RANDOM EYES – Grieve No More

Band: Random Eyes
Album: Grieve No More
Spielzeit: 38:39 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Rock’N’Growl Records
Veröffentlichung: 19.01.2018
Homepage: www.facebook.com/RandomEyesBand

Ein Hoch auf Promo-Sheets. Da hat man als Rezensent gerade zum ersten Mal die neue Scheibe von RANDOM EYES gehört und verbringt nun schlaflose Nächte mit der Frage, welchem Untergenre des Metal man dieses Ding wohl zuordnen könnte. Schließlich die rettende Idee, ein Blick in die Infos für die Presse. Das Label wird es schon wissen. “Genre: Metal”. Na danke.
Generell gehört das mittlerweile vierte Album der Zwei-Mann-plus-Studiomusiker-Truppe in die Power-Metal-Schublade, auch wenn es wohl mit Gewalt versuchen würde, aus ihr auszubrechen. Zu häufig finden sich Häppchen von US Power Metal, Melodic Death Metal, Thrash oder Progressive Metal auf “Grieve No More” wieder, Growls sind gerade auf der ersten Albumhälfte ein fester Bestandteil der Vocals und was im einen Moment ein fröhliches Power-Metal-Riff ist, wird im nächsten Moment durch den Taktwechsel-und-Dissonanzen-Wolf gedreht. Klingt etwas willkürlich? Keine Sorge! Nicht nur kann die Produktion der Scheibe vollends überzeugen, auch die Arrangements, das Songwriting sowie die Leistungen der Musiker zeugen von hochgradiger Professionalität. Und dementsprechend ist “Grieve No More” trotz der Vielzahl seiner Einflüsse ein in sich sehr rundes, Sinn ergebendes Werk, bei dem kein Ton fehl am Platze wirkt.
Mal ist man poppig unterwegs, wie im Refrain von “Two Worlds Collide”, dann böse heavy in den Strophen von “Fate Loves The Fearless”, bevor im Refrain mit dem unfassbar toll heruntergebrochenen Beat die Gänsehautmelodien inklusive schön umgesetzter Backing Vocals ausgepackt werden (ehrlich, Leute, was ein Song!). Noch was Core dazu? Dafür erklärt man sich auf “Damnation” bereit, obgleich dessen Chorus schon wieder so gar nichts mit Core zu tun hat.
Zwischendurch wird es dann auch mal balladesker im 6/8er-Takt gehaltenen “Do What Thou Wilt” oder vergleichsweise straight rockig bei “Scar”.
Und selbst die schwächeren Songs werden durch die grandios kreative Instrumentalarbeit so enorm aufgewertet, dass man dem Album beim besten Willen keine Lückenfüller unterstellen kann.
Einziger Kritikpunkt: Im Verlauf des Albums werden die am Anfang so präsenten Growls immer seltener. Schade, passen sie doch hervorragend zum Sound der Band. Aber “Grieve No More” ist halt kein Wunschkonzert.
Letztendlich ist der Stil der Finnen wohl als Modern Metal zu bezeichnen, doch weiß dieser Begriff die Qualität der Musik von RANDOM EYES nicht komplett zu vermitteln. “Grieve No More” ist stilistisch höchst interessant, gekonnt komponiert, gespielt und gesungen (Sänger Christian Palin agiert auf absolutem Oberklasse-Niveau) und praktisch nie langweilig. Finnland, Du enttäuschst uns nie.

Anspieltipps:
“Grieve No More”, “Fate Loves The Fearless”, “Two Worlds Collide”, “The Final Quest” und „Myopathy“

Fazit:
Kurz und knapp: “Grieve No More” ist eines der ersten Metal-Highlights des neuen Jahres. Intensives Reinhören wird ausdrücklich empfohlen. Ein Blindkauf ebenso. Falsch machen kann man damit wohl nichts.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Trail of Tears
02. Myopathy
03. Grieve No More
04. Fate Loves The Fearless
05. Two Worlds Collide
06. Damnation
07. Do What Thou Wilt
08. Never Too Late
09. Scar
10. The Final Quest

Jannis

ANVIL – Pounding The Pavement

Band: Anvil
Album: Pounding The Pavement
Spielzeit: 45:27 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Steamhammer (SPV)
Veröffentlichung: 19.01.2018
Homepage: http://my.tbaytel.net/tgallo/anvil/

Wenn es das eine wahre Heavy-Metal-Lehrbuch geben sollte, haben ANVIL es gelesen. Das bestätigt “Pounding The Pavement”, das mittlerweile siebzehnte Album der vernachlässigten Legende, unwiderlegbar. Über zwölf Songs hinweg, verborgen hinter einem enorm geilen Oldschool-Cover, machen die Jungs mal wieder das, was sie am besten können: klassischen teutonischen Heavy Metal, der gerade hinsichtlich der Vocals von Steve “Lips” Kudlow gerne mal an die neueren ACCEPT und hinsichtlich der Songstrukturen und Arrangements immer wieder an MOTÖRHEAD erinnert.
Die Produktion des Albums ist dabei einwandfreier Träger des Sounds von ANVIl, druckvoll, klar, dabei jedoch nicht ohne eine gewisse rohe Ungeschliffenheit – kein Grund zum Klagen.
Erfreulicherweise klingt nicht nur der Sound des neusten Longplayers der Kanadier gut, auch musikalisch ist “Pounding The Pavement” oft geradezu erfrischend in seiner Traditionalität. Dass diese Band auch schon 41 Jahre auf dem Buckel hat, will man in Anbetracht von Tracks wie dem treibenden “Doing What I Want” mit seiner coolen Drumarbeit gar nicht wirklich glauben. Auch der instrumentale Titeltrack und das bangbare “Let It Go” machen ordentlich Laune, von den Rock’n’Roll-lastigen “Rock That Shit” und “Warming Up” ganz zu schweigen. Positiv fallen zudem diverse kleine Taktspielereien auf. Das trauen sich nicht viele Bands in diesem Genre, obwohl es, wie ANVIL beweisen, ein amtlicher Spaßfaktor wäre.
Klar, ein paar Schwachpunkte muss es geben. Der mit knapp sechs Minuten längste Track “Nannook Of The North” will trotz seines Storytellings nicht so recht zünden und bezieht seine Qualität eher daraus, dass der Refrain sehr verdächtig nach ZAPPAs “Don’t Eat The Yellow Snow” klingt. Auch “Bitch In The Box” und “World Of Tomorrow” sind handwerklich zwar makellos, hinterlassen aber nicht unbedingt einen bleibenden Eindruck. Nach 16 Alben und über 40 Jahren Bandgeschichte sei natürlich verziehen, dass ANVIL musikalisch nicht mehr explizit auf Innovationen aus sind, was generell dazu führt, dass einige der Tracks zwar Stimmung machen, aber nicht besonders hervorstechen. Nun, egal. Was ANVIL machen, machen sie konsequent wunderbar. Und angestaubt klingt ihr neuster Release nun wirklich nicht. “Pounding The Pavement” erfüllt wohl die Erwartungen jedes ANVIL-Fans: Handwerklich stabilster teutonischer Heavy-Metal mit schöner Rock’n’Roll-Schlagseite und beachtlich wenig Leerlauf.

Anspieltipps:
“Doing What I Want”, “Rock That Shit”, “Smash Your Face” und “Warming Up”

Fazit:
Die Aufnahmen von “Pounding The Pavement” müssen Spaß gemacht haben, das Anhören des Resultats macht ebenfalls Spaß. ANVIL haben mit ihrem neusten Streich das Rad ncht neu erfunden. Aber sie haben ein massives stählernes Rad geschmiedet, das, einmal angestoßen, kaum noch zu stoppen ist. Mit eisernen Stacheln dran, natürlich.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Bitch In The Box
02. Black Smoke
03. Doing What I Want
04. Don’t Tell Me
05. Ego
06. Let It Go
07. Nanook Of The North
08. Pounding The Pavement
09. Rock That Shit
10. Smash Your Face
11. Warming Up
12. World Of Tomorrow

Jannis

TRAGEDIAN – Unholy Divine

Band: Tragedian
Album: Unholy Divine
Spielzeit: 49:19 min.
Stilrichtung: Melodic Power Metal
Plattenfirma: IceWarrior Records
Veröffentlichung: 05.01.2018
Homepage: www.tragedian.com

Schwermetall in Hamburgern ist generell ein Fall für die Gesundheitsbehörde und ein Anzeichen für schlechte Qualität. Hamburger im Schwermetall sind generell ein Fall für Rock-Garage-Leser und durchaus ein Anzeichen für gute Qualität. Daher lohnt ein Blick auf die Hamburger Power-Metaller TRAGEDIAN allemal, die am 05.01.2018 mit “Unholy Divine” ihren dritten Longplayer auf den (Fisch)markt geworfen haben. Aber genug der billigen Witze, hier kommen die Infos: Über elf Tracks und knapp 50 Minuten Spieldauer liefern TRAGEDIAN sauber produzierten Power Metal mit einer Menge Solosynthesizer. Zudem hat man auf zwei Tracks hochkarätige Gäste am Start, namentlich Kai Hansen (könnte man kennen) an den Gitarren und Bob Katsionis von FIREWIND an den Tasten.
Als musikalischer Haupteinfluss des zu schätzungsweise 85 Prozent im Uptempobereich angesiedelten Albums dienen wohl Stratovarius, was sich vor allem am ausufernden Einsatz von Solo-Keyboards festmachen lässt. Diese machen durchweg Spaß, wirken an einigen Stellen jedoch etwas zu dominant, weshalb sich einige Synth-Parts nicht so recht in das Gesamtkonzept einfügen wollen. Als Kontrast zum Rest der Instrumentalfraktion machen sich jedoch auch diese Synths ziemlich gut und verhelfen TRAGEDIAN zu einem eigenen Sound.
Sänger Alex Blank hat das Zeug zu einem sehr guten Power-Metal-Frontmann. An einigen Stellen trifft er die Töne nicht ganz optimal, das ist in Anbetracht diverser anderer sehr gut gesungener Stellen jedoch wohl eher der Tatsache geschuldet, dass eine Band dieser Größe sich nicht unbedingt ewig Zeit im Studio gönnen kann. Ein wenig mehr Zeit für die Vocal-Aufnahmen hätte sich hier gelohnt.
Ansonsten: Die Songs auf “Unholy Divine” können sich alle durchweg hören lassen. Der ganz große Knaller ist vielleicht nicht dabei, aber der Großteil macht dennoch uneingeschränkt gute Laune – zum Beispiel das finnisch anmutende “Fly Away” mit seinem fröhlichen Keyboard-getränkten Chorus, das hard-rockige “Chasing A Dream” mit seiner schönen Melodieführung im Prechorus und Chorus oder auch “Visions Divine”, das im Refrain gekonnt zwischen Synth-Geshredde und Vocals wechselt. Gerade Keyboarder Dany All muss bei den Aufnahmen einen Heidenspaß gehabt haben.
Kritikpunkte? Nun, manchmal wirken die Arrangements nicht komplett ausgereift, manchmal hinterlassen einige Melodien etwas zu wenig bleibenden Eindruck und manchmal entsteht der Eindruck, dass eine Woche mehr Studiozeit dem Ding doch ganz gut getan hätte. Doch genug kleine Gimmicks – tolle Soli oder interessante Melodieideen – auf der Platte entschuldigen diese Kritik problemlos. Und trotz der sehr dominanten Synths hat man es weitestgehend vollbracht, auf Kitsch zu verzichten. “Unholy Divine” klingt nach einer feinen Symbiose aus deutschem und finnischen Power Metal. Und das kann nichts Schlechtes bedeuten.

Anspieltipps:
“Destined Land”, “Visions Divine”, “Chasing A Dream” “Fly Away” und “Over The Edge”

Fazit:
“Unholy Divine” dürfte in Ausschnitten auf der Party-Playlist jedes keyboardinteressierten Metallers landen, der auch den Bands eine Chance bietet, die nicht das letzte bisschen Seele aus ihrer Arbeit herausproduzieren. Obgleich die meisten Tracks der Platte nicht todeseingängig sind, machen TRAGEDIAN genug Spaß, um gegebenenfalls ihren neusten Release zu kaufen, auf jeden Fall aber mal in nicht nur einen ihrer Songs reinzuhören. Keyboardsolo,

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Devil Calls You
02. Dullahan
03. Revelation 13:18
04. Over The Edge (feat. Kai Hansen)
05. Fly Away
06. Shadow Of The Moon
07. Spectres
08. Chasing A Dream
09. Visions Divine
10. Casting Shadows (feat. Bob Katsionis)
11. Destined Land

Jannis

JONO – Life

Band: Jono
Album: Life
Spielzeit: 57:52
Stilrichtung: Progressive Rock/AOR
Plattenfirma: Fontiers Records
Veröffentlichung: 01.12.2017
Homepage: www.jonotheband.se

JONO sind eine der Bands, die hinsichtlich ihres Namens erschreckend unkreativ wirken, setzt sich dieser doch schlicht aus den Initialen von Bandgründer Johan Norrby zusammen. Dies sei den Herren aus Schweden jedoch angesichts ihrer musikalischen Leistung bedenkenlos verziehen. Die 2006 gegründete Gruppe hat am 01.12. mit ihrem vierten Album “Life” ein kleines Meisterwerk veröffentlicht, das Freunde von leicht progressivem exzellent komponierten und umgesetzten Melodic Rock noch geschwind auf ihren Wunschzettel schreiben sollten. Schließlich liefert “Life” über zehn auf knapp 60 Minuten verteilten Tracks konstant hohes Niveau. Dieses äußert sich zuerst einmal in der sehr guten, klaren und druckvollen Produktion, die keine Wünsche offen lässt.
Auch die Musiker überzeugen auf ganzer Linie. Sänger Johan hat nicht nur eine ausdrucksstarke, für diese Art von Rock sehr geeignete Stimme, er weiß sie auch hervorragend einzusetzen. Dabei ist er gelegentlich kurz davor, zu übertreiben – aber eben nur kurz davor. Realistisch betrachtet: Mit einem derartig guten Sänger ist die halbe Miete eh schon bezahlt. Der Rest der Musiker tut dem sein Übriges. Die Rhythmusfraktion beweist Gespür für stimmigen Antrieb. Die Keyboards, häufig als Klavier-Sounds umgesetzt, unterstützen die Songs und geben ihnen zusätzlichen Charaker, ohne übertrieben oder fehl am Platze zu wirken. Und die Gitarren, die von anderen Vertretern des Genres leider ab und an sträflich vernachlässigt werden, sind dominant genug, um “Life” nicht zu einem Album voller Halbballaden verkommen zu lassen.
Zu den einzelnen Tracks muss an dieser Stelle gar nicht viel gesagt werden. JONO legen in den Strophen durchgängig Wert auf Melodien abseits des Standards, die jedoch stets eingängig und kurzweilig erscheinen. Die Refrains sind generell episch, manchmal leicht pathetisch, setzen sich innerhalb kürzester Zeit als unbarmherzig bohrende, gleichzeitig aber auch sehr angenehme Ohrwürmer fest. Tatsächlich schaffen es JONO dabei allermeistens, nicht in Kitsch abzudriften, vom letzten Track, der Ballade “The March”, einmal abgesehen.
Um es etwas deutlicher zu machen: “Life” ist auf nahezu jedem Track durchgängig außergewöhnlich. Das hervorragende Zusammenspiel von Instrumenten und Sänger kombiniert mit den kreativen Melodien macht diese Platte zu einem der Highlights des Jahres 2018, das auch nach dem zehnten Durchlauf noch keine Abnutzungserscheinungen zeigt. Und obgleich QUEEN, JOURNEY oder ASIA häufig als Einflüsse durchschimmern, bewahren JONO ihren eigenen Stil und Sound. Lediglich bei Track sieben und acht mag ein wenig das Gefühl aufkommen, man habe zu dem Zeitpunkt sein Pulver verschossen (auch wenn sich auch um diese Songs noch ein großer Teil aller Melodic-Rock-Bands prügeln würde). Dieses Gefühl gibt sich beim folgenden “Trust” jedoch direkt wieder, das eines der absoluten Highlights des Albums darstellt und noch einmal bestätigt, dass “Life” ein in jeder Hinsicht außergewöhnliches Melodic-Rock-Opus ist.

Anspieltipps:
“Crown”, “Trust”, “No Return”, “On The Other Side”, “Down Side” und “To Be Near You”

Fazit:
Man kann “Life” eigentlich gar nicht genug loben. JONOs Mischung aus Melodic Rock mit progressiven und symphonischen Elementen ist an sich schon hörenswert genug, doch die Melodien und Arrangements machen den aktuellen Release der Schweden zu einem Stück Underground-Melodic-Rock-Geschichte, das sich kein Fan dieses Genres entgehen lassen sollte.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Sailors
02. Crown
03. No Return
04. On The Other Side
05. Down Side
06. To Be Near You
07. My Love
08. The Magician
09. Trust
10. The March

Jannis

IRON SAVIOR – Reforged – Riding On Fire

Band: Iron Savior
Album: Reforged – Riding On Fire
Spielzeit: 92:27 min
Stilrichtung: Heavy/Power Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 08.12.2017
Homepage: www.iron-savior.com

IRON SAVIOR muss man eigentlich niemandem mehr vorstellen, oder? Seit 1997 veröffentlichen die Hamburger melodische, kraftvolle und eingängige Science-Fiction-Power-Metal-Alben voller grandioser Melodien und Arrangements. Tatsächlich klingt noch nicht einmal das Debutalbum “Iron Savior” wirklich angestaubt. Warum also in Teilen neu veröffentlichen? Nun, das liegt zum einen daran, dass die ersten fünf Alben der Jungs um Tales-Of-The-Bald-Fronter Piet Sielck kaum noch erhältlich sind, aus rechtlichen Gründen jedoch auch nicht mehr neu aufgelegt werden dürfen.
Da ein Haufen Songs dieser Alben nach wie vor fester Bestandteil jedes SAVIOR-Konzerts ist und in den letzten Jahren die Fangemeinde der Band noch einmal gewachsen sein dürfte, entschloss man sich, die größten Gassenhauer aus der Anfangszeit noch einmal neu einzuspielen. Dass IRON SAVIOR dies ebenso gut können, wie neue Alben aufzunehmen, haben sie bereits bei “Megatropolis 2.0” bewiesen. Und “Reforged” macht ebenso absolut alles richtig.
Der Sound klingt wie der eines neuen SAVIOR-Albums, extrem druckvoll und klar, dabei jedoch gerade in den Gitarren erfreulich roh – allgemein besser als die Originalversionen, obgleich beispielsweise gerade “Battering Ram” 2004 einen hervorragenden individuellen Sound bot.
Die Songauswahl ist in keinster Weise beklagenswert. Die Knaller sind drauf, ein paar Geheimtipps ebenso. Natürlich wird jeder Fan der alten Zeiten ein oder zwei Songs vermissen (hustridingfreehust), aber insgesamt kann die Zusammensetzung als absolut würdig angesehen werden.
Und zu den Songs an sich? Wie von den Kollegen erwartet, hat man den alten Kram nicht nur stumpf runtergespielt und abgemischt. Nein, es gibt mehr, sehr gut geschriebene Backing Vocals, leichte Abwandlungen in den Gesangsmelodien, einige Innovationen vonseiten der Instrumentalfraktion, kleine Tempoanpassungen… Das alles in einem perfekten Ausmaß. Es gibt nicht zu viel Neues, als dass man sich als langjähriger Fan in den Tracks nicht mehr zuhause fühlen würde, aber genug, sich “Reforged” ohne zögern anzuschaffen, ohne davon ausgehen zu müssen, sich zu langweilen.
Tatsächlich haben  IRON SAVIOR mit ihrem neusten Streich zum zweiten Mal vollbracht, einen hervorragenden Spagat zwischen dem modernen Sound der Band und ihren älteren Songs zu schaffen. Für jüngere Fans eine Top-Gelegenheit, mal in die Anfangstage der Band reinzuhören (obwohl nach wie vor ausdrücklich empfohlen werden muss, bei eBay auch mal nach den Original-Alben zu stöbern). Für Fans der ersten Stunde ein willkommenes Werk, um sich die Wartezeit auf das nächste Album zu versüßen. Ja, manchmal lohnt es sich, 18 Euro für Songs auszugeben, die man eigentlich schon kennt!

Anspieltipps:
Alles. Aber vielleicht nicht die YouTube-Version von “Riding On Fire”. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass der Sound hier etwas verwaschener klingt. Mag auch an mir liegen.

Fazit:
Hamburger Power Metal ist eh so eine Sache, mit der man nicht viel falsch machen kann. Die ersten fünf Alben von IRON SAVIOR sind sowieso Power-Metal-Geschichte (ohne ihre neuen Veröffentlichungen abwerten zu wollen). Und die besten Songs dieser Alben in neuer Produktion und fetteren, modernisierten Arrangements – was will man mehr? Kauft zur Sicherheit eine Packung Tempos mit. Falls Ihr vor Freude weinen müsst…

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Riding On Fire
02. Battering Ram
03. Brave New World
04. Prisoner Of The Void
05. Titans Of Our Time
06. Eye To Eye
07. For The World
08. Mindfeeder
09. Watcher In The Sky
10. Mind Over Matter
11. Warrior
12. Iron Savior
13. Tales Of The Bold
14. No Heroes
15. Break The Curse
16. Condition Red
17. Protector
18. I’ve Been To Hell
19.Atlantis Falling

Jannis

STORMHOLD – Salvation

Band: Stormhold
Album: Salvation
Spielzeit: 45:36 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Pure Steel Publishing
Veröffentlichung: 08.12.2017
Homepage: www.facebook.com/stormhold.swe

Manchen Alben muss man ein bisschen Einstiegszeit gönnen. Ein würdiges Beispiel stellt STORMHOLDs neuster Streich “Salvation” dar, das zweite Album der Schweden, die unter anderem bereits mit HAMMERFALL und GRAVE DIGGER tourten.
Die Produktion klingt gar nicht übel, doch der Opener “Heart Of A Hero” und das folgende “Black Death” wissen ehrlich gesagt nicht wirklich zu überzeugen. Das liegt primär am recht gewöhnungsbedürftigen Gesang, der etwas dünn jaulend anmutet und von nicht minder gewöhnungsbedürftigen Backing Vocals unterlegt wird. Melodisch ist das Ganze durchaus erfreulich, doch richtige Partystimmung will sich nicht einstellen. Auch die (generell bei den meisten Songs) sehr einfach gehaltenen Soli werten die Sache nicht auf.
Der geduldige Hörer wird jedoch mit dem stärkeren Rest des Albums belohnt, denn ab Track drei fängt “Salvation” an, ordentlich Spaß zu machen. Wie man es gewohnt ist, sind die Texte typisch Power-Metal-klischeebelastet, doch abgesehen davon entwickelt sich das Album ab “The Stranger” zu einem schönen kleinen Stück melodischen, leicht folkigen Power Metals, dem es nicht an authentischer Rohheit mangelt. “Exile”, der folgende Track, ist rein instrumental gehalten und demonstriert, dass STORMHOLD spielerisch doch mehr auf dem Kasten haben, als es einige Soli vermuten lassen. Mit “Path Of No Return” gibt es anschließend eine anständige Halbballade, die hörbar am “Bard’s Song” orientiert ist, dabei jedoch nicht stumpf kopiert. Auch der Sänger beginnt zu gefallen, passt er im Endeffekt doch ziemlich gut zum Sound der Band.
Richtig geil wird’s dann bei “God’s Crusade”. Ein folkiges Riff, ordentlich Geballer, ein schöner Refrain, ein nett eingesetzter Tempowechsel und fein gestaltete Gitarren im Prechorus machen “God’s Crusade” zu einem 1a-Folk-Heavy-Metal-Song. Und das Niveau wird beim stampfenden “Edge Of The World” mit seinem Seemännerchor und seiner vielseitigen Konzeptualisierung gerade im Mittelteil locker gehalten. Hab ich vorhin den Gesang kritisiert? Vergesst das. Es darf gebangt und mitgesungen werden.
Fix geht es anschließend weiter mit “We March”. Die Gitarren- und Bassline während der Strophen geht gut voran und die Shouts im Refrain machen auch diesen Track zu einem korrekten Live-Erlebnis.
Zu guter Letzt wird bei “We’ll Never Fall” gebührend geMANOWARt. Das ist sehr true, kommt mit perfekt promillekompatiblem Refrain, einem schönen Solo und offenbart sich als absolut würdiger Abschlusstrack. Kleiner Tipp an die Band: Vielleicht das nächste Album einfach mit Track drei beginnen!

Anspieltipps:
“The Stranger”, “God’s Crusade”, “Edge Of The World” und “We’ll Never Fall”

Fazit:
“Salvation”braucht ein wenig Zeit, um zu zünden. War der Plan vor Track drei noch, dem Ding eher fünf bis sechs Punkte zu verpassen, steigern sich STORMHOLD ab dem Zeitpunkt doch viel zu sehr, als dass die beiden ersten Tracks noch wirklich ins Gewicht fielen. “Salvation” ist über weite Teile sehr überzeugender Heavy Metal mit deutlicher Power- und schwächerer Folk-Metal-Schlagseite. Dem sollte man auf CD und gerade auch live durchaus mal eine Chance geben.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Heart Of A Hero
02. Black Death
03. The Stranger
04. Exile
05. Path Of No Return
06. God’s Crusade
07. Edge Of The World
08. We March
09. We’ll Never Fall

Jannis

ETERNAL FLIGHT – Retrofuture

Band: Eternal Flight
Album: Retrofuture
Spielzeit: 60:08 min.
Stilrichtung: Progressive Power Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 17.11.2017
Homepage: www.eternalflight.wixsite.com/eternalflight

GRAVE DIGGERs “Heavy Metal Breakdown”, BURZUMs “Rundgang um die transzendentale Säule der Singularität”, FARID BANGs “Asphalt Massakka”: Es gibt eine Reihe von Alben auf dem Markt, bei denen der Name Programm ist. So auch bei ETERNAL FLIGHTs neustem Release “Retrofuture”. Das vierte Album der 2001 gegründeten Band verbindet einen unüberhörbaren Oldschool-Spirit mit modernen Elementen zu einem schön roh und unpoliert, wenn auch manchmal etwas dünn produziert wirkenden Heavy/Power-Metal-Album mit progressiven Einflüssen.
Das wird nach dem kurzen Intro mit “The Poison” bereits deutlich. Der Track erinnert unweigerlich an PRIEST, ist strukturell durchaus interessant, wirkt aber aufgrund der nicht ganz optimalen Produktion und des durchwachsenen Gesangs etwas unausgereift.
Weitaus positiver fällt hingegen das folgende “The Journey” aus. Die Melodieführung ist hier wesentlich gelungener, der Refrain partytauglich und auch der Mittelteil (inklusive Gesang) weiß zu überzeugen. Auch die Soli, so viel darf bereits verraten werden, bewegen sich durchweg im überdurchschnittlichen Bereich.
“Retrofuture” integriert ein paar coole Synths in die Strophe, beinhaltet einen schön harmonischen Refrain, der leider durch die Drums etwas ausgebremst wird, und schafft den Spagat zwischen traditionellem Heavy Metal und modernerer Progressivität.
Das anschließende “Nightmare King II” hätte gut daran getan, das ewige “Hail” im Chorus wegzulassen, ist ansonsten aber ein vielseitiges, fast neun Minuten langes Werk, nach dem mit “Machine God” auf schön Maschinen imitierende Rhythmussektion und ein stabiles Strophenkonzept gesetzt wird. Eingängig ist das nicht, Spaß macht es trotzdem.
Ballade gefällig? Kein Problem, “Routine Of Darkness” ist am Start. Auf Klavier und cleanen Gitarren kommt hier der Sänger sehr gut zur Geltung. Spätestens beim Einsatz der restlichen Instrumente entpuppt sich das Ding als handfeste, epische, aber nicht kitschige Halbballade mit ordentlich Druck und schöner Melodieführung.
Nachdem mit “Sinner” das Tempo dann wieder angezogen wird, wird bei “Danger Calling” noch etwas mehr gebrettert. Wirkt im Prechorus nicht ganz harmonisch, ist aber (gerade live) generell solide.
Als stärker erweist sich “Succubus”, das anfangs leicht an KAMELOT erinnert, diese Gefilde dann aber hinter sich lässt und als bangbarer Midtempotrack überzeugt.
Dann ein weiterer Ausflug in progressive Sphären mit “Labyrinth”, dem unkonventionelle Harmonien, der Keyboardeinsatz und die zappeligen Drums einen gewissen Favoritenstatus geben. Wer “Pandora’s Box” öffnet, setzt anscheinend rhythmisch spaßigen Progressive Metal mit klaren 80es-Heavy-Metal-Anleihen im Chorus mit lobenswertem Mittelteil frei. Und der finale Track, “Angels Of Violence” strapaziert noch einmal die Nackenmuskeln sowie, im Chorus, die Finger des rastlos frickelnden Gitarristen und die Stimmbänder des Sängers, der hier ein letztes Mal stimmliches Können demonstrieren darf.

Anspieltipps:
“Retrofuture”, “Machine God”, “Routine Of Darkness”, “Labyrinth”, “The Journey” und “Nightmare King II”

Fazit:
“Retrofuture” mag am ehesten als Progressive PRIEST Metal definierbar sein. Größter Kritikpunkt ist der Sänger, der in höheren Sphären ab und an zum Quietschen tendiert und gerne mal ein wenig vom gewünschen Ton abweicht, während er an anderen Stellen einen sehr guten Job macht. Wer seinen Metal gerne ein wenig progressiv hat, dabei aber nicht auf glattgelutschte Überproduktion steht und dabei noch eine Vorliebe für traditionellen, handgemachten Heavy Metal hat, der könnte an dem Album trotz einiger Schwächen seine Freude haben.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Ante-dote
02. Poison
03. The Journey
04. Retrofuture
05. Nightmare King II
06. Machine God
07. Routine Of Darkness
08. Sinner
09. Danger Calling
10. Succubus
11. Labyrinth
12. Pandora’s Box
13. Angels Of Violence

Jannis

ARRAYAN PATH – Dawn Of Aquarius

Band: Arrayan Path
Album: Dawn Of Aquarius
Spielzeit: 63:38 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Pitchblack Records
Veröffentlichung: 17.11.2017
Homepage: www.facebook.com/arrayanpath

Es stellt sich ein trauriges “Alter was?”-Gefühl ein, wenn man ARRAYAN PATH auf Facebook sucht und feststellen muss, dass diese fantastische Band nicht einmal auf dreitausend Likes kommt. In stiller Hoffnung, dass sich dies mit dem neusten Release der Herren aus Sizilien ändern möge, hier ein paar lobende Worte (kritisierende sind aber auch verdammt schwer zu finden):
1997 gegründet haben ARRAYAN PATH inzwischen drei Alben und zwei Demos veröffentlicht. “Age of Aquarius” kommt mit einer beachtlichen Spielzeit von über einer Stunde, verteilt auf 13 Songs daher, sauber produziert, mit unkonventioneller Hinduthematik und einer Prise Humor – und ist nicht wirklich als Standard-Power-Metal-Album identifizierbar.
Ein leicht progressiver Charakter ist den Songs nicht abzusprechen, offenbart sich jedoch nicht in wilden Taktwechseln und überdominanten Synths, sondern schlicht in der musikalischen Kreativität dieses auf ganz eigene Weise absolut großartigen Werks. Schon der Opener, der nach einem ruhigen Intro direkt mal eine ihresgleichen suchende Strophe auffährt und seinen Höhepunkt im ganz leicht schlageresken Refrain findet, zieht akut in seinen Bann.
Der folgende Track, “The Flower Born Of Itself”, kann diesen Refrain sogar noch überbieten (Ohrwurmgarantie) und punktet zudem mit seiner Rock’n’Roll-Attitüde während der Strophen. Derweil macht sich, so könnte man meinen, das anschließende “Dark Daughter Of The Snake” dezent über DISTURBED lustig.
“The Hundred Names Of Kali Ma” entpuppt sich als das absolute Highlight der Platte. Dieser Refrain, der zum Teil absolut, zum Teil so gar nicht powermetallig erscheint, die tolle Strophenmelodie, der übergänsehautige leicht gesprochen wirkende Gesang im Mittelteil, der unglaublich gekonnt in den überaus dramatischen Endpart übergeht… Was soll’s, hört Euch das selber an, man kann es eh nicht angemessen beschreiben.
Weiter geht’s mit “So It Shall Be Written”, einem verhältnismäßig klassischen Power-Metal-Song, der ebenfalls ins Ohr geht und im Solo fröhlich den letzten Basic-Synth-Sound auspackt, und mit “Dawn Of Aquarius”, dessen Refrain man am liebsten auf Dauerschleife stellen möchte.
Ist zumindest die zweite Hälfte des Albums etwas schwächer? Nein, auch nicht. Alleine der ruhige Anfangspart von “Cremation Ground” mit den hervorragenden Sangeskünsten von Frontmann Nicholas Leptos ist ein Grund, das Album blind zu kaufen, ebenso wie der orientalisch anmutende Chorus. Und auch die übergute Halbballade “Guardian Angel” (Erkennt da am Anfang noch jemand BRITNEYs “Hit Me Baby One More Time” wieder?) sowie das hurtige “The Eleventh Mantra” mit seinem in den Vocals überraschend tief angelegten Chorus und seinem schönen Solopart halten das Niveau des Albums ohne Probleme. Weitere euphorische Ausführungen fehlen nur deshalb, weil sie leider den Rahmen dieser Rezension sprengen würden.

Anspieltipps: “The Hundred Names Of Kali Ma”, “Guardian Angel”, “The Eleventh Mantra”, “The Flower Born Of Itself” – anschließend eigentlich der ganze Rest.

Fazit: Bands wie ARRAYAN PATH braucht der Metal. Die Truppe aus Zypern vereint toll komponierte, unkonventionelle Power-Metal-Melodien mit einer enormen Liebe zum Detail und Können auf spielerischer sowie kompositorischer Ebene. “Dawn Of Aquarius” bietet nicht das, was man erwartet, wenn man nach traditioneller Power-Metal-Kost sucht. Es bietet mehr, ein ungeheuer facettenreiches kleines Gesamtkunstwerk mit sehr eigenem Sound ohne erkennbare Makel, das von vorne bis hinten einfach nur Spaß macht. Gebt dieser Band ein wenig Aufmerksamkeit!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Equilibrium
02. The Flower Born Of Itself
03. Dark Daughter Of The Snake
04. The Hundred Names Of Kali Ma
05. So It Shall Be Written
06. She Who Is Primordial Wisdom
07. Dawn Of Aquarius
08. Cremation Grounds
09. Empress (Reality Of All The Threes)
10. Lotus Eyes
11. The Eleventh Mantra
12. Guardian Angel
13. Garland Of Skulls

Jannis

JACOBS MOOR – Self

Band: Jacobs Moor
Album: Self
Spielzeit: 60:03 min.
Stilrichtung: Power Thrash Metal
Plattenfirma: Bleeding Star Records
Veröffentlichung: 20.10.2017
Homepage: www.jacobsmoor.com

Oh je, ganz vergessen, JACOBS MOOR zu rezensieren. Nun, besser spät als nie widmen wir uns nun mal den fünf Österreichern, die uns bereits am 20.10. mit ihrem zweiten Album beehrt haben. Darauf bewegt man sich stilistisch irgendwo zwischen Thrash, Power, Progressive und Modern Metal und vereint das Ganze tatsächlich zu einem ziemlich harmonischen Gesamtsound. Hinsichtlich der Produktion lässt sich nicht viel meckern. Ein paar mehr Höhen wären schön gewesen, ansonsten klingt das Ganze jedoch durchaus druckvoll und man kann sich gerade hinsichtlich der Tatsache, dass die Band die Produktion selbst in die Hand nahm, überhaupt nicht beschweren.
Bei den einzelnen Songs lässt sich ein gewisses Schema erkennen, das über weite Teile des Albums kompromisslos verfolgt wird: eine Mischung aus unklarem und klarem Gesang, der etwas gewöhnungsbedürftig, dem Sound der Band jedoch durchaus dienlich ist. Dazu tendenziell melodische Refrains, ein Mix aus Midtempogedrumme und knatterndem Doppelbass, gerne garniert mit ein paar Blastbeats. Die Soli lassen selten zu wünschen übrig und die Ausflüge in progressivere Gefilde tun den Jungs aus Wien ebenfalls gut, gerade die kurze Prog-Eskalation im Mittelteil von “Delusion” sei hier lobend hervorgehoben.
Aus dem Schema brechen gerade die letzten zwei Songs aus, von denen ersterer überdurchschnittlich aggressiv, stellenweise beinahe black-metallisch anmutet, und letzterer als überlanger, streckenweise balladesker Track eh aus der Reihe fällt.
Macht das musikalische Konzept von JACOBS MOOR durchaus Spaß, so zeigt sich doch im Verlauf des Albums, dass etwas mehr Eigenständigkeit und Originalität die einzelnen Songs durchaus bereichert hätten. Denn innerhalb ihres speziellen Sounds agieren sie doch ein wenig zu brav, trauen sich oftmals zu wenig und hinterlassen nur als Gesamtkunstwerk einen bleibenden Eindruck. Natürlich, diverse Parts des Albums lassen sich während des Hörens absolut genießen. Der schön schrubbende Gitarrensound von “Watching Atrocities” zum Beispiel, die Gesangsharmonien im Chorus von “Distance”, der Breakdown der Geschwindigkeit im Prechorus von “Neglecting The Path Of The Sun”, um nur einige zu nennen.
Es ist ein gewisses Problem, dass sich JACOBS MOOR hinsichtlich der Findung ihres Stils so experimentierfreudig gezeigt, die Songs an sich aber mit recht wenigen Alleinstellungsmerkmalen versehen haben (von “Hopeless Endeavour” mal abgesehen). Dass sie das nötige Talent dafür hätten, zeigt sich gerade am finalen Track. Der Rest macht Spaß, hinterlässt aber kaum bleibende Eindrücke. Das ist aber nicht schlimm, wenn man beim Kauf von “Self” nicht unbedingt ein Album erwartet, das man sich konzentriert ohne jegliche Ablenkung abends am Kamin geben möchte.

Anspieltipps: “Hopeless Endeavour” und der Rest der etwas stärkeren zweiten Hälfte des Albums

Fazit: Doch, “Self” kann man schon echt machen. Unterhaltsam und stilistisch interessant ist JACOBS MOORs zweiter Longplayer geworden, professionell gespielt und ordentlich produziert. Der ganz große Wurf ist es leider nicht geworden, aber wer Modern-Metal-Melodien und progressive Einflüsse in seinem Geballer mag und sich nach dem neusten Streich von Anette Olzon doch mal wieder die Gehörgänge durchblasten möchte, der sollte hier durchaus mal ein, zwei Ohren riskieren!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. March Of The Flies
02. Watching Atrocities
03. The Absence Of Me
04. Self
05. Falling To Pieces
06. Distance
07. Neglecting The Path Of The Sun
08. Delusion
09. Hate Of A New Kind
10. Hopeless Endeavour

Jannis

BLAZON STONE – Down In The Dark

Band: Blazon Stone
Album: Down In The Dark
Spielzeit: 43:35 min.
Stilrichtung: Pirate Metal
Plattenfirma: Stormspell Records
Veröffentlichung: 05.09.2017
Homepage: www.facebook.com/rockarollasmetal

True Somalian Power Metal made in Sweden. Das sind BLAZON STONE, eine der Bands von Cederick Forsberg, der seit einigen Jahren auf respektablem Niveau mit verschiedenen Bands im Underground umherschippert.
Der Bandname erinnert leicht an das sechste RUNNING-WILD-Album, das Artwork erinnert leicht an RUNNING WILD und schon das Intro des vierten Longplayers der Band bestätigt mit seinem redundanten, langsam intensiver werdenden und von einer wunderbaren W*chsgitarrenmelodie getriebenen Art diesen Einfluss. Die Produktion ebenso.
Störend ist das allerdings nicht, denn was BLAZON STONE auf “Down In The Dark” zum Besten geben, ist erstklassiger melodischer Pirate Metal mit einer derartigen Menge an Spielfreude, dass man davon ausgehen muss, dass diese von 90 Prozent aller aktuell veröffentlichenden Bands erbarmunglos geraubt wurde. Bereits “Into Victory”, der erste richtige Song, treibt sich gnadenlos in jeden Gehörgang, versinkt trotz verhältnismäßig viel Dur nicht in lauwarmen Power-Metal-Kitsch-Gewässern und macht, salopp formuliert, nur Bock.
“Hanged Drawn And Quartered” rudert in bangbarem Midtempo daher, inklusive klassischem Metal-Refrain, der zum Mitgrölen einlädt und göttlich in den anschließenden Gitarrenpart überzugehen weiß. Nach dem folgenden “Eagle Warriors” (Och Leute, bitte), bei dem sich Freude einstellt, weil selbst dieser Song als einer der schwächeren noch ordentlich Spaß macht, kommt dann der mit knapp sechs Minuten längete Track des Albums. “Tavern Of The Damned” ist für Metaller unter 30 zum Mitbangen geeignet und punktet vor allem durch seine Melodien. Wenn selbst der Prechorus schon potenzielles Chorus-Material darstellt, kann man eben nicht anders, als auf Kritik praktisch vollständig zu verzichten. Und sonst? “Merciless Pirate King” kommt im Speed-Metal-Gewand daher, ebenfalls äußerst melodiefixiert und mit herrlich schwachsinnigem “Merciless Merciless Pirate King, Öy”-Chorus, “Rock Out!” ist der obligatorische Rock-Huldigungs-Track und “Bloody Inquisition” wirft die Frage auf, seit wann Piratenschiffe mit Nitro ausgestattet sind. Zu guter Letzt gibt es dann mit “Captain Of The Wild” noch eine geschwinde Piratenversion von “Breaking The Law” in Dur. Inklusive promillekompatiblem Refrain. Inklusive geilem Solopart. Wer danach noch schlechte Laune hat, der sollte darüber nachdenken, sich die Kanonenkugel zu geben.

Anspieltipps:
“Into Victory”, “Hanged Drawn And Quartered”, “Tavern Of The Damned” und “Captain Of The Damned”

Fazit:
Zu viele Köche verderben den Brei. Das hinter diesem Sprichwort Wahrheit steckt, beweisen BLAZON STONE, wenn sie als Zwei-Mann-Crew ein Album auf den Markt werfen, das nicht nur gut produziert und mit Talent gespielt ist, sondern in sich so enorm plausibel klingt, wie es “Down In The Dark” nun einmal tut. Jedes Riff, jeder Fill-In, jede kleine Gitarrenspielerei fügt sich wunderbar in das Konzept des jeweiligen Songs ein. Zum Ende des Jahres haben es BLAZON STONE noch eben so mit Leichtigkeit fertig gebracht, sich dank ihres Gespürs für wunderbare Pirate-Metal-Melodien, ihres kompositorischen und spielerischen Talents und ihrer unüberhörbaren Freude an dem, was sie tun, als Pirate-Metal-Band des Jahres zu bewerben. Yo fuckin‘ ho!

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Galleon’s Departure
02. Into Victory
03. Down In The Dark
04. Hanged Drawn And Quartered
05. Eagle Warriors
06. Tavern Of The Damned
07. Merciless Pirate King
08. Watery Graves
09. Rock Out!
10. 1478
11. Bloody Inquisition
12. Captain Of The Wild

Jannis