MOONSPELL – Hermitage

Band: Moonspell
Album: Hermitage
Spielzeit: 52:27 min
Stilrichtung: Dark Metal
Plattenfirma: Napalm Records
Veröffentlichung: 26.02.2021
Homepage: www.moonspell.com

MOONSPELL – auch so eine Band, die seit nahezu dreißig Jahren aktiv ist, in der Zeit eigentlich nur starke Outputs hatte und das absolute Gegenteil von Ermüdungserscheinungen an den Tag legt. Vielseitig war man dabei, mal in härteren Gothic-Bereichen, die am Black Metal kratzen, mal äußerst elektronisch, und immer mit einer charakteristischen würdevollen Düsterkeit, die sonst nur wenige Bands erreichen, ohne zumindest zwischendurch mal in unfreiwillige Peinlichkeit abzudriften. So verhält es sich auch mit “Hermitage”, dem 13. und gewohnt ernsthaften Album der Portugiesen, für dessen exorbitant guten Sound sich Jaime Gomez Arrelano (GHOST, PARADISE LOST, SOLSTAFIR u.a.) verantwortlich zeichnet.
“Hermitage” ist eines der härtetechnisch zurückhaltenden Alben der Truppe, auf eine äußerst vorteilhafte Weise. Die Platte ist oft ruhig, hypnotisch und dunkel. Elektronische Sounddesign-Elemente spielen eine wichtige Rolle, befinden sich aber häufig sehr subtil im Hintergrund, was dafür sorgt, dass sie gegebenenfalls vom Hörer gar nicht bewusst wahrgenommen werden, die Gesamtatmosphäre des Albums aber ungeheuer andichten. Die ruhigen Parts sind sehr ruhig, oft auf gerade einmal zwei Instrumente reduziert, teils mit sehr weich gespielten Drums dabei und getragen von der tiefen und unaufgeregt-majestätischen Stimme von Fernando Ribeiro.
Ebenfalls hoch ist der Anteil an instrumentalen Parts. Zwei Tracks sind komplett instrumental gehalten, doch auch abseits dessen setzt man den Gesang eher sparsam ein und verlässt sich darauf, dass auch längere Instrumentalpassagen dank ihrer Qualität die Aufmerksamkeit des Hörers zu binden vermögen. Und Jesus, das tun sie. Fast meditativ anmutende Songteile, die mit wenigen Mitteln einen sehr vereinnahmenden Sound erschaffen, werden abgelöst von Teilen mit deutlichen Post-Rock-Vibes, die nicht minder dicht und intensiv ausfallen.
Aber natürlich haben MOONSPELL ihre Metalligkeit nicht abgelegt. Songs wie “Common Prayers” oder “The Hermit Saints” bringen die nötige Abwechslung ins Spiel und bieten feinsten melodischen Dark Metal, der von starken Melodien und sinnvoll eingesetzten Klangelementen mit einer angemessenen Kontrastportion Härte getrieben wird. Die Härte früherer MOONSPELL wird dabei selten erreicht. Fernandos unklarer Gesang (der ein bisschen Geschmackssache ist) ist auf wenige Parts beschränkt und bei einigen von ihnen auch nicht komplett unklar. Das stört bei “Hermitage” jedoch kein bisschen. In seiner Gesamtheit wählt das Album seine Härteextreme so, dass sie nicht zu übertrieben weit auseinander erscheinen und das Album stattdessen mit einer extrem düsteren und traurig-schönen Stimmung aufladen. Ein kompletter Geknüppelsong wäre hier aus der Reihe gefallen.

Fazit:
Wundervolles Album mit hoher Intensität, das keine Angst davor hat, zu sicher 50% oder mehr “kein echter Metal” zu sein, und damit eine absolut weise Entscheidung getroffen hat. Melodische Musik, sehr gut arrangiert, sehr emotional, mal hart, mal weich, intelligent und ausdrucksstark, dazu mit vereinnahmenden Melodien ohne Ende angereichert: Wer glaubt, damit etwas anfangen zu können, der tue sich unbedingt den Gefallen. Und für MOONSPELL-Fans ist die Platte eh ein Pflichtkauf!

Anspieltipps:
„The Greater Good“, „Common Prayers“, „Apoptheghmata“ und „Entitlement“

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Greater Good
02. Common Prayers
03. All Or Nothing
04. Hermitage
05. Entitlement
06. Solitarian
07. The Hermit Saints
08. Apoptheghmata
09. Without Rule
10. City Quitter (Outro)

Jannis

ARC OF LIFE – Arc Of Life

Band: Arc Of Life
Album: Arc Of Life
Spielzeit: 59:19 min
Stilrichtung: Progressive Rock
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 12.02.2021
Homepage: www.facebook.com/ArcOfLifeRockBand

Ist ja momentan schwer für den musikalischen Nachwuchs, sich als Band im Proberaum angemessen zu professionalisieren. Frontiers Records scheinen darauf zu reagieren, indem sie einfach die alten Legenden, die es eh drauf haben, wieder an die Front holen. 3.2 mit Robert Berry und Keith Emerson, dazu ARC OF LIFE mit Jon Davison, Billy Sherwood und Jay Schellen von YES (dazu Jimmy Haun, Ex-YES). All diese Leute sind verlässliche Typen, die mit ihrem Genre, dem Progressive Rock, bestens vertraut sind und zu denen gehören, die auch heute noch einen authentischen 70er/80er-Prog-Sound und -Spirit erzeugen können, der inzwischen traurigerweise ein Stück weit zum Randphänomen wird – mit den großen aktiven Gesichtern und vergleichsweise wenig Nachwuchs.
ARC OF LIFE ist an sich Progressive Rock durch und durch, mit Jons klarer, heller Prototyp-Stimme, hohem Anteil an Nicht-4/4er-Takt-Parts, ordentlich Tasteninstrumenteinsatz und den klassischen harmonielastigen Songwriting-Elementen. Nichtsdestotrotz ist “Arc Of Life” ein zweischneidiges Schwert, je nach Erwartungen an die Platte. Der Sound stimmt soweit, hätte ein wenig mehr Drumpräsenz und gerade beim Opener “Life Has A Way” etwas subtiler-definierten Bass benötigt, klingt aber ansonsten warm und authentisch handgemacht. Musikalisch ist ein extremes Level an Vielseitigkeit gegeben, recht wenig Wiederholung je nach Track, dafür gefühlt jede mögliche Kombination jeglicher verwendeter Klänge, viele unterschiedliche Arrangements – man mag bei einigen Tracks fast annehmen, dass sie als Train of Thoughts komponiert werden, von Leuten mit entsprechendem Talent. Dieses Talent kann ARC OF LIFE keiner absprechen, nur hätte es effektiver eingesetzt werden können. So scheinen einige Songs (unter anderem besagter Opener) bewusst auf Intellekt komponiert worden zu sein, lassen (zumindest bei den ersten Hördurchgängen) jegliche Takt-Nachvollziehbarkeit missen und sorgen dafür, dass der Song an sich zwar soweit sehr schön klingt, dabei in seiner komplexen Konzeption für einen weniger geschulten Hörer aber nahezu willkürlich. Ja, das sind bestimmt sehr intelligente Strukturen, die von Profis geschrieben wurden, aber der Effekt geht leider ein wenig verloren, wenn man dem Hörer nicht die Chance gibt, ihnen zu folgen. Ein sehr gutes Prog-Rock-Album kombiniert komplexe Taktarten mit tollen, aussagekräftigen und trotz ihrer Unkonventionalität eingängigen Melodien. Es legt einen steinigen Weg aus und trägt den Hörer dann auf weichen Kissen darüber. ARC OF LIFE malen hingegen immer wieder die Steine auf dem Weg wunderschön an und ziehen den Hörer dann auf dem Bauch liegend den Weg entlang. Aber klar, es gibt auch straightere Songs, die nachvollziehbarer ausfallen und all das hält die Platte nicht davon ab, wirklich schöne Ideen und Melodien in herrlich nostalgischer Verpackung zu bieten (Alleine “Talking With Siri” ist schon sehr ungewöhnlich und hörenswert).

Fazit:
Und damit sollte trotz des negativeren Untertons der Rezension kein Freund von Progressive Rock “Arc Of Life” unangespielt vergessen. Unter Abschaltung des Hirnbereichs, der für den Willen zum Taktverständnis verantwortlich ist, und purer Akzeptanz all dessen, was das Album für einen bereithält – kurz, darauf fest vertrauend, dass ARC OF LIFE schon wissen, was sie da machen – bekommt er doch ein in sich sehr interessantes und gutes Album, dass aber eben den Blick für eine gewisse Übersichtlichkeit, einen erkennbaren roten Faden innerhalb der einzelnen Songs einige Male verliert. Wäre “Arc Of Life” eine italienische Pizza, wäre sie gerollt: weniger leicht zu essen, das Gefühl auslösend, dass man das eigentlich anders hätte servieren können, aber eben auch immer noch verdammt lecker und zubereitet von absoluten Profiköchen.

Anspieltipps:
„Talking With Siri“, „Until Further Notice“ und „Just In Sight“

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Life Has A Way
02. Talking With Siri
03. You Make It Real
04. Until Further Notice
05. The Magic Of It All
06. Just In Sight
07. I Want To Know You Better
08. Locked Down
09. Therefore We Are
10. The End Game

Jannis

ACCEPT – Too Mean To Die

Band: Accept
Album: Too Mean To Die
Spielzeit: 52:16 min
Stilrichtung: Heavy Metal (duh)
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 29.01.2021
Homepage: www.facebook.com/accepttheband

Was soll man dazu noch sagen? Es ist ein ACCEPT-Album. Ein neueres ACCEPT-Album, offensichtlich, daher ein bisschen straight-heavy-metallischer als 80er-metallisch, das kennt man ja so in der Art auch von den Vorgängern. Den Vorgängern von “Too Mean To Die”, um das der Vollständigkeit halber noch hinzuzufügen. Unter dem Namen ACCEPT gibt es die Truppe nun seit beeindruckenden 50 Jahren, aktuell sind wir bei Album #16, das mit seinem Platz 2 in den deutschen Albumcharts immerhin die zweitbeste Position schnappt, die ACCEPT in ihrer Karriere je erreicht haben. Herzlichen Glückwunsch dazu!
Ansonsten ist eigentlich alles beim Alten. Gut, Peter Baltes ist raus, Martin Motnik (ULI JON ROTH) ist drin und eine verlässliche Bassinstanz, die in “The Undertaker” auch mal in die erste Reihe darf und dem halb melodiös-zurückhaltenden, halb mies-metallenden Track mit seinem unvorhergesehenen coolen Break zu seinem Platz an der Qualitätsspitze der elf Tracks verhilft. Philip Shouse ist auch noch dazugekommen (eine Gitarre mehr kann nie schaden) und man klingt nach wie vor exakt nach neuen ACCEPT, mit Mark Tornillo als würdigstmöglichem Udo-Nachfolger und den klassischen ACCEPT-Trademarks. Nun, die Midtempo-80es-Tracks sind ein wenig spärlich ausgefallen auf “Too Mean To Die”, lediglich “Overnight Sensation” schlägt explizit in diese Kerbe, mit Zwischenshouts und allem, was man von einem solchen ACCEPT-Song erwartet. Ansonsten viele simple Melodielines (der Metal spricht für sich und braucht keine komplexe Melodieführung), Verortung zwischen Midtempo und unterem Uptempo mit ein paar Ausbrüchen in offizielles Uptempo, wie beim Chorus zu “Symphony Of Pain”. Die typischen Klassik-Zitate dürfen auch nicht fehlen, es sind diesmal drei – “Freude schöner Götterfunken” und der Anfang des ersten Satzes von Beethovens Fünfter als leicht verspäteter Beitrag zum Beethovenjahr auf “Symphony Of Pain” und Dvoraks “Sinfonie aus der neuen Welt” (DVORACCEPT) im Instrumental “Samson And Deliah”, die ein unglaublich geiles Stück Klassik ist und auf jedem Metalalbum irgendwo integriert werden sollte. Einige Höhepunkte: Die melancholisch-drivende Balladenstrophe und der mächtige, emotionale und ziemlich auskomponierte Chorus von “The Best Is Yet To Come”, das souveräne ineinander Übergreifen von Chorus und Riff in “No Ones Master”, das Gitarrengequäle im Titeltrack, die aus dem Muster fallenden Harmonien und der schleppende Beat des besagten Instrumentals.
Insgesamt fällt “Too Mean To Die” aber gefühlt unspektakulärer und weniger inspiriert aus als seine Vorgänger. Das ist bei ACCEPT nun nicht schlimm, denn stabiler Heavy Metal nach allen Regeln der Kunst ist das Ding natürlich trotzdem. Die Menge der Höhepunkte ist allerdings überschaubar, der sichere Weg wird praktisch nie verlassen und das Abwechslungsreichtum könnte angesichts der Anzahl an wenig hervorstechenden Songs größer sein.

Fazit:
Sichere Kiste ohne Experimente, doch etwas routinierter als “The Rise Of Chaos” und “Blind Rage”. Aber auf jeden Fall typisch ACCEPT, und der Stil der Jungs ist eben an sich auch schon ein Kaufgrund. Die gemeine Gitarrenarbeit, die charakteristische Stimme, der Markenzeichen-Heavy-Metal-Sound: Wer ACCEPT genau deswegen mag und kein musikalisch revolutionäres Album erwartet, der kann sich “Too Mean To Die” guten Gewissens mal zu Gemüte führen. Wirklich falsch macht man mit den Herren ja eigentlich nie was.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Zombie Apocalypse
02. Too Mean To Die
03. Overnight Sensation
04. No Ones Master
05. The Undertaker
06. Sucks To Be You
07. Symphony Of Pain
08. The Best Is Yet To Come
09. How Do We Sleep
10. Not My Problem
11. Samson And Deliah

Jannis

3.2 – Third Impression

Band: 3.2
Album: Third Impression
Spielzeit: 57:00 min
Stilrichtung: Progressive Rock
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 12.02.2021
Homepage: www.robertberry.com

Verdammt. Da plant man einen Einstieg in die Rezension mit einem grandiosen Flachwitz (Wo bestellt man sich geile Musik? Bei Emerson.) und erkennt dann, dass der Tod dieses einzigartigen Musikers knapp fünf Jahre zuvor komplett an einem vorbeigegangen ist. Und dann sitzt man vor mit dem letzten von Keith Emerson mitkomponierten Werk, denkt an sein erstes Rockkonzert zurück – eine starke ELP-Coverband, die “Pictures At An Exhibition” in Gänze aufgeführt hat – und muss sich für die Rezension einigermaßen zusammenreißen. Aber immerhin: Mein Bild von “Third Impression” wäre, soweit ich das beurteilen kann, auch ohne die persönliche Backstory nicht schlechter ausgefallen. Die Platte ist der Nachfolger des 80er-Albums “3” von Emerson, Robert Berry und Carl Palmer, das quasi eine melodischere, mainstreamigere Variante von ELP-Alben sein sollte. Emerson verstarb während der Arbeit an “Third Impression”, hinterließ einen am Boden zerstörten Robert Berry, der den Nachfolger zusammen mit ihm realisieren wollte – und Material in Form von musikalischen Ideen, Keyboard-Noten und Tapes aus alten „3“-Zeiten, Style- und Optik-Ideen; Material, das letztendlich seinen Weg auf „Third Impression“ finden sollte.
Optik: witzig, mit dem abgewandelten 5gum-Logo, Sound stark (vielleicht abgesehen von ein paar etwas zu lauten Solo-Synths), Performance herausragend. Was allerdings wirklich zählt: “Third Impression” ist authentisch Berry und lebt von seinem würdevollen Gesang, atmet aber ebenso Emersons Spirit, als wäre der gute Mann bis zum letzten Mastering-Moment dabei gewesen. Auf klanglicher Ebene sowieso: Sehr klar und definiert klingt “Third Impression”, sehr natürlich, sogar das Aufheben der Drumsticks ist in einem Track integriert. Dazu ist die Platte erwartungsgemäß tastenlastig, mit großartig geschmackvollen und authentisch ELPig (in poppiger) klingenden Synth-Sounds, von edlen Lead-Synthesizern bis hin zu knallenden Poly-Synths, ergänzt durch ein herrlich produziertes Klavier und eine absolute Retroorgel. Und aus allen Parts dieser Instrumente scheint der charakterstarke Stil von Keith durch, besser gesagt, tropft ihm aus jeder Pore.
Und Gott sei Dank: “Third Impression”s Entwicklungsgeschichte hat keinen hörbaren Einfluss auf die Kompositionen genommen. Man hätte das verfügbare Material in einen etwas schwermütigeren, melancholischen Kontext integrieren können, aber genau das ist nicht passiert. Im Gegenteil. Das Album hat über weite Teile eine sehr positive Grundstimmung, aber keine, die Positivität mit Kitsch-Overload verwechselt. Gut gelaunt, voller Energie, mit einer hörbaren Portion an Humor und vielen nicht zu schwulstig vermittelten Gefühlen, all das erzeugt durch starkes Songwriting, geile, zum Teil witzige Synthsounds und eine dichte Atmosphäre klassischer 70er- und 80er-Prog-Rock-Alben. Ich könnte an dieser Stelle auf einzelne Songs, all die Details, auf all die schönen Ideen eingehen, die Robert und Keith zusammengetragen haben und die Robert letztendlich zu einem großen Ganzen zusammengefügt hat, aber drauf geschissen. Hört die Platte einfach selbst, hört sie in einem durch. Kein Lückenfüller, kein Schwachpunkt, kein einziger durchschnittlicher Song.

Fazit:
Und dafür wirklich großen Respekt an Robert Berry, der in dieser für ihn zweifelsohne grausamen Zeit dieses wunderbare, leichtgängig-frisch-inspirierte Stück Musik vollendet hat, mit einem letztendlichen Gesamtergebnis, das Keith absolut würdig ist; und auch ungeachtet seiner Hintergründe einfach ein wunderbares Album für jeden, der gerne seine Laune verbessern und dabei über eine Stunde großartig unterhalten sein möchte.

Anspieltipps:
Egal. Einfach irgendwo reinhören.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Top Of The World
02. What Side You’re On
03. Black Of The Night
04. Killer Of Hope
05. Missing Piece
06. A Bond Of Union
07. The Devil Of Liverpool
08. Emotional Trigger
09. A Fond Farewell
10. Never

Jannis

SHAPE OF WATER – Lockdown On Mars (EP)

Band: Shape Of Water
Album: Lockdown On Mars
Spielzeit: 22:00 min
Stilrichtung: Electronic/Art Rock/Pop
Plattenfirma: Eclipse Records
Veröffentlichung: 12.02.2021
Homepage: www.facebook.com/shapeofwatermusic

Okay, Leute. Es tut echt weh, einer aufstrebenden und talentierten Band mit geilem Stil und Sound keine ihrer allgemeinen Qualität angemessene Bewertung zu geben. Daher hier noch einmal der Verweis auf die Rezension zum Album vor dieser EP (auf dem man vier von fünf Tracks als Originalversionen findet) und noch einmal kurz die Klarstellung der Bewertung dieses Albums:

 

 

Nun zur EP: Der zweite Streich des Manchesterer (Sagt man das so?) Duos SHAPE OF WATER ist 22 Minuten und fünf Songs lang. Durch ihr Debut “Great Illusions” erregten die Jungs nicht nur in der Rock Garage Aufmerksamkeit, mit einer starken und individuellen Mischung aus Art Rock, Synth Pop und Progressive-Elementen, durchdringender Atmosphäre und durchweg geilen Melodien. Nun bringt man vier der Songs des Albums in alternativen Versionen auf einer EP, dazu ein Cover vom NINE-INCH-NAILS-Hit “Hurt”. Das ist wie alle Songs auf “Lockdown On Mars” reichlich elektronisch und recht entspannt, aber auch nicht ganz spektakulär, zumal man den exzessiven regelmäßigen Basedrum-Bupp-Bupp-Bupp-Gebrauch beim dem Track als letztem der Platte schon relativ satt hat. Immerhin fettes Ende. Davor eine etwas orchestral aufgemotzte Version von “Still Karma” ohne großen Mehrwert und wiederum davor eine elektro-akustische (Betonung auf “elektro”) Version des sehr schönen “Perfect Love”, die als spacig-ruhiger Synthpop-Song durchaus ihre Berechtigung hat, gegen das Original allerdings nicht bestehen kann. Davor gibt es dann noch zwei Cinematic-Versionen vom Hit “Mars-X” und dem nicht wesentlich unhittigeren “The World Is Calling Me”, wobei “Cinematic” so viel wie “Trailer Music” bedeutet. Dementsprechend hat man beiden Songs mit starkem BRAAAM-Einsatz gepimpt (Das ist tatsächlich der wissenschaftliche Begriff für den typischen mächtigen “Inception”-Trailer-Soundeffekt, der seit besagtem Film in jedem Trailer auftaucht, nur nicht so übermäßig oft wie bei SHAPE OF WATER), mit einem standard-warmweichen Piano-Hooksound am Anfang von “The World Is Calling Me”, mit Orchestersounds, mit abermals quasi durchgehender Basedrum auf den Vierteln des Takts und, insbesondere bei “Mars-X” mit diesen typischen mächtigen Cinematic Drum Hits, die allerdings traurig unmächtig ausfallen und dem Rest der Musik echt keinen Gefallen tun.

Fazit;
Eine EP mit dem Konzept, bestehende Songs in ein anderes Genre umzudeuten, wird selten auch nur ansatzweise so gut wie das Originalmaterial. So auch in diesem Fall. Wer SHAPE OF WATER schon wegen “Great Illusions” mochte, der kann hier mal reinhören, wird aber nicht die Intensität des Debutalbums erfahren. Es ist ja auch verständlich, dass man als Band in Zeiten, in denen die Einnahmequelle des Tourens wegfällt, versucht, mit einer solchen EP ein paar Fans zu erfreuen und sich ein paar Mahlzeiten zu verdienen. Aber wer bislang noch nichts von SHAPE OF WATER gehört hat, dem sei statt “Lockdown On Mars” empfohlen, dieses Duo mit wirklich großem musikalischem Potenzial durch einen Kauf des grandiosen Debutalbums zu unterstützen und bei Gefallen eher anschließend mal zu checken, ob die EP vielleicht auch eine Investition wert wäre.

Anspieltipps:
„Great Illusions“

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Mars-X (Cinematic Version)
02. The World Is Calling Me (Cinematic Version)
03. Perfect Love (Electro-acoustic Version)
04. The Great Still Karma
05. Hurt (Nine Inch Nails Cover)

Jannis

 

IMMORTAL GUARDIAN – Psychosomatic

A bronze sculpture with a hanged brain

Band: Immortal Guardian
Album: Psychosomatic
Spielzeit: 52:06 min
Stilrichtung: Progressive/Power Metal
Plattenfirma: M-Theory Audio/Rock’N’Growl Promotion
Veröffentlichung: 21.02.2021
Homepage: www.facebook.com/igmetal

Gabriel Guardian – wer so heißt, ist ab dem ersten Atemzug dazu prädestiniert, Power-Metal-Musiker zu werden. Seinem Schicksal nachgebend hat Gabriel genau das getan und mit seiner Band IMMORTAL GUARDIAN nun sein zweites Album “Psychosomatic” bereit zum Abflug. Die Aufnahmen waren coronabedingt von extremem Sicherheitsabstand geprägt: Gabriel nahm in Las Vegas auf, Sänger Carlos in Brasilien, Drummer Justin in Montreal und Bassist Joshua in Texas. Herausgekommen sind gut 50 Minuten Progressive Power Metal mit hohem Shred- und damit einhergehend leichtem Neoclassic-Faktor, einer guten Menge an Keyboards und einem Mix aus Gefrickel und ausgeprägten Melodien.
Apropos Mix: Der kann sich durchaus hören lassen, ist entsprechend der Gefrickel-Parts ein wenig technisch-polierter, aber in annehmbarem Rahmen. Lediglich durch ein paar kleinere Unausgewogenheiten in Lautstärkeverhältnissen könnten ein oder zwei Songs Eingewöhnung nötig sein. Sind die vorüber, so erweist sich IMMORTAL GUARDIAN als äußerst fähige Truppe mit starken Leistungen jedes Beteiligten.
Musikalisch ist man ebenfalls soweit stabil drauf, muss sich aufgrund des Labels “Progressive” aber auch noch einmal nach anderen Maßstäben beurteilen lassen. Und unter diesen Maßstäben hat “Psychosomatic” die Problemchen, die viele Prog-Power-Metal-Bands haben: Arrangiert ist das ganze top, nicht zu überheblich clever, aber rhythmisch und spielerisch korrekt vielseitig. Die Melodieführungen entsprechen allerdings oft eben den klassischen Progressive-Power-Lines und naja, wenn jeder das so macht, dann ist das im wörtlichen Sinne halt nicht mehr ganz so progressiv aka fortschrittlich. Aber an dieser Stelle auch ein bisschen Entwarnung. Wo die Melodien nicht vergleichsweise guter Durchschnitt sind, sind sie besser als das. Erstmals sind sie das explizit bei “Read Between The Lines”, das mal leichtgängig, mal fast corig ausfällt, mit humorvoll-smoothem Part im Mittelteil und schöner Gesangsmelodie, die wie viele andere von den mehrstimmigen Vocals noch einmal profitiert.
“Clocks” wechselt sinnhaft zwischen zwei verschiedenen Geschwindigkeiten und setzt sich sehr schön im Gedächtnis fest, mit ordentlicher Portion Dramatik. Und “Candlelight” und “Find A Reason” arbeiten ein Stück weit zusammen mit Wiederaufnahme von Motiven, größeren (aber insgesamt nach wie vor kleinen) balladesken Parts, unterschiedlichen Emotionen und dichter Atmosphäre.
Der Rest der Songs ist ein wenig uneigenständiger, bereitet an der ein oder anderen Stelle auch mal das Gefühl, da hätte man noch etwas mehr herausholen können, überzeugt an solchen Momenten aber immerhin in technischer Hinsicht.

Fazit:
“Psychosomatic” kann als Zweitwerk auf jeden Fall überzeugen. Allerdings sollten IMMORTAL GUARDIAN in den nächsten Jahren noch ein wenig an einem eigeneren Sound arbeiten, insbesondere hinsichtlich der Komposition der Melodien. Dass sie dafür zweifelsohne das Potenzial haben, beweisen gerade die oben genannten Tracks, hinter denen gefühlt mehr Kompositionsleidenschaft steckt, als hinter denen, die guten melodischen Durchschnitt durch Handwerk kaschieren. Und technisch haben IMMORTAL GUARDIAN es unbestreitbar jetzt schon mächtig drauf.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Psychosomatic
02. Read Between The Lines
03. Lockdown
04. Phobia
05. Clocks
06. Self-Isolation
07. Goodbye To Farewells
08. Candlelight
09. Find A Reason
10. New Day Rising

Jannis

SIMULACRUM – Genesis

Band: Simulacrum
Album: Genesis
Spielzeit: 61:23 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 12.02.2021
Homepage: www.simulacrum.fi

Offenbar verhelfen Lockdowns Metalbands zu mehr Zeit, um über ihr Songwriting nachzudenken, zumindest würde das die Menge an Progressive Metal erklären, die ich in letzter Zeit auf den Tisch gelegt bekomme. Eine von ihnen ist SIMULACRUM aus Finnland, die bereits 1999 gegründet wurde (womit sich die These dann auch wieder erledigt hätte) und gerade einmal 13 Jahre später ihr Debut veröffentlichte. Nun gibt’s Album Nr. 3, “Genesis”, das über eine Stunde lang ist, zur Hälfte, wie sich das gehört, aus einem Konzeptpart besteht und ein klassisch spirituelles Albumcover inklusive Planeten, Schneidersitz, Dreieck und Yin&Yang-Symbol vorweisen kann. So weit, so gut.
Die Produktion ist stabil, das Konzept mit zwei Sängern funktioniert bestens, gerade weil sie nicht im altbekannten “Einer lieb, einer growlt”-Schema agieren und die Truppe kennt sich zweifelsohne mit der Funktionsweise von Musik aus.
“Genesis” ist an sich melodisch, unklare Vocals sind selten. “Genesis” ist aber auch eins der Alben, die über weite Teile “Progressive” gerade in Sachen Arrangements in gigantischen Lettern auf der Fahne stehen haben. Gut, Ausnahmen gibt es da schon, beispielsweise das unmetallische klavierbasierte “Genesis Part 3: The Human Equation” oder das relativ straighte “Scorched Earth”, das etwas Dur-lastiger ausfällt als erwartet, mit geiler Gitarrenarbeit im Solopart und unkonventionell-nachvollziehbarem Chorus. Auch “Like You, Like Me” mit seinem ruhigen Retro-Beginn und dem HAKENschen Bombastfülleharmoniegefeierlichkeite schlägt in diese Kerbe – das war es dann aber auch schon. Nicht, dass das unbedingt schlimm wäre. Genug tolle Bands zimmern sich ein heftig komplexes Ding ohne jegliche Eingängigkeit zusammen und es ist durchweg grandios anzuhören.
Doch hier ist der Kritikpunkt (der zugegebenermaßen mehr Raum in der Rezension einnimmt, als vielleicht verdient). Bei SIMULACRUM hat man leider das Gefühl, man habe beides gewollt und habe somit entweder seine schönen Melodien zerprogt oder sein komplexes Gefrickel verharmonisiert. Da tauchen dann Melodien auf, die durchaus eingängig und ausgefallener sein könnten, wenn man sie nicht auf Teufel komm raus durch den Progressive-Wolf gedreht hätte, wofür ich mir keinen anderen Grund vorstellen kann, als dass man sich seinem Genre zu verpflichtet gefühlt hätte. Nicht falsch verstehen, das ist handwerklich und kompositorisch bestimmt sehr gut und intelligent gemacht, wirkt aber für uns primitive Nicht-Musikstudenten häufig ein wenig willkürlich. Sein Zenit erreicht diese Problematik bei “Genesis Part 1: The Celestial Architect”, dessen Gesang zeitweise nicht mehr wirklich erkennbar etwas mit der zweifelsohne komplex agierenden Instrumentalfraktion zu tun hat. “Ihr spielt das eine Lied, ich sing das andere. Dann legen wir das übereinander und verkaufen es als Progressive Metal!” Wüsste man es nicht besser, könnte man diesen Kompositionsprozess ungefähr so geschehen vermuten. Noch einmal: Bestimmt gibt es unter Freunden progressiven Metals so einige, die mit “Genesis” genau deshalb etwas anfangen können, aber man hätte melodische und chaotisch-härtere Elemente wohl effektiver verbinden können, auf Kontrastwirkung hinarbeiten statt über weite Teile beide Elemente zusammenzurühren.

Fazit:
Einige Songs auf “Genesis” zünden absolut, andere kränkeln an den sehr hohen Ambitionen hinsichtlich der technischen Progressivität der Platte. Technisch eine gerechtfertigte 9/10, kompositorisch eine 8/10, in Sachen Subtilität und, so seltsam das bei einer solchen Rezension wirken mag, Mut zur stilistischen Variation, zur zeitweisen als Kunstgriff eingesetzten Deproggisierung oder Demelodisierung, leider nur eine 5/10. Vom Reinhören sollte das aber gerade Freunde von technischerem Progressive Metal nicht abhalten.

Anspieltipps:
“Arrhythmic Distortions”, “Like You, Like Me”, “Scorched Earth” und “Genisis Part 1: The Celestial Architect”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Traumatized
02. Nothing Remains
03. Arrhythmic Distortions
04. Like You, Like Me
05. Scorched Earth
06. Genesis Part 1: The Celestial Architect
07. Genesis Part 2: Evolution Of Man
08. Genesis Part 3: The Human Equation
09. Genesis Part 4: End Of Entropy

Jannis

BLACK & DAMNED – Heavenly Creatures

Band: Black & Damned
Album: Heavenly Creatures
Spielzeit: 58:30 min
Stilrichtung: Heavy/Power Metal
Plattenfirma: ROAR! Rock Of Angels Records
Veröffentlichung: 29.01.2021
Homepage: www.blackanddamned.com

Es gibt doch wenig Schöneres als eine Band, die kaum ein Jahr offiziell aktiv ist und dann mit ihrem Debutalbum direkt mal eine saftige Ansage bringt, wie man sie sich von vielen etablierteren Truppen schon länger mal wieder wünschen würde. Ladies and Gentlemen, introducing BLACK & DAMNED, ein deutsches Duo bestehend aus Michael Vetter (Ex-PUMP) an der Gitarre und Roland “Bobbes” Seidel als Sänger. Die haben sich zur Verstärkung MASTERPLANs Axel Mackenrott an die Tasten, Aki Reissmann (ebenfalls bekannt durch PUMP) an die zweite Gitarre und Ali Gözübüyük (BIONIC ANGELS) an den Bass geholt, dazu Axel Winkler (IHRESGLEICHEN) an die Drums. Man nehme dieses Sextett, gebe ihm eine gute Menge an Lockdownzeit zum Songwriting und heraus kommt – “Heavenly Creatures”, eine stolze 58 Minuten lange erste Meldung, die sich aber sowas von sehen lassen kann. Stilistisch ist die Platte irgendwo zwischen Heavy und Power Metal angelegt, mit gut knallender und natürlich-harter Produktion, kaum bis gar keinem Kitsch und einem ausgewogenen Verhältnis aus wirklich guten melodiösen und wirklich guten ballerigen Passagen. All das in überzeugend vielseitig und liebevoll ausgearbeitet. BLACK & DAMNED sind keine der Bands, bei denen die Aussage “Ach, lass uns das doch einfach so machen” beim Songwriting eine relevante Rolle gespielt hat, wie ein Blick auf die einzelnen Tracks offenbart. Los geht’s mit “Salvation”, einem würdigen Opener, der die harte Seite der Band in den Vordergrund stellt. Mit “Liquid Suicide” wird es dann ein wenig power-metalliger, bevor sich “Born Again” dann so richtig gehen lässt. Was ein smarter Prechorus, der perfekt in den nicht minder geilen Chorus überleitet, was für schön oktavierte Vocals – Anhänger der Hamburger Power-Metal-Fraktion werden an dem Ding ihre helle Freude haben. “The Wardress” traut sich ein paar mehr Synthesizer im Chorus, fällt in der Strophe minimal softer aus und hält das aufgebaute Niveau weiterhin oben. Mit “War Is Just Another Word For Hell” wird es dann eine ganze Ecke ruhiger, bis mit einem amtlichen “WWAAAARRRR!!!!” der Chorus reinbricht und Gänsehaut verteilt (aber nicht auf die billige Art). Und so gut geht es einfach mal weiter. “A Whisper In The Dark” hat einen wunderbaren Groove, einen leicht doomigen Chorus mit schöner Power-Metal-Wendung und zwischendurch viel kräftigem Gezimmer und “Decide On Your Destiny” trägt ebenfalls balladige Züge, kombiniert mit dem nächsten Überchorus (und ist ein sehr guter Grund, warum man auch zur CD-Version greifen sollte, da die Vinyl-Edition diesen Track nicht beinhaltet).
Die inzwischen so omnipräsenten Disco-Synthesizer als “Alleinstellungsmerkmal” haben BLACK & DAMNED nicht nötig, um Eigenständigkeit zu entwickeln. Gut, ’n paar Synthesizer gibt es, aber wenig aufdringlich und nicht zu synthetisierend. Und die Streicher könnten teurer klingen. Aber die sind auch quasi der einzige Kritikpunkt. Abseits dessen bietet “Heavenly Creatures” in seinen schwächsten Phasen 8/10-Tracks und in seinen besten lockere 10/10er-Tracks – und das passiert locker fünf- oder sechsmal.

Fazit: Genau wegen solchen Bands macht man als Rezensent seinen Job so gerne. Diese kleinen Truppen, von denen man nie etwas mitbekommen hätte, wenn sie nicht irgendwann ins Postfach geflattert wären, die handgemachte Musik auf einem so wunderbaren Niveau, mit so viel Inspiration und Unverbrauchtheit machen – Heavy- wie Power-Metal-Fans sei dringend zum Reinhören geraten. Wenn sich die Dinge gut weiterentwickeln, könnten BLACK & DAMNED in ziemlich kurzer Zeit eine Karriere hinlegen, die beispielsweise mit der von den etwas weniger harten aber musikalisch ähnlich guten THE UNITY vergleichbar wäre. Und ich würde es ihnen aus ganzem Herzen gönnen!

Anspieltipps:
Insbesondere Track 3 bis 8, dazu “Heavenly Creatures”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Salvation
02. Liquid Suicide
03. Born Again
04. The Wardress
05. War Is Just Another Word For Hell
06. A Whisper In The Dark
07. The 13th Sign
08. Decide On Your Destiny
09. The World Bleed
10. Dreams To Stay Alive
11. We Are Warriors
12. Heavenly Creatures

Jannis

THE DEAD DAISIES – Holy Ground

Band: The Dead Daisies
Album: Holy Ground
Spielzeit: 48:09 min.
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Spitfire Music (SPV)
Veröffentlichung: 22.01.2021
Homepage: www.facebook.com/TheDeadDaisies

Es gibt Reviews, die fallen dermaßen überraschungsarm aus, dass man sich als Rezensent fragt, warum man sich die Mühe überhaupt macht. Als würde man an die Bäume in seiner Nachbarschaft jeweils das Wort “Baum” schreiben oder alles in Erzählerform kommentieren, was eine anwesende Person gerade so tut.
Eines dieser Reviews ist das zu “Holy Ground” von THE DEAD DASIES. Gut, erwähnen könnte man noch, dass Glenn Hughes (DEEP PURPLE) für Gesang und Bass verantwortlich ist, Doug Aldrich (WHITESNAKE, DIO) und David Lowy (RED PHOENIX) für die Gitarren und Deen Castronovo (JOURNEY) für die Drums. Auch wäre wohl relevant, dass Ben Grosse der Mann für den Sound war, was er angesichts seiner Leistungen für DREAM THEATER, DISTURBED, ALTER BRIDGE und andere zurecht der Fall war.
Hier kommen also die erstaunlichen Fakten, die Ihr garantiert noch nicht über “Holy Ground” wusstet. Die Platte ist klassischer Hard Rock von Leuten, die diese Musik nicht nur komplett verinnerlicht sondern genau genommen auch mit erfunden haben. Der Sound ist warm, druckvoll (krasse Snare), klar und durchaus angenehm hart. Die Instrumentalfraktion ist reduziert auf die klassischen Hard-Rock-Instrumente, wobei die Oldschool-Bestandteile Schellenkranz, Shaker, Cowbell und Hammond-Orgel natürlich nicht fehlen dürfen. In der finalen Halbballade gibt es zudem ein bisschen sinnig eingesetztes Orchester zu hören. Die Vocals sind okay (Spaß, die Vocals sind natürlich top).
Joah. Ansonsten ist “Holy Ground” nach allen Regeln der Kunst ausgearbeitet, mit ordentlich Groove, prototypischem Aufbau der einzelnen Songs und Songteile, feiner Instrumentalarbeit aller Beteiligten. Tiefpunkte sucht man vergeblich, der schwächste Teil des Albums ist subjektiv betrachtet noch der eher lieblose Chorus von “My Fate”. Dafür kommt oben erwähnte Halbballade “Far Away” sehr eindrucksvoll, eher nachdenklich melancholisch als kitschig in den ruhigeren Parts und gegen Ende erfreulich eskalativ. “Like No Other (Basslines)” beglückt durch seine – Trommelwirbel – Basslines, “Come Alive” ärgert den Hörer augenzwinkernd mit seinem umgestülpten Strophenrhythmus, “Saving Grace” serviert guten Groove und eine schöne Chorusmelodie, und so weiter.
Wir alle wissen, worauf wir uns bei einem Album einer solchen Supergroup in einem fortgeschrittenen Stadium der Karrieren ihrer Mitglieder einlassen; dass hier kein Rad neu erfunden wird sondern verlässlich das gemacht wird, was eben der gemeinsame Nenner der Mitglieder ist. Und das Resultat klingt demnach null innovativ, aber frisch, unterhaltsam und sauprofessionell.

Fazit:
Schönes Album, intellektuell nicht fordernd aber in seinem wenig komplexen Stil doch smart gemachtes Entertainment, hinter dem eine Menge Erfahrung steckt. Nicht der nächste Klassiker aber ohne Frage ziemlich genau das, was man sich als Hard-Rock-Fan von einer solchen Truppe wünscht.

Anspieltipps:
“Like No Other (Basslines), “Saving Grace” und “Far Away”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Holy Ground (Shake The Memory)
02. Like No Other (Bassline)
03. Come Alive
04. Bustle And Flow
05. My Fate
06. Chosen And Justified
07. Saving Grace
08. Unspoken
09. 30 Days In The Hole
10. Righteous Days
11. Far Away

Jannis

TALENTSCHMIEDE: Torrential Rain

Band:
Torrential Rain

Gegründet:
2011

Herkunft:
Nürnberg, Bayern, Deutschland

Mitglieder:
Christopher Danner (Vocals, Guitar)
Dominik Grauvogl (Bass)
Dario Trennert (Drums)
Gordian Golder (Guitar)

Stil:
Progressive Metalcore

Veröffentlichungen:
Alben:
To Rise Above It All (2012)
Transitions (2018)

Singles:
Home Alone (04/2020)
Strung Out (07/2020)
Deaf Ears (10/2020)
Left Outside (12/2020)

Einflüsse:
Periphery, Trivium, Architects, Bring Me The Horizon, Polaris

Was wir die nächsten fünf Jahre erreichen möchten:
Raus aus Deutschland, raus aus Europa… also die Weltherrschaft selbstverständlich. 😉 Einfach weiterhin Musik gemeinsam machen und einen Song nach dem anderen veröffentlichen!

Was als nächstes kommt:
Single Nr. 5 ist gerade in Arbeit.

Unsere beste Erfahrung bis jetzt:
Auch wenn das Jahr 2020 durch COVID 19 ein totales Chaos war, war es für uns und unsere neue Herangehensweise in Bezug auf Veröffentlichungen wirklich unglaublich. Wir hätten am Anfang des Jahres niemals gedacht, dass unsere Single HOME ALONE mit über 220.000 Streams auf Spotify so viral geht.

Unser peinlichster Moment:
Bei einer Liveshow ist Dario das Bassdrumfell gerissen. Chris hat das am Mikro vorne nicht mitbekommen und das Publikum auf die Zugabe heiß gemacht. Leider konnten wir diese nicht spielen und das kam nach einer gefühlten Ewigkeit und einer recht witzigen Unterhaltung zwischen Chris und Dario raus. Das war dann doch ein peinlicher Abgang.

Mit wem wir gerne ein Bierchen trinken würden und warum:
Selbstverständlich mit dem CEO des Zirndorfer Brauhauses und wenn wir schon dabei sind: Zirndorfer, das Bier unseres Vertrauens! #NOCHunbezahltewerbung

Wenn wir uns eine Band aussuchen könnten, mit der wir auf Tour gehen dürfen:
Dann würde unsere Wahl auf Periphery fallen, da sie uns alle in der Band sehr inspiriert haben.

Das Beste daran, in einer Band zu spielen:
Das beste in einer Band zu spielen ist, dass Menschen auf der ganzen Welt die Möglichkeit haben, deine Musik zu hören. Das ist uns erst so richtig bewusst geworden, als die Spotify-Statistik uns gezeigt hat, dass wir in über 80 Ländern gehört werden.

Das Schlimmste daran, in einer Band zu spielen:
Naja, wir werden uns selbst nie so richtig live anschauen können. Das wäre mal interessant! 😊

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