THE SCREAM – Let it scream (Re-Release)

Band: The Scream
Album: Let it scream (Re-Release)
Spielzeit: 79:54 min
Stilrichtung: Hard Rock, Sleaze Rock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: 07.12.2018
Homepage: www.rockcandyrecords.com

Die „Unplugged“ Scheibe von Sänger John Corabi war eine der ersten Platten, die ich für die Rock Garage besprechen durfte. Gücklicherweise sind seitdem noch ein paar weitere gute Scheiben hinzugekommen, auf denen Corabi seine Stimmbänder schwingt und die ich mir intesiv anhören konnte (von der neuen Heimat des Barden, den Dead Daisies, siehe hier und hier). In meiner Besprechnung von „Unplugged“ erwähnte ich damals (das ist bereits über 6 Jahre her), dass eine Neuauflage des Debüt Albums der Corabi Band THE SCREAM in der Mache sei, inklusive Live-Bonus Tracks … man sollte die Hoffnung nie aufgeben, denn was lange währt wird endlich gut: Nun liegt er also vor, der erwähnte Re-Release dieses Klassikers, den der Stefan bereits im Zuge seiner „Klassiker der Woche“ Kolumne ausführlich vergestellt und angepriesen hatte (nachzulesen hier).

Daher möchte ich an dieser Stelle nicht nochmals auf die Vorgeschichte und den wirklich erstklassigen musikalischen Inhalt der Scheibe eingehen. Daran hat sich natürlich auch auf der aktuellen Rock Candy Neuveröffentlichung nichts geändert. Als Kaufargument lockt, wie bei diesem feinen Label üblich, zum einen das gewohnt informative Booklet, in dem Corabi ausführlich zu Worte klommt und die Platte reflektiert. Zum anderen sind die Bonus Tracks und das Remastering zu erwähnen. Während letzteres durchaus Geschmacksache ist und ziemlich laut ausgefallen ist, stellen die Live Songs einen wirklichen Mehrwert dar, der es Fans der Truppe eigentlich unmöglich machen dürfte hier nicht zuzugreifen. Neben dem okayen Non-Album Track „Yound and Dumb“, welches der Betrag der Jungs zum Hollywood Streifen „Encino Man“ (deutscher Titel: „Steinzeit Junior“) war, sind da noch 6 Live Aufnahmen aus dem Jahr 1992 zu bestaunen. Die Aufnahmen sind keine audiophile Offenbarung, haben aber den Vorteil die Band ungeschminckt und ungekünstelt zu präsentieren. Hier klingen THE SCREAM schön rauh und hungrig und Hammer wie das treibende „Catch Me If You Can“ gewinnen in der Live Darbietung nochmals ungeheuren Charme. Es ist wirklich eine Schande, dass Corabi von Mötley Crüe angeheuert wurde. Wer weiss, was aus dieser vielversprechenden Truppe noch hätte werden können?

Wer „Let it scream“ noch nicht im CD-Regal stehen hat, sollte, nein, muss hier zugreifen. Selten wurden handwerkliches Können, starkes Songwriting und eine zeitlose, kraftvolle Produktion (dank Mischpult-Legende Eddie Kramer, Kiss, Jimi hemdric und Led Zeppelin) so eindrucksvoll in Szene gesetzt wie hier.

WERTUNG: (Keine Wertung)

Trackliste:

01. Outlaw
02. I Believe In Me
03. Man In The Moon
04. Father, Mother, Son
05. Give It Up
06. Never Loved Her Anyway
07. Tell Me Why
08. Loves Got A Hold On Me
09. I Don’t Care
10. Every Inch A Woman
11. You Are All I Need
12. Catch Me If You Can
13. Young And Dumb (Bonus Track)
14. Outlaw (live 1992) (Bonus Track)
15. Give It Up (live 1992) (Bonus Track)
16. I Believe In Me (live 1992) (Bonus Track)
17. Father, Mother, Son (live 1992) (Bonus Track)
18. Catch Me If You Can (live 1992) (Bonus Track)
19. Lick And A Promise (live 1992) (Bonus Track)

Mario

EUROPE – Out of this World (Re-Release)

Band: Europe
Album: Out of this World (Re-Release)
Spielzeit: 47:55 min
Stilrichtung: Hard Rock, Melodic Metal
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: /
Homepage: www.europetheband.com

Als John Norum, ein in Kollegen- und Fankreisen hoch geschätzter Gitarrist, nach dem phänomenalen Erfolg der 3. Scheibe „The Final Countdown“ bei den schwedischen Hardrockern EUROPE seinen Platz räumte war das schon ein beachtlicher Schritt. Die Differenzen bezüglich der musikalischen Ausrichtung waren angeblich zu gross. Während Norum einen rockigeren Sound verfolgte, hatten Sänger Joey Tempest und der Rest der Mannschaft kein Problem damit sich noch mehr an seichterem Mainstream zu orientieren. Die Lücke, die Norum hinterließ war nicht gerade klein. Mit der Verpflichtung des Landsmanns Kee Marcello machten EUROPE aber genau den richtigen Griff zur richtigen Zeit. So grundlegend essentiell Norums Riffs und Licks auch für den Erfolg der Truppe bis dahin waren. Was Marchello auf seinem Einstand „Out of this World“ abfeuerte war schlichtweg grandios und gilt auch heute noch als Meilenstein des melodischen Solospiels im Rock-Genre (man höre sich nur mal das wahnwitzige Solo in „Just The Beginning“ oder die geschmacksicheren Moldiefeuerwerke in Superstitious“ an).

Die Marschrichtung war klar: den gewohnten/bekannten Hardrock der Band durch ein Optimum an massenkompatiblen Glitzer für die Weltherrschaft herausputzen. Das ist den Jungs, mit tatkräftiger Unterstützung Ron Nevison (u.a. UFO und Survivor) an den Reglern, auch verdammt gut gelungen. Ohrwürmer der Marke „Superstitious“, „Let the Good Times Rock“ oder die aufpolierte Neufassung der Power-Ballade „Open Your Heart“ (ursprünglich auf der Scheibe „Wings of Tomorrow“ vertreten) klingen auch heute noch, dank der fantastischen Produktion, räumlich, druckvoll und referenzverdächtig. Ganze 6 Singles wurden aus „Out of this world“ ausgekoppelt und doch schnitt die Platte nicht so gut ab wie der übermächtige Vorgänger. Auf dem nachfolgenden „Prisoners in Paradise“ wurde der Bombast etwas heruntergefahren, was den Abstieg der Band aber auch nicht retten konnte und in der zeitweisen Auflösung von EUROPE endete. Aber das ist eine andere Geschichte …

Jepp, „Out of the world“ ist definitiv das poppigste Album der Schweden im Gesamtkatalog der Jungs. Allerdings ist die Scheibe auch sehr gut gealtert und kann sich auch heute noch hören lassen. Die Fangemeinde mag ein wenig gespalten sein ob der glattgebügelten Ausrichtung und seit der Reunion fährt die Truppe ja einen konsequent entgegengesetzten Weg. Das ändert aber nichts daran, dass wir es hier mit einer tolle Scheibe zu tun haben, die in der vorliegenden Rock Candy Fassung (inkl. einem ordentlichen Remastering und tollen Linernotes) eine wertige Investition in die CD Sammlung darstellt.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Superstitious
02. Let The Good Times Rock
03. Open Your Heart
04. More Than Meets The Eye
05. Coast To Coast
06. Ready Or Not
07. Sign Of The Times
08. Just The Beginning
09. Never Say Die
10. Lights And Shadows
11. Tower’s Calling
12. Tomorrow

Mario

MADISON – Best in Show (Re-Release)

Band: Madison
Album: Best in Show (Re-Release)
Spielzeit: 54:16 min
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 16.11.2018
Homepage: /

Nach den ersten Tracks dieses Re-Releases des 2ten Album der Band MADISON (die ich mir ohne Vorkenntnisse bzgl. der Truppe angehört habe) kommt mir immer wieder der Name Europe in den Kopf und siehe da: Ein Blick in den Promo Text bestätigt die Vermutung. Aus dem schönen Schweden kam die Band, deren offensichtlichstes Alleinstellungsmerkmal der sehr hohe und kraftvolle Gesang von Fronter Goran Edman (später u.a. bei Yngwie Malmsteen und John Norum in Diensten) war. Bei genauerem Hinhören kann aber auch die Gitarrenfraktion (Anders Karlsson und Mikael Myllynen) mit starken Soli glänzen, welche den exzellenten Ruf der Schwedischen Gitarristenzunft mal wieder untermauert.

Geboten wurde auf „Best in Show“ typischer 80er Jahre Hair Metal, das Ganze aber nicht in allzu cheesigen Gefilden à la Poison, sondern eher auf dem Level der bereits erwähnten Landsmänner, die im selben Jahr mit „The Final Countdown“ den absoluten Shmashhit hingelegt und durch die Decke gegangen waren. Die Parallelen sind auf jeden Fall da, auch wenn MADISON zu keinem Moment solch zwingende Hooklines wie die Kollegen auf die Kette bekamen. Stark ertönen aber auch heute noch, auch dank dem guten Remastering, Tracks wie der Opener „Oh Rendez Vous“, das durch eine an Savatage erinnernde Piano/Gitarre Sequenz eingeleitete Doppel „Drama“/“Shine“ oder der relativ einfache Rocker „Hotel Party“.

Muss man „Best in Show“ im Regal stehen haben? Nein, nicht zwingend. Da mir nur mp3 Files zur Besprechung vorlagen kann ich an dieser Stelle leider auch nichts zur Aufmachung dieses Re-Releases sagen. Aber eine Bereicherung der 80er CD Sammlung stellt dieses feine Album dennoch dar. Nicht jeder Song ist ein Volltreffer und vor allem nach hinten raus geht dem Songmaterial ein wenig die Luft aus. Wer aber generell etwas mit diesem Genre anfangen kann sollte die Band für sich entdecken.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Oh Rendez Vous
02. Carry On
03. Hotel Party
04. Drama
05. Shine
06. The Look In Your Eyes
07. Give It Back (Remix)
08. Out Of The Bunker
09. World Wide Man
10. Can’t Take It
11. Mental Masturbation
12. The Tale

Mario

RADIANT – Radiant

Band: Radiant
Album: Radiant
Spielzeit: 60:10 min.
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 09.11.2018
Homepage: www.radiant-rock.com

Der Sommer hat sich verabschiedet, es wird kalt, früh dunkel, tendenziell feucht und unangenehm. Erstmal ’n saftiges Sommeralbum rausbringen, das bestens für Strandurlaub, Cabriofahren und Festivalcamps geeignet ist. Smarter Move, RADIANT, wirklich. Man muss fairerweise hinzufügen, dass es eigentlich doch verkraftbar ist, wenn der belastendste Aspekt eines Albums sein ungünstig gewählter Release-Zeitpunkt ist, für den die Band normal zudem eh kaum etwas kann.
Doch um wen geht es hier überhaupt? Nun, es geht um RADIANT, hörbar sesshaft im Norden Deutschlands, die nach ihrer Gründung im Jahr 2014 nun ihr erstes, selbstbetiteltes Album auf den Markt gesetzt haben. Frontmann der Truppe ist der unter anderem durch AVANTASIA und VOODOO CIRCLE bekannte Ausnahmesänger Herbie Langhans, der sich zusammen mit anderen Mitgliedern seiner Band SEVENTH AVENUE dazu entschlossen hat, die Geschwindigkeit und Härte durch Eingängigkeit und kräftigen Rock auszutauschen. Über die Musiker muss man somit nichts mehr sagen, hier sind durchweg kompetente Leute an der Arbeit; auch an den Reglern, die sich Herbie und Michael Rodenberg geteilt haben.
Musikalisch lässt sich “Radiant” als eine Mischung aus AVANTASIA (deren Songwriting entweder schwer durch Herbie beeinflusst wurde oder die Herbies Songwriting schwer beeinflusst haben) und fröhlicherem Hamburger Power Metal beschreiben, die man durch den WHITESNAKE-Hard-Rock-Wolf gedreht und anschließend um Musical/Gospel-Backing-Vocals ergänzt hat. Dazu viele Gute-Laune-Melodien, dezent eingesetzte Synthesizer und ziemlich viel Dur.
Hauptkritikpunkt: Obwohl “Radiant” echt gut komponiert ist und einen enormen Haufen eingängiger Melodien mit Charakter zu bieten hat, finden sich doch einige Songs (unter anderem der Opener “Yes I Am”), deren Refrains mit einer geilen Line beginnen, die wirklich neugierig auf den Rest des Refrains macht – bis klar wird, dass die Line einfach noch dreimal wiederholt wird. Klingt auch gut, hätte man aber mit wenig Kompositionsaufwand ein noch einmal besseres Hörerlebnis draus machen können.
Und sonst so? “Radiant” ist eine ausgewogene Mischung aus knallendem Hard Rock (“Hit The Night”, “Yes I Am”), balladigeren Tönen (“Paint The Grey”, eine ziemlich gute Rock-Ballade), und viel Feelgood-Rock, der perfekt zwischen Härte und fröhlichen Melodien vermittelt, allen voran “Heroes” und “Forever One”.
Zwischendurch darf dann mit “Liars” auch mal das Uptempo ausgepackt werden, ansonsten bewegt man sich weitestgehend im Midtempo-Bereich. Stört aber gar nicht, da die einzelnen Lieder doch so individuell rüberkommen, dass “Radiant” weiß Gott kein Midtempo-Einheitsbrei ist. Weitere Knaller: Das nachdenkliche “Silver Linings”, das mit großen Melodien und 6/8el-Takt ausgestattete “Dorian Grey”, bei dem man jederzeit erwartet, dass im nächsten Moment Tobi Sammet reingesägt kommt, und die erste Single “You Rock”, die vergleichsweise generisch ausfällt, dabei aber mit einem hochgradig liebevoll gemachten Video punkten kann (Wir berichteten).

Anspieltipps:
“Dorian Grey”, “Silver Linings”, “Heroes”, “Hit The Night” und “Should I Live Without You”

Fazit:
Nochmal kurz: Kraftvoller melodiöser Hard Rock mit viel positiver Grundstimmung und einigen AVANTASIA-Melodien, präsentiert von einer starken Band mit hervorragendem Sänger. Bringt Sonne in jede verschneite Plattensammlung. Rein muss gehört werden.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Yes I Am
02. I’m Alive
03. Silver Linings
04. You Rock
05. Dorian Gray
06. Forever One
07. Heroes
08. Liars
09. Not Worth After All
10. Paint The Grey
11. My Own Way
12. Should I Live With You
13. Life’s Shadows
14. Hit The Night

Jannis

 

CHRISTIAN TOLLE PROJECT – Point Blank

Band: Christian Tolle Project
Album: Point Blank
Spielzeit: 41:34 min.
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Fastball Music
Veröffentlichung: 26.10.2018
Homepage: www.christiantolle.com

Widmen wir uns nun Christians tollem Projekt, das wesentlich mehr Potenzial besitzt als dieser Fremdscham erregende Eingangswitz, der ungleich weniger Lust auf den Rest der Rezension macht als der Opener von “Point Blank”, “Point Blank”, auf den Rest der nunmehr fünften Veröffentlichung des CHRISTIAN TOLLE PROJECTs (Jesus, was für ein Eingangssatz). Dieser gibt einen ersten Eindruck, was den interessierten Hörer auf “Point Blank” erwartet – kraftvoller klassischer Hard Rock, gitarrengetrieben und mit subtil unterstützenden Keyboards aufgepeppt – ohne die vielen Qualitäten der Platte gleich zu Anfang zu verraten. Dass “Point Blank” gutes Material liefert, lässt sich jedoch bereits bei einem Blick auf das LineUp der Band erahnen. Neben dem namensgebenden Christian, der Gitarren, Bass, Drums, Produktion und Mix auf dem Album allesamt souverän gemeistert hat, wurden David Reece (Ex-ACCEPT und BONFIRE) und John Cuijpers (PRAYING MANTIS) ans Mic gestellt und Mathias Dieth (Ex-U.D.O.) und Doug Aldrich (Ex-Whitesnake und THE DEAD DASIES) für die Lead-Gitarren organisiert. Entsprechend professionell ist das Ergebnis.
Was sich auf dem fünften C.T.P.-Release abspielt, ist kurzweiliger Hard Rock, dargeboten auf zehn maximal fünf Minuten langen Songs (optimal, die Platte hat praktisch keine Längen), der weitaus vielseitiger ausfällt, als man es nach dem bereits erwähnten Opener vermuten würde. Zwei Songs sind Cover, “Since You’ve Been Gone” von RAINBOW und “Lonely Is The Night” von BILLY SQUIER, die nah genug am Original sind, dabei dank ihrer starken und liebevollen Umsetzung jedoch ihre absolute Existenzberechtigung haben und zu den Highlights auf “Point Blank” zählen.
Die restichen Songs sind tendenziell im Midtempo-Bereich angesiedelt und innerhalb ihres Stils angenehm vielseitig. Mit “Proceed With Caution” gibt es einen verhältnismäßig ruhigen Track, der aber noch nicht unbedingt als Ballade durchgeht. “Fight Another Day” und “Before I Fall” sind dank ihres smarten Orgel/Synth-Einsatzes nahezu funky und laden zu zurückgelehntem Mitnicken unter Aufsetzung eines möglichst coolen Gesichtsausdrucks ein, der beim überraschenden Feelgood-Refrain von “Don’t Make Me Wait” in ein breites Grinsen eingetauscht werden darf.
Häufig, so bei “Since You’ve Been Gone” oder “Borderland”, wird neben den hörbaren WHITESNAKE-Einflüssen ein erfreuliches Faible Christians für klassischen Rock’n’Roll offenbar, das den Stil des Albums zusammen mit der zu vermutenden Liebe von Keyboarder Morris Adriaens zu den funkigeren Werken von HERBIE HANCOCK prägt.
Mit “Too Late” und “Black Friday” sind zwar auch ein paar durchschnittlichere Songs an Bord, doch der Gesamteindruck, den “Point Blank” hinterlässt, bleibt absolut positiv. Klassisch aber nicht standard – und komplett staubfrei.

Anspieltipps:
Die Coversongs, “Before I Fall” und “Borderland”

Fazit:
Es lohnt bei “Point Blank”, mehr als nur einem Lied eine Chance zu geben, wenn man einen Kauf des Albums in Betracht zieht. Dann wiederum kann man als Fan traditionellen Hard/Classic Rocks mit modernem Touch eh bedenkenlos zugreifen. Es sei denn, man hat ein Problem mit unterhaltsam komponierter und gut gespielter Musik.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Point Blank
02. Borderland
03. Since You’ve Been Gone
04. Proceed With Caution
05. Too Late
06. Fight Another Day
07. Before I Fall
08. Black Friday
09. Don’t Make Me Wait
10. Lonely Is The Night

Jannis

NORDIC UNION – Second Coming

Band: Nordic Union
Album: Second Coming
Spielzeit: 45:08 min
Stilrichtung: Hard/Melodic Rock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 09.11.2018
Homepage: www.frontiers.it

Handwerklich ist auf der 2ten Platte der NORDIC UNION, rund um Pretty Maids Sänger Ronnie Atkins und Eclipse Mastermind Erik Martensson nichts auszusetzen. Das war auch nicht wirklich zu erwarten, dann Martensson ist dafür bekannt perfekte Songs zu schreiben und Atkins ist ein begnadeter Sänger mit einer unfassbaren Rockröhre. Da das Debüt zwar nicht überschwänglich, aber mit Wohlwollen aufgenommen wurde, musste natürlich recht zeitnah ein Nachfolger eingerockt werden. Nach dem beinahe 2 Jahre alten „Nordic Union“ steht also nun „Second Coming“ in den Läden.

Dass Martensson ein Songschreiber ist, der weiß was er tut hat er ja bereits mehrfach beweisen (u.a. W.E.T., Eclpise, Jimi Jamison). Entsprechend gutklassig sind die Kompositionen, wobei das mit latenten Goth-Anspielungen versehene „Because Of Us“, der flotte Rocker „My Fear & My Faith“ und das dynamisch, episch angelegte „Die Together“ besonders hervorstechen. Bei den insgesamt 11 Tracks gibt es keinen Durchhänger – es gleicht sich halt alles ziemlich, Abwechslung muss man mit der Lupe suchen. Das macht aus „Second Coming“ eine starke Genre-Platte bzw. ein typisches Frontiers Produkt, aber bestimmt nichts, wovon man in ein paar Jahren noch mit Glänzen in den Augen sprechen wird. Musikalisches Fast Food halt. Als Überbrückung bis zum nächsten Pretty Maids Werk kommt die neue NORDIC UNION Scheibe also den Fans von Atkins ganz gelegen. Wobei ich anmerken muss, dass aufgrund der brachialen Klanggewalt im Endeffekt jeder x-beliebige Sänger die Platte hätte einsingen können. Gegen die undurchdringliche Wand an Drums, Gitarren und allerlei Schnickschnack hat der gute Atkins so gut wie keine Chance seine Stärken ins rechte Licht zu rücken. Schade und eigentlich ein Stück weit Verschwendung. Hier wurde das Breitwand Klanggewand nicht um den Sänger und seine charakterstarke Stimme herum aufgebaut, sondern der Gesang als letztes Puzzleteil da reingepackt wo noch Platz war.

Ich bin nicht ganz zufrieden mit „Second Coming“, denn aus der Sache hätte man so einiges mehr machen können. So bleibt ein Ronnie Atkins der zwar alles gibt(die Stimme ist und bleibt ein Erlebnis), aber leider blass bleibt und eine Handvoll gewohnt starker Songs aus der Feder von Erik Martensson.  Fans der Stammbands der beiden und die, denen die erste Scheibe von NORDIC UNION gefallen haben können aber auf jeden Fall ein Ohr riskieren. Beim nächsten Mal würde ich mir wünschen die Tracks würden etwas mehr auf Atkins zugeschnitten. Dennoch, nicht übel das Ganze.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. My Fear & My Faith
02. Because Of Us
03. It Burns
04. Walk Me Through The Fire
05. New Life Begins
06. The Final War
07. Breathtaking
08. Rock’s Still Rolling
09. Die Together
10. The Best Thing I Never Had
11. Outrun You

Mario

ACE FREHLEY – Spaceman

Band: Ace Frehley
Album: Spaceman
Spielzeit: 37:07 min
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Entertainment One (eOne)/SPV
Veröffentlichung: 19.10.2018
Homepage: www.acefrehley.com

Der ehemalig Kiss-Gitarrero Ace Frehley ist definitiv ein Unikat. Nicht nur was seine zwar relativ simple, aber enorm effektive Spielweise anbelangt, sondern auch und vor allem was den spleenigen Charakter des mittlerweile 67-jährigen betrifft. Wer seine kurzweilige Biographie gelesen hat, weiß was ich meine. Zweifelsohne ist Frehley ein Urgestein des amerikanischen Hardrock, der mit seinem blues-basierten Spiel unzählige Kiddies dazu brachte zur Gitarre zu greifen und eine Karriere im Rampenlicht zu suchen. Seit seinem Ausscheiden bei Kiss hat Frehley immer mal wieder Solo-Alben veröffentlicht, das letzte („Space Invader„) liegt nun 4 Jahre zurück. Zeit also für ein neues Lebenszeichen des „Spaceman“, der offensichtlich seine Vergangenheit immer noch als Vehikel für seine aktuellen Tätigkeiten nutzen möchte.

Wer Frehley bisheriges Oeuvre kennt, weiß was ihn auf „Spaceman“ erwartet: schön knarziger Hardrock, Kompositionen die nie Gefahr laufen in die Champions League vorzudringen sondern eher in der 2ten Liga mitkicken und natürlich das limitierte Gitarrenspiel und der noch limitiertere Gesang des sympathischen Altrockers. Qualitativ hat sich seit der letzten Scheibe nicht viel geändert. Die Songs rocken angenehm unprätentiös nach vorne und werden von einer guten Backing-Band (u.a. Session Drummer Anton Fig) und einer professionellen Produktion getragen. Anspieltipps sind der schmissige Ohrwurm „Rockin‘ with the Boys“, dass gemeinsam mit Kiss-Bassist Gene Simmons verfasste „Without You I’m Nothing“ und die musikalische Visitenkarte „Bronx Boy“. Ausfälle gibt es auf „Spaceman“ eigentlich keine zu vermelden, lediglich den zerfahrenen instrumentalen Rausschmeißer „Quantum Flux“ hätte der gute Spaceman sich sparen können. Ansonsten wird der Fan große Freude an dieser Scheibe haben, die perfekt zu einer relaxten Autofahrt passt.

Nichts Neues im Hause Frehley, und das ist ausnahmsweise auch mal gut so. Wo andere betagte Bands verkrampft versuchen sich und Ihren Sound zu modernisieren, macht der gute Ace genau das was er am besten kann. Wer also auf das bisherige Schaffen des passionierten Les Paul Spielers steht, kann hie bedenkenlos zugreifen. Es ist Frehley und der Mannschaft um ihn herum gelungen ein typisches Spaceman Album mit einigen wirklich guten Songs einzutüten. Was will man mehr?

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Without You I’m Nothing
02. Rockin‘ with the Boys
03. Your Wish Is My Command
04. Bronx Boy
05. Pursuit of Rock and Roll
06. I Wanna Go Back
07. Mission to Mars
08. Off My Back
09. Quantum Flux

Mario

WHITE WIDDOW – Victory

Band: White Widdow
Album: Victory
Spielzeit: 41:03 min.
Stilrichtung: AOR
Plattenfirma: AOR Heaven
Veröffentlichung: 19.10.2018
Homepage: www.facebook.com/whitewiddowaor

Keine Frage: Die fünf Australier von WHITE WIDDOW haben den großen Sprung in die hungrigen Ohren von AOR-Fans weltweit geschafft. Obwohl die in Melbourne geründete Truppe erst seit zehn Jahren besteht, hat man sich mit bislang vier, “Victory” eingerechnet fünf, Alben einen ansehnlichen Namen erspielt. Prognose: Tendenz steigend.
Was sich über die zehn Tracks und knapp über 40 Minuten Spieldauer von “Victory” abspielt, ist AOR ganz im Sinne der Klassiker des Genres. Auf großartige Modernisierung wurde verzichtet zugunsten eines authentischen 80er-Feelings, das WHITE WIDDOW niemand mit einigermaßen funktionsfähigem Gehör und zumindest ansatzweise gegebener Zurechnungsfähigkeit absprechen kann. Mit relativ guter Produktion (Die Snare hätte mehr knallen dürfen und ein paar Höhen weniger wären auch nicht übel gewesen), einer bestens passenden stimmlichen Leistung von Jules Millis und einer stabilen Instrumentalarbeit feiern die Melbourner die güldenen Achtziger – und zwar tatsächlich äußerst authentisch. Die massiven Saw-Synths machen’s, die Melodieführungen der meist im Midtempo gehaltenen Tracks, die Texte eh.
Der komplette Victory ist die Platte dennoch leider nicht. Zwar gibt es subjektiv betrachtet keinen Totalausfall, doch agiert “Victory” dabei durchgängig auf einem stabilen 7,5/10-Niveau. Denn so original die einzelnen Tracks auch wirken, so setzen sie doch nahezu alle auf das selbe Grundkonzept, zu 90% auf das selbe Synthesizer (Freunde, man kann bei den Dingern generell mehrere Sounds auswählen) und verdammt ähnliche Melodien. Klar gibt es Variationen, beispielsweise bei “Reach Up”, dem Song, der auf “Victory” dank seiner Drumarrangements am ehesten aus der Reihe fällt. Auch die Härte variiert: Von der gefühlvollen Ballade (“Anything”) über das ruhige und melancholische “Second Hand Heart” und das schlageresk-coole “Dance In The Moonlight” bis hin zum ganz ganz klassischen Titeltrack ist alles vorhanden – aber einfach ein wenig einfallsloser als bei vorherigen Alben, zum Beispiel dem starken “Crossfire”. Es entsteht leider das Gefühl, dass “Victory” eben die Genre-Fan-Bedienung ist, die nach Lehrbuch recht unkompliziert zu erschaffen ist.
Das macht “Victory” nicht zu einem schlechten Album. Im Gegenteil, Freunde der großen Vorbilder von WHITE WIDDOW werden an der Scheibe durchaus ihren Spaß haben. Es bleibt lediglich das ungute Gefühl, dass diese Band, wie sie auf vorangegangenen Veröffentlichungen gezeigt hat, eigentlich mehr auf dem Kasten hat und durchaus imstande wäre, ein abwechslungsreicheres Album zu produzieren, ohne dabei dem von ihnen auserkorenen Genre den Rücken kehren zu müssen.

Anspieltipps:
“Reach Up”, “Second Hand Heart” und “Danced In The Moonlight”

Fazit:
“Victory” ist ein gekonnt gemachtes AOR-Album, das unter Genrefans sicher auf positive Resonanz stoßen wird. Dicke Keyboards, ein paar Ohrwurmmelodien viel Midtempo, viel Harmonie – alles was fehlt ist ein wenig mehr Mut, von den Stil-Schemata auch nur ein klein wenig abzuweichen. So wie die Platte letztendlich klingt, ist sie einfach ein wenig zu sehr auf Sicherheit konzipiert. Das vermeidet schlechte Tracks, aber eben auch wirklich herausragende.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Victory
02. Fight For Love
03. Second Hand Heart
04. Late Night Liason
05. Danced In The Moonlight
06. Love And Hate
07. Reach Up
08. Anything
09. America
10. Run And Hide

Jannis

BONESETTER – One Way Top Speed

Band: Bonesetter
Album: One Way Top Speed
Spielzeit: 45:17
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Plattenfirmen sind kein Rock’n’Roll
Veröffentlichung: 30.01.2018
Homepage: www.bonesetterband.com

Bei manchen Bands weiß man ab dem Zeitpunkt, an dem man ihr Album in Händen hält, wohin die Reise geht. Das klischeehafte und unbestreitbar sehr gelungene Coverartwork von BONESETTERs “One Way Top Speed” macht aus den Damen und Herren aus Deutschland eine solche, und ein Blick auf die Trackliste tut sein Übriges, um klarzustellen: Es wird jetzt nicht progressiv und tiefgründig, aber vermutlich ziemlich spaßig. Und wer wäre der Schein, zu trügen? Über zwölf Tracks und 45 Minuten Spieldauer präsentiert die Truppe um Franz Schröter und Hendrik Labisch, die man unter anderem bereits vor RAGE, MOONSPELL und BLACK LABEL SOCIETY bestaunen konnte, knackigen Hard Rock der Marke AC/DC und AIRBOURNE.
Hinsichtlich des Sounds haben BONESETTER auf ihrem Debutalbum schonmal alles richtig gemacht. Während sich unzählige andere Bands ihr Debut durch eine preiswerte Produktion versaut haben, hat das 2010 gegründete Quartett an der korrekten Stelle investiert. Sauber abgemischt, klar und definiert radelt “One Way Top Speed” aus den Boxen und weiß dem interessierten Hörer Hendriks zum Stil der Band bestens passende Stimme würdig zu überbringen, ebenso wie die souveräne Leistung der restlichen Band.
Und musikalisch? Nu, mit der Einschätzung, die Scheibe klinge nach einer klassischen Mischung aus AC/DC und AIRBOURNE, alles gesagt. Sonderlich viel Innovation ist da nicht drin, aber das Ziel, seinen persönlichen Rockidolen zu huldigen, kann als problemlos erfüllt abgehakt werden. Mal schwerer schleppend, wie bei “Illegal Life”, mal im Feelgood-Riff-Sommer-Modus bei “Make Love” und mal vergleichsweise geschwind (also oberes Midtempo oder Unteres Uptempo) bei “Sweat And Blood”. Zwischendurch findet sich noch ein wenig Listeningbait – “Short Fast And Merciless” ist eines der am wenigsten shorten Lieder, nicht allzu fast aber immerhin vergleichsweise merciless – und mit “Rock Hard” hat man sich ein wenig im Titel vergriffen. Zwei Punkte Abzug dafür, Freunde, so geht das nicht.
Spaß.
Allgemeiner gesagt: Die Songstrukturen ähneln sich deutlich, es gibt viel Midtempo, die Riffs sind dominant und partytauglich, der Gesamtsound ist den Vorbildern entsprechend abgespeckt. Mit derartigen Komponenten läuft man als Band natürlich Gefahr, dass letztendlich doch nicht jeder Song ein epiphanisches Erlebnis wird (dafür ein Punkt Abzug), zudem fehlt BONESETTER noch das nötige Stück Charakter, eigene Nouancen im Gesamtsound, der an sich natürlich berechtigterweise ausfällt, wie er ausfällt (dafür der zweite Punkt Abzug). Nichtsdestotrotz ist “One Way Top Speed” ein starkes Debutalbum, das äußerst viel richtig macht und Fans des guten alten klassischen Hard Rocks mit einem ausgewählten Kasten Bier und ein paar Freunden garantiert einen fröhlichen Abend bescheren wird.

Anspieltipps:
Was soll man sagen, Ihr kennt die Rezeptur. Alle Tracks bewegen sich auf einem sehr ähnlichen Niveau, einfach mal blind reinhören ist angesagt.

Fazit:
Gut gespielte und fein produzierte Songs mit smarten Lebensweisheiten und Ratschlägen zum Thema Bier trinken, Trucks fahren und Leute bumsen, angetrieben durch besten Wechselstrom. Kann man als Freund des Genres wirklich gar nichts mit falsch machen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Drinking Beer
02. Golden Gun
03. Illegal Life
04. Keep On Trucking
05. Make Love
06. One Way Top Speed
07. Outlaw
08. Road Of Fire
09. Rock Hard
10. Short Fast And Merciless
11. Sweat And Blood
12. Wildfire

Jannis

DREAM CHILD – Until Death Do We Meet Again

Band: Dream Child
Album: Until Death Do We Meet Again
Spielzeit: 70:56 min.
Stilrichtung: Hard Rock/Heavy Metal
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 14.09.2018
Homepage: www.facebook.com/DreamChildRock

Manch einer, der in DREAM CHILDs Debutalbum “Until Death Do We Meet Again” reinhört, dürfte sich an einen der großen Künstler der Rockgeschichte erinnert fühlen. Korrekt, es ist MIKE OLDFIELD. Schon das Intro des ersten Songs ist klar und deutlich eine Abwandlung seines legendären “Tubular Bells”-Motivs und… Ach lassen wir das. Der Bandname ist eine Referenz auf DIOs “Dream Evil”-Album, außer dem Sänger und dem Keyboarder waren alle Bandmitglieder bereits an DIOs Seite tätig und die Stimme von Sänger Diego Valdez (SKILLTRON u.a.) klingt Ronnies nicht nur explizit ähnlich, er weiß sie auch so einzusetzen wie sein großes Vorbild.
Neben der stimmlichen Leistung von Valdez entführt auch die organische Produktion, die natürlich zeitgemäß ein bisschen hochgepusht wurde, den Hörer von UDDWMA in die Zeit von 1975 bis 1995. Garniert wird die ganze Angelegenheit von fein eingesetzten Keys. Von der 70er-Hammondorgel über warm-weiche 80er-Pads bis zu asozialen 90er-Saw-Synths ist die komplette Bandbreite an rock-relevanten Tasteninstrumenten im richtigen Maß vertreten und leistet gute Dienste.
Die Songs klingen durchweg wie – Ihr habt da vielleicht schon so eine Ahnung – Dio. Dabei wird nicht an Dissonanzen gespart, viele der Songs sind erstaunlich wenig eingängig. Wer nach Material im Stil der DIOschen Gassenhauer der Marke “Holy Diver” oder “Rock’n’Roll Children” sucht, wird vor allem bei “In A World So Cold” und “One Step Beyond The Grave” fündig. Wer hingegen Freude an seinen komplexeren und weniger fröhlichen Werken verspürt, der ist unter anderem mit dem verschachtelten Titeltrack oder dem größtenteils instrumental gehaltenen “Washed Upon The Shore” gut beraten. Freunden starker Mittelteile sei generell so gut wie jeder Song ans Herz gelegt, das gleiche gilt für Fans des uninspirierten Ausfadens am Ende eines Tracks.
Negative Kritik? Nun, zuerst einmal ist UDDWMA mit seinen 70 Minuten Laufzeit tatsächlich etwas zu lang, gerade auch innerhalb der einzelnen Songs. Die meisten von ihnen hätte man über vier bis fünf Minuten wesentlich kurzweiliger halten können, wie sich unter anderem bei “You Can’t Take Me Down”, einem der +7-Minüter zeigt. Des weiteren ist das Album, auch aber nicht nur aufgrund des Gesangsstils, am ehesten als Stilkopie zu werten. Es hat den Anschein, als habe man versucht, ein DIO-Album ohne Dio zu produzieren, aber eben auch nicht wirklich mehr. Klar, ein wenig URIAH HEEP ist drin, ein bisschen OZZY und ein bisschen EMERSON LAKE & PALMER auch, aber das Gefühl bleibt, dass hier letztendlich eine (in ihrer Sache sehr gute) DIO-soundalike-Band am Start ist. Das wäre angesichts der großartigen vertretenen Musiker gar nicht nötig gewesen, einen soliden DIO/RAINBOW-Grundspirit hätte man mit mehr eigener Innovation kombinieren können. So hingegen ist UDDWMA ein gutes Album mit etwas zu langen Songs, etwas zu wenig Eingängigkeit, etwas zu viele Fadeouts und leider auch zu wenig Eigenständigkeit – auf hohem Niveau. Wer so etwas mag, der denke sich gerne ein bis zwei Sterne mehr zur Bewertung hinzu. Der Rest kriegt immerhin einen anständigen 70es/80es-Hard-Rock/Heavy-Metal-Flashback verpasst.

Anspieltipps:
“Light Of The Dark”, “Until Death Do We Meet Again”, “In A World So Cold”, “One Step Beyond The Grave” und “Washed Upon The Shore”

Fazit:
Gut gemachter DIO-Sound ohne Dio mit einigen Abstrichen. Fans des guten Mannes (und wer ist das nicht?) sollten aber auf jeden Fall mal reinhören. Denn mehr Liebe als in einem tourenden Hologramm steckt in DREAM CHILDs erster Platte doch auf jeden Fall.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Under The Wire
02. You Can’t Take Me Down
03. Games Of Shadows
04. It Is What It Is
05. Playin‘ With Fire
06. Light Of The Dark
07. Midnight Song
08. Until Death Do We Meet Again
09. Washed Upon The Shore
10. In A World So Cold
11. Weird World
12. One Step Beyond The Grave

Jannis