GOMORRA – Divine Judgement

Band: Gomorra
Album: Divine Judgement
Spielzeit: 43:10 min
Stilrichtung: Thrash/Heavy Metal
Plattenfirma: Noble Dome Records
Veröffentlichung: 10.04.2020
Homepage: www.facebook.com/gomorraband

Es gibt was Neues aus der Schweiz: GOMORRA. Aber nur der Name ist neu. Die Band gibt es bereits seit 1994 unter dem Namen Gonoreas. Seitdem haben die Eidgenossen sechs Alben veröffentlicht und sich auf Konzerten die Finger wundgespielt, u.a. mit Blaze Bayley, Destruction und Stratovarius. Seit 2019 also die Umbenennung zu GOMORRA und auch der Wechsel zum frisch gegründeten Noble Demon Records Label. Das Quintett um Jonas Ambühl (v.), Damir Eskic (g.), Dominic Blum (g.), Nico Ardüsen (b.) und Stefan Hüsli (d.) bietet uns eine Mischung aus Heavy-Power-Thrash-Metal. Produziert wurde die Platte im Little Creek Studio (Burning Witches, Nervosa, Destruction) von V.O. Pulver. Für das Cover Artwork konnte man Gyula Havancsak gewinnen, der schon mit Bands wie Blind Guardian, Accept und Destruction gearbeitet hat. Kopfhörer auf und los geht’s.
Ein kurzes 45 Sekunden langes Intro namens „Canaan“ eröffnet das Album mit ruhigen Tönen, ehe es mit voller Wucht bei „Gomorra“ einschlägt. Der Song ist zugleich auch die erste Videoauskopplung des aktuellen Outputs. Toller Groove, schöner Härtegrad und der Sänger beherrscht auch die hohen Töne ohne zu wackeln. „Flames Of Death“ ist ein aggressiver aber doch hoch melodischer Track der sehr viel Abwechslung bietet. Megadeth meets Iced Earth, klasse gemacht. Power Riffs auf höchstem Niveau auch bei „Hope For The Righteous“. Die Vocals sind stark und gehen von Matt Barlow bis hin zu King Diamond. Das Tempo bei „Out Of Control“ wird etwas zurückgeschraubt und das Ganze erinnert an (gute) alte Manowar. „We’re The Damned“ ist die erste Nummer, die das hohe Level nicht ganz halten kann. Geht in Ordnung, aber nix Besonderes. „The City Must Fall“ ist ein richtig starkes Stück Metal a la Judas Priest geworden. Wer da nicht bangt ist selber schuld. Auch bei „Children Of The Land“ ist alles dabei: Power, Groove und Melodie ohne Ende. „Cleansing Fire“ zieht das Tempo wieder an und es entsteht eine Mischung aus alten Helloween und Rammstein. Klingt komisch ist aber super. Heavy Metal pur ist bei „Angels Amongst Us“ Programm. Die Instrumentalabteilung zeigt wie schon vorher ihr ganzes Können und der Gesang ist auch wieder stark. Leider sind wir fast am Ende, aber Einer geht noch. „Never Look Back“ ist eine echte Abrissbirne. Fäuste in die Luft und mitsingen ist angesagt, prima Abschluss.

Anspieltipps: „Gomorra“, „Flames Of Death“, „Hope For The Righteous“, „The City Must Fall“ und „Cleansing Fire“.

Fazit: Klasse Produktion, klasse Songs, klasse Musiker, besonders der Sänger weiß zu gefallen. Die Scheibe macht Spaß und braucht sich nicht hinter Szene Größen zu verstecken. Wer auf Power/Heavy Metal steht, sollte GOMORRA eine Chance geben. Daumen hoch.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Canaan
02. Gomorra
03. Flames Of Death
04. Hope For The Righteous
05. Out Of Control
06. Brother We’re Damned
07. The City Must Fall
08. Children Of The Land
09. Cleansing Fire
10. Angels Amongst Us
11. Never Look Back

Video zu „Gomorra“:

Sturmi

TRICK OR TREAT – The Legend Of The XII Saints

Band: Trick Or Treat
Album: The Legend Of The XII Saints
Spielzeit: 65:31 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Scarlet Records
Veröffentlichung: 24.04.2020
Homepage: www.facebook.com/trickortreatband

Zeit für etwas Glory: “Trick Or Treat” aus Italien sind wieder da und bringen “The Legend Of The XII Saints” mit, das auf dem “Saint Seya”-Anime basiert. Dass Power Metal und Anime durchaus zusammen funktionieren, weiß man spätestens seit EVERFROSTs “Winterrider”-Album, das starke Kompositionen mit Anime-inspirierten Texten und durchgeknallten Ideen ohne Ende verband. “Trick Or Treat“ sind da etwas konventioneller unterwegs. Der Sound der Jungs aus Modena ist am besten als klassischer modernerer (modenara?) Euro-Power-Metal zu beschreiben, irgendwo zwischen der Hamburger Schule und DRAGONFORCE – nicht verwunderlich, begann man doch als HELLOWEEN-Tribute und spielte in der Vergangenheit nicht nur in deren Vorprogramm.
Die Produktion ist stabil, hat auf jeden Fall Druck aber in Sachen Definiertheit (beispielsweise sind die Backing Vocals oft eher geräuschreich, sodass die Melodie nicht so blendend durchkommt) auch noch etwas Platz nach oben. Im Sinne des Genres ist “TLOTXS” aber auf jeden Fall ganz gut poliert, klinisch aber nicht zu sehr. Die Band rast präzise, die Vocals sitzen.
Musikalisch gibt es weitgehend den melodieorientierten Power Metal, den man von einer Band mit dieser Gründungsgeschichte halt erwartet. Fröhliche Melodien, hymnenhafte Parts, Fixe Basedrum-Zerlegung, große Emotionen und klassische Power-Metal-Melodiewendungen. Mit “Golden Arrow”, “Bloody Rose” und “Last Hour” gibt es drei Balladen, von denen erstere beide allerdings in ihrem Verlauf eher zu fetten emotionalen Rock/Metal-Tracks werden. Auch Midtempo findet sich hin und wieder, so bei “Great Horn”, das verhältnismäßig dramatisch-düster ausfällt, mit Doublebase-Salven und gar nicht mal unheavy.
Ansonsten verlässt man sich mit seinen Kompositionen meist Power-Metal-Trademark-Melodieführungen, allerdings auf die besseren des Genres. Es ist halt schwer, bei einem Genre, das den Stil und die Bestandteile der Komposition in dem Maße vorgibt wie neuerer Euro-Power-Metal, da noch etwas innovatives rauszuholen. Fast genauso schwierig ist es bereits, die Melodien zu finden, die vielleicht noch nicht ganz so häufig zuvor verwendet wurden und somit noch etwas interessanter sind. Und zumindest letzteres schaffen TRICK OR TREAT auf ihrer neuen Platte doch häufiger, oder reichern die gewohnten Melodien zwischendurch mit einem lässigen Rhythmus oder nice morbide-dissonanten Zirkussynths (“Underworld Wave”) an. Und natürlich generell mit Keyboards, wenn auch nicht so inflationär wie man denken könnte.

Fazit:
In Anbetracht all dessen ist “TLOTXS” auf jeden Fall eins der besseren und (nicht nur durch seine zwischenzeitlich doch recht düstere Stimmung) auch eins der vielseitigeren Alben dieses speziellen Genres. Eine Chance kann man dem auf jeden Fall mal geben.

Anspieltipps:
“Another Dimension”, “Underworld Wave” und “Bloody Rose”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Ave Athena
02. ARIES Stardust Revolution
03. TAURUS Great Horn
04. GEMINI Another Dimension
05. CANCER Underworld Wave
06. LEO Lightning Plasma
07. VIRGO Tenbu Horin
08. LIBRA One Hundred Dragons Force
09. SCORPIO Scarlet Needle
10. SAGITTARIUS Golden Arrow
11. CAPRICORN Excalibur
12. AQUARIUS Diamond Dust
13. PISCES Bloody Rose
14. Last Hour (The Redemption)

Jannis

DARK FOREST – Oak, Ashes & Thorn

Band: Dark Forest
Album: Oak, Ashes & Thorn
Spielzeit: 52:46 min
Stilrichtung: Heavy/Power Metal
Plattenfirma: Cruz Del Sur Music
Veröffentlichung: 24.04.2020
Homepage: www.facebook.com/darkforestuk

Es ist doch immer ein herrliches Gefühl, ein Album zum Rezensieren zu bekommen, das sich schon beim ersten Hören als neun oder mehr Punkte wert erweist. Dann setzt man sich an die Rezension, beschreibt den Leuten, was man daran geil findet und wünscht ihnen, dass sie es hören und auch genießen können. Hin und wieder gibt es aber auch so 9+-Bands, bei denen sich eine Rezension nachher unweigerlich zu einem kleinen Plädoyer entwickelt, warum man dieser Band unbedingt eine Chance geben sollte – weil Leser wie Band es einfach verdient haben. DARK FOREST ist so ein Fall. Als Epic Metal bezeichnen sich die 2002 gegründeten Briten, die wie eine Mischung aus Heavy und Power Metal klingen. Dazu kommen leichte folkige Einflüsse in der Melodieschreibung, aber so dezent wie etwa bei frühen MOB RULES, sodass “Oak, Ashes & Thorn” niemals korrekt als Folk Metal bezeichnet werden könnte. Textlich orientiert man sich an Rudyard Kiplings “Puck On Pool’s Hill” verschreibt sich also der Geschichte des Heimatlandes inklusive seiner Mythen und Märchen. Und fuck, bringt die Musik dieses Feeling gut rüber.
Ein erstes heftiges Lob für die Produktion. Die ist kein bisschen klinisch, stattdessen organisch, voll und außerordentlich warm geworden und transportiert perfekt die Musik von DARK FOREST. Die musikalische Grundstimmung ist positiv, Dur verhältnismäßig häufig, mit wunderbaren melodischen Gitarrenmotiven an jeder Ecke irgendwo zwischen IRON MAIDEN und RUNNING WILD und mit Kompositionen, die so unbedarft fröhlich daher kommen, dass es nicht verwunderlich wäre, wenn die Scheibe plötzlich aus dem Player und dem Fenster springen würde, um glücklich über die nächste grüne Wiese zu laufen. Nein, heavy und böse ist “OA&T” nicht besonders, aber ungeheuer sympathisch und atmosphärisch in seiner Grundstimmung – und dazu noch großartig geschrieben. Mit massig eingängigen, gerne auch mal hymnischen Parts mit Wiedererkennungswert, die billigen Bombast zugunsten der Entfaltung der Melodien weglassen (Gott sei Dank) und auf Keyboards nur dann zurückgreifen, wenn sie wirklich angemessen sind. Gewisse Anleihen an bislang bereits genannte Bands (ebenso wie an AVANTASIA bei “Relics”) sind zwar erkennbar, doch bei all diesen Einflüssen ist der Stil der Platte sehr eigenständig, nicht einmal in der Nähe zu irgendwelcher Kopiererei.
Ansonsten noch, um auf die Tracks im einzelnen einzugehen: Track eins ist ein schönes Intro, Track zwei bis acht sind allesamt sehr schön, liefern immer dann noch ein schönes Motiv, wenn man denkt, das Schöne-Motive-Potenzial sei bereits ausgereizt, klingen schön, sind schön geschrieben. Schön schön schön.
Kritik? Nö. Warum auch?

Fazit:
Man merkt, wenn talentierte Musiker wirklich genau die Art von Musik machen, die sie zu 100 Prozent lieben. Dann ist das Resultat in sich im besten Fall äußerst harmonisch und fühlt sich in seiner Gesamtheit einfach ehrlich und richtig an – und das ist bei “OA&T” der Fall. Von der Produktion über die edlen Vocals bis hin zu den Kompositionen an sich – kaufen, Lichter dimmen, Album anmachen und ab geht die Reise ins alte mystische England, wie sie gelungener und schöner kaum sein könnte. Geheimtipp im allerbesten Sinne.

Anspieltipps:
“The Woodlander”, “Relics”, “Avalon Rising” und “Heart Of The Rose”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Ælfscýne
02. Wayfarer’s Eve
03. The Midnight Folk
04. Relics
05. Avalon Rising
06. Oak, Ash & Thorn
07. The Woodlander
08. Eadric’s Return
09. Heart Of The Rose

Jannis

Stargazery News

STARGAZERY – „Constellation“ – Cover, Tracklist, Veröffentlichungsdatum: 29. Mai 2020

Am 29. Mai 2020 wird das neue Album der finnischen Melodic Metal Band STAGRAZERY – „Constellation“ via PURE STEEL RECORDS auf CD veröffentlicht. Der Vorverkauf beginnt am 15. Mai 2020.

Hier könnt ihr euch schon mal einen ersten Eindruck vom Album mit dem Video zum Opener „Sinners in Shadows“ holen:

2011 erschien weltweit STARGAZERY`s erstes Album „Eye On The Sky, welches die Medien hochgelobt haben. Nicht minder schlecht wurde das Nachfolgealbum „Stars Aligned“ von 2015 bewertet.

Nun 2020 steht das dritte Werk „Constellation“ der Finnen um Mastermind Pete Ahonen (BURNING POINT, GHOST MACHINERY) auf dem Tableau. Stilistisch hat sich hier natürlich nichts geändert. Es regiert bombastischer, keyboardgeladener Melodic Metal, welcher stark durch RAINBOW und BLACK SABBATH (Tony Martin Ära) beeinflusst wurde. Passend dazu gibt es eine knackige, glasklare Produktion, welche die außergewöhnlichen Vocals von Jari Tiura (ex-MSG, Ex-SNAKEGOD) erst richtig zur Geltung bringt. Das Gesamtwerk ist für alle Freunde der Stilrichtung ein gefundener Leckerbissen mit jeder Menge Hitpotential.

TRACKLIST:
1. Sinners In Shadows
2. War Torn
3. Self–Proclaimed King
4. Ripple The Water
5. I Found Angels
6. Constellation
7. Caught In The Crossfire
8. Dark Side Of The Moon
9. In My Blood
10. Raise The Flag

 

LINE-UP:
Jari Tiura – vocals
Pete Ahonen – guitars
Marko Pukkila – bass
Pasi Hiltula – keyboards
Illka Leskelä – drums

Special guest:
Samy Nyman (on the Songs 4, 5, 6, 10) – bass

REACTORY – Collapse To Come

Band: Reactory
Album: Collapse To Come
Spielzeit: 33:34 min
Stilrichtung: Thrash Metal
Plattenfirma: Iron Shield Records
Veröffentlichung: 27.03.2020
Homepage: www.reactory-thrash.com

Holla, die Waldfee… REACTORY hauen mit ihrem dritten Album „Collapse To Come“ aber mal so richtig einen raus. Hier wird nicht lange gefackelt, sondern einfach mal locker flockig gezeigt, was den Charme einer in einem Berliner Hinterhof gegründeten Thrash Metal Band ausmacht. Neun absolute Kracher, die einem sofort das Hirn wegballern.
Und wer REACTORY nicht kennt, wird sie nach diesem Album nicht nur kennen, sondern auch zu schätzen wissen. Aber wer ist das eigentlich genau? REACTORY sind neben Sänger Hans Hornung noch Gitarrist Jerome ‚Jerry‘ Düren, Basser Ulli Hoffmann und Caue Dos Santos an den Drums. Im Jahr 2010 tatsächlich in einem finsteren Kellergewölbe eines Berliner Hinterhofs gegründet, hat das Quartett im Jahr 2013 bereits die EP „Killed by Thrash“ veröffentlicht. Im Februar 2014 kam dann das erste Album „High on Radiation“ auf den Markt, im Jahr 2016 folgte das kantige und experimentellere Album „Heavy“. Mit „Collapse To Come“ haben sich die Jungs jedoch wieder auf reinsten Thrash besonnen und das ist auch gut so. Obwohl die einzelnen Bandmitglieder vor REACTORY musikalisch bereits in vielen verschiedenen Genres unterwegs waren, liegen sie hier musikalisch definitiv auf einer Wellenlänge. Und das hört man.
Schon der Opener „Space Hex“ lässt jedes Thrash Metal Herz höherschlagen. Unvorbereitet trifft einen die Abrissbirne und lässt schon beim ersten Song keinen Stein auf dem anderen. Und dafür braucht „Space Hex“ bloß schlappe 2 ½ Minuten.
Ähnlich gewaltig kommt auch Track Nummer zwei daher. „Speedboat Piracy“ ballert genau wie Song Nummer drei „Graves Of Concrete“ mit mehrstimmigen Shouts rein und lässt die Wände wackeln, wobei „Graves Of Concrete“ ein paar geschickte Bremsen eingebaut bekommen hat. Kleine, aber passende Entschleunigungen, bevor sich der Schnellzug REACTORY wieder in Bewegung setzt. Mit „Misantropical Island“ kommt der vermutlich beste Song auf „Collapse To Come“, auch hier legen die Berliner sehr viel wert auf Spaß verbreitende Riffs und Finesse. „Drone Commander“ läuft in die ähnliche groovig-thrashig Schiene, bevor es mit „Evolving Hate“ und „Born From Sorrow“ etwas leicht abfällt. Aber auch nur leicht, denn handwerklich sind die beiden genannten Songs perfekt, aber bleiben nicht ganz so fluffig im Ohr, wie der Rest des Albums.
Zum Finale hin haben die Jungs aber wieder ihre Schiene gefunden und legen mit „Galactic Ghosts“ und „Enemy“ nochmal zwei amtliche Bretter nach. Und leider ist dann nach einer guten halben Stunde der ganze Spaß schon vorbei. Es hilft nix, da muss dann der zweite Durchgang starten. Oder auch ein dritter oder ein vierter….

Fazit: Alles in allem ist „Collapse To Come” von REACTORY ein durchdacht gutes Thrash Metal Album. Die zwei kleinen Hänger kann man der Band ruhig verzeihen, denn richtige Ausreißer nach unten sind auch das nicht. Was vor 10 Jahren in einem Berliner Hinterhof begann, ist es absolut wert, jetzt ans Tageslicht zu treten. REACTORY haben den Thrash zwar nicht neu erfunden, aber es dennoch geschafft, neuen Wind ein verstaubendes Genre zu bringen. Danke Jungs und immer weiter so!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Space Hex
02. Speedboat Piracy
03. Graves Of Concrete
04. Misantropical Island
05. Drone Commander
06. Evolving Hate
07. Born From Sorrow
08. Galactic Ghosts
09. Enemy

Tänski

PALACE – Reject The System

Band: Palace
Album: Reject The System
Spielzeit: 43:36 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 03.04.2020
Homepage: www.palaceonline.de

PALACE sind ja auch schon länger eine gewisse Institution im deutschen Metal-Untergrund. Seit 1990 und nunmehr sieben Studioalben unterhalten die Herren aus Speyer mit handgemachtem Heavy Metal der böseren Sorte, geführt von den leicht kreischenden Vocals von Harald “HP” Piller, die gerne mal an die von ACCEPT’s Mark Tornillo erinnern. Nun kommt mit “Reject The System Album nr. acht zum 30jährigen Jubiläum und klingt heavy. Dafür verantwortlich zeichnet sich Kai Stahlenberg (\m/), der nebenbei auch Leadgitarren bei so einigen Songs eingespielt hat (der Rest geht auf die Kappe von ATROCITYs und LEAVES‘ EYES‘ Micki Richter). Seine Produktion fällt ordentlich hart und definiert aus und holt das letzte bisschen Angepisstheit aus PALACEs Songmaterial raus. Respekt dafür.
Die Songs auf “Reject The System” verbindet neben ihrer beachtlichen Heavyness die Präsenz mieser, mieser Riffs (im positiven Sinne), oftmals ihr Tempo (ein Großteil der Tracks sitzt irgendwo zwischen unterem Uptempo und oberem Midtempo) und ihre Komposition. Die hält die Tracks bewusst auf simple Weise melodisch, lässt aber auch keinen Ton zu, der die aggressive Grundstimmung irgendwie aufweichen würde. Ausnahme ist da am ehesten noch “Hail To The Metal Lord”, das der einzige Track mit leichter orchestraler Untermalung ist und mindestens so gut wie “Dark Prophecies” vom “Dreamevilizer”-Album. Könnte man in Zukunft vielleicht auch bei zwei oder drei Songs pro Album machen. Der Rest der Tracks verlässt sich meist auf simple Dreitonmelodien und kompakte Refrains, praktiziert das aber äußerst effektiv, sodass das Songmaterial in Kombination mit der bratenden Instrumentalfraktion, den gemeinen Riffs und den schlecht gelaunten Vocals von HP in einer ähnlichen Weise einfach nur cool ist wie das letztens besprochene FREAKS-AND-CLOWNS-Album – nur eben etwas schneller und ein wenig natürlicher produziert. Apropos Geschwindigkeit: Neben echtem Midtempo der Marke “No One Break My Will” und “Valhalla Land” (klingt nach einem korrekten Vergnügungspark) gibt es mit “Bloodstained World” und “Wings Of Storm” auch zwei ordentlich dreschende Uptemponummern, von denen man in Zukunft gerne ebenfalls zwei mehr aufs Album packen dürfte.
Meine Kritik ähnelt ebenfalls der an FREAKS AND CLOWNS: Klar, dass “Reject The System” keine Sinfonie ist, aber etwas weniger oberes Midtempo/unteres Uptempo, ein bisschen mehr Variation hätte der Platte nicht geschadet. Das ändert allerdings nichts daran, dass die zehn Tracks der Platte absolute Heavy-Metal-Bretter sind, mit zugegebenermaßen teils sehr klischeehaften Texten, deren Englisch ein wenig an das von GRAVE DIGGER erinnert.

Fazit:
Aber egal. Pack das Ding in Euren CD-Player, dreht voll auf und genießt einfach eine Stunde gut gemachten, harten, aggressiven und melodischen Heavy Metal in Reinform. (Und schaut die Truppe nach Corona mal live an, kommt gut!)

Anspieltipps:
“Hail To The Metal Lord”, “Wings Of Storm” und “No One Break My Will”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Force Of Steel
02. Soulseeker
03. Final Call Of Destruction
04. The Faker
05. Hail To The Metal Lord
06. Bloodstained World
07. Valhalla Land
08. Legion Of Resistance
09. Wings Of Storm
10. No One Break My Will

Jannis

DARKER HALF – If you only knew

Band: Darker Half
Album: If you only knew
Spielzeit: 51:10 min
Stilrichtung: Melodic Power Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 27.03.2020
Homepage: www.darkerhalf.com

Mal wieder was Neues aus Down Under. Das neue Album „If you only knew“ der Australier von DARKER HALF steht in den Startlöchern und soll laut Bandangaben auf jeden Fall ein Schritt nach vorne sein! Geschrieben im Studio und nicht im Proberaum soll das Material kompakter, zugänglicher und einfach auch abwechslungsreicher sein.
Als Gastmusiker sind hier Stu Marshall (NIGHT LEGION, DEATH DEALER) und Marcos Rodriguez (RAGE) zu hören.
Mit dem neuen Label Massacre Records ist man gut gerüstet für die weitere Zukunft und so horchen wir mal den Klängen des Openers „Glass Coloured Rose“ des vierten Albums. Hier wird nicht lange gefackelt denn die Nummer beginnt recht zackig und mit treibenden Doublebass Drumming.
Die Melodic kommt bei dieser Nummer auch keinesfalls zu kurz und mündet dann in einem Refrain der ordentlich zündet. Ein toller Track direkt zu Beginn, sehr schön!
Und es geht gnadenlos gut weiter. „Falling“ ist ebenfalls absolut melodisch geraten und das folgende epischerer „Into the Shadows“ ist auch großartig und wandert genauso wie der Vorgänger auf die Hitliste.
Der Titeltrack „If you only knew“ kommt zu Beginn etwas schwer in die Gänge, punktet dann aber wieder absolut im Chorus und überzeugt somit mit steigender Spielzeit und trotz Überlänge vollkommen!
Im Mittelteil können auf jeden Fall auch „Sedentary Pain“ und „Thousand Mile Stare“ überzeugen, auch wenn sie zu keiner Zeit an die bisherigen Hits herankommen.
Das dazwischen befindliche „The Bittersweet Caress“ ist zwar recht hart geworden, kann aber ansonsten nicht wirklich glänzen.
Zwei Tracks sind dann noch offen wo ganz klar das ruhigere „Poseidon“ als Sieger hervorgeht. Hier ist es vor allem wieder der tolle Chorus der die Pluspunkte einfährt und die Glanzlichter setzt.
Dagegen kann dann das abschließende und melancholische „This ain`t over“ nicht wirklich anstinken.

Anspieltipps:

„Glass Coloured Rose“, „Falling“, „Into the Shadows“, „If you only knew“ und „Poseidon“.

Fazit :

Nach wie vor ist man bei DARKER HALF sehr episch und stilübergreifend unterwegs. Aber man hat es im Vergleich zum Vorgängeralbum geschafft hier mehr auf den Punkt zu kommen und das Ganze wesentlich melodischer und eingängiger klingen zu lassen. Mission erfüllt also.
Das bringt den Jungs aus Down Under 1 satten Punkt mehr in der Endbenotung als zuletzt mit der entsprechenden Kaufempfehlung für die Zielgruppe! Well done Guys!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Glass Coloured Rose
02. Falling
03. Into the Shadows
04. If you only knew
05. Sedentary Pain
06. The Bittersweet Caress
07. Thousand Mile Stare
08. Poseidon
09. This ain`t over

Video zu „Into the Shadows“:

Julian

BONFIRE – Fistful of Fire

Band: Bonfire
Album: Fistful of Fire
Spielzeit: 53:10 min
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 03.04.2020
Homepage: www.bonfire.de

Meine bisherigen Berührungspunkte mit der Ingolstädter Hardrock Institution waren die beiden 80er Scheiben „Fireworks“ (1987) und „Point Blank“ (1989). Die waren damals zwar wenig originell, dafür aber relativ gekonnt bei den großen amerikanischen Vorbildern abgeguckt. Natürlich hat es damals der Band und dem Erfolg nicht geschadet, dass die beiden erfolgreichsten Scheiben der Bandgeschichte von niemand geringerem als Michael Wagener himself produziert und soundtechnisch veredelt wurden. Seitdem ist viel Zeit ins Land gezogen und ich hatte die Truppe aus den Augen, bzw. Ohren verloren. Dass man sich, nicht im Guten, vom damaligen Sänger Claus Lessmann getrennt hatte, erhöhte mein Verlangen nicht gerade Neues von den Jungs zu hören – war Lessmans Stimme doch für mich eines der Alleinstellungsmerkmale von BONFIRE (we ich sie denn in Erinnerung hatte). Nun, anno 2020 ist von der damaligen Besetzung eigentlich niemand mehr dabei. Einzig Gründungsmitglied und Urgitarrist Hans Ziller ist noch/wieder dabei und er hat mit u.a. Neuzugang André Hilgers an den Drums (Ex- Rage, Axxis) und dem seit 2016 eingestellten Sänger Alexx Stahl eine respektable und kompetente Truppe um sich gescharrt.

Ob Maestro Ziller mit seiner Aussage „Fistful of Fire“ sei die bis dato härteste Bonfire-Scheibe überhaupt, recht hat, kann ich schlecht beurteilen – mir sind die letzten Scheiben wie angemerkt nicht geläufig. Fakt ist aber, dass die Scheibe ordentlich knallt und von dem melodiösen, fönigen Hardrock alter Tage nicht mehr viel geblieben ist. Das geht los mit dem kernigen Stampfer „Gotta Get Away“ bei dem Sänger Alexx Stahl seine komplette Badbreite bis hin zu hohen Schreien eindrucksvoll unter Beweis stellen kann. Auch im weiteren Verlauf können BONFIRE mit starken Hooklines in Songs wie „Ride The Blade“, „Breaking Out“ und dem harten „Fire And Ice“ punkten. Und dann wäre da natürlich noch die obligatorische Ballade, die diesmal „When An Old Man Cries“ heisst und genau das bedient, was man davon erwartet. Alles in allem liefern BONFIRE auf ihrer neuen Platte 11 Songs (plus drei Intros) ab, die handwerklich und soundtechnisch auf dem neuesten Stand sind. Allerdings habe ich aufgrund der Produktion schon Probleme die Jungs von den unzähligen anderen in diesem Genre tätigen Combos zu unterscheiden. Das klingt halt genau so, wie eine typische melodische Heavy Platte heuzutage klingt – zu einem gewissen Grad austauschbar und ohne grossen Widererkennungsert. Das kann einem bei der gebotenen Qualität durchaus egal sein, mir fehlt aber das gewisse Etwas.

Starkes Songwriting, tolle Gitarrenarbeit und ein charismatischer Sänger garantieren, dass BONFIRE auch mit „Fistful of Fire“ ordentlich abliefern. Die Jungs sind bereits seit so langer Zeit aktiv und haben sich ihr Standing in der Szene beileibe hart genug erarbeitet. Da kann dann unterm Strich mein einziger Kritikpunkt (das Kleben an etablierten Soundstandards) gerne getrost ignoriert werden kann. Gute Scheibe.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Joker
02. Gotta Get Away
03. The Devil Made Me Do It
04. Ride The Blade
05. When An Old Man Cries
06. Rock’n’Roll Survivors
07. Fire And Ice
08. Warrior
09. Fire Etude
10. Breaking Out
11. Fistful Of Fire
12. The Surge
13. Gloryland
14. When An Old Man Cries (Acoustic Version)

Mario

DYNAZTY – The Dark Delight

Band: Dynazty
Album: The Dark Delight
Spielzeit: 55:58 min
Stilrichtung: Melodic Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 03.04.2020
Homepage: www.dynazty.com

Melodic Rock/Metal der Extraklasse. DYNAZTY liefern hier ihr bisheriges Meisterstück ab. Irgendetwas muss in dem Grundwasser aus dem Norden Europas sein. Was da alles an genialen Outputs herkommt. Und DYNAZTY aus Stockholm haben wohl einen tiefen Schluck genommen. Wann die die Jungs Zeit hatten diese Knaller Scheibe zu schreiben ist mir ein Rätsel. Sänger Nils Molin ist regelmäßig mit den schwedischen Shootingstars Amaranthe rund um den Globus zu hören und zu sehen. Bassist Jonathan Olsson ist bei Lindemann und Pain live zu sehen. Gitarrist Love Magnusson und Schlagzeuger Georg Härnsten Egg touren häufig mit Dee Snider und Joe Lynn Turner. Auch Gitarrist Mikael Laver war mit Lindemann und Joe Lynn Turner on the Road. Gegründet 2008, fünf großartige Alben und eine Vielzahl von Shows später, stehen die Jungs endlich da wo sie hingehören: an der Speerspitze des Melodic Metal. Ich durfte in meiner ehemaligen Metal Bar (BarCode) das letze Album mit einer tollen Releaseparty vorstellen. Und das war schon klasse. Produziert hat die Band selbst und gemischt wurde die Platte von Jacob Hansen (Volbeat, U.D.O., Amaranthe). Doch genug jetzt, ab zu den Songs die auf uns warten.
Bei „Presence Of Mind“ wird der Refrain als leises Intro reingeschmuggelt, bevor das Riff explodiert und grooved wie Sau. Ein paar spoken words kommen auch vor, ehe der Song sein ganzes Potential entfaltet. Eine echte Hymne. Bombastische Chöre, Synthesizer und moderne elektronische Klänge ohne Ende bei „Paradise Of The Architect“. Die Amaranthe Nähe lässt sich nicht leugnen. Wieder geil. „The Black“ ist ein fantastischer Melodic Hardrock Track mit wahnsinns Chorus Line. Erinnert mich an Battle Beast vom Aufbau her. Weiter geht’s mit „From Sound To Silence“. Von wegen Silence, hier wird gerifft ohne Ende und mit härteren Gastvocals von GG6 gearbeitet. Jetzt wird es kurz ruhig auf „Hologram“. Eine wunderschöne Powerballade, die nie kitschig klingt und von Nils Stimme getragen wird. Super Nummer. „Heartless Madness“ ist eine hymnische Mitpfeifnummer geworden. Geht nicht mehr aus meinem Kopf. Ich dreh hier noch ab. „Waterfall“ bietet modernen epischen Sound der zum Träumen verleitet. „Threading The Needle“ ist ein wenig technischer und progressiver, aber immer mit grandioser Melodieführung und Sänger Nils, der die ganze Range seines Könnens zeigt. Weltklasse. „The Man And The Elements“ verarbeitet keltisch-irische Elemente im Song. Man fühlt sich wie Mel Gibson in Braveheart wenn man seine Feinde in die Flucht schlägt. Groove, Groove und nochmals Groove in „Apex“. Einfach Wow. „The Road To Redemption“ überrascht mit Slide Gitarre und Country Feeling. Mutig, wird nicht jedem gefallen, aber ich liebe es. Der Titeltrack „The Dark Delight“ ist an Melodie nicht zu übertreffen, aber auch ganz viel Theatralik und Dramatik werden hier verarbeitet. Perfektes Ende für dieses Album.

Anspieltipps: unmöglich, einzelne Lieder hervorzuheben. Es gibt keinen einzigen schwachen Song.

Fazit: Diese Scheibe muss die Jungs nach ganz vorne katapultieren. Bands wie H.E.A.T, Eclipse usw. müssen sich ganz warm anziehen. Produktion, Songwriting, Songs, musikalisches Handwerk und Gesang sind perfekt. Absoluter Pflichtkauf!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Presence Of Mind
02. Paradise Of The Architect
03. The Black
04. From Sound To Silence
05. Hologram
06. Heartless Madness
07. Waterfall
08. Threading The Needle
09. The Man And The Elements
10. Apex
11. The Road To Redemption
12. The Dark Delight

Video zu „Waterfall“:

Sturmi

STEELCITY – Mach II

Band: SteelCity
Album: Mach II
Spielzeit: 47:10 min
Stilrichtung: Melodic Hard Rock
Plattenfirma: Perris Records
Veröffentlichung: 20.03.2020
Homepage: www.steelcityband.com/

 

Das zweite Album von STEELCITY bietet eingängigen Melodic Hard Rock amerikanischer Prägung, jetzt mit neuem Mann am Mikro Rob Cathey (GIBRALTA), Mike Floros an den Gitarren, Tony Stahl am Keyboard, Jason Cornwell am Bass und BJ Zampa am Schlagzeug. War das Debütalbum schon nicht übel, lag das Problem an den Vocals, so ist beim zweiten Album eine deutliche Steigerung zu hören, allein vom Gesang ist eine klare Verbesserung auszumachen und die Produktion hat auch mehr Druck als auf dem Debüt. Rob Cathey hört sich in den tiefen Lagen ähnlich an wie Paul Laine und in den höheren Regionen wie Geoff Tate, diese ergeben mit dem Gesamtsound der Band eine äußerst delikate Mischung die man sich immer wieder gerne anhört. Die Keyboards sind in der richtigen Dosierung eingesetzt und die Gitarren stehen klar im Vordergrund.

Enthalten sind zehn abwechslungsreiche Songs und ein Instrumental. Die besten Songs sind “Hearts On Fire”, “Dead Men”, “Steal Your Heart”, dem starken “Little Love”, “Still Close To My Heart” und dem letzten Track und Hooklinemonster “Down To One”. Alle aufgeführten Songs sind Midtempo gehalten, wie man sie von DANGER DANGER, BATON ROUGE, KANE ROBERTS, ADRIAN GALE und BLUE TEARS gewohnt ist. Das Album kommt ohne Ballade aus, enthält dafür aber zehn Granaten und davon fünf Überflieger wobei zwei davon das Zeug zum echten Hit hätten.

Fazit:

Eine angenehmes Album ohne Ausfälle mit fünf echten Highlights und fünf starken Kompositionen. Von mir gibt es eine Wertung von 8,5 Sternen.
 

WERTUNG:

 

 

 

Trackliste:

01. Hearts On Fire
02. Dead Men
03. Steal Your Heart
04. Wasted Time
05. I Cry
06. A Little Love
07. Still Close To My Heart
08. Give It Back
09. Spotlight
10. Prayer For Love
11. Down To One

 

 

Helmut