ATLANTEAN KODEX – The Course Of Empire

Band: Atlantean Kodex
Album: The Course Of Empire
Spielzeit: 62:33 min
Stilrichtung: Epic Metal
Plattenfirma: Ván Records
Veröffentlichung: 13.09.2019
Homepage: www.atlanteankodex.de

Poah. Es gibt so Alben, da reicht schon ein Blick drauf, um zu wissen, dass es sich bei ihnen nicht um leichte Kost handeln wird. Beim Band- und Albumnamen angefangen über das großartige düster-kraftvolle Artwork bis hin zu den einzelnen Songtiteln (fünf Wörter pro Titel sind Minimum). Dazu weiß der, der vorher schonmal in ATLANTEAN KODEX reingehört hat, dass die fünf Bayern einen bombastisch-darken Mix aus True Heavy Metal und schwerem Doom Metal machen, man kann guten Gewissens sagen: Die Aufmachung stimmt.
Die Songs sind allesamt unter vier oder über acht Minuten lang, abgesehen vom knapp siebenminütigen “Lion Of Chaldea”, die kurzen Tracks dienen alle mehr oder weniger als Intro, Outro oder Zwischentrack. Die Produktion ist eine zwiespätige Angelegenheit. Irgendwie ein bisschen dumpf und verwaschen, dann wiederum gehört diese Undefiniertheit aber auch zum Sound der Truppe (wobei man lobend erwähnen muss, dass die Snare auf “He Who Walks Behind The Years” klingt, als würde man einen Zehn-Meter-Baumstamm auf einen Container hauen – amtlich!). Klingt halt ein wenig so, als würde man das Ganze auf einem riesigen dunklen prähistorischen Feld über dicke Lautsprecher anmachen und dann von eher weiter hinten hören. Ob das gut oder schlecht ist, kann ich noch nicht sagen, Charakter und Eigenständigkeit und gewisse Oldschool-Doom-Vibes verleiht es der Platte schon auf gewisse Weise, das täte aber auch eine reine 8-Bit-Produktion.
Die längeren Songs auf “The Course Of Empire” sind oft im Midtempo gehalten, mit anfangs oder zwischendurch ein bisschen Ruhe und kontrastierend einem miesen Batzen episch-hymnischer Düsterkeitsfeierlichkeit. Sehr schwer, sehr schleppend, ab und an mit krassen Ausbrüchen in obere Midtempogefilde garniert (“Chariots” zum Beispiel mit seinem Wechsel aus langsamem und seltsam-gutem Chorus und schnellerem Rest, oder auch der über zehn Minuten lange Titeltrack).
Obgleich man die Platte technisch gesehen richtung Power Metal ansiedeln müsste, ist der Discofaktor erwartungsgemäß gleich null. Sie ist ganz im Gegenteil sehr ernsthaft, sehr erwachsen und nicht das, was die niederen Power-Metal-Bedürfnisse erfüllen möchte. Ein wenig erinnert mich der Stil an ARRAYAN PATH, nur eben mit mehr leicht verwaschenem Bombast und geringerem Grundtempo.
Klar, dass dabei die Eingängigkeit auf der Strecke bleibt. Das wäre allein nicht schlimm, aber dazu kommt für meinen Geschmack etwas zu viel Redundanz. Bereits erwähntes “He Who Walks…” hat innerhalb der längeren Tracks des Albums noch den höchsten Individualitätsfaktor, aber generell geht die Reise für meinen Geschmack ein wenig zu sehr nach “Komm, Midtempo, düster-epischer Gesamtsound, neun Minuten durchziehen, dann läuft die Kiste”. Kann sein, dass ich dem Album damit Unrecht tue und einfach noch ein paar mehr Hördurchgänge benötige. In meinen Ohren ist es eher Meditationssoundtrack für truere Leute, beim genaueren Hinhören beeindruckend und nicht ganz leicht verdaulich. Und in seiner Gesamtheit auf jeden Fall ein wuchtiges Ding, dem ab und an etwas mehr Abwechslungsreichtum und Individualität innerhalb der einzelnen Songs gut getan hätte.

Anspieltipps:
“He Who Walks Behind The Years”, “Chariots” und “The Course Of Empire”

Fazit:
Nein, das ist nicht die EQUILIBRIUM-Art von “Epic Metal”, das ist düster, auf gute Weise anstrengend, ein bisschen true, mehr Doom und irgendwie hypnotisch-fesselnd. Es lohnt sich auf jeden Fall, mal in “The Course Of Empire” reinzuhören, denn trotz leichter Abstriche wegen etwas zu wenig Abwechslung ist das Ding ein Mammut von einem Album!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Alpha And The Occident (Rising From Atlantean Tombs)
02. People Of The Moon (Dawn Of Creation)
03. Lion Of Chaldea (The Heroes‘ Journey)
04. Chariots (Descending From Zagros)
05. The Innermost Light (Sensus Fidei)
06. A Secret Byzantium (Numbered As Sand And The Stars)
07. He Who Walks Behind The Years (The Place Of Sounding Drums)
08. Spell Of The Western Sea (Among Wolves And Thieves)
09. The Course Of Empire (All Thrones In Earth And Heaven)
10. Die Welt Von Gestern (Abendland)

Jannis

FRETLESS – Damnation

Band: Fretless
Album: Damnation
Spielzeit: 53:36 min
Stilrichtung: Heavy Rock/Metal
Plattenfirma: Pure Steel Records
Veröffentlichung: 16.08.2019
Homepage: www.facebook.com/fretlessband

Leider sind die Schweden von FRETLESS mit ihrem Debütalbum „Local Heroes“ 2011 komplett an mir vorbeigegangen! Eine Schande wie sich später herausstellen sollte!
Nun habe ich aber die Möglichkeit das Ganze wieder gut zu machen, denn die Jungs stehen, acht Jahre nach ihrem Debüt, mit ihrem zweiten Diskus „Damnation“ in den Startlöchern.
Mit ihrem Stil aus Heavy Rock und Metal werden sie uns bestimmt auch dieses Mal in den Bann ziehen und wer musikalische Vergleiche benötigt der Stelle sich eine Mischung aus ACCEPT und PRETTY MAIDS vor!
So genug gesabbelt, fix den Opener „Unholy War“ gestartet. Dieser ist nur ein Cinematic Intro welches auf die Scheibe einstimmen soll und vermutlich gut bei den nächsten Livegigs als Eröffnung passt.
Schnell weiter zum nächsten Track „Burn“. Hier kommt eine tolle Orgel zum Einsatz die den Song besonders interessant machen und der dazu noch super eingängig ist! Ein mehr als ordentlicher Einstieg in das Album.
Das folgende „Let`s Get High“ kommt zwar ohne Orgel um die Ecke steht ansonsten dem eingängigen Opener aber in Nichts nach und wandert daher auch direkt auf unsere Hitliste.
Danach geht es etwas auf und ab was die Songs angeht. „Black Widow“ ist wieder absolut in Ordnung, „Higher Ground“ und das etwas ruhigere „Black Moon“ sind etwas zu gewöhnlich um groß aufzufallen.
Aber das Album ist mit 13 Tracks lang genug das es ein paar Standardtracks verkraften kann, hat man doch im weiteren Verlauf mit dem Titeltrack „Damnation“, „Sweet Cherie“ und dem Abschlusssong „Freedom“ noch sehr ordentliche Songs in der Hinterhand um das locker auszugleichen!

Anspieltipps:

„Burn“, „Let`s Get High“, „Damnation“, „Sweet Cherie“ und „Freedom“.

Fazit :

Mit ihrem neuen Album setzen die Jungs von FRETLESS ihren Siegeszug unbeirrt fort! Ein tolles Heavy Rock Album welches sich Fans des Genre auf jeden Fall nicht entgehen lassen sollten.
Ich würde mir wünschen das z.B die hier etwas spärlich eingesetzte Orgel häufiger zur Geltung kommt., sie steht der Band nämlich sehr gut zu Gesicht!
Ansonsten gibt es hier, trotz des ein oder anderen Standardtracks, nicht viel zu meckern und es gibt eine Kaufempfehlung für die angesprochene Zielgruppe!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Unholy War
02. Burn
03. Let`s Get High
04. Higher Ground
05. Black Widow
06. Black Moon
07. Spread your Wings
08. Damnation
09. No More
10. Sweet Cherie
11. This is my Home
12. Spellbound
13. Freedom

Julian

TARCHON FIST – Apocalypse

Band: Tarchon Fist
Album: Apocalypse
Spielzeit: 44:48 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 16.08.2019
Homepage: www.tarchonfist.com

Drei Alben, eine EP, ein Best Of und zudem eine Vorgeschichte unter dem Namen “Rain” – TARCHON FIST aus Italien haben bereits ein amtliches kleines Portfolio zusammengetragen und nun, zwei Jahre nach besagter EP, ihr viertes Album in den Startlöchern. Spätestens beim vierten Album sollte man auch einen gewissen eigenen Sound/Stil entwickelt haben, und ohne sonst irgendwas von den nach der Faust des etrurischen Königs und Sturmgottes benannten Jungs gehört zu haben, kann ich sagen: Jap, das klingt durchaus individuell. TARCHON FIST spielen Heavy Metal, der gerne mal an Rock’n’Roll und Power Metal kratzt, praktisch ohne Keyboards und mit gutem und ziemlich abgespecktem Sound, der das Gegenteil von überladen ist, ohne dass er sich anfühlt, als würde irgendetwas fehlen.
Als FIST-Neuling habe ich in Sachen Klang der Band nur ein paar Probleme mit Sänger Mirco, die ich zu mindestens 50% auf die Produktion schieben würde. Manchmal geht er im Rest der Band doch etwas unter, sodass man seine Gesangsmelodien eher erahnen muss, manchmal verschwindet er hinter den Backing Vocals. Und während ich sein Vibrato und im Allgemeinen auch seine Stimme und Gesangsleistung sehr schätze, liegt er doch ab und an gefühlt ein wenig daneben.
Derlei Probleme verblassen jedoch vor den Tracks an sich. Die sind in ihren einzelnen Melodieparts zwar nicht besonders komplex, variieren allerdings gekonnt den Genreschwerpunkt und die Atmosphäre, die sie vermitteln. Bei “Evil Comes From The Underground” treffen AC/DC-Vibes auf KINGsches irres Gelächter und ein paar nett eingestreute Power-Metal-Melodien, “My Destiny” ist eine echt gute Ballade, bei der insbesondere Drum- und Gitarrenarbeit hervorzuheben sind und “Proud To Be Dinosaurs” (Jap, es ist ein Album über Apokalypsen. Das muss selbstverständlich mit rein) ist ein vergleichsweise hymnischer und textlich witzig-dämlicher Ohrwurm. Dazu gibt es in “The Last Human Strength” einen sehr kleinen und arschgut eingesetzten Gastsängerin-Part, das obligatorische ACCEPTHOVEN-Zitat und edle “Apocalypse”-ICED-EARTH-Chöre und so weiter und so fort.
Die meisten Songs heben sich somit deutlich voneinander ab, viele von ihnen mit kleinen Mittelteil-Perlen, auf die es sich auch bei schwächeren Songs zu warten lohnt.
Neben meinen Vocal-Problemen beschränkt sich die negative Kritik lediglich auf die üblichen paar Lückenfüller in Form von Parts in mehreren Songs. Dafür gibt es, so muss man lobend anerkennen, keinen Song auf “Apocalypse”, der nicht zumindest in Teilen aufhorchen ließe. TARCHON FIST hatten hörbar Spaß daran, ihre Tracks mit kleinen Twists aufzuwerten und wem ein Song anfangs nicht gefällt, der wird wohl spätestens beim Mittelteil seine Meinung nochmal überdenken müssen. Ordentlich starke Leistung insgesamt. Da darf man neben seinem Dasein als Dinosaurier ruhig auch noch auf das neue Album stolz sein!

Anspieltipps:
“Last Human Strength”, “My Destiny”, “Sky Rider” und “Evil Comes From The Underground”

Fazit:
Abwechslungsreich, ernstnehmbar aber mit einer Prise Humor und für ein 45 Minuten langes Album echt sehr schnell vorbei – “Apocalypse” kann man ruhig in seiner Gesamtheit mal laufen lassen, um sich davon zu überzeugen. Und im Kontext des gesamten Werkes fallen auch die Schwachpunkte kaum noch ins Gewicht.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Prologue To Apocalypse
02. Clash Of The Gods
03. Evil Comes From The Underground
04. Lights Of Fire
05. No Mercy For The Enemy
06. Last Human Strength
07. Proud To Be Dinosaurs
08. Sky Rider
09. Titan Of The Forest
10. Razor From The Abyss
11. My Destiny (Epilogue)

Jannis

ENVENOMED – The Walking Shred

Band: Envenomed
Album: The Walking Shred
Spielzeit: 56:48 min
Stilrichtung: Melodic Thrash Metal
Plattenfirma: El Puerto Records/Soulfood
Veröffentlichung: 05.07.2019
Homepage: www.facebook.com/EnvenomedOfficial

Neu auf der Liste meiner dummen Entscheidungen: ENVENOMED einen Tag nach der Rückkehr aus Wacken zu rezensieren. Keine gute Idee, wenn man die Freundschaft mit seiner Nackenmuskulatur so langsam zurückgewinnen möchte. Aber jut, nun ist es so, das dritte Album der Jungs aus Melbourne ist gehört und überstanden. “The Walking Shred” nennt sich das gute Stück (Ich warte an dieser Stelle auf die Nachfolgewerke “One, Two, Shreddy’s Coming For You” und “Shredtime Storys”), ist eine knappe Stunde lang und beinhaltet neben dem kurzen Intro elf Songs, von denen einer ein witziges Lenny-Kravitz-Cover ist. Die Produktion ist edel. Die Drums hämmern ordentlich, die Gitarren braten, dass es eine wahre Freude ist, und der Gesang ist von stark gemachten Backing Vocals unterlegt. Alles sitzt auf den Punkt, Sänger Anthony Mavrikis hat eine tolle, kräftige Stimme und jetzt muss bei alldem nur noch die Musik an sich stimmen. Entwarnung sei gegeben, tut sie auch. Der Stil der vier Australier ist ein harter und häufig sehr rhythmusorientierter Mix aus Thrash und Heavy Metal, mit knüppeligen Thrash-Momenten, melodiösen Refrains auf oftmals echt hohem Niveau, klassischem Heavy Metal und Riffarbeit, die zwischen primitiver Effektivheit und Grandiosität schwankt. Verschnaufpausen gibt es nur selten. Die zweite Fußmaschine ist absolut ausgelastet, das Gitarrenspiel fix und böse und sowohl hinter den thrashigeren als auch den Heavy/Powerigen Parts, sowohl hinter Uptempo- als auch hinter gemein runtergebrochenen Midtempo-Parts steckt eine ordentliche Menge Druck. Ein bisschen ruhiger wird es nur bei der Ballade “Fate Closes The Door”, die gefühlvoll aber nicht kitschig ist und ziemlich genau so ausfällt, wie ich mir eine Ballade wünsche. Ansonsten gibt es mit “Through The Cold” einen weiteren sehr harmonielastigen Track, der so fast (fast, ne?) als Power Metal durchginge, dafür mit “All That Remains”, “Sacrifice” und “The Haunting” aber auch eine Menge Brutales auf die Ohren – und mit “Rebellion” einen mies schwergängigen Midtempo-Stampfer.
Kritik lässt sich bei “The Walking Shred” eigentlich nur an den oft etwas zu routinierten Mittelteilen und an der doch recht durchgehenden Orientierung an gängigen Songstrukturen. Nach dem ersten Refrain kennt man das Lied dann eben oft komplett, außer den besagten Mittelteil, der am Track aber eh das am wenigsten Herausragende ist. Aber ernsthaft, das ist bei weitem kein Grund, um ENVENOMEDs “The Walking Shred” nicht zu empfehlen.

Anspieltipps:
Wenn man Track 5 bis 8 hört, hat man eigentlich einen ziemlich guten Überblick über das Album.

Fazit:
ENVENOMED haben schon auf dem dritten Album ihren eigenen Stil und Sound gefunden, bieten was für den Nacken aber auch für’s Köpfchen und hätten eigentlich mehr Aufmerksamkeit verdient. Dazu thrashige Härte, erbarmungslos produziert und mit Melodien, die nicht immer aber oft ein gutes Stück über dem Durchschnitt liegen. Man sollte dem mal eine Chance geben!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Walking Shred
02. Abandon Hope
03. The Dead
04. Aware
05. Fate Closes The Door
06. Rebellion
07. Through The Cold
08. The Haunting
09. All That Remains
10. Sacrifice
11. Are You Gonna Go My Way
12. Metal United

Jannis

OUT OF ORDER – Facing The Ruin

Band: Out Of Order
Album: Facing The Ruin
Spielzeit: 50:34 min
Stilrichtung: Melodic Thrash Metal
Plattenfirma: BlackSunset/MDD Records
Veröffentlichung: 14.06.2019
Homepage: www.out-of-order.de

Bietet man jemandem einen Smoothie an und gibt ihm dann Ketchup, ist man technisch gesehen im Recht, da Tomaten Früchte sind. Bietet man jemandem Thrash Metal an und serviert anschließend OUT OF ORDERs neue Platte “Facing The Ruin”, verhält sich das sehr ähnlich. Ja, das Grundgerüst des dritten Albums der 1991 gegründeten Deutschen ist Thrash Metal, allerdings angereichert mit einer sehr dominanten Melodiösität, mit Melodielinien, die man so viel eher im Heavy oder gar Power Metal verorten würde. Tatsächlich sind hinsichtlich der Taktarbeit sogar ein paar Progressive-Nouancen dabei und mit alldem sind die Grundvoraussetzungen für ein interessantes Album abseits der Norm schonmal gegeben.
Produziert ist das Ganze absolut stabil, gespielt ebenso. Die Qualität der Vocals reicht von “Ist mir ein bisschen zu platt” bis hin zu “Grandiose Leistung”. Sänger und Gründungsmitglied Thorsten Braun hat eine ordentliche Palette an Gesangsstilen im Gepäck, einige subjektiv betrachtet gelungener als andere. Ist Geschmackssache und auch wenn ein paar Parts bei mir nicht so zünden, gibt es genug Qualitätsmomente, die zu begeistern vermögen.
Zurück zur Musik. Klar, jede Menge thrashiges Humpa ist mit dabei, ebenso fixes Gedresche und lobend hervorzuhebende Mittelteile, in die hörbar eine Menge Arbeit geflossen ist. Zu den klassischeren Thrash-Metal-Tracks gehört zum Beispiel “Guilty”, das sich allerdings nicht zu schade ist, ein paar smarte Songzitate zu integrieren und alleine schon bei der immer funktionierenden Sirene am Songanfang gewonnen hat. Im Kontrast dazu gestaltet sich “God Is Angry” quasi als reiner melodischer Midtempo-Heavy-Metal, inklusive Backing Vocals im Chorus und kleiner Drumsolo-Sequenz, und “On The Rise” hat neben seiner Brachialität doch ganz klare Power-Metal-Vibes und zudem beim ruhigen Anfangspart niemand Geringeren als Liv Kristine von LEAVES EYES am Start. Den hihatlastigen Beat von “Tears” muss man zwangsläufig als fresh bezeichnen und “The Sniper” überzeugt als etwas traditionellerer melodischer Thrash-Metal-Track mit starkem Chorus und obligatoischem “Interview mit Sniper”-Hörspielteil.
“Facing The Ruin” erweist sich tatsächlich als kleine Metal-Überraschungstüte. Auch innerhalb der einzelnen Songs herrscht ein hohes Maß an Abwechslungsreichtum, auf schnelles Geholze folgen ausgeprägte Melodien, die mit dem normalen Drei-Ton-Melodic-Trash nichts zu tun haben, unterhaltsame Soli oder ruhigere Passagen. Es ist schwer, diese Band in eine Schublade zu stecken, aber gerade diese Unvorhersehbarkeit und Vielseitigkeit innerhalb des Genres, die auf smarten Kompositionen und Arrangements fußt, macht das Album wirklich interessant. Punktabzug für ein paar unspektakulärere Tracks (Blood Vengeance” und “Apocalypse”), aber abgesehen davon eine beeindruckende Leistung! Wird wohl Zeit, in die Vorgängeralben auch mal reinzuhören!

Anspieltipps:
“The Sniper”, “Tears”, “On The Rise” und “God Is Angry”

Fazit:
“Facing The Ruin” ist so ein bisschen eine Thrash-Metal-Einstiegsdroge. Macht jedem Fan des Genres nach wie vor Spaß und ist melodisch und intelligent genug, um auch denjenigen zu gefallen, die mit diesem Stil normal nicht so viel am Hut haben. Und dabei über 50 Minuten durchweg unterhaltsam, mit einer Menge an Tracks, die doch akut hängenbleiben. Starke Leistung!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Watching You
02. Self Deception
03. What For
04. The Sniper
05. Guilty
06. Tears
07. God Is Angry
08. On The Rise
09. Blood Vengeance
10. Apocalypse

Jannis

KING OF NONE – Weightless Waters (EP)

Band: King Of None
Album: Weightless Waters
Spielzeit: 32:32 min
Stilrichtung: Heavy Psychedelic Stoner Prog Rock
Plattenfirma: Eigenveröffentlichung
Veröffentlichung: 10.05.2019
Homepage: www.facebook.com/kingofnone/?ref=br_rs

Es ist so ein Dilemma, wenn man König ist, aber keine Untertanen hat. Was macht man so den lieben langen Tag ohne jegliche Verantwortung für sein Volk? Liest man Bücher, poliert sein Zepter, stagniert man Filme schauend auf dem Sofa? Nun, wären alles Optionen, aber man könnte halt auch die Zeit ins Musik machen investieren. So geschehen bei KING OF NONE, nach eigenen Angaben macht man Heavy Psychedelic Stoner Prog Rock, kommt aus Finnland und hat mit der aktuellen EP “Weightless Waters” inzwischen drei draußen. Kam unverhofft in mein Postfach geflattert, wurde gehört und für gut befunden. Kompliment erstmal für die Genre-Selbsteinschätzung, das haut tatsächlich so hin. Kompliment auch für die Produktion der mit sechs Songs und über dreißig Minuten Spieldauer doch recht üppigen EP, die sich zwischen zeitgenössischer Progressive-Metal-Produktion und dem schönen staubig-trockenen Stoner-Rock-Sound bewegt und für diese Art Musik echt optimal und interessant ist. Des weiteren noch Komplimente für den Gesang, der sich zwischen kratzig-rauem aber melodischem und Klargesang bewegt und zwischendurch noch Platz für ein paar saftige Growls übrig hat, und für die Instrumentalfraktion, die souverän on Point agiert.
Genug der Komplimente? Mitnichten, denn jetzt kommen wir zur Kompositionsleistung, und man muss bewundernd anerkennen: Diese Truppe klingt nicht nach einer, die gerade erst ihre dritte EP veröffentlicht hat. “Weightless Waters” ist ein beeindruckend geschriebenes, höchst professionelles Werk mit einem sehr eigenen Sound (Ein wenig MASTODON könnte man finden, aber dennoch höchst eigenständig, die ganze Sache). Die Prog-Elemente sind unaufdringlich und der Sache dienlich, ebenso Charakteristika der anderen Teil-Genres, und die Kombination dieser Elemente ist absolut schlüssig und harmonisch.
Bereits der Opener “Words Of Mine” überzeugt mit seinem hypnotisch-redundanten Riff (Die Riffarbeit ist auf “Weightless Waters” generell brutal) und verleitet zum Griff nach allen in der akuten Umgebung verfügbaren bewusstseinserweiternden Substanzen. “Worlds Collide” treibt anschließend wie Arsch, wechselt gekonnt zwischen harmonisch-melodischeren und fies-bösen Parts, bevor mit “Frog Palace” das Tempo runtergeschraubt wird. Das in Teilen punktiert gespielte Ding groovt nach allen Regeln der Kunst und stimmt auf “Desolator” ein, das partiell tempotechnisch nochmal runtergedoomed ist und auch ein paar ruhigere Passagen in petto hat. “Starbirling” zieht dagegen wieder ordentlich an, wärmt nochmal einen kleinen Riffpart aus Track 1 auf und bemüht obligatorischerweise den Schellenkranz. Dann noch “Yellow Snake King”, das ein weiteres Mal die Position der Band als letzte des Abends auf einem Festival als geeignet bestätigt und die Platte ist durch. Neben der rein subjektiven Tendenz, dass die letzten beiden Songs minimal weiniger herausragend sind als die ersten vier, habe ich keine Kritik. Krasse Sache, interessanter Stilmix toll umgesetzt!

Fazit:
Frisch, durchaus innovativ, heavy, hypnotisch, intelligent, stark komponiert und gespielt – KING OF NONE sind eine Bereicherung für jeden, der neben Heavy und Progressive Metal auch ein bisschen Staub in seiner Plattensammlung mag. Mit dem, was sie macht, ist die Truppe eine Ausnahmeerscheinung und “Weightless Waters” hat in jeder Hinsicht hohen Respekt verdient!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Words Of Mine
02. Worlds Collide
03. Frog Palace
04. Desolator
05. Starbirling
06. Yellow Snake King

Jannis

HEADLESS BEAST – Phantom Fury

Band: Headless Beast
Album: Phantom Fury
Spielzeit: 61:04 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Housemaster Records
Veröffentlichung: 05.04.2019
Homepage: www.headless-beast.de

Was ja bei der Fertigstellung eines Albums gar nicht so irrelevant ist, wie man vielleicht annehmen mag: die Findung einer vernünftigen Songreihenfolge. Track 1 muss ballern, Track 2 kann etwas melodischer und langsamer sein, die erste Ballade darf frühestens Track 4 sein und wenn es zwei gibt, müssen mindestens zwei, drei Tracks zwischen ihnen liegen. Nach den Balladen müssen als Ausgleich wieder härtere Tracks folgen und der letzte Track muss nochmal herrausragend liefern. Auf keinen Fall dürfen sich am Anfang des Albums vier eher unspektakuläre Tracks befinden, spätestens dann macht nämlich ein Großteil der Hörer das Ding aus, weil er nicht damit rechnet, dass da noch was Krasses kommt.
Das ist so ein bisschen das Hauptproblem von “Phantom Fury”, dem zweiten Langspieler der fünf Ulmer von HEADLESS BEAST. Das nicht auf High-End-Level aber absolut stabil produzierte Album liefert auf zwölf Tracks und einer Stunde Spielzeit nach eigenen Angaben NwoBHM mit Teutonic-Metal-Anleihen. Kann man so stehen lassen, auch wenn der Fokus eher auf ersterem und auf Hard-Rock-Nuancen sowie ein wenig melodischem Thrash liegt.
Track 1 bis 4 sind dabei vergleichsweise klassisch. Track 1 ist wenig innovativer PRIEST-Metal, Track 2 auch eher konventionell (bis auf seine interessante sechstaktige Periodenarbeit), der dritte Track hat an Außergewöhnlichem einen entspannt rockigen Mittelteil als schönen Stilbruch parat und Track 4 übernimmt das Introriff von LORDIs “Chainsaw Buffet” und erinnert im weiteren Verlauf an Hard Rock der Marke AC/DC bzw. AIRBOURNE. Wirklich hängen bleibt von den Tracks aber nichts, sie sind schwer nach Genrekonventionen komponiert. Nett für nebenbei aber so auch schon oft gehört. Gut, dass es mein (unbezahlter) Job ist, jedes Album bis zum Ende durchzuhören, sonst wäre ich an der Stelle gewillt, “Phantom Fury” als Standardmaterial abzuspeichern und auf unbestimmte Zeit im Musikordner ruhen zu lassen – und damit wären mir und Euch einige Knaller entgangen, allen voran “Virtual Abyss”. Verdammt, Freunde, was eine Steigerung. Das Riff ist im besten Sinne übel, die Tonartenarbeit ebenso, der Refrain mit seinen geilen Backing Vocals auch. Das ist eine überraschende Steigerung der Kompositionsarbeit und plötzlich ist das Interesse wieder geweckt. Zurecht. Mit “Feed The Beast” und “The Darkness” kommen noch zwei kraftvolle, leicht balladige aber absolut ausreichend harte Rocker mit Ohrwurmpotenzial, “To The Grave” überzeugt mit feinem melodischen NwoBHM-Chorus (der wie auch andere der positiv hervorgehobenen an PRAYING MANTIS erinnert) und 1a darauf passendem Riff, und “Pray For Nothing” macht mit seinem OZZY-”No More Tears”-Gedenkriff und der liebevollen Durwendung im Refrain auch alles richtig. “Suicide Solution” ist simpel und sauer und “Black Reign” nochmal PRIEST im böse-schrubbigem und etwas thrashigen Gewand. Alles in allem: Auf “Phantom Fury” ist schon eher gewöhnliches Material dabei, das für’s nebenbei Hören geeigneter ist als für die konzentriertere Auseinandersetzung damit. Aber gleichermaßen finden sich auf dem Album auch ein paar ordentliche Brecher. Hat sich gelohnt, weiterzuhören!

Anspieltipps:
“Virtual Abyss”, “Feed The Beast”, “The Darkness”, “To The Grave” und “Suicide Solution”

Fazit:
Ein paar Songs auf nett gespielt-konventionellem 6,5/10er-Niveau, ein paar aber auch auf geil komponiert-grandiosem 9,5/10er-Niveau – Man sollte “Phantom Fury” nicht allzu voreilig als weitere höhepunktarme Genrekost abstempeln, denn nach dem ersten Drittel drehen die Jungs ordentlich auf. Entgegen meines ersten Eindrucks empfehle ich absolut, der Platte mal eine Chance zu geben!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Phantom Fury
02. Resurrection
03. One Year In Hell
04. Used To The Evil
05. Virtual Abyss
06. Feed The Beast
07. Suicide Solution
08. To The Grave
09. The Darkness
10. World Of Fear
11. Black Reign
12. Pray For Nothing

Jannis

IDLE HANDS – Mana

Band: Idle Hands
Album: Mana
Spielzeit: 36:47 min
Genre: Gothic Metal, Heavy Metal
Plattenfirma: Eisenwald Tonschmiede
Veröffentlichung: 10.05.2019
Homepage: www.facebook.com/idlehandsband

Aus Portland in den USA melden sich IDLE HANDS nach einer vielversprechenden und vielbeachteten EP aus dem letzten Jahr nun mit dem full-length Debüt auf der Bildfläche. Die Truppe wird zur Zeit allerorts mächtig gehyped, und ich muss sagen, zurecht. Die packende Michung aus sinistrem Gothic Rock im Stile der Sisters of Mercy, niemals langweilig werdenden Jingle-Jangle Gitarren und treibenden Riffs (hier und da sind z.B. auch Vertreter der Depri-Schule à la Katatonia im Sound der Truppe auszumachen) ist relativ ungewöhnlich und damit scheint das Quartett einen Nerv getroffen zu haben.

Von den 11 vertretenen Songs ist tatsächlich so gut wie jeder ein Volltreffer. Besonders die ersten 5 Songs lassen den Hörer ungläugbig zurück, denn man wird von einem Hit nach dem nächsten überfahren. Ob in dem mit wunderbar ineinander verzahnten Gitarren versehenden Überhit „Jackie“, dem an Paradise Lost erinnernden „Don`t Waste Your Time“ oder dem an flotte High Spirits („Full Power“) angelehnten hymnischen Rocker „Give Me To The Night“ – die Nummern und Hooklines sitzen wie eine Eins und gehen nicht mehr aus den Gehörgängen. Ja, die Songs gleichen sich auf den ersten Blick relativ stark (das Patentrezept wird bis an die Grenzen ausgelotet) und die immer wieder eingestreuten „Huargh“ Shouts können mitunter für die ein oder andere hochgezogene Augenbraue sorgen. Das ändert aber nichts daran, dass es IDLE HANDS hier gelungen ist eine Wundertüte an eingängen Hochkarätern einzurocken, die eine verdammte Menge an Fans verdient hat. Neben den bereits genannten Tracks sei hier noch der Titeltrack (und Rausschmeisser) „Mana“ genannt, der zum Ende raus nochmal das ganz grosse Kino auffährt.

Zur vollen Punktzahl reicht es aufgrund marginaler kleiner Punkte zwar noch nicht. Aber wenn Opeth im September nicht noch ein absolutes Schwergewicht vorliegen (was ich doch mal ganz schwer hoffe), dann ist „Mana“ ohne wenn und aber bereits jetzt mein Album des Jahres 2019. Huargh!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Nightfall
02. Jackie
03. Cosmic Overdrive
04. Don`t Waste Your Time
05. Give Me To The Night
06. Blade And The Will
07. Dragon, Why Do You Cry
08. Double Negative
09. It`ll Be Over Before You Know It
10. A Single Solemn Rose
11. Mana

Mario

SKELATOR – Cyber Metal (Kurzrezension)

Band: Skelator
Album: Cyber Metal
Spielzeit: 40:07 min
Stilrichtung:
Plattenfirma: Soulfood
Veröffentlichung: 14.06.2019
Homepage: www.facebook.com/TrueSkelator

SKELATOR, mal wieder ne West-Coast-Truppe in der Garage! Die Jungs um Frontmann Jason Conde-Houston haben seit 2008 fünf Alben veröffentlicht, sind seit 20 Jahren aktiv und haben sich auf ihrem sechsten Release frei nach dem Motto “No songs about swords – unless they are laser swords” von der üblichen Heavy-Metal-Thematik in die Cyber-Ecke verabschiedet. Musikalisch ist man über die acht Songs der Scheibe jedoch nach wie vor klassisch metallisch unterwegs, mit kaum Synths, recht hohem Gesang und den gängigen Bestandteilen des Genres. Die Produktion ist ausgewogen und druckvoll, der rohe Sound der Band kommt nichtsdestotzrotz beachtlich gut durch. Glattpoliert ist das nicht, stattdessen sehr gut heavy. Die Band macht einen amtlichen Job, Jason mit seiner durchaus speziellen Stimme ebenso, auch wenn er beim Opener und Titeltrack ein wenig höher anmutet als der Rest der Band. Schieben wir es auf kleine Fehler beim Aufnahmeprozess oder meine Ohren. Und sonst so? Nu, “Cyber Samurai” ist klassischer, nicht allzusehr aus der Masse hervorstechender Heavy Metal, gut gespielt, mit vielen traditionellen Stil-Bausteinen, einem dezenten Eingängigkeitslevel, dessen Verhältnis zu metallisch-unmelodischeren Parts für dieses Genre meiner subjektiven Einschätzung nach recht gut gelungen ist, und ein paar kleinen Überraschungen, wie dem Hard-Rock-PRIESTigen Endtrack (Geiler Gitarrensound im Solopart!). Nein, das Rad hat man nicht neu erfunden und auch nicht das nächste große Meisterwerk erschaffen. Aber Zeit des Hörens macht die Platte Spaß und ist musikalisch auf jeden Fall weniger primitiv, als man das von anderen kleineren klassischen Heavy-Metal-Bands zu Genüge kennt.
Wer also keinen großen Wert darauf legt, seinen Metal mit Ohrwurmmelodien zugepflastert und mit Synths überschwemmt zu haben, der kriegt mit “Cyber Metal” auf jeden Fall ein stabil intoniertes und nach den Regeln der Kunst geschriebenes Stück Musik mit ordentlichem Härtefaktor und einer kleinen Prise Schubert/Goethe.

WERTUNG:

 

 

Jannis

FIRELAND – Fireland IV: Forged In Fire

Band: Fireland
Album: Fireland IV: Forged In Fire
Spielzeit: 53:09 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Independent
Veröffentlichung: 01.06.2019
Homepage: www.fireland.tv

Der Sommer naht und die qualitativen Metal-Alben tasten sich zögernd aus ihren Studiohöhlen heraus, um unter freiem Himmel gehört zu werden. FIRELANDs “Fireland IV: Forged In Fire” ist auch darunter, macht aber vorher noch den kurzen Umweg über die Rock Garage. Ich muss zugeben, ich hab von der Band noch nie was gehört, kann aber dank des Promotextes nun mitteilen: Die US/UK-Truppe besteht aus Gitarrist Steve Moore von STORMZONE und Sänger David Brown von CHAOS FRAME, “Fireland IV” ist ihr – Trommelwirbel – viertes Album, weitgehend selbstgebastelt und bietet Heavy Metal mit Power-Metal-Einflüssen über elf Songs und mehr als 50 Minuten. Dass Eigenproduktionen nicht zwangsläufig nach Keller klingen müssen, beweist “Fireland IV” eindrucksvoll. Vielleicht ist das Ganze ein kleines bisschen höhenlastig, nichtsdestotrotz jedoch absolut sauber, mit ordentlich Druck, Definiertheit und Härte. Sehr angenehm.
Sehr angenehm auch die professionelle und detailverliebte Gesangsleistung von David, die den nicht minder professionell und detailverliebten instrumentalen Ergüssen zusammen mit den starken Backing Vocals hochgradig gut tut.
Und das Gelobe hat gerade erst begonnen, denn jetzt geht’s zu den Songs und auch hier gewinnt “Fireland IV” auf ganzer Linie. Das ist klassischer Heavy Metal mit einigen hörbaren MAIDEN-Einflüssen, beispielsweise beim Opener “Evil Voyage”, das im Chorus nach “Mother Of Mercy” in weniger nervig und mehr heavy klingt, oder beim nach jedem ruhigen MAIDEN-Intro klingenden ruhigen Intro von “Banished”. Dementsprechend gibt es schon ein paar Passagen, die etwas nach guter Stilkopie schmecken, doch ist die Platte eben massig mehr als das. Gerade in den Refrains zeigen FIRELAND ein krasses Händchen fürs Melodien Schreiben. Fast jeder Chorus ist ein potenzieller Ohrwurm, der sich von den anderen absetzt und weit über dem agiert, was man von Bands dieser Größe gewohnt ist. Am unspektakulärsten sind wohl dahingehend noch “N.D.E.”, am ehesten der Lückenfüller des Albums und “Winged Victory”, das schon meilenweit abseits eines Lückenfüllers unterwegs ist. Ansonsten ist schwer zu sagen, welcher Song am ehesten heraussticht. Ist es die nachdenklich-verzweifelte Ballade “Let The Witch Out”, die druckvolle Power-Metal-Halbballade “Carve My Name In Stone” (Jap, beide Balladen sind gelungen!) oder “Banished” mit Gastsängerin Mariko Gray, die einen hammerharten Job hinlegt und eigentlich unbedingt in einer bekannten Band singen sollte? Oder ist es vielleicht das aggressive, fast thrashige “Rule 13” mit seinem leichten QUEENSRYCHE-Feeling oder das klassisch anmutende “Battlefield” mit seinen cheesigen Hard-Rock-Gitarren im Refrain? Vielleicht auch “Fallen III”, auch ein MAIDEN-Riff und ein Chorus allererster Güte, oder das finale “Hurricane”, dessen emotionaler Refrain von Davids Gesangsleistung nochmal emotionaler wird und ein perfekter Endtrack ist? Freunde, ich kann es nicht sagen. Aber ich bin gut begeistert.

Anspieltipps:
Ihr habt das Dilemma mitbekommen. “Banished”, “Hurricane”, “Fallen III”, “Rule 13” und “Carve My Name In Stone”, wenn ich schon ’ne Auswahl treffen muss.

Fazit:
Gekonnt produziert, meisterlich gesungen, intelligent und mit Herz komponiert. “Fireland IV” ist der Heavy Metal mit beeindruckendem Niveau, den man leider meist nur durch Zufall irgendwo in den Tiefen des Internets findet. Nun, Ihr seid nun darauf aufmerksam gemacht worden. Geht, höret und genießt!

WERTUNG:

Trackliste:

01. Evil Voyage
02. Dragon Slayer
03. Banished
04. Let The Witch Out
05. Rule 13
06. Carve My Name In Stone
07. Fallen III
08. Winged Victory
09. Battlefield
10. N.D.E.
11. Hurricane

Jannis