BAD ENGLISH – Bad English (Re-Release)

Band: Bad English
Album: Bad English (Re-Release
Spielzeit: /
Stilrichtung: Melodic Rock, Hardrock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: 14.06.2017
Homepage: www.rockcandyrecords.com

Bei der heutigen Flut an Supergroups verliert man schon mal gerne aus den Augen, dass es einmal eine Zeit gegeben hat, als solche Bands tatsächlich ein Grund zur Freude und zum Jubeln waren. Ja, es gab mal eine Zeit, da wurden solche Bands nicht nur von Plattenfirmen im Kniffelbecher wöchentlich neu zusammengewürfelt um den monatlichen Auswurf an Plastik-Produktionen am Laufen zu halten (sowie einer Handvoll unter Vertrag stehender Songschreiber das Einkommen zu sichern). Nein, Bands wie Cream oder Damn Yankees hatten tatsächlich einen künstlerischen Anspruch und qualitative Substanz. Ich weiß, das ist heute, wo auf jedem 2ten Album einschlägiger Labels der Sticker „Supergroup“ draufpappt, nur noch schwer vorstellbar. Aber, so war das damals. Auch die aus ehemaligen Musikern von Journey und The Babys bestehende Band BAD ENGLISH lieferte, (zumindest mit Ihrem Debüt) einen bärenstarken Brocken Melodic Rock ab, der dem geneigten Fan auch heute noch Freudentränen in die Augen treiben kann. An der Gitarre Neal Schon, die Tasten bediente Jonathan Cain und das Mikro in den Händen von John Waite – da schnalzt der Eingeweihte bereits mit der Zunge. Und die hohen Erwartungen wurden erfüllt, denn neben dem Hit „When I see you smile“ hatte die Platte mit den grandiosen Breitwand-Rockern „Forget Me Not“ oder „Price of Love“ noch weitere Hochkaräter in der Hinterhand. Schon konnte (auch dank „schlag“kräftiger Unterstützung von Powerbolzen Deen Castronovo) bei BAD ENGLISH seine Affinität zu härteren Klängen mit einbringen (was er nach dem leider nur kurzen Gefecht bei BAD ENGLISH, dann noch bei Hardline und später bei den neu formierten Journey auch unterbringen konnte). Cain hatte bereits bei Journey für das Quäntchen Zuckerguss gesorgt, der Alben wie „Escape“ zu Multi Millionen-Sellern machten. Und John Waite hat(te) nun mal eine Stimme, wie es sie nur einmal gibt. Dass der Gute sich in dem glitzernden Melodic Rock Genre nicht ganz so wohl fühlte hört man der Platte nicht an. Im Gegenteil, Waite singt wie ein junger Gott und veredelt die Songs aufs Vortrefflichste.

Leider war bei BAD ENGLISH schon nach dieser einen, grandiosen Platte die Luft raus. Zwar gab es 2 Jahre später mit „Backlash“ noch ein weiteres Album (in gleicher Besetzung) zu hören, der Lack war aber ab und Cain sowie Schon fügten sich wieder in die Reihen Ihrer alten Stammformation ein. Das mit ursprünglich mit 13 Tracks schon üppig bestückte Album wurde in der vorliegenden Neufassung nochmals um 2 Bonustracks (leider keine neuen Songs, sondern lediglich Remixe) erweitert, was den Mehrwert der CD nochmals steigert. Das Remastering ist ebenfalls gelungen und die informativen Linernotes laden wie immer zum Schmökern und Abtauchen in die guten alten Zeiten ein. Ein rundherum gelungenes und essentielles Paket also für den Melodic Rock Fan.

WERTUNG:

Trackliste:

01. Best of What I Got
02. Heaven Is a 4 Letter Word
03. Possession
04. Forget Me Not
05. When I See You Smile
06. Tough Times Don’t Last
07. Ghost in Your Heart
08. Price of Love
09. Ready When You Are
10. Lay Down
11. The Restless Ones
12. Rockin‘ Horse
13. Don’t Walk Away
14. Price of Love (Remix)
15. Forget Me Not (Remix)

Mario

ALANNAH MYLES – Alannah Myles (Re-Release)

Band: Alannah Myles
Album: Alannah Myles (Re-Release)
Spielzeit: 43:18 min
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: 14.06.2017
Homepage: www.rockcandyrecords.com

Manche Künstler schaffen es sich mit einem einzigen Smash-Hit auf Jahrzehnte ins Bewusstsein der Musikkonsumenten einzubrennen. Einem Hit, so groß, dass er auch noch lange nachdem der Künstler sich aufs Altenteil zurückgezogen hat regelmäßig im Radio gespielt wird und einfach „dazu gehört“. „Everything About You“ (Ugly Kid Joe) ist ein solcher Song, „More Than Words“ (Extreme) ebenfalls und auch „Black Velvet“, dieser mit einer bluesigen Akustikgitarre eingeleitete Slow-Rocker, der durch die eindringliche Stimme von ALANNAH MYLES auch heute nichts von seiner Eindringlichkeit verloren hat. Das Gleiche kann man eigentlich auch über die andere Songs auf dem Debüt der energischen Kanadierin sagen, das nun vom Rock Candy Records Label (inkl. neuem Mastering und einem schicken Booklet) neu aufgelegt wurde. Irgendwo zwischen damals angesagtem Hardrock, dezenten Blues Anleihen und heute wieder erstarktem Melodic Rock hatte ALANNAH MYLES sich mit Ihren Starrkopf, ihrem wilden Auftreten und natürlich Ihrer, mit hohem Wiedererkennungswert ausgestatteten, Stimme eine Nische erkämpft. Und die wollte sie mit Ihrem ersten Album auch gleich ganz in Beschlag nehmen. Ich kenne Leute, die heute noch von der Live-Show der Sängerin im Zuge Ihrer ersten Tournee zu diesem Album, (mit Nostalgie in den Augen) schwärmen. Und diese ungezügelte Energie konnte damals, trotz doch arg klinisch reiner Produktion eingefangen werden. Der Mix machte es wohl, denn während der Bass und Drums mitunter verdächtig nach Computer klingen, sorgten die effektiv eingesetzten Gitarrenlicks und – riffs sowie der Gesang für die nötige Bodenhaftung. So präsentieren sich auch heute noch Songs wie das leicht funkige „Love Is“, der flotte Rocker „Just One Kiss” oder die Ballade „ Lover of Mine” als nur minimal gealtert und immer noch auf der Höhe der Zeit.

Nein, ein veritable Klassiker ist das Debüt von ALANNAH MYLES nicht, aber auch beileibe keine mit Lückenfüllern aufgeblähtes Vehikel für den One-Hit-Wonder „Black Velvet“. Die Scheibe (der 1992 mit „Rockinghorse“ noch ein nicht minder starkes 2. Album folgte) sollte auch für Fans von straighten Hardrock-Klängen interessant sein, denn überzeugender und authentischer als Frau MYLES bringen nur ganz wenige Sängerinnen den Dreck und Rotz im Rock rüber. Und das ist schon Grund genug sich diese Platte nochmals zu Gemüte zu führen.

WERTUNG:

Trackliste:

01. Still Got This Thing
02. Love Is
03. Black Velvet
04. Rock This Joint
05. Lover of Mine
06. Kick Start My Heart
07. If You Want To
08. Just One Kiss
09. Who Loves You
10. Hurry Make Love

Mario

MORITZ – About too Time

Band: Moritz
Album: About Too Time
Spielzeit: 51:49 min
Stilrichtung: AOR / Melodic Rock
Plattenfirma: Shadows Of A Dream
Veröffentlichung: 25.08.2017
Homepage: www.moritzband.com

Die britische Melodic Rock Formation MORITZ wurde 1986 gegründet und in Eigenregie veröffentlichten MORITZ, dann 1987 die inzwischen sehr gesuchte EP „Shadows Of A Dream“. Da trotz aller Bemühungen kein Plattenvertrag heraussprang verschwanden die Jungs Ende der Achtziger Jahre in der Versenkung.

Erst 2007 tauchte die Band wieder auf, denn das in England angesehene Powerplay Magazin veröffentliche die bislang einzige EP erneut, welche mit bisher unveröffentlichten Demos aufgestockt wurde. Daher ist für viele AOR Fans, die unter dem Namen „City Streets“ veröffentlichte CD, quasi der inoffizielle erste Langdreher von MORITZ. 2010 erschien mit „Undivided“ dann das erste reguläre Studioalbum, dem 2013 mit „S.O.S.“ ein weiteres folgte.

Dieser Tage erscheint nun also mit „About Time Too“, dass dritte offizielle Album von MORITZ, an dem die Freunde des gepflegt englischen Melodic Rocks gefallen finden sollten. Nach dem Namensgebenden Intro folgen mit dem Classic Rock angehauchten Opener „One More Beautiful Day“, dem grandios melodischen „To The Moon And Back“ und dem AOR Groove Monster „Chance Of A Lifetime“ gleich mal drei extrem starke Statements, die den geneigten Hörer sofort mitnehmen ins Melodic Rock Abenteuerland!

Leider fällt das Level mit den Tracks „Dreamland“, der Ballade „Forever Is“ oder „Take It On The Chin“, dann doch qualitativ etwas ab, allerdings kriegen MORITZ mit dem episch melancholischen, fast Led Zeppelin lastigen „Run“ wieder die Kurve. Die folgenden „Love Long Gone“, das relaxte „Own Little Word“, die grandiose Ballade „You Don´t Know What Love und die das Album abschließenden „There´s Something About“ / „Unwanted Man“ sind vom gleichen Kaliber und präsentieren MORITZ wieder von Ihrer Schokoladenseite.

Wäre der kleine Durchhänger in der Mitte des Albums nicht, würde ich am Ende zu einer deutlich höhere Wertung kommen, allerdings bleibt unterm Strich immer noch ein guter Melodic Rock Longplayer übrig, den alle dem AOR und Melodic Rock zugewandten Hörer antesten sollten.

WERTUNG:

 

 

Tracklist

01. About Time Too (Intro)
02. One More Beautiful Day
03. To The Moon And Back
04. Chance Of The Lifetime
05. Dreamland
06. Forever Is
07. Take It On The Chin
08. Run
09. Love Long Gone
10. Own Little Word
11. You Don´t Know What Love Is
12. There´s Something About (Intro)
13. Unwanted Man

Heiko Füchsel

QUIET RIOT – Road Rage

Band: Quiet Riot
Album: Road Rage
Spielzeit: 50:41 min
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 04.08.2017
Homepage: quietriot.band/

 

Seit dem 04.08.2017 kann man das neue Album “Road Rage” der Kultband QUIET RIOT erbwerben. Es ist das erste Album mit neuem Material seit einiger Zeit, in der Drummer Frankie Banali versucht hat die Band am Leben zu halten. Dies brachte auch einige Mitgliederwechsel mit sich, vor allem am Mikro; für das aktuelle Album sieht die Besetzung wie folgt aus: Frankie Banali (Drums), Alex Grossi (Gitarre), Chuck Wright (Bass), James Durbin (Gesang). Eine erste Version des Albums gab es schon einmal, diese wurde jedoch zurückgezogen und das Material sollte verbessert werden. Wie das Label nun vermittelt, bekommt man hier genau das zu hören, was man von QUIET RIOT erwartet, nämlich Arena-fertigen Hard Rock in bester „Metal Health“-Manier. Das ist sehr enthusiastisch ausgedrückt, schraubt die Erwartungen ganz schön hoch und enttäuscht umso mehr, wenn man sich das Album anhört und merkt, dass die Songs hiervon weit entfernt sind.

Der Einsteiger „Can’t Get Enough“ lässt noch hoffen, ein ordentlicher Rock’n’Roller. „Getaway“, „Roll This Joint“ und „Freak Flag“ sind einigermaßen groovy, „Wasted“ ist purer Gargenrock und „The Road“ ist ziemlich Pop-rockig und modern. „Still Wild“ bietet Blues á la LED ZEPPELIN.
Der Sound des Albums lässt die Frage offen, ob es Absicht ist, dass es sich anhört wie eine junge Garagenband, die ein paar Demos aufnimmt, oder ob es an ordentlichen Aufnahmemöglichkeiten, Budget oder sonstigem gemangelt hat.

Songs wie „Can’t Get Enough“ und „Still Wild“ könnten potentiell wirklich nett anzuhören sein. Das reicht jedoch nicht, um dem gerecht zu werden, wofür QIET RIOT steht. Auch wenn die Songs, trotz des komischen Sounds, nicht zum Davonlaufen schlimm sind, ist das Album leider nicht der Rede wert. Positiv anzumerken ist jedoch noch das coole Mad Max-Cover, welches so manchen Fan des Kultfilms glücklich machen wird.

WERTUNG:

 

 

01. Can’t Get Enough
02. Getaway
03. Roll This Joint
04. Freak Flag
05. Wasted
06. Still Wild
07. Make A Way
08. Renegades
09. The Road
10. Shame
11. Knock Em Down

Lotta

THE NIGHTS – s/t

Band: The Nights
Album: s/t
Spielzeit: 47:57 min
Stilrichtung: Melodic Rock, AOR
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 04.08.2017
Homepage: www.facebook.com/TheNightsOfficial/

THE NIGHTS wurden im Sommer 2015 gegründet, als Sami Hyde (Gesang) und Ilkka Wirtanen (Gitarre) ihre musikalischen Kräfte vereinten. Die beiden Finnen haben jeweils schon eine eigene Kariere aufgebaut, Sami als Sänger unter anderem der TONY MILLS BAND, Ilkka als Produzent für unter anderem RECKLESS LOVE, BATON ROUGE MORGUE und HELLCITY PUNKS. Dem Duo angeschlossen haben sich am Bass Harri Kokkonen und am Schlagzeug Jan-Erik Iivari.
Das selbstdeklarierte Ziel der Band ist es Musik zu schreiben, die gute Laune macht und ein Tribut an ihre ewigen musikalischen Helden, wie TNT oder YNGWIE MALMSTEEN, ist. Das Ergebnis sind klassische Pop-Melodien in einer modernen Melodic Rock/Metal Produktion.
Beim Hören der Scheibe fallen zum einen die Melodien sowohl in den Refrains, als auch in den Strophen auf, so z.B. im U2-mäßigen „We Can Rule The World“. Die Rhythmusabteilung leistet bei Songs wie „In A Blink Of An Eye“ ganze Arbeit indem sie einen von Anfang an mitreißen. Das harmonische Zusammenspiel zwischen Gitarre und Gesang zeigt sich bei „I Will Never Stop Loving You“ besonders. Am meisten brillieren die teilweise harten Riffs in Kombination mit Samis sanfter Stimme, sofort mitsingbaren Refrains und der durchweg saubere Sound. Beispiele hierfür sind der Einsteiger „Welcome To The Show“, das AOR Vorzeigestück „Juliette“ oder auch „Elegy (You Should Be Here)“. „I Wanna Be Your Superhero“ beinhaltet eine kleine Keyboard-Homage an EUROPE’s „The Final Countdown“ und “Hold On” knallt wunderbar mit einem kleinen Einstiegssolo und hartem Beat.
THE NIGHTS liefern hier auf jeden Fall ein beachtliches Debutalbum mit Krachern wie „Welcome To The Show“, „Hold On“ oder „In A Blink Of An Eye“. Melodic Rock/AOR mit modernem Sound ist genau was hier abgeliefert wird, inklusive Mitsing-und Tanz-Faktor. Freunde von Bands wie BROTHER FIRETRIBE, ONE DESIRE und RECKLESS LOVE werden hiermit sehr glücklich werden.

WERTUNG: 

 

 

Trackliste:
01. Welcome To The Show
02. Nothing But Love
03. Juliette
04. I Will Never Stop Loving You
05. In A Blink Of An Eye
06. Hold On
07. Elegy (You Should Be Here)
08. Take Me To Heaven
09. You Belong To Me Tonight
10. I Wanna Be Your Superhero
11. We Can Rule The World

Lotta

RIVERDOGS – California

Band: Riverdogs
Album: California
Spielzeit: /
Stilrichtung: (Hard) Rock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 07.07.2017
Homepage: /

Die Riverdogs sind zurück, und alleine diese Nachricht dürfte so manchem Fan von gepflegtem US-Rock die (nostalgiebedingten) Freudentränen in die Augen treiben. Das Debüt der Jungs genießt auch heute noch hohe Wertschätzung unter Fans des Genres und so wurde das neue Album der Truppe, in deren Reihen sich auch (wieder) der ehemalige Dio und Whitesnake (sowie heutige Def Leppard) Gitarrist Vivian Campbell wiederfindet, mit Spannung erwartet.

Während Campbell immer als so etwas wie der berühmte Lockvogel der Band genutzt wurde, lag von jeher das Hauptaugenmerk auf Sänger Rob Lamothe, der mit seiner eindrucksvollem Stimme die ersten beiden Platten der Band veredelte. An dieser Konstellation hat sich auch heute nichts geändert. Auf der nun vorliegenden 3. Scheibe der RIVERDOGS dreht sich eigentlich alles um die immer noch tolle Stimme des Frontmanns, der den Songs eine Intimität und Autorität verleiht, die man bei vielen andere Bands leider vergeblich sucht. Flankiert wird das Geschehen von einer (nennen wir es mal wohl wollend) „unauffällig“ aufspielenden Rhythmusgruppe und natürlich Campbell an der Gitarre, der einige gute Soli abliefert, ansonsten aber seltsam blass bleibt und dessen Beiträge sich im Laufe des Albums als wenig einfallsreich, oft klischeebeladen und redundant erweisen. Was (a) schade ist und (b) umso mehr den Blick auf das Songmaterial lenkt. Und hier sind der Albumtitel (und das passende Artwork) dann mal tatsächlich Programm: so gut wie alle Songs sind im langsamen bis Mid-Tempo gehalten, hart gerockt wird so gut wie nie, die Songs verbreiten lässiges US Feeling und leben in erster Linie von Lamothe´s  immer noch starkem Gesang: Tracks wie das (leicht) rockige, gute Laune versprühende „American Dream„, der lässige Ohrwurm „Something Inside“ oder der gekonnt intonierte Blueser „The Heart Is A Mindless Bird“ sind kompetent komponiert und routiniert gespielt. Vom Hocker hauen kann die Scheibe einen aber beim besten Willen nicht und bleibt hinter den (über die Jahre gewachsenen) Erwartungen deutlich zurück.

„California“ ist ein gutes, unspektakuläres Rockalbum geworden, daran gibt es nichts auszusetzen. Nach solch einer langen Wartezeit hatte ich mir aber ehrlich gesagt ein wenig mehr erhofft, als nur ein routiniertes, mitunter relativ tiefenentspanntes Album einer Band, die im Herbst Ihrer Karriere nochmal ein wenig die Bretter der Bühnen schnuppern will. Solide, aber leider nicht mehr.

WERTUNG:

Trackliste:

01. American Dream
02. The Revolution Starts Tonight
03. Something Inside
04. Golden Glow
05. You’re Too Rock And Roll
06. The Heart Is A Mindless Bird
07. Searching For A Signal
08. Welcome To The New Disaster
09. Ten Thousand Reasons
10. Catalina11. I Don’t Know Anything

Mario

ACCEPT – The Rise Of Chaos

Band: Accept
Album: The Rise Of Chaos
Spielzeit: 46:24 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 04.08.2017
Homepage: www.acceptworldwide.com

ACCEPT sind wieder da. Und sie haben mal wieder ein gewohnt geiles Accept-Album rausgehauen. 9 von 10 Punkten. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Was denn, zu knapp? Nun gut, widmen wir uns “The Rise Of Chaos” etwas genauer, obwohl eigentlich schon alles gesagt ist. Album Nr. 15 der Teutonen wurde, mal wieder, von Andy Sneap produziert, die Produktion ist dementsprechend hochwertig ausgefallen.
Über zehn Tracks hämmern ACCEPT gewohnt qualitative Metalkost in Reinform in die Gehörgänge ihrer treuen Fangemeinde, die ihnen für den Vorgänger “Blind Rage” unter anderem einen verdienten Platz eins in den deutschen Albumcharts bescherte.
Viel geändert hat sich seit “Blind Rage” nicht. Vielleicht ist “The Rise Of Chaos” einen Ticken schneller als sein Vorgänger, aber insgesamt wird dem Fan genau das geliefert, was er sich von einem ACCEPT-Album wünscht: geradliniger Heavy Metal mit einigen unbestreitbaren 80er-Hard-Rock-Nuancen, der sich binnen Sekunden in die Gehörgänge fräst.
“Die By The Sword” ist dabei ein verhältnismäßig unspektakulärer Opener, der nichtsdestotrotz wunderbar bestätigt, dass ACCEPT ihr Erfolgskonzept nicht geändert haben. Auch “Hole In The Head” mit seinem herrlich angepissten Text weiß das zu untermauern. Wolf Hoffmann beweist stimmliche Vielseitigkeit und der Refrain ist, wie die meisten auf “The Rise Of Chaos” zum Mitgrölen auf Konzerten bestens geeignet – mit viel Bier versteht sich, denn vom Genuss von Koolaid wird in Track Nr. 4 eindringlich abgeraten. Der Midtempo-Rocker punktet mal wieder durch seine Riff-Arbeit und den Refrain und lässt jeden People’s-Temple-Chorhit alt aussehen.
“No Regrets” drischt dann auch mal mit ein wenig Doppelbass auf die Zuhörer ein und das Arrangement der Strophen ist wahrlich nicht von unmetallischen Eltern.
Dann folgt “Balls To The Wall”. Sagte ich “Balls To The Wall”? Nochmal. Dann folgt “Analog Man”, ein purer Hard-Rock-Song, der offensichtlich in hohem Maße von ACCEPTs größtem Hit beeinflusst wurde. Was natürlich in keiner Weise schlecht ist.
“What’s Done Is Done” kommt im Midtempomodus anschließend mit dem wohl komplexesten Refrain auf dem neuen Release, bevor mit “Worlds Colliding” das Tempo wieder angezogen wird. Die Strophe stimmt, der Refrain stimmt, das Solo stimmt – läuft.
Bei “Carry The Weight” handelt es sich nicht, wie der Name des Songs vermuten lassen könnte, um eine Ballade. Im gemäßigten Uptempo und mit abermals schönem Chorus dahertrabend überzeugt das Ding fast so sehr wie der letzte Track des Albums, “Race To Extinction”. Obgleich nicht der schnellste Song auf “The Rise Of Chaos”, ist er doch der böseste, aggressivste – ebenfalls sehr mitsingbar und aus tiefstem Herzen Heavy Metal. Erwartungen vollkommen erfüllt, vielen Dank!

Anspieltipps:
“Hole In The Head”, “Koolaid”, “Analog Man” und “ Race To Extinction”

Fazit:
Was soll man groß sagen? “The Rise Of Chaos” ist zu einhundert Prozent ACCEPT, und außer den fünf Metallern dieser Erde, die mit dieser Band nichts anfangen können, sei dieses Album bedingungslos jedem empfohlen. Auch nach über 35 Jahren gehen die Jungs noch mit beeindruckender Spielfreude ans Werk und schaffen es, ihr bewährtes Konzept interessant zu halten. Ein Punkt Abzug, weil ich mir einfach nochmal einen “Screaming For A Love Bite”-Track gewünscht hätte. Ansonsten sehe ich keinen Grund zur Kritik.

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Die By The Sword
02. Hole In The Head
03. The Rise Of Chaos
04. Koolaid
05. No Regrets
06. Analog Man
07. What’s Done Is Done
08. Worlds Colliding
09. Carry The Weight
10. Race To Extinction

Jannis

 

EAGLEHEART – Reverse

Band: Eagleheart
Album: Reverse
Spielzeit: 55:13 min
Stilrichtung: Progressive Power Metal
Plattenfirma: Scarlet Records
Veröffentlichung: 18.08.2016
Homepage: www.eagleheart.eu

Crowdfunding ist generell eine risikoreiche Investition. Da unterstützt man als Fan eine Band, die man mag, und muss dann in unruhiger Erwartung hoffen, dass das gespendete Geld nicht zu Schrott verarbeitet wird. Die Unterstützer von EAGLEHEART, die den Tschechen die Aufnahme ihres dritten Albums ermöglicht haben, seien an dieser Stelle beruhigt: „Reverse“ ist jeden Cent wert. Die 2003 gegründete Gruppe hat einen absolut würdigen Nachfolger zu „Dreamtherapy“ geschaffen, der kaum Wünsche offen lässt.
„Reverse“ ist beeindruckend fett und klar produziert, tummelt sich irgendwo in den Fahrtwassern von SYMPHONY X und KAMELOT und kommt mit gleich drei Sängern daher, die allesamt nicht nur sehr gute Arbeit verrichten, sondern auch stimmlich sehr gut zur Musik passen.
Mit „Awakening“, einem sphärisch-epischen Keyboard-Intro, gelingt den Herren aus Brno ein stimmungsvoller Einstieg, bevor der erste richtige Track, „Until Fear Is Gone“, unerwartet druckvoll aus den Lautsprechern eskaliert. Progressiv anmutend, mit kleinen Taktwechseln zwischendurch und toller Melodieführung insbesondere im Chorus, sollte bereits dieser Track Freunden melodischen Progressive Metals mit ordentlich Keyboardeinsatz ein paar Freudentränchen aus den Augen locken.
Auf das treibende „Healing The Scars“ folgt dann mit „All I Am“ der vielleicht beste Song des Albums. Wer sich vom kitschigen Synth-Intro nicht abschrecken lässt, findet hier ein unendlich fettes vielseitiges kleines Werk mit großartigem Refrain, einem schönen individuellen Gitarrenriff und modern klingenden Keyboardakzenten.
„Palace Of Thoughts“ und „Reverse“ halten das Niveau beinahe, erweisen sich als vielseitig, aber nicht unübersichtlich chaotisch. „Erased From Existence“ ist vergleichsweise zurückhaltend und einer der schwächeren Songs des Albums, vermag aber durchaus zu unterhalten.
Die Strophe von „Endless“ ist für die Götter und auch der Refrain, der ein klein wenig so klingt, als habe Peavy Wagner ihn geschrieben, kann überzeugen.
Zum Ende von „Reverse“ gibt es mit „Painting The Shadows By Light“ dann nochmal einen kleinen Leckerbissen: Spaßige Disco-Synths auf einem ruhigen Vocal-Intro leiten einen amtlichen High-Speed-Part ein und der Chorus entzückt auf ganzer Linie.
Wer danach ein wenig runterkommen muss, der besorgt sich am besten die Special Edition. Der Bonustrack „Erased“ ist eine nicht zu kitschige Halbballade, die das Niveau des Albums nicht ganz halten kann, aber durchaus hörenswert ausfällt.

Anspieltipps:
„Until Fear Is Gone“, „All I Am“, „Painting The Shadows By Light“ und „Palace Of Thoughts“

Fazit: Reden wir nicht lange um den heißen Brei: „Reverse“ ist ein toller Beitrag zum Progressive-Power-Metal-Genre, der stellenweise vielleicht ein wenig zu überladen ist. Freunde von SYMPHONY X, KAMELOT, modernen Synthesizern und toll ausgearbeiteten Melodielinien sei der neuste Streich von EAGLEHEART bedingungslos ans Herz gelegt.

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Awakening
02. Until Fear Is Gone
03. Healing The Scars
04. All I Am
05. Palace Of Thoughts
06. Reverse
07. Erased From Existence
08. Mind To Decipher
09. Endless
10.Enemy Within
11. Painting The Shadows By Light
12. Erased (Bonus Track)

Jannis

 

KRYPTONITE – s/t

Band: Kryptonite
Album: s/t
Spielzeit: 46:04 min
Stilrichtung: Melodic Rock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 04.08.2017
Homepage: www.facebook.com/KryptoniteSweden

KRYPTONITE sind mit ihrer Besetzung eine Art Supergroup der aktuellen schwedischen Melodic Rock Szene. Alle Mitglieder sind aus einer genrebekannten Band bekannt und haben sich Sänger Jakob Samuel von THE POODLES angeschlossen. Die Rede ist von Pontus Egberg von TREAT und THE POODLES (Bass), Robban Bäck von MUSTASCH und ex-ECLIPSE (Schlagzeug), sowie Mike Palace von PALACE (Gitarre). Samuel hatte zusammen mit Produzent Alessandro Del Vecchio die Absicht eine Band zusammenzustellen, die innerhalb ihrer liebsten Musikgenres tiefgehende, intelligente Texte, sowie großartige Energie vereinen und somit auf den Zuhörer beeindrucken. Schon seit Monaten erschienen immer wieder Teaser zu sämtlichen Making-Offs des Albums und nun ist es endlich da: das selbstbetitelte Debut!

Wie der Blick auf die Mitglieder schon verrät, wird hier feinster AOR und Melodic Rock geboten, mit deutlichem THE POODLES-Einschlag. Durch die Bank überzeugende Riffs und tolle Soli, vor allem bei „Keep The Dream Alive“ und „Get Out Be Gone“. „Fallen Angels“ ist super AOR mit seinem Keyboard-Gitarren-Intro, sehr a lá SURVIVOR. „Across The Water“ klingt relativ modern, „Knowing Both Of Us“ ist die Album-Ballade mit Piano-Intro und Streichereffekten. “Love Can Be Stronger” ist wohl einer der Songs mit angedroht tiefgehendem Text. Worum es grob geht: Liebe ist stärker als Hass, helft und seid lieb zu einander in einer gefährlichen Welt. Eine schöne Botschaft, verpackt in einem mitreißenden Rhythmus, mit tollen Drums. „No Retreat No Surrender” ist das Schlusslicht des Albums und ist etwas härter geraten.

„Kryptonite“ ist garantiert keine Zeitverschwendung, sondern eine ganz klare Empfehlung. Gleichzeitig bleibt das Album etwas hinter den Erwartungen zurück, da es mir ein wenig zu abgeklärt ist. „Get Out Be Gone“, „Fallen Angels“ und „No Retreat No Surrender“ werden aber definitiv in einige Playlisten aufgenommen werden und das nächste Album, sollte es eins geben, wird mit größter Spannung erwartet!

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Chasing Fire
02. This Is The Moment
03. Keep The Dream Alive
04. Fallen Angels
05. Across The Water
06. Love Can Be Stronger
07. Knowing Both Of Us
08. Get Out Be Gone
09. One Soul
10. Better Than Yesterday
11. No Retreat No Surrender

Lotta

ELA – Second Reality

Band: ELA
Album: Second Reality
Spielzeit: 46:10 min
Stilrichtung: Melodic Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 25.08.2017
Homepage: www.ela-rocks.com

Von der Band ELA hatte ich noch nichts gehört! Und das obwohl die Band seit 2004 schon aktiv ist und vier Alben und zwei EP‘s raus gebracht haben.
Nun steht man beim deutschen Label Massacre Records unter Vertrag und bringt dieser Tage das fünfte Album „Second Reality“ auf den Markt.
Die Band wird angeführt von der stimmgewaltigen Fronterin und Bandnamensgeberin Ela und spielt mittlerweile Melodic Metal. Mit mittlerweile meine ich das man zuvor eher poppig bis rockig unterwegs war und nun hat man mit einem neuen Lineup auch eine ordentliche Kurskorrektur hingelegt hin zu erdigen Melodic Metal!
Daher war ich sehr gespannt wie ELA im Jahre 2017 denn klingen und startete erwartungsvoll den Opener „Alchemy“. Und hier ballern direkt mal die tief gestimmten Gitarrenriffs aus den Boxen welche dann schon nach kurzem vom hohen, aber kraftvollen Gesang von Fronterin Ela unterstützt werden. Der Midtemposong gefällt und läuft gut rein, direkt weiter also zum nächsten Track „Cormatose“ der auch bestens tönt und sich schnell festsetzen kann.
Danach gibt es dann leider eine Durststrecke zu überstehen, denn „House of Lords, „Revenge“, „Black Roses“ und auch „Witch of Salem“ bleiben nicht wirklich hängen und rauschen so ziemlich an einen vorbei!
Einzig das dazwischen stehende „Deadly Sins“ kann überzeugen und reiht sich direkt in die Hitliste ein.
Danach gibt es dann wieder eher Standardkost zu vermelden bevor mit „Varus und „Warcraft“ die Qualitätskurve erneut nach oben geht.
Der Abschluss ist dann mit den beiden letzten Songs „ Welcome to Zombieland“ und „Lizzy Borden‘s Rhyme“ leider wieder nicht komplett überzeugend so das abschließend ein etwas fader Beigeschmack bleibt, denn hier war insgesamt mehr drin!

Anspieltipps:

“Alchemy”, “Cormatose”, “Deadly Sins”, sowie “Varus”

Fazit :

Also im Vergleich zu den ersten ELA Alben tönt das neue Studiowerk wirklich doch sehr amtlich aus den Boxen! Leider hapert es ein wenig an der durchgehenden guten Songqualität die man nicht vollkommen bis zum Schluss halten kann.
Ein paar Hits haben es aber auf das Album geschafft und zusammen mit der guten Produktion die ordentlich Dampf hat springt eine solide Leistung heraus, nicht mehr aber auch nicht weniger!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Alchemy
02. Cormatose
03. House of Lords
04. Revenge
05. Black Roses
06. Deadly Sins
07. Witch of Salem
08. Psycho Path
09. Varus
10. Warcraft
11. Welcome to Zombieland
12. Lizzy Borden‘s Ryhme

Julian