EVERGREY – Architects Of A New Weave

Trackliste:

01. Welcome To The Pattern
02. The Shadow Self
03. Architects Of The New Weave
04. The World Is On Fire
05. Heaven
06. The Script
07. Leaving The Emptiness
08. Longing
09. A Burning Flame
10. Call Off Your Lions
11. Chains Of Shame
12. The Prophecy

Spielzeit: 53:25 min – Genre: Modern Melodic Progressive Metal – Label: Napalm Records – VÖ: 05.06.2026 – Page: www.facebook.com/Evergrey

 

EVERGREY sind eine dieser Bands, bei denen es Freud und Leid gleichzeitig bedeutet, eine Rezension zu einem neuen Album zu übernehmen. Auf der einen Seite hat man beim Hören mit Sicherheit eine gute Zeit, auf der anderen Seite schreibt man eben eine „Ja, ist EVERGREY, ist halt geil“-Rezension. Aber was soll’s, Freud überwiegt, also widmen wir uns mal dem 15. Album der Schweden mit dem Titel „Architects Of A New Weave“.

Here we go: Ja, ist EVERGREY, ist halt geil.

Okay, aber genauer. Sänger und Gitarrist Tom Englund ist mal wieder für den Sound der Platte (mit)verantwortlich, also klingt das Ding sehr stabil. Man hätte mir eine Winzigkeit mehr Höhen geben können, aber das ist Meckern auf höchstem Niveau.
Spielerisch hat keines der Bandmitglieder plötzlich sein Talent verloren, und musikalisch gibt es absolut wunderschöne EVERGREY-Kost: Sehr schwedisch, melancholisch, gerne mal feierlich, mit gut eingesetztem Klavier und elektronischen Elementen, die nicht zu viel, nicht zu wenig ausfallen und „Architects Of A New Wave“ noch etwas zusätzlich Identität verleihen.
Dazu vergesse ich jedes Mal, wie poppig diese Band sein kann. Jap, der Promotext überschlägt sich nahezu mit Pathos in der Beschreibung der Musik der Band, und ich muss hier einfach zitieren:
„Was EVERGREY zaubern, ist melodischer, progressiver und düsterer Metal in Reinform: schwer genug, um Berge zu versetzen, hymnisch genug, um die Faust zu erheben. Er trägt die Wahrheit direkt in dein Innerstes: Nichts kann dich brechen, kein Schmerz, keine Dunkelheit, kein Sturm. Du besitzt die Kraft, Fragmente in wahre Schönheit zu verwandeln. Hast du je den inneren Drang verspürt – egal ob laut fordernd oder als leises Flüstern –, deine Geschichte nach deinen ganz eigenen Vorstellungen zu schreiben, ohne Entschuldigungen und mit voller Verantwortung? Dann ist Architects Of A New Weave dein Soundtrack, dein Schlachtruf und deine Hymne, mit der du die Kontrolle übernimmst und deine Zukunft gestaltest.“
Aber mal ganz im Ernst, das Ding ist halt auch einfach toll geschriebener düster-poppig eingängiger Modern Melodic Metal. Ich meine, gebt Euch mal den „Sommerhit“ des Albums „Leaving The Emptiness“ oder das darauf folgende „Longing“, das sich mit seinen Filmtrailer-Drums subtil für den ESC bewirbt und düsterer aber ebenfalls melodisch ziemlich modern eingängig daherkommt.
Das sind nur zwei Beispiele, aber das ist ein Ding, das sich durch das Album zieht, und das ist absolut als Kompliment zu verstehen. Man kann „ Architects Of A New Weave“ nachdenklich und mit Gefühlen genießen, kann anerkennend seine Progressivität anerkennen und Gänsehäute entwickeln dank echt guten Songwritings und guter Umsetzung. Man kann das Ding aber auch seinem Freund mit den Tank-Tops mit den weit ausgeschnittenen Ärmeln und den Tunnels in den Ohren zeigen, und dann zusammen eine gute Zeit haben.

Fazit:
Ja, ist EVERGREY, ist halt geil.

Anspieltipps_
„Heaven“, Leaving The Emptiness“, „Call Of Your Lions“ und „The Prophecy“

Jannis

DEVIN TOWNSEND – The Moth

01. Semi-Prologue
02. War Beyond Words
03. The Moth
04. Ode To My Eye
05. Enter The City
06. Covered By Causes
07. Lexin
08. Runaways
09. A Proxy Fod God
10. The Mothers
11. Orion
12. Stay There
13. Home At Night
14. Intermission
15. Lexin Returns
16. The Clergy
17. Prepare For War
18. The Big Snit
19. Silver Princess
20. A Life In Review
21. Metamorphosis
22. Stained Hearts
23. Let Go
24. We Don’t Deserve Dogs

Spielzeit: 70:14 min – Genre: Progressive Metal – Label: InsideOutMusic – VÖ: 29.05.2026 – Page: www.facebook.com/dvntownsend

 

Es gibt exzentrische Leute, und dann gibt es DEVIN TOWNSEND. Der ist nochmal eine Stufe drüber. Dementsprechend kann man sich schon auf was einstellen, wenn der gute Mann nun mit seinem selbst so benannten Lebenswerk rausrückt. „The Moth“ flattert Devin nun schon seit zehn Jahren im Kopf herum. Und als dann der Leiter des Nordniederländischen Orchesters und Chors auf ihn zukam und fragte, ob man mal was zusammen machen wollte, war die Sache klar. Nun hat „The Moth“ das Licht der Welt gefunden. Opulente 70 Minuten Spieldauer, 24 Tracks und neben Devin, seinen Bandmitgliedern und dem Orchester illustre Gäste wie (natürlich) Anneke van Giersbergen und Steve Vai. Zwei Orchestratoren hat man hinzugezogen und ein dickes Technik-Team – ja, „The Moth“ ist kein gewöhnliches DEVIN-TOWNSEND-Album.
Aber irgendwie auch schon. Zuerst einmal ist es gottlos fett produziert, wie nun einmal gewohnt. Selbstverständlich hat es die ganz großen Emotionen, ist auf der Schwelle zu überladen und arbeitet mit der ebenfalls von Devin bekannten Überwältigungsmethode. Klar, es gibt auch ordentlich ruhige Töne, aber gemeinhin ist mehr eben doch mehr.
Im Endeffekt ist „The Moth“ ein sehr ernstes Werk mit viel viel darin enthaltener Arbeit von jemandem, der „Ziltoid“ erschaffen hat und unter anderem Hollywood-Filmsoundtracks, Wagner, Brahms, Dvorak, Musicals und Trailermusik der Marke TWO STEPS FROM HELL auf seiner Chillout-Playlist hat.
Die Arrangements des Orchester sind hervorragend und reizen viele Möglichkeiten eines Orchesters auf eine Weise aus, die ich im Metal noch nicht gehört habe.
Kompositorisch darf man bei „The Moth“ kein eingängiges poppiges Album erwarten. Das Ding ist schwer, bombastisch ohne Ende und hat mit Ohrwürmern nichts am Hut. Dazu hat es einige Songs in normaler Länge, aber auch eine Vielzahl an Tracks, die irgendwo zwischen 50 Sekunden und 2,5 Minuten liegen. Und auch in denen schafft unser Lieblingskanadier noch einen Stimmungswechsel.
Damit ist „The Moth“ wahrlich nicht leicht verdaulich und kann sich trotz seiner kurzen Tracks durchaus auch ziehen – gerade weil man nach 50 Minuten bombastischer Fettheit auch ein wenig abstumpfen mag.

Fazit:
„The Moth“ ist ein Wahnsinns-Projekt, in dem eine brutale Menge Arbeit steckt. Alleine schon das echte Orchester in dieser musikalischen Finesse rechtfertigt, dem Album mal etwas Zeit zu geben, denn beeindruckend ist es allemal. Ich sehe es auch einen stabilen Teil der Fans von DEVIN TOWNSEND abnormal glücklich machen, aber für mich ist „The Moth“ wohl eher eins seiner Alben, die ich zwei- oder dreimal höre, dabei krass respektiere und dann wieder zu einem der Vorgänger wechsele.

Anspieltipps:
Der Reihe nach. Was für ’ne Frage.

Jannis

 

CRIMSON GLORY – Chasing The Hydra

Trackliste:

01. Redden The Sun
02. Chasing The Hydra
03. Broken Together
04. Angel In My Nightmare
05. Indelible Ashes
06. Beyond The Unknown
07. Armor Against Fate
08. Pearls Of Dust
09. Triskaideka

 

 

Spielzeit: 47:38 min – Genre: Heavy Metal – Label: BraveWords Records – VÖ: 17.04.2026 – Page: www.facebook.com/crimsonglory

 

Manche kritisieren lange Zeiträume zwischen Releases bei Bands wie BLIND GUARDIAN. Dann wiederum gibt es CRIMSON GLORY, die nun ihr erstes Album seit 26 JAHREN (!) auf den Markt bringen. Zur Erinnerung: Das war vor 9/11 und der Redakteur konnte noch nicht schriftlich subtrahieren.
Aber hey, jetzt sind die Amis wieder da, mit „Chasing The Hydra“. Zumindest drei Fünftel von ihnen. Die Gründungsmitglieder Benn, Jeff und Dana sind weiterhin dabei, dazu mit Mark Borgmeyer ein neuer Gitarrist und mit Travis Wills ein neuer Sänger. Beide machen einen starken Job und Travis ist mit seiner wandelbaren Stimme schön theatralisch unterwegs, ob düster raunend, klar singend, aggressiv oder im Falsett.
Die Rückkehr erfolgt mit zehn Songs, zwei davon über sechs und keiner unter vier Minuten. Wie sich „Chasing The Hydra“ im Vergleich zu den früheren Werken der Truppe schlägt, kann ich leider nicht sagen, da ich mal so frei war, das Album als meinen Einstieg in die Diskographie von CRIMSON GLORY zu nutzen, aber sagen wir so: Das Ding klingt, als habe man es vor 30 Jahren aufgenommen und dann vergessen zu veröffentlichen.
Okay, also soundtechnisch klingt es schon was neuer. Ein wenig hölzern, aber nicht dramatisch und auf jeden Fall zeitgemäß in der Qualität aber nicht modern im Sound. Und das braucht es bei CRIMSON GLORY nun auch wirklich nicht.
Der Progressive US Heavy Metal der Truppe – ich glaube, das fasst es ganz gut zusammen – klingt schlicht und ergreifend wie von damals. Keyboards sind die Ausnahme (und wenn sie auftauchen wie die Streicherkeys bei „Angel In My Nightmare“, sind sie angenehm „billig“, aber auch der Stil der Band ist einfach feinstes Futter für die Traditionalisten unter uns. So viele kleine Stilmittel, Arrangements, Wendungen, Eigenheiten im Gesang, in der Struktur der Songs, den Riffs und so weiter, die man heute nicht mehr so macht, und von denen sich auch viele ältere Bands verabschiedet haben, bei denen man all das damals noch fand, machen „Chasing The Hydra“ zu einem echt guten neuen alten Album. Eingängigkeit ist die Ausnahme, obwohl die Refrains von „Indelible Ashes“ und „Beyond The Unknown“ schon nice sind in ihrer etwas ausufernderen Melodiearbeit. Zumeist sind die Melodieführungen aber irgendwie abstrakt „metal“, und wenn man wirklich mal auf die Strukturen achtet, wird man ein beeindruckendes Maß an Progressivität finden, das CRIMSON GLORY hinter einem simpel anmutenden Sound ohne große Spielereien verstecken. Das gibt es heute alles nicht mehr so häufig,

Fazit:
aber CRIMSON GLORY sind eine der Bands, die diese Fahne nach wie vor hochhalten. „Chasing The Hydra“ ist für alle, die die goldenen Zeiten vermissen, und dazu auch noch ein starkes Album!

Anspieltipps:
„Chasing The Hydra“, „Indelible Ashes“, „Beyond The Unknown“ und „Triskaideka“

Jannis

ASSIGNMENT – „With The End Comes Silence“

Trackliste:

01. Fallen
02. Nothing To Say
03. Beyond Recognition
04. Those Words
05. The Tower
06. Selling My Soul
07. Call For Heaven
08. Angel Of Berlin
09. With The End Comes Silence
10. The Curtain Falls
11. Endlessly

Spielzeit: 69:23 min – Genre: Progressive Power Metal – Label: Massacre Records – VÖ: 06.02.2026 – Page: www.assignment-music.com

 

Neues von ASSIGNMENT, einer der Bands aus der Kategorie „Klingt als wäre sie eigentlich bekannt“. Über fünf Jahre sind vergangen, seitdem ich meinen Spaß mit „Reflections“, dem fünften Album der Gütersloher, hatte; werfen wir jetzt also mal ein Ohr auf Album Nr. 6: „With The End Comes Silence“.
Das kommt, wie schon der Vorgänger, mit einem schicken Cover und einer stabilen Produktion. Alles soweit ausgewogen, mit gut Druck, vielleicht minimal zu präsenten Leadgitarren. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau, dafür klingt die Platte erneut nicht überpoliert und gut metallisch.
Das soll sie auch, denn zuallererst machen ASSIGNMENT nach wie vor melodischen Heavy Metal, der sich im Power und Progressive Metal noch die Facetten raussucht, mit denen er sich gewinnbringend anreichern lässt. Wir kriegen also ordentlich Melodien, ein wenig Orchester, viel Klavier (cool, taucht in einem Großteil der Songs auf und definiert den Sound der Deutschen ein gutes Stück mit) und einige freshe Synthesizer-Sounds, die zwar fester Bestandteil der Musik sind, aber nicht das Alleinstellungsmerkmal. Ergibt insgesamt einen modernen Prog/Melodic/Power-Stil, der aber nicht trend-modern wirkt, was  begrüßenswert ist.
Zu alldem kommt aber auch eine angenehm metallisch agierende Band-Instrumentalbasis und die starke Heavy-Metal-geeignete Stimme von Diego Valdez.
Und diese ganzen Komponenten mischt man dann zusammen in zehn (mit Bonustrack elf) Songs, die vordergründig melodischer Heavy Metal sind und ihre Progressive-Anleihen nicht zwanghaft nach außen tragen müssen. Ja, ab und an ist da schonmal eine Taktart abseits des Standards, aber wie auch beim Vorgänger ergibt sich der Progressive-Faktor auf „With The End Comes Silence“ durch längere Kompositionen und hintergründig komplexe Arrangements.
Besonders viel Liebe steckt auf dem Album in so manchem Intro und Outro der Songs. Irgendwo im Promotext eines ASSIGNMENT-Albums wird man auf das Wort „cinematisch“ stoßen und das liegt vor allem daran. Da gibt es dann mal verstärkt elektronische Elemente, nicht selten gute Atmosphäre-Arbeit und kreativen Synthesizer-Gebrauch.
Und davon könnte es auch in den Songs gerne etwas mehr geben. Denn die bleiben auf „With The End Comes Silence“ leider ein wenig höhepunktarm. Nach dem coolen Intro beginnt dann der Hauptteil des Songs, irgendwo zwischen recht langsam und oberem Midtempo, wird dann fetter und durchläuft ein paar unterschiedliche Geschwindigkeiten, um irgendwann zwischendurch mal Uptempo zu erreichen. Und die Melodiearbeit erreicht dabei eher selten die Höhen, die man sich von einem melodischen „Progressive“-Album erhofft. Ein wenig mehr Abwechslung und unterschiedlicher Charakter bei einzelnen Songs hätte „With The End Comes Silence“ gut getan – so fühlt sich doch ein großer Teil der Songs einfach sehr ähnlich an.

Fazit:
Handwerklich haben ASSIGNMENT gar nichts zu verstecken und „With The End Comes Silence“ ist ein absolut erwachsenes, bodenständiges Melodic-Progressive-Metal-Album mit klarer stilistischer Vision. Die Komposition steht dabei leider etwas hintenan. Wer dem Genre an sich etwas abgewinnen kann, widme dem Ding ein wenig Reinhörzeit. Die deutsche Prog-Metal-Szene ist nämlich ganz klar eine, die Aufmerksamkeit verdient hat und gebrauchen kann, und ASSIGNMENT tun das damit zweifelsohne auch.

Anspieltipps:
„Nothing To Say“, „Angel Of Berlin“ und „Call For Heaven“

Jannis

WOLVERINE – Anomalies

Trackliste:

01. A Sudden Demise
02. My Solitary Foe
03. Circuits
04. Nightfall
05. This World And All It’s Dazzeling Lights
06. Automation
07. A Perfect Allignment
08. Losing Game
09. Scarlet Tide

 

 

Spielzeit: 52.27 min – Genre: Progressive Rock/Metal – Label: Music Theory Recordings – VÖ: 06.02.2026 – Page: www.facebook.com/wolverinetheband

 

Ich weiß noch, wie ich ca. 2009 im zarten Alter von sechzehn Jahren von meinem Vater im Saturn zehn Euro bekommen und mir davon die „Worldwide Metal“-Compilation gekauft habe, auf der ganz viele mehr oder weniger obskure Metalbands vertreten waren. Dort habe ich das erste Mal WOLVERINE gehört, und bis heute begleitet mich die schwedische Band. Und nun bringt das Quintett um Sänger Stefan Zell seit erstes Album seit zehn Jahren raus (wobei man die großartige 2020er EP – eigentlich ein audiovisuelles Kunstwerk – „A Darkened Sun“ nicht vernachlässigen sollte). „Anomalies“ kommt mit 50 Minuten Spieldauer und neun Songs.
WOLVERINE bewegen sich generell zwischen Progressive Rock und Progressive Metal, und dazwischen ist auch die Produktion angesiedelt. Sehr handgemacht klingend, ziemlich warm und voll, aber auch mit dem nötigen Schuss Härte, wo nötig. Und nicht zu vernachlässigen die Vielzahl an kleinen Sounddesign-Elementen und Effekten; sei es ein stimmiger Vocal-Effekt oder ein Drumset, bei dem man die hohen Frequenzen gekappt hat, oder kleine Hall-Effekte etc.. All das macht „Anomalies“ noch einmal um einiges atmosphärischer.
Die Drums klingen organisch und sind nicht übertriggert – wenn Drummer Marcus sanft spielt, klingt das auch so. Und Sänger Stefan hat erwartungsgemäß seine wunderbare Stimme nicht verloren und legt Ausdruck und Emotion in höchstem Maße in die Vocals.
Musikalisch ist „Anomalies“ schlicht und ergreifend schön. WOLVERINE haben ein großes Talent für emotionsgeladenes Songwriting, mit vielen ruhigen Tönen, aber auch den feierlichen oder dramatischen. Da darf dann auch mal ein Song wie „Automation“ passieren, der komplett auf Drums und Gitarren verzichtet, aber auch ein relativ straighter, fett-rockig/metallischer wie „Losing Game“. Genre-gemäß findet sich der ein oder andere 7er- oder 5er-Takt (wobei „Anomalies“ doch über den größeren Teil seiner Spieldauer mit „normalen“ Taktarten arbeitet. Angenehmerweise ist das Album – wie WOLVERINE-Outputs auch – keines, das musikanalytisch gehört werden muss/möchte. Es ist für den Hörer absolut irrelevant, was an dieser und jener Stelle für eine Taktart passiert. „Anomalies“ will gefühlt werden, ist Musik zum Hineinsinken und Treibenlassen. Dann fühlen sich so einige Melodien beim ersten Hördurchlauf irgendwie meditativ-intuitiv fließend an, entwickeln aber schon beim zweiten eine seltsame Form von Eingängigkeit. Denn ja, das Songwriting ist auch auf WOLVERINEs neustem Album wieder saugut, mit vielen Momenten, in denen man positiv überrascht erkennen darf, dass sich die Melodie nun in diese unvorhergesehene aber wirklich schöne Richtung weiterentwickelt.

Fazit:
„Anomalies“ ist gut für die Seele und sollte gehört werden. Ende.

Anspieltipps:
Klarer Kandidat zum Durchhören. Aber falls man irgendwann wider Erwarten doch nicht mehr weiterhören möchte, sei noch empfohlen, dem finalen „Scarlet Tide“ noch eine Chance zu geben.

Jannis

COURSE OF FATE – Behind The Eclipse

Trackliste:

01. Memories
02. Behind The Eclipse
03. Sky Is Falling
04. And So It Goes
05. Acolyte
06. Hiding From The Light
07. Don’t Close Your Eyes
08. Neverwhere

 

 

Spielzeit: 45:21 min – Genre: Progressive Metal – Label: ROAR – VÖ: 30.01.2026 – Page: www.facebook.com/courseoffate

 

Die Lage der Welt wird zunehmend komplex, und komplexe Welt verlangt nach komplexer Musik. Oder so. Wäre zumindest eine Erklärung, warum mein Rock-Garage-Jahr 2026 äußerst Progressive-lastig beginnt, und COURSE OF FATE tragen ihren Teil dazu bei. Deren drittes und neustes Album „Behind The Eclipse“ schiebt sich dieser Tage aus dem Schatten hervor und Junge, Junge, Junge, man darf wirklich gespannt sein, wohin die Reise der Norweger noch so geht.
45 Minuten Spielzeit. Für ein Prog-Album sozial kurz, aber dafür ist „Behind The Eclipse“ auch frei von jeglichen Längen. Acht Songs finden sich auf der Scheibe, davon ist einer ein kurzes Intro, sechs sind normal lang für das Genre und einer ist natürlich zehn Minuten lang.
An der Produktion kann man nichts aussetzen. Fett, klar, saftig, heavy und reich an Dynamik, saubere Sache. Die Hand- und Mundarbeit bietet ebenfalls keinen Anlass zur Kritik. Tolle wandelbare Stimme von Eivind Gunnesen, der zwischen stabilen Growls und der sanftesten, zerbrechlichsten Stimme, die ich seit langer Zeit im Metal gehört habe, alles drauf hat. Und die kräftige ausdrucksstarke Metalstimme natürlich auch. Alles sehr gut produziert und smart mit Effekten angereichert oder Backing Vocals versehen.
Neben den klassischen Metal-Instrumenten gibt es bei einigen Songs dann noch Klavier-Ergänzung, selten mal subtile Synth- oder Orchestersounds.
Das alles macht „Behind The Eclipse“ aus, wäre aber nicht genug ohne die sehr gute Komposition. Die ist sehr ernst und traut sich eine erstaunliche Menge an ruhigen Parts, und auch an sehr ruhigen und an sehr sehr ruhigen. Die werden kontrastiert mit wahren musikalischen Gefühlsausbrüchen, die durch diese nachdenklichen, zurückhaltenden Momente brechen, und zusammen ergibt das, und all das andere, was auf der Platte passiert, eine gewisse Theatralik. „Behind The Eclipse“ ist kein Konzeptalbum und man muss nicht einmal auf die Texte achten, um beim Hören das Gefühl eines musikalischen Erzählflusses zu erlangen. Und der fühlt sich dank erheblichem Feingefühl bei Komposition und Arrangements komplett richtig an, obwohl kaum ein Songpart „normal“ ist. Keine Minute auf „Behind The Eclipse“, in der nicht etwas passiert, was man sonst nicht auf jedem Metalalbum hört, und dennoch ist das Album der Norweger in sich durchweg stimmig, was eine Leistung ist, die zu vollbringen sich viele Prog-Metalbands nur wünschen können.
All das klingt jetzt etwas Bullshit-intellektuell, daher noch einmal kurz von der anderen Seite betrachtet und Klartext: wunderschöne ruhige Passagen, asoziales groovendes Geschleppe, schnelle aggressive Parts und alles dazwischen, und alles passt über das Album hinweg bestens zusammen.

Fazit:
Ich glaube, bislang ist jedes COURSE-OF-FATE-Album irgendwo unter meinen Top 10 des Jahres gelandet. Und machen wir uns nichts vor: Bei „Behind The Eclipse“ wird das nicht anders sein.

Anspieltipps:
„And So It Goes“, „Acolyte“, „Don’t Close Your Eyes“ und „Neverwhere“

Jannis

MOONSCAPE – Entity, Chapter III: A Sudden Glimpse Of Clarity

Trackliste:

01. Prologue
02. Relapse
03. The Shattered Walls Of Ilusion
04. A Guiding Light
05. A Place To Call Home
06. On The Threshhold
07. Crossing Over
08. The Light Of Day
09. One Last Temptation
10. Revival
11. The Diminishing Shadows
12. The Visitation Dream
13. Home
14. The Light Of Day (Reprise)

Spielzeit: 42:04 min – Genre: Progressive Metal – Label: Eigenveröffentlichung – VÖ: 21.11.2026 – Page: www.facebook.com/moonscapenorway

 

Immer wieder besonders, wenn man mit einer Rezension beginnt und dann erst merkt, dass man die Band schon kennt und vor gerade mal zwei Jahren bereits das Vorgängeralbum der Band besprochen hat. Spricht eher so halb für das Album, das damals durchwachsene 7,5 Punkte bekommen hat.
Aber gut, Sachen können sich ja ändern, und vielleicht haben sie das ja auch bei MOONSCAPE und ihrem vierten Longplayer „Entity, Chapter III: A Sudden Glimpse Of Clarity“. Der ganz helle Leser wird bei dem Namen den berechtigten Verdacht entwickeln, es handele sich um Progressive Metal. Volltreffer, gut gemacht!
„ECIII:ASGOC“ ist kurzweilige 42 Minuten lang, besteht aus 14 Tracks, von denen die beiden längsten acht und viereinhalb Minuten lang sind, der Rest also echt kurz.
Und es handelt sich um eine durchgehende Komposition, die am Stück gehört werden muss und zum Teil echt gar keine hörbaren Übergänge zwischen den Songs hat – was bei Prog ja durchaus was Gutes ist.
Jetzt die Frage: Hatten MOONSCAPE bei der Komposition zu „A Sudden Glimpse Of Clarity“ einen ebensolchen und haben an Problemen des Vorgängers gearbeitet? Die Antwort ist ein eindeutiges Ja!
Zuerst mal klingt das Ding besser als der Vorgänger. Nach wie vor finde ich die Vocals etwas zu laut und nicht gut in den Gesamtsound integriert; dazu gibt es ein immer mal wiederkehrendes Lead-Synthesizer, das mit einem etwas anderen Sound wesentlich besser gekommen wäre. Aber sonst sitzt da alles. Band, Klavier, Orchester, Chor, Orgel (diese Orgel…), klingt alles korrekt.
Wo man aber so richtig zugelegt hat, das ist die Struktur und die Komposition. Der Vorgänger kam auf sieben Tracks bei 55 Minuten, denen es aufgrund ihrer Länge und der Vielzahl an Parts in ihnen oft an Charakter und einem strukturellen nachvollziehbaren Gesamtkonzept mangelte. Das ist bei „ECIII:ASGOC“ gar nicht der Fall. Die einzelnen Songs können sich auf einzelne Stärken und Ideen fokussieren, passen klanglich und kompositorisch super hintereinander und haben ihre individuellen Atmosphären – ohne dass der Fluss des Albums durchbrochen würde.
Damit ist man an manchen Stellen tatsächlich so unterwegs, wie die ganz Großen des Genres, und auch wenn man das natürlich immer mal nicht ist (ich finde immer noch, es hätte keine unklaren Vocals auf dem Album gebraucht), ist „ECIII:ASGOC“ seinem Vorgänger echt weit voraus.

Fazit:
Ja, ein paar Problemchen habe ich auch mit „Entity, Chapter III: A Sudden Glimpse Of Clarity“. Aber die Platte macht so viel richtig als stimmungsvolles, liebenswertes und mit Herz und Hirn gemachtes Prog-Album, dass die Entscheidung zwischen 8,5 und 9 Sternen eine ganz einfache ist.

Jannis

IN VIRTUE – Age Of Legends

Trackliste:

01. Ascent Glorious
02. Sisyphus Awakening
03. Karma Loop
04. Push That Rock
05. Purgatory
06. Exposed
07. Scream
08. Where The Edges Meet
09. Gunslingers Of The New American Desert
10. Desolation Throne
11. Thoughts In Freefall
12. The River
13. Tempus Fugue
14. Descent Limitless

Spielzeit: 50:44 min – Genre: Progressive Metal – Label: Eigenveröffentlichung – VÖ: 21.11.2025 – Page: www.facebook.com/invirtue

 

„Eigenveröffentlichung“ kann ja immer so einiges bedeuten. Wenn es um Progressive Metal geht, horche ich aber gerne mal auf bei dem Wort, da so manche Band in dem Genre, die sich nicht an ein Label bindet, doch stattdessen ihre Chance wahrnimmt, sich ordentlich auszutoben und „Progressive“ nicht nur als Synonym für „klinisch gelutschter 27/8el-Takt“.
Nun, IN VIRTUE machen Progressive Metal ohne Label. Mit ihrem inzwischen dritten Album „Age Of Legends“ melden sich die Kalifornier nach 13 Jahren zurück, und diese Meldung fällt doch interessant aus. Was schonmal höchst interessant ist: Bei 14 Songs kommt die Platte auf 50 Minuten, in der Zeit schaffen andere Prog-Bands gerade mal fünf Tracks. Und das liegt nicht groß an diversen kurzen Zwischenspielen. Nein, die Songs auf „Age Of Legends“ sind einfach zweieinhalb bis fünf Minuten lang, plus ein Achtminüter und ein kurzes Intro und Outro. Ist nicht das normale, aber normal ist ja auch langweilig.
Musikalisch ist Album #3 des Quartetts am ehesten Progressive Metal der neueren Schule. Gerade die Rhythmus-Arbeit ist nicht selten Modern Progressive Metal, aber nicht in totproduziert, sondern einfach in präzise gespielt, was den Ding sound-technisch Leben und Handgemachtheits-Gefühl gibt. Dafür ist der Sound jetzt auch nicht 100%ig ausdefiniert, geht aber vollkommen klar.
Zwischendurch kann „Age Of Legends“ aber auch anders, und wagt eine Vielzahl von kleinen Experimenten. Von fettem Orchester über chillige Southern-Rock-Vibes, Western-Atmosphäre, Blastbeats, Growls, LoFi-Klavier und Keyboardsoli bis hin zu eingängigen Refrains, redundanter Wiederholung des immer selben Satzes über einen kompletten Song hinweg, Power-Metal-Uptempo und ganz schwerem Geschleppe probieren IN VIRTUE sich ohne Limits aus.
Was die einen als Wundertüte bezeichnen, mag für die anderen ein „alles an die Wand werfen und schauen, was kleben bleibt“ sein. Vielseitig ist „Age Of Legends“ aber so oder so, und noch auf einem Level, auf dem es hier und da „all over the place“ ist, aber nur selten zu viel des Guten wird – in meinen Augen, da hat jeder eine andere Toleranzgrenze.
Melodisch ist einiges an gutem Material dabei, Instrumental- und Gesangsleistungen stimmen auch und die Komposition ist ohne Zweifel gut professionell.

Fazit:
Und um zurück zum Anfang zu kommen: „Age Of Legends“ ist an vielen Stellen echt geil. Ja, es mag auch an einigen Stellen seltsam sein, aber besser ab und an seltsam als überwiegend langweilig. Und langweilig sein ist nun wirklich keine Stärke von IN VIRTUE.

Anspieltipps:
„Gunslingers Of The New American Desert“, „Purgatory“, „Tempus Fugue“ und „Where The Edges Meet“

Jannis

DEFECTO – Echoes Of Isolation

Trackliste:

01. The Unraveling
02. Eternal Descent
03. Sacred Alignment
04. Eclipsed By The Void
05. Heart On Fire
06. Quantum Abyss
07. Through Cloak And Bones
08. Shattered Reality
09. Echoes Of Isolation

 

 

Spielzeit: 42:05 min – Genre: Heavy Metal – Label: Frontiers Music s.r.l. – VÖ: 31.10.2025 – Page: www.facebook.com/defectoband

 

DEFECTO haben mir „Nemesis“ vor ein paar Jahren eines der wenigen Alben abgeliefert, denen ich hier bislang eine glatte 10/10 gegeben habe. Keine Frage, dass ich mir auch „Echoes Of Isolation“, das inzwischen vierte Album der Dänen um Sänger Nicklas Sonne, der jüngst auch sein erstes Soloalbum veröffentlicht hat, gesichert habe.
Was macht DEFECTO aus? Nun, erstens eine wuchtige Produktion, sehr fett, ordentlich heavy, knallend. Das kann sich auch „Echoes“ ohne Zweifel auf die Fahne schreiben, und hakt in dem Atemzug auch noch die Punkte „gut klingende Orchester-Elemente“ und „sinnvoll-sparsam eingesetzte moderne Synthesizer“ ab.
Nicklas‘ Stimme – ob klar oder unklar – ebenso wie die Instrumentalleistungen: gewohnheitsgemäß on Point.
Und dann gibt es aus all diesen Zutaten modernen Heavy Metal mit sauber bratenden Gitarren, mal so richtig schön stumpf heavy schrubbend, mal böse heruntergebrochen, fix progressiv-frickelig oder gefühlvoll-intensiv-melodisch. In seiner Machart absolut unangreifbar, ohne einzelne Parts oder Entscheidungen, die in irgendeiner Weise fragwürdig wären.
In „Echoes Of Isolation“, dem finalen Titeltrack auf der Platte, manifestiert sich das musikalische Wesen DEFECTOs wie in keinem anderen auf ihr. Das liegt auch daran, dass das Ding beinahe zehn Minuten lang ist und so einige Modi durchmacht, die man von DEFECTO kennt und liebt.
Die anderen Songs fokussieren sich eher auf ein bis zwei davon, zum Beispiel „Eclipsed By The Void“ mit seinem Mix aus schnellem Gezappel, der coolen Midtempostrophe und dem zum Mitgrölen prädestinierten Oooooooh-Chorus.
Der ein oder andere poppig-eingänigere Track ist dabei, insbesondere „Heart On Fire“ und „Shattered Reality“, bei „Quantum Abyss“ kommen ein paar Neoclassic-Elemente mit rein, und „Through Cloak And Bones“ ist der stumpf-böse Track des Albums.
Geiles Ding, keine Frage. Aber im Vergleich zum bisher unerreichten „Nemesis“ hat man sich doch ein wenig angepasst. Praktisch jeder Song auf „Nemesis“ investiert 120% in die Ausarbeitung des Charakters, den DEFECTO sich ihm zu geben entschieden. Das tut „Echoes Of Isolation“ nicht, gibt stattdessen etwas hier- und etwas davon dazu und wird somit eine Sammlung von Songs, die für sich stark aber etwas „normaler“ sind. An den exzentrischen Charakter von „Nemesis“, das bei seinen Tracks durchgängig auf „ganz oder gar nicht“ schaltet, kommt es damit leider nicht ganz ran.

Fazit:
DEFECTO ist bislang immer bedenkenlos empfehlenswert gewesen, und das ändert sich auch bei „Echoes Of Isolation“ nicht. Technisch stark und mit Härte und Modernität in gesunden Dosierungen funktioniert die Truppe als gemeinsamer Nenner im Musikgeschmack von Menschen mit Tunnels in den Ohren und Menschen mit Patches auf den Klamotten. Könnte man langsam echt mal für ein paar internationale Festivals bekannt geben!

Anspieltipps:
„Eclipsed By The Void“, „Heart On Fire“ und „Echoes Of Isolation“

Jannis

DREAM THEATER – Parasomnia

Trackliste:

01. In The Arms Of Morpheus
02. Night Terror
03. A Broken Man
04. Dead Asleep
05. Midnight Messiah
06. Are We Dreaming
07. Bend The Clock
08. The Shadow Man Incident

 

 

Spielzeit: 71:19 min – Genre: Progressive Metal – Label: InsideOutMusic – VÖ: 07.02.2025 – Page: www.facebook.com/dreamtheater

 

Es ist doch immer schön, mit alten Bekannten nach längerer Zeit wieder zusammenzukommen. Es ist umso schöner, wenn diese alten Bekannten James LaBrie, John Petrucci, John Myung, Jordan Rudess und Mike Portnoy heißen und dann einfach mal zusammen ihr erstes gemeinsames DREAM-THEATER-Album seit 2009 rausbringen. Dazu 40jähriges Jubiläum. Alles gute Gründe für „Parasomnia“, das sechzehnte Album der Prog-Metal-Legenden.
Sound von Andy Sneap, da gibt es erwartungsgemäß auch nichts zu meckern. Und jap, die Truppe ist zurück. Über 70 Minuten Spieldauer, zustande kommend unter anderem durch einen dicken 20-minütigen Track am Ende, und all das beinhaltend, was ein ordentliches Prog-Album ausmacht.
Los geht es dementsprechend mit der klassischen Ouvertüre, instrumental gehalten und einige Motive einführend, die uns im Verlauf des Albums noch begegnen werden.
Gar nicht so wenig von „Parasomnia“ ist ziemlich trocken und straight, aber verlässlich tauchen orchestrale Elemente und Synths da auf, wo sie sein müssen. Jordan muss schließlich auch ab und an mal die Fingerchen ausruhen.
Die unkonventionelleren Taktarten nehmen nicht die Überhand, sind aber klar vorhanden, und die eingängigen Melodien sind nicht unbedingt rar gesät, aber auch nicht exzessiv verwendet. Wenn sie kommen, zünden sie zumeist, das Melodiewriting von DREAM THEATER bietet ja generell wenig Grund zur Kritik.
Wiederkehrende Motive über mehrere Songs schweißen die Platte zu einem Gesamtwerk zusammen, ebenso wie die kleinen hörspielartigen Elemente, mit kleinen Gerede- und Sounddesign-Passagen.
Am ehesten stechen auf „Parasomnia“ das vergleichsweise radiokompatible und ruhigere „Bend The Clock“ mit seinem schönen Songwriting hervor, der Endtrack „The Shadow Man Incident“ mit seinem ausufernden Mittelteil und seinem selbstbewusst überlangen 5-minütigen Anfang, und „Midnight Messiah“, der sich erstmal smart hochschraubt, um dann im Refrain auf ganz klassisch Heavy Metal umzuschwenken.
Ansonsten ist „Parasomnia“ ziemlich genau das, was man von einem DREAM-THEATER-Album erwartet: handwerklich einwandfrei, komplex, groß.
Ein übliches Quäntchen musikalische Selbstbefriedigung ist natürlich auch dabei und geht ab und an auf Kosten der Entwicklung einer wirklich tiefergehenden Atmosphäre, die man bei einem solchen Gesamtkunstwerk-Prog-Ding erwarten könnte. Aber das ist Geschmackssache. Minutenlange Soli sind beeindruckend, aber eine Minute weniger Solo und eine Minute mehr richtig reinhauende Komposition haben zumindest auf meine Gefühlswelt einen entscheidenderen Impact. Ist aber auch irgendwie komisch, DREAM THEATER danach zu bewerten.

Fazit:
Weitgehend unangreifbar, an Stellen etwas zu routiniert. Aber der Fan von frickeligem High End Prog Metal nach allen Regeln der Kunst bekommt mit „Parasomnia“ all das, was er sich von einem Album des Genres wünscht!

Anspieltipps:
„A Broken Man“, „Bend The Clock“ und „Midnight Messiah“

Jannis