VALLEY OF THE SUN – The Chariot

Trackliste:

01. Sweet Sands
02. Images
03. Devil I’ve Become
04. The Chariot
05. Headlights
06. As We Decay
07. Running Out Of Love
08. Sunblind
09. The Flood
10. Colosseum


Spielzeit:
46:39 min – Genre: Stoner Rock – Label: Fuzzorama Records – VÖ: 17.06.2022 – Page: www.facebook.com/valleyofthesun

 

Freitag Nachmittag: Ich sitze in meiner Dachgeschosswohnung und kann dank des Sommergewitters nicht einmal das Fenster aufmachen, ohne das Wohnzimmer geflutet zu bekommen. Gefühlt 38°C, ich komme mir vor wie Tunfisch (im eigenen Saft) und an einer Stelle tropft es durch das geschlossene Fenster leicht auf mein Sofa. Zeit für was Extra-Trockenes, warum also nicht die neue VALLEY OF THE SUN? Die Truppe aus Ohio macht die Art von Musik, die klingt, als habe man die Gitarren authentisch in der Mitte einer Wüste aufgenommen und den Sand im Verstärker als klangliche Eigenart verwendet. Desert Rock, Southern Rock (ein bisschen), Stoner, Hard und Psychedelic Rock werden auf dem vierten Album „The Chariot“ vermengt zu einem Ganzen, das im mindesten angenehm cool und nicht selten wunderbar mitreißend ist.
Der Sound passt bestens zum Stil von VOTS, trocken, staubig aber klar und authentisch handgemacht. Vielleicht minimal zu viel Lautstärke in den Gitarren, aber auch nur vielleicht. Die Vocals passen nicht minder zu besagtem Stil und kleine Extras wie eine E-Orgel und zusätzliche Percussion-Elemente wurden konstruktiv eingesetzt.
Musikalisch ist man oft sehr rifforientiert unterwegs, hat dafür aber auch entsprechend biestige Riffs auf Lager, die man auch schonmal zwei Minuten lang am Stück ausreizt (siehe „Devil I’ve Become“), erfreulicherweise nicht mit langweilendem sondern mit hypnotischem Effekt. Insbesondere von Track drei bis Track sechs geht „The Chariot“ dabei stimmungstechnisch aufs Ganze, bemüht verstärkt ruhigere, zum Teil psychedelischere Parts und vermag mit diesen Songs wirklich zu vereinnahmen, nachdem die ersten beiden Tracks gut, aber mit leicht Luft nach oben ausfielen. Doch auch Songs, die nicht in dem Maße zünden, machen zweifelsohne Spaß, wenn man Freund dieser oftmals monoton anmutenden Musikrichtung ist und ebenjene Stilistik mag. Der Groove-Faktor ist durchgängig hoch, die Melodien nach allen Regeln der Stoner-Rock-Kunst geschrieben und intoniert – und auch wenn „The Chariot“ nicht der ultimative Genrevertreter ist, hilft es doch absolut effektiv über die Zeit bis zum nächsten Freak Valley Festival oder Desertfest hinweg!

Fazit:
Lässig, trocken, cool und immer mal wieder seine hypnotischen Phasen zelebrierend, schön gespielt und im Sinne des Genres komponiert – „The Chariot“ ist, romantisiert ausgedrückt, ein sauberes Sommeralbum für alle, die ihren Sommer weniger am Pool und in Cabrios und eher mit Rauschebart am Truckstop verbringen.

Anspieltipps:
„Devil I’ve Become“, „The Chariot“, „Headlights“ und „As We Decay“

Jannis

JONES STREET – Out Of The Gutter

Trackliste:

01. Dancin´ With The Devil
02. Tell Me Why
03. What Comes Around
04. Thieves Of Love
05. Take Your Love
06. Razor To My Wrist
07. When It All Comes Down
08. We Won´t Be Forgotten
09. Fuck Authority
10. On The Edge (Demo)

 

Spielzeit: 46:29 min – Genre: Hardrock – Label: Eonian Records – VÖ: 03.06.2022 – Page: www.eonianrecords.com

 

Mit der amerikanischen Hardrock-Kapelle JONES STREET kommt einer der vielen Vertreter ihrer Zunft jetzt zu neuen Ehren, die es seinerzeit nicht mehr geschafft haben, rechtzeitig Unterschlupf bei einem Majorlabel zu finden, bevor der große Knall einer ganzen Szene der Garaus machte und von heute auf morgen nur noch versiffte Karohemden, Depristimmung und langweilige Mucke in Mode waren. Kein Wunder, denn Shawn Crosby (vocals), Jonny Jones aka Johnny Scott (guitars), Mickey „McNasty“ Perez (guitars), John „JJ“ Jaurigui (bass) und Rob Hanna (drums) gründeten ihre Band erst 1991. Zwar hatten die Jungs recht schnell eine Zusage von Sony Music in der Tasche, ein Demo aufzunehmen zu können, zu einem richtigen Plattendeal kam es aber aufgrund des drastischen musikalischen Wandels hin zum Grunge nicht mehr. Immerhin das Demo konnten JONES STREET noch realisieren.

Lange unter Verschluss sah das Material erstmals 2008 offiziell das Licht der Welt – unter dem Titel „Dancin´ With The Devil“ wurden die zwischen 1991 und 1995 aufgenommenen Songs in Eigenregie veröffentlicht. Der 1992 zur Band gestoßene Drummer Anthony Focx (u.a. BEAUTIFUL CREATURES) zeichnete sich sowohl für den Mix als auch das Mastering verantwortlich. Aufgenommen wurden die Songs in Studios wie dem ehrwürdigen The Record Plant in Los Angeles sowie den Cornerstone Studios und den NRG Studios – ebenfalls ansässig in der Millionenmetropole.

Da die alte Auflage schon lange eine gesuchte Rarität ist (die sich auch noch in meinem CD-Schrank tummelt), haben die Trüffelsucher von EONIAN Records ihr Näschen erneut tief in den Untergrund gesteckt und sind mit der Idee, dieses Tondokument erneut unter die Leute zu bringen, bei der Band vorstellig geworden. Anthony Focx höchstselbst hat die Platte remastered und es wurde ein klein wenig an der Setlist geschraubt.

Der Opener „Dancin´ With The Devil“ ist indes gleichgeblieben. Eine weise Entscheidung, hat dieses rotzige Etwas genau die Street Credibiltiy, die ein Zwitter aus SKID ROW und GUNS´N ROSES eben braucht. Ein cooles Riff, mächtig Drive und mit Shawn Crosby genau den richtigen Sänger mit whiskeygetränkter Raucherlunge. Weitere Anspieltipps sind das melodische „What Comes Around“, die staubtrockene Ballade „Tell Me Why“ oder das groovende „Take Your Love“. Der zweite Teil der Platte ist vom Sound her etwas schwächer, die Songs aber machen ebenfalls ordentlich Laune – nicht nur an einem heißen Samstag Abend am Sunset Strip. Als Bonus hören wir auf der neuen Edition das bisher unveröffentlichte Demo „On The Edge“. Ein recht guter Ersatz für das ziemlich miserable „Out On Skid Row“ und den total überflüssigen Bonus „The Word (F**k)“ von der ursprünglichen Version aus 2008.

Für Fans der Sunset Strip Szene der frühen 90er ist „Out Of The Gutter“ ein gefundenes Fresschen – zumal die ursprüngliche Version schon lange vergriffen ist und dieser Re-Release mit besserem Sound um die Ecke biegt. Also, Support the Underground und zieht Euch dieses vergessene Stück Rockgeschichte rein – es lohnt sich!

Stefan

GALAXY – Runaway Men

Trackliste:

01. Answers
02. Look Into My Eyes
03. Never The Same
04. In Her Head
05. Lady On Fire
06. Talk To Me
07. Gallery Play
08. Runaway Man

 

 

Spielzeit: 48:17 min – Genre: Progressive Rock – Label: Shaded Moon Entertainment/Bertus – VÖ: 27.05.2022 – Page: www.facebook.com/RunawayMen

 

Ach was war das damals für eine Entdeckung, als der Chef bei einem kleinen Label, bei dem ich ein Praktikum machte, auf der Suche nach dem nächsten Album, das man während der Arbeit hören könnte, zu IQs „Dark Matter“ griff und mich damit behutsam in die Welt des Neo Prog Rock einführte. Gut gemacht wohnt dieser Musik nicht selten etwas extrem Ausdrucksstarkes, positiv-Friedliches inne, und das Potenzial der Schönheit von Musik wird in einer Weise umgesetzt, die für mich wohl ähnlich zündet, wie ein Eichendorff-Gedicht für Leute in der Romantik. Das ist jedoch alles andere als einfach, denn viele Faktoren müssen dafür stimmen: die Produktion (nicht zu hart aber voll und klar), die Vocals (wandelbar, ebenfalls klar, mit Ausdruck), der Skill der Instrumentalfraktion (besser als für das Album akut benötigt) und vor allem das richtige Gefühl für die Musik, die entstehen soll; Ahnung, wie man das Gefühl musikalisch umsetzt, ein Händchen für vereinnahmende Arrangements und eine tiefgehende Beziehung zwischen Komposition und Lyrics.
Und damit hätte man GALAXYs „Runaway Men“ soweit beschrieben. Wie macht man sowas aber heutzutage als Debutalbum, in einer Zeit, in der Neo Prog hauptsächlich von den alten Größen des Genres am Leben erhalten wird und die Nachwuchsszene kaum existent ist? Nun, indem man das Album einfach bereits 1997 aufnimmt, nie fertig produziert, dann irgendwie mit anderen Sachen beschäftigt ist (zum Beispiel als Frontmann von KAYAK), und irgendwann hört mal wer in die Rohfassungen rein, findet, das Ding müsse veröffentlicht werden, und dann beginnt die große Suche, wo man die Songs überhaupt hat.
Die Suche hat sich gelohnt, denn hier ist es nun, „Runaway Men“ von GALAXY, das seit 25 Jahren im Keller wartende Album, das in Sachen Komposition und Spirit nicht authentischer nach herrlich positivem, Klavier-, Synth- und Orgel-angereichertem 90er-Prog klingen könnte. Die richtige Menge an unkonventionelleren Taktarten, erwartungsgemäß starke Vocals, kaum Kritikpunkte an der Produktion und vielseitig. Mal gibt es mit „Never the Same“ verstärkte AOR-Vibes, dann mit „In Her Head“ balladige Gänsehaut mit geringem Kitschfaktor, mit „Lady On Fire“ Seriosität mit nahezu QUEENSRYCHE-Feeling und mit „Gallery Play“ ein funkig-freshes Instrumental. Plus andere Songs mit eigener Identität, die als Albumeinheit bestens miteinander funktionieren.

Fazit:
Wir haben den Stil der Truppe geklärt und die Qualität des Albums. Wer von sich denkt, mit dem Stil Spaß zu haben, der betrachte diese Rezension als klare Hör-Empfehlung für ein absolut authentisches Wohlfühl-Hörerlebnis, das ein Vierteljahrhundert in perfekter Frische konserviert worden ist. Gut für die Seele, und das kann ja im Jahr 2022 nun wirklich nicht schaden!

Anspieltipps:
Einfach bei Track 1 beginnen und, falls Ermüdung eintreten sollte, ab Track 5 weiterhören!

Jannis

DAWN OF DESTINY – Of Silence

Trackliste:

01. We are your Voice
02. Judas in Me
03. Childhood
04. Say my Name
05. White Mystery
06. Not the Way it Is
07. Little Flower
08. Burning Heart
09. Silence
10. Run
11. The Curse
12. Inner Voice
13. This is our Legacy

Spielzeit: 64:01 min – Genre: Symphonic Power Metal – Label: EL Puerto Records – VÖ: 24.06.2022 – Page: www.dawnofdestiny.de

 

8 Alben in 15 Jahren, das ist eine sehr ordentliche Karriere! Die Symphonic Power Metaller von DAWN OF DESTINY um Mastermind Jens Faber sind eine Institution in der Szene.
Mit ihrem neuem Label EL Puerto Records im Rücken veröffentlichen sie dieser Tage ihr neues Album „Of Silence“.
Die Bandmannschaft ist unverändert und nach wie vor schwingt. Jeanette Scherff das Mikro.
Als Gast ist auf dem Album dieses Mal Chris Harms von LORD OF THE LOST zu hören.
Nach ihrem letzten Album „The Beast Inside“ war ich sehr gespannt wie die neuen
Stücke so tönen.

Mit dem Opener „We are your Voice” bekommen wir einen ersten Eindruck davon. Es klingt erstmal wesentlich mystischer und symphonischer als zuletzt was uns da entgegenschallt. Sängerin Jeannette ist bestens bei Stimme und die Nummer ist schön abwechslungsreich gestaltet, vernachlässigt aber nicht die Eingängigkeit, die im Chorus wieder voll durchkommt.
Beim folgenden „Judas in Me“ geht es etwas härter zur Sache, was zwar zeigt wie flexibel die Band ist und auch schon immer war, aber irgendwie zündet die Nummer nicht komplett durch, ich weiß auch nicht genau warum.
Bei „Childhood“ gibt es dann den schon angekündigten Gastauftritt von Chris Harms von LORD OF THE LOST“ der wunderbar zur Mucke passt und sich zusammen mit Sängerin Jeanette einen schön gesanglichen Schlagabtausch liefert, der direkt wunderbar ins Ohr geht!
Und ab sofort zeigt die Qualitätsnadel nur steil nach oben, denn es folgt jetzt eigentlich Hit an Hit!
Egal ob es etwas klassischer Metal mit „Say my Name“, etwas flotterer Symphonic Metal mit „Not the Way it is“ oder gefühlvolle Töne wie bei „Little Flower“ sind, alles ist hier qualitativ wirklich erstklassig und läuft gut ins Ohr!
Mit dem quasi Titeltrack „Silence“ (was ein geiler Refrain!), der ebenfalls qualitativ ganz oben angesiedelt, vielleicht sogar der beste Song der Scheibe ist, schließt man einen Mittelteil ab, der sich echt gewaschen hat und der zeigt auf welchem hohen Level die Band mittlerweile angekommen ist.
Erstklassiger, gut durchdachter und nie langweiliger Symphonic Power Metal wird uns hier geboten.
Wer jetzt aber glaubt, okay das war es jetzt, der sieht sich getäuscht, denn man hat noch genug Pulver parat so das auch die Songs im letzten Drittel allesamt zünden!
Gerade die letzten beiden Tracks „Inner Voice“ und „This is our Legacy“ gehören wieder mit zu dem Besten was wir hier auf der Scheibe hören werden.

Ganz klar, das neue Album „Of Silence“ gehört mit zu den besten Scheiben der Band die sie je veröffentlich haben, das wird einen relativ schnell klar und es ist auch eine klare Steigerung zum Vorgängerwerk „The Beast Inside“!
Ich würde sogar so weit gehen und sagen das wir hier eines der besten Symphonic Power Metal Scheiben des Jahres 2022 vor uns haben!
Mit ihrer spielerischen Frische pustet die Band mal schön frischen Wind in das angestaubte Genre, geil und sehr empfehlenswert für die geneigte Käuferschaft!

Julian

 

POETS OF THE FALL – Ghostlight

Tracklist

01. Firedancer
02. Requiem For My Harlequin
03. Sounds Of Yesterday
04. Revelations
05. Heroes And Villains
06. Lust For Life
07. Chasing Echoes
08. Weaver Of Dreams
09. Hello Cabaret
10. Beyond The Horizon

 

Spielzeit: 55:34 min – Genre: Modern Rock/Pop Rock – Label: Insomniac Music VÖ: 29.04.2022 – Page: https://poetsofthefall.com

 

Die finnischen Überflieger „Poets Of The Fall“ kredenzen uns heuer ihre neunte Studio-Langrille. Längst über den Status eines Geheimtipps hinaus, glänzt man abermals mit tollen Arrangements und großartigen Songs. „Firedancer“ sowie die erste Single „Requiem For My Harlequin“ unterstreichen als Einstiegssongs dies in eindrucksvoller Weise. Scheinbar schüttelt die Band mit Leichtigkeit massenweise sehr gute Songs aus dem Ärmel, denn auch auf diesem Werk ist kein „Filler“ zu entdecken. „Lust For Life“ kommt als Ballade sehr bedächtig aus den Boxen und nicht nur hier kann Sänger Marko Saaresto glänzen. Sein Gesang ist und bleibt ein Markenzeichen der Finnen. Nicht wenige Schreiber-Kollegen: innen bezeichnen diesen Silberling als das reifste Album der Band und so möchte der Verfasser dieser Zeilen hier nicht widersprechen. Mit „Beyond The Horizon“ beschließt man „Ghostlight!“ in bombastisch-epischer Art. Eben im typischen „POTF“ Style. Ohne Zweifel ein Saison Highlight. Den High-Score spare ich mir dann für den nächsten Rundling. Klare Empfehlung, zugreifen!

Bonne

 

 

 

DEVIL´S TRAIN – Ashes & Bones

Trackliste:

01. The Devil And The Blues
02. Girl Of South Dakota
03. Rising On Fire
04. You Promised Me Love
05. Ashes And Bones
06. More
07. In The Heat Of The Night
08. Smell Sex Tonight
09. Rock´n Roll Voodoo Child
10. Hold The Line
11. Man With A Gun
12. Word Up (CAMEO Cover)

Spielzeit: 46:02 min – Genre: Hardrock, Heavy Metal – Label: Rock Of Angels Records – VÖ: 24.06.2022 – Page: www.facebook.com/devilstrain

 

Es rappelt wieder im Karton. Die Band um Sänger Roberto Dimitri Liapakis (MYSTIC PROPHECY) geht in die dritte Runde. Zusammen mit Schlagwerker Jörg Michael (STRATOVARIUS, AXEL RUDI PELL, GRAVE DIGGER, RUNNING WILD, RAGE etc.) und den beiden Neuankömmlingen Jens Becker am Bass (GRAVE DIGGER, RUNNING WILD) und Gitarrist Dan Baune (LOST SANCTUARY) hat der Shouter nicht nur eine illustre Truppe um sich geschart, sondern zum 10-jährigen Bandjubiläum auch Album Nummero 3 eingetütet. Mit ihrem frischen Mix aus Heavy Metal, Blues und Hardrock konnte die Truppe mit ihren beiden Vorgängern schon für einiges an Aufsehen sorgen. Für das neue Album hat sich der Vierer viel vorgenommen. Der Sound ist über jeden Zweifel erhaben – er ist laut, modern, heavy und doch irgendwie zeitlos. Die Songs sind noch ausgereifter, noch eine Prise sexier und lassen kaum Luft zum Atmen. Das liegt natürlich nicht nur am drückenden Sound von „Ashes & Bones“ und an den Könnern an den Instrumenten, sondern auch an J.D. Liapakis, einem echten Powerhouse-Sänger.

Los geht die wilde Fahrt mit dem stampfenden „The Devil And The Blues“, das sich lasziv um die Stange windet wie eine erstklassige Stripperin. „Girl From South Dakota“ schiebt an wie eine Dampfwalze, bevor „Rising On Fire“ die Hardrockseite der Band herausschält. Alle Maschinen sind auf Betriebstemperatur, das beweisen auch melodischere Songs wie „You Promised Me Love“ oder „In The Heat Of The Night“. Stoisch und heavy präsentieren sich indes der tolle Titeltrack oder „Man With A Gun“. Zum Abschluss gibt es noch eine extra Prise Fun in Form der CAMEO-Coververision „Word Up“. Nicht wirklich neu, aber durchaus hörenswert.

Auf „Ashes & Bones“ haben DEVIL´S TRAIN die für mich optimale Mischung aus Härte, Melodie und Coolness getroffen. Recht viel mehr geht nicht. Die Stücke sind durchweg stark und es scheint, als würde kein Blatt Papier zwischen die Protagonisten passen. Anders kann ich mir eine solch starke Leistung nicht erklären. Das teuflische Dampfross ist nicht zu stoppen und sollte mit diesem Brett sicher noch den ein oder anderen Fan dazu gewinnen können. Happy 10th anniversary guys!

Stefan

CIVIL WAR – Invaders

Trackliste:

01. Oblivion
02. Dead Man’s Glory
03. Invaders
04. Heart Of Darkness
05. Andersonville
06. Carry On
07. Soldiers And Kings
08. Warrior Soul
09. Slaughterhouse 5
10. Battle Of Life
11. Custers Last Stand

Spielzeit: 51:36 min – Genre: Power Metal – Label: Napalm Records – VÖ: 17.06.2022 – Page: www.facebook.com/Civilwarsweden

 

POWERWOLF, SABATON, BATTLE BEAST – seit Anfang des Jahrtausends hat sich eine Form von Power Metal entwickelt, die heute als Headliner von großen Festivals nicht mehr wegzudenken ist: eingängig wie sonst was, gerne mal mit partytauglichem BummZapp-Rhythmus unterwegs, angereichert mit Synthesizern, die man auch in aktueller Club Music finden würde und mächtig druckvoll produziert. Wem eine der Bands gefällt, dem gefallen vermutlich auch andere und aller Wahrscheinlichkeit nach auch CIVIL WAR, der kleine Ableger von SABATON mit Ex-Mitgliedern der schwedischen Formation. Die haben soeben ihr viertes Album „Invaders“ auf den Markt geschossen, es geht um unterschiedliche Kriegssituationen (wer hätte es gedacht) und alle oben angeführten Voraussetzungen für ein Album dieser Gattung werden erfüllt. Kelly Sundown Carpenter hat dafür amtliche kraftvoll-roh-melodische Vocals auf Lager, die Synthesizer sind durchaus cheesy-präsent aber schon recht angenehm auf der Höhe der Zeit und durch weitere Sounddesign-Elemente ergänzt. Dazu Chöre, orchestrale Sounds, all das in ordentlich knallend.
Auf die einzelnen Songtexte ist man teils in der Klanglichkeit der Musik eingegangen, gestaltet beispielsweise „Dead Man’s Glory“ ein wenig Irish-Folk-artig (ohne wirklich in die Nähe von Folk Metal zu geraten). Die Power-Ballade ist mit „Andersonville“ vertreten, der Partysong mit „Carry On“, der Midtempobanger mit „Slaughterhouse 5“ und „düsteres“ Uptempo mit dem Titeltrack. Was will man mehr?
Im Grunde genommen wenig. Die Bedürfnisse, die „Invaders“ erfüllen will, erfüllt es souverän und kompositorisch ist man doch oft über Standard-Niveau, was nicht unbedingt gegeben sein muss, da sich doch so einige Vertreter des Genres ganz wohl damit fühlen, mangelnde Songwriting-Kreativität durch fette Aufmachung zu kompensieren.
Aber das geht bei CIVIL WAR auf jeden Fall klar, gerade wenn man die kleinen Details bedenkt, beispielsweise den Percussion-Einsatz in „Heart Of Darkness“, der klanglich einiges an Mehrwert bietet. Und wenn man sich damit abfinden kann, dass spaßige Synth-Sequencer, die im Hintergrund Party machen, offenbar perfekt geeignet für die Untermalung von Kriegserzählungen sind.

Fazit:
Kompositorisch jetzt nicht das Tiefgründigste vom Ei, aber als teils musikalisch ein wenig belangloses, teils aber auch sehr anständiges Album mit krasser Produktion, heroischen Melodien, Keyboard-Spaß und Eingängigkeit kann sich „Invaders“ absolut sehen lassen, ohne sich hinter den großen Vertretern des spezifischen Subgenres verstecken zu müssen.

Anspieltipps:
„Invaders“, „Heart Of Darkness“, „Carry On“ und „Slaughterhouse 5“

Jannis

VYPERA – Eat Your Heart Out

Trackliste:

01. Slow Me Down
02. Standing On The Edge
03. Spellbound
04. Sierra
05. Rock´n Roll
06. Fantasy
07. Straight For The Kill
08. Danger
09. Fool For The Night
10. Cold As Ice
11. Wingborne

Spielzeit: 50:58 min – Genre: Hardrock – Label: Frontiers Records – VÖ: 17.06.2022 – Page: www.facebook.com/Vyperiaofficial

 

In letzter Zeit hatten Frontiers Records nicht sonderlich viel für mich in petto. Ganz anders erging es da einigen Kollegen aus der Redaktion oder auch einigen Rockfans im Freundeskreis. Aber mit VYPERA haben die Italiener wieder einmal ein heißes Eisen im Feuer. Eine junge Band aus – wie soll es anders sein – Schweden. Die Jungs aus Sandviken im Osten des Landes gründeten sich 2016 als Coverband unter dem Namen MADHOUSE und ihre musikalischen Einflüsse umschreiben Andreas Wallström (vocals), Christoffer Thelin (guitars), Andreas Andersson (bass) und Johan Pettersson (drums) mit Bands wie ICON, KING KOBRA, TRIUMPH, W.A.S.P. oder RAINBOW. Persönlich würde ich noch FIFTH ANGEL oder ZENO hinzufügen, alleine schon wegen der stimmlichen Ähnlichkeit Wallström´s mit dem deutschen Sänger Michael Flexig (ZENO) und Ted Pilot (FIFTH ANGEL). Aber mit den Vergleichen ist das ja immer so eine Sache…

Eines ist aber sicher: auf ihrem Debüt „Eat Your Heart Out“ haben die Schweden nicht gekleckert. Der Sound ist amtlich, das Songwriting frisch und doch erwachsen, mit Andreas Wallström haben VYPERA einen herausragenden Sänger in ihren Reihen und Gitarrist Christoffer Thelin ist ein Meister seines Fachs. Schon der Opener „Slow Me Down“ zeigt nach kurzem Gitarren-Intro mit seiner Energie, aus welchem Holz VYPERA geschnitzt sind. Erstklassiger Hardrock alter Schule, der absolut nicht altbacken aus den Boxen knallt. Genauso das folgende „Standing On The Edge“, das vom Tempo her etwas auf die Bremse drückt und als erste Single-Auskopplung samt amtlichen Videoclip große Erwartungen an das komplette Album zu schüren wusste.

Songs wie „Sierra“ mit seinem treibenden Beat samt fesselndem Refrain oder das nah an FIFTH ANGEL zu „Time Will Tell“-Zeiten angelehnte „Straight For The Kill“ zeigen auch im weiteren Verlauf, dass mit den Schweden zu rechnen ist. Ein weiteres Highlight stellt die an vorletzter Stelle platzierte, zweite Single „Cold As Ice“ dar. Virtuos und dennoch songdienlich die Gitarrenarbeit, treffsicher die Arrangements und mit Recht selbstbewusst bündeln die Schweden hier ihr ganzes Können.

VYPERA ist mit „Eat Your Heart Out“ ein überraschend gutes Debüt gelungen, das irgendwo zwischen Hardrock und Heavy Metal seinen Platz gefunden hat, das herrlich oldschool klingt und doch in unsere Zeit passt. Chapeau!

Stefan

KISS THE VYPER – Hope You Like It

Trackliste:

01. Hope You Like It
02. Back To Hollywood
03. Won’t Break Your Heart Again
04. Give Me The Night
05. Kiss From An Angel
06. Make Love Like Strangers
07. Somewhere In Time
08. Palace Of Pleasure
09. Sweet Sticky Sex
10. When Worlds Collide
11. Don’t Leave Me Lonely

Spielzeit: 54:49 min – Genre: Melodic Rock – Label: Metalapolis Records – VÖ: 24.06.2022 – Page: www.facebook.com/kissthevyper

 

In unserer Redaktionseigenen Release Liste stand das Album „Hope You Like It“ von der Band KISS THE VYPER als Genre war Melodic Rock angegeben. Da mir der Bandname nichts sagte und Melodic Rock zu meinen Favoriten gehört trug ich mich in die Liste für dieses Album ein. In der Promoinfo steht das es sich um das zweite Album der Band handelt und bereits im April und Mai jeweils ein Song als Single veröffentlicht wurde, Das Debüt stammt aus dem Jahr 2016 und hört auf den Titel „Keep The Fire Burning“.

Zum Lineup gehörten Bobby Miller Gesang, Girarre und Keayboards, Rob Bodger an Bass und Backing Vocals, Corrie Antipatico am Schlagzeug und Deb Star an den Backing Vocals. Die Promoinfo fängt mit „KISS THE VYPER ist Melodic Rock auf die dreckige Art. Der australischce Multi-Instrumentalist, Sänger, Songwriter, Engineer und Produzent Bobby Miller …“ an. Diese Formulierung ist Grund genug für mich nach diesen Worten ein oder zwei Ohren zu riskieren und genauer hinzuhören.

Bei den ersten Takten machte sich als erstes Enttäuschung breit, die Produktion klingt doch sehr dünn, saft- und kraftlos wie Demoaufnahmen. Ich weiß nicht ob es durch das komprimierte MP3 Material kommt oder ob das Endprodukt auch so klingt. Bass ist so gut wie keiner vorhanden, die Höhen kacken voll ab und die Mitten brettern voll in die Parade.

Die Vocals sind rau, frech, vorlaut und mit viel Dreck ins Mikro geshoutet, die Gitarren hauen rotzige Riffs raus, der Bass hört sich dank der Produktion an wie eine schwangere Waschmaschine mit Lagerschaden, die Keys gehen fast unter und die Drums hören sich an als wenn die unter Wasser eingespielt wurden.

Schade um die geile Partymucke das die Produktion oder Mix ganz gehörig in die Kacke gegangen ist. Mit mehr kraft im Sound wäre auch mehr in der Bewertung drin gewesen.

Die Band bewegt sich stilmäßig zwischen POISON, CRAZY LIXX, CROSSON, CRASHDIET und HARDCORE SUPERSTAR, de Songs gefallen sogar teils sehr gut und machen Spaß nur eben der dünne … .

„Hope You Like It“ rotzt gleich am Anfang so richtig dreckig los, „Back To Hollywood“ in den Strophen geil im Refrain fällt der Song leicht ab. „Won’t Break Your Heart Again“ geiler Glamrocker mit viel Melodie, „Give Me The Night“ eine schwermütige Ballade mit Bluesnote. „Kiss From An Angel“ ein cooler Rocker, „Make Love Like Strangers“ kommt wieder ein wenig dreckiger rüber mit schrägen Riffeinlagen in den Strophen dafür mit eingängigen Refrain. „Somewhere In Time“ geht ein wenig die Luft aus, „Palace Of Pleasure“ geht wieder besser ab. „Sweet Sticky Sex“ Dreck, dreckiger am dreckigsten war für ein Songtitel, „When Worlds Collide“ wieder ein cooler Rocker, „Don’t Leave Me Lonely“ fast schon AOR und balladesk.

Balle

Signum Regis – Made In Switzerland

Trackliste:

01. The Promised Land
02. Through The Desert, Through The Storm
03. A Memory
04. Given Up For Lost
05. The City Of God
06. Phantasmagoria
07. Enslaved
08. Prisoner’s Elegy
09. I Always Go All-In
10. Never Surrender
11. My Guide In The Night
12. Fly Away
13. Living Well
14. Wrath Of Pharaoh

Spielzeit: 76:34 min – Genre: Melodic Power Metal – Label: Beyond The Storm Productions – VÖ: 10.06.2022 – Page: www.facebook.com/signum.regis

Ohne Wertung

Mein erstes aufeinander Treffen mit SIGNUM REGIS, es wurde auch nach sechs Studioalben und zwei EPs höchste Zeit mal reinzuhören. Hierbei handelt es sich wie der Titel schon sagt um einen Livemitschnitt, aufgenommen wurde in Wiedlisbach in der Schweiz.

Zum Lineup gehören Jota Fortinho am Mikrofon, Filip Koluš und Majo Sucháň an Gitarren, Ronnie König an Bass, Ján Tupý an den Keys und Jaro Jančula an den Drums.

Die Produktion geht für ein Livedokument in Ordnung, ab und zu zu viel Hall aber sonst gibt’s nicht viel zu mosern. Die Vocals sind cool und Fehlerlos, die Gitarren geben den Ton an, die Keys kommen majestätisch aus den Boxen und bilden mit den Gitarren eine breite Soundkulisse. Der Bass wummert herrlich im Hintergrund und die Drums spielen den Arschtreter.

Der gebotene Metal ist mit starken Melodieführungen ausgestattet, die Vocals passen harmonisch zu den Melodien, die Rhythmus Fraktion macht Druck von hinten. Die Aufnahmen ergeben ein stimmiges Gesamtbild, nur weiß man nicht in wie Weit nachgeholfen wurde.

SIGNUM REGIS bieten auf diesem Livedreher Melodic Power Metal der Extraklasse und sollte jedem Genre Fan gefallen und bestens schmecken. Sänger Jota erinnert mich manchmal so wie er singt an den finnischen Metal Shouter Mikael Salo. Als Fazit kann ich nur eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen, wer auf geile Melodien und harte Sounds kann, kommt hier voll auf seine Kosten.

„The Promised Land“ kommt am Anfang ganz gut, „Through The Desert, Through The Storm“ mit viel Melodie stark geboten. „A Memory“ der nächste Melodiehappen, „Given Up For Lost“ ein Highlight, „The City Of God“ ein weiteres Highlight. „Phantasmagoria“ ein cooler Vertreter der Zunft, „Enslaved“ kräftig und cool. „Prisoner’s Elegy“ mit epischen Element angereichert, „I Always Go All-In“ geht wieder in die Vollen. „Never Surrender“ geht als Hymne durch, „My Guide In The Night“ ein Highlight. „Fly Away“ noch so eine melodische Hymne der Richtige Livebrecher. „Living Well“ sehr guter Melodic Metal, mit „Wrath Of Pharaoh“ gibt die Band nochmals Vollgas

Balle