ELVENKING – Reader Of The Runes – Divination

Band: Elvenking
Album: Reader Of The Runes – Divination
Spielzeit: 52:32 min
Stilrichtung: Folk Power Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 30.08.2019
Homepage: www.elvenking.net

Folk Metal ist auch so eine Sache, die man entweder liebt oder aus Selbstschutzgründen geflissentlich umgeht. Ich gehöre seit Beginn meiner Leidenschaft für Metal eigentlich zu denen, denen bei dieser Musik akut lustige Spielmannsleut auf Mittelaltermärkten in den Sinn kommen, die das Publikum mit “Seid gegrüßt, edle Knappen und Mägde” begrüßen und beim Bedienen ihrer dummen Fiedel zwanghaft grinsend in komischer Verkleidung von einem auf’s andere Bein treten, während über Met und holde Dirnen gesungen wird. Sprich, ich mag das nicht und halte mich von dem Stil normal fern, es sei denn, irgendwer muss halt noch die neue ELVENKING rezensieren und ich bin der, der dafür in Frage kommt. Dementsprechend habe ich auch noch keine früheren Alben der Truppe gehört und gehe mal naiv unbedarft an die Sache ran. Das zehnte Album der 1997 gegründeten italienischen Gruppe hört auf den Namen “Reader Of The Runes – Divination” und beinhaltet zwölf Songs, darunter zwei 1,5-Minüter (Das aus keltischem Frauengesang, Percussion und Streichern bestehende Intro und das Akustikgitarren-Gesangs-Intermezzo “Diamonds In The Night” und ein knapp elfminütiger Endtrack. Die Produktion ist auf der Höhe der Zeit, die Band stark und Sänger Damna erinnert mich mit seiner belegt klingenden Stimme leicht an eine männliche Version von DORO, was als Kompliment zu verstehen ist.
Der Folk Metal von ELVENKING ist auf “ROTR – D” sehr Power-Metal-lastig, je nach Track könnte man den Stil eher als Power Metal mit Folk-Elementen bezeichnen. Und diese Folk-Elemente sind von verdammt angenehmer Sorte. Klischee-Geigengedudel ist die Ausnahme, die Melodien sind praktisch nie auf stumpfes “Hauptsache es klingt nach Mittelalter” aus, der Dudelsackeinsatz ist smart. Dazu haben ELVENKING ein Händchen für Refrains, die im Ohr bleiben, sei es der vom drumtechnisch leicht BATTLE-BEASTigen Midtempo-Track “Silverseal”, der im vergleich zum Rest des Tracks zurückhaltende von “The Misfortune Of Virtue”, der folkige im fast puren Folk-Metal-Song “Eternal Eleanor”, oder der epische und mit fetten Drums ausgestattete von “Reader Of The Runes – Book 1”.
Und auch sonst ist man kreativ unterwegs: “Maleficia Doctrine” ist ein fünfminütiges Feuerwerk der Vielseitigkeit, in dem von lateinisch-okkulten Chören über Power-Metal-Gespeede bis hin zu Growls und Blastbeats die komplette Palette vertreten ist. “Divination” ist SABATON-Folk und “Warden Of The Bane” pendelt klug komponiert zwischen ruhigerer Strophe und erfreulichem Uptempo-Doublebass-Chorus.
Schwachstellen? Nun, “Diamonds In The Night” und “Sic Semper Tyrannis” sind etwas verzichtbarer als der Rest, aber ansonsten ist “ROTR – D” eine bestens gelungene Kombination aus Power- und Folk-Elementen, die es tatsächlich schafft, selbst dem Folk-Metal-resistenten Rezensenten ehrlichen Spaß zu bereiten.

Anspieltipps:
“Silverseal”, “Heathen Divine”, “The Misfortune Of Virtue” und “Maleficia Doctrine”

Fazit:
AFM sind ja generell ein Qualitätsgarant und das ist bei ELVENKING nicht anders. Die Platte klingt geil und die Komposition stimmt auch. Die Menge an Folk-Facetten ist angenehm, nicht zu dominant aber auch ohne Lupe sichtbar, und sehr gut eingesetzt. Dazu Ohrwurm-Refrains ohne Ende – In seiner Gesamtheit ist “ROTR – D” aller Wahrscheinlichkeit nach eine der stärksten Folk-Power-Metal-Platten des Jahres!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Perthro
02. Heathen Divine
03. Divination
04. Silverseal
05. The Misfortune Of Virtue
06. Eternal Eleanor
07. Diamonds In The Night
08. Under The Sign Of A Black Star
09. Maleficia Doctrine
10. Sic Semper Tyrannis
11. Warden Of The Bane
12. Reader Of The Runes – Book 1

Jannis

FRETLESS – Damnation

Band: Fretless
Album: Damnation
Spielzeit: 53:36 min
Stilrichtung: Heavy Rock/Metal
Plattenfirma: Pure Steel Records
Veröffentlichung: 16.08.2019
Homepage: www.facebook.com/fretlessband

Leider sind die Schweden von FRETLESS mit ihrem Debütalbum „Local Heroes“ 2011 komplett an mir vorbeigegangen! Eine Schande wie sich später herausstellen sollte!
Nun habe ich aber die Möglichkeit das Ganze wieder gut zu machen, denn die Jungs stehen, acht Jahre nach ihrem Debüt, mit ihrem zweiten Diskus „Damnation“ in den Startlöchern.
Mit ihrem Stil aus Heavy Rock und Metal werden sie uns bestimmt auch dieses Mal in den Bann ziehen und wer musikalische Vergleiche benötigt der Stelle sich eine Mischung aus ACCEPT und PRETTY MAIDS vor!
So genug gesabbelt, fix den Opener „Unholy War“ gestartet. Dieser ist nur ein Cinematic Intro welches auf die Scheibe einstimmen soll und vermutlich gut bei den nächsten Livegigs als Eröffnung passt.
Schnell weiter zum nächsten Track „Burn“. Hier kommt eine tolle Orgel zum Einsatz die den Song besonders interessant machen und der dazu noch super eingängig ist! Ein mehr als ordentlicher Einstieg in das Album.
Das folgende „Let`s Get High“ kommt zwar ohne Orgel um die Ecke steht ansonsten dem eingängigen Opener aber in Nichts nach und wandert daher auch direkt auf unsere Hitliste.
Danach geht es etwas auf und ab was die Songs angeht. „Black Widow“ ist wieder absolut in Ordnung, „Higher Ground“ und das etwas ruhigere „Black Moon“ sind etwas zu gewöhnlich um groß aufzufallen.
Aber das Album ist mit 13 Tracks lang genug das es ein paar Standardtracks verkraften kann, hat man doch im weiteren Verlauf mit dem Titeltrack „Damnation“, „Sweet Cherie“ und dem Abschlusssong „Freedom“ noch sehr ordentliche Songs in der Hinterhand um das locker auszugleichen!

Anspieltipps:

„Burn“, „Let`s Get High“, „Damnation“, „Sweet Cherie“ und „Freedom“.

Fazit :

Mit ihrem neuen Album setzen die Jungs von FRETLESS ihren Siegeszug unbeirrt fort! Ein tolles Heavy Rock Album welches sich Fans des Genre auf jeden Fall nicht entgehen lassen sollten.
Ich würde mir wünschen das z.B die hier etwas spärlich eingesetzte Orgel häufiger zur Geltung kommt., sie steht der Band nämlich sehr gut zu Gesicht!
Ansonsten gibt es hier, trotz des ein oder anderen Standardtracks, nicht viel zu meckern und es gibt eine Kaufempfehlung für die angesprochene Zielgruppe!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Unholy War
02. Burn
03. Let`s Get High
04. Higher Ground
05. Black Widow
06. Black Moon
07. Spread your Wings
08. Damnation
09. No More
10. Sweet Cherie
11. This is my Home
12. Spellbound
13. Freedom

Julian

PICTURE – Wings

Band: Picture
Album: Wings
Spielzeit: 40:17 min
Stilrichtung: Heavy Rock
Plattenfirma: Pure Steel Records
Veröffentlichung: 16.08.2019
Homepage: www.pictureband.nl

PICTURE wieder eine der alten Schlachtrösser die mir nicht wirklich ein Begriff sind! Auch das 2012 übelst abgefeierte Comebackalbum „Warhorse“ ging an mir vorbei, was sich im Nachhinein als absolute Versäumnis herausgestellt hat!
Nun gibt es aber wieder neuen Stoff der fünf Niederländer, und das dieses Mal in Originalbesetzung! Wenn das doch mal kein Grund zum feiern ist.
Die jüngere Generation kann sich nun also selbst ein Bild vom Sound der Jungs machen der irgendwo zwischen NWoBHM, Classic Rock und Teutonic Metal angesiedelt ist.
Als erstes steht uns dann „Line of Life“ ins Haus. Nach einer kurzen Einleitung nimmt die Nummer Fahrt auf und es wird uns ein straighter Heavy Rocker präsentiert der Dank der der Stimme von Originalsänger Ronald von Prooijen so klingt wie PICTURE klingen sollten!
Der erste Hit steht uns dann mit dem abwechslungsreichen, rockigen Titeltrack „Wings“ ins Haus. Hier gibt es tolle Orgelklänge die die Nummer noch mehr vom Openertrack abheben.
Im Vergleich zum letzten Album „Warhorse“ muss man hier auch ganz klar im weiteren Verlauf feststellen das man eher auf der rockigeren Seite unterwegs ist und die schwermetallischen Klängen größten Teils der Vergangenheit angehören! Dies dürfte vor allem die Altfans besonders freuen.
So sind auch die nächsten Songs „Blown Away“, „No Place to Hide“ und „Empty Room“ eher in der Heavy Rock angesiedelt. Aus diesem Trio sticht vor allem das abwechslungsreiche, groovende „Empty Room“ hervor.
Die letzten drei Songs sind ebenfalls ordentlich gelungen und zeigen PICTURE im alten/neuen Gewand. Hier wird gerockt und die, mittlerweile, älteren Herrschaften zeigen manch jüngeren Vertretern wie es geht!
Abschließend gibt es mit dem etwas längeren „Stroke“ noch den vorab veröffentlichten Videotrack auf die Ohren der sich ebenfalls schnell in die bisherige Hitliste einfügt.

Anspieltipps:

„Wings“, „Empty Room“, „Still Standing“ und „Stroke“.

Fazit :

PICTURE sind wieder in Originalbesetzung zurück und das merkt man der Platte definitiv an! Im Vergleich zum eher metallischen Vorgängeralbum regiert hier wieder der klassische Heavy Rock der Anfangstage der Band und hier spielen die Jungs definitiv all ihre Stärken aus.
Eine insgesamt starke Leistung der zeigt das es sich lohnt nochmal in alter Stärke zusammen zu kommen und einfach das zu machen was man liebt!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Line of Life
02. Wings
03. Little Annie
04. Is it Real
05. Blown Away
06. No Place to Hide
07. Empty Room
08. Never Enough
09. Still Standing
10. Stroke

Julian

NORTHTALE – Welcome To Paradise

Band: NorthTale
Album: Welcome To Paradise
Spielzeit: 53:08 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 02.08.2019
Homepage: www.facebook.com/northtaleofficial

Disclaimer 1: NORTHTALEs “Welcome To Paradise” ist ein gelungenes klassisches Power-Metal-Album der neuen Supergroup um Bill Hudson (DIRKSCHNEIDER, TSA), Christian Eriksson (TWILIGHT FORCE), Pattrick Johansson (W.A.S.P., YNGWIE MALMSTEEN) und Mikael Planefeldt (STREAMLINE). Dass ausgerechnet die Jungs ein wenig Frust abkriegen, liegt schlicht an diversen ähnlichen Veröffentlichungen in letzter Zeit, die ich rezensiert habe, und ich gehe nicht davon aus, dass eine Rezension in der Rock Garage am Erfolg der von den mächtigen Nuclear Blast gepushten Truppe etwas ändern wird.

Disclaimer 2: Keine Sorge, so eine Rezension ist und bleibt die Ausnahme, aber das muss einfach gerade mal raus. Wer keine Lust auf persönliches Rumheulen hat, skippe an dieser Stelle zum Abschnitt vor dem Fazit. Disclaimer Ende.

So. Power Metal (gemeint ist hier der, der sich an den großen Finnen, Deutschen und Schweden orientiert, mit ein paar Keyboards und ordentlich Pathos, im Folgenden: PM) ist ein Genre, dem viele seiner Vertreter gewisse inhaltliche und musikalische Attribute zuschreiben. Er muss große Emotionen auslösen, indem er hochmelodisch ist, spätestens ab dem ersten Prechorus episch, dabei meist positiv konnotiert sein – Ihr wisst was ich meine.
Diese Attribute limitieren diese Vertreter des PM, so dass auf musikalischer Ebene mit groß und majestätisch klingenden, kadenzorientierten Harmoniefolgen gearbeitet wird. Diese (in ihrer Zahl endlichen) Harmoniefolgen wirken sich auf die Melodieführung des Gesangs aus, der zusätzlich mit weiteren Kniffen den Track ebenfalls emotionaler und majestätisch-hymnischer zu gestalten vermag. Dazu die gewohnten Songstrukturen und mit einer guten Band und einem guten Sänger kann fast nichts mehr schiefgehen.
Allerdings ist es inzwischen schlicht kaum noch möglich, ein Album dieser Art aufzunehmen, ohne Harmoniefolgen, Melodien und Arrangements zu verwenden, die man so zumindest noch nicht oft gehört hat. Stattdessen wird Kadenz an Kadenz gereiht, Chor auf Orchester auf Synthesizer gepackt und insgesamt so ein Werk erschaffen, das seine Wirkung auf den Hörer haben mag, sich wie NORTHTALEs erster Streich vertraut anfühlt und schön zu hören ist, in der Menge vergleichbarer Veröffentlichungen allerdings untergeht.
Mein Problem ist: Es mag zwar schön sein, solche Alben zu hören, aber es ist nicht interessant. Interesse entwickelt man für Dinge, weil man sie nicht kennt oder sie einem anders vorkommen, als man es von vergleichbaren Dingen gewohnt war. Bei PM kann Interessantheit auf verschiedene Arten erzeugt werden, aber jeder liegt die Überschreitung der von vielen Genrevertretern selbst auferlegten Grenzen zugrunde. Man könnte einzelne Elemente anderer metallischer oder nicht-metallischer Genres einflechten. Man könnte andere Keyboardsounds oder zusätzliche Instrumente integrieren. Man könnte aber auch, wenn man etwas mehr bei den Wurzeln bleiben möchte, einfach bei der Kompositionsweise ein wenig die festgetretenen Pfade verlassen, mal andere Akkordfolgen und Melodielinien ausprobieren Zumindest könnte man einige individuelle Wendungen erarbeiten, die im PM nicht so ganz üblich sind, und somit einen eigenen Stil schaffen oder, wenn das nicht klappt, wenigstens bei der Produktion und der Auswahl des Equipments einen Sound schaffen, der nicht der absolut typische für das Genre ist.
Es gibt Bands, die es schaffen, dem Genre diese Frische, diese Interessantheit zu geben, in letzter Zeit beispielsweise MERGING FLARE, THE UNITY oder auch STORMHAMMER.

NORTHTALE verlassen sich auf die Formeln, die dem PM zu seiner treuen Hörerschaft verholfen haben. Aber sie machen bis auf wenige Parts in wenigen Tracks (Der “We Are The Champions”-Beat in “The Rhythm Of Life” oder das poppige “Everyone’s A Star”) rein gar nichts damit, außer sie exzellent zu intonieren und hinsichtlich des Songwritings nicht in zumindest eingängige, voneinander unterscheidbare Melodien umzusetzen. Damit ist “Welcome To Paradise” leider ein Album unter erschreckend vielen, das insbesondere auf längere Sicht nicht aus der Masse herausstechen wird und in Sachen Originalität noch von einer guten Anzahl an Underground-PM-Bands geschlagen wird. Alles nach Lehrbuch, alles ohne die Gefahr, irgendwo anzuecken, wirklich schön aber nicht interessant. Es ist ja löblich, ein PM-Album erklärtermaßen im Stil der späten 90er zu machen, aber wenn die Routine derartig groß ist, bleibt nicht nur der Wiedererkennungswert sondern auch die Seele des Albums zu sehr auf der Strecke. Mit so einem Album kriegt man die Leute, die sich sonst nicht so viel mit dem Genre auseinandersetzen, nicht so gesättigt sind von unzähligen gleich klingenden Veröffentlichungen in vielen Jahren. Ich erwarte nicht die Innovation um der Innovation Willen. Ich brauche auf meinem nächsten PM-Album keine Bongos statt Drums, aber das mindeste wäre es, neben der (egal wie perfekten) Einhaltung der Genrekonventionen auch ein paar Melodien zu finden, die nicht nur die obligatorische langweilige und absolut kalkulierte Standard-PM-Gänsehaut erzeugen, sondern frisch, aussagekräftig und immerhin ein bisschen unverbraucht sind.

Fazit:
Schluss jetzt: Wer auf klassischen Ende-90er-Power-Metal steht, der von Fachmännern des Genres professionell dargeboten wird, der hat mit NORTHTALEs “Welcome To Paradise” ein weiteres Album zur Befriedigung seiner Bedürfnisse zur Verfügung. Keine Höhen, keine Tiefen, Keyboards, große Melodien ohne große Eigenständigkeit, für den Moment des Hörens aber recht geil. Das Ding ist eben eher ein Medikament zur Zurückdrängung des Symptoms des Wunsches nach Power Metal, aber nichts, was langfristig wirken könnte.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Welcome To Paradise
02. Higher
03. Follow Me
04. The Rhythm Of Life
05. Time To Rise
06. Way Of The Light
07. Shape Your Reality
08. Everyone’s A Star
09. Siren’s Fall
10. Bring Down The Mountain
11. Playing With Fire
12. If Angels Are Real
13. Even When

Jannis

TARCHON FIST – Apocalypse

Band: Tarchon Fist
Album: Apocalypse
Spielzeit: 44:48 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 16.08.2019
Homepage: www.tarchonfist.com

Drei Alben, eine EP, ein Best Of und zudem eine Vorgeschichte unter dem Namen “Rain” – TARCHON FIST aus Italien haben bereits ein amtliches kleines Portfolio zusammengetragen und nun, zwei Jahre nach besagter EP, ihr viertes Album in den Startlöchern. Spätestens beim vierten Album sollte man auch einen gewissen eigenen Sound/Stil entwickelt haben, und ohne sonst irgendwas von den nach der Faust des etrurischen Königs und Sturmgottes benannten Jungs gehört zu haben, kann ich sagen: Jap, das klingt durchaus individuell. TARCHON FIST spielen Heavy Metal, der gerne mal an Rock’n’Roll und Power Metal kratzt, praktisch ohne Keyboards und mit gutem und ziemlich abgespecktem Sound, der das Gegenteil von überladen ist, ohne dass er sich anfühlt, als würde irgendetwas fehlen.
Als FIST-Neuling habe ich in Sachen Klang der Band nur ein paar Probleme mit Sänger Mirco, die ich zu mindestens 50% auf die Produktion schieben würde. Manchmal geht er im Rest der Band doch etwas unter, sodass man seine Gesangsmelodien eher erahnen muss, manchmal verschwindet er hinter den Backing Vocals. Und während ich sein Vibrato und im Allgemeinen auch seine Stimme und Gesangsleistung sehr schätze, liegt er doch ab und an gefühlt ein wenig daneben.
Derlei Probleme verblassen jedoch vor den Tracks an sich. Die sind in ihren einzelnen Melodieparts zwar nicht besonders komplex, variieren allerdings gekonnt den Genreschwerpunkt und die Atmosphäre, die sie vermitteln. Bei “Evil Comes From The Underground” treffen AC/DC-Vibes auf KINGsches irres Gelächter und ein paar nett eingestreute Power-Metal-Melodien, “My Destiny” ist eine echt gute Ballade, bei der insbesondere Drum- und Gitarrenarbeit hervorzuheben sind und “Proud To Be Dinosaurs” (Jap, es ist ein Album über Apokalypsen. Das muss selbstverständlich mit rein) ist ein vergleichsweise hymnischer und textlich witzig-dämlicher Ohrwurm. Dazu gibt es in “The Last Human Strength” einen sehr kleinen und arschgut eingesetzten Gastsängerin-Part, das obligatorische ACCEPTHOVEN-Zitat und edle “Apocalypse”-ICED-EARTH-Chöre und so weiter und so fort.
Die meisten Songs heben sich somit deutlich voneinander ab, viele von ihnen mit kleinen Mittelteil-Perlen, auf die es sich auch bei schwächeren Songs zu warten lohnt.
Neben meinen Vocal-Problemen beschränkt sich die negative Kritik lediglich auf die üblichen paar Lückenfüller in Form von Parts in mehreren Songs. Dafür gibt es, so muss man lobend anerkennen, keinen Song auf “Apocalypse”, der nicht zumindest in Teilen aufhorchen ließe. TARCHON FIST hatten hörbar Spaß daran, ihre Tracks mit kleinen Twists aufzuwerten und wem ein Song anfangs nicht gefällt, der wird wohl spätestens beim Mittelteil seine Meinung nochmal überdenken müssen. Ordentlich starke Leistung insgesamt. Da darf man neben seinem Dasein als Dinosaurier ruhig auch noch auf das neue Album stolz sein!

Anspieltipps:
“Last Human Strength”, “My Destiny”, “Sky Rider” und “Evil Comes From The Underground”

Fazit:
Abwechslungsreich, ernstnehmbar aber mit einer Prise Humor und für ein 45 Minuten langes Album echt sehr schnell vorbei – “Apocalypse” kann man ruhig in seiner Gesamtheit mal laufen lassen, um sich davon zu überzeugen. Und im Kontext des gesamten Werkes fallen auch die Schwachpunkte kaum noch ins Gewicht.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Prologue To Apocalypse
02. Clash Of The Gods
03. Evil Comes From The Underground
04. Lights Of Fire
05. No Mercy For The Enemy
06. Last Human Strength
07. Proud To Be Dinosaurs
08. Sky Rider
09. Titan Of The Forest
10. Razor From The Abyss
11. My Destiny (Epilogue)

Jannis

SOLEIL MOON – Warrior

Band: Soleil Moon
Album: Warrior
Spielzeit: – min
Stilrichtung: Melodic Rock
Plattenfirma: Frontiers Music Records
Veröffentlichung: 09.08.2019
Homepage: www.soleilmoonband.com

SOLEIL MOON – Warrior

Soleil Moon gehören von jeher eher zu den musikalisch ruhigeren Vertretern des AOR Genres. Seit ihrem gelungenem Debüt „Worlds Apart“ aus dem Jahre 2000, spätestens aber mit Veröffentlichung des 2011 Albums „On the way to everything“ liegt das Augenmerk auf gut arrangierte, interessante Songs mit viel Finesse.
Somit überrascht es nicht, dass mit dem aktuellen Longplayer „Warrior“ die Marschroute nicht sonderlich geändert wurde. Hier und da etwas mehr Gitarre ansonsten bleibt SOLEIL MOON sich und ihrer Linie treu. Harmonie ist Trumpf, Keyboards häufig das Instrument auf dem die Songs entstehen. Somit erscheint die Wahl des Albumtitels schon ziemlich unpassend martialisch.
Singer/Songwriter Larry King sowie sein Partner, Jazzpianist John Blasucci, haben erneut Freude am Mischen verschiedener Musikstile und legen auch beim dritten Studioalbum viel Wert auf einen perfekten Sound.
Jeder einzelne der zwölf Songs hat einen hohen Wiedererkennungswert und lebt von seinen zahlreichen Überraschungsmomenten.
Larry Kings Gesang klingt gewohnt warm und entspannt, immer wieder mal erinnert er auch auf „Warrior“ ein wenig an Richard Marx, wenn er sich wie in „Nothings Matter“ in die Höhen des Refrains schwingt.
Bedingungsloses Abrocken gilt nicht als offensichtliche Zielsetzung des Albums, auch wenn mit Gast Michael Thompson der Gitarrenpart mehr als lukrativ besetzt ist, aber wer Balladen wie das grandiose „Halfway To Nowhere“ am Start hat, braucht sich über die Songqualität seines Albums keine großen Sorgen zu machen.
Auch im getragenen “When I´m with You“ bin ich komplett an der Seite von SOLEIL MOON, die in „Before The Rainbow“ eindrucksvoll belegen, dass auch die relativ einfach gewählte Songstruktur durchaus ansprechend sein kann.
Alles in allem besticht „Warrior“ von SOLEIL MOON durch seine harmonische Entspanntheit, nichts kommt aufdringlich daher, ohne dabei an die Grenzen der Langeweile zu stoßen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. ´72 Camaro
02. Here For You
03. You And I
04. Just So You Know
05. Can´t Go On
06. Halfway To Nowhere
07. How Long
08. Nothing Matters
09. When I´m with You
10. Before The Rainbow
11. Warrior
12. 420 (Hidden Track)

Link zum Video . “Just So You Know”:

Rüdiger König

SCOTT STAPP – Between the Shadows

Band: Scott Stapp
Album: The Space Between The Shadows
Spielzeit: 45.21 min
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: –
Veröffentlichung: 19.07.2019
Homepage: www.facebook.com/ScottStapp

SCOTT STAPP – The Space Between The Shadows

Es gäbe viel zu erzählen über den Grammy-gekrönten Ex–Creed Sänger SCOTT STAPP. Seine Geschichte liest sich wie ein langwährender Leidensweg, in dem Alkoholsucht und Depressionen die Höhepunkte bilden. Letztendlich aber gilt es, das dritte Solowerk einer der außergewöhnlichsten und ausdrucksstärksten Stimmen im Rockbusiness zu beurteilen.
SCOTT STAPP veröffentlicht mit „The Space Between The Shadows“ ein stark autobiografisches Album mit so ziemlich allen Facetten die es braucht, um die Narben seiner Vergangenheit musikalisch aufzuarbeiten.
Gilt beim brachialen Gitarren Opener „World I used to know“ noch das Motto, Stimme über Song, setzt STAPP bei „Name“ schon den ersten Kontrastpunkt. Herzzerbrechend einfühlsam und mit ordentlichem Tiefgang lebt die Nummer vom perfekt auf seine Stimme abgestimmten Refrain, der an die ganz starken Stücke seiner letzten Art of Anarchy Scheibe erinnert.
Das sehr eingängige „Purpose For Pain“ ist ebenso eindeutig auf Airplay ausgelegt, wie „Survivor, „Heaven In Me“hingegen überzeugt im Southern Rock Akustikgitarrengewand.
Wenn STAPP in der schmachtenden Ballade „Wake Up Call“ einfühlsam den Wendepunkt seines Lebens besingt, dürften nicht nur eingefleischte Fans kurz innehalten.
Das „The Space Between The Shadows“ selbst in seinen schwächeren Momenten („Face Of The Sun“, „Mary’s Crying“) noch seine Klasse hat, belegt die Stärke dieser Scheibe.
Ordentlich emotional gedenkt STAPP in „Gone Too Soon“ den zu früh verstorbenenChester Bennington, Chris Cornell und Scott Weiland. Überhaupt ist der zweite Teil der Scheibe den etwas ruhigeren Tönen vorbehalten, ohne an Energie zu verlieren. Das gilt für das getragene und optimistisch in die Zukunft schauende „Ready For Love“ ebenso wie für die abschließenden Bonus Tracks.
SCOTT STAPP hat sie einfach, diese Gänsehautstimme, die den Unterschied macht. Gelingen ihm dann noch diese emotionalen Dreiminüter, sollte man von einem rundum gelungene Album sprechen.
8 + 1 (Fanboy Stimmbonus) = 9

P.S. Gerne hätten wir euch diese Review etwas aktueller präsentiert, aber promoten ist halt Ansichtssache 😉

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. World I Used To Know
02. Name
03. Purpose For Pain
04. Heaven In Me
05. Survivor
06. Wake Up Call
07. Face Of The Sun
08. Red Clouds
09. Gone Too Soon
10. Ready For Love
11. Mary´s Crying (Bonus)
12. Last Hallelujah

Link zu “Purpose Of Pain” :

Rüdiger König

SHADOWSTRIKE – Legends of Human Spirit

Band: Shadowstrike
Album: Legends of Human Spirit
Spielzeit: 65:02 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 12.07.2019
Homepage: www.shadowstrike.bandcamp.com

SHADOWSTRIKE stammen aus New York und präsentieren uns dieser Tage ihr Debütalbum „Legends of Human Spirit“ welches Fans von Progressive Power oder Symphonic Metal gleichermaßen ansprechen sollte!
Aufmerksam geworden bin ich auf die Truppe nach einem Soundschnippsel vom neuen Album welchen ich im Internet gefunden hatte. Gehört, mit der Band in Kontakt getreten und schon war die Promo bei uns. So unkompliziert kann es laufen!
Über die sonstige Vergangenheit der Band konnte ich leider nichts weiter in Erfahrung bringen, außer dass man den Sound der Band vielleicht etwas mit TWILIGHT FORCE vergleichen kann. Widmen wir uns nun also direkt dem Opener „Heart of Yeaming Journey“. Und hier wird direkt geklotzt und nicht gekleckert! Ganze sieben Minuten dauert diese erste Nummer und es wird zu keiner Zeit langweilig.
Bombastisch orchestriert mit einer Eingängigkeit, die seines gleichen sucht ist man hier unterwegs und hinterlässt hier schon mal eine ganze starke Duftmarke zu Beginn!
„Ascension“ im Anschluss ist dann die Cinematic Einleitung zum nächsten Kracher „Fly with Me“. Was ein geiler Doublebass Midtemposong der Einen hier um die Ohren fliegt!
Frisch und absolut unverbraucht musiziert man hier und bläst ordentlich Staub durch die Boxen und wirbelt selbigen im Genre auf. Toll, ich bin begeistert 🙂 !
Nach dem Hören der nächsten Tracks bleibe ich etwas ungläubig zurück…DAS sollen Newcomersongs sein?
Unglaublich welches musikalische Gespür man hier beweist! „Fields of Valour“ und „The Fiery Seas and Icy Winds“ sind absolute Perlen des Symphonic Power Metals und könnten treffsicherer nicht agieren!
Trotz der etwas ausladenden Orchestrierung wird es zu keiner Zeit langweilig und man ist darüber hinaus noch absolut eingängig unterwegs. Wow!
Und hat man sein Pulver auch in der Folge noch lange nicht verschossen, denn mit „Voice in the Night“ und vor allem dem zwar erneut überlangen, aber zu keiner Zeit langweiligen, Abschlussong „Gales of Winter“ hat man weiter Genreperlen im Gepäck und schraubt die Abschlussbewertung somit definitiv noch in die Höhe!

Anspieltipps:

„Heart of Yeaming Journey“, „Fly with Me“, „Fields of Valour“, „The Fiery Seas and Icy Winds“ und „Gales of Winter“.

Fazit :

Wow! Endlich mal wieder eine Band, die aus dem Nichts mit einem eigenproduzierten und veröffentlichten Debütalbum um die Ecke kommt und mich einfach aus dem Sessel bläst!
So und nicht anders muss moderner Symphonic Power Metal gespielt sein um in der heutigen Zeit noch frisch rüberzukommen.
Die Jungs verstehen ihr Handwerk und das Einzige was man dem Album etwas zu Last legen könnte ist manchmal das etwas ausufernde Instrumentale. Hier muss man aufpassen das man sich nicht in der Zukunft verzettelt.
Aber ansonsten ist hier alles im absolut grünen Bereich und es gibt vollkommen verdient eine absolute Topnote und eine definitive Kaufempfehlung (über die Bandhomepage) für die schon angesprochene Genrezielgruppe!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Heart for Yeaming Journey
02. Ascension
03. Fly with Me
04. Fields of Valour
05. The Fiery Seas and Icy Winds
06. Where Sleeping Gods Await
07. Forever as One
08. Voice in the Night
09. A Dream of Stars
10. Gales of Winter

Julian

SACRILEGE – The Court of the Insane

Band: Sacrilege
Album: The Court of the Insane
Spielzeit: 55:16 min
Stilrichtung: NWoBHM
Plattenfirma: Pure Underground Records
Veröffentlichung: 02.08.2019
Homepage: www.sacrilegenwobhm.com

Von den Briten von SACRILEGE hatte ich noch nie etwas gehört! Dazu gehört aber keine Kunst, geht die Bandgründung durch den Mastermind Bill Beadle doch auf das Jahr 1982 zurück! 2012 erfolgte die Wiedervereinigung der Jungs die sich nach wie vor dem NWoBHM mit ihrem ganz eigenen Stil verschrieben haben.
Nun steht uns also das siebte Album ins Haus welches auf den Titel „The Court of the Insane“ hört.
Und wenn man sich den Klängen des Openers „Celestial City“ hingibt wird einem schnell klar was mit dem ungewöhnlichen Stil der Jungs gemeint ist. Der Sound ist wesentlich düsterer als z.B. bei dem großen Bruder SAXON, auch wenn diese natürlich mit „Unleashed the Beast“ auch so etwas in der Diskografie hatten.
Dazu kommt natürlich noch das sehr charakteristische Organ von Fronter Bill welches von einmalig ist!
Als Opener geht die Nummer vollkommen in Ordnung und ist schön abwechslungsreich.
Das anschließende „Lies“ ist dann etwas geradliniger und kompakter geworden und geht somit wesentlich besser in die Gehörgänge.
Mit dem Titeltrack „The Court of the Insane“ hat man dann den ersten richtigen Hit in der Hinterhand bei dem Old School NWoBHM Anhänger vor Freude Luftsprünge machen werden!
Danach flacht das Niveau dann aber leider etwas ab, das abwechslungsreiche, überlange „No Bequeath“ und das ebenfalls sehr abwechslungsreiche „The Prophet“ sind da kleine Lichtblick.
Zum Abschluss sind dann „I can hear the Silence“ und auch das flotte „Ride Free“ ebenfalls ganz ordentlich gelungen, insgesamt bleibt aber ein etwas zwiespältiger Eindruck zurück!

Anspieltipps:

„Lies“, „The Court of the Insane“, „The Prophet“ und „I can hear the Silence“.

Fazit :

Ganz klar SACRILEGE sind eine Institution im NWoBHM Underground! Und so ist es nicht verwunderlich das Die Hard Old School Anhänger dieses Genre auf jeden Fall hellauf begeistert sein sollten vom neuen Diskus der Briten. Für alle andere wird das Ganze eher eine sehr spezielle Veröffentlichung sein mit einer insgesamt soliden Leistung!
Nicht mehr aber auch nicht weniger!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Celestial City
02. Lies
03. The Court of the Insane
04. Bring out your Dead
05. Despression
06. No Bequeath
07. The Prophet
08. Unhinged Mind
09. I can hear the Silence
10. Ride Free

Julian

ENVENOMED – The Walking Shred

Band: Envenomed
Album: The Walking Shred
Spielzeit: 56:48 min
Stilrichtung: Melodic Thrash Metal
Plattenfirma: El Puerto Records/Soulfood
Veröffentlichung: 05.07.2019
Homepage: www.facebook.com/EnvenomedOfficial

Neu auf der Liste meiner dummen Entscheidungen: ENVENOMED einen Tag nach der Rückkehr aus Wacken zu rezensieren. Keine gute Idee, wenn man die Freundschaft mit seiner Nackenmuskulatur so langsam zurückgewinnen möchte. Aber jut, nun ist es so, das dritte Album der Jungs aus Melbourne ist gehört und überstanden. “The Walking Shred” nennt sich das gute Stück (Ich warte an dieser Stelle auf die Nachfolgewerke “One, Two, Shreddy’s Coming For You” und “Shredtime Storys”), ist eine knappe Stunde lang und beinhaltet neben dem kurzen Intro elf Songs, von denen einer ein witziges Lenny-Kravitz-Cover ist. Die Produktion ist edel. Die Drums hämmern ordentlich, die Gitarren braten, dass es eine wahre Freude ist, und der Gesang ist von stark gemachten Backing Vocals unterlegt. Alles sitzt auf den Punkt, Sänger Anthony Mavrikis hat eine tolle, kräftige Stimme und jetzt muss bei alldem nur noch die Musik an sich stimmen. Entwarnung sei gegeben, tut sie auch. Der Stil der vier Australier ist ein harter und häufig sehr rhythmusorientierter Mix aus Thrash und Heavy Metal, mit knüppeligen Thrash-Momenten, melodiösen Refrains auf oftmals echt hohem Niveau, klassischem Heavy Metal und Riffarbeit, die zwischen primitiver Effektivheit und Grandiosität schwankt. Verschnaufpausen gibt es nur selten. Die zweite Fußmaschine ist absolut ausgelastet, das Gitarrenspiel fix und böse und sowohl hinter den thrashigeren als auch den Heavy/Powerigen Parts, sowohl hinter Uptempo- als auch hinter gemein runtergebrochenen Midtempo-Parts steckt eine ordentliche Menge Druck. Ein bisschen ruhiger wird es nur bei der Ballade “Fate Closes The Door”, die gefühlvoll aber nicht kitschig ist und ziemlich genau so ausfällt, wie ich mir eine Ballade wünsche. Ansonsten gibt es mit “Through The Cold” einen weiteren sehr harmonielastigen Track, der so fast (fast, ne?) als Power Metal durchginge, dafür mit “All That Remains”, “Sacrifice” und “The Haunting” aber auch eine Menge Brutales auf die Ohren – und mit “Rebellion” einen mies schwergängigen Midtempo-Stampfer.
Kritik lässt sich bei “The Walking Shred” eigentlich nur an den oft etwas zu routinierten Mittelteilen und an der doch recht durchgehenden Orientierung an gängigen Songstrukturen. Nach dem ersten Refrain kennt man das Lied dann eben oft komplett, außer den besagten Mittelteil, der am Track aber eh das am wenigsten Herausragende ist. Aber ernsthaft, das ist bei weitem kein Grund, um ENVENOMEDs “The Walking Shred” nicht zu empfehlen.

Anspieltipps:
Wenn man Track 5 bis 8 hört, hat man eigentlich einen ziemlich guten Überblick über das Album.

Fazit:
ENVENOMED haben schon auf dem dritten Album ihren eigenen Stil und Sound gefunden, bieten was für den Nacken aber auch für’s Köpfchen und hätten eigentlich mehr Aufmerksamkeit verdient. Dazu thrashige Härte, erbarmungslos produziert und mit Melodien, die nicht immer aber oft ein gutes Stück über dem Durchschnitt liegen. Man sollte dem mal eine Chance geben!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Walking Shred
02. Abandon Hope
03. The Dead
04. Aware
05. Fate Closes The Door
06. Rebellion
07. Through The Cold
08. The Haunting
09. All That Remains
10. Sacrifice
11. Are You Gonna Go My Way
12. Metal United

Jannis