ELVENKING – Reader Of The Runes – Divination

Band: Elvenking
Album: Reader Of The Runes – Divination
Spielzeit: 52:32 min
Stilrichtung: Folk Power Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 30.08.2019
Homepage: www.elvenking.net

Folk Metal ist auch so eine Sache, die man entweder liebt oder aus Selbstschutzgründen geflissentlich umgeht. Ich gehöre seit Beginn meiner Leidenschaft für Metal eigentlich zu denen, denen bei dieser Musik akut lustige Spielmannsleut auf Mittelaltermärkten in den Sinn kommen, die das Publikum mit “Seid gegrüßt, edle Knappen und Mägde” begrüßen und beim Bedienen ihrer dummen Fiedel zwanghaft grinsend in komischer Verkleidung von einem auf’s andere Bein treten, während über Met und holde Dirnen gesungen wird. Sprich, ich mag das nicht und halte mich von dem Stil normal fern, es sei denn, irgendwer muss halt noch die neue ELVENKING rezensieren und ich bin der, der dafür in Frage kommt. Dementsprechend habe ich auch noch keine früheren Alben der Truppe gehört und gehe mal naiv unbedarft an die Sache ran. Das zehnte Album der 1997 gegründeten italienischen Gruppe hört auf den Namen “Reader Of The Runes – Divination” und beinhaltet zwölf Songs, darunter zwei 1,5-Minüter (Das aus keltischem Frauengesang, Percussion und Streichern bestehende Intro und das Akustikgitarren-Gesangs-Intermezzo “Diamonds In The Night” und ein knapp elfminütiger Endtrack. Die Produktion ist auf der Höhe der Zeit, die Band stark und Sänger Damna erinnert mich mit seiner belegt klingenden Stimme leicht an eine männliche Version von DORO, was als Kompliment zu verstehen ist.
Der Folk Metal von ELVENKING ist auf “ROTR – D” sehr Power-Metal-lastig, je nach Track könnte man den Stil eher als Power Metal mit Folk-Elementen bezeichnen. Und diese Folk-Elemente sind von verdammt angenehmer Sorte. Klischee-Geigengedudel ist die Ausnahme, die Melodien sind praktisch nie auf stumpfes “Hauptsache es klingt nach Mittelalter” aus, der Dudelsackeinsatz ist smart. Dazu haben ELVENKING ein Händchen für Refrains, die im Ohr bleiben, sei es der vom drumtechnisch leicht BATTLE-BEASTigen Midtempo-Track “Silverseal”, der im vergleich zum Rest des Tracks zurückhaltende von “The Misfortune Of Virtue”, der folkige im fast puren Folk-Metal-Song “Eternal Eleanor”, oder der epische und mit fetten Drums ausgestattete von “Reader Of The Runes – Book 1”.
Und auch sonst ist man kreativ unterwegs: “Maleficia Doctrine” ist ein fünfminütiges Feuerwerk der Vielseitigkeit, in dem von lateinisch-okkulten Chören über Power-Metal-Gespeede bis hin zu Growls und Blastbeats die komplette Palette vertreten ist. “Divination” ist SABATON-Folk und “Warden Of The Bane” pendelt klug komponiert zwischen ruhigerer Strophe und erfreulichem Uptempo-Doublebass-Chorus.
Schwachstellen? Nun, “Diamonds In The Night” und “Sic Semper Tyrannis” sind etwas verzichtbarer als der Rest, aber ansonsten ist “ROTR – D” eine bestens gelungene Kombination aus Power- und Folk-Elementen, die es tatsächlich schafft, selbst dem Folk-Metal-resistenten Rezensenten ehrlichen Spaß zu bereiten.

Anspieltipps:
“Silverseal”, “Heathen Divine”, “The Misfortune Of Virtue” und “Maleficia Doctrine”

Fazit:
AFM sind ja generell ein Qualitätsgarant und das ist bei ELVENKING nicht anders. Die Platte klingt geil und die Komposition stimmt auch. Die Menge an Folk-Facetten ist angenehm, nicht zu dominant aber auch ohne Lupe sichtbar, und sehr gut eingesetzt. Dazu Ohrwurm-Refrains ohne Ende – In seiner Gesamtheit ist “ROTR – D” aller Wahrscheinlichkeit nach eine der stärksten Folk-Power-Metal-Platten des Jahres!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Perthro
02. Heathen Divine
03. Divination
04. Silverseal
05. The Misfortune Of Virtue
06. Eternal Eleanor
07. Diamonds In The Night
08. Under The Sign Of A Black Star
09. Maleficia Doctrine
10. Sic Semper Tyrannis
11. Warden Of The Bane
12. Reader Of The Runes – Book 1

Jannis

NORTHTALE – Welcome To Paradise

Band: NorthTale
Album: Welcome To Paradise
Spielzeit: 53:08 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 02.08.2019
Homepage: www.facebook.com/northtaleofficial

Disclaimer 1: NORTHTALEs “Welcome To Paradise” ist ein gelungenes klassisches Power-Metal-Album der neuen Supergroup um Bill Hudson (DIRKSCHNEIDER, TSA), Christian Eriksson (TWILIGHT FORCE), Pattrick Johansson (W.A.S.P., YNGWIE MALMSTEEN) und Mikael Planefeldt (STREAMLINE). Dass ausgerechnet die Jungs ein wenig Frust abkriegen, liegt schlicht an diversen ähnlichen Veröffentlichungen in letzter Zeit, die ich rezensiert habe, und ich gehe nicht davon aus, dass eine Rezension in der Rock Garage am Erfolg der von den mächtigen Nuclear Blast gepushten Truppe etwas ändern wird.

Disclaimer 2: Keine Sorge, so eine Rezension ist und bleibt die Ausnahme, aber das muss einfach gerade mal raus. Wer keine Lust auf persönliches Rumheulen hat, skippe an dieser Stelle zum Abschnitt vor dem Fazit. Disclaimer Ende.

So. Power Metal (gemeint ist hier der, der sich an den großen Finnen, Deutschen und Schweden orientiert, mit ein paar Keyboards und ordentlich Pathos, im Folgenden: PM) ist ein Genre, dem viele seiner Vertreter gewisse inhaltliche und musikalische Attribute zuschreiben. Er muss große Emotionen auslösen, indem er hochmelodisch ist, spätestens ab dem ersten Prechorus episch, dabei meist positiv konnotiert sein – Ihr wisst was ich meine.
Diese Attribute limitieren diese Vertreter des PM, so dass auf musikalischer Ebene mit groß und majestätisch klingenden, kadenzorientierten Harmoniefolgen gearbeitet wird. Diese (in ihrer Zahl endlichen) Harmoniefolgen wirken sich auf die Melodieführung des Gesangs aus, der zusätzlich mit weiteren Kniffen den Track ebenfalls emotionaler und majestätisch-hymnischer zu gestalten vermag. Dazu die gewohnten Songstrukturen und mit einer guten Band und einem guten Sänger kann fast nichts mehr schiefgehen.
Allerdings ist es inzwischen schlicht kaum noch möglich, ein Album dieser Art aufzunehmen, ohne Harmoniefolgen, Melodien und Arrangements zu verwenden, die man so zumindest noch nicht oft gehört hat. Stattdessen wird Kadenz an Kadenz gereiht, Chor auf Orchester auf Synthesizer gepackt und insgesamt so ein Werk erschaffen, das seine Wirkung auf den Hörer haben mag, sich wie NORTHTALEs erster Streich vertraut anfühlt und schön zu hören ist, in der Menge vergleichbarer Veröffentlichungen allerdings untergeht.
Mein Problem ist: Es mag zwar schön sein, solche Alben zu hören, aber es ist nicht interessant. Interesse entwickelt man für Dinge, weil man sie nicht kennt oder sie einem anders vorkommen, als man es von vergleichbaren Dingen gewohnt war. Bei PM kann Interessantheit auf verschiedene Arten erzeugt werden, aber jeder liegt die Überschreitung der von vielen Genrevertretern selbst auferlegten Grenzen zugrunde. Man könnte einzelne Elemente anderer metallischer oder nicht-metallischer Genres einflechten. Man könnte andere Keyboardsounds oder zusätzliche Instrumente integrieren. Man könnte aber auch, wenn man etwas mehr bei den Wurzeln bleiben möchte, einfach bei der Kompositionsweise ein wenig die festgetretenen Pfade verlassen, mal andere Akkordfolgen und Melodielinien ausprobieren Zumindest könnte man einige individuelle Wendungen erarbeiten, die im PM nicht so ganz üblich sind, und somit einen eigenen Stil schaffen oder, wenn das nicht klappt, wenigstens bei der Produktion und der Auswahl des Equipments einen Sound schaffen, der nicht der absolut typische für das Genre ist.
Es gibt Bands, die es schaffen, dem Genre diese Frische, diese Interessantheit zu geben, in letzter Zeit beispielsweise MERGING FLARE, THE UNITY oder auch STORMHAMMER.

NORTHTALE verlassen sich auf die Formeln, die dem PM zu seiner treuen Hörerschaft verholfen haben. Aber sie machen bis auf wenige Parts in wenigen Tracks (Der “We Are The Champions”-Beat in “The Rhythm Of Life” oder das poppige “Everyone’s A Star”) rein gar nichts damit, außer sie exzellent zu intonieren und hinsichtlich des Songwritings nicht in zumindest eingängige, voneinander unterscheidbare Melodien umzusetzen. Damit ist “Welcome To Paradise” leider ein Album unter erschreckend vielen, das insbesondere auf längere Sicht nicht aus der Masse herausstechen wird und in Sachen Originalität noch von einer guten Anzahl an Underground-PM-Bands geschlagen wird. Alles nach Lehrbuch, alles ohne die Gefahr, irgendwo anzuecken, wirklich schön aber nicht interessant. Es ist ja löblich, ein PM-Album erklärtermaßen im Stil der späten 90er zu machen, aber wenn die Routine derartig groß ist, bleibt nicht nur der Wiedererkennungswert sondern auch die Seele des Albums zu sehr auf der Strecke. Mit so einem Album kriegt man die Leute, die sich sonst nicht so viel mit dem Genre auseinandersetzen, nicht so gesättigt sind von unzähligen gleich klingenden Veröffentlichungen in vielen Jahren. Ich erwarte nicht die Innovation um der Innovation Willen. Ich brauche auf meinem nächsten PM-Album keine Bongos statt Drums, aber das mindeste wäre es, neben der (egal wie perfekten) Einhaltung der Genrekonventionen auch ein paar Melodien zu finden, die nicht nur die obligatorische langweilige und absolut kalkulierte Standard-PM-Gänsehaut erzeugen, sondern frisch, aussagekräftig und immerhin ein bisschen unverbraucht sind.

Fazit:
Schluss jetzt: Wer auf klassischen Ende-90er-Power-Metal steht, der von Fachmännern des Genres professionell dargeboten wird, der hat mit NORTHTALEs “Welcome To Paradise” ein weiteres Album zur Befriedigung seiner Bedürfnisse zur Verfügung. Keine Höhen, keine Tiefen, Keyboards, große Melodien ohne große Eigenständigkeit, für den Moment des Hörens aber recht geil. Das Ding ist eben eher ein Medikament zur Zurückdrängung des Symptoms des Wunsches nach Power Metal, aber nichts, was langfristig wirken könnte.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Welcome To Paradise
02. Higher
03. Follow Me
04. The Rhythm Of Life
05. Time To Rise
06. Way Of The Light
07. Shape Your Reality
08. Everyone’s A Star
09. Siren’s Fall
10. Bring Down The Mountain
11. Playing With Fire
12. If Angels Are Real
13. Even When

Jannis

TARCHON FIST – Apocalypse

Band: Tarchon Fist
Album: Apocalypse
Spielzeit: 44:48 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 16.08.2019
Homepage: www.tarchonfist.com

Drei Alben, eine EP, ein Best Of und zudem eine Vorgeschichte unter dem Namen “Rain” – TARCHON FIST aus Italien haben bereits ein amtliches kleines Portfolio zusammengetragen und nun, zwei Jahre nach besagter EP, ihr viertes Album in den Startlöchern. Spätestens beim vierten Album sollte man auch einen gewissen eigenen Sound/Stil entwickelt haben, und ohne sonst irgendwas von den nach der Faust des etrurischen Königs und Sturmgottes benannten Jungs gehört zu haben, kann ich sagen: Jap, das klingt durchaus individuell. TARCHON FIST spielen Heavy Metal, der gerne mal an Rock’n’Roll und Power Metal kratzt, praktisch ohne Keyboards und mit gutem und ziemlich abgespecktem Sound, der das Gegenteil von überladen ist, ohne dass er sich anfühlt, als würde irgendetwas fehlen.
Als FIST-Neuling habe ich in Sachen Klang der Band nur ein paar Probleme mit Sänger Mirco, die ich zu mindestens 50% auf die Produktion schieben würde. Manchmal geht er im Rest der Band doch etwas unter, sodass man seine Gesangsmelodien eher erahnen muss, manchmal verschwindet er hinter den Backing Vocals. Und während ich sein Vibrato und im Allgemeinen auch seine Stimme und Gesangsleistung sehr schätze, liegt er doch ab und an gefühlt ein wenig daneben.
Derlei Probleme verblassen jedoch vor den Tracks an sich. Die sind in ihren einzelnen Melodieparts zwar nicht besonders komplex, variieren allerdings gekonnt den Genreschwerpunkt und die Atmosphäre, die sie vermitteln. Bei “Evil Comes From The Underground” treffen AC/DC-Vibes auf KINGsches irres Gelächter und ein paar nett eingestreute Power-Metal-Melodien, “My Destiny” ist eine echt gute Ballade, bei der insbesondere Drum- und Gitarrenarbeit hervorzuheben sind und “Proud To Be Dinosaurs” (Jap, es ist ein Album über Apokalypsen. Das muss selbstverständlich mit rein) ist ein vergleichsweise hymnischer und textlich witzig-dämlicher Ohrwurm. Dazu gibt es in “The Last Human Strength” einen sehr kleinen und arschgut eingesetzten Gastsängerin-Part, das obligatorische ACCEPTHOVEN-Zitat und edle “Apocalypse”-ICED-EARTH-Chöre und so weiter und so fort.
Die meisten Songs heben sich somit deutlich voneinander ab, viele von ihnen mit kleinen Mittelteil-Perlen, auf die es sich auch bei schwächeren Songs zu warten lohnt.
Neben meinen Vocal-Problemen beschränkt sich die negative Kritik lediglich auf die üblichen paar Lückenfüller in Form von Parts in mehreren Songs. Dafür gibt es, so muss man lobend anerkennen, keinen Song auf “Apocalypse”, der nicht zumindest in Teilen aufhorchen ließe. TARCHON FIST hatten hörbar Spaß daran, ihre Tracks mit kleinen Twists aufzuwerten und wem ein Song anfangs nicht gefällt, der wird wohl spätestens beim Mittelteil seine Meinung nochmal überdenken müssen. Ordentlich starke Leistung insgesamt. Da darf man neben seinem Dasein als Dinosaurier ruhig auch noch auf das neue Album stolz sein!

Anspieltipps:
“Last Human Strength”, “My Destiny”, “Sky Rider” und “Evil Comes From The Underground”

Fazit:
Abwechslungsreich, ernstnehmbar aber mit einer Prise Humor und für ein 45 Minuten langes Album echt sehr schnell vorbei – “Apocalypse” kann man ruhig in seiner Gesamtheit mal laufen lassen, um sich davon zu überzeugen. Und im Kontext des gesamten Werkes fallen auch die Schwachpunkte kaum noch ins Gewicht.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Prologue To Apocalypse
02. Clash Of The Gods
03. Evil Comes From The Underground
04. Lights Of Fire
05. No Mercy For The Enemy
06. Last Human Strength
07. Proud To Be Dinosaurs
08. Sky Rider
09. Titan Of The Forest
10. Razor From The Abyss
11. My Destiny (Epilogue)

Jannis

TRAUMER – History (Kurzrezension)

Band: TraumeR
Album: History
Spielzeit: 60:27 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: ROAR! Rock Of Angels Records
Veröffentlichung: 05.07.2019
Homepage: www.traumer.com.br

Kurzrezension, also bringen wir es auf den Punkt: Die Brasilianer haben ihr drittes Album namens “History” rausgebracht und klingen verdächtig nach STRATOVARIUS. Die Produktion der Platte ist anständig, hätte aber insgesamt ein wenig mehr Wums vertragen können. Sänger Guilherme Hirose hat eine an Timo Kotipelto erinnernde Stimme und bewegt sich durchaus in ähnlichen Qualitätssphären. Auch der Rest der Truppe weiß spielerisch zu überzeugen und hat die klassischen genretypischen Wendungen drauf. Keyboards sind omnipräsent, konsonante Harmonien auch, dazu die gängigen Songstrukturen und eine ausgewogene Mischung aus ruhigeren Midtempo- und geschwinden Uptempo-Doublebass-Passagen. Aber damit sind wir auch beim Kritikpunkt: fehlende Eigenständigkeit und zu wenig Mut, die eigenen Grenzen über die STRATOVARIUS-Sound-Alike-Mentalität hin zu erweitern. Die Tracks sind durchgängig kompetent nach Lehrbuch komponiert, aber es scheitert dann doch ein wenig an den Standard-Vier-Akkord-Folgen und den darauf obligatorischen Prototyp-Power-Metal-Melodien. Und damit werden aus handwerklich gut gemachten und gespielten Tracks doch leider 7/10-Tracks, die über die Dauer der Platte nett anzuhören sind, denen es aber an Alleinstellungmerkmalen in hohem Maße fehlt.
Außer Frage steht nichtsdestotrotz, dass das Ding ein professionelles Album ist, in das man als Freund von sehr melodischem und keyboardlastigem Power Metal durchaus mal reinhören kann. Nur Innovation darf man eben nicht erwarten.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Prelude To Infinity
02. History
03. Lullaby
04. Guardians Of Time
05. The Land Of Rising Sun
06. Innocence
07. Lonely Rain
08. Revolution Has Begun
09. Seize The Day
10. Turn Back The Night
11. Thousand Tears
12. Learn To Fly (Bonus Track)

Jannis

DESERT – Fortune Favors the Brave

Band: Desert
Album: Fortune Favors the Brave
Spielzeit: 46:23 min
Stilrichtung: Dark/Epic Metal
Plattenfirma: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 30.07.2019
Homepage: www.desertband.com

Die israelischen Epic Metaller DESERT steigerten sich bislang auf jedem ihrer Alben, nun steht uns mit „Fortune Favors the Brave“ das dritte Album ins Haus, welches in Eigenregie veröffentlicht wird.
Das ist zusätzlich zur Tatsache das man aus dem eher metallisch nicht präsenten Land Israel kommt, sehr bemerkenswert! Also das die Band die gesamte Promotion selbst macht bei so einer Szene.
Mit Chris Boltendahl und Georg Neuhauser hat man zwei bekannte Gastsänger mit an Bord und mit vollmundigen Ankündigungen von War Metal und heroischer Epic war ich gespannt ob die Jungs sich erneut steigern konnten und startete voller Vorfreude den Opener „Fix Bayonets!“. Dieser legt mit ordentlich Synthies los und erinnert nicht nur deshalb an den großen Bandbruder SABATON! Man beackert halt ein ähnliches Themengebiet wobei die Jungs hier wesentlich düsterer zu Werke gehen als die Schweden.
Der Opener an sich ist ganz ordentlich gelungen und ist eine konsequente Weiterentwicklung vom letzten Album.
Nicht ganz so verspielt dafür wesentlich heavier und druckvoller geht es dann beim anschließenden „Sons of War“ zur Sache der sich nicht nur aufgrund seines starken Chorus schnell in den Gehörgängen festsetzt!
Auch das folgende klassische „Operation Thunderbold“ und der Titeltrack „Fortune Favors the Brave“ sind mehr als ordentlich und können das eingeschlagene Qualitätslevel ohne Probleme halten.
Zwei absolute Knaller haben sich die Jung für die Mitte des Albums aufgehoben! „My Black Flag“ und „Hardjuk`s Revenge“ sind durch ihre Mischung aus klassischem Power und Epic Metal mit der entsprechenden Eingängigkeit perfekt geworden und begeistern direkt auf Anhieb!
Beim anschließenden „I Gave you a Kingdom”, welches ordentlich orientalisches Feeling verströmt, kommt dann SERENITY Sänger Georg Neuhauser zum Einsatz. Zwischen dem nächsten Gastsänger Chris Boltendahl bei „Blood on the Sand“ (auch richtig geiler Metalstoff) gibt es dann noch das erdig groovende „We were Soldiers“ welches ebenfalls direkt auf unserer Hitliste wandert.
Bei so vielen erstklassigen Songs kann dann das abschließende, etwas ruhigere „Symbol to Believe“ nicht mehr ganz mithalten. Ein starker Abschluss für ein bärenstarkes neues Album ist es aber trotzdem.

Anspieltipps:

„Sons of War“, „My Black Flag”, “Hardjuk`s Revenge”, “We were Soldiers” und “Blood on the Sand”

Fazit :

Wunderbar! Die Jungs von DESERT liefern auf ihrem neuen, dritten Werk, eine ganz klare Steigerung im Vergleich zum Vorgänger ab. Somit ist der neue Diskus der bisher klar beste. SABATON Anhänger denen die letzten Alben zu cheesy waren sollten mit der etwas düsteren angehauchten Mucke hier bestens zu Recht kommen!
Da die Produktion auch erste Sahne ist gibt es hier abschließend eine glasklare Kaufempfehlung für die angesprochene Zielgruppe!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Fix Bayonets!
02. Sons of War
03. Operation Thunderbolt
04. Fortune Favors the Brave
05. My Black Flag
06. Hardjuk`s Revenge
07. I Gave you a Kingdom
08. We were Soldiers
09. Blood on the Sand
10. Symbol to Believe

Julian

SABATON – The Great War

Band: Sabaton
Album: The Great War
Spielzeit: 38:24 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 19.07.2019
Homepage: www.sabaton.net

Mit „The Great War“ schicken uns SABATON in ihren neuesten Bombenhagel. Dieses Mal geht es musikalisch um den Ersten Weltkrieg, ein Thema, welches aus dem Hause SABATON eigentlich schon längst überfällig ist. Was uns die Jungs aus dem schwedischen Falun mit „The Great War“ um die Ohren ballern, ist wieder typisch SABATON. Power Metal vom Feinsten im SABATON-eigenen Stil. Wiedererkennungswert 1A. Allerdings ist genau das stellenweise auch etwas das Problem des mittlerweile 9. Studioalbums. Wie schon so oft muss sich SABATON auch hier die Kritik gefallen lassen, dass wenig Neues kommt. Der Balanceakt, Neues einzubringen und sich dabei nicht zu verlieren, schon viele Bands scheitern lassen, trotzdem würde es SABATON ganz gut zu Gesicht stehen. Nichtsdestotrotz haben die Schweden mit „The Great War“ stimmiges Stück Musik geschaffen, dem eben nur etwas mehr Abwechslung fehlt.
Auch wenn der Opener „The Future Of Warfare“, der sich mit der Entwicklung und zunehmenden Bedeutung von Panzern beschäftigt, doch etwas anders und Joakim Brodéns Stimme in den Strophen deutlich tiefer klingt, trägt der Refrain wieder das eindeutige SABATON-Signature. Auch „Seven Pillars Of Wisdom“ klingt wieder so derart nach SABATON, dass er schon fast in der x-Beliebigkeit verschwindet, wäre da nicht der überaus ohrwurmtaugliche Refrain. Gerade nochmal so die Kurve gekriegt, Jungs. „Devil Dogs“ ist dann wieder so übertrieben SABATON-klebrig, dass man direkt beim ersten Durchgang mitgröhlen möchte. Hier kann man sich schon die Live-Performance vorstellen, Kleber hin oder her.
Tatsächlich eines meines Highlights ist „The Red Baron“, wie der Name schon sagt, dem legendären Flieger Manfred von Richthofen gewidmet. Die schrägen Hammond-Akkorde im Intro des Liedes leiten es sehr schön passend ein und das langgezogene ‚Higheeeer‘ im Refrain passt perfekt zu Joakims Stimme. Obwohl auch hier wieder hundertprozentig SABATON drin steckt, ist der Song ein kleiner positiver Ausreißer. Gerne mehr davon!
Der Titeltrack „Great War“ ist wieder mitreißend episch und wird mit Sicherheit auch live überzeugen. Das Riffing ist ein echter Hinhörer und man will sofort die Luftgitarre auspacken. Während „A Ghost In The Trenches“ und „Fields Of Verdun“ nicht viel Neues zu bieten haben, aber durchaus mitreißend und mit ausreichend Ohrwurmcharakter ausgestattet sind, wird mit dem balladesken „The End Of The War To End All Wars“ tatsächlich mal was wirklich neues ausprobiert. Opulent ausgestattet, mit Chorgesängen und Streichern unterlegt, ist den Schweden hier ein kleines Meisterwerk gelungen. Einer der Besten Songs des Albums und mit knapp 5 Minuten das längste Stück auf „The Great War“. Den Abschluss des knapp 39-minütigen Werkes bildet „In Flanders Fields“. Ein vertontes Gedicht, welches durch einen geschulten Chor einen fast sakralen Moment des Innehaltens bietet. SABATON haben nicht zuviel versprochen, als Joakim verkündete, dass ‚am Ende des Albums ein ganz besonderer Song steht‘. Ein toller Abschluss für ein sehr gutes Album.
SABATON bieten luftigen Power Metal zu nicht immer leicht verdaulichen Themen. Dies gilt ganz besonders für das Thema des Ersten Weltkriegs. Aber auch hier schaffen die Schweden einen einzigartigen Geschichtsunterricht, stellen hier und da provokante Fragen (z.B. „Seven Pillars Of Wisdom“) und betreiben Geschichtspflege gegen das Vergessen.
Und wem es noch nicht geschichtlich genug in „The Great War“ zugeht, kann sich die „History Edition“ zulegen. In der ca. 4 Minuten längeren Limited Edition wird jeder Titel mit gesprochenen Passagen zu den entsprechenden historischen Begebenheiten eingeleitet.
Ansonsten bietet „The Great War“ alles, was das SABATON-Fanherz begeistert. Auch wenn es für mich ruhig noch ein paar mehr Spielereien mit neuen Stilen sein enthalten könnte, haben SABATON ein gelungenes und in sich stimmiges Werk geschaffen. Auf die Live-Interpretation freue ich mich jetzt schon und verbleibe bis dahin mit einem fröhlichen „… noch ein Bier!“.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Future of Warfare
02. Seven Pillars of Wisdom
03. 82 nd All the Way
04. The Attack of the Dead Men
05. Devil Dogs
06. The Red Baron
07. Great War
08. A Ghost in the Trenches
09. Fields of Verdun
10. The End of the War to End All Wars
11. In Flanders Fields

Tänski

SINHERESY – Out of Connection

Band: Sinheresy
Album: Out of Connection
Spielzeit: 43:21 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Scarlet Records
Veröffentlichung: 26.07.2019
Homepage: www.sinheresy.com

Die italienischen Modern Power Metaller von SINHERESY sind mittlerweile auch schon beim dritten Album angekommen welches sich „Out of Connection“ schimpft.
Nachdem das letzte Album „Dominion“ mich nicht vom Stuhl gerissen hat, war ich nun gespannt wie das neue Werk so klinkt!
Immer noch angeführt von den beiden Sängern Cecilia Petrini und Stefano Sain ist man nach wie vor im Modern Power Symphonic Metal zu Hause. Somit sollte schnell klar sein für welche Art Zielgruppe sich das weiterlesen nun lohnt.
Mit dem Opener „What makes us Human” kann man schon mal eine ordentliche Duftmarke setzen. Der Song erinnert verdammt an das starke Debütalbum welches mich damals echt begeistert hat. So kann es bitte weitergehen!
Und das tut es auch, denn mit dem Titeltrack „Out of Connection“ geht es bärenstark (vielleicht etwas zu poppig) weiter. Anhänger von modernem Symphonic Power Metal mit weiblich/männlichen Wechselgesang kommen schon bei den ersten beiden Songs voll auf ihre Kosten, mal schauen ob das Ganze so weiter geht?
Oh ja, es geht definitiv so erstklassig weiter wie zu Beginn! Glanzpunkte der weiteren ersten Hälfte sind mit Sicherheit „Facts, Words, Sand, Stone“ und „Immortals“.
Bislang kann ich wirklich nur voll des Lobes sein über den neusten Output aus dem Hause SINHERESY! Es kommt einen so vor als ob die Truppe schnell das letzte, etwas schwächere, Album vergessen machen möchte.
Die zweite Hälfte wird dann vom etwas ruhigeren „Absolution“ gekonnt eröffnet bevor man ab „Break the Surface“ dann wieder auf die Tube drückt und einen Symphonic Power Metal Kracher nach dem anderen auf das Volk loslässt!
Hier sitzt wirklich jeder Ton und man hat aus den Fehlern des letzten Albums definitiv gelernt und präsentiert uns ein kompaktes, eingängiges neues Album welches mit den Klängen des epischen „The Circle“ viel zu schnell zu Ende geht.

Anspieltipps:

„What makes us Human“, „Out of Connection”, “Facts, Words, Sand, Stone”, “Immortals” und “Blood like Water”

Fazit :

DEN große Schritt nach vorne den ich beim letzten Album noch bemängelt habe, haben SINHERESY nun definitiv gemacht und sich ganz klar nochmal gesteigert!
Anhänger von modernen Symphonic Power Metal mit Wechselgesang und ein paar Popelementen kommen um diese Scheibe definitiv nicht herum!
Insgesamt einfach eine geile Scheibe!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. What makes us Human
02. Out of Connection
03. Zero One
04. Facts, Words, Sand, Stone
05. Immortals
06. Absolution
07. Break the Surface
08. Shallow
09. Blood like Water
10. The Circle

Julian

ANTONELLO GILIBERTO – The Strategy Of Chaos

Band: Antonello Giliberto
Album: The Strategy Of Chaos
Spielzeit: 56:24 min
Stilrichtung: Epic Symphonic Metal
Plattenfirma: Eigenveröffentlichung
Veröffentlichung:
Homepage: www.antonellogiliberto.jimdo.com

AnNTONELLO GILLIBERTO – Der Gitarrist aus Sizilien war mir bislang unbekannt, aber was im Postfach landet wird eben mal gehört. Keine schlechte Entscheidung. Das dritte Album “The Strategy Of Chaos” ist zwar schon eine Weile lang draußen, aber das steht einer Rezension ja nicht im Wege, gerade weil ich das Gefühl habe, in Deutschland kennt den Jung praktisch niemand und das ist eigentlich schade, denn “The Strategy Of Chaos” ist insgesamt ein echt schönes Stück neoklassischer orchestraler Instrumental Metal, wenn man denn die obligatorischen lateinischen Chöre nicht mit einrechnet.
Die Produktion ist schonmal saftig. Was man ankreiden könnte ist die Tatsache, dass man den großflächig eingesetzten Orchestralkeyboards doch durchaus öfters mal anhört, dass sie eben aus der Dose sind, wenn auch bei weitem nicht aus irgendeinem X-beliebigen Entertainer-Keyboard. Es fällt eben auf, ist aber nicht wirklich problematisch.
Zum Stil: Mit seinen Kollegen Dino Fiorenza am Bass und Dalvo Grasso an den Drums macht Antonello modernen neoklassischen Power Metal, mit viel Gefrickel, schnellen dudeligen Doublebass-Passagen mit Cembalo (Kein neoklassisches Album ohne fixe Cembali), dicken Filmsoundtrack-Orchestern und ordentlich YNGWIE-Inspiration, aber auch moderner komponierten Abschnitten. Dazu kommen balladige Parts wie der Anfang von “Beata Beatrix The Beautiful Vision” und das verträumte “Forgotten Mists”, noch das Kitschig-Schmalzigste am ganzen Album und erfreulicherweise nicht besonders kitschig-schmalzig. Und dazu wiederum kommt eine ordentliche und sehr dominante Portion Härte und Düsterkeit. Die langsameren Midtempo-Parts sind dabei genauso heavy geworden, wie die schnell dreschenden, die knallenden Gitarren tragen ebenso wie die durchdringend bratenden Hörner und die treibenden Streichersynths ihren Teil dazu bei. Und Antonello liefert mit seinem Gitarrenspiel die schwarze Glasur für den Kuchen. Mag man am Anfang des Albums noch ein wenig skeptisch sein, weil gerade beim Opener einige Parts zu finden sind, bei denen er nicht komplett im Takt ist, erledigt sich diese Skepsis schon bei Track 2, denn ab diesem Zeitpunkt fallen solche kleineren Ungenauigkeiten (mir zumindest) praktisch nicht mehr auf. Antonello erweist sich als ein Meister verschiedener Stile, der das typische High-Speed-Pseudo-Bach-Gedudel ebenso lässig durchzieht wie bösere progressivere Passagen oder eskalative Soli (so bei “Iron Shadows On The Moon”).
Die Komposition bleibt natürlich ein wenig hinter den Leistungen seiner großen alten Vorbilder (Bach, Mozart, Vivaldi, Beethoven etc.) zurück, gerne verlässt sich Antonello auf eine Akkordfolge, die dann zumindest 50% des Songs bestimmt, aber das ist okay, solange die darauf komponierten Motive eine gewisse Eingenständigkeit haben. Und das haben sie doch zumindest häufig, man höre an dieser Stelle beispielsweise in das absolut geile “Wrath Of The Northmen” oder den lohnenden Bonustrack “Odissea Veneziana” rein. Und an den weniger spektakulär komponierten Stellen überzeugt “The Strategy Of Chaos” immer noch als episch-orchestrales Mittel zur Erzeugung von Gänsehaut.

Anspieltipps:
Generell eher die zweite Albumhälfte, die gegenüber der ersten nochmal ordentlich einen draufsetzt, “Iron Shadows On The Moon”, “The Strategy Of Chaos”, “Wrath Of The Northmen” und “Odissea Veneziana”

Fazit:
Ein Soloalbum, eine knappe Stunde lang, das kann anstrengend werden. Wenn man eine solche Platte dennoch als kurzweilig bezeichnen kann, muss der Künstler eine Menge richtig gemacht haben. Das ist bei Antonello der Fall. Symphonisch, düster, fett, beeindruckend gespielt, vielseitig und häufig stark komponiert. Wer mächtigen Filmsoundtracks und starkem Gitarrenspiel was abgewinnen kann, sollte mit „The Strategy Of Chaos“ eine ziemliche Vollbedienung in den Händen halten.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Strategy Of Chaos
02. Threat And Redemption
03. Before The Battle
04. Beata Beatrix The Beautiful Vision
05. Artemisia’s Revenge
06. The Depths Of My Soul
07. Wrath Of The Northmen
08. Iron Shadows In The Moon
09. Forgotten Mists
10. Secrets From The Past
11. Alone In The Empty Space
12. Odissea Veneziana (Bonus Track)

Jannis

FORBIDDEN SEED – The Grand Masquerade

Band: Forbidden Seed
Album: The Grand Masquerade
Spielzeit: 68:55 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Stormspell Records
Veröffentlichung: 09.03.2018
Homepage: www.forbiddenseed.gr

FORBIDDEN SEED aus Griechenland hatten bei mir mit ihrem 2015er Debütalbum „From Sand to Eternity“ mächtig Eindruck geschunden. Leider verpasste ich im letzten Jahr das Zweitwerk „The Grand Masquerade“ aber durch Zufall kam ich jetzt doch noch in den Genuss der Promo so dass ich euch lieber Leser auch das zweite Werk, auf dem es noch düsterer zugehen soll, natürlich nicht vorenthalten will!
Mit Yannis Papadopoulos (BEAST IN BLACK) und Sverd T Soth (BATTLEROAR) hat man zwei bekannte Gäste mit an Bord, beim Opener „Intro“ treten beide aber noch nicht in Erscheinung, das Ganze ist aber wunderbar atmosphärisch und stimmungsvoll geraten. Ein guter Einstieg also um reinzukommen.
Mit dem anschließenden Titeltrack „The Grand Masquerade“ geht man dann auch direkt steil und auf Nummer sicher! Man tönt immer noch extrem nach ICED EARTH, was vor allem am Gesang liegt, und hat einen Ohrwurmchorus parat der das Ganze schön eingängig macht.
Über dasr wunderbar epische „Into Nevermore“ und „Labyrinth of Scars“, welcher ebenfalls wieder sofort überzeugen und punkten kann geht es in den Mittelteil der Scheibe der mit dem ordentlichen Instrumental „The Gathering“ und der Powerballade „Dreamspace“ aufwarten kann. Die restlichen zwei, drei Songs sind leider eher Standardmetaltracks die nicht besonders ins Gewicht fallen.
Dieser kleine Ausrutscher wird aber im letzten Teil der Scheibe wieder korrigiert denn hier hat man noch die ein oder andere Perle auf Lager.
Da hätten wir z.B. das epische, abwechslungsreiche „Siege of the Fallen“, „Heretic“ oder das abschließende stimmungsvolle Instrumental„The Wanderer“.
Somit haben wir insgesamt ein doch überzeugendes zweites Werk der Jungs von FORBIDDEN SEED dem man nur die etwas hölzerne Produktion, die auf der anderen Seite aber doch wieder seinen Charme hat, und die manchmal etwas ausufernden Tracks als Kritikpunkte vorhalten kann.

Anspieltipps:

„The Grand Masquerade“, „Into Nevermore”, “Labyrinth of Scars”, und “Siege of the Fallen”

Fazit :

Im Vergleich zum letzten Album haben sich die Jungs auf jeden Fall nochmal gesteigert! Zwar ist die Scheibe insgesamt doch vielleicht einen Tick zu lang geworden und der ein oder andere Song hätte etwas kompakter sein können, aber insgesamt stellt das neue Werk von FORBIDDEN SEED auf jeden Fall eine absolute Kaufempfehlung für Fans von ICED EARTH und etwas komplexeren Power Metal da.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Intro
02. The Grand Masquerade
03. Into Nevermore
04. Labyrinth of Scars
05. Stealer of Dreams
06. The Gathering
07. Dreamspace
08. Crusade
09. Of Wrath and Blood
10. Night of Changes
11. Jester of Light
12. Siege of the Fallen
13. Heretic
14. The Wanderer

Julian

TIMO TOLKKI’S AVALON – Return To Eden

Band: Timo Tolkki’s Avalon
Album: Return To Eden
Spielzeit: 54:14 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 14.06.2019
Homepage: www.facebook.com/Timo-Tolkkis-Avalon-2469383586618000

Timo Tolkki muss man an dieser Stelle wohl niemandem vorstellen. Der Gitarrist von STRATOVARIUS und talentierte Produzent ist einer von denen, an denen man als Power-Metaller kaum vorbeikommt, in letzter Zeit auch aufgrund seines neuen Projekts TIMO TOLKKI’S AVALON. Dessen dritte Platte “Return To Eden” hat inzwischen das Licht der Öffentlichkeit erblickt und bietet neben amtlichen 55 Minuten Laufzeit und Professionalität in Sachen Produktion und Spiel auch ein ziemlich amtliches LineUp. Nicht nur die großartige Ex-THE-GATHERING-Frontfrau Anneke Van Giersbergen ist mit dabei, auch Todd Michael Hall von RIOT V, Mariangela Demurtas von TRISTANIA, Zak Stevens (Ex-SAVATAGE) und Ex-ELEGY-Sänger Eduard Hovinga. Und die Instrumentalfraktion besteht bis auf Keyboarder Antonio Agate aus SECRET-SPHERE-Mitgliedern. Die Grundvoraussetzungen für ein starkes Album sind also gegeben.
Musikalisch ist man in recht traditionell aber liebevoll komponiertem symphonischen Power Metal unterwegs, den man gekonnt mit moderneren Keyboardelementen angespicet hat. Weder die orchestralen noch die moderneren Synths wirken dabei aufdringlich oder unpassend, sind im Gegenteil geschmackvoll, wenngleich ziemlich üppig, eingesetzt. Natürlich auch mal in Form von Cembalo-Sounds, schließlich bezeichnet man das Ding als Metal Opera und das klingt nach klassischer Musik und erfordert den Einsatz des für klassische Musik verwendeten Instruments, das, genau wie das pseudo-BACHige Neoklassik-Highspeed-Gedudel am Anfang des ersten richtigen Tracks “Promises” mit Oper genau genommen wenig zu tun hat. Aber sei’s drum, der Track macht akut Bock auf den Rest des Albums, mit äußerst gelungenem Chorus. Bei “Return To Eden” wird es etwas folkiger, mit Doodlesack, einer coolen Klavierspur hinter der Strophe und Todd, Zak und Mariangela in sehr guter Form.
Anneke darf auf “Hear My Call” und “We Are The Ones” ran, die beide verhältnismäßig poppig und Disco-synthesiziger ausfallen (vergleichbar ein wenig mit THE DARK ELEMENT), dabei aber auch gut Spaß machen und erfreulich unbelanglos sind. “Miles Away” leidet eigentlich nur an seinem lahmen Refrain (und der ist auch nicht dramatisch schwach), ist aber ansonsten ein starker hard-rockiger Midtempo-Track mit vielen guten Ideen, und “Godsent” ist der Balladenpathos, den so ein Album halt anscheinend immer haben muss.
Dann gibt es mit “Limits” noch einen Track, der sich stilistisch ein wenig mehr im Heavy Metal zu bedienen versucht, daraus resultierend aber nicht ganz harmonisch wirkt, ein paar weitere gute aber weniger herausragende Power-Metal-Tracks und zu guter Letzt mit “Guiding Star” einen durchgängig unterhaltsamen und ordentlich verteilenden Endsong, nice gesungen von Mariangela.
Schöne Platte insgesamt. An schwächeren Stellen immer noch mindestens guter Durchschnitt, an stärkeren auch mal ordentlich darüber.

Anspieltipps:
“Promises”, “Guiding Star”, “We Are The Ones” und “Miles Away”

Fazit:
Ich bin eigentlich nicht unbedingt der Freund von dem, was man allgemein als Symphonic Power Metal kennt, aber “Return To Eden” funktioniert sehr gut für mich. Hochprofessionell mit für das Genre erstaunlich wenig Kitsch, mit einer Top Vocal-Auswahl, smartem Synth-Einsatz und einem sehr anständigen Anteil an geilen Kompositionen. Gebt dem ruhig mal ’ne Chance!

WERTUNG:

 

 

Tracklist

01. Enlighten
02. Promises
03. Return To Eden
04. Hear My Call
05. Now And Forever
06. Miles Away
07. Limits
08. We Are The Ones
09. Godsend
10. Give Me Hope
11. Wasted Dreams
12. Guiding Star

Jannis