG u.v.m.) passt perfekt zu den neuen Songs. Für den Fan aus früheren Zeiten sollte noch erwähnt werden, dass VICTORY anno 2021 einen etwas metallischeren Anstrich erhalten haben als Anfang der Neunziger. Hermann Frank´s zwischenzeitlichen Ausflüge mit ACCEPT oder auch seinen vier Soloalben spiegeln sich ebenfalls etwas im aktuellen VICTORY-Sound wieder.

Davon ist beim Opener „Love & Hate“ allerdings noch recht wenig zu spüren. Die Nummer greift alte Großtaten auf, natürlich in modernem Soundgewand. Ganz anders tönt der Titeltrack mit seinen Doublebass-Salven und forschem Tempo. „Cut To The Bone“ fährt den Härtegrad wieder etwas zurück, hier kommt der knochentrockene Sound der neuen Platte richtig zur Geltung. Mit „Dying In Your Arms“ schlagen die Hannoveraner erstmals ruhigere Töne an, die auch gut und gerne auf ein aktuelles GOTTHARD-Werk gepasst hätten. Ein weiteres Highlight stellt der Stampfer „Unconditional Love“ dar, genau wie das mit stoischem Riffing in bester Manier rockende „Mad“ – großartig! Natürlich wird auch auf die Tube gedrückt – und das nicht nur beim Titeltrack. „Into The Light“ oder „Rising Force“ sind nur zwei Beispiele dafür.

VICTORY are back with a bang! Das steht fest. Hermann Frank hat eine tolle Truppe um sich geschart und obendrein haben die Hardrocker richtig gutes sowie abwechslungsreiches Songmaterial zusammengetragen, das „Gods Of Tomorrow“ zu einem starken Statement werden lässt. Die Jungs haben richtig Bock, das hört man dieser Platte an, die eigene Vita macht es VICTORY aber auch nicht gerade leicht. Willkommen zurück!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1. Intro
2. Love & Hate
3. Gods Of Tomorrow
4. Cut To The Bone
5. Dying In Your Arms
6. Hold On Me
7. Into The Light
8. Mad
9. Unconditional Love
10. My Own Desire
11. On Fire
12. Rising Force
13. In Rock We Trust
14. Leave You Alone (CD Bonus Track)

Stefan

KAASIN – Fired Up

Band: Kaasin
Album: Fired Up
Spielzeit: 47:06 min
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 19.11.2021
Homepage: www.facebook.com/kaasinmusic

 

Wow was für eine Power, was für eine Energie, gleich der erste Song auf dem Debüt von KAASIN ist ein Burner. Gegründet wurde KAASIN von Gitarrist Jo Henning Kaasin, der auch bei COME TASTE The BAND Gründungsmitglied war und dort auch Gitarrist und Songschreiber war. Dort hat Jo mit Leuten wie Joe Lynn Turner, Glenn Hughes, Doogie White oder Bernie Marsden zusammen gearbeitet. Nach 23 Jahren wurde es für Jo Zeit seine eigene Band KAASIN formieren.

Mit dabei sind Jan Thore Grefstad am Mikro, Staale Kaasin an Bass, Benjamin Dehli an Keyboards und Chris Brush am Schlagzeug. Den Hörer erwarten scharfe Riffs, retro Keyboards, treibender Bass und Schlagzeug die für Feuer unterm Hintern sorgen. Hier kommt Hard Rock kraftvoll und energisch auf den Tisch, die Riffs sind gut platziert, wie auch der Rest der Band, es passt alles angefangen bei der Stimme von Jan über die Gitarre bis hin zu den Becken der Drums.

Der Hard Rock erinnert mal an THE NORSEMAN COMPANY, LED ZEPPELIN, DEEP PURPLE, HEAVEN & HELL, WHITESNAKE, RAINBOW oder kommt mit einer gewaltigen Portion Blues um die Ecke. Der Sound könnte auch aus den Späten 70ern oder 80ern stammen, die Trademarks dieser Zeit sind vorhanden, geile Melodieführungen, RAINBOWsche Songstrukturen die sorfort zünden und Spaß machen. KAASIN ist weder Kopie noch Klon von den erwähnten Vergleichen, irgendwie eigenständig aber der Hang zu den Vergleichen schwebt doch über den Songs die nicht schlecht sind. Sie bieten ein wenig Kontrast zu den anderen Veröffentlichungen, da die Keyboards hier ziemlich retro zu Werke gehen, sie sind denoch präsent genug.

Mit “We Are One” hauen die Jungs einen Raus was für ein Nackenzerstörer, “Hidden” ein Symbiont aus LED ZEPPELIN und DEEP PURPLE. “Smoking Gun” ein geiler Blues Rocker, bei “Carry On” kommen RAINBOW durch. Mit “Shades Of Yesterday” kommt eine sehr gute Ballade eine Mischung aus LED ZEPPLIN, WHITESNAKE und der Eingängigkeit von RAINBOW, “Walking Downwards” ein Lilaweißer Rocker. “Chain Of Love” besser konnten RAINBOW auch nicht der Hit des Albums, bei “Wrong” muss ich passen. “Inside Out” ein Hard Rock Song, “Revelation” ein Rocker im ich schreib mal KAASIN Stil, “Runaway Train” ein geiler Rocker im RAINBOW Stil.

Fazit:

Ein geiles Teil von KAASIN für alle Nostalgiker die auf die Vergleiche können ein muss, ich vergebe eine 8,5.

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. We Are One
02. Hidden
03. The Smoking Gun
04. Carry On
05. Shades Of Yesterday
06. Walking Downwards
07. Chain Of Love
08. Wrong
09. Inside Out
10. Revelation
11. Runaway

Balle

CRAZY LIXX – Street Lethal

Band: Crazy Lixx
Album: Street Lethal
Spielzeit: 44:33 min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 05.11.2021
Homepage: www.crazylixx.com

Gut 16 Jahre ist es jetzt her, dass CRAZY LIXX ihre Debüt-EP „Do Or Die“ aufgenommen haben. Vieles ist bisher geschehen im Universum der schwedischen Hardrocker, die die New Wave Of Swedish Sleaze zusammen mit anderen Kollegen wie CRASHDIET gewaltig angeschoben haben und seit jeher zur Speerspitze dieser Bewegung zählen. Oben genannte EP entdeckte ich zufällig auf einer Internetplattform für skandinavische Bands aus dem tiefsten Underground, die wahnsinnig viel Demokram beinhaltete, aber auch eben solche Juwelen wie CRAZY LIXX zu Tage förderte. Spätestens seit der Single „Heroes Are Forever“ war klar, dass die Mannen um Sänger Danny Rexon zu mehr fähig waren als die meisten ihrer Kollegen. Schon am Anfang ihrer Karriere hatte das Gespann unglaubliche Fähigkeiten bewiesen, gutes Songwriting, grandiose Melodien und einen ansprechenden Sound in Einklang zu bringen – und das alles mit einem tollen 80´s Flair. Dementsprechend großartig fiel dann im Jahre 2007 auch die Debütscheibe „Loud Minority“ aus. Kurz darauf dockten die Schweden bei Frontiers Records an, wo sie 2010 mit „New Religion“ ein weiteres Kapitel aufschlagen konnten. Als Fan der allerersten Stunde war der wohl schlimmste Schlag der Weggang von Gitarrist Vic Zino im Jahr 2008, der nun wirklich schwer zu ersetzen war. Dennoch hat er bei HARDCORE SUPERSTAR schnell seinen Platz gefunden und ist dort schon lange nicht mehr wegzudenken. So richtig ersetzen konnte ihn trotz konstant guter Platten erst so richtig das Duo Chrisse Olsson/Jens Lundgren, das 2016 zur Band stieß. Spätestens seitdem ist die Band wieder ein gut geölte Rock´n Roll-Maschine und Stück für Stück tasten sich die Schweden einen Schritt näher heran an die perfekte Reinkarnation einer Achtziger-Vorzeigeband.

Das ist ihnen mit dem 2019 erschienen „Forever Wild“ eindrucksvoll gelungen. Hits wie „Break Out“, der heimliche Top Gun 2 Soundtrack „Silent Thunder“ oder das AOR lastige „Eagle“ sowie der Titeltrack lassen absolut keine Wünsche offen. Ein Meisterwerk. Doch können Danny Rexon und seine Jungs das auf dem neuen Langspieler „Street Lethal“ wiederholen oder gar toppen? Zwischenzeitlich vergnügte sich der Sänger, Produzent und Songschreiber mit dem Projekt der britischen Rockröhre CHEZ KANE, für deren selbstbetiteltes Debüt – ein 80´s Kracher vor dem Herrn, da wird selbst die gute ROBIN BECK blass – er die Songs (mit)geschrieben hat und auch für die Produktion verantwortlich war. Den Produzentenstuhl belegte Mr. Rexon auch beim aktuellen Output von CRAZY LIXX, für den Mix wurde Tobias Lindell verpflichtet.

Im August knallte mit „Anthem For America“ die erste Single in die Umlaufbahn. Hymnisch wie eh und je, herrlicher 80´s Sound und ein erfrischendes Video dazu. Was will man mehr? Vielleicht noch mehr neue Hits?! Bitteschön – der neue Appetizer „Rise Above“ ist abermals ein Volltreffer und schraubt die Erwartungshaltung für das neue Album in oberste Dimensionen. Dazwischen hat man mit „Reach Out“ einen etwas schwächeren Song in die Menge geworfen. Damit wir uns aber richtig verstehen, das Ding ist immer noch eine sehr gute 8.

Schon das Album Cover ist angelehnt an einen der größten Videogame-Hits der Achtziger: Street Fighter! Was haben wir damals an den Automaten gehangen und stundenlang dieses Ding gezockt? Oh Mann, die Kohle möchte ich heute vor mir aufgehäuft haben. OK, die US Cars auf dem Artwork sind allesamt nicht aus den Achtzigern, aber ich wäre sehr happy, diese Sammlung in meiner Garage stehen zu haben. Den Anfang des Albums macht also folgerichtig das Intro „Enter The Dojo“, gefolgt von den beiden erwähnten Singles „Rise Above“ und „Anthem For America“. Das sorgt schon mal für leicht feuchten Feinripp. Mit dem folgenden Midtempo-Stampfer „The Power“ zeigen CRAZY LIXX, dass sie in den vergangenen Jahren gelernt haben, sehr viel variabler agieren zu können. Weg von der Sleaze/Street Rock Attitüde, hier wird reinster Hardrock mit eingängigen Melodien zelebriert.

„Reach Out“ schließt da nahezu nahtlos an, bevor „Final Fury“ eine weitere neue Vorliebe der Schweden zu Tage fördert. Hier haben wir es mit einem SynthWave Instrumental zu tun. In der jüngeren Vergangenheit wurden bereits zwei Songs des Vorgängeralbums im SynthWave Gewand remixed und als Single B-Seite vorgestellt. Der Titelsong nimmt wieder mehr Fahrt auf – ein klassischer CRAZY LIXX Rocker sozusagen. „Caught Between The Rock´N Roll“ ist ein gutgelaunter Hardrocker. Auf eine reinrassige Ballade verzichten die Schweden dieses Mal komplett, mit „In The Middle Of Nothing“ haben sie aber einen an DEP LEPPARD angelehnten, hochmelodischen Tanzflächenfüller am Start. Mit der AOR Nummer „One Fire – One Goal“ und dem siebeneinhalb minütigen „Thief In The Night“ beschließen CRAZY LIXX ihr siebtes Studiowerk durchaus überraschend. Denn noch nie war eine Platte der Schweden über weite Teile derart locker leicht.

CRAZY LIXX anno 2021 sind variabler, professioneller und aufgeräumter. Die Wildheit ihrer Anfangstage vermisst man schon das ein oder andere Mal. Dennoch haben Danny Rexon und seine Jungs für viele Fans das richtige im Gepäck. Angefangen von melodiösen, perfekt in Szene gesetzten Hymnen irgendwo zwischen Sleaze und Hardrock bis hin zu DEF LEPPARD-verwandten Melodiebomben liefern CRAZY LIXX mit „Street Lethal“ eine Platte ab, die viele vielleicht überraschen wird. Das Image ist bis ins Detail ausgearbeitet, genau wie die Songs. Der Sound ist gut – nur manchmal fehlt die rohe Street Credibillity früherer Tage. Dennoch ist mir „Street Lethal“ ne fette 9 wert!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1. Enter The Dojo (Intro)
2. Rise Above
3. Anthem For America
4. The Power
5. Reach Out
6. Final Fury
7. Street Lethal
8. Caught Between The Rock´n Roll
9. In The Middle Of Nothing
10. One Fire – One Goal
11. Thief In The Night

Stefan

RHETT FORRESTER – Even The Score (RG Zeitmaschine)

Band: Rhett Forrester
Album: Even The Score
Spielzeit: 47:27 min
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Rhino Records
Veröffentlichung: 1988
Homepage: —

 

Hier handelt es sich um das zweite Album von RHETT FORRESTER der im Alter von 37 Jahren 1994 während eines Missglückten Carjackings in Atlanta erschossen wurde. An diesem Tag verlor die Rockwelt einen talentierten Musiker, der mit seiner Stimme überzeugen konnte. RHETT brachte es auf zwei Soloalben und eine Art Tribute aus dem Jahr 1996, veröffentlichte zwischen 1982 und 1983 zwei Studioalben und eine Live EP als Sänger der Heavy Metal Band RIOT. Im Jahr 1984 kam mit JACK STARR das Album “Out Of The Darkness” auf den Markt, zwei Jahr nach seinem Tot kam mit Dogbone noch das gleichnamige Album auf den Markt.

Über die Mitwirkenden ist mir außer RHETT selbst nichts bekannt, es lassen sich im Internet auch keinerlei Infos zu den Musikern finden. Die Stimme RHETTs ist rau und in den tieferen Lagen angesiedelt und war geradezu gemacht für Hard Rock und Heavy Metal. Und er verstand es diese richtig einzusetzen um zu überzeugen. Der Sound bewegt sich in etwa zwischen DOKKEN, TESLA, DIO, SCORPIONS, WHITESNAKE und einem Schuß RAINBOW. Die Stimme ist über jeden zweifel erhaben, entweder man liebt oder hasst diese, die Gitarren kommen richtig geil zur Geltung, der Bass ist im Hintergrund zu vernehmen, die Drums treiben ohne Ende und machen Dampf.

Der Hard Rock gehört auf diesem Album mit Sicherheit zu der Gattung Supercatchy und Attraktiv genau so wie ihn auch die Vergleiche in ihrer Blütezeit oder zu Lebzeiten auf Band aufgenommen haben. Es frisst sich Song für Song durch die Gehörgänge bis an die Trommelfelle um diese mit Melodie, Härte und dem rauen Organ zu bearbeiten bis man nur noch die Songs im Kopf hat und nicht mehr so schnell vergisst. Auf dem Album sucht man Ausfälle vergeblich, es ist auch nicht der Volle Punkte bringer aber ein Klassiker auf alle Fälle und hörenswert. Leider ist dieser Rundling auch schon rar und teuer geworden aber ich würde mal behaupten für eine gute gebrauchte CD in dieser Qualität locker zwischen 20 bis 25 Euro wert.

Der Anfang wird mit “You Will Be Mine” gemacht ein Hard Rocker im WHITESNAKE Fahrwasser, “Even The Score” ein energiegeladener Hard Rock Song. Mit “Ready For Love” kommt eine gefühlvolle Ballade, dann folgt der Smash Hit des Albums “Assume The Position” ein gnadenlos eingängiger melodischer Rocker der groovet wie Sau und ein fettes Highlight darstellt, in den Discos sollten bei dem Song die Tanzflächen schnell voll werden. “I Must Be Crazy” hätte sich bestens auf DIOs “Holy Diver” gemacht, “Burning Heart” ein Killer. Bei “Payin‘ The Price” passen die Vocals nicht so toll zum Song gehört zu den Kuriositäten, “See You In My Dreams” ein schöne Ballade die selbst von den großen Namen nicht besser gemacht werden kann. “Leading Me On” das Kind der Eltern VAN HALLEN und WHITESNAKE, “Last Fair Deal Gone Down” ein WHITESNAKEscher Rocker.

Fazit:

Ein rares Teil das jedem Fan der Vergleiche schmecken sollte und die Freudentränen in die Augen treiben müsste, und jede Sammlung aufwerten würde. Nur schade das RHETT nicht die Gelegenheit hatte noch mehr von dem Stoff einzuspielen um die Rockmusik mit weiteren Glanztaten zu bereichern. Es handelt sich hier nicht um ein 10er Brett aber eine 8,75 bis 9 Punkte wären auf alle Fälle drin.

WERTUNG: —

Trackliste:

01. You Will Be Mine
02. Even The Score
03. Ready For Love
04. Assume The Position
05. I Must Be Crazy
06. Burning Heart
07. Payin‘ The Price
08. See You In My Dreams
09. Leading Me On
10. Last Fair Deal Gone Down

Balle

NESTOR – Kids in a Ghost Town

Band: Nestor
Album: Kids In A Ghost Town
Spielzeit: ?? min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Eigenvertrieb
Veröffentlichung: 22.10.2021
Homepage: www.facebook.com/nestortheband

Es war einmal…so beginnen wohl alle Märchen. Und als Märchen muss wohl auch der neuerliche Release der schwedischen Hardrocker NESTOR bezeichnet werden. Nicht, dass NESTOR nur Geschichte(n) erzählen würden – nein, sie schreiben sie. Nur ganz selten aktiviert sich bei all den großartigen, hochkarätigen Releases der letzten Jahre diese Gänsehaut, wie man sie eigentlich nur aus der Jugendzeit in den Achtzigern kennt. Eben just, als die ganzen großen Hitalben kursierten, als alles aufregend und unkompliziert war. Als man noch für den Moment gelebt hat und morgen ganz weit entfernt und unwichtig war. Eine herrliche Zeit, die wohl nur in einem bestimmten Alter möglich zu sein scheint. Und doch kratzen NESTOR mit ihren Songs immer wieder an der Oberfläche dieser unbeschwerten Zeit. Aber woher kommt diese Band? Warum platzen sie gerade jetzt ins Musikuniversum? Schon mit dem ersten Testballon „On The Run“ war klar, dass wir es hier mit einer ganz außergewöhnlichen Band zu tun haben. Das Video ist aufwendig produziert, ziemlich funny und der dazugehörige Song ein absoluter Volltreffer. Das ist jetzt gut sieben Monate her. Seitdem ist einiges passiert im NESTOR-Universum. Zwei weitere Singles – das absolut geniale „1989“ und die Mega-Ballade „Tomorrow“ feat. SAMANTHA FOX (!!!) sind dermaßen in die Umlaufbahn gekracht, dass wohl jeder Fan nur noch sehnsüchtig auf das komplette Album wartet. Nun ist es endlich so weit. „Kids In A Ghost Town“ nennt sich der Silberling, auf dem zehn Songs Platz gefunden haben.

Produziert hat ihn Sänger Tobias „Tobbe“ Gustavsson, gemixt wurde er von Sebastian Forslund und gemasterd von Thomas Plec Johansson. Und da sind wir auch schon beim erstklassigen Soundgewand, das „Kids In A Ghost Town“ trägt. Eine leichte Nostalgie-Note darf man den Schweden zwar anheften, nicht aber, dass sie nicht mit beiden Beinen in der Gegenwart stehen. Denn der Sound ist eine gelungene Mischung aus beiden Welten – den Achtzigern und heute. Nun aber zur Trackliste:

Mit dem Brecher „On The Run“ starten NESTOR brachial geil in ihr Comeback-Album. Dieser Song hat einfach alles: Power, Melodie und eine gesunde Härte. Der Titeltrack schließt sich etwas melodiöser und AOR-lastiger an. Bei „Stone Cold Eyes“ werden Erinnerungen an die göttlichen GIANT und ihren Hit „Hold Back The Night“ wach und bei „These Days“ schielen die Schweden leicht auf VAN HALEN´s „Right Now“. Etwas poppiger präsentiert sich „Perfect 10 (Eyes Like Demi Moore)“, abermals mit clever eingearbeiteten Querverweisen auf die glorreichen Achtziger. Damit haben wir die Hälfte der Scheibe quasi schon abgearbeitet. Bisher ein absolutes Hörvergnügen für jeden, der auch nur ansatzweise etwas mit den Achtzigerjahren anfangen kann.

Als nächstes haben NESTOR die Ballade „Tomorrow“ platziert, in der niemand Geringeres als 80´s Ikone SAMANTHA FOX eine nicht zu unterschätzende Rolle einnimmt. Einfach grandios! Das ebenfalls ruhigere „We Are Not OK“ (mit schönem DEF LEPPARD-Tapping im Solo) ist der bisher unauffälligste Song. Das kann „Firesign“ schon nach wenigen Sekunden ausbügeln. Dieses Riff ist einfach toll – und der dazugehörige Song ebenfalls. Einer von zwei direkt auf die Zwölf. Das schon bekannte „1989“ kommt als nächstes an die Reihe. Ein überlebensgroßer Refrain, pures 80´s Feeling, eine Gitarrenarbeit nicht von dieser Welt (dies gilt im Übrigen für das komplette Album) machen daraus einen Hit. Den Schlußakkord setzt „It Ain´t Me“ mit viel Dramatik, Gefühl und Gänsehautfeeling.

Es erscheint fast so. als wären Nestor einer anderen Dekade entsprungen. Diese Band lebt die Achtziger in jeglicher Hinsicht. Songstrukturen und Hooklines lassen Bands wie Dokken & Co wiederaufleben, aber immer auch verpackt in ein modernes Soundgewand. Hier wird auf sehr gelungene Art und Weise eine Brücke geschlagen, die diesen glorreichen Sound in die Neuzeit transportiert, scheinbar ein aktueller Trend, aber nicht jede Formation hat dies so grandios hinbekommen wie die schwedische Truppe um Tobias „Tobbe“ Gustavsson. Mit diesem Rundling haben Nestor große Chancen in der Zukunft als Mitglied der „Hall Of Fame“ zu gelten. Zugleich wird man den Weg weiter gespannt verfolgen und darf für die Zukunft auf weitere Großtaten hoffen. Was für ein grandioses Werk! Punkt!

Es gibt einen Song auf dem Album, der „Kids In A Ghost Town“ wie selbstverständlich beschreibt: „Perfect 10“ handelt natürlich nicht von diesem 10-Tracker, dennoch ist das Debüt der Schweden ein in jeder Hinsicht perfektes Album geworden. Abwechslung, grandioses Songwriting, toller Sound, perfekte Umsetzung und ein erfrischendes Retro-Feeling machen aus „Kids In A Ghost Town“ eine Platte, die nicht einfach nur die Höchstnote verdient hat, sondern für die man sich schon mal etwas besonderes einfallen lassen kann, indem wir unsere Bewertungsskala exklusiv ein klein wenig um einen goldenen Bonusstern erweitern.

Und weil dieses Album so grandios ist, haben sich gleich zwei Redakteure mit dieser Ohrbombe beschäftigt und quasi eine Doppelfeature Rezi geschrieben! Anmerkung der Chefredaktion

WERTUNG: 

 

 

Trackliste:

1. On The Run
2. Kids In A Ghost Town
3. Stone Cold Eyes
4. These Days
5. Perfect 10
6. Tomorrow
7. We Are Not Ok
8. Firesign
9. 1989
10. It Ain´t Me

Stefan, Bonne