MERGING FLARE – Revolt Regime

Band: Merging Flare
Album: Revolt Regime
Spielzeit: 43:44 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Ram It Down Records
Veröffentlichung: 10.06.2019
Homepage: www.mergingflare.om

Irgendwie hat die Arbeit bei der Rock Garage mein Leben entscheidend beeinflusst. Wie viele Alben ich in der Zeit in dem Laden kennengelernt habe, die über eine gewisse Zeit, seien es Monate oder eine komplette Jahreszeit, Soundtrack meines Lebens geworden sind. Ich habe das deutliche Gefühl, MERGING FLAREs “Revolt Regime” ist eins dieser Alben, wird mich über die Sommermonate vermutlich häufig abends an den Rheinstrand begleiten und die ein oder andere Party akustisch bereichern.
Bevor mein Hype beginnt, kurz die Fakten: Gegründet 2001, erstes Album 2011, veröffentlicht ausschließlich in Asien und in Finnland, dem Heimatland der Truppe. An der Gitarre Kasperi Heikkinen, der mal bei U.D.O./DIRKSCHNEIDER war und nun bei BEAST IN BLACK spielt. Mit letzteren hat MERGING FLARE allerdings wenig zu tun, oder sagen wir so: MERGING FLARE sind die klassischere Heavy-Metal-Variante von BEAST IN BLACK und noch nicht mal so kann man das eigentlich sagen. Eigentlich gar nicht, vergesst das. Jedenfalls ist die Produktion der Platte ordentlich fett, ohne ins allzu Gelutschte abzudriften, wie man das von BEAST kennt. Synthesizer sind präsent, aber um einiges dezenter und sehr geschmackvoll eingesetzt (Wenn ’n Song kein Synth braucht, kriegt er eben keins) und die Disco-Bumm-Zapp-Parts sind selten. Stattdessen regiert auf “Revolt Regime” ein astreiner Power-Heavy-Metal-Mix mit heftigem Wiedererkennungswert, der ab der ersten Sekunde zündet. Das Album ist eine hochgradig unterhaltsame Tour durch die verschiedenen Höhepunkte des Power- und Heavy Metal mit einer Flut an Melodien, die zwar hervorragend das Genre bedienen, dabei aber aus der Masse herausstechen. Das Ganze garniert mit hymnischen Backing-Choirs im Stil mittelalter GAMMA RAY, einem wandelbaren Sänger, der Kai-Hansen-Parts ebenso gut hinkriegt, wie ACCEPT-Parts (Generell erinnert die Stimme von Matias Palm in aggressiveren Momenten gerne mal an Mark Tornillo), stimmigen Synths und einer brutal fähigen Instrumentalfraktion, deren Talent sich nicht in fixem Standard-Geballer erschöpft.
Bereits “Trailblazers” mit seinem grandiosen Solopart und dem dienlichen Keyboard-Geschnatter im Hintergrund weiß zu begeistern. Ebenso das folgende “Alliance In Defiance”, quasi ein ACCEPT-Tribute, das allerdings wie alle Songs von MERGING FLARE mit ein paar entertainenden wie gelungenen Twists aufwartet. “Clarion Call” ist Gute-Laune-Power-Metal der feinsten Sorte. “The Abyss Of Time” kann man hingegen nicht so wirklich in Worte fassen. Ein bisschen BATTLE BEAST IN BLACK ist dabei und dazu ein so dermaßen durchgängig hohes Melodie-Niveau, dass dieser wirklich außergewöhnlich gelungene Track an dieser Stelle einfach schonmal als Anspieltipp befohlen vorgeschlagen werden muss. Mit “War Within” gibt’s zudem einen Ausflug in leicht progressive Gefilde mit ordentlich Druck hinter dem Kolben und mit “Midwinter Magic” einen Track, der ein wenig anmutet, als hätten STRATOVARIUS “Days Of December” von RAGE komponiert. Bisschen kitschig aber sauschön. Und der Rest, der hier keinen Platz mehr findet, ist auch stark, obgleich bei den letzten drei Tracks das Niveau minimal sinkt (daher der kleine Punktabzug).

Anspieltipps:
“The Abyss Of Time”, “Alliance In Defiance”, “Trailblazers” und “War Within”. Ach komm, und “Midwinter Magic”.

Fazit:
Ich hab lange nicht mehr so guten Heavy/Power-Metal in dieser Form gehört. Ordentlich Wucht, wenige Drachen und musikalisch ein hochinteressantes Ding, das auch durch seine wohlkalkulierten Stilbrüche eine fast fesselnde Spannung aufbaut. Das Ganze jedoch, ohne zu elitär oder zu poppig zu wirken, vielmehr mit einer Prise Humor, professionell und arsch-kurzweilig. Seriöse Reinhörempfehlung, Ihr verpasst sonst echt was. Ende der Rezension, muss jetzt wieder “The Abyss Of Time” hören gehen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Trailblazers
02. Alliance In Defiance
03. Clarion Call
04. The Abyss Of Time
05. Mind’s Eye (Reaching Out)
06. War Within
07. Midwinter Magic
08. Devastator
09. Sin Against The Sinner
10. The Lucky One

Jannis

BLACK HORIZON – Dark Light

Band: Black Horizon
Album: Dark Light
Spielzeit: 41:16 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Pure Steel Publishing
Veröffentlichung: 17.05.2019
Homepage: www.blackhorizon.fr

BLACK HORIZON sind eine der Bands, über die man im positiven Sinne nur wenige Worte verlieren müsste: geiler Heavy Metal, dank seiner kreativen Komposition abseits des 08/15-Kanons. Aber gut, widmen wir uns “Dark Light” mal etwas genauer, ist ja verdient. Vorher zur Band. Aus Frankreich kommt die Truppe, ist seit über zwei Jahrzehnten aktiv, hat es in der Zeit aber nur auf zwei Alben, ’ne Demo und eine EP gebracht. Und die letzte Veröffentlichung liegt auch schon amtliche neun Jahre zurück.
Zeit für ein Lebenszeichen also, das in Form von “Dark Light” nun in den Plattenläden lauert, mit Blaze Bayley und Andy Kuntz von VANDEN PLAS zwei bekannte Gastgesichter darbietet und angemessen produziert ist. Insbesondere die Vocals müssen an dieser Stelle erwähnt werden, die Backing Vocals fallen äußerst geschmackvoll arrangiert aus und generell ist die bei Bedarf recht raue Stimme von Frontmann Alex Puiseux eine schwere Bereicherung für die Platte. Singen kann er und manchmal klingt er wie Megadave Mustaine in motiviert. Auch der Rest der Band beherrscht sein Handwerk, die Grundvoraussetzungen passen also.
Wie bereits erwähnt: “Dark Light” ist Heavy Metal, gespielt im Standard-LineUp und somit gefährdet, unter der großen Konkurrenz erdrückt zu werden. Doch die Kreativität der Jungs weiß das zu verhindern. Der Chorus des Openers überrascht nach dem doch eher weniger harmonischen Einstieg mit Eingängigkeit und einer Melodie, die nicht zu den meistgeschriebenen des Genres gehört. Beim folgenden “Obsession” überzeugt bereits der starke Einstieg, der Chorus ebenso. Weniger harmonieorientiert fällt “Walking Close To Me” aus. Melodisch ist das Ding durchaus, aber in seiner Machart irgendwie ungewöhnlich.
Mit “Freedom” folgt dann ein entgegen aller Erwartungen kaum power-metallischer, stattdessen teils doomiger, teils midtempo-schleppender Track mit traditionell-asozialem Riff und einem an Ozzy erinnernden Chorus, bevor bei “Howling Like A Wolf” das Uptempo ausgepackt wird. Gerade der Mittelteil des Tracks ist überragend: Ein bisschen Doom, ein bisschen chilliger Rock mit geiler halbtonreicher Melodieführung, ein bisschen Prokofjews “Peter und der Wolf” (schön, Leute, danke dafür) und ein bisschen klassisches Abgehen. Dann noch gute Riffarbeit und ein Feelgood-Hard-Rock-Chorus, die einen spannenden Kontrast bilden, bei “I Wanna Stop” und nach dem eher lückenfüllerigen “Watching (Camera #9)” mit “Miles Away” noch die Ballade, die auch mal ein Klavier und ein der Sache sehr dienliches Cello mit ins Rennen schickt, deren anschließende Akustikversion man sich aber eigentlich hätte schenken können. Der (insbesondere textliche) Kitschfaktor der Originalversion reicht vollkommen aus.
Interessante Platte auf jeden Fall, lässt sich als Metal-Beschallung nebenbei ebenso gut hören, wie konzentriert über Kopfhörer und bietet gerade hinsichtlich der Komposition viel mehr als das von kleineren Heavy-Metal-Bands so oft gehörte “Höy höy, Heavy Metal”.

Anspieltipps:
“Walking Close To Me”, “Howling Like A Wolf” und “I Wanna Stop”

Fazit:
Heavy Metal mit Niveau, mit Individualität, gut gespielt und produziert. So basic “Black Horizon” in ihrem Konzept auch sein mögen, so spaßig werden sie doch, wenn man sich “Dark Light” mal in Ruhe zu Gemüte führt. Und es scheint nicht so, als sei das Potenzial der Herren mit dieser Platte bereits erschöpft. Reinhören und dranbleiben!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Hunter
02. Obsession
03. Walking Close To Me
04. Freedom
05. Howling Like A Wolf
06. I Wanna Stop
07. Watching (Camera #9)
08. Miles Away
09. Miles Away (Acoustic Version)

Jannis

EMERALD – Restless Souls

Band: Emerald
Album: Restless Souls
Spielzeit: 57:12 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: ROAR!
Veröffentlichung: 17.05.2019
Homepage: www.emerald.ch

Die Schweizer Metaller von EMERALD hieven dieser Tage nun auch schon ihr mittlerweile achtes Album mit dem Namen „Restless Souls“ in die CD Regale!
Das letzte Album „Reckoning Day“ erschien 2017 noch bei Pure Steel Records. Nun ist man aber bei ROAR! Rock of Angels Records unter Vertrag und man möchte sich auf dem neuen Album stilistisch etwas freischwimmen!
Nicht nur im Heavy, nein auch im Melodic oder Speed/Thrash Metal fühlt man sich auf dem neuen Diskus zu Hause.
Das war es ansonsten aber an Änderungen, personell ist man unverändert, heißt der auf dem letzten Album neue Sänger Mace Mitchell und auch Basserin Vania Truttmann sind nach wie vor Teil der Band was absolut zu begrüßen ist!
Gestartet wird das neue Album mit dem Opener „Freakshow“. Nach einem verhaltenen Beginn bricht mit einem Schrei von Sänger Mace ein schneller aber im Refrain dann doch melodischer Track auf uns herein der gekonnt die Schwebe zwischen Heavy und Melodic hält.
Das eingeschlagen Niveau wird dann beim anschließenden „Valley of Death“ gekonnt gehalten, bevor man mit dem schnellen aber immer noch melodischen Vorabvideotrack „Digital Slavery“ gekonnt einen draufsetzt.
Das erste richtige Highlight setzt dann das etwas epischere „Son of Sam“ im Anschluss. Eine absolut geile Mischung aus Epic und Melodic Heavy Metal den man so schnell nicht mehr aus dem Ohr bekommt!
Nach den eher Standard Metaltracks „My Final Stand“ und dem schnellen „The Wicked Force“ gibt es mit „Cad Goddeu“ die nächste epische Nummer die sich schnell als Plattenhighlight entpuppt.
Der Titeltrack „Restless Souls“ ist dann ebenfalls super eingängig und bestens hörbar und auch im letzten Drittel der Scheibe hat man keinen Ausfall zu verzeichnen.
Hier kann vor allem das knackige „Heaven Falls Down“ begeistern!

Anspieltipps:

„Freakshow“, „Digital Slavery“, „Son of Sam“, „Cad Goddeu“ und „Restless Souls“.

Fazit :

Mit dem neuen Album „Restless Souls“ ist man auf einem ähnlich starken Niveau wie auch schon beim letzten Album „Reckoning Day“ unterwegs. Sänger Mace Mitchell ist mittlerweile bestens integriert und man hat seinen Stil nochmal etwas verbreitert und ist nicht nur im klassischen Heavy Metal unterwegs!
Daher ist das Album auf jeden Fall für jeden Metaller melodischer Prägung etwas und ein weiteres Highlight in der Bandkarriere. Hier heißt es zugreifen Leute!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Freakshow
02. Valley of Death
03. Digital Slavery
04. Son of Sam
05. My Final Stand
06. The Wicked Force
07. Cad Goddeu
08. Restless Souls
09. Set Me Free
10. Superhero
11. Heaven Falls Down
12. Revenge (Bonus Track)

Julian

TIR – Metal Shock

Band: TIR
Album: Metal Shock
Spielzeit: 44:53 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Gates Of Hell Records
Veröffentlichung: 10.05.2019
Homepage: www.facebook.com/TIR-Heavy-Metal-136007413130869

Es gibt so Bands wie GRAVE DIGGER, bei denen man sich schon sorgt, wenn mal eine Woche kein Album veröffentlicht wird. Dann gibt es so Bands wie BLIND GUARDIAN, von denen man weiß, dass sie ab und an Alben veröffentlichen und dann gibt es Bands wie TIR, die seit knapp 40 Jahren aktiv sind und jetzt auch mal so langsam ihr zweites Album fertig haben. Auf den Namen “Metal Shock” hört das gute Stück, das mit elf kurzweiligen Songs und einer Dreiviertelstunde Spieldauer aufwartet – gesungen komplett auf italienisch, man kommt schließlich aus Rom und die Sprache bietet sich für melodischen Metal an, wie kaum eine andere.
Nicht nur die Sprache passt aber, auch der Sänger dazu kann sich sehen lassen. Sergio Bonelli hat eine 1a-Oldschool-Heavy-Metal-Stimme, klingt dabei aber nicht wie der oder jener, sondern eben schlicht nach Sergio. In jeder Tonlage ist der gute Mann sicher und die sehr auf Harmonie gepimpten Backing Vocals sind ebenfalls sehr gelungen.
Die Produktion geht klar. Ein deutlicher Fall von nicht unglaublich modern, aber jut, das braucht die Musik von TIR eben auch nicht. Genug Druck hat die Scheibe auf jeden Fall, alle Instrumente kommen gut zur Geltung und der Rumpelfaktor ist gering und sympathisch. Härte steht dabei nicht unbedingt im Vordergrund, insbesondere bei den erstaunlich soft produzierten Drums. Dem Material der Jungs, das zum Teil noch aus den 80ern stammt, ist das jedoch dienlich, klingt eben nach Veröffentlichungen aus dieser Zeit.
Musikalisch ist man traditionell metallisch unterwegs, mit einem im Vergleich etwas überproportionalen Dur-Gebrauch und deutlichen Hard-Rock- und Rock’n’Roll-Anleihen in einzelnen Songs. Die Dur-Verwendung sorgt zudem für einen kleinen Power-Metal-Anstrich und in gewisser Weise hat das Resultat eine ähnliche Grundstimmung wie IRON MAIDENs “Seventh Son Of A Seventh Son”.
Balladen gibt es keine, außer man zählt “La Sfida” als solche, dessen erste Hälfte am Balladesken kratzt, dafür in der zweiten tüchtig aufs Gas drückt. Oder natürlich das echt schöne und ruhige “Memoria (Faber)” am Ende, ein rein auf der Akustikgitarre gespieltes Instrumental. Mit “Beat 150” und “Dentro Il Vuoto” sind zwei astreine Hard-Rock-Tracks vertreten und ansonsten gibt es viel klassischen Metal mit ordentlich Doublebass-getriebenem Uptempo und Melodien, die nun vielleicht nicht bahnbrechend ausfallen, aber auch selten langweilen.
Einigen Songs fehlt es dann aber trotzdem ein bisschen an Substanz. Das langsamere “Banche Armate” zieht sich ziemlich höhepunktarm und ist der wohl schwächste Song des Albums. Und sonst gibt es eben zwischendurch immer wieder mal ein wenig Mittelmaß, das aber vorbeigeht und nicht dramatisch ist. Alles in allem: TIR sind eine fast reine Live-Band, aber auch auf Platte wissen die Herren zu überzeugen. Und mit dem Release des inzwischen zweiten Albums steigt auch die Hoffnung, dass nun vielleicht auch mal ein paar Konzerte auf deutschem Boden folgen.

Anspieltipps:
“La Sfida”, “La Luna Nel Cericho”, “Dentro Il Vuoto” und “Beat 150”

Fazit:
Nein, modern oder innovativ ist “Metal Shock” nicht. Spaß macht es aber streckenweise gewaltig. Nicht allzu komplexer traditioneller Metal mit ein bisschen mehr Power Metal und Hard Rock, Fokus auf Melodien und ein bisschen mehr Dur – die Mischung funktioniert und ist praktisch prädestiniert für den Festival-Campingplatz!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Citta In Fiamme
02. La Sfida
03. Banche Armate
04. La Luna Nel Cerchio
05. Crazy Mama
06. Dentro Il Vuoto
07. Lasciateci Fare
08. Metal Shock
09. Beat 150
10. Mitra
11. Memoria (Faber)

Jannis

PULVER – Kings Under The Sand

Band: Pulver
Album: Kings Under The Sand
Spielzeit: 36:17 min
Stilrichtung: Retro Heavy Metal
Plattenfirma: Gates Of Hell Records
Veröffentlichung: 10.05.2019
Homepage: www.facebook.com/PulverHeavyMetal

PULVER – ach, was böte sich der Name dieser Band doch für einen billigen Eingangswitz an. Aber jut, ab und zu muss man sich auch mal zurückhalten. Also ganz klassisch zu Anfang ein paar allgemeine Randinfos. Die fünf Jungs von PULVER kommen aus Aschaffenburg, haben seit ihrer Gründung 2016 bereits eine EP veröffentlicht und legen nun ihren ersten, mit 36 Minuten Spieldauer recht kurzen, Longplayer “Kings Under The Sand” vor. Über acht Tracks inklusive Intro wird dem Hörer darauf nach eigenen Angaben eine Mischung aus NWOBHM und Hard Rock der späten 70er geboten. Dem kann ich soweit zustimmen, ebenso wie der Einschätzung, Sänger Dave Fröhlich erinnere unter anderem an Lemmy. Dabei fallen die Vocals allerdings minimal kraftlos aus und wurden mit einem ordentlichen Hall-Effekt ausgestattet. Das ist gar nicht unbedingt schlecht. Gerade die Tendenz von Fröhlich, häufig etwas unter dem angepeilten Ton zu landen und dann die gesungene Tonhöhe der erwarteten anzugleichen, gibt ihm durchaus etwas lässig-Entspanntes, was an sich gar nicht übel zum Rest der Musik passt, der mit seiner klaren 70es-Hard-Rock-Schagseite doch nicht selten eher zum Mitnicken als zum Bangen einlädt. Ist ein wenig Geschmackssache, ich mag’s.
Die Produktion ist recht Drum- und Bass-fixiert, was Gesang und Gitarren gelegentlich ein wenig in den Hintergrund drängt, anhören lässt sich die Platte allerdings problemlos, wenn man denn über gelegentliches Bassdröhnen (insbesondere bei “Warrior Caste”) und leicht dumpfe Drums hinwegsehen kann.
Musikalisch verlassen PULVER sich auf melodische Riffarbeit, viele Tempowechsel (Durchschnittlich einer pro Song ist Pflicht) und klassische Retro-Rock-Wendungen, wobei auf kleine Extras wie Orgel- oder allgemein Tastensounds praktisch komplett verzichtet wurde. Dafür gibt es ab und an kleine Authentizitäts-Boni wie Gong und Schellenkranz in “Warrior Caste”, das auf ungewöhnliche Harmonieführung baut und im Mittelteil schön zappelt. In Sachen Geschwindigkeit bewegt man sich zwischen schleppend-doomigem Downtempo (Sagt man das so?) und gemäßigtem Uptempo. Eher MAIDEN-Galopp als DRAGONFORCE-Gedresche, wie zu erwarten war. Besagtes Downtempo findet sich insbesondere bei “Blacksmith’s Lament” und “Quarinah”, hält sich angesichts des Faibles der Truppe für Tempowechsel jedoch meist nicht lange. “Alpha Omega” ist instrumental gehalten, letztendlich ein vierminütiges Gitarrensolo, das durchweg zu unterhalten weiß, und im finalen Track “Curse Of The Pharaoh” dürfen sogar ein paar fast black-metallig anmutende Gitarren mitwirken, die dem hypnotisch wirkenden Track in Kombination mit den in den Hintergrund gemischten Schreien eine durchaus besondere Atmosphäre verleihen.
Eine bessere Produktion hätte “Kings Of The Sand” gut getan, etwas ausgefeiltere Kompositionen ebenso. Aber Potenzial ist vorhanden bei PULVER, insbesondere hinsichtlich der Gitarrenarbeit und der doch sehr schönen Kombination von 70er Hard Rock und traditionellem Heavy Metal, bei der der Fokus im Gegensatz zu vielen anderen Bands der momentan so gerne gerittenen Retro-Welle erfrischenderweise eindeutig auf ersterem Stil liegt.

Anspieltipps:
“Kings Under The Sand”, “Curse Of The Pharaoh” und “Phantom Hawk”

Fazit:
Retrofreunde sollten hier ohne Frage mal ein Ohr riskieren. Ein bisschen mehr Ausgereiftheit und eine bessere Produktion (plus ein wenig mehr Mut in Sachen Songstruktur) täte dem Musik-Rezept von PULVER noch gut, aber dass die Jungs spielerisch und durchaus auch kompositorisch was auf’m Kasten haben, lässt sich nicht abstreiten. Das nächste Album würde ich gerne wieder rezensieren!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Rising
02. Phantom Hawk
03. Blacksmith’s Lament
04. Kings Under The Sand
05. Quarinah
06. Warrior Caste
07. Alpha Omega
08. Curse Of The Pharaoh

Jannis

ENFORCER – Zenith

Band: Enforcer
Album: Zenith
Spielzeit: 46:28 min
Genre: Heavy Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 26.04.2019
Homepage: http://www.enforcer.se/

Als grosser Fan aller bisherigen Alben der Schweden ENFORCER war ich natürlich entsprechend gespannt auf die neue Platte der Jungs. Der letzte reguläre Rundling („From Beyond„, 2015) liegt ja nun schon glatte 4 Jahre zurück. Nun, man kann der Truppe jedenfalls keinen mangelnden Entwicklungswillen vorwerfen. Ob die neue Ausrichtung der Fanbasis gefällt muss sich allerdings noch herausstellen – ich zumindest habe an dem Ergebnis, das uns nun in Form von „Zenith“ ins Haus steht, einiges zu knabbern …

So viel vorweg: das Ungestüme, der Speed, die beinahe greifbare jugendliche Ungehobeltheit, die ENFORCER noch bis zum Vorgänger zu Tage legten, ist abgestreift. Stattdessen haben die Wikstrand-Brüder die Zeit genutzt und hörbar Wert auf ausgeklügelte Arrangements gelegt, das verfügbare Klangsortiment aufgewertet (auf „Zenith“ fliegt einem unvermittelt das ein oder andere Keyboard-Solo um die Ohren!) und, zumindest klanglich, Kreide gefressen. Songs wie die mit überflüssigen „Oho“-Chören ausgestattete Vorab-Single „Die for the Devil“ oder „Zenith of the black Sun“ wirken wie eine zwar spürbar gereifte, aber auch Teilen Ihrer bisher bekannten Identität beraubte, Band. Da die Truppe sich nun an den Hardrock Granden der 80er zu orientieren scheint, muss Sänger Olof Wikstrand nun nicht mehr permanent übers Limit kreischen, sondern auch mal dezent und melodiös singen. Und da fällt leider auf, dass der Derwisch durchaus stimmliche Defizite hat. Will sagen: um entspannteres Material tragen zu können, fehlt einfach die stimmliche Autorität. Sobald die Jungs Vollgas geben und mit gewohntem Speed nach vorne rocken („Searching for you“, „Thunder and Hell“) steht die Stimme wie gewohnt wie eine Wand neben den Instrumenten. Wird aber instrumental zurückgefahren, schafft Wikstrand es nicht den Zuhörer zu packen. Das ist bei der Piano-Schlafpille „Regrets“ oder dem Richtung Heart of Cygnus schielenden, aber leider völlig in den Sand gesetzten „Sail on“ besonders auffällig. Das alles macht „Zenith“ zwar noch lange nicht zu einem schlechten Album, denn nach wie vor können ENFORCER gute Songs schreiben (siehe den klasse Midtempo Rocker „One thousand Years of Darkness“) und spielerisch ist eh alles im grünen Bereich. Aber „Zenith“ stellt doch durch das gerüttelt Mass an Mittelmässigeit und den weichgespülten Sound eine herbe Enttäuschung im Vergleich zu den übergrossen Taten der Vergangenheit dar.

Mit „Zenith“ setzen ENFORCER so ziemlich alles auf eine Karte. Geht der Schuss nach hinten los dürfte es das womöglich gewesen sein, denn der Bruch, den die Jungs hier im Vergleich zu ihrem bisherigen Schaffen vollziehen ist auf vielen Ebenen spürbar und schon ziemlich krass. Ich würde es den Jungs wünschen, dass die Kurskorrektur dem Flagschiff der schwedischen Metal Bewegung keine absoluten Schiffbruch beibringt, denn wenn die Truppe sich auf Ihre bisherigen Stärken konzentriert, ist sie immer noch unschlagbar. Ich hoffe daher mal, dass es sich bei „Zenith“ um einen (verzeihbaren) Ausrutscher handelt …

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Die for the Devil
02. Zenith of the black Sun
03. Searching for you
04. Regrets
05. The End of a Universe
06. Sail on
07. One thousand Years of Darkness
08. Thunder and Hell
09. Forever we worship the Dark
10. Ode to Death

Mario

THE NIGHTMARE STAGE – When The Curtain Closes

Band: The Nightmare Stage
Album: When The Curtain Closes
Spielzeit: 56:32 min
Stilrichtung: US Power Metal
Plattenfirma: Pure Steel Records
Veröffentlichung: 26.04.2019
Homepage: www.facebook.com/TheNightmareStage

Wenn man sich zur Renovierung billige Streicher organisiert, muss man damit rechnen, dass die Wände nachher eine Art ungewolltes Camouflage-Muster haben. Wenn man sich für ein Metalalbum billige Streicher organisiert, ist man möglicherweise THE MIDNIGHT STAGE. Gemeiner Anfang, ich weiß, gerade weil die ersten Sätze unserer Rezensionen immer nochmal extra auf Facebook als Teaser gepostet werden. Also hier an die Facebook-Gemeinde: trotzdem mal weiterlesen bitte, da kommen auch noch ’n paar nette Ansagen.
Die New Yorker Truppe um Ex-INNER-STRENGTH-Sänger Scott Oliva hat 2010 bereits ihr Debutalbum veröffentlicht, nun folgt mit “When The Curtain Closes” auch mal ein Release bei einem Label. Einen Mix aus Progressive und US Metal macht man laut eigenen Angaben, mit ausufernden Keyboardteppichen. Um das gleich abzuhaken: Es gibt gefühlt auf jedem Song den gleichen, nicht allzu druckvollen Streichersound, ab und zu mal ein klanglich besser gelungenes Klavier und selten mal eine Orgel oder ein Lead-Synth. Damit liegt der erste Kritikpunkt schonmal auf dem Tisch. Keyboards ja, aber bitte mit ein wenig Abwechslung.
Was die Keys falsch machen, rettet dann immerhin der Sänger. Scott klingt 90 Prozent der Zeit echt passend und wirkt lediglich manchmal stimmlich ein wenig dünn. Allgemein aber eine gute Sängerwahl und die Vocal-Arrangements machen die Gesangsleistung nochmal erfreulicher. Gegen sie stinkt leider die Produktion der Instrumente etwas ab. Solide ist sie, aber ein wenig kraftlos verwaschen. Kann man aber drüber hinwegsehen, hörbar ist die Platte auf jeden Fall.
Musikalisch kann man “When The Curtain Closes” ganz gut in eine erste schwächere und eine zweite stärkere Hälfte aufteilen. Die ersten sechs Tracks sind okay, meist im Midtempo mit Uptempoeinlagen (oder andersrum) gehalten und trotz des gefühlt niedrigen Tempos sehr Doublebass-lastig. Oliva gibt dem Ganzen zudem einen gewissen theatralischen Touch, insgesamt besticht die erste Hälfte allerdings nicht unbedingt durch Höhepunktreichtum. Eine fettere Produktion und bessere Orchestral-Arrangements hätten davon ein wenig ablenken können, soll aber wohl nicht sein.
Schön, dass die zweite Albumhälfte das Niveau ein wenig hebt. Auf dieser ist man wesentlich vielseitiger unterwegs, angefangen mit der Halbballade “This Is The End” (Ist es nicht), die gefühlvoll-atmosphärisch beginnt und kraftvoll-feierlich weitergeht. Kompliment für den Klaviersound! Der findet sich auch im folgenden “Future I See” wieder, das im Kontrast zum vorherigen Track ordentlich voranprescht und unter anderem durch seinen Mittelteil besticht. Stimmungsvoller wird es dann noch bei “Hellbound”, ein echt interessanter Mix aus ruhig-unkitschigem und leicht jazzigem Soloklavier, schleppendem Uptempo-Doom (also unteres Midtempo) und verstärkten Power-Metal-Harmonien im Refrain. Plus wenig Streicher, das ist auch eine willkommene Abwechslung. Ach ja, und “From Below” stellt den Musical-Faktor in den Vordergrund, macht gerade in den Strophen Laune und kriegt ebenfalls ’nen Daumen.

Anspieltipps:
Generell eher die zweite Albumhälfte, insbesondere Track 6 bis 8

Fazit:
Durchwachsene Sache, die Platte. Beginnt leider eher schwach, fängt sich aber und kann im Endeffekt doch vier bis fünf Songs bieten, die nahelegen, ihr mal eine Chance zu geben. Punktabzug für die ewig gleichen Keyboard-Sounds, partiell etwas zu wenig Mut zur kreativen Gestaltung der Songstrukturen und die optimierbare Produktion. Punkte drauf für die zweite Albumhälfte, in der man mal ein bisschen aus sich herausgeht und damit doch noch ein paar wirkliche Glanzmomente auffahren kann.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. A Demented Impressario
02. Returns Again
03. The Infamous
04. Dark Skies
05. Finding Home
06. This Is The End
07. Future I See
08. Hellbound
09. From Below
10. Curtain Closes

Jannis

ASTRAL DOORS – Worship or Die

Band: Astral Doors
Album: Worship or Die
Spielzeit: 53:22 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Metalville
Veröffentlichung: 26.04.2019
Homepage: www.astraldoors.com

Meine Huldigung an ASTRAL DOORS habe ich nun oft genug in meinen Rezis zum Ausdruck gebracht! Daher sage ich dieses Mal einfach nur die Jungs rund um Sänger Nils Patrik Johansson sind einer meine Alltime Faves, Punkt fertig : )
Knapp zwei Jahre nach dem doch recht düsteren Album „Black Eyed Children“ erscheint nun das neue, mittlerweile neunte Album der Band mit dem Namen „Worhsip or Die“.
Nach eigenen Angaben ist es das melodischste seit dem 2007er Werk „New Revelation“ aber gleichzeitig wohl auch das härteste Album!
Na das klingt doch schon mal nach tollen Voraussetzungen an die starken letzten Veröffentlichungen anzuknüpfen!
Mit der Videosingle „Night of the Hunter” wird die neue Scheibe eröffnet. Flott, melodisch und bei weiten nicht so düster wie es der Titel vermuten lässt bahnt sich der Opener direkt seinen Weg in die Gehörgänge und bleibt dort erstmal ordentlich haften. Ein Einstieg nach Maß also.
Und melodisch geht es direkt weiter beim anschließenden „This must be Paradise“ bevor es beim folgenden Titeltrack „Worship or Die“ wesentlich epischer wird. Kraftvoll und stampfend bahnt sich die Nummer ihren Weg und wandert direkt auf unsere Hitliste. Hier kommt Sänger Nils Patrik seinem großen Vorbild DIO stimmlich und auch von der Gesangsstruktur her sehr nahe, das sollte man sich als alter DIO Fan nicht entgehen lassen!
Im anschließenden Mittelteil folgt dann auch Hit auf Hit. „Concrete Heart“ ist ein straighter Rocker dessen Chorus man schon nach Kurzem nicht mehr aus dem Kopf bekommt, „Marathon“ und „Desperado“ sind dann eher von der epischen Sorte die aber auch absolut melodisch gehalten sind und sich in die schon beachtliche Livefavoritenliste gekonnt einreihen. Bald muss die Band wohl 2 Stunden Konzerte geben : )
Die abwechslungsreiche Hitfahrt ist aber noch lange nicht zu Ende und die Band zeigt auch in der zweiten Hälfte der Scheibe das sie ihr Pulver noch lange nicht verschossen haben.
Beispiele gefällig? Nichts leichter als das! Der Epicbrecher „Light at the End of the Tunnel“, das Epic/Bombastfeuerwerk “St. Petersburg”, der flotte Melodickracher “Let the Fire Burn” und das abschließende, eher wieder epische “Forgive Me Father”. Also eigentlich alles was uns im zweiten Plattenabschnitt so geboten wird!
DAS denke ich mal sagt schon viel über die Qualität der gesamten Scheibe aus!

Anspieltipps:

„Night of the Hunter“, „Worship or Die“, „Marathon”, “Desperado” und “St. Petersburg”.

Fazit :

ASTRAL DOORS sind mittlerweile echt eine Bank! Man weiß einfach was einem bei einem neuen Album erwartet, sowohl von der Qualität als auch vom musikalischen hergesehen.
Beides ist mittlerweile auf einem ganz hohen Level angekommen. Die neue etwas härtere und doch melodischere Ausrichtung kommt sehr gut rüber und man merkt auch das man mit nun zwei Gitarristen wesentlich variabler unterwegs ist!
So gibt es von mir auch dieses Mal wieder eine sehr hohe Bewertung, etwas besser als beim letzten Mal.
Es ist nach wie vor eine Schande das die Band nicht der Ruhm zu Teil wird den sie mittlerweile mehr als verdient hat!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Night of the Hunter
02. This must be Paradise
03. Worship or Die
04. Concrete Heart
05. Marathon
06. Desperado
07. Ride the Clouds
08. Light at the End of the Tunnel
09. St. Petersburg
10. Triumph & Superiority
11. Let the Fire Burn
12. Forgive me Father

Julian

TALENTSCHMIEDE: Basement Prophecy

Band:
Basement Prophecy

Gegründet:
2018

Herkunft:
Deutschland, Saarland

Mitglieder:
Michael Müller, Frank Beck, Tommy Laasch,

Stil:
Heavy Metal/Power Metal

Veröffentlichungen:
EP 2019

Einflüsse:
Dio, Judas Priest, Iron Maiden, Blind Guardian,Gamma Ray, Kiss, Running Wild

Was wir die nächsten fünf Jahre erreichen möchten:
Das Ganze live auf die Bühne bringen, einen Plattenvertrag bekommen und reich werden. 😉

Was als nächstes kommt:
Vielleicht ein Album? Das Universum wird es schon richten…

Unsere beste Erfahrung bis jetzt:
Die durchweg positiven Resonanzen auf die EP. Einfach fantastisch!

Unser peinlichster Moment, so es denn in der kurzen Bandgeschichte schon einen gab:
Gab es zum Glück noch nicht, kommt aber bestimmt noch.

Mit wem wir gerne ein Bierchen trinken würden und warum:
Mit Ronny James Dio und John Lennon, die leider nicht mehr unter uns sind, um ihnen für ihre geile Musik zu danken.

Wenn wir uns eine Band aussuchen könnten, mit der wir auf Tour gehen dürfen:
Mit Kiss.

Das Beste daran, in einer Band zu spielen:
Das Live-Erlebnis und die Nähe zum Publikum.

Das Schlimmste daran, in einer Band zu spielen:
Die verrückten Musiker auf einem Haufen.

Online:
www.basement-prophecy.de
www.facebook.com/BasementProphecy

Musik:
www.soundcloud.com/user-648417620

Live-Dates:
Noch keine, aber wer weiß…?

STEEL NIGHT – Fight Till The End

Band: Steel Night
Album: Fight Till The End
Spielzeit: 44:28 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Iron Shield Records
Veröffentlichung: 26.04.2019
Homepage: www.facebook.com/SteelNightOfficialMx

Der Wacken Metal Battle ist ja durchaus ein Garant für qualitativen Output. 2018 konnten sich STEEL NIGHT als Sieger des Mexico-Battles behaupten und durften demnach in Wacken spielen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass der Auftritt ziemlich gelungen war. Klassischer Heavy Metal ohne großes Tamtam, stark gespielt, feine Sache. Nun steht das Debutalbum der fünf Kollegen in den Startlöchern. Acht reguläre Songs, ein Bonus-Livetrack, ’ne Dreiviertelstunde Spieldauer und ein gar nicht mal unedles Cover. Was verbirgt sich dahinter? Nun, zunächst einmal eine recht altmodische Produktion, nicht überragend aber auch nicht schwach. Damit kann man sehr gut leben. Dazu kommt mit Jahaziel Rangel ein Sänger, der seine Töne generell gut trifft und gerade in höheren Sphären ordentlich liefert, mit überraschend treffsicheren Screams und einem beeindruckenden Lungenvolumen. Was den Rest angeht, muss man leider sagen, ist durchaus noch ein wenig Luft nach oben. Die vom klassischen 80er Heavy Metal (insbesondere von IRON MAIDEN) beeinflussten Songs sind meist simpel und stets gut metallisch gehalten, haben aber einige Schwachstellen. Punkt 1: Die Backing-Vocal-Mitgrölvorlagen in den Refrains sind ein wenig bitter, technisch verfremdet und im Endeffekt eher Störfaktoren. Andere Backing Vocals, sagen wir eine zweite Stimme über der ersten bei geeigneten Passagen, sind kaum vorhanden. Dass sie dem Album gut getan hätten, zeigt sich insbesondere beim gesanglich recht hoch angelegten und dementsprechend recht geilen Midtempotrack “You Lost My Heart”, wo sie sporadisch vertreten sind und ordentlich Wirkung zeigen. Mehr davon bitte beim nächsten Album.
Punkt 2, der wohl herbste Kritikpunkt: Direkt beim Opener “We Are Metal”, mit über sieben Minuten Spieldauer der längste Track auf “Fight Till The End”, und beim letzten regulären Albumtrack “Wings Of Steel” sitzt doch Einiges nicht so wirklich. Die Dinger sind hörbar ungenau eingespielt, was, gerade wegen “Fight Till The End” den ersten Eindruck des Albums doch negativ beeinflusst. Dieses Problem ist beim Rest der Tracks weniger präsent, die wesentlich genauer auf den Punkt gespielt wurden, aber bei besagten beiden Songs hätten ein paar mehr Einspielversuche nicht geschadet. Kostet vielleicht einen Tag mehr Studiogebüren, erspart dafür aber auch die Thematisierung in Rezensionen wie dieser.
Ansonsten gibt es auf “Fight Till The End” massig ausgeprägte Soloparts, viel Uptempo und Melodien im Stil der Großen des Genres. Viel, was mindestens das Bedürfnis nach traditionellem Metal befriedigt, einiges, was hervorsticht (“Red Alert”s Strophenmelodie ist beispielsweise echt erfreulich) und simpel-traditionell-effektive Kompositionen. Ironischerweise ist gerade der Live-Mitschnitt von “Made Of Steel” gefühlt der genauest gespielte Track der Platte, und dazu einer der spaßigsten. Ist Metal, hat seine Kinderkrankheiten, macht dem Freund von zweifelsohne handgemachtem traditionellen Metal ohne Gefrickel und Überproduktion aber durchaus gute Laune.

Anspieltipps:
“Red Alert”, “Heavy Metal Storm”, “You Lost My Heart” und “Made Of Steel”

Fazit:
Man kann den Jungs von STEEL NIGHT durchaus mal eine Chance geben, obgleich man nicht unbedingt als erstes Track 1 oder 8 hören sollte. Man sollte ihnen auf jeden Fall aber live mal eine Chance geben, sollten sie in nächster Zeit mal in unseren Landen unterwegs sein. Livetauglich ist ihr Material allemal und eine ambitionierte junge Band aus einem auf der Metal-Landkarte doch sehr unbesiedelten Land zu supporten ist doch auch was Schönes!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. We Are Metal
02. Run For Your Life
03. Spell Witch
04. Red Alert
05. Heavy Metal Storm
06. Fight Till The End
07. You Lost My Heart
08. Wings Of Steel
09. Made Of Steel (Live)

Jannis