EVERGREY – A Heartless Portrait (The Orphean Testament)

Trackliste:

1. Save Us
2. Midwinter Calls
3. Ominous
4. Call Out the Dark
5. The Orphean Testament
6. Reawakening
7. The Great Unwashed
8. Heartless
9. Blindfolded
10. Wildfires

 

Spielzeit: 50:15 min – Genre: Melodic Progressive Metal – Label: Napalm Records – VÖ: 20.05.2022 – Page: www.facebook.com/Evergrey

 

Hm. Nehme ich die Rezension von der letzten EVERGREY-Platte einfach nochmal, da sie einfach optimal auch auf „A Heartless Portrait (The Orphean Testament)“ passen würde? Die Versuchung ist groß, aber dafür werde ich schließlich nicht bezahlt, also werfen wir mal ein Ohr in das 13. Album der Schweden um den mächtigen Tom S. Englund. Und das ist, wie gewohnt, Anlass zu Melancholie (im positiven Sinne), denn die Truppe hat erneut ein Werk geschaffen, das Härte, durchaus böses Riffing und skandinavische düstere Schönheit – Ihr wisst, die mit den hallenden weichen Klaviersounds – kombiniert, um progressive Elemente und gut gewählte Synthesizer ergänzt und ein paar eher Alternative-Rockige Melodiewendungen mit Hang zur Poppigkeit hinzugefügt und im Sinne des Genres rekontextualisiert. Das Ganze wird dann verpackt in 50 Minuten brillianter Produktion und fertig ist die Kiste. Jaaah, ein paar Kritikpunkte gibt es, die aber mehr oder minder subjektiv gehalten sind: Allen voran die Ballade „Wildfires“ auf Clean-Gitarren-Basis, bei der man nicht genau sagen kann, ob sie besser oder schlechter gewesen wäre, wenn man zumindest den letzten Chorus in voller Bandaufstellungs-Fettheit gebracht hätte. Hat man nicht. Ist dann so.
Die poppigen Ausflüge in Kopfstimme, die Englund ab und an unternimmt, bleiben ebenso Geschmackssache und „Heartless“ ist durchaus ein Kandidat für den nächsten schwedischen Beitrag für den ESC (was nicht schlecht aber auch nicht uneingeschränkt gut ist), aber zu diesem Zeitpunkt könnte man auch einfach in dem Komplimente-Part übergehen und nochmal klar verkünden, dass „AHP(TOT)“ ein astreiner Beitrag zum Melodic Metal ist, der in den meisten Songs praktisch fehlerfrei ausfällt. „Save Us“ stellt ohne lästiges Intro direkt mal klar, wohin die Reise geht und dass man sich sowohl auf große, im spezifisch EVRGREYschen Stil melancholische Melodien als auch auf eine gesunde Portion Härte freuen darf. Bei „Midwinter Calls hat man kurzerhand bei Konzerten aufgenommene Fangesänge integriert, was sehr gut und kraftvoll kommt, sowie ein paar elektronische Elemente. Takttechnisch progressiv wird’s das erste Mal bei „Ominous“ und „Call Out Of The Dark“ liefert dann endlich die lang ersehnten Club-Synths und ist trotz leicht redundantem Refrain ein ordentlicher Brecher. „Blindfolded“, der Song nach „Heartless“, ist genau das Richtige für alle, denen der Vortrack ein bisschen zu Radio war – sowohl Gitarren als auch Gesangsmelodie kommen hier vergleichsweise unmelancholisch und biestig und schaffen einen angenehmen Kontrast zum Rest der Platte.

Fazit:
So gut wie der Vorgänger? Nicht ganz, aber eben auch nur minimal darunter. Und damit bleibt „AHP(TOT)“ ein absolut starkes Album für Fans der Band, von sauberst intoniertem und technisch gut durchdachtem Metal mit Melodien, Härte und Seele.

Anspieltipps:
„Save Us“, „Call Out Of The Dark“, „Reawakening“ und „Blindfolded“

Jannis

 

 

BATTLELORE – The Return Of The Shadow

Trackliste:

01. Minas Morgul
02. Chambers Of Fire
03. Orcrist
04. Homecoming
05. Elvenking
06. Firekeeper
07. Mirrormere
08. True Dragons
09. Shadow Of The East
10. Lost Lands EP – Avathar
11. Lost Lands EP – Caves Of The Forgotten
12. Lost Lands EP – Isenmouthe

Spielzeit: 61:56 min – Genre: Power Metal – Label: Napalm Records – VÖ: 03.06.2022 – Page: www.facebook.com/BattleloreOfficial

 

Was Träume so einzigartig und „anders“ macht, ist die Tatsache, dass selbst der schönste von ihnen irgendwie seltsam und wird, wenn man darüber nachdenkt. Da wird nach dem Aufwachen der initialen Reaktion „Was ein schöner Traum“ das ein oder andere „Aber der Aspekt des Traums ist nicht optimal“ beigefügt und wenn man nicht vorsichtig ist, zerdenkt man sich den Traum ein wenig, anstatt einfach das schöne Gefühl wirken zu lassen, das man beim Aufwachen aus ihm mitgenommen hat. Ein bisschen kann es sich so mit BATLELOREs erstem Longlayer seit über zehn Jahren, „The Return Of The Shadow“, verhalten, das ich zu Beginn erst einmal wirklich empfehlen möchte – bevor hier ein falscher Eindruck entsteht.
An das Album ging ich vorsichtig heran (konventioneller Power-Metal-Bandname, Eigenbezeichnung „Fantasy Metal“, Songs wie „True Dragons“ und in der Rubrik „Für Fans von“ ist schlicht „Tolkien“ angegeben, den ich bislang nie gelesen habe), aber bereits der Opener des siebten Albums der Finnen spricht eine deutliche Sprache. Orchestral fett, mit mächtig Druck, einer guten kraftvoll-klaren, aber nicht überpolierten Produktion, breit-dichte Klangwände und dazu die perfekt miteinander einhergehenden Vocals von Tomi Mykkänen (voll, zum Teil als sehr edle Growls) und Kaisa Jouhki (sehr warm, weich, angenehm), deren oft getragene Melodielinien und atmosphärischen Backing Vocals zu einem wunderbar finnischen Klangbild der Marke Orchestral-Power-AMORPHIS beitragen. In Sachen Arrangements und Gesamtsound ist das Ding einfach zum Reinlegen, ob bei den ruhigeren Songs wie „Shadow Of The East“ oder bei den härteren („True Dragons“ ist ziemlich fett und kommt doch mit einiger böser Härte daher).
Ja, „The Return Of The Shadow“ ist als Album ein wunderbarer, atmosphärischer, nachdenklich-düster-schöner Traum, der als Soundtrack für die letzten Stunden des Abends draußen mit Freunden an einem Sommerabend absolut perfekt ist. Konzentriert man sich aber so richtig auf die einzelnen Melodien, so mag man erkennen, dass hier noch ein bisschen mehr drin gewesen wäre. Sie unterstützen und transportieren die Stimmung der Platte auf gutem Niveau, hätten aber immer wieder mal etwas mehr aus sich herausgehen dürfen und sind, analytisch betrachtet, schon oft recht vorhersehbar.

Fazit:
Aber wie gesagt, warum etwas zerdenken, was bei nicht-analytischem Hören, bei simplem Genießen, so gut funktioniert? „The Return Of The Shadow“ ist ein Album, das wunderbar seine Wirkung entfaltet, wenn man es fühlt, nicht versteht. Als solches erschafft es eine großartige, intensive Atmosphäre, und auch, wenn ich nichts gegen etwas mehr melodische Kreativität gehabt hätte, wird dieses Album mit absoluter Sicherheit demnächst wieder den weg aus meinen Boxen finden!

Anspieltipps:
„Minas Morgul“, „Mirrormere“, „True Dragons“ und „Lost Lands EP – Avathar“

Jannis

THE HERETIC ORDER – III

Trackliste:

01. Prologue
02. Children Of The Sun
03. King Of The Damned
04. Dark Shadows
05. Burn This World
06. The Conjurer
07. Mark Of The Beast
08. Spirits Of The Night
09. Deaf Forever
10. Spiders
11. Invictus
12. Epilogue

Spielzeit: 47:54 min – Genre: Occult Metal – Label: Massacre Records – VÖ: 27.05.2022 – Page: www.facebook.com/thehereticorder

 

„Occult Metal“ – Oh je, ist da etwa wieder ein Review-Schreiber auf die fancy Eigenbezeichnung einer Band reingefallen, anstatt ihre Platte sachlich und objektiv als Heavy, Thrash, Death oder Black Metal zu bezeichnen? Jaah, vielleicht ein bisschen. Dann wiederum wird mit dieser Kategorie „III“, das dritte Album der Briten von THE HERETIC ORDER, ziemlich optimal beschrieben, denn wirklich genretechnisch einordnen lässt sich das Ding sonst nicht. Das ist darauf zurückzuführen, dass sich das Quartett munter bedient, wo immer es ihm passt. Thrash- und Black-Metal-Einflüsse finden hier auf einem Oldschool-Heavy-Metal-Fundament der düsteren und harten Sorte statt, mit einem Händchen für absolut gemeine Riffs und Songstrukturen, die jenen Genremix hervorragend zu einem großen Ganzen vereinen. Die zehn Songs werden zweifelsohne zudem von absoluten Profis zum besten gegeben – „III“ ist klar ein Album, bei dem jeder Beteiligte absolut wusste, was zu tun war.
Auch Dominus DF Ragnar hinsichtlich der Vocals. Ja, wer okkulten und mehr oder weniger melodischen Metal macht und dazu gesangstechnisch extrem theatralisch unterwegs ist, muss sich den MERCYFUL FATE/KING DIAMOND-Vergleich gefallen lassen und diese Beiden sind offensichtlich durchaus Inspirationsquellen für THE HERETIC ORDER. Doch hat man hier das hohe Falsett eingetauscht für verstärkten Einsatz von unklaren Vocals, von biestigem Fauchen bis hin zu einwandfreien Growls; alles jeweils dort eingesetzt, wo es Sinn ergibt. Das bedeutet, dass der ein oder andere Song auch mal weitestgehend unmelodiös ausfällt, während bei anderen die Melodiearbeit deutlicher ist, ohne auch nur ansatzweise in Ohrwürmer abzudriften.
Und all das ist getränkt in eine düstere, böse Atmosphäre, die zusätzlich durch stimmig eingesetzte Sounddesign-Elemente verdichtet wird und lediglich beim überraschend straighten, eher klassischen Rocker „Deaf Forever“ nicht ganz so präsent ist.

Fazit:
THE HERETIC ORDER sind so eine der Bands, die in den USA der 80er-Jahre als satanisch und die Jugend vergiftend bezichtigt worden wären (und wer hat dafür nicht ein bisschen Liebe übrig?). Und wer eine dichte Horroratmosphäre in seinem Metal mag, dabei aber eben auch geil geschriebenen, intonierten und produzierten Metal, über den sich die Beteiligten echt Gedanken gemacht haben, der wird mit „III“ ähnlich gut bedient wie beispielsweise mit dem, was THEM in letzter Zeit so machen!

Anspieltipps:
„King Of The Damned“, „Spirits Of The Night“, „Spiders“ und „Invictus“

Jannis

LIONSOUL – A Pledge To Darkness

Trackliste:

01. Continuum
02. Exile To Arise
03. Amber Of Illusion
04. Wailing In Red
05. No Beginning (Nor An End)
06. Soldier Through Time
07. Skin 2
08. A Pledge To Darkness
09. Red Flame
10. Man, Machine, Almost Rhyme
11. The Stranger

Spielzeit: 49:55 min – Genre: Power Metal – Label: Rockshots Records – VÖ: 29.04.2022 – Page: www.facebook.com/lionsoulband

 

An Herausforderungen wächst man, und eine der Sachen, für die ich LIONSOUL dankbar sein kann, ist, dass sie mich mit ihrem neusten Album vor eine ebensolche gestellt haben. Denn „A Pledge To Darkness“ ist kein Album für eine normale „Alles gut, aber nicht überragend“-Rezension. Das dritte Album der Italiener sollte stilistisch offener als die Vorgänger ausfallen, einen futuristischen Cyberpunk-Stil transportieren – und das ist schonmal sehr gelungen. Der Ansicht einiger Kollegen, dass die Platte sich in ihrer stilistischen Offenheit verliere, zu viel wolle und damit zu wenig Gesamtkunstwerk sei, kann ich mich nicht anschließen, im Gegenteil. Die elektronischen Elemente sind präsent, sorgen aber für die nötige Würze, die Schwankungen zwischen Ballade und hartem Metal mit Growls funktionieren für mich und diese Offenheit sorgt letztendlich für viele Überraschungen, die unterhaltsam sind und die Platte zu einem spannenden Hörerlebnis machen, das viel Unterschiedliches Unerwartetes zu bieten hat (inklusive einer Western-Powerballade, die ihre Macken hat, aber bei weitem nicht so hilflos ist, wie andere Stimmen behaupten). Und alleine schon diese Unverbrauchtheit an sich finde ich aufregender als ein klassisches „13 true Power-Metal-Hymnen voller Schwerter und Drachen“-Album.
Weiteres Lob für die Spiel- und Gesangsleistung, allesamt auf hohem Niveau, und noch ein weiteres für das Songwriting. „A Pledge To Darkness“ hat viele gute Melodien am Start, sogar in den Strophen, bei denen ja so manche Band denkt, man müsse sich damit keine Mühe geben. Melodien, die ins Genre passen, dabei aber Eigenständigkeit besitzen und subjektiv echt häufig zünden. Und auch Ideen wie der komplette Verzicht auf Instrumente (abseits von sporadischen einzelnen Drumhits) im Titeltrack sind Sachen, vor denen ich einfach Respekt habe, weil es kleine Kniffe sind, um den Zuhörer wirklich auf einer Ebene jenseits von „Sehr Power, sehr Metal“ zu entertainen.
Aaaaaaaaber: Vieles vom bislang Gesagten muss man mit Vorsicht genießen, denn da ist immer noch die Produktion. Und die Produktion macht „A Pledge To Darkness“ zu einem Anwärter auf eine baldige Remastered Edition. Zum Teil ändert sich der Sound doch sehr, wenn beispielsweise nach einem elektronischen Intro die Band einsetzt und solche Stellen wirken hastig zusammengeklebt. Und so gut einige (oder viele) Synth-Entscheidungen sind, kommt doch bei einigen der Verdacht auf, man habe einen Sound gefunden, der so programmiert ist, dass er von selbst lustige Dinge macht, und dann einfach unter die Musik gelegt. Dazu kommt, dass gerade die Refrains oft sehr verwaschen und überladen wirken, sodass man die geilen Melodien teils echt interpretieren muss, und das liegt insbesondere am hohen Noise-Anteil, der nicht zuletzt auf die HiHat zurückzuführen ist. Ja, ich habe in meinem Leben selten eine so störende HiHat erlebt, die als komisches, oft überpräsentes Rauschen über den Songs liegt und wirkt, als habe man sie für das letztendliche Album auf 32 kBit/s runterkomprimiert. Das stört, lenkt ab und schmälert das Hörerlebnis massiv. Auch andere Sounds kommen mit zu hohem Noisefaktor, ab und an ist bei stilleren Momenten ein hörbares Grundrauschen im Hintergrund, und das geht bei einem so Elektronik-lastigen Power-Metal-Album einfach alles nicht, das eine sauber-futuristische Produktion benötigt.

Fazit:
Hätte die Platte weniger störende Sounds und allgemein eine homogener klingende Produktion, würde sie durchaus das Potenzial haben, fast an ein Album wie EVERFROSTs grandioses „Winterrider“ heranzureichen, als cheesy-kreatives, in sich aber doch sehr ernstzunehmendes, Grenzen auslotendes und Over-the-Top-angereichertes Album. Dafür fehlt dem Sound aber die nötige Definiertheit und Einheitlichkeit, weshalb „A Pledge To Darkness“ unter spielerischem und kompositorischem Wert verkauft wird. Die Richtung stimmt absolut, gerne mehr von dieser eigenen Herangehensweise – aber bitte nicht mit einer Produktion wie dieser.

Jannis

FER DE LANCE – The Hyperborean

Trackliste:

01. Aurora Borealis
02. The Mariner
03. Ad Bestias
04. Sirens
05. Northern Skies
06. Arctic Winds
07. The Hyperborean

 

 

 

Spielzeit: 52:45 min – Genre: Epic Heavy Metal – Label: Cruz Del Sur Music – VÖ: 22.04.2022 – Page: www.facebook.com/FerdeLanceMetal

 

Wäre man spöttisch, könnte man behaupten, dass manche Alben versuchen, das Label „Underground“ als Kaufgrund darzustellen, wobei mit „Underground“ meist eine schlechte unpolierte Produktion und 08/15-Songwriting gemeint ist. „Hier, es klingt nach Kelleraufnahme, kauf die Version mit dem Patch dabei!“
„The Hyperborean“ passt hinsichtlich des Sounds erst einmal in diese Kategorie, mit einer weitestgehend von Höhen befreiten Snare und generell recht kraftlosen Drums in einer ziemlich verwaschenen Produktion. Großes Aber.
Das Debutalbum der Amerikaner von FER DE LANCE ist in Sachen Sound und Songwriting alles andere als aktuell, wobei diese spezifische Mischung der Art des Sounds und des Songwritings aber einen ziemlich krassen musikalischen Brocken inszeniert, den man keineswegs nur hört, weil er undergroundig klingt. Die Platte umfasst sieben Songs auf 52 Minuten Laufzeit (der letzte davon elf Minuten lang), man nimmt sich also Zeit, und das zurecht.
Das Konzept des Albums: Man nehme eine präsente Akustikgitarre und die übliche Metal-Besetzung, füge Hall und ein bisschen unaktuelles Sounddesign hinzu, das man eher auf einem 90er-Jahre-Black-Metal-Album erwarten würde. Und dann mache man damit eine atmosphärische, klangwandige Mischung aus Heavy, Power, Folk, Epic und Black Metal. Spannend dabei, dass tatsächliche Black-Metal-Parts inklusive der dazu passenden Vocals sehr rar sind (hauptsächlich vorhanden auf „Arctic Winds“, dem straightesten und aggressivsten Song des Albums), dafür aber Black-Metal-Elemente wie Blastbeats, klirrende Gitarrenwände in entsprechender Produktion und sorgfältig ausgearbeitete Riffs gerne mit ansonsten melodischem Metal kombiniert werden und all das wahnsinnig breit aus den Boxen schwillt.
Damit erledigen sich dann anfängliche Kritikpunkte am Klang, denn als mächtige, heißkalte Klangwand funktioniert die Produktion sehr gut. MPs Gesang (ja, so wird sein Name offiziell geführt) ist paradoxerweise gleichzeitig roh und operesk und passt zur Musik und die Kompositionen sind äußerst individuell charakterstark – keine Ohrwürmer, aber das will „The Hyperborean“ natürlich auch nicht liefern.
Qualitativ bleibt lediglich „Northern Skies“ etwas zurück, mit seinem Versuch, Heavy Metal mit Akustik- statt E-Gitarren umzusetzen. Der Rest der Songs überzeugt hingegen durch extreme Intensität, gute Aufbauten sowie ein interessantes und stimmiges Klangbild. Man befindet sich im schwer erreichbaren Raum zwischen BATHORY und RAINBOW, sagt der Promotext dazu. Das trifft es irgendwie ziemlich gut auf den Punkt, und FER DE LANCE wissen diesen Raum unkonventionell geil einzurichten.

Fazit:
„The Hyperborean“ hat all das, was „Underground“-Metal attraktiv macht: Songwriting, dass sich vom Mainstream abhebt, Ideen, die für die breite Masse nicht funktionieren mögen, für Liebhaber aber eben bestens, Mut, Freiraum zur eigenen Entfaltung und zweifelsohne Gesamtqualität, die das mühevolle Graben nach wertvollen Schätzen unter der Erdoberfläche doch absolut rechtfertigt!

Anspietipps:
„Ad Bestias“, „Sirens“ und „Arctic Winds“

Jannis

SAFFIRE – Taming The Hurricane

Trackliste:

01. Triumph Of The Will
02. Mr. Justified
03. The Rapture
04. Read Between The Lies
05. Taming The Hurricane
06. Silver Eyes
07. Fortune Favors The Bold
08. Wendigo
09. Roses (Electrify)
10. Flight Of A Thousand Wings

 

Spielzeit: 48:23 min – Genre: Melodic Hard Rock – Label: Rock Of Angels Records – VÖ: 29.04.2022 – Page: www.facebook.com/saffiresweden

 

(Persönlicher Rant zu Anfang, der keinesfalls die Meinung des Rock-Garage-Teams widerspiegelt) Mit Freude überlasse ich meinen Kollegen traditionell die Alben, die in unserer Promoliste unter Melodic Hard Rock aufgeführt sind, weil ich das Genre irgendwie totgehört habe und von aktuellen Entwicklungen im Hard Rock und AOR, der in meiner Wahrnehmung immer weiteren Standardisierung und Reduzierung der Kreativität zugunsten von Songwriting- und Darbietungsweisen, die eben beim Standardpublikum funktionieren, die Nase etwas zu voll habe. Man weiß halt allzu oft schon genau, wann welche Art von Synthesizer kommen wird (Dicke Polyleads, im mindesten zu Anfang und nach dem Chorus), wann die Stimmung in Dur abdriftet (spätestens im Chorus), welche Harmonien aufeinander folgen (die, die Discount-Wohlfühl-Gänsehaut erzeugen) und wie der Sänger klingt (nämlich genau wie jeder andere Sänger in dem Genre).
Doch ab und zu hört man dann in eine Melodic-Hard-Rock-Promo rein, stößt auf eine E-Orgel, die etwas zu dreckig für solche polierten Alben ausfällt, und auf Melodien, die eben nicht nur Schema F folgen, und dann hat man eventuell die neue SAFFIRE entdeckt und eine richtig gute Zeit. Die machen auf „Taming The Hurricane“ nämlich klassischen, Orgel-lastigen Hard Rock mit wenigen geschmackvoll eingesetzten Lead-Synths, der die Komfortzone nicht unbedingt verlässt aber doch ausreizt. Solchen, der mit den einzelnen Songs unterschiedliche Sachen vorhat, kompositorisch nicht nach 2022er Lehrbuch arbeitet, coole Wendungen, Melodieideen und Arrangements am Start hat und, kurz gesagt, weiß, dass man das Publikum zwar damit zufriedenstellen kann, dass man ihm professionelle Kost anbietet, aber damit halt Bedürfnisse befriedigt, ohne zu begeistern. Also bringt man Songs wie den 6/8er „The Rapture“, der von den aktuellen ACCEPT gecovert auf komische Weise recht passend wäre, den Hit „Fortune Favors The Bold“, das freshe „Taming The Hurricane“ mit flinker Orgelarbeit, schöner Durwendung an unerwarteter Stelle im zündenden Chorus und sehr souveränem Solo, oder das leicht spukige „Wendigo“, das einfach von Anfang bis Ende sehr unterhaltsam geschrieben ist. Oh, und den ruhigeren, beschwingt-melancholischen „Flight Of A Thousand Wings“, der wohl den optimalen Endtrack für dieses Album darstellt und dieses tolle Gefühl von „Es ist so schön gewesen und jetzt unterstützt mich der Track noch bei meiner Melancholie darüber, dass die Reise schon zuende geht“ zu erzeugen weiß.
All das passiert auf dem Produktions- und Darbietungslevel eines aktuellen Hard-Rock-Albums eines bekannten Labels. Vielleicht wird es Zeit, dem Genre und seinen aktuellen Vertretern nochmal ein paar Chancen zu geben.

Fazit:
All das, was man von einem aktuellen klassischen Hard-Rock-Album erwartet und eine Extraportion Liebe, Unterhaltsamkeit und Anspruch an sich selbst: Das bietet „Taming The Hurricane“ und macht damit eine hochgradige Menge an Spaß. Nah dran an einem Blindkauf/Blindstream für Rock-Garage-Leser!

Anspieltipps:
„The Rapture“, „Taming The Hurricane“, „Fortune Favors The Bold“ und „Wendigo“ – „Flight Of A Thousand Wings“ aufheben, wenn man plant, die Platte mal komplett zu hören!

Jannis

ALUNAH – Strange Machine

Trackliste:

01. Strange Machine
02. Over The Hills
03. Fade Into Fantasy
04. Broken Stone
05. Psychedelic Expressway
06. The Earth Spins
07. Silver
08. Teaching Carnal Sins
09. Dead Woman Walking

 

 

Spielzeit: 42:27 min – Genre: Doom/Psychedelic Rock – Label: Heavy Psych Sounds – VÖ: 15.04.2022 – Page: www.facebook.com/alunah.doom

 

Ist es Schicksal, dass die Rezension für ALUNAHs „Strange Machine“ ausgerechnet am 20. April erscheint? Lassen wir das mal dahingestellt, weisen aber auch mal diejenigen, die diesen Tag rituell feiern (also nicht wegen Hitlers Geburtstag natürlich), darauf hin, dass der neuste Release der Briten eine hervorragende Option für den abendlichen Ausklang darstellt.
ALUNAH haben sich 2007 mit ersten Demos gemeldet, 2010 schließlich Ihr Debut und nun ihr sechstes Album veröffentlicht. Eine Mischung aus stonerigem Doom und Psychedelic Rock steht auf dem Programm, nicht ultra-definiert aber warm, voll und kräftig produziert; für die Genrewahl wunderbar!
Haken wir kurz ab, dass die Instrumentalfraktion ihren Job makellos erledigt, und hypen noch ein bisschen die Vocals. Siân Greenaway ist erst seit 2017 dabei und gibt eine brilliante Performance zum besten. Die einzelnen Songs sind auf „Strange Machine“ wahlweise recht psychedelisch (allen voran das tolle, hypnotisierend-fesselnde „Fade Into Fantasy“ und „Psychedelic Expressway“ mit seinem optimistischen Riff, inklusive Schellenkranz und Flöte) oder doomig/stonerig, und Siân passt ihren Gesang dem jeweiligen Stil hervorragend an. Theatralisches würdevolles Vibrato („Strange Machine“), durchdringend intensiv („Over The Hills“) oder sanft meditativ („Fade Into Fantasy“): Die Vocals passen wie Pflanze in Eimer und bereichern die Hörerfahrung der Platte ungemein, was von der Vocal-Produktion mit der gewissen Extraportion Hall noch unterstützt wird.
Die Songqualität variiert leicht, aber selbst die schwächsten Songs haben ihre Existenzberechtigung, fallen nur etwas konventioneller aus. Richtig stark ist die Mitte des Albums. Nach zwei guten Tracks wird die Qualitätsschraube nochmal angezogen und Track 3 bis 7 zünden in ihrer Art der Erzeugung von Atmosphäre, den tollen Melodien, Riffs und Arrangements und den darauf thronenden Vocals ähnlich heftig und abwechslungsreich, wie so einige Fans der Band am heutigen Tage, bevor die letzten beiden Songs das Hörerlebnis abermals etwas konventioneller abschließen.

Fazit:
Mag man nach Track 2 als Fan der bemühten Genres auf eine gute Zeit eingestellt sein, so setzt doch spätestens bei „Fade Into Fantasy“ die Sogwirkung von „Strange Machine“ ein und beschert ohne großen Schnickschnack ein herrlich stimmiges, mitreißendes Hörerlebnis, das keinerlei Anlass zur Kritik bietet. Zurücklehnen, wirken lassen, genießen!

Anspieltipps:
Track 3 bis 7!

Jannis

MORS PRINCIPIUM EST – Liberate The Unborn Inhumanity

Trackliste:

01. Cleansing Rain
02. Eternity’s Child
03. The Unborn
04. The Lust Called Knowledge
05. Valley Of Sacrifice Part 1
06. Finality
07. Two Steps Away
08. Inhumanity
09. Pure
10. The Animal Within
11. Life In Black
12. Fragile Flesh
13. Valley Of Sacrifice Part 2

Spielzeit: 56:50 min – Genre: Melodic Death Metal – Label: AFM Records – VÖ: 08.04.2022 – Page: www.facebook.com/MPEofficial

 

Okay, krass. Da sichert man sich die Rezension für „Liberate The Unborn Inhumanity“ von MORS PRINCIPIUM EST, lässt sich über eine knappe Stunde durch ein sehr stimmiges und frisch klingendes Melodic-Death-Metal-Album prügeln und erfährt dann nach einem anschließenden Blick auf den Promotext, dass man es hier gar nicht in dem Sinne mit einem richtigen Album zu tun hat. Aber stop, mit einem lieblosen Best Of hat das Ding auch nichts zu tun. Als MPE-Neuling hatte ich die Vergangenheit der Band nicht wirklich auf dem Schirm, wusste nichts von ihrer Aktivität als Duo (Sänger Ville Viljanen und Multiinstrumentalist Andy Gillion) und nichts von ihrer düsteren Drumcomputer-Vergangenheit. Aber all das ist nun auch Geschichte, denn man hat einen neuen Drummer, Marko Tommila, und dazu Gründungs- und Ex-Mitglieder der Truppe zurück an den Start geholt, und damit wird die Sache für Fans der Band und die, die es werden wollen, doch wieder interessant. In der neuen, teils alten Konstellation hat man sich daran begeben, Songs der ersten drei Alben der Band und des zweiten Demos neu aufzunehmen, neu zu mixen und zu mastern. Das in den Ansa Studios und in Gitarrist Jori Haukios Homestudio aufgenommene Endresultat klingt absolut mächtig, eine 1A-moderne Melodic-Death-Metal-Produktion. Und die Zusammenstellung der Songs und ihre Reihenfolge ist ebenfalls äußerst gelungen: ein ausgewogener abwechslungsreicher Mix aus Songs mit dominanteren Orchester-Elementen und trockeneren, böseren Songs (obwohl, böse sind sie ja alle irgendwie), deren Spirit man eingefangen hat, ohne über den Verlauf des Albums soundtechnisch uneinheitlich zu klingen (siehe beispielsweise das leichte 90er-Symphonic-Black-Metal-Flair insbesondere des zweiten „Valley Of Sacrifice“). Die einzelnen Songs gestalten sich in ihren Arrangements als komplex, mit virtuosen Gitarrenläufen und intelligent-vielseitigem Drumming, führen die Zuhörer dabei jedoch mühelos, ohne sie zu Gehirnakrobatik zu zwingen. Die Zeiger stehen dabei meist komplett auf Anschlag, doch wenn es wie bei „Pure“ ein paar ruhigere Töne benötigt, gibt man auch diesen ausreichend Raum. Hinsichtlich der Melodien ist man mal offensiver, mal hintergründiger unterwegs, schafft aber jederzeit ein gesundes Verhältnis zwischen Melodic und Death.

Fazit:
Ohne die Originalversionen der einzelnen Tracks zu kennen, wage ich zu behaupten, dass man aus ihnen kaum mehr hätte herausholen können, als es auf „LTUI“ geschehen ist. Als alteingesessener Fan der Band sollte man sich im mindesten mal selbst ein Bild von der Sache machen, und für Neulinge mit Interesse am Genre ist die Platte eine beeindruckende Demonstration, was MORS PRINCIPIUM EST auf dem Kasten haben.

Anspieltipps:
„Valley Of Sacrifice Part.1“, „The Animal Within“, „The Unborn“ und „Two Steps Away“

Jannis

DREAMTALE – Everlasting Flame

Trackliste:

01. King Of Kings
02. Blood Of The Morning Star
03. Last Goodbyes
04. Ghostride
05. Immortal Souls
06. No Shadow Goes Too Far
07. Summer Rose
08. The Glory
09. Eye For An Eye
10. Lady Dragon (2022)
11. Silent Scream
12. Tanhupullo
13. Sleeping Beauty (2022)
14. Pirate’s Lullaby

Spielzeit: 60:46 min – Genre: Power Metal – Label: Spinefarm Records – VÖ: 01.04.2022 – Page: www.facebook.com/OfficialDreamtale

 

Sechs Jahre Pause – fast BLIND-GUARDIAN-Verhalten, das die Finnen von DREAMTALE hier an den Tag legen. Aber jut, manchmal braucht es eben Zeit, und man hatte für das achte Studioalbum „Everlasting Flame“ ja auch Lineup-Änderungen durchzuführen: Jarno Vitri teilt sich den Gesang nun mit einer Sängerin, die ich in einem Anflug von uninformiertem mentalen Standby meinem Umfeld als „Klingt Gott sei Dank eher nach BATTLE BEAST als nach pseudo-Operngesang“ beschrieb, um anschließend herauszufinden, dass tatsächlich niemand Geringeres als Ex-BATTLE-BEAST Nitte Vallo das andere Mic bedient. Während Jarno für leicht raue und sehr passende Vocals und ein paar gegrowlte Parts verantwortlich ist, hat man Nitte Gott sei Dank nicht in die Popgesang-Ecke gestellt. Gut, da findet man sie auch, aber ebenso darf sie ihre kratzigen Metal-Qualitäten zum Besten geben und die beiden ergänzen sich sehr gut.
Apropos sehr gut: Das ist auch das Album an sich. Die Produktion ist bombastisch knallend, die Albumlänge beträgt eine souveräne Stunde mit 14 kurzweiligen Tracks und extrem wenig Leerlauf. Und in der Zeit bekommt man als Cheesy-Bombast-Power-Metal-Fan das komplette Programm. Orchester, Orchestral Hits, Chöre, freshe, nicht so häufige, aber dann herrlich dominante Synth-Sounds, wie man sie von DREAMTALE kennt (und gefälligst zu lieben hat), unterschiedliche Tempi, all das als sauber und konstruktiv eingesetztes Dressing für kraftvolle Hymnen. Und die sind allesamt angemessen drüber, liefern große Melodien mit schöner Balance aus Trademarks und interessanten Wendungen, kleinen Folkanteilen, mal ein paar „böseren“ Tönen, kreativen Mittelteilen (bei zugegebenermaßen doch verlässlichen klassischen Soli) und den DREAMTALE-eigenen kleinen Harmonien und stilistischen Eigenheiten. Allein das Einbringen des „We Will Rock You“-Rhythmus bei „Eye For An Eye“ ist so simpel, gibt einem Song direkt mehr Würze und Wiedererkennungswert; macht nur keiner – aber DREAMTALE eben schon. Oh, und „Blood Of The Morning Star“ – Was ein Instant-Ohrwurm!

Fazit:
Geil. „Everlasting Flame“ ist eines dieser Alben, das wirklich keinen Power-Metal-Fan unbefriedigt zurücklassen sollte und dem man den Bock, nach sechs langen Jahren nochmal aber so richtig einen rauszuhauen, absolut anmerkt. Nicht jeder Song muss für jeden Hörer gleichermaßen zünden, klar, aber eine Dreiviertelstunde bestes Entertainment (also eine normale Albumlänge ohne jegliche Filler) sollte hier für alle rausspringen, die sich zum jetzigen Zeitpunkt angesprochen fühlen. Ab auf die Jahrespoll-Favoritenliste damit!

Anspieltipps:
„Blood Of The Morning Star“, „Last Goodbyes“, „Immortal Souls“ und „Silent Scream“

Jannis

TRICK OR TREAT – Creepy Symphonies

Trackliste:

01. Trick Or Treat
02. Creepy Symphony
03. Have A Nice Judgement Day
04. Crazy
05. Peter Pan Syndrome (Keep Alive)
06. Escape From Reality
07. Falling Over The Rainbow
08. Queen Of Likes
09. April
10. The Power Of Grayskull

 

Spielzeit: 49:18 min – Genre: Power Metal – Label: Valery Records – VÖ: 01.04.2022 – Page: www.facebook.com/trickortreatband

 

Ach, Horror und Metal – was für eine Symbiose. Sei es Horrorthematik in Metal-Songs und Videos, Metal-Ästhetik in Horrorfilmen, Horrorsoundtrack-Inspiration bei der Instrumentierung und Komposition: Mit keinem anderen Literatur/Film-Genre geht Metal so intuitiv einher. Und wo KING DIAMOND „The VVitch“ ist, wo CANNIBAL CORPSE Peter Jacksons’s „Braindead“ sind, IMMORTAL „Sinister“ und DEBAUCHERY das „Texas Chainsaw Massacre“ (irgendein späterer Teil), ist TRICK OR TREATs neustes Werk „Creepy Symphonies“… nun, vielleicht Tim Burtons noch ausstehendes Reboot der Teletubbies. Jesus, das klingt gemeiner, als es eigentlich sollte.
Daher nun nochmal mehr auf den Punkt: Die Italiener sind im Power Metal eine knapp unter dem Mainstream-Deckel agierende verlässliche Qualitätstruppe, die (gerade auf ihrem neusten Album wirklich) gut produzierten, polierten, harmonielastigen Spaß produzieren. Eine von denen, deren Strophen noch so naiv düster ausfallen mögen, deren Refrains dann aber trotzdem die dicken Dur-Momente einfach nicht zurückhalten können. Und genau so ein Album ist auch „Creepy Symphonies“ geworden, mit einem angesichts des Titels und Artworks recht geringen Creepy-Anteil, der aber in sympathisch musical-gruseliger Art eines Tim-Burton-Musicals stattfindet und sich hauptsächlich in den ersten beiden Tracks (von denen einer ein Intro ist) und dem Zwölf-Minuten-Endtrack offenbart.
Solche kleinen Gimmicks tun diesem Genre sehr gut, da die Zahl der einfacheren Gänsehaut-Feierlichkeits-Harmoniefolgen, auf denen es basiert, doch endlich ist. Womit der Rest des Albums tendenziell etwas konventioneller ausfällt, aufgrund der aber doch durchaus vorhandenen Individualität der einzelnen Tracks ebenfalls Freude bereitet („Crazy“ mit seinen Rock’n’Roll-Vibes, „Peter Pan Syndrome“ als fette Power-Ballade, „Escape From Reality“ als „böser“ Track, „Falling Over The Rainbow“ als Feelgood-Hard-Rock-Track etc.).
Seien wir also ehrlich: Das Gesamtpaket ist äußerst professionell, von der Produktion über die Optik bis hin zu den einzelnen Instrumental/Gesangsleistungen und der Umsetzung des Genres. Was damit lediglich offen bleibt, ist, ob „Creepy Symphonies“ glänzender seelenloser Standard ist oder auch musikalisch-inhaltlich was zu bieten hat.

Fazit:
Und das hat die Platte, wie von TRICK OR TREAT gewohnt, überdurchschnittlich. Auch wenn die Songs nicht die Qualität von beispielsweise AVANTASIA-ultra-Ohrwurm-Songwriting haben, sind sie doch auf jeden Fall in vielen Fällen über dem Standard-Niveau, auf dem man ein Power-Metal-Album heutzutage rausbringen könnte, ohne dass es einen Unterschied machen würde. Was letztendlich das ist, was man sich von einem solchen Album wünscht: alle klassischen Trademarks, mit Unterhaltungswert.

Anspieltipps:
„Creepy Symphony“, „Falling Over The Rainbow“, „Crazy“ und „April“

Jannis