STARBLIND – Never Seen Again

Band: Starblind
Album: Never Seen Again
Spielzeit: 51:50 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Pure Steel Records
Veröffentlichung: 24.11.2017
Homepage: www.starblind.se

Wo ist Eddy? Ein MAIDEN-Album ohne Eddy auf dem Cover? Wo gibt es denn sowas? Ach richtig, das sind nicht MAIDEN, das sind STARBLIND, die im Promotext ihres dritten Longplayers “Never Seen Again” hemmungslos mit der Aussage untertreiben, sie würden sich “nicht allzu fern auf den Spuren von IRON MAIDEN” bewegen.
Klingt das nach wenig innovativer Stil-Kopiererei? Vielleicht. Denn wirklich neu erfinden die fünf Schweden das eiserne Rad nicht. Aber im Ernst, das ist keineswegs verwerflich, denn das, was die Stockholmer Jungs da auf Platte gepresst haben, ist einwandfreier Heavy Metal auf extrem hohem Niveau und braucht sich vor den Alben seiner britischen Vorbilder nicht zu verstecken.
Über zehn klar und druckvoll produzierte Songs liefern STARBLIND ohne nennenswerte Tiefpunkte genau das, was man von einem MAIDEN-Album erwartet. Schon der erste Track kommt mit “Number Of The Beast”-Tempo, melodischen Gitarrenlines, souveränen Soli, und Melodien, in denen sich jeder Metalfan wohlig vertraut und zuhause fühlt, dahergaloppiert. Nebenbei beweist er gleich noch das spielerische wie kompositorische Talent der Band sowie die stimmlichen Qualitäten von Sänger Marcus Sannefjord Olkerud, der sich perfekt in den Klang der Instrumentalfraktion einfügt und nur in höchsten Höhen ab und an mal zum Quietschen tendiert.
Auch sonst lässt “Never Seen Again” keine Wünsche offen. Da ist die emotionale Halbballade “Eternally Bound”, die sehr ruhig beginnt, zwischendurch sehr episch wird und schließlich mit einer Reprise ihres Intros endet (Überraschung). Da ist “Tears Of A Soldier”, das mit einem schönen getragenen Refrain aufwartet und im Solopart das Temo noch einmal anzieht, und da ist natürlich auch der 6/8el-Track “Never Seen Again”, der den rheinländischen Rezensenten zu leichtem Mitschunkeln bewegt und ein tolles Zusammenspiel von Gesangs- und Gitarrenmelodien bietet.
Und klar, auch ein langer Track am Ende darf nicht fehlen, der ebenso vielseitig wie musikalisch überzeugend ausfällt.
Die einzelnen Bestandteile hat man wohl alle so oder ähnlich bereits gehört, aber STARBLIND wissen sie hervorragend anzuwenden. Jedes Mitglied der Band hat den Stil, mit dem man arbeitet, zu einhundert Prozent verinnerlicht und trägt somit zu einem Gesamtkonzept bei, das herrlich schlüssig wirkt und trotz seiner deutlich erkennbaren Einflüsse absolut überzeugen kann. Von den praktisch durchgängig geilen Melodien fangen wir hier gar nicht erst an. “Never Seen Again” ist zweifelsohne eine der besten Möglichkeiten, sich die (vermutlich eher lange) Wartezeit auf die nächsten Ergüsse von Bruce und seinen Kollegen zu verschönern.
Reinhören ist Pflicht!

Anspieltipps:
“Never Seen Again”, “Tears Of A Soldier”, “Eternally Bound”, “The Everlasting Dream Of Flight” und “Demon Rider”

Fazit:
STARBLIND machen Heavy Metal in seiner klassischsten Form und haben mit “Never Seen Again” ein Abum veröffentlicht, das trotz seiner deutlich erkennbaren Einflüsse nicht nur genug Eigenständigkeit aufweist, sondern auch ein durchgehend unterhaltsames und toll umgesetztes Hörerlebnis liefert. Falsch machen kann man mit einem Kauf des Albus wohl nichts. Für Fans von… Ach, Ihr wisst schon.

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Everlasting Dream Of Flight
02. The Shadow Out Of Time
03. Pride And Glory
04. Eternall Bound
05. Tears Of A Soldier
06. Never Seen Again
07. Avarice (The Fourth Circle)
08. Demon Rider
09. Insanity And Genius
10. The Last Stand

Jannis

 

SILVER WIND – Legion Of The Exiled

No Remorse records 2017

Band: Silver Wind
Album: Legion Of The Exiled
Spielzeit: 39:02 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: No Remorse Records
Veröffentlichung: 13.11.2017
Homepage: www.facebook.com/pg/silverwind.groupemetal

Jedes Mal, wenn man als Rezensent liest, dass das nächste zu besprechende Album ein Debutalbum sein wird, gerät man in eine Art Wechselbad der Gefühle. Betend, dass man hier als einer der ersten ein Werk rezensiert, das in zwanzig Jahren mal Legendenstatus hat, aber eher davon ausgehend, dass man am Ende des sicherlich interessanten aber wohl eher schwach produzierten und noch nicht wirklich ausgereigt klingenden Machwerks wohl vorschlagen muss, die Band auf Dauer mal im Auge zu behalten, legt man, in diesem Fall, SILVER WINDs “Legion Of The Exiled” auf – und hat über 40 Minuten eine beachtlich gute Zeit.
Gut, Legendenstatus wird das Ding vermutlich auch nicht erreichen. Doch auf ihrem ersten Longplayer hauen SILVER WIND sehr selbstbewusst gar nicht üblen Heavy Metal mit leichter Folk/Pirate- und stärkerer Power-Schlagseite heraus, der nun wirklich nicht schlecht produziert und dazu musikalisch keinesfalls belanglos ist. Die Franzosen sind allerdings nun auch wahrlich keine Anfänger mehr, erschien ihre erste EP doch bereits 2005. Sänger Antoine trifft seine Töne und passt mit seiner leicht rauen Art sehr gut zum Rest der Musik. Auch die anderen Mitglieder der Band machen ihren Job ziemlich gut und beherrschen weit mehr als nur die nötigen Standardskills, die man für ein Heavy-Metal-Album mindestens haben sollte.
Das wird bereits beim RUNNING-WILDigen Opener und Titeltrack deutlich, dessen Strophe leicht an HAMMERFALL erinnert und dessen Chorus partytauglich und spaßig komponiert ist. Einziger Kritikunkt: Wer ist Lee Burty? Falls Ihr “Liberty” sagen wollt – das spricht man so nicht aus.
Mit “Miracle Steel” geht es dann direkt stark weiter, geschwinder Doppelbass, ein Chorus, der klingt wie Power Metal mit leichten Stoner-Anleihen, nur schneller. Dazu ein Mittelteil mit runtergeschraubtem Tempo vor solidem Uptempo-Solo – macht Spaß, wird wohl nicht zum letzten Mal aus des Rezensenten Sperrmülboxen tönen. Während das anschließende “Fight For Glory” auf CD eher unspektakulär nett ausfällt, live dafür aber vermutlich umso stärker, gibt es am folgenden fixen True-Metal-Song “ Steel Against Steel” wieder kaum etwas aussetzen, genauso wie am ebenfalls flotten Folgetrack.
“Revenge” ist schnell und ballert, wie man das von einem Track mit diesem Namen erwartet, legt aber aber auch Wert auf Melodien außerhalb des 08/15-Spektrums (und auf die falsche Aussprache von “Revenge”). Dazu ein kleiner 5/4el-Part im Solo – läuft, macht Laune, und das nicht zu knapp. Damit sind wir auch schon beim vorletzten Track, einem Cover von MEDIEVAL STEEL, das anstelle einer Ballade zwar gemäßigt und miminmal melancholisch daherkommt, aber stets genug Druck macht und ebenfalls überzeugen kann. Und “Sword Of The Snow”? Joah, auch voll im Rahmen, mit ein bisschen zu viel Leerlauf zwischen den einzelnen Textzeilen, dafür aber coolem 5/4el-Chorus. Kann man gut machen.

Anspietipps:
“Revenge”, “”Medieval Steel”, “Legion Of The Exiled”, “Miracle Steel” und “Steel Against Steel”

Fazit:
“Legion Of The Exiled” ist erfreulicherweise ein Album, dem man kaum anmerkt, dass es das Debut der Band ist. Über etwas zu kurze 40 Minuten hinweg gibt es hier für den Freund guten, erdig produzierten Heavy/Power-Metals einen kleinen Leckerbissen, dem man durchaus mal eine Chance geben sollte. Und ja, SILVER WIND sollte man definitiv im Auge behalten.

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Intro
02. Legion Of The Exiled
03. Miracle Steel
04. Fight For Glory
05. Steel Against Steel
06. Lord Of The Last Rampart
07. Revenge
08. Medieval Steel (MEDIEVAL STEEL Cover)
09. Sword Of The Snow

Jannis

 

MASTERS OF DISGUISE – Alpha/Omega

Band: Masters Of Disguise
Album: Alpha/Omega
Spielzeit: 54:18 min
Stilrichtung: Speed Metal
Plattenfirma: Limb Music
Veröffentlichung: 20.10.2017
Homepage: www.masters-of-disguise.com

Einige Metaller werden das kennen: Man geht über die Straße, ohne vorher nach rechts und links zu schauen, und wird umgehend von den MASTERS OF DISGUISE überfahren, die sehr schnell unterwegs sind. Besser als diese Einleitung ist deren mittlerweile drittes Studioalbum “Alpha/Omega”, auf dem die Instrumentalisten der NWOBHM-Tribute-Band ROXXCALIBUR zusammen mit Goldkehlchen Alexx Stahl einwandfreien Eighties Speed Metal im leicht modernisierten Gewand verewigt haben. Produziert von Gitarrist Kalli Coldsmith und Rolf Munkes, der schon am Klang von CREMATORY, MAJESTY und DRAGONSFIRE geschraubt hat, klingt “Alpha/Omega” erfrischend klar und druckvoll, hütet sich jedoch davor, in kantenlos überproduziertem Gummisound unterzugehen. Neben dem Artwork ist also auch die Produktion jeglicher Kritik erhaben.
Gute Nachricht: Auch über die Songs an sich gibt es nicht wirklich viel zu meckern. Lediglich drei der elf Songs (unter anderem der Bonustrack “Blackwitch”, ein EXCITER-Cover) sind nicht im Uptmepobereich angesiedelt, der Rest gibt ordentlich Gas. Das Tempo des Albums ist dabei nicht das Alleinstellungsmerkmal von “Alpha/Omega”, denn tatsächlich ist das Ding nicht nur schnell, sondern auch melodiös. Songs wie “Demons From The Past” oder der Titeltrack zeigen, dass die MASTERS keine der unzähligen “Ein Grundakkord pro Strophe”-Bands sind, sich ganz im Gegenteil ordentlich Mühe beim Songwriting geben.
Klar, progressive Melodieführung darf man von den Jungs nicht erwarten, schließlich muss die Komposition mit dem auserkorenen Untergenre kompatibel sein. Und ja, es gibt auch weniger melodieorientierte Tracks, zum Beispiel der aggressive “Witchhammer” mit seinen interessanten und außergewöhnlichen Harmonien im Refrain. Doch auch bei den melodisch weniger ausgeprägten Songs hat man sich erheblich Mühe gegeben, um interessant zu bleiben.
Mal arbeitet man mit Spoken-Word-Parts (“Alpha/Omega” – Offenbarung 20, Vers 1-3 und 5, oder “Knutson III”), mal mit spezielleren Gitarrensounds oder ruhigen Introparts (“Shadows Of Death”). Langweilig wird “Alpha/Omega” fast nie und die Kritikpunkte sind stark limitiert. Klar, ab und an findet sich ein Part, den man etwas hätte kürzen können, mal ein Track, der den anderen anfangs doch etwas zu sehr ähnelt. Die Dame am Ende von “Knutson III”, die doch eher deplaziert und unfreiwillig komisch wirkt oder der Gesang, der in höheren Sphären ab und an ein klein wenig dünn wird, könnte man auch noch anführen, doch im Ernst – wirklich unverzeihlich ist das alles nicht und schmälert auch das Hörvergnügen nur minimal.
Letztendlich ist “Alpha/Omega” einfach ein viel zu gutes melodisches Stück Oldschool Speed Metal, als dass man sich über derartige Kleinigkeiten echauffieren müsste.

Anspieltipps:
“Alpha/Omega”, “Demons From The Past”, “Sign Of The Cross”, “Witchhammer” und “Blackwitch”

Fazit:
Eine sympathische Truppe, die kräftig abgehenden Speed Metal mit einer ordentlichen Menge an Kreativität, Spielfreude und Professionalität praktiziert. Das macht auf CD und bestimmt auch live Spaß und kann an dieser Stelle bedenkenlos empfohlen werden. Wer nach ein wenig Reinhören das Album gerne hätte, dem sei die CD-Version ans Herz gelegt. Der Bonussong lohnt sich!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Rise (And Fall) Of Kingdoms
02. Sacrifice
03. Demons From The Past
04. Shadows Of Death
05. Killer’s Redemption
06. Sign Of The Cross
07. Alpha/Omega
08. Witchhammer
09. Knutson III: Nemesis (I Am The Law)
10. The Leech
11.Blackwitch (Bonus Track)

Jannis

NOTURNALL – 9

Band: Noturnall
Album: 9
Spielzeit: 41:37 min
Stilrichtung: Progressive Power Metal
Plattenfirma: Voice Music
Veröffentlichung:
Homepage: www.facebook.com/noturnallband

Ist doch immer schön, wenn zwischendurch mal eine Band rezensiert werden muss, die nicht aus Deutschland, Skandinavien oder den USA kommt. Zum Beispiel NOTURNALL aus Brasilien, genauer gesagt, Sao Paulo. Eigenen Angaben zufolge bekommt man von denen Heavy und Progressive Metal zu hören was so auch weitestgehend unterschrieben werden kann.
“9”, das dritte Album der Jungs, kommt unter dem Deckmantel der Progressivität mit ganz schön vielen Einflüssen daher. Moderner technischer Metal, klassischer Power Metal, Rock, gerne mit unkonventionellem Synth-Einsatz, und in den Soloparts gibt’s auch mal Ausflüge in Richtung Jazz.
Das ist an sich löblich und klingt nach Abwechslung, doch leider meinen NOTURNALL es ein wenig zu gut. Viele der Songs leiden darunter, dass man Kurzweiligkeit und den Prog-Faktor durch etliche verschiedene Ideen, Stilbrüche und Klangspielereien zu erstreiten suchte, letztendlich damit aber nur erreicht hat, dass die Songs in sich nicht ganz schlüssig und ein wenig willkürlich zusammengesetzt erscheinen. Als habe man in der Progressive-Metal-Zutatenkiste gekramt und viele coole Sachen gefunden, die dann irgendwie zusammengesetzt wurden. Ja, die jazzige E-Orgel im Mittelteil von “Hey!” ist cool, die Synths im Solo von “Change” auch interessant, die Roboterstimme am Ende des Solos von “Shadows” nett umgesetzt, genau wie das Klaviersolo auf “What Are You Waiting For”, aber in sich harmonisch ist das ganze nicht wirklich. Zudem lässt “9” die für powerlichen Progressive Metal so unumgänglichen kreativen Melodien doch eher schleifen, arbeitet mit generell recht modern klingenden aber schon häufiger gehörten Melodien und legt darauf dann Texte, die ebenfalls nicht die Klasse größerer Prog-Metal-Bands erreichen können, da sie eher “Wach‘ endlich auf und kämpfe für deine Träume”-Niveau aufweisen.
Das klingt jetzt so, als ließe sich für “9” kein gutes Wort finden. Doch tatsächlich machen NOTURNALL auch Einiges richtig, gerade auf den mittleren Tracks, bei denen man sich anscheinend etwas stärker festgelegt hat, was man da eigentlich machen will. “Moving On” macht Spaß mit seinem 6/8el-Takt-Gesang auf der 4/4tel-Strophe und dem druckvollen Chorus. “Mysterious” ist ein fast lupenreiner Power-Metal-Track, der mit dem zeitweise sehr Sammetig klingenden Sänger in fixem Tempo und mit sehr guter Laune daher-AVANTASIAt. Das anschließende “Hearts As One” ist zwar sehr radiokompatibel und klingt, als sollte es bei einem viralen Gänsehaut verursachenden Werbespot als Soundtrack eingesetzt werden, ist aber auf Guilty-Pleasure-Ebene wirklich gelungen.
Im Endeffekt hinterlässt “9” einen gemischten Eindruck; Mit einigen Songs, die durchweg Hörvergnügen bereiten und einigen, die in der einen Sekunde mit tollen Ideen glänzen, in der nächsten jedoch verwirren.
Ein wenig smarter ausgearbeitete Texte und Melodien, ein bisschen weniger erzwungene Vielseitigkeit, die auf Kosten der Schlüssigkeit des Gesamten geht, ein paar mehr Songs wie 4-6 – das sollte für die Zukunft möglich sein. Und dass NOTURNALL geile Sachen schreiben können, haben sie auf Teilen von “9” bereits unbestreitbar bewiesen.

Anspieltipps: Mit Track vier bis sieben, eigentlich bis acht, seid Ihr gut bedient!

Fazit: Von eher schwachen bis hin zu sehr starken Songs ist auf “9” alles vertreten. Während die erste Hälfte, grob gesagt, eher das Monster Frankensteins in Musikform repräsentiert (Zusammengesetzt aus viel Kram, funktioniert irgendwie), geht die Songqualität auf der zweiten Hälfte steil bergauf. Reinhören lohnt sich allemal und über einen Albumkauf könnte man angesichts des Spaßfaktors einiger Songs durchaus mal nachdenken!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Hey!
02. Change
03. Wake Up!
04. Moving On
05. Mysterious
06. Hearts As One
07. What You Waiting For
08. Shadows
09. Pain

Jannis

MINOTAURO – Apocalyptic Sense

Band: Minotauro
Album: Apocalyptic Sense
Spielzeit: 44:43 min
Stilrichtung: Progressive Power Metal
Plattenfirma: 7Hard
Veröffentlichung: 13.10.2017
Homepage: www.minotauro-band.com

Wer kennt ihn nicht, den Mythos des Minotaurus? Minos, Sohn des Zeus, bat seinen Onkel Poseidon, ihm zur Erlangung der Königswürde ein Wunder zu gewähren und gelobte, ihm zu opfern, was immer er aus dem Meer entsteigen ließe. Poseidon ließ daraufhin DIMMU BORGIR aus dem Meer entsteigen und Minos opferte sie nicht, weil er sie einfach für zu wegweisend für den orchestralen Black Metal erachtete, wurde jedoch trotzdem König von Kreta. Poseidon war deshalb sehr wütend und ließ Minos‘ Frau namens IRON MAIDEN in ein DIMMU-BORGIR-Kostüm stecken, woraufhin sie von DIMMU BORGIR geschwängert wurde. Sie gebar MINOTAURO, die Minos zurecht für dermaßen geil hielt, dass er sie, um sie für sich allein zu haben, im Labyrinth des Underground Power Metal versteckte, wo sie jedoch von einigen rastlos nach neuen Bands suchenden Metallern und von rock-garage.com gefunden wurden.
Lange Rede, kurzer Sinn: MINOTAURO haben ihr zweites Album veröffentlicht. Gemastert und gemixt von Achim Köhler (PRIMAL FEAR, AMON AMARTH, MAJESTY) und einfach mal mit einem kompletten kroatischen Orchester am Start: Die Kollegen aus Kroatien, Slowenien und Italien machen keine halben Sachen. Und Junge, hat sich der Einsatz gelohnt.
Über eine Dreiviertelstunde schallen MINOTAURO fetten, klar produzierten, apokalyptisch-orchestralen Progressive Power Metal durch ihr Labyrinth, dass einem Hören und Sehen vergeht. Klingt die Orchestrierung während des Intros noch leicht syntethisch billig, so gibt sich das spätestens beim Einsatz der Band. Orchestrale Klänge und erbarmungslos treibender Metal gehen hier Hand in Hand und funktionieren unfassbar gut zusammen. Während die Orchestrierung stark an DIMMU zu “Progenies”-Zeiten erinnert, muss sich Bruce Dickinson wohl fragen, ob er in den letzten Monaten nicht zufällig “Apocalyptic Sense” komponiert und eingesungen hat. Denn tatsächlich lässt sich der zweite Album von MINOTAURO wohl am ehesten als MAIDEN in progressiv mit massig DIMMU-Orchester beschreiben, huldigen die Melodielinien der Italiener doch intensiv den besseren Zeiten der NwoBHM-Urgesteine (von der stimmlichen Ähnlichkeit ganz zu schweigen).
Über neun Songs wird der Hörer hier mit einer Masse an tollen Arrangements, Melodien und Spiel/Sangeskünsten konfrontiert, die ihresgleichen sucht. Dazu kommt eine hervorragende Motivarbeit (Da hat irgendwer in der Band Musik studiert, hm?), eine Top-Produktion (Die Streicher bei “All Seeing Eye” sind böser als die, die einem die Wohnzimmerwände zuhause aus Spaß pink anmalen) und Kurzweiligkeit in ihrer reinsten Form.
Man muss hier gar nicht auf die einzelnen Songs eingehen. Von vorne bis hinten ist “Apocalyptic Sense” ein Volltreffer und der Himmel für jeden, der keinen Bock mehr auf lustlos in den Background gematschte Synth-Streicherwände hat.
Immer noch unschlüssig, ob sich der Kauf des Albums echt lohnt? Okay, hier ein finales Kaufargument: Es gibt eine düstere orchestral-metallische Version von “Easy Livin’” als Bonustrack. Ja, Ihr habt richtig gelesen. Von “Easy Livin’”.

Anspieltipps:
“”Braindigger”, “Apocalyptic Sense”, “Landless Soldiers”, “Fields Of Symphobia” und “Graveyard Symphony”

Fazit:
Muss das noch deutlicher? Alle Metaller, die IRON MAIDEN mögen (also alle) und die gerne mal wüssten, wie die eigentlich mit mehr Orchester und in progressiv klingen würden, sollten hier zuschlagen. Alle, die kräftig Druck machenden Power Metal mit Charakter mögen, auch. An dieser Stelle endet die Rezension, weil ich nochmal “Graveyard Symphony” hören gehen muss. Sonst würde ich noch ein paar dutzend Zeilen lang hypen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Landless Soldiers
02. Fields Of Symphobia
03. Seven
04. All Seeing Eye
05. Braindigger
06. Apocalyptic Sense
07. Son Of A Witch
08. Graveyard Symphony
09. Easy Livin‘

Jannis

 

ARIDA VORTEX – Wild Beast Show

Band: Arida Vortex
Album: Wild Beast Show
Spielzeit: 53:39 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: IceWarrior Records
Veröffentlichung: 10.06.2017
Homepage: www.facebook.com/ARIDA.VORTEX.BAND

Ein Blick auf das Coverartwork lässt vermuten: ARIDA VORTEX sind so etwas wie Deine Mutter in Bandform, die Dir damals immer gesagt hat, dass Du zu oft am Handy hängst. Doch lassen wir diese 08/15-Gesellschaftskritik mal außer acht, wir wollen uns ja schließlich nicht über gute Bands lustig machen. Von vorne: Die Band existiert bereits seit 1998, hat inzwischen sieben Alben veröffentlicht und kommt aus Moskau. Ihr Name bedeutet meinen traurigen Übersetzungsversuchen nach “Trockener Wirbel” (belehrt mich gerne eines Besseren), geht aber immerhin leicht von der Zunge. Nachdem das an dieser Stelle rezensierte Werk in Russland bereits 2016 erschienen war, entschloss man sich 2017, auch den Rest von Europa mit “Wild Beast Show” zu beehren, mit immerhin stolzen 300 veröffentlichten Exemplaren.
Entgegen der Erwartungen, die angesichts der Selbstbeschreibung der Band als “Moscow’s Melodic Power Metal Band Nr. 1” eher niedrig ausfielen (klingt halt so ein wenig nach lokaler Berühmtheit mit limitiertem Können), haben die fünf Jungs durchaus was auf dem Kasten.
Der kleinste gemeinsame Nenner der zwölf Songs des Albums ist, dass sie allesamt gut produziert sind und ordentlich rocken – korrekter Heavy Metal mit ordentlichen Power-Metal-Anleihen.
Doch tatsächlich sind die meisten davon echt nicht von schlechten Eltern. So ist schon das dudelsacklastige Intro zwar redundant, redundant und redundant, setzt sich aber irgendwie trotzdem fest und erhöht die Vorfreude auf das, was da noch kommen möge. Und tatsächlich: “Ghost Rider”, das erste richtige Lied des Albums, gibt gut Gas, demonsirtiert das Können der Band und des okay aber nicht überragend produzierten Sängers und punktet mit seiner musikalischen GRAVE-DIGGER-Attitüde. “Strangers In Space” klingt vom Namen her nach GAMMA RAY und erfüllt diese Erwartung, gerade im Refrain mit seiner liebevoll eingebrachten Dur-Kadenz. Das anschließende “Tons Of Metal” jagt auf textlicher Ebene zwar Kitschschauer über Rücken von Metallern mit Niveau, macht aber musikalisch so unendlich viel Spaß mit seinem HELLOWEEN-”Asshole”-Spirit, dass man versucht ist, es einfach auf Dauerschleife zu schalten.
Als mit über sechs Minuten Spieldauer längster Track weiß auch “Wild Beast Show” zu begeistern, dessen Vorzüge klar im Intro, Outro, Taktwechsel im Chorus und der bösen Riffarbeit liegen. “The World Is Ours” bringt im Intro leicht folkige Ansätze ins Spiel, die im Refrain sehr gut vom Sänger umgesetzt werden und leicht an DREAMTALE oder STRATOVARIUS erinnern. Das Niveau können auch “I Am The Law” und der im Refrain äußerst massive Bonustrack “Hail To Rock” ohne Probleme halten. Und auch die an dieser Stelle nicht erwähnten Tracks machen Spaß und bieten souverän gespielten und qualitativen, leicht deutsch powermetallisch angehauchten Metal, der auf Festivalcampingplätzen auf keinen Fall für Beschwerden vonseiten der Nachbarn sorgen würde. “Wild Beast Show” mag kein Klassiker werden – aber mit Sicherheit auch in zehn Jahren nicht in Vergessenheit geraten sein.

Anspieltipps:
“Tons Of Metal”, “”Strangers In Space”, “The World Is Ours” und “”Wild Beast Show”

Fazit:
Deutscher Power Metal made in Russia, mit sparsamem Keyboard-Einsatz, ein paar Klischees, beachtlicher Professionalität und großer Spielfreude. “Wild Beast Show” braucht sich hinter bekannteren Bands nicht zu verstecken und sollte eure nächste Metalparty auf jeden Fall bereichern. Und jetzt weg vom Bildschirm und raus an die frische Luft. Hört auf Mama ARIDA.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Escaping From Hell
02. Ghost Rider
03. Dance Of The Walking Dead
04. Strangers In Space
05. Tons Of Metal
06. Higher
07. Raise Your Head
08. Gambler With The Fortune
09. Wild Beast Show
10. The World Is Ours
11. I Am The Law
12. Hail To Rock (Re-Recording 2017, Bonustrack)

Jannis

 

RAGE – Execution Guaranteed

Band: Rage
Album: Execution Guaranteed
Spielzeit: 113:55 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Dr. Bones Lethal Recordings
Veröffentlichung: 30.06.2017
Homepage: www.rage-official.com

RAGE, die dritte. Aufmerksame Leser unserer neuen Reviews dürften bereits informiert sein. Für alle anderen hier nochmal die Kurzform: Die Herren aus Herne haben sich entschieden, ihre drei ersten Alben noch einmal zu veröffentlichen, jeweils mit Bonus-Disc und neuem Mastering durch die aktuelle Gitarrenfachkraft Marcos Rodriguez. Dieser beweist auch auf dem dritten Longplayer „Execution Guaranteed“, dass sich ein zeitgemäßes Mastering und gleichzeitige Beibehaltung des doch eher rohen und unpolierten Sounds des Originals nicht ausschließen und kleidet den RAGE-Klassiker in ein ihm absolut angemessenes Soundkostüm.
Zum Vergleich bietet die Bonus-CD die Originalaufnahme des Albums (und einen über 23 Minuten langen bislang unveröffentlichten Jam), die auch die Authentik-Oldschool-Sound-Anhänger zufrieden stellen dürfte.
Musikalisch hat man im Vergleich zum Vorgänger „Reign Of Fear“ den Härtegrad minimal (also wirklich minimal) zurückgefahren, legt verstärkt Wert auf Melodien. Dennoch ballert „Execution Guaranteed“ mit Schmackes aus den Boxen. Das Ganze astrein auf den Punkt gespielt mit Oberklasse-Soli und einer Menge Abwechslung. Insgesamt klingt das schon ein bisschen mehr nach den aktuellen RAGE, beinhaltet düster-atmosphärisches Material inklusive dezent unterstützendem Keyboardeinsatz („Streetwolf“), erfreulich fix holzende Uptempo-Tracks mit seltsamen Soundeffekten („Deadly Error“), hohe Speed-Metal-Vocals („Hatred“) und sogar einen Instrumental-Track („Grapes Of Wrath“).
Peavy beglückt abermals mit stimmlicher Vielseitigkeit, die Instrumentalfraktion wurde, wie erwähnt, um einige Synths erweitert, die „Execution Guaranteed“ durchaus aufwerten und Gott sei Dank an keiner Stelle für kitschige Versoftung sorgen.
Die Hitdichte des ursprünglich 1987 veröffentlichten Albums ist enorm. „Execution Guaranteed“ sollte eigentlich bei keinem Konzert ungespielt bleiben und auch die restlichen Songs werden wohl gerade bei langjährigen Fans nostalgische Erinnerungen an Nackenschmerzen in den Achtzigern hervorrufen. Jüngere Fans klassischen speedig angehauchten Heavy Metals bekommen hier das geboten, was so viele Bands der aktuellen Retro-Metal-Welle mal mehr, mal weniger erfolgreich praktizieren: guten alten echten Ruhrpott-Metal, der in keiner ernstzunehmenden Plattensammlung fehlen sollte.

Anspieltipps:
„Down By Law“, „Execution Guaranteed“, „Streetwolf“, „When You’re Dead“

Fazit:
Kurz und knapp auf den Punkt: „Execution Guaranteed“ ist das bis dato musikalisch ausgefeilteste Werk der Kollegen um Peavy Wagner. Musikalisch vielseitig, ohne nennenswerte Lückenfüller und dann jetzt auch noch hervorragend remastered. Ohne Frage ein exzellenter Zeitvertreib bis zum nächsten RAGE-Album, das, wie man es von der Truppe gewohnt ist, vermutlich in nicht allzu ferner Zukunft erscheinen dürfte.

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

Disc 1:
01. Down By Law
02. Execution Guaranteed
03. Before The Storm (The Secret Affair)
04. Streetwolf
05. Deadly Energy
06. Hatred
07. Grapes Of Wrath
08. Mental Decay
09. When You’re Dead

Disc 2:
Beinhaltet die Originalaufnahme des Albums sowie den Bonustrack „The Execution Jam“

 

Jannis

 

NECRYTIS – COUNTERSIGhNS

Band: Necrytis
Album: COUNTERSIGhNS
Spielzeit: 46:19 min
Stilrichtung: US Power Metal
Plattenfirma: Pure Steel Publishing
Veröffentlichung: 22.09.2017
Homepage: www.facebook.com/Necrytis

NECRYTIS – ein neuer Name im amerikanischen Heavy/Power Metal. Die Herren um Tony Knapp (ehemals ONWARD, falls das jemandem was sagt) haben Ende September ihr Debut auf die Welt losgelassen, ausgestattet mit einem sehr guten modern anmutenden Artwork. Für das Mastering hat man sich mit Jens Borgren direkt mal einen Vollprofi organisiert, der unter anderem auch für das Mastering von Bands wie HAKEN und DRAGONFORCE verantwortlich war. Für seine Verhältnisse fällt der Sound extrem roh und leider auch etwas halbgar aus, ist jedoch erträglich, wenn er auch nicht wirklich das Potenzial der heutigen Technik ausreizt.
Musikalisch bewegen sich NECRYTIS auf einem angemessenen Standard, liefern jedoch wenig Melodien, die einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen würden. Am ehesten schafft dies wohl noch die Ballade “Dawn’s Aurora”, die mit Unterstützung des NEPHILIM BAROQUE ENSEMBLEs aufgenommen wurde. Sänger Toby Knapp erweist sich dabei als fähiger Fronter, der nicht zuletzt dank der guten Vocal-Produktion ein wenig nach Ozzy klingt.
“Palace Of Agony” punktet mit schöner Riffarbeit und flottem Doppelbass, bevor mit “Nova Meridian” eine etwas gemäßigtere Nummer mit interessant gestalteter Strophe folgt, deren Refrain hervorragend von Lemmy hätte gesungen werden können. Auch “Sentry’s Scream” weiß, gerade aufgrund seines Tempowechsels im Mittelteil und des coolen dissonanten Soloparts, zu überzeugen. Während der Titeltrack “Countersighns” für seine Position eher unspektakulär ausfällt, sorgen “In Ascent” mit seinen sägenden Gitarren und der schönen Melodieführung sowie “My Asylum”, dessen Refrain tüchtig Gas gibt und der Qualität der ansprechend gestalteten Strophen in nichts nachsteht, für gute Laune.
“Praetorian X” und “God As Electric” hingegen – Alter, was ist da denn los? Während die Intros beider Songs (Atmosphärisches Krähengekrächze bei ersterem und ein GHOSTiger Part inklusive Orgel und an Papa E. erinnernden Vocals bei letzterem) durchaus als gelungen bezeichnet werden können, sorgt der Gesang, zumindest beim Rezensenten, für Verwirrung. Er scheint hier in keinster Weise zum Rest der Songs zu passen, ist bei “Praetorian X” dauerhaft schätzungsweise einen Viertelton zu hoch und bei “God As Electric” kaum mit der Instrumentalfraktion im Einklang. Sollte dies tatsächlich beabsichtigt sein, so verfehlt es seine Wirkung komplett und funktioniert diese Songs, die an sich durchaus Potenzial hätten, zu schwer hörbaren Ohrschmerzerzeugern um. Das ist schade, denn viele der restlichen Tracks machen durchaus Spaß und lassen hoffen, dass dieses Manko der Produktion anzurechnen ist und sich auf zukünftigen Veröffentlichungen nicht wiederholt. Insgesamt liefern NECRYTIS auf ihrem ersten Album sehr solide US-Metal-Kost, die leider durch das deutlich unter dem Niveau anderer Jens-Bogren-Produktionen liegende Mastering und die Vocals des eigentlich talentierten Sängers auf einigen Tracks enttäuscht.

Anspieltipps:
“My Asylum”, “Dawn’s Aurora”, “Nova Meridian” und “Sentry’s Scream” – und zum Vergleich “God As Electric”

Fazit:
NECRYTIS sind eine der Bands, bei deren Debut man vorschlagen sollte, sie weiterhin im Auge zu behalten. So ganz ausgereift ist “COUNTERSIGhNS” nicht, beinhaltet viele nette Parts, lässt allerdings in Hinsicht auf Produktion und Vocals (bei einigen Songs) doch noch sehr zu wünschen übrig. Aber was nicht ist, kann ja noch werden (“God As Electric” verzeihe ich ihnen trotzdem nicht).

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Praetorian X
02. Palace Of Agony
03. Nova Meridian
04. Sentry’s Scream
05. God As Electric
06. My Asylum
07. Dawn’s Aurora
08. Daemon Angelus
09. In Ascent
10. Countersighns

Jannis

 

RAGE – Reign Of Fear

Band: Rage
Album: Reign Of Fear
Spielzeit: 106:12 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Dr. Bones Lethal Recordings
Veröffentlichung: 30.06.2017
Homepage: www.rage-official.com

Nachdem der RAGE-interessierte Metaller hier vor einigen Tagen bereits die Rezension zum Re-Release von „Prayers Of Steel“ lesen durfte (damals noch unter dem Bandnamen AVENGER veröffentlicht), folgt nun Album Nr. 2 der Herner. Ebenfalls remastered von Marco Rodriguez, dem aktuellen Gitarristen von RAGE und ebenfalls als Doppel-CD mit massig Bonusmaterial in Form von Pre-Production-Liveaufnahmen und einigen Demosongs.
Der Sound überzeugt, wie schon bei „Prayers Of Steel“, auf voller Länge und schafft ein weiteres Mal den Spagat zwischen authentischem Gerumpel und Geschrammel und druckvoller Klarheit. Das klingt dann natürlich nicht hundertprozentig zeitgemäß, passt aber zu den 1985er RAGE exorbitant gut.
Während so weit alles von der AVENGER-Veröffentlichung recht vertraut anmutet, kann man das von den Songs nur begrenzt behaupten. Dass RAGE zu Anfang ihrer Karriere noch auf musikalischem Selbstfindungskurs waren, wird ab Track 1 deutlich. War das Debutalbum über weite Teile melodischer und leicht klischeehafter Glory-and-Satan-Heavy-Metal, wagt man sich bei „Reign Of Fear“ über die Genregrenzen ein Stück weit hinaus. Vom Midtempo-Banger („Raw Energy“) über gnadenlosen Vollspeed („Echoes Of Evil“) bis hin zum bösen Titeltrack wird dem Hörer eine breite Palette an Facetten geboten. Auch Elemente aus dem Thrash oder frühen Black Metal finden hier Einzug (Keiner kann sagen, dass „Reign Of Fear“ nicht von VENOM und MERCYFUL FATE beeinflusst sei) und werden gekonnt mit dem klassischen Heavy Metal des Vorgängeralbums kombiniert, der natürlich nach wie vor die Grundlage des Longplayers ausmacht. Zur Härte des Albums trägt gerade Peavy seinen Teil bei. Der hat es sich vor Beginn der Aufnahmen scheinbar zur Aufgabe gemacht, aus seiner Stimme das Allerletzte herauszuholen und hat seitdem selten eine solche stimmliche Vielfalt an den Tag gelegt. Roh, aber jederzeit auf den Punkt und Ton getroffen KING-DIAMONDet sich Herr Wagner durch „Reign Of Fear“ und wertet das musikalisch ohnehin schon von Grund auf gelungene Album nochmal ein gutes Stück auf.
Die Bonusdisk dient auch an dieser Stelle wieder als kleines Schmankerl, das wohl vor allem den Fans Freude bereitet, die „Reign Of Fear“ sowieso bereits im Regal haben. High-End-Sound ist das eher nicht, dafür aber ein schönes Relikt aus der Zeit, als RAGE noch keine der größten deutschen Metalbands waren. Und die zwei bislang unveröffentlichten Tracks will man auch nicht von der CD-Player-Kante stoßen.

Anspieltipps:
„Reign Of Fear“, „Raw Energy“, „The Scaffold“ und „Deceiver“

Fazit:
„Reign Of Fear“ ist generell eines der Alben, die man anmacht, nachdem man (das ebenfalls großartige) „Ghosts“ durchgehört hat und sich zur Abwechslung wieder mal ein wenig auf die Fresse wünscht. Abgesehen davon ist es auch eins der Alben von RAGE, die man aufgrund ihrer musikalischen Qualität und Vielseitigkeit ohne Einschränkung empfehlen kann – gerade den Fans der Band, die bislang keinen klareren Einblick in die frühe Schaffensphase der Jungs hatten.

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

Disc 1:
01. Scared To Death
02. Deceiver
03. Reign Of Fear
04. Hand Of Glory
05. Raw Energy
06. Echoes Of Evil
07. Chaste Flesh
08. Suicide
09. Machinery
10. The Scaffold

Disc 2:
01. Echoes Of Evil
02. Scared To Death
03. Raw Energy
04. Suicide
05. Tough Like Leather
06. Hand Of Glory
07. Reign Of Fear
08. Chaste Flesh
09. Stay Wild
10. Mirror
11. The Scaffold
12. Down To The Bone
13. Depraved To Black

Jannis

 

AVENGER – Prayers Of Steel

Band: Avenger
Album: Prayers Of Steel
Spielzeit: 122:25 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Dr. Bones Lethal Recordings
Veröffentlichung: 30.06.2017
Homepage: www.rage-official.com

Die Nachbarn beschweren sich über komische Geräusche. Es rumpelt aus meinem Wohnzimmer. Das muss so, das sind AVENGER, später RAGE, deren Debutalbum in neuer Abmischung zu Rezensionszwecken aus den Boxen holzt. Über 30 Jahre nach seiner Veröffentlichung entschied man sich, es sei Zeit, das Ding noch einmal auf den Markt zu werfen. Wie sich das gehört, mit reichlich Bonusmaterial: Neben dem Originalalbum gibt es die im Anschluss an „Prayers Of Steel“ veröffentlichte EP direkt noch dazu. Und als sei das nicht genug (was es nicht ist), liefert man direkt noch eine über einstündige Bonus-CD mit einem Haufen Demotracks sowie zwei bislang unveröffentlichten Songs.
In Ermangelung schlechter Nachrichten hier einfach die guten in ungeordneter Abfolge: Die neue Abmischung ist des Originals absolut angemessen, hier wurde nichts glattgelutscht oder enthärtet. Marcos Rodriguez, der aktuelle Gitarrist von RAGE, hat den optimalen Mittelweg zwischen leichter Modernisierung des Sounds und der rohen Originalproduktion gefunden. Das Ergebnis klingt authentisch, bietet aber genug Druck, Klarheit und allgemein klangliche Aufwertung, um einen Kauf der Scheibe zu rechtfertigen, auch wenn man bereits im Besitz des Originals sein sollte. Vom Klang der Bonusdisc darf man natürlich nicht so viel erwarten, aber diese dient eben auch primär als nostalgische Gefühle weckendes Zeitzeugnis.
Zur Musik an sich: Wer mit den Frühwerken von RAGE/AVENGER noch nicht vertraut sein sollte, der dürfte von „Prayers Of Steel“ einigermaßen überrascht werden. Das Debut der Herner Jungs ist achtziger Heavy Metal, wie er im Buche steht, weit klischeehafter, als man es von den neueren RAGE kennt und versehen mit sympathisch stupiden Anfängertexten über Steel und Satan (So true und so böse, wow).
Während die Lyrics dementsprechend eher auf 08/15-Niveau anzusiedeln sind, offenbart sich bereits beim Debut von RAGE songschreiberisches Talent. Über die komplette Spieldauer der Platte kommt nahezu nie Langeweile auf, und obgleich man sich ziemlich deutlich an den Regeln der Kunst orientiert, bleibt genug Platz für coole Melodielinien, eingängige Refrains und gelungene Arrangements der Instrumentalfraktion. Peavys Stimme erweist sich als etwas weniger ausgeprägt und wandelt tendenziell in höheren Sphären als heutzutage. Die Töne trifft er auch im zarten Alter von 21 Jahren bereits hervorragend und weiß seine Stimme vortefflich einzusetzen.
Wer RAGE akut aufgrund ihres heutigen Stils mag, der dürfte für „Prayers Of Steel“ ein wenig Eingewöhnungszeit benötigen. Doch an sich ist der Re-Release des Albums nicht nur nötig, um dem jüngeren Teil der RAGE-Fangemeinde einen Einblick in die Anfangszeit der Band zu bieten, sondern auch, weil „Prayers Of Steel“ ein absolut wertvolles 80es-Metal-Album ist, das viel zu viel Aufmerksamkeit verdient, als dass man es in der musikalischen Mottenkiste verstauben lassen sollte.

Anspieltipps:
„Prayers Of Steel“, „Sword Made Of Steel“, „Blood Lust“ und „Faster Than Hell“

Fazit:
Jedem RAGE-Fan sei dieses liebevoll entstaubte Relikt wärmstens ans Herz gelegt, ob er das Original bereits kennt oder nicht. Das Gesamtpaket stimmt, der Sound stimmt ebenso und auch musikalisch lässt sich an „Prayers Of Steel“ nichts aussetzen. Kaufen, Kutte an, Bier auf, kurz Satan huldigen und ab in die Anlage mit dem Teil!

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

Disc 1:
01. Battlefield
02. South Cross Union
03. Prayers Of Steel
04. Halloween
05. Faster Than Hell
06. Adoration
07. Rise Of The Creature
08. Sword Made Of Steel
09. Blood Lust
10. Assorted By Satan
11. Depraved To Back
12. Down To The Bone
13. Prayers Of Steel (Live)
14.Faster Than Hell (Live)

Disc 2 (Demos etc.):
01. Fater Than Hell
02. Adoration
03. Destination Day
04. Assorted By Satan
05. Battlefield
06. South Cross Union
07. Adoration
08. Blood Lust
09. Halloween
10. Rise Of The Creature
11. Prayers Of Steel
12. Sword Made Of Steel
13. Seven Gates Of Hell
14. Faster Than Hell
15. Victim Of Rock
16. Assorted By Satan

Jannis