NORDIC UNION – Second Coming

Band: Nordic Union
Album: Second Coming
Spielzeit: 45:08 min
Stilrichtung: Hard/Melodic Rock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 09.11.2018
Homepage: www.frontiers.it

Handwerklich ist auf der 2ten Platte der NORDIC UNION, rund um Pretty Maids Sänger Ronnie Atkins und Eclipse Mastermind Erik Martensson nichts auszusetzen. Das war auch nicht wirklich zu erwarten, dann Martensson ist dafür bekannt perfekte Songs zu schreiben und Atkins ist ein begnadeter Sänger mit einer unfassbaren Rockröhre. Da das Debüt zwar nicht überschwänglich, aber mit Wohlwollen aufgenommen wurde, musste natürlich recht zeitnah ein Nachfolger eingerockt werden. Nach dem beinahe 2 Jahre alten „Nordic Union“ steht also nun „Second Coming“ in den Läden.

Dass Martensson ein Songschreiber ist, der weiß was er tut hat er ja bereits mehrfach beweisen (u.a. W.E.T., Eclpise, Jimi Jamison). Entsprechend gutklassig sind die Kompositionen, wobei das mit latenten Goth-Anspielungen versehene „Because Of Us“, der flotte Rocker „My Fear & My Faith“ und das dynamisch, episch angelegte „Die Together“ besonders hervorstechen. Bei den insgesamt 11 Tracks gibt es keinen Durchhänger – es gleicht sich halt alles ziemlich, Abwechslung muss man mit der Lupe suchen. Das macht aus „Second Coming“ eine starke Genre-Platte bzw. ein typisches Frontiers Produkt, aber bestimmt nichts, wovon man in ein paar Jahren noch mit Glänzen in den Augen sprechen wird. Musikalisches Fast Food halt. Als Überbrückung bis zum nächsten Pretty Maids Werk kommt die neue NORDIC UNION Scheibe also den Fans von Atkins ganz gelegen. Wobei ich anmerken muss, dass aufgrund der brachialen Klanggewalt im Endeffekt jeder x-beliebige Sänger die Platte hätte einsingen können. Gegen die undurchdringliche Wand an Drums, Gitarren und allerlei Schnickschnack hat der gute Atkins so gut wie keine Chance seine Stärken ins rechte Licht zu rücken. Schade und eigentlich ein Stück weit Verschwendung. Hier wurde das Breitwand Klanggewand nicht um den Sänger und seine charakterstarke Stimme herum aufgebaut, sondern der Gesang als letztes Puzzleteil da reingepackt wo noch Platz war.

Ich bin nicht ganz zufrieden mit „Second Coming“, denn aus der Sache hätte man so einiges mehr machen können. So bleibt ein Ronnie Atkins der zwar alles gibt(die Stimme ist und bleibt ein Erlebnis), aber leider blass bleibt und eine Handvoll gewohnt starker Songs aus der Feder von Erik Martensson.  Fans der Stammbands der beiden und die, denen die erste Scheibe von NORDIC UNION gefallen haben können aber auf jeden Fall ein Ohr riskieren. Beim nächsten Mal würde ich mir wünschen die Tracks würden etwas mehr auf Atkins zugeschnitten. Dennoch, nicht übel das Ganze.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. My Fear & My Faith
02. Because Of Us
03. It Burns
04. Walk Me Through The Fire
05. New Life Begins
06. The Final War
07. Breathtaking
08. Rock’s Still Rolling
09. Die Together
10. The Best Thing I Never Had
11. Outrun You

Mario

ACE FREHLEY – Spaceman

Band: Ace Frehley
Album: Spaceman
Spielzeit: 37:07 min
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Entertainment One (eOne)/SPV
Veröffentlichung: 19.10.2018
Homepage: www.acefrehley.com

Der ehemalig Kiss-Gitarrero Ace Frehley ist definitiv ein Unikat. Nicht nur was seine zwar relativ simple, aber enorm effektive Spielweise anbelangt, sondern auch und vor allem was den spleenigen Charakter des mittlerweile 67-jährigen betrifft. Wer seine kurzweilige Biographie gelesen hat, weiß was ich meine. Zweifelsohne ist Frehley ein Urgestein des amerikanischen Hardrock, der mit seinem blues-basierten Spiel unzählige Kiddies dazu brachte zur Gitarre zu greifen und eine Karriere im Rampenlicht zu suchen. Seit seinem Ausscheiden bei Kiss hat Frehley immer mal wieder Solo-Alben veröffentlicht, das letzte („Space Invader„) liegt nun 4 Jahre zurück. Zeit also für ein neues Lebenszeichen des „Spaceman“, der offensichtlich seine Vergangenheit immer noch als Vehikel für seine aktuellen Tätigkeiten nutzen möchte.

Wer Frehley bisheriges Oeuvre kennt, weiß was ihn auf „Spaceman“ erwartet: schön knarziger Hardrock, Kompositionen die nie Gefahr laufen in die Champions League vorzudringen sondern eher in der 2ten Liga mitkicken und natürlich das limitierte Gitarrenspiel und der noch limitiertere Gesang des sympathischen Altrockers. Qualitativ hat sich seit der letzten Scheibe nicht viel geändert. Die Songs rocken angenehm unprätentiös nach vorne und werden von einer guten Backing-Band (u.a. Session Drummer Anton Fig) und einer professionellen Produktion getragen. Anspieltipps sind der schmissige Ohrwurm „Rockin‘ with the Boys“, dass gemeinsam mit Kiss-Bassist Gene Simmons verfasste „Without You I’m Nothing“ und die musikalische Visitenkarte „Bronx Boy“. Ausfälle gibt es auf „Spaceman“ eigentlich keine zu vermelden, lediglich den zerfahrenen instrumentalen Rausschmeißer „Quantum Flux“ hätte der gute Spaceman sich sparen können. Ansonsten wird der Fan große Freude an dieser Scheibe haben, die perfekt zu einer relaxten Autofahrt passt.

Nichts Neues im Hause Frehley, und das ist ausnahmsweise auch mal gut so. Wo andere betagte Bands verkrampft versuchen sich und Ihren Sound zu modernisieren, macht der gute Ace genau das was er am besten kann. Wer also auf das bisherige Schaffen des passionierten Les Paul Spielers steht, kann hie bedenkenlos zugreifen. Es ist Frehley und der Mannschaft um ihn herum gelungen ein typisches Spaceman Album mit einigen wirklich guten Songs einzutüten. Was will man mehr?

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Without You I’m Nothing
02. Rockin‘ with the Boys
03. Your Wish Is My Command
04. Bronx Boy
05. Pursuit of Rock and Roll
06. I Wanna Go Back
07. Mission to Mars
08. Off My Back
09. Quantum Flux

Mario

WHITE WIDDOW – Victory

Band: White Widdow
Album: Victory
Spielzeit: 41:03 min.
Stilrichtung: AOR
Plattenfirma: AOR Heaven
Veröffentlichung: 19.10.2018
Homepage: www.facebook.com/whitewiddowaor

Keine Frage: Die fünf Australier von WHITE WIDDOW haben den großen Sprung in die hungrigen Ohren von AOR-Fans weltweit geschafft. Obwohl die in Melbourne geründete Truppe erst seit zehn Jahren besteht, hat man sich mit bislang vier, “Victory” eingerechnet fünf, Alben einen ansehnlichen Namen erspielt. Prognose: Tendenz steigend.
Was sich über die zehn Tracks und knapp über 40 Minuten Spieldauer von “Victory” abspielt, ist AOR ganz im Sinne der Klassiker des Genres. Auf großartige Modernisierung wurde verzichtet zugunsten eines authentischen 80er-Feelings, das WHITE WIDDOW niemand mit einigermaßen funktionsfähigem Gehör und zumindest ansatzweise gegebener Zurechnungsfähigkeit absprechen kann. Mit relativ guter Produktion (Die Snare hätte mehr knallen dürfen und ein paar Höhen weniger wären auch nicht übel gewesen), einer bestens passenden stimmlichen Leistung von Jules Millis und einer stabilen Instrumentalarbeit feiern die Melbourner die güldenen Achtziger – und zwar tatsächlich äußerst authentisch. Die massiven Saw-Synths machen’s, die Melodieführungen der meist im Midtempo gehaltenen Tracks, die Texte eh.
Der komplette Victory ist die Platte dennoch leider nicht. Zwar gibt es subjektiv betrachtet keinen Totalausfall, doch agiert “Victory” dabei durchgängig auf einem stabilen 7,5/10-Niveau. Denn so original die einzelnen Tracks auch wirken, so setzen sie doch nahezu alle auf das selbe Grundkonzept, zu 90% auf das selbe Synthesizer (Freunde, man kann bei den Dingern generell mehrere Sounds auswählen) und verdammt ähnliche Melodien. Klar gibt es Variationen, beispielsweise bei “Reach Up”, dem Song, der auf “Victory” dank seiner Drumarrangements am ehesten aus der Reihe fällt. Auch die Härte variiert: Von der gefühlvollen Ballade (“Anything”) über das ruhige und melancholische “Second Hand Heart” und das schlageresk-coole “Dance In The Moonlight” bis hin zum ganz ganz klassischen Titeltrack ist alles vorhanden – aber einfach ein wenig einfallsloser als bei vorherigen Alben, zum Beispiel dem starken “Crossfire”. Es entsteht leider das Gefühl, dass “Victory” eben die Genre-Fan-Bedienung ist, die nach Lehrbuch recht unkompliziert zu erschaffen ist.
Das macht “Victory” nicht zu einem schlechten Album. Im Gegenteil, Freunde der großen Vorbilder von WHITE WIDDOW werden an der Scheibe durchaus ihren Spaß haben. Es bleibt lediglich das ungute Gefühl, dass diese Band, wie sie auf vorangegangenen Veröffentlichungen gezeigt hat, eigentlich mehr auf dem Kasten hat und durchaus imstande wäre, ein abwechslungsreicheres Album zu produzieren, ohne dabei dem von ihnen auserkorenen Genre den Rücken kehren zu müssen.

Anspieltipps:
“Reach Up”, “Second Hand Heart” und “Danced In The Moonlight”

Fazit:
“Victory” ist ein gekonnt gemachtes AOR-Album, das unter Genrefans sicher auf positive Resonanz stoßen wird. Dicke Keyboards, ein paar Ohrwurmmelodien viel Midtempo, viel Harmonie – alles was fehlt ist ein wenig mehr Mut, von den Stil-Schemata auch nur ein klein wenig abzuweichen. So wie die Platte letztendlich klingt, ist sie einfach ein wenig zu sehr auf Sicherheit konzipiert. Das vermeidet schlechte Tracks, aber eben auch wirklich herausragende.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Victory
02. Fight For Love
03. Second Hand Heart
04. Late Night Liason
05. Danced In The Moonlight
06. Love And Hate
07. Reach Up
08. Anything
09. America
10. Run And Hide

Jannis

BONESETTER – One Way Top Speed

Band: Bonesetter
Album: One Way Top Speed
Spielzeit: 45:17
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Plattenfirmen sind kein Rock’n’Roll
Veröffentlichung: 30.01.2018
Homepage: www.bonesetterband.com

Bei manchen Bands weiß man ab dem Zeitpunkt, an dem man ihr Album in Händen hält, wohin die Reise geht. Das klischeehafte und unbestreitbar sehr gelungene Coverartwork von BONESETTERs “One Way Top Speed” macht aus den Damen und Herren aus Deutschland eine solche, und ein Blick auf die Trackliste tut sein Übriges, um klarzustellen: Es wird jetzt nicht progressiv und tiefgründig, aber vermutlich ziemlich spaßig. Und wer wäre der Schein, zu trügen? Über zwölf Tracks und 45 Minuten Spieldauer präsentiert die Truppe um Franz Schröter und Hendrik Labisch, die man unter anderem bereits vor RAGE, MOONSPELL und BLACK LABEL SOCIETY bestaunen konnte, knackigen Hard Rock der Marke AC/DC und AIRBOURNE.
Hinsichtlich des Sounds haben BONESETTER auf ihrem Debutalbum schonmal alles richtig gemacht. Während sich unzählige andere Bands ihr Debut durch eine preiswerte Produktion versaut haben, hat das 2010 gegründete Quartett an der korrekten Stelle investiert. Sauber abgemischt, klar und definiert radelt “One Way Top Speed” aus den Boxen und weiß dem interessierten Hörer Hendriks zum Stil der Band bestens passende Stimme würdig zu überbringen, ebenso wie die souveräne Leistung der restlichen Band.
Und musikalisch? Nu, mit der Einschätzung, die Scheibe klinge nach einer klassischen Mischung aus AC/DC und AIRBOURNE, alles gesagt. Sonderlich viel Innovation ist da nicht drin, aber das Ziel, seinen persönlichen Rockidolen zu huldigen, kann als problemlos erfüllt abgehakt werden. Mal schwerer schleppend, wie bei “Illegal Life”, mal im Feelgood-Riff-Sommer-Modus bei “Make Love” und mal vergleichsweise geschwind (also oberes Midtempo oder Unteres Uptempo) bei “Sweat And Blood”. Zwischendurch findet sich noch ein wenig Listeningbait – “Short Fast And Merciless” ist eines der am wenigsten shorten Lieder, nicht allzu fast aber immerhin vergleichsweise merciless – und mit “Rock Hard” hat man sich ein wenig im Titel vergriffen. Zwei Punkte Abzug dafür, Freunde, so geht das nicht.
Spaß.
Allgemeiner gesagt: Die Songstrukturen ähneln sich deutlich, es gibt viel Midtempo, die Riffs sind dominant und partytauglich, der Gesamtsound ist den Vorbildern entsprechend abgespeckt. Mit derartigen Komponenten läuft man als Band natürlich Gefahr, dass letztendlich doch nicht jeder Song ein epiphanisches Erlebnis wird (dafür ein Punkt Abzug), zudem fehlt BONESETTER noch das nötige Stück Charakter, eigene Nouancen im Gesamtsound, der an sich natürlich berechtigterweise ausfällt, wie er ausfällt (dafür der zweite Punkt Abzug). Nichtsdestotrotz ist “One Way Top Speed” ein starkes Debutalbum, das äußerst viel richtig macht und Fans des guten alten klassischen Hard Rocks mit einem ausgewählten Kasten Bier und ein paar Freunden garantiert einen fröhlichen Abend bescheren wird.

Anspieltipps:
Was soll man sagen, Ihr kennt die Rezeptur. Alle Tracks bewegen sich auf einem sehr ähnlichen Niveau, einfach mal blind reinhören ist angesagt.

Fazit:
Gut gespielte und fein produzierte Songs mit smarten Lebensweisheiten und Ratschlägen zum Thema Bier trinken, Trucks fahren und Leute bumsen, angetrieben durch besten Wechselstrom. Kann man als Freund des Genres wirklich gar nichts mit falsch machen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Drinking Beer
02. Golden Gun
03. Illegal Life
04. Keep On Trucking
05. Make Love
06. One Way Top Speed
07. Outlaw
08. Road Of Fire
09. Rock Hard
10. Short Fast And Merciless
11. Sweat And Blood
12. Wildfire

Jannis

DREAM CHILD – Until Death Do We Meet Again

Band: Dream Child
Album: Until Death Do We Meet Again
Spielzeit: 70:56 min.
Stilrichtung: Hard Rock/Heavy Metal
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 14.09.2018
Homepage: www.facebook.com/DreamChildRock

Manch einer, der in DREAM CHILDs Debutalbum “Until Death Do We Meet Again” reinhört, dürfte sich an einen der großen Künstler der Rockgeschichte erinnert fühlen. Korrekt, es ist MIKE OLDFIELD. Schon das Intro des ersten Songs ist klar und deutlich eine Abwandlung seines legendären “Tubular Bells”-Motivs und… Ach lassen wir das. Der Bandname ist eine Referenz auf DIOs “Dream Evil”-Album, außer dem Sänger und dem Keyboarder waren alle Bandmitglieder bereits an DIOs Seite tätig und die Stimme von Sänger Diego Valdez (SKILLTRON u.a.) klingt Ronnies nicht nur explizit ähnlich, er weiß sie auch so einzusetzen wie sein großes Vorbild.
Neben der stimmlichen Leistung von Valdez entführt auch die organische Produktion, die natürlich zeitgemäß ein bisschen hochgepusht wurde, den Hörer von UDDWMA in die Zeit von 1975 bis 1995. Garniert wird die ganze Angelegenheit von fein eingesetzten Keys. Von der 70er-Hammondorgel über warm-weiche 80er-Pads bis zu asozialen 90er-Saw-Synths ist die komplette Bandbreite an rock-relevanten Tasteninstrumenten im richtigen Maß vertreten und leistet gute Dienste.
Die Songs klingen durchweg wie – Ihr habt da vielleicht schon so eine Ahnung – Dio. Dabei wird nicht an Dissonanzen gespart, viele der Songs sind erstaunlich wenig eingängig. Wer nach Material im Stil der DIOschen Gassenhauer der Marke “Holy Diver” oder “Rock’n’Roll Children” sucht, wird vor allem bei “In A World So Cold” und “One Step Beyond The Grave” fündig. Wer hingegen Freude an seinen komplexeren und weniger fröhlichen Werken verspürt, der ist unter anderem mit dem verschachtelten Titeltrack oder dem größtenteils instrumental gehaltenen “Washed Upon The Shore” gut beraten. Freunden starker Mittelteile sei generell so gut wie jeder Song ans Herz gelegt, das gleiche gilt für Fans des uninspirierten Ausfadens am Ende eines Tracks.
Negative Kritik? Nun, zuerst einmal ist UDDWMA mit seinen 70 Minuten Laufzeit tatsächlich etwas zu lang, gerade auch innerhalb der einzelnen Songs. Die meisten von ihnen hätte man über vier bis fünf Minuten wesentlich kurzweiliger halten können, wie sich unter anderem bei “You Can’t Take Me Down”, einem der +7-Minüter zeigt. Des weiteren ist das Album, auch aber nicht nur aufgrund des Gesangsstils, am ehesten als Stilkopie zu werten. Es hat den Anschein, als habe man versucht, ein DIO-Album ohne Dio zu produzieren, aber eben auch nicht wirklich mehr. Klar, ein wenig URIAH HEEP ist drin, ein bisschen OZZY und ein bisschen EMERSON LAKE & PALMER auch, aber das Gefühl bleibt, dass hier letztendlich eine (in ihrer Sache sehr gute) DIO-soundalike-Band am Start ist. Das wäre angesichts der großartigen vertretenen Musiker gar nicht nötig gewesen, einen soliden DIO/RAINBOW-Grundspirit hätte man mit mehr eigener Innovation kombinieren können. So hingegen ist UDDWMA ein gutes Album mit etwas zu langen Songs, etwas zu wenig Eingängigkeit, etwas zu viele Fadeouts und leider auch zu wenig Eigenständigkeit – auf hohem Niveau. Wer so etwas mag, der denke sich gerne ein bis zwei Sterne mehr zur Bewertung hinzu. Der Rest kriegt immerhin einen anständigen 70es/80es-Hard-Rock/Heavy-Metal-Flashback verpasst.

Anspieltipps:
“Light Of The Dark”, “Until Death Do We Meet Again”, “In A World So Cold”, “One Step Beyond The Grave” und “Washed Upon The Shore”

Fazit:
Gut gemachter DIO-Sound ohne Dio mit einigen Abstrichen. Fans des guten Mannes (und wer ist das nicht?) sollten aber auf jeden Fall mal reinhören. Denn mehr Liebe als in einem tourenden Hologramm steckt in DREAM CHILDs erster Platte doch auf jeden Fall.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Under The Wire
02. You Can’t Take Me Down
03. Games Of Shadows
04. It Is What It Is
05. Playin‘ With Fire
06. Light Of The Dark
07. Midnight Song
08. Until Death Do We Meet Again
09. Washed Upon The Shore
10. In A World So Cold
11. Weird World
12. One Step Beyond The Grave

Jannis

MAXXWELL – Metalized

Band: Maxxwell
Album: Metalized
Spielzeit: 61:23 min.
Stilrichtung: Heavy Rock
Plattenfirma: Rock’N’Growl Promotion
Veröffentlichung: 21.09.2018
Homepage: www.maxxwell.ch

Lange Heimfahrt mit der Bahn, inklusive mehrerer Umstiege. Wie das so ist: Erstmal Umstieg in den falschen Zug, zurück Richtung Ausgangsort. Zwei Stunden plus, geil. Alles nicht so schlimm, schließlich war der Plan, während der Fahrt die neue Scheibe von MAXXWELL zu rezensieren, und dafür ist nun auf alle Fälle genug Zeit. Nicht nur die Fahrt fällt härter aus als erwartet, auch “Metalized” tut dies, schließlich hat man sich seit dem letzten Release doch deutlich… nun, metallisiert. Und dies demonstrieren die fünf Schweizer äußerst befriedigend anhand von (inklusive Bonustracks) 15 Songs und über einer Stunde Spieldauer.
Die Produktion ist gelungen und funktioniert mit dem Stil der Band bestens, ebenso wie Sänger Gilberto Meléndez, der als erstklassige Rockröhre sowohl mit rauem als auch mit klarerem Gesang vollends überzeugt. Die Stimme passt hervorragend zum Stil der Schweizer: Moderner, ziemlich amerikanisch anmutender Hard Rock mit deutlichen Metaleinflüssen. Relativ einfach gehalten, muss man hinzufügen, schließlich besteht der allergrößte Teil des Albums aus bodenständigen fünf, mit Backing Vocals ab und an sechs, hörbaren Spuren, was MAXXWELL jedoch komplett ausreicht, um eindrucksvoll fett zu klingen.
Dazu kommt ein Gespür für Ohrwurmmelodien. Schon die ersten beiden Tracks erweisen sich in dieser Hinsicht als ordentliche Granaten, die feine Riffs, lässige Hard-Rock-Beats und eingängige Melodien gerade im Chorus souverän miteinander vereinen. “P.U.T.V.” (Pump Up The Volume) zieht erbarmungsloser nach vorne und hebt den Härtegrad etwas an, während “She’s Mine” und “Scars” leicht melancholischer kommen (Gerade “She’s Mine” hätte ich gerne mal ergänzt um Glöckchensynths und eine Oktave tiefere Vocals von den 69 EYES gehört), allerdings nach wie vor problemlos auch live feierbar sind.
“Metalized” fällt wie “The Temple” vergleichsweise unspektakulär aus, das gleicht “Burn” mit seinen coolen Gitarren im Refrain und seinem leicht asozialen Charme jedoch problemlos aus. Bei “Raise Your Fist”, einem schon angesichts seines Titels augenscheinlich als Livesong konzipierten Ding, geht das Tempo nochmal hoch, die “Oooooooh”-Mitgrölchöre werden ausgepackt und es wird, für die Investitionsfreudigeren unter Euch, der Bonusbereich eingeleitet, der mit drei weiteren Songs aufwartet und dessen Niveau den Hauptteil des Albums zumindest ansatzweise erreicht.
Schwäche wie Stärke von “Metalized” ist tatsächlich seine Länge. Über ca. vierzig Minuten machen der Stil von MAXXWELL und die Songs, die sie in diesem stark komponiert anbringen, wirklich Spaß. Über die letzten 20 Minuten zieht sich die Sache dann doch ein bisschen. Dann wiederum wird eh jeder Hörer seine Lieblingssongs nach ein, zwei Hördurchgängen herausgearbeitet haben und das Album auf vierzig echt geile Heavy-Rock-Minuten herunterbrechen können. Und auch, wenn einige der Melodien ein bisschen zu sehr Ami-gelutscht radiotauglich wirken mögen: Wer den Stil mag, wird über weite Teile von “Metalized” sehr gut bedient, von einer Truppe, die ihren Sound bis ins letzte Detail versteht und zu verwenden weiß.

Anspieltipps: “Hurricane”, “Back Again”, “Scars”, “Burn” und “Give It All”

Fazit:
Modern klingender Heavy Rock mit Amirock-Einflüssen, einem Qualitäts-Sänger und einer feinen Mischung aus souveränen Rhythmen, geilen Riffs und eingängigen Melodien. Gut gespielt, gut produziert. Noch Wünsche?

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Hurricane
02. Back Again
03. P.U.T.V.
04. She’s Mine
05. Scars
06. Metalized
07. Monsterball
08. Burn
09. Done With You
10. Give It All
11. The Temple
12. Raise Your Fist
13. Independent (Bonus Track
14. Queen Of The Night
15. Schizophrenia

Jannis

THE UNITY – Rise

Band: The Unity
Album: Rise
Spielzeit: 57:31 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Steamhammer/SPV
Veröffentlichung: 14.09.2018
Homepage: www.unity-rocks.com

Man muss immer kritisch abwägen, ob man ein Album einer Band kaufen sollte, das gerade einmal anderthalb Jahre nach ihrem letzten Release veröffentlicht wurde. Doch ein paar vorsichtige und misstrauische Hördurchläufe von THE UNITYs neuer Platte “Rise” (Daumen hoch für den kreativen Albumtitel) bestätigen: Man kann in einer so kurzen Zeit nicht nur gute Alben produzieren, sondern tatsächlich herausragende.
Kurz das obligatorische Drumherum: Der Sound sitzt bestens und bietet keinen Grund zur Kritik. Das Albumcover sieht großartig aus. Die Musiker haben ihr Talent bereits auf dem Debutalbum unter Beweis stellen können: Gianbattista Manenti hat eine vielseitige und zum Stil der Band hervorragend passende Stimme, die er dementsprechend einzusetzen weiß, und die Instrumentalfraktion um die Gründungs- und GAMMA-RAY-Mitglieder Michael und Henjo agiert ebenfalls auf amtlich hohem Niveau.
Viel Power Metal und eine ordentliche Prise Hard Rock dominieren “Rise”. Nach dem kurzen Intro folgt, wie sich das gehört, mit “Last Betrayal” eine starke Uptemponummer, deren Eingängigkeit von der des folgenden “You Got Me Wrong” noch einmal übertroffen wird. Mit “The Storm” dann direkt der nächste Hit, poppiger Hard Rock mit ganz dezenten Stadiongesängen im Refrain (oder irre ich mich?), bevor bei “Welcome Home” die totalen Feelgood-Vibes ausgepackt werden. Gut, der Text ist ziemlich platt, aber das Riff und die Melodien entschuldigen das. “All That Is Real” sympathisiert mit “Mad World”-Harmonien und fährt zudem eine sehr schöne E-Orgel und den nächsten Hammer-Chorus auf. Mit “No Hero” gibt es anschließend besten eingängigen fixeren Power Metal, ebenso mit “Children Of The Light”. Die Ballade “The Willow Tree” ist feierlich episch und erinnert in Teilen leicht an “Hotel California”, ist dabei allerdings keine Quotenballade sondern ein sehr schön geschriebenes Teil. Und obgleich der letzte Track “L.I.F.E.” auch nicht von schlechten Eltern ist, hätte man als finalen Song doch vielleicht “Better Day” genommen, ein weiteres Highlight auf “Rise” mit sehr positiver Grundstimmung und einem tollen Refrain. Irgendwie hätte ich gerne mal ein DEVIN-TOWNSEND-Cover davon.
“Rise” ist minimal zu spät dran, um als Sommeralbum gelten zu dürfen. Es wäre wohl empfehlenswert, es einfach schonmal als Sommeralbum für den Sommer 2019 vorzumerken, denn seien wir ehrlich: Jeder Song des Albums hat einen sehr eigenen Charakter, sehr individuelle Melodien und Stimmungen – und ausnahmslos jeder der Songs agiert auf verdammt hohem Niveau, generell sehr eingängig und, wie man das von einer Band erwartet, die zum Teil aus GAMMA-RAY-Mitgliedern besteht, zumeist eher fröhlich, optimistisch, gute Laune verbreitend. Kurz: „Rise“ ist eines der Alben, die man bei 34 Grad und schönstem Sonnenschein im Cabrio hören sollte.
Was soll man an der Scheibe kritisieren, meine Freunde? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht.

Anspieltipps:
“You Got Me Wrong”, The Storm”, “All That Is Real”, “Better Day” und “Welcome Home”

Fazit:
Ich wage zu behaupten, dass der allergrößte Teil des Rock-Garage-Zielpublikums auch zur Zielgruppe von THE UNITYs neustem Streich gehört. Sauber produziert, liebevoll komponiert, Ohrwurmpotenzial ohne Ende und fast jeder Song ein potenzieller Hit, gespielt von einer Truppe, die sich trotz ihrer kurzen Bandhistory komplett mit Recht als Unity bezeichnen kann – Viel besser war und wird es dieses Jahr wohl nicht!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Revenge
02. Last Betrayal
03. You Got Me Wrong
04. The Storm
05. Road To Nowhere
06. Welcome Home
07. All That Is Real
08. No Hero
09. The Willow Tree
10. Above Everything
11. Children Of The Light
12. Better Day
13. L.I.F.E.

Jannis

Y&T – Earthshaker / Black Tiger / Mean Streak (Re-Releases)

Band: Y&T
Album: Earthshaker / Black Tiger / Mean Streak (Re-Releases)
Spielzeit: /
Stilrichtung: Hard Rock, Melodic Rock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: 06.07.2018
Homepage: www.rockcandyrecords.com

Die anfangs als YESTERDAY AND TODAY gestarteten Hardrocker aus der Bay Area (San Francisco) gelten auch heute noch als Garant für erstklassigen, handgemachten Hardrock mit Ecken und Kanten sowie einer gehörigen Portion Schmutz und Blues in den Adern. Was die Truppe um Ausnahmegitarrist/Sänger Dave Meniketti aber von der Konkurrenz ein gutes Stück absetzte war ihr untrügliches Gespür für packende Melodien, die immer kitschfrei und in hart zupackenden und dabei nie kitschigen Rocksongs verpackt waren. Nach 2 eher unspektakulären Alben, auf denen die Band noch (unter altem Namen) Ihren Stil suchte, ging es dann auf dem von Bob Shulman and David Sieff produzierten Album „Earthshaker“ aus dem Jahr 1981 relativ grade ab durch die Decke …

Earthshaker (1981)

Den alten Namen hatte die Band mittlerweile abgelegt und gegen da kürzere/griffigere Y&T eingetauscht. Und auch der Rest wurde auf höchstmögliche Effizienz getrimmt. Und wer sich Hardrocker schimpft und noch nie die Überhymnen „Rescue me“ und „I Believe In You“ gehört hat, bei dem ist irgendetwas in der Erziehung falsch gelaufen. Zwischen diesen beiden Bandklassikern, die auch heute noch in keiner Setlist der Truppe fehlen dürfen, tummelten sich weitere Hochkaräter wie der Opener „Hungry For Rock“ oder „Let Me Go“. „Earthshaker“ war der einschneidende Wendepunkt in der Karriere von Y&T – ein Album gespickt mit starken Songs, eingespielt von einer jungen, hungrigen Gruppe, dass die Herzen der Fans weltweit im Sturm eroberte. Aber auch ein Meilenstein, an dem sich die folgenden Alben der Jungs messen lassen mussten. Wer nur Geld und/oder Platz für ein einziges Y&T Album in seiner Sammlung hat, der muss sich dieses quasi-Debüt besorgen. Besser wurde es eigentlich nie wieder …

Black Tiger (1982)

Für das nächste Album holte man sich dann mit Max Norman einen ausgesprochenen Fachmann in Sachen kraftvolle Metalsounds ans Mischpult. Der Herr hatte bereits die beiden ersten Ozzy Osbourne Soloscheiben betreut und schaffte es, der Band ein noch kernigeres Soundgewand zu verpassen. „Black Tiger“ kann auch heute noch mit seinem wuchtigen, fetten Sound überzeugen und hat, ähnlich wie sein Vorgänger, dem Zahn der Zeit widerstanden. So richtig konnten Y&T aber das hohe Niveau des Überfliegers aus dem Jahr 1981 nicht halten. Auch wenn „Black Tiger“ mit „Open Fire“, „Winds of Change“ oder dem schmissigen, hitverdächtgen „Don’t Wanna Lose“ wieder einige hochkarätige Kracher im Programm hatte, war die Scheibe einfach nicht so kompakt und durchschlagend wie „Earthshaker“ – vielleicht fehlte auch einfach der Überraschungsmoment der die vorherige Scheibe so urplötzlich in die Landschaft gehieft hatte. Denn die für die Band so enorm wichtigen Zutaten (allen voran Menikettis fantastisches Gespühr für grandiose Gitarrensoli und packende Melodielinien) waren natürlich immer noch in hohem Maße vorhanden. Auch hier gilt also: wer diese Scheibe nicht kennt, hat definitiv etwas verpasst. Geht quasi als „Earthshaker 2.0“ durch …

Mean Streak (1983)

Nun durfte auch mal die damals sehr angesagte Koryphäe Chris Tsangarides (u.a. Judas Priest, Thin Lizzy, Yngwie Malmsteen) als Produzent ran, der den Jungs abermals einen leicht anderen Klang zurechtzimmerte. Sowohl in den Songs, als auch im Klang hielt nun langsam aber sicher eine (noch sehr dezente) Politur Einzug ins Y&T-Universum. Die Tracks wurden nun hörbar aufs Radio zugeschnitten („Down And Dirty“) und die Ecken und Kanten abgeschliffen. „Mean Streak“ bildet zusammen mit „Earthshaker“ und „Black Tiger“ zwar so etwas wie die heilige Trinität in der Y&T Diskographie, hinkt im Vergleich zu den beiden anderen Platten aber dann schon etwas deutlicher hinterher. Während die Band weiterhin spieltechnisch alles gab, musste man wohl dem heftigen Arbeitspensum und den Erwartungen der Labelbosse Tribut zollen. Schlecht ist die Platte beileibe nicht, und für Songs wie den Titelsong „Mean Streak“ oder das geniale „Midnight In Tokyo“ hätten andere Bands ihr letztes Hemd gegeben. Aber es zeichnete sich bereits ab, was in den Folgejahren mit Scheiben wie „Down for the Count“ auf die Spitze getrieben wurde: der Tausch vom erdigen, kernigen blues-beeinflussten Heavy Rock zugunsten Keyboardlastiger AOR Massenware. „Mean Streak“ geht aber dennoch als echter Klassiker der Band durch und hat auch heute noch eine Menge richtig guter Rockmusik zu bieten.

Nach diesen 3 wirklich formidablen Platten, die jeder Hardrocker der etwas auf seine Plattensammlung zählt im Regal stehen haben sollte, veröffentlichte die Truppe zwar weiterhin in regelmässigen Abständen Alben, das Niveau bekam aber eine merkliche Delle. Den Drive und Biss, sowie die Hitdichte, bekamen die Jungs einfach nicht mehr auf Albumlänge eingetütet. Und auch das Comeback Album „Facmelter“ (2010) auf dem Frontiers Label konnte nicht, wie bei den Kollegen Pretty Maids, für einen zweiten Frühling sorgen. Empfehlenswert ist aber auf jeden Fall das vom Stefan besprochene Live-Album „Live at the Mystic“ (2012), das die Stärken der Band nochmal perfekt einfängt. Kurz und bündig: wer die hier vorgestellten Scheiben noch nicht hat, hat echt was verpasst. Also keine Ausreden mehr, vor allem weil die vorliegenden Rock Candy Re-Releases wie immer neben einem guten Remastering, den ein oder anderen Bonustrack (leider nicht auf „Earthshaker“) sowie sehr interessante Linernotes zu bieten haben.

WERTUNG:

Earthshaker

 

 

Black Tiger

 

 

Mean Streak

 

 

Trackliste:

Earthshaker (1981)

01. Hungry For Rock
02. Dirty Girl
03. Shake It Loose
04. Squeeze
05. Rescue Me
06. Young And Tough
07. Hurricane
08. Let Me Go
09. Knock You Out
10. I Believe In You

Black Tiger (1982)

01. From The Moon
02. Open Fire
03. Don’t Wanna Lose
04. Hell Or High Water
05. Forever
06. Black Tiger
07. Barroom Boogie
08. My Way Or The Highway
09. Winds of Change
10. Somebody For Me (Bonus Track)

Mean Streak (1983)

01. Mean Streak
02. Straight Thru The Heart
03. Lonely Side of Town
04. Midnight In Tokyo
05. Breaking Away
06. Hang ‘E, High
07. Take You To The Limit
08. Sentimental Fool
09. Down And Dirty
10. I’m Not Sorry (Bonus Track)

Mario

WONDERWORLD – III

Band: Wonderworld
Album: III
Spielzeit: 49:58 min
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Sliptrick Records
Veröffentlichung: 19.06.2018
Homepage: www.wonderworld.no

Mit „III“ legt uns das Trio WONDERWORLD ihr, na, genau 3tes Album vor. Gut, so kreativarm bei der Namengebung Ihrer Alben sind auch andere. Konzentrieren wir uns lieber darauf, was musikalisch auf dem dritten Langspieler der Truppe um den Labyrinth-Bassisten Roberto Tiranti sowie seine beiden Sidekicks Ken Ingwersen an der Gitarre (Street Legal) und Drummer Tom Fossheim (Live Fire) passiert. Da sich besetzungstechnisch nichts seit der letzten Scheibe („II„, 2016) getan hat, sind keine allzu großen Veränderungen im Bandsound zu erwarten, vor allem, da wir es hier grundlegend mit schnörkellosem, klassischen Hardrock zu tun haben. Dementsprechend knüpft „III“ auch relativ nahtlos den Vorgänger an.

Auf einzelnen Songs einzugehen ist hier ein wenig müßig – wie bei den vorangegangenen Veröffentlichungen haben die Jungs ein paar gut geschriebene und kompetent eingespielte Tracks auf die Platte gepackt. Aber auch weiterhin fehlt das gewisse Quäntchen, dass aus einer guten eine herausragende Scheibe macht. Im Vergleich zum Vorgänger fehlen mir auf dem aktuellen Album vor allem 2 Dinge: die Energie, die auf dem von mir noch hochgelobten und immer wieder gerne gehörten „II“ aus quasi jeder virtuellen Rille tropfte, sowie der absolut geile Gitarrensound, den 6-Saiter Ingwersen aufgefahren hatte. Auf „III“ geht es insgesamt eine Spur gemächlicher zu, es wird nicht mehr so geradeheraus gerockt sondern das Songmaterial ist mehr im bluesigen Midtempo angelegt und soundtechnisch ist mir die Chose ebenfalls einen Ticken zu trocken ausgefallen. Auf der Haben-Seite sind weiterhin die gnadenlos geilen Gitarrensoli zu verbuchen, irgendwo zwischen Nuno Bettencourt und Vito Bratta. Songs wie der flotte Rocker „Background Noises“, das schwer groovende „A Mountain Left To Climb“ oder das an Glenn Hughes erinnernde „Brand New Man“ können Freude bereiten und das Zusammenspiel der Truppe ist auf ebenfalls hohem Niveau. Dennoch kann mich „III“ nicht auf die gesamte Spielzeit so packen bzw. überzeugen wie der Vorgänger.

WONDERWORLD machen weiterhin ihr eigenes Ding und schaffen es dabei eigenständig zu klingen und dem ausgelutschten Genre des bluesigen Hardrocks eine eigene Facette hinzuzumischen. Im direkten Vergleich zum starken Vorgänger kann die neue Platte aber nicht ganz mithalten. Das mag für Fans des Genres meckern auf hohem Niveau sein. Ich wünsche mir für die nächste Scheibe der Jungs aber wieder ein wenig mehr Feuer unterm Popo sowie eine schmackhaftere Produktion.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Background Noises
02. Stormy Night
03. Big Word
04. Crying Out For Freedom
05. A Mountain Left To Climb
06. Brand New Man
07. Rebellion
08. The Last Frontier
09. Stay Away From Me
10. There Must Be More

Mario

TNT – XIII

Band: TNT
Album: XIII
Spielzeit: 46:10 min
Stilrichtung: Hard Rock, Melodic Rock
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 08.06.2018
Homepage: www.tnttheband.com

Die Norweger TNT haben in den 80ern mit „Knights of the New Thunder“ (1984) und „Tell No Tales“ (1987) starke Alben vorgelegt und mit „10,000 Lovers (In One)“ einen kleinen Genre-Hit für die Ewigkeit geschrieben. Die Jungs haben sich schon immer von der Konkurrenz durch ein eigenwilliges Songwriting sowie die kreative Gitarrenarbeit von Ronni Le Tekro abgesetzt. Umso gespannter war ich als das neue Album der Truppe über Frontiers Records angekündigt wurde – ein Label, das eigentlich für gleichförmige Massenware bekannt ist und weniger für Bands die aus der Reihe fallen. Das von Tommy Hansen abgemischte „XIII“ ist, wer hätte das gedacht, das 13. Album der Band und zeigt mal wieder wie wichtig TNT für die Szene sind.

Das Doppel aus „We’re Gonna Make It“ und „Not Feeling Anything“ eröffnet das Album mit unorthodoxen Arrangements, fetten Chören, einer kreativen Produktion und geilen Hooklines. Man weiss sofort, dass man es mit TNT zu tun hat und nicht mit der x-ten Aufwärmung des üblichen Hardrock Breis den man sonst immer vorgelegt bekommt. Neuentdeckung Baol Bardot Bulsara aus Spanien am Mikrofon (der den kürzlich ausgeschiedenen Tony Harnell ersetzt) macht seine Sache hervorragend, beherrscht sowohl die hohen Töne (ohne jemals nervig zu werden) als auch die tieferen Register und packt eine gute Melodie nach der anderen raus (Anspieltipp „People, Come Together“). Bei „It’s Electric“ wird dann das Experimentieren mit Queen-beeinflussten Chören und beschwingten Rhythmen auf die Spitze getrieben. Dieses Verspielte bringt der Platte eine Menge Abwechslung ein, kann aber auch mal in die Hose gehen wie z.B. bei dem langweiligen Rocker „Fair Warning“. Die gute-Laune „Hits“ („Get Ready For Some Hard Rock“) überwiegen aber in der Summe und machen aus „XIII“ zwar nicht das beste Album in der Karriere der Norweger, aber immerhin ein Album, dass der Hardrock Fan auf dem Zettel (bzw. im Regal) stehen haben sollte.

Fett und zeitgemäss produziert, eine Menge guter Songs, tolle (ungewohnte) Arrangements, eine frische/hungrige Stimme und die nach wie vor einzigartige Gitarrenspuren von Bandgründer von Ronni Le Tekro machen aus „XIII“ ein gutes Stück zeitlosen Hardrocks. Zwar kein Überfliger, aber Genrefans zum Antesten empfohlen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. We’re Gonna Make It
02. Not Feeling Anything
03. Fair Warning
04. It’s Electric
05. Where You Belong
06. Can’t Breathe Anymore
07. Get Ready For Some Hard Rock
08. People, Come Together
09. Tears In My Eyes
10. 17th Of May
11. Catch A Wave
12. Sunshine

Mario