EVERGREY – A Heartless Portrait (The Orphean Testament)

Trackliste:

1. Save Us
2. Midwinter Calls
3. Ominous
4. Call Out the Dark
5. The Orphean Testament
6. Reawakening
7. The Great Unwashed
8. Heartless
9. Blindfolded
10. Wildfires

 

Spielzeit: 50:15 min – Genre: Melodic Progressive Metal – Label: Napalm Records – VÖ: 20.05.2022 – Page: www.facebook.com/Evergrey

 

Hm. Nehme ich die Rezension von der letzten EVERGREY-Platte einfach nochmal, da sie einfach optimal auch auf „A Heartless Portrait (The Orphean Testament)“ passen würde? Die Versuchung ist groß, aber dafür werde ich schließlich nicht bezahlt, also werfen wir mal ein Ohr in das 13. Album der Schweden um den mächtigen Tom S. Englund. Und das ist, wie gewohnt, Anlass zu Melancholie (im positiven Sinne), denn die Truppe hat erneut ein Werk geschaffen, das Härte, durchaus böses Riffing und skandinavische düstere Schönheit – Ihr wisst, die mit den hallenden weichen Klaviersounds – kombiniert, um progressive Elemente und gut gewählte Synthesizer ergänzt und ein paar eher Alternative-Rockige Melodiewendungen mit Hang zur Poppigkeit hinzugefügt und im Sinne des Genres rekontextualisiert. Das Ganze wird dann verpackt in 50 Minuten brillianter Produktion und fertig ist die Kiste. Jaaah, ein paar Kritikpunkte gibt es, die aber mehr oder minder subjektiv gehalten sind: Allen voran die Ballade „Wildfires“ auf Clean-Gitarren-Basis, bei der man nicht genau sagen kann, ob sie besser oder schlechter gewesen wäre, wenn man zumindest den letzten Chorus in voller Bandaufstellungs-Fettheit gebracht hätte. Hat man nicht. Ist dann so.
Die poppigen Ausflüge in Kopfstimme, die Englund ab und an unternimmt, bleiben ebenso Geschmackssache und „Heartless“ ist durchaus ein Kandidat für den nächsten schwedischen Beitrag für den ESC (was nicht schlecht aber auch nicht uneingeschränkt gut ist), aber zu diesem Zeitpunkt könnte man auch einfach in dem Komplimente-Part übergehen und nochmal klar verkünden, dass „AHP(TOT)“ ein astreiner Beitrag zum Melodic Metal ist, der in den meisten Songs praktisch fehlerfrei ausfällt. „Save Us“ stellt ohne lästiges Intro direkt mal klar, wohin die Reise geht und dass man sich sowohl auf große, im spezifisch EVRGREYschen Stil melancholische Melodien als auch auf eine gesunde Portion Härte freuen darf. Bei „Midwinter Calls hat man kurzerhand bei Konzerten aufgenommene Fangesänge integriert, was sehr gut und kraftvoll kommt, sowie ein paar elektronische Elemente. Takttechnisch progressiv wird’s das erste Mal bei „Ominous“ und „Call Out Of The Dark“ liefert dann endlich die lang ersehnten Club-Synths und ist trotz leicht redundantem Refrain ein ordentlicher Brecher. „Blindfolded“, der Song nach „Heartless“, ist genau das Richtige für alle, denen der Vortrack ein bisschen zu Radio war – sowohl Gitarren als auch Gesangsmelodie kommen hier vergleichsweise unmelancholisch und biestig und schaffen einen angenehmen Kontrast zum Rest der Platte.

Fazit:
So gut wie der Vorgänger? Nicht ganz, aber eben auch nur minimal darunter. Und damit bleibt „AHP(TOT)“ ein absolut starkes Album für Fans der Band, von sauberst intoniertem und technisch gut durchdachtem Metal mit Melodien, Härte und Seele.

Anspieltipps:
„Save Us“, „Call Out Of The Dark“, „Reawakening“ und „Blindfolded“

Jannis

 

 

GUILD OF OTHERS – Guild Of Others

Trackliste:

01. Other Side
02. Balance
03. Always There
04. Memento
05. New World Disorder
06. Elysium
07. Veil Of Insanity
08. Spirit Ghost

 

 

Spielzeit: 46:57 min – Genre: Progressive Metal – Label: Louder Than Loud Records – VÖ: 28.02.2022 – Page: www.facebook.com/Guild-of-Others-105834661701985

 

Obligatorischer Bekanntheitscheck der Band auf Facebook vor dem Verfassen der Rezension: 98 Gefällt-mir-Angaben und man findet die Seite noch nicht einmal, wenn man „Guild Of Others“ in die Suchleiste eingibt. Da ist offensichtlich etwas extrem schief gelaufen, wenn man bedenkt, dass sich auf dem Debutalbum des Projekts um Tom Wallace und Steve Potts unter anderem SONS OF APOLLO/DREAM THEATER-, DIO- und SAGA-Mitglieder tummeln. Aber gut, was nicht ist, kann ja noch werden, und angesichts des ersten Longplayers von GUILD OF OTHERS muss man schwerstens darauf hoffen, denn als Long-Time-Geheimtipp wäre die Musik der Truppe ansonsten echt Perlen vor die Säue.
Doch, das nach der Band benannte Album ist ein kleines Underground-Juwel, tief vergraben im Prog-Boden. Das beginnt bereits bei der Produktion, bei der man mit viel Lust am Meckern vielleicht noch anbringen könnte, dass das ein oder andere Lead-Synthesizer vielleicht minimal zu laut ist. Vielleicht. Minimal.
Weiter geht das bei der Performance der beteiligten Musiker, die von vorne bis hinten sitzt. Insbesondere die Vocals sind durch die Bank makellos, mit Ausdrucksstärke, Vielseitigkeit und in Sachen Produktion bestens behandelt. Und diese Makellosigkeit offenbart sich auch im Songwriting. „Guild Of Others“ ist letztendlich Neo-Prog-Rock in etwas härter und könnte im Musikunterricht als exemplarisches Beispielwerk für das Genre verwendet werden. Orgel ist drin, Leadsynth-Soli und -Untermalungen sind drin (schöne klassische Soundauswahl), Klavier und Pad/Orchesterelemente sind drin und die Songs fallen trotz so mancher Stimmungswechsel in sich sehr harmonisch aus, wirken nie aneinandergestückelt und sind in ihrer smarten Komposition doch nie so überfordernd, dass sie den Hörer aus seinem Modus herausreißen würden. Die Melodien sind zumeist interessant, die Mittelteile oft ausufernd, dabei aber spannend und abwechslungsreich. Dafür sorgen auch immer wieder kleine jazzige Einsprengsel und großer Respekt für die einzelnen Elemente (es ist doch immer toll, wenn beispielsweise der Bass nicht nur Fundament ist, sondern auch wirklich was zu sagen hat).

Fazit:
„Guild Of Others“ ist prototypischer Progressive Metal/Rock der älteren Schule, und das auf hohem Niveau. Komplexität verwendet die Band nie zum Selbstzweck und verzichtet auch gerne darauf, wenn sie dem Song(abschnitt) gerade nicht angemessen wäre. Kurz: Das Ding verdient Aufmerksamkeit und ist hiermit allen Prog-Fans wärmstens ans Herz gelegt.

Anspieltipps:
Kann man sich sparen, einfach mal in drei unterschiedliche Songs reinhören, das sollte für einen ungefähren ersten Eindruck reichen.

Jannis

AMORPHIS – Halo

Trackliste:

01. Northwards
02. On The Dark Waters
03. The Moon
04. Windmane
05. A New Land
06. When The Gods Came
07. Seven Roads Come Together
08. War
09. Halo
10. The Wolf
11. My Name Is Night

Spielzeit: 55:42 min – Genre: Melodic Progressive Folk Death Metal – Label: Atomic Fire – VÖ: 11.02.2021 – Page: www.facebook.com/amorphis

 

Rezensionen sind in vielen Fällen eine gute Sache, um sich über Neuerscheinungen zu informieren und herauszufinden, ob man an ihnen potenziell Gefallen finden könnte. In einigen Fällen, beispielsweise bei U.D.O.- oder eben bei AMORPHIS-Alben, sind sie aber auch primär dafür da, dass der Redakteur das kommende Album einfach schon ein bisschen früher hören kann – und sekundär, damit vielleicht der letzte Mensch auf Erden, der die entsprechende Band noch nicht kennt, auf sie aufmerksam gemacht wird. Denn machen wir uns nichts vor: Niemand erwartet auch nur ansatzweise, dass diese Rezension zu dem Schluss kommt, „Halo“, das nunmehr 14. Album von AMORPHIS in ihrer 31 Jahre andauernden Geschichte, sei ein schwaches Album, das man eher nicht hören sollte. Warum auch, sind die Finnen doch seit eh und je ein absoluter Qualitätsgarant, der einen eigenen grandiosen Stil für sich geschaffen hat, aus höchst passionierten und talentierten Musikern besteht und Wert auf ein starkes Endresultat legt. Darum arbeitet man auch mit Produzent Jens Bogren zusammen, der einen bombastischen, druckvoll-klaren Sound für die Platte zusammengeschustert hat.
Musikalisch: Nun, der klassische AMORPHIS-Klaviersound ist vergleichsweise selten, aber damit endet die Kritik auch schon. „Halo“ findet einmal mehr einen sauberen Mittelweg zwischen düstereren Tönen, angetrieben durch Tomi Joutsens mächtige Growls, und wunderbaren getragenen Gesangsmelodien und Gitarrenmotiven vor druckvoll-schönen Arrangements, die die traumartige dichte Atmosphäre der Musik der Band so besonders machen. Ein Stück weit hat man den AMORPHIS-Sound dabei reduziert, ist insbesondere in der ersten Hälfte von Strophen mit Basic-Band-Instrumentierung und Growls relativ trocken unterwegs (was dank der Produktion aber bereits ordentlich knallt) und spielt teils mit unkonventionelleren Taktarten. Umso fetter sind damit die Parts, in denen so richtig ausgepackt werden kann. Orchestrale Elemente, Synthesizer, Orgeln, Chöre, eine starke Gastsängerin und ergänzende Percussion halten hier Einzug, ohne die Songs zu überladen. Und dazu kommen die wunderbaren, stimmungsvollen Melodien, das Zusammenspiel von Leadgitarre und Gesang, tronend auf einem schweren Rhythmusfraktion-Fundament. Und das bedeutet, wie erwartet:

Fazit:
„Halo“ ist ein weiterer Release von AMORPHIS, den man bedenkenlos blind kaufen kann, wenn man mit den letzten Veröffentlichungen der Truppe etwas anfangen konnte. Wer hätte das gedacht?

Anspieltipps:
„Northwards“, „On The Dark Waters“, „Seven Roads Come Together“ und „Halo“

Jannis

MAX PIE – PASSENGERS

Trackliste:

01. Ignition
02. A Thousand And One Lives
03. Lucy
04. Only The Silence Remains
05. Grains Of Sand
06. Breath Of The World
07. Ariadne’s Thread
08. Last Goodbye
09. Drawing The Future
10. Love For Sale
11. Passengers

Spielzeit: 61:09 min – Genre: Progressive Power Metal – Label: Rock City Music Label – VÖ: 03.12.2021 – Page: www.facebook.com/maxpiemusic

 

Silvester ist vorbei, man hat pflichtbewusst gefeiert, dass 2021 endlich rum ist, und dabei bestmöglich verdrängt, dass das nächste Jahr vermutlich nicht besser wird. Und keine zwei Wochen drin wird einem dann bewusst, dass 2021 eben doch nicht alles schlecht war, und man sucht nach den letzten Überbleibseln, an denen man sich festhalten kann. Eins davon ist MAX PIEs „Passengers“, erschienen bereits am 03. Dezember. Das ist Progressive Power Metal aus Belgien, Album Nr. 4 der Truppe, die entgegen aller Erwartungen kein Mitglied/keinen Bandleader namens Max Pie hat.
Progressive Power Metal ist so eine Angelegenheit, bei der man im schlimmsten Fall viele Synthesizer oder Orchesterelemente mit verschiedenen Taktarten und ein bisschen Gefrickel über absolut belanglose Gänsehautmelodien und ein paar seelenlose düstere Parts transportiert. Im besten Fall ist es genau das gleiche, nur mit unbelanglosen Gänsehautmelodien und sinnhaften düsteren Parts. MAX PIEs neustes Werk liegt auf der Skala der beiden Extreme klar in der positiven Hälfte. Melodietechnisch ist man, beispielsweise bei „Drawing The Future“, okay unterwegs, gerne aber auch auf Qualitäts- und Wiedererkennungswert-Niveau, wie bei „Breath Of The World“ mit unkonventioneller wie funktionierender Chorus-Harmoniefolge. Nicht durchgängig Oberklasse aber so gut, dass die schwächeren Parts nicht weiter stören sollten, wenn es sonst genug zu erleben gibt.
Und das gibt es häufig durchaus. Spiel und Gesang sind sauber, die Orchesterelemente seltener als gedacht, aber in Sachen Sound wirklich wertig – siehe Intro – und die Synths und elektronischen Elemente sind, gelinde gesagt, präsent. Jap, davon gibt es wirklich viele, aber nie wieder so exorbitant wie bei „A Thousand And One Lives“, das eine ziemliche Keyboard-Party entfacht. Kann man hassen, kann man feiern, ich mache letzteres. Neben modernen Sounds gibt es aber auch immer mal wieder ein bisschen sympathische Retro-Prog-Orgel- oder Klaviersounds und auch die Prog-Flöte darf nicht fehlen, angewendet im starken Zehn-Minüter „Passengers“.
Kritik: Das sehr präsente Hintergrundsynth aus „ATAOL“ hätte man bei „Breath Of The World“ nicht mehr aufwärmen sollen, „Grains Of Sand“ ist sehr verdächtig nah an MYRATHs „Believer“ (so nah, dass es kaum sein kann, dass MAX PIE den Track nicht kennen) und ein paar mal driftet man dann eben doch Richtung „Gut Fassade mit weniger Substanz“ ab, allerdings erfreulich selten.

Fazit:
Bombast, Keyboards unterschiedlicher Couleur, progressives Rumgetakte, klingt gut und hat einen ordentlichen Anteil an Qualitätskompositionen, die durch kleine Ausflüge in andere Stimmungslagen noch einmal aufgewertet werden. Wer mit diesen Bestandteilen etwas anfangen kann, der sollte MAX PIE auf jeden Fall eine Chance geben – gerade wenn er von der Routinisierung vergleichbarer bekannterer Bands wie SEVENTH WONDER in letzter Zeit ein wenig enttäuscht wurde.

Anspieltipps:
„A Thousand And One Lives“, „Only The Silence Remains“, „Breath Of The World“ und „Passengers“

Jannis

LORDS OF BLACK – Alchemy Of Souls, Pt. II

Band: Lords Of Black
Album: Alchemy Of Souls, Pt. II
Spielzeit: 66:07 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Frontiers Music srl
Veröffentlichung: 15.10.2021
Homepage: www.lordsofblack.com

Es hat immer seinen Reiz, ein Album zu hören, das einen mit auf eine emotionale Reise nimmt, verschiedene Stimmungen abdeckt und damit eine spannende Unvorhersehbarkeit erzeugt. Es kann im Vergleich aber genauso reizvoll sein, ein Album zu hören, das sich einer Grundstimmung verschrieben hat und diese über seine Spieldauer weitestgehend aufrecht erhält, um seine Hörer intensiver in diese Stimmung hineinzuziehen. “Alchemy Of Souls, Pt. II” ist eines der letzteren Alben und macht seine Sache dabei, so viel sei schon einmal gesagt, echt gut.
Das fünfte Album der Spanier um Oral-Virtuosen Ronnie Romero (Ruhe in der letzten Reihe!) wurde auf dem Mischpult von Roland Grapow geformt, und das aus gutem Grund. Klingt einfach geil, in leiseren wie in lauteren Momenten, klar, heavy, knallend. Das, plus die Vocals von Ronnie und das tighte aber durchaus detailreiche Spiel der restlichen Lords, ist schonmal die halbe Miete.
Und die andere Hälfte? Nun, wie gesagt, die Atmosphäre des Albums manifestiert sich im grundlegenden Stil des Quartetts: düster, nachdenklich, leicht hoffnungslos verzweifelt, all das in heavy gespielt und produziert. Der Stil zündet, sei es bei riff-orientierten, böseren Tracks wie “Fate To Be Destroyed” oder “No Hero Is Homeless” (die beide melodieverliebtere Ansätze im Chorus zeigen) oder etwas “freundlicheren” Tracks wie “What’s Become Of Us” oder “Prayers Turned To Whispers”.
Ergänzt wird das Konzept um progressive Ansätze, die sich jedoch angenehm hintergründig zeigen und nur selten (zum Beispiel im 7/8el-Part von “In A Different Light”) mal so richtig rausgehängt werden.
Ebenfalls kommen Synthesizer zum Einsatz, die normal gut gewählt sind und nicht zu penetrant ausfallen, ebenso Klavier- und Orchestersounds, letztere zum Teil ein wenig zu unauthentisch für die restliche Qualität der Produktion.
Kritik gibt es ein wenig, inkonsequenterweise hinsichtlich der Aspekte, die bis hierhin bereits gelobt wurden. So erfreulich ein eigener Stil und eine dichte Atmosphäre über ein komplettes Album hinweg ist, ist “Alchemy Of Souls, Pt. II” halt auch 66 Minuten lang und so kommen Wiederholungen in relevanteren Harmoniefolgen durchaus vor. Hier wäre noch ein letzter entscheidender Schritt gewesen, seinen Stil und die gewünschte Stimmung des Albums zu definieren, um anschließend hin und wieder kontrolliert ein wenig damit zu brechen. Ich rede nicht von einer cheesy Klavierballade oder einem plötzlichen Saxophon-Solo, aber die Muster der LORDS OF BLACK scheinen hier ein wenig zu gefestigt zu sein, um über eine so lange Spieldauer durchgängig unterhalten zu können. Drei Songs weniger oder ein wenig mehr Mut zur Erweiterung des eigenen Stils, gerade hinsichtlich so einiger Melodieführungen und Harmoniefolgen, hätte der Platte noch gut getan.

Fazit:
So, wie sie ist, kann man “Alchemy Of Souls, Pt. II” vielleicht noch ein Stück mehr abgewinnen, wenn man zwischendurch mal eine Pause einlegt oder nach den ersten drei Hördurchgängen seine Skip-Kandidaten unter den Songs gefunden hat. Aber abseits dessen weiß das Ding mitzureißen, mit toller Produktion, starken Interpreten und stabilem Songwriting.

Anspieltipps:
“Mind Killer”, “Fate To Be Destroyed”, “Before That Time Can Come” und “No Hero Is Homeless”

WERTUNG:

 

 

 

Trackliste:

01. Prelude (Alchimia Confessio 1458 A.D.)
02. Maker Of Nothingness
03. What’s Become Of Us
04. Bound To You
05. Before That Time Can Come
06. Mind Killer
07. Death Dealer
08. Prayers Turned To Whispers
09. In A Different Light
10. How Long Do I Have Now
11. Fated To Be Destroyed
12. No Hero Is Homeless
13. Sympathy

Jannis

SOBER TRUTH – Laissez Faire, Lucifer! [ lɛseˈfɛʀ, ˈluːsɪfə(r)!]

Band: Sober Truth
Album: Laissez Faire, Lucifer! [ lɛseˈfɛʀ, ˈluːsɪfə(r)!]
Spielzeit: 50:47 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: ACFM Records
Veröffentlichung: 10.09.2021
Homepage: www.facebook.com/sobertruthband

Die VÖ der aktuellen SOBER TRUTH Scheibe „Laissez Faire, Lucifer!“ liegt mittlerweile schon einige Tage zurück, trotzdem möchte ich euch das geile Teil nicht vorenthalten. (Und schonmal ein großes Sorry an die Band, dass es so lange gedauert hat).
Wie ich im letzten Review zum Vorgänger-Album „Psychosis“ (https://www.rock-garage.com/sober-truth-psychosis/) schon habe verlauten lassen, Progressive Metal ist nicht so meine bevorzugte Stilrichtung. Tatsächlich bilden SOBER TRUTH da eine sehr gute Ausnahme dieser Regel, da die Jungs es für meinen Geschmack wirklich super schaffen, sich nicht in endlosen Schwurbeleien zu verlieren, die dann keiner mehr nachvollziehen kann (entspricht dann ungefähr diesem Schachtelsatz).
Für die-hard Prog-Fans könnte das zu wenig sein, aber die schreiben ja dieses Review nicht.
Die Reise in die menschlichen Abgründe startet schon direkt mit dem authentisch finsteren Intro „Début diable“ um dann direkt mit „Distinctive“ durchzustarten. Dunkel, aber mit einem deutlich thrashigen Härtegrad und einem gutturalen Grundton und das alles in angemessenem Tempo. Starker Einstieg, gefällt sehr gut und das auf Anhieb.
Bei „Dizygotic Twins“ wird zwischen englischer und deutscher Sprache gewechselt, interessant, neu und irgendwie geil. Der Genremix wird dabei weiter auf die Spitze getrieben, es klingt als hätten die Siegburger ein Teil der Neuen Deutschen Härte in ihr Repertoire aufgenommen. Das zeigt wieder sehr deutlich, wie eigenständig und selbstbewusst SOBER TRUTH mittlerweile agieren. Überhaupt haben die Jungens mit Album #6 wiederholt gezeigt, dass sie auf Genregrenzen pfeifen und konsequent an ihrem Stilmix festhalten. Für ausreichend Abwechslung ist auf „Laissez Faire, Lucifer!“ mit seinem starken 50 Minuten für 12 Songs auf alle Fälle gesorgt.
Aber auch schwer konsumierbar Stücke fehlen nicht, „Imperfection“ ist im Gegensatz zu den vorherigen Songs dann doch eher schwer verdaulich, was dem Können der Band aber keinen Abbruch tut.
„DNA“ ist nicht ganz rund und fällt etwas zu den Vorgängersongs ab, was im Falle von „Laissez Faire, Lucifer!“ immer noch jammern auf extrem hohem Niveau ist. Denn schon direkt nach „DNA“ knallen die Granaten „Planted Brains“ und „Rebirth“ rein. SOBER TRUTH zeigen hier pár excellence ihr Können und ihre wahnsinnig gereifte Eigenständigkeit. Und mit den beiden genannten Songs hört es auch nicht auf. Das basslastige „Hope, Enjoy & Death“ groovt so richtig durch und wechselt auch hier wieder die Sprache gekonnt von Englisch zu Deutsch. Dadurch kommt wieder ein leichter NDH Touch in den Song, der der Band wirklich gut steht. Sänger und Mastermind Torsten Schramm hat echt die perfekte Stimme hierfür. Und vor allem Basserin Jules Rockwell hat sich hier mehr als perfekt in Szene gesetzt. Super.
Bevor sich die Band mit „Taste Unplugged“, einer gefühlvollen akustischen Neuauflage des Songs „Taste“ verabschiedet, gibt es mit „Limbus“ noch eine Dark Metal Bombe vom Feinsten. Auch hier passt Torstens Stimme irgendwie wieder perfekt rein. Gerne mehr davon, die Wandelbarkeit ist genial geil.

Fazit: Die 2007 gegründete Band stellt uns auf Album #6 einen wild anmutenden Metal-Mix vor, der Genregrenzen mühelos überwindet und dabei nicht den roten Faden verliert. Inhaltlich durchforsten wir wieder die menschliche Psyche in all ihren Facetten und das stellenweise in gekonnten Wechseln zwischen deutsch und englisch, Metal, Groove, Dark und sogar Akustik. Den Namen SOBER TRUTH sollte man sich unbedingt merken, wenn man Eigenständigkeit und Individualität sucht, die sich nicht mit Belanglosigkeiten aufhält und so richtig abgeht. Dafür sind die Siegburger definitiv ein Garant. Vielleicht werde ich jetzt doch noch Prog-Fan, wenn alle Bands so geil sind. Für die klasse Leistung auf „Laissez Faire, Lucifer!” kann man SOBER TRUTH nur Tribut zollen und das tue ich mit knackigen 9 Sternen. Klasse gemacht und unbedingt weiter so!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Début Diable
02. Distinctive
03. Dizygotic Twins
04. Imperfection
05. Entre les Chansons I
06. DNA
07. Planted Brains
08. Rebirth
09. Hope, Enjoy & Death
10. Entre les Chansons II
11. Limbus
12. Taste Unplugged

Tänski

Hört mal rein:

WINGS OF DESTINY – Memento Mori

Band: Wings Of Destiny
Album: Memento Mori
Spielzeit: 46:24 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: WormHoleDeath
Veröffentlichung: 23.07.2021
Homepage: www.facebook.com/wingsofdestinyband

Klassischer Ablauf beim Auswählen der zu reviewenden Alben: Auswahlliste durchgehen, von jedem Album die erste Single anspielen, Auswahl treffen, Album erhalten, komplett vergessen, was man da jetzt eigentlich ausgewählt hat, Wochen später Ordner mit dem Album öffnen, Cover anschauen, erkennen, dass es blau-orange ist und dann angesichts seiner Wahl erst einmal eine halbe Stunde zusammengekauert in der Dusche sitzen, weil man weiß, dass man sich nun unweigerlich eine Stunde mit… naja, Blau-orange-Power-Metal auseinandersetzen wird, der erfahrungsgemäß sehr symphonic, bombastisch, ordentlich kitschig und substanzlos ist.
Doch sind solche Vorverurteilungen nicht immer angemessen, wie WINGS OF DESTINYs “Memento Mori” eindrucksvoll beweist. Seit 2013 gibt es die Truppe aus Costa Rica und seit 2015 bringt sie entspannt ein Album im Jahr raus, was sich normalerweise auf die Qualität der Musik auswirken müsste. Was sich beim preiswert klingenden und etwas uninspirierten Orchester-Intro zeigt und sich mit Einsatz der Band – komplett ändert!
Sound: stabil, nix groß dran zu meckern. Keyboard: vorhanden, präsent, meist als Orchester aber immer wieder auch mal als cool eingesetztes Lead/Arpeggio-Synth. Instrumentalskills: mehr als vorhanden, WINGS OF DESTINY verstehen ihr Handwerk absolut. Vocals: beeindruckend; ich bin absolut von mindestens zwei Sängern ausgegangen, von denen einer eher bis ziemlich unklar singt und zwischendurch auch mal gelungene Growls auspackt und einer für den Klargesang verantwortlich ist. Aber nein, das ist alles Anton Darusso, der eine bewundernswerte Bandbreite an Gesangsstilen beherrscht, die sich gerne mal fließend abwechseln und, zum Beispiel bei “Holy Grail”, musicalhaft im Sinne mehrerer sich ergänzender Sänger eingesetzt werden.
Und entgegen aller Erwartungen ist der Kitschfaktor kaum vorhanden, dafür aber viel Mut zu weniger konsonanten Passagen, teils für das Genre echt guter Härte, viel Virtuosität und heftigst unterhaltsamem Abwechslungsreichtum. “Memento Mori” rast durch unterschiedliche Parts, wirft den Hörer vom harmonischen Midtempo in erfreulich aggressives Gerase, streut zwischendurch neoklassische Elemente ein und ist insgesamt schlicht ein Album, das progressiv ist, ohne einem damit auf die Nerven zu gehen. Auch die immer wieder auftauchenden Synth-Sounds verDRAGONFORCEen die Platte nicht und jeder eintönigere Part wird durch kleine Details aufgewertet. Nein, das ist nicht der typische “Kadenz, Streicherteppich, Retortengänsehaut”-Metal, den man bei einem solchen Cover erwarten mag. Im Gegenteil, das ist praktisch durchgängig interessant komponierter und top arrangierter unkitschiger orchestraler Power Metal mit einer angenehmen Dosis an Aggressivität und Düsterkeit, der dennoch astrein als Power Metal durchgeht.

Fazit:
Unaufdringlich technisch intelligent, komplex, vielseitig, melodisch, opulent und sauber umgesetzt: Für WINGS OF DESTINY ist Power Metal nicht ein Regelwerk, das erfüllt werden muss, sondern ein Abenteuerspielplatz, der bei Kreativität der Spielenden unzählige Möglichkeiten bietet. Vielleicht brennt das ein oder andere Klettergerüst und das Karussell beschleunigt eigenständig auf 140, aber genau so macht die Sache halt auch Spaß!

Anspieltipps:
“Shadowland”, “Of Dwarves And Men”, “Memento Mori” und als poppigerer Ausgleich “Death Wish”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Playing With Fire
02. Death Wish
03. Holy Grail
04. Shadowland
05. Reborn Immortal
06. My Freedom
07. Of Dwarves And Men
08. Memento Mori
09. City On Fire
10. Theater Of Tragedy

Jannis

TERAMAZE – Sorella Minore

Band: Teramaze
Album: Sorella Minore
Spielzeit: 40:42 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Wells Music
Veröffentlichung: 11.05.2021
Homepage: www.teramaze.com.au

Nach dem wirklich formidablen „I Wonder“ aus dem letzten Jahr war ich natürlich höchst gespannt aud das, was uns die Australier auf ihrer neuen Scheibe kredenzen. Allerdings machte mir das doch recht kurze Intervall zwischen den Scheiben ein wenig Sorgen. Nun, ich müsste lügen wenn ich sagen würde, dass mir „Sorella Minore“ keine Mühen gemacht hat. Aber der Reihe nach: Kernstück der Platte ist das mit über 25 Minuten doch recht sportlich bemessene Titelstück, bei dem die Band von 3 (australischen) Gastsängern/innen unterstützt werden. Nun gibt es in der Historie der progressiven Musik, auch der harten, ja genügend Beispiele von solchen Experimenten und die können durchaus gelingen (das Dream Theater Karriere-Highlight „A Change of Seasons“ sei hier als Beispiel genannt). Und an solchen Referenzen muss man sich halt auch messen lassen, wenn man dem Hörer eine solche Herausforderung zutraut. Alleine, den Vergleich halten TERAMAZE mit „Sorella Minore“ leider nicht ganz stand.

Als Fortsetzung der bandeigenen „Her Halo“ Storyline gedacht, soll der Track die bisher gesponnene Geschichte weiterführen. Was textlich durchaus Sinn macht, funktioniert musikalisch allerdings nur bedingt. TERAMAZE steigen gleich zu Beginn mit der, zugegebenermaßen bärenstarken, Basishookline/dem Refrain ein, die im Laufe des Songs, in verschiedenen Variationen immer wiederkehrt. Abwechslung gibt es dank der verschiedenen Stimmen auch, zeitgemäß produziert und spiegelglatt in Szene gesetzt ist das Alles natürlich ebenfalls – aber über die gesamte Strecke von 25 Minuten wird es dann doch irgendwann beliebig. Der Titeltrack löst das gegebene Versprechen leider nicht vollends ein. Da die restlichen 3 Songs zwar nicht schlecht, aber auch nicht überragend sind und neben dem Longtrack wie Beiwerk wirken, lässt mich die neue Scheibe ein wenig ratlos zurück.

Tja, so sehr ich die Scheibe auch mögen möchte – auch nach unzähligen Durchläufen bleibt unterm Strich nur wenig hängen ein enttäuschter Nachgeschmack. Da wäre definitiv mehr drin gewesen und ich hoffe, dass die Jungs um Mastermind Dean Wells sich für die nächste Platte etwas mehr Zeit nehmen und sich Ihrer auf „I Wonder“ gezeigten Stärken besinnen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Sorella Minore
02. Stone
03. Take Your Shot
04. Between These Shadows

Mario

SUNRISE – Equilibria

Band: Sunrise
Album: Equilibria
Spielzeit: 64:49 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Eigenveröffentlichung
Veröffentlichung: 25.05.2021
Homepage: www.facebook.com/sunrisekiev

Oft gestaltet sich ein Blick über den Tellerrand als kluge Zeit-Investition, auch hinsichtlich des Findens neuer guter Metalbands. Der Tellerrand definiert sich in dem Fall durch die klassischen Grenzen der Metallandkarte, hinter denen man Länder findet, die für ihre Harte-Musik-Kultur nicht wirklich bekannt sind, aber eigentlich so einige Schmankerl zu bieten haben. Die Ukraine ist eines dieser Länder und SUNRISE sind eines dieser Schmankerl (Das Wort klingt schon beim zweiten Benutzen grausam, das war das letzte Mal, versprochen). Seit 2003 existiert die Band bereits, hat es auf insgesamt drei Alben, eine Live-DVD und mehrere Singles/EPs gebracht, allerdings zu kaum Bekanntheit und Präsenz außerhalb der Landesgrenzen.
Da entgeht dem Fan sauber und knallend produzierten, Synth-angereicherten Power Metals etwas, denn SUNRISE machen die Art von Power Metal, die momentan im Trend ist (also extrem fetter Sound, einige interessante Sounddesign-Akzente, Keyboard-Spaß und eingängige Melodien mit moderner Rhythmusarbeit), kombiniert mit etwas 2000erigem Power Metal.
Das geschieht mit hoher Professionalität, die Soundauswahl ist stimmig, im Zweifelsfall hat man lieber eine Tonspur mehr als zu wenig, ohne die Songs dabei zu überladen. Auch die Vocals laufen bestens, ab und an ergänzt um eine Sängerin und das Verhältnis von fixem Uptempo und etwas langsameren Songs ist ausgewogen.
Klar läuft man bei Power Metal mit dem Selbstanspruch von ordentlicher Fettheit und ausufernden Harmonien Gefahr, die ewig gleichen Melodielines zu reproduzieren. Das passiert zugegebenermaßen in Teilen, da doch so mancher Part nicht darüber hinauskommt, fett und gänsehautig zu sein, an kompositorischer Interessantheit aber ein bisschen missen lässt. Dem kommt allerdings zugute, dass sich SUNRISE immer mal wieder in progressivere Gefilde wagen, mit nicht überheblichen Taktvariationen und gerne auch böseren Gitarrenklängen, wie beispielsweise beim finalen “Rebel Yell”. Das ist positiv, bewahrt das Album vor einer “Klingt gut, ist aber gerne mal etwas unspektakulär komponiert”-Bewertung, gerade weil der Wille zur kreativen Umsetzung der Instrumental-Komponente auch bei den klassischer power-metalligen Parts oft zur Geltung kommt. Wo also die Melodiekomposition noch etwas Luft nach oben hat, entschädigt man dies absolut durch spannende Arrangements und delikate Toppings, seien es die Backing Vocals im Chorus von “Equilibrium”, die ihm das gewisse Etwas geben, die witzige Basssound-Wahl beim eigentlich etwas melancholischeren “Wild Swans” oder die sägenden Gitarren in der Strophe von “Unbroken Dreams”. Auch die Halbballade “The Only Reason” kommt sehr gut mit den dicken Percussion-Elementen und der Kontrast zwischen “trockenerem” Sound und dem getragenen Gitarrenmotiv in Kombination mit leichten AVANTASIA-Anleihen in “Nightingale” ebenfalls.

Fazit:
Wo man “Equilibria” also kleine Unspektakularitäten in Sachen Melodien ankreiden kann, sorgt ein liebevolles und ausgearbeitetes Drumrum dafür, dass die (per Crowdfunding finanzierte) Platte dennoch durchgängig kräftig unterhält. Wer wie ich an gutem Synth-Einsatz, integriert in fetten modernen Power Metal, seine Freude hat, der sollte den Blick gen Ukraine auf jeden Fall mal wagen und wird vielleicht von einer Power-Metal-Party überrascht, die man eigentlich aufgrund ihrer Qualität auch international viel mehr auf dem Schirm haben sollte. SUNRISE auf Tour mit EAGLEHEART, die eine etwas ähnliche Richtung einschlagen – das wär was, Freunde!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Wings Of The Dreamer
02. Equilibrium
03. We Are The Fire
04. Wild Swans
05. Call My Name
06. Unbroken Dreams
07. Life Is A Journey
08. The Only Reason
09. The Bridge Across Infinity
10. The Shadow
11. The Bell
12. Nightingale
13. Rebel Yell

Jannis

LIQUID TENSION EXPERIMENT – LTE3

Band: Liquid Tension Experiment
Album: LTE3
Spielzeit: 61:43 min
Stilrichtung: Progressive (Instrumental) Metal
Plattenfirma: Inside/Out Music
Veröffentlichung: 26.03.2021
Homepage: www.facebook.com/ltexperiment/

Bleiben wir realistisch – selbst unter beinharten Dream Theater Fans gibt es solche, die primär am Songwriting und den Gesangsmelodien der Truppe interessiert sind und die sich geduldig bis widerwillig durch die mitunter ellenlangen Instrumentalpassagen durchhören. Wer also mit DT Level Gefrickel per se nix mit am Hut hat, für den kommt nun das ultimative Abturn-Programm: schon auf den ersten beiden Alben des LIQUID TENSION EXPERIMENT galt die Devise „Shred as Shred can“. Höher, schneller, weiter war nur der Ausgangspunkt und genau dort machen die 4 Verrückten, 22 (!) Jahre nach der letzten gemeinsamen Zusammenarbeit, nahtlos weiter. Den Fan freut’s, der Rest dreht sich kopfschüttelnd ab. Was aber alle Prog und DT Freunde einen mag, ist die Tatsache, dass wir endlich wieder neue Musik der Portnoy-Petrucci-Rudess Connection zu hören bekommen (den formidablen Tony Levin wollen wir nicht unter den Teppich kehren) – ein Traum, den die meisten wohl schon lange ad Acta gelegt hatten.

Schon die ersten Töne des Openers „Hypersonic“ (ja, Nomen est Omen) versetzen den Hörer unmittelbar in gloriose DT Zeiten zurück. Da ist es wieder, das blinde Verständnis zwischen Portnoy und Petrucci, die gewohnten Mechanismen scheinen immer noch vertraut zu sein und man fühlt sich gleich zu Hause. Es wird gerifft, soliert und vetrackt geknüppelt als gebe es kein Morgen. Da schadet es nicht, dass der Sound der neuen Scheibe perfekt aus den Boxen knallt. Was für eine Wohltat den guten alten Portnoy Punch nochmal in Verbindung mit Petrucci/Rudess Licks genießen zu können. Weitere Highlights der Songsammlung sind die spannende Neuinterpretation des Gershwin Klassikers „Rhapsody in Blue“, der abschließende Longtrack „Key to the Imagination“ sowie das relativ beschwingte „Beating the Odds“. Ausfälle sind unter den 8 Tracks bei bestem Willen nicht auzumachen.

„LTE3“ geht vielleicht der Überraschungs- bzw. Wow-Faktor der ersten beiden Scheiben ab. Nichtsdestotrotz liefern LIQUID TENSION EXPERIMENT verlässlich ein brillantes Instrumental-Album ab, dass dem Fan der Beteiligten Freudentränen in die Augen treiben dürfte. Ob und wann Mike Portnoy jemals wieder zu seiner alten Band zurückkehren wird ist weiterhin stark zu bezweifeln. Dass die Jungs sich ausgesöhnt haben und wieder gemeinsam Musik machen erfreut daher umso mehr. Starkes, wenn auch nur für ein sehr limitiertes Publikum interessantes, Album.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Hypersonic
02. Beating the Odds
03. Liquid Evolution
04. The Passage of Time
05. Chris & Kevin’s Amazing Odyssey
06. Rhapsody in Blue
07. Shades of Hope
08. Key to the Imagination

Mario