BRAINSTORM – Midnight Ghost

Band: Brainstorm
Album: Midnight Ghost
Spielzeit: 51:38 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 28.09.2018
Homepage: www.brainstorm-web.net

Der Vollmond steht am Himmel, halb von Wolken verdeckt. Aus der Ferne die Laute eines Uhus, das Ticken deiner alten Standuhr hält dich vom Schlafen ab. Dann, exakt zur zwölften Stunde, geht der Spuk ohne Vorwarnung los, ohrenbetäubender Lärm jagt dich unter deine Decke. Erst schreist du vor Angst, dann beruhigst du dich. Dann fängst du langsam an, mitzunicken und ab dem Zeitpunkt hat der „Midnight Ghost“ dich bei den Eiern und lässt dich bis zum Ende der Scheibe nicht mehr los. Aber fliehen möchtest du genau genommen eh nicht mehr.
Schließlich ist “Midnight Ghost”, das mittlerweile zwölfte Album von BRAINSTORM, die wohl beste Scheibe der Gerstettener seit mindestens zehn, vielleicht noch mehr Jahren. Mit einem wunderschönen Cover versehen und ausgestattet mit zehn kurzweiligen Songs (Bis auf einen sind alle im Vier-bis-fünf-Minuten-Bereich gehalten) – und einem BRAINSTORM-Wecker im Boxset – erweist sich “Midnight Ghost” als absolutes Brett, angefangen schon bei der Produktion. Für die zeichnet sich ORDEN OGANs Seeb verantwortlich, und der hat zweifelsohne das Letzte aus den Songs herausproduziert. Druckvoll und definiert bis zum Gehtnichtmehr ist das Resultat seiner Arbeit, Kritik nicht möglich.
Doch nicht nur der Sound stimmt auf “Midnight Ghost”. Kam bei den letzten Releases der Herren um Meistersänger Andy B. Franck doch immer wieder das Gefühl auf, man orientiere sich hauptsächlich an typischen BRAINSTORM-Trademarks, sei dabei allerdings nicht besonders innovativ unterwegs, so ist ab dem ersten Track auf “Midnight Ghost” klar, wo die Reise hingeht. Die ersten vier Songs sind komplette Hits, angemessen aggressiv, dabei aber durchzogen von Ohrwurmmelodien und angereichert mit epischen Refrains (“Devil’s Eye”), zappelig-technischen Instrumentalergüssen (“Revealing The Darkness”) und hin und wieder mal ein paar ruhigeren Klängen (“Ravenous Minds”).
Das anschließende “Jeanne Boulet (1764)” ist trotz seiner knapp acht Minuten Spieldauer kurzweiligst, mit dezenten aber sehr wirksamen Orchestralkeyboards und einem gesummten Gesangspart, den man sich hätte sparen können. Und die Qualität lässt nicht nach. Mit “Divine Inner Ghost” gibt’s den nächsten heftig eingängigen Chorus und “When Pain Becomes Real” ist nicht weniger intensiv und trotz des im Vergleich zu den anderen Tracks des Albums etwas konventionelleren Refrains ein starkes Stück. Ebenso der äußerst bemerkenswerte Chorus von “Haunting Voices”, das ein klein wenig an ICED EARTHs “Horror Show” erinnert.
Die schwächsten Songs auf “Midnight Ghost” sind das stampfende und recht simple “Four Blessings” und die Ballade “The Path”. Und selbst die machen noch Laune. Ansonsten keine Lückenfüller – Mit ihrem neusten Release haben BRAINSTORM die Messlatte für ihre zukünftigen Releases brutal hoch gelegt.

Anspieltipps:
Eigentlich alles außer “When Pain Becomes Real”, “Four Blessings” und “The Path”

Fazit:
BRAINSTORM haben in ihrer Karriere noch nie ein wirklich schwaches Album abgeliefert. Das wird sich mit “Midnight Ghost” nicht ändern. Im Gegenteil, die Melodien und Arrangements der Jungs klingen so stimmig wie selten zuvor. Man sollte sich die anstehenden Release-Shows mit MOB RULES nicht entgehen lassen, schließlich finden sich dort insgesamt 19 von 20 Punkten auf der Bühne. Und man sollte “Midnight Ghost” kaufen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Devil’s Eye
02. Revealing The Darkness
03. Ravenous Minds
04. The Pyre
05. Jeanne Boulet (1764)
06. Divine Inner Ghost
07. When Pain Becomes Real
08. Four Blessings
09. Haunting Voices
10. The Path

Jannis

DREAM CHILD – Until Death Do We Meet Again

Band: Dream Child
Album: Until Death Do We Meet Again
Spielzeit: 70:56 min.
Stilrichtung: Hard Rock/Heavy Metal
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 14.09.2018
Homepage: www.facebook.com/DreamChildRock

Manch einer, der in DREAM CHILDs Debutalbum “Until Death Do We Meet Again” reinhört, dürfte sich an einen der großen Künstler der Rockgeschichte erinnert fühlen. Korrekt, es ist MIKE OLDFIELD. Schon das Intro des ersten Songs ist klar und deutlich eine Abwandlung seines legendären “Tubular Bells”-Motivs und… Ach lassen wir das. Der Bandname ist eine Referenz auf DIOs “Dream Evil”-Album, außer dem Sänger und dem Keyboarder waren alle Bandmitglieder bereits an DIOs Seite tätig und die Stimme von Sänger Diego Valdez (SKILLTRON u.a.) klingt Ronnies nicht nur explizit ähnlich, er weiß sie auch so einzusetzen wie sein großes Vorbild.
Neben der stimmlichen Leistung von Valdez entführt auch die organische Produktion, die natürlich zeitgemäß ein bisschen hochgepusht wurde, den Hörer von UDDWMA in die Zeit von 1975 bis 1995. Garniert wird die ganze Angelegenheit von fein eingesetzten Keys. Von der 70er-Hammondorgel über warm-weiche 80er-Pads bis zu asozialen 90er-Saw-Synths ist die komplette Bandbreite an rock-relevanten Tasteninstrumenten im richtigen Maß vertreten und leistet gute Dienste.
Die Songs klingen durchweg wie – Ihr habt da vielleicht schon so eine Ahnung – Dio. Dabei wird nicht an Dissonanzen gespart, viele der Songs sind erstaunlich wenig eingängig. Wer nach Material im Stil der DIOschen Gassenhauer der Marke “Holy Diver” oder “Rock’n’Roll Children” sucht, wird vor allem bei “In A World So Cold” und “One Step Beyond The Grave” fündig. Wer hingegen Freude an seinen komplexeren und weniger fröhlichen Werken verspürt, der ist unter anderem mit dem verschachtelten Titeltrack oder dem größtenteils instrumental gehaltenen “Washed Upon The Shore” gut beraten. Freunden starker Mittelteile sei generell so gut wie jeder Song ans Herz gelegt, das gleiche gilt für Fans des uninspirierten Ausfadens am Ende eines Tracks.
Negative Kritik? Nun, zuerst einmal ist UDDWMA mit seinen 70 Minuten Laufzeit tatsächlich etwas zu lang, gerade auch innerhalb der einzelnen Songs. Die meisten von ihnen hätte man über vier bis fünf Minuten wesentlich kurzweiliger halten können, wie sich unter anderem bei “You Can’t Take Me Down”, einem der +7-Minüter zeigt. Des weiteren ist das Album, auch aber nicht nur aufgrund des Gesangsstils, am ehesten als Stilkopie zu werten. Es hat den Anschein, als habe man versucht, ein DIO-Album ohne Dio zu produzieren, aber eben auch nicht wirklich mehr. Klar, ein wenig URIAH HEEP ist drin, ein bisschen OZZY und ein bisschen EMERSON LAKE & PALMER auch, aber das Gefühl bleibt, dass hier letztendlich eine (in ihrer Sache sehr gute) DIO-soundalike-Band am Start ist. Das wäre angesichts der großartigen vertretenen Musiker gar nicht nötig gewesen, einen soliden DIO/RAINBOW-Grundspirit hätte man mit mehr eigener Innovation kombinieren können. So hingegen ist UDDWMA ein gutes Album mit etwas zu langen Songs, etwas zu wenig Eingängigkeit, etwas zu viele Fadeouts und leider auch zu wenig Eigenständigkeit – auf hohem Niveau. Wer so etwas mag, der denke sich gerne ein bis zwei Sterne mehr zur Bewertung hinzu. Der Rest kriegt immerhin einen anständigen 70es/80es-Hard-Rock/Heavy-Metal-Flashback verpasst.

Anspieltipps:
“Light Of The Dark”, “Until Death Do We Meet Again”, “In A World So Cold”, “One Step Beyond The Grave” und “Washed Upon The Shore”

Fazit:
Gut gemachter DIO-Sound ohne Dio mit einigen Abstrichen. Fans des guten Mannes (und wer ist das nicht?) sollten aber auf jeden Fall mal reinhören. Denn mehr Liebe als in einem tourenden Hologramm steckt in DREAM CHILDs erster Platte doch auf jeden Fall.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Under The Wire
02. You Can’t Take Me Down
03. Games Of Shadows
04. It Is What It Is
05. Playin‘ With Fire
06. Light Of The Dark
07. Midnight Song
08. Until Death Do We Meet Again
09. Washed Upon The Shore
10. In A World So Cold
11. Weird World
12. One Step Beyond The Grave

Jannis

MANIMAL – Purgatorio

Band: Manimal
Album: Purgatorio
Spielzeit: 42:00 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 07.09.2018
Homepage: www.manimal.se

Ganz ehrlich: Alben, die über eine Stunde Spieldauer haben und sich pro Song auch mal sieben bis acht Minuten Zeit lassen, sind an sich ’ne feine Sache. Aber ein Album, das über 42 Minuten kurz und knackig neun Songs im Drei-bis-fünf-Minuten-Bereich raushaut, ist doch zwischendurch auch mal erfrischend und umgeht sogar noch die Gefahr, sich über die letzten zwanzig Minuten nur noch zu wiederholen.
MANIMAL haben mit “Purgatorio” ein ebensolches kurzweiliges Heavy-Metal-Album vom Stapel gelassen, das nach dem Erfolg gerade ihres zweiten und bis vor kurzem aktuellen Albums “Trapped In The Shadows” ziemlich hohen Erwartungen ausgesetzt war. Die Produktion des neusten Releases der Göteborger ist rund und kraftvoll, meckern kann man hier nicht. So sieht’s auch hinsichtlich der Leistung der Instrumentalfraktion aus, die gekonnt und professionell Samuel Nymans starke Gesangsleistung hinterlegt.
Stilistisch lässt sich die Scheibe ungefähr mit einer Kollaboration von JUDAS PRIEST und KAMELOT vergleichen. Sie legt ein paar mehr ruhige Momente an den Tag, als man es von PRIEST-Hitalben wie “Painkiller” kennt, orientiert sich in etwa zu gleichen Teilen an Alben dieser Zeit wie auch an solchen etwas “softer”-rockigen aus früheren Tagen der Briten und fügt dem ganzen dann eine angemessene Portion KAMELOT-Emotionen hinzu, inklusive dezent eingesetzter Synths.
Nach dem straighten “Black Plague”, das einen angemessenen Opener darstellt, folgt mit dem Titeltrack ein melodischer und tendenziell melancholischer Track, der sich akut ins Ohr zu fressen weiß und von vorne bis hinten einfach überragend geschrieben ist. Mit “Manimalized” wird es anschließend wieder klassischer, hier dominiert eindeutig wieder der NwoBHM-Anteil.
“Spreading The Dread” ist eine böse stampfende Angelegenheit und der kürzeste Song des Albums, weswegen man sich unnötigen Ballast in Form eines Prechorus souverän gespart hat. Kurzweilig, auch eher melodieorientiert, gut feierbar. Im Anschluss geht es mit “Traitor” zurück in etwas britischere Gefilde, mit zwei-oktavigen Vocals und einem klassischen Ein-Wort-Chorus, und “Behind Enemy Lines” marschiert wieder im Midtempo aus den Boxen und hat einen schweren, machtvollen Refrain im Gepäck. Richtig stark wird es dann noch einmal mit “Denial”, ebenfalls Midtempo, recht keyboardlastig. Nyman halfordet löblich und der Chorus leistet wieder mal ganze Ohrwurmarbeit.
Zum Schluss dann mit “Edge Of Darkness” und “The Fear Within” einmal mit einem etwas lästigen Keyboard-Teppich hinterlegte Power-Metal-Kost, die an irgendein spezielles Lied von KAMELOT erinnert, dabei aber gut Spaß macht, und einmal einen recht episch ausfallenden mit BATTLE-BEAST-”Out Of Control”-Gedenkriff versehenen Endtrack.
Wohl der größte Vorteil an “Purgatorio”: Auch die weniger starken Songs auf dem Album klingen in sich absolut harmonisch. Band und Sänger funktionieren bestens miteinander und der Stil der Schweden wirkt an keiner Stelle gezwungen innovativ zusammengeschustert. Dazu eine gute Portion Hitpotenzial; Wenn so das Fegefeuer klingt, darf man gespannt auf die Hölle sein.

Anspieltipps:
“Purgatorio”, “Denial”, “Traitor” und “Manimalized”

Fazit:
Die Einflüsse von MANIMAL sind unüberhörbar, doch ist “Purgatorio” alles andere als stumpfe Kopiererei. Den Jungs steht, so lässt sich vermuten, eine dicke musikalische Zukunft bevor und jeder, der Interesse an partytauglichem Heavy Metal der alten Schule mit neueren Power-Metal-Einflüssen hat, könnte an “Purgatorio” eine Menge Freude haben.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Black Plague
02. Purgatorio
03. Manimalized
04. Spreading The Dread
05. Traitor
06. Behind Enemy Lines
07. Denial
08. Edge Of Darkness
09. The Fear Within

Jannis

NEGACY – Escape From Paradise

Band: Negacy
Album: Escape From Paradise
Spielzeit: 56:43 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 21.09.2018
Homepage: www.negacyofficial.com

Und als Gott NEGACY erschaffen hatte, da sagte er zu ihnen: “Ich bin Euer Herr und dieser Garten soll sein Euer Reich, in dem ihr in Einklang mit allen Wesen der Erde leben und tolle Alben veröffentlichen könnt. Doch hört meine Worte: Wenn Ihr trinkt vom Fass der Erkenntnis, so seid Ihr gestraft auf ewig und müsst Eden verlassen und eure Alben werden leiden unter einer schwachen Produktion!”
Machen wir es kurz: Irgendeiner der fünf Jungs von NEGACY hat es verbockt. Im Folgenden zog man dann aus dem Paradies nach Italien und dann weiter nach Großbritannien, wo das aktuelle LineUp der Band zusammengebastelt und nun auch das vierte Album, “Escape From Paradise”, fertiggestellt wurde.
Das Endergebnis klingt weder typisch britisch, noch typisch italienisch – und alles andere als paradiesisch, im positiven Sinne. Leonel Silvia hat eine eher raue Stimme, trifft die Töne jedoch absolut ordentlich und trägt einen guten Teil zum Gesamtsound der Band bei. Musikalisch regiert auf “Escape From Paradise” nicht selten der helle Wahnsinn. Nicht nur hat die Truppe ein Faible für Taktspielereien und wechselt immer wieder souverän zwischen verschiedenen Taktarten. Auch, und gerade, die Gitarrenfraktion hat ihre helle Freude daran, das Letzte aus ihren Instrumenten rauszuholen. Die Gitarrenarrangements sind häufig erfrischend innovativ und alles andere als das, was man generell von Standard-Metalgitarren erwarten würde, und die Saiten werden bis ans Limit gequält. Sie schreien, röhren, werden in Maximalgeschwindigkeit durchgenudelt und bereiten so einen Gesamtsound, der nicht unbedingt leicht verdaulich, dabei allerdings verdammt hörenswert ausfällt und “Escape From Paradise” zu einem Werk macht, das wohl für diejenigen besonders attraktiv ist, die ihren Metal nicht glattgelutscht und harmonietriefend mögen.
Die Drums tun in Kombination mit den Gitarren dazu ihr Übriges. Nicht selten findet sich der Gesang auf Instrumentalarrangements wieder, die man am ehesten im Black Metal vermuten lassen würde, inklusive Blastbeatgewittern und atmosphärisch-bösen klirrenden Klangteppichen. Die Eingängigkeit der Songs hält sich dank jener Faktoren in Grenzen (obgleich sich durchaus eine beachtliche Menge hymnisch-hamonischer, powermetallischer Parts finden lässt), was im Fall von NEGACY allerdings auch nicht störend ist. Die meisten Songs, wie “Scattered Life” mit seinem Spieluhrintro und der Umsetzung des Spieluhrmotivs in ein großartig gemeines Riff, stechen dabei hervor, andere wenige, wie die beiden letzten Tracks, gehen ein wenig unter. Bis dahin 8,5 von 10 Punkten.
Problem: Die Produktion. Nicht nur sind die Vocals und Backing Vocals einfach aufgrund ihrer Produktion doch eher Störfaktoren, der Rest der Band klingt tendenziell dumpf und etwas matschig, dabei recht tiefenlos, und das ist ein klarer Nachteil für ein Album, auf dem dermaßen viel passiert. Bestenfalls hätte man das Ding druckvoll und klar produzieren können, um das Untergehen einzelner Nuancen in der klanglichen Masse zu verhindern, und die Vocals zumindest etwas anfetten und mit einem Hall- oder Echo-Effekt versehen können. Doch so, wie es nun ist, leidet “Escape From Paradise” erheblich unter der Soundqualität und einigen schlechteren Mixing-Ideen und das rechtfertigt leider eine Abstufung auf 7,5 Punkte. Das ist besonders bitter, weil die Scheibe an sich eine echte Ausnahmeerscheinung ist, die Dauerrotation zweifelsohne verdient hätte. Beim nächsten Mal daran etwas schrauben, ein oder zwei kompetente Leute zusätzlich an die Regler schicken, und wir haben bei Album Nr. 5 einen klaren 9,5er-Kandidat.

Anspieltipps:
“Scattered Life”, “Land Of Oblivion”, “Under The Sycamore” und “Slave To The Faith”

Fazit:
Man hört “Escape From Paradise” schon mit einem hängendem und einem bangenden Kopf. Wer über die Produktion jedoch hinwegsehen kann und neben dem ganzen Keyboardgedudel gerne mal wieder ein bisschen auf die Fresse bekäme, der bekommt mit “Escape From Paradise” ein Werk, das teils klassisch heavy-metallige, teils nahezu wahnsinnig-geniale Züge hat. Tut den Jungs einen Gefallen, hört mal rein und kauft die Platte, wenn Ihr das Potenzial dahinter erkennt. Dann haben sie beim nächsten Album auch genug Geld für einen vernünftigen Sound – und dann gibt es kein Halten mehr.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Ex Cinere
02. Born Betrayed
03. Dog Among The Wolves
04. Land Of Oblivion
05. Escape From Paradise
06. Under The Sycamore
07. Lies Of Empathy
08. Scattered Life
09. Slave To The Faith
10. Black Messiah
11. Last Will

Jannis

DORO – Forever Warriors / Forever United (Doppelalbum)

 

 

 

 

 

 

 

 

Band: Doro
Album: Forever Warriors / Forever United
Spielzeit: 41:26 min / 38:41 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast Records
Veröffentlichung: 17.08.2018
Homepage: //www.doromusic.de/

Pünktlich zum 35. Bühnenjubiläum haut unsere Metal-Mama DORO gleich mal ein Doppelalbum raus. „Forever Warriors / Forever United“ ist das mittlerweile 20. Studioalbum der gebürtigen Düsseldorferin und man merkt ganz deutlich… DORO ist noch kein bisschen leise geworden. Kraftvoll wie eh und je zelebriert sie ihren neuesten Doppelschlag mit den Fans. 19 Songs + 6 Bonussongs verteilt auf zwei geilen Scheiben. DORO is back – wenn sie je weg gewesen wäre. Gefühlt auf jedem Festival heimisch und kein Jahr ohne DORO in Wacken hat es dennoch 6 Jahre gedauert, bis nach „Raise Your Fist“ ein neues Studioalbum veröffentlicht wurde. Und das Doppelte Werk hat alles, was man sich von DORO wünscht. Metalkracher wie „Bastardos“, Hymnen wie „All For Metal“ und auch gefühlvolle Balladen („Lift Me Up“) gibt es hier zu entdecken. DORO hat die Möglichkeiten eines Doppelalbums perfekt genutzt und eine enorme stilistische Bandbreite reingepackt. Während „Forever Warriors“ dem Namen entsprechend die härtere Scheibe ist, hat DORO die leisen Töne auf „Forever United“ gepackt. Und beide Alben sind gleich schön anzuhören und gehören einfach zusammen. Wie bei vielen DORO-Alben geht es auch beim Doppelschlag um Freundschaft, Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit und natürlich Metal. The German Queen of Metal weiß einfach, wie es geht. Kein Wunder, steht DORO doch bereits seit 35 Jahren auf den Bühnen dieser Welt. Nach ersten regionalen Erfolgen mit SNAKEBITE und ATTACK hat sie 1983 mit anderen Musikern die Band WARLOCK gegründet und die All-Time-Favorites „All We Are“ und „Für Immer“ rausgehauen.

Auch der neueste Dreher hat das Zeug, unvergessene Hymnen zu kreieren. „All For Metal“ strotzt nur so von Gaststars wie u.a. Mille von KREATOR, SABATON oder Warrel Dane von NEVERMORE/SANCTUARY, die auch im dazugehörigen Video zu sehen sind. Der Song hat fast das Zeug dazu, ein neues „All We Are“ zu werden. Aber eben nur fast.
Mit „Bastardos“, dem zweiten Song auf „Forever Warriors“, hat DORO den wahrscheinlich heftigsten Kracher Ihrer Karriere rausgehauen, der mit Doublebass und thrash-artigen Ansätzen mehr als überrascht. Und mit „Don’t Break My Heart Again“ ist ihr eine absolut überzeugende Version des WHITESNAKE-Hits gelungen. Auch ein deutscher Titel hat es wieder auf das Album geschafft. „Freunde Fürs Leben“ ist zwar meilenweit von „Für Immer“ entfernt, aber mit diesem Stück kann sich sowieso kein Song messen.

Ein absolutes Highlight auf „Forever Warriors“ ist aber definitiv das zweite Duett mit Johan Hegg von AMON AMARTH. Während „A Dream That Cannot Be“ auf „Jomsviking“ noch ein klein wenig ungeschliffen klang, funktioniert das stimmliche Zusammenspiel der beiden doch so unterschiedlichen Protagonisten bei „If I Can’t Have You – No One Will“ perfekt. So hat man DORO noch nie gehört. Ein Song, der einfach nur Freude macht. Vor allem, wenn man die beiden doch so unterschiedlichen Menschen zusammen auf der Bühne sieht.
Das zweite Album „Forever United“ dagegen mag vielleicht ruhiger sein, qualitativ steht es der härteren Seite in nichts nach. Auf „Forever United“ steht die gefühlvolle Seite im Vordergrund, welche in Balladen wie „Lift Me Up“ oder „It Cuts So Deep“ deutlich zum Tragen kommt. Hier findet sich auch das zu Ehren Lemmys eingespielte Motörhead Cover „Lost In The Ozone“ wieder, während DORO mit „Living Life To The Fullest“ Lemmy ein musikalisches Denkmal gesetzt hat. Die Inspiration hierzu kam ihr bereits 2016 auf dem Weg zu Lemmys Beerdigung. „Forever United“ hat definitv die emotional kraftvolleren Songs zu bieten, was im Gesamtspiel der Scheiben perfekt mit den Krachern der harten Scheibe harmoniert.

Fazit: Auch wenn nicht wirklich viel Neues rausgekommen ist, hat DORO mit „Forever Warriors / Forever United“ ein nahezu perfektes 20. Album rausgebracht. Ihrem Stil weitgehend treu bleibend hat sie mit ihrem Doppelschlag ihren Status als Queen of Metal definitiv untermauert. Das Experiment Doppelalbum hat funktioniert, dafür wartet man dann auch gerne mal 6 lange Jahre.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

Forever Warriors
01. All For Metal
02. Bastardos
03. If I Can’t Have You – No One Will
04. Soldier Of Metal
05. Turn It Up
06. Blood Sweat And Rock ’n‘ Roll
07. Don’t Break My Heart Again
08. Love’s Gone To Hell
09. Freunde Fürs Leben
10. Backstage To Heaven

Forever United
01. Résistance
02. Lift Me Up
03. Heartbroken
04. It Cuts So Deep
05. Love Is A Sin
06. Living Life To The Fullest
07. 1000 Years
08. Fight Through The Fire
09. Lost In The Ozone

Tänski

U.D.O. – Steelfactory

Band: U.D.O.
Album: Steelfactory
Spielzeit: 58:11 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 31.08.2018
Homepage: ww.udo-online.com

Die Mittagspause ist vorbei, alle Arbeiter zurück an die Maschinen. In der Stahlfabrik wird wieder fleißig produziert und mit den höchstqualifizierten Angestellten – Sven, Fitty, Andrey und Udo, dem Chef vom Dienst, können die angefertigten Produkte eigentlich nur eins sein: deutscher Edelstahl, Solingen rostfrei, von bester Qualität. Die Überraschung ist klein, so ist dem auch.
Beeindruckend ist, dass Udo nach einer kaum mehr überschaubaren Menge an Releases in mehr als vierzig Jahren Bühnenhistory auch im Jahr 2018 keineswegs nur unispirierten Kram veröffentlicht, sondern, ganz im Gegenteil, mit “Steelfactory” eines seiner besten Werke der letzten Dekaden mit U.D.O., DIRKSCHNEIDER und ACCEPT locker-flockig aus dem Tarnjackenärmel schüttelt. Die Produktion: verhältnismäßig warm und rund, dabei höchst druckvoll. Die nötige Härte ist absolut vorhanden, wenngleich doch etwas weniger als auf aktuellen ACCEPT-Veröffentlichungen. Es scheint, als habe man weniger versucht, den klassischen 80er-ACCEPT-Sound zu verhärten, sondern eher in die heutige Zeit zu transportieren und auf den aktuellen Stand der Technik zu heben. Der Versuch ist absolut gelungen, der Sound funktioniert hervorragend mit U.D.O.s Songs – und er ist nicht das einzige, das auf “Steelfaktory” funktioniert.
Kurz zusammengefasst: Die Scheibe hat alle Trademarks eines Albums, für das Udo am Mic steht. Der ACCEPT-Faktor ist omnipräsent, was nicht weiter verwunderlich ist. Kombiniert werden diese mit einer Detailverliebtheit innerhalb der einzelnen Instrumente, insbesondere innerhalb der Gitarrenspuren. So erweist sich beispielsweise “Make The Move” als kleiner ACCEPTklassiker-Fanservice, der, neben “Living For Tonight”-Groove und -Riff sowie einem an “Balls To The Wall” erinnernden und einen “Up To The Limit”-Chorus erwarten lassenden Prechorus, im Chorus spektakuläres, modern anmutendes Tapping auffährt und somit einen perfekten Spagat zwischen Udo-Tradition und aktuellen Facetten schafft. “Tongue Reaper”, “Rising High” und “Eraser” agieren in Uptempo-Gefilden, bei “In The Heart Of The Night”, dem Friedensbotschafter-World-United-Track “One Heart One Soul” und den letzten beiden Tracks werden melancholischere (im Fall von “My Way” balladige) Klänge ausgepackt – und der Rest ist feinstes stampfendes Midtempo, das von einer kreativen Gitarrenfraktion, geilen Soloparts, nicht unbedingt komplexen aber größtenteils absolut starken Melodien und besten Achtziger-Riffs beherrscht wird. Udo ist über das komplette Album hinweg in Bestform, mal keifend, mal erstaunlich klar, mal mit dem typischen Udo-Sprechgesang. Auch die Grundstimmungen der Songs variieren. Ob nachdenklich, böse-angepisst oder hymnisch, ob getragener, melodie-orientierter oder aggressiv straight – “Steelfactory” hat, so muss man bewundernd anerkennen, keinen einzigen Lückenfüller am Start. Der German Metal Tank rollt noch und hat zweifelsohne in der “Steelfactory” nochmal ein amtliches Tuning verpasst bekommen.

Anspieltipps:
Freunde, keine Ahnung. Würfelt eine Zahl zwischen 1 und 13 und hört euch den Track dazu an. Kann nichts bei schiefgehen.

Fazit:
Kurz und knapp: Es ist ein U.D.O.-Album, wie man es erwartet, und ein verdammt hochwertiges noch dazu. Kauft Euch am besten noch eine Salbe gegen Nackenschmerzen dazu, der Mitnickfaktor ist enorm.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Tongue Reaper
02. Make The Move
03. Keeper Of My Soul
04. In The Heart Of The Night
05. Raise The Game
06. Blood On Fire
07. Rising High
08. Hungry And Angry
09. One Heart One Soul
10. A Bite Of Evil
11. Eraser
12. Rose In The Desert
13. The Way

Jannis

KILMARA – Across The Realm Of Time

Band: Kilmara
Album: Across The Realm Of Time
Spielzeit: 50:19 min.
Stilrichtung: Heavy/Power Metal
Plattenfirma: ROAR! Rock Of Angels Records
Veröffentlichung: 31.08.2018
Homepage: www.facebook.com/kilmaraofficial

Seien wir einmal ehrlich: Wer als Band seinen balladigsten Track auf dem Album mit einer Gastsängerin anreichert und den Track dann nicht nur als parallel gesungenes Duett gestaltet, sondern passagenweise auch noch Sänger und Sängerin je eine Zeile im Wechsel singen lässt, der rüttelt hart am Drei-Punkte-Baum. Nun, da das gesagt und “I Shall Rise Again” (dessen Kitschfaktor ab der zweiten Hälfte eigentlich doch recht erträglich ausfällt) zur Genüge besprochen wäre, widmen wir uns mal dem Rest von “Across The Realm Of Time”, dem vierten Album der Spanier von KILMARA. Zehn Songs, fünfzig Minuten, Produktion okay aber ausbaufähig, eben den Umständen einer kleineren Power/Heavy-Metal-Band entsprechend, die noch nicht den Sprung in die großen Studios geschafft hat. Soweit die äußeren Gegebenheiten.
Musikalisch ist “ATROT” qualitativ bunt gemischt. Neben dem oben erwähnten Halbballadentrack gibt es zuerst einmal ein Intro, das einmal mehr die Frage aufwirft, ob es nicht den Job des Power-Metal-Intro-Produzenten gibt, der gefühlt jeder kleineren Power-Metal-Band ein Trailer-Music-Intro entwirft, das mit dem Rest des Albums ganz und gar überhaupt nichts zu tun hat, dabei aber einen ganz anständigen Einstieg darstellt. Dem folgt der Rest des Albums, der mit dem Intro ganz und gar überhaupt nichts zu tun hat. “Purging Flames” ist, wie “The End Of The World”, klassischer Heavy Metal mit einem einigermaßen hymnischen Refrain, absolut okay, aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassend. Das tut auch das anschließende “The Silent Guide” nicht wirklich, jedenfalls in der Strophe. Im Refrain liefert es etwas mehr Wiedererkennungswert und ist als durchgängig episches Ding im 6er-Takt mit schöner Power-Metal-Melodieführung auf jeden Fall eine nette Angelegenheit.
“My Haven” und “Principles Of Hatred” fahren einige Arpeggio-Synths im Hintergrund auf. Während ersteres zeitweise recht cheesy anmutet, im Refrain aber durchaus noch etwas eingängiger hätte sein dürfen, entpuppt sich letzteres als einer der besten Tracks des Albums; mit leicht orientalischen Melodien, einem 1A-Refrain, einem feinen Synth-Solo – Das Ding ist stimmig und macht durchgehend ordentlich
Laune. So muss das.
Es folgt “The Forge” mit seinem hörenswerten Mittelteil und seinem vielseitigen Schlagzeugeinsatz, dessen Versuch böse zu klingen am Power-Metal-Spirit von KILMARA etwas scheitert, bevor mit “Disciples” ein weiterer Höhepunkt daherkommt: ein hochgradig fröhlicher Power-Metal-Track mit kurzen DRAGONFORCE-Eskalationen und Klischee-Lyrics. Lässt sich bestens feiern!

Anspieltipps:
“Disciples”, “My Haven”, “Principles Of Hatred” und “The Silent Guide”

Fazit:
“Across The Realm Of Time” sollte man als Freund klassischen Heavy/Power Metals durchaus mal ein Ohr leihen. Zwar schwankt die Qualität der einzelnen Songs, aber dementsprechend finden sich doch einige Tracks, die auf der Scheibe echt Spaß machen. Ein paar weniger belanglos-epische Melodien, ein paar mehr, die sich beim Hörer festsetzen können, und das nächste Album kriegt locker ein zwei Punkte mehr.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. …And Into The Realm
02. Purging Flames
03. The Silent Guide
04. The End Of The World
05. My Haven
06. Principles Of Hatred
07. The Forge
08. Disciples
09. I Shall Rise Again
10. Out From The Darkness

Jannis

PRIMAL FEAR – Apocalypse

Band: Primal Fear
Album: Apocalypse
Spielzeit: 50:10 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Frontiers Music
Veröffentlichung: 10.08.2018
Homepage: http://www.primalfear.de

Nach über zwanzig Jahren Bandgeschichte ist für so manch eine Band langsam die Zeit gekommen, auch mal ruhigere, nachdenklichere Töne anzuschlagen und gegebenenfalls allmählich das Bandende einzuleiten. Letzteres deutet sich auf “Apokalypse”, dem zwölften Release der deutschen Metal-Institution PRIMAL FEAR bereits im Intro an, dessen Kirchen/Friedhofsatmosphäre das Bandende symbolisch… Ach warte. Gut, vergessen wir das. Schließlich offenbart bereits die zweite Hälfte des Intros sowie der erste Song “New Rise”, dass die drei Jungs und Gründungsmitglieder an Aufhören keinen müden Gedanken verschwenden. Gerade “New Rise” gibt unbarmherzig Gas und überzeugt mit einer knallenden aggressiven Produktion, Scheepers in Hochform und tüchtig Geschwindigkeit. Dazu ein entzückender Scream zu Anfang, ein Mitsing- und ein Mitklatschpart – so muss ein Albumopener klingen und nicht anders. Ich prophezeie, sollten “Apocalypse” und “New Rise” die Songs sein, die die Tour zum Album einleiten, komplettes Ausrasten.
Danach geht das Tempo ein wenig runter, weniger böse wird es jedoch nicht. Selbst die starke Ballade, falls man “Supernova” denn aufgrund der Verwendung von für PRIMAL-FEAR-Verhältnisse überdurchschnittlich präsenten Synthesizern denn so nennen möchte, fällt gut hart aus, ebenso wie “King Of Madness” mit leichtem HELLOWEEN- und vielleicht sogar etwas STRATOVARIUS-Spirit. Und sonst? Viel unteres bis oberes Midtempo dominieren auf “Apocalypse”, teils mit unerwartet modern komponiert anmutenden Passagen, vornehmlich in den Refrains. Gerade die Produktion der Vocals ist hier als kleine Meisterleistung anzuerkennen, betrachte man beispielsweise “Hounds Of Hell”.

Klar, ein wenig Klischee muss auch sein, wenn in “Hail To The Fear”s Refrain das obligatorische “Hail, Hail”-Gebrülle ausgepackt wird. Aber sonst (und natürlich auch bei derartigen Passagen) ist “Apocalypse” Metal as fuck, alleine “Blood Sweat & Fear” und “The Beast” können in dieser Hinsicht lange nach Konkurrenz suchen; Ersteres mit seinem GAMMA-RAYfrain (Ja, Ralf hat die RAYs hörbarerweise nie ganz hinter sich gelassen) und seinem PRIESTigen Einstieg, letzteres nicht zuletzt aufgrund seines wunderschönen bombastischen Intros.
Mit “Eye Of The Storm” hat es zudem ein Acht-Minuten-Track auf die Platte geschafft, dessen erste Hälfte sehr in Ordnung aber doch behäbiger als erwartet ausfällt, das ab dem Mittelteil allerdings zu Höchstleistungen anläuft.
Ein bisschen mehr Uptempo wäre stellenweise wünschenswert gewesen, ist der Midtempo-Faktor auf “Apocalypse” doch recht hoch. Songs wie “New Rise” sind leider eher die Ausnahme. Auch melodisch ist man nicht todesinnovativ unterwegs, doch diese Kritikpunkte gehen unter diesem massiv klingenden Sound, der Leistung der gesamten Band und der Aggressivität weitestgehend unter. Wie das bei Bands, die schon ein paar Dekaden auf dem Buckel haben, häufiger so ist: Man erfindet das Rad nicht mehr neu (muss man in diesem Fall auch wirklich nicht), schmiedet aber stattdessen eines in der altbewährten Form aus massivem Edelstahl. Mit Spikes dran. Darauf ein “Hail!”

Anspieltipps:
“New Rise”, “King Of Madness”, “Supernova” und “Eye Of The Storm”

Fazit:
Nein, so wie PRIMAL FEAR im Jahr 2018 klingen, liegt ein Ende der Band noch in weiter Ferne und das ist gut so. Die Herren Scheepers, Sinner und Naumann haben noch mächtig Bock und “Apocalypse” ist das, bis auf verschmerzbare Kritikpunkte, äußerst gelungene Resultat daraus.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Apocalypse
02. New Rise
03. The Ritual
04. King Of Madness
05. Blood Sweat & Fear
06. Supernova
07. Hail To The Fear
08. Hounds Of Justice
09. The Beast
10. Eye Of The Storm
11. Cannonball

Jannis

BATTLEROAR – Codex Epicus

Band: Battleroar
Album: Codex Epicus
Spielzeit: 54:57 min.
Stilrichtung: True Epic Metal
Plattenfirma: Cruz Del Sur Music
Veröffentlichung: 15.06.2018
Homepage: www.battleroar.com

Herzlich willkommen im True-Metal-Kitchen! Heute kochen wir zusammen BATTLEROAR mit “Codex” und extra “Epicus”.

Benötigte Utensilien:
Ein starker Sänger und eine souveräne spielfreudige Band
Eine fette Produktion
Der MANOWAR-Spirit-Fleischwolf

 

Zutaten:
Viele epische Hintergrundchöre
Redundant-geile Riffs
Fixe Soli
Ruhige Intros
Tempowechsel
Einige 6er-Takte

Zubereitung: Man drehe die genannten Zutaten durch den MANOWAR-Spirit-Fleischwolf und lasse sie vom starken Sänger und der souveränen spielfreudigen Band auf fetter Produktion servieren. Mahlzeit!

Klar, True Heavy Metal ist Geschmackssache. Was die fünf Griechen von BATTLEROAR auf ihrem nunmehr fünften Release “Codex Epicus” raushauen, demnach auch. Zudem ist das lange “We Shall Conquer” mit seinem stumpfen “Viermal die gleiche Zeile wiederholen, dazwischen je zwei Takte Gesangspause”-Refrain und dem über 50% des Songs ausmachenden Solopart vielleicht nicht der optimale Einstieg. Doch spätestens nach dem vergleichsweise ruhigen, von MANILLA ROADs unlängst verstorbenem Mark Shelton gesungenen “Sword Of The Flame” wird klar, warum die Jungs sich das Label “Epic Classic Metal” auf die Fahne geschrieben haben. “Codex Epicus” mag nicht wahnsinnig komplex sein, das Rad nicht neu erfinden und auch nicht mit den innovativsten Melodieideen daherkommen, aber es ist fett, beinhaltet ein Maß an Abwechslungsreichtum, das man bei diversen True-Metal-Bands vermisst und macht gerade ab der zweiten Albumhälfte Spaß – je nach individueller Toleranzgrenze, was Swords, Kings und Victory betrifft. Gerade die (inklusive lohnendem Bonussong) drei letzten Tracks liefern BATTLEROAR in Bestform, mit Refrains, die nicht nur durch die Chöre im Hintergrund auf episch getrimmt wurden, sondern auch mit Herz (aus Stahl) komponiert hörbare Eigenständigkeit beweisen.
Tatsächlich sind auch die längeren Songs (abgesehen von “We Shall Conquer”) erfrischend kurzweilig, beinhalten so viel Vielseitigkeit, wie es die engen Grenzen des Genres erlauben und langweilen – abseits der häufig recht ähnlichen Songstrukturen – kaum. Mag am Anfang die Angst vor dem tausendsten MANOWAR-Klon doch groß sein, so kann doch spätestens ab “Chronicles Of Might” bedenkenlos der last Ale geöffnet und das Pferd gesattelt werden.

Anspieltipps:
Eigentlich alles ab Track 3, abgesehen vielleicht von “Palace Of The Martyrs”

Fazit:
“Codex Epicus” ist Pflichtprogramm für jeden Freund des Genres. Bis zum Ende hin wird die Platte immer stärker und weiß Euch oftmals zu überraschen und zumeist bestens zu unterhalten. 10/10 für Euch und 5/10 für diejenigen, die mit True Metal ihre Probleme haben, denn die dürften das Ding zumindest weniger peinlich und stellenweise doch auch interessanter finden, als diverse andere Veröffentlichungen des Genres. Macht im Schnitt:

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Awakening The Muse
02. We Shall Conquer
03. Sword Of The Flame
04. Chronicles Of Might
05. The Doom Of Medusa
06. Palace Of The Martyrs
07. Kings Of Old
08. Enchanting Threnody
09. Stronghold (Bonus Track)

Jannis

A SOUND OF THUNDER – It was Metal

Band: A Sound of Thunder
Album: It was Metal
Spielzeit: 58:12 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Mad Neptune Records
Veröffentlichung: 15.06.2018
Homepage: www.asoundofthunder.com

Die Amerikaner von A SOUND OF THUNDER sind wirklich fleißig! Im 2 bis 3 Jahresrythmus kommt etwas Neues von der Band rund um die stimmgewaltige Frontfrau Nina Osegueda. Dieser Tage bringt man das mittlerweile siebte Studioalbum „Ita was Metal“ auf den Markt welches mit zwei Gästen aufwarten kann.
Zum einen hätten wir da ACCEPT Sänger Mark Tornillo und RICHTIE BLACKMORES RAINBOW Keyboarder Tony Carey.
Das neue Album wurde erneut durch eine Crowdfunding Kampagne unterstützt und damit sammelte man 66.246 Dollar, was eine stattliche Summe darstellt!
Ansonsten sollte man auf dem neuen Album erneut die bekannten Bandtrademarks wiederfinden, mal schauen ob es nicht mehr ganz so düster wie beim Vorgänger „Tales from the Deadside“ zugeht?
Als Opener haben wir dann auch direkt den Auftritt des Gastsängers Mark Tornillo der bei „Phantom Flight“ ordentlich unterstützt. Der Song setzt sich direkt in den Gehörgängen fest und bildet eine gute Mischung aus Heavyness und Melodic. Daher ist der Opener auf jeden Fall schon mal mehr als gelungen!
Es geht dann direkt erstklassig mit „Lifebringer“ und dem orientalisch angehauchten „Atlacatl“ weiter bevor dann nach der kurzen Einleitung „The Crossroads Deal“ der Titelsong „It was Metal“ seine Duftmarke setzt der ebenfalls direkt auf unsere Hitliste wandert.
Der Mittelteil wird dann dominiert vom etwas handzahmeren „Obsidian & Gold“ und dem Stampfer „Els Segadors“ welches auch schon vorab im Internet zu hören war.
Bis jetzt gibt es also wirklich absolut kein Grund zu meckern und man ist absolut erstklassig unterwegs und das bleibt auch größtenteils im letzten Drittel so. Mit dem abschließenden, eingängigen „Fortress of the Future Race“ hat man dann sogar noch eine weitere absolute Perle an Bord und beschließt das Album dann so wie es angefangen hat, bärenstark!

Anspieltipps:

Definitiv „Phantom Flight“, „Lifebringer“, „It was Metal“, „Els Segadors” und “Fortress of the Future Race”.

Fazit :

Bislang haben mich A SOUND OF THUNDER auf ihren letzten Alben nie wirklich enttäuscht und das bleibt auch so! Man ist metallisch und eingängig unterwegs und hat hier einige Metalperlen im Gepäck welche Fans der Truppe oder des Genre auf jeden Fall zufriedenstellen sollten.
Dementsprechend fällt dann auch die Note aus, well done Guys!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Phantom Flight (featurning Mark Tornillo)
02. Lifebringer
03. Atlacatl
04. The Crossroads Deal
05. It was Metal
06. Obsidian & Gold (featuring Tony Carey)
07. Second Lives
08. Els Segadors (The Reapers)
09. Tomyris
10. Charles II
11. Fortress of the Future Race

Julian