HITTMAN – Destroy All Humans

No Remorse records 2020

Band: Hittman
Album: Destroy All Humans
Spielzeit: 42:13 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: No Remorse Records
Veröffentlichung: 25.09.2020
Homepage: www.facebook.com/Hittmanmetal

HITTMAN – nie von gehört, wird wieder so eine Newcomerband sein. Falsch gedacht, aber gut, das letzte Album der Amis kam ungefähr zum selben Zeitpunkt raus, wie ich. Man möge mir das also verzeihen. Zwei Alben haben die Herren bis zum Jahr 1993 veröffentlicht, dann war lange (also echt lange) Ruhe und dann kamen ein paar Shows und mit ihnen die Idee, nochmal ein Album zu releasen. Was soll man sagen? Volltreffer. Tatsächlich. Genug seit langem inaktive Bands überlegen sich ja irgendwann, nochmal zu veröffentlichen, und bringen dann eben Fanbedienung ohne großen Anspruch, doch das ist bei HITTMAN offensichtlich anders. Auf dem Programm steht Heavy Metal mit einigen Power-Metal-Akzenten, manchmal an MAIDEN, manchmal an QUEENSRYCHE, manchmal an DIO erinnernd. Sänger Dirk Kennedy weiß ganz genau, was er mit seiner leicht rauen Stimme anstellen kann, und verleiht dem Album nochmal hart Intensität. Auch der Rest der Band lässt sich in keiner Weise bemängeln, die Produktion ist klar und natürlich und der Bass erstaunlich präsent. Ein weiterer Vorzug von “Destroy All Humans”, denn Bass- und Gitarrenspiel ergänzen sich oft hervorragend und der Bass wird löblicherweise nicht wie so oft als zweckmäßiges Fundamentinstrument möglichst unauffällig zu halten versucht, was der Platte einen sehr authentisch-oldschooligen Anstrich verleiht.
Die Songs sind musikalisch top. Kein Song, den man nicht allerspätestens nach dem zweiten Hördurchlauf anhand verschiedener Merkmale in Erinnerung hätte – und das, obwohl die Instrumentierung sehr klassisch und allermeistens keyboardfrei gehalten ist und Heavy Metal als Grundgenre in Stein gemeißelt feststeht. Alleine der 7,5 Minuten lange Titeltrack ist ein Einstieg sondergleichen, das im 6er-Takt gehaltene “Breathe” mit seiner Zappa-Oktavierung der Vocals im Chorus hält die Qualität weiterhin oben. “The Ledge” leistet sich eine überraschend leichtgängige Strophe und wird im Chorus ein bisschen wie MAIDEN und sehr geil und “Total Amnesia” überzeugt als melodisch sehr simpler Track mit kleinen melodischen Ausschlägen, die wohlgesetzt sind. “1000 Souls” suggeriert spätestens im drängenden Pre-Chorus, dass der Chorus vermutlich sehr stark wird, und enttäuscht anschließend keineswegs die Erwartung, und “Love, ‚The Assassin’” kommt abermals auf 7,5 Minuten, riecht in Sachen Spirit ein wenig nach QUEENSRYCHE, und beendet die Platte ohne einen Tiefpunkt. Dazwischen gibt es mit “Code Of Honour” und “Out In The Cold” noch zwei ganz alte Tracks, die sich in “Destroy All Humans” perfekt einfügen. Junge Junge, was eine Rückkehr!

Fazit:
Ich kann es leider nur an den beiden alten Tracks auf der Platte beurteilen, aber HITTMAN scheinen ihren originalen Stil, vordergründig simplen aber eigentlich sehr klugen Heavy Metal mit Mut zu Heavyness-Pausen, perfekt in die Gegenwart transportiert zu haben. Und nicht nur der Stil passt, die Performance und absolut nicht gedankenlos Kompositionen machen “Destroy All Humans” zu einem Album, aus dem man in der ersten Phase der Band ziemlich sicher einen kleinen Klassiker hätte schaffen können.

Anspieltipps:
“1000 Souls”, “The Ledge” und “Code Of Honour”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Destroy All Humans
02. Breathe
03. The Ledge
04. Code Of Honour
05. Total Amnesia
06. 1000 Souls
07. Out In The Cold
08. Love, “The Assassin”

 

Jannis

WINTER’S VERGE – The Ballad Of James Tig

Band: Winter’s Verge
Album: The Ballad Of James Tig
Spielzeit: 48:49 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 11.09.2020
Homepage: www.facebook.com/WintersVerge

Wir wissen alle, dass wir momentan dankbar sein können über alles, was momentan an Musik von kleineren Bands noch veröffentlicht wird, weil unser aller Lieblingsvirus momentan Gefallen daran gefunden hat, diverse Künstlerexistenzen zu gefährden. Schieben wir es einfach mal darauf, dass die, die noch weiter Kunst schaffen können, das mit geringeren Budgets machen müssen, dass die Orchestral-Sounds auf WINTER’S VERGEs neuem Longplayer “The Ballad Of James Tig” gelinde gesagt günstig klingen. Um den einzigen ernstzunehmenden Kritikpunkt direkt komplett abzuarbeiten: Das vierte Album der Truppe aus Zypern ist als tendenziell piratiger Power Metal sehr orchesterlastig und diesem Orchester hört man doch etwas zu viel an, dass es aus der Dose kommt. Das ist an einigen Stellen echt schade, stört aber kaum, wenn die Stellen nicht rein orchestral sind (was leider gar nicht mal so wenige sind).
Gut, genug des Meckerns: 50 Minuten, neun Songs, ansonsten sehr fette Produktion mit starker Stereo-Ausreizung und gut Druck. George Charalambous macht einen hervorragenden Job als Sänger, der Rest der Band sitzt on point.
Pirate Power Metal – Wie viel Innovation ist da noch möglich? Nun, jetzt nicht allzu viel, aber WINTER’S Verge schaffen es, das Genre allemal interessant und intelligent zu verarbeiten. Wo sie ruhig und gefühlvoll agieren (beispielsweise in der Ballade “Timeless” mit weiblichem Gastgesang oder im Titeltrack), nehmen sie sich Raum zur Ausbreitung der Stimmung, ergänzen sie durch ebenso kluge Orchestral-Arrangements, und wenn Power benötigt wird, dann bricht sie über den Zuhörer mit absoluter Wucht einher. Das kann im Midtempo geschehen (“The Sea”, diese Gitarrenarbeit auch) oder mit einigermaßenem Doublebass-Gewitter (“A Thousand Souls”), bleibt dabei jederzeit hochmelodisch mit einem erkennbaren Faible für 6er-Takt – und Bombast. Tatsächlich gibt es einige Stellen, an denen “The Ballad Of James Tig” an der Schmerzgrenze zu zu viel Bombast kratzt, allerdings subjektiv keine, bei der die Grenze tatsächlich übertreten wird. Kompositorisch hat man natürlich diverse kleine piratige Wendungen drin, gibt sich damit allerdings nicht zufrieden und liefert noch so einiges an geilen unpiratig-fetten Power-Metal-Melodien, die zumeist hervorragend in den Gesamtkontext des Konzeptalbums integriert sind. Überhaupt sind die Songs in sich so vielseitig (die Ballade, der Titeltrack und das kurze “Killagorak”-Intermezzo mal ausgenommen), dass einen praktisch alle 24 Takte etwas anderes erwartet, was allerdings in seiner Abfolge stets so stimmig ausfällt und in nachvollziehbaren Strukturen passiert, dass “The Ballad Of James Tig” als Album zur kleinen abenteuerlichen Seereise ins Ungewisse wird.

Fazit:
Womit ich allen Power- und insbesondere Pirate-Metal-Fans WINTER’S VERGES‘ neues Album soweit wärmstens ans Herz legen kann. Nein, das ist nicht ALESTORM, nicht die Saufen-und-Entern-Art von Pirate Metal, sondern die ernsthaftere und liebevoll komponierte, nicht Pirate auf Teufel komm raus. Musikalisch komplex aber kein bisschen überfordernd. Nur bezüglich der Orchester-Sounds braucht es wirklich Toleranz. Wer sich zutraut, die mitzubringen und die Soundqualität zu ignorieren, wo nötig, der kann auf die Gesamtwertung gerne noch einen Punkt draufrechnen.

Anspieltipps:
“I Accept”, “The Sea” und “A Thousand Souls”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. It Begins
02. A Thousand Souls
03. Dead Reckoning
04. Timeless
05. Killagorak
06. I Accept
07. Blood On The Foam
08. The Sea
09. Ballad Of James Tig

Jannis

SINSID – Enter The Gates

Band: Sinsid
Album: Enter The Gates
Spielzeit: 40:01 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Pitchblack Records
Veröffentlichung: 18.09.2020
Homepage: www.sinsid.com

Eine Feststellung zu Beginn, die für eine Band wie SINSID als hammerhartes Kompliment zu verstehen ist: Man kann bei dem Quintett aus Norwegen kein bisschen sagen, ob es erst seit vier oder schon seit dreißig Jahren besteht. Die Wahrheit liegt dazwischen (Gründungsjahr 2012), doch tatsächlich kam das Debut “Mission From Hell” erst 2018 raus. Astreine Newcomer also, mit sehr oldschooligem Sound und sehr oldschooligem Heavy Metal. Den Sound könnte man wahlweise als authentisch oder als etwas dumpf beschreiben, das lasse ich den einzelnen Leser an dieser Stelle selbst entscheiden.
Weitere Eindrücke: Die Platte ist eine von denen, bei denen lieber mal ein Drumschlag nicht ganz an der beabsichtigten Stelle sitzt als dass man sich in klinischem Sound totdesinfizieren würde. Sänger Terje hat eine männlich-metallische Stimme, die mit Sicherheit durch einiges an ungesunden Freuden geformt wurde, und bringt gerne mal einen leicht piratigen Touch ins Spiel. Ansonsten sind die Gesangsmelodien jederzeit nachvollziehbar, tonales Geshoute aber recht häufig. Und ab und an wagt man sich mal an düsteres Geraune oder garniert seine Vocals mit sehr passenden Backing Vocals. Hervorzuheben ist des weiteren der schöne Bass-Fokus. SINSID sind keine der Bands, die den Bass ausschließlich als möglichst unauffälliges Fundament verwenden, immer wieder findet sich eine geile Bass-Line, die eine kleine zusätzliche Dimension eröffnet. Die Lyrics sind true, die Keywords enthalten, die man vom Genre so kennt und erwartet, mehr Tiefgang gibt es nicht unbedingt.
Die neun Tracks kommen natürlich ohne Keyboards aus, nebenbei auch ohne größere Komplexität. Das ist angesichts des Genres absolut verständlich, Gefrickel braucht hier keiner. Doch die recht ausgeprägte Konzentration auf Midtempo ist doch auffällig und lässt den Wunsch nach etwas mehr Abwechslung aufkommen – im Ernst, der erste schnellere (und auch nicht besonders schnelle) Track ist Track 7 (“Dawn Of Night”) und obgleich “Enter The Gates” bis dahin sehr offiziell Metal ist, kommt es doch nicht wirklich in Schwung, von kleineren Parts wie der zweiten Hälfte von “Point Of No Return” mal abgesehen. Immerhin intensivieren sich einige der Tracks in ihrem Verlauf doch ganz amtlich, sodass dieses Manko während des Hörens immer mal wieder sekundär wird.
Ansonsten gibt es ein paar ruhige Intros (“Point Of No Return”, “666”, “Roll The Dice”), ein paar Mitsing-Oooooh-Parts (“Roll The Dice”, “Freedom Of The Sea”) und eben viel simpel-effektiven True Heavy Metal, der angemessen roh ausfällt, in Zukunft aber noch ein wenig charakterstärker und minimal vielseitiger ausfallen sollte.

Fazit:
Dann an sich klingt die Platte schonmal nach sehr gutem Futter für Kuttenbesitzer. Sound und Kompositionen sind das, was man von einem Oldschool-Heavy-Metal-Album erwartet, die Melodien sind keine Ohrwürmer, manchmal etwas zu belanglos aber gute Transporteure für den Spirit der Platte. Mehr Abwechslung wäre dennoch wünschenswert gewesen.

Anspieltipps:
“Point Of No Return”, “666” und “Roll The Dice”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Rise Of Fury
02. Enter The Gates
03. Fighting With Fire
04. Hail To The Gods
05. Point Of No Return
06. 666
07. Dawn Of Night
08. Roll The Dice
09. Freedom Of The Sea

Jannis

AENEMICA – Secret Lines

Band: Aenemica
Album: Secret Lines
Spielzeit: 33:13 min
Stilrichtung: Alternative Prog Metal
Plattenfirma: Phonector
Veröffentlichung: 04.09.2020
Homepage: www.aenemica.com

Kommen wir nun zu AENEMICA aus Eisenwald (Eigentlich Iserlohn, aber laut Wikipedia ist der Name auf diese Bedeutung zurückzuführen und es geht ja immerhin um Metal). AENEMICA sind ganz offensichtlich eine dieser kleinen Prog-Metal-Bands aus Deutschland, die so ganz unauffällig ihre 100-bis-3000-Facebookfans-Gemeinde bespaßen und außerhalb des Umkreises von 50 Kilometern um ihren Sitz von keiner Sau gekannt werden. Diese Bands spielen dann Konzerte vor 40 bis 60 Leuten, die oftmals ihre zehn Euro Eintritt auch dreimal wert wären, und hin und wieder veröffentlichen sie Alben, die eigentlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Im Falle von AENEMICA veröffentlichen sie “Secret Lines”, das, wohl coronabedingt und somit erstmal entschuldigt, gerade einmal sechs Songs und knapp über 30 Minuten lang ist.
Zum Sound lässt sich trotz der Undergroundigkeit der Band eigentlich kaum etwas Schlechtes sagen. Im Gegenteil, alles ist klar und deutlich, die Gitarren können bei Bedarf äußerst mächtig braten und funktionieren in groß und breit, in trocken und aggressiv und in clean oder sphärisch. Das Sounddesign sitzt ebenso, die Vocals kommen selten mal nicht richtig durch, sind aber ebenfalls mit Liebe auf den jeweiligen Part produziert, ebenso die Synths, die präsent aber eben auch konstruktiv ausfallen.
Die Bandleistung passt nicht minder. Sänger Daniel Stendera klingt leicht androgyn und macht einen starken Job, der Rest der Band tut ihm letzteres nach, kurz: Die Umstände stimmen. Wenn das jetzt die Musik nur auch noch täte…
Gute Nachricht: Das tut sie ziemlich. Gut, man mag an der ein oder anderen Stelle die herausragenden Melodien vermissen, klingt “Secret Lines” doch meistens nach Melodien, die sich fast von selbst schreiben und sehr schlüssig sind, dabei jedoch auch gängigen Alternative/Progressive-Strukturen folgen. Da fehlt ab und an ein wenig die Eigenständigkeit, was aber durch die Arrangements weitgehend entschuldigt wird. Höchst atmosphärisch ist das Ganze, schön dicht mit viel Reverb-Einsatz, melancholisch, mal wütender, mal schmalzig (Der Prototyp-Alt-Prog-Chorus von “Back To Life”), mal extreeeeem fett (“Reverie”, wenn diese ultra-massive Gitarrenwand über den ruhigen Part einherbricht) und angereichert mit Arbeit mit unterschiedlichen Taktarten auf einem Level, das nicht nach Skilldemonstration zum Selbstzweck klingt. Ach ja, und ausnahmslos jeder Track beginnt verhältnismäßig ruhig und wird dann härter. Das Schema könnte etwas abwechslungsreicher sein.

Fazit:
Aber sonst will ich gar nichts sagen. Die geschickt und mit Hingabe erzeugte Atmosphäre von „Secret Lines“ macht einige eher standard ausfallende Melodien wieder wett. Nichts für die nächste Metalparty, aber für einen späten Sommerabend draußen mit ’ner Kerze oder ’nem Feuerchen hervorragend geeignet! Und Bands dieser Größe, insbesondere so gute Bands dieser Größe, sollte man momentan eh durch Albumkäufe unterstützen.

Anspieltipps:
„Reverie“ und „Hollow“, um mich mal auf ein Drittel des Albums zu beschränken.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Distant Light
02. Hollow
03. Back To Life
04. Stay
05. Just A Few Lines
06. Reverie

Jannis

 

YARGOS – The Dancing Mermaid

Band: Yargos
Album: The Dancing Mermaid
Spielzeit: 73:22 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: STF Records
Veröffentlichung: 07.08.2020
Homepage: www.facebook.com/yargosband

YARGOS: Eigentlich nur übernommen, weil es wer machen musste, obwohl es nach dem Reinhören in einen Song hauptsächlich nach dieser komischen Male&Female-Fronted-Metal-Kombi klang, die sich primär durch Abwechslung von Symphonic-Kram mit Growls und Geknüppel auszeichnet. Siebzig Minuten später gebe ich 8 Punkte, die allerdings gerechtfertigt werden müssen. Das dritte Album der Progressive-Metal-Deutschen ist keines der Marke “Ohne Ecken und Kanten, Niveau durchweg 8 von 10 Punkten”. Im Gegenteil. Die zwei Punkte muss ich abziehen, weil mir einige Sachen nicht behagt haben, während ich insgesamt doch schwer beeindruckt bin. Kritik zuerst: 1. Progressive Metal wird klassische Prog-Fans in die falsche Erwartungsrichtung locken. Komplex ist das Ding aber eben alles andere als typischer Prog. 2. An doch so einigen Stellen erscheint mit das eigentlich ursprünglich unproggige Material zwangsproggisiert worden zu sein. Hängen wir da noch nen halben Takt dran, dann ist es progressiv, nach dem Motto. 3. Gerade zu Anfang ist die Sache ein bisschen chaotisch, man will irgendwie alles mit reinpacken und verliert sich zum Teil ein bisschen in Gestückel. 4. Zu Anfang zwei Tracks nach dem oben genannten Male/Female-Muster zu bringen ist nicht repräsentativ für den Rest des Albums. 5. Einige Vocals von Hauptsängerin Becky Gaber sind ganz subjektiv nicht nach meinem Geschmack, beispielsweise die Aaaah-Parts von “Mine Complete”.
Nun zum Positiven: 1. Andere Vocals, die meisten, um genau zu sein, hingegen schon. Nicht nur ist das Album sehr vocal-fokussiert, arbeitet viel mit Mehrstimmigkeit, verschiedenen Gesangstechniken und geil umgesetzten Vocal-Effects (überhaupt ist die Produktion echt stark geworden), Becky ist zudem eine arsch-wandelbare Sängerin, die eine Theatralik ins Spiel bringt, die man so kaum bei Metal-Sängerinnen hört. Mal soulig, mal keltisch-folkloristisch, mal in bester KING-DIAMOND-Manier (nicht seine Falsettparts, eher die, in denen er Dialoge zwischen düsteren Gestalten wiedergibt) – An einigen Stellen mögen schlechte Entscheidungen getroffen worden sein aber die Stimme ist meistens ziemlicher Wahnsinn und trägt das Album auf einem hohen Level. 2. Die Bandleistung ist stark, die Orchestralsounds und Synths meist hochwertig und keineswegs auf unkreative Klangteppiche reduziert. 3. Das Songwriting ist außergewöhnlich. Sehr unmetallische Parts (“Where Are You Now”) mit Mut zur Ruhe werden abrupt durch irgendwas Abgefucktes beendet, dann mal ein poppiger Chorus, mal einer, der sich fast nur durch die Backing Vocals vorwärts bewegt. Die Harmonien mal jazzig, mal power-metallig, immer mal anders, stimmig aber nicht gewöhnlich. Dabei kurzweilig, kaum ein Part, der länger ist als er sein müsste. 4. Ich mag Alben, bei denen Pausen zwischen den Songs durch kleine Übergänge ersetzt werden.

Fazit:
Und angesichts alldessen ist “The Dancing Mermaid” keines der 8-Punkte-Alben, die durchgängig 8/10 sind, sondern manchmal 5/10 und häufig 9/10, was generell sehr gut ist, denn einzelne Parts oder Songs kann man skippen, ein durchgängig nicht so hohes Qualitätslevel jedoch nicht. Progressiv unkonventionell, anders als man aufgrund des Genrelabels erwarten würde. Man muss es nicht mögen aber ich mag es zu großen Teilen sehr. Und Andrew Dermond, der leider verstorbene Vorgänger von Becky, wäre verdammt glücklich über seine Nachfolgerin.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Storm Is Coming
02. Annie, Oh Mine
03. You Won’t Get Far
04. Mine Complete
05. You Push Me
06. Where Are You Now
07. Contaminated (We’re All Damned)
08. Two Girls (Don’t Come Knocking)
09. Boneshaker
10. All Your Demons
11. It’s Breeding
12. Lie To Me
13. (f I Only Could) Turn Back Time
14. The Storm Is Passing

Jannis

VEONITY – Sorrows

Band: Veonity
Album: Sorrows
Spielzeit: 46:03 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Scarlet Records
Veröffentlichung: 21.08.2020
Homepage: www.veonity.com

Heute gibt’s mal was ganz Ungewöhnliches: Power Metal aus Schweden von einer Band, deren Name auf “ity” endet. So weit, so klassisch. Um VEONITY geht es, genauer gesagt, die mit “Sorrows” nun ihr viertes Album auf den Markt stellen; mit einem Mastering von Tony Lindgren wohlgemerkt, dem man nach seiner Arbeit an DRAGONFORCE- und POWERWOLF-Alben nun wahrlich nicht unterstellen kann, er kenne sich nicht mit Power-Metal-Produktion aus. Erwartungsgemäß bietet der Sound von “Sorrows” daher auch keinen Anlass zur Kritik, fällt voll, druckvoll und warm aus und führt den Sound von, beispielsweise, früheren STRATOVARIUS in 2020er-Version fort. Dementsprechend ist die Platte nicht allzu heavy, gönnt sich die ein oder andere erste Strophenhälfte ohne Gitarren und ist allgemein eher leichtgängig vorwärts euphorierend als hart und aggressiv. Ecken und Kanten gibt es kaum, aber ist man ja so auch von diesem Stil gewöhnt. Keyboards sind vorhanden, hauptsächlich orchestrale.
Musikalisch ist “Sorrows” im schlimmsten Fall anständiger Power Metal der unspektakulärer komponierten Sorte (“Free Again”), der durchaus in Genrekisten rumstöbert und die ein oder andere typische 90er/2000er-Power-Metal-Melodie zutage fördert (“Where Our Memories Used To Grow”: Verdammte Hacke, woher kenne ich diese Melodie?). Im besseren Fall klingt man zwar ähnlich, schenkt dem Hörer im Fall von “Back In To The Dark” aber sogar ein paar Growls und verlässt auch die ausgetretenen Melodiepfade, ohne sein Grundgenre dabei zu verwerfen. Auch besitzt “Fear Of Being Alive” einen sehr amtlichen feierlichen Letzter-Track-Chorus, “War” beginnt als SABATON-Huldigung, hat aber auch noch ein wenig klassischeren Power Metal in der Hinterhand. “Acceptance” und “Center Of The Storm” fahren den Cheese-Faktor zurück und werden etwas ernster und “heavier”, was den Songs der Truppe sehr gut steht. Und “Graced Or Damned”’s Chorus klingt ein bisschen, als habe man zwei sehr gute halbe Refrains hintereinandergesetzt, und verwirrt möglicherweise damit ein bisschen. Das ändert jedoch nichts daran, dass mindestens 50% der Tracks positiv hervorstechen aus einer Platte mit sowieso absolut korrektem Grundniveau.

Fazit:
Zu schwächeren Momenten immer noch astreiner und gut klingender klassischer Power Metal ohne großen Wiedererkennungswert, zu stärkeren Momenten mit schönen Melodieführungen, Harmoniefolgen und Arrangements, top gespielt und auch sehr gut gesungen von einem Sänger, der hoch wie tief eine Power-Metal-kompatible Stimme hat. Wer Power Metal in eher unbekümmert mag (was der Albumtitel nicht unbedingt vermuten ließe), der hat bei “Sorrows“ absolut nichts zu befürchten.

Anspieltipps:
“Fear Of Being Alive”, “Back In To The Dark”, “Acceptance” und “Center Of The Storm”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Broken
02. Graced Or Damned
03. Back In To The Dark
04. Blinded Eyes Will See
05. Where Our Memories Used To Grow
06. Acceptance
07. Free Again
08. Center Of The Storm
09. War
10. Fear Of Being Alive

Jannis

PRIMAL FEAR – Metal Commando

Band: Primal Fear
Album: Metal Commando
Spielzeit: 57:04 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 17.07.2020
Homepage: www.primalfear.de

Es gibt kaum eine Band, bei der man sich bei Ankunft der Promo so entspannt und völlig ohne Angst vor Mittelmaß auf ein eh geiles Album einrichten kann, wie PRIMAL FEAR, die man wohl niemandem mehr vorstellen muss und die unter anderem mit jüngst hier rezensiertem Magnus Karlsson und seit neustem auch mit Michael Ehré (GAMMA RAY, THE UNITY) an den Drums unterwegs ist. Jetzt das 13. Album da, “Metal Commando”, mit einer knappen Stunde Laufzeit und einem guten Cocktail aus allem, was man von den süddeutschen Herren gewohnt ist.
Das ist zuerst mal der absolut einwandfreie Sound, den sich Jacob Hansen auf den Lebenslauf schreiben darf. Da sind die starken Vocals von Ralf Scheepers, die um hervorragende Backing Vocals ergänzt wurden und da sind kaum Keyboards. Und dann ist da die klassische schöne Mischung aus Heavy Metal und Power Metal, dank der teils hohen Vocals immer mal wieder an PRIEST erinnernd. Aber eben lange nicht nur. “I Am Alive” demonstriert als Opener, dass Eier und Hirn immer noch an ihrem Platz sind, schön knackig und mit geilem, nicht unmodernen Chorus. “Along Came The Devil” ist langsamer und etwas truerer \m/ Metal \m/ und wird vom sehr cheesigen wie gelungenen Power-Metal-Track “Halo” edel kontrastiert. “Hear Me Calling” gestaltet sich etwas rockig-ruhiger aber durchgängig eindrücklich, während “The Lost & The Forgotten” klarstellt, dass man sowas wie eingängige Ohrwurmmelodien aber eigentlich auch nicht immer nötig hat. Straight, trocken, simpel wirkend aber mit was auf dem Kasten, und mit feinem melodischen Gitarrenmotiv. “My Name Is Fear” klingt nach angepissten Hamburgern (aber nicht nach denen auf dem Bürgersteig am Sonntag um vier Uhr morgens) und gibt stellenweise ordentlich Doublebase-Druck, und “I Will Be Gone” ist eine doch sehr gefühlvolle Ballade, die man PRIMAL FEAR gerne durchgehen lässt.
Das Schema zeichnet sich ab: Es gibt keins. Jeder Song überzeugt mit individuellem Charakter, auch wenn, wie so häufig bei solch vielseitigen Alben zwei, drei Tracks dann doch Individualität (nicht Qualität) etwas mehr missen lassen, da man den Stil eines Songs doch zwangsläufig irgendwann im Verlauf mal ein bisschen wiederholt.
Hab ich was vergessen? Jap, den Endtrack “Infinity”. Dieses Gitarrenmotiv, dieser Chorus – Freunde, was ein Volltreffer und locker einer meiner Favoriten-Tracks des Jahres. Gut, eigentlich ist er nicht 13 sondern zehn Minuten lang, auf die ein dreiminütiger Outrotrack-Anhang folgt, den man sich vielleicht hätte sparen können, weil der Hauptsong als finales Statement eine wahre Macht gewesen wäre, aber Herrgott. Ach ja, und wie bei einigen anderen Bands sind die Lyrics jetzt nicht der Knaller (Rise Infinity Forever, I’m walking through the night – wer kennt diesen Gedanken nicht?), fallen aber wesentlich weniger unangenehm auf als die so mancher Landsmetaller. Und der Kritikpunkt ist auch nur der Vollständigkeit halber drin, das machen die anderen Faktoren des Albums locker wett.

Fazit:
Wir Metaller sind ja ein düsteres Völkchen. Warum also nicht das Album mit der Unglückszahl 13 nehmen und zu einem absoluten Brett machen? Mir fiele kein Grund ein, PRIMAL FEAR offensichtlich auch nicht. Traditionell, jung geblieben und ohne Abnutzungserscheinungen. “Metal Commando” kann man seinen Radio-Freunden locker als Heavy-Metal-Crashkurs vorlegen, und seinen Metaller-Freunden als hochgradigen Leckerbissen!

Anspieltipps:
„Infinity“, „Halo“ und „I Am Alive“

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. I Am Alive
02. Along Came The Devil
03. Halo
04. Hear Me Calling
05. The Lost & The Forgotten
06. My Name Is Fear
07. I Will Be Gone
08. Raise Your Fists
09. Howl Of The Banshee
10. Afterlife
11. Infinity

Poah. Ihr wisst, was ich meine, oder?

Jannis

ASSIGNMENT – Reflections

Band: Assignment
Album: Reflections
Spielzeit: 58:31 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 21.08.2020
Homepage: www.assignment-music.com

Es gibt da so ein paar deutsche kleinere Progressive-Metal-Bands, bei denen man findet, was man bei den großen oft vergeblich sucht: Abkehr vom Technik-Fokus, dafür Songwritingskills – die Art von Progressive-Metal-Bands, deren Progressivität oftmals gar nicht akut wahrgenommen wird, weil sie nicht als Aufhänger stilgebend sondern als musikalisches Mittel eingesetzt wird. Als größeres Beispiel seien dabei MOB RULES genannt, ansonsten ANCIENT CURSE, die wir kürzlich hier besprachen. Auch ASSIGNMENT (ich höre mit diesem Album zum ersten Mal von denen) gehören offenbar zu dieser Sparte. Die Truppe hat ihr fünftes Album in den Startlöchern, mit dem Titel “Reflections”, einer knappen Stunde Spieldauer und einer Produktion, die die Handgemachtheit des Albums durchscheinen lässt. Das klingt nicht nach dem polierten, ultra-knallenden Standard-Progressive-Metal, aber es klingt authentisch und ist seinen oft etwas seelenlos klingenden Kollegen damit subjektiv in der Hinsicht ein Stück voraus.
Schon die ersten zwei Tracks bieten eine Überraschung. Progressive Metal ist oft ein wenig elitär und vermittelt viele Emotionen, doch Wut ist ein Zeichen von Schwäche und demnach selten im melodischen Teil des Genres. Doch Wut ist genau das, was einem insbesondere “Mercyful Angel” erbarmungslos um die Ohren haut. Highspeed, oldschool heavy/speed-metallisch anmutende Vocals – das passt zum Text über die NATO-Bombardierungen in Serbien und ist ein grandioser Einstieg. Gut, das Level an Aggression wird im Verlauf des Albums nicht mehr erreicht, es wird “klassischer” progressiv, mit zeitweisem Einsatz von Streicher- und Klaviersynths, seltener von digitalen. Und ganz hintergründig, ohne es dem Hörer groß unter die Nase zu reiben, eröffnet sich vor ihm ein wirklich smartes, mit Aufwand komponiertes Album, das mit einer beachtlichen Menge an geilen Parts und Arrangements daherkommt. Sei es der Aufbau von “Unknown Hero”, das unheilvoll mit Streichern und Klavier (im sehr unkitschigen Sinne) beginnt und dann an Fahrt gewinnt, das Richtung Ballade tendierende “Reflections”, die E-Drum-Akzente und die Melodieführung in “Corporate Men”: Die musikalische Ebene von “Reflections” ist durchgängig interessant und bietet immer wieder kleine Progisierungs-Faktoren, die in dem Genre heutzutage nicht zur Norm gehören. Und das, muss man einfach mal so sagen, ist die Definition von progressiv. Die ganze “Megafette Produktion, Gehacke, poppige Chorusmelodien, möglichst unnachvollziehbare Taktarten, mehr digitale Effekte und modernere Synths”-Schiene, die viele Vertreter des Genres schon seit einiger Zeit fahren, ist nicht mehr fortschrittlich (maximal im Produktions-Sinne), das ist Stagnation. Was ASSIGNMENT machen, ist intelligenter Heavy/Power Metal, der die Grenzen des Genres überschreitet, Altes auffrischt, Neues probiert, durchaus und gerade in textlicher Hinsicht damit Parallelen zu QUEENSRYCHE besitzt und versucht, ein paar neue Ideen mit bewährten Methoden ins Genre zu bringen. Das ist progressiv und dazu auf unüberhebliche Weise echt grandios geworden.

Fazit:
“Reflections” hat kleine Fehler über die man hinwegsehen muss. Aber die Produktion ist bei der Platte nichts, was den fehlenden Inhalt kaschieren könnte; das muss sie aber auch nicht. Wer Bock hat auf ein echt intelligent geschriebenes, mitreißendes und in seinem traditionellen Klang doch frisches Prog-Metal-Album mit gesellschaftlich/politschen Texten, der sollte sich mit der Platte im Spieler und dem Booklet in der Hand an den heimischen Kamin setzen oder, falls kein Kamin vorhanden ist, einfach bei “Mercyful Angel” irgendwas Brennbares anzünden und ersatzweise verwenden.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Trilogia Balkanica
02. Mercyful Angel
03. Obsession
04. Corporate Men
05. Reflections
06. Submission
07. Timeline
08. Endlessly
09. Unknown Hero
10. Silent Nation

Jannis

GRIMGOTTS – Sagas (EP)

Band: Grimgotts
Album: Sagas
Spielzeit: 17:59 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Eigenveröffentlichung
Veröffentlichung: 14.08.2020
Homepage: www.facebook.com/grimgottsband

GRIMGOTTS, EP-Trilogie, die zweite: Die Veröffentlichung von “Sagas”, dem Nachfolger von “Tales” rückt näher und den Fan piratig angehauchten Uptempo-Syphonic-Power-Metals erwarten mal wieder vier Schmankerl.
Zur Erinnerung: 2015 in Großbritannien gegründet, ohne Label unterwegs, mit 90er/frühe 2000er Power Metal-Spirit, ganz viel sympathisch billigen Keyboards und epischem Shit von Anfang bis Ende.
Am Sound hat sich seit “Tales” nicht wirklich was getan, aber der war eh für eine solche Band schon hart brauchbar. Allerdings gibt es auf “Sagas” keinen Track mehr, der ins Chaotische abdriftet. Man kratzt an der Grenze von “Zuviel des Guten”, liegt aber subjektiv immer darunter, sodass die Tracks nachvollziehbar bleiben. Grenzwertig wird es durchaus manchmal – auch wenn der teilweise preiswerte Sound der Keyboards dem ganzen eine schöne Authentizität verleiht, ist er in seiner Masse doch manchmal etwas verwaschen, aber das bleibt im Rahmen.
Und sonst so? Nun, das gewohnte GRIMGOTTS-Programm: Viel Uptempo, viel Epik, viele große Melodien, sinnig eingesetzte Parts mit runtergebrochener Geschwindigkeit und ein Gespür für Kompositionen, die sich vertraut anfühlen, aber nicht verbraucht. Dazu kommt die exzellente Idee, im Chorus von “Northern Passage” auf die Growlkünste von Prash Sarma zurückzugreifen, der einen exzellenten Job macht und eine krasse Bereicherung ist, auf die man vielleicht auch etwas häufiger zurückgreifen könnte. “Rise Again” kommt mit POWER-QUEST-Chorus (aber dass GRIMGOTTS POWER QUEST mögen ist auch in ihrem Umkreis kein Geheimnis) und “Plunder, Loot & Chantey” ist mit Akkordeoneinsatz und entsprechenden Melodien sehr piratig und Geschmackssache. Und beim abschließenden Titeltrack wird natürlich noch einmal alles gegeben. Schöne Melodieführung, ein warmer, voller, feierlicher Chorus, Mitklatschpart, Modulation… etwas anderes erwartet man als Fan der Band nicht, aber etwas anderes will man eben auch nicht.

Fazit:
GRIMGOTTS – der kleine Untergrundfels in der Überproduziertheits-Power-Metal-Brandung. Wer braucht Trends, wenn man einfach die Musik machen kann, die man vermutlich schon als Teenager liebte und mit der man aufwuchs? Bei der Band trifft songschreiberisches Talent auf höchste Motivation und auf viel Orchester und das Ergebnis ist auf regelmäßiger Basis überzeugend. Nächster Halt: “Legends”.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Northern Passage
02. Rise Again
03. Plunder, Loot & Chantey
04. Sagas

Jannis

STARBLIND – Black Bubbling Ooze

Band: Starblind
Album: Black Bubbling Ooze
Spielzeit: 35:12 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Pure Steel Records
Veröffentlichung: 31.07.2020
Homepage: www.starblind.se

So langsam kommt mir der Verdacht, dass die ganzen <40-Minuten-Alben, die in letzter Zeit erscheinen, auf Corona rückzuführen sind, da sich einige Bands entschieden, aufgrund wegfallender Toureinnahmen ihr werdendes Album etwas früher und dann eben mit ein zwei Songs weniger rauszubringen. Sollte dem so sein, hab ich vollstes Verständnis. Wenn nicht, sind gerade einmal 35 Minuten Laufzeit für das neue STARBLIND-Album echt mager. Was hingegen umso großartiger ist, ist der lautmalerisch ansprechende Albumtitel “Black Bubbling Ooze”, der in “At The Mountain Of Madness” auch in den Lyrics vertreten ist und ernsthaft-dramatisch vorgetragen wird. Ist vielleicht für Muttersprachler weniger lustig, aber aus zumindest meiner Sicht zum schießen.
Sonst hat sich seit dem letzten STARBLIND-Album eigentlich gar nicht so viel verändert. Der Sound, die Instrumente und die Vocals sitzen on point und nach wie vor machen die Schweden einige der besten MAIDEN-Alben der letzten Jahre. Muss man halt wirklich so sagen, die komplette Band ist vermutlich IRON MAIDEN undercover, und als Coverband geht sie auch nur aufgrund ihres selbst komponierten Songmaterials nicht durch. Das hingegen ist ebenfalls sehr authentisch im Stil des großen Vorbilds und dazu wirklich gut geworden. Das kann man “Here I Am” mit seinen hohen Vocals, dem schnellen Galopp und dem präsenten Bassound attestieren, ebenso wie dem in Teilen balladigen “Crystal Tears” oder dem auch recht schnellen “The Reckoning” mit gutem Backing Choir im Chorus.
“Room 101” fällt immerhin teilweise nicht so ganz MAIDENig aus und “One Of Us” ist ein starker Opener, der – wie könnte es anders sein – recht gut vermitteln kann, was den Hörer auf “Black Bubbling Ooze” (Ich komm da nicht drüber) noch so erwartet.
Kritik: Nun, ggf. die Länge, ein bisschen zu viel mittleres Uptempo und, je nach Sichtweise, ein kaum eigenständiger Gesamtsound. Den will ich an dieser Stelle aber eigentlich gar nicht kritisieren, denn mit den Worten des Promotextes: “Natürlich bleiben auch dieses Mal Vergleiche zu IRON MAIDEN nicht aus, doch auf diesem Qualitätslevel müssen andere, ähnlich geartete Formationen erst einmal agieren.”

Fazit:
Und genau so ist das. Wer die Wartezeit auf das nächste MAIDEN-Album nicht gut aushält oder von einigen ihrer letzten Veröffentlichungen enttäuscht war, der kriegt mit “Black Bubbling Ooze” (…) ein liebevoll gemachtes und großartig authentisches Ersatzalbum, das viele der Stärken der Original-Jungfrau perfekt umzusetzen weiß. Da kann man aus Prinzip fehlende Stil-Kreativität bemängeln, man kann aber einfach auch 35 Minuten diesen vertrauten, schönen, krass umgesetzten Sound genießen. Ich empfehle letzteres.

Anspieltipps:
“At The Mountain Of Madness”, “One Of Us” und “Crystal Tears”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. One Of Us
02. At The Mountain Of Madness
03. Here I Am
04. Crystal Tears
05. The Man Of The Crowd
06. Room 101
07. The Reckoning
08. The Young Man

Jannis