HEADLESS BEAST – Phantom Fury

Band: Headless Beast
Album: Phantom Fury
Spielzeit: 61:04 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Housemaster Records
Veröffentlichung: 05.04.2019
Homepage: www.headless-beast.de

Was ja bei der Fertigstellung eines Albums gar nicht so irrelevant ist, wie man vielleicht annehmen mag: die Findung einer vernünftigen Songreihenfolge. Track 1 muss ballern, Track 2 kann etwas melodischer und langsamer sein, die erste Ballade darf frühestens Track 4 sein und wenn es zwei gibt, müssen mindestens zwei, drei Tracks zwischen ihnen liegen. Nach den Balladen müssen als Ausgleich wieder härtere Tracks folgen und der letzte Track muss nochmal herrausragend liefern. Auf keinen Fall dürfen sich am Anfang des Albums vier eher unspektakuläre Tracks befinden, spätestens dann macht nämlich ein Großteil der Hörer das Ding aus, weil er nicht damit rechnet, dass da noch was Krasses kommt.
Das ist so ein bisschen das Hauptproblem von “Phantom Fury”, dem zweiten Langspieler der fünf Ulmer von HEADLESS BEAST. Das nicht auf High-End-Level aber absolut stabil produzierte Album liefert auf zwölf Tracks und einer Stunde Spielzeit nach eigenen Angaben NwoBHM mit Teutonic-Metal-Anleihen. Kann man so stehen lassen, auch wenn der Fokus eher auf ersterem und auf Hard-Rock-Nuancen sowie ein wenig melodischem Thrash liegt.
Track 1 bis 4 sind dabei vergleichsweise klassisch. Track 1 ist wenig innovativer PRIEST-Metal, Track 2 auch eher konventionell (bis auf seine interessante sechstaktige Periodenarbeit), der dritte Track hat an Außergewöhnlichem einen entspannt rockigen Mittelteil als schönen Stilbruch parat und Track 4 übernimmt das Introriff von LORDIs “Chainsaw Buffet” und erinnert im weiteren Verlauf an Hard Rock der Marke AC/DC bzw. AIRBOURNE. Wirklich hängen bleibt von den Tracks aber nichts, sie sind schwer nach Genrekonventionen komponiert. Nett für nebenbei aber so auch schon oft gehört. Gut, dass es mein (unbezahlter) Job ist, jedes Album bis zum Ende durchzuhören, sonst wäre ich an der Stelle gewillt, “Phantom Fury” als Standardmaterial abzuspeichern und auf unbestimmte Zeit im Musikordner ruhen zu lassen – und damit wären mir und Euch einige Knaller entgangen, allen voran “Virtual Abyss”. Verdammt, Freunde, was eine Steigerung. Das Riff ist im besten Sinne übel, die Tonartenarbeit ebenso, der Refrain mit seinen geilen Backing Vocals auch. Das ist eine überraschende Steigerung der Kompositionsarbeit und plötzlich ist das Interesse wieder geweckt. Zurecht. Mit “Feed The Beast” und “The Darkness” kommen noch zwei kraftvolle, leicht balladige aber absolut ausreichend harte Rocker mit Ohrwurmpotenzial, “To The Grave” überzeugt mit feinem melodischen NwoBHM-Chorus (der wie auch andere der positiv hervorgehobenen an PRAYING MANTIS erinnert) und 1a darauf passendem Riff, und “Pray For Nothing” macht mit seinem OZZY-”No More Tears”-Gedenkriff und der liebevollen Durwendung im Refrain auch alles richtig. “Suicide Solution” ist simpel und sauer und “Black Reign” nochmal PRIEST im böse-schrubbigem und etwas thrashigen Gewand. Alles in allem: Auf “Phantom Fury” ist schon eher gewöhnliches Material dabei, das für’s nebenbei Hören geeigneter ist als für die konzentriertere Auseinandersetzung damit. Aber gleichermaßen finden sich auf dem Album auch ein paar ordentliche Brecher. Hat sich gelohnt, weiterzuhören!

Anspieltipps:
“Virtual Abyss”, “Feed The Beast”, “The Darkness”, “To The Grave” und “Suicide Solution”

Fazit:
Ein paar Songs auf nett gespielt-konventionellem 6,5/10er-Niveau, ein paar aber auch auf geil komponiert-grandiosem 9,5/10er-Niveau – Man sollte “Phantom Fury” nicht allzu voreilig als weitere höhepunktarme Genrekost abstempeln, denn nach dem ersten Drittel drehen die Jungs ordentlich auf. Entgegen meines ersten Eindrucks empfehle ich absolut, der Platte mal eine Chance zu geben!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Phantom Fury
02. Resurrection
03. One Year In Hell
04. Used To The Evil
05. Virtual Abyss
06. Feed The Beast
07. Suicide Solution
08. To The Grave
09. The Darkness
10. World Of Fear
11. Black Reign
12. Pray For Nothing

Jannis

IDLE HANDS – Mana

Band: Idle Hands
Album: Mana
Spielzeit: 36:47 min
Genre: Gothic Metal, Heavy Metal
Plattenfirma: Eisenwald Tonschmiede
Veröffentlichung: 10.05.2019
Homepage: www.facebook.com/idlehandsband

Aus Portland in den USA melden sich IDLE HANDS nach einer vielversprechenden und vielbeachteten EP aus dem letzten Jahr nun mit dem full-length Debüt auf der Bildfläche. Die Truppe wird zur Zeit allerorts mächtig gehyped, und ich muss sagen, zurecht. Die packende Michung aus sinistrem Gothic Rock im Stile der Sisters of Mercy, niemals langweilig werdenden Jingle-Jangle Gitarren und treibenden Riffs (hier und da sind z.B. auch Vertreter der Depri-Schule à la Katatonia im Sound der Truppe auszumachen) ist relativ ungewöhnlich und damit scheint das Quartett einen Nerv getroffen zu haben.

Von den 11 vertretenen Songs ist tatsächlich so gut wie jeder ein Volltreffer. Besonders die ersten 5 Songs lassen den Hörer ungläugbig zurück, denn man wird von einem Hit nach dem nächsten überfahren. Ob in dem mit wunderbar ineinander verzahnten Gitarren versehenden Überhit „Jackie“, dem an Paradise Lost erinnernden „Don`t Waste Your Time“ oder dem an flotte High Spirits („Full Power“) angelehnten hymnischen Rocker „Give Me To The Night“ – die Nummern und Hooklines sitzen wie eine Eins und gehen nicht mehr aus den Gehörgängen. Ja, die Songs gleichen sich auf den ersten Blick relativ stark (das Patentrezept wird bis an die Grenzen ausgelotet) und die immer wieder eingestreuten „Huargh“ Shouts können mitunter für die ein oder andere hochgezogene Augenbraue sorgen. Das ändert aber nichts daran, dass es IDLE HANDS hier gelungen ist eine Wundertüte an eingängen Hochkarätern einzurocken, die eine verdammte Menge an Fans verdient hat. Neben den bereits genannten Tracks sei hier noch der Titeltrack (und Rausschmeisser) „Mana“ genannt, der zum Ende raus nochmal das ganz grosse Kino auffährt.

Zur vollen Punktzahl reicht es aufgrund marginaler kleiner Punkte zwar noch nicht. Aber wenn Opeth im September nicht noch ein absolutes Schwergewicht vorliegen (was ich doch mal ganz schwer hoffe), dann ist „Mana“ ohne wenn und aber bereits jetzt mein Album des Jahres 2019. Huargh!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Nightfall
02. Jackie
03. Cosmic Overdrive
04. Don`t Waste Your Time
05. Give Me To The Night
06. Blade And The Will
07. Dragon, Why Do You Cry
08. Double Negative
09. It`ll Be Over Before You Know It
10. A Single Solemn Rose
11. Mana

Mario

SKELATOR – Cyber Metal (Kurzrezension)

Band: Skelator
Album: Cyber Metal
Spielzeit: 40:07 min
Stilrichtung:
Plattenfirma: Soulfood
Veröffentlichung: 14.06.2019
Homepage: www.facebook.com/TrueSkelator

SKELATOR, mal wieder ne West-Coast-Truppe in der Garage! Die Jungs um Frontmann Jason Conde-Houston haben seit 2008 fünf Alben veröffentlicht, sind seit 20 Jahren aktiv und haben sich auf ihrem sechsten Release frei nach dem Motto “No songs about swords – unless they are laser swords” von der üblichen Heavy-Metal-Thematik in die Cyber-Ecke verabschiedet. Musikalisch ist man über die acht Songs der Scheibe jedoch nach wie vor klassisch metallisch unterwegs, mit kaum Synths, recht hohem Gesang und den gängigen Bestandteilen des Genres. Die Produktion ist ausgewogen und druckvoll, der rohe Sound der Band kommt nichtsdestotzrotz beachtlich gut durch. Glattpoliert ist das nicht, stattdessen sehr gut heavy. Die Band macht einen amtlichen Job, Jason mit seiner durchaus speziellen Stimme ebenso, auch wenn er beim Opener und Titeltrack ein wenig höher anmutet als der Rest der Band. Schieben wir es auf kleine Fehler beim Aufnahmeprozess oder meine Ohren. Und sonst so? Nu, “Cyber Samurai” ist klassischer, nicht allzusehr aus der Masse hervorstechender Heavy Metal, gut gespielt, mit vielen traditionellen Stil-Bausteinen, einem dezenten Eingängigkeitslevel, dessen Verhältnis zu metallisch-unmelodischeren Parts für dieses Genre meiner subjektiven Einschätzung nach recht gut gelungen ist, und ein paar kleinen Überraschungen, wie dem Hard-Rock-PRIESTigen Endtrack (Geiler Gitarrensound im Solopart!). Nein, das Rad hat man nicht neu erfunden und auch nicht das nächste große Meisterwerk erschaffen. Aber Zeit des Hörens macht die Platte Spaß und ist musikalisch auf jeden Fall weniger primitiv, als man das von anderen kleineren klassischen Heavy-Metal-Bands zu Genüge kennt.
Wer also keinen großen Wert darauf legt, seinen Metal mit Ohrwurmmelodien zugepflastert und mit Synths überschwemmt zu haben, der kriegt mit “Cyber Metal” auf jeden Fall ein stabil intoniertes und nach den Regeln der Kunst geschriebenes Stück Musik mit ordentlichem Härtefaktor und einer kleinen Prise Schubert/Goethe.

WERTUNG:

 

 

Jannis

FIRELAND – Fireland IV: Forged In Fire

Band: Fireland
Album: Fireland IV: Forged In Fire
Spielzeit: 53:09 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Independent
Veröffentlichung: 01.06.2019
Homepage: www.fireland.tv

Der Sommer naht und die qualitativen Metal-Alben tasten sich zögernd aus ihren Studiohöhlen heraus, um unter freiem Himmel gehört zu werden. FIRELANDs “Fireland IV: Forged In Fire” ist auch darunter, macht aber vorher noch den kurzen Umweg über die Rock Garage. Ich muss zugeben, ich hab von der Band noch nie was gehört, kann aber dank des Promotextes nun mitteilen: Die US/UK-Truppe besteht aus Gitarrist Steve Moore von STORMZONE und Sänger David Brown von CHAOS FRAME, “Fireland IV” ist ihr – Trommelwirbel – viertes Album, weitgehend selbstgebastelt und bietet Heavy Metal mit Power-Metal-Einflüssen über elf Songs und mehr als 50 Minuten. Dass Eigenproduktionen nicht zwangsläufig nach Keller klingen müssen, beweist “Fireland IV” eindrucksvoll. Vielleicht ist das Ganze ein kleines bisschen höhenlastig, nichtsdestotrotz jedoch absolut sauber, mit ordentlich Druck, Definiertheit und Härte. Sehr angenehm.
Sehr angenehm auch die professionelle und detailverliebte Gesangsleistung von David, die den nicht minder professionell und detailverliebten instrumentalen Ergüssen zusammen mit den starken Backing Vocals hochgradig gut tut.
Und das Gelobe hat gerade erst begonnen, denn jetzt geht’s zu den Songs und auch hier gewinnt “Fireland IV” auf ganzer Linie. Das ist klassischer Heavy Metal mit einigen hörbaren MAIDEN-Einflüssen, beispielsweise beim Opener “Evil Voyage”, das im Chorus nach “Mother Of Mercy” in weniger nervig und mehr heavy klingt, oder beim nach jedem ruhigen MAIDEN-Intro klingenden ruhigen Intro von “Banished”. Dementsprechend gibt es schon ein paar Passagen, die etwas nach guter Stilkopie schmecken, doch ist die Platte eben massig mehr als das. Gerade in den Refrains zeigen FIRELAND ein krasses Händchen fürs Melodien Schreiben. Fast jeder Chorus ist ein potenzieller Ohrwurm, der sich von den anderen absetzt und weit über dem agiert, was man von Bands dieser Größe gewohnt ist. Am unspektakulärsten sind wohl dahingehend noch “N.D.E.”, am ehesten der Lückenfüller des Albums und “Winged Victory”, das schon meilenweit abseits eines Lückenfüllers unterwegs ist. Ansonsten ist schwer zu sagen, welcher Song am ehesten heraussticht. Ist es die nachdenklich-verzweifelte Ballade “Let The Witch Out”, die druckvolle Power-Metal-Halbballade “Carve My Name In Stone” (Jap, beide Balladen sind gelungen!) oder “Banished” mit Gastsängerin Mariko Gray, die einen hammerharten Job hinlegt und eigentlich unbedingt in einer bekannten Band singen sollte? Oder ist es vielleicht das aggressive, fast thrashige “Rule 13” mit seinem leichten QUEENSRYCHE-Feeling oder das klassisch anmutende “Battlefield” mit seinen cheesigen Hard-Rock-Gitarren im Refrain? Vielleicht auch “Fallen III”, auch ein MAIDEN-Riff und ein Chorus allererster Güte, oder das finale “Hurricane”, dessen emotionaler Refrain von Davids Gesangsleistung nochmal emotionaler wird und ein perfekter Endtrack ist? Freunde, ich kann es nicht sagen. Aber ich bin gut begeistert.

Anspieltipps:
Ihr habt das Dilemma mitbekommen. “Banished”, “Hurricane”, “Fallen III”, “Rule 13” und “Carve My Name In Stone”, wenn ich schon ’ne Auswahl treffen muss.

Fazit:
Gekonnt produziert, meisterlich gesungen, intelligent und mit Herz komponiert. “Fireland IV” ist der Heavy Metal mit beeindruckendem Niveau, den man leider meist nur durch Zufall irgendwo in den Tiefen des Internets findet. Nun, Ihr seid nun darauf aufmerksam gemacht worden. Geht, höret und genießt!

WERTUNG:

Trackliste:

01. Evil Voyage
02. Dragon Slayer
03. Banished
04. Let The Witch Out
05. Rule 13
06. Carve My Name In Stone
07. Fallen III
08. Winged Victory
09. Battlefield
10. N.D.E.
11. Hurricane

Jannis

THE RODS – Brotherhood Of Metal

Band: The Rods
Album: Brotherhood Of Metal
Spielzeit: 52:37 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Steamhammer / SPV
Veröffentlichung: 07.06.2019
Homepage: www.therods.com

THE RODS – und schon wieder eine Band, die laut Promotext Kultstatus besitzt und legendär ist, von der ich aber bislang mit meinen zarten 25 Jahren noch nie was mitbekommen habe. Jut, das hat sich jetzt geändert, mit “Brotherhood Of Metal”, dem zweiten Album der Amis in ihrem zweiten Frühling, der nach einer Pause von 1986 bis 2011 begann. Klassischer Heavy Metal ist das Ding, wie sich anhand des Albumtitels und des Artworks bereits erahnen lässt.
Die Produktion der Scheibe ist wertig, ob die etwas kraftlose Stimme von Sänger David “Rock” Feinstein an der Produktion oder der Gesangsleistung liegt, lässt sich allerdings nicht ganz sagen. Live traue ich dem Mann jedenfalls eine bessere Performance zu, auch wenn er auf “Brotherhood Of Metal” durchaus einen korrekten Job macht.
Musikalisch ist “Brotherhood Of Metal” Heavy Metal in Reinform. Lediglich der witzig-funkige Track “Party All Night” fällt da mit seiner unnormal coolen Bassline aus dem Raster. Leider lässt sich über die restlichen Tracks gar nicht so viel sagen. Beim Opener und Titeltrack, der mit Gesang auf Klavier beginnt und anschließend ein typischer Genre-Abfeierungstrack wird, ließe sich der Text erwähnen, der es schafft, wirklich jede dieser grausam kitschigen Phrasen der Marke “United we stand” und “Brothers and sisters, raise your fists” und “Standing tall, never to fall”, die jemals in einem dieser Tracks zu finden war, aneinanderzureihen, was statt dem gewünschten Gänsehaut-Zusammenhalts-Gefühl doch eher leicht peinlich berührte Genervtheit auslöst. Ehrlich, ein bisschen mögen wir das ja insgeheim alle, aber das ist zu viel des Guten.
Ansonsten sind die Tracks weitestgehend frei von Höhe- und Tiefpunkten. Man kriegt die klassischen Melodielines, die klassischen Gitarrenriffs, ein bisschen Up- und ein bisschen Midtempo, dazu Thematiken wie böse Könige und die Vorzüge von harter Gitarrenmusik. Das ist souverän umgesetzt, auch echt authentisch, mit netter E-Orgel als Bonusinstrument, aber es bleibt halt auch quasi gar nicht hängen. Eher hat man das Gefühl, anhand des jeweiligen Songtitels bereits erahnen zu können, wie der dazugehörige Track klingt – und oft genug bestätigt sich diese Vorahnung. Ich will “Brotherhood Of Metal” für diejenigen, die bei Metal hauptsächlich auf prototyp-metallische Bestandteile fokussiert sind und weniger Wert auf Eingängigkeit und musikalische Außergewöhnlichkeit legen, gar nicht schlechtreden. Aber insgesamt ist das Album doch leider kaum individuell, zum einen Ohr rein und zum anderen raus.

Anspieltipps:
“Brotherhood Of Metal”, “Party All Night”, “1982” und “Evil In Me”

Fazit:
“Brotherhood Of Metal” ist alles andere als die Platte, die man mit auf der Nasenspitze sitzender Hornbrille und einer Tasse Tee vor dem Kamin genießt. Für nebenbei geht die handwerklich stabile Scheibe schon klar, wenn sich auf dem Festivalcamp um zwei Uhr nachts das Gehirn allmählich ins Standby verabschiedet. Aber aus der Masse herauszustechen vermag das Album nicht, dafür ist es doch einfach zu substanzlos und basic.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Brotherhood Of Metal
02. Everybody’s Rockin‘
03. Smoke On The Horizon
04. Louder Than Loud
05. Tyrant King
06. Party All Night
07. Tonight We Ride
08. 1982
09. Hell On Earth
10. The Devil Made Me Do It
11. Evil In Me

Jannis

MERGING FLARE – Revolt Regime

Band: Merging Flare
Album: Revolt Regime
Spielzeit: 43:44 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Ram It Down Records
Veröffentlichung: 10.06.2019
Homepage: www.mergingflare.om

Irgendwie hat die Arbeit bei der Rock Garage mein Leben entscheidend beeinflusst. Wie viele Alben ich in der Zeit in dem Laden kennengelernt habe, die über eine gewisse Zeit, seien es Monate oder eine komplette Jahreszeit, Soundtrack meines Lebens geworden sind. Ich habe das deutliche Gefühl, MERGING FLAREs “Revolt Regime” ist eins dieser Alben, wird mich über die Sommermonate vermutlich häufig abends an den Rheinstrand begleiten und die ein oder andere Party akustisch bereichern.
Bevor mein Hype beginnt, kurz die Fakten: Gegründet 2001, erstes Album 2011, veröffentlicht ausschließlich in Asien und in Finnland, dem Heimatland der Truppe. An der Gitarre Kasperi Heikkinen, der mal bei U.D.O./DIRKSCHNEIDER war und nun bei BEAST IN BLACK spielt. Mit letzteren hat MERGING FLARE allerdings wenig zu tun, oder sagen wir so: MERGING FLARE sind die klassischere Heavy-Metal-Variante von BEAST IN BLACK und noch nicht mal so kann man das eigentlich sagen. Eigentlich gar nicht, vergesst das. Jedenfalls ist die Produktion der Platte ordentlich fett, ohne ins allzu Gelutschte abzudriften, wie man das von BEAST kennt. Synthesizer sind präsent, aber um einiges dezenter und sehr geschmackvoll eingesetzt (Wenn ’n Song kein Synth braucht, kriegt er eben keins) und die Disco-Bumm-Zapp-Parts sind selten. Stattdessen regiert auf “Revolt Regime” ein astreiner Power-Heavy-Metal-Mix mit heftigem Wiedererkennungswert, der ab der ersten Sekunde zündet. Das Album ist eine hochgradig unterhaltsame Tour durch die verschiedenen Höhepunkte des Power- und Heavy Metal mit einer Flut an Melodien, die zwar hervorragend das Genre bedienen, dabei aber aus der Masse herausstechen. Das Ganze garniert mit hymnischen Backing-Choirs im Stil mittelalter GAMMA RAY, einem wandelbaren Sänger, der Kai-Hansen-Parts ebenso gut hinkriegt, wie ACCEPT-Parts (Generell erinnert die Stimme von Matias Palm in aggressiveren Momenten gerne mal an Mark Tornillo), stimmigen Synths und einer brutal fähigen Instrumentalfraktion, deren Talent sich nicht in fixem Standard-Geballer erschöpft.
Bereits “Trailblazers” mit seinem grandiosen Solopart und dem dienlichen Keyboard-Geschnatter im Hintergrund weiß zu begeistern. Ebenso das folgende “Alliance In Defiance”, quasi ein ACCEPT-Tribute, das allerdings wie alle Songs von MERGING FLARE mit ein paar entertainenden wie gelungenen Twists aufwartet. “Clarion Call” ist Gute-Laune-Power-Metal der feinsten Sorte. “The Abyss Of Time” kann man hingegen nicht so wirklich in Worte fassen. Ein bisschen BATTLE BEAST IN BLACK ist dabei und dazu ein so dermaßen durchgängig hohes Melodie-Niveau, dass dieser wirklich außergewöhnlich gelungene Track an dieser Stelle einfach schonmal als Anspieltipp befohlen vorgeschlagen werden muss. Mit “War Within” gibt’s zudem einen Ausflug in leicht progressive Gefilde mit ordentlich Druck hinter dem Kolben und mit “Midwinter Magic” einen Track, der ein wenig anmutet, als hätten STRATOVARIUS “Days Of December” von RAGE komponiert. Bisschen kitschig aber sauschön. Und der Rest, der hier keinen Platz mehr findet, ist auch stark, obgleich bei den letzten drei Tracks das Niveau minimal sinkt (daher der kleine Punktabzug).

Anspieltipps:
“The Abyss Of Time”, “Alliance In Defiance”, “Trailblazers” und “War Within”. Ach komm, und “Midwinter Magic”.

Fazit:
Ich hab lange nicht mehr so guten Heavy/Power-Metal in dieser Form gehört. Ordentlich Wucht, wenige Drachen und musikalisch ein hochinteressantes Ding, das auch durch seine wohlkalkulierten Stilbrüche eine fast fesselnde Spannung aufbaut. Das Ganze jedoch, ohne zu elitär oder zu poppig zu wirken, vielmehr mit einer Prise Humor, professionell und arsch-kurzweilig. Seriöse Reinhörempfehlung, Ihr verpasst sonst echt was. Ende der Rezension, muss jetzt wieder “The Abyss Of Time” hören gehen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Trailblazers
02. Alliance In Defiance
03. Clarion Call
04. The Abyss Of Time
05. Mind’s Eye (Reaching Out)
06. War Within
07. Midwinter Magic
08. Devastator
09. Sin Against The Sinner
10. The Lucky One

Jannis

BLACK HORIZON – Dark Light

Band: Black Horizon
Album: Dark Light
Spielzeit: 41:16 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Pure Steel Publishing
Veröffentlichung: 17.05.2019
Homepage: www.blackhorizon.fr

BLACK HORIZON sind eine der Bands, über die man im positiven Sinne nur wenige Worte verlieren müsste: geiler Heavy Metal, dank seiner kreativen Komposition abseits des 08/15-Kanons. Aber gut, widmen wir uns “Dark Light” mal etwas genauer, ist ja verdient. Vorher zur Band. Aus Frankreich kommt die Truppe, ist seit über zwei Jahrzehnten aktiv, hat es in der Zeit aber nur auf zwei Alben, ’ne Demo und eine EP gebracht. Und die letzte Veröffentlichung liegt auch schon amtliche neun Jahre zurück.
Zeit für ein Lebenszeichen also, das in Form von “Dark Light” nun in den Plattenläden lauert, mit Blaze Bayley und Andy Kuntz von VANDEN PLAS zwei bekannte Gastgesichter darbietet und angemessen produziert ist. Insbesondere die Vocals müssen an dieser Stelle erwähnt werden, die Backing Vocals fallen äußerst geschmackvoll arrangiert aus und generell ist die bei Bedarf recht raue Stimme von Frontmann Alex Puiseux eine schwere Bereicherung für die Platte. Singen kann er und manchmal klingt er wie Megadave Mustaine in motiviert. Auch der Rest der Band beherrscht sein Handwerk, die Grundvoraussetzungen passen also.
Wie bereits erwähnt: “Dark Light” ist Heavy Metal, gespielt im Standard-LineUp und somit gefährdet, unter der großen Konkurrenz erdrückt zu werden. Doch die Kreativität der Jungs weiß das zu verhindern. Der Chorus des Openers überrascht nach dem doch eher weniger harmonischen Einstieg mit Eingängigkeit und einer Melodie, die nicht zu den meistgeschriebenen des Genres gehört. Beim folgenden “Obsession” überzeugt bereits der starke Einstieg, der Chorus ebenso. Weniger harmonieorientiert fällt “Walking Close To Me” aus. Melodisch ist das Ding durchaus, aber in seiner Machart irgendwie ungewöhnlich.
Mit “Freedom” folgt dann ein entgegen aller Erwartungen kaum power-metallischer, stattdessen teils doomiger, teils midtempo-schleppender Track mit traditionell-asozialem Riff und einem an Ozzy erinnernden Chorus, bevor bei “Howling Like A Wolf” das Uptempo ausgepackt wird. Gerade der Mittelteil des Tracks ist überragend: Ein bisschen Doom, ein bisschen chilliger Rock mit geiler halbtonreicher Melodieführung, ein bisschen Prokofjews “Peter und der Wolf” (schön, Leute, danke dafür) und ein bisschen klassisches Abgehen. Dann noch gute Riffarbeit und ein Feelgood-Hard-Rock-Chorus, die einen spannenden Kontrast bilden, bei “I Wanna Stop” und nach dem eher lückenfüllerigen “Watching (Camera #9)” mit “Miles Away” noch die Ballade, die auch mal ein Klavier und ein der Sache sehr dienliches Cello mit ins Rennen schickt, deren anschließende Akustikversion man sich aber eigentlich hätte schenken können. Der (insbesondere textliche) Kitschfaktor der Originalversion reicht vollkommen aus.
Interessante Platte auf jeden Fall, lässt sich als Metal-Beschallung nebenbei ebenso gut hören, wie konzentriert über Kopfhörer und bietet gerade hinsichtlich der Komposition viel mehr als das von kleineren Heavy-Metal-Bands so oft gehörte “Höy höy, Heavy Metal”.

Anspieltipps:
“Walking Close To Me”, “Howling Like A Wolf” und “I Wanna Stop”

Fazit:
Heavy Metal mit Niveau, mit Individualität, gut gespielt und produziert. So basic “Black Horizon” in ihrem Konzept auch sein mögen, so spaßig werden sie doch, wenn man sich “Dark Light” mal in Ruhe zu Gemüte führt. Und es scheint nicht so, als sei das Potenzial der Herren mit dieser Platte bereits erschöpft. Reinhören und dranbleiben!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Hunter
02. Obsession
03. Walking Close To Me
04. Freedom
05. Howling Like A Wolf
06. I Wanna Stop
07. Watching (Camera #9)
08. Miles Away
09. Miles Away (Acoustic Version)

Jannis

EMERALD – Restless Souls

Band: Emerald
Album: Restless Souls
Spielzeit: 57:12 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: ROAR!
Veröffentlichung: 17.05.2019
Homepage: www.emerald.ch

Die Schweizer Metaller von EMERALD hieven dieser Tage nun auch schon ihr mittlerweile achtes Album mit dem Namen „Restless Souls“ in die CD Regale!
Das letzte Album „Reckoning Day“ erschien 2017 noch bei Pure Steel Records. Nun ist man aber bei ROAR! Rock of Angels Records unter Vertrag und man möchte sich auf dem neuen Album stilistisch etwas freischwimmen!
Nicht nur im Heavy, nein auch im Melodic oder Speed/Thrash Metal fühlt man sich auf dem neuen Diskus zu Hause.
Das war es ansonsten aber an Änderungen, personell ist man unverändert, heißt der auf dem letzten Album neue Sänger Mace Mitchell und auch Basserin Vania Truttmann sind nach wie vor Teil der Band was absolut zu begrüßen ist!
Gestartet wird das neue Album mit dem Opener „Freakshow“. Nach einem verhaltenen Beginn bricht mit einem Schrei von Sänger Mace ein schneller aber im Refrain dann doch melodischer Track auf uns herein der gekonnt die Schwebe zwischen Heavy und Melodic hält.
Das eingeschlagen Niveau wird dann beim anschließenden „Valley of Death“ gekonnt gehalten, bevor man mit dem schnellen aber immer noch melodischen Vorabvideotrack „Digital Slavery“ gekonnt einen draufsetzt.
Das erste richtige Highlight setzt dann das etwas epischere „Son of Sam“ im Anschluss. Eine absolut geile Mischung aus Epic und Melodic Heavy Metal den man so schnell nicht mehr aus dem Ohr bekommt!
Nach den eher Standard Metaltracks „My Final Stand“ und dem schnellen „The Wicked Force“ gibt es mit „Cad Goddeu“ die nächste epische Nummer die sich schnell als Plattenhighlight entpuppt.
Der Titeltrack „Restless Souls“ ist dann ebenfalls super eingängig und bestens hörbar und auch im letzten Drittel der Scheibe hat man keinen Ausfall zu verzeichnen.
Hier kann vor allem das knackige „Heaven Falls Down“ begeistern!

Anspieltipps:

„Freakshow“, „Digital Slavery“, „Son of Sam“, „Cad Goddeu“ und „Restless Souls“.

Fazit :

Mit dem neuen Album „Restless Souls“ ist man auf einem ähnlich starken Niveau wie auch schon beim letzten Album „Reckoning Day“ unterwegs. Sänger Mace Mitchell ist mittlerweile bestens integriert und man hat seinen Stil nochmal etwas verbreitert und ist nicht nur im klassischen Heavy Metal unterwegs!
Daher ist das Album auf jeden Fall für jeden Metaller melodischer Prägung etwas und ein weiteres Highlight in der Bandkarriere. Hier heißt es zugreifen Leute!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Freakshow
02. Valley of Death
03. Digital Slavery
04. Son of Sam
05. My Final Stand
06. The Wicked Force
07. Cad Goddeu
08. Restless Souls
09. Set Me Free
10. Superhero
11. Heaven Falls Down
12. Revenge (Bonus Track)

Julian

TIR – Metal Shock

Band: TIR
Album: Metal Shock
Spielzeit: 44:53 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Gates Of Hell Records
Veröffentlichung: 10.05.2019
Homepage: www.facebook.com/TIR-Heavy-Metal-136007413130869

Es gibt so Bands wie GRAVE DIGGER, bei denen man sich schon sorgt, wenn mal eine Woche kein Album veröffentlicht wird. Dann gibt es so Bands wie BLIND GUARDIAN, von denen man weiß, dass sie ab und an Alben veröffentlichen und dann gibt es Bands wie TIR, die seit knapp 40 Jahren aktiv sind und jetzt auch mal so langsam ihr zweites Album fertig haben. Auf den Namen “Metal Shock” hört das gute Stück, das mit elf kurzweiligen Songs und einer Dreiviertelstunde Spieldauer aufwartet – gesungen komplett auf italienisch, man kommt schließlich aus Rom und die Sprache bietet sich für melodischen Metal an, wie kaum eine andere.
Nicht nur die Sprache passt aber, auch der Sänger dazu kann sich sehen lassen. Sergio Bonelli hat eine 1a-Oldschool-Heavy-Metal-Stimme, klingt dabei aber nicht wie der oder jener, sondern eben schlicht nach Sergio. In jeder Tonlage ist der gute Mann sicher und die sehr auf Harmonie gepimpten Backing Vocals sind ebenfalls sehr gelungen.
Die Produktion geht klar. Ein deutlicher Fall von nicht unglaublich modern, aber jut, das braucht die Musik von TIR eben auch nicht. Genug Druck hat die Scheibe auf jeden Fall, alle Instrumente kommen gut zur Geltung und der Rumpelfaktor ist gering und sympathisch. Härte steht dabei nicht unbedingt im Vordergrund, insbesondere bei den erstaunlich soft produzierten Drums. Dem Material der Jungs, das zum Teil noch aus den 80ern stammt, ist das jedoch dienlich, klingt eben nach Veröffentlichungen aus dieser Zeit.
Musikalisch ist man traditionell metallisch unterwegs, mit einem im Vergleich etwas überproportionalen Dur-Gebrauch und deutlichen Hard-Rock- und Rock’n’Roll-Anleihen in einzelnen Songs. Die Dur-Verwendung sorgt zudem für einen kleinen Power-Metal-Anstrich und in gewisser Weise hat das Resultat eine ähnliche Grundstimmung wie IRON MAIDENs “Seventh Son Of A Seventh Son”.
Balladen gibt es keine, außer man zählt “La Sfida” als solche, dessen erste Hälfte am Balladesken kratzt, dafür in der zweiten tüchtig aufs Gas drückt. Oder natürlich das echt schöne und ruhige “Memoria (Faber)” am Ende, ein rein auf der Akustikgitarre gespieltes Instrumental. Mit “Beat 150” und “Dentro Il Vuoto” sind zwei astreine Hard-Rock-Tracks vertreten und ansonsten gibt es viel klassischen Metal mit ordentlich Doublebass-getriebenem Uptempo und Melodien, die nun vielleicht nicht bahnbrechend ausfallen, aber auch selten langweilen.
Einigen Songs fehlt es dann aber trotzdem ein bisschen an Substanz. Das langsamere “Banche Armate” zieht sich ziemlich höhepunktarm und ist der wohl schwächste Song des Albums. Und sonst gibt es eben zwischendurch immer wieder mal ein wenig Mittelmaß, das aber vorbeigeht und nicht dramatisch ist. Alles in allem: TIR sind eine fast reine Live-Band, aber auch auf Platte wissen die Herren zu überzeugen. Und mit dem Release des inzwischen zweiten Albums steigt auch die Hoffnung, dass nun vielleicht auch mal ein paar Konzerte auf deutschem Boden folgen.

Anspieltipps:
“La Sfida”, “La Luna Nel Cericho”, “Dentro Il Vuoto” und “Beat 150”

Fazit:
Nein, modern oder innovativ ist “Metal Shock” nicht. Spaß macht es aber streckenweise gewaltig. Nicht allzu komplexer traditioneller Metal mit ein bisschen mehr Power Metal und Hard Rock, Fokus auf Melodien und ein bisschen mehr Dur – die Mischung funktioniert und ist praktisch prädestiniert für den Festival-Campingplatz!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Citta In Fiamme
02. La Sfida
03. Banche Armate
04. La Luna Nel Cerchio
05. Crazy Mama
06. Dentro Il Vuoto
07. Lasciateci Fare
08. Metal Shock
09. Beat 150
10. Mitra
11. Memoria (Faber)

Jannis

PULVER – Kings Under The Sand

Band: Pulver
Album: Kings Under The Sand
Spielzeit: 36:17 min
Stilrichtung: Retro Heavy Metal
Plattenfirma: Gates Of Hell Records
Veröffentlichung: 10.05.2019
Homepage: www.facebook.com/PulverHeavyMetal

PULVER – ach, was böte sich der Name dieser Band doch für einen billigen Eingangswitz an. Aber jut, ab und zu muss man sich auch mal zurückhalten. Also ganz klassisch zu Anfang ein paar allgemeine Randinfos. Die fünf Jungs von PULVER kommen aus Aschaffenburg, haben seit ihrer Gründung 2016 bereits eine EP veröffentlicht und legen nun ihren ersten, mit 36 Minuten Spieldauer recht kurzen, Longplayer “Kings Under The Sand” vor. Über acht Tracks inklusive Intro wird dem Hörer darauf nach eigenen Angaben eine Mischung aus NWOBHM und Hard Rock der späten 70er geboten. Dem kann ich soweit zustimmen, ebenso wie der Einschätzung, Sänger Dave Fröhlich erinnere unter anderem an Lemmy. Dabei fallen die Vocals allerdings minimal kraftlos aus und wurden mit einem ordentlichen Hall-Effekt ausgestattet. Das ist gar nicht unbedingt schlecht. Gerade die Tendenz von Fröhlich, häufig etwas unter dem angepeilten Ton zu landen und dann die gesungene Tonhöhe der erwarteten anzugleichen, gibt ihm durchaus etwas lässig-Entspanntes, was an sich gar nicht übel zum Rest der Musik passt, der mit seiner klaren 70es-Hard-Rock-Schagseite doch nicht selten eher zum Mitnicken als zum Bangen einlädt. Ist ein wenig Geschmackssache, ich mag’s.
Die Produktion ist recht Drum- und Bass-fixiert, was Gesang und Gitarren gelegentlich ein wenig in den Hintergrund drängt, anhören lässt sich die Platte allerdings problemlos, wenn man denn über gelegentliches Bassdröhnen (insbesondere bei “Warrior Caste”) und leicht dumpfe Drums hinwegsehen kann.
Musikalisch verlassen PULVER sich auf melodische Riffarbeit, viele Tempowechsel (Durchschnittlich einer pro Song ist Pflicht) und klassische Retro-Rock-Wendungen, wobei auf kleine Extras wie Orgel- oder allgemein Tastensounds praktisch komplett verzichtet wurde. Dafür gibt es ab und an kleine Authentizitäts-Boni wie Gong und Schellenkranz in “Warrior Caste”, das auf ungewöhnliche Harmonieführung baut und im Mittelteil schön zappelt. In Sachen Geschwindigkeit bewegt man sich zwischen schleppend-doomigem Downtempo (Sagt man das so?) und gemäßigtem Uptempo. Eher MAIDEN-Galopp als DRAGONFORCE-Gedresche, wie zu erwarten war. Besagtes Downtempo findet sich insbesondere bei “Blacksmith’s Lament” und “Quarinah”, hält sich angesichts des Faibles der Truppe für Tempowechsel jedoch meist nicht lange. “Alpha Omega” ist instrumental gehalten, letztendlich ein vierminütiges Gitarrensolo, das durchweg zu unterhalten weiß, und im finalen Track “Curse Of The Pharaoh” dürfen sogar ein paar fast black-metallig anmutende Gitarren mitwirken, die dem hypnotisch wirkenden Track in Kombination mit den in den Hintergrund gemischten Schreien eine durchaus besondere Atmosphäre verleihen.
Eine bessere Produktion hätte “Kings Of The Sand” gut getan, etwas ausgefeiltere Kompositionen ebenso. Aber Potenzial ist vorhanden bei PULVER, insbesondere hinsichtlich der Gitarrenarbeit und der doch sehr schönen Kombination von 70er Hard Rock und traditionellem Heavy Metal, bei der der Fokus im Gegensatz zu vielen anderen Bands der momentan so gerne gerittenen Retro-Welle erfrischenderweise eindeutig auf ersterem Stil liegt.

Anspieltipps:
“Kings Under The Sand”, “Curse Of The Pharaoh” und “Phantom Hawk”

Fazit:
Retrofreunde sollten hier ohne Frage mal ein Ohr riskieren. Ein bisschen mehr Ausgereiftheit und eine bessere Produktion (plus ein wenig mehr Mut in Sachen Songstruktur) täte dem Musik-Rezept von PULVER noch gut, aber dass die Jungs spielerisch und durchaus auch kompositorisch was auf’m Kasten haben, lässt sich nicht abstreiten. Das nächste Album würde ich gerne wieder rezensieren!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Rising
02. Phantom Hawk
03. Blacksmith’s Lament
04. Kings Under The Sand
05. Quarinah
06. Warrior Caste
07. Alpha Omega
08. Curse Of The Pharaoh

Jannis