POVERTY’S NO CRIME – A Secret To Hide

Band: Poverty’s No Crime
Album: A Secret To Hide
Spielzeit: 58:56 min
Stilrichtung: Progressive Rock/Progressive Metal
Plattenfirma: Metalville
Veröffentlichung: 30.04.2021
Homepage: www.facebook.com/povertysnocrime

Diese Rezension ist meinem werten Kollegen Mario gewidmet, der kurzzeitig als Interessent für die neue POVERTY’S NO CRIME zur Debatte stand, dies dann jedoch mir überließ. Wer die Chance hat, sich diese Platte zueigen zu machen: Macht nicht den selben Fehler wie Mario und greift zu! Warum?
Da gibt es viele gute Gründe. Wer die Deutschen noch nicht kennt: Quintett, inzwischen 30 Jahre aktiv, mit Hang zu längeren Pausen zwischen den Alben und mit gerade mal fünf Jahren seit dem letzten Album mit “A Secret To Hide” momentan sehr schnell im Veröffentlichen.
Musikalisch ist man im Herzen Progressive Rock der Marke TRANSATLANTIC (die kompositorisch unter anderem einen gewissen Einfluss auf POVERTY’S NO CRIME gehabt haben dürften), präsentiert diesen Progressive Rock jedoch im härteren Gewand, mit einem metallischeren Sound und einigen prog-metallischeren Wendungen. Das wird dann verpackt in einen wirklich sehr guten, druckvollen, klaren Sound, ergänzt um sehr vielseitige Synth-Arbeit und Sounddesign-Elemente, die den Klang hintergründig anreichern und gegebenenfalls beim ersten Hördurchgang gar nicht unbedingt bemerkt werden, unbewusst aber eine ziemliche Wirkung entfalten. Und was wäre all das ohne einen (ebenfalls hervorragend produzierten) Volker, dessen Vocals das Niveau des Sounds komplett halten.
Musikalisch ist “A Secret To Hide” wie gesagt absoluter Progressive Rock, ergänzt um die ein oder andere bratendere Metalgitarre und teils aggressiveres Drumming. Doch an sich ist das Album hochmelodisch, vielseitig in seiner Soundauswahl und eines der Alben, bei denen kein Song unter sechs Minuten kommt. Das kann schlecht sein, wenn man versucht, Standard-Vier-Minuten-Songs auf sechs Minuten zu pumpen, aber PNC machen eben keine Standard-Vier-Minuten-Songs, sondern Songs, die irgendwo losgehen, dann ein paar Umwege nehmen und irgendwo ankommen, was so auch auf das komplette Album übertragbar ist. Feierlicherweise besteht dieser Weg, den sowohl die einzelnen Songs als auch das Album an sich beschreiten, aus einer wunderbaren Station nach der anderen, und auch wenn man sich zwischendurch fragen mag, wie man nun eigentlich hier angekommen ist, ist der zurückgelegte Weg doch genau genommen stehts nachvollziehbar und gut sichtbar. Was ich eigentlich damit sagen will: “A Secret To Hide” ist ein Prog-Rock-Album, genau wie es sein sollte. Mit unendlich vielen Details, unendlich vielen Ideen, und in sich absolut stringent als Gesamtkunstwerk, bei dem die einzelnen Parts und Songs sowie die Verwendungen einzelner Sounds in ihrer Abfolge rückblickend absolut logisch und richtig erscheinen, während sie sich gleichzeitig nicht vorhersagen lassen. Ich will an dieser Stelle gar nicht auf einzelne Songs eingehen, da jeder von ihnen im größeren Kontext eh nochmal mehr Sinn macht und ich denke, dass eine Beschreibung des allgemeinen Grundgefühls hier angemessener ist.

Fazit:
Denn mit seiner Verspieltheit, seiner ausgeprägten Melodiösität, seinen klugen Kompositionen und Arrangements, seiner Ausgefeiltheit und Struktur und nicht zuletzt seinen kleinen über das Album hinweg wiederkehrenden Motiven ist “A Secret To Hide” eine Art kleines metallisches “The Whirlwind”, um auf den TRANSATLANTIC-Vergleich zurückzukommen. Und das ist das größte Kompliment, das ich der Platte bei meinem persönlichen Musikgeschmack machen kann. Ernsthaft, die Band hat auf Facebook keine 1.500 Abonnenten. Das ist eigentlich das einzige, was bei den Herren falsch läuft.

Anspieltipps:
Am Anfang beginnen und treiben lassen. So einfach ist das.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Supernatural
02. Hollow Phrases
03. Flesh And Bone
04. Grey To Green
05. Within The Veil
06. The Great Escape
07. Schizophrenic
08. In The Shade

Jannis

KAISER AND THE MACHINES OF CREATION – Flowers And Lies

Band: Kaiser And The Machines Of Creation
Album: Flowers And Lies
Spielzeit: 46:49 min
Stilrichtung: Progressive Rock/Metal
Plattenfirma: 1454550 Records DK
Veröffentlichung: 23.12.2020
Homepage: www.facebook.com/KMC3.AU

Das Spannendste am Rezensieren sind keineswegs die neuen Alben großer Bands, die man gerne mag. Eigentlich ist das Spannendste, eine Mail von irgendeiner obskuren Band reinzukriegen, von der man noch nie was gehört hat, und dann einfach heftig überrascht zu werden. So geschehen jüngst mit KAISER AND THE MACHINES OF CREATION, Austrailer und gegründet von Paul Kaiser. Das aktuelle Album (und das erste seit dem instrumentalen 2011er “Universal Mind”) hört auf den Namen “Flowers And Lies”, ist eine Dreiviertelstunde lang und beinhaltet neun sehr kurzweilige Songs.
Produktionstechnisch wäre noch ein bisschen mehr drin gewesen, der Sound ist ein wenig verwaschen, nichtsdestotrotz aber genießbar und auf Dauer nicht störend. Positiv betrachtet klingt “Flowers And Lies” absolut handgemacht und angemessen dreckig, ohne dass es in Sachen Nachvollziehbarkeit darunter leiden würde.
In ihrer Art kann man KATMOC nicht so richtig in Worte fassen. Viel 3er- und 6er-Takt-Verwendung ist drin, einiges an unmetallischen Instrumenten (Klavier, Saxophon, Synths, Conga-Trommeln), hin und wieder wird mit Vocal-Effects gearbeitet und in Sachen Stimmung ist man irgendwo zwischen Classic Rock, Post Rock, Heavy Metal und ein bisschen gruseligem Zirkus unterwegs, was erstaunlich gut funktioniert. Die fetten Parts (alleine schon im Opener) kommen wirklich fett und intensiv, die ruhigen nehmen sich guten Gewissens ihre Zeit. Der Gesang kommt in ruhigeren Parts ein wenig gepresst, doch gerade in dichteren ziemlich gut, und kompositorisch ist man sehr eigen zugange und hat einen in sich schlüssigen und feinen Kompositionsstil entwickelt, der so einiges ein bisschen anders macht, als man es von gängigen Kompositionen im Rock und Metal gewohnt ist.
Darin ist “Flowers And Lies” anständig progressiv, nicht durch komplexe Taktstrukturen sondern einfach hinsichtlich seiner gesamten ungewöhnlichen wie mitreißenden Art.
Okay, es ist auch nicht perfekt. Die Platte ist eine von denen kleinerer Bands, bei denen ein paar kleine Störfaktoren nun einmal auftreten. Mal ist das ein seltsam eingesetzter Effekt auf dem Gesang, mal Gitarren, die sich erst ankündigen und dann direkt wieder weg sind, wenn man sie gerade freundlich begrüßt, mal ein verkackter Gongsound. Aber damit muss man gerade bei einer solchen Band eben rechnen. Umso mehr ungewöhnliche Ideen klappen dafür umso besser. Alleine “In The Mist”, das zeitweise bizarre Happy-Gothic-Synthrock-Vibes versprüht und im Mittelteil kurzerhand einen Reggaeton-Rhythmus auspackt, macht einfach saumäßig Spaß, ebenso wie das finale “Not tonight, Josephine”, ein Classic-Rocker mit tollem Chorus. “Blown Away” geht ein wenig in Richtung GUNS N’ROSES, der Gesamtstil am ehesten noch gen KING’S X, aber auch nur teilweise. Ich will nicht weiter spoilern, ich rate einfach sehr dazu, sich selbst ein Bild von der Sache zu machen. Das ist keine Band, die nur knapp über 1000 Facebook-Fans verdient hat. Absolut nicht.

Fazit:
Und so hat “Flowers And Lies” seine Macken, erfordert hinsichtlich der Produktion ein bisschen Verständnis, offenbart sich aber ab dem ersten Track als außergewöhnliches Werk, das eine Menge an smarten Facetten beinhaltet, nie lustlos dahingespielt oder -geschrieben wirkt und über seine Dreiviertelstunde mächtig zu entertainen vermag. Starkes Ding mit kleinen Einschränkungen, aber mit besserem Sound wäre es locker eine 9/10!

Anspieltipps:
“Flowers And Lies”, “In The Mist”, “We’ll Climb The Mountain”, “Blown Away” und “Not Tonight, Josephine”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Flowers And Lies
02. Institute
03. We’ll Climb The Mountain
04. In The Mist
05. It’s All A Lie
06. Blown Away
07. Who Decides
08. It’s OK To Wake Up
09. Not Tonight, Josephine

Jannis

ARC OF LIFE – Arc Of Life

Band: Arc Of Life
Album: Arc Of Life
Spielzeit: 59:19 min
Stilrichtung: Progressive Rock
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 12.02.2021
Homepage: www.facebook.com/ArcOfLifeRockBand

Ist ja momentan schwer für den musikalischen Nachwuchs, sich als Band im Proberaum angemessen zu professionalisieren. Frontiers Records scheinen darauf zu reagieren, indem sie einfach die alten Legenden, die es eh drauf haben, wieder an die Front holen. 3.2 mit Robert Berry und Keith Emerson, dazu ARC OF LIFE mit Jon Davison, Billy Sherwood und Jay Schellen von YES (dazu Jimmy Haun, Ex-YES). All diese Leute sind verlässliche Typen, die mit ihrem Genre, dem Progressive Rock, bestens vertraut sind und zu denen gehören, die auch heute noch einen authentischen 70er/80er-Prog-Sound und -Spirit erzeugen können, der inzwischen traurigerweise ein Stück weit zum Randphänomen wird – mit den großen aktiven Gesichtern und vergleichsweise wenig Nachwuchs.
ARC OF LIFE ist an sich Progressive Rock durch und durch, mit Jons klarer, heller Prototyp-Stimme, hohem Anteil an Nicht-4/4er-Takt-Parts, ordentlich Tasteninstrumenteinsatz und den klassischen harmonielastigen Songwriting-Elementen. Nichtsdestotrotz ist “Arc Of Life” ein zweischneidiges Schwert, je nach Erwartungen an die Platte. Der Sound stimmt soweit, hätte ein wenig mehr Drumpräsenz und gerade beim Opener “Life Has A Way” etwas subtiler-definierten Bass benötigt, klingt aber ansonsten warm und authentisch handgemacht. Musikalisch ist ein extremes Level an Vielseitigkeit gegeben, recht wenig Wiederholung je nach Track, dafür gefühlt jede mögliche Kombination jeglicher verwendeter Klänge, viele unterschiedliche Arrangements – man mag bei einigen Tracks fast annehmen, dass sie als Train of Thoughts komponiert werden, von Leuten mit entsprechendem Talent. Dieses Talent kann ARC OF LIFE keiner absprechen, nur hätte es effektiver eingesetzt werden können. So scheinen einige Songs (unter anderem besagter Opener) bewusst auf Intellekt komponiert worden zu sein, lassen (zumindest bei den ersten Hördurchgängen) jegliche Takt-Nachvollziehbarkeit missen und sorgen dafür, dass der Song an sich zwar soweit sehr schön klingt, dabei in seiner komplexen Konzeption für einen weniger geschulten Hörer aber nahezu willkürlich. Ja, das sind bestimmt sehr intelligente Strukturen, die von Profis geschrieben wurden, aber der Effekt geht leider ein wenig verloren, wenn man dem Hörer nicht die Chance gibt, ihnen zu folgen. Ein sehr gutes Prog-Rock-Album kombiniert komplexe Taktarten mit tollen, aussagekräftigen und trotz ihrer Unkonventionalität eingängigen Melodien. Es legt einen steinigen Weg aus und trägt den Hörer dann auf weichen Kissen darüber. ARC OF LIFE malen hingegen immer wieder die Steine auf dem Weg wunderschön an und ziehen den Hörer dann auf dem Bauch liegend den Weg entlang. Aber klar, es gibt auch straightere Songs, die nachvollziehbarer ausfallen und all das hält die Platte nicht davon ab, wirklich schöne Ideen und Melodien in herrlich nostalgischer Verpackung zu bieten (Alleine “Talking With Siri” ist schon sehr ungewöhnlich und hörenswert).

Fazit:
Und damit sollte trotz des negativeren Untertons der Rezension kein Freund von Progressive Rock “Arc Of Life” unangespielt vergessen. Unter Abschaltung des Hirnbereichs, der für den Willen zum Taktverständnis verantwortlich ist, und purer Akzeptanz all dessen, was das Album für einen bereithält – kurz, darauf fest vertrauend, dass ARC OF LIFE schon wissen, was sie da machen – bekommt er doch ein in sich sehr interessantes und gutes Album, dass aber eben den Blick für eine gewisse Übersichtlichkeit, einen erkennbaren roten Faden innerhalb der einzelnen Songs einige Male verliert. Wäre “Arc Of Life” eine italienische Pizza, wäre sie gerollt: weniger leicht zu essen, das Gefühl auslösend, dass man das eigentlich anders hätte servieren können, aber eben auch immer noch verdammt lecker und zubereitet von absoluten Profiköchen.

Anspieltipps:
„Talking With Siri“, „Until Further Notice“ und „Just In Sight“

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Life Has A Way
02. Talking With Siri
03. You Make It Real
04. Until Further Notice
05. The Magic Of It All
06. Just In Sight
07. I Want To Know You Better
08. Locked Down
09. Therefore We Are
10. The End Game

Jannis

3.2 – Third Impression

Band: 3.2
Album: Third Impression
Spielzeit: 57:00 min
Stilrichtung: Progressive Rock
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 12.02.2021
Homepage: www.robertberry.com

Verdammt. Da plant man einen Einstieg in die Rezension mit einem grandiosen Flachwitz (Wo bestellt man sich geile Musik? Bei Emerson.) und erkennt dann, dass der Tod dieses einzigartigen Musikers knapp fünf Jahre zuvor komplett an einem vorbeigegangen ist. Und dann sitzt man vor mit dem letzten von Keith Emerson mitkomponierten Werk, denkt an sein erstes Rockkonzert zurück – eine starke ELP-Coverband, die “Pictures At An Exhibition” in Gänze aufgeführt hat – und muss sich für die Rezension einigermaßen zusammenreißen. Aber immerhin: Mein Bild von “Third Impression” wäre, soweit ich das beurteilen kann, auch ohne die persönliche Backstory nicht schlechter ausgefallen. Die Platte ist der Nachfolger des 80er-Albums “3” von Emerson, Robert Berry und Carl Palmer, das quasi eine melodischere, mainstreamigere Variante von ELP-Alben sein sollte. Emerson verstarb während der Arbeit an “Third Impression”, hinterließ einen am Boden zerstörten Robert Berry, der den Nachfolger zusammen mit ihm realisieren wollte – und Material in Form von musikalischen Ideen, Keyboard-Noten und Tapes aus alten „3“-Zeiten, Style- und Optik-Ideen; Material, das letztendlich seinen Weg auf „Third Impression“ finden sollte.
Optik: witzig, mit dem abgewandelten 5gum-Logo, Sound stark (vielleicht abgesehen von ein paar etwas zu lauten Solo-Synths), Performance herausragend. Was allerdings wirklich zählt: “Third Impression” ist authentisch Berry und lebt von seinem würdevollen Gesang, atmet aber ebenso Emersons Spirit, als wäre der gute Mann bis zum letzten Mastering-Moment dabei gewesen. Auf klanglicher Ebene sowieso: Sehr klar und definiert klingt “Third Impression”, sehr natürlich, sogar das Aufheben der Drumsticks ist in einem Track integriert. Dazu ist die Platte erwartungsgemäß tastenlastig, mit großartig geschmackvollen und authentisch ELPig (in poppiger) klingenden Synth-Sounds, von edlen Lead-Synthesizern bis hin zu knallenden Poly-Synths, ergänzt durch ein herrlich produziertes Klavier und eine absolute Retroorgel. Und aus allen Parts dieser Instrumente scheint der charakterstarke Stil von Keith durch, besser gesagt, tropft ihm aus jeder Pore.
Und Gott sei Dank: “Third Impression”s Entwicklungsgeschichte hat keinen hörbaren Einfluss auf die Kompositionen genommen. Man hätte das verfügbare Material in einen etwas schwermütigeren, melancholischen Kontext integrieren können, aber genau das ist nicht passiert. Im Gegenteil. Das Album hat über weite Teile eine sehr positive Grundstimmung, aber keine, die Positivität mit Kitsch-Overload verwechselt. Gut gelaunt, voller Energie, mit einer hörbaren Portion an Humor und vielen nicht zu schwulstig vermittelten Gefühlen, all das erzeugt durch starkes Songwriting, geile, zum Teil witzige Synthsounds und eine dichte Atmosphäre klassischer 70er- und 80er-Prog-Rock-Alben. Ich könnte an dieser Stelle auf einzelne Songs, all die Details, auf all die schönen Ideen eingehen, die Robert und Keith zusammengetragen haben und die Robert letztendlich zu einem großen Ganzen zusammengefügt hat, aber drauf geschissen. Hört die Platte einfach selbst, hört sie in einem durch. Kein Lückenfüller, kein Schwachpunkt, kein einziger durchschnittlicher Song.

Fazit:
Und dafür wirklich großen Respekt an Robert Berry, der in dieser für ihn zweifelsohne grausamen Zeit dieses wunderbare, leichtgängig-frisch-inspirierte Stück Musik vollendet hat, mit einem letztendlichen Gesamtergebnis, das Keith absolut würdig ist; und auch ungeachtet seiner Hintergründe einfach ein wunderbares Album für jeden, der gerne seine Laune verbessern und dabei über eine Stunde großartig unterhalten sein möchte.

Anspieltipps:
Egal. Einfach irgendwo reinhören.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Top Of The World
02. What Side You’re On
03. Black Of The Night
04. Killer Of Hope
05. Missing Piece
06. A Bond Of Union
07. The Devil Of Liverpool
08. Emotional Trigger
09. A Fond Farewell
10. Never

Jannis

TRANSATLANTIC – The Absolute Universe

Band: Transatlantic
Album: The Absolute Universe
Spielzeit: 64:19 min / 90:24 min
Stilrichtung: Progressive Rock
Plattenfirma: Inside/Out Music
Veröffentlichung: 05.02.2021
Homepage: www.transatlanticweb.com

Ich habe an dieser Stelle schon zahlreiche Alben vorgestellt, die unter Beteiligung von Mike Portnoy entstanden sind. Und die neue Single, bzw. das dazugehörige Video von Liquid Tension Experiment hat (wohl nicht nur) mir ein riesen Grinsen ins Gesicht gezaubert. Besonders freue ich mich aber auch immer wieder auf neues Futter der Prog-Rock Superkapelle TRANSATLANTIC, die im Abstand von einigen Jahren, zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk, hochkarätige Alben veröffentlicht. Diese Konstellation hat einfach das gewisse Besondere, etwas das die anderen Bands in denen Portnoy die Felle verkloppt, alt aussehen lässt. So ist natürlich auch diesmal die Vorfreude groß, zumal es sich die Band nicht hat nehmen lassen das neue Album „The Absolute Universe“ in gleich 2 Ausführungen unter die Fans zu bringen: einmal in einer gut anderthalbstündigen „Extended Version“ Version (das auf den Namenszusatz „Forevermore“ hört) und einmal in der „Abriged“ (sprich, gekürzten) Fassung (unter dem Zusatz „The Breath Of Life“). Bei letzterem handelt es sich aber nicht um eine durch den Rotstift zusammengestrichene Version – vielmehr haben die Jungs einige Tracks in abgeänderten Arrangements (teils sogar mit anderen Sängern) neu eingespielt und Songs hier und da ausgetauscht … unterm Strich haben wir es hier also quasi mit tatsächlichen, alternativen Fakten zu tun 😉

Eigentlich könnte man das neueste Opus mit dem lapidaren Vergleich zu den starken Vorgängern abfrühstücken und wahrheitsgemäß darauf verweisen, dass TRANSATLANTIC einfach immer abliefern. Da erwarte ich ganz ehrlich auch nichts geringeres als ein absolutes Sahnealbum, und das ist „The Absolute Universe“ auch wieder geworden – mit allem was dazu gehört. Anspeltipps herauszupicken ist schwierig – wer sich ein Bild machen will, sollte mal in das durch eine traumhafte Melodieführung und gesunde Härte bestechende „Looking For The Light (Reprise)“ oder den mit tollen Harmoniegesängen verdelten Track „“Higher Than The Morning”“ reinhören. Ganz so Friede-Freude-Eierkuchen ist es dann doch nicht. Die Produktion ist zwar angenehm transparent, klingt aber ziemlich haargenau wie die letzten Alben der Band (da tut sich zwischen den Platten in Sachen Klangentwicklung leider nur wenig bis gar nichts). 90 Minuten geballte Prog-Finesse hält man nicht unbedingt mit voller Konzentration durch, vor allem bei der Detailvielfalt. Bei dem ein oder anderen Song wünscht man sich, dass die Jungs einen festen Sänger definieren würden (der knödelige Gesang in „Solitude“ muss nicht sein) . Und das ganz große Highlight, den einen Song der über alles strahlt sucht man diesmal vergeblich. Aber, sind wir ehrlich, das ist Meckern auf unverschämt hohem Niveau. Ich bleibe bei meiner Aussage , die ich zum letzten Studioalbum gemacht habe („Kaleidoscope„): ich glaube nicht, dass Neal Morse überhaupt einen schlechten Song schreiben kann. Und ich glaube auch nicht, dass TRANSATLANTIC ein nur durchschnittliches Album einspielen könnten. Nach mehrmaligem Durchhören habe ich mich zwar „nur“ auf die gekürzte Variante eingeschossen und auch die wird nicht zu meinem einsame-Inel-TRANSATLANTIC-Album werden. Aber die Konkurrenz muss sich auch nach Album Nummero 5 mit den hinteren Plätzen zufrieden geben.

„The Absolute Universe“ bietet wie gewohnt (oder erwartet) ganz großes Prog-Kino. Man mag monieren, dass die Jungs die Gesangsparts vielleicht etwas zu demokratisch aufgeteilt haben, statt dem stärksten Sängerin ihren Reihen den Vortritt zu lassen. Und das Überraschungsmoment solcher Glanztaten wie „Bridge Across Forever “ oder „The Whirlwind“ fehlt ebenfalls. Dennoch stechen TRANSATLANTIC die Genre-Kollegen wieder gewohnt locker aus und reihen ein weiteres Meisterwerk in Ihre an Meisterwerken nicht gerade arme Diskographie ein. Pflichtveranstaltung für Fans (wobei ich persönlich die gekürzte Version um einiges ansprechender, da kohärent/kompakter) empfinde.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

The Absolute Universe: The Breath Of Life (Abridged Version)

01. Overture
02. Reaching For The Sky
03. Higher Than The Morning
04. The Darkness In The Light
05. Take Now My Soul
06. Looking For The Light
07. Love Made A Way (Prelude)
08. Owl Howl
09. Solitude
10. Belong
11. Can You Feel It
12. Looking For The Light (Reprise)
13. The Greatest Story Never Ends

The Absolute Universe: Forevermore (Extended Version)

1. Overture
2. Heart Like A Whirlwind
3. Higher Than The Morning
4. The Darkness In The Light
5. Swing High, Swing Low
6. Bully
7. Rainbow Sky
8. Looking For The Light
9. The World We Used To Know
10. The Sun Comes Up Today
11. Love Made A Way (Prelude)
12. Owl Howl
13. Solitude
14. Belong
15. Lonesome Rebel
16. Looking For The Light (Reprise)
17. The Greatest Story Never Ends
18. Love Made A Way

Mario

FOREIGN – The Symphony Of The Wandering Jew Part II

Band: Foreign
Album: The Symphony Of The Wandering Jew Part II
Spielzeit: 72:52 min
Stilrichtung: Progressive-Rock/Metal-Oper
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 04.12.2020
Homepage: www.facebook.com/foreignrockoperafrance

Es ist menschlich schon nachvollziehbar: Da schleppst du dich mit deinem Kreuz den Berg zu deiner eigenen Hinrichtung hoch, fragst irgendwen am Straßenrand nach was zu trinken und kriegst leider nichts. Verhältnismäßigkeit hin oder her: Auch als Jesus verliert man in so einer Situation manchmal die Nerven und belegt den verdammten Wasser-Verweigerer dann eben mit einem Unsterblichkeitsfluch. Zweitausend Jahre später erzählt der arme Kerl seine Geschichte dann Ivan Jaquin und der denkt sich “Kann man eigentlich ganz gut in einer Rockoper verarbeiten”. Das wurde 2014 dann realisiert und 2020 geht die Geschichte weiter, überbracht von einer illustren Truppe: Leo Margarit (PAIN OF SALVATION) an den Drums, Mike LePond (SYMPHONY X) am Bass, Zak Stevens (SAVATAGE, TSO), Andy Kuntz (VANDEN PLAS), Tom Englund (EVERGREY) und Amanda Lehmann (STEVE HACKETT BAND) am Mic. Dazu ein Chor und weitere Musiker mit teils eher ungewöhnlichen Instrumenten, Keyboards, eine Produktion von Markus Teske (VANDEN PLAS, MOB RULES) und wir sind uns einig, dass wir über die interpretatorische und klangliche Qualität keine weiteren Worte mehr verlieren müssen. Daher schnell zur Musik:
“The Symphony Of The Wandering Jew Part II” ist über weite Teile eine gelungene Mischung aus Progressive Rock, Progressive Metal und Symphonic Metal. Die symphonischen Elemente sind dabei verhältnismäßig unbombastisch, was der Geschichte des Konzeptalbums aber durchaus zugute kommt, da die Musik somit (abseits der Metalkomponente) näher an der Realität des Albums liegt und es nicht zu einer Hollywooderzählung der besagten Story verkommen lässt. Die Orchesterinstrumente klingen gut, leiden nur selten unter fehlendem Hall. Und sie sind durchaus präsent, zusammen mit den anderen Metal-fremden Instrumenten. Tatsächlich schafft man es ab Track 3, dem “Bard’s Song”igen “Mariner Of All Seas”, dem Hörer über 13 Minuten ohne eine E-Gitarre, Drumset und Bass zuzumuten oder zu gewähren, das ist Ansichtssache. Musikalisch ist dies durchaus dem Storytelling zuzuschreiben, das eben nicht nur auf textlicher Ebene geschieht. Die Platte vollzieht einen Wandel, von nah-östlichen Klängen hin zu westlich-progressiverem Stil, was einen Einzug von Synthesizern und eine durchaus offensive Änderung des Stils ab “Mysteries To Come” bedeutet. In seiner Erzählweise und somit auch in seiner besten Hörweise erinnert “TSOTWJPII” an die neusten ELOY-Veröffentlichungen, auch wenn es musikalisch natürlich in eine andere Richtung geht: Das Album versucht nicht, Ohrwürmer zu produzieren, obgleich es absolut melodieorientiert ist. Als selbsternannte Rock/Metal-Oper muss es das aber auch nicht unbedingt, beschränkt sich doch auch bei normalen Opern der Ohrwurmanteil generell auf einen kleineren Teil des Gesamtwerks (außer natürlich “Carmen”). Stattdessen fließt das Ding über mehr als 70 Minuten seelen- und ohrenschmeichelnd über den entspannten Hörer hinweg, mit vertretbaren Kitschmomenten aber auch einer erstaunlichen Kurzweiligkeit, die durch vielseitige und auch in Bezug auf das Gesamte zuende gedachte Kompositionen und starke Leistung der Instrumental- und Gesangsfraktion zustande kommt. An dieser Stelle muss ich allen, die Schilderung der Erlebnisse des Wanderjuden interessant finden, übrigens den Film “The Man From Earth” empfehlen, der thematisch in eine nicht unähnliche Richtung geht und sehr großartig ist.

Fazit:
Anspieltipps lassen wir mal weg. Wer “TSOTWJPII” eine Chance geben sollte (und das sollte jeder, der Orchester, Einsatz von Instrumenten unterschiedlicher Kulturkreise, natürlichen Sound und schön geschriebene Konzeptalben mag – präsentiert von einer ziemlichen Supergroup), beginnt am Anfang und schaut, ob es zündet. Und vermutlich tut es das, denn der Release ist ziemlich genau das Richtige, um sich in dieser kalten Scheißzeit ein bisschen Wärme ins Herz spielen zu lassen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Yerushalim
02. Rise 1187
03. Mariner Of All Seas
04. Holy Lands
05. Eternity Part III
06. Running Time
07. The Fountain
08. Mysteries To Come
09. Secrets Of Art
10. Symphonic Caress
11. Eternity Part IV
12. Revolutions
13. Witness Of Changes

Jannis

WOLVERINE – A Darkened Sun

Band: Wolverine
Album: A Darkened Sun
Spielzeit: 27:57 min
Stilrichtung: Progressive Rock/Progressive Metal
Plattenfirma: Eigenveröffentlichung
Veröffentlichung: 31.10.2020
Homepage: www.wolverine-overdose.com

WOLVERINE haben spätestens seit ihrem überragenden “Cold Light Of Monday”-Album einen besonderen Platz in meinem Herzen. Progressive Rock, Progressive Metal, irgendwo dazwischen ist die für das Genre sehr unfrickelige, atmosphärische, meist melancholisch-intensive Musik der Schweden angesiedelt, mit außergewöhnlichem Wert auf Lyrics, Melodien und eigentlich alle Komponenten der Alben.
Diese Komponenten wurde beim neuen Album “A Darkened Sun” noch einmal um eine erweitert. Zwar ist das gute Stück gerade mal 28 Minuten lang, das Nörgeln vergeht allerdings akut, wenn man erfährt, dass es sich um ein audiovisuelles Album handelt, mit dazugehörigem in schwarz-weiß aufgenommenem/bearbeitetem Film und Story. Und Tatsache, auch diese Komponente ist mit wahnsinnig viel Liebe und Aufwand realisiert worden und ist mit der klanglichen Ebene absolut in Einklang. Die Sorge, ein solch ambitioniertes Projekt einer doch eher kleinen Band ohne große finanzielle Mittel könnte im schlimmsten Fall sogar peinlich ausfallen, erweist sich bei “A Darkened Sun” eh als unbegründet, doch mehr noch: Optik, Stilistik, Schnitt, Umsetzung der Handlung – Bassist Thomas Jansson hat hier im Alleingang hervorragende, unter die Haut gehende Arbeit geleistet und die nicht ganz neue Thematik des in der Masse der Gesellschaft untergehenden und „verarbeiteten“ Individuums mit viel Kreativität und Ernsthaftigkeit, starker Bildsprache, toller Kameraarbeit und nicht zuletzt einer ernstzunehmenden Hauptdarstellerin umgesetzt. Nicht wirklich mit Budget, versteht sich, aber effektiv ohne Ende und absolut professionell.
Musikalisch geht es mit recht elektronisch anmutendem Basssound auf leicht stolperndem Midtempo los, als Intro zu “Chapter 1 – Phoenix Slain”, das wunderschön leicht, unheavy beginnt und bereits andeutet, dass “A Darkened Sun” das Gegenteil von einem Partyalbum wird. Ja, solche Strophen können WOLVERINE, genau wie die dicht-intensiv-verzweifelten Parts, von denen einer besagter Strophe als Chorus folgt. Ein elektronischerer düsterer Part dabei, alles auf hoher Qualität und bestens abgestimmt auf die tolle visuelle Ebene. Poah. Schon zum ersten Track hat man sich offensichtlich mehr Gedanken gemacht, als andere Bands zu ihrem kompletten Album. Und vom treibenderen Part des Tracks habe ich noch gar nicht geredet. Machen wir es an dieser Stelle kurz und spoilerfrei: Es bleibt so geil. Mit Erste-Sahne-Komposition und -Umsetzung, mitreißend, mal hypnotisch, mal aufwühlend, visuell mal offensiver erzählend, häufiger höchst (und höchst gelungen) stilisiert, musikalisch höchst emotional und erwachsen. Düster ab und an, mit kleinen Schimmern von Hoffnung, tollem Songwriting, starker Bandleistung und großartigen Vocals. Keine Kritik.

Fazit:
WOLVERINE schaffen es wie nur wenige andere Bands, mit ihrer Musik Emotionen, Stimmungen zu vermitteln, bereit, dafür eine heftige Menge an Arbeit zu investieren. Und sie haben das dank Thomas Jansson, dem Mann für’s Visuelle und die tiefen Töne, auf die nächste Ebene gehoben. Ernsthaft, nehmt Euch die halbe Stunde, wenn Ihr mitreißende Musik liebt, die noch wirklich etwas zu transportieren vermag (geht sogar offiziell gratis). Das konnten WOLVERINE seit jeher, das können sie auf “A Darkened Sun”, und mit der visuellen Komponente wird der Release ein einmaliges Gesamtkunstwerk. Volle Punktzahl, ohne Frage.

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Chapter 1 – Phoenix Slain
02. Chapter 2 – The Breach
03. Chapter 3 – Dead As The Moon
04. Chapter 4 – Hibernator

Das komplette audio-visuelle Album steht auf www.wolverine-overdose.com kostenlos (gegen eine freiwillige und berechtigte Spende) zur Verfügung.

Jannis

DEREK SHERINIAN – The Phoenix

Band: Derek Sherinian
Album: The Phoenix
Spielzeit: 42:38 min
Stilrichtung: Progressive Rock/Metal / Instrumental
Plattenfirma: Inside/Out Records
Veröffentlichung: 18.09.2020
Homepage: www.dereksherinian.com

Nach dem ersten Ton des siebten Solo-Albums von Keyboarder DEREK SHERINIAN dürfte jedem klar sein, wer hier in die Tasten haut. Das Spiel des ehemaligen Dream Theater, Billy Idol, Black Country Communion und aktuelle Sons Of Apollo Zauberers hat einen enormen Wiedererkennungswert. Und das alleine ist schon ziemlich bemerkenswert bzw. eine Eigenschaft an der viele Musiker scheitern. Dass es SHERINIAN dann noch gelingt unablässig gutklassige Musik zu veröffentlichen und für seine Solo Alben das Who-is-Who der angesagten Rockmusiker-Riege für sich zu gewinnen, spricht ebenfalls für SHERINIAN. Nun liegt uns mit „The Phoenix“ also ein neues Album vor, das zwar einen Tacken anders als die bisherigen Veröffentlichungen klingt, im Grunde aber eine logische Weiterentwicklung der Vorgänger darstellt. Das bedeutet, die Zielgruppe ist relativ eng umfasst und sollte sich schon beim Titel angesprochen fühlen. Alle anderen können getrost zur nächsten Besprechung skippen …

Ihr seid noch da?

ok … die Frage ob ein solches Album überhaupt Rock-Garage relevant ist und, falls ja, wer sich hier angesprochen fühlen soll ist natürlich berechtigt. Ich denke Fans der beteiligten Musiker und die Hörer, die bei einem Dream Theater/Sons Of Apollo Instrumental nicht gleich zum nächsten Song springen, sollten hier auf jeden Fall ein Ohr riskieren. Aufgrund der Tatsache, dass Simon Phillips hier nicht nur in seiner unnachahmlichen Art die Drums eingespielt, sondern auch noch gleich den Mix der Platte übernommen hat (der Mann versteht wirklich was davon eine Platte gut klingen zu lassen) wird auch etwas für´s hart verdiente Geld geboten. Neben SHERINIAN und Phillips sind noch Tausendsassa Billy Sheehan und Tony Franklin am Bass und eine gewohnt hochkarätige Mannschaft an den 6 Saiten vertreten: Zakk Wylde shreddet sich gewohnt aufdringlich durch den Titeltrack/Opener „The Phoenix“, Steve Vai veredelt das elegante „Clouds of Ganymede“ mit seinen unnachahmlichen Linien und Joe Bonamassa liefert bei dem Buddy Miles Standard „Them Changes“ sowohl gesanglich als auch Gitarrentechnisch meisterlich ab. Das Highlight der Scheibe ist aber das gemeinsam mit Megadeth Klampfer Kiko Loureiro verfasste und eingespielte „Pesadelo“, bei dem der sympatsche Brasilianer eindrucksvoll unter Beweis stellt, warum Dave Mustaine hier einen absoluten Glücksgriff getan hat.

Für ein weitestgehend instrumental gehaltenes Album eines Keyboarders, hält sich DEREK SHERINIAN hier wie gewohnt angenehm zurück und lässt seine Mitstreiter glänzen. Das ist auch auf „The Phoenix“ ein Rezept, dass eine starke Platte hervorgebracht hat. Wer auf das bisherige Schaffen von SHERINIAN steht kann hier bedenkenlos zugreifen (in Form eines limitierten CD Digipak, schwarzem Vinyl (+CD) oder als digitaler Download).

WERTUNG:

 

Trackliste:

01. The Phoenix
02. Empyrean Sky
03. Clouds of Ganymede
04. Dragonfly
05. Temple of Helios
06. Them Changes
07. Octopus Pedigree
08. Pesadelo

Mario

COMPASS – Our Time On Earth

Band: Compass
Album: Our Time On Earth
Spielzeit: 57:47 min
Stilrichtung: Progressive Rock/Metal
Plattenfirma: Escape Music
Veröffentlichung: 24.04.2020
Homepage: www.escape-music.com

Unter dem COMPASS Banner hat sich der umtriebige Songwriter, Keyboarder und Gitarrist Steve Newman (u.a. bekannt durch seine Band Newman sowie seine Arbeit mit Cry Of Dawn und Acacia Avenue) ein weiteres Standbein geschaffen – diesmal irgendwo auf der weiten Spielwiese des Prog Rock/Metal. Zusammen mit dem (noch) unbekannten Sänger Ben Green, sowie Dave Bartlett am Bass (der bereits bei Newman als Tour/Livemusiker aktiv war) und Toni Lakush an den Drums. Wer den Herrn Newman kennt, weiss, dass man hier keinen Brachial-Metal und auch keine bis zum Wahnsinn verkopfte Prog-Wahre bekommt. Das Material auf dem vorliegenden Erstling der Band (es handelt sich bei „Our Time On Earth“ natürlich gleich, stilecht, um ein Konzeptalbum) ist irgendwo zwischen härteren Saga und frühen Dream Theater angesiedelt (ohne die Frickelorgien). Wer das Debüt von Above Symmetry kennt, hat eine Ahnung wo es soundtechnisch hingeht.

Gleich zu Beginn bin ich erstmal über die luftige Instrumentierung begeistert, die aber seltsam komprimiert und verwaschen aus den Boxen tönt. Ich habe das Gefühl, dass hier einiges an Details auf der Strecke bleit. Ob es an der Promo-mp3 Kodierung liegt? Ich hoffe es, denn wenn das Kaufprodukt ebenso klingt wäre das sehr schade. Vor allem deshalb, weil die Jungs hier ein paar richtig geile Tracks eingespielt haben. Sind die Strophen an und für sich noch relativ unspektakulär, so geht bei den Refrains regelmässig die Sonne auf (Anspieltipps sind der starke Opener „Skies OF Fire“, der groovende Rocker „Caught In A Frame“ und der zweigeteilte Titeltrack). Hauptverantwortlich hierfür ist sicherlich Sänger Green, der den Songs und Melodien mehr als gerecht wird und dabei vom immer songdienlichen Spiel seiner Mitstreiter unterstützt wird. Es ist das runde Gesamtergebnis, das „Our Time On Earth“ unterm Strich als gutes (aber nicht herausragendes) Prog Album über die Ziellinie gehen lässt. Die Platte sorgt vor allem dank der Hooklines für einige unterhaltsame Stunden vor den Lautsprechern und läuft prima nebenher.

Fans von melodiösem Prog sollten sich „Our Time On Earth“ auf jeden Fall näher anhören. Zwar gehen die zahlreichen Hooklines hier und da noch in etwas belanglosen Arrangements unter. Aber die Tatsache, dass COMPASS sich dem üblichen höher-schneller-weiter konsequent verweigern und stattdessen auf handwerkliche Qualität und eingängige Melodien setzen, zahlt sich aus. Schönes Cover, gute Produktion (vorausgesetzt das Album leidet nicht unter der oben genannten Kompression) und überzeugende Songs. Reinhören!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Skies OF Fire
02. Our Time On Earth Pt I
03. Caught In A Frame
04. Neon
05. The Preacher And The Pigeon Feeder
06. Another Life Suicide
07. A Warning from History
08. Our Time On Earth Pt II

Mario

NOVENA – Eleventh Hour

Band: Novena
Album: Eleventh Hour
Spielzeit: 73:03 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 06.03.2020
Homepage: www.novenaband.uk

Da viele von uns ja momentan eh nicht viel zu tun haben und ihren Alltag gewissenhaft auf dem Sofa zuhause verbringen, kann man ja eigentlich auch mal ein längeres Album auf die Playlist setzen. NOVENA’s “Elevent Hour” zum Beispiel? Das wäre mit seinen zehn Songs (drei davon über zehn Minuten) und knapp 75 Minuten Spieldauer schonmal ein geeigneter Kandidat, insbesondere, da neben Ross Jennings, dem Sänger der Prog-Instanz von HAKEN, auch der Rest des LineUps sein Handwerk im Schlaf beherrscht. Produktion passt auch, so weit, so stabil.
Musikalisch zeigt sich bereits ab Track 2 (Track 1 ist ein viel zu leises Intro, in dem Grillen zirpen und jemand geht), dass HAKEN-Fans bei “Eleventh Hour” viele der Trademarks der Band wiederfinden werden, nicht zuletzt den fetten mehrstimmigen A-Capella-Chor am Track-Anfang. Zu den Tracks im einzelnen lässt sich jedoch erstaunlicherweise wenig sagen. Jut, “Sun Dance” ist treibend, straight und sehr angenehm, mit cleanem Gitarren-Strumming und schön-melancholischer Atmosphäre. “Sail Away” ist fast komplett sehr ruhig, “Corazón” hat ein Flamenco-Intermezzo inklusive passender Gastsängerin und “Indestructible” hat ein schönes Klaviermotiv (Klavier ist eh recht dominant vertreten auf der Platte, wenn auch nicht SAVATAGE-dominant) und gibt sich gut gelaunt mit bösem Mittelteil.
Ansonsten pendeln die Songs zwischen oft vergleichsweise ruhigen Strophen, ganz ruhigen Parts und aggressiveren dissonanten Passagen hin und her, wobei bei letzteren verstärkt auf Growling gesetzt wird – im Rahmen aber, 95% des Gesangs sollten schätzungsweise clean sein. Dabei muss man den Jungs lassen: Sie können das alles perfekt und die Kompositionen sind wirklich sehr schön, sehr smart und sehr kreativ. Das Ding ist soweit ein einwandfreies Prog-Metal-Album mit häufig positiver Grundstimmung, das für Abendstunden alleine im gemütlichen Wohnzimmer bestens geeignet ist.
Hier der Nachtrag für die HAKEN-Fans, die dank Ross diesem Album wohl verstärkt Aufmerksamkeit widmen werden: Kompositorisch kann man an sich zwar nicht meckern, doch wer ein Gesamtkunstwerk der Marke “Aquarius” oder “The Mountain” erwartet, das eine hammerharte Gesamtatmosphäre erzeugt, zum Träumen einlädt und zum Teil absolute Ohrwurmmelodien an den Tag legt, der wird ein Stück ernüchtert sein. Ein Gesamtkonzept existiert zwar, getragen aber durch einige Spoken-Word-Monologe innerhalb einzelner Songs, aber eigenständiger als die Tracks besagter HAKEN-Alben sind sie allemal. Das sollte Freunde der Band keinesfalls vom Reinhören abhalten (nochmal: Die Trademarks sind da und bestens umgesetzt mit Schöner-Part-Dauerfeuer), aber vielleicht ein wenig die Erwartungen senken, die man nach dem Reinhören in einzelne Tracks an das Album als Gesamtes entwickeln könnte.

Fazit:
Ja, ich weiß, wie oft jetzt schon der HALEN-Vergleich fiel, aber er bietet sich halt auch echt an. Auf jeden Fall ist NOVENAs Debutalbum weit mehr als nur ein okayer Wartezeitvertreib bis zum nächsten Album von Ross‘ Hauptband. Und für Fans von technisch wie melodisch und kompositorisch starkem Progressive Metal sowieso absolut empfohlen.

WERTUNG:

für HAKEN-Fans,

 

für Prog-Metal-Fans generell.

 

Trackliste:

01. 22:58
02. 22:59
03. Sun Dance
04. Disconnected
05. Sail Away
06. Lucidity
07. Corazón
08. Indestructible
09. The Tyrant
10. Prison Walls

Jannis