GLORYFUL – Cult of Sedna

Band: Gloryful
Album: Cult of Sedna
Spielzeit: 45:09 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 18.01.2019
Homepage: www.gloryful.net

Auf die Jungs von GLORYFUL ist Verlass! Nicht nur das die Jungs in schöner Regelmäßigkeit mit Alben aufwarten können, nein man weicht auch nicht einen Zentimeter vom bisherigen musikalischen Schaffen ab! Auch auf dem vierten Album „Cult of Sedna“ was uns dieser Tage ins Haus steht regiert die rohe und erdige Heavy Metalklinge. Keine Spur von Keyboards oder neumodischer Power Metal Bombast Mucke!
Stimmgewaltig wie eh und je passt dazu nach wie vor Fronter Johnny La Bomba (was für ein Name) und so ballert man uns hier 11 neue Tracks vor den Latz die den Neujahrsstaub aus euren Boxen fegen sollten!
Mit dem Opener „Cult of Sedna“ wird das Ganze eröffnet. Da dieser aber nur ein stimmungsvolles Intro ist, können wir uns schnell den ersten richtigen Track „The Oath“, direkt im Anschluss widmen.
Und hier wird ganz im Bandstil nicht lange gefackelt, sondern kraftvoll drauf los geshreddert. Fronter Johnny ist ebenfalls wieder bestens bei Stimme und hat nichts von seiner kraftvollen, aggressiven Art verloren. Da auch der Refrain schön knackig und mitsingbar aus den Boxen kommt, haben wir hier direkt den ersten Hit zu verzeichnen.
Auch das folgende „Brothers in Arms“ bewegt sich in ähnlichen Gefilden und kann direkt glänzen und gefallen.
Bislang also Business as usual bei den Jungs von GLORYFUL!
Und das bleibt auch in der Folge so, man brettert gekonnt durch die folgenden Nummern, vergisst zu keiner Zeit die Melodic aber auch nie die notwendige Härte und hat so noch den ein oder anderen Hit im Gepäck.
Beispiele gefällig? Kein Problem. „The Hunt“ mit ordentlich Thrash Schlagseite, das groovende „True Till Death“ oder das epische „When the Union Calls on Me“ sind erstklassige Tracks, die die Band ohne große Anstrengung aus dem Ärmel zu schütteln scheint!
So vergeht die Spielzeit wie im Flug und schon sind wir im letzten Abschnitt angekommen der mit dem knackigen „Sacrifice“ und dem Midtempotrack „Sinners & Saints“ ebenfalls zwei ordentliche Songs enthält.
Nur das abschließende Outro „Into the next Chapter“ ist zwar ganz nett und für das Plattenkonzept wohl wichtig, hier hätte es aber auch nochmal ein richtiger Song sein können.

Anspieltipps:

„The Oath“, „Brothers in Arms“, „The Hunt“, „True Till Death“ sowie „When the Uninon Calls on Me”.

Fazit :

Nach dem kleinen Ausrutscher mit der letzten Platte „End of the Night“, kann man mit dem aktuellen Diskus wieder an die Stärken und der Qualität der ersten beiden Scheiben anknüpfen!
Fans der Band und des Genres sollten sich den neuen Silberling der Jungs von GLORYFUL auf jeden Fall nicht entgehen lassen, man bekommt was man erwartet.
Auf die Jungs ist halt Verlass. Wer kraftvollen aber stets melodischen Heavy Metal aus Deutschland ohne Keyboardgedudel sucht ist hier genau richtig!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Cult of Sedna
02. The Oath
03. Brothers in Arms
04. Void of Tomorrow
05. The Hunt
06. True Till Death
07. When the Union Calls on Me
08. Desert Stranger
09. My Sacrifice
10. Sinners & Saints
11. Into the next Chapter

Julian

FALLEN ANGEL – Cast Out Of Heaven

Band: Fallen Angel
Album: Cast Out Of Heaven
Spielzeit: 71:38 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Killer Metal Records
Veröffentlichung: 10.08.2018
Homepage: www.facebook.com/Fallen-Angel-104485219594948

70 Minuten Spieldauer, 19 Songs, zweiter Teil einer Alben-Trilogie basierend auf einer Novellen-Trilogie – all diese Rahmeninfos wecken doch amtliche Erwartungen auf die zweite Platte der Jungs von FALLEN ANGEL aus dem Hinterland New Yorks. Dazu kommt ein cooles Band-Image inklusive Kostümierung und ein durchaus stilvolles Cover. Für ein zweites Album einer Band sind die Umstände tatsächlich ansehnlich. “Cast Out Of Heaven” mutet als Gesamtkunstwerk an und diesen Status kann man ihm auch nicht wirklich absprechen.
Produziert ist das Ding okay. Hätte man die Drums ein wenig lauter und die Gitarren etwas leiser geschraubt, wäre die Euphorie noch um einiges größer gewesen, hören lassen kann sich die Platte aber auf jeden Fall.
Sänger Steve Siniuk macht ebenfalls einen guten Job. Sei es hohes Gekeife in Form einer Mischung aus HELL, Rob Halford und Udo Dirkschneider oder gemäßigterer Gesang in konventionellen Höhen; die Stimme passt und macht einen guten Job für die Veroldschoolung (Oldverschoolung?) des allgemein auf “Painkiller“-PRIESTige Weise sehr traditionell rüberkommenden Albums. Auch der Rest der Band arbeitet ordentlich, obgleich bei einigen Tracks, unter anderem “The Man In Black”, leichte Schwankungen in der Geschwindigkeit oder in der Genauigkeit einzelner Instrumente auftreten, die man wahlweise als underground-true oder bemängelnswert beurteilen darf.
Und die Musik? Nun, Oldschool-Underground-Metal-Fans mögen der Scheibe durchaus einiges abgewinnen können. Allgemein ist jedoch der Mangel an unterschiedlichen Grundtönen das wirklich Spektakuläre an “Cast Out Of Heaven”. Gefühlt 80% aller Lieder finden durchweg auf ein und dem selben Grundton statt, sind dabei sehr Metal aber eben wenig abwechlungsreich. Primitiv mag man das nennen, ohne es dabei groß verurteilen zu wollen, aber wer Interesse an kreativen Melodien oder zumindest an auf immer dem selben Ton smart umgesetzten Arrangements hat, der wird wohl enttäuscht werden. Die Riffs sind top, ohne Frage, aber wenn ein Großteil aller Songs seinen Reiz daraus bezieht, dass der nach langem Strophen- und Prechorusgedöns sehnlich erwartete Refrain eine akzeptable Melodie auf dem Eingangsriff bietet, auf die weitere Grundtonarbeit folgt, dann stellt sich bei einem 70-Minuten-Album nach spätestens einem Drittel der Songs eine gewisse Langeweile ein. Ein wenig helfen dabei die aus der Reihe fallenden Songs, die laut Promosheet an QUEENSRYCHEs “Operation Mindcrime” erinnern sollen, dies aber laut Rezensent nicht tun. Das ruhige “Ascension”, das elektronisch untermalte “Dance Of The Dead” und das loungige “Lord Of The Flesh” liefern Abwechslung, haben ihr Potential jedoch ebenfalls nach zwei Minuten ausgeschöpft und wiederholen sich anschließend gefühlt ewig, auch wenn sie die fünf Minuten Spieldauer selten überschreiten.
Man hat letztendlich das Gefühl, FALLEN ANGEL wollten einfach zu viel mit ihrem Album. 70 Minuten, Konzeptalbum, Trilogie, Novellenvorlage, das wirkt alles beeindruckend, doch wenn die ganze Sache im Endeffekt aus 19 Songs besteht, deren Ideen man auch in 40 Minuten wesentlich kurzweiliger hätte verpacken können, dann ist das Ziel ein wenig verfehlt.

Anspieltipps:
“Ascension”, “The Terror Within” und “Fall From Above”

Fazit:
Freunde des rohen und einfachen Heavy Metals der alten Schule mögen an “Cast Out Of Heaven” ihre Freude haben. Wer hingegen Metal primär dann interessant findet, wenn er melodische Vielseitigkeit und kompositorische Kreativität beinhaltet, und dies als Grundvoraussetzung für ansprechenden Heavy Metal sieht, der wird über die beachtliche Spieldauer doch größtenteils vergeblich auf den Moment warten, an dem die Subdominante erstmals innerhalb eines Songs verwendet wird.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Cast Out Of Heaven
02. Fall From Above
03. The Burning Curse
04. Charon’s Black Sails
05. Lost… On The River Styx
06. The Terror Within
07. Ascension
08. Democales
09. The Man In Black
10. Harem Of Sin
11. Lord Of The Flesh
12. Dance Of The Dead
13. Within This Area… Glory Awaits
14. A Clash Of Titans
15. The Fall Of A Lord
16. Blackened Hearts
17. Withered Soul
18. Doomed
19. The Fallen (Bonus Track)

Jannis

 

BLACKDRAFT – The Quest

Band: Blackdraft
Album: The Quest
Spielzeit: 61:42 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Mighty Music
Veröffentlichung: 14.12.2018
Homepage: www.blackdraft.de

Die deutschen Metaller von BLACKDRAFT existieren seit 2015 und brachten 2016 ihr Debütalbum „Recipe of Pain“ raus. Angeführt von Frontfrau Julia Wallenius und Gitarrist, Sänger Karsten Wallenius war man 2017 auf einigen Festivals und Supporttouren unter anderem mit MOB RULES und MASTERPLAN unterwegs und hat jetzt mit dem neuen Label Mighty Music in Rücken das neue, zweite Album „The Quest“ am Start. Dieses ist ein Konzeptalbum über die junge Sucherin Runa Ágústsson aus Hamburg, die nach Island reist und eine Reise in die Tiefsee beginnt.
Als Opener gibt es „Formali“ auf die Ohren. Dieses ist ein stimmungsvolles Intro welches uns in die Geschichte einführen soll.
Danach folgt dann mit „Chapter 01 The Calling“ der erste richtige Track. Und hier wird dann schnell die Marschrichtung klar, Heavy Metal mit melodischen Strukturen aber allzeit die volle Härte bekommen wir hier geboten. Dazu noch der tolle kraftvolle und häufig aggressive Gesang von Frontfrau Julia, der immer wieder von Gitarrist Karsten mit seinen Growls unterstützt wird. Eine tolle Mischung wie ich finde, auch wenn mir manchmal Karsten zu präsent ist.
Der nächste Track der dann richtig schön ins Ohr geht ist dann „Chapter 03 Motivation“ welches schon teilweise etwas zu poplastig, blenden wir mal die Growls aus, ausfällt. Aber egal schön eingängig ist das Ding auf jeden Fall!
Was haben wir noch positives auf der Habenseite? Auf jeden Fall das recht aggressive, „Chapter 05 Out to the Open Sea” das melodisch, düstere “Chapter 06 Leap in the Dark” und auch die Halbballade „Chapter 07 Discover Beauty“ weiß absolut zu gefallen.
Je länger die Platte läuft umso stärker wird sie…das muss man auch erstmal hinbekommen! Meistens ist es ja anders rum und man verschießt sein Pulver schon zu Beginn.
So ist es dann auch nicht verwunderlich das auch das letzte Drittel der Scheibe kaum Wünsche offen lässt und sich mit „Chapter 08 Graveyard“, „Chapter 09 Blackdraft“ und „Chapter 10 Fight“ drei weitere Hits hier versteckt haben.
Ein rundherum gelungene neue Scheibe kann man hier abschließend festhalten!

Anspieltipps:

Ganz klar „Chapter 01 The Calling“, „”Chapter 03 Motivation”, “Chapter 05 Out to the Open Sea”, “Chapter 06 Leap in the Dark” sowie “Chapter 08 Graveyard”

Fazit :

Keine Frage das neue Album von BLACKDRAFT macht vieles richtig und man ist der Band anzumerken das sie viel Arbeit in den neuen Diskus gesteckt hat! Das Songwriting passt und ist schön abwechslungsreich.
Manchmal finde ich die eingesetzten Growls etwas zu präsent, da hätte man ruhig etwas mehr auf die tolle Stimme von Frontfrau Julia setzen können, aber ansonsten gibt es hier nicht allzu viel zu meckern!
Fans von melodischen, kraftvollen Heavy Metal mit weiblichen Gesang werden hier definitiv auf ihre Kosten kommen und Anhänger der Band sowieso.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Formali
02. Chapter 01 The Calling
03. Chapter 02 The Struggle
04. Vakna
05. Chapter 03 Motivation
06. Chapter 04 Caspule
07. Chapter 05 Out to the Open Sea
08. Chapter 06 Leap in the Dark
09. Uppgötva
10. Chapter 07 Discover Beauty
11. Logn fyrir stormin
12. Chapter 08 Graveyard
13. Chapter 09 Blackdraft
14. Chapter 10 Fight
15. Chapter 11 Death

Julian

DYSTOPOLIS – V.EN.O.M.

Band: Dystopolis
Album: V.EN.O.M.
Spielzeit: 56:15 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: RamItDown Records
Veröffentlichung: 23.11.2018
Homepage: www.facebook.com/dystopolis

Ab und zu gelingt einer kleinen Band eine echt große Leistung und das ist ein Grund zum Feiern. Holt also die Luftschlangen und den zwangsweise alten Wein aus dem Luftschutzbunker und ab dafür! Schließlich mag “V.EN.O.M.” den Bremern von DYSTOPOLIS verdientermaßen den Eintritt in die German Power Metal Hall of Fame bedeuten. Ist generell schön bei Newcomern, dass sie sich noch beweisen und nicht einfach nur ihre eigene Sparte bedienen müssen, dann manchmal kommt dabei etwas heraus wie die hier besprochene Scheibe.
Kurz die Sidefacts: Nach der 2008 erfolgten Gründung brachte man zwei Eigenproduktionen und nun endlich das Labeldebut bei RamItDown Records heraus und spielt laut eigenen Angaben Postapocalyptic Metal, der sich um die fiktive Stadt Dystopolis dreht. Produziert wurde die Platte vom momentan omnipräsenten Seeb Levermann, der sich in ziemlich kurzer Zeit zu einem echten Qualitätsgaranten gemausert hat. Somit gibt es am Sound schonmal nichts zu bemängeln und die Scheibe klingt, gerade in den Passagen mit vielen Background Choirs, durchaus ORDEN-OGANig.
Während die Band/das Label “V.EN.O.M.” (Vicious Enemy Of Mankind) Fans von ICED EARTH, NEVERMORE und BLIND GUARDIAN empfiehlt (letzterem kann ich bedenkenlos zustimmen, das agressiv-technische “Beneath A Black Horizon” mit seinem hymnischen Refrain wäre auch ein guter Job für Hansi), würde ich klar noch GRAVE DIGGER ergänzen. Die Stimme von Andreas Müller erinnert stark an Chris‘ Reibeisenorgan und die Komposition lässt vermuten, dass DYSTOPOLIS die älteren melodieorientierten Platten der Grabgräber, beispielsweise “Knights Of The Cross” mehr als nur einmal gehört haben. Ein bisschen IRON SAVIOR ist auch drin, “Dining With Gods”‘ Intro könnte ebenso ein aktuelles Lied von DIMMU BORGIR einleiten und das Riff von “Metro” hat gar SAMAEL’sche Züge. Mit dieser Aufzählung soll allerdings nicht gesagt werden, dass “V.EN.O.M.” von anderen Bands zusammengeklaut wurde. Nein, der Stil von DYSTOPOLIS ist individuell und ausgereift: orchestraler Power Metal, der gerne im Thrash und Progressive Metal stöbert, ergänzt um eine Stimme, die zusammen mit der Produktion und der Härte des Albums DYSTOPOLIS neuen Wind in die alten Segel des Teutonic Heavy Metal blasen lässt. Denn trotz des hohen Orchestralfaktors: Kitsch und Opernmetal sucht man hier vergeblich, wenn man denn überhaupt danach sucht. “V.EN.O.M.” pendelt gekonnt zwischen böser, stets melodiöser Härte, hymnischen Refrains und starken Melodien selbst in den Strophen.
Um der Band ein wenig konstruktive Kritik mit auf den Weg zu geben: In die Synths könnte man ab und an ein wenig mehr Geld investieren, sie klingen meist authentisch aber eben nicht immer. Zudem ist die Oldschool-Gothic/Pseudo-Opern-Stimme, die Andreas manchmal auspackt, doch Geschmackssache. Mein Fall war sie nicht, klang etwas zu gekünstelt, aber das ist Meckern auf dem selben Niveau, das “V.EN.O.M.” praktisch durchgängig hat: verdammt hoch.
Letzter Satz zu den Songs: kein Ausfall, eine Menge Vielseitigkeit; Die Zeit bis Weihnachten kann kaum schneller vergehen, als mit “V.EN.O.M.” im Plattenspieler.

Anspieltipps: “Black Gates”, “Lords Of Sand”, “The Corporation” und “Dystopolis Rising”

Fazit:
Heavy, orchestral, durchgängig unterhaltsam, fett produziert und gespielt: Es ist eh löblich, durch Albumkäufe auch mal den Nachwuchs zu unterstützen. Und im Fall von DYSTOPOLIS ist es zudem eine mehr als lohnende Investition!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Black Gates
02. Lords Of Sand
03. Metro
04. Dining With Gods
05. The Corporation
06. Noah’s Isle
07. Arndale
08. Anthem For A Stranger
09. Beneath A Black Horizon
10. Dystopolis Rising

Jannis

ASHES OF ARES – Well Of Souls

Band: Ashes Of Ares
Album: Well Of Souls
Spielzeit: 58:01 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Rock Of Angels Records
Veröffentlichung: 09.11.2018
Homepage: www.ashesofares.com

Stolze fünf Jahre ist es nunmehr her, dass Matt Barlow und Freddy Vidales von ICED EARTH das erste Album ihrer neuen Band ASHES OF ARES auf die Menschheit losgelassen haben. Nun ist es Zeit für den Nachfolger. “Well Of Souls” hat dieses Mal sogar eine schönes Artwork und liefert über eine knappe Stunde Spieldauer und zwölf Songs ordentlich knallenden Heavy Metal, der sich gerne mal aus den Progresive-, Power- und gelegentlich auch Black- und Thrash-Metal-Kisten bedient. Auch Van Williams, der offiziell nicht mehr als Bandmitglied zählt, ist wieder dabei und darf sich an den Drums austoben. Somit hat man es bei ASHES OF ARES mit erfahrenen Leuten zu tun, die Frage nach der Qualität der Spielleistung erübrigt sich.
Hinsichtlich der Produktion lässt sich sagen: Es ist viel richtig gemacht worden. Hinter “Well Of Souls” steckt ordentlich Druck. Traurigerweise hat man bei der Vocal-Produktion und -Komposition den Fehler begangen, häufig zu viel zu wollen. Schaffers spektakuläre Backing Vocals (Der Mann leistet auf der Scheibe feinste Arbeit) werden gerade in den Refrains oft übereinandergelegt, überschneiden sich mit anderen Vocals, und das Resultat ist nicht selten eine spürbare Unübersichtlichkeit. Die Melodien lassen sich zwar vermuten, gehen jedoch in der Vielzahl unterschiedlicher Vocal-Stimmen gelegentlich unter. Klar, auf “Well Of Souls” ersetzen die Backing Vocals die Keyboards – doch hätte man hier etwas feiner abgemischt und ab und an ein paar Gesangslines rausgelassen, hätte man aus vielen Parts des Albums etwas mehr rausholen können.
Stilistisch ist “Well Of Souls” treibender und häufig düsterer Heavy Metal mit, wer hätte es gedacht, offensichtlicher ICED-EARTH-Schlagseite. Gerne finden Taktarten abseits des 4/4tel-Standards Verwendung, ebenso wie Gitarrenpassagen, die leichte Assoziationen an atmosphärischeren Black Metal hervorrufen. Beliebt ist auf “Well Of Souls” zudem die Kombination von langsamen, getragenen Melodien mit knallendem Doublebass, schön erkennbar im Chorus von “Time Traveler”. Dazu erweist sich der letzte Track, “You Know My Name” als unterhaltsam metallisiertes Cover des Bondsongs von Chris Cornell.
Balladen bzw. Songs mit balladigen Zügen gibt’s auch. “Soul Searcher”, “Let All Despair” und “Spirit Of Man” gehören zu den besten Songs des Albums (Was an balladigem Kram Schaffers Kreativität entspringt, ist selten schwach) und haben mit kitschig-schmalzigem Gegreine anderer Metalballaden so gar nichts gemein. “In The Darkness” fällt vergleichsweise hard-rockig aus, während “Unworthy” eine stark vereinnahmende düster-bedrohliche Atmosphäre ohne ernsthafte Schwachpunkte schaffen kann.
Der Rest des Albums geht generell hurtig voran, mit einem angemessenen Maß an Rohheit. Zu einigen Zeitpunkten wird die erkennbare Struktur hinter Songs und Songparts auf Kosten des hohen technischen Niveaus vernachlässigt. Ob man das gut oder schlecht findet bleibt Geschmackssache.
“Well Of Souls” ist ein starkes Metal-Album mit herrausragender Leistung der Musiker mit einigen Abstrichen in Sachen Übersichtlichkeit.

Anspieltipps:
“Unworthy”, “Let All Despair”, “In The Darkness” und “The Alien”

Fazit:
Für ICED-EARTH-Fans Pflichtprogramm. Für Freunde rohen aber kompositorisch hochgradig ausgefeilten Heavy Metals ohne Kitsch und battelig-swordigen Trueheitsanspruch ebenso.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Consuming The Mana
02. The Alien
03. Unworthy
04. Soul Searcher
05. Sun Dragon
06. Transcending
07. Let All Despair
08. In The Darkness
09. Spirit Of Man
10. Time Traveler
11.The God Of War
12.You Know My Name

Jannis

BURNING WITCHES – Hexenhammer

Band: Burning Witches
Album: Hexenhammer
Spielzeit: 47:59 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast Records
Veröffentlichung: 09.11.2018
Homepage: www.facebook.com/burningwitches666

Für die Schweizerinnen von BURNING WITCHES geht es seit der Gründung 2015 nur steil bergauf! Das haben die Mädels mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum 2017 schon bewiesen.
Kein Wunder das sich deswegen die großen Labels der Branche in Stellung gebracht hatten und schwupps war die Band beim Szene Schwergewicht Nuclear Blast Records unter Vertrag.
Auf diesem Label bringen sie nun, nicht mal ein Jahr nach ihrem Debüt, ihr zweites Album „Hexenhammer“ auf den Markt, welches ein Konzeptalbum über das 1486 erschienene Buch Hexenhammer ist. Dieses Buch bildete damals die Grundlage für die Hexenverfolgung. Passt also alles perfekt zum Bandnamen!
Als Produzent und Berater vertraute man, wie auch schon beim Debütalbum, auf die Arbeit von V.O Pulver (DESTRUCTION, PÄNZER) und DESTRUCTION Fronter Schmier.
Das Endergebnis hören wir uns nun mal genauer an und beginnen mit dem einleitenden Cinematic Intro „The Witch Circle“ welches einen gut auf die Konzeptgeschichte einstimmt.
Danach ballert dann das schon vorab veröffentlichte „Executed“ aus den Boxen. Schnell, kraftvoll und auch einen Ticken melodisch bahnt sich die Nummer ihren Weg und ist als quasi Opener schon mal sehr ordentlich gelungen.
Wesentlich eingängiger sind dann „Lords of War“ und „Open your Mind“ gehalten, so dass sich diese beiden Nummern ohne Umschweif auf unserer Hitliste wiederfinden.
Danach gibt es mit „Don`t Cry my Tears“ eine Ballade auf die Ohren die sich zwar gut ins bisherige Songgefüge einbringt, aber nicht weiter auffällt.
Apropos auffällt, das schaffen auch einige nachfolgenden Songs nicht wirklich, die Qualität ist zwar nach wie vor hoch, auf die nächsten Hits muss aber ne ganze Zeit warten. Der Titeltrack „Hexenhammer“ ist dann endlich mal wieder richtig schön hervorstechen und auch der letzte eigenen Song „Maneater“ fällt in diese Kategorie. Hier zeigen die Hexen zu was sie vom Songwriting her in der Lage sind!
Die abschließende DIO Hommage „Holy Diver“ fällt dann bewertungstechnisch nicht weiter ins Gewicht, ist aber gut umgesetzt.

Anspieltipps:

Auf jeden Fall „ Lords of War“, „Open your Mind“ ,“Hexenhammer” und „Maneater”

Fazit :

Düster und schaurig kommt das neue Album „Hexenhammer“ der brennenden Hexen daher, ist ja aber auch kein Wunder bei dem Titel und dem Konzept! Die Mädels zocken sich zwar sehr routiniert durch deren zweiten Scheibe, aber es mangelt hier ganz klar an absoluten Smashern und Hits.
Eine starke Leistung bleibt es aber nach wie vor, allerdings ist der Unterschied zum Debütalbum dann leider doch insgesamt nicht so groß wie erwartet.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Witch Circle
02. Executed
03. Lords of War
04. Open your Mind
05. Don’t Cry my Tears
06. Maiden of Steel
07. Dungeon of Infamy
08. Dead Ender
09. Hexenhammer
10. Possession
11. Maneater
12. Holy Diver

Julian

NANOWAR OF STEEL – Stairway To Valhalla

Band: Nanowar Of Steel
Album: Stairway To Valhalla
Spielzeit: 60.06 min.
Stilrichtung: Hm… Power Metal?
Plattenfirma: —
Veröffentlichung: 09.11.2018
Homepage: www.nanowar.it

Höchstpunktzahl für ein Fun-Metal-Album. Ist das mein Ernst? Jap, ist es. Schließlich handelt es sich bei NANOWAR wohl um die beste Fun-Metal-Band (bzw. laut eigener Angaben Happy-Metal-Band) im Business und “Stairway To Valhalla” dürfte ihr bislang bestes Album sein. Seit ihrem ersten Lebenszeichen in Demoform sind 15 Jahre vergangen und die fünf sympathischen Römer haben sich musikalisch wie textlich von Album zu Album weiterentwickelt. Kurz abgehakt: Die Produktion ist schwer in Ordnung, die Herren an den Saiten, Tasten und Trommeln sind beeindruckend fähig und die Vocalfraktion, bestehend aus Potowotominimak und Mr. Baffo, bietet Prototyp-Italienischer-Power-Metal-Gesang, der auf “Stairway To Valhalla” zwischendurch auch mal von niemand Geringerem als Fabio Leone von diversen RHAPSODYs supportet wird.
Zu den Songs: Würde man jeden humoristischen Faktor, sowohl auf musikalischer als auch auf textlicher Ebene, aus der Platte herausfiltern, bliebe ein musikalisch höchst ernstzunehmendes Album, das in verschiedenen Untergenres herumtollt, diese dabei allesamt stilistisch überragend umsetzt und dank des kreativen Songwritings jederzeit äußerst unterhaltsam hält. Symphonic Power Metal, Hard Rock, Modern Metal, Speed Metal, Glam Metal, True Metal, jeweils bewusst sehr im Stil einer Band des Genres gehalten, dabei allerdings smart verwurstet, mit Ohrwurmmelodien angereichert und top gespielt.
Der Humor ist es jedoch, der dem kleinen Meisterwerk die absolute Unterhaltsamkeitskrone aufsetzt. Nicht nur Referenzen an verschiedene Metalbands und -songs finden sich hier wieder. Auch jedes erdenkliche popkulturell-musikalische Motiv findet sich auf “Stairway” und amüsiert neben seiner Umsetzung mit seiner unvorhersehbaren Verwendung. MIKE OLDFELD und die BEE GEES seien hier nur beispielhaft angeführt. Dazu kommen die Texte, die absolut bescheuert sind, allerdings auf hohem Niveau. Wer auf ein Intro, in dem die intergalaktische Suche nach dem Witz beschrieben wird, den niemand zuvor erzählt hat, einen Song folgen lässt, der einzig und allein auf Uranus/Your-Anus-Witzen basiert, hat schon gewonnen. Mehr möchte man über die Texte aus Spoilergründen gar nicht sagen, jedoch seien sie an dieser Stelle jedem Hörer von “Stairway To Valhalla” ans Herz gelegt, wenn er denn etwas für absudesten, albernen und oftmals unter der Gürtellinie zu verortenden Humor übrig hat.
Kombiniert werden die Texte mit einer Unmenge an musikalisch-witzigen Spielereien. Auch hier nur wieder ein paar wenige Beispiele: Keyboardsoli mit Katzensounds, in “…And Then I Noticed That She Was A Gargoyle” (Nach dem Lied können STEEL PANTHER einpacken) der wohl beste Anfang eines finalen Refrains aller Zeiten und die Antwort auf die Frage, wie DREAM THEATER ihre Alben produzieren.
Man kann an dieser Stelle nicht auf die einzelnen Songs eingehen. Die musikalisch-metallische Ebene, die musikalische “Humorisierung” dieser Ebene und die textliche Ebene jedes Tracks würden jeweils einige Sätze verdienen, darum hier einfach mal ein klares Statement: Man muss deutschen Fun Metal (schreckliches Wort sowieso) nicht lustig finden, um NANOWAR OF STEEL zu mögen (aber schaden wird’s natürlich nicht). Der Humor der Italiener ist einmalig und ihr musikalisches Talent hält mit dem “ernsthafter” bekannterer Bands problemlos mit. Ganz ehrlich: Ich habe keinerlei erwähnenswerte Kritik zu äußern.

Anspieltipps:
“Barbie Milf Princess Of The Twilight”, “In The Sky”, “And Then I Noticed That She Was A Gargoyle”, “Ironmonger” und der Rest des Albums

Fazit:
Wer in der Öffentlichkeit nicht durch spontanes lautes Loslachen negativ auffallen möchte, sollte “Stairway To Valhalla” von seinem MP3-Player fernhalten. Auf dem Ding wird über eine Stunde von begeisterten Metalfans ihr favorisiertes Genre liebe- und respektvoll sowie saudämlich und musikalisch hervorragend durch den Kakao gezogen. Kein Album, das durch seinen Blödelfaktor von seinen musikalischen Schwächen ablenken muss, sondern ein Album, das Humor und Metal so gekonnt miteinander vereint, wie kaum eines (vielleicht sogar gar keins) zuvor.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Declination
02. Barbie Milf Princess Of The Twilight
03. Call Of Cthulu
04. Heavy Metal Kibbles
05. Il Maestro Myagi Di Pino
06. L’Operatole Ecologico
07. Images And Swords
08. In The Sky
09. …And Then I Noticed That She Was A Gargoyle
10. Tooth Fairy
11. Vegan Velociraptor
12. Another Drill In The Wall
13. Ironmonger (The Copier Of The Seven Keys)
14. Bum Voyage
15. Uranus
16. The Crown And The Onion Ring
17. The Quest For Carrefour
18. Hail To Liechtenstein

Jannis

THEM -Manor Of The Se7en Gables“

Band: Them
Album: Manor Of The Se7en Gables
Spielzeit: 55:01 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Steamhammer / SPV
Veröffentlichung: 26.10.2018
Homepage: www.them666.com

Das Gefühl, als jahrelanger KING-DIAMOND-Fan THEM erst durch ihr neustes Album “Manor Of The Se7en Gables” kennenzulernen, ist in etwa mit dem vergleichbar, das einen als Altenpfleger während des Feierabends überkommt, wenn man merkt, dass man vergessen hat, Grandma aus ihrem Rollstuhl zu helfen, und deswegen extra nochmal zurück zum Heim fahren muss. Man bereut, es in der Vergangenheit nicht getan zu haben. Genug der holprigen Analogien. Die Bildungslücke wurde gefüllt, auf geht’s mit der Einschätzung!
Zuerst einmal das obligatorische Drumrum: Nachdem die Band ursprünglich als KING-DIAMOND-Tribute gegründet wurde, veröffentlichte man 2016 ein Konzeptalbum mit eigenen Songs, das dem Stil mehr oder weniger treu blieb, allerdings bereits mit einer ausreichenden Menge an eigenen stilistischen Merkmalen daherkam, um nicht als Kopie durchzugehen. Der aktuelle Release der deutsch-amerikanischen Truppe geht diesen Weg weiter. An der Produktion wurde geschraubt – das Ergebnis ist top – und man wurde härter, thrashiger, komplexer, ohne dabei das große musikalische Vorbild zu vergessen. Im Klartext: “Manor Of The Se7en Gables” hat alles, was ein KING-Fan auf Entzug braucht. Einen großartigen Sänger (KK Fossor), der Storytellingparts ebenso stimmungsvoll umsetzen kann wie hohe Falsetti, “Standard”gesang in mittleren Höhen und böses Gegrummel. Dazu sorgfältig ausgewählte Horrorsynths, die richtige Menge an Story-Parts, Friedhofsatmosphäre und ein wohliges Gänsehaut-Feeling, garniert mit einer coolen Bandoptik und einem fantastischen Cover. Auch die Melodielinien, die Backing Vocals, und die Songarrangements klingen gerne einmal, als sei das Album der schwarzen Feder von Herrn Petersen entsprungen. Hier schon einmal ein Zwischenfazit: Wer die Musik des Dänen mag, ist praktisch verpflichtet, hier zuzugreifen.
Doch wie schon beim Debutalbum bleibt es nicht bei stumpfer Stilkopiererei. Viel zu deutlich sind die US-Power- und die Thrash-Einflüsse, die in den alles andere als seltenen Doppelbass-Gewittern zutage treten. Und man glaube es oder nicht: Die Mischung funktioniert blendend.
Den unterschiedlichen Einflüssen entsprechend fallen auch die Songs auf “Manor” sehr vielseitig aus. Krönung des Albums sind wohl die Tracks vier bis sechs. “Witchfinder” könnte hinsichtlich seiner Komposition und Atmosphäre straight vom “Puppetmaster”-Album entsprungen sein, ebenso wie der Storyteller “A Scullery Maid”. Mit dem anschließenden “Ravna” werden ruhigere Töne angeschlagen, das Ding ist eine Halbballade in Bestform. An anderer Stelle wird mehr geballert. “Refuge In The Manor”, “Circuitous”, “As The Sage Burns” und “Seven Gables To Ash” demonstrieren die teils erbarmungslose Härte der Platte, ohne außergewöhnliche und eingängige Melodien zu vernachlässigen. Bei “Maleficium” wird auch mal ein Sechsertakt bemüht (muss.) und das schlussendliche “Punishment By Fire” erweist sich mit über acht Minuten Spieldauer als würdigster Endtrack, mit hypnotisch-redundanten Abschnitten, schnellem Geknüppel und starken Melodien. Von vorne bis hinten ein Level, das sich gewaschen hat – und spät im Jahr nochmal ein absoluter musikalischer Höhepunkt.

Anspieltipps:
“Witchfinder”, “Ravna”, “As The Sage Burns” und “Punishment By Fire”

Fazit:
Wie gesagt: KING-DIAMOND-Fans müssen hier eh zugreifen. Und alle, die Bock auf einen höchstwertigen Mix aus massiv produziertem Power und Thrash Metal mit jeder Menge Liebe zum Detail und haufenweise Atmosphäre plus eine stabile Dosis Theatralik haben, sollten diesem Gesamtkunstwerk dringend eine Chance geben.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Residuum
02. Circuitous
03. Refuge In The Manor
04. Witchfinder
05. A Scullery Maid
06. Ravna
07. As The Sage Burns
08. The Secret Stairs
09. Peine Forte Et Dure
10. Maleficium
11. Seven Gables To Ash
12. Punishment By Fire

Jannis

GUARDIANS OF TIME – Tearing Up The World

Band: Guardians Of Time
Album: Tearing Up The World
Spielzeit: 52:48 min.
Stilrichtung: Heavy/Power Metal
Plattenfirma: ROAR! Rock Of Angels Records
Veröffentlichung: 19.10.2018
Homepage: www.guardiansoftime.no

GUARDIANS OF TIME – Die Hüter der Zeit. Und die Zeit rennt, schaut man sich die Menge an Uptempo auf dem neusten Album der Norweger einmal genauer an. Zwölf, mit Bonustrack dreizehn Tracks beinhaltet die nunmehr fünfte Platte der 1997 gegründeten Formation, alle angemessen kurzweilig zwischen drei und fünfeinhalb Minuten gehalten und stilistisch im heavien Power Metal bzw. im powerlichen Heavy Metal zu verorten.
Die Produktion ist sauber und knallt anständig, Sänger Bernt agiert problemlos auch in hohen Bereichen und der Rest der Band weiß die Sache jederzeit mit auf den Punkt getroffener Untermalung nach vorne zu treiben.
Klingt bis dahin ganz gut, und tatsächlich: Beanstanden lässt sich an “Tearing Up The World” kaum etwas. Verkraftet man die War-und Eagle-Texte, so entpuppt sich die Scheibe als extrem spaßiges Stück Heavy Metal, das einen hohen Wert auf Melodien abseits der 08/15-Norm legt. Die ganz große Innovation findet sich hinsichtlich der Melodien dabei zwar seltener, doch bewegt sich das Niveau durchgängig in einem Rahmen, der das Interesse der Zuhörer an den jeweiligen Song zu binden weiß, gerade in den Refrains, für die die GUARDIANS OF TIME ein massives Händchen zu haben scheinen.
Das geht schon beim Titeltrack los. Mag sein, dass die erste Strophe mit ihrem wiederholt geäußerten “I fight!” etwas stumpf anmutet und nicht unbedingt das richtige Bild des Albums zeichnet, das ändert sich allerdings spätestens beim Instant-Ohrwurm-Refrain und der anschließenden Strophe, deren Vocals vom mächtigen ABBATH persönlich übernommen wurden – neben Tim “Ripper” Owens, der dem in den Strophen oldschool speedmetallischen “As I Burn” seine Stimme leiht, einer der zwei Gastsänger der Platte.
Keyboards finden sich auf “Tearing Up The World” kaum. Wenn sie dennoch zur Geltung kommen, dann bestens eingesetzt; im Power-Metal-Hit “Raise The Eagle” in Form eines modernen Synth-Riffs, beim Midtemposong “Drawn in Blood” als wahnsinnig geil klingende Orgel zu Anfang.
Weitere Höhepunkte: “Kingdom Come” mit seinem GAMMA-RAY-Chorus und “Brothers Of The North”, das beinahe ein älterer IRON-SAVIOR-Song hätte sein können (überhaupt klingt das Album ziemlich beeinflusst vom deutschen Power Metal). “Valhalla Rising” bringt ein wenig Pagan-Flair ins Biz, das rifftechnisch trocken-böse “Light Won’t Shine” in seinem melancholisch-intensiven Refrain gar einige AMORPHIS-Nuancen. Und ehrlich: Der Rest des Albums ist auch nicht schlechter. Einigen Songs hätte man den letzten Schliff geben können, indem man ihre Refrains nicht auf “Viermal die selbe Melodielinie”-Strukturen aufgebaut hätte, aber zu komplex soll es ja auch nicht sein. Der Spagat zwischen kräftiger Härte und eingängigen, individuellen aber für das Genre nicht zu unkonventionellen Melodien gelingt “Guardians Of Time” einwandfrei.

Anspieltipps:
“Tearing Up The World”, “Raise The Eagle”, “Kingdom Come” und “Brothers Of The North”

Fazit:
Für Freunde von härterem und oft schnellem Power Metal ohne Keyboards, ohne Kitsch, aber mit einer Menge Wucht hinter dem Cover – angereichert mit nicht nur einem Ohrwurmpart. Und das zweite Basspedal hat die Zeit seines Lebens.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Tearing Up The world
02. Raise The Eagle
03. We’ll Bring War
04. Burning Of Rome
05. Kingdom Come
06. Valhalla Awaits
07. Brothers Of The North
08. Light Won’t Shine
09. As I Burn
10. Drawn In Blood
11. Masters We Were
12. Empire – Live (Bonus Track)

Jannis

IMPELLITTERI – The Nature Of The Beast

Band: Impellitteri
Album: The Nature Of The Beast
Spielzeit: 50:53 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 12.10.2018
Homepage: www.impellitteri.net

Impellitteri <orum [o, rum] > SUBST m (Impellitterus), lat.: Die schnell und äußerst gut Gitarre Spielenden

Passend wär’s. Letztendlich ist IMPELLITTERI allerdings einfach der Name von Gitarrist Chris Impellitteri, der mit seiner nach ihm benannten Band bereits seit 1987 aktiv ist, in Europa kaum und in Japan ziemlich bekannt ist. Zusammen mit Rob Rock (AXEL RUDI PELL u.a.), James Amelio Pulli und Jon Dette (SLAYER, TESTAMENT) hat der gute Mann mit “The Nature Of The Beast” unlängst sein elftes Album veröffentlicht und verhilft dem interessierten Hörer darauf mit zwölf kurz(weilig)en Tracks mit 50 Minuten Gesamtlänge zum Genuss schnellen Heavy Metals mit kleiner Power-Schlagseite und massig Gitarrengefrickel.
Produktion: geht klar, hätte an einigen Stellen weniger laute Rhythmusgitarren, dafür lautere Drums und Vocals vertragen können, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Gerade die Gitarren klingen entzückend, was verständlich ist, schließlich ist Chris nicht nur Bandleader, sondern auch laut Guitar World einer der weltschnellsten Gitarristen und laut dem Guitar One Magazine zweitschnellster Shredderer noch vor Yngwie Malmsteen. Bei solchen Referenzen muss der Saitensound sitzen. Dass das Gitarrenspiel an sich selbiges muss und tut, steht außer Frage. Impellitteri rast durch atemberaubende Soloparts und charakterstarke Highspeed-Riffs, ohne dabei jedoch allzu aufdringlich als Mittelpunkt des Geschehens zu wirken. Der Rest der Band unterstützt ihn tatkräftig, allen voran Rob, dessen nicht zu cleane Stimme dem geschwinden wie melodiösen, dabei jedoch anständig harten Sound der Band höchst dienlich ist.
Wie machen sich die Tracks nun abseits der Gitarrenarbeit und abseits der durchweg beeindruckenden Soloparts? Nun, zuerst einmal seien die zwei Coversongs erwähnt. “Symptom Of The Universe”, ursprünglich von BLACK SABBATH, würdigt das Original und impellittiert es parallel. Klingt geil und schlüssig, auch wenn man leider auf den smoothen Endpart des Originals verzichtet hat. ANDREW LLOYD WEBBERs “Phantom Of The Opera” ist von vorne bis hinten einfach nur top umgesetzt, der vielseitigste Track des Albums mit zahlreichen liebevollen Nouancen und natürlich ebenfalls korrekt auf 180 gedreht.
Trotz der recht ähnlichen Grundbausteine der einzelnen Songs lassen viele Tracks bereits beim ersten Hören ein gutes Maß Eigenständigkeit erkennen. “Man Of War” startet mit leichtem “In der Halle des Bergkönigs”-Feeling, klingt in der Strophe nach STEEL PANTHER mit weniger Brüsten und mehr Eiern und ist trotz seines kleinen True-Metal-Einschlags absolut ernstnehmbar. “Run For Your Life”, Angaben der Band zufolge der MAIDEN-inspirierte Track klingt weniger MAIDEN-inspiriert als so mancher am wenigsten MAIDEN-inspirierte Song manch anderer MAIDEN-inspirierter Band; das übernimmt in textlicher Hinsicht dafür “Do You Think I’m Mad”, das im der starken Strophe folgenden, leicht schwächeren Refrain die titelgebende Frage häufiger stellt, als Blaze Bailey in “The Angel And The Gambler” imstande ist, zu fragen, ob ich denke, dass er ein Saviour sei, er mich retten könne und zudem auch mein Leben.
Das kurz-knackige “Fire It Up” wird pflichtgemäß upgefired (höhö) und macht nur etwas weniger Spaß als die zwei Folgetracks: Das mit über sechs Minuten für “The Nature Of The Beast”-Verhältnisse überlange “Kill The Beast” erfreut durchgängig bis zu 05:25, wenn es 40 Sekunden vor Trackende endet, und “Shine On” holzt neben dem Phantom-Cover wohl als powermetallischster Track des Albums mit gelungenem hymnischen Refrain daher.
All dies, garniert mit Chris‘ hervorragendem Gitarrenspiel, macht über die Dauer des Albums durchgängig Spaß, obgleich die Gitarrenskills ab und an von kompositorischem Mittelmaß ablenken. Ein Dreiviertelpunkt Abzug dafür, nochmal so viel für die leichten Schwächen, die die Produktion hin und wieder aufweist, aber ein großes Lob für die beeindruckende Gesamtleistung hinter “The Nature Of The Beast”!

Anspieltipps:
“Phantom Of The Opera”, “Kill The Beast”, “Shine On” und “Man Of War”

Fazit:
Diese Rezension ist nicht außergewöhnlich lang für Rock-Garage-Verhältnisse, sie muss nur in Chris-Impellitteri-Geschwindigkeit gelesen werden. Zudem muss in seinen neusten Release auf jeden Fall reingehört werden. Kraftvoller und mitnichten überpolierter grandios gespielter Heavy Metal ist das, der nach über 30 Jahren so langsam auch mal in Europa ankommen darf.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Hypocrisy
02. Masquerade
03. Run For Your Life
04. Phantom Of The Opera
05. Gates Of Hell
06. Wonder World
07. Man Of War
08. Symptom Of The Universe
09. Do You Thing I’m Mad
10. Fire It Up
11. Kill The Beast
12. Shine On

Jannis