TAILGUNNER – Crashdive EP

Trackliste:

01. Shadows Of War
02. Guns For Hire
03. Revolution Scream
04. Crashdive

 

 

 

 

 

Spielzeit: 16:15 min – Genre: Heavy Metal – Label: Eigenvertrieb – VÖ: 19.06.2022 – Page: www.tailgunnerhq.com

 

Kurz vor der Pandemie 2019 gegründet, und 2020 personell mit den „Überresten“ von MIDNIGHT PROPHECY komplettiert, warten die britischen Metaller TAILGUNNER jetzt mit ihrer ersten EP auf. Die Debüt-Single „Guns For Hire“ war bereits am 04. Januar am Start und gab dem neuen Jahr einen gehörigen Kickstart und die Gewissheit, dass auch 2022 in musikalischer Hinsicht ein tolles Jahr werden kann. Nach einer erfolgreichen UK Tour (die zweite steht bereits vor der Tür) haben Craig Cairns (vocals), Zach Salvani (guitars), Patrick van der Völlering (guitars), Tom Hewson (bass) und Sam Caldwell (drums) ihre 4 Tracks umfassende EP „Crashdive“ angekündigt. Aufgenommen in einer viktorianischen Kapelle in Liverpool und von Olof Wikstrand (ENFORCER) als Engineer unterstützt macht der Fünfer absolut keine Gefangenen.

„Guns For Hire“ geht gnadenlos nach vorne und weckt Erinnerungen an Bands wie PEGAZUS oder eben auch ENFORCER aus der jüngeren Garde sowie natürlich die großen Vorbilder IRON MAIDEN, HELLOWEEN und JUDAS PRIEST. TAILGUNNER gehen absolut back to the roots in die Achtziger und wühlen sich durch das komplette Jahrzehnt mit all seinen Highlights aus diesem Bereich des Heavy Metal. Als zweite Single wurde mit „Revolution Scream“ ein weitaus massenkompatiblerer Track auserkoren, der schon ziemlich an ENFORCER erinnert – Klasse! Unlängst haben die fünf jungen Briten den Titeltrack ihrer nun vorliegenden EP ausgekoppelt, ein weiteres Stück klassischen Heavy Metals, der mit seinen eingängigen Melodien genauso zu überzeugen weiß wie mit seiner instrumentalen Umsetzung. Textlich bedienen sich TAILGUNNER hier einer Thematik aus dem 2. Weltkrieg, als deutsche U-Boote das äußerst gefährliche Crashdive-Manöver durchgeführt haben, um einem gegnerischen Luftangriff zu entgehen. Fehlt nur noch der Opener „Shadows Of War“, der bisher unveröffentlicht war. Mit stampfendem Groove ist auch diese Nummer der wohl puristischste Metal, den man sich vorstellen kann.

Eine Überraschung ist TAILGUNNER mit ihrer EP „Crashdive“ absolut gelungen. So kompromisslos oldschool, dennoch frisch und absolut glaubwürdig hat sich schon lange kein Newcomer mehr in dieser Szene präsentiert. Bisher hat die Band noch keinen Plattenvertrag, das sollte aufgrund dieses Tonträgers aber sehr bald Geschichte sein.

Stefan

MONARCHIST – Cosmos

Trackliste:

01. Feeding Time
02. Niche
03. Crystallized
04. A Closer Moon
05. Swarm Intelligence
06. Days Of The Sun
07. Shedding Skin
08. Mass Appeal
09. Amber Room
10. Cosmos

 

Spielzeit: 49:18 min – Genre: Heavy Rock – Label: Eigenveröffentlichung – VÖ: 01.07.2022 – Page: www.facebook.com/Monarchistband

 

Ach, Debutalben… Irgendwann muss da jede Band mal durch und kann nur inständig hoffen, dass man den Startschuss der Karriere nicht irgendwann gerne an einem dunklen Ort vergraben möchte, um seine unbeholfenen ersten Schritte in der Öffentlichkeit möglichst vor seinem zukünftigen Publikum zu verstecken. Ein Problem, das MONARCHIST erfreulicherweise nicht haben, denn, damn, ihr Erstwerk „Cosmos“ kann sich aber sowas von sehen lassen. Zehn Songs beinhaltet die Platte des jungen Düsseldorfer Quartetts, sauber produziert und eingespielt – nicht mit dem High-End-Drucklevel, dass ein Oberklasse-Studio hätte hineinpacken können, aber nicht dramatisch weit davon entfernt.
Sänger René hat eine Stimme, die man intuitiv im Doom Metal erwarten würde, die er jedoch dem Stil von MONARCHIST angemessen einzusetzen weiß. Getragen, würdevoll und etwas tiefer als erwartet (Bariton, wie ein Mensch mit Hornbrille sagen würde) ist er für einen individuellen Sound eine hervorragende Wahl, die „Cosmos“ von vielen anderen Rock- und Metal-Veröffentlichungen abhebt.
Doch was ist der Sound, der Stil von MONARCHIST eigentlich? Die Band bezeichnet es als Heavy Rock, dem kann man sich in Ermangelung besserer Ideen anschließen. Metallische Elemente sind zweifelsohne vorhanden (Doom-Metal-Anleihen im Opener, Power Metal im Solo von „Crystallized“, einiges an Heavy Metal im Grundsound), ebenso aber auch Alternative Rock und Hard Rock. Dass „Cosmos“ sich so wenig in Schubladen stecken lässt, liegt wohl vor allem an der Kombination von außergewöhnlichem Gesang, teils wirklich gemeinen Riffs (Wer beim Riffeinsatz von „Shedding Skin“ nicht zumindest ein bisschen das Gesicht verzieht, ist zu cool für diese Welt) und Melodien, die gerade in den Refrains tatsächlich eingängig – im Sinne von: mit gutem Ohrwurmpotenzial – daherkommen, was inzwischen gar nicht unbedingt mehr die Regel ist. Beim Schreiben dieser Melodien hat man sich offenbar kaum Gedanken gemacht, ob sie nun genrekonform sind oder nicht, ist nicht mit einem speziellen Genre im Kopf an die Sache herangegangen, sondern hat das gemacht, worauf man eben Bock hatte – und damit bereits jetzt einen eigenen Stil mit Wiedererkennungswert geschaffen, der starkes Entertainmentpotenzial hat. Ein witzig asozial stumpf endendes Riff direkt im Opener? Ein Zitat von Bachs Menuett in G-Dur? Ein bisschen melancholisch-skandinavisches Feeling zwischendurch? Klar, wenn’s passt, immer rein damit!
Gut, einen hörbaren Einfluss sollte man schon nennen, nämlich GHOST, die Sänger René seinen zahlreichen YouTube-Covervideos der Band zufolge sehr gerne hat, und die ein wenig Impact auf so einige der Songs, hinsichtlich von Harmonien, Melodielines und Kompositionsstrukturen, hatten. Ebenso hinsichtlich der Instrumentierung bei seltenem Orgel- oder Chor-Einsatz. Was geil ist, hört man halt sonst echt nicht häufig und bleibt Inspiration, ohne abkupfernd zu wirken.
Kritik? Joah. Der Titeltrack ist als Klavier-Instrumental gehalten und fällt ein wenig aus dem Gesamtwerk heraus. Hier hätte man beispielsweise einige Motive aus dem vorangegangenen Album noch einmal unterbringen können. Dazu kommt der Chorus von „Amber Room“ etwas zu simpel für den Rest des Songs und „Mass Appeal“ ist eigentlich ein Maximal-Drei-Minuten-Song, der aber vier Minuten einnimmt. Und ab und an wollen die Texte subjektiv nicht so ganz zur Stimmung der Musik passen („Imma gonna keep it real“ will ich nicht als Refrainzeile in einem solchen Album). Aber…

Fazit:
Aber als Ganzes genommen ist „Cosmos“ nicht geil dafür, dass es ein Debutalbum ist; es ist einfach ein geiles Album mit teils erfrischender Unbedarftheit, teils absoluter Seriosität, durchgehender Professionalität und praktisch ohne Leerlauf. Kann ich jedem ans Herz legen, der kompositorisch mal Bock auf Musik abseits der gewohnten Genre-Songwriting-Floskeln hat, der es nicht aus Prinzip immer ultra-heavy braucht und der genießt, wenn ein Album kein Flickenteppich aus bereits Dagewesenem ist, sondern einfach der Kreativität einer musikalisch zweifelsohne gebildeten Truppe entspringt.

Anspieltipps:
„Shedding Skin“, Days Of The Sun“, „Feeding Time“ und „A Closer Moon“

Jannis

DEVIL´S TRAIN – Ashes & Bones

Trackliste:

01. The Devil And The Blues
02. Girl Of South Dakota
03. Rising On Fire
04. You Promised Me Love
05. Ashes And Bones
06. More
07. In The Heat Of The Night
08. Smell Sex Tonight
09. Rock´n Roll Voodoo Child
10. Hold The Line
11. Man With A Gun
12. Word Up (CAMEO Cover)

Spielzeit: 46:02 min – Genre: Hardrock, Heavy Metal – Label: Rock Of Angels Records – VÖ: 24.06.2022 – Page: www.facebook.com/devilstrain

 

Es rappelt wieder im Karton. Die Band um Sänger Roberto Dimitri Liapakis (MYSTIC PROPHECY) geht in die dritte Runde. Zusammen mit Schlagwerker Jörg Michael (STRATOVARIUS, AXEL RUDI PELL, GRAVE DIGGER, RUNNING WILD, RAGE etc.) und den beiden Neuankömmlingen Jens Becker am Bass (GRAVE DIGGER, RUNNING WILD) und Gitarrist Dan Baune (LOST SANCTUARY) hat der Shouter nicht nur eine illustre Truppe um sich geschart, sondern zum 10-jährigen Bandjubiläum auch Album Nummero 3 eingetütet. Mit ihrem frischen Mix aus Heavy Metal, Blues und Hardrock konnte die Truppe mit ihren beiden Vorgängern schon für einiges an Aufsehen sorgen. Für das neue Album hat sich der Vierer viel vorgenommen. Der Sound ist über jeden Zweifel erhaben – er ist laut, modern, heavy und doch irgendwie zeitlos. Die Songs sind noch ausgereifter, noch eine Prise sexier und lassen kaum Luft zum Atmen. Das liegt natürlich nicht nur am drückenden Sound von „Ashes & Bones“ und an den Könnern an den Instrumenten, sondern auch an J.D. Liapakis, einem echten Powerhouse-Sänger.

Los geht die wilde Fahrt mit dem stampfenden „The Devil And The Blues“, das sich lasziv um die Stange windet wie eine erstklassige Stripperin. „Girl From South Dakota“ schiebt an wie eine Dampfwalze, bevor „Rising On Fire“ die Hardrockseite der Band herausschält. Alle Maschinen sind auf Betriebstemperatur, das beweisen auch melodischere Songs wie „You Promised Me Love“ oder „In The Heat Of The Night“. Stoisch und heavy präsentieren sich indes der tolle Titeltrack oder „Man With A Gun“. Zum Abschluss gibt es noch eine extra Prise Fun in Form der CAMEO-Coververision „Word Up“. Nicht wirklich neu, aber durchaus hörenswert.

Auf „Ashes & Bones“ haben DEVIL´S TRAIN die für mich optimale Mischung aus Härte, Melodie und Coolness getroffen. Recht viel mehr geht nicht. Die Stücke sind durchweg stark und es scheint, als würde kein Blatt Papier zwischen die Protagonisten passen. Anders kann ich mir eine solch starke Leistung nicht erklären. Das teuflische Dampfross ist nicht zu stoppen und sollte mit diesem Brett sicher noch den ein oder anderen Fan dazu gewinnen können. Happy 10th anniversary guys!

Stefan

EVIL – Book of Evil

Trackliste:

01. A Terrible Thing
02. Divine Conspiracy
03. Evil Never Dies
04. Future Denied
05. The Raven Throne
06. King of the Undead
07. Beyond Mind Control
08. Sanctuary
09. Storm Warning
10. Evils Message
11. Book of Evil

Spielzeit: 46:48 min – Genre: Heavy Metal – Label: From the Vaults – VÖ: 27.05.2022 – Page: www.facebook.com/evilmetaldk

 

Die Band EVIL war schon immer sehr stark in der dänischen Underground Szene verwurzelt und vermutlich nur Insidern bekannt!
In den 80igern veröffentlichte man die einzige EP „Evil`s Message“ verschwand dann irgendwann von der Bildfläche und tauchte dann 2015 mit dem Album „Shoot the Messenger“ mit dem einzigen verbliebenen Originalmitglied Schlagzeuger Freddie Wolf und Sänger Soren Nico Adamsen (ARTILLERY) wieder aus der Versenkung auf.
Nun 7 Jahre später ist die Band, weiterhin angetrieben von Freddie Wolf, wieder zurück mit ihrem zweiten kompletten Album „Book of Evil“ und man hat mit Martin Steene (IRON FIRE) einen neuen Sänger im Gepäck!
Geboten wird uns wie eh und je klassischer, teilweise recht düsterer Heavy Metal.

Das beweist zwar noch nicht das Cinematic Intro „A Terrible Thing“ aber die anschließende Video Single „Divine Conspiracy“ umso mehr. Knochentrocken ballern uns hier die Riffs um die Ohren und über allen thront der charismatische Gesang von Fronter Martin Steene. Er passt perfekt zur Mucke finde ich, eine gute Wahl!
Der Song ist recht eingängig aufgebaut und ist somit ein guter quasi Opener der definitiv Lust auf mehr macht.
Und dieses mehr wird gleich mal erfüllt, nämlich mit den nächsten klasse Songs in Form von „Evil Never Dies“, „Future Denied“ „The Raven Throne“ und „King of the Undead“. Klassischer, düster angehauchter Heavy Metal der trotz seiner Härte immer melodisch und eingängig aus den Boxen tönt!
Somit verging die erste Hälfte des Albums doch schon mal wie im Flug, mal schauen was uns in der zweiten Hälfte so erwartet?
Auf jedem Fall wird mal kein Millimeter vom bisherigen Sound abgewichen und es geht weiter im klassischen, düsteren Heavy Metal zur Sache.
Das flotte „Beyond Mind Control“ macht den Anfang, danach folgt das epische „Sanctuary“, das überlange „Evils Message“, welches etwas Anlauf braucht, und das abschließende „Book of Evil“ welches ebenfalls schön episch und wunderbar eingängig daherkommt.
Was ein geiler Abschlusstrack!
Dazwischen haben wir mit „Storm Warning“ tatsächlich nur einen Song, der etwas aus der Reihe fällt und eher in die Kategorie Standard Metal zu zählen ist. Ansonsten ist hier alles auf einem absolut hohen Niveau!

Nach dem ersten Hören bin ich noch nicht wirklich warm geworden mit dem neuen Album von EVIL, aber so nach und nach zeigte sich das volle Potential der Scheibe und mit dem neuen Sänger Martin hat man die passende Stimme zum düsteren Sound gefunden, auf den man hoffentlich aufbauen kann!
Achtung liebe klassische Metalfans, hier kommt ein kleiner Geheimtipp für euch, geile Scheibe!

Julian

 

BLACK BEER – Take The Freedom

Trackliste:

01. Intro
02. The Night Is Ready
03. Take The Freedom
04. The King Of Water
05. The Gift
06. Now Or Never
07. Angel
08. Turn Off The Pain
09. Sweet Life
10. Hot Demon


Spielzeit:
36:49 min – Genre: Hardrock, Heavy Metal – Label: Pure Steel Records – VÖ: 13.05.2022 – Page: www.facebook.com/BlackBeer

 

Also, das ist doch mal eine interessante Mischung: ein amerikanischer Klassiker auf dem Plattencover, ein Bandname mit „Bier“ – was soll da noch schief gehen? OK, ich bin jetzt nicht der große Schwarzbier-Fan (im kulinarischem Sinne) und auch keiner des VW Golf der Amerikaner, aber das Interesse ist doch geweckt. Die Newcomer BLACK BEER schicken sich mit ihrem Debüt „Take The Freedom“ als internationales Projekt an, die Hardrockwelt ein Stückchen abwechslungsreicher zu gestalten. Natürlich möchten BLACK BEER als Band verstanden werden, und das sind sie auch, dennoch ist die unterschiedliche Herkunft der einzelnen Musiker ein Aspekt, der hier Erwähnung finden sollte. Erst 2021 in Südfrankreich gegründet, sind BLACK BEER ein Zusammenschluss aus dem argentinisch-stämmigen Sänger Ivan Sencion, den venezolanischen Brüdern Emmy (guitars) und Emil Reyes (bass) sowie dem französich-venezolanischen Gitarristen Bertrand Cape und dem französischen Drummer Silwayn Vidal.

Verschrieben haben sich die Jungs einem Mix aus WHITESNAKE, VAN HALEN und GUNS´N ROSES mit modernem Sound – so die Promo-Info. Dann wollen wir mal lauschen: das mit dem modernen Sound stimmt schon mal – nach dem Intro ballert „The Night Is Ready“ knackig mit metallischem Riffing aus den Boxen. Die Stimme von Ivan Sencion ist kraftvoll, erinnert das ein oder andere Mal an Ronnie Romero, ein klein bisschen David Coverdale ist sicher auch zu finden. Dennoch ist Ivan – sowie die gesamte Band – eher in Richtung Metal als Rock unterwegs, der Opener erinnert in Fragmenten auch an Bands wie SINNER. Aber: guter Einstieg. Der folgende Titelsong ist weitaus rockiger und offenbart schon eine gewisse WHITESNAKE-Schlagseite. Im weiteren Verlauf können Songs wie „Sweet Life“ punkten und bei „The Gift“ bzw. „Turn Off The Pain“ schlagen BLACK BEER sogar weitaus softere Töne an. Im Gegenzug gibt es leider auch einige schwache Tracks zu begutachten („Angel“, „Now Or Never“ etc.) und das Pulver der französisch-venezolanischen Kollaboration ist relativ schnell verschossen.

„Take The Freedom“ ist ein kein schlechtes Debütalbum. Dennoch ist noch gut Luft nach oben. Das will zwar sicher keine Band hören bzw. lesen, aber im Falle von BLACK BEER sollte es positiv und als Ansporn verstanden werden. Ich hör jetzt noch mal in das starke Trio „The Night Is Ready“, „Take The Freedom“, „Sweet Life“ rein und das solltet Ihr auch!

Stefan

RF FORCE- RF FORCE

Trackliste:

01. Fallen Angel
02. Old School Metal
03. Flying Dogs
04. The Beast and the Hunter
05. Creeps of the World
06. In the Heart and Mind
07. Fighter
08. Will you Remember?
09. Beyond Life and Death
10. M.O.A.B

 

Spielzeit: 48:55 min – Genre: Heavy Metal – Label: Black Lion Records – VÖ: 29.04.2022 – Page: www.facebook.com/rfforcemetal

 

Mit der brasilianischen Band RF FORCE haben wir mal wieder einen Newcomer bei uns der dieser Tage ihr selbstbetiteltes Debütalbum auf den Markt bringt.
Musikalisch ist man eher im Oldschool oder Traditionellen Heavy Metal der Marke DIO, JUDAS PRIEST oder SAXON unterwegs, wobei das mit einer sehr modernen und druckvollen Produktion hinterlegt ist. Was dann dazu führt das die Songs zu keiner Zeit altbackend daherkommen!

Also, die 80iger Fans unter uns sollten jetzt mal etwas genauer lesen, wenn wir uns dem Debütwerk mit dem Opener „Fallen Angel“ widmen. Satte Riffs ertönen und mit einem Scream wird die Nummer eröffnet.
Die Beschreibung hat nicht gelogen, traditioneller Heavy Metal wird uns hier geboten der gut ins Ohr geht und einfach gefällt.
Passend dazu gibt es dann das folgende „Old School Metal“ wozu man dann so richtig gut abgehen kann! Die Nummer lädt zum Bangen quasi ein und begeistert ebenfalls direkt auf Anhieb.
Ein Wort noch zwischendurch zur Produktion, die ist auch mehr als ordentlich, so wie angekündigt.
Mit der letzten Vorabsingle „Flying Gods“ wird dann das erste Drittel abgeschlossen. Glanzpunkt hier ist mit Sicherheit der Refrain der einen schon nach kurzem nicht mehr loslässt und den Track schön eingängig macht!
Hier sind auch klare SAXON Vipes zu spüren, die sich dann auch in den folgenden Songs „The Beast and the Hunter“ und „In the Heart and Mind“ klar fortsetzen.
Mit dem erdigen und groovenden „Fighter“ wird dann der sehr ordentliche Mittelteil abgeschlossen und es ist Zeit für die letzten drei Songs.
Hier geht es dann eher in die Standardmetalecke, alles ist zwar nicht schlecht gemacht, kann aber nicht wirklich mit den bisherigen Hits mithalten!

So ein bisschen geht den Jungs von RF FORCE am Schluss zwar die Luft aus, aber davor hat man den Fans des klassischen Heavy Metals ein starkes Debütalbum präsentiert.
Gesanglich ist hier alles in Butter, die Produktion knallt auch ordentlich und von daher ist es schön mal wieder eine brasilianische Band zu haben die eher im traditionellen Metal zu Hause ist!

Julian

 

THE HERETIC ORDER – III

Trackliste:

01. Prologue
02. Children Of The Sun
03. King Of The Damned
04. Dark Shadows
05. Burn This World
06. The Conjurer
07. Mark Of The Beast
08. Spirits Of The Night
09. Deaf Forever
10. Spiders
11. Invictus
12. Epilogue

Spielzeit: 47:54 min – Genre: Occult Metal – Label: Massacre Records – VÖ: 27.05.2022 – Page: www.facebook.com/thehereticorder

 

„Occult Metal“ – Oh je, ist da etwa wieder ein Review-Schreiber auf die fancy Eigenbezeichnung einer Band reingefallen, anstatt ihre Platte sachlich und objektiv als Heavy, Thrash, Death oder Black Metal zu bezeichnen? Jaah, vielleicht ein bisschen. Dann wiederum wird mit dieser Kategorie „III“, das dritte Album der Briten von THE HERETIC ORDER, ziemlich optimal beschrieben, denn wirklich genretechnisch einordnen lässt sich das Ding sonst nicht. Das ist darauf zurückzuführen, dass sich das Quartett munter bedient, wo immer es ihm passt. Thrash- und Black-Metal-Einflüsse finden hier auf einem Oldschool-Heavy-Metal-Fundament der düsteren und harten Sorte statt, mit einem Händchen für absolut gemeine Riffs und Songstrukturen, die jenen Genremix hervorragend zu einem großen Ganzen vereinen. Die zehn Songs werden zweifelsohne zudem von absoluten Profis zum besten gegeben – „III“ ist klar ein Album, bei dem jeder Beteiligte absolut wusste, was zu tun war.
Auch Dominus DF Ragnar hinsichtlich der Vocals. Ja, wer okkulten und mehr oder weniger melodischen Metal macht und dazu gesangstechnisch extrem theatralisch unterwegs ist, muss sich den MERCYFUL FATE/KING DIAMOND-Vergleich gefallen lassen und diese Beiden sind offensichtlich durchaus Inspirationsquellen für THE HERETIC ORDER. Doch hat man hier das hohe Falsett eingetauscht für verstärkten Einsatz von unklaren Vocals, von biestigem Fauchen bis hin zu einwandfreien Growls; alles jeweils dort eingesetzt, wo es Sinn ergibt. Das bedeutet, dass der ein oder andere Song auch mal weitestgehend unmelodiös ausfällt, während bei anderen die Melodiearbeit deutlicher ist, ohne auch nur ansatzweise in Ohrwürmer abzudriften.
Und all das ist getränkt in eine düstere, böse Atmosphäre, die zusätzlich durch stimmig eingesetzte Sounddesign-Elemente verdichtet wird und lediglich beim überraschend straighten, eher klassischen Rocker „Deaf Forever“ nicht ganz so präsent ist.

Fazit:
THE HERETIC ORDER sind so eine der Bands, die in den USA der 80er-Jahre als satanisch und die Jugend vergiftend bezichtigt worden wären (und wer hat dafür nicht ein bisschen Liebe übrig?). Und wer eine dichte Horroratmosphäre in seinem Metal mag, dabei aber eben auch geil geschriebenen, intonierten und produzierten Metal, über den sich die Beteiligten echt Gedanken gemacht haben, der wird mit „III“ ähnlich gut bedient wie beispielsweise mit dem, was THEM in letzter Zeit so machen!

Anspieltipps:
„King Of The Damned“, „Spirits Of The Night“, „Spiders“ und „Invictus“

Jannis

FER DE LANCE – The Hyperborean

Trackliste:

01. Aurora Borealis
02. The Mariner
03. Ad Bestias
04. Sirens
05. Northern Skies
06. Arctic Winds
07. The Hyperborean

 

 

 

Spielzeit: 52:45 min – Genre: Epic Heavy Metal – Label: Cruz Del Sur Music – VÖ: 22.04.2022 – Page: www.facebook.com/FerdeLanceMetal

 

Wäre man spöttisch, könnte man behaupten, dass manche Alben versuchen, das Label „Underground“ als Kaufgrund darzustellen, wobei mit „Underground“ meist eine schlechte unpolierte Produktion und 08/15-Songwriting gemeint ist. „Hier, es klingt nach Kelleraufnahme, kauf die Version mit dem Patch dabei!“
„The Hyperborean“ passt hinsichtlich des Sounds erst einmal in diese Kategorie, mit einer weitestgehend von Höhen befreiten Snare und generell recht kraftlosen Drums in einer ziemlich verwaschenen Produktion. Großes Aber.
Das Debutalbum der Amerikaner von FER DE LANCE ist in Sachen Sound und Songwriting alles andere als aktuell, wobei diese spezifische Mischung der Art des Sounds und des Songwritings aber einen ziemlich krassen musikalischen Brocken inszeniert, den man keineswegs nur hört, weil er undergroundig klingt. Die Platte umfasst sieben Songs auf 52 Minuten Laufzeit (der letzte davon elf Minuten lang), man nimmt sich also Zeit, und das zurecht.
Das Konzept des Albums: Man nehme eine präsente Akustikgitarre und die übliche Metal-Besetzung, füge Hall und ein bisschen unaktuelles Sounddesign hinzu, das man eher auf einem 90er-Jahre-Black-Metal-Album erwarten würde. Und dann mache man damit eine atmosphärische, klangwandige Mischung aus Heavy, Power, Folk, Epic und Black Metal. Spannend dabei, dass tatsächliche Black-Metal-Parts inklusive der dazu passenden Vocals sehr rar sind (hauptsächlich vorhanden auf „Arctic Winds“, dem straightesten und aggressivsten Song des Albums), dafür aber Black-Metal-Elemente wie Blastbeats, klirrende Gitarrenwände in entsprechender Produktion und sorgfältig ausgearbeitete Riffs gerne mit ansonsten melodischem Metal kombiniert werden und all das wahnsinnig breit aus den Boxen schwillt.
Damit erledigen sich dann anfängliche Kritikpunkte am Klang, denn als mächtige, heißkalte Klangwand funktioniert die Produktion sehr gut. MPs Gesang (ja, so wird sein Name offiziell geführt) ist paradoxerweise gleichzeitig roh und operesk und passt zur Musik und die Kompositionen sind äußerst individuell charakterstark – keine Ohrwürmer, aber das will „The Hyperborean“ natürlich auch nicht liefern.
Qualitativ bleibt lediglich „Northern Skies“ etwas zurück, mit seinem Versuch, Heavy Metal mit Akustik- statt E-Gitarren umzusetzen. Der Rest der Songs überzeugt hingegen durch extreme Intensität, gute Aufbauten sowie ein interessantes und stimmiges Klangbild. Man befindet sich im schwer erreichbaren Raum zwischen BATHORY und RAINBOW, sagt der Promotext dazu. Das trifft es irgendwie ziemlich gut auf den Punkt, und FER DE LANCE wissen diesen Raum unkonventionell geil einzurichten.

Fazit:
„The Hyperborean“ hat all das, was „Underground“-Metal attraktiv macht: Songwriting, dass sich vom Mainstream abhebt, Ideen, die für die breite Masse nicht funktionieren mögen, für Liebhaber aber eben bestens, Mut, Freiraum zur eigenen Entfaltung und zweifelsohne Gesamtqualität, die das mühevolle Graben nach wertvollen Schätzen unter der Erdoberfläche doch absolut rechtfertigt!

Anspietipps:
„Ad Bestias“, „Sirens“ und „Arctic Winds“

Jannis

BÖLLVERK – Heading the Crown

Trackliste:

01. Ask the Angel, Listen to the Devil
02. Let`s Ride Till Dawn
03. Good Morning Rock n Roll
04. Heading for the Crown
05. The 7th No
06. Master of Thunder
07. Live Fast
08. Next Level of Service
09. Someday we will Die

 

 

Spielzeit: 44:05 min – Genre: Heavy Metal – Label: Eigenproduktion – VÖ: 22.04.2022 – Page: www.boellverk.de

 

Zeit mal einem deutschen Newcomer eine Chance zu geben! Die Band BÖLLVERK, die sich 2018 gründeten, kommt dieser Tage mit ihrem Debütalbum „Heading the Crown“ um die Ecke und bietet uns darauf klassischen Heavy Metal der Marke ACCEPT, RUNNING WILD oder WARLOCK.
Letzteres ganz klar aufgrund des personellen Neuzugangs in der Band!
Denn, nachdem auf dem Demo „Let`s Ride Till Dawn“ noch Gitarrist Zahn am Gesang zu hören war, gibt es nun mit Svenja eine neue Sängerin, die von Zahn unterstützt wird.
Und dass dieser Wechsel sich mehr als bezahlt macht finden wir nun zusammen heraus, indem wir dem Opener „Ask the Angel, Listen to the Devil“ lauschen.
Erdige Riffs erwarten uns direkt zu Beginn und schon nach kurzem ertönt die Stimme der neuen Sängerin Svenja die wirklich sehr gut zur Mucke passt. Da haben die Jungs einen echten Glücksgriff gemacht!
Zahn lässt es sich aber nicht nehmen auch noch ein paar Backing Vocals beizusteuern, eine gute Mischung, das tönt gut würde ich sagen!
Das schon bekannte „Let`s Ride Till Dawn“ folgt dann als Nächstes und auch hier wirkt sich Svenja absolut positiv auf den Gesamtsound aus, bemerkenswert wie sich eine Charakteristik eines Songs direkt ändert. Coole Nummer, die einfach nur Laune macht.
Über den Standardmetalsong „Good Morning Rock N Roll” geht es zum Titeltrack „Heading for the Crown” der wieder ins obere Qualitätsregal greift und eine Old School Heavy Metal Perle vor dem Herrn ist!
Also ich muss schon sagen für ein Debütalbum und für eine Eigenveröffentlichung schlägt sich die Band mehr als beachtlich bislang!
Und auch in der Folge gibt es noch den ein oder anderen Hit zu entdecken, „The 7th No“, das epische „Master of Thunder“ oder das abschließende „Someday We Will Die“ sind z.B. solche.
Der ein oder andere Standardmetaltrack hat sich zwar auch eingeschlichen, aber insgesamt überwiegen hier klar die Songs aus dem oberen Qualitätsregal!

Das Debütalbum von BÖLLVERK kommt zu keiner Zeit billig oder angestaubt daher. Nein hier geht es frisch und unverbraucht zur Sache und meistens schön songdienlich! Ganz großer Pluspunkt im Vergleich zu den früheren Songs ist auf jeden Fall die neue Sängerin Svenja, die den Tracks eine ganz eigene Note und den letzten Kick verpasst!
Da haben die Jungs einen absoluten Glücksgriff gelandet!
Wer auf frischen Oldschool Heavy Metal mit weiblichem Gesang steht sollte hier auf jeden Fall zugreifen und die Band unterstützen!
Einen Fan mehr haben sie auf jeden Fall schon : )

Julian

 

 

 

AERODYNE – The Last Days Of Sodom

Trackliste:

01. Angband
02. Razor´s Edge
03. Dust To Dust
04. Innocence Lost
05. Whirlwind Of Fire
06. Endgame
07. Last Days Of Sodom
08. Alien Front
09. Blood In The Water
10. 100 Days Of Death
11. Children Of The Sun

Spielzeit: 56:24 min – Genre: Heavy Metal – Label: ROAR – VÖ: 22.04.2022 – Page: www.facebook.com/aerodyneofficial

 

Ist das denn die Möglichkeit? Beim Hören der neuen Platte der schwedischen Metaller AERODYNE ringt man mit der Einleitung zur eigenen Rezi, blättert so in der Rock Garage rum, stößt auf die Besprechung des Kollegen Jannis zum Vorgänger „Damnation“ von 2019 und stellt fest, dass es ihm seinerzeit ähnlich schwer fiel, ein geeignetes Intro für die Rezension zu finden. Wie geil! Dabei war die Begeisterung für AERODYNE beim Schauen des aktuellen Videoclips zu „Razor´s Edge“ vor einiger Zeit ziemlich groß. Cooler Song, cooler Clip – schön retro, aber irgendwie doch zeitlos. Ähnlich hantierten Kapellen wie ENFORCER in der jüngeren Vergangenheit – und das auf ziemlich hohem Niveau. Und ebenfalls mit recht großem Spektrum zwischen melodischem Hardrock und handfestem Heavy Metal.

Das können AERODYNE auch. Denn auf dem „The Last Days Of Sodom“ betitelten Dritttwerk finden sich sowohl Rocksongs wie „Endgame“ als auch kernige Metaller („Dust To Dust“) und High-Speed-Granaten wie „Angband“. Einzig die Qualität der meisten Stücke kann über weite Strecken nicht den Kollegen mithalten. Songs wie „Alien Front“ oder „Innocence Lost“ sind einfach nur langweilig und erreichen den Hörer nicht einmal nach zahlreichen Wiederholungen. Gleich drei mal versuchen die Schweden, mit überlangen Stücken zu punkten. Das gelingt in „Blood In The Water“ und „Children Of The Sun“ bedingt. Insgesamt gilt aber: zu abgedroschen sind die Phrasen, zu verbraucht die Riffs und Melodien. Handwerklich mögen AERODYNE gut drauf sein, der Sound geht in Ordnung (wobei die Drums ziemlich nerven), was den Jungs fehlt, ist ein Songschreiber.

Schade, der Appetizer „Razor´s Edge“ klang wirklich vielversprechend (siehe Video) – und es gibt sicherlich den ein oder anderen guten Song auf „The Last Days Of Sodom“ – zum großen Wurf hat auch die neue Platte von AERODYNE leider nicht das Zeug.

Stefan