(ZED YAGO) VELVET VIPER – From Over Yonder / Pilgrimage

Band: (Zed Yago) Velvet Viper
Album: From Over Yonder / Pilgrimage
Spielzeit: 55:50 / 65:54 min
Stilrichtung: True Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 21.08.2020
Homepage: www.velvet-viper.de

Massacre veröffentlichen die beiden Metal Klassiker von ZED YAGO, diesmal unter dem Namen VELVET VIPER, dies macht durchaus Sinn da beide Original Veröffentlichung kaum noch auf zu treiben sind und teilweise preislich hoch gehandelt werden. Beide Alben wurden Remastered und enthalten Bonus Tracks, neue Artworks, das Mastering geht in Ordnung, die originalen Aufnahmen haben für mich aber mehr Charme. Geboten wird auf beiden CDs True Metal aus Deutschland der voll und ganz überzeugen kann und sich mit Klassikern von HELLOWEEN, ACCEPT, WARLOCK, DORO, U.D.O. und RUNNING WILD auf Augenhöhe befindet. Nicht so schnell wie die Kürbisköpfe aber genauso intensiv und kraftvoll, am ehesten vergleichbar aus einer Schnittmenge aus ACCEPT und RW mit Femal Vocals von Jutta Weinhold die in den 70ern schon bei Ilja Richter in der Musikshow Disco auftrat und von ihrem Pink Cadilac in deutsch sang.
ZED YAGO veröffentlichten zwei Saustarke Studioalben 1988/89 und 2005 ein eher erfolgloses Comeback, eine Doppel CD als Best Of, ein Live Album und eine Single von “Black Bone Song”.

From Over Yonder (1988)

FOY startet mit “The Spell Over Yonder” ein kräftger Nackenbrecher mit viel Melodie, gefolgt von einem kurzen Intro für “Zed Yago” was für ein Hammersong hart, melodisch und die rauhen Vocals von Frau Weinhold, geiler geht nicht ausser bei Song sieben. Bei “Queen And Priest” wird der Wind ein wenig aus den Segeln genommen sehr melodisch, “Revenge” eine geile Metal Powerballade. Bei “United Pirate Kingdom” geht die Luft aus, “Stay The Course” mit einer der besten Metalsongs aus Deutschland Frau Weinhold shoutet sich in den Olymp das Dingens macht gewaltig Laune und hat in all den Jahren keinen Staub angesetzt oder zeigt auch keinerlei Abnutzungserscheinungen. “Rebel Ladies” erinnert an ACCEPT mit Udo sehr gute Nummer, “Rockin‘ For The Nation” geht auch gut in Ohr. Die beiden Live Bonüsse sind etwas für Diehard Fans. “The Schmied” eine Akkustik Ballade.

 

Pilgrimage (1989)

Eingeleitet wird durch ein Intro “Pilgrim’s Choir”, geht dann in “Pilgrimage” über ein starker Metal Song im typischen ZY Stil, “Fear Of Death” ist guter Durchschnitt genau wie “Pioneer Of The Storm”. “Black Bone Song” schlägt in die selbe Kerbe des Entersäbels wie auf dem Vorgängeralbum “Stay The Course” und “Zed Yago”, geilster Metal stark und mit schmackes präsentiert. “Rose Of Martyrdom” ein kräftiger Metal Song nicht ganz so eingänig wie der Vorgänger, “The Man Who Stole The Holy Fire” erinnert mit seinen epischen Elementen ganz leicht an den Bombast von MANOWAR, “Achilles Heel” erinnert an HELLOWEENS “Future World”, “The Pale Man” ist eine Ballade die gefällt, der Refrain kommt geil rüber. “Omega Child” gibt wieder Gas aber Durchschnitt, “Fallen Angel” ist wieder eingängiger sehr guter Metal. Die Bonustracks “Merlin”, “HM Rebels”, “King Arthur” der bessere der Bonus Tracks und “Ring Of Stone” eine geile Metal Power Ballade, diese passen gut zu den beiden Alben.

Fazit:

Zwei Bärenstarke Metal Klassiker sind, leider unter dem Banner VELVET VIPER, der breiten Masse wieder zugänglich mit starken Bonus Tracks, von mir gibts eine Wertung für FOY von 9,0 und für P 8,5 weil nicht mehr ganz so stark wie das Debüt.

WERTUNG:

From Over Yonder

 

 

Pilgrimage

 

 

Trackliste:

From Over Yonder (1988)

01. The Spell From Over Yonder
02. The Flying Dutchman
03. Zed Yago
04. Queen And Priest
05. Revenge
06. United Pirate Kingdom
07. Stay The Course
08. Rebel Ladies
09. Rockin‘ For The Nation
10. Rebel Ladies (Live in München 1989)
11. Rockin‘ For The Nation (Live in London 1989)
12. The Schmied (Bonus Track)

Pilgrimage (1989)

01. Pilgrim’s Choir
02. Pilgrimage
03. The Fear Of Death
04. Pioneer Of The Storm
05. Black Bone Song
06. Rose Of Martyrdom
07. The Man Who Stole The Holy Fire
08. Achilles Heel
09. The Pale Man
10. Omega Child
11. Fallen Angel
12. Merlin (Bonus Track)
13. HM Rebels (Bonus Track)
14. King Arthur (Bonus Track)
15. Ring Of Stone (Bonus Track)

Helmut

AVATAR – Hunter Gatherer

Band: Avatar
Album: Hunter Gatherer
Spielzeit: 45:31 min
Stilrichtung: Melodic Death Metal
Plattenfirma: Century Media Records
Veröffentlichung: 07.08.2020
Homepage: www.avatarmetal.com, www.facebook.com/avatarmetal

Unbestreitbar, Live sind AVATAR ein wahres Erlebnis. Wer jemals die Chance haben sollte, sich die Jungs mal in Action anzusehen, der sollte sie auf jeden Fall nutzen. Die Entertainer Qualitäten von Sänger Johannes Eckerström suchen in der Metalwelt auf jeden Falls seinesgleichen. Dazu die Windmühlen der Gitarreros Jonas Jarlsby und Tim Öhrstrom sowie Tieftöner Henrik Sandelin ergeben zusammen schon ein beeindruckendes Bild. Drummer John Alfredsson komplettiert die optisch beeindruckende Bande aus Göteborg. Auch ich hatte schon das Vergnügen, die Band live zu erleben, mein erstes Erlebnis mit AVATAR liegt noch gar nicht so lange zurück. Es war 2016 in Berlin mit DISTURBED als Hauptact. Soviel sei gesagt, mit AVATAR als Vorband haben sich die Jungs aus Illinois wirklich gar keinen Gefallen getan. AVATAR haben die Stimmung bereits so aufgeheizt und soviel Spaß und gute Laune verbreitet, die doch eher ruhigeren Vertreter von DISTURBED konnten dagegen nicht mehr wirklich anstinken. Neben dem zahlreich geflossenen Bier sind mir von diesem Abend nur AVATAR wirklich gut in Erinnerung geblieben.
Musikalisch wird es dann eher schon wieder schwierig mit der Band. Obwohl bereits 2001 – damals noch als LOST SOUL – gegründet, haben die Jungens aus Schweden immer noch nicht so ganz ihren Weg gefunden. Zwar waren die beiden Alben „Hail The Apocalypse“ (2014) und „Feathers & Flesh“ (2016) schon recht vielversprechend, sogar megaklasse, es fehlt aber noch das große Ganze.
So ist es auch bei „Hunter Gatherer“. Nach dem eher zwiespältig aufgenommenen Vorgänger „Avatar Country“ haben sich AVATAR zwar wieder auf ihre Wurzeln besonnen, aber diese Wurzeln bestehen eben aus vielen Verzweigungen und es ist immer noch nicht ganz klar, wohin der Weg gehen soll. Das sorgt zwar für Abwechslung auf den Alben, aber so ein kleiner roter Faden fehlt dann doch irgendwie.
Nach dem bereits angesprochenen eher lustigen Vorgänger „Avatar Country“ begeben sich AVATAR mit „Hunter Gatherer“ auf deutliche düstere Pfade und dunklere menschliche Abgründe. Schon der Opener „Silence in the Age of Apes“ startet mit einer Weltbevölkerung, die haltlos auf eine ungewisse Zukunft zusteuert und sich mit überlegener Technologie, Entbehrung und grauenhaftem Schrecken konfrontiert sieht. Ähnlich düster, aber durchweg eingängig geht es auch mit dem Rest des Albums weiter.
Dennoch klingt es bei „Hunter Gatherer“ irgendwie unfertig, den Songs fehlen an manchen Stellen ein passendes Ende, ein Abschluss. Was nicht heißt, dass sie musikalisch schlecht wären, nur eben irgendwie nicht ganz zu Ende gedacht.
Positiv hervorzuheben sind auf alle Fälle die Vielschichtigkeit von Sänger Johannes, der so ziemlich jede Stimmung bedienen kann. Auch das die übrigen Musiker instrumental gereift sind, ist deutlich spürbar. Dennoch ändert das nichts an der Tatsache, dass nur die Hälfte der 10 Songs auf „Hunter Gatherer“ wirklich im Ohr bleiben, so z.b. der eingangs erwähnte Opener „Silence in the Age of Apes“, „When All But Force Has Failed“ oder auch „Wormhole“.

Aber, und das muss ich nochmal deutlich hervorheben: Was ich hier betreibe, ist immer noch jammern auf hohem Niveau. Auch wenn einige Songs aus den genannten Gründen abfallen, sind auch diese nichts für die Tonne und die anderen genannten Songs zünden dann doch ganz megastark gut. Das Zusammenspiel der Band, die gut arrangierten Songs, die gereifte Qualität sind schon nicht von schlechten Eltern. Luft nach oben ist vorhanden, Potenzial auch. Mal schauen, wie es weitergeht. Und wer modernen Metal mag, wird an AVATAR und „Hunter Gatherer“ nicht vorbeikommen. Und Live sind sowieso ungeschlagen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Silence in the Age of Apes
02. Colossus
03. A Secret Door
04. God of Sick Dreams
05. Scream Until You Wake
06. Child
07. Justice
08. Gun
09. When All But Force Has Failed
10. Wormhole

Tänski

Die Schweden in Hochform (man achte auf die Windmühlen!):

LIONVILLE – Magic Is Alive

Band: Lionville
Album: Magic Is Alive
Spielzeit: 52:40 min
Stilrichtung: AOR
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 07.08.2020
Homepage: de-de.facebook.com/LIONVILLEofficial/

Die Italianos von LIONVILLE kommen mit ihrem vierten Album aus dem Studio, die drei Vorgänger sind mir nicht bekannt, aber was auf diesem Album zu hören ist, kann man als sehr guten und lässigen AOR bezeichnen. Angefangen bei den sehr guten Vocals bis zu den Instrumenten befindet sich alles im grünen Bereich und erinnert im positiven an die Bekannten und auch Unbekannteren Bands der Szene, wie etwa H.E.A.T., OUTLASTED, BROTHER FIRETRIBE, AGE OF REFLECTION, HOUSTON, ALIEN, LOS ANGELES und BAD HABIT mit mehr Drive.

Auf dem Silberling wird sehr starker lässiger AOR, der bestens hörbar ist und sofort ins Ohr geht und dazu noch Radiokompatibel (ach ja habe vergessen das diese solche Art von Musik meiden wie der Teufel das Weihwasser, sorry aber der Mist der im Rundfunk läuft ist nichtmal mit fünf Pullen Whiskey zu ertragen) ist wie Sau, geboten. Mir gefallen die flotteren Songs einen Ticken besser als die Easylistening Songs und Balladen diese kommen leicht schnulzig rüber.

Zu den flotten Vertretern gehören “Nothing Without You”, “You’re Not Alone”, “Runaway”, “Every Little Thing Leads Back To You”, “Living With The Truth”, “I’ll Never Give My Heart Away”, “Magic Is Alive”.

Die Easylistening Songs und Balladen hören auf “Finally You’re With Me”, “If You Don’t Know Me”, “Reaching For The Sky”, “Into The Night”, die trotz ihrer Schnulzigkeit sehr gut sind.

So nun der Kritikpunkt, der Sound ist schwammig und undiffenziert, hat noch viel Spiel nach oben, ich weiß nicht ob das vom MP3 Promomaterial kommt oder ob das Endprodukt auch so klinkt, aber 1000 mal besser als vom Labelkollegen RAMOS der Sound schiesst den Vogel ab.

Mit von der Partie sind Lars Säfsund (v.), Stefano Lionetti (v., g., k.), Michele Cusato (g.), Fabrizio Caria (k., p.), Giulio Dagnino (b.) und Martino Malacrida (d.).

Fazit:

Eine starke AOR Veröffentlichung aus dem Italo Stall Frontiers von mir gibt es ein Wertung von 8 Punkten. Für alle die auf die Vergleiche können einfach mal ein Ohr riskieren.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Nothing Without You
02. You’re Not Alone
03. Runaway
04. Finally You’re With Me
05. Every Little Thing Leads Back To You
06. If You Don’t Know Me
07. Living With The Truth
08. Reaching For The Sky
09. I’ll Never Give My Heart Away
10. Into The Night
11. Magic Is Alive

Helmut

ASSIGNMENT – Reflections

Band: Assignment
Album: Reflections
Spielzeit: 58:31 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 21.08.2020
Homepage: www.assignment-music.com

Es gibt da so ein paar deutsche kleinere Progressive-Metal-Bands, bei denen man findet, was man bei den großen oft vergeblich sucht: Abkehr vom Technik-Fokus, dafür Songwritingskills – die Art von Progressive-Metal-Bands, deren Progressivität oftmals gar nicht akut wahrgenommen wird, weil sie nicht als Aufhänger stilgebend sondern als musikalisches Mittel eingesetzt wird. Als größeres Beispiel seien dabei MOB RULES genannt, ansonsten ANCIENT CURSE, die wir kürzlich hier besprachen. Auch ASSIGNMENT (ich höre mit diesem Album zum ersten Mal von denen) gehören offenbar zu dieser Sparte. Die Truppe hat ihr fünftes Album in den Startlöchern, mit dem Titel “Reflections”, einer knappen Stunde Spieldauer und einer Produktion, die die Handgemachtheit des Albums durchscheinen lässt. Das klingt nicht nach dem polierten, ultra-knallenden Standard-Progressive-Metal, aber es klingt authentisch und ist seinen oft etwas seelenlos klingenden Kollegen damit subjektiv in der Hinsicht ein Stück voraus.
Schon die ersten zwei Tracks bieten eine Überraschung. Progressive Metal ist oft ein wenig elitär und vermittelt viele Emotionen, doch Wut ist ein Zeichen von Schwäche und demnach selten im melodischen Teil des Genres. Doch Wut ist genau das, was einem insbesondere “Mercyful Angel” erbarmungslos um die Ohren haut. Highspeed, oldschool heavy/speed-metallisch anmutende Vocals – das passt zum Text über die NATO-Bombardierungen in Serbien und ist ein grandioser Einstieg. Gut, das Level an Aggression wird im Verlauf des Albums nicht mehr erreicht, es wird “klassischer” progressiv, mit zeitweisem Einsatz von Streicher- und Klaviersynths, seltener von digitalen. Und ganz hintergründig, ohne es dem Hörer groß unter die Nase zu reiben, eröffnet sich vor ihm ein wirklich smartes, mit Aufwand komponiertes Album, das mit einer beachtlichen Menge an geilen Parts und Arrangements daherkommt. Sei es der Aufbau von “Unknown Hero”, das unheilvoll mit Streichern und Klavier (im sehr unkitschigen Sinne) beginnt und dann an Fahrt gewinnt, das Richtung Ballade tendierende “Reflections”, die E-Drum-Akzente und die Melodieführung in “Corporate Men”: Die musikalische Ebene von “Reflections” ist durchgängig interessant und bietet immer wieder kleine Progisierungs-Faktoren, die in dem Genre heutzutage nicht zur Norm gehören. Und das, muss man einfach mal so sagen, ist die Definition von progressiv. Die ganze “Megafette Produktion, Gehacke, poppige Chorusmelodien, möglichst unnachvollziehbare Taktarten, mehr digitale Effekte und modernere Synths”-Schiene, die viele Vertreter des Genres schon seit einiger Zeit fahren, ist nicht mehr fortschrittlich (maximal im Produktions-Sinne), das ist Stagnation. Was ASSIGNMENT machen, ist intelligenter Heavy/Power Metal, der die Grenzen des Genres überschreitet, Altes auffrischt, Neues probiert, durchaus und gerade in textlicher Hinsicht damit Parallelen zu QUEENSRYCHE besitzt und versucht, ein paar neue Ideen mit bewährten Methoden ins Genre zu bringen. Das ist progressiv und dazu auf unüberhebliche Weise echt grandios geworden.

Fazit:
“Reflections” hat kleine Fehler über die man hinwegsehen muss. Aber die Produktion ist bei der Platte nichts, was den fehlenden Inhalt kaschieren könnte; das muss sie aber auch nicht. Wer Bock hat auf ein echt intelligent geschriebenes, mitreißendes und in seinem traditionellen Klang doch frisches Prog-Metal-Album mit gesellschaftlich/politschen Texten, der sollte sich mit der Platte im Spieler und dem Booklet in der Hand an den heimischen Kamin setzen oder, falls kein Kamin vorhanden ist, einfach bei “Mercyful Angel” irgendwas Brennbares anzünden und ersatzweise verwenden.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Trilogia Balkanica
02. Mercyful Angel
03. Obsession
04. Corporate Men
05. Reflections
06. Submission
07. Timeline
08. Endlessly
09. Unknown Hero
10. Silent Nation

Jannis

THUNDERMOTHER – Heat Wave

Band: Thundermother
Album: Heat Wave
Spielzeit: 49:19 min
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 31.07.2020
Homepage: www.thundermother.com, www.facebook.com/thundermother

Wie man anhand meiner bisherigen Reviews vermutlich schon bemerkt hat, Hardrock ist eher nicht so mein Ding. Mich drängt es dann doch – wie mein Chefredakteur so schön sagt – zum Ochsengekloppe. Aber selbst ich und mein doch sehr eingeschränkter Musikgeschmack kommen an THUNDERMOTHER einfach nicht vorbei.
Letztes Jahr bin ich zum ersten Mal auf die High-Voltage Girls aufmerksam geworden, als ich das Glück hatte die schwedischen Überflieger auf dem Reload Festival zu sehen. Und ich muss sagen, die Girls haben so viel Spaß und gute Laune verbreitet, das müssen gestandene Bands der Combo erstmal nachmachen. Mein lauter Ausruf „Das sind ja fünf DOROs *hierherzcheneinsetzen*“ wurde natürlich gleich mit „Das sind aber nur vier“ korrigiert. Aber was solls? THUNDERMOTHER rocken auch mit nur vier Mädels wie fünf DOROs, ich war sofort verliebt (inkl. Bandshirt-Kauf und wochenlanger Schwärmerei).

Und mit ihrem vierten Album (dem zweiten nach der kompletten Neugründung) legen THUNDERMOTHER auch noch eine Schippe drauf und hauen „Heat Wave“ passend zur beginnenden Hitzewelle raus. Das so etwas nach der beinahe Auflösung im Jahr 2017 überhaupt möglich war, damit hat vermutlich keiner gerechnet. Vermutlich noch nicht einmal Gründerin, Treiberin und Gitarren-Göttin Filippa Nässil (die sich biertrinkend und dabei Gitarre spielend durch die Menge tragen lässt).
Doch mit dem neuen Line-up ist ihr ein echter Glücksgriff gelungen. Die bluesgetränkte Stimme von Fronterin Guernica Mancini verleiht den Songs einen einmaligen und frischen Touch. Komplettiert werden THUNDERMOTHER von Majsan Lindberg am Bass und Drummerin Emlee Johansson, die Vier haben zusammen ihre Rocklinie und ihre Balance gefunden.
Erstmals seit der Bandgründung haben alle Bandmitglieder am Album mitgewirkt und mit viel Liebe zum Detail die Lyrics und Songs arrangiert. Unterstützt wurden sie dabei von Soren Andersen, dem Hitlieferanten und erfahrenen Producer aus Dänemark (u.a. GLENN HUGHES, DAVE MUSTAINE). Das perfekte Zusammenspiel zwischen den Schwedinnen und ihrem Producer wird in jeder Faser von „Heat Wave“ hörbar. Das Album ist ein frischer Mix aus AC/DC, MOTÖRHEAD, Blues und Rock. Die Mädels wollen nicht weniger als die Welt erobern „… unser Ziel ist kein geringeres als: Rock’n’Roll World Domination!“ und mit „Heat Wave“ sind sie auf sehr gutem Weg dahin. Schon der Opener „Live and Loud“ und das lässige und bereits vorab als Videoauskopplung veröffentlichte „Dog from Hell“ zeigen die Spiel- und Sangesfreude des Quartetts. Das sollte sogar den zuletzt ziemlich einfallslosen AIRBOURNE, der einstige Rock’n’Roll-Hoffnung, zu denken geben.
Und mit den beiden genannten Songs haben THUNDERMOTHER ihr Pulver noch lange nicht verschossen. Das Titelgebende „Heat Wave“, das ebenfalls vorab veröffentliche „Driving in Style“ mit seinem leichten Ska Punk Einschlag oder Filippa Nässils Lieblingssong „Free Ourselves“, welcher neben seinem energiegeladenen Sound auch mit einer politischen Botschaft aufwarten kann, sind nur ein paar prägnante Beispiele auf dem tatsächlich erst vierten Album der Band. Und auch die leisen Töne liegen den Mädels. Selbst die leicht ins Kitschige abtrudelnde Power-Ballade „Sleep“ und das ruhige JOAN JETTige „Purple Sky“ heben sich vom Rock’n’Roll Einheitsbrei vieler satter Bands ab. Die 13 Tracks auf „Heat Wave“ haben allesamt Ohrwurmpotenzial.

Fazit: THUNDERMOTHER kommen mit einer fast 50-minütigen Hitzewelle aus durchweg starken Songs über uns und wirkliche Ausreißer nach unten hat das Album nicht. Es gibt immer irgendwo Verbesserungspotenzial oder ein Stellschräubchen, an dem gedreht werden kann, aber was die ständig unter Strom stehenden Schwedinnen hier raushauen, ist so frisch und energiegeladen, kleinere Ausschläge nach unten werden hier einfach weggerockt. Für Rock’n’Roller, Bluesrock-Liebhaber und alle, die mit spritziger Musik etwas anfangen können, ein absolutes Muss und definitiv eines der Highlights in diesem Jahr!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Loud And Alive
02. Dog From Hell
03. Back In ‘76
04. Into The Mud
05. Heat Wave
06. Sleep
07. Driving In Style
08. Free Ourselves
09. Mexico
10. Purple Sky
11. Ghosts
12. Somebody Love Me
13. Bad Habits

Tänski

„Driving in Style“ von den schwedischen High-Voltage Girls:

 

 

CANEDY – Warrior

Band: Canedy
Album: Warrior
Spielzeit: 44:15 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: SleaSzy Rider
Veröffentlichung: 07.08.2020
Homepage: www.canedyband.com

CANEDY? Der Name kommt mir bekannt vor. Richtig, es ist Carl Canedy, der berühmte Drummer, der schon bei den früheren Manowar gewirbelt hat und aktuell noch bei The Rods trommelt. Auch als Produzent für Acts wie Anthrax, Helstar, Exciter und Possessed hat Carl sich einen Namen erarbeitet. Nun steht das Debütalbum namens „Warrior“an. Seine Mitstreiter Tony Garuba (b.), Charles Russello (g.) und Mike Santarsiero (v., ex-TLC) komplettieren diese neue Band. Ok, dann legen wir mal los mit „Do It Now“.

Kurzes Drum Intro ehe die Power Riffs einsetzen. Der Gesang passt sehr gut und klingt klasse. So kann es weitergehen. Mit „Not Even Love“ folgt ein Midtempo-Rocker. Hier haut der Sänger alles raus und zeigt sehr viel Emotion in seiner Stimme. Wow, nun geben die Jungs auf „Lies“ aber richtig Gas. Die Riffs sitzen, das Schlagzeug knallt und der Bass röhrt. Bei „Hellride“ sind erstmal zwei Sachen zu erwähnen: 1. Das Intro des Songs wird von einem Cello eingeleitet, dass vom Bassisten gespielt wird. 2. Bassist Tony singt hier auch. Das passt sehr gut mit seiner rauhen Stimme zu dem ruppigen Track. Auf der Titelnummer „Warrior“ wird dem Heavy Metal gehuldigt. Nicht nur textmäßig, sondern auch musikalisch. Man kann wunderbar dazu Bangen und abgehen, sehr gut. „3rd Times A Charm“ ist eigentlich kein schlechter Song, aber ich finde keinen Zugang dafür. Egal, gleich weiter zu „In This Sign“. Und die Nummer ist geil gemacht, Savatage meets Judas Priest. Es wird laut auf „Out For Blood“. Der Sänger gibt alles und die Band treibt ihn voran. Heavy Metal vom Feinsten. „The Prize“ klingt von der Struktur her fast wie ein Pop Song. Natürlich wird hier aber toller Heavy Rock geboten und Vocalist Mike darf seine ganze Range vorführen. Hat auch irgendwie was von Iron Maiden, gut gemacht. Der letzte Track „Attia“ ist Anders. Mit Abstand die kommerziellste Komposition des Albums. Als wenn Michael Patrick Kelly ihn geschrieben hätte. Und ich meine das aber im ganz positiven Sinne. Hier ist gute Laune garantiert.

Anspieltipps: „Do It Now“, „Lies“, „Warrior“ und „In This Sign“

Fazit: Heavy Metal Never Dies. Wer auf US Metal steht sollte hier unbedingt mal ein Ohr riskieren. Die Arrangements sind gut, die Musiker sowieso und auch die Produktion ist amtlich.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Do It Now
02. Not Even Love
03. Lies
04. Hellride
05. Warrior
06. 3rd Time’s A Charm
07. Out For Blood
08. In This Sign
09. The Prize
10. Attia

Sturmi

SHE BITES – Joyride

Band: She Bites
Album: Joyride
Spielzeit: 41:19 min
Stilrichtung: Melodic Rock
Plattenfirma: Pride & Joy / Soulfood
Veröffentlichung: 19.06.2020
Homepage: www.facebook.com/officialSHEBITES

Die neue Formation „She Bites“ setzt sich aus diversen namhaften Musikern des Sektors zusammen. Initiator Lars König kennt man ja von Lioncage , Drummer Carsten Kohl ist durch seine Arbeit bei Three Wishes gleichfalls kein unbeschriebenes Blatt mehr. Vervollständigt wird die Band durch Sängerin Melanie Stahlkopf, die sich gleichwohl durch langjährige Tätigkeiten im Pop-Rock Bereich einen guten Namen gemacht hat. Stilistisch ist man im seichteren Melodic Rock Genre unterwegs. Fast erscheint es so, als wären die Songs eigens für Frontfrau Melanie geschrieben worden, zu gut harmoniert das Ganze. Erfahrung zahlt sich in diesem Fall aus. Dreamtide Sänger Olaf Senkbei ließ es sich zudem nicht nehmen, beim Track „Rock This Night“ als Duett-Partner mitzuwirken. Das Gesamtwerk lässt für Fans genannter Stilrichtung, keine Wünsche offen. Radio kompatibel ist der Silberling vom ersten bis zum letzten Song. Laut Lars König soll diese Band neben Lioncage auch weiter Bestand haben und so nährt sich die Hoffnung auf eine zweite Scheibe. Klare Empfehlung für diesen durchweg guten Rundling

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Demons
02. Joyride
03. She Is On Fire
04. Heartbreak Hotel
05. Dance For You
06. I’ll Be Alright
07. Rock This Night
08. Punches
09. The Simple Song
10. Heaven Sen
11. Push The Button

Video Link „Heartbreak Hotel“:

 Bonne

SHINING BLACK Feat. Boals&Thosen – Shining Black

Band: Shining Black Feat. Boals & Thosen
Album: Shining Black
Spielzeit: 47.53 min
Stilrichtung: Melodic Hardrock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 10.07.2020
Homepage: www.facebook.com/ShiningBlackband

Man mag sie leid sein, diese immer wiederkehrenden Frontiers Projekte in allen möglichen Musikerkonstellationen, aber Treffer wie die diesjährigen ALLEN/OLZEN oder Karlsson’s FREEFALL Alben lassen sich nur erzielen, wenn man es versucht.

Eine auf Qualität basierende höhere Punktzahl kann man dem nächsten Versuch des Labels mit dem von Mark Boals (Malmsteen, Ring of Fire, Royal Hunt) und Olaf Thorsen gefeaturten Projekt SHINING BLACK bescheinigen.

Gute, abwechslungsreiche Songs vom LABYRINTH und VISION DIVINE Gitarristen Olaf Thorsen, fett produziert mit klasse Gesang und mehr als ordentlicher Gitarrenarbeit. Weniger verspielt als in seinen Hauptbands geht es hier zur Sache. Der melodisch Hardrock der 80er Jahre steht eindeutig Pate, also das Genre in dem Mark Boals seine erfolgreichsten Zeiten feierte.

Das von Thosen ursprünglich als Soloprojekt geplante Album startet mit „The House Of The Fallen Souls“ und das vielversprechend. Coole Hookline, interessanter mit guten Keyboards aufgewerteter Mittelteil lässt er auf ein gelungenes Album hoffen.
Doublebass dominiert bei „In My Life“ und „The Carousel“ und zeigt, dass das Projekt nicht nur melodiös, sondern auch mit der nötigen Power ausgestattet ist.

Das folgende „A Sad Song“ setzt den Kontrastpunkt und ist sicherlich eine der besten Balladen des Jahres 2020, hymnischer geht’s kaum. Nicht nur die gefühlvoll jammernde Gitarre, auch Boals Gesang erinnert hier frappierend an Scorpions und dem Mann mit der Mütze. Wenn sie sich hier nur nicht das extrem emotionsgeladene und mehr als gelungene Stück mit einem unüberlegten Mittelteil selber zerschossen hätten.

Das titelgebende „Shining Black“ hält sich an den roten Faden, ist aber ob seiner Austauschbarkeit ebenso wie „Just Another Day“ sicher kein Highlight des Albums
.
Die nötige Härte bringt die Gitarre nicht nur in Stücken wie das in der Strophe etwas an Dio erinnernde „Where are your Gods“ und „The Carousel“ ins Spiel, es bleibt auch immer noch Platz für virtouse Finessen, um den einzelnen Songs den nötigen Wiedererkennungswert zu verpassen. Speziell in den Soloparts kann Thorsen sein Progherz oft nicht leugnen, findet aber häufig einen Weg, diese passend zu arrangieren und es nicht zum Bruch kommen zu lassen.

Mit „The Day We Said Goodbye“ sind SHINING BLACK die vielleicht schmalzigsten fünf Minuten der letzten Jahre geglückt, Klavier-begleitete Singgitarre auf höchstem Niveau, und ein Mark Boals in Monsterform. Das unumstrittene Highlight der Scheibe und sicherlich ein heißer Anwärter auf den Song des Jahres.
„We Fall“stellt eine perfekte, musikalische Zusammenfassung dar und beschließt eine rundum geglückte, abwechslungsreiche Melodic Rock Produktion, der ärgerlicherweise wohl nie eine Live Premiere vergönnt sein wird.

Klar ist SHINING BLACK ein typisches Projektding, aber ganz sicher eines der sinnmachenden und interessanteren Sorte, die es gerne ein weiteres Mal versuchen sollten.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The House Of The Fallen Souls
02. The Boogeyman
03. My Life
04. A Sad Song
05. Shining Black
06. Just Another Day
07. Where Are Your Gods
08. The Carousel
09. The Day We Said Goodbye
10. We Fall

Link zu “Just Another Day” :

Rüdiger König

ONSLAUGHT – Generation Antichrist

Band: Onslaught
Album: Generation Antichrist
Spielzeit: 37:53 min
Stilrichtung: Thrash Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 07.08.2020
Homepage: www.powerfromhell.com

ONSLAUGHT! ONSLAUGHT! ONSLAUGHT! Die (in meinen Augen) beste Thrash Metal Band der Welt sind wieder da. Sieben verdammte Jahre musste man auf einen neuen Output warten. Der Vorgänger „VI“ war ein Meisterwerk (Platz 3 in meinen Lieblingsalben aller Zeiten). Die Band wurde bereits 1983 von Nige Rockett ins Leben gerufen. 1991 lösten sie sich nach drei vorzüglichen Alben leider auf, starteten aber 2004 ihr Comeback. Und nun, 2020 musste auch noch ein Ersatz für Sy Keeler her. Ich muss zugeben, ich hatte große Bedenken dabei. Aber diese waren unbegründet, denn der neue Sänger David Garnett ist mehr als ein würdiger Ersatz. Aufgenommen wurde in den Dugout Studios unter der Regie von Grammy-Preisträger Daniel Bergstrand (Behemoth, In Flames), der einen exzellenten Mix abgeliefert hat. Nämlich dunkel und extrem brutal. Jetzt aber direkt rein in das neue Werk.

Den Start macht „Rise Of Power“. Der Song beginnt mit einem Intro, ehe wuchtige Drums den Rest bestimmen und der keifende Gesang uns direkt auf den zweiten Track vorbereitet. Und der Titel „Strike Fast Strike Hard“ sagt alles. Schneller, härter und mitten ins Gesicht. Leichter Sepultura Einschlag am Anfang, mitten im Song ein kurzer Break um dann wieder Vollgas zu geben. Auch die Vocals sind sehr bissig, die Soli klasse, das Suchtpotenzial ist hoch. Durchatmen, nächster Track. „Bow Down To The Clowns“ grooved und knallt so dermaßen. Wahnsinn. Der Refrain ist einfach nur geil. Mein Genick hasst mich jetzt schon, aber das ist egal im Angesicht dieser Energie, die hier versprüht wird. Kommen wir nun zum Titeltrack „Generation Antichrist“. Hier werden keine Gefangenen gemacht. Es wird alles zerstört, zermalmt und vernichtet was sich der Band in den Weg stellt. Das Niveau ist so hoch, wow. „All Seeing Eye“ klingt wie ein früherer Metallica Song, aber einfach nur viel härter. Trotzdem sehr melodiös, mit fettem Solo und Rhythmus ausgestattet, sehr gut gemacht. Auch Lied Nummer sieben „Addicted To The Smell Of Death“ kennt keine Gnade. Tempo pur ist angesagt. Das wird live einen harten Moshpit geben. Ich muss kurz Pause machen, mein Genick dehnen und was trinken. Solltet ihr auch, denn die nächsten drei Songs werden so manchen an seine Grenzen bringen. Das Triple wird durch „Empires Fall“ eingeleitet. Bedrohlicher Aufbau, wie ihn Slayer nicht besser können. Riffs die den Kopf sprengen und ein Rhythmus der einen durchdringt. Der Bass pumpt, die Drums peitschen und der Sänger keift so böse, einfach herrlich. Uff, jetzt folgt die erste Singleauskopplung „Religiousuicide“. Hart, schnell, extrem catchy und die Vocals killen. Letzter Song ist „A Perfect Day To Die“. Und einen besseren Abschluss kann man nicht machen. Das ist Thrash Metal pur. Die letzten Kräfte mobilisieren und nochmal voll durchdrehen. Morgen muss ich bestimmt zum Physiotherapeuten und mich krank schreiben lassen.

Anspieltipps: Alles, aber wirklich alles

Fazit: Besser kann man eine Thrash Metal Scheibe nicht machen. Alle Trademarks von früher sind da, nur in modernerem Gewand. Der neue Sänger Dave Garnett ist ein Tier und was Nige Rockett hier abliefert ist absolute Weltklasse. Und der Rest der Mannschaft mit Wayne Dorman (g.), Jeff Williams (b.) und James Perry (d.) steht dem in nichts nach. Wenn ich könnte, würde ich mehr als 10 Punkte geben und ich denke, dass es dieses Jahr keine Veröffentlichung mehr geben wird, die „Generation Antichrist“ übertreffen kann.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Rise To Power
02. Strike Fast Strike Hard
03. Bow Down To The Clowns
04. Generation Antichrist
05. All Seeing Eye
06. Addicted To The Smell Of Death
07. Empires Fall
08. Religiousuicide
09. A Perfect Day To Die

Sturmi

GRIMGOTTS – Sagas (EP)

Band: Grimgotts
Album: Sagas
Spielzeit: 17:59 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Eigenveröffentlichung
Veröffentlichung: 14.08.2020
Homepage: www.facebook.com/grimgottsband

GRIMGOTTS, EP-Trilogie, die zweite: Die Veröffentlichung von “Sagas”, dem Nachfolger von “Tales” rückt näher und den Fan piratig angehauchten Uptempo-Syphonic-Power-Metals erwarten mal wieder vier Schmankerl.
Zur Erinnerung: 2015 in Großbritannien gegründet, ohne Label unterwegs, mit 90er/frühe 2000er Power Metal-Spirit, ganz viel sympathisch billigen Keyboards und epischem Shit von Anfang bis Ende.
Am Sound hat sich seit “Tales” nicht wirklich was getan, aber der war eh für eine solche Band schon hart brauchbar. Allerdings gibt es auf “Sagas” keinen Track mehr, der ins Chaotische abdriftet. Man kratzt an der Grenze von “Zuviel des Guten”, liegt aber subjektiv immer darunter, sodass die Tracks nachvollziehbar bleiben. Grenzwertig wird es durchaus manchmal – auch wenn der teilweise preiswerte Sound der Keyboards dem ganzen eine schöne Authentizität verleiht, ist er in seiner Masse doch manchmal etwas verwaschen, aber das bleibt im Rahmen.
Und sonst so? Nun, das gewohnte GRIMGOTTS-Programm: Viel Uptempo, viel Epik, viele große Melodien, sinnig eingesetzte Parts mit runtergebrochener Geschwindigkeit und ein Gespür für Kompositionen, die sich vertraut anfühlen, aber nicht verbraucht. Dazu kommt die exzellente Idee, im Chorus von “Northern Passage” auf die Growlkünste von Prash Sarma zurückzugreifen, der einen exzellenten Job macht und eine krasse Bereicherung ist, auf die man vielleicht auch etwas häufiger zurückgreifen könnte. “Rise Again” kommt mit POWER-QUEST-Chorus (aber dass GRIMGOTTS POWER QUEST mögen ist auch in ihrem Umkreis kein Geheimnis) und “Plunder, Loot & Chantey” ist mit Akkordeoneinsatz und entsprechenden Melodien sehr piratig und Geschmackssache. Und beim abschließenden Titeltrack wird natürlich noch einmal alles gegeben. Schöne Melodieführung, ein warmer, voller, feierlicher Chorus, Mitklatschpart, Modulation… etwas anderes erwartet man als Fan der Band nicht, aber etwas anderes will man eben auch nicht.

Fazit:
GRIMGOTTS – der kleine Untergrundfels in der Überproduziertheits-Power-Metal-Brandung. Wer braucht Trends, wenn man einfach die Musik machen kann, die man vermutlich schon als Teenager liebte und mit der man aufwuchs? Bei der Band trifft songschreiberisches Talent auf höchste Motivation und auf viel Orchester und das Ergebnis ist auf regelmäßiger Basis überzeugend. Nächster Halt: “Legends”.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Northern Passage
02. Rise Again
03. Plunder, Loot & Chantey
04. Sagas

Jannis