SAEKO – Holy We Are Alone

Band: SAEKO
Album: Holy Are We Alone
Spielzeit: 50:44 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 20.08.2021
Homepage: www.facebook.com/SaekoIronEmpress

Es gibt Bands, die sich gefühlt zusammensetzen und darüber nachdenken, wie sie das nächste Album vollkriegen können. Dann kommt eine zweite Ballade dabei raus, Narration vor jedem zweiten Song, fünf Minuten Outro und vier Lückenfüller. Aber es gibt auch SAEKO, bei der die Frage eher lautete, wie man all die gesammelten Ideen irgendwie sinnhaft in einem Album unterbringt. Kein Wunder, schließlich lag ihr Projekt 15 Jahre auf Eis und oh Junge, die Frau hatte kreativen Druck. Mit ihrer deutsch-italienischen Truppe aus Guido Benedetti (TRICK OR TREAT, Gitarre, Keyboard, Co-Songwriting), Alessandro Sala (RHAPSODY OF FIRE, Bass) und Michael Ehré (GAMMA RAY, THE UNITY etc., Drums) im Rücken und der astreinen Produktion unter TRYPTIKONs V. Santura hat sich ein Problem der ersten beiden Alben schonmal gegeben: Die Platte ist nicht nur von einem Team aus absoluten Vollprofis sauber und durchdacht eingespielt, sie klingt auch bestens.
Saekos Stimme tut an der Stelle ihr Übriges. Ob durchdringend kraftvoll metallisch, operesk oder poppig: Die Vocals sind wunderbar wandlungsfähig und in jedem Stil professionell klingend.
Textlich geht’s um die Reise einer wiedergeboren werdenden Seele über verschiedene Länder der Welt (was auch die Namensgebung der Songs erklärt), die Lyrics sind dementsprechend auch mal auf deutsch, hawaiianisch oder sanskrit (!) und die Reise spiegelt sich in der Musik wieder, die dem durchschnittlichen, musikalisch europäisch sozialisierten Metal-Europäer leicht zu hören fällt, dabei jedoch ein richtiges Maß an landestypischen unterschiedlichen Einflüssen und einen präsenten aber nicht “Folk-Metal”-relevanten Anteil an traditionellen Instrumenten mitbringt.
Kann man machen, um über mangelnde Tiefgründigkeit hinwegzutäuschen, auf “Holy Are We Alone” passiert jedoch das exakte Gegenteil.
Verdammt, ist dieses Album unterhaltsam. Track 1 und 10 streichen wir mal, das sind kurze Narration-Tracks, doch bereits “Japan” geht voll auf’s Ganze. Ja, das ist schon Power Metal, aber mit guten Melodien, einem gesunden Maß an mehr Komplexität auch in der Strophen- und Chorusarbeit und mit einem höchst spaßigen Mittelteil mit funkiger Bass- und fröhlicher Gitarrenline (plus mehr), der dem Zuhörer unmissverständlich klarmacht, dass ihn hier ein absolutes Entertainmentpaket erwartet. “UK” ist sympathisch fröhlich mit seinen Flötchen, schlagerig-eingängig, aber in keinster Weise nervig oder zu standard, und bei “Germany” wird es 8,5 Minuten ebenfalls hart vielseitig, mit bemerkenswert gut gesungenen “Königin der Nacht”-Parts (denn das muss man ohne Scheiß auch erstmal hinkriegen) und deutlichem Neoklassik-Anteil. “In “India” ist man intensiv-dicht unterwegs, “Brazil” ist klavier-supporteter astreiner Power Metal und “Hawaii” ist gut gemacht, aber für meinen Geschmack zu Disney.

Fazit:
Das ist eine der Rezensionen, bei denen ich ewig weiter schreiben könnte, über all das Detailreichtum und die starken Kompositionen, die Ausführung vonseiten aller Beteiligten und die Unkonventionalität bei gleichzeitiger Eingängigkeit. Würde aber ausarten, also lasst Euch überraschen, aber gebt dem Ding eine Chance. Power Metal, wie man ihn sich wünscht, wie man ihn aber nicht erwartet.

Anspieltipps:
“Japan: In My Dream”, “Germany: Rebellion Mission”, “India: Farewell To You I (From Father To Son)” und “Brazil: Splinters Of The Sun“

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Circle Of Life
02. Japan: In My Dream
03. Syria: Music, My Love
04. UK: Never Say Never
05. Germany: Rebellion Mission
06. India: Farewell To You I (From Father To Son)
07. Brazil: Splinters Of The Sun
08. Hawaii (USA): Farewell To You II (From Mother To Daughter)
09. Russia: Heroes
10. Holy Are We Alone

Jannis

REBELLION – We Are The People

Band: Rebellion
Album: We Are The People
Spielzeit: 54:11 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 23.07.2021
Homepage: www.facebook.com/rebellionmetal

Hier sitze ich nun einmal wieder vor der Rezension zu einem Album, das ich etwas schwächer finde als die meisten meiner Kollegen bei anderen Magazinen. Daher zu Anfang der Rat an alle Leser, die sich nach der Rezension nun denken “Ach, okay, dann geb ich mir die Platte vielleicht eher nicht”, ruhig mal noch eine zweite und dritte Meinung einzuholen, denn man will ja niemandem von einem Album abraten, dem andere Leute mit Ahnung begründet gute Bewertungen geben.
“We Are The People” ist klanglich das, was man als Teutonic Heavy Metal der Marke ACCEPT und GRAVE DIGGER kennt, mit oft äußerst rauen Vocals von Michael Seifert, die teils, gerade in so einigen Strophen, komplett unmelodisch ausfallen, aber auch bei Klargesangsstellen funktionieren und so in an sich melodischem Metal eben selten vorkommen; was ein positives Alleinstellungsmerkmal ist.
Die Gitarrenfraktion pendelt zwischen feiner trockener Riffarbeit und leider auch dem ein oder anderen uninspirierten Moment, gerade bei den Refrains wäre hier etwas mehr drin gewesen als die so oft auftauchenden, lang gehaltenen Powerchords.
Klangtechnisch geht “We Are The People” schon klar, leidet ein wenig unter einem etwas zu matschigen Bass und dem fehlenden finalen Bisschen Druck.
Kompositorisch hat “We Are The People” einige spannende Momente und einiges an Durchschnitt, der ein roh gehaltenes Album zu transportieren vermag, dabei aber nicht allzu viel Eindruck hinterlässt. Die spannenden Momente finden sich beispielsweise in einigen doch eher ungewöhnlichen Harmoniefolgen, wie beim Chorus zu “Risorgimento (Tear Down The Walls)”, in der Verschmelzung von Kriegssounddesign und Drums am Anfang von “Verdun” oder im vorsichtig optimistischen Songwriting des Titeltracks. Und ab und an ist halt auch mal ein kleiner Fehltritt dabei, wie der Einsatz der deutschen Nationalhymne als Chorus von “Vaterland”, der ja an sich in Kombination mit einem nationalismuskritischen Text eine echt gute Idee ist, aber im musikalischen Kontext des ruhigen Prechorus einfach seltsam und zu bemüht anmutet.
Ein Kritikpunkt muss noch, und der geht an die Lyrics. Wenn man sich Rassismus- und Nationalismuskritik als Thema für ein komplettes Album raussucht und über die Tracks hinweg quasi historisch betrachtet, bietet das verdammt viel Potenzial für tiefgehende, mitnehmende Lyrics. Die auf “We Are The People” beschränken sich jedoch leider auf das typische Metal-Vokabular und kommen selten darüber hinweg, Geschehnisse und Situationen über Doku-Niveau zu erzählen, mit Jahreszahlen, Orts- und Personennennungen und einigen dramatischen Catchphrases. Hier hätte es andere Herangehensweisen benötigt, vielleicht andere Erzählperspektiven und mehr Subtilität, die einem Song mit viel Textpotenzial wie “Shoa (It Could Have Been Me)” dienlicher gewesen wären als Lines wie “Were they possessed by some demon? Or was it just a human game?”.

Fazit:
Das war jetzt viel Kritik, daher sollte an dieser Stelle noch einmal gesagt werden, was “We Are The People” auch ist: ein klassisches Teutonic-Heavy-Metal-Album mit so manchen Melodien und Riffs, die erfreulich unausgelutscht sind, angenehm roh und unpoliert und ambitioniert, sich im Songwriting etwas abzusetzen und inhaltlich die Welt ein bisschen besser zu machen. Was es nicht ist: das, was es hätte sein können, wenn man soundtechnisch und kompositorisch an durchschnittlicheren Stellen etwas mehr Arbeit investiert und textlich mehr die ausgetretenen Pfade verlassen hätte.

Anspeltipps:
“Sweet Dreams”, “Gods Of War”, “Shoa (It Could Have Been Me)” und “We Are The People”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Voices Of War
02. Risorgimento (Tear Down The Walls)
03. Liberté, Egailté, Fraternité
04. Sweet Dreams
05. Vaterland
06. Verdun
07. Ashes To Light
08. Gods Of War
09. Shoa (It Could Have Been Me)
10. World War II
11. All In Ruins
12. We Are The People

Jannis

TALENTSCHMIEDE: Jetpack Samurai

Band:
Jetpack Samurai

Gegründet:
2016 – die drei übrigen Mitglieder der Prog-Rock-Gruppe MONO und ein neuer Drummer haben sich auf neue Musik eingelassen und neue Songs geschrieben – und brauchten auch einen neuen Namen. Den haben wir jetzt, und er macht großen Spaß.

Herkunft:
Gevelsberg zwischen Hagen-Witten-Solingen

Mitglieder:
Wolfgang Niggel – Gitarre, Gesang
Robert Krause – Gitarre
Thorsten Knefel – Bass
Jürgen Wulf – Drums

Stil:
Vintage-Groove-Rock

Veröffentlichungen:
Flight Recorder (2021, Album)

Einflüsse:
Oceansize, Selig, Ozric Tentacles, Nina Hagen, Brant Björg, Color Haze, Aerosmith, J. J. Cale

Was wir die nächsten fünf Jahre erreichen möchten:
Live spielen, auch gern in kleinen Clubs, Kneipen, aber auch Festivals, ein paar CDs verkaufen, und mit dem Geld ’ne neue Auflage pressen.

Was als nächstes kommt:
2021 – Videos machen für die Songs, Live-Shows spielen, neue Songs schreiben.

Unsere beste Erfahrung bis jetzt:
Dieses fantastische Album endlich in Händen zu halten und uns danach nicht aufgelöst zu haben 😉

Unser peinlichster Moment:
wir sind in einem Alter, da ist einem nichts mehr peinlich, das kommt erst wieder in ca. 15 bis 20 Jahren.

Mit wem wir gerne ein Bierchen trinken würden und warum:
Derzeit mit jedem. Am liebsten mit Fans, die halb so alt sind wie wir selbst. Dabei sind wir im Schnitt knapp unter 50, im besten Mannesalter!

Wenn wir uns eine Band aussuchen könnten, mit der wir auf Tour gehen dürfen:
Gojira!!!!

Das Beste daran, in einer Band zu spielen:
Mit coolen Jungs abhängen, zusammen großes Neues erschaffen, sich bepissen vor Lachen, und weil wir das schon immer machen.

Das Schlimmste daran, in einer Band zu spielen:
Den Tisch im Proberaum zu putzen, den die andere Band wieder mal völlig versaut zurückgelassen hat, und wenn dann auch noch kein Bier mehr da ist.

Online:
www.facebook.com/samuraijetpack

Musik:
Spotify: www.open.spotify.com/artist/0pnGM08yzZcEdUtGVw3lbB
Youtube: www.youtube.com/channel/UCJFVt5NWI_TlJLJL6mHiWdg
Soundcloud: www.soundcloud.com/samuraijetpack
Live-Dates: Hehe, sehr witzig.

 

CLIVE NOLAN – Song Of The Wildlands

Band: Clive Nolan
Album: Song Of The Wildlands
Spielzeit: 57:15 min
Stilrichtung: Progressive Rock
Plattenfirma: Crime Records
Veröffentlichung: 01.09.2021
Homepage: www.facebook.com/clive.nolan.7

In Zeiten von digitaler Musikproduktion, in denen quasi jedes Instrument und auch Chöre soweit realistisch in Soundbibliotheken verfügbar sind, ist das Rock/Metalalbum mit echtem Orchester, echtem Chor und echten Instrumenten abseits von Gitarre, Bass und Drums langsam zu einer aussterbenden Gattung geworden. Schließlich erfordert so ein Album krassen Personalaufwand, wahlweise hohe Investitionen oder die Bereitschaft vieler zur Arbeit für wenig Geld – und möglich genug, dass man je nach Aufnahme letztendlich ein Resultat hat, das weniger gut produziert klingt als eines, das man mit ein paar Oberklasse-Instrumenten-Plugins erreicht hätte.
Doch gibt es nach wie vor die Fraktion, die weiß, dass echte Instrumente einem Album einen Charakter und einen Sound geben können, die auf digitalem Weg schwer erreicht werden können. Einer davon ist Clive Nolan, der mit “Song Of The Wildlands” nun sein eigentlich bereits für letzten Mai angekündigtes neustes Werk veröffentlicht hat. Gut, ein Teil des Orchesters entspringt Nolans Keyboard-Künsten und lässt gerade im Intro Sorgen aufkommen, es könnte sich um ein eher günstig-retro-episch klingendes Album handeln. Die Sorge erweist sich als unbegründet, denn nach dem recht preiswert klingenden Anfang geht die Qualität steil nach oben. Mehrere Solo-Sänger und -Sängerinnen, ein 200-köpfiger Chor, Perkussion und diverse traditionelle Instrumente, starkes Sounddesign und eine treibende Rock-Instrumentalisten-Fraktion führt Nolan zusammen zu einem extrem guten Sound, der neben der gelungenen Mix/Master-Arbeit auch auf die herausragenden Arrangements zurückzuführen ist. Das hat mit “Streicherteppich, ’n AAAAAH-Chor und ’n paar Hörner drauf” gar nichts zu tun, im Gegenteil. Das Zusammenspiel von mittelalterlichen Klängen, Orchester, Chor und Rockband wirkt wie aus einem Guss, mal ruhig folkig, mal bombastisch treibend, aber stets mit Kreativität dahinter, mit musikalischem Tiefgang und mit Ausreizung der Möglichkeiten von Chor und Instrumenten.
Die Rock-lastigen Parts sind dabei vielleicht etwas seltener als erwartet, sicher die Hälfte der Platte ist Gitarren-, Bass- und drumfrei, was sich im Sinne von “Song Of The Wildlands” aber als gute Mischung erweist. Schließlich sind die Rock-losen Parts keinesfalls nur Lückenfüller oder Überbrückungen zwischen den einzelnen abgehenderen Parts, fallen stattdessen sehr stimmungsvoll und klanglich teils wirklich extrem schön aus. Einziger Kritikpunkt: Praktisch jeder Track beginnt mit einem Erzähler, der nicht Christopher Lee ist und die ansonsten dichte Atmosphäre der Platte teils unterbricht. Solche Texte hätte man auch ins Booklet packen können und auf dem Album die Musik für sich sprechen lassen. Aber das sollte nun wirklich niemanden vom Abchecken dieses Albums abhalten.

Fazit:
Wenn man eine dermaßene Arbeit und dermaßene Mengen an Beteiligten für ein Album auffährt, macht man das entweder zu Promozwecken, oder weil es tatsächlich einen Mehrwert bietet. Letzteres tut es bei “Song Of The Wildlands” ohne Frage, denn dank der starken Arrangements und der Liebe zum Detail ist die Platte viel mehr als nur eine Stunde Folk-Gedudel und Bombast. Nein, hier haben wir es mit einem 1a-Lagerfeuersoundtrack für Sommernächte zu tun, mit einem Klanggebilde, das einem Träumerei und Gänsehaut ohne Penetranz anbietet, beim konzentrierten Anhören nicht minder unterhält und seine Ressourcen komplett ausreizt. Schön, lieber Clive. Ein wirklich schönes Ding!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Story Begins
02. There’s A Threat
03. Crossing The Ocean
04. Beowulf’s Promise
05. Grendel Attacks
06. Celebration
07. The Hag’s Revenge
08. Journey
09. Underwater Cavern
10. Rewards
11. Beowulf, The King
12. Dragon Fire
13. The Warrior Dies
14. Funeral Pyre
15. The Story Ends

Jannis

I AM ALIZ – Dead: Seals Of Separation

Band: I Am ALIZ
Album: Dead: Seals Of Separation
Spielzeit: 32:59 min
Stilrichtung: Industrial Metal
Plattenfirma: Ishtar Rising
Veröffentlichung: 13.06.2021
Homepage: www.facebook.com/alizmusic

Mal wieder eine kleine Überraschung, die da in das Rock-Garage-Postfach reingeflattert ist: I AM ALIZ – nie gehört, kurz ein, zwei Songs angetestet und für rezensierenswert befunden, da die Sache in so mancher Hinsicht doch schon was besonderes ist. Das deutsche Soloprojekt bewegt sich im Industrial-Metal-Bereich, ziemlich elektronisch, ohne dabei metallische Klänge außen vor zu lassen, mit acht Tracks und guten 30 Minuten Spieldauer.
Produktionstechnisch kann man ein wenig meckern: Zum Teil, gerade bei den Drums und den Gitarren, klingt “D:SOS” ein bisschen mittenlastig und könnte ein wenig mehr Definiertheit vertragen, das kompensiert man aber durch massiiiiven Druck hinter der Gitarren- und Drum-Produktion und zwar mit vollem Erfolg. Beginnt Track 1 klangtechnisch recht kraftlos (kalkuliert, wohlgemerkt), so knallen die Gitarren, wenn sie denn kommen, mit brutaler Wucht rein, ohne die etwas leiseren anderen Elemente zu verdrängen. Mit diesen Lautstärkeunterschieden arbeitet I AM ALIZ gerne, was als individuelles Soundmerkmal sehr gelungen und dem Hörerlebnis dienlich ist.
Ebenfalls hervorzuheben: die Vocals. Die Stimme von Aliz ist für Electro/Gothic/Industrial sehr geeignet; individuell, ausdrucksstark, wandelbar (Einfach mal die Vocals von Track 1 mit denen von Track 6 vergleichen) und jederzeit unter Kontrolle.
Und musikalisch? Musikalisch ist “D: SOS” ein in elektronischer Hinsicht recht verspieltes Werk geworden, das sich beispielsweise viel elektronische Drumsounds leistet, eine sehr eigene Atmosphäre aufbaut, mit mehrstimmigen oder klanglich verfremdeten Vocals arbeitet und den einzelnen elektronischen Sounds Liebe widmet, sei es die grummelnde Bassline bei “Hypocrisy”, die fetten Synthesizer in “Alienation” oder auch mal eine klassische E-Orgel bei “Seal”. Ja, das Sounddesign macht viel aus bei der Platte, wobei die Songs in kompositorischer Hinsicht allerdings nicht abstinken. Lediglich beim finalen “The I In You” ist die Luft ein bisschen raus und man ist eher etwas auf stabilem Lückenfüller-Niveau unterwegs, doch ansonsten lässt sich über das Songwriting soweit nichts Negatives sagen.
Blickt man auf “Seal” (mit leider etwas störendem Echoeffekt auf der Stimme) und “Sparkling Eyes”, muss man hier stattdessen noch einmal umso ausdrücklicher loben. Jap, es sind die beiden – ziemlich rocklastigen – „Balladen“ bzw. nachdenklicher klingenden Songs der Platte (wobei “Seal” noch ordentlich Dampf bekommt), aber bei diesen zeigen sich bisher auf dem Album ungehörte Songwritingkompetenzen – das sind, kurz gesagt, einfach arschschön geschriebene Tracks.

Fazit:
Ein bisschen Punktabzug für einen doch schwächeren Song, ein paar Soundangelegenheiten und eine sehr kurze Spieldauer. Abgesehen davon großer Respekt für dieses Album, das Industrial-Sounds und Metal hervorragend und innovativ zu verbinden vermag, stark gesungen, gut durchdacht und schön bis hart schön komponiert! Im Underground findet man doch immer die schönsten Sachen.

Anspieltipps:
“Alienation”, “Bleed My Heart”, “Seal” und “Sparkling Eyes”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Alienation
02. Bleed My Heart
03. Dead
04. Devil On The Run
05. Hypocrisy
06. Seal
07. Sparkling Eyes
08. The I In You

Jannis

VHF (VINCIGUERRA HOEKSTRA FRANKLIN) – Very High Frequency

Band: VHF (Vinciguerra Hoekstra Franklin)
Album: Very High Frequency
Spielzeit: 36:04 min
Stilrichtung: Progressive Psychedelic Rock (?)
Plattenfirma: Golden Robot Records
Veröffentlichung: 25.06.2021
Homepage: www.facebook.com/VHFtheband

“Vinciguerra Hoekstra Franklin” klingt nach dem Titel eines Liedes von CARACH ANGREN, ist aber eigentlich ein Projekt von Joel Hoekstra (WHITESNAKE und so), Tony Franklin und Todd “Vinny” Vinciguerra. Ein spezielles Projekt, muss man dazusagen, denn die Strategie “Einer spielt was ein und dann macht jeder seine Sachen drauf” ist normal etwas, was Bands während Corona machen und dann hoffen, dass es nicht auffällt. VHF machen das einfach mal zu ihrem Selling Point: erst die Drums, dann macht jeder individuell Sachen drauf und dann läuft schon. Was erstmal so klingt, als würde es in einigermaßenem Chaos resultieren, ist natürlich an sich eigentlich eine gute Sache, zwingt einen doch ein gegebenes Drumfundament dazu, sich diesem bei der Komposition anzupassen und darauf einzugehen, was Grenzen im eigenen Songwriting-Verständnis erweitert, wenn die Drums denn nicht allzu basic ausfallen.
Das tun sie auf “Very High Frequency” nicht und das Resultat dieser unkonventionellen Zusammenarbeit dreier starker Musiker ist höchst seltsam, aber eben auch geil in seiner Art. Kurz zusammengefasst könnte man sagen, dass die mit 36 Minuten Spieldauer recht kurze Platte klingt, als hätte eine Psychedelic-Rock-Gruppe nach größeren Einkauf guter Substanzen und professioneller Dosierung dieser ein Album mit Neo-Prog- und ZAPPA-Einflüssen gebastelt; mal irgendwie feierlich (“Invisible Thread”), mal komisch synth-angereichert (“Shattered Insomnia”), mal komplett Banane (“Conception To Death”) und mal ganz ruhig und hypnotisch (“All Is Within”). Dabei beweist man ein gutes Händchen für die eingängigeren Melodien ebenso wie für die bizarreren, bringt elektronische Elemente sinnig mit ein und ist letztendlich einfach ordentlich trippy.
Subjektiv ist man damit erfolgreich, sollte das Ziel der Platte denn sein, den Hörer vom Hinterfragen abzubringen. Innerhalb kurzer Zeit hat man die unkonventionelle Art des Albums akzeptiert, sich darauf eingelassen und lässt einfach fließen, durch die unerwarteten Stimmungswechsel, schmeichelnden Gitarrenmotive und seltsamen Brüche, die “Very High Frequency” mit dem nötigen Selbstbewusstsein präsentiert. Trotz der Freiheit der beteiligten Künstler, die ihnen das oben erwähnte Kompositionskonzept gewährt, klingt VHS‘ erste Meldung nicht willkürlich, nicht unpassend zusammengeschustert. Die Songs funktionieren allesamt, wenn man bereit für sie ist, Bock hat auf weitestgehende Vocallosigkeit und eine komisch-unterhaltsame Mischung aus Eingängigkeit und totaler Nicht-Eingängigkeit.
So ein Album kann komplett in die Hose gehen. Es ist wohl insbesondere der Besetzung zu verdanken, die mit Ahnung und Kreativität agiert, dass dies absolut nicht passiert ist.

Fazit:
Wie oben gesagt: Ihr wollt wissen, wie FRANK ZAPPA feat. TRANSATLANTIC geklungen hätte? VHF geben Euch da einen recht guten Einblick und wenn das kein Kompliment ist, weiß ich auch nicht. Musikalisch und konzeptionell so unkonventionell wie zündend.

Anspieltipps:
Entweder das ganze Album in einem oder “Invisible Thread”, “All Is Within” und “Conception To Death”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Shattered Insomnia
02. Whispers Of The Soul
03. Suspended Animation
04. Conception To Death
05. Invisible Thread
06. Backside Of Your Eyes
07. All Is Within

Jannis

DENNIS DEYOUNG – 26 East Vol 2

Band: Dennis DeYoung
Album: 26 East Vol 2
Spielzeit: 52:17 min
Stilrichtung: AOR/Classic Progressive Rock
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 11.06.2021
Homepage: http://www.dennisdeyoung.com/

Wäre Dennis DeYoung auf Eurer Hausparty eingeladen, wäre er der Typ, der kurz nach Mitternacht verkündet, er mache sich jetzt auf dem Heimweg, um anschließend noch zwei Stunden ordentlich die Sau rauszulassen. Schließlich sollte bereits „26 East“, im Frühling 2020 erschienen, den Abschied von weiteren Neuveröffentlichungen darstellen, aber was soll’s, ein Album bleibt man dann halt schon noch da. Eine letzte Chartplatzierung in den Schweizer Albumcharts für den Ex-Sänger und Tastenmann von STYX, eine finale Verabschiedung – klingt nicht danach, als würde Dennis hier noch einmal große Innovationen auspacken, aber das will man bei so einer Platte halt auch nicht und das passiert auch nicht.
Nein, stattdessen feiert man knapp über 50 Minuten klassischen, etwas angeprogten AOR der alten Schule, die Dennis zweifelsohne bestens beherrscht. Der Sound ist im Vergleich zu den heutigen Möglichkeiten nicht ganz optimal, funktioniert aber wunderbar mit der dargebotenen Musik, die klassische Rockband wird erwartungsgemäß durch Schmankerl wie Klavier, Orgel, Keyboards, diverse orchestrale Töne und Chorelemente erweitert und in einem mal gut gelaunten, mal emotionaleren Album zu etwas kombiniert, das trotz all der aktuell aktiven AOR-Bands auszusterben droht, wenn sich nicht eine weitere Retro-Bewegung gründet: Adult Oriented Rock mit Kenntnis von Musiktheorie, um es mal überspitzt auszudrücken, und mit Einflüssen abseits anderer Bands des Genres. Die Art der Komposition, die “26 East Vol 2” definiert, ist nicht weniger auf Feelgood-Harmonien, große Emotionen und Eingängigkeit fokussiert, als jüngere Vertreter des Genres, erreicht dies aber durch ein Melodieverständnis, das eher dem populärer Klassik und Musicals entspricht und die auf Melodieebene zum Vorschein kommende Progressivität in den Vordergrund stellt.
Nun gibt es auch bei dieser Art von Songwriting bessere und schlechtere Alben und DeYoungs Abschlusswerk zählt wohl nicht zu den Ausnahmewerken – aber egal, “26 East Vol 2” ist insgesamt einfach verdammt sympathisch und erzeugt exakt die Stimmung, die es erzeugen will. Dazu trägt die BEATLES-Würdigung “Hello Goodbye” ebenso bei wie die Abrechnung mit der heutigen Musikindustrie “The Last Guitar Hero” oder “There’s No Turning Back Time”, das halb Ballade und halb keine Ballade ist und ein paar dramatischere Nuancen mitbringt. Auch “Little Did We Know” ist ein witziges Ding geworden, mit netten kleinen Startschwierigkeiten und Spaß machendem Synthbreak und nach dem uuuultra-soft-warm-weich-angenehmen “Always Time” kommt mit “The Isle Of The Misanthrope” noch ein sehr gelungenes 6,5-Minuten-Opus, das alle Geschütze auffährt.

Fazit:
Ja, man kann “26 East Vol 2” einen etwas zu hohen Anteil an ruhigen Tracks unterstellen und ggf. einen etwas zu hohen Mangel an wirklich herausragenden Songs, aber dafür ist die Platte auf einem hohen Grundniveau angesiedelt und transportiert genau die Stimmung, die man von einer letzten DeYoung-Meldung erwartet. Komposition, klangliche Umsetzung und Instrumentierung machen einfach durchgänglich nostalgische Freude. Steuert dem Mann etwas zu seiner wohlverdienten Rente bei, das Album kann in keiner Plattensammlung schaden!

Anspieltipps:
“The Isle Of The Misanthrope”, “Little Did We Know”, “There’s No Turning Back Time” und “Hello Goodbye”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Hello Goodbye
02. Land Of The Living
03. The Last Guitar Hero
04. Your Saving Grace
05. Proof Of Heaven
06. Made For Each Other
07. There’s No Turning Back Time
08. St. Quarantine
09. Little Did We Know
10. Always Time
11. The Isle Of The Misanthrope
12. Grand Finale

Jannis

VANDOR – On A Moonlit Night

Band: Vandor
Album: On A Moonlit Night
Spielzeit: 54:56 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Scarlet Records
Veröffentlichung: 16.07.2021
Homepage: www.facebook.com/vandorband

Ein erster Blick auf das Cover des neuen VANDOR-Albums und es steht unmittelbar zur Debatte, direkt zwei Punkte abzuziehen, weil man sich des hervorragenden Maskottchens entledigt hat, das das Cover des Vorgängers “In The Land Of Vandor” zierte: Brad – der einzige Drache, der wortwörtlich high in the sky fliegt:

Aber sind wir mal nicht so und werfen erstmal ein Ohr auf den aktuellen Release “On A Moonlit Night” (der ja genau genommen schon ein ziemlich schönes Artwork hat). Und der erste Eindruck der zweiten Platte der schwedischen (Nicht-Hardrock)-Band zeigt, dass VANDOR nach wie vor etwas Nachholbedarf in Sachen Produktion haben. Nee, schlecht klingt die Sache nicht, aber mehr Finetuning hätte auf jeden Fall nicht geschadet, gerade bei den etwas platt gemixten Drums. Ist vertretbar beim zweiten Album, aber hätte mit leicht besserem Sound halt zu einem fetteren Gesamterlebnis geführt, was “On A Moonlit Night” in noch einmal krassere Qualitätssphären erhoben hätte. Denn was das Songwriting der Jungs angeht, hat man sich im Vergleich zum ersten, bereits starken Album noch einmal verbessert.
VANDOR sind an sich eine typische keyboardlastige Power-Metal-Band mit deutlichen günstig-orchenstralen und elektronischen Elementen, so wie ungefähr hunderttausend andere Bands. VANDOR sind aber auch eine Band, die bereits bei Ihrem Debut gezeigt hat, dass sie songwritingtechnisch mehr ist als nur eine unter hunderttausend. Klar, die gängigen Melodiewendungen und Power-Metal-Bestandteile wird man hier allesamt finden, doch heben sich VANDOR in ihren Kompositionen doch immer wieder vom Standard ab (und zwar in jedem Song), mit charakteristischen Melodien, Akkordfolgen, die man so bei einem Standard-Power-Metal-Album nicht erwartet hätte, und damit insgesamt einfach einem eigenen Stil, der sich nicht im Sound und der Umsetzung, aber eben im Songwriting offenbart. Und das. Ist. Fucking. Wertvoll.
Damit wäre zu den Songs auch eigentlich schon alles gesagt und jeder Fan klassisch keyboardigen Gänsehaut-Fantasy-Power-Metals sollte dem Album mal einen Durchgang gönnen, wird er doch das, was er so gerne hört, in äußerst frisch, verspielt und liebevoll gemacht erhalten. Nur noch ein paar Worte zum Prog-Faktor daher. Der ist laut Promotext jetzt auch dabei, insbesondere bei zwei Songs: Bei “Endless Sea” mag man sich noch fragen, ob die Arbeit mit unterschiedlichen Taktarten nicht etwas erzwungen wirkt, aber dann kommt “The Sword To End All Wars” und seien wir ehrlich: Dieses +17-Minuten-Werk ist so schön gemacht, trotz seiner Länge so kurzweilig, so vielseitig, ohne seinen roten Faden zu verlieren, dass ich mich hier mal erdreiste, den Track als VANDORs “Bohemian Rhapsody” zu bezeichnen. Ist lange her, dass ich einen Song über 15 Minuten gehört habe, der so durchgängig seine Existenzberechtigung aufrecht erhält, ohne sich in Bonusminutengedöns zu verlieren.

Fazit:
Und daher ist mein Fazit ähnlich wie bei der letzten Platte von VANDOR: Lasst Euch nicht vom lieblos kurzen Intro und dem gewöhnungsbedürftigen Sound ablenken. Das ist echt guter, individueller Power Metal im klassischen Underground-Symphonic-Gewand, der neben etwas mehr Produktionsqualität auch eine Menge mehr Fans verdient hat!

Anspieltipps:
“The Sword To End All Wars”, “River Of Life”, “On A Moonlit Night” und “Endless Sea”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. …Darkness Looms
02. Mountains Of Avagale
03. River Of Life
04. Endless Sea
05. Future To Behold
06. Fate Of Eltoria
07. The Sword To End All Wars
08. On A Moonlit Night
09. Enter Twilight (Bonus Track)

Jannis

ELECTRIC HAZE – Get In Line

Band: Electric Haze
Album: Get In Line
Spielzeit: 36:61 min
Stilrichtung: Classic Rock
Plattenfirma: Idle North Records
Veröffentlichung: 25.06.2021
Homepage: www.facebook.com/electrichazemusic

Man muss sich so langsam fragen, ob es überhaupt Schweden gibt, die nicht in Hard/Classic-Rock-Bands sind. Wenn ja, werden es stetig weniger. ELECTRIC HAZE sind eine dieser Bands, bestehend seit 2014, mit Musik in der Öffentlichkeit seit 2016 und seit Juni auch mit einem vollwertigen, wenngleich recht kurzem Album namens “Get In Line”, das für eine Platte über Depression, Angststörung und andere düstere verwandte Themen erstaunlich gut gelaunt beginnt.
Falsch macht “Get In Line” dabei fast nichts, richtig macht es so einiges und der Rest ist gute Classic-Rock-Kost, die von Anton Ekströms klaren Vocals absolut angemessen getragen und vom Rest der Band sauber umgesetzt wird. Die Produktion ist schnörkellos und organisch, die kleinen Bonusinstrumente wie vereinzelte Klavier-, Orgel und Streicherelemente kommen gut durch und fügen sich in den Gesamtkontext ein.
Musikalisch gibt es einige hervorstechende Tracks: “WOAH!” packt im Chorus das Rock’n’Roll-Klavier aus, dazu Cowbell und Schellen und macht bestens Laune. Der ruhige Prechorus vom Titeltrack zündet ebenfalls, der Sänger darf auch mal ein bisschen kreischen und im Chorus kommt zum ersten Mal leichtes “Kashmir”-Feeling auf, bevor “All I Ask For” nach einer Zeit des hibbeligen nicht in die Gänge Kommens einfach mal einen klassischen Discobeat auffährt. “Cavern Of Pain” ist die typische Ballade, die ganz ruhig beginnt, langsam intensiver wird, im Mittelteil kurz wieder einen Gang runterkommt und zum Schluss nochmal gut aufdreht. Tempo hoch mit “Lest We Forget”, seriösere Töne, feiner Groove und vielleicht minimal zu viel “Wuhuu” und “Yahaa” am Ende bei “To Close To The Truth” und als krönender Abschluss der einzige Track über fünf Minuten: “Cryin’” leistet sich mit die härtesten Töne des Albums, serviert direkt im Anschluss ganz ruhige, die von einer sehr schönen Bassline geführt werden, wird zeitweise abermals “Kashmir”, aber ist halt auch geil, steigert sich zu feierlich-voller Schönheit hoch und liefert dann noch ein hypnotisches und effizientes Outro mit genau richtiger Länge.
Doch, “Cryin’” schießt den Vogel ab. Andere Tracks schaffen das nicht (mit “Succuba” wurde einer der schwächsten Tracks zum Opener erklärt), aber Liebe zur Musik und der Wille, die einzelnen Songs mit unterschiedlicher Stimmung, aufwertenden kleinen Rhythmus-Spielereien und Charakter bei gleichzeitiger Wahrung der klassischen Genrebestandteile anzureichern, ist vorhanden. Die Zahl der Stellen, an denen man wirklich meckern könnte, ist äußerst gering, die Zahl der absoluten Höhepunkte minimal höher und der Rest ist mal mehr, mal weniger über dem Durchschnitt, aber praktisch immer zumindest ein bisschen darüber.

Fazit:
“Cryin’” hat seine zehn Punkte verdient. Dazu ein Großteil der Songs, der sich im Acht-Punkte-Spektrum bewegt, keinen Classic-Rock-Fan enttäuschen aber sein Leben auch nicht grundlegend verändern wird, und ein bis zwei, die im Vergleich etwas schwächer ausfallen aber immer noch locker klargehen. Verdiente acht Punkte und Reinhörempfehlung für diejenigen, denen es es eher um klassischen Sound und ein bisschen liebevoll erzeugtes Retro-Feeling als um Härte und überfette Produktion geht.

Anspieltipps:
“Cryin’”, “WOAH!”, “Too Close To The Truth” und “All I Ask For”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Succuba
02. WOAH!
03. Get In Line
04. All I Ask For
05. Cavern Of Pain
06. Lest We Forget
07. Too Close To The Truth
08. Clenched Fist
09. Cryin‘

Jannis

INNER STREAM – Stain The Sea

Band: Inner Stream
Album: Stain The Sea
Spielzeit: 39:52 min
Stilrichtung: Modern Melodic Metal
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 16.07.2021
Homepage: www.facebook.com/InnerStreamOfficial/

Zeit für polierte Power, es gibt neuen Modern Metal aus Argentinien – hat man auch nicht so häufig, Spannung steigt also. INNER STREAM haben sich bereits 2008 gegründet, ein bisschen mit Demos experimentiert, mit der Zeit ihren eigenen Stil gefunden, und kommen jetzt per Frontiers mit ihrem Debut “Stain The Sea” an die Oberfläche.
Das Resultat hat so einiges an Licht, das die durchaus ebenfalls vorhandenen Schatten zu großen Teilen zu überdecken vermag. Die Schattenseiten haken wir zuerst ab, beschränken sie sich doch mehr oder weniger darauf, das man durchgängig nach Schema agiert, Melodien präsentiert, die für den Moment emotional wirken, dabei aber oft eher belanglos sind und nicht besonders hängenbleiben. Dazu kommt ein kleiner Faktor, nämlich die Tendenz, fett bratende Gitarren und dicke Drums mit einer hohen einzelnen träumerischen Klavierline zu hinterlegen, was scheinbar immer noch als modern angesehen wird (und ja an sich auch eine gute Option ist, um dem Song eine zusätzliche Ebene zu geben), obwohl es seit Jahren exzessiv im Gothic, Symphonic und Melodic Metal praktiziert wird. Und eben auch auf “Stain The Sea”, bei gefühlt mindestens der Hälfte aller Songs. Ermüdet irgendwann ein bisschen, aber jut.
Das war es soweit mit den Schattenseiten. Was hingegen absolut on top ist, ist die Produktion der Platte, absolut sauber, knallend, klar, massiv. Genau so muss 2021 ein Album klingen, das oben genannte Genres kombiniert, und das liegt auch nicht zuletzt an Sängerin Inés, die nicht besonders agressiv aber auch nicht pseudo-operesk agiert und die Platte gekonnt und bereichernd trägt.
Und, was man ebenfalls lobendst erwähnen sollte, ist das Sounddesign. Man gebe sich dazu einfach mal “Massive Drain”. Die elektronischen Elemente ergänzen die Musik perfekt, das sind sehr hochwertige Sounds und Effekte, klug ausgewählt, geschmackvoll eingesetzt, präsent aber nicht aufdringlich. “Stain The Sea” ist sehr elektronik-lastig, setzt auch auf unüblichere Sounds für das Genre, die es sich, ebenso wie so manche Rhythmen, aus corigeren Genres leiht, trifft mit denen aber voll ins Schwarze, weil es eben gewisse Grenzen überschreitet, dabei aber nicht übertreibt oder einzelne Sounds nur reinnimmt, weil sie auffallen.
Ist INNER STREAMs Album nun dickes Optik-Tuning und schrottiger Melodiemotor? Nee, im Endeffekt nicht. Der Motor ist standard, gut in Schuss und schafft seine 150 mit ein bisschen Mühe, und die grandiose Optik, die technische Umsetzung, macht die Tatsache wett, dass man Melodiefetischisten nicht mit 200 überfahren kann. Man kann das böswillig als viel Aufmachung mit durchschnittlich viel Substanz bezeichnen, aber muss sich halt auch eingestehen, dass “Stain The Sea” seine mangelnde Melodietiefe durch gutes Spiel, gute Arrangements und extrem kurzweilige Umsetzung doch hochgradig anständig wettzumachen vermag.

Fazit:
Was soll man sagen: Wenn die Scheibe entertaint, ist sie gut. Und das tut sie. Ein bisschen mehr Melodiequalität, ein bisschen weniger hohe Soloklavierlines, das wäre was für die Zukunft, aber ein geiles und vielversprechendes erstes Lebenszeichen ist “Stain The Sea” allemal!

Anspieltipps:
Anfangen mit “Massive Drain”, danach einfach mal durchchecken!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Massive Drain
02. Fair War
03. Hunt You
04. Aftermath
05. Dance With Shades
06. Drown Me
07. If You Dare
08. Stain The Sea
09. The Bridge
10. Last Drink
11. Real

Jannis