GYPSY ROSE – Reloaded

Band: Gypsy Rose
Album: Reloaded
Spielzeit: 47:41 min
Genre: Hardrock
Plattenfirma: ScandiRock Records
Veröffentlichung: 26.04.2019
Homepage: /

Es gibt mittlerweile unzählige Scheiben, die von Ihren Erschöpfern im Monatstakt geschrieben, eingespiel und unters Volk gebracht werden. Qualitätskontrolle ist da Fehlanzeige. Und da das alles ja so einfach und kostengünstig zuhause selber zusammengezimmert werden kann, ist der Ausschuss immens. Klappts mit der einen Scheibe nicht, wird halt gleich die nächste hinterher geschoben. Das sorgt mittlerweile für eine solche Flut an mittelmässigen bis völlig überflüssigen (Heim)Produktionen, dass man schon mal die Lust auf neue Musik verlieren kann. Das Ganze sieht bei der vorliegenden Platte von GYPSY ROSE schon anders aus, denn die Scheibe hat eine beachtliche Entstehungsgeschichte hinter sich. Im beschaulichen Schweden im Jahre 1981 von Håkan Gustafsson und Martin Kronlund gegründet, dauerte es sage und schreibe 25 Jahre, bis das selbstbetitelte Debüt der Jungs im Jahre 2005 (12 Jahre nach der Auflösung der Band!) veröffentlicht wurde. So ganz zufrieden schien man mit dem Endergebnis dann noch nicht zu sein, denn nun liegt eine Neuauflage des Materials (durch ein Remastering sowie einen Bonustrack nochmals aufgewertet und auch optisch mit einem neuen Cover veredelt) unter dem Namen „Reloaded“ vor. Man kauft es der Band daher gerne ab, dass sie von dem Produkt durch und durch überzeugt ist und alles daran setzt es dem geneigten Publikum zugänglich zu machen.

Lange Rede, ich komm auf den Punkt. GYPSY ROSE kredenzen auf Ihrem einzigen Album hochmelodischen Hardrock mit Ecken und Kanten, der von den beiden Eckpfeilern aus starkem Gesang (Håkan Gustafsson) und formidablen Gitarrenparts (Martin Kronlund) getragen wird. Als Anspielltipp bietet sich auch gleich der Opener „When you leave at Night“ an, der alle Stärken der Band auf den Punkt bringt und mächtig Laune macht. Der Rest der genau richtig bemessenen Scheibe steht dem in nichts nach und hat mit „Promise to stay“ oder „You are the one“ noch weitere Hochkaräter in Petto, die jedem Hardrock Jünger Freude bereiten sollten.

Es gibt vermutlich noch eine Menge anderer, ähnlich starker Scheiben, die irgendwo auf Halde liegen und aus den verschiedensten Gründen nie das Licht der Welt erblickten. Glücklicherweise haben GYPSY ROSE einen langen Atem bewiesen und zumindest Ihr „Vermächtnis“ den Genreliebhabern zugänglich gemacht, auch wenn aus der Karriere (zumindest unter dem GYPSY ROSE Banner) dann doch nichts wurde. Fans von den Scorpions oder Bonfire sollten auf jeden ein Ohr riskieren.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. When you leave at Night
02. You drive me crazy
03. Promise to stay
04. Moonlight
05. You are the One
06. Queen of the Night
07. Burning
08. Light up my Way
09. December Night
10. Fender ’59
11. The Look in your Eye
12. Solitude

Mario

TIR – Metal Shock

Band: TIR
Album: Metal Shock
Spielzeit: 44:53 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Gates Of Hell Records
Veröffentlichung: 10.05.2019
Homepage: www.facebook.com/TIR-Heavy-Metal-136007413130869

Es gibt so Bands wie GRAVE DIGGER, bei denen man sich schon sorgt, wenn mal eine Woche kein Album veröffentlicht wird. Dann gibt es so Bands wie BLIND GUARDIAN, von denen man weiß, dass sie ab und an Alben veröffentlichen und dann gibt es Bands wie TIR, die seit knapp 40 Jahren aktiv sind und jetzt auch mal so langsam ihr zweites Album fertig haben. Auf den Namen “Metal Shock” hört das gute Stück, das mit elf kurzweiligen Songs und einer Dreiviertelstunde Spieldauer aufwartet – gesungen komplett auf italienisch, man kommt schließlich aus Rom und die Sprache bietet sich für melodischen Metal an, wie kaum eine andere.
Nicht nur die Sprache passt aber, auch der Sänger dazu kann sich sehen lassen. Sergio Bonelli hat eine 1a-Oldschool-Heavy-Metal-Stimme, klingt dabei aber nicht wie der oder jener, sondern eben schlicht nach Sergio. In jeder Tonlage ist der gute Mann sicher und die sehr auf Harmonie gepimpten Backing Vocals sind ebenfalls sehr gelungen.
Die Produktion geht klar. Ein deutlicher Fall von nicht unglaublich modern, aber jut, das braucht die Musik von TIR eben auch nicht. Genug Druck hat die Scheibe auf jeden Fall, alle Instrumente kommen gut zur Geltung und der Rumpelfaktor ist gering und sympathisch. Härte steht dabei nicht unbedingt im Vordergrund, insbesondere bei den erstaunlich soft produzierten Drums. Dem Material der Jungs, das zum Teil noch aus den 80ern stammt, ist das jedoch dienlich, klingt eben nach Veröffentlichungen aus dieser Zeit.
Musikalisch ist man traditionell metallisch unterwegs, mit einem im Vergleich etwas überproportionalen Dur-Gebrauch und deutlichen Hard-Rock- und Rock’n’Roll-Anleihen in einzelnen Songs. Die Dur-Verwendung sorgt zudem für einen kleinen Power-Metal-Anstrich und in gewisser Weise hat das Resultat eine ähnliche Grundstimmung wie IRON MAIDENs “Seventh Son Of A Seventh Son”.
Balladen gibt es keine, außer man zählt “La Sfida” als solche, dessen erste Hälfte am Balladesken kratzt, dafür in der zweiten tüchtig aufs Gas drückt. Oder natürlich das echt schöne und ruhige “Memoria (Faber)” am Ende, ein rein auf der Akustikgitarre gespieltes Instrumental. Mit “Beat 150” und “Dentro Il Vuoto” sind zwei astreine Hard-Rock-Tracks vertreten und ansonsten gibt es viel klassischen Metal mit ordentlich Doublebass-getriebenem Uptempo und Melodien, die nun vielleicht nicht bahnbrechend ausfallen, aber auch selten langweilen.
Einigen Songs fehlt es dann aber trotzdem ein bisschen an Substanz. Das langsamere “Banche Armate” zieht sich ziemlich höhepunktarm und ist der wohl schwächste Song des Albums. Und sonst gibt es eben zwischendurch immer wieder mal ein wenig Mittelmaß, das aber vorbeigeht und nicht dramatisch ist. Alles in allem: TIR sind eine fast reine Live-Band, aber auch auf Platte wissen die Herren zu überzeugen. Und mit dem Release des inzwischen zweiten Albums steigt auch die Hoffnung, dass nun vielleicht auch mal ein paar Konzerte auf deutschem Boden folgen.

Anspieltipps:
“La Sfida”, “La Luna Nel Cericho”, “Dentro Il Vuoto” und “Beat 150”

Fazit:
Nein, modern oder innovativ ist “Metal Shock” nicht. Spaß macht es aber streckenweise gewaltig. Nicht allzu komplexer traditioneller Metal mit ein bisschen mehr Power Metal und Hard Rock, Fokus auf Melodien und ein bisschen mehr Dur – die Mischung funktioniert und ist praktisch prädestiniert für den Festival-Campingplatz!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Citta In Fiamme
02. La Sfida
03. Banche Armate
04. La Luna Nel Cerchio
05. Crazy Mama
06. Dentro Il Vuoto
07. Lasciateci Fare
08. Metal Shock
09. Beat 150
10. Mitra
11. Memoria (Faber)

Jannis

PULVER – Kings Under The Sand

Band: Pulver
Album: Kings Under The Sand
Spielzeit: 36:17 min
Stilrichtung: Retro Heavy Metal
Plattenfirma: Gates Of Hell Records
Veröffentlichung: 10.05.2019
Homepage: www.facebook.com/PulverHeavyMetal

PULVER – ach, was böte sich der Name dieser Band doch für einen billigen Eingangswitz an. Aber jut, ab und zu muss man sich auch mal zurückhalten. Also ganz klassisch zu Anfang ein paar allgemeine Randinfos. Die fünf Jungs von PULVER kommen aus Aschaffenburg, haben seit ihrer Gründung 2016 bereits eine EP veröffentlicht und legen nun ihren ersten, mit 36 Minuten Spieldauer recht kurzen, Longplayer “Kings Under The Sand” vor. Über acht Tracks inklusive Intro wird dem Hörer darauf nach eigenen Angaben eine Mischung aus NWOBHM und Hard Rock der späten 70er geboten. Dem kann ich soweit zustimmen, ebenso wie der Einschätzung, Sänger Dave Fröhlich erinnere unter anderem an Lemmy. Dabei fallen die Vocals allerdings minimal kraftlos aus und wurden mit einem ordentlichen Hall-Effekt ausgestattet. Das ist gar nicht unbedingt schlecht. Gerade die Tendenz von Fröhlich, häufig etwas unter dem angepeilten Ton zu landen und dann die gesungene Tonhöhe der erwarteten anzugleichen, gibt ihm durchaus etwas lässig-Entspanntes, was an sich gar nicht übel zum Rest der Musik passt, der mit seiner klaren 70es-Hard-Rock-Schagseite doch nicht selten eher zum Mitnicken als zum Bangen einlädt. Ist ein wenig Geschmackssache, ich mag’s.
Die Produktion ist recht Drum- und Bass-fixiert, was Gesang und Gitarren gelegentlich ein wenig in den Hintergrund drängt, anhören lässt sich die Platte allerdings problemlos, wenn man denn über gelegentliches Bassdröhnen (insbesondere bei “Warrior Caste”) und leicht dumpfe Drums hinwegsehen kann.
Musikalisch verlassen PULVER sich auf melodische Riffarbeit, viele Tempowechsel (Durchschnittlich einer pro Song ist Pflicht) und klassische Retro-Rock-Wendungen, wobei auf kleine Extras wie Orgel- oder allgemein Tastensounds praktisch komplett verzichtet wurde. Dafür gibt es ab und an kleine Authentizitäts-Boni wie Gong und Schellenkranz in “Warrior Caste”, das auf ungewöhnliche Harmonieführung baut und im Mittelteil schön zappelt. In Sachen Geschwindigkeit bewegt man sich zwischen schleppend-doomigem Downtempo (Sagt man das so?) und gemäßigtem Uptempo. Eher MAIDEN-Galopp als DRAGONFORCE-Gedresche, wie zu erwarten war. Besagtes Downtempo findet sich insbesondere bei “Blacksmith’s Lament” und “Quarinah”, hält sich angesichts des Faibles der Truppe für Tempowechsel jedoch meist nicht lange. “Alpha Omega” ist instrumental gehalten, letztendlich ein vierminütiges Gitarrensolo, das durchweg zu unterhalten weiß, und im finalen Track “Curse Of The Pharaoh” dürfen sogar ein paar fast black-metallig anmutende Gitarren mitwirken, die dem hypnotisch wirkenden Track in Kombination mit den in den Hintergrund gemischten Schreien eine durchaus besondere Atmosphäre verleihen.
Eine bessere Produktion hätte “Kings Of The Sand” gut getan, etwas ausgefeiltere Kompositionen ebenso. Aber Potenzial ist vorhanden bei PULVER, insbesondere hinsichtlich der Gitarrenarbeit und der doch sehr schönen Kombination von 70er Hard Rock und traditionellem Heavy Metal, bei der der Fokus im Gegensatz zu vielen anderen Bands der momentan so gerne gerittenen Retro-Welle erfrischenderweise eindeutig auf ersterem Stil liegt.

Anspieltipps:
“Kings Under The Sand”, “Curse Of The Pharaoh” und “Phantom Hawk”

Fazit:
Retrofreunde sollten hier ohne Frage mal ein Ohr riskieren. Ein bisschen mehr Ausgereiftheit und eine bessere Produktion (plus ein wenig mehr Mut in Sachen Songstruktur) täte dem Musik-Rezept von PULVER noch gut, aber dass die Jungs spielerisch und durchaus auch kompositorisch was auf’m Kasten haben, lässt sich nicht abstreiten. Das nächste Album würde ich gerne wieder rezensieren!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Rising
02. Phantom Hawk
03. Blacksmith’s Lament
04. Kings Under The Sand
05. Quarinah
06. Warrior Caste
07. Alpha Omega
08. Curse Of The Pharaoh

Jannis

ENFORCER – Zenith

Band: Enforcer
Album: Zenith
Spielzeit: 46:28 min
Genre: Heavy Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 26.04.2019
Homepage: http://www.enforcer.se/

Als grosser Fan aller bisherigen Alben der Schweden ENFORCER war ich natürlich entsprechend gespannt auf die neue Platte der Jungs. Der letzte reguläre Rundling („From Beyond„, 2015) liegt ja nun schon glatte 4 Jahre zurück. Nun, man kann der Truppe jedenfalls keinen mangelnden Entwicklungswillen vorwerfen. Ob die neue Ausrichtung der Fanbasis gefällt muss sich allerdings noch herausstellen – ich zumindest habe an dem Ergebnis, das uns nun in Form von „Zenith“ ins Haus steht, einiges zu knabbern …

So viel vorweg: das Ungestüme, der Speed, die beinahe greifbare jugendliche Ungehobeltheit, die ENFORCER noch bis zum Vorgänger zu Tage legten, ist abgestreift. Stattdessen haben die Wikstrand-Brüder die Zeit genutzt und hörbar Wert auf ausgeklügelte Arrangements gelegt, das verfügbare Klangsortiment aufgewertet (auf „Zenith“ fliegt einem unvermittelt das ein oder andere Keyboard-Solo um die Ohren!) und, zumindest klanglich, Kreide gefressen. Songs wie die mit überflüssigen „Oho“-Chören ausgestattete Vorab-Single „Die for the Devil“ oder „Zenith of the black Sun“ wirken wie eine zwar spürbar gereifte, aber auch Teilen Ihrer bisher bekannten Identität beraubte, Band. Da die Truppe sich nun an den Hardrock Granden der 80er zu orientieren scheint, muss Sänger Olof Wikstrand nun nicht mehr permanent übers Limit kreischen, sondern auch mal dezent und melodiös singen. Und da fällt leider auf, dass der Derwisch durchaus stimmliche Defizite hat. Will sagen: um entspannteres Material tragen zu können, fehlt einfach die stimmliche Autorität. Sobald die Jungs Vollgas geben und mit gewohntem Speed nach vorne rocken („Searching for you“, „Thunder and Hell“) steht die Stimme wie gewohnt wie eine Wand neben den Instrumenten. Wird aber instrumental zurückgefahren, schafft Wikstrand es nicht den Zuhörer zu packen. Das ist bei der Piano-Schlafpille „Regrets“ oder dem Richtung Heart of Cygnus schielenden, aber leider völlig in den Sand gesetzten „Sail on“ besonders auffällig. Das alles macht „Zenith“ zwar noch lange nicht zu einem schlechten Album, denn nach wie vor können ENFORCER gute Songs schreiben (siehe den klasse Midtempo Rocker „One thousand Years of Darkness“) und spielerisch ist eh alles im grünen Bereich. Aber „Zenith“ stellt doch durch das gerüttelt Mass an Mittelmässigeit und den weichgespülten Sound eine herbe Enttäuschung im Vergleich zu den übergrossen Taten der Vergangenheit dar.

Mit „Zenith“ setzen ENFORCER so ziemlich alles auf eine Karte. Geht der Schuss nach hinten los dürfte es das womöglich gewesen sein, denn der Bruch, den die Jungs hier im Vergleich zu ihrem bisherigen Schaffen vollziehen ist auf vielen Ebenen spürbar und schon ziemlich krass. Ich würde es den Jungs wünschen, dass die Kurskorrektur dem Flagschiff der schwedischen Metal Bewegung keine absoluten Schiffbruch beibringt, denn wenn die Truppe sich auf Ihre bisherigen Stärken konzentriert, ist sie immer noch unschlagbar. Ich hoffe daher mal, dass es sich bei „Zenith“ um einen (verzeihbaren) Ausrutscher handelt …

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Die for the Devil
02. Zenith of the black Sun
03. Searching for you
04. Regrets
05. The End of a Universe
06. Sail on
07. One thousand Years of Darkness
08. Thunder and Hell
09. Forever we worship the Dark
10. Ode to Death

Mario

PRISTINE – The Road back to Ruins

Band: Pristine
Album: The Road Back to Ruins
Spielzeit: 47:48 min
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Nuclear Blast Records
Veröffentlichung: 19.04. 2019
Homepage: www.pristine-music.com

PRISTINE – ROAD BACK TO RUINS
Makelloser Vintage-Bluesrock als Frustbewältigung
Die norwegische Band PRISTINE ist frustriert, zumindest ist aus dieser Gefühlslage heraus der Titel ihres mittlerweile fünften Studioalbums „Road back to Ruins“ entstanden.
Die Scheibe selber hinterlässt beim geneigten Hörer allerdings gänzlich andere Stimmungsmomente. Die für skandinavischen Ursprungs eher untypische Scheibe ist ganz klar im klassischen Hardrock der 70er Jahre angesiedelt, nimmt gekonnt Anleihen bei Led Zepplin auf, allerdings gänzlich ohne die Gefahr, wie ein weiterer Klon des Luftschiffes zu klingen. Stimmlich bewegt sich die grandiose Sängerin Heidi Solheim eher in Gefilden der älteren Heart Stücke und der 37jährige Rotschopf braucht den Vergleich mit Ann Wilson nicht zu scheuen. Wie sie nicht nur dem Song „Cause and Effect“ bluesig dezent ihren unverwechselbaren Stempel aufdrückt, ist aller Ehren wert.
Im treibenden Opener „Sinnerman“ kriegt man die Blueslastigkeit der Band aus Tromsø (ø =ALTTaste und auf Zahlenfeld 155 eingeben) noch gar nicht so mit, denn Gitarrist Espen Elverum Jacobsen, ein wahrer Könner seines Faches, liefert hier hardrockend ordentlich ab.
Das folgende Titelstück des Albums entspricht dann schon mehr dem Leitbild, auch wenn er gegen Ende überraschend mit einem Gitarrenhardrockriff in Reinkultur endet.
„Landslide“ und „Pioneer“ kommen etwas gewöhnungsbedürftig daher und sorgen für die akzeptablen, kleinen Durchhänger auf dem „Road“-Trip, wo hingegen sich „Blindspot“, mit arabischem Intro als Statement versehen, wunderbar im Tempo verschleppt in die Gehörgänge kriecht.
Exemplarisch herausgegriffen sind Songs wie „Aurora Skies“ und speziell „Your Song“ mit schönem Orgelsolo, einfach gute, warm klingende und komplett zeitlos arrangierte Rocksongs, wie sie nicht mehr allzu häufig die Welt erblicken.
„Road Back to Ruin“ lebt von der Vielfältigkeit der unterschiedlichen Songs, klingt, wie moderner 70er Hardrock klingen muss und entführt letztendlich in eine musikalisch ganz eigene Welt.
PRISTINE bieten mit ihrem aktuellen Album ganz sicher keinen Grund frustriert zu sein, liefern sie doch mit diesem Album den Höhepunkt ihrer bisherigen Schaffensphase ab.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Sinnerman
02. Road Back To Ruin
03. Bluebird
04. Landslide
05. Aurora Skies
06. Pioneer
07. Blind Spot
08. The Sober
09. Cause And Effect
10. Your Song
11. Dead End

Link zum Video “Sinnerman” : 

Rüdiger König

STEVE JONES – Mercy / Fire and Gasoline (Re-Releases)

Band: Steve Jones
Album: Mercy / Fire and Gasoline (Re-Releases)
Spielzeit: 46:44 min / 49:37 min
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: /
Homepage: www.rockcandyrecords.com

Als die Sex Pistols im Jahr 1978 das Handtuch warfen und sich nach nur einem regulären Album („Never mind the Bollocks“, 1977) wieder von der musikalischen Bildfläche verabschiedeten, hatte die Band nachhaltig dafür gesorgt, dass ein Umbruch in Rollen kam. Die Punkbewegung in England fegte (nicht nur) über die Insel hinweg und brachte frischen Wind in die sich selbst viel zu ernst nehmende, verknöchErte Musiklandschaft. Einen nicht unerheblichen (musikalischen) Anteil am Erfolg der Sex Pistols hatte dabei Gitarrist STEVE JONES, der immerhin als relativ (im Vergleich zu seinen Bandkollegen) versiert an seinem Instrument galt und einige unvergessliche Riffs den Annalen des Rock beigesteuert hat. Nach dem Ende der Sex Pistols zog es JONES nach Amerika, wo er erst mal einige Jahre seiner Drogensucht frönte bevor er sich eines Besseren besann und sein musikalisches (und berufliches) Glück in einer Solo-Karriere suchte. Herausgekommen sind damals, Ende der 80er Jahre, 2 Alben, die nun über das englische Rock Candy Records Label, wie immer neu gemastert und mit informativen Linernotes versehen, neu aufgelegt werden.

Mercy (1987)

JONES‘ Debüt Album unter eigenem Namen wurde von Bob Rose produziert, der sich zuvor Meriten als Produzent des Miami Vice Soundtracks verdient hatte und auch prompt einen Track des Albums in einer Folge der Serie sowie auf dem Miami Vice II Soundtrack unterbrachte. Indes, diese Schützenhilfe änderte auch nichts daran, dass der erste Gehversuch des Riff-Rockers eher unbeachtet blieb. Für viele Interesseirte dürfte die stilistische Ausrichtung der Scheibe einem kleinen Kulturschock gleichgekommen sein, insgesondere wenn man die Veregangheit von JONES‘ im Hinterkopf hatte. Gleich der Opener und Titeltrack schlurft derart lässig und pop-affin durch die Lautsprecher, dass man sich schwer tut dahinter den langhaarigen Punk aus UK vorzustellen. Auch im weiteren Verlauf klingt das Material oft nach einer Mischung aus Billy Idol und The Cult, allerdings ohne die zwingenden Hooks oder wirklich packende Arrangements. Hier und da wird auch mal etwas kerniger gerockt („Give it up“, „That’s enough“), aber unterm Strich krankt „Mercy“ aber daran, dass JONES keine Hits im Köcher hat sowie weder ein guter Sänger, noch ein wirklich starker Gitarrist ist. Daher wirkt das Ganze dann musikalisch schon recht fade und stellt heute wie damals eine okaye Platte dar, aber kein Must-Have.

Fire and Gasoline (1989)

Für Anlauf Nummero Zwo wurde dann geklotzt und nicht gekleckert. Auf dem Produzentenstuhl nahm diesmal Mark Dearnley Platz, der sich diesen Job mit dem The Cult Sänger Ian Astbury teilte. Vor allem Letzterem ist der nicht zu überhörende Einfluss der britischen Goth Rocker auf „Fire and Gasoline“ zu verdanken, denn Tracks wie der Opener „Freedom Fighter“ hätten auch gut zu Astbury’s Stammband gepasst. Weitere prominente Unterstützung gab es im Studio von Guns N‘ Roses Kreischhals Axl Rose (im Sex Pistols Cover „I did you no wrong“), der dann nochmals eindringlich aufzeigt, wo die stimmlichen Defizite von JONES liegen. Insgesamt ist „Fire and Gasoline“ aber um einiges effektiver geraten als der Vorgänger, was vor allem an der energischen Produktion und der Tatsache liegt, dass hier keine Experimente gemacht, sondern sehr gradelinig die Biker-Rocker Klientel bedient wurde. JONES war in den 2 Jahren seit der ersten Platte immer noch kein besserer Sänger geworden, lies sich aber stimmlich mehr gehen und konnte mangelnde gesangliche Fertigkeiten durch erhöhten Einsatz wett machen. Mit (u.a.) „We’re Not Saints“, dem von einem Billy Duffy (The Cult) angereicherten „Get ready“ oder dem starken „“God in Louisiana“ hat „Fire and Gasoline“ genügend gute Argumente um als starkes (Biker) Rock Album zu bestehen.

Während es bei „Mercy“ nicht wirklich zur uneingeschränkten Kaufempfehlung reicht, sei Freunden von dreckigem Hardrock der Marke The Cult oder Little Caesar der zweite Streich „Fire and Gasoline“ wärmstens ans Herz gelegt. Die vorliegenden Neuauflagen sind wie immer beim Rock Candy Label, mit viel Liebe zum Detail aufbereitet worden – Fans des genres sollten daher zumindest bei der 1989er Scheibe zugreifen.

WERTUNG:

Mercy (1987)

 

 

Fire and Gasoline (1989)

 

 

Trackliste:

Mercy (1987)

01. Mercy
02. Give it up
03. That’s enough
04. Raining in my Heart
05. With you or without you
06. Pleasure and Pain
07. Pretty Baby
08. Drugs suck
09. Through the Night
10. Love Letters

Fire and Gasoline (1989)

01. Freedom Fighter
02. We’re not Saints
03. God in Louisiana
04. Fire and Gasoline
05. Trouble Maker
06. I did you no wrong
07. Get ready
08. Gimme Love
09. Wild Wheels
10. Hold on
11. Leave your shoes on
12. Suffragette City (Bonus Track)

Mario

THE END : MACHINE – The End : Machine

Band: The End: Machine
Album: The End: Machine
Spielzeit: – min
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Frontiers Music Records
Veröffentlichung: 22.3. 2019
Homepage: www.facebook.com/TheEndMachine

The End: Machine
Neue Supergroup oder Dokken Dreier ohne Steuermann?
Wie viele Fans die 80er Hardrockinstitution „Dokken“ noch heute in der Welt hat, zeigen die horrenden Summen, die für kurzzeitige Livereunion des gefeierten Quartetts, geboten werden. Dass zumindest drei der vier Ikonen gut miteinander können, beweist das neuste Output der Herren George Lynch, Jeff Pilson und Mick Brown.
Firmieren und debütieren tut das Bandgefüge unter dem etwas seltsam anmutenden Namen THE END: MACHINE. Das hier drei extravagante und gestandene Musiker zusammenarbeiten, die wissen was sie anstellen müssen, um das Gewünschte in die CD Rille zu bekommen, steht außer Frage.
Klingt das Ganze jetzt nach Dokken oder nicht?
Natürlich lässt es sich nicht verleugnen, dass Georg Lynch seinen, Tausende von Gitarristen beeinflussenden Stil, unverkennbar einbringt, auf der anderen Seite sind Songs wie „Ride it“ ganz anders strukturiert, als dass sie ohne weiteres auf ein neues Dokken Album gepasst hätten. Zudem bringt Sänger Robert Mason (Warrant), welcher schon auf „Lynch Mob“ seine Stärken bewiesen hat, soviel Eigenständigkeit ins Spiel, als das jemand auf die Idee käme, ihn mit Don Dokken zu vergleichen, und der war für den Gesamtsound seiner Kombo stark prägend.
Aller Anfang ist schwer, gilt für „Leap of Faith“ mal so gar nicht, besticht der Song doch durch seine Geradlinigkeit und lässt den Hörer direkt eintauchen in das THE END:MACHINE Universum.
Wie lange die Band in dieser Konstellation auch bestehen mag, „Hold me down“ wird am Ende immer einer ihrer besten Songs sein. Die Gesangsharmonien, die Pilson und Mason hier auffahren, sind aller Ehren wert.
„Burn The Truth“ ist ein weiters Beispiel für die hohe Vielfältigkeit, die das Gitarrenspiel Lynchs auszeichnet, seine typischen Licks sind einfach unverwechselbar, zudem ist der Song Shouter Robert Mason direkt auf den Leib geschrieben worden.
Selbst Songs wie „Hard Road“ die beim Songwriting etwas schlechter wegkommen, bestechen immer noch durch ihrer technische Brillianz.
Inwieweit solche anspruchsvollen Songs wie „Alive Today“ und „Line of Devision“ wohlwollend vom mainstreamorientierten Publikum aufgenommen werden, wird sich zeigen, musikalisch bieten sie neben einem fantastischem Gitarrenriff, alles was ein guter Rocksongs braucht.
Einen Gang runter schraubt „Sleeping Voices“ was die Strophe angeht, bevor der großartige Refrain wieder anzieht, und Mason wieder vollstes Geschütz auffährt. Herausragenden Song, der alleine auf eine lang angelegt Bandgeschichte hoffen lässt.
Den groovenden Abschluss einer außergewöhnlichen Scheibe bietet „Life is Love is Music“, der elfte gute Song auf einem starken Debütalbum, was eigentlich keines ist.
Abwechslungsreicher, bodenständiger Rock´n´Roll, detailreich produziert, jeder Song mit hohem Wiedererkennungspotenzial ist das Gerüst dieses Albums.
Exakt und auf hohem Level arbeitend, weil einfach perfekt aufeinander eingestimmt bewegt sich die Rhythmussektion um den seit längerer Zeit für Foreigner spielenden Basser Jeff Pilson, und dem Drummer Mike Brown.
Eben dieser Jeff Pilson zeigt sich nicht nur als Musiker, sondern hat als Produzent maßgeblichen Anteil am Gelingen einer sehr zeitgemäß und frisch daherkommenden Scheibe, die mit jedem weiteren Durchlauf stetig gewinnt.
Es lässt sich nur erahnen, mit wie viel Liebe zum Detail die Truppe im Studio an ihrem Sound gebastelt haben muss, sicher ist, dass das Endergebnis überzeugt.
Fazit.: Die neue THE END: MACHINE ist keine neue Dokken, aber ebenso gut, macht ordentlich Spaß und erhält uneingeschränkte Kaufempfehlung unsererseits.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Leap Of Faith
02. Hold Me Down
03. No Game
04. Bulletproof
05. Ride It
06. Burn The Truth
07. Hard Road
08. Alive Today
09. Line Of Devision
10. Sleeping Voices
11. Life Is Love Is Music

Link zum Video „Burn The Truth“ :

Rüdiger König

BATTLE BEAST – No More Hollywood Endings

Band: Battle Beast
Album: No More Hollywood Endings
Spielzeit: 45:42 min
Stilrichtung: Power Metal/Hard Rock
Plattenfirma: Nuclear Blast Records
Veröffentlichung: 22.03.2019
Homepage: www.battlebeast.fi

Man mag BATTLE BEAST eine gewisse Nähe zum BummZapp-Synthwand-Metal der Kollegen POWERWOLF und SABATON nicht absprechen. Dabei muss man jedoch anerkennend würdigen, dass die Truppe um Ausnahme-Sängerin Noora Louhimo seit ihrem Debut ihren Stil konsequent verfolgt, ohne in stumpfe Selbstkopiererei abzudriften. Stattdessen wagt man von Album zu Album Neues und mutet den Fans dabei durchaus einiges zu, testet ihre Toleranzgrenzen und schiebt sie durch die Geilheit des Materials schleichend immer weiter nach oben. Daher erstmal: Was kennt man so schon? Also, die Produktion ist wie gewohnt kompakt, auf den Punkt und dabei deftigst fett. So wie es sein muss. Die dicken Fanfaren-Synths dürfen natürlich auch nicht fehlen, ebenso wie die ultra-eingängigen Melodien, das gewohnte Niveau der Band und die übertriebenen Vocals.
Das sind so die Qualitäten, die der bestens gelungene Uptempo-BATTLE-BEAST-Prototyp “The Golden Horde” und der Midtempo-Track “The Hero” mit seinem “Maniac”-Gedenkriff und dem elektronischen Intro mit seinen knallenden E-Drum-Parts am reinsten beinhalten. Leichte Neuerungen finden sich allerdings schon bei “Unbroken”, dem Opener. Mit erstmals echten Streichern und einem Drummer, der beweist, dass er neben Base-Snare-Base noch mehr drauf hat, gestaltet sich das Ding als würdiger Einstieg, der Experimentierfreude in Strophe und Prechorus beweist und im Chorus die komplette Fanbedienung auffährt. Stimmung geht steil. “No More Hollywood Endings” ist das “King For A Day” vom aktuellen Album, abermals mit starkem Refrain, 50er-Jahre-Film-Noir-Streichern und -Vocals und auch melodisch in diese Richtung gehend nicht unbedingt der Standard-BATTLE-BEAST-Song. Der kommt danach mit “Eden”: bisschen nichtssagend, bisschen 08/15, bisschen mehr gängiger Symphonic Metal, aber auch sehr nett soweit.
Gibt es AOR-Fans, die an dieser Stelle noch mitlesen? Dann sei hier “Endless Summer” für Euch, der Sommer-Feelgood-Song des Albums, der klischeehafter nicht sein könnte, allerdings auch kaum gelungener. Dafür wird es bei “Piece Of Me” ungleich dreckiger in den Drum-orientierten Strophen, verstärkt nochmal durch die wohl asozialsten Keyboards der Geschichte von BATTLE BEAST.
Anschließend kommt mit “I Wish” eine Ballade, die weniger in die Elektropop-Kerbe der Balladen auf “Unholy Savior” schlägt, sondern eher Richtung Titeltrack in Balladenform geht. Übersteigt meine Toleranzgrenze, ist aber ein Fortschritt und top arrangiert. Und das bereits erwähnte “The Golden Horde” lässt dank seiner Refrain-Harmonien den Verdacht aufkommen, man wolle Anton mal zeigen, wie “Blind And Frozen” von BEAST IN BLACK mit Eiern klingen würde. Von dessen Kompositionsstrukturen hat man sich inzwischen souverän ein wenig distanziert. Gut so, denn würde man lediglich weiter auf dieser Erfolgsschiene fahren, wäre bei “No More Hollywood Endings” wohl das passiert, was unter anderem POWERWOLF vor einigen Jahren zugestoßen ist: musikalischer Stillstand auf hohem Niveau. Und das ist bei der neuen BATTLE BEAST in keinster Weise der Fall.

Anspieltipps: “Piece Of Me”, “The Golden Horde”, “Endless Summer” und “Unbroken”

Fazit:
Angst vor der Stagnation der Band ist absolut unbegründet. Die Melodien gehen noch ins Ohr, die Synths knallen, die Produktion ebenso, Nooras Stimme wird immer noch besser – und zu alldem versucht sie die Truppe aus Finnland immer wieder an Neuem. Absolut erfolgreich. Kaufempfehlung der nachdrücklichsten Art.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Unbroken
02. No More Hollywood Endings
03. Eden
04. Unfairy Tales
05. Endless Summer
06. The Hero
07. Piece Of Me
08. I Wish
09. Raise Your Fists
10. The Golden Horde
11. World On Fire

Jannis

LAST IN LINE – II

Band: Last In Line
Album: II
Spielzeit: 52:32 min
Stilrichtung: Hard Rock/Heavy Metal
Plattenfirma: Frontiers Music
Veröffentlichung: 22.02.2019
Homepage: www.lastinlineofficial.com

Releasedatum 22.02.2019, einen Monat später sollte man dann auch wirklich mal die Rezension raushauen. Eigentlich wollte ich die Band ja schon früher besprechen, aber leider sind sie eben die LAST IN LINE. Im Zeitalter der Diskussion um die Abschaffung von Plastikbesteck ist es umso wichtiger, auf jegliche erdenkliche Art an die Pommesgabel zu erinnern. Genug der Späße. LAST IN LINE machen das authentischstmöglich. Die Truppe wurde von Vinny Appice, Jimmy Bain und Vivian Campbell gegründet, die so einige legendäre DIO-Alben mitzuverantworten haben. Ex-OZZY-Bassist Phil Soussan übernahm die tiefen Frequenzen nach dem Ableben von Bain und Andrew Freeman komplettiert das LineUp mit seinen bestens zum Sound der Band passenden oralen Glanzleistungen. Dazu ’ne Produktion von Jeff Pilson (FOREIGNER, DOKKEN); was kann da noch schiefgehen?

Kaum was. Der Sound des zweiten Albums der Band ist organisch, kein bisschen gelutscht, dabei druckvoll und leicht trocken-staubig. Kann man nichts dran bemängeln, gerade die Vocal-Produktion ist mit ihren sparsam-effektiven Backing Vocals hervorragend gelungen. Die Gitarren schobbern, der Bass hat gut Anschlag und Durchsetzungskraft, die Drums knallen.
“II” ist eines der Alben, bei deren Hören man automatisch cooler wird. Mit starker Riffarbeit, positiver Abgespecktheit und viel Midtempo ist man unterwegs, vorgetragen von Musikern, über deren Qualität man wohl keine weiteren Worte verlieren muss. Die Mittel des Genres werden soweit ausgereizt. Da gibt es “Love And War”, das in seinen Strophen vergleichsweise smooth zum entspannten Zurücklehnen einlädt, feierlich-hymnische Refrains in “The Unknown” oder “The Light” (Backing Vocals im Quartabstand machen jeden Oldschool-Hard-Rock/Metal-Track nochmal realer) und auch mal bösere Grundstimmung in Teilen des geil einsteigenden “Year Of The Gun”, das zudem mit interessant rhythmusdominiertem Refrain besticht – um mal einige Stichproben anzuführen.
Die DIO-Einflüsse sind oft unverkennbar, auch wenn die Komposition sich durchaus genug Freiheiten erlaubt, um nicht als staubige Kopie seiner selbst aus alten Tagen abgetan werden zu können. Auch Andrews Stimme klingt gerade eben so genug nicht nach Ronnie.
Kritik kann nur bezüglich einiger Songs geäußert werden, die handwerklich erwartet gekonnt umgesetzt wurden, dabei jedoch eher unspektakulär geschrieben sind, insbesondere der mit über sechs Minuten längste Track “Sword From The Stone”, der vergleichsweise gewöhnlich ausfällt und an Interessantem weniger zu bieten hat. Das machen große Teile des Rests des Albums aber wieder wett. Die hard-rockige Einfachheit der Songs wird durch feine Strophenstrukturen, ruhigere Parts mit smartem Gitarreneinsatz und kräftige unkitschige Melodien kompensiert, garniert durch die Skills der Bandmitglieder, die vermutlich auch aus “Hänschen klein” noch eine Biker-kompatible Nummer gemacht hätten.

Anspieltipps: “Year Of The Gun”, “The Unknown”, “False Flag” und “Gods And Tyrants”

Fazit:
Eine so authentische Interpretation von klassischem Hard Rock/Heavy Metal durch derartig routinierte und begabte Musiker mit einer solchen Backstory kann eigentlich nur gelingen. Tut sie auch und sei somit all denen ans Herz gelegt, die besagten Musikstil mögen. Sichere Bank.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. II – Intro
02. Blackout The Sun
03. Landslide
04. Gods And Tyrants
05. Year Of The Gun
06. Give Up The Ghost
07. The Unknown
08. Sword From The Stone
09. Electrified
10. Love And War
11. False Flag
12. The Light

Jannis

THE QUILL – The Quill / Silver Haze (Re-Releases)

Band: The Quill
Album: The Quill / Silver Haze (Re-Releases)
Spielzeit: 62:14 min / 72:59 min
Stilrichtung: Retro Rock
Plattenfirma: Metalville
Veröffentlichung: 22.02.2019
Homepage: www.thequill.se

Die schwedische Retro/Stoner Band THE QUILL haben seit 1995 in unregelmässigen Abständen insgesamt 8 Alben veröffentlicht, und sich dabei einen guten Namen in der Szene erarbeitet. Das mag zum einen daran liegen, dass sie innerhalb der schwedischen Szene, die eine ganze Reihe ähnlich orientierter Bands (wie z.B. den Spiritual Beggars) aufzuweisen hat, als eine der Initiatoren der Bewegung waren. Es liegt aber wohl auch ganz einfach daran, dass die Truppe konstant gute bis sehr gute Alben veröffentlicht hat. Den guten Ruf haben sich THE QUILL schon früh, will sagen, mit den ersten beiden Alben erspielt. Und genau diese beiden Leckerbissen legen nun in einer feinen Neuauflage, mit Remastering, Bonustracks und in schönen Digipacks vor.

The Quill (1995)

Gleich das Debüt der Jungs ist in der Szene eingeschlagen wie eine Bombe. Und das zurecht, denn hier ist wirklich mit das Beste aus dem harten Rock der 80er vertreten: in „Gleam“ erinnert da ganze mal latent an frühe Alice in Chains, der Opener „Jet Of Water“ fegt wie ein ungestümer Love/Hate Song aus den Boxen und immer wieder wird man an die ersten Pearl Jam oder gar Mother Love Bone Scheiben erinnert. Dreh- und Angelpunkt der Scheibe ist Sänger Magnus Ekwall, der mit vollem Elan und einem feinen Gefühl für Melodien den relativ simpel gehaltenen Groove-Tracks den nötigen Dreh gibt. Wer den Werdegang der Berliner Selig etwas mitverfolgt hat, der mag hier durchaus Parallelen erkennen. Beide Bands zelebrierten auf ihren Erstlingswerken recht zügellosen, oft pure Spontanität atmenden Groove-Rock, mit tief liegenden bluesigen Einflüssen und einer wunderbaren Affinität zu grossen Melodien die man in den Fuzz-Riffs beinahe nicht vermuten würde. Ein herrliches Beispiel auf „The Quill“ ist hierfür „From Where I Am“ bei dem der Refrain den Song auf ein völlig neues Level hebt. Und immer wieder diese geniale Stimme von Fronter Ekwall, an dem ich mich auf dieser Scheibe einfach nicht satt hören kann. Ganz grosses Kino was der Herr hier an Emotionen und Energie freisetzte.

Silver Haze (1999)

Dass THE QUILL nicht zu den Bands gehören würden, die im Jahrestakt Alben raushauen wurde dem geneigten Fan bereits früh klar gemacht. Ganze 4 Jahre dauerte die Pause zwischen dem Debüt und dem nicht minder starken Zweitwerk „Silver Haze“. Personell gb es lediglich den Verlust von Keyboarder Anders Haglund zu vermelden, dessen Posten dann auch gleich ganz gestrichen wurde. Da auf dem Erstling das Keyboard gegen die fetten Gitarren eh keinen wirklichen Stich bekommen hatte, war diese Entscheidung nur konsequent. Entsprechend fokussiert und um einiges fuzziger riffen sich THE QUILL dann auch durch Tracks wie „Evermore“ oder „Under A Vow“. Das klingt öfters nach Black Sabbath als noch auf dem Debüt, was der Band ebenfalls gut steht. Denn über allem thront auch auf „Silver Haze“ die eindringliche Stimme von Sänger Ekwall. Es dauerte nach diesem überzeugenden 2ten Album dann weitere 3 Jahre bis 2002 mit „Voodoo Caravan“ das nächste Album in die Läden kam …

Wer in den 90ern musikalisch sozialisiert wurde, der wird bei der erstmaligen Einfuhr dieser beiden Perlen das Gefühl haben, sich in eine Zeitmaschiene gesetzt zu haben. Da sind sie wieder, diese Momente die man genoss als man zum ersten Mal Alice in Chains, Black Sabbath oder Pearl Jam hören konnte. Mir persönlich waren THE QUILL bisher tatsächlich durch die Lappen gegangen und ich bin heilfroh das Versäumte anhand dieser feinen Re-Releases (vor allem „Silver Haze“ wurde mit einigen interessanten Bonustracks aufgewertet) nachgeholt zu haben. Beide Alben sind auch heute noch eine Entdeckung wert. Beide Daumen hoch.

WERTUNG: (keine Wertung)

Trackliste:

The Quill

01. Jet Of Water
02. Dry
03. Lodestar
04. Homespun
05. From Where I Am
06. The Flood
07. In My Shed
08. Gleam
09. Not A Single Soul
10. In The Sunlight I Drown
11. I Lost A World Today
12. Sweetly
13. Shovel Goal (Bonus Track)

Silver Haze

01. Evermore
02. Grand Canyon
03. Freedom Mountain
04. Under A Vow
05. Stirring Times Ahead
06. Mercury
07. Into The Volcano (I Fly)
08. Universal Treehouse
09. Who’s Crying
10. Aeroplane
11. Rockets Collide
12. Unbroken (Bonus Track)
13. Silver Haze (Bonus Track)
14. Sparrow (Bonus Track)
15. Where The Lovelight Shines (Bonus Track)

Mario