ARRAYAN PATH – Archegonoi

Band: Arrayan Path
Album: Archegonoi
Spielzeit: 84:00 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Pitchblack Records
Veröffentlichung: 30.11.2018
Homepage: www.facebook.com/arrayanpath

“LET ME TELL YOU A STORY!!” ranzt Nicholas Leptos den Hörer im finalen Part von “Bellerophon (Forged By The Blacksmith)” unvermittelt und mehrfach mit einer Nachdrücklichkeit etwa so entgegen, als würde Opa auf der Familienfeier plötzlich aus seinem Ruhemodus hochfahren und keine Widerrede erlaubend verkünden, er erzähle nun vom Krieg. Man lässt solche Leute dann erzählen; bei Nicholas, der dabei von den restlichen Jungs von ARRAYAN PATH unterstützt wird, sogar sehr gerne. Auch er erzählt vom Krieg, aber auch von anderen mit dem antiken Griechenland in Verbindung stehenden geschichtlichen/mythologischen Ereignissen  – und das über sagenhafte auf zwei CDs verteilte 84 Minuten, obgleich der Release des Vorgängers von “Archegonoi” gerade einmal ein Jahr zurückliegt. Das ist eine beachtliche Leistung und wirft die Frage auf, ob unter dem hohen Arbeitstempo nicht die Qualität der Platte gelitten haben mag.
Die Antwort: Ja, hat sie. Aber nur ganz minimal. Primär zeigt sich das an der Produktion, die einige wenige Töne gerne mal lautstärketechnisch hörbar von den anderen abhebt. Zudem finden sich ab und an gerade in den Drums Momente, wo ein Schlag (oder ein Ton) dann doch nicht ganz genau dann kommt, wenn er soll. Ist ein wenig schluderig, aber authentisch und kommt so selten vor, dass es den Gesamteindruck des Albums nicht zu schmälern vermag – sollte aber bei einem professionell aufgenommenen Album in heutiger Zeit nicht passieren.
Wie sieht es aber aus mit den Kompositionen? Nun, auf einzelne Songs kann man bei der Platte kaum eingehen, schließlich sind sie praktisch alle mindestens fünf Minuten lang, und in klassischer ARRAYAN-PATH-Manier passiert in jedem von ihnen zu viel für Einzelbesprechungen. ARRAYAN PATH sind unvorhersehbar im besten Sinne, auch auf “Archegonoi”. Ruhig-atmosphärische Parts wechseln sich ab mit mal hymnischen, mal hypnotisch-redundanten Refrains. Auf vergleichsweise böse Uptempoparts folgen balladeske, und ein Song, der fanfarisch-orchestral-fett eingeleitet wird, kann von einer Sekunde auf die andere in trockenes Midtempogestampfe übergehen. Sanfte Vocals werden unerwartet zu hohem Geschreie, das im nächsten Moment von mächtigen tiefen Männerchören ersetzt wird. Dazu Melodien, die mal folkloristisch angehaucht sind, gleich darauf eher an deutsche Schlagerkompositionen erinnern – nur in progressiv gestaltet. Gibt es progressiven Schlager?
Dieses Abwechslungsreichtum, hinter dem jederzeit erkennbares System steckt, sorgt tatsächlich dafür, dass “Archegonoi” über seine kompletten 84 Minuten fast durchweg glänzend unterhält, sei es mit eingängigen Hooks, von traditionellen griechischen Instrumenten gespielten Soli oder musicalartigen Abschnitten. Natürlich, ein paar Stellen hätte man rauskürzen können, aber insgesamt erweist sich die Entscheidung, aus dem Ding ein Doppelalbum zu machen, als ziemlich gut. Es ist eine krasse Leistung, ein Album nur ein Jahr nach dem Release seines Vorgängers rauszubringen. Aber es ist eine ganz andere Hausnummer, ein Werk mit der Länge und der kompositorischen Qualität von “Archegonoi” in solch kurzer Zeit zu veröffentlichen. Das Niveau des Vorgängers kann locker gehalten werden. Unter diesen Umständen kann man über die paar Drumhits, die minimal aus dem Takt fallen, locker hinwegsehen. Großen Respekt für diese Leistung!

Anspieltipps: “Weaving The Web Of Destiny”, “Bellerophon (Forged By The Blacksmith)”, “King Of Argos” und “Rod Of Asclepius”

Fazit:
“Archegonoi” ist kein Album für nebenbei. “Archegonoi” ist kein Easy Listening und “Archegonoi” ist wohl eins der außergewöhnlichsten Power-Metal-Alben des Jahres. Wer Bock hat auf eine musikalisch grandiose Reise durch Geschichte und Mythologie (und so fühlt sich die Platte tatsächlich an), der bekommt mit der neuen ARRAYAN PATH genau das und mehr: ein Power-Metal-Album mit Anspruch, das seine Hörer spätestens nach dem zweiten Hördurchgang kaum mehr loslassen wird.

WERTUNG: 

Trackliste:

  1. Weaving The Web Of Destiny
  2. Rod Of Asclepius
  3. Seven Against Thebes
  4. Sins Of Pandora
  5. The Words Of Menelaus
  6. Bellerophon (Forged By The Blacksmith)
  7. Thisbe’s Blooded Veil
  8. Lion Of Amphipolis
  9. Blood Of The Sphinx
  10. Nemesis
  11. Eastern Sands
  12. Where The Hydra Hides
  13. King Of Argos
  14. Thermopylae 480 BC

Jannis

DYSTOPOLIS – V.EN.O.M.

Band: Dystopolis
Album: V.EN.O.M.
Spielzeit: 56:15 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: RamItDown Records
Veröffentlichung: 23.11.2018
Homepage: www.facebook.com/dystopolis

Ab und zu gelingt einer kleinen Band eine echt große Leistung und das ist ein Grund zum Feiern. Holt also die Luftschlangen und den zwangsweise alten Wein aus dem Luftschutzbunker und ab dafür! Schließlich mag “V.EN.O.M.” den Bremern von DYSTOPOLIS verdientermaßen den Eintritt in die German Power Metal Hall of Fame bedeuten. Ist generell schön bei Newcomern, dass sie sich noch beweisen und nicht einfach nur ihre eigene Sparte bedienen müssen, dann manchmal kommt dabei etwas heraus wie die hier besprochene Scheibe.
Kurz die Sidefacts: Nach der 2008 erfolgten Gründung brachte man zwei Eigenproduktionen und nun endlich das Labeldebut bei RamItDown Records heraus und spielt laut eigenen Angaben Postapocalyptic Metal, der sich um die fiktive Stadt Dystopolis dreht. Produziert wurde die Platte vom momentan omnipräsenten Seeb Levermann, der sich in ziemlich kurzer Zeit zu einem echten Qualitätsgaranten gemausert hat. Somit gibt es am Sound schonmal nichts zu bemängeln und die Scheibe klingt, gerade in den Passagen mit vielen Background Choirs, durchaus ORDEN-OGANig.
Während die Band/das Label “V.EN.O.M.” (Vicious Enemy Of Mankind) Fans von ICED EARTH, NEVERMORE und BLIND GUARDIAN empfiehlt (letzterem kann ich bedenkenlos zustimmen, das agressiv-technische “Beneath A Black Horizon” mit seinem hymnischen Refrain wäre auch ein guter Job für Hansi), würde ich klar noch GRAVE DIGGER ergänzen. Die Stimme von Andreas Müller erinnert stark an Chris‘ Reibeisenorgan und die Komposition lässt vermuten, dass DYSTOPOLIS die älteren melodieorientierten Platten der Grabgräber, beispielsweise “Knights Of The Cross” mehr als nur einmal gehört haben. Ein bisschen IRON SAVIOR ist auch drin, “Dining With Gods”‘ Intro könnte ebenso ein aktuelles Lied von DIMMU BORGIR einleiten und das Riff von “Metro” hat gar SAMAEL’sche Züge. Mit dieser Aufzählung soll allerdings nicht gesagt werden, dass “V.EN.O.M.” von anderen Bands zusammengeklaut wurde. Nein, der Stil von DYSTOPOLIS ist individuell und ausgereift: orchestraler Power Metal, der gerne im Thrash und Progressive Metal stöbert, ergänzt um eine Stimme, die zusammen mit der Produktion und der Härte des Albums DYSTOPOLIS neuen Wind in die alten Segel des Teutonic Heavy Metal blasen lässt. Denn trotz des hohen Orchestralfaktors: Kitsch und Opernmetal sucht man hier vergeblich, wenn man denn überhaupt danach sucht. “V.EN.O.M.” pendelt gekonnt zwischen böser, stets melodiöser Härte, hymnischen Refrains und starken Melodien selbst in den Strophen.
Um der Band ein wenig konstruktive Kritik mit auf den Weg zu geben: In die Synths könnte man ab und an ein wenig mehr Geld investieren, sie klingen meist authentisch aber eben nicht immer. Zudem ist die Oldschool-Gothic/Pseudo-Opern-Stimme, die Andreas manchmal auspackt, doch Geschmackssache. Mein Fall war sie nicht, klang etwas zu gekünstelt, aber das ist Meckern auf dem selben Niveau, das “V.EN.O.M.” praktisch durchgängig hat: verdammt hoch.
Letzter Satz zu den Songs: kein Ausfall, eine Menge Vielseitigkeit; Die Zeit bis Weihnachten kann kaum schneller vergehen, als mit “V.EN.O.M.” im Plattenspieler.

Anspieltipps: “Black Gates”, “Lords Of Sand”, “The Corporation” und “Dystopolis Rising”

Fazit:
Heavy, orchestral, durchgängig unterhaltsam, fett produziert und gespielt: Es ist eh löblich, durch Albumkäufe auch mal den Nachwuchs zu unterstützen. Und im Fall von DYSTOPOLIS ist es zudem eine mehr als lohnende Investition!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Black Gates
02. Lords Of Sand
03. Metro
04. Dining With Gods
05. The Corporation
06. Noah’s Isle
07. Arndale
08. Anthem For A Stranger
09. Beneath A Black Horizon
10. Dystopolis Rising

Jannis

FLASHBACK OF ANGER – Shades

Band: Flashback Of Anger
Album: Shades
Spielzeit: 50:18 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Ice Warrior Records
Veröffentlichung: 15.11.2018
Homepage: www.facebook.com/pg/flashbackofanger

Leider haben die Italiener von FLASHBACK OF ANGER sich dagegen entschieden, neben “Loaded Guns In Guitar Cases” auch den Track “Chopped Off Horse Heads in Beds” auf ihre dritte Albumveröffentlichung “Shades” zu integrieren. Ersterer Titel ist und bleibt dennoch einer der coolsten Power-Metal-Songtitel aller Zeiten. 2005 mit der ersten Demo am Start veröffentlichten die Jungs aus Florence zwei, mit dem aktuellen drei, Alben und fröhnen darauf traditionell skandinavischem Power Metal mit Progressive-Ausflügen und viel Synth-Gedudel.
Die Produktion ist nicht ganz optimal, gerade am Gesang hätte man etwas mehr basteln können, aber gut hörbar ist das Ding allemal geworden. Souverän auch die Arbeit der Musiker. Gesang und Instrumentalleistung sind absolut stabil und Lorenzo Innocenti und Marco Moron (Drums und Bass) funktionieren als Neuzugänge locker mit dem alteingesessenen Teil der Band.
Musikalisch wird der Stil der Band, wie oben beschrieben, konsequent durchgezogen, nur sackt im Verlauf des Albums die Qualität des Songwritings runter. Sprich: Den ersten vier, mit Abstrichen fünf großartigen Tracks mit massig Ohrwurmmelodien und -riffs stehen vier weitere gegenüber, die sich nicht wirklich festsetzen wollen und eher “standard” ausfallen. Bestechend ist in der zweiten Hälfte der Platte primär “Lonely Road”, das eher ruhig und dabei skitalievisch winterlich melancholisch positiv ausfällt. Ansonsten findet sich eine recht kitschige Halbballade (“Dawn Of Life”) und viel fröhliches Keyboardgewichse auf der Hälfte, das absolut korrekt für nebenbei ist, jedoch nicht wirklich zu fesseln weiß.
Anders die erste Hälfte. “Ripped Out” ist ein hervorragender Einstieg in “Shades”: treibendes oberes Midtempo, ein Power-Metal-Refrain der Extraklasse, ein fixes Keyboardsolo gefolgt von einem schmonzigen Gitarrensolo. Euphorie, Begeisterung, Standing Ovations. Für das anschließende ”Numbers” muss man sich danach gar nicht erst wieder hinsetzen. Das macht nochmal extra Spaß, wenn man sich in Gedanken auf das Riff das Knight-Rider-Theme legt, überzeugt mit frecher Strophe mit geilen Gitarren im Hintergrund und schwer eingängigem Refrain. Keine Verschnaufpause, weil die anfangs erwähnten Loaded Guns direkt hinterherballern und einen weiteren Refrainhöhepunkt des Albums bieten – plus Disco-BATTLE-BEAST-Rythmus im Prechorus. Und als wäre das nicht genug, muss der nach den ersten drei Tracks schon völlig kaputte Power-Metaller zum Anfang von “Band Of Brothers” direkt noch ein harmonisches Gitarrenriff verkraften, das, gerade in Kombination mit dem Refrain, in dem es wieder verwendet wird, für unkontrollierte Ejakulation sorgen dürfte. Dann noch “Holdout”, ebenfalls stark, und dann kommt die zweite Hälfte. Expertentipp: Album kaufen, auf den PC kopieren und so nummerieren, dass man nach jedem Song der ersten Hälfte einen aus der zweiten hat, bei dem man ein Bier holen, die Katze füttern oder das Schwert polieren kann (Das richtet sich an Fans von Power Metal, also wörtlich gemeint).

Anspieltipps:
Kann man sich nach der Rezension ungefähr denken, ne?

Fazit:
Erste Hälfte des Albums inklusive “Lonely Road”: 9,5 von 10. Zweite Hälfte abzüglich „Lonely Road“ eher 6. Insgesamt 8. Aber hier ist natürlich eine Menge subjektiven Geschmacks mit drin. Freunde keyboardreichen Power Metals mit Prog-Ausflügen sollten hier auf jeden Fall mal ein Ohr riskieren.

WERTUNG:

Trackliste:

01. Ripped Out
02. Numbers
03. Loaded Guns In Guitar Cases
04. Band Of Brothers
05. Holdout
06. Edge Of Dreams
07. Dawn Of Life
08. Tropical Paradise
09. Lonely Road
10. Marvels Of The World

Jannis

ASHES OF ARES – Well Of Souls

Band: Ashes Of Ares
Album: Well Of Souls
Spielzeit: 58:01 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Rock Of Angels Records
Veröffentlichung: 09.11.2018
Homepage: www.ashesofares.com

Stolze fünf Jahre ist es nunmehr her, dass Matt Barlow und Freddy Vidales von ICED EARTH das erste Album ihrer neuen Band ASHES OF ARES auf die Menschheit losgelassen haben. Nun ist es Zeit für den Nachfolger. “Well Of Souls” hat dieses Mal sogar eine schönes Artwork und liefert über eine knappe Stunde Spieldauer und zwölf Songs ordentlich knallenden Heavy Metal, der sich gerne mal aus den Progresive-, Power- und gelegentlich auch Black- und Thrash-Metal-Kisten bedient. Auch Van Williams, der offiziell nicht mehr als Bandmitglied zählt, ist wieder dabei und darf sich an den Drums austoben. Somit hat man es bei ASHES OF ARES mit erfahrenen Leuten zu tun, die Frage nach der Qualität der Spielleistung erübrigt sich.
Hinsichtlich der Produktion lässt sich sagen: Es ist viel richtig gemacht worden. Hinter “Well Of Souls” steckt ordentlich Druck. Traurigerweise hat man bei der Vocal-Produktion und -Komposition den Fehler begangen, häufig zu viel zu wollen. Schaffers spektakuläre Backing Vocals (Der Mann leistet auf der Scheibe feinste Arbeit) werden gerade in den Refrains oft übereinandergelegt, überschneiden sich mit anderen Vocals, und das Resultat ist nicht selten eine spürbare Unübersichtlichkeit. Die Melodien lassen sich zwar vermuten, gehen jedoch in der Vielzahl unterschiedlicher Vocal-Stimmen gelegentlich unter. Klar, auf “Well Of Souls” ersetzen die Backing Vocals die Keyboards – doch hätte man hier etwas feiner abgemischt und ab und an ein paar Gesangslines rausgelassen, hätte man aus vielen Parts des Albums etwas mehr rausholen können.
Stilistisch ist “Well Of Souls” treibender und häufig düsterer Heavy Metal mit, wer hätte es gedacht, offensichtlicher ICED-EARTH-Schlagseite. Gerne finden Taktarten abseits des 4/4tel-Standards Verwendung, ebenso wie Gitarrenpassagen, die leichte Assoziationen an atmosphärischeren Black Metal hervorrufen. Beliebt ist auf “Well Of Souls” zudem die Kombination von langsamen, getragenen Melodien mit knallendem Doublebass, schön erkennbar im Chorus von “Time Traveler”. Dazu erweist sich der letzte Track, “You Know My Name” als unterhaltsam metallisiertes Cover des Bondsongs von Chris Cornell.
Balladen bzw. Songs mit balladigen Zügen gibt’s auch. “Soul Searcher”, “Let All Despair” und “Spirit Of Man” gehören zu den besten Songs des Albums (Was an balladigem Kram Schaffers Kreativität entspringt, ist selten schwach) und haben mit kitschig-schmalzigem Gegreine anderer Metalballaden so gar nichts gemein. “In The Darkness” fällt vergleichsweise hard-rockig aus, während “Unworthy” eine stark vereinnahmende düster-bedrohliche Atmosphäre ohne ernsthafte Schwachpunkte schaffen kann.
Der Rest des Albums geht generell hurtig voran, mit einem angemessenen Maß an Rohheit. Zu einigen Zeitpunkten wird die erkennbare Struktur hinter Songs und Songparts auf Kosten des hohen technischen Niveaus vernachlässigt. Ob man das gut oder schlecht findet bleibt Geschmackssache.
“Well Of Souls” ist ein starkes Metal-Album mit herrausragender Leistung der Musiker mit einigen Abstrichen in Sachen Übersichtlichkeit.

Anspieltipps:
“Unworthy”, “Let All Despair”, “In The Darkness” und “The Alien”

Fazit:
Für ICED-EARTH-Fans Pflichtprogramm. Für Freunde rohen aber kompositorisch hochgradig ausgefeilten Heavy Metals ohne Kitsch und battelig-swordigen Trueheitsanspruch ebenso.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Consuming The Mana
02. The Alien
03. Unworthy
04. Soul Searcher
05. Sun Dragon
06. Transcending
07. Let All Despair
08. In The Darkness
09. Spirit Of Man
10. Time Traveler
11.The God Of War
12.You Know My Name

Jannis

RADIANT – Radiant

Band: Radiant
Album: Radiant
Spielzeit: 60:10 min.
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 09.11.2018
Homepage: www.radiant-rock.com

Der Sommer hat sich verabschiedet, es wird kalt, früh dunkel, tendenziell feucht und unangenehm. Erstmal ’n saftiges Sommeralbum rausbringen, das bestens für Strandurlaub, Cabriofahren und Festivalcamps geeignet ist. Smarter Move, RADIANT, wirklich. Man muss fairerweise hinzufügen, dass es eigentlich doch verkraftbar ist, wenn der belastendste Aspekt eines Albums sein ungünstig gewählter Release-Zeitpunkt ist, für den die Band normal zudem eh kaum etwas kann.
Doch um wen geht es hier überhaupt? Nun, es geht um RADIANT, hörbar sesshaft im Norden Deutschlands, die nach ihrer Gründung im Jahr 2014 nun ihr erstes, selbstbetiteltes Album auf den Markt gesetzt haben. Frontmann der Truppe ist der unter anderem durch AVANTASIA und VOODOO CIRCLE bekannte Ausnahmesänger Herbie Langhans, der sich zusammen mit anderen Mitgliedern seiner Band SEVENTH AVENUE dazu entschlossen hat, die Geschwindigkeit und Härte durch Eingängigkeit und kräftigen Rock auszutauschen. Über die Musiker muss man somit nichts mehr sagen, hier sind durchweg kompetente Leute an der Arbeit; auch an den Reglern, die sich Herbie und Michael Rodenberg geteilt haben.
Musikalisch lässt sich “Radiant” als eine Mischung aus AVANTASIA (deren Songwriting entweder schwer durch Herbie beeinflusst wurde oder die Herbies Songwriting schwer beeinflusst haben) und fröhlicherem Hamburger Power Metal beschreiben, die man durch den WHITESNAKE-Hard-Rock-Wolf gedreht und anschließend um Musical/Gospel-Backing-Vocals ergänzt hat. Dazu viele Gute-Laune-Melodien, dezent eingesetzte Synthesizer und ziemlich viel Dur.
Hauptkritikpunkt: Obwohl “Radiant” echt gut komponiert ist und einen enormen Haufen eingängiger Melodien mit Charakter zu bieten hat, finden sich doch einige Songs (unter anderem der Opener “Yes I Am”), deren Refrains mit einer geilen Line beginnen, die wirklich neugierig auf den Rest des Refrains macht – bis klar wird, dass die Line einfach noch dreimal wiederholt wird. Klingt auch gut, hätte man aber mit wenig Kompositionsaufwand ein noch einmal besseres Hörerlebnis draus machen können.
Und sonst so? “Radiant” ist eine ausgewogene Mischung aus knallendem Hard Rock (“Hit The Night”, “Yes I Am”), balladigeren Tönen (“Paint The Grey”, eine ziemlich gute Rock-Ballade), und viel Feelgood-Rock, der perfekt zwischen Härte und fröhlichen Melodien vermittelt, allen voran “Heroes” und “Forever One”.
Zwischendurch darf dann mit “Liars” auch mal das Uptempo ausgepackt werden, ansonsten bewegt man sich weitestgehend im Midtempo-Bereich. Stört aber gar nicht, da die einzelnen Lieder doch so individuell rüberkommen, dass “Radiant” weiß Gott kein Midtempo-Einheitsbrei ist. Weitere Knaller: Das nachdenkliche “Silver Linings”, das mit großen Melodien und 6/8el-Takt ausgestattete “Dorian Grey”, bei dem man jederzeit erwartet, dass im nächsten Moment Tobi Sammet reingesägt kommt, und die erste Single “You Rock”, die vergleichsweise generisch ausfällt, dabei aber mit einem hochgradig liebevoll gemachten Video punkten kann (Wir berichteten).

Anspieltipps:
“Dorian Grey”, “Silver Linings”, “Heroes”, “Hit The Night” und “Should I Live Without You”

Fazit:
Nochmal kurz: Kraftvoller melodiöser Hard Rock mit viel positiver Grundstimmung und einigen AVANTASIA-Melodien, präsentiert von einer starken Band mit hervorragendem Sänger. Bringt Sonne in jede verschneite Plattensammlung. Rein muss gehört werden.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Yes I Am
02. I’m Alive
03. Silver Linings
04. You Rock
05. Dorian Gray
06. Forever One
07. Heroes
08. Liars
09. Not Worth After All
10. Paint The Grey
11. My Own Way
12. Should I Live With You
13. Life’s Shadows
14. Hit The Night

Jannis

 

CHRISTIAN TOLLE PROJECT – Point Blank

Band: Christian Tolle Project
Album: Point Blank
Spielzeit: 41:34 min.
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Fastball Music
Veröffentlichung: 26.10.2018
Homepage: www.christiantolle.com

Widmen wir uns nun Christians tollem Projekt, das wesentlich mehr Potenzial besitzt als dieser Fremdscham erregende Eingangswitz, der ungleich weniger Lust auf den Rest der Rezension macht als der Opener von “Point Blank”, “Point Blank”, auf den Rest der nunmehr fünften Veröffentlichung des CHRISTIAN TOLLE PROJECTs (Jesus, was für ein Eingangssatz). Dieser gibt einen ersten Eindruck, was den interessierten Hörer auf “Point Blank” erwartet – kraftvoller klassischer Hard Rock, gitarrengetrieben und mit subtil unterstützenden Keyboards aufgepeppt – ohne die vielen Qualitäten der Platte gleich zu Anfang zu verraten. Dass “Point Blank” gutes Material liefert, lässt sich jedoch bereits bei einem Blick auf das LineUp der Band erahnen. Neben dem namensgebenden Christian, der Gitarren, Bass, Drums, Produktion und Mix auf dem Album allesamt souverän gemeistert hat, wurden David Reece (Ex-ACCEPT und BONFIRE) und John Cuijpers (PRAYING MANTIS) ans Mic gestellt und Mathias Dieth (Ex-U.D.O.) und Doug Aldrich (Ex-Whitesnake und THE DEAD DASIES) für die Lead-Gitarren organisiert. Entsprechend professionell ist das Ergebnis.
Was sich auf dem fünften C.T.P.-Release abspielt, ist kurzweiliger Hard Rock, dargeboten auf zehn maximal fünf Minuten langen Songs (optimal, die Platte hat praktisch keine Längen), der weitaus vielseitiger ausfällt, als man es nach dem bereits erwähnten Opener vermuten würde. Zwei Songs sind Cover, “Since You’ve Been Gone” von RAINBOW und “Lonely Is The Night” von BILLY SQUIER, die nah genug am Original sind, dabei dank ihrer starken und liebevollen Umsetzung jedoch ihre absolute Existenzberechtigung haben und zu den Highlights auf “Point Blank” zählen.
Die restichen Songs sind tendenziell im Midtempo-Bereich angesiedelt und innerhalb ihres Stils angenehm vielseitig. Mit “Proceed With Caution” gibt es einen verhältnismäßig ruhigen Track, der aber noch nicht unbedingt als Ballade durchgeht. “Fight Another Day” und “Before I Fall” sind dank ihres smarten Orgel/Synth-Einsatzes nahezu funky und laden zu zurückgelehntem Mitnicken unter Aufsetzung eines möglichst coolen Gesichtsausdrucks ein, der beim überraschenden Feelgood-Refrain von “Don’t Make Me Wait” in ein breites Grinsen eingetauscht werden darf.
Häufig, so bei “Since You’ve Been Gone” oder “Borderland”, wird neben den hörbaren WHITESNAKE-Einflüssen ein erfreuliches Faible Christians für klassischen Rock’n’Roll offenbar, das den Stil des Albums zusammen mit der zu vermutenden Liebe von Keyboarder Morris Adriaens zu den funkigeren Werken von HERBIE HANCOCK prägt.
Mit “Too Late” und “Black Friday” sind zwar auch ein paar durchschnittlichere Songs an Bord, doch der Gesamteindruck, den “Point Blank” hinterlässt, bleibt absolut positiv. Klassisch aber nicht standard – und komplett staubfrei.

Anspieltipps:
Die Coversongs, “Before I Fall” und “Borderland”

Fazit:
Es lohnt bei “Point Blank”, mehr als nur einem Lied eine Chance zu geben, wenn man einen Kauf des Albums in Betracht zieht. Dann wiederum kann man als Fan traditionellen Hard/Classic Rocks mit modernem Touch eh bedenkenlos zugreifen. Es sei denn, man hat ein Problem mit unterhaltsam komponierter und gut gespielter Musik.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Point Blank
02. Borderland
03. Since You’ve Been Gone
04. Proceed With Caution
05. Too Late
06. Fight Another Day
07. Before I Fall
08. Black Friday
09. Don’t Make Me Wait
10. Lonely Is The Night

Jannis

SINBREED – IV

Band: Sinbreed
Album: IV
Spielzeit: 48:24 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 23.11.2018
Homepage: www.facebook.com/sinbreed

Wäre Power Metal ein Neuwagen, dann wären Keyboards die beim Kauf optional dazubuchbare Sitzheizung – sehr angenehm, tötet aber auf Dauer die Spermien ab. SINBREED verzichten auf diesen Bonus daher nahezu komplett und hauen mit “IV” die Power-Metal-Basic-Version raus, auf der man sich zur Anfettung des Materials stattdessen auf schön dicke und klare Backing Vocals verlässt, abseits dessen aber erstaunlich abgespeckt unterwegs ist. Positivermaßen, muss man angesichts des Resultats sagen.
Das vierte Album der 2010 gegründeten Truppe aus Deutschland unterhält über zehn Tracks und knapp 50 Minuten hinweg mit einprägsamem Power Metal, der nie überladen klingt und sauberst produziert ist. Sänger Nick Hollemann, neben Gitarrist Manuel Seoane einer der beiden Neuen in der Band, mag anfangs etwas gewöhnungsbedürftig sein, passt aber doch sehr gut zum Sound der Band und sollte bei Fans der vorherigen Alben mit seiner etwas an Andi Deris erinnernden Stimme generell gut ankommen (Lob an dieser Stelle auch für die Produktion der Vocals und der von Timmy Rough von THE NEW ROSES eingesungenen Backing Vocals). Ansonsten: Frederik Ehmke von BLIND GUARDIAN an den Drums und der Rest der Band leisten auch beste Arbeit.
Die einzelnen Songs haben so einige Dinge gemein: In den meisten Fällen darf der Doppelbass ran, die recht hektische aber stets gut strukturierte Drum- und Gitarrenarbeit macht auch aus Midtempotracks Uptempotracks; Die Durchschnittsgeschwindigkeit des Albums ist vergleichsweise hoch. Die Refrains sind generell auf Eingängigkeit geschrieben und dabei meistens extrem erfreulich. Refrains, die aus viermal dem selben Wort, dem selben Satz oder der selben vier Takte langen Melodieline bestehen, sucht man vergeblich. Fast alle Refrains sind liebevoll auskomponiert, dabei sehr eingängig, ohne jedoch immer die selben Power-Metal-Akkord-Schemata zu bemühen.
Auch in die Mittelteile und Soloparts hat man Arbeit investiert, die sich hörbar auszahlt und sie zu kleinen Höhepunkten des Albums macht, im Gegensatz zu den obligatorischen 16 Takten Solo, die bei vielen anderen Bands des Genres doch hauptsächlich noch schnell in den Song gepackt werden, weil das halt so gemacht wird.
Lückenfüller finden sich auf “IV” praktisch gar nicht (lediglich “Pride Strikes” ist subjektiv gesehen etwas uninspirierter als der Rest). Stattdessen regiert auf der Platte über mehr als eine Dreiviertelstunde fröhlicher Power Metal, der zeitweise an AVANTASIA, GAMMA RAY und ROSS THE BOSS (“First Under The Sun” – Ihr werdet wissen, was ich meine) oder HELLOWEEN erinnert, dabei einen recht individuellen Sound vorweisen kann und mit Songdauern um die vier bis fünf Minuten stets kurzweilig bleibt.

Anspieltipps:
“Wasted Trust”, “The Purge”, “At Least I Am” und “Final Call”

Fazit:
Gut möglich, dass mit SINBREED ein neuer großer Name der deutschen Power–Metal-Szene heranwächst. Verdient hätten es die Jungs allemal, denn “IV” ist zum angehenden Jahresende nochmal ein kleines Highlight, das sich nicht schlecht unter dem Weihnachtsbaum des Metallers mit Hang zu Melodiösität und Power Metal zwischen Tradition und Moderne machen würde.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. First Under The Sun
02. Falling Down
03. Wasted Trust
04. Into The Arena
05. Pale-Hearted
06. Final Call
07. The Purge
08. Pride Strikes
09. At Least I Am
10. Through The Fire

Jannis

NANOWAR OF STEEL – Stairway To Valhalla

Band: Nanowar Of Steel
Album: Stairway To Valhalla
Spielzeit: 60.06 min.
Stilrichtung: Hm… Power Metal?
Plattenfirma: —
Veröffentlichung: 09.11.2018
Homepage: www.nanowar.it

Höchstpunktzahl für ein Fun-Metal-Album. Ist das mein Ernst? Jap, ist es. Schließlich handelt es sich bei NANOWAR wohl um die beste Fun-Metal-Band (bzw. laut eigener Angaben Happy-Metal-Band) im Business und “Stairway To Valhalla” dürfte ihr bislang bestes Album sein. Seit ihrem ersten Lebenszeichen in Demoform sind 15 Jahre vergangen und die fünf sympathischen Römer haben sich musikalisch wie textlich von Album zu Album weiterentwickelt. Kurz abgehakt: Die Produktion ist schwer in Ordnung, die Herren an den Saiten, Tasten und Trommeln sind beeindruckend fähig und die Vocalfraktion, bestehend aus Potowotominimak und Mr. Baffo, bietet Prototyp-Italienischer-Power-Metal-Gesang, der auf “Stairway To Valhalla” zwischendurch auch mal von niemand Geringerem als Fabio Leone von diversen RHAPSODYs supportet wird.
Zu den Songs: Würde man jeden humoristischen Faktor, sowohl auf musikalischer als auch auf textlicher Ebene, aus der Platte herausfiltern, bliebe ein musikalisch höchst ernstzunehmendes Album, das in verschiedenen Untergenres herumtollt, diese dabei allesamt stilistisch überragend umsetzt und dank des kreativen Songwritings jederzeit äußerst unterhaltsam hält. Symphonic Power Metal, Hard Rock, Modern Metal, Speed Metal, Glam Metal, True Metal, jeweils bewusst sehr im Stil einer Band des Genres gehalten, dabei allerdings smart verwurstet, mit Ohrwurmmelodien angereichert und top gespielt.
Der Humor ist es jedoch, der dem kleinen Meisterwerk die absolute Unterhaltsamkeitskrone aufsetzt. Nicht nur Referenzen an verschiedene Metalbands und -songs finden sich hier wieder. Auch jedes erdenkliche popkulturell-musikalische Motiv findet sich auf “Stairway” und amüsiert neben seiner Umsetzung mit seiner unvorhersehbaren Verwendung. MIKE OLDFELD und die BEE GEES seien hier nur beispielhaft angeführt. Dazu kommen die Texte, die absolut bescheuert sind, allerdings auf hohem Niveau. Wer auf ein Intro, in dem die intergalaktische Suche nach dem Witz beschrieben wird, den niemand zuvor erzählt hat, einen Song folgen lässt, der einzig und allein auf Uranus/Your-Anus-Witzen basiert, hat schon gewonnen. Mehr möchte man über die Texte aus Spoilergründen gar nicht sagen, jedoch seien sie an dieser Stelle jedem Hörer von “Stairway To Valhalla” ans Herz gelegt, wenn er denn etwas für absudesten, albernen und oftmals unter der Gürtellinie zu verortenden Humor übrig hat.
Kombiniert werden die Texte mit einer Unmenge an musikalisch-witzigen Spielereien. Auch hier nur wieder ein paar wenige Beispiele: Keyboardsoli mit Katzensounds, in “…And Then I Noticed That She Was A Gargoyle” (Nach dem Lied können STEEL PANTHER einpacken) der wohl beste Anfang eines finalen Refrains aller Zeiten und die Antwort auf die Frage, wie DREAM THEATER ihre Alben produzieren.
Man kann an dieser Stelle nicht auf die einzelnen Songs eingehen. Die musikalisch-metallische Ebene, die musikalische “Humorisierung” dieser Ebene und die textliche Ebene jedes Tracks würden jeweils einige Sätze verdienen, darum hier einfach mal ein klares Statement: Man muss deutschen Fun Metal (schreckliches Wort sowieso) nicht lustig finden, um NANOWAR OF STEEL zu mögen (aber schaden wird’s natürlich nicht). Der Humor der Italiener ist einmalig und ihr musikalisches Talent hält mit dem “ernsthafter” bekannterer Bands problemlos mit. Ganz ehrlich: Ich habe keinerlei erwähnenswerte Kritik zu äußern.

Anspieltipps:
“Barbie Milf Princess Of The Twilight”, “In The Sky”, “And Then I Noticed That She Was A Gargoyle”, “Ironmonger” und der Rest des Albums

Fazit:
Wer in der Öffentlichkeit nicht durch spontanes lautes Loslachen negativ auffallen möchte, sollte “Stairway To Valhalla” von seinem MP3-Player fernhalten. Auf dem Ding wird über eine Stunde von begeisterten Metalfans ihr favorisiertes Genre liebe- und respektvoll sowie saudämlich und musikalisch hervorragend durch den Kakao gezogen. Kein Album, das durch seinen Blödelfaktor von seinen musikalischen Schwächen ablenken muss, sondern ein Album, das Humor und Metal so gekonnt miteinander vereint, wie kaum eines (vielleicht sogar gar keins) zuvor.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Declination
02. Barbie Milf Princess Of The Twilight
03. Call Of Cthulu
04. Heavy Metal Kibbles
05. Il Maestro Myagi Di Pino
06. L’Operatole Ecologico
07. Images And Swords
08. In The Sky
09. …And Then I Noticed That She Was A Gargoyle
10. Tooth Fairy
11. Vegan Velociraptor
12. Another Drill In The Wall
13. Ironmonger (The Copier Of The Seven Keys)
14. Bum Voyage
15. Uranus
16. The Crown And The Onion Ring
17. The Quest For Carrefour
18. Hail To Liechtenstein

Jannis

ARION – Life Is Not Beautiful

Band: Arion
Album: Life Is Not Beautiful
Spielzeit: 53:32 min.
Stilrichtung: Melodic Power Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 19.10.2018
Homepage: www.facebook.com/OfficialArion

Es ist mal wieder Zeit für etwas NWoMPM (New Wave of Melodic Power Metal). Das bedeutet: fett produzierte, hochmelodische Mucke mit vielen modernen Synths und einer gewissen Radiotauglichkeit. Das ganze aus Finnland. Klingt schmackhaft? Ist es auch. ARION haben sich seit 2013 als junge Nachwuchshoffnung mit ordentlich Potenzial in ihrem Heimatland (und Japan natürlich) bereits einen gewissen Namen erspielt und sind nun bereit für die internationale Aufmerksamkeit. Und die kommt mit dem Stil der in Helsinki gegründeten Kapelle zur Zeit praktisch von alleine, vorausgesetzt, man weiß in ihm auch ansprechende Songs umzusetzen.
Um die Spannung noch zu erhöhen, erstmal die Basics. “Life Is Not Beautiful”s Produktion fällt erwartungsgemäß bombastisch druckvoll aus, ohne großartige Ecken und Kanten, dafür absolut zeitgemäß fett. Einziger Schwachpunkt ist die Produktion der Vocals, die wesentlich mehr Tiefe hätten vertragen können. Gut, das scheint Absicht zu sein, man gewöhnt sich auch mit der Zeit daran, ein authentischerer Klang der Stimme von Fronter Lassi Vääränen hätte jedoch mit Sicherheit nicht geschadet. Singen kann der Mann.
Was hat die Platte nun an Songs zu bieten? Nun, es gibt drei Bonustracks, neu aufgenommene Versionen alter Songs, die für ARION-Neulinge sehr interessant sein dürften, geben sie doch einen Einblick in vergangene Alben der Band, die wesentlich präsentere STRATOVARIUS-, NIGHTWISH-, EPICA- und SYMPHONY-X-Vibes transportieren. Des weiteren sind von neun regulären Tracks zwei Stück, “Through Your Falling Tears” und “Last One Falls”, Balladen. ARION erinnern mit ihrem recht poppigen und keyboardreichen Power Metal häufiger mal an eine symphonischere Variante von BATTLE BEAST und haben sich von ihren Kollegen scheinbar auch die Unsitte abgeschaut, auf einem nicht besonders langen Album direkt zwei poppig-emotional-schmalzige Balladen unterzubringen. Hätte man sich sparen können. Dafür geht der Rest umso klarer. ARION haben ein Faible und ein Händchen für geile eingängige Refrains, gerne episch-dramatisch mit einem cheesy Turn. Kombiniert mit einer gelungenen Mischung aus orchestralen und modernen non-orchestralen Synthesizern ergibt dies Instant-Hits wie “No One Stands In My Way”, “The Last Sacrifice” und “Unforgivable”. Bei “Punish You” wird es zwischenzeitlich etwas böser, die kleinen Thrash- und Core-Einflüsse darin machen sich gut. Und “Life Is Not Beautiful” überzeugt als längster Song mit SCAR-SYMMETRY-Start, düsterer Grundstimmung und einem sehr vielseitigen Mittelteil. Plus, obligatorisch, ein starker Refrain.

Anspieltipps:
“No One Stands In My Way”, “The Last Sacrifice”, “Unforgivable” und “Punish You”

Fazit:
Was man “Life Is Not Beautiful” wirklich ankreiden kann, ist seine Zusammensetzung. Klar, das Ding ist 53 Minuten lang, aber davon sind achteinhalb Balladenschmonz, zwei das Intro und 14 Bonustracks. Bleiben 28 Minuten, in denen es zur Sache geht, mit Songs, die man nicht bereits von vorherigen Alben kennt. Dann wiederum: Wer auf modernen Melodic Metal mit dicker Produktion, eingängigen Melodien und vielen Synths steht, bekommt 28 Minuten Content genau nach seinem Geschmack und dazu 23 Minuten Bonusgedöns, von denen 14 für ARION-Einsteiger ebenfalls interessant sein dürften. Daher ein wenig Abzug für die grausamen Balladen (aber soll ja auch Leute geben, die diese Art von Balladen mögen), ein wenig Bonus für die Qualität des restlichen Materials. Macht letztendlich…

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The End Of The Fall
02. No One Stands In My Way
03. At The Break Of Dawn (Feat. Elize Ryd)
04. The Last Sacrifice
05. Through Your Falling Tears
06. Unforgivable
07. Punish You
08. Life Is Not Beautiful
09. Last One Falls
10. Last Of Us (Re-Recorded)
11. Seven (Re-Recorded)
12. I Am The Storm (Re-Recorded)

Jannis

WHITE WIDDOW – Victory

Band: White Widdow
Album: Victory
Spielzeit: 41:03 min.
Stilrichtung: AOR
Plattenfirma: AOR Heaven
Veröffentlichung: 19.10.2018
Homepage: www.facebook.com/whitewiddowaor

Keine Frage: Die fünf Australier von WHITE WIDDOW haben den großen Sprung in die hungrigen Ohren von AOR-Fans weltweit geschafft. Obwohl die in Melbourne geründete Truppe erst seit zehn Jahren besteht, hat man sich mit bislang vier, “Victory” eingerechnet fünf, Alben einen ansehnlichen Namen erspielt. Prognose: Tendenz steigend.
Was sich über die zehn Tracks und knapp über 40 Minuten Spieldauer von “Victory” abspielt, ist AOR ganz im Sinne der Klassiker des Genres. Auf großartige Modernisierung wurde verzichtet zugunsten eines authentischen 80er-Feelings, das WHITE WIDDOW niemand mit einigermaßen funktionsfähigem Gehör und zumindest ansatzweise gegebener Zurechnungsfähigkeit absprechen kann. Mit relativ guter Produktion (Die Snare hätte mehr knallen dürfen und ein paar Höhen weniger wären auch nicht übel gewesen), einer bestens passenden stimmlichen Leistung von Jules Millis und einer stabilen Instrumentalarbeit feiern die Melbourner die güldenen Achtziger – und zwar tatsächlich äußerst authentisch. Die massiven Saw-Synths machen’s, die Melodieführungen der meist im Midtempo gehaltenen Tracks, die Texte eh.
Der komplette Victory ist die Platte dennoch leider nicht. Zwar gibt es subjektiv betrachtet keinen Totalausfall, doch agiert “Victory” dabei durchgängig auf einem stabilen 7,5/10-Niveau. Denn so original die einzelnen Tracks auch wirken, so setzen sie doch nahezu alle auf das selbe Grundkonzept, zu 90% auf das selbe Synthesizer (Freunde, man kann bei den Dingern generell mehrere Sounds auswählen) und verdammt ähnliche Melodien. Klar gibt es Variationen, beispielsweise bei “Reach Up”, dem Song, der auf “Victory” dank seiner Drumarrangements am ehesten aus der Reihe fällt. Auch die Härte variiert: Von der gefühlvollen Ballade (“Anything”) über das ruhige und melancholische “Second Hand Heart” und das schlageresk-coole “Dance In The Moonlight” bis hin zum ganz ganz klassischen Titeltrack ist alles vorhanden – aber einfach ein wenig einfallsloser als bei vorherigen Alben, zum Beispiel dem starken “Crossfire”. Es entsteht leider das Gefühl, dass “Victory” eben die Genre-Fan-Bedienung ist, die nach Lehrbuch recht unkompliziert zu erschaffen ist.
Das macht “Victory” nicht zu einem schlechten Album. Im Gegenteil, Freunde der großen Vorbilder von WHITE WIDDOW werden an der Scheibe durchaus ihren Spaß haben. Es bleibt lediglich das ungute Gefühl, dass diese Band, wie sie auf vorangegangenen Veröffentlichungen gezeigt hat, eigentlich mehr auf dem Kasten hat und durchaus imstande wäre, ein abwechslungsreicheres Album zu produzieren, ohne dabei dem von ihnen auserkorenen Genre den Rücken kehren zu müssen.

Anspieltipps:
“Reach Up”, “Second Hand Heart” und “Danced In The Moonlight”

Fazit:
“Victory” ist ein gekonnt gemachtes AOR-Album, das unter Genrefans sicher auf positive Resonanz stoßen wird. Dicke Keyboards, ein paar Ohrwurmmelodien viel Midtempo, viel Harmonie – alles was fehlt ist ein wenig mehr Mut, von den Stil-Schemata auch nur ein klein wenig abzuweichen. So wie die Platte letztendlich klingt, ist sie einfach ein wenig zu sehr auf Sicherheit konzipiert. Das vermeidet schlechte Tracks, aber eben auch wirklich herausragende.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Victory
02. Fight For Love
03. Second Hand Heart
04. Late Night Liason
05. Danced In The Moonlight
06. Love And Hate
07. Reach Up
08. Anything
09. America
10. Run And Hide

Jannis