MONARCHIST – Cosmos

Trackliste:

01. Feeding Time
02. Niche
03. Crystallized
04. A Closer Moon
05. Swarm Intelligence
06. Days Of The Sun
07. Shedding Skin
08. Mass Appeal
09. Amber Room
10. Cosmos

 

Spielzeit: 49:18 min – Genre: Heavy Rock – Label: Eigenveröffentlichung – VÖ: 01.07.2022 – Page: www.facebook.com/Monarchistband

 

Ach, Debutalben… Irgendwann muss da jede Band mal durch und kann nur inständig hoffen, dass man den Startschuss der Karriere nicht irgendwann gerne an einem dunklen Ort vergraben möchte, um seine unbeholfenen ersten Schritte in der Öffentlichkeit möglichst vor seinem zukünftigen Publikum zu verstecken. Ein Problem, das MONARCHIST erfreulicherweise nicht haben, denn, damn, ihr Erstwerk „Cosmos“ kann sich aber sowas von sehen lassen. Zehn Songs beinhaltet die Platte des jungen Düsseldorfer Quartetts, sauber produziert und eingespielt – nicht mit dem High-End-Drucklevel, dass ein Oberklasse-Studio hätte hineinpacken können, aber nicht dramatisch weit davon entfernt.
Sänger René hat eine Stimme, die man intuitiv im Doom Metal erwarten würde, die er jedoch dem Stil von MONARCHIST angemessen einzusetzen weiß. Getragen, würdevoll und etwas tiefer als erwartet (Bariton, wie ein Mensch mit Hornbrille sagen würde) ist er für einen individuellen Sound eine hervorragende Wahl, die „Cosmos“ von vielen anderen Rock- und Metal-Veröffentlichungen abhebt.
Doch was ist der Sound, der Stil von MONARCHIST eigentlich? Die Band bezeichnet es als Heavy Rock, dem kann man sich in Ermangelung besserer Ideen anschließen. Metallische Elemente sind zweifelsohne vorhanden (Doom-Metal-Anleihen im Opener, Power Metal im Solo von „Crystallized“, einiges an Heavy Metal im Grundsound), ebenso aber auch Alternative Rock und Hard Rock. Dass „Cosmos“ sich so wenig in Schubladen stecken lässt, liegt wohl vor allem an der Kombination von außergewöhnlichem Gesang, teils wirklich gemeinen Riffs (Wer beim Riffeinsatz von „Shedding Skin“ nicht zumindest ein bisschen das Gesicht verzieht, ist zu cool für diese Welt) und Melodien, die gerade in den Refrains tatsächlich eingängig – im Sinne von: mit gutem Ohrwurmpotenzial – daherkommen, was inzwischen gar nicht unbedingt mehr die Regel ist. Beim Schreiben dieser Melodien hat man sich offenbar kaum Gedanken gemacht, ob sie nun genrekonform sind oder nicht, ist nicht mit einem speziellen Genre im Kopf an die Sache herangegangen, sondern hat das gemacht, worauf man eben Bock hatte – und damit bereits jetzt einen eigenen Stil mit Wiedererkennungswert geschaffen, der starkes Entertainmentpotenzial hat. Ein witzig asozial stumpf endendes Riff direkt im Opener? Ein Zitat von Bachs Menuett in G-Dur? Ein bisschen melancholisch-skandinavisches Feeling zwischendurch? Klar, wenn’s passt, immer rein damit!
Gut, einen hörbaren Einfluss sollte man schon nennen, nämlich GHOST, die Sänger René seinen zahlreichen YouTube-Covervideos der Band zufolge sehr gerne hat, und die ein wenig Impact auf so einige der Songs, hinsichtlich von Harmonien, Melodielines und Kompositionsstrukturen, hatten. Ebenso hinsichtlich der Instrumentierung bei seltenem Orgel- oder Chor-Einsatz. Was geil ist, hört man halt sonst echt nicht häufig und bleibt Inspiration, ohne abkupfernd zu wirken.
Kritik? Joah. Der Titeltrack ist als Klavier-Instrumental gehalten und fällt ein wenig aus dem Gesamtwerk heraus. Hier hätte man beispielsweise einige Motive aus dem vorangegangenen Album noch einmal unterbringen können. Dazu kommt der Chorus von „Amber Room“ etwas zu simpel für den Rest des Songs und „Mass Appeal“ ist eigentlich ein Maximal-Drei-Minuten-Song, der aber vier Minuten einnimmt. Und ab und an wollen die Texte subjektiv nicht so ganz zur Stimmung der Musik passen („Imma gonna keep it real“ will ich nicht als Refrainzeile in einem solchen Album). Aber…

Fazit:
Aber als Ganzes genommen ist „Cosmos“ nicht geil dafür, dass es ein Debutalbum ist; es ist einfach ein geiles Album mit teils erfrischender Unbedarftheit, teils absoluter Seriosität, durchgehender Professionalität und praktisch ohne Leerlauf. Kann ich jedem ans Herz legen, der kompositorisch mal Bock auf Musik abseits der gewohnten Genre-Songwriting-Floskeln hat, der es nicht aus Prinzip immer ultra-heavy braucht und der genießt, wenn ein Album kein Flickenteppich aus bereits Dagewesenem ist, sondern einfach der Kreativität einer musikalisch zweifelsohne gebildeten Truppe entspringt.

Anspieltipps:
„Shedding Skin“, Days Of The Sun“, „Feeding Time“ und „A Closer Moon“

Jannis

TALENTSCHMIEDE: Banquo

Band:
Banquo

Gegründet:
2018

Herkunft:
Köln/Düsseldorf

Mitglieder:
ja

Stil:
Alternative Indie Progressive Rock

Veröffentlichungen:
EP „Humaniac“ 2018, EP „Bad Times Good Friends” 2022

Einflüsse:
Thrice, Oceansize, Editors, Sleep Tolken, Enter Shikari, Sting

Was wir die nächsten fünf Jahre erreichen möchten:
Es steht auf jeden Fall ein Full-Length-Album an und viele schöne Gigs auf kleinen bis großen Bühnen.

Was als nächstes kommt:
Die Energie unserer neuen Songs muss jetzt endlich auf die Bühne. Wir haben aber auch schon neue Songs, die gerade in der Mache sind, und ab Sommer wird aufgenommen!

Unsere beste Erfahrung bis jetzt:
Live war’s, als das Publikum auf dem letzten Quasilectric Festival uns tierisch abgefeiert hat, obwohl keiner uns kannte. Generell ist bei Gigs in kleinen Kellern an die Grenze gehen immer großartig. Bei der letzten CD-Produktion war der Moment aber auch magisch, als alle Teile fertig zusammenkamen und alle schweigend mit breitem Grinsen da standen.

Unser peinlichster Moment:
Als wir als Support angefragt wurden und dann doch nur vor Möbeln spielten.

Mit wem wir gerne ein Bierchen trinken würden und warum:
Bierchen weniger, mit Sting würden wir gerne einer seiner komischen Weine in Italien trinken. Alternativ am Strand Eimersaufen mit Till Lindemann. Äh, Grund? Weil wir es dann geschafft hätten.

Wenn wir uns eine Band aussuchen könnten, mit der wir auf Tour gehen dürfen:
Thrice, Twenty One Pilots, Fall Out Boy, Sting

Das Beste daran, in einer Band zu spielen:
Mindestens einmal die Woche das Haus zu verlassen, um mit Kumpels Musik zu machen. Ob Proberaum oder Live, beides muss sein.

Das Schlimmste daran, in einer Band zu spielen:
Mindestens einmal die Woche das Haus zu verlassen um mit Kumpels Musik zu machen. – Nee, natürlich nicht. Aber manchmal nimmt der administrative und Promo-Aufwand ums Musikmachen herum etwas überhand und wir würden dann doch lieber Musik machen 

Online:
Website: www.banquo.band
Instagram: www.instagram.com/banquoband
Facebook: www.facebook.com/BanquoBand

Musik:
Neue EP auf allen Streaming-Plattformen: www.orcd.co/bad-times-good-friends
Spotify: www.open.spotify.com/artist/0kZ2E8wRWiZFGe38GAtFoi?si=LtMp5F5OR3SKnrA-Evrzug
Youtube: www.youtube.com/channel/UCATEtbhi-6PL9dyzRV6uUUQ/featured
Soundcloud: www.soundcloud.com/banquoband

 

VALLEY OF THE SUN – The Chariot

Trackliste:

01. Sweet Sands
02. Images
03. Devil I’ve Become
04. The Chariot
05. Headlights
06. As We Decay
07. Running Out Of Love
08. Sunblind
09. The Flood
10. Colosseum


Spielzeit:
46:39 min – Genre: Stoner Rock – Label: Fuzzorama Records – VÖ: 17.06.2022 – Page: www.facebook.com/valleyofthesun

 

Freitag Nachmittag: Ich sitze in meiner Dachgeschosswohnung und kann dank des Sommergewitters nicht einmal das Fenster aufmachen, ohne das Wohnzimmer geflutet zu bekommen. Gefühlt 38°C, ich komme mir vor wie Tunfisch (im eigenen Saft) und an einer Stelle tropft es durch das geschlossene Fenster leicht auf mein Sofa. Zeit für was Extra-Trockenes, warum also nicht die neue VALLEY OF THE SUN? Die Truppe aus Ohio macht die Art von Musik, die klingt, als habe man die Gitarren authentisch in der Mitte einer Wüste aufgenommen und den Sand im Verstärker als klangliche Eigenart verwendet. Desert Rock, Southern Rock (ein bisschen), Stoner, Hard und Psychedelic Rock werden auf dem vierten Album „The Chariot“ vermengt zu einem Ganzen, das im mindesten angenehm cool und nicht selten wunderbar mitreißend ist.
Der Sound passt bestens zum Stil von VOTS, trocken, staubig aber klar und authentisch handgemacht. Vielleicht minimal zu viel Lautstärke in den Gitarren, aber auch nur vielleicht. Die Vocals passen nicht minder zu besagtem Stil und kleine Extras wie eine E-Orgel und zusätzliche Percussion-Elemente wurden konstruktiv eingesetzt.
Musikalisch ist man oft sehr rifforientiert unterwegs, hat dafür aber auch entsprechend biestige Riffs auf Lager, die man auch schonmal zwei Minuten lang am Stück ausreizt (siehe „Devil I’ve Become“), erfreulicherweise nicht mit langweilendem sondern mit hypnotischem Effekt. Insbesondere von Track drei bis Track sechs geht „The Chariot“ dabei stimmungstechnisch aufs Ganze, bemüht verstärkt ruhigere, zum Teil psychedelischere Parts und vermag mit diesen Songs wirklich zu vereinnahmen, nachdem die ersten beiden Tracks gut, aber mit leicht Luft nach oben ausfielen. Doch auch Songs, die nicht in dem Maße zünden, machen zweifelsohne Spaß, wenn man Freund dieser oftmals monoton anmutenden Musikrichtung ist und ebenjene Stilistik mag. Der Groove-Faktor ist durchgängig hoch, die Melodien nach allen Regeln der Stoner-Rock-Kunst geschrieben und intoniert – und auch wenn „The Chariot“ nicht der ultimative Genrevertreter ist, hilft es doch absolut effektiv über die Zeit bis zum nächsten Freak Valley Festival oder Desertfest hinweg!

Fazit:
Lässig, trocken, cool und immer mal wieder seine hypnotischen Phasen zelebrierend, schön gespielt und im Sinne des Genres komponiert – „The Chariot“ ist, romantisiert ausgedrückt, ein sauberes Sommeralbum für alle, die ihren Sommer weniger am Pool und in Cabrios und eher mit Rauschebart am Truckstop verbringen.

Anspieltipps:
„Devil I’ve Become“, „The Chariot“, „Headlights“ und „As We Decay“

Jannis

GALAXY – Runaway Men

Trackliste:

01. Answers
02. Look Into My Eyes
03. Never The Same
04. In Her Head
05. Lady On Fire
06. Talk To Me
07. Gallery Play
08. Runaway Man

 

 

Spielzeit: 48:17 min – Genre: Progressive Rock – Label: Shaded Moon Entertainment/Bertus – VÖ: 27.05.2022 – Page: www.facebook.com/RunawayMen

 

Ach was war das damals für eine Entdeckung, als der Chef bei einem kleinen Label, bei dem ich ein Praktikum machte, auf der Suche nach dem nächsten Album, das man während der Arbeit hören könnte, zu IQs „Dark Matter“ griff und mich damit behutsam in die Welt des Neo Prog Rock einführte. Gut gemacht wohnt dieser Musik nicht selten etwas extrem Ausdrucksstarkes, positiv-Friedliches inne, und das Potenzial der Schönheit von Musik wird in einer Weise umgesetzt, die für mich wohl ähnlich zündet, wie ein Eichendorff-Gedicht für Leute in der Romantik. Das ist jedoch alles andere als einfach, denn viele Faktoren müssen dafür stimmen: die Produktion (nicht zu hart aber voll und klar), die Vocals (wandelbar, ebenfalls klar, mit Ausdruck), der Skill der Instrumentalfraktion (besser als für das Album akut benötigt) und vor allem das richtige Gefühl für die Musik, die entstehen soll; Ahnung, wie man das Gefühl musikalisch umsetzt, ein Händchen für vereinnahmende Arrangements und eine tiefgehende Beziehung zwischen Komposition und Lyrics.
Und damit hätte man GALAXYs „Runaway Men“ soweit beschrieben. Wie macht man sowas aber heutzutage als Debutalbum, in einer Zeit, in der Neo Prog hauptsächlich von den alten Größen des Genres am Leben erhalten wird und die Nachwuchsszene kaum existent ist? Nun, indem man das Album einfach bereits 1997 aufnimmt, nie fertig produziert, dann irgendwie mit anderen Sachen beschäftigt ist (zum Beispiel als Frontmann von KAYAK), und irgendwann hört mal wer in die Rohfassungen rein, findet, das Ding müsse veröffentlicht werden, und dann beginnt die große Suche, wo man die Songs überhaupt hat.
Die Suche hat sich gelohnt, denn hier ist es nun, „Runaway Men“ von GALAXY, das seit 25 Jahren im Keller wartende Album, das in Sachen Komposition und Spirit nicht authentischer nach herrlich positivem, Klavier-, Synth- und Orgel-angereichertem 90er-Prog klingen könnte. Die richtige Menge an unkonventionelleren Taktarten, erwartungsgemäß starke Vocals, kaum Kritikpunkte an der Produktion und vielseitig. Mal gibt es mit „Never the Same“ verstärkte AOR-Vibes, dann mit „In Her Head“ balladige Gänsehaut mit geringem Kitschfaktor, mit „Lady On Fire“ Seriosität mit nahezu QUEENSRYCHE-Feeling und mit „Gallery Play“ ein funkig-freshes Instrumental. Plus andere Songs mit eigener Identität, die als Albumeinheit bestens miteinander funktionieren.

Fazit:
Wir haben den Stil der Truppe geklärt und die Qualität des Albums. Wer von sich denkt, mit dem Stil Spaß zu haben, der betrachte diese Rezension als klare Hör-Empfehlung für ein absolut authentisches Wohlfühl-Hörerlebnis, das ein Vierteljahrhundert in perfekter Frische konserviert worden ist. Gut für die Seele, und das kann ja im Jahr 2022 nun wirklich nicht schaden!

Anspieltipps:
Einfach bei Track 1 beginnen und, falls Ermüdung eintreten sollte, ab Track 5 weiterhören!

Jannis

NEWS: damn!escape mit neuer Video-Single „Runaways“

Wie die für den Bandnamen verantwortliche Maus in DAMN!ESCAPEs Studio lässt auch das Quartett aus Lüneburg aktuell wenig Ruhe. Nach ihrer letzten Video-Single „Winner“ gibt es nun erneut frisches Futter für Augen und Ohren, das die Vorfreude auf ihren ersten Longplayer „Devil’s Friend“ nach oben treibt. Am 24. Juni erschien „Runaways“, inklusive sympathisch-persönlichem Studio-Videoclip dazu. „Runaways“ stellt die nachdenklichere Seite von DAMN!ESCAPE in den Vordergrund, beginnt vergleichsweise zurückhaltend, mausert sich aber im Chorus zu einer absoluten Hymne mit schöner Melodieführung, Gänsehaut-Backing-Chören und Stadion-Feeling, die eigentlich ein bisschen zu krass für eine Band dieser Größe ist. Bis zum Albumrelease am 14.10. ist es noch ein wenig Zeit, aber „Runaways“ verträgt zweifelsohne auch ein paar mehr Hördurchgänge!

Website: www.damn-escape.de

NEWS: Monarchist mit erster Videosingle „Crystallized“

In der heutigen Flut an Informationen und Desinformationen ist es nicht immer leicht, den Überblick zu behalten. Wissen auch MONARCHIST aus Düsseldorf, die dem Thema ihre erste Video-Single „Crystallized“ widmen, als finaler Vorbote ihres Debutalbums „Cosmos“, das am 01. Juli das Licht der Welt erblicken wird. Das Video: Humorvoll low budget, was kompensiert wird durch eine sichtbare Menge Spaß bei der Planung und beim Dreh (und optisch professionell ist das Ding allemal). Musikalisch bewegt sich das junge Quartett mit „Crystallized“ in weniger konventionellen aber höchst unterhaltsamen Gefilden. Eingängig aber nicht primitiv, zu metallisch für Rock, zu unbeschwert für Metal, aber zwischen diesen Stühlen hörbar zuhause auf ihrem eigenen Thron. Abgerundet wird die Sache durch die angenehmen, mittig angesiedelten Vocals von Sänger René, die dem Stil des Quartetts auch klangliche Individualität verleihen, und durch dezenten E-Orgel-Einsatz. Gute Vorzeichen für „Cosmos“ und eine saubere erste Video-Meldung!

CIVIL WAR – Invaders

Trackliste:

01. Oblivion
02. Dead Man’s Glory
03. Invaders
04. Heart Of Darkness
05. Andersonville
06. Carry On
07. Soldiers And Kings
08. Warrior Soul
09. Slaughterhouse 5
10. Battle Of Life
11. Custers Last Stand

Spielzeit: 51:36 min – Genre: Power Metal – Label: Napalm Records – VÖ: 17.06.2022 – Page: www.facebook.com/Civilwarsweden

 

POWERWOLF, SABATON, BATTLE BEAST – seit Anfang des Jahrtausends hat sich eine Form von Power Metal entwickelt, die heute als Headliner von großen Festivals nicht mehr wegzudenken ist: eingängig wie sonst was, gerne mal mit partytauglichem BummZapp-Rhythmus unterwegs, angereichert mit Synthesizern, die man auch in aktueller Club Music finden würde und mächtig druckvoll produziert. Wem eine der Bands gefällt, dem gefallen vermutlich auch andere und aller Wahrscheinlichkeit nach auch CIVIL WAR, der kleine Ableger von SABATON mit Ex-Mitgliedern der schwedischen Formation. Die haben soeben ihr viertes Album „Invaders“ auf den Markt geschossen, es geht um unterschiedliche Kriegssituationen (wer hätte es gedacht) und alle oben angeführten Voraussetzungen für ein Album dieser Gattung werden erfüllt. Kelly Sundown Carpenter hat dafür amtliche kraftvoll-roh-melodische Vocals auf Lager, die Synthesizer sind durchaus cheesy-präsent aber schon recht angenehm auf der Höhe der Zeit und durch weitere Sounddesign-Elemente ergänzt. Dazu Chöre, orchestrale Sounds, all das in ordentlich knallend.
Auf die einzelnen Songtexte ist man teils in der Klanglichkeit der Musik eingegangen, gestaltet beispielsweise „Dead Man’s Glory“ ein wenig Irish-Folk-artig (ohne wirklich in die Nähe von Folk Metal zu geraten). Die Power-Ballade ist mit „Andersonville“ vertreten, der Partysong mit „Carry On“, der Midtempobanger mit „Slaughterhouse 5“ und „düsteres“ Uptempo mit dem Titeltrack. Was will man mehr?
Im Grunde genommen wenig. Die Bedürfnisse, die „Invaders“ erfüllen will, erfüllt es souverän und kompositorisch ist man doch oft über Standard-Niveau, was nicht unbedingt gegeben sein muss, da sich doch so einige Vertreter des Genres ganz wohl damit fühlen, mangelnde Songwriting-Kreativität durch fette Aufmachung zu kompensieren.
Aber das geht bei CIVIL WAR auf jeden Fall klar, gerade wenn man die kleinen Details bedenkt, beispielsweise den Percussion-Einsatz in „Heart Of Darkness“, der klanglich einiges an Mehrwert bietet. Und wenn man sich damit abfinden kann, dass spaßige Synth-Sequencer, die im Hintergrund Party machen, offenbar perfekt geeignet für die Untermalung von Kriegserzählungen sind.

Fazit:
Kompositorisch jetzt nicht das Tiefgründigste vom Ei, aber als teils musikalisch ein wenig belangloses, teils aber auch sehr anständiges Album mit krasser Produktion, heroischen Melodien, Keyboard-Spaß und Eingängigkeit kann sich „Invaders“ absolut sehen lassen, ohne sich hinter den großen Vertretern des spezifischen Subgenres verstecken zu müssen.

Anspieltipps:
„Invaders“, „Heart Of Darkness“, „Carry On“ und „Slaughterhouse 5“

Jannis

News: MULBERRY SKY veröffentlichen neue Single, neues Video und Album-Releasedate

MULBERRY SKY haben wir vor einiger Zeit bereits in der Talentschmiede vorgestellt. Seitdem war das Quartett ordentlich aktiv: Anfang Mai erschien die zweite Single „Second Face“ inklusive sympathischem Musikvideo, dessen offensichtlich praktisch nicht vorhandenes Budget mit einer Menge Spaß an der ganzen Sache kompensiert wurde und dessen <600 Aufrufe innerhalb eines Monats auf YouTube gerne ein, zwei Nullen dahinter vertragen könnten. „Second Face“ baut in der äußerst simpel gehaltenen Strophe schön viel Anspannung auf, die im Anschluss im druckvollen Chorus absolut angemessen releast wird. Die Produktion sitzt, ist kraftvoll, klar und handgemacht gehalten und Catherine van Bruce liefert genau die hochwertige Gesangsperformance ab, die der Track verdient hat.

Nächster Halt ist die aktuelle Singleveröffentlichung „Asking For A Friend“ (Release: 17.06.2022, 12:00 Uhr). Spaßiger, leicht Blues- und Punk-angereicherter Hard Rock mit ordentlich Attitüde, der nach ruhigerem Intro den nächsten Gang einlegt und augenzwinkernd kritisch mit heutigem Internetkonsum ins Gericht geht.

Und schließlich steht der 29.07.2022 als Releasetermin für das Album „Who’s There“ fest, sowie mit dem 30.07.2022 auch der für  Album-Release-Show in Rosenheim, unter anderem mit DAMN!ESCAPE, deren starke zweite EP wir bereits besprechen durften.

„Second Face“ (Release: 06.05.2022)

 

„Asking For A Friend“ (Release: 17.06.2022)

 

DONNA CANNONE – Donna Cannone

Trackliste:

01. Cross The Line
02. Look Around You
03. Nothing To Do
04. Whatever Comes Your Way
05. Is It True
06. Pushed
07. Lost City’s Long Lost Friend
08. Message To Tomorrow
09. The North
10. Why Am I Here

 

Spielzeit: 35:02 min – Genre: Hard Rock – Label: Despotz Records – VÖ: 27.05.2022 – Page: www.facebook.com/donnacannoneofficial

 

Andere Bands haben als Maskottchen gruselige Monster, fantastische Warriors oder andere düster-coole Gestalten. DONNA CANNONE haben so eine Kollegin, die sich aus einer Kanone durch die Luft schießen lässt. Kein Witz, aber auch kein Wunder, wenn man bedenkt, dass ein durchaus einflussreiches Bandmitglied des schwedischen Quartetts Bjorn Strid ist, dessen Band NIGHT FLIGHT ORCHESTRA als Maskottchen halt eine Stewardess hat. Irgendwas hat der gute Mann mit Frauen, die durch die Luft fliegen.
Doch nicht nur der Bjorn ist dabei, auch Giorgia Carteri und Tilda Nilke Nordlund von THUNDERMOTHER, und das verspricht eine spaßige Kombination; ein Versprechen, das souverän eingehalten wird. Gut, mit seinen 35 Minuten ist das nach der Band benannte Debutalbum kürzer als so manche liebevoll bestückte EP, redet dafür aber auch nicht lange um den heißen Brei rum. Zehn Songs, zehnmal gut produzierter sauber-dreckiger (ist komisch, ich weiß, aber vielleicht wird’s beim Reinhören nachvollziehbar) kraftvoller Rock mit ordentlich Spaß hinter der Binde, keiner davon über fünf Minuten und ein guter Teil unter vier. Aber Herrgott, Kurzweiligkeit ist halt auch ein künstlerisches Kriterium.
Musikalisch setzt man hin und wieder auf konstruktiven Einsatz von Tasteninstrumenten (z.B. das schöne Synth im Opener oder das Klavier in „Whatever Comes Your Way“), bedient sich mal an klassischerem Hard Rock („Pushed“), gönnt sich zwischendurch die großen Stadionmelodien mit etwas Kitsch und Akustikgitarre (neben natürlich E-Gitarre) bei „Is It True“, packt eine große Dose High-School-Rock aus („Nothing To Do“), wird ab und an aber auch mal ernster und etwas nachdenklich-melancholischer, wenngleich nicht besonders häufig. Spaßig zudem die gelegentlichen Female Backing Vocals, nicht selten in Form von Gruppenshouts, die wirken, als stammten sie von einem Chor junger Frauen aus Anfang-2000er-High-School-Filmen, die allesamt blond sind, gut Make-Up tragen, Kaugummi kauen und mit einer Haarsträhne spielen (man könnte den Style dieser Vocals als „frech“ bezeichnen, es ist schwer zu beschreiben), die dem Album eine gelungene unkonventionelle stilistische Konstante geben.
Melodietechnisch nicht besonders komplex, aber erfrischend und sehr passend zum Sound der Truppe – „Donna Cannone“ ist eine kurze schmerzfreie unterhaltsame Platte, die sich praktisch keine Fehler leistet und deren kleiner Punkteabzug nur darauf zurückzuführen ist, dass der letztendliche Push von „unterhaltsam geil“ zu „beeindruckend unterhaltsam geil“ ausgeblieben ist.

Fazit:
Die Platte ist ein leichtgängiges Sommeralbum ohne großes Drama, mit schönen Melodieideen und absolut professioneller Umsetzung, das zwei interessante Bands zusammenführt und damit doch ein bisschen außergewöhnlicher ist, als das normale Sommeralbum dieser Art. Hervorragender Kandidat für den Zeitpunkt, an dem man nicht weiß, was man hören soll; „Donna Cannone“ ist kein Meisterwerk, aber eines dieser Alben, die eigentlich immer gehen. Und das ist auch wichtig!

Anspieltipps:
„Look Around You“, „Is It True“, „The North“ und „Why Am I Here“

Jannis

EVERGREY – A Heartless Portrait (The Orphean Testament)

Trackliste:

1. Save Us
2. Midwinter Calls
3. Ominous
4. Call Out the Dark
5. The Orphean Testament
6. Reawakening
7. The Great Unwashed
8. Heartless
9. Blindfolded
10. Wildfires

 

Spielzeit: 50:15 min – Genre: Melodic Progressive Metal – Label: Napalm Records – VÖ: 20.05.2022 – Page: www.facebook.com/Evergrey

 

Hm. Nehme ich die Rezension von der letzten EVERGREY-Platte einfach nochmal, da sie einfach optimal auch auf „A Heartless Portrait (The Orphean Testament)“ passen würde? Die Versuchung ist groß, aber dafür werde ich schließlich nicht bezahlt, also werfen wir mal ein Ohr in das 13. Album der Schweden um den mächtigen Tom S. Englund. Und das ist, wie gewohnt, Anlass zu Melancholie (im positiven Sinne), denn die Truppe hat erneut ein Werk geschaffen, das Härte, durchaus böses Riffing und skandinavische düstere Schönheit – Ihr wisst, die mit den hallenden weichen Klaviersounds – kombiniert, um progressive Elemente und gut gewählte Synthesizer ergänzt und ein paar eher Alternative-Rockige Melodiewendungen mit Hang zur Poppigkeit hinzugefügt und im Sinne des Genres rekontextualisiert. Das Ganze wird dann verpackt in 50 Minuten brillianter Produktion und fertig ist die Kiste. Jaaah, ein paar Kritikpunkte gibt es, die aber mehr oder minder subjektiv gehalten sind: Allen voran die Ballade „Wildfires“ auf Clean-Gitarren-Basis, bei der man nicht genau sagen kann, ob sie besser oder schlechter gewesen wäre, wenn man zumindest den letzten Chorus in voller Bandaufstellungs-Fettheit gebracht hätte. Hat man nicht. Ist dann so.
Die poppigen Ausflüge in Kopfstimme, die Englund ab und an unternimmt, bleiben ebenso Geschmackssache und „Heartless“ ist durchaus ein Kandidat für den nächsten schwedischen Beitrag für den ESC (was nicht schlecht aber auch nicht uneingeschränkt gut ist), aber zu diesem Zeitpunkt könnte man auch einfach in dem Komplimente-Part übergehen und nochmal klar verkünden, dass „AHP(TOT)“ ein astreiner Beitrag zum Melodic Metal ist, der in den meisten Songs praktisch fehlerfrei ausfällt. „Save Us“ stellt ohne lästiges Intro direkt mal klar, wohin die Reise geht und dass man sich sowohl auf große, im spezifisch EVRGREYschen Stil melancholische Melodien als auch auf eine gesunde Portion Härte freuen darf. Bei „Midwinter Calls hat man kurzerhand bei Konzerten aufgenommene Fangesänge integriert, was sehr gut und kraftvoll kommt, sowie ein paar elektronische Elemente. Takttechnisch progressiv wird’s das erste Mal bei „Ominous“ und „Call Out Of The Dark“ liefert dann endlich die lang ersehnten Club-Synths und ist trotz leicht redundantem Refrain ein ordentlicher Brecher. „Blindfolded“, der Song nach „Heartless“, ist genau das Richtige für alle, denen der Vortrack ein bisschen zu Radio war – sowohl Gitarren als auch Gesangsmelodie kommen hier vergleichsweise unmelancholisch und biestig und schaffen einen angenehmen Kontrast zum Rest der Platte.

Fazit:
So gut wie der Vorgänger? Nicht ganz, aber eben auch nur minimal darunter. Und damit bleibt „AHP(TOT)“ ein absolut starkes Album für Fans der Band, von sauberst intoniertem und technisch gut durchdachtem Metal mit Melodien, Härte und Seele.

Anspieltipps:
„Save Us“, „Call Out Of The Dark“, „Reawakening“ und „Blindfolded“

Jannis