MAX BOOGIE OVERDRIVE – Stoned Again

Trackliste:

01. The Devil Knows My Name
02. Suffer Sister
03. Freakazoid
04. Van Boogie
05. Bomb Incoming
06. Demonaire
07. King Of Fire
08. Stoned Again

 

 

Spielzeit: 38:05 min – Genre: Stonoogie Rock – Label: MBO – VÖ: 29.03.2024 – Page: www.facebook.com/Max-Boogie-Overdrive

 

MAX BOOGIE OVERDRIVE wurde 2022 als Studioprojekt von Max Boogie (Jim Bacchi) und Drop Dee (Daren Ford) als eine Möglichkeit, ihrer Leidenschaft für alles, was mit Stoner und Boogie zu tun hat, nachzugehen. Der überdrehte BOOGIE vom MAX besteht aus Drop Dee an Mikrofon und Bass, Max Boogie und Richard „RC“ Clark an Gitarren und Tom „Knuckles“ Hernandez an den Drums. Die vier Musiker waren unter anderem schon für Bands wie HITTMAN, FUZZBUBBLE, RED SQUARE BLACK, RAVINE, LORDS OF ALTAMONT und SUPERBEEZ tätig, die mir außer den US-Hard Rockern von HITTMAN nicht bekannt sind. Der Umstand das bei MAX BOOGIE OVERDRIVE als Genre Classic Rock angegeben ist animierte mich das Album zu übernehmen, also lasse ich mich jetzt mal überraschen und gehe das Album an.

Der Opener macht klar das hier volle Pulle gerockt wird, Classic Rock würde ich jetzt nicht als Genre angeben, dafür machen die Vier zu viel Krach und Radau, die Marschrichtung geht eher in die Stoner Ecke mit ordentlich Bumms und Dampf im Gebälk. Die LA Rocker ziehen dabei mit Hard Rock der mit viel Energie und Stoner Elementen geschwängert wurde in die Schlacht und bauen ein beeindruckendes Soundbild vor den Trommelfellen auf. Der Sound orientiert sich schon irgendwie an die Classic Rock Beat Veteranen der späten 60er, frühen 70er Jahre von der britischen Insel, nur eben mit energischem Hard Rock mit ausgeprägten US Vibes. So erzeugt das Quartett ein Kulisse die mit Eigenschaften wie Härte, Intensität, Stoner Riffing, allerdings ohne viel Boogie volles Rohr aus den Boxen bläst und dabei wirklich keine Gefangenen macht. Vergleichen kann man mit kräftigen RIVAL SONS, THE ANSWER oder auch unter Volldampf fahrenden THE SONIC BREWERY mit noch mehr Stoner Anteil. Man kann aber auch KISS und die alten ZZ TOP wahrnehmen, besonders wenn der Stoner Anteil zurückgefahren wird machen die Songs gewaltig Spaß. Verpackt wurde die düstere Rifforgie mit coolen Melodien, einer nur noch fertig klingenden Stimme die entfernt an einen Mix aus Lemmy und Paul Stanley erinnert, dabei aber sowas von kaputt klingt das sie schon wieder als Phänomen betitelt werden kann. Die Gesangsarbeit erinnert mich nicht nur einmal an KISS. Die Gitarren überfahren den Hörer mit (frei nach Lord Helmchen) lächerlicher Geschwindigkeit, das dieser meint er sei ein Möter eine Mischung aus Mensch und Köter. Der Bass ist nicht minder intensiv wie die Gitarren und die Drums hauen alles zu Brei was sich nicht bis drei auf der Palme befindet.

Ich muss zugeben das dieses Album keine leichte Kost ist, sondern die ganze Aufmerksamkeit fordert, denn die Mucke zündete bei mir nicht im ersten Durchgang, dafür ist sie zu schwer. Aber ab Spin Nummer drei oder vier geht das Ding ganz gut ins Ohr und kann Punkte machen. Wer nicht auf schwer verdauliche Kost steht die mit dunklen Rifffeuerwerken aus der Anlage geblasen kommt sollte vorher unbedingt mal ein paar Probeläufe machen ob ihm MAX BOOGIE OVERDRIVE nicht zu abgefahren ist.

Kleiner Dorn in der Haut ist die knappe Laufzeit von 38 Minuten, die könnte ruhig um zehn Minuten länger sein. Ansonsten gibt das Album keinen Grund zu meckern.

„The Devil Knows My Name“ haut gleich mal am Anfang gewaltig ein paar Schippen Kohle ins Freuer, „Suffer Sister“ macht da weiter wo der Vorgänger endete. „Freakazoid“ flott, hart und voll überdreht, „Van Boogie“ geht gut ins Ohr. „Bomb Incoming“ spielt das Highlight und überzeugt im ersten Durchgang. „Demonaire“ der Song kann als Hit bezeichnet werden und gleich beim ersten Date sitzt, hier trifft KISS auf alte ZZ TOP und hätte das Zeug für volle Tanzflächen sorgen zu können. „King Of Fire“ erinnert an einen von Ureinwohnern der USA beeinflusster Hard Rock der verdammt geil klingt, „Stoned Again“ vereint die ganze Portion Stonoogie in einem letzten knallharten Song.

Balle

RIOT IN THE ATTIC – Those Who Don’t Belong

Trackliste:

01. Sin
02. Drag Me Down
03. Soma (Pt. 1)
04. Wandering
05. Interlude
06. And There Was Dust
07. Soma (Pt. 2)
08. All For One
09. Sand
10. Wildlife

 

Spielzeit: 47:00 min – Genre: Hard/Stoner Rock – Label: Monkey Road Records – VÖ: 11.11.2022 – Page: www.faceboook.com/riotintheattic

 

11.11. – Beginn der Karnevalssaison, alle Rheinländer sind seit vormittags besoffen, tragen Swat- oder Ganzkörper-Tierkostüme, brechen in die U-Bahn und hören „Schatzi, schenk mir ein Foto“. Alle Rheinländer? Nicht ganz. Ein kleiner, elaborierter Teil, die Musik-Conniosseure, die intellektuelle Oberklasse, die Genießer der wahren Kunst, haben sich eine Tasse Tee neben ihren Ohrensessel gestellt und erfreuen sich an „Those Who Don’t Belong“, dem neusten Werk ihrer Rhein-Landsleute von RIOT IN THE ATTIC. Die zweite Platte des Trios führt seinen Weg durch die Facetten von Hard, Stoner und ein bisschen Alternative Rock konsequent weiter und macht dabei vieles richtig.
Über jeden Zweifel erhaben ist auf „Those Who Don’t Belong“ die Gitarrenarbeit. Die Riffs sind allesamt Zucker für die Ohren, welches Untergenre sie auch gerade bedienen möchten, die melodischeren Motive ebenso, genau so gehört sich das.
Die Produktion ist stabil, ein Quäntchen Druck hätte man noch reinpacken können und die Vocals etwas voller gestalten können. Letzteres mag eine Stilentscheidung gewesen sein, aber ist dann eben eine, über die nachher jemand in der Rock Garage meckert. Und warum man sich im letzten Song entschieden hat, das Schlagzeug komplett auf den linken Lautsprecher zu legen, will sich beim besten Willen nicht erschließen. Sonst passt die Sache aber, um den staubig-trockenen Rock von RIOT IN THE ATTIC zu transportieren. Der fällt nicht besonders eingängig aus – am „poppigsten“ sind wohl noch die beiden sehr gelungenen Parts von „Soma“ – funktioniert aber bestens in seiner Midtempo-Lastigkeit, die immer wieder mal durch schnellere oder sehr ruhige Parts gebrochen wird. Gerade dann hat die Platte noch einmal mehr Atmosphäre und Charakter, beispielsweise beim Über-Achtminüter „And There Was Dust“, dessen Strophen sehr zurückhaltend und angenehm unangenehm sind, mit kontrastierendem schwer-riffigem langsamem Midtempo-Chorus. Auch das lange Instrumental „Sand“ kann die Aufmerksamkeit des Hörers durchgängig halten, während „All For One“ noch am ehesten wirklicher Lückenfüller ist.
Der Grundstil von RIOT IN THE ATTIC bleibt interessant, schlägt mal in die eine, mal in die andere Richtung aus, mit Melodien, die an Eingängigkeit kratzen, um sie durch kleine Rückzieher dann wieder zu umgehen.

Fazit:
Und damit ist „Those Who Don’t Belong“ trotz ein paar kleiner Schwächen ein echt schönes Ding geworden, das mit Ambitionen und kreativen Visionen konzipiert und umgesetzt wurde. Wer also tendenziell was mit schön trockenen Gitarren in seinem Rock anfangen kann, kriegt hier ein spannendes Stück Underground, das ihm einiges bieten kann, was sich an der Oberfläche nicht finden lassen würde.

Anspieltipps:
„Soma“ Part 1 und 2, „And There Was Dust“ und „Sand“

Jannis

MULBERRY SKY – Who’s There

Trackliste:

01. A Light In The Distance
02. Second Face
03. The Fuckening
04. Hot Hot Thunder
05. Asking For A Friend
06. Imperfections Prelude
07. Imperfections
08. Don’t Kill Me
09. Jailbreak Story
10. Jumped
11. You Killed The Rattlesnake
12. Have You Ever
13. Waves
14. Stones

Spielzeit: 55:41 min – Genre: Classic/Blues Rock – Label: Eigenveröffentlichung – VÖ: 29.07.2022 – Page: www.mulberry-sky.com

 

Seit ihrem ersten Ausflug in die Talentschmiede der Rock Garage war mein Interesse an MULBERRY SKY doch ein wenig geweckt. Gut gelaunter, gut gemachter, handgemachter Rock mit unterschiedlichen Einflüssen und viel Herzblut, von einer neu gegründeten Band mit Visionen und Experimentiergeist, dazu noch aus Deutschland und damit wahrscheinlich in absehbarer Zeit auch mal live zu bestaunen – alles gute Gründe, um der Veröffentlichung des Debütalbums mit gespannter Vorfreude entgegenzublicken.
Und das Warten hat sich gelohnt! Die Produktion (selbst aufgenommen und gemischt) kann sich absolut hören lassen und funktioniert bestens mit dem Sound der Truppe. Sängerin Catherine hat eine starke klare Rockstimme, die Emotionen transportieren kann, ohne die erforderliche Straightheit missen zu lassen, und die Instrumente werden von Musikern bedient, die nicht nur ordentlich Talent mitbringen, sondern auch hervorragend aufeinander eingespielt sind, was den Songs eine stabile Geschlossenheit und Rundheit verleiht.
Musikalisch ist man zu 100% Rock. Mal bluesiger, mal eher Classic, mal gen Stoner tendierend oder eben, wie beim Opener, western-lastig unterwegs. Dabei beweist das Quartett aus Bruckmühl ein Händchen für dicht-intensive Refrains mit großen Melodien und für knackige, akzentuierte Strophen. Aus den klassischen Songstrukturen holt man dabei einiges an Entertainmentwert raus, investiert in interessante Bridges und kleine kreative Ideen, die vielen der Songs einen eigenständigen Charakter geben.
Gut, zwischendurch hat man den Eindruck, es lässt ein bisschen nach. „Don’t Kill Me“ hat an sich Potenzial, verwirrt aber ein bisschen durch eine Gesangsline, die irgendwo zwischen moll und Dur pendelt und damit an ein paar Stellen auf ungewollte Weise dissonant anmutet, bevor das folgende „Jailbreak Story“ den standardsten Punkt des Albums markiert. Dafür kommen dann mit den folgenden vier Songs die vielleicht besten Tracks des Albums. „Jumped“ ist der feierlich-balladige Track, der absolut zündet, und mit „Waves“ traut man sich einen kleinen überraschenden und sehr gelungenen Ausflug in Bossa-Nova-Rock-Gefilde – geile Sache!

Fazit:
Kompromisslose authentische Rock-Attitude, mächtig Spaß und Liebe dabei, starke Umsetzung und ein klarer Anspruch an sich selbst, in jeglicher Hinsicht über Durchschnitt zu agieren – „Who’s There“ sollte sich in die Herzen jedes Fans handgemachter Rockmusik grooven und markiert ein beeindruckendes erstes Album-Lebenszeichen, für das sich MULBERRY SKY auch in 20 Jahren kein bisschen schämen werden müssen!

Anspieltipps:
Insbesondere Track 10 bis 13

Jannis

VALLEY OF THE SUN – The Chariot

Trackliste:

01. Sweet Sands
02. Images
03. Devil I’ve Become
04. The Chariot
05. Headlights
06. As We Decay
07. Running Out Of Love
08. Sunblind
09. The Flood
10. Colosseum


Spielzeit:
46:39 min – Genre: Stoner Rock – Label: Fuzzorama Records – VÖ: 17.06.2022 – Page: www.facebook.com/valleyofthesun

 

Freitag Nachmittag: Ich sitze in meiner Dachgeschosswohnung und kann dank des Sommergewitters nicht einmal das Fenster aufmachen, ohne das Wohnzimmer geflutet zu bekommen. Gefühlt 38°C, ich komme mir vor wie Tunfisch (im eigenen Saft) und an einer Stelle tropft es durch das geschlossene Fenster leicht auf mein Sofa. Zeit für was Extra-Trockenes, warum also nicht die neue VALLEY OF THE SUN? Die Truppe aus Ohio macht die Art von Musik, die klingt, als habe man die Gitarren authentisch in der Mitte einer Wüste aufgenommen und den Sand im Verstärker als klangliche Eigenart verwendet. Desert Rock, Southern Rock (ein bisschen), Stoner, Hard und Psychedelic Rock werden auf dem vierten Album „The Chariot“ vermengt zu einem Ganzen, das im mindesten angenehm cool und nicht selten wunderbar mitreißend ist.
Der Sound passt bestens zum Stil von VOTS, trocken, staubig aber klar und authentisch handgemacht. Vielleicht minimal zu viel Lautstärke in den Gitarren, aber auch nur vielleicht. Die Vocals passen nicht minder zu besagtem Stil und kleine Extras wie eine E-Orgel und zusätzliche Percussion-Elemente wurden konstruktiv eingesetzt.
Musikalisch ist man oft sehr rifforientiert unterwegs, hat dafür aber auch entsprechend biestige Riffs auf Lager, die man auch schonmal zwei Minuten lang am Stück ausreizt (siehe „Devil I’ve Become“), erfreulicherweise nicht mit langweilendem sondern mit hypnotischem Effekt. Insbesondere von Track drei bis Track sechs geht „The Chariot“ dabei stimmungstechnisch aufs Ganze, bemüht verstärkt ruhigere, zum Teil psychedelischere Parts und vermag mit diesen Songs wirklich zu vereinnahmen, nachdem die ersten beiden Tracks gut, aber mit leicht Luft nach oben ausfielen. Doch auch Songs, die nicht in dem Maße zünden, machen zweifelsohne Spaß, wenn man Freund dieser oftmals monoton anmutenden Musikrichtung ist und ebenjene Stilistik mag. Der Groove-Faktor ist durchgängig hoch, die Melodien nach allen Regeln der Stoner-Rock-Kunst geschrieben und intoniert – und auch wenn „The Chariot“ nicht der ultimative Genrevertreter ist, hilft es doch absolut effektiv über die Zeit bis zum nächsten Freak Valley Festival oder Desertfest hinweg!

Fazit:
Lässig, trocken, cool und immer mal wieder seine hypnotischen Phasen zelebrierend, schön gespielt und im Sinne des Genres komponiert – „The Chariot“ ist, romantisiert ausgedrückt, ein sauberes Sommeralbum für alle, die ihren Sommer weniger am Pool und in Cabrios und eher mit Rauschebart am Truckstop verbringen.

Anspieltipps:
„Devil I’ve Become“, „The Chariot“, „Headlights“ und „As We Decay“

Jannis

ALUNAH – Strange Machine

Trackliste:

01. Strange Machine
02. Over The Hills
03. Fade Into Fantasy
04. Broken Stone
05. Psychedelic Expressway
06. The Earth Spins
07. Silver
08. Teaching Carnal Sins
09. Dead Woman Walking

 

 

Spielzeit: 42:27 min – Genre: Doom/Psychedelic Rock – Label: Heavy Psych Sounds – VÖ: 15.04.2022 – Page: www.facebook.com/alunah.doom

 

Ist es Schicksal, dass die Rezension für ALUNAHs „Strange Machine“ ausgerechnet am 20. April erscheint? Lassen wir das mal dahingestellt, weisen aber auch mal diejenigen, die diesen Tag rituell feiern (also nicht wegen Hitlers Geburtstag natürlich), darauf hin, dass der neuste Release der Briten eine hervorragende Option für den abendlichen Ausklang darstellt.
ALUNAH haben sich 2007 mit ersten Demos gemeldet, 2010 schließlich Ihr Debut und nun ihr sechstes Album veröffentlicht. Eine Mischung aus stonerigem Doom und Psychedelic Rock steht auf dem Programm, nicht ultra-definiert aber warm, voll und kräftig produziert; für die Genrewahl wunderbar!
Haken wir kurz ab, dass die Instrumentalfraktion ihren Job makellos erledigt, und hypen noch ein bisschen die Vocals. Siân Greenaway ist erst seit 2017 dabei und gibt eine brilliante Performance zum besten. Die einzelnen Songs sind auf „Strange Machine“ wahlweise recht psychedelisch (allen voran das tolle, hypnotisierend-fesselnde „Fade Into Fantasy“ und „Psychedelic Expressway“ mit seinem optimistischen Riff, inklusive Schellenkranz und Flöte) oder doomig/stonerig, und Siân passt ihren Gesang dem jeweiligen Stil hervorragend an. Theatralisches würdevolles Vibrato („Strange Machine“), durchdringend intensiv („Over The Hills“) oder sanft meditativ („Fade Into Fantasy“): Die Vocals passen wie Pflanze in Eimer und bereichern die Hörerfahrung der Platte ungemein, was von der Vocal-Produktion mit der gewissen Extraportion Hall noch unterstützt wird.
Die Songqualität variiert leicht, aber selbst die schwächsten Songs haben ihre Existenzberechtigung, fallen nur etwas konventioneller aus. Richtig stark ist die Mitte des Albums. Nach zwei guten Tracks wird die Qualitätsschraube nochmal angezogen und Track 3 bis 7 zünden in ihrer Art der Erzeugung von Atmosphäre, den tollen Melodien, Riffs und Arrangements und den darauf thronenden Vocals ähnlich heftig und abwechslungsreich, wie so einige Fans der Band am heutigen Tage, bevor die letzten beiden Songs das Hörerlebnis abermals etwas konventioneller abschließen.

Fazit:
Mag man nach Track 2 als Fan der bemühten Genres auf eine gute Zeit eingestellt sein, so setzt doch spätestens bei „Fade Into Fantasy“ die Sogwirkung von „Strange Machine“ ein und beschert ohne großen Schnickschnack ein herrlich stimmiges, mitreißendes Hörerlebnis, das keinerlei Anlass zur Kritik bietet. Zurücklehnen, wirken lassen, genießen!

Anspieltipps:
Track 3 bis 7!

Jannis

THE QUILL – Earthrise

Band: The Quill
Album: Earthrise
Spielzeit: 47:27 min
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Metalville Band & Label Pool
Veröffentlichung: 26.03.2021
Homepage: www.facebook.com/thequillsweden

Es ist einer der großen Vorteile des Motorradfahrens durch schöne Landschaften, dass es ein absolut vernachlässigbares Infektionsrisiko mit sich bringt. THE QUILL liefern dafür erfreulicherweise den perfekten Soundtrack, mit ihrem nunmehr neunten Album “Earthrise”. Die Schweden sind bereits seit den 90ern aktiv und machen klassischen Hard Rock der handgemachten Sorte, mit allem drum und dran. Das bedeutet konsequenterweise auch eine entsprechende Produktion, die bei “Earthrise” schön erdig und natürlich ausfällt, dabei klar und druckvoll. Dazu gehört außerdem ein astrein agierender Sänger namens Magnus Ekwall, dessen Stimme wunderbar zum Genre passt und die bluesig-doomigeren SABBATH-Parts ebenso bereichert wie die schnelleren und straighteren Songs.
“Earthrise” ist eines dieser Alben, die man auf der einen Seite perfekt nebenher hören kann, bestens geeignete Autofahr- oder Campingplatz-Mucke, in seiner Gesamtheit jedoch auch vielseitig genug, um einem konzentrierteren Hörprozess standzuhalten. Davon überzeugt direkt der Opener “Hallucinate”, der alle Trademarks eines gelungenen Hard-Rock-Openers beinhaltet, inklusive Schellenkranz, sympathischerweise. “Keep On Moving” keept on moving mit etwas angezogenerem Tempo und simpel-effizienter Riffarbeit und der Über-sieben-Minüter “Dwarf Planet” bietet einen schönen balladigen Anfangspart, den einige solcher Bands leider öfter mal vernachlässigen, und wird anschließend dunkler und recht dicht.
Apropos Balladen: Am ehesten ginge noch “Dead River” als eine solche durch, beendet das Album ziemlich entspannt und soweit drumfrei, ebenso der Anfang von “Evil Omen”, das anschließend auf edle kratzig-trockene Gitarren setzt, einen Prototyp-Strophenaufbau zum besten gibt und allgemein ziemlich harmonieorientiert ausfällt. Der Titeltrack kommt mit MAIDENiger Strophe (inklusive Glocke am Anfang, macht jeden Song besser) und SABBATH-Spirit und “21th Century Sky” ist auf der Drumebene ziemlich zappelig und macht ebenso Spaß wie das treibende “The Zone”.
Hard-Rock-Alben dieser Sorte können sehr schnell langweilig werden, einfach weil gerade in dieser klassischen Form die einzelnen Bestandteile und Melodien doch limitiert sind. Dass Langeweile bei “Earthrise” nicht eintritt, liegt zuerst einmal daran, dass die Truppe offensichtlich Hard Rock isst, trinkt und darin badet und schläft. THE QUILL wissen, wie man ihr Genre professionell umsetzt, gewähren jedoch auch die kleinen Besonderheiten, die das damit bereits sehr anständige Album einfach noch ein wenig aufpeppen. Die ruhigen Parts sind sinnvoll, stimmig und willkommene Abwechslungen, kleine Keyboard-Akzente in wenigen der Tracks gießen ein bisschen wohldosierten Zuckerguss über das (im positiven) trockene Grundgerüst, einige Blues- und Stoner-Elemente erweitern die Grenzen des Genres und kleine Cowbell- oder Schellenkranz-Elemente reichern den Sound hintergründig an.

Fazit:
Bei der Menge an Erfahrung, die THE QUILL mitbringen, kann man von einem professionellen Ergebnis ausgehen. Und “Earthrise” ist nicht nur das, es ist im Rahme der selbstgesteckten Grenzen auch subtil vielseitig, vermittelt die gewollte Atmosphäre und weckt hundertprozentig die Sehnsucht nach Festivals aufs Neue.

Anspieltipps:
„Dwarf Planet“, „Hallucinate“ und „Evil Omen“

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Hallucinate
02. Keep On Moving
03. Dwarf Planet
04. Left Brain Blues
05. Earthrise
06. Evil Omen
07. 21th Century Sky
08. The Zone
09. Dead River

Jannis

KING OF NONE – Weightless Waters (EP)

Band: King Of None
Album: Weightless Waters
Spielzeit: 32:32 min
Stilrichtung: Heavy Psychedelic Stoner Prog Rock
Plattenfirma: Eigenveröffentlichung
Veröffentlichung: 10.05.2019
Homepage: www.facebook.com/kingofnone/?ref=br_rs

Es ist so ein Dilemma, wenn man König ist, aber keine Untertanen hat. Was macht man so den lieben langen Tag ohne jegliche Verantwortung für sein Volk? Liest man Bücher, poliert sein Zepter, stagniert man Filme schauend auf dem Sofa? Nun, wären alles Optionen, aber man könnte halt auch die Zeit ins Musik machen investieren. So geschehen bei KING OF NONE, nach eigenen Angaben macht man Heavy Psychedelic Stoner Prog Rock, kommt aus Finnland und hat mit der aktuellen EP “Weightless Waters” inzwischen drei draußen. Kam unverhofft in mein Postfach geflattert, wurde gehört und für gut befunden. Kompliment erstmal für die Genre-Selbsteinschätzung, das haut tatsächlich so hin. Kompliment auch für die Produktion der mit sechs Songs und über dreißig Minuten Spieldauer doch recht üppigen EP, die sich zwischen zeitgenössischer Progressive-Metal-Produktion und dem schönen staubig-trockenen Stoner-Rock-Sound bewegt und für diese Art Musik echt optimal und interessant ist. Des weiteren noch Komplimente für den Gesang, der sich zwischen kratzig-rauem aber melodischem und Klargesang bewegt und zwischendurch noch Platz für ein paar saftige Growls übrig hat, und für die Instrumentalfraktion, die souverän on Point agiert.
Genug der Komplimente? Mitnichten, denn jetzt kommen wir zur Kompositionsleistung, und man muss bewundernd anerkennen: Diese Truppe klingt nicht nach einer, die gerade erst ihre dritte EP veröffentlicht hat. “Weightless Waters” ist ein beeindruckend geschriebenes, höchst professionelles Werk mit einem sehr eigenen Sound (Ein wenig MASTODON könnte man finden, aber dennoch höchst eigenständig, die ganze Sache). Die Prog-Elemente sind unaufdringlich und der Sache dienlich, ebenso Charakteristika der anderen Teil-Genres, und die Kombination dieser Elemente ist absolut schlüssig und harmonisch.
Bereits der Opener “Words Of Mine” überzeugt mit seinem hypnotisch-redundanten Riff (Die Riffarbeit ist auf “Weightless Waters” generell brutal) und verleitet zum Griff nach allen in der akuten Umgebung verfügbaren bewusstseinserweiternden Substanzen. “Worlds Collide” treibt anschließend wie Arsch, wechselt gekonnt zwischen harmonisch-melodischeren und fies-bösen Parts, bevor mit “Frog Palace” das Tempo runtergeschraubt wird. Das in Teilen punktiert gespielte Ding groovt nach allen Regeln der Kunst und stimmt auf “Desolator” ein, das partiell tempotechnisch nochmal runtergedoomed ist und auch ein paar ruhigere Passagen in petto hat. “Starbirling” zieht dagegen wieder ordentlich an, wärmt nochmal einen kleinen Riffpart aus Track 1 auf und bemüht obligatorischerweise den Schellenkranz. Dann noch “Yellow Snake King”, das ein weiteres Mal die Position der Band als letzte des Abends auf einem Festival als geeignet bestätigt und die Platte ist durch. Neben der rein subjektiven Tendenz, dass die letzten beiden Songs minimal weiniger herausragend sind als die ersten vier, habe ich keine Kritik. Krasse Sache, interessanter Stilmix toll umgesetzt!

Fazit:
Frisch, durchaus innovativ, heavy, hypnotisch, intelligent, stark komponiert und gespielt – KING OF NONE sind eine Bereicherung für jeden, der neben Heavy und Progressive Metal auch ein bisschen Staub in seiner Plattensammlung mag. Mit dem, was sie macht, ist die Truppe eine Ausnahmeerscheinung und “Weightless Waters” hat in jeder Hinsicht hohen Respekt verdient!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Words Of Mine
02. Worlds Collide
03. Frog Palace
04. Desolator
05. Starbirling
06. Yellow Snake King

Jannis

VOLSTER – Perfect Storm

Band: Volster
Album: Perfect Storm
Spielzeit: 52:20 min.
Stilrichtung: Melodic Hard Rock
Plattenfirma: ROAR Rock Of Angles
Veröffentlichung: 20.04.2018
Homepage: www.volsterband.com

Der Sommer steht vor der Tür, die Harley/Das Moped/Das Fahrrad in der Garage scharrt ungeduldig mit den runden Hufen, der Highway ruft. Der Soundtrack fehlt.
Stop. Der Soundtrack fehlt nicht mehr, denn VOLSTER haben ihr erstes Album “Perfect Storm” veröffentlicht, und das ist rock’n’rolliger Hard Rock in Reinform, dessen Wurzeln bestes Wasser aus dem stonigen Grund der Siebziger und Achtziger saugen.
Produziert wurde das Album von niemand Geringerem als Max Norman, der schon bei OZZYs “Bark At The Moon” seine Finger am Regler hatte. Dementsprechend klingt “Perfect Storm”, wie zu erwarten, recht tiefenlastig, gerade in den Gitarren, kompensiert dies jedoch durch den recht höhenlastigen Gesang. Der Sound ist somit für heutige Verhältnisse leicht gewöhnungsbedürftig, für das Konzept und in Anbetracht der Einflüsse von VOLSTER jedoch bestens geeignet – und leistet dem Album zweifelsohne einen guten Dienst.
Was die Schweden um den Ex-Gitarristen und Ex-Bassisten der Ex-MASQUERADE so machen, klingt erst einmal nach eingängigem Hard Rock mit Fokus auf eingängigen Melodien und hörbarer Rock’n’Roll-Ästhetik. “King Of The Hill” und “Heaven Or Hell”, die beiden ersten Tracks des Albums, ziehen gradlinig voran, sind nicht besonders komplex und halten ein paar feine Melodien parat, die, wie man es von derart erfahrenen Leuten im Biz erwarten darf, absolut angemessen umgesetzt wurden.
Dass VOLSTER auch anders können, zeigt sich im weiteren Verlauf der Platte, die in ihrem stilistischen Rahmen doch erfreulich vielseitig ist. “Easier Said Than Done”’s Drums arbeiten schön tom-orientiert und vervollständigen die Dur-durchzogene Gitarrenarbeit und die feine Melodieline zu einem stimmungsvollen Lagerfeuer’n’Leather-Song, Breathless kommt mit einem Killerrefrain, dessen Sahnehäubchen die Backing Vocals ausmachen, und der letzte Track, “Ends With Me” (schöne Idee), überzeugt mit amtlicher Härte, die dem melodischen Refrain seine Wirkung nicht nimmt.
Stark insbesondere auch “Drifting Away” und “Babylon”. Während erstgenannter Song mit loungiger E-Orgel, Rasseln und unkonventionellen Harmonien Freude bereitet, verteilt “Babylon” runde Sonnenbrillen und ein wenig Marihuana an seine Hörer. Der Track ist stark im Stoner Rock angesiedelt, ist sich Gott sei Dank auch nicht für ein Sitar-Solo zu schade und karrt extra für die letzten zehn Sekunden während des Ausfadens noch ein paar Bongos ran. So lobe ich mir das.
Sonst noch erwähnenswerte Songs? Ja, im Endeffekt hat jeder Song auf “Perfect Storm” seine Eigenart und Berechtigung, auch wenn einige subjektiv mehr als andere unterhalten. Aber ob “Games Of War”, das im Endeffekt eine Art “No More Tears” ist, oder “I Don’t Care” mit seinem krassen Kontrast zwischen dem wuchtigen Sound der Band und dem bewusst dünnen Riff – Spaß machen die Tracks alle. Insbesondere jedoch folgende…

Anspieltipps:
“Drifting Away”, “Easier Said Than Done”, “Babylon” und “Breathless”

Fazit:
Ich schäme mich schon etwas, in letzter Zeit immer nur so positive Rezensionen rauszuhauen. Aber was will man machen? VOLSTERs Debut ist ein geiles melodisches Hard-Rock-Album im Stil der Größen der Siebzieger/Achtziger geworden. Mein volster Respekt dafür.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. King Of The Hill
02. Heaven Or Hell
03. Perfect Storm
04. Breathless
05. Still In Love
06. Babylon
07. Hero
08. Games Of War
09. Easier Said Than Done
10. I Don’t Care
11. Drifting Away
12. Ends With Me

Jannis