ORION’S REIGN – Scores Of War

Band: Orion’s Reign
Album: Scores Of War
Spielzeit: 58:34 min.
Stilrichtung: Symphonic Power Metal
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 19.10.2018
Homepage: www.orionsreign.com

ORION’S REIGN haben schon ziemlich viel richtig gemacht, immerhin wurde ihr zweites Album, “Scores Of War”, von Jens Bogren und Linus Corneliusson zusammengeschraubt, hat als Gäste unter anderem Tim Ripper Owens und Bob Katsionis von FIREWIND vorzuweisen und nicht zuletzt ein dickes Sinfonieorchester am Start. Dazu ein blau-oranges großartiges Artwork von Stan Decker, der bereits Platten von PRIMAL FEAR, ROSS THE BOSS und vielen anderen bemalte. Da kann eigentlich nicht viel schief gehen, denkt man – und behält damit recht.
Das Endergebnis der Zusammenarbeit dieses illustren Bundles mit den fünf Griechen von ORION’S REIGN ist bombastischster symphonischer Power Metal, der eine hörbare Nähe zu Werken von RHAPSODY (OF FIRE) aufweist, fett produziert und ganz nebenbei eine beachtliche Bandleistung. Sänger Dan klingt nach einer Mischung aus Fabio Leone und Joakim Brodén und verrichtet kaum schlechtere Arbeit als die beiden, zumal er gerade in höheren Sphären exzellente Mic-Arbeit leistet. Der Rest der Band sitzt on Point und setzt kraftvolle Balladen ebenso souverän um wie fixe Doppelbasstracks, stets mit der nötigen Härte und vor geschwindem Geholze nicht zurückschreckend. Dazu kommt das Orchester. Ist die Sorge, das Orchester auf einem Power-Metal-Album könne gegebenenfalls primär als imageaufbessernder Ersatz für lieblos in den Hintergrund gematschte Orchestral-Synths dienen, oftmals berechtigt, so stellt sie sich in diesem Fall als absolut unbegründet heraus. Die Orchestralarrangements von Keyboarder Kirk reizen die Möglichkeiten eines Orchesters wunderbar aus – von weichen Streichern über diverse Perkussionsinstrumente bis hin zu scharf-bedrohlichen Hörnern.
Dementsprechend ist “Scores Of War” fast immer sehr episch, fährt große Melodien auf und erinnert nicht zufällig an einen metallisierten Filmsoundtrack.
Je nach Song wird es düsterer-böser (“The Undefeated Gaul”, “Warrior’s Pride”) oder dramatisch-bombastischer (“The Gravewalker”), mal klassisch speedmetallisch.
All das auf hohem Niveau, innerhalb des Stils doch ziemlich divers, durchgängig massiv orchestriert und nach einiger Zeit den Wunsch nach etwas Pause, etwas weniger Überladenheit, hervorrufend – und hier liegt das Problem von “Scores Of War”. ORION’S REIGN gönnen ihren Fans ein paar ruhigere Momente, allerdings in Form von folkig anmutendem fröhlichem Gedudel (“An Adventure Song”) oder hartem Pathos, der die Kitschgrenze leider weit hinter sich lässt (Withering Heart”, “Ride To War”). Die drei bis vier Songs, die also aus dem “Harter Power Metal, bombastisches Orchester”-Raster fallen, sind größtenteils schwer zu verkraften, gerade “Ride To War” belastet mit MANOWARballadenfeeling der Heart-of-Steelsten Art. Pluspunkt: Nach einem solchen Song hat man direkt wieder Bock auf den nächsten Symphonic-Metal-Kracher auf “Scores Of War”. Kann man also mit leben.

Anspieltipps:
“The Gravewalker”, “Warrior’s Pride”, “Last Stand” und “Together We March”

Fazit:
Wurde in dieser Rezension schon das Wort “bombastisch” erwähnt? Egal, einmal muss halt noch. Geil produzierter, detailverliebter bombastischer Symphonic Power Metal der Marke RHAPSODY, top gesungen, fett ohne Ende, mit ein paar Schmalz/Folk-Parts, durch die man halt durch muss. Ab auf den MP3-Player damit und dann auf in den Battle.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Elder Blood
02. Together We March
03. The Gravewalker
04. The Undefeated Gaul
05. An Adventure Song
06. Freedom Is Not Negotiable
07. Nostos
08. Warrior’s Pride
09. Withering Heart
10. Last Stand
11. Ride To War

Jannis

BRAINSTORM – Midnight Ghost

Band: Brainstorm
Album: Midnight Ghost
Spielzeit: 51:38 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 28.09.2018
Homepage: www.brainstorm-web.net

Der Vollmond steht am Himmel, halb von Wolken verdeckt. Aus der Ferne die Laute eines Uhus, das Ticken deiner alten Standuhr hält dich vom Schlafen ab. Dann, exakt zur zwölften Stunde, geht der Spuk ohne Vorwarnung los, ohrenbetäubender Lärm jagt dich unter deine Decke. Erst schreist du vor Angst, dann beruhigst du dich. Dann fängst du langsam an, mitzunicken und ab dem Zeitpunkt hat der „Midnight Ghost“ dich bei den Eiern und lässt dich bis zum Ende der Scheibe nicht mehr los. Aber fliehen möchtest du genau genommen eh nicht mehr.
Schließlich ist “Midnight Ghost”, das mittlerweile zwölfte Album von BRAINSTORM, die wohl beste Scheibe der Gerstettener seit mindestens zehn, vielleicht noch mehr Jahren. Mit einem wunderschönen Cover versehen und ausgestattet mit zehn kurzweiligen Songs (Bis auf einen sind alle im Vier-bis-fünf-Minuten-Bereich gehalten) – und einem BRAINSTORM-Wecker im Boxset – erweist sich “Midnight Ghost” als absolutes Brett, angefangen schon bei der Produktion. Für die zeichnet sich ORDEN OGANs Seeb verantwortlich, und der hat zweifelsohne das Letzte aus den Songs herausproduziert. Druckvoll und definiert bis zum Gehtnichtmehr ist das Resultat seiner Arbeit, Kritik nicht möglich.
Doch nicht nur der Sound stimmt auf “Midnight Ghost”. Kam bei den letzten Releases der Herren um Meistersänger Andy B. Franck doch immer wieder das Gefühl auf, man orientiere sich hauptsächlich an typischen BRAINSTORM-Trademarks, sei dabei allerdings nicht besonders innovativ unterwegs, so ist ab dem ersten Track auf “Midnight Ghost” klar, wo die Reise hingeht. Die ersten vier Songs sind komplette Hits, angemessen aggressiv, dabei aber durchzogen von Ohrwurmmelodien und angereichert mit epischen Refrains (“Devil’s Eye”), zappelig-technischen Instrumentalergüssen (“Revealing The Darkness”) und hin und wieder mal ein paar ruhigeren Klängen (“Ravenous Minds”).
Das anschließende “Jeanne Boulet (1764)” ist trotz seiner knapp acht Minuten Spieldauer kurzweiligst, mit dezenten aber sehr wirksamen Orchestralkeyboards und einem gesummten Gesangspart, den man sich hätte sparen können. Und die Qualität lässt nicht nach. Mit “Divine Inner Ghost” gibt’s den nächsten heftig eingängigen Chorus und “When Pain Becomes Real” ist nicht weniger intensiv und trotz des im Vergleich zu den anderen Tracks des Albums etwas konventionelleren Refrains ein starkes Stück. Ebenso der äußerst bemerkenswerte Chorus von “Haunting Voices”, das ein klein wenig an ICED EARTHs “Horror Show” erinnert.
Die schwächsten Songs auf “Midnight Ghost” sind das stampfende und recht simple “Four Blessings” und die Ballade “The Path”. Und selbst die machen noch Laune. Ansonsten keine Lückenfüller – Mit ihrem neusten Release haben BRAINSTORM die Messlatte für ihre zukünftigen Releases brutal hoch gelegt.

Anspieltipps:
Eigentlich alles außer “When Pain Becomes Real”, “Four Blessings” und “The Path”

Fazit:
BRAINSTORM haben in ihrer Karriere noch nie ein wirklich schwaches Album abgeliefert. Das wird sich mit “Midnight Ghost” nicht ändern. Im Gegenteil, die Melodien und Arrangements der Jungs klingen so stimmig wie selten zuvor. Man sollte sich die anstehenden Release-Shows mit MOB RULES nicht entgehen lassen, schließlich finden sich dort insgesamt 19 von 20 Punkten auf der Bühne. Und man sollte “Midnight Ghost” kaufen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Devil’s Eye
02. Revealing The Darkness
03. Ravenous Minds
04. The Pyre
05. Jeanne Boulet (1764)
06. Divine Inner Ghost
07. When Pain Becomes Real
08. Four Blessings
09. Haunting Voices
10. The Path

Jannis

DYNAZTY – Firesign

Band: Dynazty
Album: Firesign
Spielzeit: 49:36 min.
Stilrichtung: Modern Melodic Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 28.09.2018
Homepage: www.dynazty.com

Die Schweden von DYNAZTY sind wieder da. Im Gepäck: ihr sechstes Werk “Firesign”, Nachfolger des 2016er Releases “Titanic Mass” und das Album, das zwangsläufig erscheinen muss, wenn vorher bei Ikea alle Synthesizer 40% reduziert waren. Innerhalb von elf Jahren Bandgeschichte haben sich die fünf Stockholmer bereits einen respektablen Namen und die damit einhergehende Fangemeinde erspielt und somit die Gelegenheit gehabt, ihren Sound von Größen wie Jonas Kjellgren (Ex-Gitarrist von SCAR SYMMETRY, Mastering bei AMORPHIS, IMMORTAL und anderen) und Peter Tägtgren (kennt man) polieren zu lassen. Das Ergebnis ist erwartungsgemäß einwandfrei produziert – einwandfrei produzierter moderner Melodic Metal, sehr melodieorientiert, oft cheesy und angereichert mit zahlreichen Synth-Spielereien. An der Bandleistung gibt es ebenfalls nichts zu meckern. Die Instrumente sitzen, Sänger Nils Molin überzeugt mit einer klaren Power-Metal-kompatiblen Stimme, die den elf Tracks auf „Firesign“ dienlich ist, auch in hohen Sphären funktioniert und durchaus Charakter hat.
Mit den Songs ist das hingegen so eine Sache. Der typische DYNAZTY-Song funktioniert folgendermaßen: Auf ein Synth-Arpeggio-Intro folgt der fett klingende Einstieg der Band, ab dem feststeht, dass die Synthesizer aus dem Songintro nun das komplette Lied unterlegen werden. Plus ein paar mehr Synthesizer. Anschließend die erste Strophe, die bis zum Anfang ihrer zweiten Hälfte im tyischen STRATOVARIUS-Klischeestyle gitarrenfrei gehalten ist. Im anschließenden Prechorus werden dann die Melodien etwas aufgefröhlicht, bevor ein dicker Refrain mit großer Melodie, die sich manchmal ins Ohr zu graben vermag, aufgefahren wird. Dann wieder Strophe, Prechorus, Chorus, ein semispektakulärer Mittelteil und zu guter Letzt noch zwei- oder dreimal der Chorus, das letzte Mal in einer anderen Tonlage.
Bei einigen Songs ist der Discofaktor etwas höher („My Darkest Hour“ oder „Let Me Dream Forever“), bei einigen wird’s etwas böser („Starfall“) oder dramatisch-melancholischer („Closing Doors“) und ab und an bringt man kleine neoklassisch („The Grey“) oder folkig-piratig anmutende („Ascension“) Motive mit ins Spiel. Ach ja, oder man zieht sich die Keyboards von RAMMSTEIN, wie im Falle von „Firesign“ (original: „Du hast“) geschehen. Das Ganze wirkt oft doch sehr poppig, einigermaßen glattgelutscht und ist vergleichbar mit DRAGONFORCE, wenn man ihnen THC ins Speed mischen würde.
Versteht das nicht falsch: „Firesign“ wird jedem Freund von modernem Melodic Metal mit einer guten Portion delikat gewählter Synthesizer Spaß machen, jedenfalls die einzelnen Lieder für sich. Über die Dauer eines kompletten Albums stellen sich bei DYNAZTYs Konzept jedoch gewisse Ermüdungserscheinungen ein, denn bei derart ähnlichen Songstrukturen kommt schon beim fünfen Track das Gefühl auf, man habe ihn auf „Firesign“ schon einmal gehört. Und so fett die Melodien auch sein mögen, die die Jungs gerade in ihren Refrains auffahren: Die ganz großen Knaller, die sich über Stunden ins Hirn zu brennen vermögen, sind nicht dabei. Die Scheibe ist letztendlich doch eher ein spaßig-poppiges Partymetalalbum ohne viel Tiefgang.

Anspieltipps:
„My Darkest Hour“, „The Light Inside The Tunnel“, „Let Me Dream Forever“ und „The Grey“

Fazit:
„Firesign“ ist ein wenig das Guinness unter den Power-Metal-Alben; schön dick und mild, aber nichts, womit man ein herbes Pils auf Dauer ersetzen könnte. Ist aber nicht schlimm, denn als fett produziertes melodisches Metalalbum wird es vielen von Euch doch ein paar schöne Stunden bescheren können. Hört mal rein!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Breathe With Me
02. The Grey
03. In The Arms Of A Devil
04. My Darkest Hour
05. Ascension
06. Firesign
07. Closing Doors
08. Follow Me
09. Let Me Dream Forever
10. Starfall
11. The Light Inside The Tunnel

Jannis

MANIMAL – Purgatorio

Band: Manimal
Album: Purgatorio
Spielzeit: 42:00 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 07.09.2018
Homepage: www.manimal.se

Ganz ehrlich: Alben, die über eine Stunde Spieldauer haben und sich pro Song auch mal sieben bis acht Minuten Zeit lassen, sind an sich ’ne feine Sache. Aber ein Album, das über 42 Minuten kurz und knackig neun Songs im Drei-bis-fünf-Minuten-Bereich raushaut, ist doch zwischendurch auch mal erfrischend und umgeht sogar noch die Gefahr, sich über die letzten zwanzig Minuten nur noch zu wiederholen.
MANIMAL haben mit “Purgatorio” ein ebensolches kurzweiliges Heavy-Metal-Album vom Stapel gelassen, das nach dem Erfolg gerade ihres zweiten und bis vor kurzem aktuellen Albums “Trapped In The Shadows” ziemlich hohen Erwartungen ausgesetzt war. Die Produktion des neusten Releases der Göteborger ist rund und kraftvoll, meckern kann man hier nicht. So sieht’s auch hinsichtlich der Leistung der Instrumentalfraktion aus, die gekonnt und professionell Samuel Nymans starke Gesangsleistung hinterlegt.
Stilistisch lässt sich die Scheibe ungefähr mit einer Kollaboration von JUDAS PRIEST und KAMELOT vergleichen. Sie legt ein paar mehr ruhige Momente an den Tag, als man es von PRIEST-Hitalben wie “Painkiller” kennt, orientiert sich in etwa zu gleichen Teilen an Alben dieser Zeit wie auch an solchen etwas “softer”-rockigen aus früheren Tagen der Briten und fügt dem ganzen dann eine angemessene Portion KAMELOT-Emotionen hinzu, inklusive dezent eingesetzter Synths.
Nach dem straighten “Black Plague”, das einen angemessenen Opener darstellt, folgt mit dem Titeltrack ein melodischer und tendenziell melancholischer Track, der sich akut ins Ohr zu fressen weiß und von vorne bis hinten einfach überragend geschrieben ist. Mit “Manimalized” wird es anschließend wieder klassischer, hier dominiert eindeutig wieder der NwoBHM-Anteil.
“Spreading The Dread” ist eine böse stampfende Angelegenheit und der kürzeste Song des Albums, weswegen man sich unnötigen Ballast in Form eines Prechorus souverän gespart hat. Kurzweilig, auch eher melodieorientiert, gut feierbar. Im Anschluss geht es mit “Traitor” zurück in etwas britischere Gefilde, mit zwei-oktavigen Vocals und einem klassischen Ein-Wort-Chorus, und “Behind Enemy Lines” marschiert wieder im Midtempo aus den Boxen und hat einen schweren, machtvollen Refrain im Gepäck. Richtig stark wird es dann noch einmal mit “Denial”, ebenfalls Midtempo, recht keyboardlastig. Nyman halfordet löblich und der Chorus leistet wieder mal ganze Ohrwurmarbeit.
Zum Schluss dann mit “Edge Of Darkness” und “The Fear Within” einmal mit einem etwas lästigen Keyboard-Teppich hinterlegte Power-Metal-Kost, die an irgendein spezielles Lied von KAMELOT erinnert, dabei aber gut Spaß macht, und einmal einen recht episch ausfallenden mit BATTLE-BEAST-”Out Of Control”-Gedenkriff versehenen Endtrack.
Wohl der größte Vorteil an “Purgatorio”: Auch die weniger starken Songs auf dem Album klingen in sich absolut harmonisch. Band und Sänger funktionieren bestens miteinander und der Stil der Schweden wirkt an keiner Stelle gezwungen innovativ zusammengeschustert. Dazu eine gute Portion Hitpotenzial; Wenn so das Fegefeuer klingt, darf man gespannt auf die Hölle sein.

Anspieltipps:
“Purgatorio”, “Denial”, “Traitor” und “Manimalized”

Fazit:
Die Einflüsse von MANIMAL sind unüberhörbar, doch ist “Purgatorio” alles andere als stumpfe Kopiererei. Den Jungs steht, so lässt sich vermuten, eine dicke musikalische Zukunft bevor und jeder, der Interesse an partytauglichem Heavy Metal der alten Schule mit neueren Power-Metal-Einflüssen hat, könnte an “Purgatorio” eine Menge Freude haben.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Black Plague
02. Purgatorio
03. Manimalized
04. Spreading The Dread
05. Traitor
06. Behind Enemy Lines
07. Denial
08. Edge Of Darkness
09. The Fear Within

Jannis

THE UNITY – Rise

Band: The Unity
Album: Rise
Spielzeit: 57:31 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Steamhammer/SPV
Veröffentlichung: 14.09.2018
Homepage: www.unity-rocks.com

Man muss immer kritisch abwägen, ob man ein Album einer Band kaufen sollte, das gerade einmal anderthalb Jahre nach ihrem letzten Release veröffentlicht wurde. Doch ein paar vorsichtige und misstrauische Hördurchläufe von THE UNITYs neuer Platte “Rise” (Daumen hoch für den kreativen Albumtitel) bestätigen: Man kann in einer so kurzen Zeit nicht nur gute Alben produzieren, sondern tatsächlich herausragende.
Kurz das obligatorische Drumherum: Der Sound sitzt bestens und bietet keinen Grund zur Kritik. Das Albumcover sieht großartig aus. Die Musiker haben ihr Talent bereits auf dem Debutalbum unter Beweis stellen können: Gianbattista Manenti hat eine vielseitige und zum Stil der Band hervorragend passende Stimme, die er dementsprechend einzusetzen weiß, und die Instrumentalfraktion um die Gründungs- und GAMMA-RAY-Mitglieder Michael und Henjo agiert ebenfalls auf amtlich hohem Niveau.
Viel Power Metal und eine ordentliche Prise Hard Rock dominieren “Rise”. Nach dem kurzen Intro folgt, wie sich das gehört, mit “Last Betrayal” eine starke Uptemponummer, deren Eingängigkeit von der des folgenden “You Got Me Wrong” noch einmal übertroffen wird. Mit “The Storm” dann direkt der nächste Hit, poppiger Hard Rock mit ganz dezenten Stadiongesängen im Refrain (oder irre ich mich?), bevor bei “Welcome Home” die totalen Feelgood-Vibes ausgepackt werden. Gut, der Text ist ziemlich platt, aber das Riff und die Melodien entschuldigen das. “All That Is Real” sympathisiert mit “Mad World”-Harmonien und fährt zudem eine sehr schöne E-Orgel und den nächsten Hammer-Chorus auf. Mit “No Hero” gibt es anschließend besten eingängigen fixeren Power Metal, ebenso mit “Children Of The Light”. Die Ballade “The Willow Tree” ist feierlich episch und erinnert in Teilen leicht an “Hotel California”, ist dabei allerdings keine Quotenballade sondern ein sehr schön geschriebenes Teil. Und obgleich der letzte Track “L.I.F.E.” auch nicht von schlechten Eltern ist, hätte man als finalen Song doch vielleicht “Better Day” genommen, ein weiteres Highlight auf “Rise” mit sehr positiver Grundstimmung und einem tollen Refrain. Irgendwie hätte ich gerne mal ein DEVIN-TOWNSEND-Cover davon.
“Rise” ist minimal zu spät dran, um als Sommeralbum gelten zu dürfen. Es wäre wohl empfehlenswert, es einfach schonmal als Sommeralbum für den Sommer 2019 vorzumerken, denn seien wir ehrlich: Jeder Song des Albums hat einen sehr eigenen Charakter, sehr individuelle Melodien und Stimmungen – und ausnahmslos jeder der Songs agiert auf verdammt hohem Niveau, generell sehr eingängig und, wie man das von einer Band erwartet, die zum Teil aus GAMMA-RAY-Mitgliedern besteht, zumeist eher fröhlich, optimistisch, gute Laune verbreitend. Kurz: „Rise“ ist eines der Alben, die man bei 34 Grad und schönstem Sonnenschein im Cabrio hören sollte.
Was soll man an der Scheibe kritisieren, meine Freunde? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht.

Anspieltipps:
“You Got Me Wrong”, The Storm”, “All That Is Real”, “Better Day” und “Welcome Home”

Fazit:
Ich wage zu behaupten, dass der allergrößte Teil des Rock-Garage-Zielpublikums auch zur Zielgruppe von THE UNITYs neustem Streich gehört. Sauber produziert, liebevoll komponiert, Ohrwurmpotenzial ohne Ende und fast jeder Song ein potenzieller Hit, gespielt von einer Truppe, die sich trotz ihrer kurzen Bandhistory komplett mit Recht als Unity bezeichnen kann – Viel besser war und wird es dieses Jahr wohl nicht!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Revenge
02. Last Betrayal
03. You Got Me Wrong
04. The Storm
05. Road To Nowhere
06. Welcome Home
07. All That Is Real
08. No Hero
09. The Willow Tree
10. Above Everything
11. Children Of The Light
12. Better Day
13. L.I.F.E.

Jannis

HELION PRIME – Terror of the Cybernetic Space Monster

Band: Helion Prime
Album: Terror of the Cybernetic Space Monster
Spielzeit: 59:11 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 31.08.2018
Homepage: www.helionprimemetal.com

Keine Frage einer der längsten Albumtitel in diesem Jahr trägt mit Sicherheit das zweite Album der Sci Fie Metaller von HELION PRIME! Auf dem neuen Album „Terror of the Cybernetic Space Monster“ fährt man eigentlich ganz klar die Spur weiter die man auch schon auf dem tollen Debütalbum eingeschlagen hatte, obwohl eine Sache ist anders! Die Band rund um Mastermind Jason Ashcraft hat sich was getraut! Denn man hatte ja zwischenzeitlich Sängerin Heather Michelle, die noch auf dem Debüt zu hören war, gegen Sängerin Kayla Dixon ausgetauscht. Aber Überraschung, ihre Stimme ist es nicht welche wir auf dem neuen Album hören, nein man hat nun anstatt einer Frau eine männliche Stimme und still und heimlich wieder gewechselt und den mir unbekannten Sozos Michael in die Band geholt.
Ob man damit einen Glücksgriff gelandet hat und wie das neue Material nun so klingt finden wir nun gemeinsam heraus indem wir mit dem Opener „Failed Hypothesis“ starten welches „nur“ ein stimmungsvolles Cinematic Intro ist. Richtig in die Vollen geht es dann erst beim anschließenden ersten richtigen Track „A King is Born“. Bombastisch und kraftvoll geht die Truppe hier zu Werke und schon nach kurzem erklingt der Gesang von Neufronter Sozos der sich absolut hören lassen kann und im angenehmen hohem Bereich daherkommt. Insgesamt ist der Track ein ordentlicher Midtempoopener.
Als Nächstes kommt der Doublebasshochgeschwindigkeitstrack „Bury the Sun“ welcher sich ebenfalls bestens in das bisherige musikalische Schaffen der Band einfügt und sich schön in die Gehörgänge einschmeichelt!
Das abwechslungsreiche „Atlas Obscura“ im Anschluss kann da leider nicht ganz mithalten, diesen Umstand gleicht man dann aber gleich wieder mit dem pfeilschnellen „Urth“ im direkten Anschluss aus.
Danach ist es mal Zeit für einen überlangen Track in Form von „The Human Condition“ der auch weit entfernt ist von einem Ausfall.
Im letzten Drittel, was nun schon anbricht, fahren die Jungs aber nochmal so richtig auf! Denn mit dem gefühlvollen „Spectrum“, dem abwechslungsreichen und eingängigen „Silent Skies“ sowie dem abschließenden Titeltrack „Terror of the Cybernetic Space Monster“, Achtung der Song hat mit 17 Minuten definitiv Überlänge und das ohne wirkliche Längen, hat man hier nochmal richtig erstklassige Songs und Hits auf der Pfanne!

Anspieltipps:

Auf jeden Fall „Bury the Sun“, „Urth“, „Spectrum“, „Silent Skies“ und „Terror of the Cybernetic Space Monster“.

Fazit :

Zu Beginn klingt das neue HELION PRIME Album noch recht gewöhnlich, aber im Laufe der Scheibe steigert man sich immer mehr bis hin zum erstklassigen letzten Drittel! Die neue Scheibe tönt insgesamt somit besser als das Debütalbum und das liegt nicht nur am neuen Sänger, sondern einfach auch an der Qualität der Songs die hier besser ist als auf dem Vorgänger.
Daher gibt es von mir eine klare Kaufempfehlung für die angesprochene Zielgruppe!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Failed Hypothesis
02. A King is Born
03. Bury the Sun
04. Atlas Obscura
05. Urth
06. The Human Condition
07. Spectrum
08. Silent Skies
09. Terror of the Cybernetic Space Monster

Julian

KILMARA – Across The Realm Of Time

Band: Kilmara
Album: Across The Realm Of Time
Spielzeit: 50:19 min.
Stilrichtung: Heavy/Power Metal
Plattenfirma: ROAR! Rock Of Angels Records
Veröffentlichung: 31.08.2018
Homepage: www.facebook.com/kilmaraofficial

Seien wir einmal ehrlich: Wer als Band seinen balladigsten Track auf dem Album mit einer Gastsängerin anreichert und den Track dann nicht nur als parallel gesungenes Duett gestaltet, sondern passagenweise auch noch Sänger und Sängerin je eine Zeile im Wechsel singen lässt, der rüttelt hart am Drei-Punkte-Baum. Nun, da das gesagt und “I Shall Rise Again” (dessen Kitschfaktor ab der zweiten Hälfte eigentlich doch recht erträglich ausfällt) zur Genüge besprochen wäre, widmen wir uns mal dem Rest von “Across The Realm Of Time”, dem vierten Album der Spanier von KILMARA. Zehn Songs, fünfzig Minuten, Produktion okay aber ausbaufähig, eben den Umständen einer kleineren Power/Heavy-Metal-Band entsprechend, die noch nicht den Sprung in die großen Studios geschafft hat. Soweit die äußeren Gegebenheiten.
Musikalisch ist “ATROT” qualitativ bunt gemischt. Neben dem oben erwähnten Halbballadentrack gibt es zuerst einmal ein Intro, das einmal mehr die Frage aufwirft, ob es nicht den Job des Power-Metal-Intro-Produzenten gibt, der gefühlt jeder kleineren Power-Metal-Band ein Trailer-Music-Intro entwirft, das mit dem Rest des Albums ganz und gar überhaupt nichts zu tun hat, dabei aber einen ganz anständigen Einstieg darstellt. Dem folgt der Rest des Albums, der mit dem Intro ganz und gar überhaupt nichts zu tun hat. “Purging Flames” ist, wie “The End Of The World”, klassischer Heavy Metal mit einem einigermaßen hymnischen Refrain, absolut okay, aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassend. Das tut auch das anschließende “The Silent Guide” nicht wirklich, jedenfalls in der Strophe. Im Refrain liefert es etwas mehr Wiedererkennungswert und ist als durchgängig episches Ding im 6er-Takt mit schöner Power-Metal-Melodieführung auf jeden Fall eine nette Angelegenheit.
“My Haven” und “Principles Of Hatred” fahren einige Arpeggio-Synths im Hintergrund auf. Während ersteres zeitweise recht cheesy anmutet, im Refrain aber durchaus noch etwas eingängiger hätte sein dürfen, entpuppt sich letzteres als einer der besten Tracks des Albums; mit leicht orientalischen Melodien, einem 1A-Refrain, einem feinen Synth-Solo – Das Ding ist stimmig und macht durchgehend ordentlich
Laune. So muss das.
Es folgt “The Forge” mit seinem hörenswerten Mittelteil und seinem vielseitigen Schlagzeugeinsatz, dessen Versuch böse zu klingen am Power-Metal-Spirit von KILMARA etwas scheitert, bevor mit “Disciples” ein weiterer Höhepunkt daherkommt: ein hochgradig fröhlicher Power-Metal-Track mit kurzen DRAGONFORCE-Eskalationen und Klischee-Lyrics. Lässt sich bestens feiern!

Anspieltipps:
“Disciples”, “My Haven”, “Principles Of Hatred” und “The Silent Guide”

Fazit:
“Across The Realm Of Time” sollte man als Freund klassischen Heavy/Power Metals durchaus mal ein Ohr leihen. Zwar schwankt die Qualität der einzelnen Songs, aber dementsprechend finden sich doch einige Tracks, die auf der Scheibe echt Spaß machen. Ein paar weniger belanglos-epische Melodien, ein paar mehr, die sich beim Hörer festsetzen können, und das nächste Album kriegt locker ein zwei Punkte mehr.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. …And Into The Realm
02. Purging Flames
03. The Silent Guide
04. The End Of The World
05. My Haven
06. Principles Of Hatred
07. The Forge
08. Disciples
09. I Shall Rise Again
10. Out From The Darkness

Jannis

EUNOMIA – The Chronicles of Eunomia Part 1

Band: Eunomia
Album: The Chronicles of Eunomia Part 1
Spielzeit: 71:37 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 24.08.2018
Homepage: www.facebook.com/Eunomiaband

Es ist mal wieder Zeit für unseren Newcomeralarm! Denn EUNOMIA sind ein norwegisches Bandprojekt welches 2016 von den beiden Brüdern Peter und Martin Danielsen ins Leben gerufen wurde. Beide erdachten sich dann die Konzeptstory über die Fantasiewelt Eunomia und machten sich daran das Debütalbum darum zu bauen.
Tatkräftige Unterstützung erhielten sie hierbei von vielen Gastmusiker wobei Henning Basse (FIREWIND), Alesandro Conti (TWILIGHT FORCE) und Victor Smolski (ALMANAC) mit Sicherheit die bekanntesten Gesichter sind.
Power Metalfans mit einem Hang zu Fantasykonzepten sollten nun genauer lesen wenn wir mit dem Opener „The Beginning“ in die Debüt CD eintauchen. Dieser ist, ganz nach Konzept, ein Cinematic Intro welches gut in die Geschichte einführt und von einem toll passenden Sprecher gesprochen wird!
Als ersten richtigen Track haben wir dann „Crystal Sword“ und dieser legt gleich mal erstklassig vor, schön im Midtempo gehalten und mit einem hymnischen Chorus ausgestattet bleiben hier für jeden Fan von Melodic Power Metal nicht viele Wünsche offen.
Etwas schneller, aber nicht minder eingängig ist dann anschließend „Dark Horizon“ unterwegs. Das Gaspedal wird hier ordentlich durchgedrückt was der Band auch bestens zu Gesicht steht! Als Gast tritt hier Henning Basse in Erscheinung.
„Freedom Call“ wird dann wieder von einem Cinematic Teil eingeleitet der auch hier wieder wunderbar reinpasst. Daher dauert es etwas bis die Nummer Fahrt aufnimmt, begeistert dann aber erneut mit einem Ohrwurmchorus erster Güte!
Apropos FREEDOM CALL, an besagter Band orientiert sich sehr stark das folgende „Glory of the King“, was auch absolut ins oberste Qualitätsregal greift und von hinten bis vorne begeistern kann.
Die erste Hälfte wird dann vom epischen und überlangen „We will not Surrender“ abgeschlossen, welches nicht ganz an die Vorgänger herankommt, aber von einem Ausfall auch noch weit entfernt ist. Hier ist Alessandro Conti als Gast zu hören.
Jetzt schleichen sich dann leider doch noch ein paar Standardtracks ein, richtig erstklassig wird es erst wieder im letzten Drittel mit dem epischen Doppelpack „Last Stand“ und „Dangerous Times Ahead“. Das abschließende „Until the End“ ist größtenteils wieder ein Cinematic Stück, welches die Scheibe aber gut und sehr passend abrundet.

Anspieltipps:

Ganz starkes Niveau hier, ein bisschen hervorstechen tun „Crystal Sword“, „Dark Horizon“, „Glory of the King“, „Last Stand“ und „Dangerous Times Ahead“.

Fazit :

Ein extrem gelungenes Konzeptdebütalbum präsentieren uns die Mannen von EUNOMIA hier. Es gibt massig tolle, teils bekannte, teils unbekannte Gäste die die Scheibe nochmals ordentlich aufwerten und die passende Anzahl von Hittracks hat man hier ebenfalls versammelt!
Beinahe wäre es eine Wertung im 9er Bereich geworden, leider ist dann in der zweiten Hälfte doch der ein oder anderen Standardtrack zu viel an Bord.
Ansonsten aber ein extrem starkes und rundes Debüt welches ich Power Metalanhängern mit Konzept Faible absolut als Kaufempfehlung ans Herz legen kann!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Beginning
02. Crystal Sword
03. Dark Horizon
04. Freedom Call
05. Glory of the King
06. We will not surrender
07. March for Freedom
08. Eternity
09. Stand Up and Fight
10. Last Stand
11. Dangerous Times Ahead
12. Until the End

Julian

MOB RULES – Beast Reborn

Band: Mob Rules
Album: Beast Reborn
Spielzeit: 57:33 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Steamhammer (SPV)
Veröffentlichung: 24.08.2018
Homepage: www.mobrules.de

Da möchte man die Rezension zu MOB RULES‘ neunter Platte “Beast Reborn” mit einem Satzanfang der Marke “Nach ihrem letzten, ziemlich erfolgreichen und hochgelobten Album…” beginnen, googelt mal aus Interesse die Chartplatzierungen der letzten Veröffentlichungen der Band und muss feststellen, dass die sechs Jungs aus dem Norden ohne Scheiß noch nie einen Platz in den Albumcharts hatten. Freunde, was ist da denn schiefgelaufen? Seit Album Nr. 1 haben die Oldenburger Power-Metal-Qualität vom feinsten rausgehauen, ohne auch nur ein schwächeres Album, promotet durch Liveshows, die energiegeladener und besser gespielt kaum sein könnten, und das kommt dabei rum? Gut, was nicht ist, kann ja noch werden.
“Beast Reborn” lässt, so viel kann man guten Gewissens sagen, keine Wünsche des treuen MOB-RULES-Fans offen. Die Produktion, gemastert von Jens Bogren, ist gewohnt jensbogrig. Klar, druckvoll und auf der Höhe seiner Zeit knallt das Ding aus den Boxen, mit einem Klaus Dirks in stimmlicher und dem Rest der Band in spielerischer Bestform. Der Sound der Band ähnelt durchaus dem Vorgängeralbum, ist insgesamt aber etwas straighter, dabei jedoch weiß Gott nicht weniger dicht und intensiv, ohne überladen zu wirken.
Nach dem obligatorischen Orchestralintro verdeutlicht dies “Ghost Of A Chance” unmittelbar. Klingt der Track zu Beginn noch vergleichsweise abgespeckt, so erledigt sich dies spätestens im Prechorus, dem der erste Ohrwurmrefrain des Albums folgt. Dass die MOBs Refrains immer noch beherrschen, zeigt sich im Anschluss mit “Shores Ahead”, dessen Strophe leicht an “Children Of the Flames” erinnert, bevor “Sinister Light” mit einem wunderbaren Mittelteil und leiser E-Orgel im Background überzeugt. “War Of Currents”, mit über acht Minuten der längste Song des Albums, trägt Züge längerer aktueller MAIDEN-Songs und baut sich über die ersten balladigen Minuten langsam auf, bis schließlich der Midtempobanger-Hauptpart über den Hörer im besten Sinne hereinbricht. Nach den Backing Vocals am Ende besteht dann auch kein Zweifel mehr daran, dass diese tatsächlich von ORDEN OGANs Seeb aufgenommen wurden.
Mit “The Explorer” wird’s dann noch dezent piratig und “Revenant Of The Sea” liefert ein herrliches Wechselspiel zwischen ruhigen Parts (inklusive ein wenig E-Drum-Einsatz) und dem Bösesten, was man von MOB RULES seit längerem gehört hat. Zum Schluss erweist sich dann “Way Back Home” als weiterer Hit, mit rockigem Riff während der Strophe und einem weiteren starken Refrain.
Um letztendlich auch mal etwas negative Kritik zu geben: Der letzte Track, die Ballade, ist doch schon sehr seicht kitschig und zudem ein Duett mit Gastsängerin. Hört man zwar nicht zum ersten Mal von MOB RULES, das ändert jedoch nichts daran, dass man während des Songs ab und zu mal zu leichtem Schaudern tendiert. Aber es soll ja Leute geben, die sowas mögen.
“Beast Reborn” ist eines dieser Alben, die man problemlos nebenher hören kann, doch die wahre Qualität der Scheibe verdeutlicht sich erst beim bewussten Zuhören. Das Ding ist fett, extrem eingängig, dabei allerdings keinesfalls das billige Power-Metal-Fastfood, das in den letzten Jahren doch recht häufig auf dem Plattenteller gelandet ist. Mit Klaus Dirks am Mic, einem der besten deutschen Metalsänger, einer nicht minder guten Instrumentalfraktion und außerordentlichen kompositorischen Skills sind MOB RULES auch nach 24 Jahren immer noch am Ball, wie kaum eine andere Band, reproduzieren nicht den alten bewährten Kram, sondern blasen nach wie vor mit jedem Album eine frische Brise Nordwind in den deutschen Power Metal.

Anspieltipps:
“Ghost Of A Chance”, “War Of Currents”, “Way Back Home” und “Revenant Of The Sea”

Fazit:
Klingt die Rezension ein wenig zu hypend? Nun, es bleibt jedem Hörer natürlich selbst überlassen, sich ein Bild von der Geschichte zu machen. Meine Prognose: Viel besser wird’s dieses Jahr nicht mehr. Und jetzt kauft das Ding in die Albumcharts!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Beast Reborn
02. Ghost Of A Chance
03. Shores Ahead
04. Sinister Light
05. Traveller In Time
06. Children’s Crusade
07. War Of Currents
08. The Explorer
09. Revenant Of The Sea
10. Way Back Home
11. My Sobriety Mind (For Those Who Left)

Jannis

CRYONIC TEMPLE – Deliverance

Band: Cryonic Temple
Album: Deliverance
Spielzeit: 64:24 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Scarlet Records
Veröffentlichung: 20.07.2018
Homepage: www.facebook.com/CryonicTemple

Das ging fix, knapp 1 Jahr nach ihrem Comebackalbum „Into the Glorious Battle“ kehren die schwedischen Power Metaller von CRYONIC TEMPLE schon wieder zurück auf die Bildfläche und präsentieren uns ihr neues, sechstes Album mit dem Titel „Deliverance“. Hier führt man das futuristische Konzept fort was man auf dem Vorgänger so schön begonnen hat.
Und auch sonst hat sich nicht viel geändert, die Mannschaft ist schön beisammengeblieben, was auch heißt das erneut Mattias Lilja hier seine Stimme erklingen lässt.
Mich hatte das letzte Album im letzten Jahr ja tierisch gefesselt, ich war daher sehr gespannt ob man das klasse Niveau halten kann?
Horchen wir also mal geschwind in das Intro „The Morning after the Longest Day“ rein, dieses schlägt eigentlich genau in dieselbe Kerbe wie auch schon das Intro auf der letzten Scheibe. Schön cinematic mäßig führt uns das gute Stück in die Geschichte ein.
Der erste richtige Track „Rise eternally beyond“ startet dann eher bedächtig mit sanften Gitarrenriffs und großer Keyboarduntermalung bevor die knackigen E Gitarren ihr Werk aufnehmen und es mit satten Double Bass Drumming durch den Song geht. Melodisch und eingängig bohrt sich der Track direkt in die Gehörgänge und bleibt so recht schnell haften, so muss das sein!
Auch die nächsten Tracks „Through the Storm“, „Knights of the Sky“ und der Titeltrack „Deliverance“ gehen runter wie Öl und sind schön melodisch gehalten.
Anschließend gibt es bei „Pain and Pleasure“ die Chance etwas runterzukommen, denn hier fährt man die Geschwindigkeit ganz klar zurück.
Was nach der 1. Hälfte der Scheibe im Vergleich zum Vorgänger direkt auffällt, die Keyboards sind hier wesentlich präsenter und nehmen einen größeren Teil des Gesamtbildes ein, das hat etwas Einfluss auf die Heavyness wie ich finde. Dieser Umstand hat mir erst ein paar Sorgenfalten aufs Gesicht gemalt, mittlerweile gewöhnt man sich zwar dran, aber es dürfte auf jeden Fall für Diskussionen und Nase rümpfen sorgen und nicht jedem gefallen!
Gehen mir mal weiter in den Songs, denn es gibt nach wie vor noch einige Perlen zu entdecken, Beispiele gefällig?
Kein Problem, das straighte „Pain and Pleasure“ kann genauso gefallen wie das epische „Temple of Cryonics oder das eingängige „End of Days“.
Den letzten Abschnitt einleiten tut dann das ruhige, aber sehr eingängige „Swansong of the Last Emperor“, welches ebenfalls direkt zu überzeugen weiß.
Bei den letzten Songs geht dann den Jungs zwar etwas die Puste aus und die Qualität ist nicht mehr ganz so hoch wie bisher, aber für ordentliche Standardmetaltracks reicht es auch hier noch.

Anspieltipps:

Auf jeden Fall „Rise eternally beyond“, „Through the Storm“, „Knights of the Sky“, „Temple of Cryonics” und “End of Days”.

Fazit :

Man muss schon sagen CRYONIC TEMPLE lassen sich auch auf ihrem neuen Album nicht lumpen und bieten 1. viel melodische Metalmucke und 2. ist man sehr abwechslungsreich unterwegs.
Man bekommt als Fan definitiv das man was man erwartet und die Jungs bleiben ihrer eingeschlagenen Linie vom letzten Album absolut treu!
Einzige Änderung, die vermutlich auch bei den meisten nicht so gut ankommen wird, ist die stärkere Hinzunahme der Keyboards was auf jeden Fall etwas zu Lasten der Heavyness geht. Hier muss jeder selbst entscheiden wie wichtig ihm das ist.
Im Großen und Ganzen gibt es hier aber insgesamt nicht so viel zu meckern.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Intro The Morning after the Longest Day
02. Rise eternally beyond
03. Through the Storm
04. Knights of the Sky
05. Deliverance
06. Loneliest Man in Space
07. Pain and Pleasure
08. Temple of Cryonics
09. Starchild
10. End of Days
11. Swansong of the last Emperor
12. Under Attack
13. Blood and Shame
14. Insommia (Digipack Bonus)

Julian