VANDEN PLAS – AcCult II

Trackliste:

01. Far Off Grace
02. Holes In The Sky
03. The Ghost Experiment
04. Boat On The River
05. Healing Tree
06. Postcard To God
07. Nothing Else Matters
08. You Fly

 

 

Spielzeit: 48:23 min – Genre: Acoustic Progressive Rock – Label: Frontiers Records – VÖ: 12.06.2026 – Page: www.facebook.com/VandenPlasOfficial

 

Es gehört schon eine außerordentliche mentale Leistung dazu, sich über die Verfügbarkeit der Promo zum neuen VANDEN-PLAS-Album „AcCult II“ zu freuen, ohne auch nur in Betracht zu ziehen, dass das „AcC“ vielleicht für „acoustic“ stehen könnte. Kann man sich vom Albumcover ja auch gar nicht herleiten, ne?
Tja. Rezensier‘ ich eben ein Akustik-Album. Ist ja immerhin von VANDEN PLAS, wird schon okay sein.
Freunde, natürlich ist es das. VANDEN PLAS sind aus gutem Grund eine der relevantesten Prog-Metal-Bands Deutschlands (seit 1986, wow!) und 30 Jahre nach dem ersten „AcCult“-Album ist es nun Zeit für Teil 2 des Konzepts.
Das lautet: Man nehme ein paar Songs der Band und akustisiere sie, dazu noch ein, zwei Cover. Akustik-Version bedeutet in diesem Fall hauptsächlich: Alles ein bisschen softer und ohne E-Gitarren. Schöne Gitarreneffekte, E-Bass, Orchester-Keys und zumindest ein Synth-Solo gibt es immer noch, Klavier, Drums und Gesang selbstverständlich obendrein.
Die Coverversionen auf „AcCult II“ sind STYX‘ „Boat On The River“, inklusive Akkordeon, und „Nothing Else Matters“ (Keine Ahnung, von wem, kenne den Song nicht). Beides echt schön geworden, aber wir sollten vielleicht mal eine 20-Jahre-Sperre für „Nothing Else Matters“-Cover einführen. Der Mehrwert hält sich inzwischen echt in Grenzen und es gibt eine Millon guter Songs, die auch mal covernswert wären.
Apropos echt schön: Das ist auch der Rest des Albums. Die getragenen Melodien, die Ruhe und Schwere aber eben auch ausgeprägte Melodiösität, die VANDEN-PLAS-Songs so innewohnt, lassen ihre Musik praktisch prädestiniert für eine Akustik-Variante wirken. Da hilft auch eine gute warm-klare Produktion noch und ein kleines Faible dafür, Songs oder Songparts ein wenig anzuswingen, was in den Akustik-Versionen ganz hervorragend zum Einsatz gebracht wird.
Die Song-Reihenfolge stimmt auch. „Far Off Grace“ nimmt sich viel Zeit für die Einstimmung auf das Album und packt den Großteil der Band erst ganz am Ende aus. „Holes In The Sky“ wäre selbst in der Country-Dubstep-Version ein Hit, „The Ghost Experiment“ ebenfalls stark. „The Healing Tree“ serviert nach „Boat On A River“ dann erstmals die richtigen Orchester-Klänge, Flöten und Gastsängerin, mit sehr schönem Mittelteil, und „Postcard To God“ kommt mit besagtem Synth-Solo, wunderbarem kleinem Streicherakzent und ebenfalls swingend daher. „You Fly“ präsentiert uns zum Ende dann noch ein Saxophon-Solo von SUPERTRAMPs John Helliwell und geht im Klavier zeitweise voll auf Jazz.
Album Ende.
Kritik an „AcCult II“ beschränkt sich darauf, dass man bei den einzelnen Instrumenten noch ein wenig mehr Variation hätte einbringen dürfen. Gerade bei Akustik-Songs fällt jeder Ton ins Gewicht und es passiert doch gerne mal auf der Platte, dass Instrumente ihr Ding stumpf wiederholen, wo ein kleines kalkuliertes Abweichen vom zuvor Gespielten durchaus noch einen Mehrwert gebracht hätte.

Fazit:
„AcCult II“ ist klanglich und in seiner Umsetzung einfach schön geworden. Starke Songauswahl (bis auf NEM) und sehr atmosphärisch, emotional und entspannt. Wer wie ich beim Zusatz „Acoustic“ erstmal skeptisch wird, dem sei geraten, sich einfach mal drauf einzulassen. Und für VANDEN-PLAS-Fans im Besonderen und Fans guter Musik im Allgemeinen ist das Ding eh geeignet.

Anspieltipps:
„Far Off Grace“, „Boat On The River“ und „Healing Tree“

Jannis

VANDEN PLAS – The Empyrean Equation Of The Long Lost Things

Trackliste:

01. The Empyrean Equation Of The Long Lost Things
02. My Icarian Flight
03. Sanctimonarium
04. The Sacrilegious Mind Machine
05. They Call Me God
06. March Of The Saints

 

 

 

Spielzeit: 54:57 min – Genre: Progressive Rock/Metal – Label: Frontiers Music s.r.l. – VÖ: 19.04.2024 – Page: www.facebook.com/VandenPlasOfficial

 

Ich habe kürzlich auf Buzzfeed gelesen, es sei peinlich, wenn man nicht spätestens mit 30 anfange, sein Bett jeden Tag zu machen und seine Poster zu rahmen. Während andere Leute daran scheitern, schaffen VANDEN PLAS pünktlich mit 30 ein Album wie „The Empyrean Equation Of The Long Lost Things“ und verhelfen mir zu einer entspannten Rezension, denn mit Einleitung plus einmaligem Ausschreibens des Albumtitels hab ich praktisch schon meine Standard-Rezensionslänge erreicht.
Okay, sind wir mal nicht so. VANDEN PLAS kommen aus Kaiserslautern, machen laut Promo Sheet Progressive Rock, eigentlich aber Progressive Metal (Debate me!), mögen ihren Albumcovern zufolge blau und rot und sind eine der Bands, die sich über die Jahre und inzwischen elf Alben einen eigenen kleinen Platz in der Progressive Hall of Fame erarbeitet. Das liegt an nicer Musik im allgemeinen und an der Kombination aus eigenem Songwriting-Stil und Andy Kuntz‘ mit hohem Wiedererkennungswert ausgestatteter Stimme im speziellen.
Für die Kenner: Jap, genau das erwartet Euch auch auf TEEOTLLT wieder. Orchester, einiges an Klavier, ein paar Synths sind wieder am Start, dieses Mal aus den Fingern von Alessandro Del Vecchio, der als neuer Keyboarder partizipiert und Tasten-Conoisseuren von JØRN LANDE, MAT SINNER, REVOLUTION SAINTS und HARDLINE bekannt sein könnte; der sich außerdem hervorragend in den Sound der Deutschen einfügt.
Und der ist weiterhin: ein Mix aus melodischem Progressive Rock und Metal, meist mit getragenen Melodien mit dem gewissen VANDEN-PLAS-Faktor, mal kraftvoll, feierlich, meist nachdenklich melancholisch, mal härter, mal ganz ruhig, immer melodieorientiert und mit längeren Mittelteilen, die nicht langweilen.
Funktioniert nach wie vor, auch dank der Songlängen. Keiner der gerade mal sechs Tracks unter sechs Minuten, einer dafür über 15. Man nimmt sich Zeit für die einzelnen Abschnitte der Songs, gibt ihnen Gewicht, und das macht sich bemerkbar. Auch wenn man nicht zu denen gehört, die groß auf Texte achten, wirkt TEEOTLLT in seiner Intensität ernsthaft, groß und inhaltsschwer. Nicht jedoch musikalisch belastend, was man angesichts dessen vermuten könnte. Der Progressive-Faktor der Band ist zumeist hintergründig und kein Musikwissenschafts-Abschluss zum Genuss ihrer Musik nötig. Die ein oder andere Melodie gestaltet sich sogar gerne mal wirklich simpel für Progressive-Verhältnisse, räumt jedoch in Sachen Wirkung voll ab – exemplarisch dafür sei der Chorus von „My Icarian Flight“ genannt, der so einfach wie besonders klingt.
Kritik ist kaum angebracht. Es wäre vielleicht von Vorteil gewesen, „Sanctimonarium“ zum großen +15-Minüter zu machen, der am Ende noch einmal kurz Potenzial für locker zwei weitere Minuten anteasert, das aber nicht umsetzt, während bei „March Of The Saints“ eigentlich auch in zehn Minuten alles gesagt sein könnte, aber Jesus.

Fazit:
„The Empyrean Equation Of The Long Album Titles“ ist eine der Platten, die zum konzentrierten Hören einladen und dann so richtig in ihren Bann ziehen. Gönnt Euch ein Stündchen Ruhe, macht es Euch gemütlich, drückt auf Play und schließt die Augen. Ich wünsche eine gute Reise!

Anspieltipps:
Die ersten beiden Songs. Dann bei Interesse einfach laufen lassen.

Jannis