GUARDIANS OF TIME – Tearing Up The World

Band: Guardians Of Time
Album: Tearing Up The World
Spielzeit: 52:48 min.
Stilrichtung: Heavy/Power Metal
Plattenfirma: ROAR! Rock Of Angels Records
Veröffentlichung: 19.10.2018
Homepage: www.guardiansoftime.no

GUARDIANS OF TIME – Die Hüter der Zeit. Und die Zeit rennt, schaut man sich die Menge an Uptempo auf dem neusten Album der Norweger einmal genauer an. Zwölf, mit Bonustrack dreizehn Tracks beinhaltet die nunmehr fünfte Platte der 1997 gegründeten Formation, alle angemessen kurzweilig zwischen drei und fünfeinhalb Minuten gehalten und stilistisch im heavien Power Metal bzw. im powerlichen Heavy Metal zu verorten.
Die Produktion ist sauber und knallt anständig, Sänger Bernt agiert problemlos auch in hohen Bereichen und der Rest der Band weiß die Sache jederzeit mit auf den Punkt getroffener Untermalung nach vorne zu treiben.
Klingt bis dahin ganz gut, und tatsächlich: Beanstanden lässt sich an “Tearing Up The World” kaum etwas. Verkraftet man die War-und Eagle-Texte, so entpuppt sich die Scheibe als extrem spaßiges Stück Heavy Metal, das einen hohen Wert auf Melodien abseits der 08/15-Norm legt. Die ganz große Innovation findet sich hinsichtlich der Melodien dabei zwar seltener, doch bewegt sich das Niveau durchgängig in einem Rahmen, der das Interesse der Zuhörer an den jeweiligen Song zu binden weiß, gerade in den Refrains, für die die GUARDIANS OF TIME ein massives Händchen zu haben scheinen.
Das geht schon beim Titeltrack los. Mag sein, dass die erste Strophe mit ihrem wiederholt geäußerten “I fight!” etwas stumpf anmutet und nicht unbedingt das richtige Bild des Albums zeichnet, das ändert sich allerdings spätestens beim Instant-Ohrwurm-Refrain und der anschließenden Strophe, deren Vocals vom mächtigen ABBATH persönlich übernommen wurden – neben Tim “Ripper” Owens, der dem in den Strophen oldschool speedmetallischen “As I Burn” seine Stimme leiht, einer der zwei Gastsänger der Platte.
Keyboards finden sich auf “Tearing Up The World” kaum. Wenn sie dennoch zur Geltung kommen, dann bestens eingesetzt; im Power-Metal-Hit “Raise The Eagle” in Form eines modernen Synth-Riffs, beim Midtemposong “Drawn in Blood” als wahnsinnig geil klingende Orgel zu Anfang.
Weitere Höhepunkte: “Kingdom Come” mit seinem GAMMA-RAY-Chorus und “Brothers Of The North”, das beinahe ein älterer IRON-SAVIOR-Song hätte sein können (überhaupt klingt das Album ziemlich beeinflusst vom deutschen Power Metal). “Valhalla Rising” bringt ein wenig Pagan-Flair ins Biz, das rifftechnisch trocken-böse “Light Won’t Shine” in seinem melancholisch-intensiven Refrain gar einige AMORPHIS-Nuancen. Und ehrlich: Der Rest des Albums ist auch nicht schlechter. Einigen Songs hätte man den letzten Schliff geben können, indem man ihre Refrains nicht auf “Viermal die selbe Melodielinie”-Strukturen aufgebaut hätte, aber zu komplex soll es ja auch nicht sein. Der Spagat zwischen kräftiger Härte und eingängigen, individuellen aber für das Genre nicht zu unkonventionellen Melodien gelingt “Guardians Of Time” einwandfrei.

Anspieltipps:
“Tearing Up The World”, “Raise The Eagle”, “Kingdom Come” und “Brothers Of The North”

Fazit:
Für Freunde von härterem und oft schnellem Power Metal ohne Keyboards, ohne Kitsch, aber mit einer Menge Wucht hinter dem Cover – angereichert mit nicht nur einem Ohrwurmpart. Und das zweite Basspedal hat die Zeit seines Lebens.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Tearing Up The world
02. Raise The Eagle
03. We’ll Bring War
04. Burning Of Rome
05. Kingdom Come
06. Valhalla Awaits
07. Brothers Of The North
08. Light Won’t Shine
09. As I Burn
10. Drawn In Blood
11. Masters We Were
12. Empire – Live (Bonus Track)

Jannis

IMPELLITTERI – The Nature Of The Beast

Band: Impellitteri
Album: The Nature Of The Beast
Spielzeit: 50:53 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 12.10.2018
Homepage: www.impellitteri.net

Impellitteri <orum [o, rum] > SUBST m (Impellitterus), lat.: Die schnell und äußerst gut Gitarre Spielenden

Passend wär’s. Letztendlich ist IMPELLITTERI allerdings einfach der Name von Gitarrist Chris Impellitteri, der mit seiner nach ihm benannten Band bereits seit 1987 aktiv ist, in Europa kaum und in Japan ziemlich bekannt ist. Zusammen mit Rob Rock (AXEL RUDI PELL u.a.), James Amelio Pulli und Jon Dette (SLAYER, TESTAMENT) hat der gute Mann mit “The Nature Of The Beast” unlängst sein elftes Album veröffentlicht und verhilft dem interessierten Hörer darauf mit zwölf kurz(weilig)en Tracks mit 50 Minuten Gesamtlänge zum Genuss schnellen Heavy Metals mit kleiner Power-Schlagseite und massig Gitarrengefrickel.
Produktion: geht klar, hätte an einigen Stellen weniger laute Rhythmusgitarren, dafür lautere Drums und Vocals vertragen können, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Gerade die Gitarren klingen entzückend, was verständlich ist, schließlich ist Chris nicht nur Bandleader, sondern auch laut Guitar World einer der weltschnellsten Gitarristen und laut dem Guitar One Magazine zweitschnellster Shredderer noch vor Yngwie Malmsteen. Bei solchen Referenzen muss der Saitensound sitzen. Dass das Gitarrenspiel an sich selbiges muss und tut, steht außer Frage. Impellitteri rast durch atemberaubende Soloparts und charakterstarke Highspeed-Riffs, ohne dabei jedoch allzu aufdringlich als Mittelpunkt des Geschehens zu wirken. Der Rest der Band unterstützt ihn tatkräftig, allen voran Rob, dessen nicht zu cleane Stimme dem geschwinden wie melodiösen, dabei jedoch anständig harten Sound der Band höchst dienlich ist.
Wie machen sich die Tracks nun abseits der Gitarrenarbeit und abseits der durchweg beeindruckenden Soloparts? Nun, zuerst einmal seien die zwei Coversongs erwähnt. “Symptom Of The Universe”, ursprünglich von BLACK SABBATH, würdigt das Original und impellittiert es parallel. Klingt geil und schlüssig, auch wenn man leider auf den smoothen Endpart des Originals verzichtet hat. ANDREW LLOYD WEBBERs “Phantom Of The Opera” ist von vorne bis hinten einfach nur top umgesetzt, der vielseitigste Track des Albums mit zahlreichen liebevollen Nouancen und natürlich ebenfalls korrekt auf 180 gedreht.
Trotz der recht ähnlichen Grundbausteine der einzelnen Songs lassen viele Tracks bereits beim ersten Hören ein gutes Maß Eigenständigkeit erkennen. “Man Of War” startet mit leichtem “In der Halle des Bergkönigs”-Feeling, klingt in der Strophe nach STEEL PANTHER mit weniger Brüsten und mehr Eiern und ist trotz seines kleinen True-Metal-Einschlags absolut ernstnehmbar. “Run For Your Life”, Angaben der Band zufolge der MAIDEN-inspirierte Track klingt weniger MAIDEN-inspiriert als so mancher am wenigsten MAIDEN-inspirierte Song manch anderer MAIDEN-inspirierter Band; das übernimmt in textlicher Hinsicht dafür “Do You Think I’m Mad”, das im der starken Strophe folgenden, leicht schwächeren Refrain die titelgebende Frage häufiger stellt, als Blaze Bailey in “The Angel And The Gambler” imstande ist, zu fragen, ob ich denke, dass er ein Saviour sei, er mich retten könne und zudem auch mein Leben.
Das kurz-knackige “Fire It Up” wird pflichtgemäß upgefired (höhö) und macht nur etwas weniger Spaß als die zwei Folgetracks: Das mit über sechs Minuten für “The Nature Of The Beast”-Verhältnisse überlange “Kill The Beast” erfreut durchgängig bis zu 05:25, wenn es 40 Sekunden vor Trackende endet, und “Shine On” holzt neben dem Phantom-Cover wohl als powermetallischster Track des Albums mit gelungenem hymnischen Refrain daher.
All dies, garniert mit Chris‘ hervorragendem Gitarrenspiel, macht über die Dauer des Albums durchgängig Spaß, obgleich die Gitarrenskills ab und an von kompositorischem Mittelmaß ablenken. Ein Dreiviertelpunkt Abzug dafür, nochmal so viel für die leichten Schwächen, die die Produktion hin und wieder aufweist, aber ein großes Lob für die beeindruckende Gesamtleistung hinter “The Nature Of The Beast”!

Anspieltipps:
“Phantom Of The Opera”, “Kill The Beast”, “Shine On” und “Man Of War”

Fazit:
Diese Rezension ist nicht außergewöhnlich lang für Rock-Garage-Verhältnisse, sie muss nur in Chris-Impellitteri-Geschwindigkeit gelesen werden. Zudem muss in seinen neusten Release auf jeden Fall reingehört werden. Kraftvoller und mitnichten überpolierter grandios gespielter Heavy Metal ist das, der nach über 30 Jahren so langsam auch mal in Europa ankommen darf.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Hypocrisy
02. Masquerade
03. Run For Your Life
04. Phantom Of The Opera
05. Gates Of Hell
06. Wonder World
07. Man Of War
08. Symptom Of The Universe
09. Do You Thing I’m Mad
10. Fire It Up
11. Kill The Beast
12. Shine On

Jannis

DRAGONY – Masters of the Multiverse

Band: Dragony
Album: Masters of the Multiverse
Spielzeit: 50:02 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Limb Music
Veröffentlichung: 12.10.2018
Homepage: www.dragony.net

3 lange Jahre haben uns die Symphonic Power Metaller von DRAGONY rund um Sänger und Mastermind Siegfried Samer nach dem letzten Album „Shadowplay“ warten lassen auf neuen Stoff! Und dieser Tage ist es endlich soweit und wir können uns dem neuen, dritten Album mit dem klangvollen Titel „Masters of the Multiverse“ widmen.
Laut Promoinfo soll es das abwechslungsreichste und detailreichste Album der Bandgeschichte sein. Nun die Jungs haben bislang nie wenig Instrumente und Klangspektakel in ihren Songs gehabt was zu einem starken Bombast und Cinematicfeeling führte. Daher sollten wir gespannt sein was uns nun erwartet, wenn man das Ganze nochmal gesteigert hat!
Auf dem neuen Album geben sich auch drei musikalische Gäste die Ehre. SABATON Gitarrist Tommy Johansson ist ebenso mit an Bord wie VAN CANTO Sänger Ross Thompson und die deutsche Sängerin Nora Bendzko.
Alles bereit? Gut, ab geht die wilde Power Metalfahrt mit dem Opener „Flame of Tar Valon“. Und hier wird gleich mal mächtig und dick aufgefahren! Bombast Power Metal mit ordentlich Cinematic Anteilen lassen einen direkt die Fäuste in die Luft recken und jedes Fanherz höherschlagen!
Ein einprägsamer Chorus gehört natürlich auch dazu, von daher können wir hier direkt vom ersten Hit sprechen.
Das schon vorab bekannte, wenn auch recht kitschige, „If it bleeds we can kill it“ nimmt dann den Qualitätsfaden direkt auf und ballert ebenfalls absolut eingängig aus den Boxen direkt in das Hirn.
Und die Qualität bleibt auch im Anschluss absolut hoch, egal ob beim klassisch, epischen „Grey Wardens“, dem Melodic Knaller „Defenders“ oder der ruhigen Halbballade „Fallen Star“. Alles ist hier absolut erstklassig und lässt für den geneigten Fan keine Wünsche offen!
Die zweite Hälfe beginnt dann mit dem Bombastepos „Angels of Neon Wings“ welches zu Beginn Anleihen des SABATON Sound beinhaltet, sich danach aber direkt wieder zu einem DRAGONY Ohrwurm erster Güte entwickelt.
Episch, emotional und erneut mega eingängig geht es dann beim anschließenden „Days of High Adventure“ zur Sache bevor dann im letzten Abschnitt der Platte erneut klassisch und bombastisch die ganz große Keule mit „Evermore“, „The Iron Price“ und dem abschließenden „Eternia Eternal“, ein Schelm der da direkt an die 80iger Hit Jungs Serie und Spielzeugreihe „Masters of the Universe“ denkt, geschwungen wird.
So endet das dritte DRAGONY Album wie es angefangen hat, bärenstark!

Anspieltipps:

Schlechte Tracks sucht ihr hier vergeblich, daher alles!

Fazit :

Mit Kritik wurde in meiner Rezi ja ordentlich gespart! Denn es gibt beim dritten Album der Jungs von DRAGONY auch nicht wirklich viel zu kritisieren.
Für Fans der Band sowie Melodic, Power und Bombast Metalanhänger dürfte der VÖ zum Feiertag werden und die Band bleibt sich ihrer bisherigen musikalischen Linie zu 100 % treu! Man setzt sogar noch mehr die Bombastkeule ein und zaubert einen proppenvollen Klangteppich der eingängig und klebrig aus den Boxen tönt.
Wer bisher nichts mit der Band und der Mucke anfangen konnte wird auch dieses Mal schreiend weglaufen, für allen anderen dürfte das Ganze zum Freudenfest werden!
Es gibt also abschließend mal wieder absolut verdient die Höchstpunktzahl.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Flame of Tar Valon
02. If it bleeds we can kill it
03. Grey Wardens
04. Defenders
05. Fallen Star
06. Angels on Neon Wings
07. Days of High Adventure
08. Evermore
09. The Iron Price
10. Eternia Eternal
11. The Touch (Bonustrack)

Julian

THE HANDSOME DOGS – Unleashed

Band: The Handsome Dogs
Album: Unleashed
Spielzeit: 45:07 min
Stilrichtung: Heavy Rock
Plattenfirma: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 01.09.2018
Homepage: www.facebook.com/dogshandsome

Mal wieder ertönt der Newcomer Alarm hier bei uns in der Rock-Garage. Aus Zweibrücken kommen die Heavy Rocker von THE HANDSOME DOGS die es seit 2015 gibt. Man zockt Hard/Heavy Rock mit einem starken 80iger Touch und beglückt uns dieser Tage mit dem Debütalbum „Unleashed“ welches in Eigenregie veröffentlicht wird.
Freunde von so Bands wie RATT, TESLA oder VAN HALEN sollten nun mal genau hinhören und die Ohren spitzen.
Als Opener ertönt „Treat me like a Dog“ bei dem die Band mal direkt so richtig in die Vollen geht! 80iger Heavy Rock Fans sollten hier direkt aufhorchen und begeistert sein schraubt sich doch die Nummer mit seinem Groove und dem eingängigen Chorus sofort in die Gehörgänge und bleibt dort lange haften!
Das anschließende „Shake“ ist dann vom Groove her nicht ganz so eingängig und auch nicht so brachial unterwegs wie der Opener, kann aber ebenfalls im Chorus durchaus gut punkten.
„The Key“ geht dann etwas an einen vorbei, bevor „Stray Cats“, „Loverdose“ und vor allem das knackige „Hunt or be hunted“ wieder sehr ordentlich punkten können. Hier geben die Jungs richtig Gas und zeigen was sie musikalisch und Songwriter technisch so draufhaben. Ein sehr starker Mittelteil!
Leider sackt in der zweiten Plattenhälfte die Qualität etwas ab und man hat vielleicht den ein oder anderen Standardtrack zu viel mit an Bord.
Hervorzuheben sind hier mit Sicherheit aber noch „Waiting“ und „Gold“.
Der Mittelteil ist hier abschließend betrachtet also insgesamt ganz klar der stärkste Teil des Debütalbums.

Anspieltipps:

Auf jeden Fall „Treat me like a Dog“, „Stray Cats”, “Hunt or be hunted” und “Waiting”.

Fazit :

Insgesamt haben THE HANDSOME DOGS ein solides bis starkes Debütalbum im Gepäck was vor allem in der ersten Hälfte der Scheibe ordentlich punkten kann!
Leider kann man dann das Qualitätsniveau nicht ganz bis zum Schluss halten, aber insgesamt kann man hier doch von einem sehr ordentlichen und soliden Debüt sprechen was bestimmt seine Fans finden wird.
Für eine Band ohne Plattenvertrag ist das Ganze noch beachtlicher. Also Leute unterstützt diese aufstrebende Band! Ich bin sehr gespannt was wir von den Jungs noch hören werden.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Treat me like a Dog
02. Shake
03. The Key
04. Stray Cats
05. Loverdose
06. Hunt or be hunted
07. Waiting
08. Gold
09. Take it like a man
10. Gonna be there

Julian

Frozen Land News

Erstes Video aus dem Debütalbum der finnischen Power Metaller FROZEN LAND

Die finnischen Power Metaller FROZEN LAND haben die erste digitale Single von ihrem kommenden Album „Frozen Land“ veröffentlicht, welches am 23. November 2018 bei Massacre Records erscheinen wird!

„Mask Of The Youth“ ist auf diversen Streamingplattformen sowie hier verfügbar:

Wer den Power Metal der ruhmreichen 90er vermisst, ist bei FROZEN LAND genau an der richtigen Adresse! Fans von Sonata Arctica und Stratovarius sollten FROZEN LAND ebenfalls definitiv im Auge behalten!

Das kommende Album wurde von Matias Kupiainen (Stratovarius) gemischt und von Mika Jussila (Stratovarius, Sonata Arctica, Children Of Bodom) gemastert. Für das Albumartwork ist Andrey Vasilchenko verantwortlich.

FROZEN LAND – Frozen Land
1. Loser’s Game
2. Delusions Of Grandeur
3. The Fall
4. Underworld (Manala)
5. The Rising
6. Unsung Heroes
7. Orgy Of Enlightenment
8. Mask Of The Youth
9. I Would
10. Angels Crying (E-Type Cover)

BONFIRE – Legends

Band: Bonfire
Album: Legends
Spielzeit: 156:17 min
Stilrichtung: Melodic Hard Rock
Plattenfirma: AFM Records / Soulfood
Veröffentlichung: 19.10.2018
Homepage: www.bonfire.de

Welchen Sinn machen Coveralben heutzutage noch? Die Frage lässt sich relativ einfach beantworten: Sehr viel, wenn sie entsprechend gut umgesetzt sind. BONFIRE haben ja erst im April ihr letztes Studio Album „Temple Of Lies“ veröffentlicht. Anschliessend ging es auf Tour um die Scheibe zu promoten. Heuer steht nun eine, weitere Tournee an, bei dem sich diverse hochkarätige Musiker wie Robin Beck, James Christian (HOUSE OF LORDS), Geoff Tate (ex QUEENSRYCHE), Dave Bickler (original Voice of SURVIVOR) , Johnny Gioeli (HARDLINE/AXEL RUDI PELL) ein Stelldichein geben.
Unter dem Motto „BONFIRE & Friends“ , möchte man der geneigten Fangemeinde ein ganz besonderes Live-Erlebnis zukommen lassen.
Die hier gecoverten Titel stellen quasi eine Art Setlist dieser Konzertreise dar, aber im Wesentlichen auch einen Tribut an alle Beteiligten.
Frontmann Alexx Stahl versucht gar nicht erst, wie die Originale zu klingen sondern drückt mit seiner Art Gesang dem Ganzen seinen eigenen Stempel auf.
Die Produktion ist druckvoll ausgestattet und lässt manch „Original“ im neuen Glanz erscheinen. 32 Songs dabei entsprechend so gekonnt zu intonieren, „Chapeau“ Herr Stahl!
Es ist müßig hier einzelne Titel herauszunehmen, dieser Rundling verdient das Prädikat „wertvoll“. Beide Daumen hoch, für diese außergewöhnliche Scheibe.
Falls man also die Möglichkeit hat, „live“ dabei zu sein, bitte Gelegenheit nutzen!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

CD1 01 Africa
CD1 02 Hold The Line
CD1 03 Rosanna
CD1 04 Man On The Silver Mountain
CD1 05 I Surrender
CD1 06 Stone Cold
CD1 07 Death Alley Driver
CD1 08 Black Masquerade
CD1 09 Burning Heart
CD1 10 Eye Of Tiger
CD1 11 Caught In The Game
CD1 12 Doctor Doctor
CD1 13 Lights Out
CD1 14 Rock Bottom
CD1 15 Child In Time

CD2 01 Jet City Woman
CD2 02 Silent Lucidity
CD2 03 Eyes Of A Stranger
CD2 04 Tears In The Rain
CD2 05 The First Time
CD2 06 Save Up All Your Tears
CD2 07 Hot Cherie
CD2 08 Dr. Love
CD2 09 Hallelujah
CD2 10 Rebellion
CD2 11 Heavy Metal Breakdown
CD2 12 Love Don’t Lie
CD2 13 I Wanna Be Loved
CD2 14 King Of Dreams
CD2 15 Frei Wie Die Geier
CD2 16 Erinnerung
CD2 17 Alt Wie Ein Baum

Bonne

SEVENTH WONDER – Tiara

Band: Seventh Wonder
Album: Tiara
Spielzeit: 70:01 min
Stilrichtung: Progressive Power Metal
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 12.10.2018
Homepage: www.seventhwonder.se

Es macht ja immer Spaß, sich abseits der rein aus dem Hören des Albums herrührenden Einschätzung zu einem Album auch noch ein paar Rezensionen von Kollegen anzuschauen, um den über das jeweilige Werk herrschenden Grundtenor mit der eigenen Meinung zu vergleichen. Es macht noch mehr Spaß, wenn die eigene Meinung von der öffentlichen stark abweicht. So bei “Tiara”, dem fünften Streich der Progressive-Power-Schweden um KAMELOTs Tommy Karevik. Das Konzeptalbum besticht mit ca 70 Minuten Spieldauer, einer Ober-, wenn auch nicht Weltklasseproduktion und insgesamt 13 Songs.
Was positiv hervorgehoben werden muss: Die Jungs verstehen ihr Handwerk. “Tiara” ist ein astrein konzipierter Mix aus progressiven Taktspielereien und skandinavischem Power Metal, der in sich schlüssig wirkt und nach allen Regeln der Kunst zusammengebastelt wurde.
Die einzelnen Songs sind nur leider zumeist absolut generisch und austauschbar. Kennt man die typischen SEVENTH-WONDER-Melodielinien, so fällt die Scheibe schlicht überraschungslos aus. Der Großteil der Melodien scheint darauf ausgelegt, dem Zuhörer dicke Gänsehaut auf den ganzen Körper zu zwingen, dafür bedarf es allerdings abseits gewisser Erfahrungen im Komponieren keiner weiteren Genialität bzw. Fähigkeiten. So groß und episch dramatisch die Melodien auch geschrieben worden sind, so belanglos sind sie – kaum eine unter ihnen, an die man sich im Nachhinein erinnern würde; stattdessen beendet man “Tiara” vermutlich mit einem kruden Ohrwurmgemisch jedes Lieds des Albums.
Hervorhebenswerte Lieder gibt es natürlich dennoch. “Tiara’s Song”, erster Song der “Farewell”-Trilogie, ist ein Anwärter auf den besten Song des Albums, mit sich vom bisherigen Part der Platte abhebenden Melodien und einem Refrain, der als Power-Metal-Version von JUDAS PRIESTs “Lost Love” durchgeht. Weitere Motive dieses Songs finden sich im zweiten und dritten Teil wieder, nur merkt man das kaum, weil sie den meisten anderen Trademark-Motiven des Albums deutlich ähneln.
Erfreulich auch “By The Light Of The Funeral Pyres” und “Damnation Below”, die fix und gekonnt daherkommen. Ist auch nötig zu diesem Zeitpunkt, schließlich überwog bei den drei vorangehenden Tracks der Schmalzfaktor enorm, um nicht zu sagen, viel zu krass.
Und sonst? Viel grandios gespieltes und gesungenes Mittelmaß, viel ähnlich klingender Lehrbuch-Prog, gestreckt auf 70 Minuten, die, auf 40 Minuten heruntergekürzt, doch etwas mehr Unterhaltsamkeit hätten bieten können. Nach Hits vergangener Alben (Man bedenke nur das großartige “The Promise”) ist Tiara einfach künstlich gestreckter Standard-Progressive-Metal, dem es am wichtigsten Bestandteil guten Progressive Metals fehlt: nicht Taktwechsel, musikalischer Tiefgang, der nicht beim Musikstudium der Bandmitglieder endet.
Kurz: Wer progressiven Power Metal mit allem Tamtam mag, bekommt mit “Tiara” ein auf Gefälligkeit gelutschtes 70-Minuten-Opus, das handwerklich der Hammer ist, der den Kreativitätsnagel nicht auf den Kopf trifft. Schade bei einer Band, der man so deutlich anhört, was sie drauf hat.

Anspieltipps:
“Tiara’s Song (Farewell Pt. 1)”, “By The Light Of The Funeral Pyres” und “Damnation Below”

Fazit:
10 Punkte für die handwerkliche Umsetzung und das Prog-Metal-Know-How, drei für das, was daraus geworden ist. Die “Hauptsache progressive”-Fraktion, sollte es sie denn geben, darf gerne mal reinhören und der Rest sich an einzelnen Songs erfreuen. Wer eine klarere Kaufempfehlung wünscht, der greife einfach auf eine der zahlreichen positiven Rezensionen da draußen zurück.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Arrival
02. The Everones
03. Dream Machines
04. Against The Grain
05. Victorious
06. Tiara’s Song (Farewell Pt. 1)
07. Goodnight (Farewell Pt. 2)
08. Beyond Today (Farewell Pt. 3)
09. The Truth
10. By The Light Of Funeral Pyres
11. Damnation Below
12. Procession
13. Exhale

Jannis

HANK ERIX – Nothing but Trouble

Band: Hank Erix
Album: Nothing but Trouble
Spielzeit: 45:07 min
Stilrichtung: AOR
Plattenfirma: Livewire/Cargo Records UK
Veröffentlichung: 05.10.2018
Homepage: www.facebook.com/thehankerix

Die AOR Band HOUSTON ist vielen Fans des Genres seit mehreren Jahren ein Begriff. Mit ihren fünf Veröffentlichungen haben sich die Jungs eine starke Fanbasis aufgebaut und sind auch im Pressedschungel bislang immer bestens benotet worden.
Stimme und Sänger dieser Band ist der Schwede Hank Erix, der nun sein Solodebütalbum „Nothing but Trouble“ veröffentlicht.
Die Songs auf dem Debüt haben sich im Laufe der Jahre angesammelt und nun war es Zeit sie der breiten Masse zugänglich zu machen!
Man kann sich hier bestimmt auf eine gute Mischung zwischen dem bekannten AOR Sound von HOUSTON und einer Prise Rock freuen.
Als Opener und Einstieg wird uns „Turn to Darkness“ serviert welches direkt zeigt wo die Reise hier hingeht! Denn man ist hier direkt absolut ohrwurmmäßig unterwegs und umschmeichelt die geneigten Ohren geradezu mit einer tollen Mischung aus AOR und Rock mit einem absoluten Stadionchorus. Ein bärenstarker Beginn würde ich sagen!
Nicht ganz so kraftvoll aber ebenso eingängig geht es dann beim anschließenden „Last Chance to Love“ zur Sache bevor dann mit dem schon aus dem Internet bekannten „Fortune Hunter“ ein weiterer Hit wartet der direkt auf unsere Tippliste wandert.
Und apropos Hit, mit dem eingängigen „Shadowdance“ haben wir in der Mitte des Albums noch so einen Vertreter.
Man darf allerdings auch nicht verschweigen das zwischen den ganzen Hits auch der ein oder andere Standard Rock/AOR Song zu finden ist, der relativ an einem vorbei rauscht.
Aber insgesamt ist die Songqualität hier doch im oberen Bereich angesiedelt und man kann das Album sehr gut hören.
Im letzten Drittel hat man dann mit „Freak“ nochmal einen weiteren kleinen Hit parat der dem geneigten Hörer auf jeden Fall direkt zu sagen sollte.

Anspieltipps:

„Turn to Darkness“, „Fortune Hunter“, „Shadowdance“ und „Freak“.

Fazit :

Das Solodebüt von HOUSTON Sänger HANK ERIX beginnt auf jeden Fall bärenstark und man fühlt sich direkt Wohl als AOR und Rock Fan.
Im weiteren Verlauf gibt es dann vielleicht den ein oder anderen Standardtrack zu viel an Bord, aber insgesamt geht die Scheibe auf jeden Fall vollkommen in Ordnung und als Genreanhänger kann man hier ohne nach zu denken zuschlagen!
HOUSTON Fans müssen hier aber mit weniger Keyboards als gewöhnt klarkommen, es geht halt musikalisch doch eher in die rockigere Richtung.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Turn to Darkness
02. Last Chance to Love
03. Fortune Hunter
04. Way to Go
05. Shadowdance
06. Affair of the Heart
07. Electricity
08. Freak
09. Giving Up on Love
10. For the Restless & The Young

Julian

AXXIS – Monster Hero

Band: Axxis
Album: Monster Hero
Spielzeit: 48:16 min
Stilrichtung: Metal
Plattenfirma: Phontraxx Publishing
Veröffentlichung: 05.10.2018
Homepage: www.axxis.de

Über 30 Jahre im Geschäft und kein bisschen leiser! Diese Beschreibung passt wie die Faust aufs Auge auf die Jungs von AXXIS die uns dieser Tage mit ihrem neuen Album „Monster Hero“ beglücken.
Auf diesem verarbeiten die Jungs rund um die beiden Masterminds Bernhard Weiß und Harry Oellers die aktuellen Themen der Welt rund um die neuen Technologien, politische Themen oder Verschwörungstheorien.
Dies alles packt die Band in erdige Rock und Metalsongs die allesamt aber nicht düster, sondern mitreißend daher kommen. Das Leben ist ja schließlich ernst genug!
Zum ersten Mal spielte dieses Mal Keyboarder Harry Oellers alle Gitarren direkt selbst ein, da man so im Schreib und Aufnahmefluss war und diesen nicht unterbrechen wollte. Somit sind Weiß und Oellers dieses Mal zum größten Teil gemeinsam für die Marschrichtung auf dem neuen Album verantwortlich.
Soweit zu den Randnotizen, steigen wir nun direkt mit dem Opener und Titleltrack „Monster Hero“ ins neue Album ein. Ein flotter, recht harter Midtemposong ist das Ganze geworden welcher sich direkt und ohne Umwege festsetzt und somit auch auf unsere Hitliste wandert.
Die Eingängigkeit bleibt dann auch in den folgenden Songs unser stätiger Begleiter, ganz so wie man es eigentlich von den Jungs von AXXIS gewohnt ist.
Da hätten wir „Living as Outlaws“, „Rock is my Religion“, „Glory of the Brave“ und „Make me Fight“ die sich ohne Probleme direkt festsetzen.
Das ist ja fast schon die halbe Platte mag jetzt mancher denken, korrekt! Bislang tischen AXXIS hier nämlich ganz fett auf und greifen ohne Ausnahme nur ins obere Qualitätsregal!
Das nächste absolute Highlight ist dann „We are Seven“, welches ebenfalls direkt auf unsere Hitliste wandert.
Die Songs dazwischen sind aber wahrlich auch nicht von schlechten Eltern und von Totalausfällen meilenweit entfernt! D.h. die Qualität bleibt durchgehend hoch.
Das bleibt dann auch im letzten Drittel so, wobei hier das knackige mit Stadionfeeling gewürzte „All i want is rock“ etwas hervorsticht.

Anspieltipps:

„Monster Hero“, „Living as Outlaws“, „Rock is my Religion“, „We are Seven” und “All I want is rock”.

Fazit :

Tja, ihr merkt schon wirklich viel zu meckern gibt es nicht beim neuen Album der Jungs von AXXIS! Man ist mega eingängig und stark unterwegs, zeigt kaum Abnutzungserscheinungen und hat mit Sicherheit eines der stärksten Alben der letzten Zeit hier am Start.
Fans dürften hier rundum zufrieden gestellt werden, daher gibt es eine absolute Kaufempfehlung für die angesprochenen Zielgruppen!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Monster Hero
02. Living as Outlaws
03. Rock is my Religion
04. Love is gonna get you killed
05. Glory of the Brave
06. Make me Fight
07. Gonna be tough
08. Firebird
09. We are Seven
10. Give me good Times
11. All I want is rock
12. The Tragedy of Mr. Smith

Julian

SAIGON KICK – Saigon Kick / The Lizard / Water (Re-Releases)

Band: Saigon Kick
Album: Saigon Kick / The Lizard / Water (Re-Releases)
Spielzeit: /
Stilrichtung: Groove / Alternative Metal
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: 31.08.2018
Homepage: www.rockcandyrecords.com

In mancherlei Hinsicht saß die aus dem sonnigen Miami stammende Band SAIGON KICK immer irgendwie zwischen allen Stühlen: gegründet um 1988, als sich die 80er Hair-Metal und Sleaze-Szene auf Ihrem Zenit befand, dauerte es bis 1991 bis das Debüt eingetütet war – da zog auch schon von Seattle der Grunge am Horizont auf. Aber die Truppe um Sänger Matt Kramer und Gitarrist Jason Bieler (sowie Bassist Tom Defile und Drummer Phil Varone) hatte sich schon seit Ihrer Gründung eine ganz eigene musikalische Identität erarbeitet, die 1991 auf das Publikum losgelassen wurde …

Saigon Kick (1991)

Das von niemand geringerem als Produzenten-Legende Michael Wagener (u.a. Extreme, Dokken) produzierte Debüt der Band schlug zwar nicht ein wie eine Bombe – das klangliche Gerüst dafür brachte die Scheibe aber allemal mit, ebenso wie die Qualität der Songs. Sänger Kramer und Gitarrist Bieler, der zuvor noch seine Brötchen bei den schwedischen Melodic-Rockern Talisman, an der Seite von Jeff Scott Soto, verdient hatte, zeigten als Songschreiber ein gutes Händchen für packende Melodien (man höre sich nur mal „What You Say“ an) die von wuchtigen Riff-Wänden flankiert mächtig nach vorne schieben. Die perfekt produzierte Scheibe forcierte die Stärken der Band und setzte die mehrstimmigen Gesänge wunderbar in Szene. „Saigon Kick“ war etwas ziemlich Eigenständiges, das zu dem damaligen Zweitpunkt weder zu dem gerade im Niedergang befindlichen Poser-Metal, noch zu dem langsam salonfähig werdenden Seattle Sound passte. Zwar sind gewissen Parallelen im Konzept zu den wunderbaren Alice in Chains nicht zu übersehen, bzw. -hören. SAIGON KICK hatten aber immer einen gewissen „positiven“ Touch in Ihrem Sound. Leider war der Scheibe nicht das große Publikumsinteresse beschieden, das es verdient gehabt hätte. Mit Tracks wie dem schweren Groover „Down By The Ocean“, der Ballade „Come Take Me Now “ oder dem flotten Opener „New World“ gibt es aber genug Argumente der Platte heute nochmals eine Chance zu geben. Ein mehr als starkes erstes Lebenszeichen einer Band, die schon auf dem Erstling ihren ganz eigenen Sound gefunden und perfektioniert hatte.

The Lizard (1992)

Gitarrist Jason Bieler nahm nun die Zügel fester in die Hand und produzierte die zweite Platte der Band einfach selber (Michael Wagener musste aufgrund von terminlichen Problemen passen). Grundsätzlich ist der Sound der Band auf „The Lizard“ ähnlich wie auf dem Erstling. Allerdings hat Bieler den Gitarren einen noch voluminöseren Klang verpasst. Daher schiebt das Ganze dann nochmal eine Ecke pfundiger aus den Speakern. Am Songwriting brauchte die Band eh nicht viel zu ändern – das war auch schon auf dem Vorgänger über alle Zweifel erhaben. So gibt es auch hier heavy Hits der Sonderklasse, wie z.B. „Hostile Youth“, das mit einem herrlichen Riff versehene „Body Bags“ oder die Hookwundertüte „Feel The Same Way“. Tja, und dann gibt es da noch „Love Is On The Way“, quasi das „More than words“ von SAIGON KICK. Nicht nur weil der Track eine (ziemlich gute) Ballade im Akustikgitarrengewand war und den einzigen veritablen Hit der Band darstellte, sondern vor allem weil dem Florida-Quartett genau wie Nuno Bettencourt & Co. dieser, im Vergleich zum restlichen Songmaterial, so unpassende Song, ein gänzlich falsches Bild beim Publikum bescherte. Fans, die nur aufgrund dieses Songs in ein Konzert gingen, kamen ziemlich verstört wieder heraus, denn mit dem harten, groovenden Metal der Jungs (gespickt mit Beatlesken Gesängen und psychedelischen Farbtupfern) hatte diese Single so absolut gar nichts zu tun. Jedenfalls haben SAIGON KICK durch diesen Song ihre 5 Minuten Ruhm geniessen können. Wer weiss ob es ohne diesen Achtungserfolg überhaupt das Geld für ein drittes Album vom Label gegeben hätte? „The Lizard“ ist, ebenso wie sein Vorgänger, eine saustarke Platte, die scheukappenfreie Metal-Fans unbedingt entdecken sollten.

Water (1994)

Nachdem kurz vor Veröffentlichung von „The Lizard“ bereits der langjährige Bassist Tom Defile gegangen wurde, krachte es vor den Aufnahmen zu „Water“ wieder mächtig im Gebälk. Allerdings diesmal zwischen den beiden Kreativköpfen und Aushängeschildern Kramer und Bieler. Die Atmosphäre war wohl so toxisch, dass es hiess „er oder ich“, woraufhin der Sänger/Frontmann seinen Hut nahm und SAIGON KICK als Trio zurückließ. Bieler, der von Beginn an für die 2te/Harmoniestimme zuständig gewesen war, verzichtete auf einen Ersatz und übernahm das Mikro kurzer Hand einfach selbst. Das hört man der dritten Scheibe der Truppe nicht mal wirklich an – ein Indiz dafür, dass der Gitarrist auch schon auf den vorangegangenen Alben nicht nur die Musik sondern wohl auch zu großen Teilen die Gesänge komponiert hatte. Da der Gute auch diesmal wieder die Produktion Übernahm, ist der Übergang von „The Lizard“ zu „Water“ ein fliessender. Zwar haben die Jungs auch auf dieser Scheibe wieder mal ein paar Experimente in Petto (wie zum Beispiel das hevorragend gelungene David Bowie-Cover „Space Oddity“), aber das Klanguniversum der Band ist unverändert geblieben. Ähnlich wie z.B. King’s X hört man immer heraus um welche Band es sich handelt, egal wie die Sachen produziert sind. Insgesamt kommt „Water“ dennoch nicht an die beiden überragenden Vorgänger heran. Das Songwriting ist weiterhin besser als Vieles von der Konkurrenz veröffentlichte. „Water“ erscheint aber weniger homogen, etwas zerfahren und in sich weniger schlüssig. Anspieltipps sind der Opener „One Step Closer“, der tolle Titeltrack oder das verträumte „Fields Of Rape“. Nachdem die Platte hinter den Erwartungen vom Label zurück blieb, wurde SAIGON KICK der Stecker gezogen und die Jungs vor die Tür gesetzt. „Water“ war aber ein würdiger Abschluss der ersten Karrierephase der Band und ist nur unwesentlich schwächer als die ersten beiden Scheiben (auch wenn der Weggang von Sänger Kramer hier und da durchscheint).

Zumindest die ersten beiden Alben des Florida-Vierers sollten in jedem gut sortierten Metal-Haushalt vertreten sein. Es handlt sich weder um Power, noch Prog oder klassischem Tru-Metal, aber die Farbtupfer, die die Jungs der Szene hinzufügen konnten sind bisher ziemlich einzigartig geblieben. Wer also mit Querköpfen wie Kingßs X oder den fantastsichen Galactic Cowboys etwas anfangen kann, der sollte auch bei SAIGON KICK mal ein Ohr riskieren. Und das kann man nun am besten mit den vorliegenden Re-releass tun, die neben einem sehr gutenm Remastring auch die gewohnten toll geschriebenen Linernotes sowie auf jeder Scheibe mindestens einen Bonus-Track bereit halten. Wie meistens bei Rock Candy Records: ein verlockendes und wertiges Angebot.

WERTUNG:

Saigon Kick

 

 

The Lizard

 

 

Water

 

 

Trackliste:

Saigon Kick (1991)

01. New World
02. What You Say
03. What Do You Do
04. Suzy
05. Colors
06. Coming Home
07. Love Of God
08. Down By The Ocean
09. Acid Rain
10. My Life
11. Month Of Sundays
12. Ugly
13. Come Take Me Now
14. I.c.u.
15. Hey Hey Hey (Bonus Track)
16. Colours (Accoustic) (Bonus Track)

The Lizard (1992)

01. Cruelty
02. Hostile Youth
03. Feel The Same Way
04. Freedom
05. God Of 42nd Street
06. My Dog
07. Peppermint Tribe
08. Love Is On The Way
09. The Lizard
10. All Alright
11. Sleep
12. All I Want
13. Body Bags
14. Miss Jones
15. World Goes Around
16. Dear Prudence (Bonus Track)

Water (1994)

01. One Step Closer
02. Space Oddity
03. Water
04. Torture
05. Fields Of Rape
06. I Love You
07. Sgt. Steve
08. My Heart
09. On And On
10. The Way
11. Sentimental Girl
12. Close To You
13. When You Were Mine
14. Reprise
15. Not Enough (Bonus Track)

Mario