CRISTIANO FILIPPNI’S FLAMES OF HEAVEN – The Force Within

Band: Cristiano Filippini’s Flames of Heaven
Album: The Force Within
Spielzeit: 62:51 min
Stilrichtung: Epic Symphonic Power Metal
Plattenfirma: Limb Music
Veröffentlichung: 20. November 2020
Homepage: www.facebook.com/cristianofilippinisflamesofheaven

Der Promotext bezeichnet CRISTIANO FILIPPINI’S FLAME OF HEAVENSs “The Force Within“ als “alles alles andere als kitschig. Das Album also eines Mannes, der vor seiner neu angebrochenen Zeit im Power Metal “Epic Symphonic Opera” Music komponiert hat und dessen Metal-Debüt Songs mit Titeln wie – nun, werft einfach einen Blick auf die Trackliste, dann wisst Ihr, was ich meine – beinhaltet. Alles andere als kitschig. Gut, man muss sowas in einen Promotext eines höchst Orchester-, Synthesizer- und harmonielastigen italienischen Power-Metal-Albums schreiben, aber alleine die drei klavier- und streicherreichen Balladen “Always With You”, “Finding Yourself” und “Missing You”, die in ihren Intros Schlagerballaden verdächtig nah sind und im Verlauf so richtig mächtig, emotional und harmonietriefend werden, bestätigen das Ganze als Fake News (und die Akustikversion der letzten Ballade ist noch gar nicht eingerechnet).
Dann wiederum: Wer das Albumcover gesehen und sich dann gedacht hat “Och, das interessiert mich aber”, der weiß auch mehr oder weniger, was ihn erwartet. Emotionen, Pathos, Feierlichkeit, große Melodien, Bombast. In gut produziert, kann an dieser Stelle hinzugefügt werden, von STRATOVARIUS‘ Matias Kupiainen und ika Jussila (u.a. NIGHTWISH). Das Orchester klingt nicht zu 100% echt, aber wertig, Sänger Marco Pastorino geht nicht ganz so hoch, wie man vielleicht erwarten würde, klingt in seinen Sphären aber sehr stark und wird unterstützt durch nicht minder starke und klug konzipierte Backing Vocals.
Damit ist eigentlich fast alles gesagt. Über eine Stunde Spieldauer feierlicht das Projekt durch “The Force Within”, lässt dabei kaum eine klassische Symphonic-Power-Metal-Wendung aus, macht dabei aber auch abseits der nicht besonders großen Experimentierfreudigkeit aber auch nicht besonders viel falsch.
Heraus ragen das verhältnismäßig undurige “Against The Hellfire” mit seinen freshen Synthesizern, dem abgehackten Prechorus und dem gelungenen Chorus, und “Lightning in The Night”, das kräftig abgeht, durchgängig unterhält und im Chorus nicht ganz den erwarteten Weg geht. Ansonsten gibt’s mal langsamere Feierlichkeit (“The Angel And The Faith”), mal 2000er Power Metal (“Far Away”), besagte Balladen und einiges dazwischen.
Insgesamt ist “The Force Within” der fette Gänsehauterzeuger, den man angesichts seiner Aufmachung erwartet, technisch gut, kompositorisch zweckmäßig, ohne groß hängenbleibende Melodien, wovon aber der Bombastfaktor gut abzulenken vermag.

Fazit:
Nee, die Platte ist nichts für Leute mit Keyboardallergie. Auch nichts für Leute, die gerne ein gewisses Maß an Aggression in ihren Metal integriert haben wollen. Wem aber der Sinn nach einem Album mit allen Zutaten symphonischen Power Metals in unkritisierbar umgesetzt steht, der gebe Cristiano gerne mal eine Chance.

Anspieltipps:
“Against The Hellfire”, “Lightning In The Night” und Moonlight Phantom”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Force Within
02. We Fight For Eternity
03. Far Away
04. Against The Hellfire
05. Always With You
06. Dying For Love
07. Finding Yourself
08. Lightning In The Night
09. Missing You
10. Moonlight Phantom
11. The Angel And The Faith
12. Ab Angelis Defensa
13. Missing You (Acoustic Version, Bonus Track)

Jannis

MEMORIES OF OLD – The Zeramin Game

Band: Memories of Old
Album: The Zeramin Game
Spielzeit: 69:01 min
Stilrichtung: Symphonic Power Metal
Plattenfirma: Limb Music
Veröffentlichung: 18.09.2020
Homepage: www.facebook.com/MemoriesOfOld

Epic Symphonic Power Metal ist nicht gerade ein Stil der in UK übermäßig viele
Freunde – geschweige denn britische Bands – hat, die sich diesem doch eher
skandinavischen oder italienischen Genre hingeben. Dennoch hatte ein gewisser Billy Jeffs seine Leidenschaft für dieses Genre entdeckt und begann 2017 an einem Album dieser Stilrichtung zu arbeiten. Drei Jahre später kann er mit seiner neuen Band MEMORIES OF OLD ein Album präsentieren, das das gesamte Spektrum dieses Genres beeindruckend vereint. „The Zeramin Game“ ist nicht nur ein schlichtes Debüt, nein, es ist ein Statement für dieses Genre. Was als Ein-Mann-Projekt begann, hat sogar das Interesse von Sabaton, / Majestica Gitarrist Tommy Johansson geweckt, der sich flugs zum Mitglied von MEMORIES OF OLD erklärte. „The Zeramin Game“ liefert ein Feuerwerk an Songs, welche Fans von Epic Symphonic Power Metal begeisternd aufnehmen werden. Knackig produziert, auf der Höhe der Zeit und schlicht Monumental.
Soweit die markigen Worte der Promobeschreibung, die man aber durchaus so stehen lassen kann. Denn mit dem Debütalbum der Jungs dürfte Fans des genannten Genre ein lang erwarteter Leckerbissen ins Haus stehen!
Stilecht beginnen wir sogar mit zwei Intros in Form von „In Exordium“ und „Overture“ bevor es dann bei „Land of Xia“ das erste Mal so richtig zur Sachen geht.
Viele Keyboards, viel Bombast, einiges an Melodic und ein glänzend aufgelegter Tommy Johansson das sind die schnelle Keyfacts dieser Nummer. Als quasi Eröffnung macht der Song direkt Laune und weiß zu gefallen.
Gleich also der erste Hit für die Bombast Jünger.
Das anschließende „Zera`s Shadow“ braucht dann etwas um in die Gänge zu kommen und so ganz mag der Funken dann auch im gesamten Song nicht recht überzuspringen, zu gewöhnlich und nach Standardmetal klingt das Ganze.
Im anschließenden „Some Day Soon“ sind die Jungs aber wieder schön abwechslungsreich unterwegs und zeigen wieder wer an die Speerspitze des Epic Symphonic Power Metals in UK möchte!
„Destiny“ im Anschluss ist dann quasi die Powerballade des Albums, weiß auch seine Akzente zu setzen, kann aber nicht komplett überzeugen da irgendwie zu wenig passiert.
Ganz anders tönt danach dann „Across the Seas“. Gewürzt mit etwas Piratenfeeling haben wir hier einen überlangen Power Metaltrack der die Epic mal nicht so sehr im Fokus hat, was der Band und der Nummer definitiv gut tut und auch mal eine andere Seite präsentiert.
Der anschließende Siebenminüter „Arrival“ kommt dann leider wieder nicht sehr auf den Punkt und plätschert etwas an einem vorbei.
Aber mit dem einleitenden Füllstück „A Hooded Traveller“ haben wir ja noch den letzten Abschnitt der Scheibe der mit „Fowlen`s Revenge“ und denn vierzehn! minütigen Titelstück „The Zeramin Game“ nochmal zwei echte Hits enthält die ein wenig die vorangegangenen etwas schwächeren Songs vergessen lassen!

Anspieltipps:

„The Land of Xia“, „Some Day Soon”, “Across the Seas” und “The Zeramin Game”

Fazit :

Ich habe lange überlegt welche Note ich dem Debütalbum von MEMORIES OF OLD geben soll! Es ist definitiv eine absolute Sahneperle für alle Epic Symphonic Power Metal Fans, vor allem die die massig Keyboards lieben. Aber es ist auch definitiv nicht etwas zum nebenbei hören!
Man muss sich komplett auf die Scheibe und auf die Geschichte einlassen, dann erschließen sich auch die etwas schwächeren Songs vollständig.
Insgesamt auf jeden Fall eine sehr starke Leistung einer Band die genau das macht was sie bestens beherrscht!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. In Exordium
02. Overture
03. The Land of Xia
04. Zera`s Shadow
05. Some Day Soon
06. Destiny
07. Across the Seas
08. Arrival
09. A Hooded Traveller
10. Fowlen`s Revenge
11. The Zeramin Game
12. Finale
13. The Architect`s Eyes (Bonus Track)

Video zu “Some Day Soon”:

Julian

GRIMGOTTS – Sagas (EP)

Band: Grimgotts
Album: Sagas
Spielzeit: 17:59 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Eigenveröffentlichung
Veröffentlichung: 14.08.2020
Homepage: www.facebook.com/grimgottsband

GRIMGOTTS, EP-Trilogie, die zweite: Die Veröffentlichung von “Sagas”, dem Nachfolger von “Tales” rückt näher und den Fan piratig angehauchten Uptempo-Syphonic-Power-Metals erwarten mal wieder vier Schmankerl.
Zur Erinnerung: 2015 in Großbritannien gegründet, ohne Label unterwegs, mit 90er/frühe 2000er Power Metal-Spirit, ganz viel sympathisch billigen Keyboards und epischem Shit von Anfang bis Ende.
Am Sound hat sich seit “Tales” nicht wirklich was getan, aber der war eh für eine solche Band schon hart brauchbar. Allerdings gibt es auf “Sagas” keinen Track mehr, der ins Chaotische abdriftet. Man kratzt an der Grenze von “Zuviel des Guten”, liegt aber subjektiv immer darunter, sodass die Tracks nachvollziehbar bleiben. Grenzwertig wird es durchaus manchmal – auch wenn der teilweise preiswerte Sound der Keyboards dem ganzen eine schöne Authentizität verleiht, ist er in seiner Masse doch manchmal etwas verwaschen, aber das bleibt im Rahmen.
Und sonst so? Nun, das gewohnte GRIMGOTTS-Programm: Viel Uptempo, viel Epik, viele große Melodien, sinnig eingesetzte Parts mit runtergebrochener Geschwindigkeit und ein Gespür für Kompositionen, die sich vertraut anfühlen, aber nicht verbraucht. Dazu kommt die exzellente Idee, im Chorus von “Northern Passage” auf die Growlkünste von Prash Sarma zurückzugreifen, der einen exzellenten Job macht und eine krasse Bereicherung ist, auf die man vielleicht auch etwas häufiger zurückgreifen könnte. “Rise Again” kommt mit POWER-QUEST-Chorus (aber dass GRIMGOTTS POWER QUEST mögen ist auch in ihrem Umkreis kein Geheimnis) und “Plunder, Loot & Chantey” ist mit Akkordeoneinsatz und entsprechenden Melodien sehr piratig und Geschmackssache. Und beim abschließenden Titeltrack wird natürlich noch einmal alles gegeben. Schöne Melodieführung, ein warmer, voller, feierlicher Chorus, Mitklatschpart, Modulation… etwas anderes erwartet man als Fan der Band nicht, aber etwas anderes will man eben auch nicht.

Fazit:
GRIMGOTTS – der kleine Untergrundfels in der Überproduziertheits-Power-Metal-Brandung. Wer braucht Trends, wenn man einfach die Musik machen kann, die man vermutlich schon als Teenager liebte und mit der man aufwuchs? Bei der Band trifft songschreiberisches Talent auf höchste Motivation und auf viel Orchester und das Ergebnis ist auf regelmäßiger Basis überzeugend. Nächster Halt: “Legends”.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Northern Passage
02. Rise Again
03. Plunder, Loot & Chantey
04. Sagas

Jannis

MOONLIGHT HAZE – Lunaris

Band: Moonlight Haze
Album: Lunaris
Spielzeit: 53:12 min
Stilrichtung: Power Symphonic Metal
Plattenfirma: Scarlet Records
Veröffentlichung: 12.06.2020
Homepage: www.facebook.com/Moonlighthazeband

Fast genau 1 Jahr nach dem Debütalbum „De Rerum Natura“ präsentieren uns die italienischen Symphonic Metaller rund um die Ex TEMPERANCE Frontfrau Chiara Tricarico ihr zweites Album mit dem Titel „Lunaris“.
Erneut ist man in dem musikalischen Fahrwasser des starken Debüts unterwegs. Dieses Mal reichert man den Sound noch mit ordentlich Folk an, was ich glaube eine gute Kombi sein könnte.
Halten wir uns daher nicht mit langen Vorreden auf, sondern widmen uns direkt dem Albumopener „Till the End“. Dieser beginnt recht poppig und mit ordentlich Keyboardunterstützung. Daran muss man sich auf jeden Fall erstmal etwas gewöhnen! Aber der Song an sich reißt einen direkt mit und bleibt natürlich wunderbar gleich im Ohr haften. So muss das direkt zu Beginn sein!
Nicht ganz so cheesig geht es dann beim anschließenden „The Rabbit of the Moon“ zur Sache, hier klingt das Ganze wesentlich mehr nach Symphonic Metal als beim Opener. Ein toller Song!
Es folgt der Titelsong „Lunaris“ wo man zum ersten Mal so richtig mit den Folkelementen spielt. Hier spielt man seine Stärken auf jeden Fall voll aus und würzt diese noch mit einer neuen, sehr angenehmen Folknote.
Das eingeschlagene Qulitätsniveau bleibt dann auch in der Folge sehr hoch!
Egal ob „Under your Spell“, „Enigma“ (auf italienisch gesungen) oder „Wish upon a Scar“ (mit einem etwas andern Gesangsstil und nicht so viel Pop). Hier ist alles absolut gelungen und kann bedenkenlos konsumiert werden.
„The Dangerous Art of Overthinking“ leitet dann den letzten Teil der Scheibe ein und will nicht so recht zum bisherigen Songgefüge passen! Hier haben wir Growls und sehr progressives Songwriting was irgendwie nicht so ganz passt, sorry!
Danach passt es aber wieder wesentlich besser, auch wenn man insgesamt nicht mehr ganz an die Qualität des ersten Teils herankommt.
Am Ehesten überzeugen kann man noch beim folkigen „Of Birth and Death“ sowie dem epischen und überlangen „Nameless City“ welches einen starken Cinematic Touch hat.
Zum Abschluss gibt es dann noch die englische Version des schon bekannten „Enigma“ welches einen schönen Vergleich ermöglicht.

Anspieltipps:

„The Rabbit of the Moon“, „Lunaris“, „Under your Spell“, „Wish upon a Scar“ und „Nameless City“

Fazit :

Im Vergleich zum Debütalbum drehen MOONLIGHT HAZE hier ganz kräftig an der Härtespirale. Leider aber etwas zu viel in die Richtung nach unten, was dem Ganzen einen starken Pop Touch gibt. Die Folkelemente sind dazu im Gegensatz sehr gut gesetzt und machen die Scheibe echt interessant.
Insgesamt haben wir hier nach wie vor ein überzeugendes, starkes Album, aber an das Debüt kommt man hier nicht ganz ran!
Beim nächsten Mal bitte wieder etwas mehr Heavyness!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Till the End
02. The Rabbit of the Moon
03. Lunaris
04. Under your Spell
05. Enigma
06. Wish upon a Scar
07. The Dangerous Art of Overthinking
08. Without You
09. Of Birth and Death
10. Nameless City
11. Enigma (English Version)

Video zu „The Rabbit of the Moon“:

Julian

OPERUS – Scores Of Nightmares

Band: Operus
Album: Scores Of Nightmares
Spielzeit: 50:27 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 19.06.2020
Homepage: www.facebook.com/Epic.Operus

OPERUS – Das klingt nach einer kleinen Power-Metal-Band, die gerne einen klassischen Musikstil plus eine Endung der Marke “ity” oder “ica” zu einem coolen Bandnamen kombinieren wollte und dies auf seltsam-originelle Weise tat. Tatsächlich ist die Truppe aber gar nicht mal so klein, beheimatet sie doch unter anderem Mitglieder aus den Häusern TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA, ANNIHILATOR und SKULL FIST sowie aus Theater- und Musicalproduktionen. Das ist ein amtliches LineUp und dementsprechend hochprofessionell klingt auch OPERUS’ nunmehr drittes Album “Scores Of Nightmares”.
Zweifelsohne: Insbesondere die orchestralen Elemente klingen wunderbar und entweder nach echten Instrumenten oder zumindest arschguter und sehr, sehr teurer Software, wovon man sich beispielsweise beim Intro von “Lost” mit seinen tiefen Streichern überzeugen kann. Die Stimmung ist praktisch durchgängig und ziemlich penetrant Musical und die Vocals sind top auf den Stil der Band abgestimmt, mal straighter, aber beispielsweise bei “The Mirror” auch sehr theatralisch und vielseitig – dabei immer sitzend.
Zurück zum Stil: Jeder kennt diese klassisch-TIM-BURTONig-gruselig-wahnsinnig-spaßige Atmosphäre und eine solche vermittelt OPERUS’ “Score Of Nightmares”, ergänzt um eine teils ordentlich dreschende Metalband-Instrumentalfraktion. Das funktioniert auch soweit sehr gut. “Phantasia” legt nach orchestralem Cinematic Intro mit recht humorvollem Riff und gutem Ausblick auf das, was das Album so zu bieten hat, würdig los, “Dance With Fire” fällt insgesamt etwas melancholischer aus, “Echoes” ist ein ruhiges Klavierintermezzo, dessen Motiv von “Where Falcons Fly” übernommen wird, und “Book Of The Dead” ist verdammt düster. Praktisch immer gibt es dabei jene oben beschriebene Art von Musical-Komposition in Kombination mit klassischem symphonischem Power Metal. Die meisten Songs sind reich an kleinen unterschiedlichen Parts und, und hier beginnt die Kritik, die sind mal sehr gelungen, mal durchschnittlich. Das mag man mit bestem Recht als Komposition abseits der Norm bezeichnen, aber es sorgt auch dafür, dass die wenigsten Songs wirkliche Alleinstellungsmerkmale haben, die im Nachhinein hängen bleiben. Stattdessen gibt es einen Overkill an Dingen, die zum Großteil geil gemacht sind, dabei aber zu viel, ein bisschen wirr und im einzelnen in der Menge untergehend. Dazu kommt die Angewohnheit, jeden kurzen, geil stampfenden Midtempo-Part, von denen es durchaus einige gibt, vonseiten der Drums aus erst auf doppelte Geschwindigkeit und anschließend auf Doublebase-Niveau zu heben, gefühlt jedes Mal. Und auch Tempo definiert das Gefühl des Hörers zu einem Song, womit die meisten Tracks auf “Scores Of Nightmares” auch dahingehend leider fehlende Individualität aufweisen.

Fazit:
Darum auch ein langes Fazit: Ich erkenne die Leistung hinter diesem starken und echt schön wahnsinnig anmutendem Album absolut an und hab es gerne rezensiert. „Scores Of Nightmares“ klingt bis auf wenige Stellen Bombe, verbindet die gewählten Genres sehr gut und überzeugt auch mit starkem Orchestersound. Und klar, wenn man Wahnsinn und Albträume mit Power Metal, Orchester und Musical-Feeling kombinieren will, dann ist ein gewisses kontrolliertes Chaos vonnöten. Ein bisschen mehr Struktur innerhalb der einzelnen Songs, also nicht ein bisschen von allem in jedem Track, hätte den Wiedererkennungswert und innerhalb des Albums auch die Originalität der Songs allerdings wesentlich erhöhen können. Nichtsdestotrotz: Während des Hörens macht die Platte ordentlich Spaß und alleine der doch sehr spezielle Stil der Truppe ist ein Grund für jeden Symphonic-Power-Metal-Fan, hier mal ein Ohr reinhängen zu lassen!

Anspieltipps:
„Phantasia“, „Dance With Fire“ und „Book Of The Dead“

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Overture Of Madness
02. Phantasia
03. Lost
04. Dance With Fire
05. Echoes
06. Where Falcons Fly
07. Nightmares
08. Book Of Shadows
09. The Mirror
10. Ruin
11. La Llorona

Jannis

 

FAIRYLAND – Osyrhianta

Band: Fairyland
Album: Osyrhianta
Spielzeit: 57:10 min
Stilrichtung: Symphonic Power Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 22.05.2020
Homepage: www.facebook.com/Groupe.Fairyland.Official

Von der Band FAIRYLAND hatte ich bislang leider noch nie etwas gehört! Naja man kann ja auch nicht alles kennen.
Die französische Symphonic Power Metaband existiert wohl schon seit 2003 und hat bislang eine Konzeptriologie bestehend aus 3 Alben rund um das Fanatsyland Osyrhia veröffentlicht.
Das neue Album „Osyrhianta“ ist quasi die Vorgeschichte zu der Triologie und könnte wohl den Abschluss des Ganzen bedeuten.
Die Band blickt auf eine bewegte Bandhistorie zurück, so gab es bislang auf jeden Fall auch einen neuen Sänger zu hören, so auch dieses Mal! Francesco Cavalieri von den Metallern von WIND ROSE ist nun an Bord und veredelt den neuen Diskus mit seinem tiefen, rauen Organ.
So genug Vorabinfos, steigen wir mit dem Openersong „The Age of Birth“ mal in die neue Scheibe ein. Naja Song ist hier der falsche Ausdruck, Cinematic Intro trifft es schon eher! Aber wen wundert das noch, Konzeptalbum = Cinematic Intro oder?
Der erste richtige Track „Across the Snow“ legt dann recht bombastisch los und dudelt erstmal eine gewisse Zeit so hin bevor dann endlich der neue Sänger Francesco sein tolles, tiefes Organ erklingen lässt.
Insgesamt ist die Nummer nicht schlecht, vor allem in der zweiten Hälfe, aber man braucht hier definitiv zu lange um in Fahrt zukommen.
Auch das anschließende „The Hidden Kingdom of Eloran“ braucht recht lange um in Fahrt zu kommen, überzeugt dann aber doch mit seiner Melodic im tollen Refrain.
Bei „Eleandra“ gibt es ein großes Problem. Die Gaststimme von Elisa C Martin! Leider passt diese von der ehemaligen Sängerin irgendwie teilweise nicht wirklich ins Konzept. Zusätzlich überdreht sie manchmal ziemlich und bricht dann in den Höhen. Ne sorry Leute aber das ist echt nix, tut mir ja leid!
Aber guck mal an, bei den nächsten Tracks „Herald of the Green Lands“, „Alone We Stand“ und „Hubris Et Orbis“ ist die Qualität doch endlich mal im absolut empfehlenswerten Bereich! Das mag auch daran liegen, das die Songs wesentlich kürzer sind als zuvor und somit auch besser auf den Punkt kommen. Mit dem sehr präsenten Bombast muss man aber auch hier erstmal zurecht kommen!
Danach gibt es aber leider wieder ein paar Dämpfer!
„Mount Mirenor“ ist ein viel zu langes Instrumental (über 7 Minuten) geworden, was vielleicht im Gesamtkonzept wunderbar funktioniert, als Einzelsong aber nicht wirklich.
Ähnlich ergeht es dann dem über 12 Minuten Epos „Of Hope and Despair in Osyrhia“. Als Einzelsong einfach zu komplex und schwer zugänglich, sorry!
Das abschließende „The Age of Light“ ist im Vergleich dazu aber wieder recht ordentlich gelungen und weiß zu überzeugen.

Anspieltipps:

„The Hidden Kingdom of Eloran“, „Herald of the Green Lands“, „Alone We Stand“, und „The Age of Light“.

Fazit :

Ich bin vielleicht ganz schön hart ins Gericht gegangen mit der neuen Scheibe von FAIRYLAND! Aber insgesamt muss ich doch sagen das dieses Bombastwerk echt schwer zugänglich ist und mit Sicherheit nur etwas für die beinharten Fans dieses Genre und der Band ist.
Es gibt ja ein paar Lichtblicke auf dem Album für die breite Masse und auch die Gesangsleistung des neuen Fronters Francesco ist natürlich tadellos!
Somit reicht es dann ganz knapp noch für eine insgesamt doch solide Bewertung.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Age of Birth
02. Across the Snow
03. The Hidden Kingdom of Eloran
04. Eleandra
05. Heralds of the Green Lands
06. Alone we Stand
07. Hubris Et Orbis
08. Mount Mirenor
09. Of Hope and Despair in Osyrhia
10. The Age of Light

Video zu „The Hidden Kingdom of Eloran“:

Julian

GRIMGOTTS – Tales (EP)

Band: Grimgotts
Album: Tales EP
Spielzeit: 20:05 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Eigenveröffentlichung
Veröffentlichung: 01.05.2020
Homepage: www.facebook.com/grimgottsband

GRIMGOTTS‘ Releases zu verfolgen ist eine sehr interessante Sache. Man hat da eine kleine Underground-Symphonic-Metal-Band aus Großbritannien, die seit 2015 existiert, ungeheures Potenzial hat und sich langsam immer weiter professionalisiert, ihren Stil findet und vertieft, Ideen testet, die mal gut, mal nicht so gut sind – und all das auf der Basis ihrer fröhlich-hymnischen 2000er-Symphonic-Power-Metal-Interpretation tut, die bereits 2017 mit “Calm Before The Storm” (und vermutlich auch vorher, da kenne ich nur nichts von bislang) Individualität und ein hohes Kompositionsniveau bewiesen hat. Schade nur, dass die Jungs immer noch ohne Label unterwegs sind und im Jahr 2020 ihre Musik rausbringen. Vor 15 bis 20 Jahren und mit besserer Promotion hätte man wohl neben ihrer musikalischen Entwicklung auch eine beachtliche Erfolgsentwicklung betrachten dürfen.
Wie auch immer, jetzt geht’s ans nächste Projekt: drei EPs, verteilt über das Jahr 2020 rausgebracht, erwarten den Freund orchestral unterlegter Uptempo-Cheesiness und ernsthaft – wenn man die drei Dinger für je sechs bis sieben Euro verkauft, liefert man dem Fan über’s Jahr hinweg immer wieder mal ein Drittel eines einstündigen Albums (und zwar nix mit Re-Release-Kram oder Demos, schlicht vier neue Tracks), und das ist eigentlich gar kein übles Konzept. EP #1 hört auf den Namen “Tales” und erblickt am ersten Mai das Licht der Welt. Sie stellt schnell klar, dass sich in Sachen Sound nochmal ein bisschen was bei GRIMGOTTS getan hat. Der war 2017 noch eher bescheiden, 2019 schon ziemlich gut und jetzt nochmal etwas besser. Amtlich in hohem Maße auf jeden Fall für eine Eigenveröffentlichung, insbesondere was die Vocals angeht. Klang Andy Bartons Stimme auf dem letzten Album noch ab und an ein wenig gewollt klischee-piratig, so passt sie inzwischen ziemlich perfekt zur Musik, ist bei “Reign Of Might” sogar herausragend. Und musikalisch?
Wie oben bereits angedeutet, es gibt viel Uptempo aber durchaus Variationen in dieser Hinsicht (die geil downgespeedete erste Zweite-Strophen-Hälfte von “The Dawnbringer “ allein schon…). Dazu gibt es feierlich-hymnische Refrains, nicht ganz authentisch orchestral klingende Keyboards, die mal in Form von liebevollen Streichernuancen (“Fight ‚till The End”), mal als Bläserfanfaren (im PACHELBEL-Kanon-beeinflussten “Reign Of Might”) und sonst als Keysolo oder Grundlage zum Einsatz kommen, und einen hörbaren aber nicht zu krassen Folk-Metal-Faktor in der Melodieführung. Die Songqualität kann sich mit der des Vorgängers “Dragons Of The Ages” messen, lediglich – und hier kommt ein ernsthafter Kritikpunkt – bei “The Dawnbringer” zündet der eigentlich geile Chorus nicht mehr so wirklich, weil er einfach zu überladen und damit etwas chaotisch unübersichtlich ist. Aber jut, das ist eine Band im Anfangsstadium. Solche Kinderkrankheiten muss man benennen, aber perfekt ist niemand von Anfang an.

Fazit:
Und für ihre kurze Bandgeschichte sind GRIMGOTTS so verdammt gut, dass man dieser EP sowie dem letzten Album auf jeden Fall mal beide Ohren leihen sollte. Das ist sympathischer und gut intonierter Symphonic Power Metal, der sich um neuere Power-Metal-Entwicklungen kein bisschen kümmert und aus dem Genre in seiner klassischen Form extrem viel Entertainment herausholt. Wir freuen uns schon auf die “Saga”-EP im August!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Fight ‚till The End
02. For The Power
03. The Dawnbringer
04. Reign Of Might

Jannis

ARCHON ANGEL – Fallen

Band: Archon Angel
Album: Fallen
Spielzeit: 49:57 min
Stilrichtung: Hard Rock/Symphonic Power Metal
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 14.02.2020
Homepage: www.facebook.com/ArchonAngelBand

Aldo Lonobile, Gitarrist von SECRET SPHERE, und Zak Stevens, Ex-SAVATAGE- und CIRCLE-II-CIRCLE-Sänger, gemeinsam mit einem Projekt, das nach klassischen SAVATAGE klingen soll; Na guut, geben wir dieser hoffnungsvollen Newcomerband ARCHON ANGEL und ihrem Debut-Album mal eine Chance.
Getroffen hat man sich bei den Arbeiten an TIMO TOLLKI’S AVALONs “Return To Eden” (die Rock Garage hat euch davon erzählt), gemeinsam an Songideen geschraubt und mit Yves Campion, Marco Lazzarini und Antonio Agate drei hochqualifizierte Musiker für die finale Besetzung zusammengetrommelt. Nun steht das Resultat alldessen in den Amazon-Lagern und vereint tatsächlich die Trademarks von SAVATAGE, allen voran den erhabenen Gesang von Ausnahme-Zak Stevens. Orchester gibt’s natürlich auch, im Groben einmal Streicher und einmal scharf bräsende Bläser, das nur an wenigen Stellen mal hörbar als synthetisch auffällt. Und ein Klavier kommt mindestens in der Hälfte der Tracks zum Einsatz. Dazu schöne Backingvocals, die selten (zum Beispiel beim 7,5-Minuten-Endtrack “Return Of The Storm”, der kurzweilig und fesselnd ausfällt) durch ihre Abwesenheit stören, zumeist aber gut eingesetzt sind, und ganz sporadisch kleine modernere Synth-Kniffe, beispielsweise das geile Intro des düster bechorusten “Twilight”.
Musikalisch pendelt man, wie erwartet, zwischen Bombast, knackigem Hard Rock (“Hit The Wall”, braucht keine Keyboards, kriegt also auch einfach keine!), leicht musicaleskem Orchester-angereichertem Heavy Rock (u.a. bei “Under The Spell” und beim starken Opener, der die “Der erste Track muss schnell sein”-Regel gekonnt ignoriert) und metallischen Tönen (z.B. das ebenfalls keyboardlose “Who’s In The Mirror”). Und eine Ballade ohne E-Gitarren und Drums gibt’s auch, die ist schmalzig und heißt “Brought To The Edge”
Veredelt wird all das durch eine Kompositionsleistung, die offensichtlich auf mächtig Erfahrung basiert – und durch die Musiker, die anscheinend alle von der Art sind, die nur auf ihr Instrument husten muss, um einen Part rauszuhauen, der auch aus einem eher simplen Track ein dickes Maß an Entertainment rausholt. Gerade das Gitarrenspiel ist eine harte Bereicherung!
Abseits der Ballade ist der Kitschfaktor recht gering. ARCHON ANGELs Version von Symphonic Power Metal ist oft düster, hat Platz für fast (fast) böse Riffarbeit und versauert keineswegs im Klischee-Symphonic-Power-Metal-Gänsehaut-Overkill. Ob das nun qualitativ ganz an die alten SAVATAGE rankommt, bleibt dem einzelnen Fan überlassen.

Fazit:
Dass “Fallen” aber ein Album ist, das der Reputation seiner Macher absolut gerecht wird, ist unbestreitbar. Ein würdiges Lebenszeichen des alten SAVATAGE-Spirit, und das bedeutet an sich schon Qualität!

Anspieltipps:
“Fallen”, Twilight” und “Return Of The Storm”.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Fallen
02. The Serpent
03. Rise
04. Under The Spell
05. Twilight
06. Faces Of Innocence
07. Hit The Wall
08. Who’s In The Mirror
09. Brought To The Edge
10. Return Of The Storm

Jannis

VISION DIVINE – When All Heroes Are Dead

Band: Vision Divine
Album: When All Heroes Are Dead
Spielzeit: 56:58 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Scarlet Records
Veröffentlichung: 25.10.2019
Homepage: www.visiondivine.com

Dürfte vielen von Euch auch schonmal passiert sein, dass Ihr an irgendeinem weit entfernten Ort wart und dort dann durch Zufall eine(n) Bekannte(n) getroffen hat. Im Power Metal passiert sowas häufiger. Man hört in irgendeine Band rein (in diesem Fall VISION DIVINE), die man bislang nicht auf dem Schirm hatte, und natürlich sitzt mal wieder Mike Terrana an den Drums. Neben dem ist auch Ivan Giannini jetzt bei den Italienern an Bord und bislang gab es von diesem LineUp nur die Single “Angel Of Revenge” zu hören, die auf dem nunmehr achten Album der Band, “When All Heroes Are Dead”, als lohnender Bonustrack vertreten ist.
Der Stil (wer hätte das erwartet?): Power Metal. Gut produzierter, gut gespielter Power Metal mit einem Sänger, der eine absolut Power-Metal-geeignete Stimme mitbringt und auch vor hohen Tönen nicht kapitulieren muss.
Der Power Metal von VISION DIVINE ist eher klassisch, beinhaltet einen hörbaren aber nicht zu krassen Anteil an Dur, dazu gute Portionen an Tragik, Epik (Epischkeit?) und allgemein Italian-Power-Metal-bedingt an großen Emotionen. Dazu gibt’s einige digitale Synths, die korrekt eingefügt sind, und viel Orchester, das in seinen Arrangements oft an Trailer Music der Marke GRV Music oder Two Steps From Hell erinnert. Dies offenbart sich bereits beim Intro, während das darauf folgende “The 26th Machine” demonstriert, wohin die Reise auf metallischer Ebene geht. Mit gut hartem Gitarrensound und treibendem unterem Uptempo/oberem Midtempo bewegt man sich in der Nähe der Cheesigkeit-Grenze und überschreitet sie bisweilen. Dazu Feierlichkeit im Mittelteil, Keyboardsoli und ein Refrain, der weitgehend klassisch ausfällt, dabei aber einen gewissen eigenen Charakter besitzt und amtlich Spaß macht.
Selbigen machen insbesondere die Songanfänge, allen voran die von “300” und “On The Ides Of March”, die überraschen und entgegen der Hörererwartung arbeiten, ebenso der von “The King Of The Sky”, der sich als der Part entpuppt, bei dem Mike seinem inneren Tier freien Lauf gewähren darf.
So gut und unkonventionell einige der Songintros auch sein mögen, anschließend verlässt man sich dann doch größtenteils auf die Power-Metal-Regeln. Ein Maß an Eigenständigkeit bewahrt man sich dennoch, aber letztendlich wird eben auch aus düsteren oder härteren Songs im Endeffekt wieder ein auf große Emotionen setzender Chorus in einem sondtechnisch vertrauten Track. Das fällt insgesamt nicht so standard aus wie bei anderen Vertretern des Genres, aber als Käufer darf man halt nicht das ultrainnovative Werk erwarten, sondern eher eine Platte mit gut gespieltem Power Metal, generell über dem Durchschnitt und mit einigen Höhe- und eigentlich keinen Tiefpunkten, aber eben eher drei statt fünf Stufen über dem Durchschnitt.

Anspieltipps:
“The 26th Machine”, “Were I God” und “On The Ides Of March”

Fazit:
Der letzte Satz klingt ernüchternd in der Formulierung, aber im Endeffekt ist “When All Heroes Are Dead” ein absolut solides 8/10-Ding, an dem Fans des Genres einige Freude haben dürften.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Insurgent
02. The 26th Machine
03. 3 Men Walk On The Moon
04. Fall From Grace
05. Were I God
06. Now That All The Heroes Are Dead
07. While The Sun Is Turning Black
08. The King Of The Sky
09. On The Ides Of March
10. 300
11. The Nihil Propaganda
12. Angel Of Revenge (Digipack Bonus Track)

Jannis

EVERFROST – Winterrider

Band: Everfrost
Album: Winterrider
Spielzeit: 58:31 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Rockshots Records
Veröffentlichung: 06.09.2019
Homepage: www.everfrostband.com

Oha. Da wirft man einen Blick auf EVERFROSTs zweites Album und wird erstmal von heftig kitschiger Manga-Optik aus dem Konzept gebracht, um dann im Promosheet anschließend darauf hingewiesen zu werden, dass die Platte inklusive 24-seitigem Manga-Booklet kommt, das die Story des Konzeptalbums visuell umsetzt. Die Spannung steigt, was einen da wohl musikalisch erwartet. Die Antwort: das totale Power-Metal-Massaker. Nein, die Finnen sind sich wahrlich für nichts zu schade. Ausufernde Melodiösität, Orchester- und digitale Synths an allen Ecken und Enden, Clap-Snares, billige Orchestral-Hits, das ganze kombiniert mit einer hörbaren Dosis Anime-Soundtrack.
Die Sorge, dass hier Aufmachung vor Substanz kommt, ist jedoch unbegründet. Während “Winterrider” in Sachen Instrumentierung seine helle Freude daran hat, geschmacklos ohne Ende zu sein, und dabei offenere Metaller bereits bestens amüsieren dürfte, ist die Kompositionsarbeit absolut ernstnehmbar. Gekonnt pendelt man zwischen hochqualitativen, leicht SONATA- ARCTICA- und BLIND-GUARDIANigen Power-Metal-Melodien und einem recht eigenen Kompositionsstil, dessen Resultate eine fantastisch vielseitige Songauswahl und ein fast unmenschlicher Ohrwurmfaktor sind. Europäer, die Asiaten nachmachen, die Europäer nachmachen, sind eben nicht das, was man in diesem Genre auf alltäglicher Basis hört, schon gar nicht mit einem derartigen Maß an Kreativität und mit einem derartig gut geeignten Sänger.
Gerade denen, die ihre Keyboards gerne dezent im Hintergrund wissen, wird das Ding ordentlich Toleranz abverlangen. Das zeigt sich schon beim Opener und Titeltrack der mit unkonventionellem Riff, starkem Refrain und diverse kleinen witzigen Synth-Ideen ankündigt, wohin die Reise geht. Dann mit “Juhannus In July” das erste Highlight. Ich hab selten so ein übertriebenes Gute-Laune-Riff gehört, dazu Glöckchen, ein Hammer-Chorus, dem Harmonie und Eingängigkeit aus jeder Pore tropfen – als habe man beim Songwriting kurzerhand entschlossen, einfach jegliche Grenzen für ungültig zu erklären. Das würde auch den folgenden Knaller “Chainlace Angel” erklären. “Böser” grandioser Start, MICHAEL JACKSON in der herausragend unkonventionellen Strophe und der nächste Hammer-Chorus. Dann, um noch ein paar Highlights unterzukriegen, “Actraiser” (vergleichsweise klassischer fröhlicher Power Metal, eher ein Grower, aber was für einer!), “Die Young” (KESHA-Cover, starke Umsetzung ihres Gesangsstils), “Darkwoods Drain Blackwaters” (Highspeed, Blastbeats, Harmonien, geil), „Above The Treelinde“, eine melodietechnisch einfach nur grandiose Ballade, und “Brandy And Antifreeze”, der Song, der ab jetzt eigentlich in Dauerschleife jede Party-Playlist ersetzen könnte; ein kompletter Hit, mit Disco-Synth-Overkill, 1a-Chorus und geschrieben, um exorbitant Bock zu machen.
Kritik: Die Produktion ist saftig, aber manchmal hätte man die Gitarren etwas weniger kompressen und Lautstärkeunterschiede etwas geringer, dafür die Gesamtlautstärke höher halten können. Dazu ist das 15-minütige “A Whisper In A Frozen Tale” leider im Vergleich eher verzichtbar. Mehr hab ich nicht zu meckern.

Anspieltipps:
“Juhannus In July”, “Brandy And Antifreeze”, “Chainlace Angel” und “Winterrider”

Fazit:
Ein halber Punkt Abzug für die letzten irrelevanten 15 Minuten. Ansonsten: Ganz und gar überhaupt nichts für Freunde keyboardlosen Metals, an alle anderen eine absolut dringende Reinhörempfehlung. “Winterrider” hat absolut sicher einen Platz in meiner Top 10 dieses Jahres und macht mit seiner Mischung aus unkonventionell-interessant-eingängigem Songwriting und herrlichen inflationären Synthesizer-Abartigkeiten absolut alles richtig.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Winterrider
02. Juhannus In July
03. Chainlace Angel
04. Actraiser
05. Cold Night Remedy
06. Above The Treeline
07. Brandy And Antifreeze
08. Die Young
09. Darkwoods Drain Blackwaters
10. A Whisper In A Frozen Tale

Jannis