PULVER – Kings Under The Sand

Band: Pulver
Album: Kings Under The Sand
Spielzeit: 36:17 min
Stilrichtung: Retro Heavy Metal
Plattenfirma: Gates Of Hell Records
Veröffentlichung: 10.05.2019
Homepage: www.facebook.com/PulverHeavyMetal

PULVER – ach, was böte sich der Name dieser Band doch für einen billigen Eingangswitz an. Aber jut, ab und zu muss man sich auch mal zurückhalten. Also ganz klassisch zu Anfang ein paar allgemeine Randinfos. Die fünf Jungs von PULVER kommen aus Aschaffenburg, haben seit ihrer Gründung 2016 bereits eine EP veröffentlicht und legen nun ihren ersten, mit 36 Minuten Spieldauer recht kurzen, Longplayer “Kings Under The Sand” vor. Über acht Tracks inklusive Intro wird dem Hörer darauf nach eigenen Angaben eine Mischung aus NWOBHM und Hard Rock der späten 70er geboten. Dem kann ich soweit zustimmen, ebenso wie der Einschätzung, Sänger Dave Fröhlich erinnere unter anderem an Lemmy. Dabei fallen die Vocals allerdings minimal kraftlos aus und wurden mit einem ordentlichen Hall-Effekt ausgestattet. Das ist gar nicht unbedingt schlecht. Gerade die Tendenz von Fröhlich, häufig etwas unter dem angepeilten Ton zu landen und dann die gesungene Tonhöhe der erwarteten anzugleichen, gibt ihm durchaus etwas lässig-Entspanntes, was an sich gar nicht übel zum Rest der Musik passt, der mit seiner klaren 70es-Hard-Rock-Schagseite doch nicht selten eher zum Mitnicken als zum Bangen einlädt. Ist ein wenig Geschmackssache, ich mag’s.
Die Produktion ist recht Drum- und Bass-fixiert, was Gesang und Gitarren gelegentlich ein wenig in den Hintergrund drängt, anhören lässt sich die Platte allerdings problemlos, wenn man denn über gelegentliches Bassdröhnen (insbesondere bei “Warrior Caste”) und leicht dumpfe Drums hinwegsehen kann.
Musikalisch verlassen PULVER sich auf melodische Riffarbeit, viele Tempowechsel (Durchschnittlich einer pro Song ist Pflicht) und klassische Retro-Rock-Wendungen, wobei auf kleine Extras wie Orgel- oder allgemein Tastensounds praktisch komplett verzichtet wurde. Dafür gibt es ab und an kleine Authentizitäts-Boni wie Gong und Schellenkranz in “Warrior Caste”, das auf ungewöhnliche Harmonieführung baut und im Mittelteil schön zappelt. In Sachen Geschwindigkeit bewegt man sich zwischen schleppend-doomigem Downtempo (Sagt man das so?) und gemäßigtem Uptempo. Eher MAIDEN-Galopp als DRAGONFORCE-Gedresche, wie zu erwarten war. Besagtes Downtempo findet sich insbesondere bei “Blacksmith’s Lament” und “Quarinah”, hält sich angesichts des Faibles der Truppe für Tempowechsel jedoch meist nicht lange. “Alpha Omega” ist instrumental gehalten, letztendlich ein vierminütiges Gitarrensolo, das durchweg zu unterhalten weiß, und im finalen Track “Curse Of The Pharaoh” dürfen sogar ein paar fast black-metallig anmutende Gitarren mitwirken, die dem hypnotisch wirkenden Track in Kombination mit den in den Hintergrund gemischten Schreien eine durchaus besondere Atmosphäre verleihen.
Eine bessere Produktion hätte “Kings Of The Sand” gut getan, etwas ausgefeiltere Kompositionen ebenso. Aber Potenzial ist vorhanden bei PULVER, insbesondere hinsichtlich der Gitarrenarbeit und der doch sehr schönen Kombination von 70er Hard Rock und traditionellem Heavy Metal, bei der der Fokus im Gegensatz zu vielen anderen Bands der momentan so gerne gerittenen Retro-Welle erfrischenderweise eindeutig auf ersterem Stil liegt.

Anspieltipps:
“Kings Under The Sand”, “Curse Of The Pharaoh” und “Phantom Hawk”

Fazit:
Retrofreunde sollten hier ohne Frage mal ein Ohr riskieren. Ein bisschen mehr Ausgereiftheit und eine bessere Produktion (plus ein wenig mehr Mut in Sachen Songstruktur) täte dem Musik-Rezept von PULVER noch gut, aber dass die Jungs spielerisch und durchaus auch kompositorisch was auf’m Kasten haben, lässt sich nicht abstreiten. Das nächste Album würde ich gerne wieder rezensieren!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Rising
02. Phantom Hawk
03. Blacksmith’s Lament
04. Kings Under The Sand
05. Quarinah
06. Warrior Caste
07. Alpha Omega
08. Curse Of The Pharaoh

Jannis

WAR CURSE – Eradication

Band: War Curse
Album: Eradication
Spielzeit: 43:35 min
Stilrichtung: Thrash Metal
Plattenfirma: Svart Records
Veröffentlichung: 10.05.2019
Homepage: www.facebook.com/warcursemetal

Bei manchen Bands frag man sich, ob sie mit ihrem Produzenten einen Vertrag ausgehandelt haben, bei dem im Grundpreis fünf Audiospuren (Gesang, Gitarre, Gitarre, Bass und Drums) enthalten sind und jede weitere Spur extra kostet. Sollte dies bei WAR CURSE der Fall sein, so kann man sie beglückwünschen, sie sind offensichtlich günstig davongekommen. Dazu klingt die Produktion des zweiten Longplayers der Truppe aus Ohio sehr US-(Thrash)-metallig produziert, sehr tight und definiert und ohne jeglichen unnötigen Klangballast, den man noch rausproduzieren könnte. Sprich: Das Allernötigste ist drin, aber auch kein Stück mehr. Das steht dem melodischen Thrash Metal von WAR CURSE aber eben auch recht gut, bringt die verschiedenen Instrumente wie die Sänger durchweg angemessen zur Geltung. Gerade das Gitarrenspiel sticht an dieser Stelle hervor. Die Riff-Arbeit von Justin Roth und Joshua Murphy ist beeindruckend und wird von den verlässlichen und ebenfalls on point gespielten Drums wunderbar getragen. Neben Sänger Blaine Gordon hat man zudem mit Glen Alvelais (FORBIDDEN/TESTAMENT), Kragen Lum (HEATHEN/EXODUS) und Kyle Thomas (EXHORDER) insgesamt drei namhafte Gastsänger parat, von denen insbesondere Glen einen sehr guten Job macht. “Hauptsänger” Blaine muss sich hinter diesen Herren aber kein bisschen verstecken. Bei melodischen wie bei unmelodischen Parts liefert er Qualität und schafft es bestens, auch die böseren, unklar gesungenen Parts mit einer kleinen Prise Melodiösität auszustatten.
Dass Melodien auf “Eradication” von Relevanz sind, zeigt sich bereits beim Opener “Asylum”, der unerwarteterweise mit einem recht unaggressiven 6/8el-Part im Mittelteil aufwartet. “Sands Of Fate” beginnt mit düster-apokalyptischem Bombast-Intro, verfällt dann zurück in die gewohnte Produktion (Sowas ist immer ein wenig unfreiwillig komisch) und erfreut mit mehr Geballer als Track 1 und einem simplen aber sehr effektiven Chorus. “Possession” beginnt vergleichsweise böse, mit ordentlichem Geholze und böser Vocal-Performance, lässt in seinem Verlauf jedoch auch melodischere Elemente zu, auch in den Instrumentalparts, die auf “Eradication” generell meist sehr gelungen und kurzweilig ausfallen. Der Titeltrack des Albums ist mit Abstand der melodischste des ganzen Albums. Im Refrain wird hier gar auf kaum geräuschhaften Klargesang (!) mit einem kleinen Voice-Effekt zurückgegriffen und man munkelt, ein Keyboard hören zu können, wenn man den Track bei Vollmond hört. Ist eine kleine Abwechslung und zudem ein in seiner Gesamtheit äußerst geiler Refrain innerhalb eines guten klassischen Melodic-Thrash-Metal-Songs. Mit “Deadly Silence” wird es nochmal etwas unspektakulärer, bevor für das finale “Polluted Minds” ein letztes Mal ein ziemlich gemeines Riff ausgepackt wird, das dem insgesamt vergleichsweise langsamen Track sehr gut steht, im Gegensatz zum nervigen Ausfaden des Tracks, das nun wirklich die traurigste und uninspirierteste Art ist, ein Album zu beenden. Beim nächsten Mal gibt’s dafür Punktabzug, Freunde.

Anspieltipps:
“Eradication”, “Sands Of Fate” und “Iron Veil”

Fazit:
“Eradication” ist bestens gespielt, gerade hinsichtlich der Gitarren äußerst gekonnt geschrieben, dazu korrekt produziert. Von den acht Tracks der Platte können je nach subjektiver Präferenz doch sechs bis sieben auf jeden Fall überzeugen. WAR CURSE wissen, was sie tun und sie haben Spaß daran, es zu tun. Das merkt man ihnen auf “Eradication” deutlich an, wenn man sich als Freund des Genres denn dazu bequemt, der Platte mal eine Chance zu geben. Meine Empfehlung habt Ihr!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Asylum
02. Sands Of Fate
03. Possession
04. Serpent
05. Iron Veil
06. Eradication
07. Deadly Silence
08. Polluted Minds

Jannis

THE NIGHTMARE STAGE – When The Curtain Closes

Band: The Nightmare Stage
Album: When The Curtain Closes
Spielzeit: 56:32 min
Stilrichtung: US Power Metal
Plattenfirma: Pure Steel Records
Veröffentlichung: 26.04.2019
Homepage: www.facebook.com/TheNightmareStage

Wenn man sich zur Renovierung billige Streicher organisiert, muss man damit rechnen, dass die Wände nachher eine Art ungewolltes Camouflage-Muster haben. Wenn man sich für ein Metalalbum billige Streicher organisiert, ist man möglicherweise THE MIDNIGHT STAGE. Gemeiner Anfang, ich weiß, gerade weil die ersten Sätze unserer Rezensionen immer nochmal extra auf Facebook als Teaser gepostet werden. Also hier an die Facebook-Gemeinde: trotzdem mal weiterlesen bitte, da kommen auch noch ’n paar nette Ansagen.
Die New Yorker Truppe um Ex-INNER-STRENGTH-Sänger Scott Oliva hat 2010 bereits ihr Debutalbum veröffentlicht, nun folgt mit “When The Curtain Closes” auch mal ein Release bei einem Label. Einen Mix aus Progressive und US Metal macht man laut eigenen Angaben, mit ausufernden Keyboardteppichen. Um das gleich abzuhaken: Es gibt gefühlt auf jedem Song den gleichen, nicht allzu druckvollen Streichersound, ab und zu mal ein klanglich besser gelungenes Klavier und selten mal eine Orgel oder ein Lead-Synth. Damit liegt der erste Kritikpunkt schonmal auf dem Tisch. Keyboards ja, aber bitte mit ein wenig Abwechslung.
Was die Keys falsch machen, rettet dann immerhin der Sänger. Scott klingt 90 Prozent der Zeit echt passend und wirkt lediglich manchmal stimmlich ein wenig dünn. Allgemein aber eine gute Sängerwahl und die Vocal-Arrangements machen die Gesangsleistung nochmal erfreulicher. Gegen sie stinkt leider die Produktion der Instrumente etwas ab. Solide ist sie, aber ein wenig kraftlos verwaschen. Kann man aber drüber hinwegsehen, hörbar ist die Platte auf jeden Fall.
Musikalisch kann man “When The Curtain Closes” ganz gut in eine erste schwächere und eine zweite stärkere Hälfte aufteilen. Die ersten sechs Tracks sind okay, meist im Midtempo mit Uptempoeinlagen (oder andersrum) gehalten und trotz des gefühlt niedrigen Tempos sehr Doublebass-lastig. Oliva gibt dem Ganzen zudem einen gewissen theatralischen Touch, insgesamt besticht die erste Hälfte allerdings nicht unbedingt durch Höhepunktreichtum. Eine fettere Produktion und bessere Orchestral-Arrangements hätten davon ein wenig ablenken können, soll aber wohl nicht sein.
Schön, dass die zweite Albumhälfte das Niveau ein wenig hebt. Auf dieser ist man wesentlich vielseitiger unterwegs, angefangen mit der Halbballade “This Is The End” (Ist es nicht), die gefühlvoll-atmosphärisch beginnt und kraftvoll-feierlich weitergeht. Kompliment für den Klaviersound! Der findet sich auch im folgenden “Future I See” wieder, das im Kontrast zum vorherigen Track ordentlich voranprescht und unter anderem durch seinen Mittelteil besticht. Stimmungsvoller wird es dann noch bei “Hellbound”, ein echt interessanter Mix aus ruhig-unkitschigem und leicht jazzigem Soloklavier, schleppendem Uptempo-Doom (also unteres Midtempo) und verstärkten Power-Metal-Harmonien im Refrain. Plus wenig Streicher, das ist auch eine willkommene Abwechslung. Ach ja, und “From Below” stellt den Musical-Faktor in den Vordergrund, macht gerade in den Strophen Laune und kriegt ebenfalls ’nen Daumen.

Anspieltipps:
Generell eher die zweite Albumhälfte, insbesondere Track 6 bis 8

Fazit:
Durchwachsene Sache, die Platte. Beginnt leider eher schwach, fängt sich aber und kann im Endeffekt doch vier bis fünf Songs bieten, die nahelegen, ihr mal eine Chance zu geben. Punktabzug für die ewig gleichen Keyboard-Sounds, partiell etwas zu wenig Mut zur kreativen Gestaltung der Songstrukturen und die optimierbare Produktion. Punkte drauf für die zweite Albumhälfte, in der man mal ein bisschen aus sich herausgeht und damit doch noch ein paar wirkliche Glanzmomente auffahren kann.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. A Demented Impressario
02. Returns Again
03. The Infamous
04. Dark Skies
05. Finding Home
06. This Is The End
07. Future I See
08. Hellbound
09. From Below
10. Curtain Closes

Jannis

TALENTSCHMIEDE: Basement Prophecy

Band:
Basement Prophecy

Gegründet:
2018

Herkunft:
Deutschland, Saarland

Mitglieder:
Michael Müller, Frank Beck, Tommy Laasch,

Stil:
Heavy Metal/Power Metal

Veröffentlichungen:
EP 2019

Einflüsse:
Dio, Judas Priest, Iron Maiden, Blind Guardian,Gamma Ray, Kiss, Running Wild

Was wir die nächsten fünf Jahre erreichen möchten:
Das Ganze live auf die Bühne bringen, einen Plattenvertrag bekommen und reich werden. 😉

Was als nächstes kommt:
Vielleicht ein Album? Das Universum wird es schon richten…

Unsere beste Erfahrung bis jetzt:
Die durchweg positiven Resonanzen auf die EP. Einfach fantastisch!

Unser peinlichster Moment, so es denn in der kurzen Bandgeschichte schon einen gab:
Gab es zum Glück noch nicht, kommt aber bestimmt noch.

Mit wem wir gerne ein Bierchen trinken würden und warum:
Mit Ronny James Dio und John Lennon, die leider nicht mehr unter uns sind, um ihnen für ihre geile Musik zu danken.

Wenn wir uns eine Band aussuchen könnten, mit der wir auf Tour gehen dürfen:
Mit Kiss.

Das Beste daran, in einer Band zu spielen:
Das Live-Erlebnis und die Nähe zum Publikum.

Das Schlimmste daran, in einer Band zu spielen:
Die verrückten Musiker auf einem Haufen.

Online:
www.basement-prophecy.de
www.facebook.com/BasementProphecy

Musik:
www.soundcloud.com/user-648417620

Live-Dates:
Noch keine, aber wer weiß…?

STEEL NIGHT – Fight Till The End

Band: Steel Night
Album: Fight Till The End
Spielzeit: 44:28 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Iron Shield Records
Veröffentlichung: 26.04.2019
Homepage: www.facebook.com/SteelNightOfficialMx

Der Wacken Metal Battle ist ja durchaus ein Garant für qualitativen Output. 2018 konnten sich STEEL NIGHT als Sieger des Mexico-Battles behaupten und durften demnach in Wacken spielen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass der Auftritt ziemlich gelungen war. Klassischer Heavy Metal ohne großes Tamtam, stark gespielt, feine Sache. Nun steht das Debutalbum der fünf Kollegen in den Startlöchern. Acht reguläre Songs, ein Bonus-Livetrack, ’ne Dreiviertelstunde Spieldauer und ein gar nicht mal unedles Cover. Was verbirgt sich dahinter? Nun, zunächst einmal eine recht altmodische Produktion, nicht überragend aber auch nicht schwach. Damit kann man sehr gut leben. Dazu kommt mit Jahaziel Rangel ein Sänger, der seine Töne generell gut trifft und gerade in höheren Sphären ordentlich liefert, mit überraschend treffsicheren Screams und einem beeindruckenden Lungenvolumen. Was den Rest angeht, muss man leider sagen, ist durchaus noch ein wenig Luft nach oben. Die vom klassischen 80er Heavy Metal (insbesondere von IRON MAIDEN) beeinflussten Songs sind meist simpel und stets gut metallisch gehalten, haben aber einige Schwachstellen. Punkt 1: Die Backing-Vocal-Mitgrölvorlagen in den Refrains sind ein wenig bitter, technisch verfremdet und im Endeffekt eher Störfaktoren. Andere Backing Vocals, sagen wir eine zweite Stimme über der ersten bei geeigneten Passagen, sind kaum vorhanden. Dass sie dem Album gut getan hätten, zeigt sich insbesondere beim gesanglich recht hoch angelegten und dementsprechend recht geilen Midtempotrack “You Lost My Heart”, wo sie sporadisch vertreten sind und ordentlich Wirkung zeigen. Mehr davon bitte beim nächsten Album.
Punkt 2, der wohl herbste Kritikpunkt: Direkt beim Opener “We Are Metal”, mit über sieben Minuten Spieldauer der längste Track auf “Fight Till The End”, und beim letzten regulären Albumtrack “Wings Of Steel” sitzt doch Einiges nicht so wirklich. Die Dinger sind hörbar ungenau eingespielt, was, gerade wegen “Fight Till The End” den ersten Eindruck des Albums doch negativ beeinflusst. Dieses Problem ist beim Rest der Tracks weniger präsent, die wesentlich genauer auf den Punkt gespielt wurden, aber bei besagten beiden Songs hätten ein paar mehr Einspielversuche nicht geschadet. Kostet vielleicht einen Tag mehr Studiogebüren, erspart dafür aber auch die Thematisierung in Rezensionen wie dieser.
Ansonsten gibt es auf “Fight Till The End” massig ausgeprägte Soloparts, viel Uptempo und Melodien im Stil der Großen des Genres. Viel, was mindestens das Bedürfnis nach traditionellem Metal befriedigt, einiges, was hervorsticht (“Red Alert”s Strophenmelodie ist beispielsweise echt erfreulich) und simpel-traditionell-effektive Kompositionen. Ironischerweise ist gerade der Live-Mitschnitt von “Made Of Steel” gefühlt der genauest gespielte Track der Platte, und dazu einer der spaßigsten. Ist Metal, hat seine Kinderkrankheiten, macht dem Freund von zweifelsohne handgemachtem traditionellen Metal ohne Gefrickel und Überproduktion aber durchaus gute Laune.

Anspieltipps:
“Red Alert”, “Heavy Metal Storm”, “You Lost My Heart” und “Made Of Steel”

Fazit:
Man kann den Jungs von STEEL NIGHT durchaus mal eine Chance geben, obgleich man nicht unbedingt als erstes Track 1 oder 8 hören sollte. Man sollte ihnen auf jeden Fall aber live mal eine Chance geben, sollten sie in nächster Zeit mal in unseren Landen unterwegs sein. Livetauglich ist ihr Material allemal und eine ambitionierte junge Band aus einem auf der Metal-Landkarte doch sehr unbesiedelten Land zu supporten ist doch auch was Schönes!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. We Are Metal
02. Run For Your Life
03. Spell Witch
04. Red Alert
05. Heavy Metal Storm
06. Fight Till The End
07. You Lost My Heart
08. Wings Of Steel
09. Made Of Steel (Live)

Jannis

BASEMENT PROPHECY – Basement Prophecy

Band: Basement Prophecy
Album: Basement Prophecy
Spielzeit: 24:00 min
Stilrichtung: Heavy Metal/Power Metal
Plattenfirma: Eigenveröffentlichung
Veröffentlichung: 09.04.2019
Homepage: www.basement-prophecy.de

Normal würde ich ja einer Fünf-Track-Platte mit 24 Minuten Spieldauer nur eine Kurzrezension widmen. Da es laut Angaben der Band jedoch von der Resonanz auf die CD abhängt, ob man in Zukunft mehr von ihr erwarten darf, hier mein verhältnismäßig langer Beitrag zur Aufrechterhaltung von BASEMENT PROPHECY, da ich von der Truppe doch auf jeden Fall in Zukunft gerne noch mehr hören würde. Ins Leben gerufen wurde das Projekt von Michael Müller, der zuvor mit SRAINED unterwegs war. Alle Instrumente auf “Basement Prophecy” sind von ihm eingespielt worden, gesangliche Unfähigkeit veranlasste ihn dazu, keine Geringeren als Frank Beck von GAMMA RAY und RED RAVEN und Tommy Laasch (Ex-CHINCHILLA) ans Mic zu ordern und mit ihrer Unterstützung mal testweise fünf Tracks als Eigenveröffentlichung unter’s Volk zu bringen.
Die Produktion klingt authentisch nach Basement, aus gutem Grund vermutlich. Sie ist auch der größte Kritikpunkt, der sich an “Basement Prophecy” anbringen lässt, ist sie doch recht dumpf und etwas undefiniert ausgefallen und verlangt ausdrücklich nach einem Remastering irgendwann in der Zukunft. Alles andere wäre schlicht unverantwortlich, denn ausnahmslos alle Tracks der Scheibe sind überaus gelungen, ein homogener Mix aus Power und Heavy Metal, der an Größen wie BLIND GUARDIAN, GAMMA RAY und JUDAS PRIEST angelehnt ist, ohne jedoch als Stil-Kopie abgetan werden zu können.
Die GAMMA-RAY-Vibes offenbaren sich bereits beim von Frank Beck gesungenen Opener “We Are The Children”. Nach einem ruhigen Strophen-Intro mit einer Art Orchesterkeyboard und einer Melodie im besten RAY-Stil gibt’s einen stark komponierten, eingängigen Power-Metal-Chorus auf die Ohren, bevor es GUARDIANiger weitergeht, mit cooler Bass-Line, schreienden Gitarren und schließlich einem echt schönen Mittelteil. “Poison Mind” startet abermals ruhig mit einer Art Flötenkeyboard, in dessen Anschluss die Gitarren den im Vergleich zum ersten Track etwas heavieren und melodisch ganz leicht folkingen Hauptteil einleiten. Refrain abermals eingängig und gelungen, Tommy macht seine Sache, genau wie Frank, echt gut. Das anschließende im Uptempo gehaltene “More” ist der meiner Meinung nach unspektakulärste Track des Albums, das allerdings auf hohem Niveau. Bei den schön bratenden Gitarren, der deftigen Tom-Arbeit im Mittelteil und dem mindestens soliden Chorus wäre es Frevelei, ihn als Lückenfüller zu bezeichnen. “Merciful Fate” ist danach nochmal ’ne absolute Höchstleistung. Der Refrain, erstmals im erneut ruhigen Intro hörbar, wird im Verlauf des Songs mit dem auf’s Intro folgenden Keyboardmotiv kombiniert und ist von einer Qualität, die dem Hörer einen akuten Druck auf den Repeat-Knopf nahelegt. In den Strophen Heavy Metal, im Refrain feinster Power Metal – das Ding ist ein kleines Underground-Meisterwerk. PRIESTig wird es zu guter Letzt mit dem “Painkiller”esken “Metal Wizards” mit seinem Drei-Ton-Chorus, das in seiner effektiven Einfachheit 100% Metal ist und im Mittelteil mal eben noch ein weiteres überaus geiles Motiv raushaut. Begeisterung!

Anspieltipps:
Nu, so groß ist die Auswahl nicht, was? Insbesondere “Merciful Fate”.

Fazit:
Punkte muss ich schweren Herzens abziehen, weil die Qualität der Produktion das Hörerlebnis doch ein wenig beeinflusst. Wer darüber hinweghören kann, der kann locker einen Punkt draufrechnen und hält mit “Basement Prophecy” ein erstes Lebenszeichen einer Band mit also wirklich ganz hohem Potenzial in der Hand, so er denn so freundlich ist, das Ding im Onlineshop der Truppe für läppische 7 Euro inklusive Versand zu erwerben. Das wäre nicht nur löblich der Band gegenüber, sondern auch allen Fans besten Heavy/Power Metals, denen ernsthaft etwas entgehen würde, wenn BASEMENT PROPHECY aufgrund mangelnden Zuspruchs oder mangelnder Einkünfte wieder eingestampft werden müssten. Kaufempfehlung der eindringlichsten Sorte!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. We Are The Children
02. Poison Mind
03. More
04. Merciful Fate
05. Metal Wizards

Jannis

METALL – Metal Fire (Kurzreview)

Band: METALL
Album: Metal Fire
Spielzeit: 41:36 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Iron Shield Records
Veröffentlichung: 26.04.2019
Homepage: www.metall-heavyband.de

METALL – Wer hätte es gedacht, der Name ist Programm bei den Jungs, die sich 1982 in der DDR zusammenschlossen und, beispielsweise mit „Easy Rider“, teils ordentliche Positionen in Rundfunksendungen wie der Beatkiste für sich verbuchen konnten. Nachdem man sich im Jahr 1991 auflöste, war lange Stille um METALL, 2013 erfolgte jedoch die Reunion und nun steht mit „Metal Fire“ bereits das zweite Album der Band in den Läden.

Offensichtlich ist beim Hören von „Metal Fire“: METALL sind nicht die Typen für ausgeklügelte Songstrukturen, innovative Melodien und sie werden Heavy Metal wohl auch nicht revolutionieren. So wie es aussieht hatte man nach der langen Zeit der Stille einfach nochmal Bock, sich mit den Kollegen zusammenzutun und den alten Fans noch einmal nostalgische Freude zu bereiten. Dementsprechend ist das Resultat nicht außergewöhnlich, aber eben genau die Art von harter Musik, die man sich gerne für 15 Euro im kleinen Stamm-Metalclub mit Freunden und Bier zu Gemüte führt: Laut, roh produziert, mit Ahnung davon, wie man simple, traditionelle und prototyp-metallische Melodien und Riffs schreibt. Das Ganze garniert mit viel rauem Klargesang, ein bisschen Geshoute und ein wenig Falsett, mal etwas melodiöser, wie im Refrain von „Stay For A Night To Pray“, mal gemeiner und härter, zum Beispiel bei „Hold The Line“. „Easy Rider“ ist natürlich auch nochmal vertreten – einmal sogar mit deutschem Text, was einen unfreiwillig komischen, aber auch irgendwie sympathischen Effekt hat.

Zusammengefasst: Nichts, wobei man bei einer Tasse Schwarztee seine Hornbrille putzen sollte, wenig Höhen, wenig Tiefen, aber etwas, in das man durchaus mal reinhören kann, wenn man noch auf der Suche nach klassisch-traditionellem Metal der unpolierteren Sorte fürs Festival-Camp ist. METALL eben.

WERTUNG:

 

 

Jannis

TALENTSCHMIEDE: Pantaleon

Band:
Pantaleon

Gegründet:
2009

Herkunft:
Köln/Bonn

Mitglieder:
Till Sauer (Vocals), Xaver Schiffels (Gitarre), Jaques Wery (Keyboard), Sebastian Heuckmann (Bass), Jan Palkoska (Schlagzeug)

Stil:
Progressive Metal

Veröffentlichungen:
Virus (Album), Inner Impact (EP)

Einflüsse:
Evergrey, Symphony X, Dream Theater, Rush, King Crimson, ELP

Was wir die nächsten fünf Jahre erreichen möchten:
Wir schauen mit großer Erwartung auf die nächsten Jahre, da nun das Line-Up harmonisch ist und wir unglaublich viel Energie haben. In fünf Jahren möchten wir gerne auf einen gewachsenen musikalischen Katalog mit schönen Videos und ein paar gespielter Major-Festivals sowie 2-3 Tourneen zurück blicken können – so der Plan. 🙂

Was als nächstes kommt:
Dieses Jahr steht der Fokus auf dem Ausproduzieren neuer Songs. Wir haben unglaublich viel Material in den Schubladen liegen, wovon ganz viel veröffentlicht werden will. Neben einer EP, die relativ kurzfristig erscheinen soll, steht dann für nächstes Jahr möglicherweise die Arbeit an einem Album an.

Unsere beste Erfahrung bis jetzt:
Das ist schwer, in den Jahren haben wir inzwischen einige schöne Konzerte und Momente erlebt. Aber das Release des ersten Albums und das viele positive Feedback, das es daraufhin gab, war wirklich toll.

Unser peinlichster Moment:
Relativ am Anfang hatten wir einen Support-Slot vor einer größeren Band, knapp 200 Leute, gute Stimmung. Leider hatten wir sämtliches Merch zu Hause vergessen und durften jedem danach Fragenden sagen, dass es heute leider keine CD von uns gibt. Eine vergebene Chance und ein Fehler, der uns nicht mehr passieren wird.

Mit wem wir gerne ein Bierchen trinken würden und warum:
Wir freuen uns über jeden Zuhörer, der nach den Konzerten zu uns kommt, mit uns ein Bier trinken und reden möchte.

Wenn wir uns eine Band aussuchen könnten, mit der wir auf Tour gehen dürfen:
Natürlich wäre es toll, mit einer der genretypischen Größen zu spielen. Aber wir glauben, dass wir auch übergreifend im Metal Leute begeistern können und bis auf einige Extreme mit so ziemlich jeder Band touren könnten. Wichtig ist halt, dass die Chemie zwischen den Mitgliedern der verschiedenen Bands stimmt.

Das Beste daran, in einer Band zu spielen:
Es ist wohl klar, dass das Privileg, mit guten Freunden zusammen Musik aufzuführen, das Beste ist, was sich ein Musiker wünschen kann. Aber auch die kreative Arbeit im Proberaum ist ein unvergleichliches Erlebnis.

Das Schlimmste daran, in einer Band zu spielen:
Der Orgaaufwand ist mit Abstand die kräfteraubendste Dimension des Musikmachens. Man vergisst leicht, wie viel „Büroarbeit“ man als Band leisten muss, um durchgehend präsent zu sein.

Online:
www.pantaleon-band.de
www.facebook.com/pantaleon.band

Musik:
Spotify: www.open.spotify.com/artist/6CDjDWgqd8nynnjcgOtugV
Youtube: www.youtube.com/channel/UC-tYN1v5ReyIYoeEWaJV00w

Live-Dates:
21.06.2019 Duisburg-Meiderich, Parkhaus

SILVER BULLET – Mooncult

Band: Silver Bullet
Album: Mooncult
Spielzeit: 55:38 min
Stilrichtung: Symphonic Heavy Metal
Plattenfirma: Reaper Entertainment Europe
Veröffentlichung: 29.03.2019
Homepage: www.silverbulletofficial.com

Ohne einzelnen Vertretern des Symphonic Power Metals zu nahe treten zu wollen: Es gibt in diesem Genre einen dermaßenen Overkill an Bands, die alle soweit professionell klingen und dabei auch alle mehr oder weniger gleich. Brauchen wir wirklich noch eine weitere Band, die diese Art von Metal spielt? Ganz sachlich betrachtet: kommt drauf an. Schmalz, Keyboardstreicherteppiche und hymnisch-fröhlich-episch-leidenschaftliche Melodien ohne größeren Tiefgang sind soweit ausreichend vertreten. Allerdings verstehen SILVER BULLET unter “Symphonic Power Metal” ein bisschen was anderes. Das zweite Album der Truppe um Ex-DREAMTALE-Sänger Nils Nordling und Ex-Turisas-Bassist Hannes Horma gibt dem Genre nämlich etwas, was ihm zumeist fehlt: böse Härte. Ihr neuer Release “Mooncult” ist absolut melodieorientiert, scheut sich allerdings nicht davor, seine Melodien mit oft ordentlich aggressivem Geknüppel zu verbinden, das dank der gelungenen Produktion auch überzeugend heavy ausfällt. Neben dem schweißtreibenden Spiel der Instrumentalfraktion sind es vor allem die unglaublich wandelbare Stimme von Nils, die in ihren Facetten und auch dank der Backing-Vocals-Arrangements einen leichten Musical-Touch ins Game bringt, und die Orchestral-Arrangements, die den Braten fett machen. Letztere haben mit dem Standard-Sinfonieorchester-Sound der Heimkeyboards vieler Bands so gar nichts zu tun. Durchdringende Blechbläser treffen auf dicke Streicherparts und das mit einer derartig unkitschig-düsteren Wucht, dass es eine wahre Freude ist. Dazu eine Hexen-Konzeptstory und das Ergebnis ist ungeheuer spaßiger und atmosphärischer Hollywood-düster-Popcorn-Grusel, gefühlt komponiert von GRAVE DIGGER (Die Parallelen zwischen “Burn The Witch” und “Season Of The Witch” sind unüberhörbar), KING DIAMOND (Textlich das “The Eye”-Album und musikalisch gerade hinsichtlich des vielseitigen Vocal-Einsatzes) und FLESHGOD APOCALYPSE (dieses Orchester…) und dann einmal von TURISAS und DREAMTALE durch den Filmsoundtrack-Power-Metal-Wolf gedreht. Klingt das nach Entertainment? Ja, meine Freunde, danach klingt es. Melodisch-symphonisches Gekloppe vom Feinsten mit Musical-Grusel-Atmosphäre, die sich schon beim Intro einstellt. Track 2 zeigt dann erstmal, wo der Hammer hängt, zieht kompromisslos voran und führt bereits in die Chor- und Orchester-Verwendung ein. Mit “Forever Lost” wird’s im Anschluss ein wenig DREAMTALEig-poppiger, dafür mit “Maiden, Mother And Crone” trocken-gemeiner.
Ist die erste Hälfte des Albums schon beachtlich, geht es ab Track 6 so richtig steil. Das Orchester brät, die Band gibt alles und Nils muss wohl nach diesem Album nie wieder eine Bewerbung als Sänger abgeben. Man kann nicht anders als “Mooncult” als wahres Feuerwerk an geil arrangierten Parts zu betrachten. Auch nach mehrfachem Hören verschwimmen einige Tracks noch ein wenig für mich, aber Eingängigkeit steht bei ihnen auch nicht im Vordergrund, der Fokus liegt eher auf der Grundstimmung und den einzelnen Parts für sich, die in ihrer Zusammensetzung ein absolut schlüssiges Ganzes ergeben. Danke SILVER BULLET. Sowas war nochmal nötig.

Anspieltipps:
“Burn The Witch”, “The Chalice And The Blade”, “Forever Lost” und “She Holds The Greatest Promise”

Fazit:
Härte trifft auf Melodie trifft auf einen starken Sänger trifft auf tolle Orchestral-Arrangements trifft auf Atmosphäre. “Mooncult” klingt, als hätte Tim Burton einen Film mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle gedreht und seien wir ehrlich – wer würde sich den nicht anschauen wollen? Dickes Lob an die fünf Herren, ich prophezeie einen heftigen Bekanntheitspush spätestens beim Release des dritten Albums!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. 1590 Edinburgh
02. She Holds The Greatest Promise
03. Forever Lost
04. Maiden, Mother And Crone
05. Light The Lanterns (Scavengers Of Death)
06. The Witches Hammer
07. The Chalice And The Blade
08. Burn The Witch
09. Purgatorius Ignis
10. Eternity In Shadows
11. Battle Of Shadows
12. Lady Of Lies

Jannis

LANCE KING – ReProgram

Band: Lance King
Album: ReProgram
Spielzeit: 59:53 min
Stilrichtung: Modern Progressive Power Metal
Plattenfirma: Nightmare Records
Veröffentlichung: 29.03.2019
Homepage: lancekingvox.com

Dass es sich lohnt, neben den äußeren Eigenschaften eines Albums auch auf das Innere zu schauen und nicht vorschnell zu urteilen, das hat sich in den letzten Wochen bereits bei SKELETOON gezeigt, hinter deren seltsamem “Nerd Metal”-Label sich Power Metal der herrlichsten Sorte verbirgt. Mit LANCE KING ist das ähnlich. Der Mann heißt LANCE KING, seine Band heißt LANCE KING, auf dem Cover ist DREIMAL (!) LANCE KING zu sehen und auf “Reprogram” verbindet LANCE KING nach eigenen Angaben Progressive Metal mit philosophischen Texten, was ihn dazu veranlasst hat, seiner Musik direkt noch ’ne eigene Genrebezeichnung, “Celestial Metal” zu verpassen, und man fragt sich, ob da nicht jemand ein bisschen egozentrisch und sehr selbstherrlich unterwegs in den Fußstapfen von DEVIN TOWNSEND ist. Zur Klärung: LANCE KING hat offensichtlich ein ordentliches Ego, er kann es sich aber auch leisten. “ReProgram” ist professionellster moderner Progressive Power Metal von einem Typen mit tüchtig Ahnung, die er sich unter anderem bei PYRAMAZE erarbeitet hat.
Zuerst zur Produktion und Band/Gesangsleistung: Junge Junge. Die Stimme von Lance macht’s absolut, bezüglich der Restband kann ich keinerlei Kritik finden und die Produktion knallt ja mal sowas von hart, dass einem selbst balladigere Parts noch mit einer Todeswucht um die Ohren fliegen. Die Platte ist ein einziger Hörgenuss und selbst wenn sie kompositorisch der letzte Rotz wäre hätte man allein dank der Produktion noch einen Heidenspaß an ihr. Tatsächlich ist sie allerdings auch kompositorisch stark ausgefallen. Lance verfolgt einen Stil, der weniger auf ganz originell ausgearbeitete Melodien aus ist, sondern seine Faszination aus einem Zusammenspiel von gut eingestreuten progressiven Elementen und hervorragenden Synthesizern unter nicht ganz spektakulären aber smart geschriebenen Melodien zieht. Ruhige Parts und mieses Gedresche geben sich auf seinen Songs die Hand, dementsprechend gibt es auch keine komplette Ballade, sondern nur einige balladeske Parts, die als willkommene Abwechslung zum schnelleren und härteren Material dienen. Und auch wenn man melodisch nicht ganz die Qualität von Progressive-Metal-Überfliegern wie HAKEN erreicht, sind Ohrwurm-Lines und interessante Passagen in Masse vorhanden, allen voran im Hit “Pointing Fingers”. Der Verdacht, man sei mit seinem spirituell-philosophischen Progressive-Kram groß DEVIN-influenced, bestätigt sich auch nicht. Zwar ist davon auszugehen, dass Lance beim Refrain von “Technology” gerne Anneke van Giersbergen am Start gehabt hätte, aber allgemein ist der Spirit von “ReProgram” viel Modern-Melodic-Metal-lastiger und obendrein nahezu kitschfrei. Den einen Punkt muss ich lediglich abziehen, weil einige Songs eine geringere Menge an Alleinstellungsmerkmalen haben, zwar einwandfrei im Stil von LANCE gehalten sind, dabei aber ein wenig Kreativität missen lassen. Totalausfälle sucht man allerdings vergeblich.

Anspieltipps:
“Pointing Fingers”, “Perfect World”, “A Mind At War” und “Limitless”

Fazit:
Eine Produktion, die erbarmungslos das Schmalz aus den Ohren drischt, eine Top-Gesamtleistung, was Gesang und Instrumente angeht, eine sehr gelungene Kombination aus progressiven Elementen und modernem Power Metal mit zeitgemäßem Synth-Einsatz, Melodien, die ins Ohr gehen – Man kann mit “ReProgram” quasi nichts falsch machen, wenn einem diese Attribute zusagen. So klingt guter Progressive Power Metal im Jahr 2019.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. ReProgram
02. Pointing Fingers
03. Stand Your Ground
04. Technology
05. Reaction Formation
06. Limitless
07. Wide Open
08. Chaotica
09. Spell Of Domestication
10. Perfect World
11. A Mind At War

Jannis