WARKINGS – Revolution

Band: Warkings
Album: Revolution
Spielzeit: 42:48 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Napalm Records
Veröffentlichung: 20.08.2021
Homepage: www.facebook.com/warkingsmetal

“Vier mächtige Könige – ein römischer Tribun, ein wilder Wikinger, ein edler Kreuzritter und ein kriegerischer Spartiat – versammelten sich in den goldenen Hallen von Valhalla, entkamen aus den Reichen der Finsternis und kämpften gegen die Monarchen der Dunkelheit. Zurück auf der Erde schmiedeten die Könige neue Schlachthymnen und sind bereit, ihre Krieger zur Revolution zu versammeln!” – Das bedeutet auf Nicht-Promotext-deutsch soviel wie “WARKINGS haben ein neues Album releast”. Seit 2018 und zwei (mit “Revolution” drei) Alben gibt es die Power-Metaller um SERENITYs Georg Neuhauser und ihr Aufstieg ist beachtlich. Von null auf 13 der deutschen Albumcharts in drei Alben ist eine steile Karriere und lässt erahnen, was für Musik her gespielt wird: Power Metal der fettest produzierten Sorte, der eingängig-hymnisch ausfällt, ohne an Härte missen zu lassen. So etwas zwischen POWERWOLF und HAMMERFALL, und das beschreibt “Revolution” ziemlich gut. Klangtechnisch ist das Ding ein Brecher und prügelt auch den taubsten Nachbarn spätestens dann aus dem Bett, wenn die dicken Shouts und kleinen unklaren Gesangsparts einsetzen. Die kommen einfach verdammt gut und es war eine hervorragende Idee, bei “Spartacus” dafür noch Chris Harms von LORD OF THE LOST zu organisieren, mit dessen Hilfe man einen heftigen Power-Metal-Hit mit echt schön geschriebenem Chorus auf die Beine gestellt hat.
Gespielt und gesungen ist die Platte durchweg makellos, handwerklich einwandfrei. Songwritingtechnisch bewegt man sich in souveränen Sphären, ein bisschen Luft nach oben bleibt aber. Dass man sich entschieden hat, in “Fight” “Bella Ciao” zu verwursten (ja, es ist ein Protestlied, aber es hat halt auch die Konnotation ein bisschen verloren), ist Geschmackssache, dass der Chorus von “Deus Lo Vult” so geil ist, wie er ist, ändert nichts daran, dass es ihn praktisch genau so schon gibt (aus welchem anderen Song auch immer ich ihn kenne, helft mir gerne in den Kommentaren). Scheint einer der Fälle zu sein, wo eine geile Melodie komponiert wird, bevor man Monate später merkt, dass man da etwas verarbeitet hat, was von einem anderen Song noch im Unterbewusstsein herumspukte. Passiert auch den Besten.
Ansonsten sind die Tracks durchweg gute Power-Metal-Songs, die mal mehr, aber auch gerne mal etwas weniger kreativ ausfallen, aber wenn wir jetzt die Hornbrille von der Nasenspitze mal wieder nach oben schieben und den Earl Grey durch ein Pils ersetzen, muss man doch klar sagen: Was stört ein bisschen mehr Durchschnitt bei der Melodiearbeit, wenn der fette Sound, die kraftvollen Arrangements und insgesamt einfach die pure Force, die jedem Ton des Albums innewohnt, so gut davon ablenken? Muss es immer ein Arthaus-Film sein, wenn man auch “Godzilla vs. Kong” schauen kann, der etwas weniger Substanz aber in seiner Aufmachung überwältigende Geilheit bietet? Nö. “Revolution” ist professioneller und klassischer Brecheisen-Power-Metal, eher Michael Bay als Adorno, und erwartungsgemäß absolut effektiv, wenn man durchgängig eigenständige Melodien denn nicht zur Grundvoraussetzung für Hörvergnügen macht.

Fazit:
Hirn aus, Rüstung an, Lautstärke hoch, Abfahrt! So soll Power Metal klingen, und so macht er mächtig Spaß, auch wenn nicht jeder Track ’nen kleinen Beethoven raushängen lässt. Ich meine, wir sind Warriors, keine Musikwissenschaftler, oder?

Anspieltipps:
„Spartacus“, „Deus Lo Vult“ und „Ave Roma“

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. We Are The Fire
02. Sparta – Part II
03. Fight
04. Spartacus
05. Kill For The King
06. Deus Lo Vult
07. Ave Roma
08. Ragnar
09. By The Blade
10. Where Dreams Die

Jannis

ALCATRAZZ – V

Band: Alcatrazz
Album: V
Spielzeit: 62:26 min
Stilrichtung: Hard Rock/Heavy Metal
Plattenfirma: Silver Lining Music
Veröffentlichung: 15.10.2021
Homepage: www.facebook.com/alcatrazzband

Alcatraz ist generell dafür bekannt, dass man nur schwer rauskommt. Bei ALCATRAZZ sieht das etwas anders aus; so lässt sich zumindest erklären, dass die 1983 gegründete Band bis zum heutigen Tag fast 20 Mitglieder hatte, darunter nicht zuletzt Yngwie Malmsteen und Steve Vai. Nichtsdestotrotz hat man 2021 mit Jimmy Waldo und Gary Shea zwei Gründungsmitglieder mit dabei, dazu seit neustem niemand anderen als Doogie White (RITCHIE BLACKMORE’S RAINBOW, PRAYING MANTIS, TANK u.a.) für die Vocals.
Nach über 30 Jahren Releasepause brachte man 2020 mit “Born Innocent” erstmals wieder ein Album raus und legt nun mit “V” nach, das – wer hätte es ahnen können – das fünfte Album von ALCATRAZZ ist. Und wie ist das so geworden?
Nun, vom Sound her so okay. Die Platte ist relativ mittenlastig geworden, Definiertheit hätte stärker ausfallen können. Einen dichten Sound kann “V” bei Bedarf auf jeden Fall vorlegen, aber da wäre schon etwas mehr drin gewesen, ohne dass man den Gesamtklang zu modern gestaltet hätte. Möglicherweise liegt’s daran, dass der Release des Vorgängers keine 1,5 Jahre zurückliegt und alles etwas schneller gehen musste. Das würde auch erklären, warum einige Kleinigkeiten bei “V” unsauber wirken.
Doogie White ist ein Meister seines Fachs, doch auf ein bis zwei Songs präsentiert er sich unter Niveau, als hätte man den Take jetzt halt nehmen müssen, um im Zeitplan zu bleiben. Um ein paar Beispiele zu nennen: Der plötzlich massiv leiser werdende Synthesizer im Mittelteil von “Guardian Angel”, das dann ein paar Sekunden iiiirgendwie noch da ist, aber viel zu leise, als dass es noch einen sinnvollen Effekt hätte, verwirrt. Ebenso die ineffizient produzierten “Oooh”- und “Aaaah”-Vocals in “Maybe Tomorrow” in Kombination mit der Orgel, die diese ihr zugeteilte Aufgabe aufgrund ihrer Klanglichkeit einfach nicht erfüllen kann.
Insgesamt also nicht gut? Doch, tatschlich schon. Denn an sich ist “V” eine echt schön geschriebene Mischung aus Hard Rock, Heavy und Power Metal, deren Kompositionen gerne mal ein wenig Dur-lastiger ausfallen als erwartet und oftmals echt individuell sind. Ein kleiner Prog-Faktor steckt in den subtil intelligenten Melodien immer wieder mal drin und entschädigt für oben genannte Unstimmigkeiten, einfach weil man trotz dieser Augenbrauenhochziehmomente über weite Teile des Albums durch kompositorisches Ideenreichtum und starke Umsetzung besser unterhalten wird als von vielen anderen Alben dieser Genreausrichtung. So erweist sich “V” als Album, bei dem manche Ideen nicht funktionieren, viele aber auch so gut, dass es nach meinem Gemecker immer noch eine 8er-Bewertung rechtfertigt. Sei es der doomige Spirit des schleppenden „Return To Nevermore”, Der kontrastierend dichte und harmonische Chorus beim tendenziell unfröhlicheren “Target”, das druckvolle und leicht hymnische “Blackheart” oder, oder, oder.

Fazit:
Somit ist “V” eine der Platten, die mit einem Monat mehr Arbeit daran richtig krass hätten werden können, ohne diesen Monat aber eben mit kleineren Mankos zu kämpfen haben (das einzige größere wären die Schwächen in der Produktion). Es bleibt ein an sich in Sachen Songwriting und Interpretation echt entertainendes Album, bei dem man an mancher Stelle guten Willens mal ein Auge zudrücken muss.

Anspieltipps:
“Blackheart”, “Return To Nevermore”, “Target” und “Nightwatch”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Guardian Angel
02. Nightwatch
03. Sword Of Deliverance
04. Turn Of The Wheel
05. Blackheart
06. Grace Of God
07. Return To Nevermore
08. Target
09. Maybe Tomorrow
10. House Of Lies
11. Alice’s Eyes
12. Dark Day For My Soul

Jannis

TALES AND LEGENDS – Struggle Of The Gods

Band: Tales And Legends
Album: Struggle Of The Gods
Spielzeit: 55:53 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Punishment18 Records
Veröffentlichung: 24.09.2021
Homepage: www.facebook.com/talesandlegends.metal

Willkommen zum interaktiven Review-Quiz von “Struggle Of The Gods”, dem Debutalbum von TALES AND LEGENDS. TALES AND LEGENDS ist ein Projekt des Italieners Andrea Atzori, dem Mastermind hinter ANCIENT KNIGHTS, das seiner Aussage nach epischer und mit mehr Power-Faktor als ANCIENT KNIGHTS sein sollte. Zusammenarbeit unter anderem mit Drummer Michele Sanna, der nicht zuletzt bei TURILLI/LIONE RHAPSODY mitgewirkt hat. Bitte werfen Sie nun einen Blick auf die Setlist, schließen Sie dann Ihre Augen und konzentrieren Sie sich einen Moment.

Sie sind nun bereit. Beantworten Sie die folgenden Aussagen gedanklich mit ja oder nein (Antworten am Ende des Reviews).

“Struggle Of The Gods” beinhaltet

1. klassische Power-Metal-Vocals mit schönem Vibrato
2. vielviel Keyboard
3. günstige Orchestersounds, die schwer nach 90ern/2000ern klingen
4. eine majestätische Orgel
5. Nichtchristopher Lee als dunkelstimmiger Erzähler
6. cheesy Synth-Soli
7. Doro Pesch
8. Tonartwechsel
9. einen Großteil der “Moldau” als 10-Minuten-Song
10. mehr günstige Orchestersounds
11. majestätische Parts
12. Spuren von Erdnüssen
13. ein Klavier
14. fröhliche Parts
15. Den “Was ist das denn für ein Synthesizer-Sound?”-Synthesizer-Sound
16. Flöten
17. Ägypten-Doku-Soundtrack-Melodien
18. Hörner (oder sind es Streicher?)
19. mindestens einmal Pachelbel-Kanon-Harmonien
20. Glory
21. neoklassische Parts
22. Doublebass
23. ein Glockenspiel
24. ein weiteres Glockenspiel
25. ausufernde Soloparts
26. den ruhigen Part von “Warriors Of The World” in leicht abgewandelt
27. quasi den Chorus von “Emerald Sword”
28. überhaupt einen dicken Haufen RHAPSODY-Feeling
29. Fanfaren
30. Einen Fire-auf-Desire-Reim
31. Dinosaurier
32. ungefähr jede Harmoniefolge, die man im Power Metal schonmal gehört hat
33. Wardrums
34. einen SABATON-Gedenk-Refrain in Dur
35. einen virtuosen Instrumental-Track
36. Wahlkampfrhetorik
37. einen fetten Mitschunkler/Feuerzeugschwenker
38. lateinische Chöre
39. günstige Chor-Sounds

Fazit:
Ihr merkt: Praktisch alles, was in ein Symphonic-Keyboard-Italo-Power-Metal-Album auch nur ansatzweise reingehört, ist drin. All das in nicht wegweisend aber spaßig gemacht, okay aber nicht herausragend produziert und sauber gespielt. Man kann “Struggle Of The Gods” vier Punkte für mangelnde Eigenständigkeit geben oder neun für nostalgischen Power-Party-Spaß, der kaum innovativ ist, dafür aber die Vollbedienung für Genrefans, die ein Stündchen im Nostalgiemodus verweilen wollen. Wir sagen mal 7/10, aber macht Euch bei Interesse an dem Genre am besten selbst noch ein Bild.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Creation Divine
02. Epic Ride Of Horus
03. The Fighters
04. Tales And Legends
05. Holy Temple
06. Land Of Thunder
07. The Seven Gates
08. Return To Fly
09. Flames Of The Fire
10. United Against The Enemy
11. Struggle Of The Gods

Antworten: 1. ja | 2. ja | 3. ja | 4. ja | 5. ja | 6. ja | 7. nein | 8. ja | 9. ja | 10. ja | 11. ja | 12. nein | 13. ja | 14. ja | 15. ja | 16. ja | 17. ja | 18. ja | 19 ja | 29. ja. | 21. ja | 22. ja | 23. ja. | 24. nein | 25. ja | 26. ja | 27. ja | 28. ja | 29. ja | 30. nein | 31. nein | 32. ja | 33. ja | 34. ja | 35. ja | 36. glaube nicht | 37. ja | 38. ja | 39. ja

Jannis

SCEPTOR – Rise to the Light

Band: Sceptor
Album: Rise to the Light
Spielzeit: 46:33 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Pure Steel Records
Veröffentlichung: 24.09.2021
Homepage: www.facebook.com/sceptormetal

2009 ist das Gründungsjahr der Deutsch/amerikanischen Band SCEPTOR. Mastermind dahinter ist der Ex RITUAL STEEL Gitarrist Torsten „Todde“ Lang.
Mit dem amerikanischen Sänger Bob Mitchells (Ex ATTACKER, Ex Alchemy X) hat er sich einen sehr bekannten Metalsänger mit ins Boot geholt um mit ihm und den anderen Mitmusikern eine Mischung aus Heavy und Power Metal unters dürstende Volk zu bringen.
2012 erschien mit „Take Command“ das letzte Album der Band bevor man sich 2014 auflöste.
Nun kehrt man frisch gestärkt wieder zurück und mit im Gepäck hat man mit Pure Steel Records das passende Label und mit „Rise to the Light“ ein neues Album.
Auf diesem wird, wie zuvor auch, typischer 80iger Metal fabriziert.

Mit dem Opener „Past Reflections“ eröffnet man das neue Material. Hier haben wir es nur mit einem instrumentalen Intro zu tun welches uns in die Scheibe einführen soll.
Danach haben wir dann den ersten Track „Crown of Nails“. Knackiger Power Metal wird uns hier direkt geboten und schon nach kurzem ertönt der charismatische Gesang von Fronter Bob. Wer ihn noch nicht kennt mag im ersten Moment etwas die Nase rümpfen, aber lasst euch gesagt sein das muss so und passt auch perfekt zur knochentrockenen Produktion bzw. Mucke!
Der Song an sich ist ein guter Appetithappen, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Im Anschluss gibt es dann mit dem etwas mehr nach Epic tönenden „The Curse of Orlac“ den ersten Hit zu vermelden.
Dicht gefolgt dann vom Titelstück „Rise of the Light „welches ebenfalls direkt zu begeistern weiß!
Der Mittelteil hält dann aber auch noch einen weiteren absoluten Hit parat, denn auch „Beyond the Unknown“ überzeugt von vorne bis hinten.
Ansonsten sei hier noch das abwechslungsreiche „Armour Black“ erwähnt was ebenfalls seinen ganz eigenen Charakter und durchaus seine Stärken hat.
Im letzten Drittel haben wir dann noch das knackige „Spartacus“ und das wunderbare, nach Old School Metal tönende, Abschlussdoppel „Powerhouse“ und „Shadows in the Maze“ welche auch ihren ganz eigenen Charme haben und definitiv begeistern können.

Anspieltipps:

„The Curse of Orlac“, „Rise of the Light”, “Beyond the Unknown”, “Powerhouse” und “Shadows in the Maze”

Fazit :

Das neue SCEPTOR Album und das Label Pure Steel Records, eine Mischung die besser nicht passen könnte!
Klassischer Power/Heavy Metal wird uns hier geboten der Fans des Genres auf jeden Fall aufhorchen lassen sollte.
Ganz ins obere Regal greift man hier zwar nicht, aber eine überzeugende, starke Leistung ist das Ganze auf jeden Fall geworden!
Interessierte sollten hier definitiv mehr als ein Ohr riskieren.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Past Reflections
02. Crown of Nails
03. The Curse of Orlac
04. Rise to the Light
05. Dissension
06. Beyond the Unknown
07. Sovereign
08. Armour Black
09. Spartacus
10. Powerhouse
11. Shadows in the Maze (Bonustrack)

Video zu “Dissension”:

Julian

PARADOX – Heresy II. End of a Legend

Band: Paradox
Album: Heresy II. End Of A Legend
Spielzeit: 75:44 min
Stilrichtung: Power/Thrash Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 24.09.2021
Homepage: www.Facebook.com/paradoxthrash

Es war einmal im Jahre 1990. Eine junge Band namens PARADOX veröffentlicht ihren Thrash Metal Klassiker „Heresy“. Und 2021 sind PARADOX immer noch am Start und veröffentlichen „Heresy II. End Of A Legend“. Ob diese Scheibe auch ein Klassiker wird, wird sich noch herausstellen. Die Fähigkeiten dazu haben Charly Steinhauer (v.g.), Christian Münzner (g.), Olly Keller (b.) und Axel Blaha (d.) auf alle Fälle. Produziert hat Charly selbst, ehe es zum Mastern ins Mordor Sound Studio von Hannes Grossmann ging. Der Sound ist düster und bedrohlich gehalten, um sich den Texten anzupassen. In dieselbe Kerbe schlägt auch das tolle Coverartwork von Travis Smith. Auf geht’s zu 75 Minuten feinster Unterhaltung.

Das achte Album fängt mit dem epischen Opener „Escape From The Burning“ schon mal spannend an. Die ersten zwei Minuten lang wird langsam der Song aufgebaut, ehe es schnelle Riffs vom Feinsten gibt die genauso wie die melodiöse Stimme von Charly im Ohr hängen bleiben. Man kann deutlich die Metallica Einflüsse der ersten drei Alben heraushören. „Mountains And Caves“ ist sehr gut geworden. Treibende Riffs und das exzellente Drumming passen so geil zusammen. Der Refrain dringt direkt in Blind Guardian Dimensionen vor und ein Flitzefinger Solo darf natürlich auch nicht fehlen. Auch „The Visitors“ ist fett. Die Uptempo Nummer kombiniert Härte und Melodie auf sehr hohem Niveau. „Children Of A Virgin“ kann ebenso voll punkten. Sehr eingängiger und grooviger Sound, der bei Minute drei durch einen düsteren Part unterbrochen wird, um dann wieder ordentlich Gas zu geben.

„Journey Into Fear“ zeichnet seine Vielschichtigkeit aus. Was die Musiker hier abziehen, ist ganz großes Kino. Das Solo ist auch wieder richtig groß. In „Buying A Treasure“ steckt so viel Energie drin, hier wird man förmlich zum Headbangen gezwungen. Vom Style her klingt es wie Megadeth vs. Annihilator. Bei „A Meeting Of Minds“ wird es nun ein bisschen ruhiger. Diese mächtige Halbballade wird durch die intensive und berührende Stimme getragen. Dass hier die neuen Minuten Marke überschritten wird, fällt einem gar nicht auf. Glockengeräusche und Regen leiten „Priestly Vows“ ein. Ein echt fetter Stampfer mit ganz viel Wiedererkennungswert und einem Riffing, dass an Testament erinnert. Und der ruhige Mittelpart hätte auch von Queen sein können. „Unholy Conspiracy“ ist ein tolles Groove Thrash Monster geworden. Mein Kopf mit zu kurzem Haar will nicht mehr aufhören zu kreisen. „A Man Of Sorrow“ ist in zwei Hälften unterteilt. Die sakral anmutende Einleitung führt zu einem Stück, dass man gerne immer wieder hören will. Der Song wird von Mal zu Mal besser und sollte auch Blind Guardian Fans wieder gefallen. Es folgt die längste Nummer „The Great Denial“ der Platte. In den 9 Minuten und 27 Sekunden ist Melodic-Thrash angesagt. Wilde Soli, Power Drumming, Tempiwechsel und geile Melodien. Den Basser muss ich jetzt auch noch loben, der Mann gibt bei jedem Song alles. „End Of A Legend“ ist ein knapp 2minütiges Outro und beendet stilvoll dieses Werk. Als Bonustrack liegt mir hier das Instrumental „Merciless Onslaught“ (Metal Church Cover) vor. Alter Falter, hier hauen die Würzburger aber nochmal alles rein. Eine unglaubliche Power und Energie, die hier übertragen wird.

Fazit: PARADOX klingen 2021 so echt und menschlich. Die Songs sind einfach erfrischend und unverbraucht. Und dass die Truppe schon so viele Jahre auf dem Buckel hat, merkt man keine Sekunde. Starkes Teil, dass von mir mit 9 starken Punkten belohnt wird.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Escape From The Burning
02. Mountains And Caves
03. The Visitors
04. Children Of A Virgin
05. Journey Into Fear
06. Burying A Treasure
07. Meeting Of Minds
08. Priestly Vows
09. Unholy Conspiracy
10. A Man Of Sorrow (Prologue)
11. A Man Of Sorrow
12. The Great Denial
13. End Of A Legend
14. Merciless Onslaught (Metal Church Cover)

Sturmi

RAGE – Resurrection Day

Band: Rage
Album: Resurrection Day
Spielzeit: 50:11 min
Stilrichtung: Heavy/Power Metal
Plattenfirma: Steamhammer/SPV
Veröffentlichung: 17.09.2021
Homepage: www.facebook.com/RageOfficialBand

RAGE – in Sachen englischer R-Aussprache das absolute Gegenteil von GRAVE DIGGER, Institution im deutschen Heavy und Power Metal und mit der Peavy-Konstante durchgängig auf starkem Niveau unterwegs. Wandlungsfähig, mal sehr orchestral-schön, mal thrashig unbarmherzig und aus unnachvollziehbaren Gründen keine der Bands, die normal an ersten Stellen erwähnt werden, wenn es um die deutsche Metal-Speerspitze geht, obwohl es absolut verdient wäre.
Wie gewohnt sind keine zwei Jahre vergangen seit dem letzten Album “Wings Of Rage”, aber verändert hat sich einiges, nämlich das halbe Lineup. Mit Stefan Weber und Jean Bormann hat man nun wieder zwei Gitarristen, die, so viel sei bereits gesagt, dem RAGE-Sound echt gut tun. Das dürfen sie auf “Resurrection Day“ unter Beweis stellen, dessen Coverartwork Metal as Fuck ist und damit Peavys Optik im Video zu “Virginity” repräsentiert.
Aber genug der Äußerlichkeiten. Sound, Spiel, Gesang: top, nix zu bemängeln. Widmen wir uns also gleich der Musik an sich. Los geht es mit dem Intro “Memento Vitae”, oder, wie elaborierte Musiker mit Orchesterbeiwerk sagen: “Overture”. Können RAGE guten Gewissens tun, schließlich beherrschen die Jungs auch orchestrale Arrangements außerordentlich gut und wissen den Klang symphonischer Instrumente in Metal zu integrieren, wie kaum eine andere Band, dabei den individuellen Merkmalen der einzelnen Orchesterinstrumente aber auch wirklich ihre Geltung zukommen zu lassen. Wo war ich? Richtig. Intro vorbei, “Resurrection Day” beginnt und… greift erstmal das Intro wieder auf. Geil! Ein kleines musikalisches Gesamtkonzept. Könnten sich andere Bands mal eine Scheibe von abschneiden. Dann bricht die Band los, es wird sehr sehr Metal, nicht stumpf, gut heavy, smart ausgearbeitet und im Chorus wieder dezent mit Orchester gearbeitet, ohne den Gesamtsound damit zu enteiern.
Und Freunde, seien wir ehrlich, das Ganze funktioniert so gut wie lange nicht mehr. Die Refrains gehen verstärkt Richtung Power-Metal-Melodien in 100% unkitschig, Orchestersounds sind wirklich genau dann eingesetzt, wenn sie sinnvoll sind und was dabei ebenfalls in voller Breite dabei ist, ist metallische aggressive Härte. Ich kann nur für mich sprechen, aber die harten, gemeinen Parts kommen genau dann, wenn ich sie brauche, die schönen powerigen ebenfalls, die ruhigen gleichermaßen – und alle zünden. Der einzige Störfaktor ist, dass sich “Virginity” nur dann auf “Fear” reimt (und “Fear” ist wichtig, bestätigen neun von zehn RAGE-Fans), wenn man es als “Virginitier” ausspricht. Und dann klingt’s halt ein bisschen dumm. Doch abgesehen davon hat “Resurrection Day” einfach keinen Moment der Schwäche, das Songwriting-Niveau ist frisch wie lange nicht mehr, der Groove verdient stellenweise eine Nackenbelastungs-Vorwarnung und stellenweise überrascht die Platte einfach dadurch, dass man trotz der 70.000 starken Alben der Band nicht mit so einem Niveau gerechnet hätte.

Fazit:
Da ist wohl jemand ein zweites Mal der Cradle entsprungen. Und bei dem Niveau von “Resurrection Day” ist der Weg ins Grave noch ein verdammt weiter. 10/10 gebe ich nicht häufig, aber mit dem Ding haben RAGE die Höchstwertung ohne jeden Zweifel verdient.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Memento Vitae (Overture)
02. Resurrection Day
03. Virginity
04. A New Land
05. Arrogance And Ignorance
06. Man In Chains
07. The Age Of Reason
08. Monetary Gods
09. Mind Control
10. Traveling Through Time
11. Black Room
12. Extinction Overkill

Jannis

APOSTOLICA – Haeretica Ecclesia

Band: Apostolica
Album: Haeretica Ecclesia
Spielzeit: 49:27 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Scarlet Records
Veröffentlichung: 17.09.2021
Homepage: www.facebook.com/Apostolicaband

Eine neue mysteriöse Band betritt die Metalbühne! APOSTOLICA. Sie sind maskiert, unbekannt, man weiß nicht wo sie herkommen und zelebrieren ihre Auftritte mit einer cineastischen Gestaltung.
Das dieses Konzept funktioniert haben schon die WARKINGS oder bezüglich der Atmosphäre auch POWERWOLF gezeigt.
Und genau in diesem Fahrwasser wildert die Band auch! Zusätzlich seien vielleicht noch SABATON oder BLOODBOUND als Einflüsse genannt.
Alle Fans dieser Bands können nun getrost weiterlesen und zusammen mit mir herausfinden wie das Debütalbum „Haeretica Ecclesia“ denn so klingt.
Mit lateinischen Versen beginnt der Opener und schon nach kurzem setzen die orchestralen Keys und die kraftvollen Riffs ein und zeigen das die schon genannten Vergleichsband hier absolut ihre Berechtigung haben!
Beim Sänger hört man einen ordentlichen Akzent raus, einordnen kann ich ihnen aber nach wie vor nicht, bzw. erkennen.
Das folgende „The Sword of Sorrow“ ist dann mal ein sehr ordentliches Stück Power Metal geworden was vor Eingängigkeit nur so strotzt und direkt an POWERWOLF aber auch ein bisschen an RHAPSODY denken lässt!
Noch eine Spur knackiger und eingängiger ist dann „Come with Us“ geraten der ebenfalls direkt den Hits auf der Scheibe zuzuordnen ist.
Bei „Thanatos“ ist dann der SABATON Einschlag sehr mächtig spürbar was die Qualität des Songs natürlich nicht wirklich schmälert, sondern eher steigert.
Das erste Viertel ist also mal mehr als gelungen und hier verstecken sich jede Menge Hits für den geneigten Power Metal Fan. Mal schauen ob das auch so weiter geht?
Der Mittelteil ist auf jeden Fall mal mit „Pollution is my Name“ und der Videosingle „No More Place in Hell“ sehr ordentlich geworden und weiß direkt zu begeistern.
Etwas epischer beginnt dann „The Doom“ welches sich dann wieder in einen eingängigen Power Metalhit transformiert.
Im letzten Drittel haben wir dann noch weitere Hits parat in Form von „Fanime“ und dem abschließenden „Redemption“.
Somit kann man nach dem Verklingen des letzten Tons festhalten das man sich vom ersten „Mainstream“ Eindruck nicht täuschen lassen sollte!

Anspieltipps:

„Sanctus Spiritus“, „The Sword of Sorrow“, „Come with Us“, „Thanatos“ und „The Doom“

Fazit :

Zum Anfang war ich gar nicht wirklich von dem Debütalbum von APOSTOLICA begeistert. Zu offensichtlich sind hier die Einflüsse und man mag direkt losschreien „Plagiat“ oder „zu stark abgekupfert“!
Aber auf dem zweiten Blick entwickelt die Band ihren ganz eigenen Charme und ja das Kalkül geht auf und man schwimmt auf jeden Fall auf der Erfolgswelle der bekannten Vorbilder mit.
Summa Sumarum ist das Ganze aber ein absolut empfehlenswertes Album für die geneigte Hörerschaft!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Sanctus Spiritus
02. The Sword of Sorrow
03. Come with Us
04. Thanatos
05. Pollution is my Name
06. No More Place in Hell
07. The Doom
08. Famine
09. The Dusk is Coming
10. Redemption

Video zu “No more Place in Hell”:

Julian

QUEEN OF DISTORTION – Checkmate!

Band: Queen Of Distortion
Album: Checkmate!
Spielzeit: 59:12 min
Stilrichtung: Heavy/Power Metal
Plattenfirma: Green Bronto Records
Veröffentlichung: 02.07.2021
Homepage: www.facebook.com/QueenofDistortion2018

Wenn sich deutsche Erwachsene (also aus Sicht eines 28jährigen Erwachsenen), ggf. mit Vorerfahrung aus anderen kleineren Bands oder zumindest mit musikalischem Können, irgendwann hinsetzen und sich überlegen “Lass mal ’ne Metalband gründen”, kommt es in einigen Fällen zu einem ziemlich überzeugenden und sympathischen Ergebnis. Keine Ahnung, woran das spezifisch liegt, aber es macht ein wenig den Eindruck, man habe sich nicht auf ein klar definiertes Genre festgelegt, wie viele etabliertere Bands, die ihren Stil “gefunden” haben, oder jüngere, die glauben, ihn zuerst festlegen und dann direkt etablieren und damit revolutionär sein zu müssen. Bands wie QUEEN OF DISTORTION oder BASEMENT PROPHECY machen im Obergenre des Metal eben das, was ihnen in ihren vergangenen Jahrzehnten als Metalfans ans Herz gewachsen ist, und dann kommt eben mal ein Song Heavy Metal, einer in Richtung Power Metal und dann noch etwas Symphonisches und ein Hard-Rock-Track. Alle davon sind vielleicht nicht perfekt im Rahmen des Genres, aber mit viel angestauter Liebe gemacht, was kleinere Mankos locker ausgleicht. QUEEN OF DISTORTION aus Braunschweig machen ziemlich genau das, haben zum Teil schon in kleineren Bands mitgewirkt, sich dann 2018 zusammengeschlossen und nun ihr erstes richtiges Debutalbum veröffentlicht.
Der Sound ist organisch und voll produziert, wirkt handgemacht aber absolut nicht nach Home Studio. Gerade der Basssound verdient in seiner angenehmen Präsenz, die dem mehr als nur als Fundament dienenden Spiel von Carsten Bätge absolut gerecht wird, Lob.
Und musikalisch ist “Checkmate!” klassischer Heavy Metal (hört mal in “Throne Of Destruction” rein, klassischer wird’s nicht), der jedoch weniger Stil-Tribute ist, als man anhand der PRIESTigkeit dieses Openers erwarten würde. Track zwei bis vier beweisen ein wohldosiertes und unerwartetes Maß an musikalischem Humor (Das Riff von “Bloody Rain” ist großartig, das von “New Order” ebenso und das kleine wiederkehrende Bass-FillIn von “Electrified” nicht minder), “Torn From Life” ist eine Ballade mit Bandbeteiligung, die viel 08/15er und kitschiger hätte ausfallen können, wenn sie in ihrer Art nicht so schön auskomponiert wäre, und bei “Into The Void” wird dann der Reiz von mehrstimmigen Vocals entdeckt und diese Mehrstimmigkeit sehr gut umgesetzt, passend zur im Vergleich zum Großteil der Songs noch ausgeprägteren Melodiösität.
Hab ich schon was zu Chris gesagt? Nein? Nun, Chris ist die Sängerin von QUEEN OF DISTORTION und beherrscht ihr Handwerk (Mundwerk?) hervorragend. Ob straighte Metal-Vocals, hohe Screams oder der massiv gelungene Symphonic-Part bei “Into The Void” – die Vocals sitzen, auch wenn sie bei “Electrified” gewöhnungsbedürftig, aber in ihrem Sinne auch recht geil ausfallen (erinnert etwas an HELL, deren Vocals ja ähnlich beurteilbar sind).
Klar, nicht jeder Song zündet komplett, einiges an gut gemachtem Standard-Heavy-Metal-Material für das Festivalcamp ist schon dabei, ebenso ein paar wenige eher seltsame Stellen. Aber “Checkmate!” überrascht seine Hörer doch immer wieder, liefert praktisch durchgehend qualitativen Underground-Metal, überzeugt in Darbietung und Produktion…

Fazit:
… und offenbart jederzeit, wie viel Hingabe zum Genre und Arbeit darin steckt. Genau sowas will ich hören, wenn ich das nächste Mal für 15 Euro Eintritt in einen kleineren Club gehe, um Spaß mit gutem Metal von sympathischen Leuten und guten Freunden zu haben!

Anspieltipps:
Track 1-4 und “Into The Void”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Throne Of Destruction
02. Bloody Rain
03. New Order
04. Electrified
05. Threatening Stalemate
06. Four Horsemen
07. Save Yourself
08. Torn From Life
09. Rest In Pieces
10. Into The Void
11. Checkmate!
12. People Without Tears
13. Nightmares

Jannis

BRAINSTORM – Wall Of Skulls

Band: Brainstorm
Album: Wall Of Skulls
Spielzeit: 49:50 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 17.09.2021
Homepage: www.facebook.com/officialbrainstorm

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch an “Pimp My Ride”, wo Xzibit Amerikanern ihr Auto abnimmt, auseinanderbaut und dann mit 95% neuen Teilen ein anderes Auto zusammenbaut, mit einem kleinen Swimming Pool, einer Waschmaschine und einem Audiosystem, mit dem man das Saarland beschallen könnte – um es den Besitzern dann als “Ihr “ verbessertes Auto zurückzugeben. So spaßig das auch anzusehen ist, wäre es doch toll, es wären mehr Originalteile bei gleichem Level an Aufwertung vorhanden. Schön, dass BRAINSTORM so arbeiten. Es gibt das Basic-BRAINSTORM-Gerüst, das jeder kennt, der mal in ein paar Alben der deutschen Power-Metaller reingehört hat, mit ihren charakteristischen Wendungen, einzelnen Faktoren in der Instrumentalarbeit, ihren Trademark-Melodien und natürlich Andys majestätischen Vocals. Dieses Gerüst kann poliert, geschmückt und angemalt werden, bleibt jedoch stets klar erkennbar.
Die Politur erfolgte, als man mit Seeb von ORDEN OGAN einen Produzenten fand, der das absolute Maximum an klanglicher Geilheit in BRAINSTORMs Alben zu mixen vermag und der diese Arbeit auch bei “Wall Of Skulls” wieder vortrefflich geleistet hat. Ansonsten zeigt sich die Pimpung der BRAINSTORM-Grundstrukturen nicht an einer plötzlichen Verwendung von Dudelsäcken oder 2021-EDM-Synths (wie gesagt, wir arbeiten mit Originalteilen), sondern schlicht an der kreativen Zusammensetzung der einzelnen Bestandteile, Erweiterung des Melodiewendungs-Kanons – eben an kleinen Sachen mit großem Effekt, der aus “Wall Of Skulls”‘ Vorgänger “Midnight Ghost” das nicht unwahrscheinlicherweise bis dato beste BRAINSTORM-Album überhaupt gemacht hat. Und bei einem solchen Knaller ist eben auch eine minimale Ernüchterung beim Nachfolger wahrscheinlich, wenn er dieses Hitmassaker-Niveau nicht ganz halten kann.
Diese Ernüchterung tritt bei “Wall Of Skulls” ein, aber glücklicherweise tatsächlich nur ziemlich minimal. “Where Ravens Fly” ist als Opener straight und geradeaus, aber eben doch ein wenig mehr basic als nach dem Einstieg von “Midnight Ghost” erwartet, und hat damit wie so mancher andere Track auf der Platte etwas weniger vom gewissen Etwas, das so viele Tracks des Vorgängers herausragen ließ. Das ist keineswegs bei jedem Track auf “Wall Of Skulls” so. “Solitude” ist ein perfektes Beispiel für einen Extended-BRAINSTORM-Song, “Glory Disappears” ist etwas emotional feierlicher, die erste Strophe von “End Of My Innocence” ist edel unkonventionell ruhig, “Holding On” bricht mit seinen modereneren Synths ein Stück weit mit dem klassischen BRAINSTORM-Sound (ist in kleinen Dosen sehr geil, aber bitte nicht ein ganzes Album in dem Stil machen) und “The Deceiver” ist unerwartet trocken, klangtechnisch hervorstechend abgespeckt. Der Kollege, der das Album beim Rezensieren mitgehört hat, hat am Ende einen akuten Ohrwurm des “Cold Embrace”-Refrains und “Turn Of The Lights” kommt mit seinem runtergebrochenen “Titel ist Text”-Chorus schön asozial. Dazu muss die Arbeit der Rhythmusfraktion lobend erwähnt werden, die bei wirklich vielen Songs einen guten Mehrwert bietet – stets nachvollziehbar aber mit hohem Anspruch an sich selbst und bestens in die Songs integriert.

Fazit:
Ein schwächeres BRAINSTORM-Album ist immer noch ein starkes Album und “Wall Of Skulls” ist kein schwächeres BRAINSTORM-Album. Im Gegenteil, die Platte klingt Seeb-bedingt wieder übertrieben, kommt ohne einen einzigen “Was soll das?”-Moment aus, und selbst der schwächste Song ist immer noch ein starker Power-Metal-Song. Von “Midnight Ghost” wissen wir, dass die Jungs in Sachen melodischer Kreativität noch einen Ticken mehr draufhaben, als es sich beim aktuellen Album zeigt. Absolut hörenswert bleibt das Ding trotzdem, denn, wie nicht vergessen werden darf, wird hier an BRAINSTORMs vielleicht bestem Album gemessen und nicht am allgemeinen Power-Metal-Qualitäts-Schnitt.

Anspieltipps:
“Solitude”, “Holding On”, “Turn Off The Light” und “Cold Embrace”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Chamber Thirteen
02. Where Ravens Fly
03. Solitude
04. Escape The Silence (feat. Peavy)
05. Turn Off The Light (feat. Seeb)
06. Glory Disappears
07. My Dystopia
08. End Of My Innocence
09. Stigmatized
10. Holding On
11. I, The Deceiver
12. Cold Embrace

Jannis

MENTALIST – A Journey into the Unknown

Band: Mentalist
Album: A Journey into the Unknown
Spielzeit: 60:17 min
Stilrichtung: Melodic Metal
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 20.08.2021
Homepage: www.facebook.com/mentalistband

Die Melodic Metaller Newcomer von MENTALIST sind sehr fleißig und haben 1 Jahr nach ihrem Debüt „Freedom of Speech“ mit „A Journey into the Unknown“ schon den Nachfolger im Kasten!
Auf dem neuen Album regiert nach wie vor der Melodic Metal der nach wie vor Einflüsse von IRON MAIDEN, HELLOWEEN oder BLIND GUARDIAN (kein Wunder wenn Thomen Stauch hier hinter der Kesseln sitzt) aufweist, aber die Truppe hat mittlerweile ihren ganz eigenen Stil gefunden.
Angeführt von Ausnahmesänger Rob Lundgren und mit einem Mix von Jacob Hansen ausgestattet wollen die Jungs nun ihren zweiten Schritt auf der Karriereleiter machen.
Als Opener steht „Horizon“ bereit der aber nur ein instrumentales Intro ist.
Mit „A Journey into the Unknown” erwartet uns dann der erste richtige Track und die erste Videosingle.
Die Nummer ist schön abwechslungsreich gestaltet und ein Nährboden für den Gesang von Fronter Rob der hier absolut glänzen kann.
Aber auch ansonsten ist dieser erste Appetithappen mehr als gelungen und wandert daher direkt auf unsere Hitliste.
Anschließend geht es bei „Modern Philosophy“ erst recht ruhig zu bevor dann die kraftvollen Töne das Kommando übernehmen und im Refrain wird dann wieder etwas der Fuß vom Gas genommen und man ist wieder sehr melodisch und hitsicher unterwegs.
Über das ebenfalls sehr ordentliche „Evil Eye“ geht es dann in den Mittelteil der Scheibe wo wir mit dem eher epischen und gefühlvollen „An Ocean so Deep“ und dem, mit ordentlich HELLOWEEN Einflüssen ausgestatteten „Dentalist“ zwei weitere absolut überzeugende Songs haben.
„Soldier without a War“ ist dann wieder eine etwas ruhigere, gefühlvollere Nummer und bei „Torture King“ haben wir dann den schon typischen MENTALIST Bandsound der schön abwechslungsreich und eingängig daherkommt.
Anschließend haben wir dann mit „Battle Dressed“ und „Live Forever“, hier gibt auch Henning Basse seine Gastgesang zum Besten, noch zwei echte Schwergewichte, die teilweise recht progressive aus den Boxen tönen, ordentlich Abwechslung bieten und mit 7 bzw. 8 Minuten Spielzeit aufwarten können.
Zum Abschluss gibt es dann ein ordentliches Metalcover des Songs „Manchild“ von NENEH CHERRY.

Anspieltipps:

„A Journey into the Unknown”, “Modern Philosophy”, “An Ocean so Deep”, “Torture King” und “Battle Dressed”

Fazit :

Schon auf dem Debütalbum war hörbar zu was MENTALIST fähig sind! Hier auf ihrem zweiten Album bauen sie ihre Leistung und Qualität nochmal aus und haben an den richtigen Stellschrauben gedreht!
Es gibt eigentlich so gut wie keinen Ausfallsong zu vermelden und jeder Track für sich überzeugt mit seinem ganz eigenen Charme und es wird viel Abwechslung insgesamt geboten.
Daher geht es hier auch einen ganzen Punkt im Vergleich zum Debüt nach oben!
Well done Guys!! Definitiv Kaufempfehlung für die Zielgruppe!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Horizon
02. A Journey into the Unknown
03. Modern Philosophy
04. Evil Eye
05. An Ocean so Deep
06. Dentalist
07. Soldier without a War
08. Torture King
09. Battle Dressed
10. Live Forever
11. Manchild (Cover & Bonustrack)

Video zu “Modern Philosophy”:

Julian