AVANTASIA – Moonglow

Band: Avantasia
Album: Moonglow
Spielzeit: 66:43 min
Stilrichtung: Power Metal / Symphonic Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 15.02.2019
Homepage: www.avantasia.net

Tobias Sammet’s AVANTASIA…. Ein Begriff, der schon seit einigen Jahren die symphonische Metalwelt prägt. Ein Mann mit einer Vision (Tobias Sammet), der unzählige Meister ihres Fachs um sich versammelt (Jorn Lande, Geoff Tate, Ronny Atkins,… usvm.) um Musik zu machen, die sich weder in eine Schublade noch in eine Form pressen lässt.
Und was Tobi jetzt mit AVANTASIA und „Moonglow“ auf die Beine gestellt hat, sucht einfach seinesgleichen. Die Poesie in den einzelnen Stücken, die kompositorischen Feinheiten und die perfekte Auswahl der Gastmusiker sorgen dafür, dass das 8. Studioalbum DAS Album des Jahres werden könnte.
Ich gebe zu, beim ersten Reinhören (anspielen der Titel für ca. 15 Sekunden) dachte ich noch, oioioioioi, da hat er jetzt aber etwas übertrieben. Aber nach dem ersten kompletten Durchgang hat es mich einfach umgehauen. Jeder Song ein einzelnes kleines Meisterwerk ergeben sie gesamthaft das beste AVANTASIA-Album überhaupt.
Inhaltlich geht es um ein Wesen, dass in eine Welt gelassen wurde, in der es sich nicht zurechtfindet, nicht es selbst ist und sich dort einfach überfordert fühlt. Es fühlt sich zur Dunkelheit hingezogen und öffnet dort ein Tor in eine Welt, aus der es die benötigte Kraft für die andere Welt zieht. Das Album handelt vom Anderssein, vom Druck, die Erwartungen erfüllen zu müssen und dem Fliehen in eine andere Welt.
Das Spannende dabei ist, dass jeder Song eine eigene Geschichte erzählt und keine kontinuierliche Geschichte ist, in der jeder Handlungsstrang im Detail erzählt wird.
„Moonglow“ ist wohl eines der ausgeschmücktesten und detailverliebtesten Alben im AVANTASIA-Universum überhaupt. Keltische Elemente, große Chöre, Thrash-Elemente, atmosphärische Parts. Die ultimative Spielwiese des Tobias Sammet. Und was dabei herausgekommen, sucht einfach seinesgleichen. Schon der Opener „Ghost In The Moon“ haut einen um. Tobi Sammet singt den immerhin fast 10 Minuten dauernden Longtrack komplett alleine und er kann es einfach. Erinnerungen an „Mystery Of A Blood Red Rose“ werden wach, auch weil der Titel des letzten AVANTASIA-Albums „Ghostlights“ hier mit einer Zeile gewürdigt wird. Viel Kitsch, viel pompöses Tamtam, Gospelchöre sind zum ersten Mal zu hören. Aber alles so stimmig und so wunderbar verpackt, dass es einfach nur schön und grandios ist.
Mit „Book Of Shallows“ folgt dann der härteste Track des Albums. Gemeinsam mit Tobi Sammet sind hier die Wiederholungstäter Jorn Lande, Ronny Atkins (PRETTY MAIDS) und Geoff Tate (ex-QUEENSRYCHE) sowie die Neu-Avantisten Hansi Kürsch (BLIND GUARDIAN) und erstaunlicherweise Mille Petrozza (KREATOR) zu hören. Klingt nach einer merkwürdigen Mische, aber Milles Thrash-Part verpasst dem Song das passende Thrash-Feuerwerk zur richtigen Zeit. Perfekt.
Sehr ruhig und sanft wird es danach mit „Moonglow“, einem sehr emotionalen mit Pianoklängen untermalten Duett zwischen Tobi und einer bezaubernden Candice Night (BLACKMORE´S NIGHT).
Mit „The Raven Child“ folgt die erste Singleauskopplung von „Moonglow“. Ein mutiger Schritt, ist der Song doch stolze 11 Minuten lang und eigentlich nicht radiotauglich. Aber es ist DAS Highlight des Albums und hat absolutes Hitpotenzial. Getragen wird das progressiv anmutende Stück von den unglaublich starken Hansi Kürsch und Jorn Lande. Gerade der Anfang und der starke Refrain sind einem Hansi Kürsch wie auf den Leib geschnitten und die gesanglichen Qualitäten Jorn Landes brauchen wir im Zusammenhang mit AVANTASIA gar nicht mehr explizit zu erwähnen.
Die beiden nachfolgenden Tracks „Starlight“ und „Invincible“ haben es nach diesem Hammersong sehr schwer zu bestehen, aber auch diese beiden Tracks fallen in der Qualität nicht ab. Während „Starlight“ sich langsam zu einem Ohrwurm entwickelt, besticht das balladeske „Invincible“ durch die charakteristische Stimme von Geoff Tate und erinnert an alte AVANTASIA-Zeiten.
Mit „Alchemy“ folgt ein weiteres Melodic Metal-Epos, während „The Piper At The Gates Of Dawn“ mit der größten Anzahl an Gastmusiker aufwartet. Atkins, Lande, Eric Martin (MR. BIG), Bob Catley (MAGNUM) und Geoff Tate geben sich hier die musikalische Klinke in die Hand.
Während das ruhigere „Lavender“ nicht zuletzt durch Bob Catley einen MAGNUM-mäßigen Anstrich bekommt, besticht „Requiem For A Dream“ durch die einprägsame Stimme von Michael Kiske (Helloween). Dieser Power-Metallische Song bildet auch den Abschluss von „Moonglow“, es folgt lediglich noch ein Cover von „Maniac“ (ja genau, der Song zu „Flashdance“) mit Eric Martin. Hier scheint Tobi Sammet seine Liebe zu den 80igern überkommen zu haben, aber immerhin das beste Cover dieses Songs überhaupt.
Und dann noch dieses megageil passende Coverartwork von Alexander Jansson, seines Zeichens Kinderbuchillustrator. Ich habe selten ein Cover gesehen, dass so gut den Inhalt des Albums widerspiegelt wie dieses leicht düstere an Tim Burton erinnerende Bild.

Zum Abschluss bleibt mir dann auch nicht mehr viel zu sagen. Außer, dass mir die Superlativen ausgehen und ich hiermit das erste 10er Review in meiner Zeit als Redakteur der Rockgarage abgebe. Ich finde einfach keinen Fehler in dem Album. Die Songs sind perfekt, die Melodien harmonieren so derart, dass ich zwischen Gänsehaut und Pipi in den Augen schwanke und die Auswahl der Gastmusiker passt dieses Mal so einzigartig gut zu den einzelnen Songs, dass ich noch nicht mal 0,5 Fan-Punkte abziehen kann. Ich freue mich jetzt schon wie eine Katze – die zum ersten Mal einen geschmückten Weihnachtsbaum sieht – darauf, Tobias Sammet’s AVANTASIA wieder live zu sehen.
Vor dieser Leistung muss jeder seinen Hut ziehen, ob man die Art von Musik mag oder nicht. Chapeau, Herr Sammet, einfach nur geil gemacht.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Ghost In The Moon
02. Book Of Shallows
03. Moonglow
04. The Raven Child
05. Starlight
06. Invincible
07. Alchemy
08. The Piper At The Gates Of Dawn
09. Lavender
10. Requiem For A Dream
11. Maniac

Tänski

BEAST IN BLACK – From Hell with Love

Band: Beast in Black
Album: From Hell with Love
Spielzeit: 43:02 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast Records
Veröffentlichung: 08.02.2019
Homepage: www.beastinblack.com

Na das nenne ich mal richtig fix! Gerade mal 1,5 Jahre nach dem Debütalbum „Berserker“ der Power Metaller von BEAST IN BLACK rund um Ex BATTLE BEAST Gitarrist und Mastermind Anton Kabanen, kehren die Jungs mit ihrem neuen Album „From Hell with Love“ dieser Tage zurück auf die Metalbildfläche.
Und das neue Album macht musikalisch genau da weiter wo man beim Debüt aufgehört hat! Erneut dominieren die neumodischen Power Metallklänge mit ordentlich Synthies, manch Oldschool Power Metaller nennt das Ganze auch Disco Metal, und auch dieses Mal geht es konzeptionell in die Manga Ecke.
Somit dürfte der neue Diskus ähnlich stark polarisieren wie der Vorgänger.
Zu Beginn geht es dann direkt mit „Cry out for a Hero“ ordentlich zur Sache! 80iger Feeling kommt hier definitiv aufgrund der eingesetzten Keys auf. Fronter Yannis ist nach wie vor bestens bei Stimme und die Nummer geht aufgrund des eingängigen Chorus direkt ins Ohr.
Danach gibt es dann den Titeltrack „From Hell with Love“ auf die Ohren der erneut mit typischen 80igern Synthies eröffnet wird. Klingt ein wenig nach Computerspielsoundtrack wie ich finde und die Nummer macht im weiteren Verlauf klar, BEAST IN BLACK bewegen sich etwas weg vom knallharten Power Metal des Debütalbums. Dies geht aber nicht zu Lasten der Eingängigkeit, was der Titeltrack wieder eindrucksvoll im Chorus beweist!
Die anschließenden „Sweet True Liest“ und „Die by the Blade“ dürften schon bekannt sein, sind sie doch als Videosingle vorab veröffentlich worden. Beide reihen sich, mal mehr mal weniger kraftvoll, gut in die bisherige Songstruktur ein.
In der Mitte des Albums haben wir dann mit „Oceandeep“ die einzige Ballade des Albums zu verzeichnen, die zwar gut umgesetzt ist und Fronter Yannis auch mal von der gefühlvollen Seite zeigt, aber etwas Außergewöhnliches ist die Nummer nun nicht geworden.
Das kann man von den anschließenden Tracks „Unlimited Sin“ und „True Believer“ absolut nicht behaupten, denn hier ist man wieder im obersten Qualitätsregal angekommen (auch wenn „True Believer“ ganz schön poppig geworden ist) und die Stücke brennen sich mit ihren Ohrwurmrefrains geradezu in die Gehörgänge!
Im letzten Abschnitt haben wir dann zwar nach wie vor sehr gute Power Metal Tracks zu verzeichnen, aber an die absolute Klasse der bisherigen Anspieltipps kann man leider nicht mehr ganz anknüpfen.

Anspieltipps:

Auf jeden Fall „Cry out for a Hero“, „From Hell with Love”, “Sweet True Liest”, “ Unlimited Sin” sowie “True Believer”.

Fazit :

Schade, schade! Das Debütalbum der Jungs von BEAST IN BLACK gehörte zu meinen absoluten Lieblingsalben 2017. Mit dem zweiten Diskus dringt man leider nicht ganz in die erstklassigen Gefilde vor. Zu Beginn ist zwar man noch auf einem guten Weg und die Songs zünden erneut ohne Gnade, aber dann verliert man sich immer mehr in poppige Synthiespielereien, die zwar auch auf dem ersten Album vorhanden waren, aber hier wird es dann irgendwann echt übertrieben, und zu guter Letzt verlieren die Songs auch ihre Griffigkeit und sind nur noch „gut“.
Somit kommen wir schlussendlich zwar immer noch zu einer Topbewertung mit entsprechender Kaufempfehlung, aber der Vergleich mit dem Debütalbum verliert der neue Diskus sehr deutlich!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Cry out for a Hero
02. From Hell with Love
03. Sweet True Lies
04. Repentless
05. Die by the Blade
06. Oceandeep
07. Unlimited Sin
08. True Believer
09. This is War
10. Hear of Steel
11. No Surrender

Julian

THORNBRIDGE – Theatrical Masterpiece

Band: Thornbridge
Album: Theatrical Masterpiece
Spielzeit: 45:18 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 08.02.2019
Homepage: www.thornbridge.de

Da sind sie endlich wieder! Die deutschen Power Metaller von THORNBRIDGE sind nach 3 Jahren Pause und ihrem Debütalbum „What will Prevail“ von 2016 nun wieder mit ihrem neuen Album „Theatrical Masterpiece“ zurück auf der Metalbildfläche.
Das Privatleben hatte wohl Vorgang, nun ja muss auch mal sein, aber gut das die Jungs wieder da sind! : )
Denn mit dem ersten Album hat man ganz schön Staub aufgewirbelt in der Szene und man war gespannt was die Jungs um Stammproduzent Seeb Leverman (ORDEN OGAN) nun auf ihrem neuen Album, auf welchem es thematisch um die Themen Folter und Hexenverfolgung geht, für uns parat haben!
Laut eigener Ankündigung soll man wohl nochmal ordentlich am Sound gefeilt haben und mit Andy B. Franck (BRAINSTORM) hat man noch einen bekannten Gastsänger mit an Bord.
Nun denn, starten wir die Hörprobe des neuen Albums mit dem Opener „Take to the Oars“. Dieses stellt nur ein stimmungsvolles Intro da, welches nordisch und mystisch inspiriert ist. Direkt danach gibt es dann den Titeltrack „Theatrical Masterpiece“ auf die Ohren. Flotte Midtempobeats erwarten uns hier die dann in einem eingängigen Chorus enden der auch so von den Jungs von ORDEN OGAN stammen könnte. Die Nähe zu ORDEN OGAN wurde ja schon angesprochen und ist im weiteren Verlauf der Scheibe immer allgegenwärtig!
Die Nummer an sich ist eines Titeltracks absolut würdig und man merkt direkt das die Jungs viel Zeit in das Songwriting gesteckt haben was direkt zwingender ist als auf dem Debütalbum.
Direkt im Anschluss gibt es dann mit „Keeper oft he Royal Treasure“ schönes 90iger Feeling auf die Ohren und mit „Revelation“ bewegt man sich im BLIND GUARDIAN Gefilde mit dem dazugehörigen Ohrwurm Chorus. Hört euch hier nur mal die Anfangsriffs an, man denkt man hätte einen älteren Song der Krefelder vor sich. Bei dieser Nummer kommt dezent auch der musikalische Gast des Albums zum Einsatz. Andy B. Frank (BRAINSTORM) ist hier zu hören.
Der Song ist übrigens als Titelstück für die neue deutsche Audioserie „Seven – Das Ende aller Tage“ ausgewählt worden, was auch für die Qualität des Songs spricht!
Und auch der Mittelteil bewegt sich durchgehend im oberen Qualitätsdrittel und hat mit „Demon in your Heart“ sowie „Ember in the Winter Grove“ zwei weitere absolute Hits im Gepäck.
Wer denkt okay so langsam müssten die Jungs doch ihr Pulver verschossen haben der irrt, „The Helmsman“, „Set the Sails“ ja sogar das Outro „The Dragon`s Sleeping“ sind alles Nummern die uns Power Metal der oberster Güteklasse bis zum Schluss der Platte präsentieren.

Anspieltipps:

Die gesamte Scheibe ist ein einziger Anspieltipp, sucht raus was ihr wollt!

Fazit :
Schon beim genialen Debütalbum war mir irgendwie klar das die Jungs von THORNBRIDGE eine große Zukunft vor sich haben! Und das unterstreichen sie ganz klar auf dem neuen Album und zeigen somit das sie keine Eintagsfliege im Metalbusiness sind.
Wer nur irgendwie Gefallen am Power Metal Genre findet der sollte sich diese Platte auf jeden Fall schnell mal zu Gemüte führen und zum Plattenhändler seines Vertrauens gehen, ihr werdet es definitiv nicht bereuen!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Take to the Oars
02. Theatrical Masterpiece
03. Keeper of the Royal Treasure
04. Revelation
05. Demon in your Heart
06. Journey to the other Side
07. Ember in the Winter Grove
08. Trace of Destruction
09. The Helmsman
10. Set the Sails
11. The Dragon`s Sleeping

Julian

SEBASTIEN – Behind The World (EP)

 

SEBASTIEN – Behind The World

Band: Sebastien
Album: Behind The World (EP)
Spielzeit: 15:50 min.
Stilrichtung: Power Metal, wenn man so will
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 01.02.2019
Homepage: www.sebastienofficial.com

Alter, was hab ich bei SEBASTIENs neuer EP “Behind The World” hinsichtlich der Bewertung mit mir gehadert. Das totale Wechselbad der Gefühle habe ich beim Hören der vier Tracks durchlebt und muss nun aufgrund meiner Unfähigkeit, eine angemessene Entscheidung zu treffen, tatsächlich zwei Rezensionen schreiben, die zweite als Reaktion auf die erste. Vorher die Sidefacts und alles, worauf sich meine zwei Meinungen einigen können: Nach dem über weite Teile extrem starken “Act Of Creation” und einigen Auftritten mit den nicht minder starken SQUEALER hat nun die neue EP der tschechischen Power-Metaller von SEBASTIEN das Licht der Welt erblickt. Modern produziert und erneut mit dem begnadeten George Rain am Mic werden die Ohren der Hörer über knapp 16 Minuten liebevoll umschmeichelt, als Gastsänger ist zudem BEAST IN BLACKs Yannis Papadopoulos, das neue Popsternchen am Power-Metal-Himmel, am Start.

Rezension 1: Was hingegen nicht am Start ist, sind Rhythmusgitarren. Die wurden so dermaßen hart hinter die Synths gemischt, dass man sie nur am Anfang von “Sweet Desire” mal über mehr als nur ein paar Sekunden erkennen kann, ohne Gefahr zu laufen, sie einfach mit einem stärker distorteten Bass oder einem böseren tiefen Synthesizer zu verwechseln. Die Position der Gitarren übernehmen die Keyboards. Die kleistern jeden Song von Anfang bis Ende zu, ob als Pad-Teppich beim Synth-Pop-Song “Mirror On The Wall” oder in Form aggressiv bratender Saw-Synths im Disco-Metal-Track “Fight For Love”. Es spricht ja nichts gegen eine ordentliche Menge Synths im Power Metal, aber ernsthaft: Track 1 ist ’n Radio-Pop/Rock-Song mit Schellenkranz und cleanen Rhythmusgitarren (Die hört man sogar), Track 2 Disco-BummZapp-Metal ohne hörbare Gitarren und Track 4 ist gothisch angehauchter Synthpop mit verdammten E-Drums. Lediglich Track 3 (Und es will was heißen, wenn ein Track namens “Sweet Desire” der härteste Track auf der gesamten EP ist) ist ansatzweise gitarriger Power Metal, aber nicht auf dem Niveau der besseren Songs des Vorgängeralbums. Freunde, wenn Ihr Euch in eurem damals gewählten Genre nicht wohlfühlt, dann gebt es doch einfach zu.

WERTUNG:

 

 

Rezension 2: Jut. Man darf an dieser Stelle halt auch nicht vergessen, dass es sich um eine EP handelt. Und EPs klingen oftmals ein wenig anders als der Rest der Veröffentlichungen einer Band. Auch mir sind die Gitarren zu leise, aber wenn ich einmal verarbeitet habe, dass “Behind The World” zu mehr als 50% eben eher synthig und radiokompatibel ist, und dies akzeptiere, so muss ich ehrlich sagen: Gerade Track 1 und 4 gehen brutal ins Ohr, liefern einwandfrei eingängige und teils Gänsehaut erzeugende Melodien, die in absolut geile Arrangements eingebunden sind (Ich höre aus “Mirror On The Wall” neben Oldschool-Gothic-Inspiration tatsächlich leichte MAGNA-CARTA-CARTEL-Einflüsse heraus). Klar, da steckt viel aus dem Computer dahinter. Aber wer dafür verantwortlich ist, der weiß mit dem Ding auch umzugehen, gerade die Produktion der Synths ist herausragend. Auch Track 2 und 3 wissen zu gefallen, wenn man mal davon absieht, dass SEBASTIEN ihre Gitarren vermutlich auf Tour verloren haben. Track 2 mit Yannis ist einwandfreier BEAST-IN-BLACK-Metal und Track 3 hätte man so auch auf “Act Of Creation” finden können. True ist das alles nicht. Heavy auch nicht. Größtenteils auch nicht Metal. Ordentlich Spaß macht es nichtsdestotrotz. Guilty Pleasure in Reinform und ich schäme mich nicht, das zuzugeben!

WERTUNG:

 

 

Fazit (Versuch einer Einigung): Man kann wohl so verbleiben, dass SEBASTIEN dringend geraten sei, auf dem nächsten Album die Gitarren wieder lauter zu drehen und den Metalanteil wieder auf über 50% zu pushen. Aber als das, was es ist – poppige keyboardlastige Mucke mit massig Ohrwurmpotenzial – macht “Behind The World” absolut nichts falsch, im Gegenteil. Man darf abwarten, ob dieser Stil bei SEBASTIEN nun zur Gewohnheit wird. Das wäre schade, doch als kleiner Ausflug in (noch) poppigere Gefilde ist die EP schon eine korrekte Sache.

 

Trackliste:

01. Behind The World
02. Fight For Love (feat. Yannis Papadopoulos)
03. Sweet Desire
04. Mirror On The Wall

Jannis

VANDOR – In The Land Of Vandor

Band: Vandor
Album: In The Land Of Vandor
Spielzeit: 60:34 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Germusica
Veröffentlichung: 25.01.2019
Homepage: www.facebook.com/Vandorband

Ich denke nicht, dass das nur mir so geht: Kleine Power-Metal-Bands, die unbedarft und gut gelaunt 90er/Anfang-2000er Power Metal spielen, so zusammengestellt sind, dass die Kompositionen live ohne Backing Track und lediglich mit fest zur Band gehörendem Keyboarder intoniert werden können, und die mit leichter Power-and-Glory-Naivität klassische Melodien des Genres zu etwas eigenem gestalten, sind mir persönlich unmittelbar sympathisch. VANDOR ist eine dieser Bands.
Die 2015 in Göteborg gegründete Truppe hat ihr Debutalbum fertiggestellt und beweist bereits auf diesem, dass sie nicht nur Potenzial besitzt sondern dieses in solch jungen Jahren auch bereits ziemlich gut zu nutzen weiß.
Produziert wurde “In The Land Of Vandor” von der Band selbst, Mix und Mastering erfolgte durch Jason Carter. Ganz auf der Höhe der Zeit klingt das Endergebnis nicht, das ist bei dem Stil der fünf Schweden aber nicht schlimm und eher dem Nostalgiefaktor dienlich. Die gut gesungenen Vocals hätte man allerdings tatsächlich etwas liebevoller produzieren können. Hier fehlt ein Echo- oder Hall-Effekt, der den Vocals mehr Wucht verliehen hätte.
Musikalisch: Hervorhebenswert ist der geschmackvolle Einsatz der Keyboards durch Keytarist Uno Rosengren. Der verzichtet darauf, jeden Lied zu einem Keyboardmassaker mit Bandbegleitung umzugestalten, was bei so manch anderer neuerer Power-Metal-Band doch oftmals ein harter Kritikpunkt ist. Dezente Synths im Hintergrund, gut platzierte Soli, eine spaßige Soundauswahl; mit seinem Spiel verleiht Uno “In The Land Of Vandor” eine anständige Würze, ohne das Ding zu versalzen. Ebenso der Bass (Alve Bjerde), der auch öfters mal in den Vordergrund darf und beste Arbeit leistet, zu überprüfen beispielsweise bei den MAIDENigen Bassläufen auf “Possessive Eyes”, das vergleichsweise rockig ausfällt und dessen Akustikversion am Ende des Albums unerwarteterweise sehr gut gelungen ist.
Auch sonst lassen VANDOR sich hinsichtlich des gegebenen Abwechslungsreichtums nicht lumpen. “With Bleeding Hands I Stand” ist eine kraftvolle Power-Metal-Ballade mit Wums, “The Land Of Vandor” feinster fröhlich-hurtiger Stoff ganz im Sinne von etablierten Vertretern des Genres wie POWER QUEST und “Serving Their Needs” überzeugt mit 6er-Takt auf 4er-Takt-Drums, leicht gothischem Background-Klaviermotiv und einer Mischung aus Melancholie und Positivität, die dem Gefühl nahekommt, dass einen ergreift, wenn man im Begriff ist, das letzte Stück Pizza zu essen.
Dazu kommt ein 14-Minuten-Song, der abwechslungsreich konzipiert ist und gelegentlich mit dem Taktmaß spielt (“Uncover The Earth”), mehr klassischer Power Metal mit coolem Solopart (“Wrath Of Night”) und noch ein paar weitere gelungene Tracks.
Klar, auch wenn zwischendurch modernere Züge durchkommen: “In The Land Of Vandor” ist nicht besonders innovativ und hat durchaus eine Menge Parts am Start, die eben dem Standard des Genres entsprechen. Dennoch wird der Freund klassischem Power Metals auf der Platte einige Überraschungen erleben und über eine Stunde Spielzeit doch zumeist sehr gut unterhalten sein. Schöne Sache, insbesondere für ein Debut!

Anspieltipps:
“Serving Their Needs”, “The Land Of Vandor”, “Possessive Eyes” und “Warriors Of Time”

Fazit:
Hoffentlich verfolgen VANDOR ihren Stil auf zukünftigen Veröffentlichungen weiter und verzichten auf den überproduzierten Discosound, dem momentan so viele verfallen. Handgemachter Power Metal älterer Schule, mit Freude gespielt und durchaus originell. Und bitte beachtet den Blick des Drachen auf dem Cover.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Dark Times
02. Wrath Of The Night
03. Beneath The Sky
04. Warriors Of Time
05. Possessive Eyes
06. Uncover The Earth
07. Serving Their Needs
08. With Bleeding Hands I Stand
09. The Land Of Vandor
10. In The Shadows
11. Possessive Eyes (Acoustic)

Jannis

STEEL ENGRAVED – Steel Engraved

Band: Steel Engraved
Album: Steel Engraved
Spielzeit: 58:54 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: ROAR! Rock Of Angels Promotion
Veröffentlichung: 25.01.2019
Homepage: www.steelengraved.de

STEEL ENGRAVED – Das riecht nach Battlefield, Glory, gegebenenfalls einigen Eagles und jeder Menge Swords. Doch der Bandname trügt. Auf jeden Fall sind die Herren und Dame von STEEL ENGRAVED im Heavy/Power-Metal-Bereich unterwegs, doch auf eine teils recht moderne und synthlastige und teils auf eine oldschoolige aber musikalisch alles andere als MANOWAReske Art. Das dritte Album der Deutschen ist weitgehend das, was man heute als Melodic Metal bezeichnet, mit hörbaren Einflüssen der Great Old Ones und einiger Liebe zu Cheesyness – und einem starken Albumcover, wohlgemerkt.
Das (inklusive hörenswerter Bonustracks) fast eine Stunde lange und aus 13 Songs im Drei-bis-fünf-Minuten-Bereich bestehende Album ist von Mario Lochert und Jan Vacik von SERIOUS BLACK produziert worden, die Vocals von Ralf Scheepers. Das Resultat kann sich hören lassen, fällt klar und definiert aus, ohne die nötige Härte missen zu lassen. Ich hoffe, dass die kleinen störenden Knackser nur in der Promoversion auftreten und auf der letztendlichen Veröffentlichung nicht mehr am Start sind, das wäre ein klares Manko.
Musikalisch ist man innerhalb der eigenen Grenzen recht vielseitig unterwegs. Von STRATOVARIUS-inspirierten Strophen (beim keyboardlastigen Opener oder bei “One By One”) über trockenes Midtempo (Das sehr gelungene “Searching For Regret” mit Rals Scheepers als Gastvokalist) bis hin zu düsterem dicken Power Metal (“Rebellion”) ist alles vertreten, garniert von mies ins Ohr gehenden Refrains, insbesondere bei “Rebellion”, “Searching For Regret” und “Where Shadows Remain”. Die Keyboards halten sich in einem angemessenen Rahmen, sind bei moderner gehaltenen Songs wie besagtem Opener oder “Your Inner Self” recht präsent, bei klassischeren Tracks jedoch angenehm unauffällig gehalten.
Ein bisschen ruhigerer Stoff ist auch dabei, positiverweise ist allerdings noch nicht einmal die Bonus-Halbballade “All That Lies Below” zu kitschig geworden. All das wird getragen von der wirklich stabilen Stimme von Marco Schober, der gerade in etwas höheren Sphären verdammt viel leistet und nicht selten mal an Michael Kiske erinnert.
Kritik? ‚N bisschen, ja. Größter Kritikpunkt sind die Mittelteile der Songs. Diese wirken doch eher zweckmäßig und beschränken sich entweder auf ein Gitarrensolo, das gut aber belanglos ausfällt, oder auf einen Part, in dem die Instrumentalfraktion kurz mal das Tempo runterfährt oder den Rythmus ändert. Ein bisschen mehr Liebe zum Detail wäre hier schön. Ansonsten lässt sich Kritik nur recht diffus anwenden. Der größte Teil der Tracks agiert auf hohem Niveau, oft fehlt aber noch der bestimmte Faktor, der aus einem 8/10-Song einen 10/10-Song macht. Diese Einschätzung sollte jedoch keineswegs davon abhalten, “Steel Engraved” mal eine Chance zu geben, denn ein echt gelungenes Power-Metal-Album, das weder in Klischees noch in kompositorischer Irrelevanz versumpft, ist die Platte allemal!

Anspieltipps:
“Where Shadows Remain”, “Searching For Regret”, All That Lies Below” und “Rebellion”

Fazit:
Unklischeehafter Power Metal, der aus traditionellem und modernem Sound eine feine Mischung schafft, gekonnt zwischen ruhigen Parts und Geballer wechselt und kompositorisch einiges in petto hat. Das alles in gut gespielt und gut gesungen. Die Rock-Garage-Leserschaft sollte zu einem nicht geringen Teil Zielgruppe von “Steel Engraved” sein.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Where Shadows Remain
02. Generation Headless
03. The Oppressed Will Fly
04. Slave To Yourself
05. Nightwarriors
06. Rebellion
07. Searching For Regret
08. One By One
09. Heat
10. Your Inner Self
11. Close Your Eyes
12. We Will Follow
13. All That Lies Below

Jannis

LAST UNION – Twelve

Band: Last Union
Album:Twelve
Spielzeit: ?? min
Stilrichtung:Power Proggresiv Metal
Plattenfirma: ROAR
Veröffentlichung: 21.12 2018
Homepage: www.lastunion.it

Machen wir uns nichts vor, wer auf seinem Debütalbum mit solch illustren Gästen wie Uli Kusch (ex Helloween), Mike LePond (Symphony X) und nicht zuletzt James LaBrie aufwarten kann, macht zumindest neugierig.
Aber der Reihe nach, die italienische Progressiv Metal Formation LAST UNION, im Jahre 2007 unter dem Namen BLAZING ICE von Sängerin Elisa Scarpecchio und Gitarrist.Christiano Tiberi gegründet bieten auf ihrem Erstling „Twelve“ eine überraschend kompakte Leistung ab, die für sich gesehen, schon einiges an qualitativ ordentlichem musikalischem Handwerk bietet.
Trotzdem sind es vorrangig die Gäste, die aus „Twelve“ ein Debüt machen, welches sich ein aus der Masse an neuen Bands dezent, aber merklich, abhebt.
Der Opener „Most Beautiful Day“ gibt die Richtung vor und führt uns vor Ohren, das Sängerin Elisa stimmlich über eine sehr klar Stimme verfügt, die aber nicht über die allzu häufig eingesetzten klassischen Ausflüge ihrer Sangeskolleginnen kommt, sondern eher durch Geradlinigkeit punktet.
Auf dem folgenden „President Evil“ ist es dann soweit, die Hauptattraktion James LaBrie gibt zum ersten Mal seine Visitenkarte ab, und das eindrucksvoll.
Der schön ausgefeilte Song wird durch ein gutes Gitarrenriff dominiert und durch die Stimme des DREAM THEATER Sängers auf nächste Level getragen.
„Hardest Way“ kommt etwas getragener daher und belegt, dass auch die etwas ruhigeren, hymnischen Töne beherrscht werden.
Das LAST UNION keine Band ist, die auf ihrem Debüt ohne Albenfüller auskommen, dafür stehen Songs wie „Purple Angels“ und „The Best of Magic“.
Dass sie aber durchaus in der Lage sind, richtig gute Songs zu schreiben, beweist eindrucksvoll das erneut von LaBrie gesungene “Taken“ . Coole Melodieführung in abwechslungsreichem Songaufbau.
In „A Place in Heaven“ wird dann aber klar, dass der berühmte Gastsänger leider nicht jeden schwächeren Song retten kann.
Die mehr als ordentliche Gitarrenarbeit bekommen wir dann wieder im kurz und knackig gehaltenem „Limousine“ geboten, bevor mit „Back in the Shadows“ eine weitere gelungene Midtemponummer ein zu beachtendes Album beschließt.

Fazit: Ein soundtechnisch, von Jens Bogren (Arch Enemy, Symphony X, Devin Townsend)sehr gut gemischtes Album, welches durch sein gutes Songwriting lebt und sicherlich von den Gastmusikern getragen wird, aber eben auch mit dem ein oder anderen Ausfall klarkommen muss.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:
01. Most Beautiful Day
02. President Evil ( Feat. James LaBrie)
03. Hardest Way
04. Purple Angels
05. The Best Of Magic
06. Taken (Feat. James LaBrie) Radio Edit
07. 18 Euphoria
08. A Place In Heaven (Feat. James LaBrie)
09. Ghostwriter
10. Limousine
11. Back in the Shadow
12. Taken (Feat. James LaBrie)
13. President Evil (Feat. James LaBrie) Video Version

Rüdiger König

Videolink “President Evil”

SEVEN THORNS – Symphony of Shadows

Band: Seven Thorns
Album: Symphony of Shadows
Spielzeit: 41:09 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Mighty Music
Veröffentlichung: 14.12.2018
Homepage: www.seventhorns.com

Die Dänen von SEVEN THORNS sind mittlerweile keine Unbekannten mehr im Power Metal Genre und bei uns in der Rock-Garage! Mit „Symphony of Shadows“ bringen die Jungs dieser Tage ihr drittes Album auf den Markt.
Im Vergleich zum letzten Album „II“, Rezi auch hier bei uns, ist der Sound etwas düsterer und neo klassischer ausgefallen. Es gibt 9 Tracks zu hören die auch eine Spur Progressive Metal abbekommen haben.
Ansonsten hat sich nicht viel bei der Band geändert, man war in den letzten Monaten und Jahren fleißig live unterwegs mit so Bands wie PRIMAL FEAR und FREEDOM CALL. Die Liveerfahrung sollte den Jungs auf jeden Fall zu Gute gekommen sein beim Songwriting!
Als Opener wird uns „Evil Within“ präsentiert, welches düster eingeleitet wird und mit ordentlich Keyboards unterstützt und schön melodisch gehalten wird. Der Gesang von Fronter Björn ist nach wie vor bestimmt nicht jedermanns Sache, der Junge macht seine Sache aber gut. Ansonsten ist die Nummer eine eingängige Sache geworden, die mit Prog Elementen schön angereichert wurde.
Eine ähnlich runde Sache ist dann auch das folgende „Black Fortress“ geworden. Dieser Track wurde vorab schon einige Mal live gespielt und überzeugte direkt auf Anhieb. So auch hier, erneut haben wir hier eine mehr als ordentliche Mischung aus Melodic, Prog und düsterer Stimmung die sofort ins Ohr geht.
„Ethereal“ im Anschluss ist dann gute Standardkost nicht mehr und nicht weniger, dann folgt aber mit „Beneath a Crescent Moon“ der nächste Farbtupfer. Denn dieser Track beinhaltet ein gesangliches Duett mit einer mir unbekannten weiblichen Stimme und hier wird eine schöne orientalische Stimmung erzeugt. Ein toller Track!
Im Mittelteil kann dann „Last Goodbye“ am ehesten überzeugen und begeistern, auch wenn auch dieser Track nicht ganz an die ersten genialen Songs rankommt.
Als letzten erwähnenswerten Track haben wir dann das abschließende „Symphony of Shadows“ welches vom Zwischenstück „Shadows Prelude“ eingeleitet wird.
Hier kann man wieder ans Qualitätslevel der ersten Nummern anknüpfen und kann die Fans wieder direkt begeistern.

Anspieltipps:

Auf jeden Fall „Evil Within“, „Black Fortress“, „Beneath a Crescent Moon” und “Symphony of Shadows”.

Fazit :

Ganz klar, das neue dritten Album der Jungs von SEVEN THORNS ist bisher ihr bestes geworden! Nach wie vor hat man aber, gerade in der zweiten Albumhälfte, noch zu viele Standardtracks vereint und auch die Produktion hätte teilweise etwas mehr Bums und Druck vertragen können! Manchmal kommt das Ganze doch etwas verwaschen daher und nicht gut genug abgemischt.
Aber insgesamt können wir hier doch von einer starken Leistung sprechen und Fans der Band und der angesprochenen Genres werden mit Sicherheit zufrieden gestellt werden.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Evil Within
02. Black Fortress
03. Ethereal
04. Beneath a Crescent Moon
05. Castaway
06. Last Goodbye
07. Virtual Supremacy
08. Shadows Prelude
09. Symphony of Shadows

Julian

ARRAYAN PATH – Archegonoi

Band: Arrayan Path
Album: Archegonoi
Spielzeit: 84:00 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Pitchblack Records
Veröffentlichung: 30.11.2018
Homepage: www.facebook.com/arrayanpath

“LET ME TELL YOU A STORY!!” ranzt Nicholas Leptos den Hörer im finalen Part von “Bellerophon (Forged By The Blacksmith)” unvermittelt und mehrfach mit einer Nachdrücklichkeit etwa so entgegen, als würde Opa auf der Familienfeier plötzlich aus seinem Ruhemodus hochfahren und keine Widerrede erlaubend verkünden, er erzähle nun vom Krieg. Man lässt solche Leute dann erzählen; bei Nicholas, der dabei von den restlichen Jungs von ARRAYAN PATH unterstützt wird, sogar sehr gerne. Auch er erzählt vom Krieg, aber auch von anderen mit dem antiken Griechenland in Verbindung stehenden geschichtlichen/mythologischen Ereignissen  – und das über sagenhafte auf zwei CDs verteilte 84 Minuten, obgleich der Release des Vorgängers von “Archegonoi” gerade einmal ein Jahr zurückliegt. Das ist eine beachtliche Leistung und wirft die Frage auf, ob unter dem hohen Arbeitstempo nicht die Qualität der Platte gelitten haben mag.
Die Antwort: Ja, hat sie. Aber nur ganz minimal. Primär zeigt sich das an der Produktion, die einige wenige Töne gerne mal lautstärketechnisch hörbar von den anderen abhebt. Zudem finden sich ab und an gerade in den Drums Momente, wo ein Schlag (oder ein Ton) dann doch nicht ganz genau dann kommt, wenn er soll. Ist ein wenig schluderig, aber authentisch und kommt so selten vor, dass es den Gesamteindruck des Albums nicht zu schmälern vermag – sollte aber bei einem professionell aufgenommenen Album in heutiger Zeit nicht passieren.
Wie sieht es aber aus mit den Kompositionen? Nun, auf einzelne Songs kann man bei der Platte kaum eingehen, schließlich sind sie praktisch alle mindestens fünf Minuten lang, und in klassischer ARRAYAN-PATH-Manier passiert in jedem von ihnen zu viel für Einzelbesprechungen. ARRAYAN PATH sind unvorhersehbar im besten Sinne, auch auf “Archegonoi”. Ruhig-atmosphärische Parts wechseln sich ab mit mal hymnischen, mal hypnotisch-redundanten Refrains. Auf vergleichsweise böse Uptempoparts folgen balladeske, und ein Song, der fanfarisch-orchestral-fett eingeleitet wird, kann von einer Sekunde auf die andere in trockenes Midtempogestampfe übergehen. Sanfte Vocals werden unerwartet zu hohem Geschreie, das im nächsten Moment von mächtigen tiefen Männerchören ersetzt wird. Dazu Melodien, die mal folkloristisch angehaucht sind, gleich darauf eher an deutsche Schlagerkompositionen erinnern – nur in progressiv gestaltet. Gibt es progressiven Schlager?
Dieses Abwechslungsreichtum, hinter dem jederzeit erkennbares System steckt, sorgt tatsächlich dafür, dass “Archegonoi” über seine kompletten 84 Minuten fast durchweg glänzend unterhält, sei es mit eingängigen Hooks, von traditionellen griechischen Instrumenten gespielten Soli oder musicalartigen Abschnitten. Natürlich, ein paar Stellen hätte man rauskürzen können, aber insgesamt erweist sich die Entscheidung, aus dem Ding ein Doppelalbum zu machen, als ziemlich gut. Es ist eine krasse Leistung, ein Album nur ein Jahr nach dem Release seines Vorgängers rauszubringen. Aber es ist eine ganz andere Hausnummer, ein Werk mit der Länge und der kompositorischen Qualität von “Archegonoi” in solch kurzer Zeit zu veröffentlichen. Das Niveau des Vorgängers kann locker gehalten werden. Unter diesen Umständen kann man über die paar Drumhits, die minimal aus dem Takt fallen, locker hinwegsehen. Großen Respekt für diese Leistung!

Anspieltipps: “Weaving The Web Of Destiny”, “Bellerophon (Forged By The Blacksmith)”, “King Of Argos” und “Rod Of Asclepius”

Fazit:
“Archegonoi” ist kein Album für nebenbei. “Archegonoi” ist kein Easy Listening und “Archegonoi” ist wohl eins der außergewöhnlichsten Power-Metal-Alben des Jahres. Wer Bock hat auf eine musikalisch grandiose Reise durch Geschichte und Mythologie (und so fühlt sich die Platte tatsächlich an), der bekommt mit der neuen ARRAYAN PATH genau das und mehr: ein Power-Metal-Album mit Anspruch, das seine Hörer spätestens nach dem zweiten Hördurchgang kaum mehr loslassen wird.

WERTUNG: 

Trackliste:

  1. Weaving The Web Of Destiny
  2. Rod Of Asclepius
  3. Seven Against Thebes
  4. Sins Of Pandora
  5. The Words Of Menelaus
  6. Bellerophon (Forged By The Blacksmith)
  7. Thisbe’s Blooded Veil
  8. Lion Of Amphipolis
  9. Blood Of The Sphinx
  10. Nemesis
  11. Eastern Sands
  12. Where The Hydra Hides
  13. King Of Argos
  14. Thermopylae 480 BC

Jannis

DYSTOPOLIS – V.EN.O.M.

Band: Dystopolis
Album: V.EN.O.M.
Spielzeit: 56:15 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: RamItDown Records
Veröffentlichung: 23.11.2018
Homepage: www.facebook.com/dystopolis

Ab und zu gelingt einer kleinen Band eine echt große Leistung und das ist ein Grund zum Feiern. Holt also die Luftschlangen und den zwangsweise alten Wein aus dem Luftschutzbunker und ab dafür! Schließlich mag “V.EN.O.M.” den Bremern von DYSTOPOLIS verdientermaßen den Eintritt in die German Power Metal Hall of Fame bedeuten. Ist generell schön bei Newcomern, dass sie sich noch beweisen und nicht einfach nur ihre eigene Sparte bedienen müssen, dann manchmal kommt dabei etwas heraus wie die hier besprochene Scheibe.
Kurz die Sidefacts: Nach der 2008 erfolgten Gründung brachte man zwei Eigenproduktionen und nun endlich das Labeldebut bei RamItDown Records heraus und spielt laut eigenen Angaben Postapocalyptic Metal, der sich um die fiktive Stadt Dystopolis dreht. Produziert wurde die Platte vom momentan omnipräsenten Seeb Levermann, der sich in ziemlich kurzer Zeit zu einem echten Qualitätsgaranten gemausert hat. Somit gibt es am Sound schonmal nichts zu bemängeln und die Scheibe klingt, gerade in den Passagen mit vielen Background Choirs, durchaus ORDEN-OGANig.
Während die Band/das Label “V.EN.O.M.” (Vicious Enemy Of Mankind) Fans von ICED EARTH, NEVERMORE und BLIND GUARDIAN empfiehlt (letzterem kann ich bedenkenlos zustimmen, das agressiv-technische “Beneath A Black Horizon” mit seinem hymnischen Refrain wäre auch ein guter Job für Hansi), würde ich klar noch GRAVE DIGGER ergänzen. Die Stimme von Andreas Müller erinnert stark an Chris‘ Reibeisenorgan und die Komposition lässt vermuten, dass DYSTOPOLIS die älteren melodieorientierten Platten der Grabgräber, beispielsweise “Knights Of The Cross” mehr als nur einmal gehört haben. Ein bisschen IRON SAVIOR ist auch drin, “Dining With Gods”‘ Intro könnte ebenso ein aktuelles Lied von DIMMU BORGIR einleiten und das Riff von “Metro” hat gar SAMAEL’sche Züge. Mit dieser Aufzählung soll allerdings nicht gesagt werden, dass “V.EN.O.M.” von anderen Bands zusammengeklaut wurde. Nein, der Stil von DYSTOPOLIS ist individuell und ausgereift: orchestraler Power Metal, der gerne im Thrash und Progressive Metal stöbert, ergänzt um eine Stimme, die zusammen mit der Produktion und der Härte des Albums DYSTOPOLIS neuen Wind in die alten Segel des Teutonic Heavy Metal blasen lässt. Denn trotz des hohen Orchestralfaktors: Kitsch und Opernmetal sucht man hier vergeblich, wenn man denn überhaupt danach sucht. “V.EN.O.M.” pendelt gekonnt zwischen böser, stets melodiöser Härte, hymnischen Refrains und starken Melodien selbst in den Strophen.
Um der Band ein wenig konstruktive Kritik mit auf den Weg zu geben: In die Synths könnte man ab und an ein wenig mehr Geld investieren, sie klingen meist authentisch aber eben nicht immer. Zudem ist die Oldschool-Gothic/Pseudo-Opern-Stimme, die Andreas manchmal auspackt, doch Geschmackssache. Mein Fall war sie nicht, klang etwas zu gekünstelt, aber das ist Meckern auf dem selben Niveau, das “V.EN.O.M.” praktisch durchgängig hat: verdammt hoch.
Letzter Satz zu den Songs: kein Ausfall, eine Menge Vielseitigkeit; Die Zeit bis Weihnachten kann kaum schneller vergehen, als mit “V.EN.O.M.” im Plattenspieler.

Anspieltipps: “Black Gates”, “Lords Of Sand”, “The Corporation” und “Dystopolis Rising”

Fazit:
Heavy, orchestral, durchgängig unterhaltsam, fett produziert und gespielt: Es ist eh löblich, durch Albumkäufe auch mal den Nachwuchs zu unterstützen. Und im Fall von DYSTOPOLIS ist es zudem eine mehr als lohnende Investition!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Black Gates
02. Lords Of Sand
03. Metro
04. Dining With Gods
05. The Corporation
06. Noah’s Isle
07. Arndale
08. Anthem For A Stranger
09. Beneath A Black Horizon
10. Dystopolis Rising

Jannis