THE QUILL – The Quill / Silver Haze (Re-Releases)

Band: The Quill
Album: The Quill / Silver Haze (Re-Releases)
Spielzeit: 62:14 min / 72:59 min
Stilrichtung: Retro Rock
Plattenfirma: Metalville
Veröffentlichung: 22.02.2019
Homepage: www.thequill.se

Die schwedische Retro/Stoner Band THE QUILL haben seit 1995 in unregelmässigen Abständen insgesamt 8 Alben veröffentlicht, und sich dabei einen guten Namen in der Szene erarbeitet. Das mag zum einen daran liegen, dass sie innerhalb der schwedischen Szene, die eine ganze Reihe ähnlich orientierter Bands (wie z.B. den Spiritual Beggars) aufzuweisen hat, als eine der Initiatoren der Bewegung waren. Es liegt aber wohl auch ganz einfach daran, dass die Truppe konstant gute bis sehr gute Alben veröffentlicht hat. Den guten Ruf haben sich THE QUILL schon früh, will sagen, mit den ersten beiden Alben erspielt. Und genau diese beiden Leckerbissen legen nun in einer feinen Neuauflage, mit Remastering, Bonustracks und in schönen Digipacks vor.

The Quill (1995)

Gleich das Debüt der Jungs ist in der Szene eingeschlagen wie eine Bombe. Und das zurecht, denn hier ist wirklich mit das Beste aus dem harten Rock der 80er vertreten: in „Gleam“ erinnert da ganze mal latent an frühe Alice in Chains, der Opener „Jet Of Water“ fegt wie ein ungestümer Love/Hate Song aus den Boxen und immer wieder wird man an die ersten Pearl Jam oder gar Mother Love Bone Scheiben erinnert. Dreh- und Angelpunkt der Scheibe ist Sänger Magnus Ekwall, der mit vollem Elan und einem feinen Gefühl für Melodien den relativ simpel gehaltenen Groove-Tracks den nötigen Dreh gibt. Wer den Werdegang der Berliner Selig etwas mitverfolgt hat, der mag hier durchaus Parallelen erkennen. Beide Bands zelebrierten auf ihren Erstlingswerken recht zügellosen, oft pure Spontanität atmenden Groove-Rock, mit tief liegenden bluesigen Einflüssen und einer wunderbaren Affinität zu grossen Melodien die man in den Fuzz-Riffs beinahe nicht vermuten würde. Ein herrliches Beispiel auf „The Quill“ ist hierfür „From Where I Am“ bei dem der Refrain den Song auf ein völlig neues Level hebt. Und immer wieder diese geniale Stimme von Fronter Ekwall, an dem ich mich auf dieser Scheibe einfach nicht satt hören kann. Ganz grosses Kino was der Herr hier an Emotionen und Energie freisetzte.

Silver Haze (1999)

Dass THE QUILL nicht zu den Bands gehören würden, die im Jahrestakt Alben raushauen wurde dem geneigten Fan bereits früh klar gemacht. Ganze 4 Jahre dauerte die Pause zwischen dem Debüt und dem nicht minder starken Zweitwerk „Silver Haze“. Personell gb es lediglich den Verlust von Keyboarder Anders Haglund zu vermelden, dessen Posten dann auch gleich ganz gestrichen wurde. Da auf dem Erstling das Keyboard gegen die fetten Gitarren eh keinen wirklichen Stich bekommen hatte, war diese Entscheidung nur konsequent. Entsprechend fokussiert und um einiges fuzziger riffen sich THE QUILL dann auch durch Tracks wie „Evermore“ oder „Under A Vow“. Das klingt öfters nach Black Sabbath als noch auf dem Debüt, was der Band ebenfalls gut steht. Denn über allem thront auch auf „Silver Haze“ die eindringliche Stimme von Sänger Ekwall. Es dauerte nach diesem überzeugenden 2ten Album dann weitere 3 Jahre bis 2002 mit „Voodoo Caravan“ das nächste Album in die Läden kam …

Wer in den 90ern musikalisch sozialisiert wurde, der wird bei der erstmaligen Einfuhr dieser beiden Perlen das Gefühl haben, sich in eine Zeitmaschiene gesetzt zu haben. Da sind sie wieder, diese Momente die man genoss als man zum ersten Mal Alice in Chains, Black Sabbath oder Pearl Jam hören konnte. Mir persönlich waren THE QUILL bisher tatsächlich durch die Lappen gegangen und ich bin heilfroh das Versäumte anhand dieser feinen Re-Releases (vor allem „Silver Haze“ wurde mit einigen interessanten Bonustracks aufgewertet) nachgeholt zu haben. Beide Alben sind auch heute noch eine Entdeckung wert. Beide Daumen hoch.

WERTUNG: (keine Wertung)

Trackliste:

The Quill

01. Jet Of Water
02. Dry
03. Lodestar
04. Homespun
05. From Where I Am
06. The Flood
07. In My Shed
08. Gleam
09. Not A Single Soul
10. In The Sunlight I Drown
11. I Lost A World Today
12. Sweetly
13. Shovel Goal (Bonus Track)

Silver Haze

01. Evermore
02. Grand Canyon
03. Freedom Mountain
04. Under A Vow
05. Stirring Times Ahead
06. Mercury
07. Into The Volcano (I Fly)
08. Universal Treehouse
09. Who’s Crying
10. Aeroplane
11. Rockets Collide
12. Unbroken (Bonus Track)
13. Silver Haze (Bonus Track)
14. Sparrow (Bonus Track)
15. Where The Lovelight Shines (Bonus Track)

Mario

DANZIG – Black Laden Crown

Band: Danzig
Album: Black Laden Crown
Spielzeit: 46:12 min
Stilrichtung: Doom/Gothic
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 26.05.2017
Homepage: www.danzig-verotik.com

Das Glenn Danzig seine Fans ja gerne mal etwas länger warten lässt, ist nicht neu. Allerdings sollte bei einer Wartezeit von 7 Jahren dann doch ein Kracher kommen, vor allem wenn es sich um DANZIG handelt. Hat in diesem Fall leider nicht geklappt. Nachdem die Fanhoffnung bereits 2015 mit dem reinen Cover-Album „Skeletons“ zerstört wurde, lässt auch das neueste Werk der Doom-Rocker einen eher enttäuscht als erfreut zurück. Man merkt dem Schinkengott sein Alter dann doch deutlich an, die Energie der 90er-Alben fehlt ihm deutlich. Immerhin ist der Originalsänger der MISFITS und Gründer von SAMHAIN beinahe 62 Jahre alt und auch „Evil-Elvis“ wird nicht jünger.
Einen Vergleich mit den Meisterwerken „Danzig“, „Danzig II: Lucifuge“ und „Danzig III: How the Gods kill“ ist auch gar nicht möglich, immerhin trennen das letztgenannte und das neueste Werk 25 Jahre.
Auch fehlt es an Ideen, das Album hat von allem etwas (Doom, Blues, Rock), aber davon nichts richtig. Und so ist auch „Black Laden Crown“ irgendwie DANZIG, aber eben nicht richtig.  
Zudem ist die Produktion bei diesem Werk überhaupt nicht gelungen. Die Songs klingen sehr oft dumpf und zusammen mit Glenns nicht mehr ganz taufrischer Stimme, geht leider einiges verloren. Die Songs sind zwar nicht schlecht, die Texte ansprechend, aber es klingt doch alles sehr gleich und bei einigen Songs fehlt einfach das packende Element. Einige Lieder schleichen sich durch den Doom, mit stellenweise zu langen Outros, die die Songs künstlich in die Länge ziehen. Schon der Titeltrack „Black Laden Crown“ ist einer dieser langgezogenen Songs. Zum Glück kommt er aber trotzdem noch recht doomig, leidend, pur rüber und kann mit den sägenden Gitarren und einem wirklich guten Text ein paar Pluspunkte sammeln. Überhaupt ist textlich nicht viel zu auszusetzen (außer vielleicht „Devil On Hwy 9). Aber aufgrund der nicht gelungenen Produktion und des schlechten Mix kann das Werk nicht wirklich zünden. Da retten leider auch ein paar atmosphärisch wirklich gute Songs wie „Last Ride“ und „The Witching Hour“ und die eher metallischen Teile wie „But A Nitghtmare“ und „Blackness Falls“ das Gesamtwerk nicht. Es hat stellenweise zu viel B-Seiten Atmosphäre und ist nicht der langerwartete Knaller,  aber zum Glück auch nicht wirklich schlecht. Die göttlichen ersten 3 Werke sind einfach eine andere Liga und auch das Leben hat Spuren bei Glenn Danzig hinterlassen. Immerhin haben DANZIG 30-jähriges Bandjubiläum, eine lange Zeit, die viele andere Bands erst gar nicht schaffen. Ganz totsagen würde ich DANZIG und den Schinkengott trotz des eher durchwachsenen Werkes nicht. Auch wenn DANZIG nicht mehr wie genauso früher klingen, kann man sich „Black Laden Crown“ durchaus mehrfach reinziehen, auch wenn nicht alle Songs hängen bleiben.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01.  Black Laden Crown
02. Eyes Ripping Fire
03. Devil on Hwy 9
04. Last Ride
05. The Witching Hour
06. But a Nightmare
07. Skulls & Daisies
08. Blackness Falls
09. Pull the Sun

Tanja