REZET – Deal With It

Band: Rezet
Album: Deal With It
Spielzeit: 41:59 min
Stilrichtung: Thrash Metal
Plattenfirma: Metalville
Veröffentlichung: 22.02.2019
Homepage: www.rezet.de

Ist schon geil, wenn man der hungrigen Fangemeinde neun Jahre nach Erscheinen des Debutalbums das zweite Album mit dem Namen “You Asked For It” vorwirft und dann noch das dritte Album “Deal With It” benennt. Die Leute wollten es, jetzt können sie gucken, wie sie damit klarkommen. Spoiler: Sie werden ziemlich gut damit klarkommen. Die dritte Scheibe der Jungs von REZET aus dem deutschen Norden liefert qualitativen melodischen Thrash Metal, der ordentlich Gas gibt, dabei aber auch ein paar ruhigere Töne nicht scheut. Produziert wurde der Spaß von Eike Freese, der unter anderem an Releases von GAMMA RAY und DEEP PURPLE geschraubt hat. Das Resultat ist höchst gelungen. Klar, mit ordentlich Bums, dabei aber recht oldschool und authentisch klingend, eben so, wie ein Thrash-Metal-Album klingen muss. Auch die Leistung der Band stimmt. Die Instrumentalfraktion hat hörbar Bock und zudem eine gute Ladung Können am Start und Sänger Ricky wechselt gekonnt zwischen melodischerem Thrash-Gesang, Klargesang (selten) und bösen Vocals.
Das Songwriting ist erfrischend vielseitig ausgefallen. Hin und wieder griff man auf cleane Gitarren zurück, so beim schönen ruhigen Opener, beim über sechs Minuten langen, vielseitigen Instrumental “Pile Of Shards” und bei dem leicht balladigen “Alone”, dessen Refrain fast Gänsehautpotenzial hat.
Ansonsten ist man recht straight unterwegs, wechselt zwischen melodischeren Songs wie dem mit moderner Refrainmelodie ausgestatteten “No Plan B” oder dem Refrain von “Thunder Raiders”, und erquickender Angepisstheit. Songs wie der Titeltrack, “Chaos In My Mind” und “Spiral Down” dreschen unbarmherzig daher, mit einer guten Ration „Keinen Bock mehr auf all den Scheiß“ und einem Händchen für Oberklasse-Thrash-Riffs (Das Strophenriff von “Deal With It” ist der Shit!). Textlich regiert die Gesellschafts-/Sozialkritik, mit dem stampfenden Midtempotrack “Dead Or White” ist man nach eigenen Angaben “antifaschistisch” unterwegs, transportiert als Message dabei einen Minimalkonsens, den man unabhängig der eigenen politischen Ausrichtung (so diese denn nicht explizit extremistisch ausfällt) vertreten dürfte und der wesentlich glaubwürdiger rüberkommt, als man es von so bezeichneten Songs von Jennifer Rostock und Konsorten kennt. Und dazu geht der Track ordentlich ins Ohr. Wie ein Großteil des restlichen Albums. Und der Teil, der nicht ins Ohr geht, der geht erbarmungslos in den Nacken.

Anspieltipps:
“Deal With It!”, “No Plan B”, “Alone” und “Spiral Down”

Fazit:
REZET sind eine der Bands, die selbst auf Platte direkt ein angenehmes Kleiner-Club-großer-Spaß-Feeling vermitteln. Man wünscht sich bereits nach dem ersten Track auf ein Live-Konzert der Jungs und ein Bier in der Hand, haben REZET doch den Charme einer der Bands, die man sich mit 70 Leuten für 15 Euro anschaut und dabei weiß, dass das Konzertticket hinsichtlich der musikalischen Qualität eigentlich das Doppelte wert gewesen wäre. “Deal With It” ist ein unterhaltsames, fein gespieltes und komponiertes melodisches Thrash-Metal-Album, das hoffentlich eine angemessene Menge Aufmerksamkeit bekommt. Und es ist nicht nur dafür, dass es erst das dritte Album der Band ist, eine starke Leistung!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Behind Glass
02. Treadmill To Hell
03. Deal With It!
04. No Plan B
05. Thunder Raiders
06. Alone
07. Chaos In My Mind
08. MDPV
09. Dead Or White
10. Spiral Down
11. Pile Of Shards

Jannis

TARA LYNCH – Evil Enough

Band: Tara Lynch
Album: Evil Enough
Spielzeit: 44:08 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Cargo Records UK
Veröffentlichung: 01.03.2019
Homepage: www.taralynch.com

Manche spielen ein Instrument. Manche sogar zwei. Manche nehmen irgendwann mit anderen Musikern ein Album auf und haben, wenn es richtig gut läuft, sogar einen Gastauftritt eines bekannten Musikers dabei. Dann gibt es noch TARA LYNCH. Die spielt Akustik- und E-Gitarre, singt, spielt Bass, Schlagzeug und Klavier und hat auf ihrem Debutalbum eine übertriebene Menge hochkarätiger Gäste dabei, die man bereits mit BLACK SABBATH, YNGWIE MALMSTEEN, ALICE COOPER, OZZY OSBOURNE und etlichen anderen Helden der harten Musik auf der Bühne bestaunen durfte. All diese Skills und Namen hat TARA auf ihrem Debutalbum “Evil Enough” zusammengetragen, das Ergebnis sind zehn sauber produzierte Tracks, von denen vier instrumental gehalten sind, und auf denen das Multitalent die Verantwortliche für Gitarre und Gesang ist.
So weit, so gut. Eine Stimme hat die Frau auf jeden Fall; abseits von Opern-Metal klingt TARAs Stimme erfreulich rau und auf äußerst positive Weise “verbraucht”, ist dabei jedoch in diversen Gesangstechniken und auch in hohen Sphären einsetzbar. Was das Gitarrenspiel angeht, ist “Evil Enough” nahezu zurückhaltend. Selten findet man Soloalben von Gitarristen, die ohrenscheinlich jut talentiert sind, dem Hörer das allerdings dermaßen wenig unter die Nase reiben. Das kann man positiv finden, auf “Evil Enough” wünscht man sich jedoch tatsächlich mit der Zeit etwas mehr Gitarreneskalation. Auch die Instrumentals sind eher basic gehalten. So scheint das Talent von Frau LYNCH zwar immer mal wieder durch, wird allerdings nicht in seinem kompletten beeindruckenden Ausmaß wahrnehmbar.
Weiteres Problem: Jap, TARA LYNCH ist zweifelsohne im Metal zuhause, das merkt man ihren Kompositionen deutlich an. Doch ist ein Großteil der Songs (den dreckig-rockigen Knaller “Trustless” mal ausgenommen) eher banal, angenehm zu hören aber 08/15. Coole Harmoniefolgen oder Melodieansätze münden leider allzu häufig im Endeffekt doch wieder in einem Standardpart, der sich kaum festzusetzen weiß. Gerade den instrumentalen Tracks fehlen eingängige Leitmotive, was dazu führt, dass ein Großteil der Songs zum einen Ohr rein und zum anderen raus geht. Ein Weg, auf dem er ein aufgrund seiner Metallität halb beeindrucktes, halb auf den Beat zurückzuführendes, instinktives Kopfnicken hervorruft, aber das war es dann auch.
Die großen Innovationen fehlen, und somit ist “Evil Enough” zwar durchaus böse genug, aber das sollte nicht der alleinige Anspruch an ein Album sein.

Anspieltipps:
“Trustless”, “Enigmatic” und “Antidote”

Fazit:
Seien wir ehrlich: So Metal die zehn Songs auf “Evil Enough” auch sind, so imposant die Liste der Gastmusiker auch anmutet und so gut die ganze Sache auch gespielt ist – am Songwriting muss bei den folgenden Releases noch geschraubt werden. Damit ist das Debut von TARA LYNCH ein durchschnittliches, handwerklich starkes Heavy-Metal-Album, dem es an musikalischem Tiefgang fehlt.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Evil Enough
02. Antidote
03. Exit The Warrior
04. Kringeworthy
05. Banished From My Kingdom
06. Gui-Tara Rises
07. Unbreakable
08. Enigmatic
09. Trustless
10. Feckless Lock

Jannis

WOLVERINE – Cold Light Of Monday (RG Zeitmaschine)

Band: Wolverine
Album: Cold Light Of Monday
Spielzeit: 51:41 min.
Stilrichtung: Progressive Rock/Metal
Plattenfirma: Earache Records
Veröffentlichung: 17.11.2003
Homepage: www.wolverine-overdose.com

“Cold Light Of Monday” ist so ein Album, von dem ich mir gewünscht hätte, es wäre nicht veröffentlicht worden, bevor ich meine Rezensententätigkeit begonn. Egal, was soll’s, Zeitmaschine, ab geht’s ins Jahr 2003.
Hatten die Schweden von WOLVERINE ursprünglich als Death-Metal-Band begonnen, so bewegt man sich auf dem dritten Album “Cold Light Of Monday” doch mittlerweile in größtenteils ruhigen und edel erdig produzierten Progressive-Metal/Rock-Sphären. Während die Grundstimmung der meisten Alben in diesen Genres entweder nachdenklich, tendenziell fröhlich oder frustriert ist (oder eine Mischung aus allem), zieht “Cold Light Of Monday” den Hörer, salopp formuliert, gnadenlos runter. Erzählt wird auf der als Konzeptalbum gestalteten Platte die Geschichte einer jungen Frau namens Sarah, die zu Beginn vergewaltigt wird und sich im Folgenden mit den psychischen Auswirkungen dessen und ihren selbstzerstörerischen Arten, damit umzugehen, auseinandersetzen muss. Die Qualtiät der Texte ist, gelinde gesagt, eindrucksvoll. Sehr sensibel und respektvoll geschrieben, zum Teil aus Sarahs Perspektive und zum Teil aus der eines Erzählers, der ihre Gedanken und Emotionen zu vermitteln weiß. Das Resultat ist authentisch, bedrückend und ein außergewöhnlich realistisches Bild der Auswirkungen einer derartigen Tat auf das Opfer.
Zum Meisterwerk wird “Cold Light Of Monday” in Kombination mit der musikalischen Ebene. Ruhig, melancholisch, melodiös, wunderschön und gleichzeitig teils grässlich unangenehm – gerade Tracks wie das hypnotische, klangkunstartig anmutende “Tightrope” haben den Anschein, als habe man einem friedlich-harmonischen ungebrochenen Album etwas Grausames angetan. Gerade diese Tracks/Passagen sind tatsächlich schwer hörbar, vermitteln dabei die im Text dargestellten Emotionen umso stärker (erwähnenswert an dieser Stelle auch “Red Canvas” und “Dust”). Doch auch die melodiöseren, “klassischeren” Tracks auf “Cold Light Of Monday” sind nicht weniger beeindruckend komponiert. Sei es die gelungene Mischung aus Melancholie und Fröhlichkeit im Drogentrack “Carousel”, die kurze aber berührende Ballade “Trust”, der intensive Endtrack oder der Weltklasse-Chorus von “Sarah”; Ausfälle sucht man vergeblich.
Garniert wird all das durch ins Hirn gehende Refrains (“Sarah”, “Carousel”, “Pantomime” etc.), eine vielseitige Instrumentierung, einige elektronische Komponenten, eine unaufdringliche Progressivität und die großartige Stimme von Stefan Zell. Das letztendliche Resultat ist ein Album, das Emotionen unvergleichlich zu vermitteln vermag, alles andere als leicht hörbar ist und am besten mit dem Booklet in der Hand im heimischen Sessel genossen werden sollte. Und ein Album, das nach der subjektiven Meinung des Rezensenten verdammt nah an der Perfektion ist.

Anspieltipps:
Alles am besten in einem Rutsch durchhören. Ansonsten: “Sarah”, “Carousel”, “Trust” und “Tightrope”

Fazit:
Jedem zu empfehlen, der Progressive Rock/Metal mag und der weiß, dass eine deprimierte Grundstimmung am Ende eines Albums ein absolut würdiger Preis für das Privileg sein kann, es gehört haben zu dürfen. Ganz große Kunst, die sich wohl kein Besitzer der Platte nur einmal antun wird.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Dawn
02. Sarah
03. New Best Friends
04. Tightrope
05. Carousel
06. Trust
07. Pantomime
08. Red Canvas
09. Dusk
10. Tied With Sin
11. The Final Redemption

Jannis

SEBASTIEN – Behind The World (EP)

 

SEBASTIEN – Behind The World

Band: Sebastien
Album: Behind The World (EP)
Spielzeit: 15:50 min.
Stilrichtung: Power Metal, wenn man so will
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 01.02.2019
Homepage: www.sebastienofficial.com

Alter, was hab ich bei SEBASTIENs neuer EP “Behind The World” hinsichtlich der Bewertung mit mir gehadert. Das totale Wechselbad der Gefühle habe ich beim Hören der vier Tracks durchlebt und muss nun aufgrund meiner Unfähigkeit, eine angemessene Entscheidung zu treffen, tatsächlich zwei Rezensionen schreiben, die zweite als Reaktion auf die erste. Vorher die Sidefacts und alles, worauf sich meine zwei Meinungen einigen können: Nach dem über weite Teile extrem starken “Act Of Creation” und einigen Auftritten mit den nicht minder starken SQUEALER hat nun die neue EP der tschechischen Power-Metaller von SEBASTIEN das Licht der Welt erblickt. Modern produziert und erneut mit dem begnadeten George Rain am Mic werden die Ohren der Hörer über knapp 16 Minuten liebevoll umschmeichelt, als Gastsänger ist zudem BEAST IN BLACKs Yannis Papadopoulos, das neue Popsternchen am Power-Metal-Himmel, am Start.

Rezension 1: Was hingegen nicht am Start ist, sind Rhythmusgitarren. Die wurden so dermaßen hart hinter die Synths gemischt, dass man sie nur am Anfang von “Sweet Desire” mal über mehr als nur ein paar Sekunden erkennen kann, ohne Gefahr zu laufen, sie einfach mit einem stärker distorteten Bass oder einem böseren tiefen Synthesizer zu verwechseln. Die Position der Gitarren übernehmen die Keyboards. Die kleistern jeden Song von Anfang bis Ende zu, ob als Pad-Teppich beim Synth-Pop-Song “Mirror On The Wall” oder in Form aggressiv bratender Saw-Synths im Disco-Metal-Track “Fight For Love”. Es spricht ja nichts gegen eine ordentliche Menge Synths im Power Metal, aber ernsthaft: Track 1 ist ’n Radio-Pop/Rock-Song mit Schellenkranz und cleanen Rhythmusgitarren (Die hört man sogar), Track 2 Disco-BummZapp-Metal ohne hörbare Gitarren und Track 4 ist gothisch angehauchter Synthpop mit verdammten E-Drums. Lediglich Track 3 (Und es will was heißen, wenn ein Track namens “Sweet Desire” der härteste Track auf der gesamten EP ist) ist ansatzweise gitarriger Power Metal, aber nicht auf dem Niveau der besseren Songs des Vorgängeralbums. Freunde, wenn Ihr Euch in eurem damals gewählten Genre nicht wohlfühlt, dann gebt es doch einfach zu.

WERTUNG:

 

 

Rezension 2: Jut. Man darf an dieser Stelle halt auch nicht vergessen, dass es sich um eine EP handelt. Und EPs klingen oftmals ein wenig anders als der Rest der Veröffentlichungen einer Band. Auch mir sind die Gitarren zu leise, aber wenn ich einmal verarbeitet habe, dass “Behind The World” zu mehr als 50% eben eher synthig und radiokompatibel ist, und dies akzeptiere, so muss ich ehrlich sagen: Gerade Track 1 und 4 gehen brutal ins Ohr, liefern einwandfrei eingängige und teils Gänsehaut erzeugende Melodien, die in absolut geile Arrangements eingebunden sind (Ich höre aus “Mirror On The Wall” neben Oldschool-Gothic-Inspiration tatsächlich leichte MAGNA-CARTA-CARTEL-Einflüsse heraus). Klar, da steckt viel aus dem Computer dahinter. Aber wer dafür verantwortlich ist, der weiß mit dem Ding auch umzugehen, gerade die Produktion der Synths ist herausragend. Auch Track 2 und 3 wissen zu gefallen, wenn man mal davon absieht, dass SEBASTIEN ihre Gitarren vermutlich auf Tour verloren haben. Track 2 mit Yannis ist einwandfreier BEAST-IN-BLACK-Metal und Track 3 hätte man so auch auf “Act Of Creation” finden können. True ist das alles nicht. Heavy auch nicht. Größtenteils auch nicht Metal. Ordentlich Spaß macht es nichtsdestotrotz. Guilty Pleasure in Reinform und ich schäme mich nicht, das zuzugeben!

WERTUNG:

 

 

Fazit (Versuch einer Einigung): Man kann wohl so verbleiben, dass SEBASTIEN dringend geraten sei, auf dem nächsten Album die Gitarren wieder lauter zu drehen und den Metalanteil wieder auf über 50% zu pushen. Aber als das, was es ist – poppige keyboardlastige Mucke mit massig Ohrwurmpotenzial – macht “Behind The World” absolut nichts falsch, im Gegenteil. Man darf abwarten, ob dieser Stil bei SEBASTIEN nun zur Gewohnheit wird. Das wäre schade, doch als kleiner Ausflug in (noch) poppigere Gefilde ist die EP schon eine korrekte Sache.

 

Trackliste:

01. Behind The World
02. Fight For Love (feat. Yannis Papadopoulos)
03. Sweet Desire
04. Mirror On The Wall

Jannis

VANDOR – In The Land Of Vandor

Band: Vandor
Album: In The Land Of Vandor
Spielzeit: 60:34 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Germusica
Veröffentlichung: 25.01.2019
Homepage: www.facebook.com/Vandorband

Ich denke nicht, dass das nur mir so geht: Kleine Power-Metal-Bands, die unbedarft und gut gelaunt 90er/Anfang-2000er Power Metal spielen, so zusammengestellt sind, dass die Kompositionen live ohne Backing Track und lediglich mit fest zur Band gehörendem Keyboarder intoniert werden können, und die mit leichter Power-and-Glory-Naivität klassische Melodien des Genres zu etwas eigenem gestalten, sind mir persönlich unmittelbar sympathisch. VANDOR ist eine dieser Bands.
Die 2015 in Göteborg gegründete Truppe hat ihr Debutalbum fertiggestellt und beweist bereits auf diesem, dass sie nicht nur Potenzial besitzt sondern dieses in solch jungen Jahren auch bereits ziemlich gut zu nutzen weiß.
Produziert wurde “In The Land Of Vandor” von der Band selbst, Mix und Mastering erfolgte durch Jason Carter. Ganz auf der Höhe der Zeit klingt das Endergebnis nicht, das ist bei dem Stil der fünf Schweden aber nicht schlimm und eher dem Nostalgiefaktor dienlich. Die gut gesungenen Vocals hätte man allerdings tatsächlich etwas liebevoller produzieren können. Hier fehlt ein Echo- oder Hall-Effekt, der den Vocals mehr Wucht verliehen hätte.
Musikalisch: Hervorhebenswert ist der geschmackvolle Einsatz der Keyboards durch Keytarist Uno Rosengren. Der verzichtet darauf, jeden Lied zu einem Keyboardmassaker mit Bandbegleitung umzugestalten, was bei so manch anderer neuerer Power-Metal-Band doch oftmals ein harter Kritikpunkt ist. Dezente Synths im Hintergrund, gut platzierte Soli, eine spaßige Soundauswahl; mit seinem Spiel verleiht Uno “In The Land Of Vandor” eine anständige Würze, ohne das Ding zu versalzen. Ebenso der Bass (Alve Bjerde), der auch öfters mal in den Vordergrund darf und beste Arbeit leistet, zu überprüfen beispielsweise bei den MAIDENigen Bassläufen auf “Possessive Eyes”, das vergleichsweise rockig ausfällt und dessen Akustikversion am Ende des Albums unerwarteterweise sehr gut gelungen ist.
Auch sonst lassen VANDOR sich hinsichtlich des gegebenen Abwechslungsreichtums nicht lumpen. “With Bleeding Hands I Stand” ist eine kraftvolle Power-Metal-Ballade mit Wums, “The Land Of Vandor” feinster fröhlich-hurtiger Stoff ganz im Sinne von etablierten Vertretern des Genres wie POWER QUEST und “Serving Their Needs” überzeugt mit 6er-Takt auf 4er-Takt-Drums, leicht gothischem Background-Klaviermotiv und einer Mischung aus Melancholie und Positivität, die dem Gefühl nahekommt, dass einen ergreift, wenn man im Begriff ist, das letzte Stück Pizza zu essen.
Dazu kommt ein 14-Minuten-Song, der abwechslungsreich konzipiert ist und gelegentlich mit dem Taktmaß spielt (“Uncover The Earth”), mehr klassischer Power Metal mit coolem Solopart (“Wrath Of Night”) und noch ein paar weitere gelungene Tracks.
Klar, auch wenn zwischendurch modernere Züge durchkommen: “In The Land Of Vandor” ist nicht besonders innovativ und hat durchaus eine Menge Parts am Start, die eben dem Standard des Genres entsprechen. Dennoch wird der Freund klassischem Power Metals auf der Platte einige Überraschungen erleben und über eine Stunde Spielzeit doch zumeist sehr gut unterhalten sein. Schöne Sache, insbesondere für ein Debut!

Anspieltipps:
“Serving Their Needs”, “The Land Of Vandor”, “Possessive Eyes” und “Warriors Of Time”

Fazit:
Hoffentlich verfolgen VANDOR ihren Stil auf zukünftigen Veröffentlichungen weiter und verzichten auf den überproduzierten Discosound, dem momentan so viele verfallen. Handgemachter Power Metal älterer Schule, mit Freude gespielt und durchaus originell. Und bitte beachtet den Blick des Drachen auf dem Cover.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Dark Times
02. Wrath Of The Night
03. Beneath The Sky
04. Warriors Of Time
05. Possessive Eyes
06. Uncover The Earth
07. Serving Their Needs
08. With Bleeding Hands I Stand
09. The Land Of Vandor
10. In The Shadows
11. Possessive Eyes (Acoustic)

Jannis

TROLLFEST – Norwegian Fairytales

Band: Trollfest
Album: Norwegian Fairytales
Spielzeit: 41:40 min.
Stilrichtung: Folk Metal/True Norwegian Balkan Metal
Plattenfirma: NoiseArt Records
Veröffentlichung: 18.01.2019
Homepage: www.trollfest.com

Das Internet beschert uns in der heutigen Zeit eine unermessliche Menge an Vorteilen. Die Möglichkeit der Kontaktaufnahme zu Menschen an nahezu jedem Ort dieser Welt, Videos von Katzen, die sich vor Gurken erschrecken, anonymes Sexspielzeugshopping und die Option, Menschen zu beleidigen, weil ihre Meinung von der eigenen abweicht. Was gemeinhin vernachlässigt wird, ist der Bonus, dass das Internet Rezensenten ermöglicht, die Trackliste des neuen TROLLFEST-Albums einfach in die eigene Rezension zu kopieren, statt alles akribisch abtippen zu müssen. Denn von der vertrauten Mischung aus norwegisch und englisch hat man sich auf “Norwegian Fairytales” verabschiedet, agiert komplett auf norwegisch, ist vielleicht sogar ein wenig erwachsen geworden. Ist das tragisch? Nö. Die Texte behandeln halt nicht mehr primär witzige Nonsensgeschichten und Alkoholkonsum, sondern norwegische Volksgeschichten, ist aber auf norwegisch, merkt also keiner hier. Musikalisch regiert nach wie vor kreativer Wahnsinn. Blastbeats und Gedresche kombiniert mit norwegischer Volksmusik und Balkan-Inspiration, und der Mix klingt homogener als je zuvor bei einem TROLLFEST-Album. Gekeife und Gesang (den man so oder so ähnlich vermutlich in norwegischen Kneipen morgens um halb vier zu hören bekommt) wechseln sich ab, zwischendurch gibt’s ein paar Parts mit Gastsängerin, die sich gut in das Werk einfügen. Dazu Klavier, ganz wenige Synths, viele Balkan- und Norwegen-Instrumente traditionellen Ursprungs und eine kleine Orgel, vermutlich die einzige, die sich in Norwegen noch fand.
Hinsichtlich des Taktes ist man ebenfalls unkonventionell unterwegs. Vermutlich könnten DREAM THEATER eine kompositorisch unveränderte, lediglich stilistisch angepasste Version des Albums rausbringen, denn stumpf ist “Norwegian Fairytales” nun wahrlich nicht. Im Gegenteil. Das generische Folk-Metal-Humpa macht auf dem achten Release der Kollegen einer Fülle seltsam aber geil anmutender Arrangements platz, in denen auch gerne mal ruhige Klavierpassagen (hundertpro GRIEG-inspiriert) mit trolligem Gekreische kombiniert werden.
Dazu finden sich auf der Platte drei Songs, die durch ihre Länge von maximal 95 Sekunden aus dem Raster fallen. Sei es fröhliches Folk-Gedudel, ein Song, der sich von einem guten Popsong mit idyllischem Klaviermotiv lediglich durch Gedresche und Geschreie abhebt oder ein kurzer Track, der beinahe als Folk-Metal-Version eines vernünftigeren IGORRR-Tracks durchginge: Die komplette Palette an Absonderlichkeiten wird abgedeckt; stets irgendwie lustig, aber als Folk-Metal-Album in seiner Kreativität ernstzunehmender als 95% der Anderen im Business.
Mit 41 Minuten Spieldauer ist die Länge von “Norwegian Fairytales” nicht allzu monumental, aber dafür gibt es auch keinen wirklichen Lückenfüller. Produziert ist das Ganze sauber und gut und auch sonst gibt es an TROLLFESTs neustem Streich nicht wirklich was zu meckern. Ganze Arbeit, Freunde!

Anspieltipps:
“Espen Bin Askeladden”, “ Fjøsnissens Fjaseri”, “ Småfolkets store bragder” und “ Deildegasten”

Fazit:
Man muss kein Freund von Folk Metal sein, um an “Norwegian Fairytales” seine Freude zu haben. Es reicht schon, wenn man ein Freund humorvoll und kompetent ausgearbeiteter musikalischer Konzepte ist und sich manchmal nachts im Gebüsch herumtreibt.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Fjøsnissens Fjaseri
02. Kjettaren mot strømmen
03. Espen Bin Askeladden
04. Trine Reinlender
05. Fanden Flyr
06. De tre Bukkene Berusa
07. Småfolkets store bragder
08. Draugen
09. Deildegasten
10. Byttingenes Byttehandel
11. Nøkken og Fossegrimen spiller opp til midnattstimen

Jannis

STEEL ENGRAVED – Steel Engraved

Band: Steel Engraved
Album: Steel Engraved
Spielzeit: 58:54 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: ROAR! Rock Of Angels Promotion
Veröffentlichung: 25.01.2019
Homepage: www.steelengraved.de

STEEL ENGRAVED – Das riecht nach Battlefield, Glory, gegebenenfalls einigen Eagles und jeder Menge Swords. Doch der Bandname trügt. Auf jeden Fall sind die Herren und Dame von STEEL ENGRAVED im Heavy/Power-Metal-Bereich unterwegs, doch auf eine teils recht moderne und synthlastige und teils auf eine oldschoolige aber musikalisch alles andere als MANOWAReske Art. Das dritte Album der Deutschen ist weitgehend das, was man heute als Melodic Metal bezeichnet, mit hörbaren Einflüssen der Great Old Ones und einiger Liebe zu Cheesyness – und einem starken Albumcover, wohlgemerkt.
Das (inklusive hörenswerter Bonustracks) fast eine Stunde lange und aus 13 Songs im Drei-bis-fünf-Minuten-Bereich bestehende Album ist von Mario Lochert und Jan Vacik von SERIOUS BLACK produziert worden, die Vocals von Ralf Scheepers. Das Resultat kann sich hören lassen, fällt klar und definiert aus, ohne die nötige Härte missen zu lassen. Ich hoffe, dass die kleinen störenden Knackser nur in der Promoversion auftreten und auf der letztendlichen Veröffentlichung nicht mehr am Start sind, das wäre ein klares Manko.
Musikalisch ist man innerhalb der eigenen Grenzen recht vielseitig unterwegs. Von STRATOVARIUS-inspirierten Strophen (beim keyboardlastigen Opener oder bei “One By One”) über trockenes Midtempo (Das sehr gelungene “Searching For Regret” mit Rals Scheepers als Gastvokalist) bis hin zu düsterem dicken Power Metal (“Rebellion”) ist alles vertreten, garniert von mies ins Ohr gehenden Refrains, insbesondere bei “Rebellion”, “Searching For Regret” und “Where Shadows Remain”. Die Keyboards halten sich in einem angemessenen Rahmen, sind bei moderner gehaltenen Songs wie besagtem Opener oder “Your Inner Self” recht präsent, bei klassischeren Tracks jedoch angenehm unauffällig gehalten.
Ein bisschen ruhigerer Stoff ist auch dabei, positiverweise ist allerdings noch nicht einmal die Bonus-Halbballade “All That Lies Below” zu kitschig geworden. All das wird getragen von der wirklich stabilen Stimme von Marco Schober, der gerade in etwas höheren Sphären verdammt viel leistet und nicht selten mal an Michael Kiske erinnert.
Kritik? ‚N bisschen, ja. Größter Kritikpunkt sind die Mittelteile der Songs. Diese wirken doch eher zweckmäßig und beschränken sich entweder auf ein Gitarrensolo, das gut aber belanglos ausfällt, oder auf einen Part, in dem die Instrumentalfraktion kurz mal das Tempo runterfährt oder den Rythmus ändert. Ein bisschen mehr Liebe zum Detail wäre hier schön. Ansonsten lässt sich Kritik nur recht diffus anwenden. Der größte Teil der Tracks agiert auf hohem Niveau, oft fehlt aber noch der bestimmte Faktor, der aus einem 8/10-Song einen 10/10-Song macht. Diese Einschätzung sollte jedoch keineswegs davon abhalten, “Steel Engraved” mal eine Chance zu geben, denn ein echt gelungenes Power-Metal-Album, das weder in Klischees noch in kompositorischer Irrelevanz versumpft, ist die Platte allemal!

Anspieltipps:
“Where Shadows Remain”, “Searching For Regret”, All That Lies Below” und “Rebellion”

Fazit:
Unklischeehafter Power Metal, der aus traditionellem und modernem Sound eine feine Mischung schafft, gekonnt zwischen ruhigen Parts und Geballer wechselt und kompositorisch einiges in petto hat. Das alles in gut gespielt und gut gesungen. Die Rock-Garage-Leserschaft sollte zu einem nicht geringen Teil Zielgruppe von “Steel Engraved” sein.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Where Shadows Remain
02. Generation Headless
03. The Oppressed Will Fly
04. Slave To Yourself
05. Nightwarriors
06. Rebellion
07. Searching For Regret
08. One By One
09. Heat
10. Your Inner Self
11. Close Your Eyes
12. We Will Follow
13. All That Lies Below

Jannis

FALLEN ANGEL – Cast Out Of Heaven

Band: Fallen Angel
Album: Cast Out Of Heaven
Spielzeit: 71:38 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Killer Metal Records
Veröffentlichung: 10.08.2018
Homepage: www.facebook.com/Fallen-Angel-104485219594948

70 Minuten Spieldauer, 19 Songs, zweiter Teil einer Alben-Trilogie basierend auf einer Novellen-Trilogie – all diese Rahmeninfos wecken doch amtliche Erwartungen auf die zweite Platte der Jungs von FALLEN ANGEL aus dem Hinterland New Yorks. Dazu kommt ein cooles Band-Image inklusive Kostümierung und ein durchaus stilvolles Cover. Für ein zweites Album einer Band sind die Umstände tatsächlich ansehnlich. “Cast Out Of Heaven” mutet als Gesamtkunstwerk an und diesen Status kann man ihm auch nicht wirklich absprechen.
Produziert ist das Ding okay. Hätte man die Drums ein wenig lauter und die Gitarren etwas leiser geschraubt, wäre die Euphorie noch um einiges größer gewesen, hören lassen kann sich die Platte aber auf jeden Fall.
Sänger Steve Siniuk macht ebenfalls einen guten Job. Sei es hohes Gekeife in Form einer Mischung aus HELL, Rob Halford und Udo Dirkschneider oder gemäßigterer Gesang in konventionellen Höhen; die Stimme passt und macht einen guten Job für die Veroldschoolung (Oldverschoolung?) des allgemein auf “Painkiller“-PRIESTige Weise sehr traditionell rüberkommenden Albums. Auch der Rest der Band arbeitet ordentlich, obgleich bei einigen Tracks, unter anderem “The Man In Black”, leichte Schwankungen in der Geschwindigkeit oder in der Genauigkeit einzelner Instrumente auftreten, die man wahlweise als underground-true oder bemängelnswert beurteilen darf.
Und die Musik? Nun, Oldschool-Underground-Metal-Fans mögen der Scheibe durchaus einiges abgewinnen können. Allgemein ist jedoch der Mangel an unterschiedlichen Grundtönen das wirklich Spektakuläre an “Cast Out Of Heaven”. Gefühlt 80% aller Lieder finden durchweg auf ein und dem selben Grundton statt, sind dabei sehr Metal aber eben wenig abwechlungsreich. Primitiv mag man das nennen, ohne es dabei groß verurteilen zu wollen, aber wer Interesse an kreativen Melodien oder zumindest an auf immer dem selben Ton smart umgesetzten Arrangements hat, der wird wohl enttäuscht werden. Die Riffs sind top, ohne Frage, aber wenn ein Großteil aller Songs seinen Reiz daraus bezieht, dass der nach langem Strophen- und Prechorusgedöns sehnlich erwartete Refrain eine akzeptable Melodie auf dem Eingangsriff bietet, auf die weitere Grundtonarbeit folgt, dann stellt sich bei einem 70-Minuten-Album nach spätestens einem Drittel der Songs eine gewisse Langeweile ein. Ein wenig helfen dabei die aus der Reihe fallenden Songs, die laut Promosheet an QUEENSRYCHEs “Operation Mindcrime” erinnern sollen, dies aber laut Rezensent nicht tun. Das ruhige “Ascension”, das elektronisch untermalte “Dance Of The Dead” und das loungige “Lord Of The Flesh” liefern Abwechslung, haben ihr Potential jedoch ebenfalls nach zwei Minuten ausgeschöpft und wiederholen sich anschließend gefühlt ewig, auch wenn sie die fünf Minuten Spieldauer selten überschreiten.
Man hat letztendlich das Gefühl, FALLEN ANGEL wollten einfach zu viel mit ihrem Album. 70 Minuten, Konzeptalbum, Trilogie, Novellenvorlage, das wirkt alles beeindruckend, doch wenn die ganze Sache im Endeffekt aus 19 Songs besteht, deren Ideen man auch in 40 Minuten wesentlich kurzweiliger hätte verpacken können, dann ist das Ziel ein wenig verfehlt.

Anspieltipps:
“Ascension”, “The Terror Within” und “Fall From Above”

Fazit:
Freunde des rohen und einfachen Heavy Metals der alten Schule mögen an “Cast Out Of Heaven” ihre Freude haben. Wer hingegen Metal primär dann interessant findet, wenn er melodische Vielseitigkeit und kompositorische Kreativität beinhaltet, und dies als Grundvoraussetzung für ansprechenden Heavy Metal sieht, der wird über die beachtliche Spieldauer doch größtenteils vergeblich auf den Moment warten, an dem die Subdominante erstmals innerhalb eines Songs verwendet wird.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Cast Out Of Heaven
02. Fall From Above
03. The Burning Curse
04. Charon’s Black Sails
05. Lost… On The River Styx
06. The Terror Within
07. Ascension
08. Democales
09. The Man In Black
10. Harem Of Sin
11. Lord Of The Flesh
12. Dance Of The Dead
13. Within This Area… Glory Awaits
14. A Clash Of Titans
15. The Fall Of A Lord
16. Blackened Hearts
17. Withered Soul
18. Doomed
19. The Fallen (Bonus Track)

Jannis

 

ARRAYAN PATH – Archegonoi

Band: Arrayan Path
Album: Archegonoi
Spielzeit: 84:00 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Pitchblack Records
Veröffentlichung: 30.11.2018
Homepage: www.facebook.com/arrayanpath

“LET ME TELL YOU A STORY!!” ranzt Nicholas Leptos den Hörer im finalen Part von “Bellerophon (Forged By The Blacksmith)” unvermittelt und mehrfach mit einer Nachdrücklichkeit etwa so entgegen, als würde Opa auf der Familienfeier plötzlich aus seinem Ruhemodus hochfahren und keine Widerrede erlaubend verkünden, er erzähle nun vom Krieg. Man lässt solche Leute dann erzählen; bei Nicholas, der dabei von den restlichen Jungs von ARRAYAN PATH unterstützt wird, sogar sehr gerne. Auch er erzählt vom Krieg, aber auch von anderen mit dem antiken Griechenland in Verbindung stehenden geschichtlichen/mythologischen Ereignissen  – und das über sagenhafte auf zwei CDs verteilte 84 Minuten, obgleich der Release des Vorgängers von “Archegonoi” gerade einmal ein Jahr zurückliegt. Das ist eine beachtliche Leistung und wirft die Frage auf, ob unter dem hohen Arbeitstempo nicht die Qualität der Platte gelitten haben mag.
Die Antwort: Ja, hat sie. Aber nur ganz minimal. Primär zeigt sich das an der Produktion, die einige wenige Töne gerne mal lautstärketechnisch hörbar von den anderen abhebt. Zudem finden sich ab und an gerade in den Drums Momente, wo ein Schlag (oder ein Ton) dann doch nicht ganz genau dann kommt, wenn er soll. Ist ein wenig schluderig, aber authentisch und kommt so selten vor, dass es den Gesamteindruck des Albums nicht zu schmälern vermag – sollte aber bei einem professionell aufgenommenen Album in heutiger Zeit nicht passieren.
Wie sieht es aber aus mit den Kompositionen? Nun, auf einzelne Songs kann man bei der Platte kaum eingehen, schließlich sind sie praktisch alle mindestens fünf Minuten lang, und in klassischer ARRAYAN-PATH-Manier passiert in jedem von ihnen zu viel für Einzelbesprechungen. ARRAYAN PATH sind unvorhersehbar im besten Sinne, auch auf “Archegonoi”. Ruhig-atmosphärische Parts wechseln sich ab mit mal hymnischen, mal hypnotisch-redundanten Refrains. Auf vergleichsweise böse Uptempoparts folgen balladeske, und ein Song, der fanfarisch-orchestral-fett eingeleitet wird, kann von einer Sekunde auf die andere in trockenes Midtempogestampfe übergehen. Sanfte Vocals werden unerwartet zu hohem Geschreie, das im nächsten Moment von mächtigen tiefen Männerchören ersetzt wird. Dazu Melodien, die mal folkloristisch angehaucht sind, gleich darauf eher an deutsche Schlagerkompositionen erinnern – nur in progressiv gestaltet. Gibt es progressiven Schlager?
Dieses Abwechslungsreichtum, hinter dem jederzeit erkennbares System steckt, sorgt tatsächlich dafür, dass “Archegonoi” über seine kompletten 84 Minuten fast durchweg glänzend unterhält, sei es mit eingängigen Hooks, von traditionellen griechischen Instrumenten gespielten Soli oder musicalartigen Abschnitten. Natürlich, ein paar Stellen hätte man rauskürzen können, aber insgesamt erweist sich die Entscheidung, aus dem Ding ein Doppelalbum zu machen, als ziemlich gut. Es ist eine krasse Leistung, ein Album nur ein Jahr nach dem Release seines Vorgängers rauszubringen. Aber es ist eine ganz andere Hausnummer, ein Werk mit der Länge und der kompositorischen Qualität von “Archegonoi” in solch kurzer Zeit zu veröffentlichen. Das Niveau des Vorgängers kann locker gehalten werden. Unter diesen Umständen kann man über die paar Drumhits, die minimal aus dem Takt fallen, locker hinwegsehen. Großen Respekt für diese Leistung!

Anspieltipps: “Weaving The Web Of Destiny”, “Bellerophon (Forged By The Blacksmith)”, “King Of Argos” und “Rod Of Asclepius”

Fazit:
“Archegonoi” ist kein Album für nebenbei. “Archegonoi” ist kein Easy Listening und “Archegonoi” ist wohl eins der außergewöhnlichsten Power-Metal-Alben des Jahres. Wer Bock hat auf eine musikalisch grandiose Reise durch Geschichte und Mythologie (und so fühlt sich die Platte tatsächlich an), der bekommt mit der neuen ARRAYAN PATH genau das und mehr: ein Power-Metal-Album mit Anspruch, das seine Hörer spätestens nach dem zweiten Hördurchgang kaum mehr loslassen wird.

WERTUNG: 

Trackliste:

  1. Weaving The Web Of Destiny
  2. Rod Of Asclepius
  3. Seven Against Thebes
  4. Sins Of Pandora
  5. The Words Of Menelaus
  6. Bellerophon (Forged By The Blacksmith)
  7. Thisbe’s Blooded Veil
  8. Lion Of Amphipolis
  9. Blood Of The Sphinx
  10. Nemesis
  11. Eastern Sands
  12. Where The Hydra Hides
  13. King Of Argos
  14. Thermopylae 480 BC

Jannis

DYSTOPOLIS – V.EN.O.M.

Band: Dystopolis
Album: V.EN.O.M.
Spielzeit: 56:15 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: RamItDown Records
Veröffentlichung: 23.11.2018
Homepage: www.facebook.com/dystopolis

Ab und zu gelingt einer kleinen Band eine echt große Leistung und das ist ein Grund zum Feiern. Holt also die Luftschlangen und den zwangsweise alten Wein aus dem Luftschutzbunker und ab dafür! Schließlich mag “V.EN.O.M.” den Bremern von DYSTOPOLIS verdientermaßen den Eintritt in die German Power Metal Hall of Fame bedeuten. Ist generell schön bei Newcomern, dass sie sich noch beweisen und nicht einfach nur ihre eigene Sparte bedienen müssen, dann manchmal kommt dabei etwas heraus wie die hier besprochene Scheibe.
Kurz die Sidefacts: Nach der 2008 erfolgten Gründung brachte man zwei Eigenproduktionen und nun endlich das Labeldebut bei RamItDown Records heraus und spielt laut eigenen Angaben Postapocalyptic Metal, der sich um die fiktive Stadt Dystopolis dreht. Produziert wurde die Platte vom momentan omnipräsenten Seeb Levermann, der sich in ziemlich kurzer Zeit zu einem echten Qualitätsgaranten gemausert hat. Somit gibt es am Sound schonmal nichts zu bemängeln und die Scheibe klingt, gerade in den Passagen mit vielen Background Choirs, durchaus ORDEN-OGANig.
Während die Band/das Label “V.EN.O.M.” (Vicious Enemy Of Mankind) Fans von ICED EARTH, NEVERMORE und BLIND GUARDIAN empfiehlt (letzterem kann ich bedenkenlos zustimmen, das agressiv-technische “Beneath A Black Horizon” mit seinem hymnischen Refrain wäre auch ein guter Job für Hansi), würde ich klar noch GRAVE DIGGER ergänzen. Die Stimme von Andreas Müller erinnert stark an Chris‘ Reibeisenorgan und die Komposition lässt vermuten, dass DYSTOPOLIS die älteren melodieorientierten Platten der Grabgräber, beispielsweise “Knights Of The Cross” mehr als nur einmal gehört haben. Ein bisschen IRON SAVIOR ist auch drin, “Dining With Gods”‘ Intro könnte ebenso ein aktuelles Lied von DIMMU BORGIR einleiten und das Riff von “Metro” hat gar SAMAEL’sche Züge. Mit dieser Aufzählung soll allerdings nicht gesagt werden, dass “V.EN.O.M.” von anderen Bands zusammengeklaut wurde. Nein, der Stil von DYSTOPOLIS ist individuell und ausgereift: orchestraler Power Metal, der gerne im Thrash und Progressive Metal stöbert, ergänzt um eine Stimme, die zusammen mit der Produktion und der Härte des Albums DYSTOPOLIS neuen Wind in die alten Segel des Teutonic Heavy Metal blasen lässt. Denn trotz des hohen Orchestralfaktors: Kitsch und Opernmetal sucht man hier vergeblich, wenn man denn überhaupt danach sucht. “V.EN.O.M.” pendelt gekonnt zwischen böser, stets melodiöser Härte, hymnischen Refrains und starken Melodien selbst in den Strophen.
Um der Band ein wenig konstruktive Kritik mit auf den Weg zu geben: In die Synths könnte man ab und an ein wenig mehr Geld investieren, sie klingen meist authentisch aber eben nicht immer. Zudem ist die Oldschool-Gothic/Pseudo-Opern-Stimme, die Andreas manchmal auspackt, doch Geschmackssache. Mein Fall war sie nicht, klang etwas zu gekünstelt, aber das ist Meckern auf dem selben Niveau, das “V.EN.O.M.” praktisch durchgängig hat: verdammt hoch.
Letzter Satz zu den Songs: kein Ausfall, eine Menge Vielseitigkeit; Die Zeit bis Weihnachten kann kaum schneller vergehen, als mit “V.EN.O.M.” im Plattenspieler.

Anspieltipps: “Black Gates”, “Lords Of Sand”, “The Corporation” und “Dystopolis Rising”

Fazit:
Heavy, orchestral, durchgängig unterhaltsam, fett produziert und gespielt: Es ist eh löblich, durch Albumkäufe auch mal den Nachwuchs zu unterstützen. Und im Fall von DYSTOPOLIS ist es zudem eine mehr als lohnende Investition!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Black Gates
02. Lords Of Sand
03. Metro
04. Dining With Gods
05. The Corporation
06. Noah’s Isle
07. Arndale
08. Anthem For A Stranger
09. Beneath A Black Horizon
10. Dystopolis Rising

Jannis