PRAYING MANTIS – Gravity

Band: Praying Mantis
Album: Gravity
Spielzeit: 57:40 min
Stilrichtung: Hard Rock/Heavy Metal
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 11.05.2018
Homepage: www.prayingmantis.rocks

Eins steht von vornherein fest: Das ist die mit Abstand größte Gottesanbeterin, die PRAYING MANTIS jemals auf ihrem Coverartwork am Start hatten. Mit dieser Erkenntnis entfaltet das Cover des elften Studioalbums der Briten schon einmal die gewünschte Wirkung. Grandios übernommen wurde der Stil der älteren Plattencover von Rodney Matthews, der sich bei “Gravity” das erste Mal höchst erfolgreich an einem MANTIS-Artwork versucht und unter anderem durch ELOY- und THIN-LIZZY-Cover bekannt wurde.
Ob nicht nur die Gottesanbeterin, sondern auch das Album dahinter das bislang größte der NWoBHM-Fraktion ist, muss wohl jeder Hörer für sich entscheiden. Außer Frage steht jedoch, dass “Gravity” ein fantastisches Stück Hard Rock ist, das mit seinen Wurzeln die letzten vierzig Jahre durchgräbt.
Die Produktion ist klar, relativ warm und bietet keinen Grund zur Kritik. Ebenso Sänger John Cuikpers, dessen Stimme ausdrucksstark und geradezu gemacht für diese Band anmutet, obgleich er erst seit 2013 am Mic steht. Auch der Rest der Band, der trotz der Jahre, die PRAYING MANTIS inzwischen auf dem Buckel hat, mit Chris und Tino Troy immer noch respektable zwei Gründungsmitglieder beinhaltet, überzeugt vollends.
Die Songs an sich überzeugen nicht weniger. Langsameres bis schnelleres Midtempo dominiert die Scheibe, ein hohes Maß an Melodiösität, ein recht heruntergefahrener Härtegrad, eine ernst-erwachsen-nachdenkliche Grundstimmung – und eine beachtliche Menge an schlicht hervorragenden Ideen. Dass auch bei einem sehr starken Album nicht jeder Song ein Volltreffer ist, ist verständlich. Doch auch die schwächeren Songs auf “Gravity”, beispielsweise “Shadow Of Love”, ein etwas zu klassischer Hard-Rock-Track durch und durch, oder “Time Can Heal”, das mit deutschem Text problemlos auf SWR4 Anklang finden könnte, machen Laune – von den restlichen Tracks ganz zu schweigen.
PRAYING MANTIS sind, kurz gesagt, einfach asozial gute Songschreiber, die entweder monatelang ununterbrochen fieberhaft an neuen Riffs, Keyboardlines und Melodien arbeiten oder, wenn nicht ihre Seele, dann doch zumindest ein zwei Nieren an den Teufel verkauft haben. Allein die “Mantis Anthem” mit ihrem fanfaresk-cheesigen Intro und dem saustarken Chorus ist ein Kaufgrund für “Gravity”, ebenso wie “Ghosts Of The Past”, eine kraftvolle Glanzleistung von Cuilpers vor ruhigem Hintergrund, garniert mit top-produzierten Streicher-Synths.
Dann sind da noch das verhältnismäßig rockige “39 Years” (Für die Langsameren: So lange gibt’s die Band schon) mit FOREIGNER-Say-You-Will-Chorus, das melancholische “Foreign Affair” und das vergleichsweise schnelle und unkonventionelle “Final Destination”, das einige der bisher eingehaltenen Konventionen ein wenig über Bord wirft und offensichtlich Spaß am Kontrast zwischen fröhlichem Gesynthe und tiefer Gitarren/Bass-Arbeit hat. Lückenfüller: Fehlanzeige.

Anspieltipps:
“Mantis Anthem”, “Gravity”, “Ghosts Of The Past” und “Keep It Alive”

Fazit:
PRAYING MANTIS sind zurück und sie haben noch immer neue Ideen. “Gravity” ist nicht der Xte Aufguss der immer gleichen Bandformel, es ist ein ebenso erwachsenes wie erfrischendes geiles Stück Hard Rock mit einem Schuss NwoBHM. Nach 40 Jahren Bandgeschichte so ein Album – das muss den Jungs erstmal einer nachmachen!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Keep It Alive
02. Mantis Anthem
03. Time Can Heal
04. 39 Years
05. Gravity
06. Ghosts Of The Past
07. Destiny In Motion
08. The Last Summer
09. Foreign Affair
10. Shadow Of Love
11. Final Destination

Jannis

SAXON – Saxon/Wheels of Steel/Strong Arm of the Law (Re-Releases)

Band: Saxon
Alben: Saxon / Wheels Of Steel / Strong Arm Of The Law
Format: Vinyl
Plattenfirma: BMG
Veröffentlichung: 30.03.2018
Homepage: www.saxon747.com

Die New Wave Of British Heavy Metal wäre ohne die britischen Langstreckenläufer Saxon eindeutig um eine Attraktion ärmer gewesen! Umso erfreulicher, dass BMG sich entschlossen haben, den Backkatalog der Kultformation um Frontmann Biff Byford erneut zu veröffentlichen. Obgleich das Debütalbum SAXON (1979) noch etwas grobschlächtig daher kam und auch soundtechnisch zu wünschen übrig ließ, gaben Songs wie „Backs To The Wall“ oder „Frozen Rainbow“ bereits die künftige Marschroute der Band vor. Das enorme Potential und die Durchschlagskraft der jungen und hungrigen Kapelle offenbarte sich bereits im darauffolgenden Jahr auf WHEELS OF STEEL (1980) sowie STRONG ARM OF THE LAW (1980). Beide Alben sind unumstrittene Genre-Klassiker, die in keiner seriösen Metal-Sammlung fehlen dürfen.

Im Gegensatz zu den CD-Versionen enthalten die Vinyl-Ausgaben keine Bonus-Tracks und wurden überdies nicht remastert, was der Qualität allerdings keinen Abbruch tut. Im Gegenteil. Die Neuveröffentlichungen zeichnen sich durch ihren rauen, schnörkellosen und orgiginalgetreuen Sound aus, der die knallharten Songs der frühen Saxon optimal in Szene setzt. Die jeweils unterschiedlich colorierten 150-Gramm-Pressungen in ansprechender Splatter/Swirl-Optik stecken in kompetent reproduzierten Covern (Strong Arm Of The Law gar im schönen Gatefold!). Die wertig gestalteten Innersleeves enthalten seltene Fotos und erfreulicherweise sämtliche Texte. Saxon-Fans und Vinyl-Enthusiasten, die ihre Erstpressungen mittlerweile durchsichtig gehört haben dürften, können hier also bedenkenlos zugreifen. Man darf also gespannt der zweiten Charge entgegensehen, die Ende Mai erscheint!

WERTUNG: ohne Wertung

Tracklisten (Vinyl):

Saxon (1979)

1. Rainbow Theme
2. Frozen Rainbow
3. Big Teaser
4. Judgement Day
5. Stallions Of The Highway
6. Backs To The Wall
7. Still Fit To Boogie
8. Militia Guard

 

 

 

 

Wheels Of Steel (1980)

1. Motorcycle Man
2. Stand Up And Be Counted
3. 747 (Strangers In The Night)
4. Wheels Of Steel
5. Freeway Mad
6. See The Light Coming
7. Street Fighting Gang
8. Suzie Hold On
9. Machine Gun

 

 

 

Strong Arm Of The Law (1980)

1. Heavy Metal Thunder
2. To Hell And Back Again
3. Strong Arm Of The Law
4. Taking Your Chances
5. 20,000 FT
6. Hungry Years
7. Sixth Form Girls
8. Dallas 1PM

 

 

 

Marc Schipper (Gastredakteur)

IRON MAIDEN – Brave new World (RG Zeitmaschine)

Band: Iron Maiden
Album: Brave new World
Spielzeit: 66:57 min
Stilrichtung: NWOBHM
Plattenfirma: EMI
Veröffentlichung: 30.05.2000
Homepage: www.ironmaiden.com

Ok von den Jahren her macht das zwölfte Studioalbum „Brave new World“ von IRON MAIDEN Sinn für eine Zeitreise, aber warum habe ich mir ausgerechnet dieses Album ausgesucht und nicht ein anderes wie „Fear of the Dark“, „The Number of the Beast“ oder „Somewhere in Time“?
Nun für mich ist „Brave new World“ ein besonderes Album, denn hier kehrten der schmerzliche vermisste Sänger Bruche Dickinson und der ehemalige Gitarrist Adrian Smith wieder zurück zur Band und verpassten dem Sound endlich wieder den IRON MAIDEN Stempel, auch wenn man hier wieder progressiver als zuvor zu Werke ging und schöne lange Songs wie „Blood Brothers“, „The Nomad“ oder „Ghost oft he Navigator“ an Bord hatte. Aber auch für die direkten und melodischen Gemüter war hier gesorgt, mit „The Wicker Man“, „The Mercenary“ und „The Fallen Angel“ wurde auch diese beruhigt!
Das Album zog eh er sehr viel Aufmerksamkeit durch die Rückkehrer aber atmet irgendwie auch einen ganz speziellen Geist, denn endlich waren die Lieblinge wieder komplett und es fühlte sich einfach wieder gut und richtig an!
Ab diesem Album war man dann auch durchgängig bis heute mit drei Gitarristen unterwegs, wovon man hier zwar noch nicht sehr viel merkte, da viele Lieder schon vorab fertig komponiert waren, aber später sollte dies einen gehörigen Einfluss auf den Bandsound haben.
Wie auch immer, für mich ist „Brave new World“ eines DER IRON MAIDEN Alben der Neuzeit, wenn nicht sogar eines der wegweisendsten und somit ein absolut würdiger Kandidat für unsere Zeitreise gewesen!

Trackliste:

01. The Wicker Man
02. Ghost of the Navigator
03. Brave New World
04. Blood Brothers
05. The Mercenary
06. Dream of Mirrors
07. The Fallen Angel
08. The Nomad
09. Out of the Silent Planet
10. The Thin Line between Love and Hate

Julian