EVERFROST – Winterrider

Band: Everfrost
Album: Winterrider
Spielzeit: 58:31 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Rockshots Records
Veröffentlichung: 06.09.2019
Homepage: www.everfrostband.com

Oha. Da wirft man einen Blick auf EVERFROSTs zweites Album und wird erstmal von heftig kitschiger Manga-Optik aus dem Konzept gebracht, um dann im Promosheet anschließend darauf hingewiesen zu werden, dass die Platte inklusive 24-seitigem Manga-Booklet kommt, das die Story des Konzeptalbums visuell umsetzt. Die Spannung steigt, was einen da wohl musikalisch erwartet. Die Antwort: das totale Power-Metal-Massaker. Nein, die Finnen sind sich wahrlich für nichts zu schade. Ausufernde Melodiösität, Orchester- und digitale Synths an allen Ecken und Enden, Clap-Snares, billige Orchestral-Hits, das ganze kombiniert mit einer hörbaren Dosis Anime-Soundtrack.
Die Sorge, dass hier Aufmachung vor Substanz kommt, ist jedoch unbegründet. Während “Winterrider” in Sachen Instrumentierung seine helle Freude daran hat, geschmacklos ohne Ende zu sein, und dabei offenere Metaller bereits bestens amüsieren dürfte, ist die Kompositionsarbeit absolut ernstnehmbar. Gekonnt pendelt man zwischen hochqualitativen, leicht SONATA- ARCTICA- und BLIND-GUARDIANigen Power-Metal-Melodien und einem recht eigenen Kompositionsstil, dessen Resultate eine fantastisch vielseitige Songauswahl und ein fast unmenschlicher Ohrwurmfaktor sind. Europäer, die Asiaten nachmachen, die Europäer nachmachen, sind eben nicht das, was man in diesem Genre auf alltäglicher Basis hört, schon gar nicht mit einem derartigen Maß an Kreativität und mit einem derartig gut geeignten Sänger.
Gerade denen, die ihre Keyboards gerne dezent im Hintergrund wissen, wird das Ding ordentlich Toleranz abverlangen. Das zeigt sich schon beim Opener und Titeltrack der mit unkonventionellem Riff, starkem Refrain und diverse kleinen witzigen Synth-Ideen ankündigt, wohin die Reise geht. Dann mit “Juhannus In July” das erste Highlight. Ich hab selten so ein übertriebenes Gute-Laune-Riff gehört, dazu Glöckchen, ein Hammer-Chorus, dem Harmonie und Eingängigkeit aus jeder Pore tropfen – als habe man beim Songwriting kurzerhand entschlossen, einfach jegliche Grenzen für ungültig zu erklären. Das würde auch den folgenden Knaller “Chainlace Angel” erklären. “Böser” grandioser Start, MICHAEL JACKSON in der herausragend unkonventionellen Strophe und der nächste Hammer-Chorus. Dann, um noch ein paar Highlights unterzukriegen, “Actraiser” (vergleichsweise klassischer fröhlicher Power Metal, eher ein Grower, aber was für einer!), “Die Young” (KESHA-Cover, starke Umsetzung ihres Gesangsstils), “Darkwoods Drain Blackwaters” (Highspeed, Blastbeats, Harmonien, geil), „Above The Treelinde“, eine melodietechnisch einfach nur grandiose Ballade, und “Brandy And Antifreeze”, der Song, der ab jetzt eigentlich in Dauerschleife jede Party-Playlist ersetzen könnte; ein kompletter Hit, mit Disco-Synth-Overkill, 1a-Chorus und geschrieben, um exorbitant Bock zu machen.
Kritik: Die Produktion ist saftig, aber manchmal hätte man die Gitarren etwas weniger kompressen und Lautstärkeunterschiede etwas geringer, dafür die Gesamtlautstärke höher halten können. Dazu ist das 15-minütige “A Whisper In A Frozen Tale” leider im Vergleich eher verzichtbar. Mehr hab ich nicht zu meckern.

Anspieltipps:
“Juhannus In July”, “Brandy And Antifreeze”, “Chainlace Angel” und “Winterrider”

Fazit:
Ein halber Punkt Abzug für die letzten irrelevanten 15 Minuten. Ansonsten: Ganz und gar überhaupt nichts für Freunde keyboardlosen Metals, an alle anderen eine absolut dringende Reinhörempfehlung. “Winterrider” hat absolut sicher einen Platz in meiner Top 10 dieses Jahres und macht mit seiner Mischung aus unkonventionell-interessant-eingängigem Songwriting und herrlichen inflationären Synthesizer-Abartigkeiten absolut alles richtig.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Winterrider
02. Juhannus In July
03. Chainlace Angel
04. Actraiser
05. Cold Night Remedy
06. Above The Treeline
07. Brandy And Antifreeze
08. Die Young
09. Darkwoods Drain Blackwaters
10. A Whisper In A Frozen Tale

Jannis

SHADOWSTRIKE – Legends of Human Spirit

Band: Shadowstrike
Album: Legends of Human Spirit
Spielzeit: 65:02 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 12.07.2019
Homepage: www.shadowstrike.bandcamp.com

SHADOWSTRIKE stammen aus New York und präsentieren uns dieser Tage ihr Debütalbum „Legends of Human Spirit“ welches Fans von Progressive Power oder Symphonic Metal gleichermaßen ansprechen sollte!
Aufmerksam geworden bin ich auf die Truppe nach einem Soundschnippsel vom neuen Album welchen ich im Internet gefunden hatte. Gehört, mit der Band in Kontakt getreten und schon war die Promo bei uns. So unkompliziert kann es laufen!
Über die sonstige Vergangenheit der Band konnte ich leider nichts weiter in Erfahrung bringen, außer dass man den Sound der Band vielleicht etwas mit TWILIGHT FORCE vergleichen kann. Widmen wir uns nun also direkt dem Opener „Heart of Yeaming Journey“. Und hier wird direkt geklotzt und nicht gekleckert! Ganze sieben Minuten dauert diese erste Nummer und es wird zu keiner Zeit langweilig.
Bombastisch orchestriert mit einer Eingängigkeit, die seines gleichen sucht ist man hier unterwegs und hinterlässt hier schon mal eine ganze starke Duftmarke zu Beginn!
„Ascension“ im Anschluss ist dann die Cinematic Einleitung zum nächsten Kracher „Fly with Me“. Was ein geiler Doublebass Midtemposong der Einen hier um die Ohren fliegt!
Frisch und absolut unverbraucht musiziert man hier und bläst ordentlich Staub durch die Boxen und wirbelt selbigen im Genre auf. Toll, ich bin begeistert 🙂 !
Nach dem Hören der nächsten Tracks bleibe ich etwas ungläubig zurück…DAS sollen Newcomersongs sein?
Unglaublich welches musikalische Gespür man hier beweist! „Fields of Valour“ und „The Fiery Seas and Icy Winds“ sind absolute Perlen des Symphonic Power Metals und könnten treffsicherer nicht agieren!
Trotz der etwas ausladenden Orchestrierung wird es zu keiner Zeit langweilig und man ist darüber hinaus noch absolut eingängig unterwegs. Wow!
Und hat man sein Pulver auch in der Folge noch lange nicht verschossen, denn mit „Voice in the Night“ und vor allem dem zwar erneut überlangen, aber zu keiner Zeit langweiligen, Abschlussong „Gales of Winter“ hat man weiter Genreperlen im Gepäck und schraubt die Abschlussbewertung somit definitiv noch in die Höhe!

Anspieltipps:

„Heart of Yeaming Journey“, „Fly with Me“, „Fields of Valour“, „The Fiery Seas and Icy Winds“ und „Gales of Winter“.

Fazit :

Wow! Endlich mal wieder eine Band, die aus dem Nichts mit einem eigenproduzierten und veröffentlichten Debütalbum um die Ecke kommt und mich einfach aus dem Sessel bläst!
So und nicht anders muss moderner Symphonic Power Metal gespielt sein um in der heutigen Zeit noch frisch rüberzukommen.
Die Jungs verstehen ihr Handwerk und das Einzige was man dem Album etwas zu Last legen könnte ist manchmal das etwas ausufernde Instrumentale. Hier muss man aufpassen das man sich nicht in der Zukunft verzettelt.
Aber ansonsten ist hier alles im absolut grünen Bereich und es gibt vollkommen verdient eine absolute Topnote und eine definitive Kaufempfehlung (über die Bandhomepage) für die schon angesprochene Genrezielgruppe!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Heart for Yeaming Journey
02. Ascension
03. Fly with Me
04. Fields of Valour
05. The Fiery Seas and Icy Winds
06. Where Sleeping Gods Await
07. Forever as One
08. Voice in the Night
09. A Dream of Stars
10. Gales of Winter

Julian

TIMO TOLKKI’S AVALON – Return To Eden

Band: Timo Tolkki’s Avalon
Album: Return To Eden
Spielzeit: 54:14 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 14.06.2019
Homepage: www.facebook.com/Timo-Tolkkis-Avalon-2469383586618000

Timo Tolkki muss man an dieser Stelle wohl niemandem vorstellen. Der Gitarrist von STRATOVARIUS und talentierte Produzent ist einer von denen, an denen man als Power-Metaller kaum vorbeikommt, in letzter Zeit auch aufgrund seines neuen Projekts TIMO TOLKKI’S AVALON. Dessen dritte Platte “Return To Eden” hat inzwischen das Licht der Öffentlichkeit erblickt und bietet neben amtlichen 55 Minuten Laufzeit und Professionalität in Sachen Produktion und Spiel auch ein ziemlich amtliches LineUp. Nicht nur die großartige Ex-THE-GATHERING-Frontfrau Anneke Van Giersbergen ist mit dabei, auch Todd Michael Hall von RIOT V, Mariangela Demurtas von TRISTANIA, Zak Stevens (Ex-SAVATAGE) und Ex-ELEGY-Sänger Eduard Hovinga. Und die Instrumentalfraktion besteht bis auf Keyboarder Antonio Agate aus SECRET-SPHERE-Mitgliedern. Die Grundvoraussetzungen für ein starkes Album sind also gegeben.
Musikalisch ist man in recht traditionell aber liebevoll komponiertem symphonischen Power Metal unterwegs, den man gekonnt mit moderneren Keyboardelementen angespicet hat. Weder die orchestralen noch die moderneren Synths wirken dabei aufdringlich oder unpassend, sind im Gegenteil geschmackvoll, wenngleich ziemlich üppig, eingesetzt. Natürlich auch mal in Form von Cembalo-Sounds, schließlich bezeichnet man das Ding als Metal Opera und das klingt nach klassischer Musik und erfordert den Einsatz des für klassische Musik verwendeten Instruments, das, genau wie das pseudo-BACHige Neoklassik-Highspeed-Gedudel am Anfang des ersten richtigen Tracks “Promises” mit Oper genau genommen wenig zu tun hat. Aber sei’s drum, der Track macht akut Bock auf den Rest des Albums, mit äußerst gelungenem Chorus. Bei “Return To Eden” wird es etwas folkiger, mit Doodlesack, einer coolen Klavierspur hinter der Strophe und Todd, Zak und Mariangela in sehr guter Form.
Anneke darf auf “Hear My Call” und “We Are The Ones” ran, die beide verhältnismäßig poppig und Disco-synthesiziger ausfallen (vergleichbar ein wenig mit THE DARK ELEMENT), dabei aber auch gut Spaß machen und erfreulich unbelanglos sind. “Miles Away” leidet eigentlich nur an seinem lahmen Refrain (und der ist auch nicht dramatisch schwach), ist aber ansonsten ein starker hard-rockiger Midtempo-Track mit vielen guten Ideen, und “Godsent” ist der Balladenpathos, den so ein Album halt anscheinend immer haben muss.
Dann gibt es mit “Limits” noch einen Track, der sich stilistisch ein wenig mehr im Heavy Metal zu bedienen versucht, daraus resultierend aber nicht ganz harmonisch wirkt, ein paar weitere gute aber weniger herausragende Power-Metal-Tracks und zu guter Letzt mit “Guiding Star” einen durchgängig unterhaltsamen und ordentlich verteilenden Endsong, nice gesungen von Mariangela.
Schöne Platte insgesamt. An schwächeren Stellen immer noch mindestens guter Durchschnitt, an stärkeren auch mal ordentlich darüber.

Anspieltipps:
“Promises”, “Guiding Star”, “We Are The Ones” und “Miles Away”

Fazit:
Ich bin eigentlich nicht unbedingt der Freund von dem, was man allgemein als Symphonic Power Metal kennt, aber “Return To Eden” funktioniert sehr gut für mich. Hochprofessionell mit für das Genre erstaunlich wenig Kitsch, mit einer Top Vocal-Auswahl, smartem Synth-Einsatz und einem sehr anständigen Anteil an geilen Kompositionen. Gebt dem ruhig mal ’ne Chance!

WERTUNG:

 

 

Tracklist

01. Enlighten
02. Promises
03. Return To Eden
04. Hear My Call
05. Now And Forever
06. Miles Away
07. Limits
08. We Are The Ones
09. Godsend
10. Give Me Hope
11. Wasted Dreams
12. Guiding Star

Jannis