DARKTRIBE – Forgotten Reveries

Trackliste:

01. Paradox
02. I Walk Alone
03. The Fallen World
04. Sicilian Danza
05. Ghost Memories
06. Eden And Eclipse
07. From Star To Dust
08. Reality
09. Kings In The Sand
10. Mornings Of Fear
11. Son Of Illusion

Spielzeit: 51:08 min – Genre: Power Metal – Label: Scarlet Records – VÖ: 21.11.2025 – Page: www.facebook.com/DarktribeOfficial

 

DARKTRIBE, da war doch was. Korrekt, die Franzosen hatte ich bereits 2020 mit ihrem Album „Voici L’Homme“ in der Garage, und das war eine nette Erfahrung. Also nochmal! „Forgotten Reveries“ erscheint am 21. November 2025, das Cover sieht sehr schick aus, 11 Songs, 51 Minuten. Klingt gut, let’s go.
Gut klingt zuallererst auch das Album. DARKTRIBE haben es ja mit fettem melodischen Power Metal mit Orchester und ein wenig Synthesizer-Einsatz, und das sitzt soundtechnisch hervorragend. Knallt, ist fett, wirkt aber nicht überladen. Dazu gibt es ein paar dezent eingesetzte Sounddesign-Elemente für ein angenehmes Maß an Modernität, das Orchester wirkt okay authentisch, die Synth-Sounds sind gut gewählt. Was will man mehr?
Nun, gute Instrumental- und Gesangsleistungen zum Beispiel, und auch hier kann das Quartett erneut überzeugen. Starke Power-Metal-Stimme von Anthony Agnello, starke Arbeit vom Rest der Truppe.
Und musikalisch? Da ist alles beim alten. DARKTRIBE haben immer einen guten Anteil an Songs, die in Sachen Songwriting richtig liefern. Auf „Forgotten Reveries“ sind das zum Beispiel „I Walk Alone“, mit schön runtergestimmten Gitarren, finnischem Power-Metal-Flair, Emotion und guten Melodien, oder der finale +6-Minüter „Son Of Illusion“, der so richtig nice als feierliches Finale daherkommt. Mit „From Stars To Dust“ und „Reality“ bedient man die Synthesizer-Fraktion und bei Songs wie „Mornings Of Fear“ darf es auch mal was „düsterer“ sein.
Neben solchen herausstechenden Songs gibt es dann auch noch ein wenig Standardware. So ist zum Beispiel „The Fallen World“ auf jeden Fall nett und professionell gemacht (darunter machen DARKTRIBE es eh nicht), hat jetzt aber auch keine Trademarks, die wirklich in Erinnerung bleiben. Und auch bei „Forgotten Reveries“ bleibt der kleine Kritikpunkt, dass man so einigen Songs spürbar mehr Punch hätte verleihen können, wenn man sie einfach 20 bis 30 Sekunden gekürzt hätte. Da ist doch oftmals der eine Part, der etwas zu lang ist – häufig der Solopart – durch dessen Straffung man dem Ding noch einen zusätzlichen Löffel Kurzweiligkeit hätte verleihen können.

Fazit:
DARKTRIBE haben erneut ein Album gebaut, das Fans von melodischem, fettem und leicht progressivem Power Metal so einige schöne Zeiten bescheren dürfte. Da macht der ein oder andere Lückenfüller die geilen Songs der Platte auch nicht ungeschehen.

Anspieltipps:
„I Walk Alone“, Eden And Eclipse“. „Son Of Illusion“ und „From Star To Dust“

Jannis

TALENTSCHMIEDE: HARKON

Band:
HARKON

Gegründet:
2016 – mit ’nem Bier in der Hand auf der Wiese beim Graspop sitzend, wie es sich gehört!

Herkunft:
Wir leben alle verstreut quer durch Nordrhein-Westfalen.

Mitglieder:
Volker Rummel (Gitarre)
Marcel Willnat (Bass)
Lars Zehner (Drums)
Björn Gooßes (Stimme)

Stil:
Heavy Fuckin Metal… Mit etwas Hardrock und nem Schuss Prog wahrscheinlich.

Veröffentlichungen:
Bisher gibt’s von uns die „Ruins Of Gold“ EP von 2019 und das soeben via Doc Gator Records erschienene Album „Love And Vore“.

Einflüsse:
Zu viele, um sie hier zu nennen. Vor allem, da Einflüsse sich nicht immer hörbar in der Musik niederschlagen, finde ich… Ein guter Kumpel meinte kürzlich, das Album klänge wie „melodische Testament treffen auf unpeinliche Rage und rockige Nevermore“.

Was wir die nächsten fünf Jahre erreichen möchten:
Fünfjahres-Prognosen stelle ich lieber nicht. Als ich das das letzte Mal tat, kam alles anders, und nicht unbedingt im Guten, haha! Wir nehmen’s wie es kommt und machen einfach das Beste draus!

Was als nächstes kommt:
Ich denke, wir werden erstmal ein Weilchen damit beschäftigt sein, „Love And Vore“ zu promoten. Wir freuen uns im Zuge dessen aber auf jeden Fall über Gigangebote, denn Konzerte geben wir definitiv zu wenige!

Unsere beste Erfahrung bis jetzt:
Gemeinsam Geschaffenes wachsen zu sehen.

Unser peinlichster Moment:
Gibt’s nicht, wir sind die lebende Definition von Lässigkeit!

Mit wem wir gerne ein Bierchen trinken würden und warum:
Mit uns selber, denn außerhalb von Proberäumen oder Konzertlocations treffen wir uns leider viel zu selten.

Wenn wir uns eine Band aussuchen könnten, mit der wir auf Tour gehen dürfen:
Boah, da gibt’s so viele Kandidaten. Aber ich persönlich würde mir Harkon im Vorprogramm von z.B. Gojira sehr gerne mal ansehen…

Das Beste daran, in einer Band zu spielen:
In einer Band zu spielen.

Das Schlimmste daran, in einer Band zu spielen:
In einer Band zu spielen.

Online:
Website: www.harkon.info
Facebook: www.facebook.com/harkonmusic
Instagram: www.instagram.com/harkonmusic

Musik:
Spotify: www.open.spotify.com/intl-de/artist/38F5Ru8FV8ebe6lz6i6OqR?si=xGPoGfelTs63gQbrSxumpw
Youtube: www.youtube.com/@harkon1882

BEAST EAGLE – Sorceress (EP)

Trackliste:

01. Sharp Tongue
02. The Dead Follow
03. Send Me Down
04. The Demonstration
05. Witch Hunt

Spielzeit: 19:30 min – Genre: Hard Rock – Label: Golden Robot Records – VÖ: 21.11.2025 – Page: www.facebook.com/BEASTEAGLENE

 

 

 

Aus Nebraska kommt heute BEAST EAGLE in die Redaktion geflogen. Nach einem Album und einer EP gibt es von dem Quartett nun eine weitere EP namens „Sorceress“, mit stonerig angehauchtem Hard Rock, inspiriert von Truppen wie KYUSS und MASTODON. Gerade mal sechs Jahre gibt es das Quartett und Sängerin Kate Lewis, und da geht schon echt viel, aber da geht auch noch was.
Bleiben wir bei den Vocals: Da geht schon sehr viel. Kate ist eine Top-Besetzung für die Vocals, legt viel Emotion hinein, hat ein nices Vibrato und ist ein echter Mehrwert für den Sound. Der Rest der Band kann sich auch sehen lassen, insbesondere Austin L’Ecuyers Gitarrenarbeit unterstützt das Genre von BEAST EAGLE sehr gut.
Der Sound an sich ist erdig voll, wirkt handgemacht und in angenehmem Maße trocken, lediglich die HiHat ist, insbesondere im dritten und vierten Track, irgendwie danebengegangen.
Was in keinster Weise handgemacht wirkt, ist das verdammte KI-Cover (interessante Gesichter haben die Leute da; was macht der Typ, dem ganz rechts ein Stock aus dem Arm wächst, und warum fegt der Herr vorne im Bild mit einem Reisigbesen am Feuer?). Nicht nur das, man hat sich offenbar entschlossen, für die einzelnen Songs jeweils auch noch eins zu generieren. Ganz tolle „Arbeit“. Einfach mal ein Stern Abzug an dieser Stelle. Artworks sind Teil des Kunstwerks. Wer sich ärgert, dass Bands nicht gut entlohnt werden, sollte sich im klaren sein, dass Artwork-Künstler ebenso Künstler sind. Und wer heute an dieser Stelle menschliche Kreativität durch künstliche Intelligenz ersetzt, sollte dringend den Schuss hören, bevor das in wenigen Jahren auch mit seiner Musik passiert.
Musikalisch ist an „Sorceress“ vieles gut. Die Groove-Arbeit sitzt, die Melodien sind astrein genrekompatibel und insbesondere „The Demonstration“ mit seinen progressiven Taktspielereien in der Strophe, dem starken Chorus und dem sehr gelungenen Mittelteil, der in einen smarten Dreiertakt übergeht, macht richtig Laune. Die ersten drei Tracks sind jeweils unter vier Minuten lang und in ihrem Drucklevel relativ monoton. Ja, da gibt es immer so einen kurzen ruhigen Part, aber der Rest bleibt in Sachen Intensität doch immer auf einem ähnlichen Level. Damit geht bei ihnen die Struktur ein wenig verloren, während sie in der kurzen Zeit aber auch als komplette, klassisch strukturierte Songs funktionieren wollen und daher auch keine ausufernden, hypnotischeren Passagen zulassen. Das geht doch auf Kosten der Wirkung und hätte an einigen Stellen mit einem simplen „Weniger ist mehr“-Mindset verhindert werden können.

Fazit:
„Sorceress“ klingt sehr gut, die Vocalleistung ist wirklich, wirklich stark, die Instrumentalfraktion macht einen stabilen Job und man kennt sein Genre offensichtlich ganz genau. Etwas Mut zu Variation hätte der Platte aber echt gut getan. Dass BEST EAGLE das eigentlich können, beweist ohne Zweifel der

Anspieltipp:
„The Demonstration“

Jannis

TALENTSCHMIEDE: DISTANT LEGACY

Band:
Distant Legacy

Gegründet:
2019

Herkunft:
Essen, Deutschland

Mitglieder:
Timo

Stil:
Epic Metal? (Genre-Schubladen nerven)

Veröffentlichungen:
2025 The Lighthouse´s Fate (Album)
2025 Walden feat. Herbie Langhans (Single)
2025 Fingerprints feat. David Henriksson (Single)
2024 Caruso (Coverversion von Lucio Dalla) (Single)

Einflüsse:
Ich höre zwar vornehmlich Metal und Rock, bin aber aufgewachsen mit den Beatles, Beach Boys, ELO, Elton, Elvis und Johann Sebastian Bach. Ich kann vielen Musikrichtungen etwas abgewinnen. Ich liebe Dream Theater, Neal Morse, Steven Wilson, Riot (V), Sonata Arctica und viele mehr. Aber ich eifere keiner von den genannten Bands nach und will so klingen wie sie. Distant Legacy ist das unterbewusste Resultat all meiner Inspirationsquellen im Laufe meines Lebens.

Was ich die nächsten fünf Jahre erreichen möchte:
Besser werden an den Instrumenten und weitere Alben produzieren. Den einen oder anderen Gast habe ich auch schon im Kopf.
Ich möchte, dass sich mein Herzblut, das ich in diese Produktionen stecke, so auszahlt, dass es eine Gruppe von Menschen gibt, die meiner Musik etwas abgewinnen können. Ich mag sie, also muss es auf dieser Welt auch noch mindestens zehn Leute geben, die das auch tun 😉

Was als nächstes kommt:
Am 28.11.2025 wird „The Lighthouse´s Fate” veröffentlicht, ein Album, an dem ich seit 2019 arbeite. Natürlich nicht durchgehend. Dazwischen kamen private Situationen, Umzüge, zwei Kinder und viel Arbeit. 2026 werde ich aber direkt in die Konzeption und Komposition für das nächste Album gehen. Ich habe jetzt schon viele Ideen und in diesem Jahr viel Zeit dafür.

Meine beste Erfahrung bis jetzt:
Die beste Erfahrung eines Musikschaffenden ist es immer, wenn man wahrnimmt, dass seine Musik nicht „gut“ gefunden wird, sondern den Zuhörer ehrlich berührt. Das ist schon immer meine Triebfeder gewesen. Ein Album ist ein Gesamtkunstwerk wie ein Film. Wenn Du bei „Hachiko“ heulst, bei „Hangover“ lachst und bei „Inception“ staunst und nachdenkst, hat der Regisseur alles richtig gemacht. Und wenn das beim Hörer ankommt, was Du beim Komponieren beabsichtigt hast, ist es die Mühe wert gewesen.

Mein peinlichster Moment
Hier folgt leider keine zotige Geschichte… Was ist peinlich? Eher unangenehm finde ich die Situationen, wenn im Gespräch herauskommt, dass ich Musik mache und die Leute ganz schnell zwischen Tür und Angel auf Spotify die Musik suchen und auf dem Handy reinhören. Insbesondere bei Leuten, die mit Metal/Rock gar nichts an der Mütze haben.

Mit wem ich gerne ein Bierchen trinken würden und warum:
Da ich sehr gerne Bier trinke und das auch sehr gut, darf ich mir mehrere aussuchen.
Jens Bogren: weil ich seine Mixing-Arbeit über allen Maßen erhaben finde.
Tony Kakko: er ist der Master of Harmony Vocals.
Russel Allen: einer der besten Sänger
Paul McCartney: offensichtlich
Elton John: mit einer der besten Songwriter in diesem Jahrhundert, trinkt aber kein Bier- schwierig!

Würdest Du gerne mit Distant Legacy auf Tour gehen?
Alleine kann man schlecht auf Tour gehen und ich bin auch kein guter Live-Musiker. Dürfte ich mir eine Band zusammenstellen und ein Orchester dabeihaben und das alles auf BluRay aufnehmen dürfen ja – und ja, ich bin bescheiden. 😊

Das Beste daran, alles in Eigenregie zu machen:
Als Betreiber eines Tonstudios bin ich in einer sehr komfortablen Situation und mein eigener Chef. Ich muss keine Kompromisse eingehen oder auf Befindlichkeiten anderer Rücksicht nehmen. Habe ich eine Idee, nehme ich sie auf und darf mich so oft verspielen, wie ich möchte. 😊

Und das Schlechteste?
Es ist teuer und ich kann mich nicht auf nur ein Instrument konzentrieren.

Online:
Website: www.distantlegacy.net
Instagram: www.instagram.com/distant_legacy

Musik:
Spotify: www.open.spotify.com/intl-de/artist/4o67bOpkA24q0X9wSP31a1?si=2_xJNKHVRAe20tF-e7O_dQ
Youtube: www.youtube.com/@DistantLegacyofficial

DEFECTO – Echoes Of Isolation

Trackliste:

01. The Unraveling
02. Eternal Descent
03. Sacred Alignment
04. Eclipsed By The Void
05. Heart On Fire
06. Quantum Abyss
07. Through Cloak And Bones
08. Shattered Reality
09. Echoes Of Isolation

 

 

Spielzeit: 42:05 min – Genre: Heavy Metal – Label: Frontiers Music s.r.l. – VÖ: 31.10.2025 – Page: www.facebook.com/defectoband

 

DEFECTO haben mir „Nemesis“ vor ein paar Jahren eines der wenigen Alben abgeliefert, denen ich hier bislang eine glatte 10/10 gegeben habe. Keine Frage, dass ich mir auch „Echoes Of Isolation“, das inzwischen vierte Album der Dänen um Sänger Nicklas Sonne, der jüngst auch sein erstes Soloalbum veröffentlicht hat, gesichert habe.
Was macht DEFECTO aus? Nun, erstens eine wuchtige Produktion, sehr fett, ordentlich heavy, knallend. Das kann sich auch „Echoes“ ohne Zweifel auf die Fahne schreiben, und hakt in dem Atemzug auch noch die Punkte „gut klingende Orchester-Elemente“ und „sinnvoll-sparsam eingesetzte moderne Synthesizer“ ab.
Nicklas‘ Stimme – ob klar oder unklar – ebenso wie die Instrumentalleistungen: gewohnheitsgemäß on Point.
Und dann gibt es aus all diesen Zutaten modernen Heavy Metal mit sauber bratenden Gitarren, mal so richtig schön stumpf heavy schrubbend, mal böse heruntergebrochen, fix progressiv-frickelig oder gefühlvoll-intensiv-melodisch. In seiner Machart absolut unangreifbar, ohne einzelne Parts oder Entscheidungen, die in irgendeiner Weise fragwürdig wären.
In „Echoes Of Isolation“, dem finalen Titeltrack auf der Platte, manifestiert sich das musikalische Wesen DEFECTOs wie in keinem anderen auf ihr. Das liegt auch daran, dass das Ding beinahe zehn Minuten lang ist und so einige Modi durchmacht, die man von DEFECTO kennt und liebt.
Die anderen Songs fokussieren sich eher auf ein bis zwei davon, zum Beispiel „Eclipsed By The Void“ mit seinem Mix aus schnellem Gezappel, der coolen Midtempostrophe und dem zum Mitgrölen prädestinierten Oooooooh-Chorus.
Der ein oder andere poppig-eingänigere Track ist dabei, insbesondere „Heart On Fire“ und „Shattered Reality“, bei „Quantum Abyss“ kommen ein paar Neoclassic-Elemente mit rein, und „Through Cloak And Bones“ ist der stumpf-böse Track des Albums.
Geiles Ding, keine Frage. Aber im Vergleich zum bisher unerreichten „Nemesis“ hat man sich doch ein wenig angepasst. Praktisch jeder Song auf „Nemesis“ investiert 120% in die Ausarbeitung des Charakters, den DEFECTO sich ihm zu geben entschieden. Das tut „Echoes Of Isolation“ nicht, gibt stattdessen etwas hier- und etwas davon dazu und wird somit eine Sammlung von Songs, die für sich stark aber etwas „normaler“ sind. An den exzentrischen Charakter von „Nemesis“, das bei seinen Tracks durchgängig auf „ganz oder gar nicht“ schaltet, kommt es damit leider nicht ganz ran.

Fazit:
DEFECTO ist bislang immer bedenkenlos empfehlenswert gewesen, und das ändert sich auch bei „Echoes Of Isolation“ nicht. Technisch stark und mit Härte und Modernität in gesunden Dosierungen funktioniert die Truppe als gemeinsamer Nenner im Musikgeschmack von Menschen mit Tunnels in den Ohren und Menschen mit Patches auf den Klamotten. Könnte man langsam echt mal für ein paar internationale Festivals bekannt geben!

Anspieltipps:
„Eclipsed By The Void“, „Heart On Fire“ und „Echoes Of Isolation“

Jannis

CRISTIANO FILIPPINI’S FLAMES OF HEAVEN – Symphony Of The Universe

Trackliste:

01. The Immortal Fire
02. On The Wings Of Phoenix
03. Midnight Riders
04. A Flame From The Sky
05. The Power Of Stars
06. When Love Burns
07. Don’t Leave Me Tonight
08. Darkside Of Gemini
09. Eclipse
10. The Archangel’s Warcry
11. Tears Of Love And Hate
12. Symphony Of The Universe
13. Constellations

Spielzeit: 69:21 min – Genre: Power Metal – Label: Limb Music – VÖ: 14.11.2025 – Page: www.facebook.com/cristianofilippinisflamesofheaven

 

Hab mich schon wieder täuschen lassen. Habe das Cover, die Songtitel, den Album- und den Bandnamen von CRISTIANO FILIPPINI’S FLAMES OF HEAVENs neuer Platte „Symphony Of The Universe“ gesehen und mich auf feinsten Grindcore gefreut, aber so seid informiert: Es ist Power Metal.
Schon zum zweiten Mal nach dem 2020er Debüt „The Force Within“ serviert die Truppe um Komponist, Gitarrist und Keyboarder Cristiano klassisch-italienischen Power Metal, mit elf Songs (plus Intro und Outro) und 69 (nice) Minuten Spieldauer.
Soundtechnisch klingt „Symphony Of The Universe“ schonmal sehr stabil. Alles klar, knallt, nichts zu bemängeln. Lediglich das Orchester klingt, wenn es auf sich allein gestellt ist, ziemlich nach basic mit dem MIDI-Keyboard eingespielt, aber das ist selten der Fall – insbesondere beim Intro – und als Hintergrund funktioniert es ganz entspannt.
Das Orchester hält man eh die meiste Zeit im Hintergrund, dafür gibt es einiges an Synth-Action, die aber einigermaßen oldschool gehalten ist. Ganz moderne Sounds sind nicht dabei, dafür viel Retro-Poly-Leads und dergleichen, wobei ein wenig mehr Varianz in der Soundauswahl dem Album schon ganz gut getan hätte. Beim vierten Song mit dem gleichen Synthesizer-Presets wird es dann eben doch etwas redundant.
Spielerisch und gesanglich gibt es an „SOTU“ exakt gar nichts auszusetzen. Cristiano hat sich da äußerst fähige Jungs organisiert, die wissen, wie man ihre Instrumente bedient und wie man sie genauer noch im Power Metal bedient.
Musikalisch geht auf dem Album auch so einiges ab. Vom knackigen vier-minütigen Rocker bis hin zum fast neun-minütigen Metal-Opus ist alles vertreten, von Klavier-lastigen Balladen über langsames Midtempo bis hin zu ordentlichem Gebrettere, von eher schwererer Atmosphäre zu Power-Metallischer Hoffnungs… volligkeit. Ihr wisst was ich meine, das Gegenteil von Hoffnungslosigkeit.
In Sachen Melodien ist der ein oder andere Ohrwurm vertreten, so der Chorus von „A Flame From The Sky“ oder „Darkside Of Gemini“. Die Melodien sind aber auch der Punkt, wo man nochmal etwas hätte rausholen können, hier hebt sich kaum eine von anderen Vertretern des Genres ab und damit ist „Symphony Of The Universe“ leider nicht mit wirklichen Alleinstellungsmerkmalen gesegnet. Ist auch nicht leicht, wenn man sich in einem so breit bespielten Genre bewegt, ändert aber nichts an der Tatsache.

Fazit:
„Symphony Of The Universe“ ist einwandfrei gebauter und intonierter Power Metal, der so für jede Metal-Party geeignet ist und ein Wohlfühlalbum für so manchen Fan der 00er Jahre des Power Metal sein dürfte, in Sachen Komposition aber selten über Standard hinauskommt.

Anspieltipps:
„A Flame From The Sky“ „The Power Of Stars“, „The Archangel’s Warcry“ und „Symphony Of The Universe“

Endlich wieder mal ein KI-Video. Richtige Kunst, ganz fantastisch:

Jannis

BEHÖLDER – Tower Of The Broken God (EP, Kurzrezension)

Trackliste:

01. Tower Of The Broken God
02. The Dungeons Are Calling

 

 

Spielzeit: 11:31 min – Genre: Epic Doom/Dark Power Metal – Label: Black Lion Records – VÖ: 24.10.2025 – Page: www.facebook.com/BeholderDoom

 

Ups. Da hab ich gedacht, ich hätte mir hier ein Album der frisch gegründeten US-Epic-Doom-Metaller BEHÖLDER gesichert. Wer sich informiert, ist klar im Vorteil. Dann halt ein paar schnelle Worte zur neuen EP der Truppe. Die besteht aus zwei Songs, von denen einer ein Cover ist. Nun, so macht man aus einer Single halt eine EP. Aber zumindest ist das Cover von SAVATAGEs „The Dungeons Are Calling“, was ein sehr gute Song ist, der von BEHÖLDER auch sehr gut gecovert wurde. Knallt gut, ist soundtechnisch etwas angebreitet, lässt aber die Knackigkeit des Originals nicht vermissen, und ist auf jeden Fall eine Version mit Existenzberechtigung.
Der Hauptsong „Tower Of The Broken God“ ist immerhin sechseinhalb Minuten lang, knallt ebenfalls gut. Dabei ist der Sound der EP aber recht warm und handgemacht-voll klingend, passt gut zum melodisch-doomigen Stil der Truppe.
Und der Song? Jap, ist ein guter. Vocals gut, Instrumente gut, Komposition gut, durchläuft ein paar Geschwindigkeiten, hat das ein oder andere schöne Riff zu bieten – „TOTBG“ liefert viel, was sich Doomfans wünschen und ist ein Song, mit dem man sich diese Band schonmal auf den Schirm holen kann, falls man sie dort – was wahrscheinlich ist – bislang nicht hatte. Könnte sich lohnen!

So klingen BEHÖLDER auf ihrem ersten Album:

Jannis

ELETTRA STORM – Evertale

Trackliste:

01. Endgame
02. The Secrets Of The Universe
03. Hero Among Heroes
04. Blue Phoenix
05. Ride The Rainbow
06. Master of Fairytales
07. One Last Ray Of Light
08. Judgement Time
09. If Stars Could Cry

 

 

Spielzeit: 42:14 min – Genre: Power Metal – Label: Scarlet Records – VÖ: 24.10.2025 – Page: www.facebook.com/ElettraStorm

 

Neuer Stern am italienischen Power-Metal-Himmel, muss man mal ein Ohr draufwerfen, nicht wahr? ELETTRA STORM klingt vom Namen her erstmal wie das Projekt einer Sängerin mit diesem (Künstler)namen, ist aber, wenn ich das richtig verstehe, einfach der Name der Band und die Frontfrau heißt stattdessen Crystal Emiliani, was jetzt auch nicht weniger Power Metal ist.
Zurück zum Wesentlichen. Das Quintett hat 2024 sein erstes Album rausgebracht und nun „Evertale“ hinterhergeschoben. Neun Tracks, darunter ein acht-minütiger Endtrack, entspannte 42 Minuten Spieldauer. Wie klingt das?
Nun, soundtechnisch schonmal sehr gut. Alles klar, druckvoll, nicht zu poliert, mit viel Liebe zum Detail, was kleine Effekte angeht, die das Hörerlebnis intensiver machen. Mit eigenem Keyboarder im Lineup ist auch klar, dass dahingehend einiges passieren sollte auf „Evertale“; Das hält sich in einem völlig angemessenen, zugleich aber vielseitigen Rahmen. Mal ein Klavier, mal ein paar Orchester/Chor-Hits, mal ein kleines Solo, mal Orchester-Samples und mal kleine elektronische Elemente – das ist alles soweit zielführend zum Wohle der einzelnen Songs eingesetzt.
Überhaupt wirkt „Evertale“ nicht bemüht modern. Das Ding ist praktisch durchgängig klassischer Euro Power Metal, der nur ganz selten mal einen Part mit corigen Drums aufweist. Da führen einen die ersten elektronisch-modernen Sekunden des Albums gleich mal in die Irre.
Aber hey, wir mögen hier doch alle klassischen Power Metal, vor allem, wenn er dann noch gut gespielt und gesungen ist. Und ja, da haben sich fünf gefunden. Von der leicht belegten Stimme von Crystal, die in Höhen nicht minder Druck hat und ein top Gefühl für Arbeit im Sinne der Musik bis hin zu der starken Rhythmusfraktion und der ebenso starken Gitarrenleistung lässt sich hier nichts groß kritisieren.
Also, was ist denn nun der Haken an „Evertale“, das schließlich noch nicht einmal die zwei Jahre nach dem Vorgänger rausgekommen ist, die es allgemein für ein richtig gutes Album mindestens braucht? Nun, das wären am ehesten die Melodien. Viele der Songs haben durchaus ihren eigenen Charakter („Hero Among Heroes“: der SABATONige / „Ride The Rainbow“: der Melancholische / „One Last Ray Of Light“: Der Balladig-Feierliche / „Master Of Fairytales“: Der Abgehende), aber die einzelnen Melodien wirken nicht selten wie Steinchen aus dem Basic-Power-Metal-Baukasten. Das fühlt sich für den Moment stabil an, aber hängen bleiben die Melodien von so einigen der Songs nicht, obwohl sie das eigentlich wollen. An diesen Stellen, und das sind durchaus so fünf der Songs, wird aus eingängig dann verträglich. Da hätte es kompositorisch noch das Bonus-Maß an Eifer gebraucht, das beim Einspielen und der Produktion zweifelsohne vorhanden war.

Fazit:
„Evertale“ ist ein erfrischend unmodernes Power-Metal-Album nach allen Regeln der Kunst, das nur über Teile in der Komposition einige Schwächen aufweist.

Anspieltipps:
„Ride The Rainbow“, „Judgement Time“ und „If Stars Could Cry“

Jannis

THEM – Psychedelic Enigma

Trackliste:

01. Ad Rem
02. Catatonia
03. EvilDeed
04. Reverie
05. Remember To Die
06. Silent Room
07. Psychonautic State
08. The Scarlett Remains
09. Electric Church
10. Echoes Of The Forgotten Realm
11. Troubled Minds
12. Delirium

Spielzeit: 56:45 min – Genre: Thrash/Power Metal – Label: Steamhammer/SPV – VÖ: 24.10.2025 – Page: www.facebook.com/thembandofficial

 

Na schau mal einer an, THEM sind wieder da! Die Truppe begleite ich nun schon seit sieben Jahren, als sie mit „Manor Of The Se7en Gables“ mein KING-DIAMOND-Herz berührten. Sieben Jahre später bin ich immer noch am Start, auch wenn die Truppe sich von ihrem augenscheinlichen Idol immer weiter in eine eigene Richtung entwickelt hat. Mehr und mehr ist der Falsett-Gesang verschwunden, mehr und mehr hat man seinen eigenen Stil zwischen Thrash und Power Metal gefunden – und nun „Psychedelic Enigma“ in den Startlöchern.
Drei Jahre sind vergangen seit dem Vorgänger „Fear City“, der mit seinem 80er Setting ein wenig experimenteller (für THEM-Verhältnisse) ausfiel. Ein Jahr mehr, als THEM normal für ein Album benötigen. Ob das Auswirkungen hatte?
Hatte es. Die Produktion ist etwas besser als die des Vorgängers, was auch auf Randy Burns zurückzuführen ist, der am neusten Longplayer der Band geschraubt hat und sonst auch in MEGADETH-Booklets zu finden ist. Der Sound ist gut, nicht brutal herausragend, einfach stabil. Macht nix falsch, also alles gut, weiter geht’s.
Zur Musik an sich: Auf Synthesizer und Experimente verzichtet „Psychedelic Enigma“ vollkommen, setzt nur ganz selten mal ein paar Spooky Sounds und Orchester-Elemente ein, um ein wenig Horror-Atmosphäre zu generieren.
Stattdessen haben sich THEM augenscheinlich darauf fokussiert (und wie gesagt auch ein Jahr mehr Zeit dafür genommen), ihren eigenen Stil weiter auszuarbeiten, zu präzisieren und auf ein Level zu bringen, das absolut ernstzunehmend ist. Da gab es bislang immer einige unfreiwillig seltsame Momente auf THEM-Alben, aber die hat man auf „Psychedelic Enigma“ auf ein absolutes Minimum heruntergeschraubt.
Stattdessen gibt es eine einwandfreie Genremischung aus wirklich ordentlich knallendem melodischen Thrash Metal und Power-Metal-Melodien, die in ihren Kompositionsstrukturen nicht selten als progressiv bezeichnet werden kann – und die einfach funktioniert, mit guten Riffs, guten Übergängen zwischen oft sehr unterschiedlichen aber doch zueinander kompatiblen Parts, stark gespielt und gesungen. Zwischendurch kommen auch noch die KING-Melodien und -Falsettmomente durch, doch insgesamt sind THEM auf „Psychedelic Enigma“ so eigenständig und erwachsen wie nie zuvor.
Angenehm auch die Reihenfolge der Songs, die in der ersten Hälfte des Albums etwas erbarmungsloser ausfallen, bevor in der zweiten Hälfte dann die langen, etwas melodiefokussierteren Tracks mit dem ein oder anderen ruhigen Moment folgen dürfen.

Fazit:
Ihre Variante der Kombination von Thrash und Power Metal haben THEM stetig weiter perfektioniert und sind mit „Psychedelic Enigma“ möglicherweise endgültig in ihrem „eigenen“ Genre angekommen. Das Ding vereint Härte, Melodien und spannendes Songwriting und klingt dabei nicht wie alle anderen. Und das haben wir doch alle immer mal nötig!

Anspieltipps:
„Remember To Die“, „Silent Room“ und „Echoes Of The Forgotten Realm“

Jannis

THE VINTAGE CARAVAN – Portals

Trackliste:

01. Philosopher
02. Portal I
03. Days Go By
04. Portal II
05. Here You Come Again
06. Current
07. Give And Take
08. Portal III
09. Crossroads
10. Alone
11. Portal IV
12. Freedom
13. Riot
14. Electrified
15. Portal V
16. My Aurora
17. This Road

Spielzeit: 59:29 min – Genre: Retro Psychedelic Classic Rock – Label: Napalm Records – VÖ: 26.09.2025 – Page: www.facebook.com/vintagecaravan

 

THE VINTAGE CARAVAN – eine dieser Bands, die so klingen, als hätten sie sich 2006 vielleicht nochmal für eine Reunion zusammengetan, sich aber eigentlich erst in dem Jahr gegründet haben. Jetzt ist das schwedische Trio zum sechsten Mal aus dem Studio raus und präsentiert „Portals“. Knapp eine Stunde lang und ein guter Mix aus Classic, Psychedelic, Hard und Stoner Rock. Benannt ist das gute Stück nach den darauf enthaltenen kurzen Sounddesign-fokussierten Zwischenspielen zwischen einzelnen Tracks (Portale zwischen dem vorangegangenem und dem folgenden Song, versteht Ihr?), von denen es gleich fünf gibt. Die sind nett aber mit das, was man sich an dem Album am ehesten hätte sparen können.
Die Produktion passt zum Retro-Stil der Band, wirkt klar, breit und druckvoll. Sehr handgemacht wirkt sie aber auch, bis zu dem Punkt, wo man – nur ganz selten – ein paar kleine Temposchwankungen eingebaut hat, die man bei größeren Bands ja praktisch gar nicht mehr hört, obwohl sie einen ganz eigenen Charme haben.
Musikalisch trifft „Portals“ sehr gut den Spagat zwischen klassischen Rock-Harmonien und eingängigeren Melodien, bei denen dann auch gerne mal weite Backing Vocals zum Einsatz kommen.
Der Härtegrad ist nicht allzu krass, THE VINTAGE CARAVAN schlagen viele ruhige Töne an, beim positiven und ultra-melodischen „My Aurora“ sogar mal nur mit Akustik-Gitarre, Gesang und ein wenig Hintergrund-Klangteppich. Songs wie „Riot“ liefern dafür die unanzweifelbare Rock-Variante der Truppe, wobei der Track recht simpel-straight ausfällt und sich wiederum von Classic-Hard-Rockeskeren Songs wie „Here You Come Again“ oder „ Give And Take“ absetzt.
Hier findet sich eine Orgel, da gibt es folkige Melodieführung, dort eine unkonventionelle Strophe mit hypnotisch geilem Bass, all das mit leicht verdaulicher aber interessanter Kompositions-Arbeit und authentisch unmodern. „Portals“ hat über seine nicht wirklich kurze Spieldauer nur sehr wenig Leerlauf (man könnte „Freedom“ oder „Alone“ vorwerfen, nicht groß was zum Album beizutragen, was die restlichen Songs nicht schon abdecken) und viel zu bieten!

Fazit:
„Portals“ gehört zu den Alben, die mit festlegen, wie man heutzutage auf zeitgemäße Weise unzeitgemäße Musik macht. Oldschool, frisch, kreativ und zweifelsohne von einer Truppe, die ihren aktuellen Höhenflug verdient!

Anspieltipps:
Wer die Zeit hat, starte einfach am Anfang. Die mit weniger Zeit fangen ab Track 5 mit dem Reinhören an!

Jannis