STARQUAKE – Brawls & Witches

Trackliste:

01. Beautiful Dystopia
02. God Is An Atheist
03. Still Loving You, Baby
04. Memento Mori
05. Can’t Sing The Blues

 

 

 

 

Spielzeit: 40:07 min – Genre: Progressive Rock – Label: Eigenveröffentlichung – VÖ: 10.04.2026 – Page: www.facebook.com/starquakerock

 

STARQUAKE – eines dieser beeindruckenden Projekte, wo irgendein heftiger Musiknerd (im besten Sinne) in seinem Studio mehr oder weniger im Alleingang ein komplettes Prog/Classic-Rock-Album zusammenschraubt, und das auch noch in gut.
STARQUAKE, das ist Mikey Wenzel, und „Brawls & Witches“ ist sein viertes richtiges Studioalbum. Aufgrund des Umfangs von gerade einmal fünf Songs darauf kann man das im ersten Moment für eine EP halten, aber wir sind hier immer noch in progressiven Gefilden unterwegs, also ist das Ding trotzdem 40 Minuten lang – Wobei der Opener beinahe die Hälfte davon in Anspruch nimmt.
Auf diesem Album gibt es all das zu hören, was man sich von einem nostalgischen (Prog)Rock-Album erwartet. Zuerst einmal gibt es die schöne Stimme von Mikey, die so eine beruhigende Grundstimmung innehat und zumeist auch schön produziert ist; immer wieder auch mehrstimmig.
Dann gibt es da – Überraschung – Bass, Drums und Gitarre, die allesamt gekonnt bedient werden. Beim Instrumental „Memento Mori“ dann auch mal in jazzigerer Spielweise, besonders die Drums, und überzeugend in ruhigen wie in härteren Passagen. Dann kommen je nach Bedarf noch die sexy E-Orgel als Klangteppich oder Soloinstrument dazu, Klavier, oder auch mal ein wenig Orchester mit Kirchenorgel.
Und das alles ergibt dann coole Songs mit hohem Melodiefaktor, dem ein oder anderen feierlichen Part, ein wenig Poppigkeit und eher geringer Grundhärte.
Das war dann jetzt alles mehr oder weniger über die letzten vier Tracks, die angenehm zu hören und schön retro sind und nicht groß unterschiedliche Meinungen hervorrufen werden.
Und dann ist da noch die erste Hälfte des Albums, „Beautiful Dystopia“, an der sich die Geister ein wenig scheiden dürften. Das Ding ist 19 Minuten lang und es hat, grob zusammengefasst, alles. Zuerst einmal hat es einen sehr leisen Start, also tut Euren Boxen/Ohren/Nachbarn den Gefallen und wartet erstmal ab, wie laut es bei Einsatz der „Band“ wird. Weiterhin hat es Klavier, ZWEI Orgeln, Orchester, HARDSTYLE-Elemente, Growls, einen Barbershop-Part, mehrere Breaks mit komplettem Stimmungswechsel, Soldatengleichschritt-Geräusche mit Trommeln und, und, und.
Kann man drüber streiten. Es mag schon progressive sein, den Hörern etwas zu bieten, womit sie nicht rechnen und Abwechslungsreichtum ist oft eine gute Sache bei Musik. Bei „Beautiful Dystopia“ vermisse ich allerdings den roten Faden und eine musikalische Rechtfertigung für diese krassen Brüche, die Songteile miteinander verbinden, die gefühlt nichts miteinander zu tun haben. Der Track wirkt, als wollte man den Hörer sechsmal durch absurde Brüche entertainen, die aber eben nur deswegen auf diese Weise entertainen, weil sie musikalisch keinen Sinn ergeben.
Die Anspruchshaltung mag hier für jeden Fan von langen Prog-Songs eine andere sein, aber mich hat die Struktur des Songs davon abgehalten, wirklich in ihn einzutauchen, obwohl ich die Absurdität und Vielseitigkeit an sich schon wertschätzen kann.

Fazit:
Mit mindestens der Hälfte von „Brawls & Witches“ macht man als Freund von Classic/Prog-Rock (mit Fokus eher auf Classic) gar nichts falsch. „Beautiful Dystopia“ ist im mindesten mal was anderes und ich sehe gute Gründe sowohl dafür als auch dagegen, den Song zu mögen. Kann auf jeden Fall nicht schaden, mal auszutesten, zu welcher Fraktion Ihr gehört!

Anspieltipps:
„God Is An Atheist“, „Can’t Sing The Blues“ und dann halt irgendwie auch „Beautiful Dystopia“

Jannis

POWER PALADIN – Beyond The Reach Of Enchantment

Trackliste:

01. Sword Vigor
02. Glade Lords Of Athel Loren
03. The Royal Road
04. The Arcane Tower
05. Aegis Of Eternity
06. Camelot Rock City
07. Keeper Of The Crimson Dungeon
08. Valediction

 

 

Spielzeit: 48:25 min – Genre: Power Metal – Label: ROAR – VÖ: 27.03.2026 – Page: www.facebook.com/powerpaladinice

 

Power Meddl Leude. Es gibt immer so Bands, die klingen auf ihrem zweiten Album wie andere auf ihrem fünften nicht, und eine dieser Bands ist POWER PALADIN. Die Isländer liefern nach ihrem Debüt „With The Magic Of Windfyre Steel“ nun dessen Nachfolger „Beyond The Reach Of Enchantment“, mit dem klassischen Format mit kaum Songs unter vier und einem von fast zehn Minuten Länge am Ende. Süßes handgemachtes Artwork, und so muss das auch, schließlich huldigen die Isländer auf der Platte dem klassischen Power Metal der Marke HELLOWEEN, und da soll ja alles schon einigermaßen ungelutscht wirken.
Tut es auch ansonsten. Die Produktion ist fett, klar und nicht drüber und es gibt sogar einen Keyboarder, der einfach nur für Keyboards zuständig ist. Schön, oder?
Auch handwerklich gibt es an „BTROE“ nichts zu mäkeln. Insbesondere die Gitarrenarbeit ist sehr stark, mit gutem Gespür für stabile Hintergrund-Riffs. Sänger Atli macht ebenfalls einen Top-Job, enttäuscht auch bei (wirklich ganz seltenen) Growls nicht und kommt beeindruckend hoch. An der Stelle auch nochmal ein Haken hinter den Punkt „Gute Backing Vocals“. Manko: An einigen Stellen, insbesondere beim Opener und bei „The Royal Road“ kann mir niemand erzählen, dass die Stimme nicht hörbar nachpoliert wurde. Wir wollen ehrlich zu uns sein, ein bisschen Autotune ist beim Großteil aller aktuellen Bands mit melodischen Vocals am Start, aber es sollte eben nicht erkennbar sein, und das ist es bei dem Album leider an (wenigen) Stellen.
Musikalisch ist „Beyond The Reach Of Enchantment“ wie erwähnt klassischer Power Metal. Sachen wie Cembalo, Synthesizer und Orchester sind nur sporadisch eingesetzt. Wenn sie nicht gebraucht werden, sind sie halt nicht da. Das ist förderlich für den Stil von POWER PALADIN, der doch immer wieder an Heavy Metal kratzt und immer wieder mal das gewisse Mehr an Härte mitbringt. Dementsprechend gibt es auch keine Ballade, nur den ein oder anderen ruhigen Mittelteil oder Songbeginn. Uptempo oder zumindest treibendes Midtempo ist POWER PALADINs Way to go. Und den können sie auch.
Melodietechnisch ist die Kiste power-metallisch oft gut gelaunt, aber nicht so offensiv, wie man es von anderen Vertretern des Genres kennt. Ein wenig dramatisch, feierlich oder „böser“ darf es aber auch immer wieder mal werden. Manchmal landet man dabei kleine Hits, manchmal bleibt es bei guter Power-Metal-Komposition, aber darunter macht es die Truppe nie.
Ach ja, und das Ende vom Chorus von „Glade Lords Of Athel Loren“ klingt in etwas wie das von „My Heart Will Go On“.

Fazit:
„Beyond The Reach Of Enchantment“ ist klassischer Power Metal nach allen Regeln der Kunst. Falsch machen POWER PALADIN damit praktisch gar nichts und auch in den schwächeren Songs ist das Ding im mindesten immer noch echt gut gemacht!

Anspieltipps:
„The Royal Road“, „Camelot Rock City“ und „The Arcane Tower“

Jannis

IRON SAVIOR – Awesome Anthems Of The Galaxy

Trackliste:

01. Fame
02. All I Need Is A Miracle
03. When The Rain Begins To Fall
04. Maniac
05. Take On Me
06. Relax
07. What A Feeling
08. Against All Odds
09. Separate Ways
10. Suburbia
11. Here Comes The Rain Again
12. She’s Like The Wind
13. (I Just) Died In Your Arms Tonight
14. Forever Young
15. Since You Been Gone
16. Call Me
17. Catch Me I’m Falling

Spielzeit: 70:30 min – Genre: Power Metal – Label: PERCEPTION – VÖ: 27.03.2026 – Page: www.facebook.com/ironsavior1996

 

Bislang sind doch eine Menge Sachen passiert, die wir alle nicht auf unserer 2026-Bingokarte stehen hatten. „IRON SAVIOR veröffentlichen ein 80er-Hits-Coveralbum“ war eine davon. Aber genau das passiert nun auch und ist auf jeden Fall eine gute Sache, die passiert.
Haken wir zunächst mal die eigentlich selbstverständlichen Sachen ab: Die Hamburger Band um Sänger Piet Sielck agiert auf „Awesome Anthems Of The Galaxy“ nach wie vor auf überaus stabilem Niveau und Piet macht einen gewohnt hervorragenden Job am Mic als einer der besten Power-Metal-Sänger Deutschlands. Ich sag es wie es ist..
Die Produktion ist so, wie man sie von SAVIOR kennt. Voll, knallend, gut. An zwei drei Stellen wird es mal ein klein wenig überladen und dadurch dann etwas matschig, aber auf so hohem Niveau will ich nicht mit meckern anfangen.
Die Songauswahl ist quasi das DJ-Set auf einer richtig abgehenden 80es-Party. Ausschließlich 80er Hits (Jah okay, „Since You Been Gone“ ist von 1979), die ganz dicken Gassenhauer wie „(I Just) Died In Your Arms Tonight“, „Forever Young“ und „Take On Me“. Generationenkompatibel genug, dass auch ein in den 90ern geborener Rezensent eine gute Menge „Ja geil“-Momente hat.
Und die Umsetzung? Klanglich ist das alles 100% IRON SAVIOR, oft angereichert mit ein paar netten Synths (AORON SAVIOR lol) und dem ein oder anderen Tamburin, aber immer mit einer gewissen Grundhärte. Eine richtige Ballade fehlt und hätte bei 17 (!) Tracks eigentlich mal sein dürfen, aber was nicht ist, ist eben nicht. Kleine Details wie Backing Vocals oder Toms, die ein wenig mehr auf 80er Pop produziert sind, als man das von IRON SAVIOR gewohnt ist, tun „Awesome Anthems Of The Galaxy“ ebenfalls gut, die Kompaktheit der Songs (nur ein Song über fünf Minuten) ebenso. Und man kann es nicht anders sagen, das funktioniert in sich. Keiner der Songs wirkt gezwungen, als wäre er mehr schlecht als recht in ein Metal-Gewand gedrängt worden.
Die letztendliche Frage „Braucht es so ein Album?“ wird jeder Fan anders beantworten. Wer mit den Songs noch mehr Connection hat als „diese jungen Leute“ wie ich, der wird die Platte noch einmal anders fühlen. Ich persönlich brauche nicht häufig 70 Minuten 80er Songs in IRON-SAVIOR-Version am Stück, aber sehe kommen, dass ein überdurchschnittlich hoher Anteil der Tracks auf der Festival-Campingplatz-Playlist und den nächsten Party-Playlists landen wird.

Fazit:
Denn „Awesome Anthems Of The Galaxy“ ist einfach eine stark ausgewählte und umgesetzte Sammlung von „Ach krass, das ist ja der Song, wie cool!“-Songs, bei denen ich mir nicht vorstellen kann, dass sie auf negative Resonanz stoßen könnten.

Anspieltipps:
Je nach persönlichem Geschmack, ich werfe mal „What A Feeling“, „Take On Me“ und „Call Me“ in den Raum.

Jannis

DAN LUCAS – Age Is Just A Number

Trackliste:

01. An Angel
02. Age Is Just A Number
03. Losing Myself
04. I Never Wanna Say Goodbye
05. JP’s Bar
06. The World Is Broken
07. For A Smoke
08. Lost In The Shadows
09. What About Tomorrow
10. True Love
11. Life Is Kind Of Rock’n Roll

Spielzeit: 40:28 min – Genre: Classic Rock – Label: PRIDE & JOY MUSIC – VÖ: 27.03.2026 – Page: www.danlucas.de

 

Es gibt so Leute, die findet man überall da, wo Musik gemacht wird. DAN LUCAS ist so jemand. Gewinner von „The Voice Of Germany – Senior“, Banderfahrung seit 1988, Soloalben, Soundtrack für einen Mäcces-Werbespot, und inzwischen ist er noch als Musical-Darsteller unterwegs. Das ist eine ganze Menge, und seit 2021 ist Dan dazu bei PRIDE & JOY MUSIC und veröffentlicht dort nun sein neues Album „Age Is Just A Number“. Das ist in Zeiten der Veröffentlichung der Epstein-Akten der schlimmste Titel, den man sich vorstellen kann, geht bei DAN LUCAS aber natürlich in die Richtung von „Man ist nur so alt, wie man sich fühlt“. Etwas ungeschickt trotzdem.
Elf Songs gibt es auf „AIJAN“, keiner über 4:30 Minuten. Das reicht auch vollkommen, Dans Songs sagen in ihrer Kürze alles, was sie müssen. Längen hat die Platte schonmal nicht.
Musikalisch ist das Ding irgendwas zwischen Classic Rock und AOR. Sehr melodisch, mit dem ein oder anderen Klavier, ein paar Synths und dazu Dans leicht rauchig-belegte Stimme, die sehr gut zur Musik passt und in die Dan ohne Frage beim Singen eine Menge Herz legt.
Herz findet sich auch in vielen der Melodien. Okay, die Strophe von „The World Is Broken“ erinnert an zehn andere bekannte Songs und der Chorus ist AVANTASIAs „Shelter From The Rain“, aber gerade in den Refrains auf „AIJAN“ steckt doch fast immer eine gewisse Größe und Emotion und ein Gespür für gute Melodien im Genre.
Ich meine, seien wir ehrlich und nehmen zum Beispiel „Losing Myself“: Das ist einfach ein schöner Song, der sich richtig anfühlt und als ganz angenehmer Ohrwurm funktioniert, und von solchen Songs gibt es doch einige auf der Platte.
Andere, wie „Life Is Kind Of Rock’n Roll“ oder „What About Tomorrow“ sind eher netter Durchschnitt, aber dennoch, ich fühle die Liebe.
Die ist in der Produktion und in den Arrangements leider weniger spürbar. „Age Is Just A Number“ ist okay aber sehr routiniert produziert und wirkt, beispielsweise in den Drums, recht seelenlos-digital. Und die einzelnen Instrumente vermitteln doch oft den Anschein, als seien sie von Leuten eingespielt worden, die offenkundige Profis sind, aber auch nur das nötigste an Kreativität in die Sache investiert haben. In dem Aspekt fehlt dem Album leider Leben, was die Vocals von Dan aber erfreulicherweise ein Stück weit wieder wettmachen.

Fazit:
Ein paar mehr schlaflose Nächte beim Komponieren im Proberaum und Aufnehmen im Studio hätten „Age Is Just A Number“ gut getan. Das ändert aber nichts daran, dass das Ding ein schön gesungenes Stück Classic Rock/AOR von einem Underground-Urgestein ist, der seiner Sache immer noch mit Begeisterung und Talent folgt.

Anspieltipps:
„Losing Myself“, „JP’s Bar“ und „Lost In The Shadows“

Jannis

TRIUMPHER – „Piercing The Heart Of The World“

Trackliste:

01. Black Blood
02. Destroyer
03. The Mountain Throne
04. Ithaca (Return Of The Eternal King)
05. Vaults Of Immortals
06. The Flaming Sword
07. Erinyes
08. Naus Apidalia

 

 

Spielzeit: 44:44 min – Genre: Epic Metal – Label: No Remorse Records – VÖ: 06.03.2026 – Page: www.facebook.com/Triumpher.official

 

Manchmal kommt es einem so vor, als müsste man als Epic-Metal-Band in der heutigen Zeit eine möglichst holzige drucklose Produktion vorweisen, einen dünnen Gesamtsound und einen Sänger, der 20% der Zeit leicht neben dem Ton liegt, von dem Nicht-Kenner sagen würden, dass er den hätte treffen müssen. Schwer zugänglich, ansonsten untrue.
Aber es gibt auch Bands wie TRIUMPHER. Griechen, 2020 gegründet von Mars Triumph (heißt nicht wirklich so, bin etwas enttäuscht) und dann seit 2023 direkt mal zwei Alben rausgebracht – drei, wenn man „Piercing The Heart Of The World“ hinzurechnet.
Und was soll ich sagen, so geht es doch auch. „Piercing The Heart Of The World“ klingt sehr gut. Nicht modern überproduziert sondern einfach organisch gut. Und die Musik an sich tut der Qualität keinen Abbruch. Der Opener „Black Blood“ rollt erbarmungslos rein, mit stabiler Härte und Uptempo, aber auch mit Orchester, Chor, und einer fetten Glocke. Und wow, auch Orchester und Chor klingen sehr gut gemacht für eine Band und ein Album dieser Größe. Im Vergleich zu sonstigem Epic Metal ist „Black Blood“ ziemlich „eingängig“, lässt sich seinen Blastbeat-Part und hohe Screams aber nicht nehmen. Heftiger Einstieg.
Und heftig geht es mit „Destroyer“ und „The Mountain Throne“ weiter, denn hier wird erst klar, dass TRIUMPHER auch in oldschooligen Symphonic-Black-, Speed- und Thrash-Metal-Wassern fischen. Das ginge nicht mit jedem Sänger, aber Mars hat eine Stimme, um die sich 90% der Bands da draußen prügeln würden. Screams und Growls gehen ebenso wie kreischiger Klargesang, Epic-Metal-Vocals mit schönem Vibrato und beruhigender Bariton, und alles sitzt wie Arsch auf Eimer. Der Gesangsstil auf „Piercing The Heart Of The World“ ist theatralisch wie sonst was, und ein klares Highlight auf der Platte.
Neben alldem gehen auf TRIUMPHERs Drittwerk aber auch ruhigere Töne – „Ithaca (Return Of The Eternal King)“ braucht über drei Minuten, bis die Band überhaupt das Studio betritt und „Vaults Of Immortals“ wird als kleiner dramatisch-zurückgefahrener Zweiminüter noch hinterhergeschoben.
„The Flaming Sword“ ist ein musikalisch kreativerer MANOWAR-Song, bei „Erinyes“ wird es nochmal thrash/speed-metalliger, und „ Naus Apidalia“ ist ein korrekter Neun-Minüter, den man aber um drei Minuten hätte kürzen können.

Fazit:
„Piercing The Heart Of The World“ ist stark gemacht und auch für Nicht-Genre-Puristen durchweg sehr unterhaltsam. Kleine Einflüsse verschiedener Untergenres liefern ein angenehmes Maß an Unvorhersehbarkeit, ohne dass das Album deswegen in sich nicht organisch wirken würde. Klare Reinhörempfehlung!

Anspieltipps:
„Black Blood“, „The Mountain Throne“ und „Erinyes“

Jannis

NMB – „L.I.F.T.“

Trackliste:

01. Beginning
02. Fully Alive
03. I Still Belong
04. Gravity’s Grip
05. Hurt People
06. The Great Withdrawal
07. Contemplation
08. Shame About My Shame
09. Reaching
10. Carry You Again
11. Shattered Barricade
12. Fully Alive Pt. 2
13. Love All Along

Spielzeit: 70:32 min – Genre: Progressive Rock – Label: InsideOutMusic – VÖ: 27.02.2026 – Page: www.facebook.com/TheNealMorseBandOfficial

 

Wer in den letzten dreißig Jahren mal eine Vorliebe für Progressive Rock entwickelt hat, kam an dem Namen Neal Morse wohl nicht vorbei. Mit SPOCK’S BEARD und TRANSATLANTIC hat er moderne Klassiker geschaffen („The Whirlwind“ ist ein Album für die Geschichtsbücher), war mit mehreren Neben-Projekten beschäftigt und liefert dazu noch beständig mit THE NEAL MORSE BAND – oder, wie man inzwischen offiziell heißt, NMB.
Fünf Jahre nach dem letzten Album kehrt Neal mit dem massiven 70-Minüter „L.I.F.T.“ zurück, dessen Interpretation man dem Hörer überlässt. Kreative Vorschläge bitte in die Kommentare.
Mike Portnoy ist dabei, dazu weitere Vertraute von Neal, die einen bombastischen Job machen, was keine Überraschung ist, denn sonst wären sie kein Teil von NMB.
Was ebenso großartig ist, ist der Sound, der klar und sehr dynamisch ist und all dem, was auf „Living In Fentanyl Times“ so abgeht, Raum gibt.
Wenn man tiefstapeln möchte, beschreibt man „Luisa ist Freds Traumfrau“ als klassisches Werk, wie man es von den A-Listern im Neo Prog Rock so kennt. Aber das beschreibt die Realität nicht zur Genüge. Gehen wir rein.
Erster Track – „Beginning“: Ganz ruhiger Start, paar kleine Streicher, Vocals, Klavier, alles sehr schön. Und daaaaaaaaaann: BAAAAAAAAM, majestätisch feierlicher Shit, Hörner, Gänsehaut. Stimmungswechsel, Bass hat Spaß, sehr edles Synth kommt mit dazu. Alles mit viel Dur und Positivität. Motive werden etabliert, von denen wir bereits ahnen, dass wir sie wiederhören werden, alles eskaliert, Orgel, Chor, Orchester, Tamburin, verschiedene Tempi, wuhu.
Und das war nur der Einstieg. Und auch danach macht „Liebling, ich fahre tanken“ alles, was das Herz begehrt. Fließende Übergänge zwischen den Songs schweißen das Ding zu einem Gesamtwerk zusammen, dessen Komposition und Übergänge hervorragend sind. Und alleine schon auf musikalischer Ebene ist „Land-Instandsetzung für Tierhaltung“ eine emotionale Reise, mit vielen positiven Vibes zu Beginn, den ersten Anzeichen von Schwermut bei „I Still Belong“, „Hurt People“ als düsterem Wendepunkt, Hoffnungslosigkeit mit kleinen Funken Optimismus bei „The Great Withdrawal“, Introspektion und Emotion beim ESC-Bewerbungstrack (nicht wirklich) „Shame About My Shame“ und Rückkehr zu Größe, Feierlichkeit, Positivität bei den nachfolgenden Tracks.
Ich weiß nicht, ob es rübergekommen ist, aber

Fazit:
„Lurchis interaktiver Familien-Tagesplaner“ ist eines dieser Prog-Alben, die sich einfach groß und bedeutsam und bist auf minimale Längen makellos anfühlen. Wenn dazu noch die Songwriting-Arbeit stimmt (tut sie) und das Handwerk sitzt (tut es), dann gibt es absolut nichts, was den Progfans unter Euch davon abhalten sollte, der Platte 70 Minuten seiner Zeit zu schenken.

Anspieltipps:
Von vorne nach hinten, Ihr Banausen.

Jannis

TALENTSCHMIEDE: KING ERN

Band:
King Ern

Gegründet:
Mai 2019

Herkunft:
Berlin

Mitglieder:
Daniel (Guitar/Composer)
Figo (Vocals/Lyrics)
George (Live-Bass)
Viviana (Live-Drums)
Sven (Live-Gitarre)

Figo: Was Studio-Aufnahmen und Live-Konzerte angeht besteht ein Unterschied, hat mit der Gründung zu tun. Also, bei Studio-Aufnahmen spielt Daniel alle Gitarren und den Bass ein, und ich Gesang.
An den Drums auf unserer Debüt-EP „No Rush“ und der Single „Drop“ saß Paul Knox, bei den Singles „Painkiller“ und „What A Firm Grip Of Dreams“ Viviana.
Bei Live Shows an der Rhythmusgitarre ist Sven, Bass spielt George von der britischen Metalband THE BLACK HOUNDS, Drums macht Viviana.
Daniel spielt Lead Guitar und ich bin am Mic logischerweise.

Stil:
Figo: Thrash-Metalcore kam mir in den Sinn, selbst habe ich mir nie Gedanken gemacht, welche Sparte wir bedienen. Zumindest ist es für uns kein Thema, doch wenn gefragt wird, dann sage ich immer es ist Thrash-Metalcore anstatt „harte Musik“.

Daniel: Es fällt mir schwer, unsere Musik eindeutig einem bestimmten Stil zuzuordnen, da wir viele unterschiedliche Einflüsse und Stilrichtungen miteinander verbinden. Grundsätzlich bewegen wir uns im Metal-Genre. Im Gesang lassen sich jedoch klare Hardcore-Elemente erkennen, während die Kompositionen Einflüsse aus Thrash Metal und Groove Metal aufgreifen. Darüber hinaus integrieren wir auch einzelne moderne Elemente, etwa aus dem Metalcore.

Veröffentlichungen:
Juli 2023: „No Rush“ (Debüt-EP)
Juni 2024: „Drop“ (Single)
Juli 2025: „Painkiller“ (Single)
Dezember: 2025 „What A Firm Grip Of Dreams“ feat. Black Marine (Single)

Juli 2022: Collaboration Song „Out Of The Norm“: SIMMI THE PROFIT (US Hip-Pop) meets KING ERN (Thrash-Metalcore) meets KURNEL MC (New Zealand Rap)

Einflüsse:
Figo: Da ich keine Songs komponiere sondern die Texte schreibe und singe, habe ich keine Einflüsse, das heißt, ich habe keine Sänger als Vorbild, was unsere Musik angeht. Ich mache mein Ding, möchte auch niemanden kopieren, denn meine Fähigkeiten als Sänger sind zu begrenzt, um bei irgendwem was abzugucken. Sicherlich liegen meine Wurzeln im Hardcore-Punk; Bands wie JUDGE, SPERMBIRDS, THE ACCÜSED usw., aber auch Bands wie OI POLLOI, CONFLICT, NO MEANS NO, MINOR THREAT und DEPECHE MODE. Das hat aber keinen Einfluss auf mich, was KING ERN angeht.

Daniel: Meine Beziehung zum Metal begann mit METALLICA. Ihre Musik empfand ich als unglaublich energetisch und faszinierend – sie hat mich letztlich dazu inspiriert, selbst zur Gitarre zu greifen und spielen zu lernen.
Danach entdeckte ich natürlich weitere Klassiker wie MEGADETH und SLAYER. Mit der Zeit fand ich jedoch auch Zugang zu härteren Klängen, etwa zu GOJIRA, sowie zu modernem Metalcore – zum Beispiel zu meiner Lieblingsband dieses Genres, ARCHITECTS.
Ich denke, jede dieser Bands ist auf ihre eigene Weise in der Lage, außergewöhnliche Musik zu komponieren, und ihre Songs inspirieren mich bis heute jeden Tag.

Was wir die nächsten fünf Jahre erreichen möchten:
Figo: Sicherlich gute Songs zu schreiben, die nicht nur uns begeistern sollen, sondern auch die Zuhörer. Hört sich flach an, doch für mich ist es wichtig, dass die Songs die Leute begeistern. Dass uns die Songs Freude bereiten, liegt auf der Hand.

Daniel: In den nächsten fünf Jahren möchten wir kontinuierlich neue Musik veröffentlichen, möglichst viele Live-Shows spielen und unsere KING-ERN-Familie weiter vergrößern.
Mit jeder neuen Veröffentlichung setzen wir uns das Ziel, die Qualität weiter zu steigern und uns sowohl musikalisch als auch als Band weiterzuentwickeln. Ich hoffe, dass wir in fünf Jahren deutlich reifer, professioneller und kreativer sein werden – in der Lage, noch bessere Musik zu komponieren und unseren eigenen Stil konsequent weiter auszubauen.

Was als nächstes kommt:
Figo: Neue Songs selbstverständlich. Bin selbst immer gespannt was noch kommt.

Daniel: Als Nächstes kommt neue, härtere Musik – jedoch mit klarem KING-ERN-Charakter. Uns ist wichtig, dass man unsere Handschrift trotz Weiterentwicklung immer wiedererkennt.
Wir arbeiten kontinuierlich an neuem Material. Aktuell bereiten wir einen Song vor, der klanglich neue Wege geht – mit einem Sound, den man so von uns bisher noch nicht gehört hat.

Unsere beste Erfahrung bis jetzt:
Figo: Dafür sind wir noch zu frisch dabei. Bisher spielten wir nur zwei Shows, den Debüt-Gig in England und dann als Opening Act für SKINLAB in Berlin.

Unser peinlichster Moment:
Figo: Gibt’s nicht.

Daniel: Unser peinlichster Moment ist vielleicht weniger eine konkrete Situation auf der Bühne, sondern eher etwas Persönliches: Ich zweifle oft an meiner eigenen musikalischen Entwicklung. Ich strebe ständig nach besseren Riffs, stärkeren Melodien und einem noch überzeugenderen Sound.
Durch diese starke Selbstkritik fällt es mir manchmal schwer, wirklich stolz auf das zu sein, was wir bereits erreicht haben. Dieser innere, spontane Kampf mit mir selbst ist etwas, das immer wieder auftaucht – und wahrscheinlich auch immer ein Teil meines künstlerischen Weges bleiben wird.

Mit wem wir gerne ein Bierchen trinken würden und warum:
Figo: Ich habe schon mit vielen Bands (groß und klein) getrunken, hat mich nicht weitergebracht haha.

Daniel: Am liebsten würde ich mit all unseren Freunden und der gesamten KING-ERN-Familie ein oder gleich zehn Bierchen trinken – mit allen, die uns unterstützen und begleiten.
Mein Traum wäre natürlich, einmal ein Bier mit meinen Idolen zu trinken, etwa METALLICA, GOJIRA oder ARCHITECTS. Einfach Zeit mit Menschen zu verbringen, die so viel erreicht haben, empfinde ich als unglaublich inspirierend und aufregend.

Wenn wir uns eine Band aussuchen könnten, mit der wir auf Tour gehen dürfen:
Figo: Da gibt es eine Menge, doch mich würde eher interessieren, mit welcher Band ich danach nicht nochmal auf Tour gehen möchte.

Daniel: Wenn wir uns eine Band aussuchen könnten, mit der wir auf Tour gehen dürften, könnte ich natürlich wieder meine Idole nennen. Praktisch gesehen ist das aber nicht so einfach. Eine Tour mit KING ERN ist für viele Bands wahrscheinlich schwer vorstellbar, da unser Stil sehr unkonventionell ist und es mir schwerfällt, genau zu sagen, zu welcher Band unser Sound passen würde.
Aufgrund meiner Selbstkritik fällt es mir zudem schwer, so narzisstisch zu sein, um ernsthaft einen konkreten Namen zu nennen.

Das Beste daran, in einer Band zu spielen:
Figo: Oh man, keine Ahnung wie ich das beantworten soll.

Daniel: Das Beste daran, in einer Band zu spielen, ist für mich die Zusammenarbeit mit den Bandmitgliedern – also mit Freunden. Das macht einfach unglaublich viel Spaß. Dieser Spaß ist etwas, das viele oft vergessen. Für mich ist fast jeder Aspekt von KING ERN zwar eine Herausforderung, aber zugleich bereitet es mir riesige Freude, ein Teil dieser Band zu sein.

Das Schlimmste daran, in einer Band zu spielen:
Figo: Sobald ich das Gefühl habe, es ist schlimm, dann ist es Zeit zu gehen – oder die Person, die das Gefühl verursacht, muss gehen.

Daniel: Das Schlimmste daran, in einer Band zu spielen, ist für mich die Verletzlichkeit, die damit einhergeht, sich künstlerisch auszudrücken. Dazu kommt das ständige Streben nach Perfektion und die Angst, diejenigen zu enttäuschen, die uns unterstützen.
Außerdem fürchte ich, dabei nie authentisch zu sein, während ich versuche, Trends oder modische Strömungen zu verfolgen. Das sind die größten Herausforderungen, mit denen ich immer wieder kämpfe.

Online:
Facebook: www.facebook.com/KingErnBand

Musik:
Hyperfollow: www.hyperfollow.com/KingErn
Spotify: www.open.spotify.com/artist/7n6sS0SoZyrSz9Wx1cvL4U
Youtube: www.youtube.com/@KingErnBand

 

ROZARIO – Northern Crusaders

Trackliste:

01. Fire And Ice
02. We Are One
03. Down Low
04. Free Forever
05. Crusader
06. Coming Home
07. Die Like Warriors
08. Until The Gods Are Calling
09. Sleepless
10. The Warning
11. Haunted By The Past
12. Betrayed

Spielzeit: 50:48 min – Genre: Heavy Metal – Label: Pride & Joy Music – VÖ: 20.02.2026 – Page: www.facebook.com/rozarioband

 

Irgendwie habe ich vergessen, ROZARIO 2023 in meinem Jahrespoll zu den Newcomern des Jahres zu zählen. Dabei sind die Norweger eigentlich genau das. 2023 haben sie mit „To The Gods We Swear“ einen massiven Brecher als Debütalbum vorgelegt, ohne dass einzelne Mitglieder (zumindest nach kurzer Recherche in den Metal Archives) vorher groß mit anderen Bands rumgekommen wären.
Berechtigt wäre es gewesen, aber ist ja noch nichts verloren. Mit zwei Alben zählt man ja immer noch als Newcomer und Album Nr. 2 von ROZARIO mit dem kompromisslosen Namen „Northern Crusaders“ ist jetzt am Start und ist ein vollkommenes Brett.
Der größte Kritikpunkt an der Platte ist der Sound, dem ein paar mehr Mitten nicht geschadet hätten. Aber auch der Punkt ist nicht dramatisch, klingt auf jeden Fall stabil und man gewöhnt sich doch schnell dran.
Musikalisch: Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, ROZARIO sind ganz heiße Ware im true eingefärbten Heavy Metal der Gegenwart. „True“ bedeutet an dieser Stelle, es geht um Sachen wie Gods und auch Warriors; die peinlichen Auswüchse, die mit dem Label gerne mal einhergehen, spart man sich aber. „Northern Crusaders“ ist auf so gesunde Weise „true“, dass man es in Gänze ernst nehmen kann (ja okay, beim Intro von „Die Like Warriors“ ist mir vielleicht ein Sackhaar aus dem Ohr gewachsen).
Aber Spaß haben kann man damit auch. Über seine zwölf kurzweiligen Tracks (keiner über fünf Minuten) toben sich ROZARIO innerhalb der Genregrenzen so richtig aus. In den Strophen steckt Liebe, die Refrains haben Wiedererkennungswert, die Atmosphäre der einzelnen Songs ist meist klar abgrenzbar, ohne dass die Songs zusammen als Album nicht funktionieren würden. Detailreichtum ist vorhanden, wirklich oft ist das kleine Maß an zusätzlichen Gedanken, die in die Komposition und Arrangements geflossen sind, ganz offensichtlich und schraubt den Entertainment-Faktor von „Northern Crusaders“ weiter nach oben.
Dazu gibt es oft sehr gute Melodien, die allesamt ins Genre passen, häufig aber klar abseits der 08/15-Melodien liegen.
Ich könnte hier jetzt noch weiter positive Punkte aufzählen, aber genauso gut kann ich kurz und knapp sagen:

Fazit:
ROZARIO ist ganz frischer und viel zu sehr unter dem Radar laufender erstklassiger Heavy Metal und „Northern Crusaders“ stellt so einige neue Releases der Größen in der Szene locker in den Schatten. Die Band ist ein klarer Geheimtipp, hoffentlich nicht mehr lange.

Anspieltipps:
„We Are One“, „Crusader“, „Die Like Warriors“ und „Betrayed“

Jannis

GREYHAWK – Warriors Of Greyhawk

Trackliste:

01. Ascension
02. Land Of Ashes
03. Take A Stand
04. Endless Race
05. Warriors Of Greyhawk
06. Words Of Power
07. Chosen
08. Hyperspace
09. Embers Rise
10. Rise Above
11. Eternal Quest

Spielzeit: 49:36 min – Genre: Heavy Metal – Label: Cruz Del Sur Music – VÖ: 13.02.2026 – Page: www.facebook.com/greyhawkheavymetal

 

In Zeiten von KI-Covern schaut man sich das Artwork von GREYHAWKs „Warriors Of Greyhawk“ beinahe mit Pipi in den Augen an. Ist schon sehr cheesy, aber handgemachter wird’s halt auch nicht mehr. Und gibt schonmal einen Vorgeschmack auf das dritte Album der Band. 50 Minuten Spieldauer, elf Songs, von denen einige unter vier, einige aber auch über sechs Minuten lang sind, dazu mit Anthony Corso ein neuer Sänger mit einem schönen Heavy-Metal-Tenor und Kopfstimmen-Qualifikation, die er auch gerne zur Schau trägt. Was wäre ein echter Metalsong ohne ein Start-“Yieeeeeeeeeeeaaaaaaaah“?
Nicht nur Anthony kann was, auch der Rest der Band macht einen guten Job. Und neben klassischen Band-Instrumental-Klängen gibt es auch eigentlich nur noch ein paar günstig-oldschool klingende Streicher-Keys. Aber mehr braucht es bei so einem Album ja auch nicht.
Die Produktion ist vernünftig, ein bisschen mittenlastig und mit ein, zwei biestigen Frequenzen, die aber auch nur an wenigen Stellen durchkommen. Beim Titeltrack gibt es in der Mitte zudem einen recht merkwürdigen Lautstärkesprung. Kein Drama, aber sollte eigentlich auch nicht passieren. Die Vocals sind gut produziert, auf „Warriors Of Greyhawk“ gibt es eine Menge mehrstimmige Vocals, die sehr schön funktionieren. Grund zur Kritik bietet hier „Chosen“ mit einer bizarren Gothic-Kermit-Stimme, die nicht wirklich passt, und abermals der Titeltrack, dessen „Wohohohos“ im Chorus negativ auffallen. Wobei man bei all der bislang geäußerten Kritik an dem Track sagen muss, dass er ansonsten echt ein Höhepunkt des Albums ist.
Musikalisch sind GREYHAWK klar heavy-metallisch unterwegs. Mal straight-stumpf basic wie bei „Land Of Ashes“ und „Words Of Power“ mit seinem Neoclassic-Solopart; mal schnell-melodisch („Hyperspace“, „Endless Race“) und mal gemäßigt-melodisch („Rise Above“, „Eternal Quest“).
Damit bewegt sich „Warriors Of Greyhawk“ zwischen Heavy, Power und True Metal, bedient sich an allem ein bisschen, legt aber generell Wert auf Melodiösität, wobei auch die ein oder anderen Gangshouts und frisseligen Soli nicht fehlen dürfen.
Die Melodiearbeit ist insgesamt stabil, die Atmosphäre des Albums durchweg angenehm oldschool und handgemacht. Die ganz großen Genre-Hits sucht man vergeblich, aber in seinem Genre funktioniert das Gesamtkonzept von GREYHAWK auf jeden Fall.

Fazit:
Ein paar kleine Macken hin oder her – „Warriors Of Greyhawk“ ist sympathischer und liebevoll gemachter Classic Heavy Metal ohne Modernitätsanspruch und eine gute Zeit für alle, die die Melodien heroisch, den Gesang hoch, den Sound ungelutscht und die Bassdrum beansprucht mögen!

Anspieltipps:
„Ascension“, „Warriors Of Greyhawk“, „Rise Above“ und „Eternal Quest“

Jannis

ASSIGNMENT – „With The End Comes Silence“

Trackliste:

01. Fallen
02. Nothing To Say
03. Beyond Recognition
04. Those Words
05. The Tower
06. Selling My Soul
07. Call For Heaven
08. Angel Of Berlin
09. With The End Comes Silence
10. The Curtain Falls
11. Endlessly

Spielzeit: 69:23 min – Genre: Progressive Power Metal – Label: Massacre Records – VÖ: 06.02.2026 – Page: www.assignment-music.com

 

Neues von ASSIGNMENT, einer der Bands aus der Kategorie „Klingt als wäre sie eigentlich bekannt“. Über fünf Jahre sind vergangen, seitdem ich meinen Spaß mit „Reflections“, dem fünften Album der Gütersloher, hatte; werfen wir jetzt also mal ein Ohr auf Album Nr. 6: „With The End Comes Silence“.
Das kommt, wie schon der Vorgänger, mit einem schicken Cover und einer stabilen Produktion. Alles soweit ausgewogen, mit gut Druck, vielleicht minimal zu präsenten Leadgitarren. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau, dafür klingt die Platte erneut nicht überpoliert und gut metallisch.
Das soll sie auch, denn zuallererst machen ASSIGNMENT nach wie vor melodischen Heavy Metal, der sich im Power und Progressive Metal noch die Facetten raussucht, mit denen er sich gewinnbringend anreichern lässt. Wir kriegen also ordentlich Melodien, ein wenig Orchester, viel Klavier (cool, taucht in einem Großteil der Songs auf und definiert den Sound der Deutschen ein gutes Stück mit) und einige freshe Synthesizer-Sounds, die zwar fester Bestandteil der Musik sind, aber nicht das Alleinstellungsmerkmal. Ergibt insgesamt einen modernen Prog/Melodic/Power-Stil, der aber nicht trend-modern wirkt, was  begrüßenswert ist.
Zu alldem kommt aber auch eine angenehm metallisch agierende Band-Instrumentalbasis und die starke Heavy-Metal-geeignete Stimme von Diego Valdez.
Und diese ganzen Komponenten mischt man dann zusammen in zehn (mit Bonustrack elf) Songs, die vordergründig melodischer Heavy Metal sind und ihre Progressive-Anleihen nicht zwanghaft nach außen tragen müssen. Ja, ab und an ist da schonmal eine Taktart abseits des Standards, aber wie auch beim Vorgänger ergibt sich der Progressive-Faktor auf „With The End Comes Silence“ durch längere Kompositionen und hintergründig komplexe Arrangements.
Besonders viel Liebe steckt auf dem Album in so manchem Intro und Outro der Songs. Irgendwo im Promotext eines ASSIGNMENT-Albums wird man auf das Wort „cinematisch“ stoßen und das liegt vor allem daran. Da gibt es dann mal verstärkt elektronische Elemente, nicht selten gute Atmosphäre-Arbeit und kreativen Synthesizer-Gebrauch.
Und davon könnte es auch in den Songs gerne etwas mehr geben. Denn die bleiben auf „With The End Comes Silence“ leider ein wenig höhepunktarm. Nach dem coolen Intro beginnt dann der Hauptteil des Songs, irgendwo zwischen recht langsam und oberem Midtempo, wird dann fetter und durchläuft ein paar unterschiedliche Geschwindigkeiten, um irgendwann zwischendurch mal Uptempo zu erreichen. Und die Melodiearbeit erreicht dabei eher selten die Höhen, die man sich von einem melodischen „Progressive“-Album erhofft. Ein wenig mehr Abwechslung und unterschiedlicher Charakter bei einzelnen Songs hätte „With The End Comes Silence“ gut getan – so fühlt sich doch ein großer Teil der Songs einfach sehr ähnlich an.

Fazit:
Handwerklich haben ASSIGNMENT gar nichts zu verstecken und „With The End Comes Silence“ ist ein absolut erwachsenes, bodenständiges Melodic-Progressive-Metal-Album mit klarer stilistischer Vision. Die Komposition steht dabei leider etwas hintenan. Wer dem Genre an sich etwas abgewinnen kann, widme dem Ding ein wenig Reinhörzeit. Die deutsche Prog-Metal-Szene ist nämlich ganz klar eine, die Aufmerksamkeit verdient hat und gebrauchen kann, und ASSIGNMENT tun das damit zweifelsohne auch.

Anspieltipps:
„Nothing To Say“, „Angel Of Berlin“ und „Call For Heaven“

Jannis