GHOST SHIP OCTAVIUS – Delirium

Band: Ghost Ship Octavius
Album: Delirium
Spielzeit: 60:50 min
Stilrichtung: Progressive Power Metal
Plattenfirma: Mighty Music
Veröffentlichung: 22.02.2019
Homepage: www.ghostshipoctavius.com

Der Begriff „Progressive“ Metal ist mittlerweile zu einem Sticker geworden, der auf alles mögliche gepappt wird, solange irgendwo auf der Platte ein schräger Rhythmus plaziert ist. Vor allem die Überschneidungen mit dem Power Metal Genre sind vielfältig. Die Amerikaner GHOST SHIP OCTAVIUS (mit Van Williams, Ex-Nevermore, an den Drums und Matthew Wicklund, Ex-God Forbid, an der Gitarre) schippern ebenfalls in diesen Gewässern und legen mit „Delirium“ ihr zweites Album nach dem selbstbetitelten 2013er Debüt vor. Stilistisch erinnert das Ganze an die Schweden Evergrey oder auch mal an das Schaffen von Devin Townsend. Vor allem der Gesang vom zweiten Gitarristen Adon Fanion erinnert oftmals an hevy Devy, ohne aber jemals dessen Genialität zu erreichen …

Ich versuche mich mal kurz zu fassen. Mir persönlich krankt diese Scheibe an den in diesem Genre oftmals anzutreffenden Problemen: die spielerische Leistung ist über jeden Zweifel erhaben (die Gitarrensoli sind z.B. sehr stark, allerdings bekommt man sowas mittlerweile auf jedem 2ten youtube-Gitarren-Kanal Ähnliches geboten), die Produktion ballert ordentlich und macht keine Gefangenen, das Fehlen eines externen Produzenten schlägt sich in teilweise unausgegorenen Idden nieder und es fehlen einfach die packenden Hooklines. Wer mal ein Ohr risikieren will, der sollte sich den überzeugenden Opener „Turned to Ice“ oder den nicht minder starken Titeltrack anhören. Dem geneigten Hörer werden zwar die Gehörgänge ordentlich freigepustet, leider bleibt aber nach der reinigenden Prozedur nicht allzu viel nahrhaftes Neues hängen. Es tut mir leid, aber trotz mehrerer Versuche ist die Scheibe einfach nicht bei mir „angekommen“. Ganz nett aber nichts Besonderes.

Es gibt bestimmt Genre-Fans die „Delirium“ abfeiern werden. Mir persönlich ist die Sache aber leider zu austauschbar und ohne wirklichen Wiedererkennungswert. Fett produziert, mit einigen netten Ideen ausgestattete Prog-Power Metal Durchschnittsware. Nur der persönliche Test kann zeigen ob es gefällt – eine allgemeine Empfehlung kann ich nicht geben.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Turned to Ice
02. Ocean of Memories
03. Saturnine
04. Delirium
05. Ghost in the Well
06. Chosen
07. Edge of Time
08. Far below
09. The Maze
10. Bleeding on the Horns
11. Burn this Ladder

Mario

DARKWATER – Human

Band: Darkwater
Album: Human
Spielzeit: 78:09 min
Stilrichtung: Progressiv Metal
Plattenfirma: Ulterium Records
Veröffentlichung: 01.03.2019
Homepage: www.facebook.com/darkwaterofficial

DARKWATER – Human Powerprogger mit viel Sendungsbewusstsein

Schwedische Bands gehen ja häufig mit einem 1 : 0 Vorsprung ins Match, warum das so ist, ist schwer zu erklären, muss an der musikalischen Ausbildung liegen.
Eine dieser skandinavischen Progressiv Powermetalmarken hört auf den Namen Darkwater und liefert mit „Human“ mal so richtig ab. Mit ihrem dritten Album wollen sie den Status des Geheimtipps verlassen und zu den Marktführern ihres Genres (Dream Theater, Evergrey) aufschließen.
Zehn Energiebündel mit teils ordentlicher Überlänge, tummeln sich auf dem aktuellen Longplayer, jedes ein exzellentes Beispiel dafür, wie es klingen muss, wenn’s gut sein soll.
Das Quintett instrumentiert nicht nur perfekt, trotz der hoch liegenden Latte des Genres, sondern besitzt auch das nötige musikalische Gespür für außergewöhnliche Melodieführungen.
Sanfter Piano Einstieg auf dem Opener“ A New Beginning“, bevor die Band dann umgehend zeigt, wohin die Reise geht. Kraftvolle Gitarren als Basis, gespickt mit intelligent eingesetzten Keyboards, das Ganze recht verspielt, ohne zu überdrehen.
Düster wird’s auf „In Front of you“, längerer Instrumentalteil bevor dann nach krassem Tempowechsel, die klare Stimme von Henrik Bath das Zepter übernimmt. Hier erinnern wir uns ein wenig an Nightwish.
Nach kurzem Intro (Alive Part I) kommt auch bei Part II keine Langeweile auf, aber die sieben Minuten Stücke sind auch die kürzeren auf „Human“. Auf „Reflection of Mind“ brauchen die Skandinavier knappe zwölf Minuten, bevor sie ihre durchaus spannende Geschichte zu Ende vertont haben.
„The Journey“ führt durch eine musikalisch sehr abwechslungsreiche Gegend, über allem steht die Gefahr der Reizüberflutung, aber DARWATER wissen gekonnt zu dosieren.
Auch „Turning Pages“ weist einen hohen Anteil an orchestralem Arrangement auf und fängt einen mit seinen interessanten Gitarren / Keyboard Duellen regelrecht ein. Markus Sigfridsson und Magnus Holmberg sind wahre Könner auf ihrem Gebiet.
Die jeweiligen Songs bestechen durch großen Facettenreichtum und die im Prog Rock gerne genutzten Tempowechsel werden äußerst gekonnt eingesetzte und jedes Instrument bekommt Gelegenheit sich im Song-dienlichen Rahmen zu profilieren.
Das Vielmischer Jacob Hansen (Volbeat, Evergrey) dem Ganzen erneut einen wuchtigen Sound verleiht ist selbstredend.
Fazit: Die Schweden versuchen die höchstmögliche Datenmenge an guter Musik auf CD zu packen und präsentieren uns früh im Jahr ein echtes Highlight. Hier ist Schluss,muss mich dringend durch den Backkatalog arbeiten.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. A New Beginning
02. In Front of You
03. Alive (Part I)
04. Alive (Part II)
05. Reflection Of A Mind
06. Insomnia
07. The Journey
08. Burdens
09. Turning Pages
10. Light Of Dawn

Link zu Alive (Part II) :

Rüdiger König

PANDORIUM – The Eye Of The Beholder

Band: Pandorium
Album: The Eye Of The Beholder
Spielzeit: 53:27 min
Stilrichtung: Thrash Metal
Plattenfirma: Roll The Bones Records
Veröffentlichung: 23.02.2019
Homepage: www.pandoriumband.com

Aus der Reihe “Vorteile des Rezensentendaseins” heute: Man kann als Single am Valentinstag die neue PANDORIUM hören und kommt auf diese Weise trotz seines Beziehungsstatus‘ noch in den Genuss, ordentlich zu bangen. Nicht unbedingt in einem regelmäßigen Rhythmus, dafür aber ziemlich hart und über 50 Minuten, mit atemberaubendem Fingereinsatz.
Die Produktion des zweiten Albums der Truppe aus dem deutschen Minden ist erdig, etwas holzig aber mit dem Stil der Jungs absolut vereinbar. Besagter Stil ist eine einigermaßen spektakuläre Mischung aus aggressivem Thrash Metal mit progressiven Einflüssen und, eigenen Angaben zufolge, klassisch-orientalisch angehauchten Melodien. Die sind in den meisten Fällen innerhalb der Gitarren zu finden, besonders offensichtlich auf “Hyperbolical”, aber doch meistens eher im Hintergrund. Virtuosität, Komplexität und Brutalität stehen im Vordergrund, gewürzt mit einer angemessenen Prise Melodiösität, wobei auch harmonischere Parts gerne durch disharmonische Klänge durchbrochen werden.
“The Eye Of The Beholder” ist kein Wohlfühl-Album. Wer in seinen Songs Harmonie und klare 4/4tel-Takt-Strukturen benötigt, kann die Platte getrost vergessen. Bis auf das ruhige Drei-Minuten-Instrumental “The Essence Of Inner Freedom” und das mäßig inspirierte Standard-Intro gönnen PANDORIUM ihren Hörern keine Verschnaufpause, frickeln stattdessen innerhalb der einzelnen Songs außerordentlich fixe Gitarren- und Drumpassagen runter, arbeiten mit Tempo- und Taktwechseln und smart komponierten Gitarrenlines, von all denen an dieser Stelle die von “From Individual To Entirety” exemplarisch empfohlen seien (Der Song beinhaltet gegen Ende auch tatsächlich ’nen ruhigeren Part). Darauf kommt die Vocals von Sänger Fadil, der zwischen thrashigem Geshoute, ein wenig Gegrowle, seltenem Klargesang und bösem Erzählerknurren variiert und seine Sache dabei ziemlich gut macht.
Das ganze klug geschriebene Highspeed-Gedresche gipfelt im Drei-Track-Opus “The Tower”. Wer Freund von progressivem Metal, dabei jedoch melodieorientierter unterwegs ist, der mag wohl am ehesten mit “The Tower” einen Einstieg in “The Eye Of The Beholder” finden (Mehrdeutigkeit in Bezug auf den Eingangsgag der Rezension durchaus nicht unbeabsichtigt), aber generell ist die Scheibe wohl eher denen zu empfehlen, für die Keyboards im Metal mit Vorsicht einzusetzen sind und Brutalität obligatorisch ist. Jene Hörer werden über die 53 Minuten Spieldauer sowohl von der kompositorischen Komplexität, als auch vom Können der Band beeindruckt sein. Erfreulicherweise kann man “The Eye Of The Beholder” wahlweise nebenbei beim erbarmungslosen Bügeln oder konzentriert mit Booklet in der Hand genießen. Der progressive Charakter der Platte ist zwar offensichtlich, fügt sich in die Songs jedoch sehr harmonisch ein und wirkt somit nicht als Fremdkörper, der unablässig die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Anspieltipps:
Die “The Tower”-Songs, “Cacophony Of Thoughts” und “From Individual To Entirety”

Fazit:
Obgleich ich eigentlich eher in melodiöseren Gefilden unterwegs und bei Thrash Metal sehr wählerisch bin, kann ich “The Eye Of The Beholder” mehr als nur einen Achtungsapplaus abgewinnen. PANDORIUM haben mit dem Ding ein unbarmherziges wie ausgeklügeltes Album vorgelegt, das wohl noch einige Male meinen CD-Player von innen sehen wird – wenn die Bahn Verspätung hatte, Bitburger ausverkauft war oder der Besuch bei Freunden mal wieder darauf hinauslief, den Hardstyle-Remix der Schokoladenverkäuferfolge von Spongebob in Dauerschleife anzumachen. „The Eye Of The Beholder” ist ein äußerst gelungener Schlag ins Gesicht, nach dem man ganz im Sinne der Bergpredigt gerne gewillt ist, die andere Wange für Album Nr. 3 hinzuhalten.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Single Cause Fallacy
02. Via Negativa
03. Maze Of Traits
04. From Individual To Entirety
05. Cacophony Of Thoughts
06. Contradictions
07. The Tower, Act 1: Hyperbolical
08. The Tower, Act 1: The Essence Of Inner Freedom
09. The Tower, Act 1: Infinite Mind

Jannis

DREAM THEATER – Distance over Time

Band: Dream Theater
Album: Distance over Time
Spielzeit: 60:57 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Inside Out Music
Veröffentlichung: 22.02.2019
Homepage: dreamtheater.net

Metal Fans, und jene des Progressive Metal Genres im Besonderen, sind eine undankbare Meute. Da schließe ich mich jetzt mal ganz explizit nicht aus. Nimmt eine Band die Bedeutung der Stilistik beim Wort und gibt sich Mühe im Laufe Ihrer Karriere eine spürbare Evolution an den Tag zu legen, kann sie sicher sein, dass die Hälfte der Anhängerschaft aufschreit und Stein und Bein schwört, dass nur der alte Kram die einzige Ware Version der „Lieblingsband“ ist und alles was nach den diversen Stilwechseln kam nur Mist ist. Opeth sind hier wohl das perfekte Beispiel. Auf der anderen Seite der Medaille hat man eine Band wie Dream Theater, die ihrem (selbst ins Leben gerufenen Stil!) seit Jahrzehnten treu geblieben ist und nur innerhalb bestimmter Grenzen Experimente zulässt. Und da schreit sie dann auch wieder auf, die Szene-Polizei, und moniert, dass das alles doch gar nichts mehr mit „progressive“ Metal zu tun hat weil keine konstante Entwicklung stattfindet. Recht machen können es beide Bands ihrer Fan Basis eigentlich nie, und es muss ein zermürbendes Gefühl sein immer und ewig gegen diese Erwartungshaltungen anrennen zu müssen. Bei DREAM THEATER, die in Ihrer langen Karriere einen verdammt sturen Kopf haben bewahren müssen um gegen diverse Widrigkeiten zu bestehen, hatte dies mit der Zeit dazu geführt, dass die Band spätestens seit „Systematic Chaos“ dazu übergegangen ist mantra-mässig bei jeder neuen Platte zu wiederholen, dass man eine typische DREAM THEATER Platte hat einspielen wollen. Und mit jeder Platte der jüngeren Geschichte hatte man das Gefühl, dass die Jungs auf Hau-Ruck versuchten etwas zu bedienen, von dem sie selber nicht genau wussten was das eigentlich sein soll. Nicht erst seit dem Einstieg von Mike Mangini klang jede Platte verkopft und erzwungen, was durch die komprimierten, künstlichen Produktionen nicht wirklich verbessert wurde.

Die Erwartung an das nunmehr 14. Album der Titanen war zumindest bei mir daher etwas gedämpft. Umso überraschter bin ich über das Ergebnis, das die Jungs nach ihrem Wechsel zu Inside/Out nun vorlegen. Petrucci & Co. liefern mit „Distance over Time“ ein Album ab, das (Obacht!) keinerlei zugrundeliegendes Konzept, kein Instrumental, keinen Longtrack enthält und doch wie die perfekte Visitenkarte der Band klingt. Und endlich, ENDLICH, ist es gelungen Mike Mangini auch klangtechnisch in das Licht zu rücken, in das er zweifellos gehört. Die Drums klingen einfach grandios (wie auch der Rest der Musiker). Dass die Band sich in ein abgelegenes Haus zurückgezogen und dort nicht nur das Material gemeinsam geschrieben, sondern auch gleich in einem großen Raum aufgenommen hat, mag auf dem Papier wie einer dieser typischen Promo-Twists klingen. Das Endergebnis spricht allerdings Bände. Wenn eine Band es sich zum Ziel setzt eine Platte zu machen, die die eigenen Stärken bündelt, dann funktioniert das halt auch nur wenn die Band es gemeinsam angeht und nicht 2 Musiker alleine … Startet die Scheibe mit „Untethered Angel“ und „Paralyzed“ noch relativ gewohnt (mal davon abgesehen, dass es aufgrund der geilen Produktion gleich zu Beginn einfach eine reine Freude ist dem Ganzen zu lauschen), so bieten DREAM THEATER im weiteren Verlauf eine abwechslungsreiche Schau Ihrer Stärken: „Fall into the Light“ rifft in schöner Metallica-Tradition nach vorne, das luftige „Barstool Warrior“ lässt die klassischen Einflüsse wie Kansas oder Genesis durchscheinen und die beiden frickeligeren Songs „S2N“ und „Pale Blue Dot“ sprühen vor relaxter Spielfreude, die hörbar keinerlei kompositorischen Zwängen folgen. „At Wit’s End“ ist ebenfalls ganz grosses Kino und mein perönliches Hilight, inkl. epischem Gitarrensolo. Bei einer Spieldauer von knapp einer Stunde gibt es eigentlich keinen Ausfall zu vermelden.

Noch ein Wort zum Klang der Scheibe: da die Gitarren und die Drums mit einem klar vernehmbaren Raumsound versehen sind, hat man als Hörer immer das Gefühl mitten drin im grossen Aufnahmeraum zu stehen. Obschon es zeitweise ganz schön heftig rifft, transportiert der Mix eine extrem luftige Klangkulisse. Eine wirklich geile Produktion, wenn nicht gar die beste seit „Falling into Infinity“.

„Distance over Time“ ist vielleicht kein Klassiker in der Band-Diskographie geworden. Aber meiner persönlichen Meinung nach das stärkste Album der Truppe seit „Scenes from a Memory“. Die Songs kommen auf den Punkt (sind also nicht künstlich auf Länge gestreckt), von dem üblichen Kitsch und Pathos ist weit und breit nichts zu hören und aus jeder Passage ist der Spass herauszuhören, den die Jungs anscheinend hatten. Erfreulich auch, dass so gut wie kein Füller zu finden ist und dass jene Tracks, die nicht die absoluten Überflieger sind (der ziemlich straighte Rocker „Room 137“ und die nur okaye Ballade „Out of Reach“), aufgrund der realistisch bemessenen Spielzeit dennoch nicht zum Skippen verleiten. Dass ich die Platte nun binnen einer Woche bereits öfters gehört habe als die letzten 3 zusammen seit deren Veröffentlichung, zeigt wohl am besten wie begeistert ich bin. Ich bin happy, denn das ist alles weitaus mehr als ich zu hoffen gewagt hatte. Starke Scheibe.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1. Untethered Angel
2. Paralyzed
3. Fall into the Light
4. Barstool Warrior
5. Room 137
6. S2N
7. At Wit’s End
8. Out of Reach
9. Pale Blue Dot
10. Viper King (Bonus Track)

Mario

QUEENSRYCHE – The Verdict

Band: Queensryche
Album: The Verdict
Spielzeit: 44:16 min
Stilrichtung: Progressiv Metal
Plattenfirma: Century Media (Sony)
Veröffentlichung: 01.03.2019
Homepage: www.queensrycheofficial.com

QUEENSRYCHE – „The Verdict“ erwartet sein Urteil

Das brandneue, langersehnte Album der seattlebasierten US Amis QUEENSRYCHE steht auf dem Prüfstand. „The Verdict“ ist somit der Nachfolger der 2015er Veröffentlichung Condition Hüman und das dritte Studioalbum mit Sänger Todd La Torre.
Mit Drummer Rockenfield hat ein weiteres Gründungsmitglied auf unbestimmte Zeit den Dienst quittiert und der für den Gesamtsound sicherlich wichtige Mannschaftsteil ist schwerlich ohne Verlust zu ersetzen. Die Interimslösung für den vakanten Schlagzeugpart liegt in den Händen und Füßen von La Torre, der seine Aufgabe mehr als beachtlich meistert.
Die Bürde der Amerikaner liegt darin, dass sie sich immer aufs Neue an ihren eigenen Meisterwerken messen lassen müssen. Das gerne in den Raum gestellte „früher war alles besser“ gilt in besonderem Maße für die Progressivmetaller und diese These zu widerlegen ist Hauptaugenmerk des neuen Longplayers.
QUEENSRYCHEs 2019er Arbeitsnachweis beginnt mit „Blood of the Levant„ und man merkt sofort, dass man sich soundtechnisch keine Gedanken machen muss, was vorliegenden Datenmenge angeht. Druckvoll und differenziert, wie man es gewohnt ist, geht’s zur Sache. Der Song selbst geht zügig los, wie man es von einem Opener erwarten darf.
Das folgende „Man the Maschine“ dürfte dem Hardcorefan schon bekannt sein, handelt es sich doch um die vorweg in den Ring geworfenen Single. Typischer QUEENSRYCHE Song, etwas düster, aber gut. Bei „Light -years“ kommt dagegen etwas Langeweile auf, schleppt er sich doch ein wenig durch die knapp vier Minuten, ohne groß Akzente zu setzen.
Auch„Inside Out“ startet gemächlicher, hat aber eine klasse Strophe und einige interessante Tempi Wechsel zu bieten. Energischer gehen ‚Propaganda Fashion‘ und “Bent“ zu Werke, fette Gitarren, treibende Drums, so wie es der QR Fan braucht.
Albumhighlight ist sicherlich „Dark Reverie“, hier beweist Todd La Torre erneut, dass die Fußstapfen seines Vorgängers gesanglich keineswegs zu groß sind und die Band immer noch Großes zu leisten imstande ist, sei es beim Songschreiben, sowie in der Instrumentenbehandlung. Rockige Kurzgeschichte mit schön ausgearbeitetem Spannungsbogen.
Nostalgiker werden bei „Inner Unrest“ und „Launder the Conscience“ ins Schwelgen kommen, beide Songs haben Klasse und funktionieren als Zeitreise perfekt.
Mit diesem Potenzial kann das abschließende „Portrait“ leider nicht aufwarten, wirkt es doch etwas uninspiriert.
Fazit: Die 80er Jahre sind Geschichte, das beweisen Queensryche mit ihrer neuen Scheibe erneut. Kein „Rage for Order“, und schon gar kein „Operation Mindcrime“ liegt hier im musikalischen Endgerät und dennoch ist „The Verdict“ ein rundum ordentliches Album geworden, mit entsprechenden Ups and Downs., guten und weniger guten Songs. Queensryche lebt noch, nur „Mary is dead“!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Blood of the Levant
02. Man The Maschine
03. Light-years
04. Inside Out
05. Propaganda Fashion
06. Dark Reverie
07. Bent
08. Inner Unrest
09. Launder the Conscience
10. Portrait

Link zu “Man the Machine” :

Rüdiger König

WOLVERINE – Cold Light Of Monday (RG Zeitmaschine)

Band: Wolverine
Album: Cold Light Of Monday
Spielzeit: 51:41 min.
Stilrichtung: Progressive Rock/Metal
Plattenfirma: Earache Records
Veröffentlichung: 17.11.2003
Homepage: www.wolverine-overdose.com

“Cold Light Of Monday” ist so ein Album, von dem ich mir gewünscht hätte, es wäre nicht veröffentlicht worden, bevor ich meine Rezensententätigkeit begonn. Egal, was soll’s, Zeitmaschine, ab geht’s ins Jahr 2003.
Hatten die Schweden von WOLVERINE ursprünglich als Death-Metal-Band begonnen, so bewegt man sich auf dem dritten Album “Cold Light Of Monday” doch mittlerweile in größtenteils ruhigen und edel erdig produzierten Progressive-Metal/Rock-Sphären. Während die Grundstimmung der meisten Alben in diesen Genres entweder nachdenklich, tendenziell fröhlich oder frustriert ist (oder eine Mischung aus allem), zieht “Cold Light Of Monday” den Hörer, salopp formuliert, gnadenlos runter. Erzählt wird auf der als Konzeptalbum gestalteten Platte die Geschichte einer jungen Frau namens Sarah, die zu Beginn vergewaltigt wird und sich im Folgenden mit den psychischen Auswirkungen dessen und ihren selbstzerstörerischen Arten, damit umzugehen, auseinandersetzen muss. Die Qualtiät der Texte ist, gelinde gesagt, eindrucksvoll. Sehr sensibel und respektvoll geschrieben, zum Teil aus Sarahs Perspektive und zum Teil aus der eines Erzählers, der ihre Gedanken und Emotionen zu vermitteln weiß. Das Resultat ist authentisch, bedrückend und ein außergewöhnlich realistisches Bild der Auswirkungen einer derartigen Tat auf das Opfer.
Zum Meisterwerk wird “Cold Light Of Monday” in Kombination mit der musikalischen Ebene. Ruhig, melancholisch, melodiös, wunderschön und gleichzeitig teils grässlich unangenehm – gerade Tracks wie das hypnotische, klangkunstartig anmutende “Tightrope” haben den Anschein, als habe man einem friedlich-harmonischen ungebrochenen Album etwas Grausames angetan. Gerade diese Tracks/Passagen sind tatsächlich schwer hörbar, vermitteln dabei die im Text dargestellten Emotionen umso stärker (erwähnenswert an dieser Stelle auch “Red Canvas” und “Dust”). Doch auch die melodiöseren, “klassischeren” Tracks auf “Cold Light Of Monday” sind nicht weniger beeindruckend komponiert. Sei es die gelungene Mischung aus Melancholie und Fröhlichkeit im Drogentrack “Carousel”, die kurze aber berührende Ballade “Trust”, der intensive Endtrack oder der Weltklasse-Chorus von “Sarah”; Ausfälle sucht man vergeblich.
Garniert wird all das durch ins Hirn gehende Refrains (“Sarah”, “Carousel”, “Pantomime” etc.), eine vielseitige Instrumentierung, einige elektronische Komponenten, eine unaufdringliche Progressivität und die großartige Stimme von Stefan Zell. Das letztendliche Resultat ist ein Album, das Emotionen unvergleichlich zu vermitteln vermag, alles andere als leicht hörbar ist und am besten mit dem Booklet in der Hand im heimischen Sessel genossen werden sollte. Und ein Album, das nach der subjektiven Meinung des Rezensenten verdammt nah an der Perfektion ist.

Anspieltipps:
Alles am besten in einem Rutsch durchhören. Ansonsten: “Sarah”, “Carousel”, “Trust” und “Tightrope”

Fazit:
Jedem zu empfehlen, der Progressive Rock/Metal mag und der weiß, dass eine deprimierte Grundstimmung am Ende eines Albums ein absolut würdiger Preis für das Privileg sein kann, es gehört haben zu dürfen. Ganz große Kunst, die sich wohl kein Besitzer der Platte nur einmal antun wird.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Dawn
02. Sarah
03. New Best Friends
04. Tightrope
05. Carousel
06. Trust
07. Pantomime
08. Red Canvas
09. Dusk
10. Tied With Sin
11. The Final Redemption

Jannis

EVERGREY – The Atlantic

Band: Evergrey
Album: The Atlantic
Spielzeit: 54:02 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 25.01.2019
Homepage: www.evergrey.net

In zuverlässiger Regelmäßigkeit, im zwei Jahres Rhythmus, beehren uns die Jungs von EVERGREY, angeführt von Fronter Tom S. Englund, mit einem neuen Prog Metal Highlight!
Dieses Mal heißt der gute Diskus „The Atlantic“ und ist der Abschluss der Trilogie über das Leben, welche mit dem Album „Hymms fort he Broken“ 2014 begonnen wurde. Es geht also mal wieder um all die tollen oder nicht so tollen Erfahrungen die wir alle so im Leben machen.
Ein perfektes Themengebiet für die Metaller von EVERGREY die ja von je her immer etwas melancholischer und düsterer als andere rüberkommen!
Laut eigener Aussage von Mastermind Tom ist „The Atlantic“ das bisher komplexeste und progressivste Album welches die Band jemals aufgenommen hat.
Nun, dann sind wir mal gespannt und lauschen den Klängen des Openers „A Silent Arc“. Nach kurzem cinematic Intro geht es direkt mit kraftvollen, erdigen Gitarrenriffs zur Sache bevor die einzigartige Stimme von Fronter Tom erklingt. Es entwickelt sich eine extrem eingängige, kraftvolle und überlange Nummer die recht heavy aus den Boxen ertönt und direkt als erster Anspieltipp abzuhaken ist.
„Weightless“ im Anschluss beginnt dann ohne viel Umschweif direkt und man fährt erneut eine sehr heftige Marschroute die man so von den Jungs vielleicht nicht immer gewohnt war. Man hat hier auf jeden Fall nochmal Härte draufgepackt ohne aber an der Eingängigkeit und der Melodic zu sparen oder zu verlieren.
Auch diese Nummer landet ohne Umschweif auf der Hitliste.
Die bislang vorherrschende Härte und der gesteigerte Gitarrenanteil finden dann auch im weiteren Verlauf ordentlich Anwendung und es gibt eigentlich wenig zu meckern.
Angefangen mit dem abwechslungsreichen und nicht ganz so zackigen „All i have“, über das fast schon gefühlvolle „End of Silence“, dem melodischen „Currents“ bis hin zum sehr progressiven und abschließenden „The Ocean“. Hier wird abwechslungsreicher, melodischer Prog Metal geboten der Fans der Band mit Sicherheit zufrieden stellen sollte und einfach gut unterhält.

Anspieltipps:

„A Silent Arc“, „Weightless“, „All i have“, “End of Silence” und “The Ocean”.

Fazit :

Wie die letzten Alben auch, ist das neue EVERGREY Album ein wahrer Ohrenschmaus! Die Band schafft es spielerisch an die bisherigen Leistungen anzuknüpfen und dem Ganzen aber, durch die doch noch härtere Ausrichtung, einen frischen Wind zu verpassen.
So dürfte Alt wie Neufan absolut zufrieden sein und wir haben das erste echte Metal Highlight im Jahr 2019 bei dem absolute Kaufpflicht besteht!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. A Silent Arc
02. Weightless
03. All I have
04. A Secret Atlantis
05. The Tidal
06. End of Silence
07. Currents
08. Departure
09. The Beacon
10. This Ocean

Julian

LAST UNION – Twelve

Band: Last Union
Album:Twelve
Spielzeit: ?? min
Stilrichtung:Power Proggresiv Metal
Plattenfirma: ROAR
Veröffentlichung: 21.12 2018
Homepage: www.lastunion.it

Machen wir uns nichts vor, wer auf seinem Debütalbum mit solch illustren Gästen wie Uli Kusch (ex Helloween), Mike LePond (Symphony X) und nicht zuletzt James LaBrie aufwarten kann, macht zumindest neugierig.
Aber der Reihe nach, die italienische Progressiv Metal Formation LAST UNION, im Jahre 2007 unter dem Namen BLAZING ICE von Sängerin Elisa Scarpecchio und Gitarrist.Christiano Tiberi gegründet bieten auf ihrem Erstling „Twelve“ eine überraschend kompakte Leistung ab, die für sich gesehen, schon einiges an qualitativ ordentlichem musikalischem Handwerk bietet.
Trotzdem sind es vorrangig die Gäste, die aus „Twelve“ ein Debüt machen, welches sich ein aus der Masse an neuen Bands dezent, aber merklich, abhebt.
Der Opener „Most Beautiful Day“ gibt die Richtung vor und führt uns vor Ohren, das Sängerin Elisa stimmlich über eine sehr klar Stimme verfügt, die aber nicht über die allzu häufig eingesetzten klassischen Ausflüge ihrer Sangeskolleginnen kommt, sondern eher durch Geradlinigkeit punktet.
Auf dem folgenden „President Evil“ ist es dann soweit, die Hauptattraktion James LaBrie gibt zum ersten Mal seine Visitenkarte ab, und das eindrucksvoll.
Der schön ausgefeilte Song wird durch ein gutes Gitarrenriff dominiert und durch die Stimme des DREAM THEATER Sängers auf nächste Level getragen.
„Hardest Way“ kommt etwas getragener daher und belegt, dass auch die etwas ruhigeren, hymnischen Töne beherrscht werden.
Das LAST UNION keine Band ist, die auf ihrem Debüt ohne Albenfüller auskommen, dafür stehen Songs wie „Purple Angels“ und „The Best of Magic“.
Dass sie aber durchaus in der Lage sind, richtig gute Songs zu schreiben, beweist eindrucksvoll das erneut von LaBrie gesungene “Taken“ . Coole Melodieführung in abwechslungsreichem Songaufbau.
In „A Place in Heaven“ wird dann aber klar, dass der berühmte Gastsänger leider nicht jeden schwächeren Song retten kann.
Die mehr als ordentliche Gitarrenarbeit bekommen wir dann wieder im kurz und knackig gehaltenem „Limousine“ geboten, bevor mit „Back in the Shadows“ eine weitere gelungene Midtemponummer ein zu beachtendes Album beschließt.

Fazit: Ein soundtechnisch, von Jens Bogren (Arch Enemy, Symphony X, Devin Townsend)sehr gut gemischtes Album, welches durch sein gutes Songwriting lebt und sicherlich von den Gastmusikern getragen wird, aber eben auch mit dem ein oder anderen Ausfall klarkommen muss.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:
01. Most Beautiful Day
02. President Evil ( Feat. James LaBrie)
03. Hardest Way
04. Purple Angels
05. The Best Of Magic
06. Taken (Feat. James LaBrie) Radio Edit
07. 18 Euphoria
08. A Place In Heaven (Feat. James LaBrie)
09. Ghostwriter
10. Limousine
11. Back in the Shadow
12. Taken (Feat. James LaBrie)
13. President Evil (Feat. James LaBrie) Video Version

Rüdiger König

Videolink “President Evil”

ARRAYAN PATH – Archegonoi

Band: Arrayan Path
Album: Archegonoi
Spielzeit: 84:00 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Pitchblack Records
Veröffentlichung: 30.11.2018
Homepage: www.facebook.com/arrayanpath

“LET ME TELL YOU A STORY!!” ranzt Nicholas Leptos den Hörer im finalen Part von “Bellerophon (Forged By The Blacksmith)” unvermittelt und mehrfach mit einer Nachdrücklichkeit etwa so entgegen, als würde Opa auf der Familienfeier plötzlich aus seinem Ruhemodus hochfahren und keine Widerrede erlaubend verkünden, er erzähle nun vom Krieg. Man lässt solche Leute dann erzählen; bei Nicholas, der dabei von den restlichen Jungs von ARRAYAN PATH unterstützt wird, sogar sehr gerne. Auch er erzählt vom Krieg, aber auch von anderen mit dem antiken Griechenland in Verbindung stehenden geschichtlichen/mythologischen Ereignissen  – und das über sagenhafte auf zwei CDs verteilte 84 Minuten, obgleich der Release des Vorgängers von “Archegonoi” gerade einmal ein Jahr zurückliegt. Das ist eine beachtliche Leistung und wirft die Frage auf, ob unter dem hohen Arbeitstempo nicht die Qualität der Platte gelitten haben mag.
Die Antwort: Ja, hat sie. Aber nur ganz minimal. Primär zeigt sich das an der Produktion, die einige wenige Töne gerne mal lautstärketechnisch hörbar von den anderen abhebt. Zudem finden sich ab und an gerade in den Drums Momente, wo ein Schlag (oder ein Ton) dann doch nicht ganz genau dann kommt, wenn er soll. Ist ein wenig schluderig, aber authentisch und kommt so selten vor, dass es den Gesamteindruck des Albums nicht zu schmälern vermag – sollte aber bei einem professionell aufgenommenen Album in heutiger Zeit nicht passieren.
Wie sieht es aber aus mit den Kompositionen? Nun, auf einzelne Songs kann man bei der Platte kaum eingehen, schließlich sind sie praktisch alle mindestens fünf Minuten lang, und in klassischer ARRAYAN-PATH-Manier passiert in jedem von ihnen zu viel für Einzelbesprechungen. ARRAYAN PATH sind unvorhersehbar im besten Sinne, auch auf “Archegonoi”. Ruhig-atmosphärische Parts wechseln sich ab mit mal hymnischen, mal hypnotisch-redundanten Refrains. Auf vergleichsweise böse Uptempoparts folgen balladeske, und ein Song, der fanfarisch-orchestral-fett eingeleitet wird, kann von einer Sekunde auf die andere in trockenes Midtempogestampfe übergehen. Sanfte Vocals werden unerwartet zu hohem Geschreie, das im nächsten Moment von mächtigen tiefen Männerchören ersetzt wird. Dazu Melodien, die mal folkloristisch angehaucht sind, gleich darauf eher an deutsche Schlagerkompositionen erinnern – nur in progressiv gestaltet. Gibt es progressiven Schlager?
Dieses Abwechslungsreichtum, hinter dem jederzeit erkennbares System steckt, sorgt tatsächlich dafür, dass “Archegonoi” über seine kompletten 84 Minuten fast durchweg glänzend unterhält, sei es mit eingängigen Hooks, von traditionellen griechischen Instrumenten gespielten Soli oder musicalartigen Abschnitten. Natürlich, ein paar Stellen hätte man rauskürzen können, aber insgesamt erweist sich die Entscheidung, aus dem Ding ein Doppelalbum zu machen, als ziemlich gut. Es ist eine krasse Leistung, ein Album nur ein Jahr nach dem Release seines Vorgängers rauszubringen. Aber es ist eine ganz andere Hausnummer, ein Werk mit der Länge und der kompositorischen Qualität von “Archegonoi” in solch kurzer Zeit zu veröffentlichen. Das Niveau des Vorgängers kann locker gehalten werden. Unter diesen Umständen kann man über die paar Drumhits, die minimal aus dem Takt fallen, locker hinwegsehen. Großen Respekt für diese Leistung!

Anspieltipps: “Weaving The Web Of Destiny”, “Bellerophon (Forged By The Blacksmith)”, “King Of Argos” und “Rod Of Asclepius”

Fazit:
“Archegonoi” ist kein Album für nebenbei. “Archegonoi” ist kein Easy Listening und “Archegonoi” ist wohl eins der außergewöhnlichsten Power-Metal-Alben des Jahres. Wer Bock hat auf eine musikalisch grandiose Reise durch Geschichte und Mythologie (und so fühlt sich die Platte tatsächlich an), der bekommt mit der neuen ARRAYAN PATH genau das und mehr: ein Power-Metal-Album mit Anspruch, das seine Hörer spätestens nach dem zweiten Hördurchgang kaum mehr loslassen wird.

WERTUNG: 

Trackliste:

  1. Weaving The Web Of Destiny
  2. Rod Of Asclepius
  3. Seven Against Thebes
  4. Sins Of Pandora
  5. The Words Of Menelaus
  6. Bellerophon (Forged By The Blacksmith)
  7. Thisbe’s Blooded Veil
  8. Lion Of Amphipolis
  9. Blood Of The Sphinx
  10. Nemesis
  11. Eastern Sands
  12. Where The Hydra Hides
  13. King Of Argos
  14. Thermopylae 480 BC

Jannis

FLASHBACK OF ANGER – Shades

Band: Flashback Of Anger
Album: Shades
Spielzeit: 50:18 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Ice Warrior Records
Veröffentlichung: 15.11.2018
Homepage: www.facebook.com/pg/flashbackofanger

Leider haben die Italiener von FLASHBACK OF ANGER sich dagegen entschieden, neben “Loaded Guns In Guitar Cases” auch den Track “Chopped Off Horse Heads in Beds” auf ihre dritte Albumveröffentlichung “Shades” zu integrieren. Ersterer Titel ist und bleibt dennoch einer der coolsten Power-Metal-Songtitel aller Zeiten. 2005 mit der ersten Demo am Start veröffentlichten die Jungs aus Florence zwei, mit dem aktuellen drei, Alben und fröhnen darauf traditionell skandinavischem Power Metal mit Progressive-Ausflügen und viel Synth-Gedudel.
Die Produktion ist nicht ganz optimal, gerade am Gesang hätte man etwas mehr basteln können, aber gut hörbar ist das Ding allemal geworden. Souverän auch die Arbeit der Musiker. Gesang und Instrumentalleistung sind absolut stabil und Lorenzo Innocenti und Marco Moron (Drums und Bass) funktionieren als Neuzugänge locker mit dem alteingesessenen Teil der Band.
Musikalisch wird der Stil der Band, wie oben beschrieben, konsequent durchgezogen, nur sackt im Verlauf des Albums die Qualität des Songwritings runter. Sprich: Den ersten vier, mit Abstrichen fünf großartigen Tracks mit massig Ohrwurmmelodien und -riffs stehen vier weitere gegenüber, die sich nicht wirklich festsetzen wollen und eher “standard” ausfallen. Bestechend ist in der zweiten Hälfte der Platte primär “Lonely Road”, das eher ruhig und dabei skitalievisch winterlich melancholisch positiv ausfällt. Ansonsten findet sich eine recht kitschige Halbballade (“Dawn Of Life”) und viel fröhliches Keyboardgewichse auf der Hälfte, das absolut korrekt für nebenbei ist, jedoch nicht wirklich zu fesseln weiß.
Anders die erste Hälfte. “Ripped Out” ist ein hervorragender Einstieg in “Shades”: treibendes oberes Midtempo, ein Power-Metal-Refrain der Extraklasse, ein fixes Keyboardsolo gefolgt von einem schmonzigen Gitarrensolo. Euphorie, Begeisterung, Standing Ovations. Für das anschließende ”Numbers” muss man sich danach gar nicht erst wieder hinsetzen. Das macht nochmal extra Spaß, wenn man sich in Gedanken auf das Riff das Knight-Rider-Theme legt, überzeugt mit frecher Strophe mit geilen Gitarren im Hintergrund und schwer eingängigem Refrain. Keine Verschnaufpause, weil die anfangs erwähnten Loaded Guns direkt hinterherballern und einen weiteren Refrainhöhepunkt des Albums bieten – plus Disco-BATTLE-BEAST-Rythmus im Prechorus. Und als wäre das nicht genug, muss der nach den ersten drei Tracks schon völlig kaputte Power-Metaller zum Anfang von “Band Of Brothers” direkt noch ein harmonisches Gitarrenriff verkraften, das, gerade in Kombination mit dem Refrain, in dem es wieder verwendet wird, für unkontrollierte Ejakulation sorgen dürfte. Dann noch “Holdout”, ebenfalls stark, und dann kommt die zweite Hälfte. Expertentipp: Album kaufen, auf den PC kopieren und so nummerieren, dass man nach jedem Song der ersten Hälfte einen aus der zweiten hat, bei dem man ein Bier holen, die Katze füttern oder das Schwert polieren kann (Das richtet sich an Fans von Power Metal, also wörtlich gemeint).

Anspieltipps:
Kann man sich nach der Rezension ungefähr denken, ne?

Fazit:
Erste Hälfte des Albums inklusive “Lonely Road”: 9,5 von 10. Zweite Hälfte abzüglich „Lonely Road“ eher 6. Insgesamt 8. Aber hier ist natürlich eine Menge subjektiven Geschmacks mit drin. Freunde keyboardreichen Power Metals mit Prog-Ausflügen sollten hier auf jeden Fall mal ein Ohr riskieren.

WERTUNG:

Trackliste:

01. Ripped Out
02. Numbers
03. Loaded Guns In Guitar Cases
04. Band Of Brothers
05. Holdout
06. Edge Of Dreams
07. Dawn Of Life
08. Tropical Paradise
09. Lonely Road
10. Marvels Of The World

Jannis