BASEMENT PROPHECY – Basement Prophecy

Band: Basement Prophecy
Album: Basement Prophecy
Spielzeit: 24:00 min
Stilrichtung: Heavy Metal/Power Metal
Plattenfirma: Eigenveröffentlichung
Veröffentlichung: 09.04.2019
Homepage: www.basement-prophecy.de

Normal würde ich ja einer Fünf-Track-Platte mit 24 Minuten Spieldauer nur eine Kurzrezension widmen. Da es laut Angaben der Band jedoch von der Resonanz auf die CD abhängt, ob man in Zukunft mehr von ihr erwarten darf, hier mein verhältnismäßig langer Beitrag zur Aufrechterhaltung von BASEMENT PROPHECY, da ich von der Truppe doch auf jeden Fall in Zukunft gerne noch mehr hören würde. Ins Leben gerufen wurde das Projekt von Michael Müller, der zuvor mit SRAINED unterwegs war. Alle Instrumente auf “Basement Prophecy” sind von ihm eingespielt worden, gesangliche Unfähigkeit veranlasste ihn dazu, keine Geringeren als Frank Beck von GAMMA RAY und RED RAVEN und Tommy Laasch (Ex-CHINCHILLA) ans Mic zu ordern und mit ihrer Unterstützung mal testweise fünf Tracks als Eigenveröffentlichung unter’s Volk zu bringen.
Die Produktion klingt authentisch nach Basement, aus gutem Grund vermutlich. Sie ist auch der größte Kritikpunkt, der sich an “Basement Prophecy” anbringen lässt, ist sie doch recht dumpf und etwas undefiniert ausgefallen und verlangt ausdrücklich nach einem Remastering irgendwann in der Zukunft. Alles andere wäre schlicht unverantwortlich, denn ausnahmslos alle Tracks der Scheibe sind überaus gelungen, ein homogener Mix aus Power und Heavy Metal, der an Größen wie BLIND GUARDIAN, GAMMA RAY und JUDAS PRIEST angelehnt ist, ohne jedoch als Stil-Kopie abgetan werden zu können.
Die GAMMA-RAY-Vibes offenbaren sich bereits beim von Frank Beck gesungenen Opener “We Are The Children”. Nach einem ruhigen Strophen-Intro mit einer Art Orchesterkeyboard und einer Melodie im besten RAY-Stil gibt’s einen stark komponierten, eingängigen Power-Metal-Chorus auf die Ohren, bevor es GUARDIANiger weitergeht, mit cooler Bass-Line, schreienden Gitarren und schließlich einem echt schönen Mittelteil. “Poison Mind” startet abermals ruhig mit einer Art Flötenkeyboard, in dessen Anschluss die Gitarren den im Vergleich zum ersten Track etwas heavieren und melodisch ganz leicht folkingen Hauptteil einleiten. Refrain abermals eingängig und gelungen, Tommy macht seine Sache, genau wie Frank, echt gut. Das anschließende im Uptempo gehaltene “More” ist der meiner Meinung nach unspektakulärste Track des Albums, das allerdings auf hohem Niveau. Bei den schön bratenden Gitarren, der deftigen Tom-Arbeit im Mittelteil und dem mindestens soliden Chorus wäre es Frevelei, ihn als Lückenfüller zu bezeichnen. “Merciful Fate” ist danach nochmal ’ne absolute Höchstleistung. Der Refrain, erstmals im erneut ruhigen Intro hörbar, wird im Verlauf des Songs mit dem auf’s Intro folgenden Keyboardmotiv kombiniert und ist von einer Qualität, die dem Hörer einen akuten Druck auf den Repeat-Knopf nahelegt. In den Strophen Heavy Metal, im Refrain feinster Power Metal – das Ding ist ein kleines Underground-Meisterwerk. PRIESTig wird es zu guter Letzt mit dem “Painkiller”esken “Metal Wizards” mit seinem Drei-Ton-Chorus, das in seiner effektiven Einfachheit 100% Metal ist und im Mittelteil mal eben noch ein weiteres überaus geiles Motiv raushaut. Begeisterung!

Anspieltipps:
Nu, so groß ist die Auswahl nicht, was? Insbesondere “Merciful Fate”.

Fazit:
Punkte muss ich schweren Herzens abziehen, weil die Qualität der Produktion das Hörerlebnis doch ein wenig beeinflusst. Wer darüber hinweghören kann, der kann locker einen Punkt draufrechnen und hält mit “Basement Prophecy” ein erstes Lebenszeichen einer Band mit also wirklich ganz hohem Potenzial in der Hand, so er denn so freundlich ist, das Ding im Onlineshop der Truppe für läppische 7 Euro inklusive Versand zu erwerben. Das wäre nicht nur löblich der Band gegenüber, sondern auch allen Fans besten Heavy/Power Metals, denen ernsthaft etwas entgehen würde, wenn BASEMENT PROPHECY aufgrund mangelnden Zuspruchs oder mangelnder Einkünfte wieder eingestampft werden müssten. Kaufempfehlung der eindringlichsten Sorte!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. We Are The Children
02. Poison Mind
03. More
04. Merciful Fate
05. Metal Wizards

Jannis

METALL – Metal Fire (Kurzreview)

Band: METALL
Album: Metal Fire
Spielzeit: 41:36 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Iron Shield Records
Veröffentlichung: 26.04.2019
Homepage: www.metall-heavyband.de

METALL – Wer hätte es gedacht, der Name ist Programm bei den Jungs, die sich 1982 in der DDR zusammenschlossen und, beispielsweise mit „Easy Rider“, teils ordentliche Positionen in Rundfunksendungen wie der Beatkiste für sich verbuchen konnten. Nachdem man sich im Jahr 1991 auflöste, war lange Stille um METALL, 2013 erfolgte jedoch die Reunion und nun steht mit „Metal Fire“ bereits das zweite Album der Band in den Läden.

Offensichtlich ist beim Hören von „Metal Fire“: METALL sind nicht die Typen für ausgeklügelte Songstrukturen, innovative Melodien und sie werden Heavy Metal wohl auch nicht revolutionieren. So wie es aussieht hatte man nach der langen Zeit der Stille einfach nochmal Bock, sich mit den Kollegen zusammenzutun und den alten Fans noch einmal nostalgische Freude zu bereiten. Dementsprechend ist das Resultat nicht außergewöhnlich, aber eben genau die Art von harter Musik, die man sich gerne für 15 Euro im kleinen Stamm-Metalclub mit Freunden und Bier zu Gemüte führt: Laut, roh produziert, mit Ahnung davon, wie man simple, traditionelle und prototyp-metallische Melodien und Riffs schreibt. Das Ganze garniert mit viel rauem Klargesang, ein bisschen Geshoute und ein wenig Falsett, mal etwas melodiöser, wie im Refrain von „Stay For A Night To Pray“, mal gemeiner und härter, zum Beispiel bei „Hold The Line“. „Easy Rider“ ist natürlich auch nochmal vertreten – einmal sogar mit deutschem Text, was einen unfreiwillig komischen, aber auch irgendwie sympathischen Effekt hat.

Zusammengefasst: Nichts, wobei man bei einer Tasse Schwarztee seine Hornbrille putzen sollte, wenig Höhen, wenig Tiefen, aber etwas, in das man durchaus mal reinhören kann, wenn man noch auf der Suche nach klassisch-traditionellem Metal der unpolierteren Sorte fürs Festival-Camp ist. METALL eben.

WERTUNG:

 

 

Jannis

PARAGON – Controlled Demolition

Band: Paragon
Album: Controlled Demolition
Spielzeit: 50:16 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 26.04.2019
Homepage: www.paragon-metal.de

Die Jungs der deutschen Heavy Metaller PARAGON sind schon ein Phänomen! Sie wechseln ihre Label häufiger als mancher Teeny die Freundin : ) . Nach dem das letzte Album „Hell Beyond Hell“ beim deutschen Labelurgestein Remedy Records erschien, erscheint das neue, mittlerweile zwölfte Album, „Controlled Demolition“ nun wieder beim Vorgängerlabel Massacre Records. Das verstehe wer will…na die Jungs werden schon ihre Gründe haben!
An der Mucke hat sich logischerweise nichts geändert und wo manch andere Band mittlerweile auf viel Bombast und Keyboardteppiche setzt, bleiben PARAGON ihrer Linie treu und ballern uns erneut knallharten und trockenen Heavy Metal mit ein paar Thrashanleihen um die Ohren.
Wenn als Maßstab das letzte Album genommen wurde, dann erwartet uns hier ein ganz heißes Eisen! Als Produzent war hier IRON SAVIOR Fronter Piet Sielck am Werk, was auf jeden Fall auch für Qualität bürgt.
Mit dem Titeltrack „Controlled Demolition“ beginnt der neue Diskus. Leider ist dieser nur ein instrumentales Intro was zwar durchaus Laune macht aber nicht besonders aussagekräftig als Titeltrack ist.
Daher schnell weiter zu ersten Abrissbirne in Form von „Reborn“. Hier wird das Gaspedal ordentlich durchgedrückt und es kommt einen vor als ob die Jungs nur drauf gewartet haben richtig loszuballern und von der Kette gelassen zu werden!
Ein erster Fingerzeig das hier die ganz heftige Keule geschwungen wird.
Die nächste Nummern „Abattoir“ und „Mean Machine“ sind dann nicht ganz so schnell und heftig wie der Vorgänger, können aber dadurch eher mit Eingängigkeit und Melodic glänzen!
Der Mittelteil kann dann nicht ganz an das sehr starke erste Drittel anknüpfen, einzig „Timeless Souls“ kann hier ohne Wenn und Aber überzeugen, aber von Totalausfällen ist man meilenweit entfernt.
Umso stärker kommt dann aber wieder der letzte Abschnitt um die Ecke. Hier haben wir mit „Black Widow“ und dem abschließenden „…Of Blood and Gore“ zwei weitere Hits im Gepäck die die Gesamtpunktzahl dann doch nochmal nach oben hieven.

Anspieltipps:

„Abattoir“, „Mean Machine“, „Black Widow“ und „…Of Blood and Gore“.

Fazit :

So ganz kann man mit dem neuen Album „Controlled Demolition“ nicht komplett überzeugen! Dabei beginnt das Album bärenstark und so wie man es auf dem letzten Album „Hell Beyond Hell“ gewohnt war. Aber im Mittelteil schleichen sich dann doch der ein oder andere Durchhänger zu viel ein und man setzt zu sehr auf die brachiale Hochgeschwindigkeitskeule wo man nicht immer songdienlich unterwegs ist.
Aber bei allem Meckern kommt man schlussendlich bei einer ordentlichen, starken Leistung heraus, wobei man wie gesagt im Vergleich zum Vorgänger eindeutig den Kürzeren zieht. Sorry Jungs!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Controlled Demolition
02. Reborn
03. Abattoir
04. Mean Machine
05. Deathlines
06. Musangwe (B.K.F.)
07. Timeless Souls
08. Blackbell
09. The Enemy Within
10. Black Widow
11. …Of Blood and Gore

Julian

SILVER BULLET – Mooncult

Band: Silver Bullet
Album: Mooncult
Spielzeit: 55:38 min
Stilrichtung: Symphonic Heavy Metal
Plattenfirma: Reaper Entertainment Europe
Veröffentlichung: 29.03.2019
Homepage: www.silverbulletofficial.com

Ohne einzelnen Vertretern des Symphonic Power Metals zu nahe treten zu wollen: Es gibt in diesem Genre einen dermaßenen Overkill an Bands, die alle soweit professionell klingen und dabei auch alle mehr oder weniger gleich. Brauchen wir wirklich noch eine weitere Band, die diese Art von Metal spielt? Ganz sachlich betrachtet: kommt drauf an. Schmalz, Keyboardstreicherteppiche und hymnisch-fröhlich-episch-leidenschaftliche Melodien ohne größeren Tiefgang sind soweit ausreichend vertreten. Allerdings verstehen SILVER BULLET unter “Symphonic Power Metal” ein bisschen was anderes. Das zweite Album der Truppe um Ex-DREAMTALE-Sänger Nils Nordling und Ex-Turisas-Bassist Hannes Horma gibt dem Genre nämlich etwas, was ihm zumeist fehlt: böse Härte. Ihr neuer Release “Mooncult” ist absolut melodieorientiert, scheut sich allerdings nicht davor, seine Melodien mit oft ordentlich aggressivem Geknüppel zu verbinden, das dank der gelungenen Produktion auch überzeugend heavy ausfällt. Neben dem schweißtreibenden Spiel der Instrumentalfraktion sind es vor allem die unglaublich wandelbare Stimme von Nils, die in ihren Facetten und auch dank der Backing-Vocals-Arrangements einen leichten Musical-Touch ins Game bringt, und die Orchestral-Arrangements, die den Braten fett machen. Letztere haben mit dem Standard-Sinfonieorchester-Sound der Heimkeyboards vieler Bands so gar nichts zu tun. Durchdringende Blechbläser treffen auf dicke Streicherparts und das mit einer derartig unkitschig-düsteren Wucht, dass es eine wahre Freude ist. Dazu eine Hexen-Konzeptstory und das Ergebnis ist ungeheuer spaßiger und atmosphärischer Hollywood-düster-Popcorn-Grusel, gefühlt komponiert von GRAVE DIGGER (Die Parallelen zwischen “Burn The Witch” und “Season Of The Witch” sind unüberhörbar), KING DIAMOND (Textlich das “The Eye”-Album und musikalisch gerade hinsichtlich des vielseitigen Vocal-Einsatzes) und FLESHGOD APOCALYPSE (dieses Orchester…) und dann einmal von TURISAS und DREAMTALE durch den Filmsoundtrack-Power-Metal-Wolf gedreht. Klingt das nach Entertainment? Ja, meine Freunde, danach klingt es. Melodisch-symphonisches Gekloppe vom Feinsten mit Musical-Grusel-Atmosphäre, die sich schon beim Intro einstellt. Track 2 zeigt dann erstmal, wo der Hammer hängt, zieht kompromisslos voran und führt bereits in die Chor- und Orchester-Verwendung ein. Mit “Forever Lost” wird’s im Anschluss ein wenig DREAMTALEig-poppiger, dafür mit “Maiden, Mother And Crone” trocken-gemeiner.
Ist die erste Hälfte des Albums schon beachtlich, geht es ab Track 6 so richtig steil. Das Orchester brät, die Band gibt alles und Nils muss wohl nach diesem Album nie wieder eine Bewerbung als Sänger abgeben. Man kann nicht anders als “Mooncult” als wahres Feuerwerk an geil arrangierten Parts zu betrachten. Auch nach mehrfachem Hören verschwimmen einige Tracks noch ein wenig für mich, aber Eingängigkeit steht bei ihnen auch nicht im Vordergrund, der Fokus liegt eher auf der Grundstimmung und den einzelnen Parts für sich, die in ihrer Zusammensetzung ein absolut schlüssiges Ganzes ergeben. Danke SILVER BULLET. Sowas war nochmal nötig.

Anspieltipps:
“Burn The Witch”, “The Chalice And The Blade”, “Forever Lost” und “She Holds The Greatest Promise”

Fazit:
Härte trifft auf Melodie trifft auf einen starken Sänger trifft auf tolle Orchestral-Arrangements trifft auf Atmosphäre. “Mooncult” klingt, als hätte Tim Burton einen Film mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle gedreht und seien wir ehrlich – wer würde sich den nicht anschauen wollen? Dickes Lob an die fünf Herren, ich prophezeie einen heftigen Bekanntheitspush spätestens beim Release des dritten Albums!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. 1590 Edinburgh
02. She Holds The Greatest Promise
03. Forever Lost
04. Maiden, Mother And Crone
05. Light The Lanterns (Scavengers Of Death)
06. The Witches Hammer
07. The Chalice And The Blade
08. Burn The Witch
09. Purgatorius Ignis
10. Eternity In Shadows
11. Battle Of Shadows
12. Lady Of Lies

Jannis

BATTLE BEAST – No More Hollywood Endings

Band: Battle Beast
Album: No More Hollywood Endings
Spielzeit: 45:42 min
Stilrichtung: Power Metal/Hard Rock
Plattenfirma: Nuclear Blast Records
Veröffentlichung: 22.03.2019
Homepage: www.battlebeast.fi

Man mag BATTLE BEAST eine gewisse Nähe zum BummZapp-Synthwand-Metal der Kollegen POWERWOLF und SABATON nicht absprechen. Dabei muss man jedoch anerkennend würdigen, dass die Truppe um Ausnahme-Sängerin Noora Louhimo seit ihrem Debut ihren Stil konsequent verfolgt, ohne in stumpfe Selbstkopiererei abzudriften. Stattdessen wagt man von Album zu Album Neues und mutet den Fans dabei durchaus einiges zu, testet ihre Toleranzgrenzen und schiebt sie durch die Geilheit des Materials schleichend immer weiter nach oben. Daher erstmal: Was kennt man so schon? Also, die Produktion ist wie gewohnt kompakt, auf den Punkt und dabei deftigst fett. So wie es sein muss. Die dicken Fanfaren-Synths dürfen natürlich auch nicht fehlen, ebenso wie die ultra-eingängigen Melodien, das gewohnte Niveau der Band und die übertriebenen Vocals.
Das sind so die Qualitäten, die der bestens gelungene Uptempo-BATTLE-BEAST-Prototyp “The Golden Horde” und der Midtempo-Track “The Hero” mit seinem “Maniac”-Gedenkriff und dem elektronischen Intro mit seinen knallenden E-Drum-Parts am reinsten beinhalten. Leichte Neuerungen finden sich allerdings schon bei “Unbroken”, dem Opener. Mit erstmals echten Streichern und einem Drummer, der beweist, dass er neben Base-Snare-Base noch mehr drauf hat, gestaltet sich das Ding als würdiger Einstieg, der Experimentierfreude in Strophe und Prechorus beweist und im Chorus die komplette Fanbedienung auffährt. Stimmung geht steil. “No More Hollywood Endings” ist das “King For A Day” vom aktuellen Album, abermals mit starkem Refrain, 50er-Jahre-Film-Noir-Streichern und -Vocals und auch melodisch in diese Richtung gehend nicht unbedingt der Standard-BATTLE-BEAST-Song. Der kommt danach mit “Eden”: bisschen nichtssagend, bisschen 08/15, bisschen mehr gängiger Symphonic Metal, aber auch sehr nett soweit.
Gibt es AOR-Fans, die an dieser Stelle noch mitlesen? Dann sei hier “Endless Summer” für Euch, der Sommer-Feelgood-Song des Albums, der klischeehafter nicht sein könnte, allerdings auch kaum gelungener. Dafür wird es bei “Piece Of Me” ungleich dreckiger in den Drum-orientierten Strophen, verstärkt nochmal durch die wohl asozialsten Keyboards der Geschichte von BATTLE BEAST.
Anschließend kommt mit “I Wish” eine Ballade, die weniger in die Elektropop-Kerbe der Balladen auf “Unholy Savior” schlägt, sondern eher Richtung Titeltrack in Balladenform geht. Übersteigt meine Toleranzgrenze, ist aber ein Fortschritt und top arrangiert. Und das bereits erwähnte “The Golden Horde” lässt dank seiner Refrain-Harmonien den Verdacht aufkommen, man wolle Anton mal zeigen, wie “Blind And Frozen” von BEAST IN BLACK mit Eiern klingen würde. Von dessen Kompositionsstrukturen hat man sich inzwischen souverän ein wenig distanziert. Gut so, denn würde man lediglich weiter auf dieser Erfolgsschiene fahren, wäre bei “No More Hollywood Endings” wohl das passiert, was unter anderem POWERWOLF vor einigen Jahren zugestoßen ist: musikalischer Stillstand auf hohem Niveau. Und das ist bei der neuen BATTLE BEAST in keinster Weise der Fall.

Anspieltipps: “Piece Of Me”, “The Golden Horde”, “Endless Summer” und “Unbroken”

Fazit:
Angst vor der Stagnation der Band ist absolut unbegründet. Die Melodien gehen noch ins Ohr, die Synths knallen, die Produktion ebenso, Nooras Stimme wird immer noch besser – und zu alldem versucht sie die Truppe aus Finnland immer wieder an Neuem. Absolut erfolgreich. Kaufempfehlung der nachdrücklichsten Art.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Unbroken
02. No More Hollywood Endings
03. Eden
04. Unfairy Tales
05. Endless Summer
06. The Hero
07. Piece Of Me
08. I Wish
09. Raise Your Fists
10. The Golden Horde
11. World On Fire

Jannis

INVICTUS – Burst The Curse (Kurz Review)

Band: Invictus
Album: Burst The Curse
Spielzeit: 11:10 min
Stilrichtung: Heavy Metal/Speed Metal
Plattenfirma: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 15.03.2019
Homepage: www.facebook.com/InvictusHeavyMetal

Kurze EP, kurze Rezension. INVICTUS wenden sich mit ihrer Debut-EP an die Öffentlichkeit. Drei Tracks enthält das gute Stück, der Produktion merkt man deutlich an, dass sie nicht von einem Vollprofi stammt. Ein bisschen holzig klingt das Resultat, geht aber für ein eigenveröfftlichtes Ding voll in Ordnung. Soll ja auch ein wenig oldschool klingen und das tut es so auf jeden Fall. Die Leistung der Band ist absolut zufriedenstellend. Die Instrumente sitzen, die Vocals sind wirklich korrekt und die Backing Vocals gut eingesetzt.
Die Songs sind an sich ebenfalls stabil, haben aber kein wirkliches Erinnerungspotenzial. “Burst The Curse” ist einigermaßen purer mitgrölbarer Speed Metal, “Gaja” eine schöne und erfreulich unkitschige Ballade und “Someone Out There” eine Spur langsamer als der Titeltrack, dabei mit einem klassischen Heavy-Metal-Refrain ausgestattet.
Alles in allem: An der Produktion muss bei zukünftigen Releases noch gearbeitet werden und auch hinsichtlich der Komposition besteht noch Luft nach oben. Aber wir reden hier von einer Debut-EP, die ohne Label in Eigenarbeit zusammengeschraubt wurde. Hat sich in Zukunft erstmal eine gewisse Routine eingestellt, so dürften wir von INVICTUS demnächst gut gespielten und authentischen Retro-Speed-Metal erwarten können (was auf “Burst The Curse” bereits der Fall ist), mit ein wenig ausgearbeiteteren Songs und hoffentlich etwas besserer Produktion.

WERTUNG:

 

 

Jannis

SPIRITS OF FIRE – Spirits Of Fire

Band: Spirits Of Fire
Album: Spirits Of Fire
Spielzeit: 62:54 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Frontiers Music
Veröffentlichung: 22.02.2019
Homepage: www.facebook.com/SpiritsOfFireBand

Schnallt Euch an, Leute, es gibt ‘ne neue Supergroup. Und nein, ohne Mike Portnoy, dafür aber mit dem allseits bekannten Tim “Ripper” Owens, Chris Caffery von SAVATAGE und TSA an der Gitarre, Steve DiGiorgio von TESTAMENT und DEATH und Mark Zonder von FATES WARNING. Damit ist schonmal klar, wohin die Reise geht: Heavy Metal der klassischen Art. Für den Sound verantwortlich ist Roy Z, der zuletzt den Sound von STONECASTs “I Earther” in Teilen in den Sand gesetzt hat und bei den SPIRITS OF FIRE erneut nur mittelmäßige Arbeit geleistet hat. Der Wumms fehlt, das Album ist allgemein echt leise für ein aktuelles Metal-Album, aber wie schon bei STONECAST: Hören lässt sich das Ding trotzdem recht gut. Großes Manko bei der Produktion wären noch die Synthesizer, die teils recht gut kommen, teils aber auch wie Fremdkörper anmuten, da sie nicht besonders liebevoll ins Gesamtkonzept integriert wurden, sondern am Ende eben noch draufgeklatscht wurden, in einer Lautstärke, in der sie nicht stören. Vermutlich, um nachher jedem erzählen zu können, das Album verbinde traditionellen Heavy Metal mit modernen Einflüssen und so. Man kennt das. Die Band macht spielerisch insgesamt einen guten Job, auch wenn Tim nur wenige wirkliche Höchstleistungen zum Besten gibt. Dafür überzeugt Caffery auf “Spirits Of Fire” mit quasi durchgängiger Götterarbeit, was Spiel und Komposition angeht. Alleine für die Gitarrenarbeit lohnt sich die Platte eigentlich schon.
Die Songs an sich sind zuerst mal größtenteils zu lang. Nur drei von ihnen sind unter fünf Minuten gehalten, der Rest bisweilen mit immer noch einem weiteren Part künstlich gestreckt. Hätte man die Songs auf vier bis maximal fünf Minuten gehalten, wäre das Gesamtbild am Ende des Hörens wohl etwas kurzweiliger ausgefallen, als es nun der Fall ist. Nichtsdestotrotz machen viele Tracks von “Spirits Of Fire” Spaß. Das Grundfeeling ist enorm PRIESTig und wechselt, wenn man das denn so sagen kann, im Verlauf des Albums von “Painkiller” zu “Nostradamus”. Die konsonanten Harmonien hat man sich für die letzten drei Tracks aufgehoben, insbesondere für das finale “Alone In The Darkness”. Das Resultat ist leicht kitschig aber schön komponiert, wie auch “It’s Everywhere”, Track fünf auf der Scheibe und der erste ansatzweise radiokompatible. Davor (und während der drei Tracks danach) regieren Melodien abseits der Eingängigkeit, gerne im oberen Midtempo/unteren Uptempo angesiedelt, die insbesondere wegen der Gitarrenarbeit während des Hörens ordentlich Spaß machen, dabei aber kaum im Kopf bleiben. Man hat jeden der beteiligten Musiker schon auf wesentlich besseren Alben gehört und wundert sich an einigen Stellen tatsächlich über das Schulband-Niveau, sei es bei den “Hey”-Rufen im Mittelteil von “Stand And Fight”, die so nur live aber niemals auf CD vorkommen sollten, oder beim komplett fehlgeschlagenen Text von “A Game”, den man tatsächlich noch besser durch beständige “Hey”-Rufe ersetzt hätte. Insgesamt ist das Ganze aber überraschend undergroundig klingender Oldschool-Metal, der eher nach JUDAS-PRIEST-Huldigung einer kleineren talentierten Band klingt, als nach einer Allstar-Gruppe.

Anspieltipps:
“Light Speed Marching”, “A Game”, “Alone In The Darkness” und “Spirits Of Fire”

Fazit:
Wer es gerne ein bisschen rauer und traditioneller mag, keinen Wert auf Ohrwurmmelodien legt und die ganze geleckte Popsparte im Metal auf täglicher Basis mit Verachtung straft, für ein paar emotional-ruhigere Songs dabei jedoch Verständnis zeigt, der kriegt mit „Spirits Of Fire“ genau das was er braucht. Wer Owens Stimme, Cafferys Spiel oder geile Gitarren-Performances an sich mag, auch.

WERTUNG:

 

Trackliste:

01. Light Speed Marching
02. Temple Of The Soul
03. All Comes Together
04. Spirits Of Fire
05. It’s Everywhere
06. A Game
07. Stand And Fight
08. Meet Your End
09. Never To Return
10. The Path
11. Alone In The Darkness

Jannis

LAST IN LINE – II

Band: Last In Line
Album: II
Spielzeit: 52:32 min
Stilrichtung: Hard Rock/Heavy Metal
Plattenfirma: Frontiers Music
Veröffentlichung: 22.02.2019
Homepage: www.lastinlineofficial.com

Releasedatum 22.02.2019, einen Monat später sollte man dann auch wirklich mal die Rezension raushauen. Eigentlich wollte ich die Band ja schon früher besprechen, aber leider sind sie eben die LAST IN LINE. Im Zeitalter der Diskussion um die Abschaffung von Plastikbesteck ist es umso wichtiger, auf jegliche erdenkliche Art an die Pommesgabel zu erinnern. Genug der Späße. LAST IN LINE machen das authentischstmöglich. Die Truppe wurde von Vinny Appice, Jimmy Bain und Vivian Campbell gegründet, die so einige legendäre DIO-Alben mitzuverantworten haben. Ex-OZZY-Bassist Phil Soussan übernahm die tiefen Frequenzen nach dem Ableben von Bain und Andrew Freeman komplettiert das LineUp mit seinen bestens zum Sound der Band passenden oralen Glanzleistungen. Dazu ’ne Produktion von Jeff Pilson (FOREIGNER, DOKKEN); was kann da noch schiefgehen?

Kaum was. Der Sound des zweiten Albums der Band ist organisch, kein bisschen gelutscht, dabei druckvoll und leicht trocken-staubig. Kann man nichts dran bemängeln, gerade die Vocal-Produktion ist mit ihren sparsam-effektiven Backing Vocals hervorragend gelungen. Die Gitarren schobbern, der Bass hat gut Anschlag und Durchsetzungskraft, die Drums knallen.
“II” ist eines der Alben, bei deren Hören man automatisch cooler wird. Mit starker Riffarbeit, positiver Abgespecktheit und viel Midtempo ist man unterwegs, vorgetragen von Musikern, über deren Qualität man wohl keine weiteren Worte verlieren muss. Die Mittel des Genres werden soweit ausgereizt. Da gibt es “Love And War”, das in seinen Strophen vergleichsweise smooth zum entspannten Zurücklehnen einlädt, feierlich-hymnische Refrains in “The Unknown” oder “The Light” (Backing Vocals im Quartabstand machen jeden Oldschool-Hard-Rock/Metal-Track nochmal realer) und auch mal bösere Grundstimmung in Teilen des geil einsteigenden “Year Of The Gun”, das zudem mit interessant rhythmusdominiertem Refrain besticht – um mal einige Stichproben anzuführen.
Die DIO-Einflüsse sind oft unverkennbar, auch wenn die Komposition sich durchaus genug Freiheiten erlaubt, um nicht als staubige Kopie seiner selbst aus alten Tagen abgetan werden zu können. Auch Andrews Stimme klingt gerade eben so genug nicht nach Ronnie.
Kritik kann nur bezüglich einiger Songs geäußert werden, die handwerklich erwartet gekonnt umgesetzt wurden, dabei jedoch eher unspektakulär geschrieben sind, insbesondere der mit über sechs Minuten längste Track “Sword From The Stone”, der vergleichsweise gewöhnlich ausfällt und an Interessantem weniger zu bieten hat. Das machen große Teile des Rests des Albums aber wieder wett. Die hard-rockige Einfachheit der Songs wird durch feine Strophenstrukturen, ruhigere Parts mit smartem Gitarreneinsatz und kräftige unkitschige Melodien kompensiert, garniert durch die Skills der Bandmitglieder, die vermutlich auch aus “Hänschen klein” noch eine Biker-kompatible Nummer gemacht hätten.

Anspieltipps: “Year Of The Gun”, “The Unknown”, “False Flag” und “Gods And Tyrants”

Fazit:
Eine so authentische Interpretation von klassischem Hard Rock/Heavy Metal durch derartig routinierte und begabte Musiker mit einer solchen Backstory kann eigentlich nur gelingen. Tut sie auch und sei somit all denen ans Herz gelegt, die besagten Musikstil mögen. Sichere Bank.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. II – Intro
02. Blackout The Sun
03. Landslide
04. Gods And Tyrants
05. Year Of The Gun
06. Give Up The Ghost
07. The Unknown
08. Sword From The Stone
09. Electrified
10. Love And War
11. False Flag
12. The Light

Jannis

IRON SAVIOR – Kill Or Get Killed

Band: Iron Savior
Album: Kill Or Get Killed
Spielzeit: 49:37 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 15.03.2019
Homepage: www.iron-savior.com

Es sind die wirklich wichtigen Fragen, die man sich vor jedem Release eines neuen IRON-SAVIOR-Albums stellt. Was ist momentan mit dem Uuuniverse, wer collidet so, und wie geht’s eigentlich den Titans? Um die interessierten Fans schonmal ein Stück weit beruhigen zu können: Die Titans colliden dieses Mal, auf “Roaring Thunder”, um genau zu sein. Eine Frage, die man sich über die Hamburger Jungs allerdings nicht wirklich stellt, wäre: “Was für bahnbrechende Innovationen haut die Truppe wohl auf ihrem nächsten Album raus?” Ganz ehrlich, “Rise Of The Hero” und “Titancraft” kann ich auch als begeisterter Fan der Band bis auf wenige Tracks nicht auseinanderhalten, sie klingen wie “The Landing”, sind es aber nicht. Daher mag so mancher Fan “Kill Or Get Killed” zwar erfreut erwarten, irgendwie jedoch auch davon ausgehen, dass man wohl kaum größere Überraschungen auf der Platte findet, stattdessen eben ziemlich genau das, was man von den Herren um den einzig wahren Piet so erwartet: Druckvollen, epischen Power Metal mit einer ordentlichen Anzahl Eier (mit Haaren), viel Melodie und ein Vokabular sowie diverse musikalische Wendungen, die für SAVIOR charakteristisch sind. All das verpackt in einer massiven Produktion, die keinerlei Wünsche offen lässt.
Und ja, so ist “Kill Or Get Killed” durchaus – jedem, der mit IRON SAVIOR noch nicht vertraut ist, wärmstens zu empfehlen, denn der Output der Band ist zu hundert Prozent extrem qualitativer Power Metal. Wer die Band also noch nicht kennt, kann an dieser Stelle zu den Anspieltipps weiterscrollen.
Für die langjährigen Fans hier noch ein paar ergänzende Worte. Ja, so ungefähr ist klar, was Euch erwartet. Allerdings fließen in den Sound der modernen SAVIOR bei “Kill Or Get Killed” durchaus verstärkt wieder musikalische Einflüsse aus der Vergangenheit ein, der subjektiven Einschätzung des Rezensenten zufolge insbesondere von “Unification”, “Condition Red” (Die aktuelle Platte hat seit ewig langer Zeit mal wieder ein in seiner Grundfarbe rotes Cover. Zufall?) und “Megatropolis”. Hervorzuheben sei hier besonders der 7,5-Minüter “Until We Meet Again”, der Inspiration aus “Warrior”, “Made Of Metal” vom “Dark Assault”-Album und “Farewell And Goodbye” zu ziehen scheint, extrem stark ausfällt und jedem Fan der älteren SAVIOR die Augen wohl mit ein paar nostalgischen Tränchen anrosten wird. Dazu gibt es mit “From Dust And Ruble” einen erstaunlich Hard-Rockigen Track, der treibend und rifforientiert daherkommt und live sicherlich großartig wird, und mit “Never Stop Believing” zudem einen Song, dessen Feelgood-Vibes im Refrain und Mittelteil fast so radiotauglich wie geil sind und einen spektakulären wie gelungenen Sommerhit-Ausreißer auf “Kill Or Get Killed” markieren.
Und der Rest der Tracks? Nun, wie gesagt, tendenziell wieder mehr Einflüsse der früheren SAVIOR kombiniert mit dem aktuellen Sound, rübergebracht mit einer fortwährend krassen Freude an der Sache und, so würde ich behaupten, interessanterer Kompositionsarbeit als auf den beiden Vorgängern bei musikalisch gewohnt höchster Qualität. IRON SAVIOR sind nach wie vor eine dicke Institution im deutschen Power Metal, das haben sie mit “Kill Or Get Killed” einwandfrei bewiesen.

Anspieltipps:
Zuerst mal die Single-Auskopplungen mit den liebenswerten Videos. Dann “From Dust And Ruble”, “Until We Meet Again” und “Never Stop Believing”

Fazit:
Leichte Sorge nach „Herocraft“ und „Rise Of The Titan“ (oder andersrum?), dass musikalische Veränderung bei IRON SAVIOR auch beim aktuellen Album weitgehend auf der Strecke bleiben könnte, ist verständlich. Doch ist „Kill Or Get Killed“ letztendlich ein Album, das sich wieder mehr auf die Wurzeln der Band besinnt, die Tales Of The Bold nochmal ausgräbt, ohne dem aktuellen Sound der Band untreu zu werden. So mancher IS-Fan der alten Stunde (nein, Pierre Vogel, du nicht) mag einen Haufen Spaß an dieser Platte haben – und jeder Freund von vom Profi mit Liebe gefertigtem Power Metal sowieso.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Kill Or Get Killed
02. Roaring Thunder
03. Eternal Quest
04. From Dust And Ruble
05. Sinner Or Saint
06. Stand Up And Fight
07. Heroes Ascending
08. Never Stop Believing
09. Until We Meet Again
10. Legends Of Glory

Jannis

STONECAST – I Earther

Band: Stonecast
Album: I Earther
Spielzeit: 47:26 min.
Stilrichtung: Heavy/Power Metal
Plattenfirma: Pitch Black Records
Veröffentlichung: 08.03.2019
Homepage: www.facebook.com/stonecastmetal

STONECAST. Nie von gehört, muss ich zu meiner Schande zugeben. Auf jeden Fall Franzosen, haben mit „I Earther“ ihr drittes Album just vom Stapel gelassen und machen melodischen Heavy Metal beziehungsweise Power Metal ohne Keyboards. Fast ohne Keyboards. Gemixt wurde der Spaß von einer recht großen Nummer im Biz, Roy Z, der seit einem Vierteljahrhundert für Größen wie BRUCE DICKINSON, HELLOWEEN oder JUDAS PRIEST die Knöpfchen schiebt, die Produktion sollte also souverän sitzen.
Sollte, trotzdem muss man sich gerade bei der Produktion der Vocals mal wieder fragen, was da eigentlich passiert ist. Die ersten Töne von Franck Ghirardi sind der typische volumen-, hall- und echofreie Garagensound, der des Rezensenten Tonne regelmäßig mit Platten füllt. Über das Album hinweg stellt sich dann allerdings heraus, dass Franck ein vielseitiger und kompetenter Sänger ist, der in diversen Gesangsmodi überzeugen kann, dabei auch gut klingt und nur zu gewissen Zeiten unvorteilhaft produziert wurde. Kann man drüber hinwegsehen, der Rest der Produktion sitzt auch, aber warum man regelmäßig einen Sänger in einen Schuhkarton setzt und da dann Tonstudio draufschreibt, erschließt sich mir nicht.
Dann zur Musik. Ein Teil der Tracks auf „I Earther“ ist in gängigen Song-Strukturen geschrieben worden, so zum Beispiel der Midtempo-Banger „Precipice To Hell“ mit seinem intensiven Refrain und seinem umso fetteren Endpart und der finale Track „Stainless“, der ein unerwartet fettes Ende dieses in seiner Qualität in seinem Verlauf leicht aufbauenden Albums darstellt. Andere sind etwas freier gestaltet, beispielsweise die einvernehmenden Über-sieben-Minuten-Tracks „The Cherokee“ und „Resistence“. All diese Tracks verbindet der Gedanke, dass es etwas musikalisch Höheres gibt als „Hail And Kill“. Die Songs auf „I Earther“ sind nicht unbedingt eingängig, werden vermutlich selten auf der Straße gepfiffen – aber sie sind musikalisch, insbesondere hinsichtlich der einzelnen Instrumentenspuren und des Skills der jeweiligen Musiker, auf unauffällige Weise sehr vielseitig. STONECAST sind durchaus eine Band, die man nebenbei und unkonzentriert hören kann, ohne sich von ihr abgelenkt oder gestört zu fühlen. Doch hört man diesem, in seinem Gesamtklang doch recht konventionellen, Metalalbum genauer zu, so wird man die Liebe, die in seine Komposition gesteckt wurde, deutlich hören können, sei es beim smoothen Intro und Mittelteil von „Stainless“, dem wunderschönen kurzen „Forevermore“-Intermezzo oder dem insgesamt fast soft klingenden während fix abgehenden „Goddess Of Rain“.
Nicht alle Ideen sind dabei gut. An mancher Stelle ist der Gesang unangenehm, an mancher entsteht trotz aller Bemühungen ein 08/15-Part, den man sich hätte sparen können. Im Endeffekt ist „I Earther“ ein Album, dem man ein paar Entscheidungen nicht übel nehmen darf, dafür aber am gesamten Werk eine Menge Freude haben kann. Zum zehnjährigen Albumjubiläum empfehle ich eine Neuaufnahme oder zumindest eine remasterte Version. Verdient hätte es die Platte auf jeden Fall, und es ließe sich womöglich noch ein Punkt damit rausholen.

Anspieltipps:
“Goddess Of Rain”, “Precipice To Hell”, “Resistence” und “Stainless”

Fazit:
Man mag „I Earther“ mit leichter (oder schwererer) Skepsis beginnen. Doch lässt man sich auf die Platte ein und verzeiht ihr ein paar Fehler, so offenbart sich ihr Potenzial und sorgt dafür, dass man am Ende des letzten Tracks den zweifelnden Blick durch ein beeindrucktes Nicken eingetauscht haben wird. STONECAST sind keine der 1000 Bands, die die gleiche Art von charakterlosem Power Metal spielen. Sie sind vielleicht auch keine Band, die langfristig mit großer Bekanntheit rechnen kann, dazu fehlt der SABATON-Faktor – aber verdient hätten sie es, spätestens, wenn sie bei Album Nr. 4 ein paar Probleme in den Griff gekriegt haben und die Rock Garage mit quietschenden Reifen und entspannten 9 Punkten minimum verlassen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Captors Of Insanity
02. Goddess Of Rain
03. The Cherokee
04. The Earther
05. Animal Reign
06. Forevermore
07. Precipice To Hell
08. Resistence
09. Stainless

Jannis