ASTRAYA – Atropine

Trackliste:

01. A Spark Within
02. Lighthouse
03. In Devotion
04. A Theory Of Time
05. Descendant Of A Dead Man
06. Valley Of The Damned Part I
07. In The Pale Glow Of Torches
08. Arrival
09. Valley Of The Damned Part II
10. Atropine

 

Spielzeit: 45:01 min – Genre: Post Rock – Label: These Hands Melt – VÖ: 24.04.2026 – Page: www.facebook.com/astrayaband

 

 

ASTRAYA hab ich 2022 durch ihr vielversprechendes Debütalbum „Myth Of Dike“ kennengelernt. Keine Frage, dass ich dann auch mal ein Ohr in „Atropine“ halte, das zweite Album der Stuttgarter. Atmosphärischer Rock Richtung Post Rock steht auf dem Programm, mit zehn Songs und stabilen 45 Minuten Spieldauer.
Apropos stabil: Das ist auch die Produktion. Nicht bahnbrechend, aber alles sitzt wie es soll und klingt angenehm handgemacht. Einzig die Vocals wirken zunächst etwas zu laut und „über“ dem Rest der Band, aber das ist hauptsächlich der Fall beim ersten Song. Ansonsten fallen sie klar und beruhigend aus, wie man das von Sängerin Melina erwartet, und transportieren sehr gut die getragenen Melodien von ASTRAYA.
Und von denen gibt es so einige. Überraschenderweise nehmen sich gerade die ersten beiden Songs als einzige auf „Atropine“ weniger als vier Minuten Zeit und wirken für ASTRAYA-Verhältnisse damit fast gehetzt (ja, ich übertreibe), aber danach geht es verlässlich in +4-Minuten-Sphären.
Was schön ist, denn ASTRAYA sind am besten, wenn sie ruhig sind und sich Zeit nehmen. Die zurückhaltenden Parts entwickeln zum Teil richtig Stimmung und funktionieren auch sehr gut mit den Vocals. Bei den „härteren“, „böseren“ Teilen der Songs beißt sich in Sachen Atmosphäre die Instrumentalfraktion mit den nach wie vor getragenen, schönen Vocals gerne mal.
Aber Vocals sind bei „Atropine“ eh keine Massenware. Viele der Songs nehmen sich Zeit für – mal ruhige, mal intensive – Instrumentalparts, die oft gut kommen.
In Sachen Songstruktur setzen ASTRAYA auf ein paar verlässlich funktionierende Muster (ruhiger Start, dann Intensivierung; druckvoller Start mit ruhigem Mittelteil). Ist nice, funktioniert ja verlässlich.
In Sachen Melodien ist „Atropine“ hit or miss. Oft wirken die Melodien ein wenig wie in einem tranceartigen Fluss entstanden, und das kann sehr gut sein, aber muss es nicht. Und während die Melodien an der einen Stelle zünden und im Zusammenspiel mit dem Rest der Band kleine magische Momente zaubern, wirken sie an anderer Stelle etwas spontan und zu routiniert. Was auch daran liegen mag, dass die Melodiearbeit auf „Atropine“ zu einem wirklich hohen Anteil aus Halb- und Ganztonschritten besteht und so coole Intervalle wie Terzen, Quarten oder Quinten (oder, so Gott will, sogar Sexten) kaum stattfinden. Hier haben ASTRAYA auf jeden Fall noch etwas Spielraum, in Sachen meditative Rock-Klangwelten sind sie aber nichtsdestotrotz schon jetzt auf sehr respektablem Kurs unterwegs.

Fazit:
Ja, hinsichtlich der Melodien und einiger Vocal-Passagen dürfen ASTRAYA gerne noch ein wenig mehr aus sich herausgehen. Das hält mich aber kein bisschen davon ab, „Atropine“ als atmosphärisches Kamin- oder Sommernachtsalbum zu empfehlen!

Anspieltipps:
„In Devotion“, „A Theory Of Time“ und die beiden „Valley Of The Damned“-Teile

Jannis

SMALL STRIDES – The Ground Beneath Our Feet

Trackliste:

01. Roads
02. Fake Doors
03. Exits
04. Hard To Know
05. Interlude
06. Why We Are
07. The Shore
08. Your Arms
09. Sleep
10. Gone
11. Into Grey

Spielzeit: 47:04 min – Genre: Indie Rock – Label: Eigenveröffentlichung – VÖ: 15.12.2023 – Page: www.facebook.com/smallstridesband

 

SMALL STRIDES geistern schon seit einigen Jahren durch die kleinen gemütlichen Konzertlocations NRWs und sind, wenn sie in meiner Nähe auftreten, zum Live-Pflichtprogramm für mich geworden. Das Düsseldorfer Quartett macht das, was man, wie so vieles, irgendwie noch als Indie Rock bezeichnet, also vielleicht richtig gute Sachen, vielleicht aber auch – nicht. Finden wir es heraus anhand des Debütalbums der Truppe, das den Namen „The Ground Beneath Our Feet“ trägt und mit seinen elf Songs angenehme 47 Minuten füllt.
„Womit?“, fragt man sich. Nun, allgemein gesagt mit fünf Lastwagenladungen Atmosphäre. „The Ground Beneath Our Feet“ ist der Spaziergang an einem grauen Herbsttag am Meer, oder der nächtliche in einer schlafenden beleuchteten Großstadt. Die Musik der SMALL STRIDES will in den seltensten Fällen hart sein, im Gegenteil. Eine sehr softe Gesangsstimme und tendenziell eher weiche Klaviersounds sind die markantesten Trademarks im Klang der Platte, ergänzt von hypnotisch-repetitiven Drum-Mustern abseits des Standards, die gar nicht selten auch mal elektronischer klingen, als man es von seinem Standard-Rockalbum erwarten würde. Distortion in den Gitarren ist immer wieder mal vorhanden, aber keineswegs in jedem Song in größerem Maße.
Und während der einzelne Song gerade in seiner zweiten Hälfte durchaus mal gut abgehen darf, ist „The Ground Beneath Our Feet“ im Normalbetrieb ruhig, gefühlvoll, nachdenklich.
Jut. Jetzt ist ruhig, gefühlvoll, nachdenklich klingen nicht die große Kunst, schließlich kann man das ohne jede Substanz in seiner Musik erreichen. Aber da stehen die STRIDES glücklicherweise drüber. Die Aufbauten der Songs, die Arrangements der einzelnen Parts, der charakteristische Klaviereinsatz, die nicht 08/15igen und doch vertraut wirkenden Melodien, der hörbare Post-Rock-Anteil an dem ganzen Ding – all das sitzt bei den einzelnen Songs und funktioniert als geschlossenes Album perfekt, um eine tiefe melancholisch-schöne Stimmung zu erschaffen, ohne in irgendeiner Form pathetisch zu wirken.
Damit das so sein kann, braucht es neben guten Musikern (check) einen guten Sound. Den hat man sich von Leuten bauen lassen, die durchaus Nummern in Business sind, und es zahlt sich aus. Der Sound klingt warm und angenehm, voll und breit in den eskalativeren Parts, die Backing Choirs sind genauso wunderschön, wie die Piano-Sounds und die kleinen Sounddesign-Elemente.
Kritik: „Gone“ ist der perfekte Endsong auf jedem Konzert der Band. Wer die Idee hatte, ihn auf diesem Album vor „Into Grey“ zu setzen, sollte mal ein ernstes Wörtchen zu hören bekommen.

Fazit:
Große Emotionen sind musikalisch nicht immer gut von Kitsch zu trennen. Das Debütalbum der SMALL STRIDES schafft das mit Bravour. „The Ground Beneath Our Feet“ ist ein hervorragendes, dichtes, intensives und ernstzunehmendes wie ernsthaftes Stück Musik geworden, das ich jedem Leser ans Herz legen kann, der keine Sorge davor hat, dass Ihm beim Hören von zu schöner Musik unter einem gewissen Härtegrad die Nieten aus der Kutte fliegen.

Anspieltipps:
„Roads“, „Why We Are“, „Sleep“ und „Gone“

Jannis

ASTRAYA – Myth Of Dike

Trackliste:

01. Oppenheimer
02. Myth Of Dike
03. The Moribund
04. Corpse Obscure
05. Charlatans
06. Interlude I
07. Lost
08. Epiphany Pt. 1
09. Fountain
10. Interlude II
11. A Finite Sequence Of Fainting Transcience

Spielzeit: 53:34 min – Genre: Post/Alternative Rock – Label: Eigenveröffentlichung – VÖ: 25.06.2022 – Page: www.facebook.com/astrayaband

 

Immer schön, dass es das Sprichwort „Besser spät als nie“ gibt, das lässt einen dann ein bisschen positiver dastehen, wenn die angekündigte Rezension über fünf Monate nach Releasedatum kommt. Immer schön auch, dass es Leute mit einem Händchen für gute stimmungsvolle Musik gibt, dann hat man beim letztendlichen Rezensieren auch noch eine gute Zeit. ASTRAYA sind so Leute. Das Quintett fällt mit seinen weniger als tausend Facebook-Likes noch souverän in die Geheimtipp-Rubrik, kommt aus Stuttgart und hat nun nach einer EP mit „Myth Of Dike“ sein erstes Album veröffentlicht. Über stolze 53 Minuten wird auf diesem mehr oder weniger ein Klangbild zum Reinlegen gezaubert. Post Rock steht auf dem Programm. Die Art, die gerne auch mal länger verträumt-hypnotisch durch einen hindurchfließt und statt musikalischer Jumpscares eher auf subtile, aber auf Dauer massive Steigerungen der Intensität setzt. Das machen ASTRAYA spielerisch sehr gut. „Myth Of Dike“ ist keines der Alben, bei dem jeder Ton/Drumhit nachher exakt auf die richtige Position gesetzt wurde, trotzdem sitzt der Spass und fühlt sich sehr natürlich an. Sängerin Melina Abele macht dabei mit ihrer klaren beruhigenden und stark eingesetzten Stimme einen absoluten Überjob und ist nochmal für 50% Bonusatmosphäre verantwortlich.
Musikalisch will ich das Ding gar nicht so zerpflücken, sondern als meditatives Gesamtwerk für sich stehen lassen. Kompositorisch starke Leistung ohne Frage, angereichert um ein paar kleine Zwischenspiele, die den Flow der Platte noch verdichten. Und man muss ASTRAYA zugute halten, dass sie sich wirklich Zeit nehmen, auch mal ein paar Minuten für hypnotische Redundanz investieren, die bei ihrem Stil sehr vorteilhaft ist.
Geht es dann mal wirklich zur Sache, mit aggressiveren verzerrten Gitarren und Doublebass, kommt es manchmal ein wenig ins Schwimmen, hier wäre etwas mehr Definiertheit schön gewesen, die man ggf. schon hätte erreichen können, wenn man Basedrum und Gitarren ein wenig anders gemixt hätte.
Aber das ist jetzt auch nichts, was einen wirklich aus dem Album herauszureißen vermag.

Fazit:
Auch wenn die Realität im aktuellen Musikbusiness anders aussehen mag: Bei so einem ersten Albumlebenszeichen sollte man als Band eigentlich eine goldene Zukunft vor sich haben. Im mindesten sollte man aber eine ernsthaft interessierte Stammhörerschaft entwickeln können, denn „Myth Of Dike“ ist ein Album, das in seiner hypnotischen, meditativ-mächtigen Art einfach im wahrsten Sinne des Wortes wirkt.

Anspieltipps:
„Myth Of Dike“, „Corpse Obscure“, „ A Finite Sequence Of Fainting Transcience“ und „Lost“

Jannis