JOSEPH WILLIAMS – Denizen Tenant / STEVE LUKATHER – I Found The Sun Again

Band: Joseph Williams
Album: Denizen Tenant
Spielzeit: 50:23 min
Stilrichtung: Melodic Rock
Plattenfirma: MASCOT LABEL GROUP
Veröffentlichung: 26.02.2021
Homepage: joeswill.com

Band: Steve Lukather
Album: I Found The Sun Again
Spielzeit: 50:21 min
Stilrichtung: Rock
Plattenfirma: MASCOT LABEL GROUP
Veröffentlichung: 26.02.2021
Homepage: www.stevelukather.com

Bevor die vor gar nicht allzu langer Zeit offiziell mal wieder zu Grabe getragenen Toto sich unter dem Banner „Dogz of Oz“ wieder auf die Bühnen der Welt begeben, veröffentlichen die einzigen beiden verbliebenen bekannten Bandmitglieder nun noch parallel ihre neuesten Soloalben. Wir sehen, bzw. hören uns das Resultat der Scheiben heute im Doppel-Feature an, denn ich vermute mal stark, dass Fans der beiden, bzw. ihrer Stammband sich die beiden Platten eh zusammen kaufen werden.

Los geht’s mit LUKATHER’s 7ten Solo-Streich, der in gut 50 Minuten und insgesamt (etwas mageren) 8 Tracks wie gewohnt ein Menge Abwechslung bietet. Das schöne an den bisherigen Alben des genialen Gitarristen ist ja, dass jede ein etwas anderes Konzept verfolgte und einen ganz eigenen Klangcharakter zeigte. So auch „I Found The Sun Again“, dass laut LUKE weitestgehend live eingespielt wurde und in der Tat den Geist der alten Zeiten atmet. Ein wenig ernüchtert war ich schon, als ich feststellte, dass von den 8 Songs gleich 3 Coverversionen sind. Die sind zwar allesamt umwerfend gut und geschmackvoll eingespielt, aber ein Hauch von Mogelpackung will sich einfach nicht verflüchtigen. „Along for the Ride“ ist ein gewohnt geradeaus rockender Track, und die Highlights befinden sich vor allem im vorderen Teil der Platte. Cover hin oder her, „The low Spark of high heeled Boys“, im Original von Traffic, ist ein wunderbar eleganter Showcase für LUKATHERS Gitarrengespür sowie seiner formidablen Studio-Unterstützung (Greg Bissonette, Jeff Babko, Jorgen Carlsson, John Pierce und David Paich) – ebenso wie das jazzige Instrumental „Journey through“. Leider haben sich mit dem okayen „Run to me“ (mit Ringo Starr an den Drums!) und dem zähen Titeltrack auch 2 Langweiler ins Programm geschlichen, die der Scheibe gegen Ende ein wenig den Drive nehmen. Zur Rettung eilt ein mehr als entschädigendes Cover des Robin Trower Klassikers „Bridge of Sighs“, der nochmal klar macht, was LUKAHER an den 6 Saiten auf dem Kasten hat. Alles in allem ist „I Found The Sun Again“ sicherlich nicht LUKATHERS packendste Scheibe („Candyman“ oder „Luke“ haben da eine künstlerisch bestimmte stärkere Gewichtung) aber für einen Künstler von LUKATHERS Alter ist es schon beeindruckend, dass er sich hier keineswegs auf seinen Lorbeeren ausruht, sondern beständig an seinem Ton und Ausdruck arbeitet und seine Liebe zu Musik auslebt.

JOSEPH WILLIAMS‘ Album geht im Kontrast zu dem sehr gradlinig produzierten Album von LUKATHER einen konsequent anderen Weg: wer schon seit langem eine Produktion im Stile von älteren Richard Marx („Flesh and Bone“, 1997) oder der formidablen Perle von „Toy Matinee“ (1990) sucht, der sollte mit „Denizen Tenant“ seine helle Freude haben. Schon der Opener „Never saw you coming“ umschmeichelt die Ohren mit einem vielschichtigen Arrangement, edelsten Gitarrenlicks und einer samtigen Breitwand Produktion. Hier wird auch schnell deutlich, welchen Einfluss WILLIAMS auf die Arrangements der letzten offiziellen Toto Scheibe („XIV“, 2015) hatte. Und WILLIAMS‘ Stimme ist wunderbar gealtert, wie z.B. das als souliges Steely Dan durchgehende „Black Dahlia“ unter Beweis stellt. Weitere Anspieltipps sind die aktuelle Single „Wilma Fingadoux“ und das zusammen mit LUKATHER eingespielte „Remember her“, allesamt beeindruckende Studio-Spielereien mit jeder Menge kompositorischer Substanz und Arrangement-Tricks. Auch hier werden die beteiligten Studiocracks entsprechend in Szene gesetzt. Zwar leistet sich auch WILLIAMS mit dem völlig missratenen, in Disney-Kitsch abtauchenden Peter Gabriel Cover „Don’t give up“ einen verzichtbaren Fehlgriff. Aber auch „Denizen Tenant“ ist eine tolle Platte bei der man sich immer wieder wünscht, die Jungs hätten die besten Tracks doch im Toto-Verbund eingespielt.

Beide Platten sind starke Werke, bei denen der Fan bedenkenlos zugreifen kann. Aber sie zeigen auch, dass die beiden Protagonisten gemeinsam einfach nochmal in einer völlig anderen Kategorie unterwegs sind und im Toto-Verbund ihre vollen Stärken ausspielen können. Als absoluter Gitarren-Nerd und LUKATHER Jünger war ich besonders auf „I Found The Sun Again“ gespannt, doch nach mehreren Wochen mit beiden Alben greife ich tatsächlich immer mehr auf die WILLIAMS Scheibe zurück, einfach weil es hier soviel versteckte Details und bezaubernde Melodien zu entdecken gibt. Dennoch: beide Daumen hoch für 2 wunderbare, ausgereifte und zeitlose Alben die auch nach dem zigsten Durchlauf spannend und packend bleiben.

WERTUNG:

JOSEPH WILLIAMS – Denizen Tenant

 

 

STEVE LUKATHER – I Found The Sun Again

 

 

Trackliste („Denizen Tenant“):

01. Never saw you coming
02. Liberty Man
03. Denizen Tenant
04. Wilma Fingadoux
05. Black Dahlia
06. Don’t give up
07. The Dream
08. Remember her
09. No Lessons
10. Mistress Winter’s Jump
11. If I fell
12. World broken

Trackliste („I Found The Sun Again“):

01. Along for the Ride
02. Serpent Soul
03. The low Spark of high heeled Boys
04. Journey through
05. Welcome to the Club
06. I Found The Sun Again
07. Run to me
08. Bridge of Sighs

Mario

TALENTSCHMIEDE: Mulberry Sky

Band:
Mulberry Sky

Gegründet:
Februar 2019

Herkunft:
Bruckmühl, Oberbayern

Mitglieder:
Dom Raygun (Gitarre), Lucky Lerchl (Bass), Simon Petrosa (Drums), Catherine van Bruce (Vocals)

Stil:
Blues-getränkter Rock

Veröffentlichungen:
Knock, Knock! (EP, April 2020); Golden Suit Problems (Single, Oktober 2020)

Einflüsse:
Das ist tatsächlich total schwer zu sagen. Da kommt vieles zusammen, da wir vier auch ganz unterschiedliche Musik hören – und das auch noch ganz breit gefächert. Das fängt irgendwo bei den Rolling Stones an, wandert über Led Zeppelin, Jimi Hendrix, Michael Jackson und Queen bis hin zu John Mayer, Stone Sour, In Flames oder Linkin Park (nur ein Auszug). Wir versuchen alle, unsere eigenen Einflüsse möglichst so zu filtern, dass wir sie später vereinen können – möglichst ohne, dass es sich zusammengewürfelt anhört oder unnatürlich wirkt.

Natürlich ist da viel Rock dabei, aber nicht unbedingt nur Blues Rock sondern durchaus auch modernere Produktionen. Unsere Musik entsteht sehr intuitiv, wir nennen das gern unsere „Magic Moments“ – und da sind wir erstmal offen für alles (oder vieles).

Was wir die nächsten fünf Jahre erreichen möchten:
Den Soundtrack für einen Tarantino liefern! (Man wird ja noch träumen dürfen…)

Klar ist, dass wir sehr ehrgeizig sind und in unserer Musik voll aufgehen. Für 2020 war das Ziel, mindestens zehn Konzerte zu spielen. Für eine komplett neue und unbekannte Band gar nicht so ohne! Im März hatten wir schon sieben feste Zusagen – alles wirklich tolle Gigs, auf die wir uns sehr gefreut haben. Leider hat uns dieses Corona dann ein Schnippchen geschlagen. Das hat aber auch zur Folge, dass wir nur „noch mehr“ auf die Bühne wollen. Ziel ist also auf jeden Fall, so oft wie möglich live zu spielen und uns eine Fanbase aufzubauen.

Wir produzieren unsere Musik selbst, haben unsere EP „Knock, Knock!“ komplett in Eigenregie aufgenommen, gemixt, gemastert und auch das Artwork selbst gestaltet. Fünf Songs haben es auf die CD „geschafft“ – aber es gibt noch so viele mehr! Daher werden wir uns nun auch an die Produktion eines Albums machen. Dafür haben wir zwar schon einige Songs fertig, wollen aber nochmal Feder und Papier zücken, um noch ein paar weitere „Magic Moments“ einzufangen.

Für die nächsten fünf Jahre wollen wir weiter auf uns aufmerksam machen, noch tiefer in den Ozean des Musikbusiness eintauchen und so viele Erfahrungen – live als auch im Studio – wie möglich sammeln. Wenn Fortuna dann noch ein bisschen mitspielt, wer weiß, was sich dann ergibt…

Was als nächstes kommt:
Gerade haben wir unsere neue Single „Golden Suit Problems“ veröffentlicht und arbeiten an einer weiteren Single, die voraussichtlich im Januar erscheinen wird. Man darf gespannt sein! Ab sofort schreiben wir auch neue Songs für unser Album, für dessen Produktion wir uns dann im Jahr 2021 Zeit nehmen wollen. Was dann als nächstes kommt? Who knows.

Unsere beste Erfahrung bis jetzt:
Erstmal ist jeder Release – egal ob EP oder Single – etwas ganz Besonderes und wahnsinnig aufregend. Wir haben so tolles Feedback für unsere Musik bekommen und wissen oft gar nicht, wohin mit unseren Emotionen. Eine ganz tolle Erfahrung: Trotz Corona durften wir im Backstage Werk in München ein „Abstandskonzert“ spielen. Unser dritter Gig ever, im Backstage München. Wir sind immer noch ganz schön geflasht und hoffen, dort bald nochmal spielen zu können. Aftermovie: https://youtu.be/-irCBJvk4n4

Unser peinlichster Moment:
Eigentlich ist uns so gut wie nichts peinlich. Wir sind vier Menschen, die sich alle nicht so ganz ernst nehmen – das macht das gemeinsame Werkeln an Songs sehr angenehm und ist auch immer wieder witzig. Mal sehen, ob uns mal etwas richtig Peinliches passiert, wenn wir mehr live spielen. Da kann einfach am meisten schief gehen! Sängerin Catherine hatte bei unserem Gig im Backstage in München einen schwarzen Rock mit Schleppe an und hätte beinahe einen Bauchplatscher gemacht, als sie sich selbst mit ihren Schuhen darin verfangen hatte. Hat aber keiner gemerkt. Das wäre dann wohl etwas peinlich – bzw. schwer zu vertuschen – gewesen.

Mit wem wir gerne ein Bierchen trinken würden und warum:
Wir trinken tatsächlich total gern Bierchen. Am liebsten mit uns und unseren Liebsten, also Family & Friends. Bestimmt wären aber auch ein, zwei Bier mit den Rolling Stones mal ganz witzig.

Wenn wir uns eine Band aussuchen könnten, mit der wir auf Tour gehen dürfen:
Ganz egal! Hauptsache live spielen!

Das Beste daran, in einer Band zu spielen:
Der Spaß, die gute Laune, das Vergessen der Welt um uns herum. Da gibt’s erstmal nur uns und die Musik, wenn wir proben – und das ist wunderbar!

Das Schlimmste daran, in einer Band zu spielen:
Wenn man zu wenig Zeit für die Band hat. Immerhin haben wir alle einen „richtigen“ Job, eine Familie, Freunde. Da muss man viel organisieren, damit man sich gleichzeitig Zeit für Proben und Songwriting nehmen kann. Zum Glück stehen unsere Familien, Partner/innen und Freunde/innen da komplett und geschlossen hinter uns und halten uns den Rücken frei.

Online:

www.mulberry-sky.com
www.facebook.com/mulberryskyband
www.instagram.com/mulberryskyofficial

 

Musik:

Spotify: www.open.spotify.com/artist/1TB6zbRi5QGU9cN6qi9MID?si=W7TgT_rbRPC2WaANNyVYrg

Youtube: www.youtube.com/channel/UC0Wxw6ZIUO_-B5vlvFB6A8Q

Live-Dates: www.mulberry-sky.com/termine

SUSEMIHL – Burning Man

Band: Andy Susemihl
Album: Burning Man (EP)
Spielzeit: 30.00 min
Stilrichtung: Rock
Plattenfirma: SM Noise Records
Veröffentlichung: 12.06.2020
Homepage: www.andysusemihl.com

ANDY SUSEMIHL hat nicht die außergewöhnlichste Stimme der Welt, und sein Gitarrenspiel ist nicht von extremer Virtuosität geprägt, aber der ehemalige U.D.O. und SINNER Gitarrist bringt etwas ins Spiel, was vielen Musikern fehlt, er kann gute, einfache und stimmige Songs schreiben.
Kein Stadionrock, sondern interessante, ruhiger gehaltene Rocknummern, nicht überproduziert, sondern ehrlich.
Die „Burning Man“- EP ist seine mittlerweile fünfte Soloveröffentlichung und alle klingen sie unterschiedlich ohne das Genre zu verlassen. Besonders der 2018 erscheinende Vorgänger „Elevation“ wusste zu gefallen und lässt einen neugierigen Blick auf den Nachfolger werfen.
Das etwas zügigere Titelstück kommt mit dominanterer Gitarre daher, „Across The Pond“ besticht durch seinen Refrain und gekonntem Gitarrensoli.
Sieben Songs enthält „Burning Man“, die die Zeit bis zur absehbaren Veröffentlichung des nächsten Longplayers verkürzen soll. Prominente Unterstützung sichert sich SUSEMIHL durch seine Mitstreiter Peter Baltes, dem ehemaligem ACCEPT Basser und dem VINNIE VINCENT Drummer Andre Labelle.
Den Rockballadenfreunden beschert SUSEMIHL mit der durch Jeff Beck bekanntgewordenen Nummer „People Get Ready“ ein weiteres EP Highlight. Sehr schön umgesetzt lädt der Song zum Träumen ein.

Auch das äußerst gelungene „Crazy“ setzt auf ruhigeres Soft Rock Feeling und zeigt die ausgesprochen hohe Musikalität des Gitarristen, der keine fette Instrumentierung benötigt um wie in „One more for the Road“ seinen Songs Ausdrucksstärke zu verleihen.

Das funky gehaltene „The Beauty and The Mihl“ Instrumental beschließt die gut gelungen Veröffentlichung eines gereiften Songwriters dem mehr Bekanntheitsgrad zu wünschen wäre.

WERTUNG:

 

 

01. Burning Man
02. Across The Pond
03. Remedy
04. People get Ready
05. Crazy
06. One More For the road
07. The Beauty and The Mihl.

Video Link zu “Burning Man”

Rüdiger König

THE PINPRICKS – Bait

Band: The Pinpricks
Album: Bait (EP)
Spielzeit: 24:49 min
Stilrichtung: Rock
Plattenfirma: Eigenproduktion
Veröffentlichung: Bereits veröffentlicht
Homepage: www.thepinpricks.de

Servus zusammen. Heute möchte ich euch ein höchst interessantes Trio aus Kiel/Hamburg vorstellen: THE PINPRICKS. Seit 2015 ist die Truppe bereits aktiv, hat seitdem die EP „Hunger“ und nun eben 2020 die EP „Bait“ veröffentlicht. THE PINPRICKS setzen sich aus Frontfrau Ronja Kaminsky (v,g), Nils Degenhardt (b) und Rico Kobarg (d) zusammen. Endlich mal wieder eine Sängerin die nicht nur rumträllert und Opern schmeißt, sondern ihre Stimme röhren lässt. Die Presse schreibt: „Ronja scheint eine uneheliche Tochter von Janis Joplin und Sheryl Crow zu sein“. Ich glaube die rockigen Versionen von Pink und Gwen Stefani waren da auch irgendwie beteiligt.

Acht Songs sind auf der EP zu finden, von denen drei als Video herausgebracht wurden. Na dann, los geht’s. Den Anfang macht „Cast Off Your Shadows“. Eine schnelle Rock’n’Roll Nummer, die auch Danko Jones gut zu Gesicht stehen würde. Da bekommt man direkt Bock auf mehr, klasse Start. Yeah, fettes Riff, Bass und Drums auf „Get Out“. Was braucht man mehr? Richtig, nichts. Vollgas-Rock der in die Richtung des ersten Songs geht. Auf „Voices“ kommt passend zum Titel Ronjas Stimme sehr gut zur Geltung. Die Strophen werden etwas ruhiger vorgetragen, um dann beim Refrain zu explodieren. Nun wird es deutlich melodischer auf „Million Pieces“. Das Stück hätte auch von Pink stammen können, wäre sicher ein Hit geworden. Sehr erwachsene Nummer mit geilem Solo. Bam, bam, bam: „Paintless“ knallt richtig fett nach vorne. Tolles Zusammenspiel der Rhythmusfraktion mit der Frontlady. Da ich eh schon voll im Party-Modus bin, kommt „Two-Wheels-Blues“ genau richtig. Rock’n’Roll pur, perfekt zum Tanzen, Springen oder Mitsingen. Hoppla, fast mein Bier dabei verschüttet. Track Nr. 7 heißt „Foxy Lady“. Kommt mir irgendwie bekannt vor. Danke Google, das Original ist von Jimi Hendrix. Schande über mich. Im direkten Vergleich gewinnt diese Version hier bei mir. Grooved wie Sau. Zum Schluss wird „Get Out“ in einer Akustik Version geboten. Nur Gitarre und Stimme von der Sängerin, Daumen hoch.

Fazit: Das Album rockt. Meiner Meinung nach eine klare Steigerung zur Vorgänger EP. Die Jungs spielen klasse und haben natürlich mit Ronja ein Ass im Ärmel. Die Idee, kein ganzes Album herauszubringen finde ich gut. Lieber lauter tolle Songs, ehe sich ein paar Filler einschleichen. Trotzdem freue ich mich schon auf eine vollständige Scheibe.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Cast Off Your Shadows
02. Get Out
03. Voices
04. Million Pieces
05. Paintless
06. Two-Wheeler-Blues
07. Foxy Lady
08. Get Out – Acoustic Version

Sturmi

ELOY – The Vision, The Sword And The Pyre (Part II)

Band: Eloy
Album: The Vision, The Sword And The Pyre (Part II)
Spielzeit: 52:33 min
Stilrichtung: Art Rock
Plattenfirma: Artist Station Records
Veröffentlichung: 18.10.2019
Homepage: www.eloy-legacy.com

Deckenlicht aus, Stimmungslampen, Kerzen und Kaminfeuer an, rein in den Sessel mit einer Tasse Tee, Handy auf Flugmodus – es gibt was neues von ELOY, einer der zu Unrecht nicht wesentlich mehr gewürdigten deutschen Rockbands, die es seit Ewigkeiten gibt (50 Jahre, Jesus Christus) und die sich im Verlauf ihrer Karriere einen unvergleichlichen Stil und Sound erarbeitet haben. “The Vision, The Sword And The Pyre (Part II)” ist der Nachfolger des ca. zwei Jahre alten ersten Parts, ein Konzeptwerk in zwei Teilen über das Leben von Jeanne D’Arc, das außergewöhnlich gut recherchiert ist, wenn man dem Promotext glauben will (Ich tu’s). Und wer hätte es gedacht: Die ELOY-Trademarks, die sich seit den späten 70ern Gott sei Dank nicht mehr groß verändert haben, stehen nach wie vor auf dem Programm. Viel Arbeit mit Tonika und Subdominante, eine gewisse hypnotisch-meditative Redundanz, die fesselnd wirkt und natürlich die großartigen Synthesizer, die noch genauso analog klingen wie vor 40 Jahren.
Wie bereits beim Vorgänger setzt man verstärkt auf orchestrale Sounds, die sehr gut gelungen sind, ab und an leicht mittelalterliche Melodien sowie Chorpassagen und einige Spoken-Word-Parts. Das Konzeptalbumformat hat einen gewissen Einfluss auf die Songstrukturen, schließlich ist “TVTSATPP2” die Hälfte eines Gesamtkunstwerks, und in Songs wie “Rouen” mit seinen dramatischen Chören, der Orgel und den präsenten Drums oder “Patay” oder “Armistice Of War” ist man tatsächlich verhältnismäßig rockig unterwegs.
Zu den einzelnen Songs Worte zu verlieren, die einer Rezension angemessen wären, ist bei der inzwischen 19ten Platte der Hannoveraner um Mastermind Frank Bornemann schwer. Wie ein langer Track zieht sie akut in ihren Bann, sehr dicht, sehr erwachsen, und macht den Blick auf die Trackliste zu einer störenden Ablenkung. Zusätzlichen Effekt hat dabei die starke Produktion. Die komplette Instrumentalfraktion (insbesondere die Drums) klingt edel und extrem natürlich bei gleichzeitiger Definiertheit – und Wumms hat sie auch noch. Franks Stimme findet tendenziell in weniger hohen Tonlagen statt, das verleiht ihr etwas von einer Geschichtenerzählerstimme und das ist im Kontext dieses Albums natürlich eine gute Sache.
Kritik: Nun, man könnte anmerken, dass abseits der kleinen Neuerungen keine großartige Weiterentwicklung stattgefunden hat, aber bei einer Band mit einem solchen Stil und Sound ist das herzhaftestens scheißegal. Auch könnte man anmerken, dass die Redundanz vielleicht etwas zu ausgeprägt ist, aber in der richtigen Stimmung kickt das Album so intensiv, wie die meisten anderen ELOY-Alben es tun. Ist jetzt nichts für die nächste Rockparty, aber als ELOY-, als Art-Rock- und als Nachfolger-Album von “TVTSATPP1” eine tolle Platte!

Ruhig, intensiv, schön und hervorragend umgesetzt; ELOY sind eine der Bands, die fast zwangsläufig an jedem Rheinstrandabend mit kleinem Lagerfeuer später am Abend angemacht werden müssen. Das ist beim neusten Release nicht anders. Atmosphärisch ohne Ende, hörbar wurzelnd in den grandiosen früheren Phasen der Band und mit den kleinen Neuerungen versehen, die bereits bei Part 1 top funktioniert haben!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. An Instant Of Relief… Still The War Rages On
02. Between Hope Doubts Fear And Uncertainty
03. Patay
04. Joy
05. Reims… The Coronation Of Charles VII
06. Résumé
07. Armistice Of War
08. Paris
09. Abandoned
10. Compiègne
11. Tormenting Imprisonment
12. Rouen
13. Eternity

Jannis

BACKYARD CONSPIRACY – Taken by Surprise

Band: Backyard Conspiracy
Album: Taken By Surprise
Spielzeit: 66:13 min.
Plattenfirma: Supermusic
Veröffentlichung: 29.06.2018
Homepage: www.backyard-conspiracy.com

Backyard Conspiracy wurde 2016 in Berlin gegründet und besteht aus Matt Sunday (Gitarre, Vocals), Jazzmine (Vocals, Keyboards), Wolle (Drums) und Gast-Bassist Pete Monday. Hinter den eigenartig klingenden Künstlernamen verbergen sich vier erfahrene und versierte Mucker, die teilweise auf bereits mehrere Jahrzehnte im Musikbiz zurückblicken können und mit Genres wie Bluesrock, Hardrock, Worldmusic, Funk und Reggae bestens vertraut sind.

Das Quartett tönt erfreulicherweise nicht wie ein musikalischer Gemischtwarenladen, sondern zelebriert vom Blues-/Hardrock der Siebziger Jahre infizierten Oldschool-Rock. Nummern wie „Taken By Surprise“, „Turning Off The Light“ oder „Fly On The Wall“ liefern tiefenentspannten, bluesigen Rock, der ab und an Erinnerungen an Wishbone Ash hervorruft. „Borderline“ hingegen gemahnt wegen des dezent orientalischen Mainriffs und den wuchtigen Drums an die großartigen Zeppelin („Kashmir“ lässt grüßen). Knackige Rocknummern wie „Someday“, „Where Are You Going?“ oder aber das über acht Minuten andauernde, episch-balladeske „100 Miles Offshore“ dürfen ebenfalls zu den Highlights des Debüts gerechnet werden.

Leider können nicht alle 12 Songs diesen Standard halten. Nummern wie „Don’t Blow Up The World“, „Falling Down“, „Simple Days“ oder „Do You Mind?“ beginnen zwar vielversprechend, verlieren jedoch im weiteren Verlauf rasch an Spannung und Drive und plätschern dahin, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Man hätte das Album getrost ein wenig straffen können. Weniger wäre hier definitiv mehr gewesen. Dessen ungeachtet ist TAKEN BY SURPRISE ein organisch und homogen klingendes Debütwerk geworden, das mit so manch gelungenem Song aufwarten kann und auch soundmäßig überzeugt.

Wertung:

 

 

Trackliste:

01 Don’t Blow Up The World
02 Taken By Surprise
03 Falling Down
04 Do You Mind?
05 Borderline
06 Fly On The Wall
07 Someday
08 Turning Off The Light
09 Simple Days
10 Where Are You Going?
11 100 Miles Offshore
12 Lucky Man

Marc Schipper (Gastredakteur)

IGNORE THE SIGN – A Line to Cross

Band: Ignore The Sign
Album: A Line To Cross
Spielzeit: 59:55 min.
Plattenfirma: Steamhammer/SPV
Veröffentlichung: 23.02.2018
Homepage: www.ignorethesign.com

Was 2012 als Soloprojekt von Produzent, Multiinstrumentalist und Stadionsänger (Hannover 96) Oswald „Ossy“ Pfeiffer begann, hat sich zwischenzeitlich zu einer richtigen Band gemausert. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und Sängerin/Gitarristin Anca Graterol (Rosy Vista), Gitarrist Steve Mann (MSG, The Sweet), Bassist Lars Lehmann (UFO), Drummer Kristof Hinz (Eloy) und Percussionist Momme Boe hat Pfeiffer ein Debütalbum eingenagelt, das klang- und songtechnisch kaum Wünsche offen lässt und die handwerkliche Kompetenz der Beteiligten kongenial bündelt.

A LINE TO CROSS punktet mit seiner stilistischen Offenheit und dem hohen Grad an Musikalität, die dem Hörer hier offeriert wird. Dementsprechend umfasst das Portfolio von Ignore The Sign neben breitbeinigem Stadion-Rock („Saviours Of Rock“) auch popaffinen Melodic-Rock/AOR im Fahrwasser von Toto/Survivor etc. („A Line To Cross“, Looking Into The Sun“), energetischen Hard Rock reinsten Wassers („Can’t Find The Door“, „Days Of Thunder“), groovigen Classic Rock mit dezenter Black Country Communion/Purple-Schlagseite („The Story Isn’t Over“, „God With A Million Faces“) sowie einfühlsame Pop-Balladen („Brother“, When Words Ain’t Enough“). Wobei die Balladen – drei an der Zahl – meiner Meinung nach überrepräsentiert sind und den Hörfluss immer dann bremsen, wenn einem eigentlich nach einer weiteren Brettnummer gelüstet. Anyway, das fällt unter die Kategorie „Jammern auf ganz hohem Niveau“.

Letztendlich ist es Ossy Pfeiffer & seinen Mitstreitern ganz hervorragend gelungen, den Spagat zwischen Härte und Gefühl auf spannende und höchst unterhaltsame Art und Weise über beinahe die gesamte Spielzeit zu halten. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn A LINE TO CROSS weitestgehend unbemerkt im Äther verpufft. Dafür sind die Songs schlichtweg zu stark. Chapeau!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Saviors Of Rock
02. A Line To Cross
03. No Way Home
04. Brother
05. The Story Isn’t Over
06. When Words Ain’t Enough
07. God With A Million Faces
08. Sweet Lady
09. Days Of Thunder
10. Behind The Wall
11. Can’t Find The Door
12. Silver Wind
13. Looking In The Sun

Marc Schipper (Gastredakteur)

FOO FIGHTERS – Concrete And Gold

Band: Foo Fighters
Album: Concrete And Gold
Spielzeit: 48:17 min
Stilrichtung: Alternative Rock, Rock
Plattenfirma: RCA
Veröffentlichung: 15.09.2017
Homepage: www.foofighters.com

Nicht wirklich neu, was uns Dave Grohl da präsentiert. „Concrete And Gold“ ist zwar ein gutes, aber leider nicht überragendes Werk der FOO FIGHTERS. Das mit wirklich fettem Sound unterlegte neunte Studioalbum klingt an vielen Stellen leider doch etwas zu belanglos. Gemildert wird diese Aussage durch die gezielt eingesetzte Gesellschaftskritik und durch einige wirklich gute Songs, aber insgesamt verschwindet die Platte im Rock/Pop-Mainstream. Vorbei sind die Zeiten des ehemaligen Nirvana Drummers, der mit Spielfreude, Witz, Ironie und vielen neuen Ideen aus dem Schatten des übermächtigen Kurt Cobain heraustritt. Man hat beim Hören von „Concrete And Gold“ immer das Gefühl, dass da noch mehr kommen müsste. Vieles klingt wie Songs vorheriger Scheiben, auch wenn sich einige frische Ideen in das neueste Werk des Quartetts um Dave Grohl verirrt haben. An Gastmusikern fehlt es der Scheibe definitiv nicht, von Paul McCartney bis Justin Timberlake sind einige Größen des Rock/Pop-Business vorhanden, die entweder die Backing Vocals oder Instrumente beisteuern. Aber von der lang ersehnten Garage Rock Scheibe ist „Concrete And Gold“ weit entfernt.
Der erste Song „T-Shirt“, der die Antrittsrede Donald Trumps als US-Präsident thematisiert, zeigt zwar – wie das ganze Album – seine soundtechnische Erstklassigkeit, kann mit seinem balladesken Anfang und Ende aber nicht wirklich überzeugen. Und so geht es mit den nächsten Songs weiter. Die Hommage an die 70er oder an Bands wie DIRE STRAITS („Dirty Water“) oder LED ZEPPELIN („La Dee Da“) ist nicht zu überhören, aber auch das ist nicht wirklich neu, sondern wurde schon von vielen anderen Bands vor den FOO FIGHTERS versucht (bei vielen davon allerdings mit deutlich weniger Erfolg oder Können).
Die nach dem zwar beschaulich startendem aber doch sehr rockigem „Run“ zweite Singleauskopplung ist „The Sky Is A Neighborhood“. Dieser Song ist absolut radiotauglich und zeigt Dave Grohls musikalisch gut umgesetzte Angst vor der Zukunft der Menschheit. Mit „La Dee Da“ kommen die FOO FIGHTERS Grohls Wurzeln trotz des ZEPPELIN Riffs am Nähesten. Mit punkartigen Einlagen und Hardcore-Geschrei im Refrain für mich einer der besten Songs der Platte. Wogegen der Titeltrack „Concrete And Gold“ eher sanft dahindümpelt und sehr in die Länge gezogen wirkt. 5:32 Minuten sind dann doch etwas zu lang.
„Happy Ever After“ erzeugt mit dezenten Chören und Streichern eine Beatles-Atmosphäre und ist eines der ruhigen Stücke auf „Concrete And Gold“. Trotzdem ist Grohls Aussage, er habe mit dieser Platte eine „Motörhead­Version von ‚Sgt. Pepper‘ “ erschaffen wollen, doch sehr sehr sehr weit hergeholt und lässt vermutlich viele Motörhead Fans aufschreien.

Ja, „Concrete And Gold“ ist auf Platz 1 der Billboard Charts gelandet, aber das bestätigt nur, wie sehr sich die FOO FIGHTERS von Ihren Ursprüngen, von Ihrem wildem Rock, von Ihrem Rotz entfernt haben. Das ist nach 25 Jahren natürlich erlaubt und man will von seiner Musik schließlich auch leben können. Und wer die FOO FIGHTERS bisher ignoriert hat, ist mit „Concrete And Gold“ definitiv nicht falsch beraten. Das Album entbehrt nicht eines gewissen Charmes, ist aber stellenweise einfach zu sanft und zu seicht geraten.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. T-Shirt
02. Run
03. Make It Right
04. The Sky Is A Neighborhood
05. La Dee Da
06. Dirty Water
07. Arrows
08. Happy Ever After (Zero Hour)
09. Sunday Rain
10. The Line
11. Conrete And Gold

Tänski

THE WEIGHT – The Weight

Band: The Weight
Album: s/t
Spielzeit: 46:19 min
Stilrichtung: Psychedelic Rock
Plattenfirma: Heavy Rythm & Roll Records
Veröffentlichung: 17.11.2017
Homepage: theweightrock.com

Wer der Rock Garage fleißig folgt, hat schon vor ein paar Tagen das Interview mit THE WEIGHT gelesen. Allen anderen sei dies hiermit noch einmal wärmstens ans Herz gelegt. Ansonsten sehen wir uns heute an, was Tobias Jussel (Gesang, Orgel, Piano, Michael Boebel (Gitarre), Patrick Moosbrugger (Bass) und Andreas Vetter (Drums) mit ihrer selbstbetitelten Eigenproduktion gezaubert haben.
Ihren Musikstil bezeichnen die Jungs als Heavy Rythm & Roll, was es auch auf den Punkt trifft. Wer sich darunter nichts vorstellen kann: Psychedelic Rock mit dreckig harten und bluesigen Gitarrenriffs, hartem Bass, massiven Drums und on top noch eine kräftige Stimme.
All das bekommt man von der ersten bis zur letzten Sekunde. „Hard Way“ groovt einen schon einmal mit einem Drum-Intro ein und schraubt sich mit dem simplen und kraftvollen Gitarrenriff ins Gehirn. Bei „Trouble“ wird so langsam die Orgel ausgepackt, hier sei auch das preisgekrönte Video zu erwähnen, in dem THE WEIGHT ihren Vorbildern Attribut zollen. „Rich Man’s Pride“ tropft ganz herrlich vor rotzigem Blues, „A Good Thing“ ist ein ruhiger Prilblumen-Gute-Laune-Song und „Money Ain’t For Keeping“ zieht das Tempo wieder ein bisschen an. „Hammer, Cross & Nail“ dehnt sich auf über acht Minuten, in denen viel Zeit für diverse Spielereien in bluesiger Verpackung ist. „Jam“ ist eine THE DOORS-mäßige Nummer und mit „Get Some“ wird es etwas schmutziger und sehr unterhaltsam. Der letzte Song, „Plenty Of Nothing“ verbreitet eine tolle Wärme und ist gleichzeitig tanzbar und groovy.

Fazit: Was für ein Debut! Sicher bin ich beim Schreiben der Review noch etwas von der erstklassigen Live-Darbietung beeinflusst, aber man muss sagen, dass es das Album schafft einen in diese fröhlich-warme Sommer-Live-Stimmung zu versetzen. Gleichzeitig schafft es die Band mit jedem Song ein kleines Kunstwerk zu erstellen, welches bei aller Leichtigkeit immer etwas komplex ist und Interpretationsraum lässt. Für mich ein mehr als empfehlenswertes Album, vor allem für Fans der 70er á la THE DOORS, LED ZEPPELIN, URIAH HEEP, DEEP PURPLE, PINK FLOYD etc.

WERTUNG: 

 

 

Trackliste:

01. Hard Way
02. Trouble
03. Inside
04. Rich Man’s Pride
05. A Good Thing
06. Money Ain’t For Keeping
07. Hammer, Cross & Nail
08. Jam
09. Get Some
10. Plenty Of Nothing

Lotta

H.E.A.T. – Into The Great Unknown

Band: H.E.A.T
Album: Into The Great Unknown
Spielzeit: 44:42 min
Stilrichtung: Melodic Hard Rock
Plattenfirma: earMUSIC
Veröffentlichung: 22.09.2017
Homepage: www.heatsweden.com

Dieses Jahr feiern H.E.A.T. ihr 10-jähriges Jubiläum und bringen gleich den Nachfolger zum 2014 erschienenen „Tearing Down The Walls“ heraus. „Into The Great Unknown“ heißt das gute Stück und wurde in Thailand mit Produzent Tobias Lindell aufgenommen. Während der Aufnahmen zog sich die Band bewusst zurück, um sich auf das Songschreiben konzentrieren zu können. Nachdem Eric Rivers die Band nach der letzten Tour verließ, kam zur großen Freude und Überraschung der ehemalige Gitarrist Dave Dalone, welcher jetzt unter dem Namen Sky Davis unterwegs ist, wieder zurück. Ansonsten bleibt das Line-up wie gewohnt Erik Grönwall (Gesang), Jona Tee (Keyboard), Jimmy Jay (Bass) und Crash (Schlagzeug).

Was die Sonne Thailands dem Quintett alles entlockt hat, kann man sich ab dem 22. September zu Gemüte führen. Vorab gab es schon die ersten drei Singles in Form des recht experimentellen „Redefined“, „Time On Our Side“ – keine Ballade, jedoch trotzdem emotional und mit elektronischen discoartigen Akzenten, sowie die Ballade „Eye Of The Storm“.
Mit „Bastards Of Society“, dem pop-rockigen Opener des Albums, kann man sich schon einmal eintanzen. Nach den ungewohnten Tönen von „Redefined“ begibt man sicher wieder in bekanntere Gefilde mit „Shit City“: rotziger, frecher, frischer Rock’n’Roll. „Best Of The Broken“ baut sich langsam auf. Es startet mit einer Country-artigen Melodie, dann setzt die groovige Strophe ein und dann wird richtig abgerockt. „Blind Leads The Blind“ ist wohl der härteste Song des Albums, während „We Rule“ mit einem Streicherintro beginnt und stellenweise fast klassisch anmutet. In „Do You Want It?“ wurde eine Geschichte verarbeitet, in der der Soundtechniker der Band an eine ganz besondere Dame in Thailand geriet. Als diese sich als Prostituierte entpuppte, wollte besagter Techniker Preisverhandlungen eröffnen, was sie wiederum mit einer Demonstration ihrer Kampfkünste ahndete. Zum Glück kam er nicht zu Schaden, so dass er die Anekdote der Band erzählen konnte – das Ergebnis lässt sich hören!
Schlusslicht bildet der Titelsong „Into The Great Unknown“. Eine epische Nummer mit Soundtrackqualität für den nächsten Abenteuer-Blockbuster. Es ist gleichzeitig der längste Song des Albums (7 min) und hat somit Platz für viel Melodien, Gitarrenspielereien und einen Bass-Part in der Mitte.

„Into The Great Unknown“ hat die Fans schon bei den ersten drei Singles gespalten. Keine Frage, dieses Album ist anders als alle anderen H.E.A.T.-Alben und lässt sich genretechnisch wegen seiner vielen verschiedenen Elemente nicht klar definieren. Ein mutiger und m.M.n. mehr als gelungener Sprung ins kalte Wasser, bei dem die fünf Schweden einmal mehr ihre Kreativität, ihr Können und ihr Talent unter Beweis stellen. Es zeugt von wahrer Rock’n’Roll Attitüde sich nicht von Erwartungen und Genregrenzen einschränken zu lassen!
Hier einen Anspieltip zu geben ist schwierig, denn jeder Song ist auf seine Art empfehlenswert. Wem die experimentelle Seite des Albums noch etwas suspekt ist, der hört sich am besten „Best Of The Broken“ und „Shit City“ an. Wer schon etwas mutiger ist, könnte sich an „Into The Great Unknown“ und „Do You Want it?“ erfreuen.

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:
01. Bastards Of Society
02. Redefined
03. Shit City
04. Time On Our Side
05. Best Of The Broken
06. Eye Of The Storm
07. Blind Leads The Blind
08. We Rule
09. Do You Want It?
10. Into The Great Unknown

Lotta