STORMWITCH – Bound To The Witch

Band: Stormwitch
Album: Bound To The Witch
Spielzeit: 65:45 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 29.05.2018
Homepage: www.stormwitch.de

Mit 39 Jahren könnte man eigentlich so langsam mal die Midlife-Crisis kommen. Vielleicht einen tiefergelegten Besen kaufen oder den Hexenhut durch eine dieser lustigen blinkenden Weihnachtsmannmützen eintauschen. Man könnte auch so richtig auf die Kacke hauen und sein neues Album mit einer dicken Masse arschgeiler Synthesizer und einem saftigen Drop vor jedem Chorus pimpen. Aber scheinbar steht die STORMWITCH da drüber. Stattdessen: Auch nach 39 Jahren Bandgeschichte (inklusive Pausen) gibt’s von den Deutschen klassischen Heavy Metal ohne Schnörkel, den man instinktiv ein wenig näher an Hamburg verortet hätte, als es tatsächlich der Fall ist.
Zum Gesang: Am Mic steht, neben Jürgen Wannenwetsch das einzige verbleibende Gründungsmitglied, nach all der Zeit immer noch Andreas Mück, der sich als charakteristisches Organ der Band einen Namen gemacht hat. Zurecht. Und tatsächlich: Selten klang der Mann besser als auf dem zwölften Release der Jungs. Seine Falsettstimme kommt auf “Bound To The Witch” zwar verhältnismäßig selten zum Einsatz, läuft aber immer noch wie geschmiert. Und in gemäßigten Höhen kommt der sehr warme, fast beruhigende (Jap, ist ein Kompliment.) Klang im Zusammenspiel mit dem feinstens produzierten Prototyp-Heavy-Metal-Sound der Band einfach großartig.
Die 14 Songs auf “Bound To The Witch“ (inklusive drei Neuaufnahmen alter Klassiker als Bonustracks) sind strukturell recht einfach gehalten. Vielleicht etwas zu routiniert immer nach Schema F, aber damit kann man leben, denn obgleich STORMWITCH zuerst einmal Heavy Metal in Reinform machen, lassen sie nie ein richtiges Maß an charakteristischen Melodien und interessanten Riffs missen. Man höre nur einmal in “Arya” rein, dessen Strophenmelodie mit dem Eingangsriff hervorragend kooperiert, bevor der Refrain für Gänsehaut sorgt, ganz ohne auf billige Tricks wie fette Chöre oder Orchestersamples zurückgreifen zu müssen.
Gänsehaut gibt es auch bei der Ballade “Nightingale”, die melancholisch folkig aber weitestgehend unkitschig ausfällt und von cleanen Gitarren und Mück in Bestform getragen wird. Pur oldschool heavy geistert “The Ghost Of Mansfield Park” aus den Boxen, dessen Chorus zwar melodisch einfach gehalten ist, dabei jedoch wie vorherbestimmt für den Rest des Songs anmutet.
Neben zahlreichen leicht folkloristischen Wendungen in ihren Melodien (Nein, STORMWITCH sind mitnichten Folk Metal) verleiht ihnen auch die Art ihres Storytellings etwas, was an dieser Stelle in Ermangelung eines besseren Begriffs als “bardenhaft” bezeichnet werden muss. Ist eine tolle Eigenschaft, aber vielleicht könnte man für solche Texte mal einen Muttersprachler zurate ziehen, der sie absegnet. So lassen einige Textstellen den Hörer ob ihrer Plattheit doch manchmal leicht zusammenzucken. Klar, ist normal bei deutschen Bands, ließe sich aber vermeiden. Naja, sei’s drum, ganz ohne Kritikpunkte wär‘ ich halt auch arbeitslos.

Anspieltipps:
“The Choir Of The Dead”, “Arya”, “King George”, “Nightingale” und “The Ghost Of Mansfield Park”

Fazit:
Viele Textideen sind top, über ihre Umsetzung lässt sich streiten. Darüber, dass “Bound To The Witch” in musikalischer Hinsicht einfach hervorragend gelungen ist, hingegen nicht. Verhältnismäßig einfach und traditionell lebt es von seinen auf unauffällige Weise sehr starken Kompositionen und den außergewöhnlichen Vocals – erdacht und gespielt von einer Band mit massig Erfahrung, aber, wie das Promosheet treffend beschreibt, mit der Frische eines geilen Newcomers. “Bound To The Witch” ist kein Album, das man nur einmal hört, da sich beim ersten Durchlauf doch zumindest der Eindruck ergibt, dass die Scheibe echt Potenzial hat. Und spätestens ab dem zweiten Durchlauf wird das Ding immer fetter. Es ist wie verhext.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Songs Of Steel
02. Odin’s Ravens
03. The Choir Of The Dead
04. Bound To The Witch
05. Arya
06. Stormwitch
07. Life Is Not A Dream
08. King George
09. Ancient Times
10. The Ghost Of Mansfield Park
11. Nightingale
12. Stronger Than Heaven (Bonus Track)
13. Rats In The Attic (Bonus Track)
14. Priest Of Evil (Bonus Track)

Jannis

FANTASY OPUS – The Last Dream

Band: Fantasy Opus
Album: The Last Dream
Spielzeit: 70:44 min
Stilrichtung: Power/Prog Metal
Plattenfirma: Pure Steel Publishing
Veröffentlichung: 08.06.2018
Homepage: www.facebook.com/FantasyOpusOfficial

Hmm das mir vorliegende Promosheet gibt jetzt nicht wirklich viel her über die Band FANTASY OPUS…die Jungs kommen aus Portugal und werfen mit „The Last Dream“ dieser Tage ihr zweites Album auf den Markt. Das Debütalbum „Beyond Eternity“ erschient 2008 und im Vergleich dazu sollt das neue Werk ein Quantensprung sein in Sachen Songwriting und Produktion.
Na das schauen wir uns gleich doch mal an, zuvor sei aber noch darauf hingewiesen das die Mucke der Band am Ehesten etwas für die Fans von SYMPHONY X oder ANGRA ist.
Als Opener fungiert „Ritual of Blood“ der recht zackig aber mit einer kleinen instrumentalen Einleitung loslegt. Kurz danach ertönt dann der Gesang der schön rau und kraftvoll ertönt. Garniert mit einem feinen Chorus schafft man es direkt mit diesem Midtempotrack die Fangemeinde in seinen Bann zu ziehen, sehr schön!
Beim anschließenden „Heaven Denied“ und „Chosen Ones“ geht es dann ein klein wenig kompakter zu Werke, auch wenn auch hier die 5 Minuten Marke locker übersprungen werden. Die erstgenannte Nummer landet auch ohne Umschweife auf unserer Hitliste.
Nach dem Balladenausfall „Lust“ skippen wir schnell weiter zu „Conquer the Seas“ welches schon wieder wesentlich besser aus den Boxen tönt und ordentlich in die Ohren geht. An die bisherigen Hits kommt man hier aber auch zu keiner Zeit ran.
Das ändert sich dann leider auch bei den nächsten Tracks nicht wirklich, gut das überlange, zwölfminütige „Perfect Storm“ ist ganz okay, kann aber auch nicht so glänzen wie die bisherigen Hittracks. Dafür ist es auch einfach zu verkopft und man kommt immer wieder von der ohrenfreundlichen Linie ab und verliert sich im Gefrickel!
Über das Instrumental „Oceans“ geht es dann an die letzten zwei Tracks „Realm of the Mighty Gods“ und „King of the Dead“, auch hier ist nicht alles Gold was glänzt, aber es ist auf jeden Fall besser als der gesamte Mittelteil der doch ziemlich an einen vorbeigerauscht ist.

Anspieltipps:

Mit “Ritual of Blood”, “Heaven Denied” sowie “Realm of the Mighty Gods” solltet ihr hier direkt warm werden.

Fazit :

Hui, hui die Jungs von FANTASY OPUS machen es einen mit ihrem neuen Silberling echt nicht leicht! Die Songs an sich sind gut geschrieben, aber es krankt irgendwie komplett an der Umsetzung. Sonst ist es nicht zu erklären das die guten Ansätzen in den Songs schnell immer mit ewigen Gefrickel und instrumentalen Parts zunichte gemacht werden. So bleiben leider nicht viele Hits hängen und insgesamt ist das Ganze leider nur guter Durchschnitt!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Ritual of Blood
02. Heaven Denied
03. Chosen Ones
04. Lust
05. Conquer the Seas
06. Black Angels
07. Every Scar tells a Story
08. Perfect Storm
09. Oceans
10. Realm of the Mighty Gods
11. King of the Dead

Julian

FOLLOW THE CIPHER – Follow the Cipher

Band: Follow the Cipher
Album: Follow the Cipher
Spielzeit: 45:20 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast Records
Veröffentlichung: 11.05.2018
Homepage: www.followthecipher.com

Falun, die Stadt im Herzen Schwedens ist bekannt als Geburtsbecken mancher Metalbands. Acts wie SABATON, CIVIL WAR oder BILLION DOLLAR BABIES erblickten hier das Licht der Welt und nun ist es Zeit für etwas Neues aus dieser Metalstadt! Die female fronted Power Metal Band FOLLOW THE CIPHER macht sich auf mit ihrem extrem keyboardlastigen Power Metal die Welt zu erobern!
Sehr überraschend findet sich, trotz der großen Keyanteile, kein fester Keyboarder in der Band. Kopf und Gründer der Truppe ist der Gitarrist Ken Kängström der, wen wundert es, schon mit den Jungs von SABATON zusammengearbeitet hat und mit ihnen die Epic Hymne „Carolus Rex“ geschrieben hat. Selbiger findet sich auch auf dem Debütalbum „Follow the Cipher“ als eigene Version.
Kommen wir zurück zum Personal, denn hier haben wir noch als besonders hervorstechend die Sängerin Linda Toni Grahn die ein extrem variables Organ besitzt und alleine durch ihre pinken, roten Haare auffällt!
Die Band konnte sich direkt einen Plattenvertrag bei Nuclear Blast ergattern und das mit ihrem zweiten! gemeinsamen Auftritt auf dem Sabaton Open Air 2017. Das sagt denke ich viel über die Qualität der Truppe aus.
Genug der Vorreden, lassen wir mal die Musik sprechen und beginnen mit dem Opener „Enter the Cipher“. Dieser legt mystisch und mit einer kleinen Einleitung los bevor einen die volle Bombastwucht mit ordentlicher Keyboarduntermalung trifft. Fronterin Linda hat ordentlich Wumms in der Stimme und ist weit vom üblichen Operngeträller entfernt. Was gut so ist! Sie erhält immer wieder Unterstützung von einer männlichen Gesangsstimme.
Der Song an sich geht als Opener schon in Ordnung und als Anheizer ist er bestens geeignet.
Aus einem ganz anderen Holz ist dann das anschließende „Valkyria“ geschnitzt welcher direkt mächtig los geht und ins Ohr schießt. Hier gibt es dann auch die ersten wirklichen SABATON Parallelen, ein Song der live tierisch in die Nackenmuskeln gehen dürfte. Genial!
Danach gibt es mit „My Soldier“ und „Titan`s Call“ etwas Standardkost zu verkraften, welche zwar ganz in Ordnung ist, aber keine Bäume ausreißt. Dazwischen geht es mit „Winterfall“ aber wieder wesentlich hitgewaltiger zu.
Und apropos hitgewaltiger, das ist dann auch bei „The Rising“ definitiv der Fall, hier fährt man wieder ganz dick auf und greift ganz oben ins Qualitätsregal!
Im letzten Drittel der Scheibe geben sich dann die, ordentlichen, Standardtracks und die nächsten Hitperlen in Form von „Starlight“, welches mit vielen schwedischen Gastsängern unter anderen Nils Patrik Johansson, Joakim Broden oder Jonny Lindkvist aufwarten kann, und dem schon angesprochenen „Carolus Rex“ Cover die Klinke in die Hand.

Anspieltipps:

Auf jeden Fall sind hier “Valkyria”, “Winterfall”, “The Rising”, “Starlight” und “Carolus Rex” zu nennen.

Fazit :

Mächtig beworben wurde es ja, das Debütalbum von FOLLOW THE CIPHER! Und die Band trifft mit ihrem Bombastmetal absolut der Zahn der Zeit und wird mit Sicherheit einige Fans in ihren Bann ziehen!
Noch ist hier nicht alles Gold was glänzt, dafür befinden sich noch ein paar Standardtracks zu viel auf dem Silberling.
Aber die Hits zeigen zu was die Band in der Lage ist und somit reicht es für eine starke Benotung beim Debüt.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Enter the Cipher
02. Valkyria
03. My Soldier
04. Winterfall
05. Titan`s Call
06. The Rising
07. A Mind`s Escape
08. Play with Fire
09. I Revive
10. Starlight
11. Carolus Rex

Julian

MILLENIAL REIGN – The Great Divide

Band: Millenial Reign
Album: The Great Divide
Spielzeit:48:30 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Ulterium Records
Veröffentlichung: 25.05.18
Homepage: www.millenialreign.com

Sind wir mal ehrlich: Ein bisschen Romantiker sind wir doch alle. Wir hören Power Metal, der voll wunderschönen Melodien und ausufernder Kadenzen mindestens alle acht Takte ist, der von einsamen Kämpfern erzählt, die to the Stars reisen, um dort ihr Destiny zu meeten (frei nach Dragonforce) und wir glauben insgeheim an die wunderbare Wirkung dieser Musik. Was könnte dementsprechend geiler sein als ein Album namens “The Great Divide”, das noch dazu mit einem dermaßen unendlich gelungenen Cover daherkommt? Soweit haben MILLENIAL REIGN mit ihrem zweiten Album schonmal alles richtig gemacht.
Der zweite Longplayer der Amis bietet über mehr als eine Dreiviertelstunde sauber und kraftvoll produzierten US Power Metal, den die Jungs um das einzig verbliebene Gründungsmitglied Dave Harvey an der Gitarre demnächst unter anderem im Vorprogramm von HAMMERFALL präsentieren dürfen.
Klingt soweit erst einmal nicht schlecht und kann sich durchaus hören lassen. Das Intro ist orchestral düster gehalten, offenbart die hohe Qualität der Synthesizer auf “The Great Divide” und fällt trotz seines obligatorischen Charakters nicht 08/15 aus. Auch die folgenden drei bis vier Songs wissen absolut zu überzeugen. MILLENIAL REIGN legen viel Wert auf ausgeprägte Melodiösität, mit hymnischen Refrains, netten Keyboardsounds, einer Prise QUEENSRYCHE und etwas THEOCRACY. Das funktioniert sehr gut und bedient den Hörer über das komplette Album hinweg mit starkem Power Metal auf durchgängig stabilem Niveau, vorgetragen von einer kompetenten Instrumentalfraktion und einem überzeugenden Sänger (Travis Wills), der nur in höheren Sphären ein wenig stimmliches Volumen vermissen lässt.
Der Punkt ist: So viel mehr lässt sich über die einzelnen Songs nicht sagen. Das Konzept ist, abgesehen von ein, zwei balladiger ausfallenden Tracks, immer identisch. Starke Bandleistung und starke Produktion treffen auf eine Kompositionsarbeit, die, mal auf Mid-, mal auf Uptempo viele epische Melodien hervorbringen konnte, dabei aber zu wenig Erinnerungswert bietet, als dass man die einzelnen Songs auf “The Great Divide” nach ein paar Hördurchgängen wirklich auseinanderhalten könnte. Dazu kommen die Orchestral/Streicherkeyboards. Klar, sowas macht jeden Song fetter, aber wenn man die immer gleichen Sounds bei ausnahmslos jedem Song (zugegebenermaßen gut arrangiert) im Hintergrund herumdudeln lässt, stellen sich nach ein paar Songs Ermüdungserscheinungen ein.
Somit ist “The Great Divide” eher kein Album zum mehrfachen konzentriert durchhören. Im Hintergrund, auf dem Festivalcampingplatz oder nebenbei im Auto entfaltet die Scheibe durchaus ihre Wirkung. Um tatsächlich langfristig Eindruck zu machen, konzentriert sie sich aber zu sehr auf ein tolles Drumherum und legt etwas zu wenig Wert darauf, den Melodien, die MILLENIAL REIGN hörbar wichtig sind, ein angemessenes Maß an Individualität zu verpassen. Kein Grund, nicht einmal in das Album reinzuhören. Vom Blindkauf sollte hier allerdings abgeraten werden.

Anspieltipps:
“More Than Scars”, “Imagine”, “The Day The Sun Stood Still” und “The Great Divide”

Fazit:
Das Gesamtpaket stimmt bei “The Great Divide” und natürlich finden sich auf dem Ding nicht wenige starke Parts. Ob die Platte imstande ist, den grässlichen Riss, der durch unsere Welt geht, zu fixen, ist fraglich. Abraten sollte man Fans des fett klingenden US Power Metals von diesem Album nicht. Aber für eine uneingeschränkte Kaufempfehlung ist es in seiner durchgängigen episch-ballernden Dramatik doch zu redundant.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Genesis
02. Break The Tide
03. More Than Scars
04. Imagine
05. Till The End
06. In Your Silence
07. The Day The Sun Stood Still
08. Behind The Time
09. Wounds in Hand
10. The Great Divide

Jannis

MICHAEL SCHINKEL’S ETERNAL FLAME – Smoke On The Mountain

Band: Michael Schinkel’s Eternal Flame
Album: Smoke On The Mountain
Spielzeit: 53:14 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Rock Of Angels Records
Veröffentlichung: 18.05.2018
Homepage: www.eternal-flame.de

Der Himmel ist bedeckt von massiven, rötlich ausgeleuchteten Wolken, aufgewühlt vom tosenden Wind. Keine Sekunde, zu der er nicht von Blitzen überzogen ist. Auf der Spitze eines gigantischen Berges inmitten des apokalyptischen Naturschauspiels steht MICHAEL SCHINKEL. Seine Haare können nicht wirklich im Wind wehen, aber das ändert nichts an seiner beeindruckenden Gesamterscheinung. Dann: Drei übertrieben gigantische Adler durchbrechen die Wolkendecke und kreisen über Michael. Der erste trägt eine Gitarre, die er zielstrebig über der Bergspitze fallen lässt. Michael fängt sie, ebenso wie das Micro, das der zweite Adler bringt. Der dritte schließlich wirft eine Sonnenbrille ab, die Michael beiläufig aus der Luft fängt und aufsetzt. Die Show beginnt, es ist Zeit für “Smoke On The Mountain”, das dritte Album von MICHAEL SCHINKEL’S ETERNAL FLAME – und es ist in seiner Gesamtheit ähnlich cool, wie die oben geschilderte Szene, die, so sagen verlässliche Quellen, die Vorbereitungen für die Aufnahme des Albums akurat beschreibt.
Kurz die äußeren Umstände abhaken: Die Musiker, die Schinkel für seinen ersten Release seit über 15 (!) Jahren um sich geschart hat, lassen keinerlei Kritik zu, ebenso wie der gute Mann selbst, der sowohl an der Gitarre als auch am Mic einen hervorragenden Job macht. Lediglich dem Sound hätte man noch eine winzige letzte Druckkur verpassen können. Und Göran Edman, der auf “Got A Rock & Roll Fever” die Vocals kompetent übernimmt, klirrt ein wenig. Aber sei’s drum. Die Scheibe klingt klar, definiert, die Keys sind alles andere als preiswert.
Musikalisch ist “Smoke On The Mountain” nicht nur vielseitig, sondern einfach grandios konzipiert. Wie eine metallische Überraschungstüte liefert das Album jedem, der im melodischen Hard Rock und Metal der 80er und 90er zuhause ist (insbesondere bei MALMSTEEN und RAINBOW), viele kleine bunte Wunder. Dabei ist der fixe Titeltrack mit seinen netten neoklassischen Einlagen noch einer der schwächeren Songs. Vom ruhigen 80er-Hard-Rock-Track “This Is My Life” mit kitschigem Einstieg, RAMMSTEIN-Engel-Synthmelodie und fantastischem Chorus geht’s über den kraftvollen Rocker “Queen Of The Hill” mit E-Orgel weiter zur schmalzigen, obgleich gekonnt geschriebenen Halbballade “You Can Save Me”, die emotionales Feuerzeuggeschwenke erfordert. Danach mit “Whatcha Gonna Do” ein kräftig knallender Hard-Rock-Track mit coolen Keyboards und feiner Rock’n’Roll-Attitüde, bevor es mit “Out In The Dark” radiokompatibel, aber nicht minder feierbar wird.
Ich glaube, der Spirit kommt rüber: Dieses Album ist vielseitig im besten Sinne und setzt dazu noch jede seiner verschiedenen stilistischen Facetten wunderbar liebevoll um. Klar, Klischees werden nicht ausgelassen. Wer Ausschlag von Arpeggio-Synthesizern bekommt oder generell nicht zwischendurch mal neben Leder und Nieten den Ansatz von Spandex in seiner Musik verkraftet, der hat aber immer noch die Option “Smoke On The Mountain” etwas weniger ernst zu nehmen, als es gemeint ist. Der kann dann bei “You Can Save Me” dezent den nächsten Song anmachen und die Ansprache am Anfang von “This Is My Life” als ironisch übertrieben werten. Aber eine Chance sollte er Michael und seiner Crew mal geben – Denn die Platte ist weit, weit mehr, als ein Berg, Rauch und ein paar Adler.

Anspieltipps:
“This Is My Life”, “Whatcha Gonna Do”, “Out In The Dark”, “Queen Of The Hill” und “Take Me There For A Night”

Fazit:
Ich fühle mich inzwischen echt schlecht, weil ich in letzter Zeit gefühlt zu 90 Prozent nur lobende Rezensionen verteile. Schieben wir es einfach darauf, dass 2018 das Jahr der geilen Metal-Releases ist. Und ETERNAL FLAME sind zweifelsohne ganz oben mit dabei!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Ignition
02. Smoke On The Mountain
03. This Is My Life
04. Queen Of The Hill
05. You Can Save Me
06. Whatcha Gonna Do
07. I Believe In This Miracle
08. Got A Rock & Roll Fever
09. Out In The Dark
10. Dreaming
11. Take Me There For A Night
12. Tease My Love
13. Close To The End

Jannis

KARDINAL SIN – Victorious

Band: Kardinal Sin
Album: Victorious
Spielzeit: 56:14 min.
Stilrichtung: Melodic Power Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 27.04.2018
Homepage: www.kardinalsin.se

KARDINAL SIN – kennt man irgendwoher, oder? Korrekt, ist ein Song von POWERWOLF, aber seit 2014 auch eine Band aus Schweden, die man zuvor als Accept-Coverband und als ROUGH DIAMOND gekannt haben könnte. Jetzt steht das Debutalbum der Jungs in den Startlöchern, das den uninspiriert-generischen Namen “Victorious” trägt und sich hinter einem nicht so richtig interessanten Coverartwork versteckt. Vergessen und vergeben, wenn man die Scheibe in den Player packt und “Patria (Fatherland)” ohne Vorwarnung leider etwas dumpf, aber kraftvoll und fettestens produziert vor einem steht und “Feier mich!” ins Gesicht schreit. Und viel anderes bleibt dem Fan saftig (hat an sich an besagte Dumpfheit einmal gewöhnt) produzierten modernen Melodic Power Metals auch nicht übrig. Der Refrain setzt sich ab dem ersten Hördurchlauf unbarmherzig fest, das Ding an sich klingt nach einer Mischung aus Finnen- und SABATON-Metal, am Ende gibt’s ’ne Modulation, die Power-Metal-Bedürfnisse sind absolut befriedigt.
Das schafft auch das etwas straightere “Walls Of Stone”, das das Niveau des Openers allerdings nicht komplett zu halten vermag, bevor mit “Mastermind” erneut vorbildliche Kompositionsarbeit geleistet wird, mit einer starken Strophe und dem nächsten Ohrwurmrefrain, dessen Anfang dem ohnehin leicht HELLOWEENigen Song die angemessene Portion “I Want Out” verleiht. “Victorious” gewinnt zwei Preise. Erstens den für den standardsten Power-Metal-Song-Namen, zweitens den für das wohl geilste Stück auf “Victorious”. Kurz und knapp: Der Refrain ist für die Götter, die Strophe treibend, die Synths sitzen, der Prechorus ist angemessen dramatisch und wenn das Lied live nicht geil käme, dann täte es wohl gar kein Lied. Und ein cheesiges kurzes Synth-Solo gibt es auch. Wem einfällt, woher die Melodie nochmal ist, der schreibe es bitte in die Kommentarspalte.
Genug des Hypens, weiter geht es mit “Bonaparte”, das letztendlich die 2010er-Jahre-Melodic-Power-Metal-Version von KAMELOTS “Lost And Damned” ist. Der Refrain ist keiner der stärksten auf dem Album, erinnert an POWERWOLF (wie überhaupt so einiges auf “Victorious”, aber das ließ sich anhand des Bandnamens auch irgendwo vermuten), ist aber trotzdem nicht von von schlechten Eltern, und der Mittelteil ist auch fein. Episch fett wird es bei “S.I.N”, der Bandhymne, wenn man so will. Abermals WOLFig geht es anschließend mit “Revenge Of The Fallen” weiter, STRATOVARIsch danach mit “Secret Of The Pantomime” (Ehrlich, schon der Songtitel klingt explizit nach den Finnen).
Während die Frauenquote momentan heiß diskutiert wird, muss die “Raven Quote” keinesfalls diskutiert werden. Die wird auf “Victorious” ohne Zweifel gebraucht, ist recht synthy und gerade im Refrain klassischster Power Metal auf hohem Niveau! “Attack” schlussendlich übernimmt in Teilen das Leitmotiv von Bachs Bouree in e-moll, ärgert jeden, der das Originalwerk kennt, damit, dass es die Melodie anders weiterführt, als man erwartet und ist aber abgesehen davon auch stark. Und die Bonussongs? Nun, während man sich “For The Heroes”, eine eher kitschig-pathetische Klavier-Streicher-Chor-Ballade über Kriegsheldentum, absolut hätte sparen können, ist die Metal-Version von Disneys “Bells Of Notre Dame” in ihrer powermetallisch-orchestral-musicalesken Art eigentlich das beste, was man aus dem Original hätte machen können. Der Kauf der Limited Edition lohnt. Der des Albums im allgemeinen sowieso.

Anspieltipps:
“Victorious”, “Victorious” und “Victorious”. Zudem “Patria (Fatherland)”, “Mastermind” und “Raven Quote”

Fazit:
Klar, “Victorious” ist schon ein wenig glattgelutscht. Das passt jedoch optimal zum Stil des Albums. Fans der großen und kleineren BummZapp-Power-Metal-Bands, die fetteste Produktionen mit ordentlich Synth-Einsatz auffahren (Wir wissen alle, wer gemeint ist), können bedenkenlos zugreifen. Denn während so manche der großen Bands in diesem Business doch ein wenig stagniert und im Zweijahresrhythmus das gleiche (geile) Album, bestehend aus zehn bis zwölf gleich klingenden (geilen) Songs an die Spitze der Albumcharts schmeißt, klingen KARDINAL SIN einfach frisch, unverbraucht und individuell. “Victorious” ist abwechslungsreich, strotzt vor guten Melodien und Arrangements und macht, seien wir ehrlich, schwerstens Laune. Hoffen wir, dass die Jungs das Niveau dieses großartigen Debutalbums in Zukunft halten können, ohne die Platte mit den Nachfolgern nur noch gut zu kopieren.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Patria (Fatherland)
02. Walls Of Stone
03. Mastermind
04. Victorious
05. Bonaparte
06. S.I.N
07. Revenge Of The Fallen
08. Secrets Of The Pantomime
09. Raven Quote
10. Attack
11. Bells Of Notre Dame (Revisited)
12. For The Heroes

Jannis

CIRCLE OF SILENCE – The Crimson Throne

Band: Circle of Silence
Album: The Crimson Throne
Spielzeit: 42:40 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 27.04.2018
Homepage: www.facebook.com/circleofsilence

Na da haben sich ja die Power Metaller von CIRCLE OF SILENCE ja ordentlich Zeit gelassen mit ihrem neuen, dritten Output „The Crimson Throne“! Ganze 5 Jahre nach dem letzten Album „The Rise of Resistance“, welches mich im Vergleich zum Debütalbum nicht ganz so begeistern konnte, kehrt man nun zurück um sich wieder dem kompromisslosen, mit einer Thrashnote gewürzten, Power Metal zu zuwenden.
Dabei bleibt man dem bisherigen Stil treu und bietet anscheinend dem geneigten Hörer nicht viel Neues…na das muss ja auch nicht unbedingt etwas Schlechtes sein, oder?
Horchen wir mal in den Opener „Conquer the Throne“ rein, dieser bildet nur ein toll passendes Intro für den Rest der Scheibe, so dass wir schnell weitergehen und dann mit „Race to the Sky“ den ersten richtigen Track vor der Nase haben.
Und dieser ist gleich bestens gelungen muss ich sagen! Eine tolle Mischung aus Härte und Melodic erwartet uns hier, garniert wird das Ganze mit einem Ohrwurm Chorus der sich direkt in die Gehörgänge kleistert. Sehr schön!
Beim anschließenden „Destroyers of the Earth“ wird das Geschwindigkeitspedal mal ganz tief durchgedrückt und man kann hier wunderbar die Matte kreisen lassen und im Refrain wieder wunderbar mitmachen. Ebenfalls eine starke ordentliche Nummer.
Die epische Fraktion wird direkt mit den nächsten Songs „The Chosen One“, „Lionheart“ und dem Titeltrack „The Crimson Throne“ mächtig auf ihre Kosten kommen! Wobei episch nicht gleich langsam heißt, bei CIRCLE OF SILENCE wird immer ordentlich das Gaspedal durchgetreten.
Im letzten Drittel lässt dann die Qualität der Songs ein wenig nach und man kann nicht mehr ganz an die bisherigen starken Tracks anknüpfen, „A Kingdom Divine“ und „Endgame“ sind aber auch bestens gelungen und können zu 100 % empfohlen werden.

Anspieltipps:

Direkt zu empfehlen sind „Race to the Sky“, „Destroyers of the Earth“, „Lionheart”, “The Crimson Throne” und “Endgame”

Fazit :

Die 5 Jahre Entstehung merkt man dem neuen Album der Jungs von CIRCLE OF SILENCE auf jeden Fall an! Es wirkt um einiges runder als noch auf dem Vorgängeralbum „The Rise of Resistance“ und das wird auch mit einer etwas höheren Note belohnt!
Ich denke alte wie neue Fans werden definitiv Gefallen an dem neuen Output der Jungs haben und in Sachen deutschen Power Metal muss man auf jeden Fall weiter mit der Band rechnen!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Conquer the Throne
02. Race to the Sky
03. Destroyers of the Earth
04. The Chosen One
05. Lionheart
06. The Crimson Throne
07. Into the Fire
08. A Kingdom Divine
09. Endgame
10. Possessed bf Fire
11. Wild Eyes

Julian

EMERALD SUN – Under The Curse Of Silence

Band: Emerald Sun
Album: Under The Curse Of Silence
Spielzeit: 58:17 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Fastball Music
Veröffentlichung: 13.04.2018
Homepage: http://www.emeraldsun.gr

Machen wir uns nichts vor: Die ganze auf Hochglanz polierte Power-Metal-Partymukke, die heutzutage von SABATON, POWERWOLF und Konsorten veröffentlicht wird und mit Wänden von Keyboards und stampfenden Disco-Beats daherkommt, macht ja schon echt Spaß. Ab und zu darf es jedoch ruhig auch mal eine Prise altmodischer, bodenständiger sein – und für diese Momente gibt es unter anderem EMERALD SUN. Deren neustes Album „Under The Curse Of Silence“ ist im Prinzip Hamburger Power Metal der Neunziger aus Griechenland mit leichten italienischen Einflüssen (auch wenn andere Rezensionen den Stil der Band eher mit Skandinavien in Verbindung bringen).
Die Produktion des truerweise am Freitag dem 13ten releasten fünften Streiches der Herren aus Thessaloniki übernahm RAGE-Gitarrist Marcos Rodriguez, und der mag für die Musik von EMERALD SUN den perfekten Sound gefunden haben, klingt es doch beinahe danach, als habe man die neuste Scheibe vor 25 Jahren herausgebracht und nun noch einmal sehr gut remastert.
Des weiteren klingt das Ding stark nach GAMMA RAY. Nicht unbedingt, weil man Melodielinien abgekupfert hätte – eher, weil einerseits Sänger Stelios Tsakirides (der einen hervorragenden Job macht) stark an Goldkehlchen KAI HANSEN erinnert und andererseits die Art der Melodieführungen, die Gestaltung der Backing Vocals und die rockig-unbeschwerte Grundstimmung mit einer hörbaren Portion guter Laune oft sehr RAYige Züge haben. Ist das schlecht? Nein, im Gegenteil, denn EMERALD SUN sind alles andere als eine schlechte Kopie. Sie machen schlicht und ergreifend gut gelaunten, sympathischen Power Metal im Sinne der Hanseaten.
Gelungener Einstieg ist „Kill Or Be Killed“ mit seinem Prototyp-Power-Metal-Refrain, nicht minder gelungene Weiterführung das anschließende „All As One“ (Hört hier jemand „One With The World“ raus?), dessen Backing Vocals wie die Faust aufs Auge passen.
„Blast“ ist bangbar im besten Sinne, hat den einzig wahren PEAVY WAGNER am Start (den man auch an der ein oder anderen Stelle auch noch im Hintergrund findet) und MUSS natürlich im Chorus ein paar Explosionssounds während des Wortes „Blast“ auffahren. Alles andere wäre auch beschämend. Apropos: Das einzig Beschämende und Schwache an „Weakness And Shame“ ist das uninspirierte Ausfaden am Ende. Der Rest ist Party vom Feinsten. Mit „Journey Of Life“ gibt’s die obligatorische Ballade, die episch ausfällt und zum Schwenken von Feuerzeugen einlädt (und die nochmal als Bonussong vertreten ist. Auf spanisch natürlich, wie sich das für Griechen gehört.).
Stark geht es auch weiter. „Rebel Soul“ knattert auf Uptempo daher, „Land Of Light“ MANOWARt hörbar und „Slaves To Addiction“ ist ein weiterer Top-Song auf „Under The Curse Of Silence“, dessen Chorus dem Ganzen die Krone aufsetzt.
Keine Disco, keine Synth-Overdose, das ist Power Metal in Reinform, wie man ihn in letzter Zeit vielleicht ein wenig zu selten hört.

Anspieltipps:
„Slaves To Addiction“, „All As One“, „Kill Or Be Killed“ und „Fame“

Fazit:
Mitte April ist wirklich ein guter Zeitpunkt für den Release von „Under The Curse Of Silence“, denn das Ding ist nicht nur erfrischender hochwertiger Power Metal, es ist auch ein Top-Sommer-Metal-Album. Anlage einpacken, raus auf den Campingplatz oder in den Park, Grill warm, Bier kalt, EMERALD SUN laut, Laune gut. So einfach ist das.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Kill Or Be Killed
02. All As One
03. Carry On
04. Blast
05. Weakness And Shame
06. Journey Of Life
07. Rebel Soul
08. Land Of Light
09. Slaves To Addiction
10. Fame
11. World On Fire
12. La Fuerza Del Ser (Bonus Song)

Jannis

JUDICATOR – The Last Emperor

Band: Judicator
Album: The Last Emperor
Spielzeit: 54:36 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 30.03.2018
Homepage: www.judicatormetal.bandcamp.com

JUDICATOR, eine amerikanische Power Metalband die ich seit ihrem Album „Sleepy Plessow“ echt auf dem Zettel habe! Die beiden Masterminds Tony Cordisco und John Yelland schaffen es mit wenig Kohle und komplett aus eigener Tasche sehr ordentliche Power Metalalben zu produzieren, die mächtig nach deren großen Vorbildern BLIND GUARIAN tönen.
Da trifft es sich für die beiden doch sehr gut, und vermutlich ist auch ein großer Traum in Erfüllung gegangen, dass auf ihrem neusten Konzeptalbum „The Last Emperor“ ein gewisser Hansi Kürsch als Gastsänger zu hören ist!
Das Konzept bzw. die Geschichte auf dem neuen Album beschäftigt sich mit dem ersten Kreuzzug.
Als Opener fungiert direkt das Titelstück „The Last Emperor“ der schon mal ordentlich loslegt und einen schönen mehrstimmigen BLIND GUARDIAN Gedächtnischorus parat hält. Zum Anfang mag man sich noch in einem Midtemposong fühlen, aber relativ schnell nimmt das Doublebass Drumming Überhand und es geht dann knallhart zur Sache! Ein toller Einstieg!
Kompakter und eine Spur eingängiger geht es dann beim folgenden „Take up your Cross“ zur Sache. Hier ist man schön melodisch unterwegs und nimmt etwas den Fuß vom Gas was der Band auch sehr gut zu Gesicht steht.
Den Fuß vom Gas nimmt man dann beim anschließenden „Raining Gold“ definitiv nicht, sondern drückt es bis zum Bodenblech durch und ballert uns hier einen Song vor den Latz bei dem die Nackenmuskeln ganz schön leiden müssen!
Fast in der Mitte des Albums kommt dann das auf das viele vermutlich sehnlichst gewartet haben, der Gastauftritt von Hansi Kürsch. Und, man mag es sich schon denken, der gute Hansi veredelt einen tollen Song nur noch mehr und macht das Ganze wahrlich zu einem BLIND GUARDIAN Export, so das hier jeder Melodic Power Metalfan zufrieden sein sollte.
Das letzte Drittel wird dann stark und sehr kraftvoll, nach einem verhaltenen Beginn, von „Antioch“ eingeleitet bevor es mit „Nothing but Blood“ kraftvoll weitergeht und ein starkes, neues JUDICATOR Album mit dem epischen „It falls to Jerusalem“ und dem abschließenden melodischen „King of Rome“ sein Ende findet.

Anspieltipps:

Hier sollten euch am Ehesten „Take up your Cross“, „Spiritual Treason“, „Antioch“, „It falls to Jerusalem“ sowie “King of Rome” Freude machen.

Fazit :

Erneut kann ich mich nur wundern was die Jungs von JUDICATOR in Eigenregie so auf die Beine stellen! Ein tolles neues Album mit einer interessanten Konzeptgeschichte hat man hier im Gepäck, mit Hansi Kürsch hat man einen starken Gastbeitrag und auch der Großteil der Songs ist absolut nicht von schlechten Eltern!
Das Album kann noch dazu, relativ preisgünstig über die angegebene Bandcamp Seite bezogen werden, da sollten interessierte Fans nicht lange warten.
Definitiv die bis dato beste Scheibe der Amerikaner von JUDICATOR!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Last Emperor
02. Take up your Cross
03. Raining Gold
04. The Queen of all Cities
05. Spiritual Treason (ft. Hansi Kürsch)
06. Antioch
07. Nothing but Blood
08. It falls to Jerusalem
09. King of Rome

Julian

TOMORROW’S OUTLOOK – A Voice Unheard

Band: Tomorrow’s Outlook
Album: A Voice Unheard
Spielzeit: 71:50 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Battlegod Productions
Veröffentlichung: 06.04.2018
Homepage: www.facebook.com/tomorrowsoutlook

Die Norweger sind wieder da! Dieses Mal ohne Corpsepaint, stattdessen mit starkem melodischen Heavy Metal und über 70 Minuten Material. Das ist durchaus eine Ansage. TOMORROW’S OUTLOOK gibt es nun seit etwas über zehn Jahren und mit “A Voice Unheard” steht ihr zweites Album in den Startlöchern. Die Vocals teilen sich Tony Johannessen von THUNDERBOLT und Ralf Scheepers (GAMMA RAY, PRIMAL FEAR), dementsprechend muss über die großartige Gesangsleistung kein weiteres Wort verloren werden. Auch die Arbeit der Instrumentalfraktion liefert keinen Grund zum Meckern, werfen wir also direkt einen Blick auf die Musik.
“A Voice Unheard” klingt klassisch, viele Parts erinnern stilistisch an MAIDEN, wirken jedoch nicht abgekupfert sondern eher “inspiriert” von ihnen. Kein Grund zur Kritik also. Die Instrumentierung ist relativ basic, Keyboards sucht man größtenteils vergeblich, wenn man sie denn sucht. Die Produktion geht absolut klar. Die einzelnen Songs übrigens auch.
Schon der erste Track “Within The World Of Dreams” macht ab der ersten Sekunde Bock auf mehr. Eingeleitet von ruhigen cleanen Gitarren entwickelt sich das Ding zu einem treibenden Uptemposong, der in den Strophen interessanterweise sehr doomig klingt, während der Refrain im fröhlichen MAIDEN-Gewand daherkommt.
Ein starker Chorus auch bei “Descent” und im Titeltrack des Albums – Refrains mit Wiedererkennungswert können die Herren. Bei “Fly Away” gibt es dann bangbaren Midtempo-Power-Metal, ebenfalls auf hohem Niveau und “One Final Prayer” feiert mit abermals sehr schöner Melodieführung im Uptempomodus umher.
Was darf nicht fehlen? Korrekt, eine Ballade. “The Enemy” macht als Ballade alles richtig, startet mit cleanen Gitarren hinter Ralf, dem man eine sehr schöne Melodielinie gegönnt hat, die er problemlos perfekt umsetzt. Und dann entwickelt sich das gute Stück über knapp sechs Minuten hin zu einem sehr fetten Stück Metal. Nicht übel!
Kritikpunkte? Nö, keine relevanten. Naja, die üblichen halt. Zwei oder drei der Songs auf “One Final Prayer” zünden nicht ganz so gut wie die anderen, einige Part fallen unspektakulärer aus als andere, aber niemand ist perfekt. Für den klassischen Heavy Metal sind TOMORROW’S OUTLOOK jedenfalls eine Bereicherung. Das ganze Album klingt natürlich, authentisch und vor allem verdammt erfrischend, mit smarten Arrangements, tollen Melodieideen und einer Band, die ihr Handwerk souverän beherrscht. Das dann noch abgerundet mit zwei großartigen Sängern – Hut ab, meine Freunde!

Anspieltipps:
“Within The World Of Dreams”, “A Voice Unheard”, “One Final Prayer” und “The Enemy”

Fazit:
Ist eigentlich alles gesagt, oder? Sehr gutes Album, reinhören, dann kaufen. Viel Spaß!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Within The World Of Dreams
02. Descent
03. Through Shuttered Eyes
04. A Voice Unheard
05. Outlaw
06. Times Of War
07. The Enemy
08. One Final Prayer
09. Fly Away
10. Nothing Shall Remain
11. Darkside Of Aquarius (Bruce Dickinson Cover)
12. Slave To The Evil (Aria Cover)

Jannis