MAJESTICA – Above The Sky

Band: Majestica
Album: Above The Sky
Spielzeit: 55:38 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast Records
Veröffentlichung: 07.06.2019
Homepage: ww.facebook.com/Majesticametal

Klimawandel ist momentan ein heiß (-.-) diskutiertes Thema. Um mal ein gutes Wort für ihn einzulegen: Ich kann mir keinen anderen Grund als steigende Temperaturen und viel Sonne dafür vorstellen, dass aktuell so viele (gerade auch kleinere) Power-Metal-Bands mit dermaßen guter Laune fröhliche Alben auf starkem Niveau veröffentlichen. Eine von ihnen ist MAJESTICA, die unter dem nicht allzu geilen Namen REINXEED schon seit 2004 am Start waren und in dieser Zeit sechs Alben veröffentlicht haben. Nun das erste unter neuem (und noch viel grausamerem, todesgenerischerem) Namen, “Above The Sky”. Das Wenige, was ich von der Truppe bislang kannte, klang stets nach spaßigem klassischen Power Metal mit 50% Standard- und 50% Weniger-Standard-Melodien, auf “Above The Sky” wird das weitestgehend so fortgeführt. In ziemlich gut allerdings, muss man sagen, denn tatsächlich ist der einzige Kritikpunkt, dass man sich etwas zu oft nicht über die klassischen Harmonien und Melodie-Lines herauswagt.
Ansonsten aber: Die Produktion kann man nicht bemängeln, Sänger Tommy Johannson hat eine sehr geeignete, leicht nach Kiske klingende Stimme, der Rest der Band schmettert gekonnt voran. Keyboards sind auf jeden Fall präsent, meist als Orchestral-Synths, ab und an, wie beim leicht AOR-igen Hard-Rock-Track “Night Call Girl”, auch mal mehr Disco. Das Tempo ist vergleichsweise hoch, auch wenn man sich durchaus einige Midtempo-Passagen gönnt, unter anderem beim blöd betitelten und mit über acht Minuten doch zu wenig Inhalt bietenden “Mötley True”.
Über einige Songs der Platte lässt sich soweit nichts allzu Individuelles sagen. Tracks wie “Rising Tide” oder “The Legend” sind Spaß machende Power-Metal-Tracks, die partiell nicht besonders herausragende Melodien durch Top-Arrangements kompensieren, Doppelbass-Geballer mit Cembali kombinieren und ein paar herausstechende Wendungen beinhalten. Fern jeder Konkurrenz spielt hingegen “Father Time”. Was anfangs als Kitschballade deprimiert, entwickelt sich zu einem großartig humorvollen musicalesken Uptempo-Track der Marke “Money” oder “Hold Your Ground” von GAMMA RAY und ist vielleicht der Top-Track des Albums. “Above The Sky” ist ein gelungener Opener, dessen Chorus mich hart an einen anderen Song erinnert (Wer ’ne Idee hat, ich bitte um Kommentierung) und der verdeutlicht, dass man im Power Metal inzwischen schon explizit erwähnen muss, wenn Eagles mal nicht free flyen, “Alliance Forever” ein gelungener Endtrack, der, wie von einem solchen Song verlangt, ziemlich hymnisch und fett ausfällt (und ausgefadet wird, verdammt nochmal).
Ansonsten noch ein großes Kompliment für die Mittelteile der Songs. Praktisch jeder Track, auch die durchschnittlicheren, wird durch hervorragende und kurzweilige Soloparts nochmal ordentlich aufgewertet. Kein Album, bei dem man den Song nach dem ersten Chorus schon kennt.

Anspieltipps:
“The Rat Pack”, “Father Time”, “Night Call Girl” und “Above The Sky”

Fazit:
Unbedarft gut gelaunter Power Metal im edlen Gewand, sympathisch, top arrangiert. Wären die Songs auf “Above The Sky” Sitzgelegenheiten, wären halt auch ein paar einfache obgleich sehr bequeme und kompetent designte Ikea-Stühle dabei, allerdings auch einige knallbunte Sitzbälle, die lustig quietschen und blinken, wenn man sich daraufsetzt. Und selbst wo das Melodiematerial mal nicht überirdisch ist, machen die Tracks in ihrer klassisch-fröhlichen Art noch eine Menge Spaß. Reinhören!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Above The Sky
02. Rising Tide
03. The Rat Pack
04. Mötley True
05. The Way To Redemption
06. Night Call Girl
07. Future Land
08. The Legend
09. Father Time
10. Alliance Forever

Jannis

SKELATOR – Cyber Metal (Kurzrezension)

Band: Skelator
Album: Cyber Metal
Spielzeit: 40:07 min
Stilrichtung:
Plattenfirma: Soulfood
Veröffentlichung: 14.06.2019
Homepage: www.facebook.com/TrueSkelator

SKELATOR, mal wieder ne West-Coast-Truppe in der Garage! Die Jungs um Frontmann Jason Conde-Houston haben seit 2008 fünf Alben veröffentlicht, sind seit 20 Jahren aktiv und haben sich auf ihrem sechsten Release frei nach dem Motto “No songs about swords – unless they are laser swords” von der üblichen Heavy-Metal-Thematik in die Cyber-Ecke verabschiedet. Musikalisch ist man über die acht Songs der Scheibe jedoch nach wie vor klassisch metallisch unterwegs, mit kaum Synths, recht hohem Gesang und den gängigen Bestandteilen des Genres. Die Produktion ist ausgewogen und druckvoll, der rohe Sound der Band kommt nichtsdestotzrotz beachtlich gut durch. Glattpoliert ist das nicht, stattdessen sehr gut heavy. Die Band macht einen amtlichen Job, Jason mit seiner durchaus speziellen Stimme ebenso, auch wenn er beim Opener und Titeltrack ein wenig höher anmutet als der Rest der Band. Schieben wir es auf kleine Fehler beim Aufnahmeprozess oder meine Ohren. Und sonst so? Nu, “Cyber Samurai” ist klassischer, nicht allzusehr aus der Masse hervorstechender Heavy Metal, gut gespielt, mit vielen traditionellen Stil-Bausteinen, einem dezenten Eingängigkeitslevel, dessen Verhältnis zu metallisch-unmelodischeren Parts für dieses Genre meiner subjektiven Einschätzung nach recht gut gelungen ist, und ein paar kleinen Überraschungen, wie dem Hard-Rock-PRIESTigen Endtrack (Geiler Gitarrensound im Solopart!). Nein, das Rad hat man nicht neu erfunden und auch nicht das nächste große Meisterwerk erschaffen. Aber Zeit des Hörens macht die Platte Spaß und ist musikalisch auf jeden Fall weniger primitiv, als man das von anderen kleineren klassischen Heavy-Metal-Bands zu Genüge kennt.
Wer also keinen großen Wert darauf legt, seinen Metal mit Ohrwurmmelodien zugepflastert und mit Synths überschwemmt zu haben, der kriegt mit “Cyber Metal” auf jeden Fall ein stabil intoniertes und nach den Regeln der Kunst geschriebenes Stück Musik mit ordentlichem Härtefaktor und einer kleinen Prise Schubert/Goethe.

WERTUNG:

 

 

Jannis

SWEET OBLIVION FEAT. GEOFF TATE

Album: Sweet Oblivion
Spielzeit: 46.32 min
Stilrichtung: Progressiv Melodic Metal
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 14.06.2019
Homepage: www.facebook.com/SweetOblivionGeoffTate

Sweet Oblivion – Tate is back

Frontiers Records rücken nicht ab von ihrer Philosophie, bekannte Ingredienzien im Reagenzglas schön durchzumischen und gespannt darauf zu hoffen, dass die Chemie stimmt.

Selten war das Ergebnis so überzeugend, wie im aktuellen vorliegenden Fall.

Ein Schuss italienischer Prog Produzent versetzt mit hungrigem, in Top Form befindlichem Ex Metal Hero, schön durchschütteln, fertig ist die hochexplosive Metalmischung SWEET OBLIVION.

Der DGM Gitarrist Simone Mularoni und Geoff Tate, die sich nicht einmal im Studio begegnet sind, sind praktisch das Leitbild von Frontiers Records und ihrer Firmenausrichtung und wenn Firmenboss Serafino Perugino hier keine Tränen in den Augen hat….

Tates Leistungsstand ließ sich schwer einschätzen, lange Zeit nicht präsent, waren einige Fans nicht in der Lage sich seine dreiteilige „Operation Mindcrime“ Solophase, ob der mangelnden Songqualität, an einem Stück anzuhören und auf Stimmqualität zu überprüfen.

Überraschend gut fiel sein Gastauftritt bei Avantasias Moonglow aus, aber viel eindrucksvoller als auf dem vorliegenden Projektdebüt kann man sich nicht zurückmelden. Hochwertige Songs mit grandiosem Gesang veredelt, ein süchtig machender Cocktail der Extraklasse. In jeder von Tate gesungener Note spürt man seine Freude, sich in guten Songs beweisen zu dürfen, ohne dass sie vor Jahrzehnten veröffentlicht wurden.

Ein fettes Gitarrenriff eröffnet „True Colors“, mündet in einen mehr als guten Metallsong und vor allem der Refrain und Tate sind direkt gute Freunde.

Der Titeltrack „Sweet Oblivian“ selber liegt dann voll auf der Queensrycheschiene, exzellente Melodie, stark an „Breaking The Silence“ angelehnt, prägender Gesang, grandiose Gitarrenarbeit. Dieser Song wurde Tate auf den Leib geschrieben.

„Hide away“ schleppt sich wunderbar durch die mit Streichern unterlegte Strophe, brilliert im Soloteil und lässt zum ersten Mal die Hoffnung aufkeimen, dass die ersten vier Songs den durchgehenden Standard des Albums vorgeben.

Die schier unglaubliche Leichtigkeit, mit der der mittlerweile 60-jährige Geoff Tate Songs wie „Transition“ und das ruhigere „Diconnect“ gestaltet und das nach nah zu 30 Jahren, die mittlerweile zum letzten großen Wurf „Empire“ vergangen sind, verdient höchsten Respekt.

Alle zehn Songs des Albums lassen keine Verschnaufpause zu, besitzen einen großartig modern produzierten Sound und bescheren dem Projekt ganz sicher einen vorderen Platz in der Endabrechnung zur Platte des Jahres.

Das SWEET OBLIVION Debütalbum überrascht vor allem deshalb, weil wohl keiner mehr damit gerechnet hat, nochmals ein neues Album in die Hände zu bekommen, auf dem an Queensryche angelehnte Songs mit überzeugendem Tategesang auf dermaßen hohem Niveau dargeboten werden.

An alle Queensryche Fans: KAUFEN! Näher und besser kommt ihr nicht ran, an die goldenen Zeiten eurer Helden.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. True Colors
02. Sweet Oblivion
03. Behind Your Eyes
04. Hide Away
05. My Last Story
06. A Recess from My Fate
07. Transition
08. Disconnect
09. The Deceiver
10. Seek The Light

Link zu “Sweet Oblivion:

Rüdiger König

FIRELAND – Fireland IV: Forged In Fire

Band: Fireland
Album: Fireland IV: Forged In Fire
Spielzeit: 53:09 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Independent
Veröffentlichung: 01.06.2019
Homepage: www.fireland.tv

Der Sommer naht und die qualitativen Metal-Alben tasten sich zögernd aus ihren Studiohöhlen heraus, um unter freiem Himmel gehört zu werden. FIRELANDs “Fireland IV: Forged In Fire” ist auch darunter, macht aber vorher noch den kurzen Umweg über die Rock Garage. Ich muss zugeben, ich hab von der Band noch nie was gehört, kann aber dank des Promotextes nun mitteilen: Die US/UK-Truppe besteht aus Gitarrist Steve Moore von STORMZONE und Sänger David Brown von CHAOS FRAME, “Fireland IV” ist ihr – Trommelwirbel – viertes Album, weitgehend selbstgebastelt und bietet Heavy Metal mit Power-Metal-Einflüssen über elf Songs und mehr als 50 Minuten. Dass Eigenproduktionen nicht zwangsläufig nach Keller klingen müssen, beweist “Fireland IV” eindrucksvoll. Vielleicht ist das Ganze ein kleines bisschen höhenlastig, nichtsdestotrotz jedoch absolut sauber, mit ordentlich Druck, Definiertheit und Härte. Sehr angenehm.
Sehr angenehm auch die professionelle und detailverliebte Gesangsleistung von David, die den nicht minder professionell und detailverliebten instrumentalen Ergüssen zusammen mit den starken Backing Vocals hochgradig gut tut.
Und das Gelobe hat gerade erst begonnen, denn jetzt geht’s zu den Songs und auch hier gewinnt “Fireland IV” auf ganzer Linie. Das ist klassischer Heavy Metal mit einigen hörbaren MAIDEN-Einflüssen, beispielsweise beim Opener “Evil Voyage”, das im Chorus nach “Mother Of Mercy” in weniger nervig und mehr heavy klingt, oder beim nach jedem ruhigen MAIDEN-Intro klingenden ruhigen Intro von “Banished”. Dementsprechend gibt es schon ein paar Passagen, die etwas nach guter Stilkopie schmecken, doch ist die Platte eben massig mehr als das. Gerade in den Refrains zeigen FIRELAND ein krasses Händchen fürs Melodien Schreiben. Fast jeder Chorus ist ein potenzieller Ohrwurm, der sich von den anderen absetzt und weit über dem agiert, was man von Bands dieser Größe gewohnt ist. Am unspektakulärsten sind wohl dahingehend noch “N.D.E.”, am ehesten der Lückenfüller des Albums und “Winged Victory”, das schon meilenweit abseits eines Lückenfüllers unterwegs ist. Ansonsten ist schwer zu sagen, welcher Song am ehesten heraussticht. Ist es die nachdenklich-verzweifelte Ballade “Let The Witch Out”, die druckvolle Power-Metal-Halbballade “Carve My Name In Stone” (Jap, beide Balladen sind gelungen!) oder “Banished” mit Gastsängerin Mariko Gray, die einen hammerharten Job hinlegt und eigentlich unbedingt in einer bekannten Band singen sollte? Oder ist es vielleicht das aggressive, fast thrashige “Rule 13” mit seinem leichten QUEENSRYCHE-Feeling oder das klassisch anmutende “Battlefield” mit seinen cheesigen Hard-Rock-Gitarren im Refrain? Vielleicht auch “Fallen III”, auch ein MAIDEN-Riff und ein Chorus allererster Güte, oder das finale “Hurricane”, dessen emotionaler Refrain von Davids Gesangsleistung nochmal emotionaler wird und ein perfekter Endtrack ist? Freunde, ich kann es nicht sagen. Aber ich bin gut begeistert.

Anspieltipps:
Ihr habt das Dilemma mitbekommen. “Banished”, “Hurricane”, “Fallen III”, “Rule 13” und “Carve My Name In Stone”, wenn ich schon ’ne Auswahl treffen muss.

Fazit:
Gekonnt produziert, meisterlich gesungen, intelligent und mit Herz komponiert. “Fireland IV” ist der Heavy Metal mit beeindruckendem Niveau, den man leider meist nur durch Zufall irgendwo in den Tiefen des Internets findet. Nun, Ihr seid nun darauf aufmerksam gemacht worden. Geht, höret und genießt!

WERTUNG:

Trackliste:

01. Evil Voyage
02. Dragon Slayer
03. Banished
04. Let The Witch Out
05. Rule 13
06. Carve My Name In Stone
07. Fallen III
08. Winged Victory
09. Battlefield
10. N.D.E.
11. Hurricane

Jannis

THE RODS – Brotherhood Of Metal

Band: The Rods
Album: Brotherhood Of Metal
Spielzeit: 52:37 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Steamhammer / SPV
Veröffentlichung: 07.06.2019
Homepage: www.therods.com

THE RODS – und schon wieder eine Band, die laut Promotext Kultstatus besitzt und legendär ist, von der ich aber bislang mit meinen zarten 25 Jahren noch nie was mitbekommen habe. Jut, das hat sich jetzt geändert, mit “Brotherhood Of Metal”, dem zweiten Album der Amis in ihrem zweiten Frühling, der nach einer Pause von 1986 bis 2011 begann. Klassischer Heavy Metal ist das Ding, wie sich anhand des Albumtitels und des Artworks bereits erahnen lässt.
Die Produktion der Scheibe ist wertig, ob die etwas kraftlose Stimme von Sänger David “Rock” Feinstein an der Produktion oder der Gesangsleistung liegt, lässt sich allerdings nicht ganz sagen. Live traue ich dem Mann jedenfalls eine bessere Performance zu, auch wenn er auf “Brotherhood Of Metal” durchaus einen korrekten Job macht.
Musikalisch ist “Brotherhood Of Metal” Heavy Metal in Reinform. Lediglich der witzig-funkige Track “Party All Night” fällt da mit seiner unnormal coolen Bassline aus dem Raster. Leider lässt sich über die restlichen Tracks gar nicht so viel sagen. Beim Opener und Titeltrack, der mit Gesang auf Klavier beginnt und anschließend ein typischer Genre-Abfeierungstrack wird, ließe sich der Text erwähnen, der es schafft, wirklich jede dieser grausam kitschigen Phrasen der Marke “United we stand” und “Brothers and sisters, raise your fists” und “Standing tall, never to fall”, die jemals in einem dieser Tracks zu finden war, aneinanderzureihen, was statt dem gewünschten Gänsehaut-Zusammenhalts-Gefühl doch eher leicht peinlich berührte Genervtheit auslöst. Ehrlich, ein bisschen mögen wir das ja insgeheim alle, aber das ist zu viel des Guten.
Ansonsten sind die Tracks weitestgehend frei von Höhe- und Tiefpunkten. Man kriegt die klassischen Melodielines, die klassischen Gitarrenriffs, ein bisschen Up- und ein bisschen Midtempo, dazu Thematiken wie böse Könige und die Vorzüge von harter Gitarrenmusik. Das ist souverän umgesetzt, auch echt authentisch, mit netter E-Orgel als Bonusinstrument, aber es bleibt halt auch quasi gar nicht hängen. Eher hat man das Gefühl, anhand des jeweiligen Songtitels bereits erahnen zu können, wie der dazugehörige Track klingt – und oft genug bestätigt sich diese Vorahnung. Ich will “Brotherhood Of Metal” für diejenigen, die bei Metal hauptsächlich auf prototyp-metallische Bestandteile fokussiert sind und weniger Wert auf Eingängigkeit und musikalische Außergewöhnlichkeit legen, gar nicht schlechtreden. Aber insgesamt ist das Album doch leider kaum individuell, zum einen Ohr rein und zum anderen raus.

Anspieltipps:
“Brotherhood Of Metal”, “Party All Night”, “1982” und “Evil In Me”

Fazit:
“Brotherhood Of Metal” ist alles andere als die Platte, die man mit auf der Nasenspitze sitzender Hornbrille und einer Tasse Tee vor dem Kamin genießt. Für nebenbei geht die handwerklich stabile Scheibe schon klar, wenn sich auf dem Festivalcamp um zwei Uhr nachts das Gehirn allmählich ins Standby verabschiedet. Aber aus der Masse herauszustechen vermag das Album nicht, dafür ist es doch einfach zu substanzlos und basic.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Brotherhood Of Metal
02. Everybody’s Rockin‘
03. Smoke On The Horizon
04. Louder Than Loud
05. Tyrant King
06. Party All Night
07. Tonight We Ride
08. 1982
09. Hell On Earth
10. The Devil Made Me Do It
11. Evil In Me

Jannis

CHAOS MAGIC – Furyborn

Band: Chaos Magic
Album: Furyborn
Spielzeit: : 46.11 min
Stilrichtung: Melodic Hard Rock /Symphonic Rock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 14.6.2019
Homepage: www.caterinanix.com

Chaos Magic – Von Nix kommt nix stimmt so nicht!

Timo Tolkki, seines Zeichens Ex-Gitarrist von Stratiovarius hat auf einer Südamerikatournee relativ zufällig einen nicht nur sehr ansehnlichen wie talentierten Klangkörper entdeckt. Das Goldkehlchen mit Namen Caterina Nix und ordentlichen Wumms in der Stimme, kam nicht nur auf seiner zweiten „Avalon“ Rock Oper zu Sangesehren, nein, er schrieb ihr auch das Debüt „CHAOS MAGIC“ auf den wohlgeformten Leib.

Nach vier Jahren kommt dieses Projekt, diesmal ohne Tolkki, zu seinem Nachfolger.

„Furyborn“ wildert vornehmlich im Bereich Melodic Metal und das Beuteschema setzt sich in erster Linie aus Fans von Within Temptation, Evergrey und vergleichbaren Größen zusammen.

Der Sound basiert auf breit angelegte, fette Gitarrenriffs, mit teils sehr technischen, kühl und modern arrangierten Elementen. Das Aushängeschild dieses Projekt war und ist aber weiterhin Caterina Nix auch, wenn jetzt der ebenfalls aus Chile stammende Nasson federführend das Kompositionszepter schwingt.

„Furyborn“ setzt allerdings nicht allein auf die Stimmgewalt der Südamerikanerin, sondern wartet mit der interessanten Tatsache auf, dass sich in vielen der insgesamt elf Stücken des Albums ein Duett Partner hinzugesellt. Die daraus erzielten musikalischen Farbtupfer geben der Scheibe eine Extraportion Vielschichtigkeit

Songs wie der Opener „You Will Breathe Again“ und „Throw Me To The Wolves“ leben in erster Linie von der ordentlich hart eingespielten Gitarre und dem schnell ins Ohr gehenden Refrain, wo hingegen „ Furyborn“ selbst seine Außergewöhnlichkeit durch den Duett Partner Tom Englund erhält. Der grandiose Evergrey Shouter überzeugt auf ganzer Linie und macht den Titeltrack zu einer Besonderheit auf einer an guten Songs nicht armen Platte.

„Like Never Before“ belegt eindrucksvoll, wie man mit einer guten Produktion, interessant eingestreuten Keybordsounds sowie überraschenden Vocodereinsatz einen an für sich schon guten Song nochmal aufwerten kann. Das musikalische Kleinod stampft herrlich durch die vier Minuten.

Auch weiß CHAOS MAGIC wie abwechslungsreiches Songwriting funktioniert, nimmt bei der großartigen Powerballade gekonnt das Tempo heraus und Gastkeyborder Mistheria (Bruce Dickinson, Rob Rock) holt sich eindrucksvoll seine Credits ab. Auch hier zeigt die Female Voice, dass sie sich auf verschiedenen Ebenen zu Hause fühlt.

Im folgenden „Falling again“ reicht es dem chilenische Songschreiber des Projektes, Nasson, nicht, sämtliche Gitarren, zahlreiche Keyboards und einige Bassparts einzuspielen, übernimmt er hier noch den Duett Teil des Gesangs.

Auch „Bravely Beautiful“ zeigt mit seinem sehr eingängigem Refrain kein Abknicken im Spannungsbogen dieses Albums. Female fronted Metal par excellence, jeder Song trägt viel Eigenständigkeit und hohem Wedererkennungswert in sich.

Caterina Nix verwandelt die bezaubernde Akustikballade „I´d Give It All“ mit ihrer engelsgleichen Stimme zu etwas ganz Besonderem. Befreit von jeglicher zuvor genutzter Technik, hören wir einen ausgesprochen warmherzigen, aufs Wesentliche reduzierten Song, wie er so auch nicht alle Tage geschrieben wird.

Das unwiderrufliche Highlight auf „Furyborn“,folgt mit dem sagenhaften „Path Of The Brave“. Grandioser Powermetal der besonderen Art. Hier wird das chilenische Dreamteam zum Triumvirat, gesellt sich der aktuelle Rainbow und CoreLeoni Sänger, Ronnie Romero hinzu. Selten gelingt ein Duett auf diesem Niveau, selten verbinden sich zwei Stimmen so sehr.

„Furyborn“ legt hohes Augenmerk aufs Programming, was dem Ganzen einen etwas kühlen, technischen Touch gibt, der gekonnte Kontrast gelingt aber durch die jederzeit gefühlvolle Stimme Caterina Nix. Die brillante, glasklare Produktion mit all ihrer Detailverliebtheit sowie der erneut geniale Mix durch die dänische Mischer Ikone Jacob Hansen schaffen eine abwechslungsreiche Melodic Metalscheibe, die auch im Artwork des Covers zu überzeugen weiß.

WERTUNG:

Trackliste:

 

01. You Will Breathe Again
02. Furyborn ( feat. Tom Englund)
03. Like Never Before
04. Beware Of Silent Water ( feat. Mystheria)
05. Falling Again (feat. Nasson)
06. Bravely Beautiful (feat. Ailyn Gimenez)
07. Throw Me To The Wolves
08. I´d Give It All
09. Path Of The Brave (feat. Ronnie Romero)
10. My Affliction
11. I´m Your Cancer

Rüdiger König

Link zu “Like Never Before” :

MERGING FLARE – Revolt Regime

Band: Merging Flare
Album: Revolt Regime
Spielzeit: 43:44 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Ram It Down Records
Veröffentlichung: 10.06.2019
Homepage: www.mergingflare.om

Irgendwie hat die Arbeit bei der Rock Garage mein Leben entscheidend beeinflusst. Wie viele Alben ich in der Zeit in dem Laden kennengelernt habe, die über eine gewisse Zeit, seien es Monate oder eine komplette Jahreszeit, Soundtrack meines Lebens geworden sind. Ich habe das deutliche Gefühl, MERGING FLAREs “Revolt Regime” ist eins dieser Alben, wird mich über die Sommermonate vermutlich häufig abends an den Rheinstrand begleiten und die ein oder andere Party akustisch bereichern.
Bevor mein Hype beginnt, kurz die Fakten: Gegründet 2001, erstes Album 2011, veröffentlicht ausschließlich in Asien und in Finnland, dem Heimatland der Truppe. An der Gitarre Kasperi Heikkinen, der mal bei U.D.O./DIRKSCHNEIDER war und nun bei BEAST IN BLACK spielt. Mit letzteren hat MERGING FLARE allerdings wenig zu tun, oder sagen wir so: MERGING FLARE sind die klassischere Heavy-Metal-Variante von BEAST IN BLACK und noch nicht mal so kann man das eigentlich sagen. Eigentlich gar nicht, vergesst das. Jedenfalls ist die Produktion der Platte ordentlich fett, ohne ins allzu Gelutschte abzudriften, wie man das von BEAST kennt. Synthesizer sind präsent, aber um einiges dezenter und sehr geschmackvoll eingesetzt (Wenn ’n Song kein Synth braucht, kriegt er eben keins) und die Disco-Bumm-Zapp-Parts sind selten. Stattdessen regiert auf “Revolt Regime” ein astreiner Power-Heavy-Metal-Mix mit heftigem Wiedererkennungswert, der ab der ersten Sekunde zündet. Das Album ist eine hochgradig unterhaltsame Tour durch die verschiedenen Höhepunkte des Power- und Heavy Metal mit einer Flut an Melodien, die zwar hervorragend das Genre bedienen, dabei aber aus der Masse herausstechen. Das Ganze garniert mit hymnischen Backing-Choirs im Stil mittelalter GAMMA RAY, einem wandelbaren Sänger, der Kai-Hansen-Parts ebenso gut hinkriegt, wie ACCEPT-Parts (Generell erinnert die Stimme von Matias Palm in aggressiveren Momenten gerne mal an Mark Tornillo), stimmigen Synths und einer brutal fähigen Instrumentalfraktion, deren Talent sich nicht in fixem Standard-Geballer erschöpft.
Bereits “Trailblazers” mit seinem grandiosen Solopart und dem dienlichen Keyboard-Geschnatter im Hintergrund weiß zu begeistern. Ebenso das folgende “Alliance In Defiance”, quasi ein ACCEPT-Tribute, das allerdings wie alle Songs von MERGING FLARE mit ein paar entertainenden wie gelungenen Twists aufwartet. “Clarion Call” ist Gute-Laune-Power-Metal der feinsten Sorte. “The Abyss Of Time” kann man hingegen nicht so wirklich in Worte fassen. Ein bisschen BATTLE BEAST IN BLACK ist dabei und dazu ein so dermaßen durchgängig hohes Melodie-Niveau, dass dieser wirklich außergewöhnlich gelungene Track an dieser Stelle einfach schonmal als Anspieltipp befohlen vorgeschlagen werden muss. Mit “War Within” gibt’s zudem einen Ausflug in leicht progressive Gefilde mit ordentlich Druck hinter dem Kolben und mit “Midwinter Magic” einen Track, der ein wenig anmutet, als hätten STRATOVARIUS “Days Of December” von RAGE komponiert. Bisschen kitschig aber sauschön. Und der Rest, der hier keinen Platz mehr findet, ist auch stark, obgleich bei den letzten drei Tracks das Niveau minimal sinkt (daher der kleine Punktabzug).

Anspieltipps:
“The Abyss Of Time”, “Alliance In Defiance”, “Trailblazers” und “War Within”. Ach komm, und “Midwinter Magic”.

Fazit:
Ich hab lange nicht mehr so guten Heavy/Power-Metal in dieser Form gehört. Ordentlich Wucht, wenige Drachen und musikalisch ein hochinteressantes Ding, das auch durch seine wohlkalkulierten Stilbrüche eine fast fesselnde Spannung aufbaut. Das Ganze jedoch, ohne zu elitär oder zu poppig zu wirken, vielmehr mit einer Prise Humor, professionell und arsch-kurzweilig. Seriöse Reinhörempfehlung, Ihr verpasst sonst echt was. Ende der Rezension, muss jetzt wieder “The Abyss Of Time” hören gehen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Trailblazers
02. Alliance In Defiance
03. Clarion Call
04. The Abyss Of Time
05. Mind’s Eye (Reaching Out)
06. War Within
07. Midwinter Magic
08. Devastator
09. Sin Against The Sinner
10. The Lucky One

Jannis

BLACK HORIZON – Dark Light

Band: Black Horizon
Album: Dark Light
Spielzeit: 41:16 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Pure Steel Publishing
Veröffentlichung: 17.05.2019
Homepage: www.blackhorizon.fr

BLACK HORIZON sind eine der Bands, über die man im positiven Sinne nur wenige Worte verlieren müsste: geiler Heavy Metal, dank seiner kreativen Komposition abseits des 08/15-Kanons. Aber gut, widmen wir uns “Dark Light” mal etwas genauer, ist ja verdient. Vorher zur Band. Aus Frankreich kommt die Truppe, ist seit über zwei Jahrzehnten aktiv, hat es in der Zeit aber nur auf zwei Alben, ’ne Demo und eine EP gebracht. Und die letzte Veröffentlichung liegt auch schon amtliche neun Jahre zurück.
Zeit für ein Lebenszeichen also, das in Form von “Dark Light” nun in den Plattenläden lauert, mit Blaze Bayley und Andy Kuntz von VANDEN PLAS zwei bekannte Gastgesichter darbietet und angemessen produziert ist. Insbesondere die Vocals müssen an dieser Stelle erwähnt werden, die Backing Vocals fallen äußerst geschmackvoll arrangiert aus und generell ist die bei Bedarf recht raue Stimme von Frontmann Alex Puiseux eine schwere Bereicherung für die Platte. Singen kann er und manchmal klingt er wie Megadave Mustaine in motiviert. Auch der Rest der Band beherrscht sein Handwerk, die Grundvoraussetzungen passen also.
Wie bereits erwähnt: “Dark Light” ist Heavy Metal, gespielt im Standard-LineUp und somit gefährdet, unter der großen Konkurrenz erdrückt zu werden. Doch die Kreativität der Jungs weiß das zu verhindern. Der Chorus des Openers überrascht nach dem doch eher weniger harmonischen Einstieg mit Eingängigkeit und einer Melodie, die nicht zu den meistgeschriebenen des Genres gehört. Beim folgenden “Obsession” überzeugt bereits der starke Einstieg, der Chorus ebenso. Weniger harmonieorientiert fällt “Walking Close To Me” aus. Melodisch ist das Ding durchaus, aber in seiner Machart irgendwie ungewöhnlich.
Mit “Freedom” folgt dann ein entgegen aller Erwartungen kaum power-metallischer, stattdessen teils doomiger, teils midtempo-schleppender Track mit traditionell-asozialem Riff und einem an Ozzy erinnernden Chorus, bevor bei “Howling Like A Wolf” das Uptempo ausgepackt wird. Gerade der Mittelteil des Tracks ist überragend: Ein bisschen Doom, ein bisschen chilliger Rock mit geiler halbtonreicher Melodieführung, ein bisschen Prokofjews “Peter und der Wolf” (schön, Leute, danke dafür) und ein bisschen klassisches Abgehen. Dann noch gute Riffarbeit und ein Feelgood-Hard-Rock-Chorus, die einen spannenden Kontrast bilden, bei “I Wanna Stop” und nach dem eher lückenfüllerigen “Watching (Camera #9)” mit “Miles Away” noch die Ballade, die auch mal ein Klavier und ein der Sache sehr dienliches Cello mit ins Rennen schickt, deren anschließende Akustikversion man sich aber eigentlich hätte schenken können. Der (insbesondere textliche) Kitschfaktor der Originalversion reicht vollkommen aus.
Interessante Platte auf jeden Fall, lässt sich als Metal-Beschallung nebenbei ebenso gut hören, wie konzentriert über Kopfhörer und bietet gerade hinsichtlich der Komposition viel mehr als das von kleineren Heavy-Metal-Bands so oft gehörte “Höy höy, Heavy Metal”.

Anspieltipps:
“Walking Close To Me”, “Howling Like A Wolf” und “I Wanna Stop”

Fazit:
Heavy Metal mit Niveau, mit Individualität, gut gespielt und produziert. So basic “Black Horizon” in ihrem Konzept auch sein mögen, so spaßig werden sie doch, wenn man sich “Dark Light” mal in Ruhe zu Gemüte führt. Und es scheint nicht so, als sei das Potenzial der Herren mit dieser Platte bereits erschöpft. Reinhören und dranbleiben!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Hunter
02. Obsession
03. Walking Close To Me
04. Freedom
05. Howling Like A Wolf
06. I Wanna Stop
07. Watching (Camera #9)
08. Miles Away
09. Miles Away (Acoustic Version)

Jannis

STORMHAMMER – Seven Seals

Band: Stormhammer
Album: Seven Seals
Spielzeit: 51:58 min
Stilrichtung: Modern Power Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 24.05.2019
Homepage: www.stormhammer.de

Um das gleich von Anfang an klarzustellen: “Seven Seals” ist ein gutes Album als das, was es ist. Als Rezensent versuche ich, Kritik möglichst unabhängig von meinem eigenen Geschmack zu äußern (was in der Umsetzung natürlich ein Ding der Unmöglichkeit ist) beziehungsweise zu differenzieren zwischen meinem persönlichen subjektiven Geschmack und der musikalischen Qualität des gebotenen Contents, die von ersterem losgelöst ausschlaggebend für die letztendliche Bewertung sein sollte. Beim neuen STORMHAMMER-Album fällt mir das etwas schwer. Daher auch der gewählte Fokus, der sich von dem anderer Rezensionen des Albums etwas unterscheidet (Ergänzende Review-Recherche zur Meinungsbildung wird empfohlen). Nun, Ihr wisst Bescheid.
STORMHAMMER. Seit kurzem sieben Alben draußen, deutsche Power-Metal-Band, hat auf ihrem letzten Album bewiesen, dass sie Power Metal und Härte einwandfrei zu kombinieren weiß und mit Matthias Kupka nun einen neuen Sänger, der auf “Seven Seals” minimal kraftloser und weniger roh klingt als sein Vorgänger, nichtsdestotrotz aber einen starken Job macht, insbesondere in höheren Sphären und gegrowlten Parts. Unter einem ordentlichen Niveau wird man halt auch nicht Sänger von STORMHAMMER.
Dann der Knackpunkt, der Fans der älteren Releases tangieren dürfte: Laut Promosheet “präsentieren sich STORMHAMMER in Sachen Sound und Songwriting viel moderner als zuvor! Nach dem Einstieg des aktuellen Sängers Matthias Kupka war klar, dass es zu Veränderungen beim Konzept, Sound und Image der Band kommen muss.” Im Klartext bedeutet das: Die unklar gesungenen Parts sind reinste Growls, die in ausnahmslos jedem Lied (auch in der Ballade) zum Einsatz kommen, und ein hörbarer Modern-Metal- und Metalcore-Faktor haben Einzug in den Stil der Band gehalten. Das amtlich produzierte Resultat klingt innerhalb der Songs auch harmonisch, wenn man akzeptiert, dass nun eben nicht mehr nur nach power-metallischen Regeln gespielt wird. Die Breaks kommen da, wo man sie sich wünschen würde, ruhige melodische und brutal-knüppelige Abschnitte werden kompetent zusammengefügt.
(Jetzt der Part, bei dem die Objektivität raus bleibt) Aber ehrlich: Die Modernisierung wirkt in meinen Ohren gezwungen, als müsse man mit der Zeit gehen und in jedes Lied zwanghaft entsprechende Parts packen, ohne registriert zu haben, dass gerade Metalcore weder der aktuellste Trend noch unbedingt notwendig für ein aggressives Power-Metal-Album mit uncleanen Vocals ist, ebenso wenig wie gelutschtere Modern-Metal-Parts mit einer zugegebenermaßen dem Stil äußerst angemessenen Drumarbeit. Und nennt mich konservativen Metaller ohne Bereitschaft für Innovation, aber Modern Metal und Metalcore in dieser Form sind für den klassischen Power Metal, der “Seven Seals” über weite Teile immer noch ist, ungefähr das, was Horst Seehofers Account für Twitter ist: Man hätte sich diese Aktualisierung genau genommen sparen können, denn zeitgemäß handeln allein ist eben kein Garant für die Richtigkeit der Sache. STORMHAMMER haben ein Händchen dafür, Power Metal mit Härte zu spielen, aber die Art der Härte auf “Seven Seals” ist mir persönlich – in dieses Grundgenre integriert – unangenehm und wirkt deplatziert, ganz im Gegensatz zu böseren Passagen auf Vorgängeralben.
So, hätten wir das geklärt. Erwähnt werden muss natürlich auch, dass die (überwiegenden) Power-Metal-Parts stark ausfallen (Die Rezension wird zu lang, also sei einfach hier mal exemplarisch der Titeltrack mit seinem höchst unterhaltsamen Gitarrenmotiv, das gekonnt und bereichernd auch während des Refrains auftaucht, genannt) und mich auch der Modern-Metal-Faktor zeitweise gut entertaint. Genossen hab ich es schon über weitere Teile und kompositorisch ist die Platte dem gewählten Genremix absolut angemessen. Der Rest ist eben Geschmackssache.

Anspieltipps

Fazit:
Wie gesagt, “Seven Seals” ist ein gutes Album, das aus gut geschriebenen Parts besteht, daran gibt es nichts zu rütteln. Nur ist Fortschritt um des Fortschritts Willen nicht immer die beste Option. Wer allerdings daran interessiert ist, wie Power Metal mit dieser Art von Frischzellenkur klingt und den beschriebenen Elementen in starkem Power Metal etwas abgewinnen kann, der ist mit “Seven Seals” bestens bedient. Nicht mein Geschmack auf hohem Niveau.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Sleepwalker
02. Prevail
03. Under The Spell
04. Taken By The Devil
05. Seven Seals
06. Your Nemesis
07. Keep Me Safe
08. One More Way
09. Downfall
10. Deal With The Dead
11. Old Coals

Jannis

GRIMGOTTS – Dragons Of The Ages

Band: Grimgotts
Album: Dragons Of The Ages
Spielzeit: 48:48 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Independent
Veröffentlichung: 17.05.2019
Homepage: www.facebook.com/grimgottsband

Meine Damen und Herren, bitte beachten Sie, dass der Eingängigkeitszug heute nur aus Erste-Klasse-Wagen besteht, die Sie selbstverständlich ohne Aufpreis nutzen dürfen. Das Bordteam von GRIMGOTTS wird Ihnen die komplette Power-Metal-Vollbedienung an Ihren Platz bringen. Gute Reise.
Nein wirklich. GRIMGOTTS gibt es seit 2015, sie haben drei EPs und ein Album veröffentlicht, haben als Parodie-Harry-Potter-Metalband begonnen und sind vom Cover und der musikalischen Ausrichtung her der symphonische Power Metal, den man auf YouTube auf UnknownpowermetalYT findet und der normal recht schnell anstrengt, weil er billige Gänsehautmomente ohne größeren Tiefgang aneinanderhängt und mehr Keyboard-Teppiche am Start hat als ein Musikinstrumentenladen im Orient. Der Punkt ist halt: Sie sind genau das, nur in extrem geil.

Ganz kurz: Produktion hat Druck, kann nicht bemängelt werden und ist für eine Band, die es erst seit vier Jahren gibt und die in Eigenregie veröffentlicht, exorbitant gut. Respekt für den aggressiven Drumsound und die starken Backing Vocals – und für die Bandleistung. Die Jungs klingen nach eingespieltem Team und Sänger Andy Barton wechselt zwischen piratiger Yoho- und Power-Metal-Stimme, die er beide souverän beherrscht. Und sonst? Nun, “Dragons Of The Ages” ist ein knapp 50 Minuten langes totales Fest für Fans von POWER QUEST, DREAMTALE, GALDERIA und Konsorten, mit leichtem Folk/Pirate-Metal-Touch, der sich in Teilen der Vocals und einigen Melodiewendungen zeigt und nicht zu krass ausfällt. Die Stimmung steigt bereits während des Intros ins Unermessliche. Meeresrauschen, Gewitter, ein des Todes cheesiges 90er/2000er-Keyboard-Motiv drauf, dicke Drums drauf, mehr Keyboards drauf, noch dickere Drums drauf, top integrierte spährische Oooooh-Vocals drauf und die Post geht ab. Das Keyboard-Motiv findet sich während der ohnehin geilen Strophe beständig im Hintergrund, mal mehr und mal weniger präsent, und gibt ihr im besten Sinne den Rest – Freunde, es ist einfach zu geil. Gut gelaunter, bestens umgesetzter Power Metal, der hinsichtlich der Komposition erfreulich kreativ und unverbraucht ausfällt und dabei alles, also wirklich ALLES vereint, was man sich von einem Album dieses Genres wünschen kann. Warme Orchestralteppiche, geile Solo-Keyboard-Sounds, hymnische epische Parts aber auch mal ein paar thrashige Gitarren, massig Doublebass, ein paar Blastbeats, stampfendes Midtempo, haufenweise Harmonie, ganz wenig smart eingesetztes Gegrowle, ein Akkordeon und eine Gastsängerin, die nicht inflationär verwendet werden, starke Backing Vocals und Ohrwurm-Strophen, -Refrains und -Riffs ohne Ende. Das Niveau des überragenden Openers wird dabei nicht immer ganz gehalten, aber es gibt keinen Track auf “Dragons Of The Ages”, der nicht absolut unterhaltsam ausfiele, und diverse Kracher wie “The Great Shadow” sind auch noch dabei. Das ist undergroundiger Underground Metal, aber er klingt eben nicht wie welcher. Ich bin sehr begeistert von der Leistung dieser kleinen britischen Truppe und wünsche (und prophezeie) ihnen eine wunderbare Zukunft im Metal-Business. Würden genau genommen alle von profitieren.

Anspieltipps:
“War’s Come To Our Shores”, “The Great Shadow”, “Here Be Dragonlords”, “The King Under The Sea” und “The Last Dragon Warriors”

Fazit:
Nicht unbedingt was für unsere AOR-Fans, aber jeder Power-Metal-Fan unter Euch hat in diese Platte reinzuhören. “Dragons Of The Ages” ist alles, was Ihr wollt, und mehr. Keine Ahnung, wie man als britische Band so kurz vor dem Brexit noch dermaßen abfeiern kann. Heftiges Album!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. War’s Come To Our Shores
02. The Last Dragon Warriors
03. Ancient Waters
04. War At Dawn
05. The King Under The Sea
06. The Long Road
07. Turning The Tide
08. Take To The Sea
09. The Great Shadow
10. Here Be Dragonlords

Jannis