THE QUILL – Earthrise

Band: The Quill
Album: Earthrise
Spielzeit: 47:27 min
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Metalville Band & Label Pool
Veröffentlichung: 26.03.2021
Homepage: www.facebook.com/thequillsweden

Es ist einer der großen Vorteile des Motorradfahrens durch schöne Landschaften, dass es ein absolut vernachlässigbares Infektionsrisiko mit sich bringt. THE QUILL liefern dafür erfreulicherweise den perfekten Soundtrack, mit ihrem nunmehr neunten Album “Earthrise”. Die Schweden sind bereits seit den 90ern aktiv und machen klassischen Hard Rock der handgemachten Sorte, mit allem drum und dran. Das bedeutet konsequenterweise auch eine entsprechende Produktion, die bei “Earthrise” schön erdig und natürlich ausfällt, dabei klar und druckvoll. Dazu gehört außerdem ein astrein agierender Sänger namens Magnus Ekwall, dessen Stimme wunderbar zum Genre passt und die bluesig-doomigeren SABBATH-Parts ebenso bereichert wie die schnelleren und straighteren Songs.
“Earthrise” ist eines dieser Alben, die man auf der einen Seite perfekt nebenher hören kann, bestens geeignete Autofahr- oder Campingplatz-Mucke, in seiner Gesamtheit jedoch auch vielseitig genug, um einem konzentrierteren Hörprozess standzuhalten. Davon überzeugt direkt der Opener “Hallucinate”, der alle Trademarks eines gelungenen Hard-Rock-Openers beinhaltet, inklusive Schellenkranz, sympathischerweise. “Keep On Moving” keept on moving mit etwas angezogenerem Tempo und simpel-effizienter Riffarbeit und der Über-sieben-Minüter “Dwarf Planet” bietet einen schönen balladigen Anfangspart, den einige solcher Bands leider öfter mal vernachlässigen, und wird anschließend dunkler und recht dicht.
Apropos Balladen: Am ehesten ginge noch “Dead River” als eine solche durch, beendet das Album ziemlich entspannt und soweit drumfrei, ebenso der Anfang von “Evil Omen”, das anschließend auf edle kratzig-trockene Gitarren setzt, einen Prototyp-Strophenaufbau zum besten gibt und allgemein ziemlich harmonieorientiert ausfällt. Der Titeltrack kommt mit MAIDENiger Strophe (inklusive Glocke am Anfang, macht jeden Song besser) und SABBATH-Spirit und “21th Century Sky” ist auf der Drumebene ziemlich zappelig und macht ebenso Spaß wie das treibende “The Zone”.
Hard-Rock-Alben dieser Sorte können sehr schnell langweilig werden, einfach weil gerade in dieser klassischen Form die einzelnen Bestandteile und Melodien doch limitiert sind. Dass Langeweile bei “Earthrise” nicht eintritt, liegt zuerst einmal daran, dass die Truppe offensichtlich Hard Rock isst, trinkt und darin badet und schläft. THE QUILL wissen, wie man ihr Genre professionell umsetzt, gewähren jedoch auch die kleinen Besonderheiten, die das damit bereits sehr anständige Album einfach noch ein wenig aufpeppen. Die ruhigen Parts sind sinnvoll, stimmig und willkommene Abwechslungen, kleine Keyboard-Akzente in wenigen der Tracks gießen ein bisschen wohldosierten Zuckerguss über das (im positiven) trockene Grundgerüst, einige Blues- und Stoner-Elemente erweitern die Grenzen des Genres und kleine Cowbell- oder Schellenkranz-Elemente reichern den Sound hintergründig an.

Fazit:
Bei der Menge an Erfahrung, die THE QUILL mitbringen, kann man von einem professionellen Ergebnis ausgehen. Und “Earthrise” ist nicht nur das, es ist im Rahme der selbstgesteckten Grenzen auch subtil vielseitig, vermittelt die gewollte Atmosphäre und weckt hundertprozentig die Sehnsucht nach Festivals aufs Neue.

Anspieltipps:
„Dwarf Planet“, „Hallucinate“ und „Evil Omen“

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Hallucinate
02. Keep On Moving
03. Dwarf Planet
04. Left Brain Blues
05. Earthrise
06. Evil Omen
07. 21th Century Sky
08. The Zone
09. Dead River

Jannis

KING OF NONE – Weightless Waters (EP)

Band: King Of None
Album: Weightless Waters
Spielzeit: 32:32 min
Stilrichtung: Heavy Psychedelic Stoner Prog Rock
Plattenfirma: Eigenveröffentlichung
Veröffentlichung: 10.05.2019
Homepage: www.facebook.com/kingofnone/?ref=br_rs

Es ist so ein Dilemma, wenn man König ist, aber keine Untertanen hat. Was macht man so den lieben langen Tag ohne jegliche Verantwortung für sein Volk? Liest man Bücher, poliert sein Zepter, stagniert man Filme schauend auf dem Sofa? Nun, wären alles Optionen, aber man könnte halt auch die Zeit ins Musik machen investieren. So geschehen bei KING OF NONE, nach eigenen Angaben macht man Heavy Psychedelic Stoner Prog Rock, kommt aus Finnland und hat mit der aktuellen EP “Weightless Waters” inzwischen drei draußen. Kam unverhofft in mein Postfach geflattert, wurde gehört und für gut befunden. Kompliment erstmal für die Genre-Selbsteinschätzung, das haut tatsächlich so hin. Kompliment auch für die Produktion der mit sechs Songs und über dreißig Minuten Spieldauer doch recht üppigen EP, die sich zwischen zeitgenössischer Progressive-Metal-Produktion und dem schönen staubig-trockenen Stoner-Rock-Sound bewegt und für diese Art Musik echt optimal und interessant ist. Des weiteren noch Komplimente für den Gesang, der sich zwischen kratzig-rauem aber melodischem und Klargesang bewegt und zwischendurch noch Platz für ein paar saftige Growls übrig hat, und für die Instrumentalfraktion, die souverän on Point agiert.
Genug der Komplimente? Mitnichten, denn jetzt kommen wir zur Kompositionsleistung, und man muss bewundernd anerkennen: Diese Truppe klingt nicht nach einer, die gerade erst ihre dritte EP veröffentlicht hat. “Weightless Waters” ist ein beeindruckend geschriebenes, höchst professionelles Werk mit einem sehr eigenen Sound (Ein wenig MASTODON könnte man finden, aber dennoch höchst eigenständig, die ganze Sache). Die Prog-Elemente sind unaufdringlich und der Sache dienlich, ebenso Charakteristika der anderen Teil-Genres, und die Kombination dieser Elemente ist absolut schlüssig und harmonisch.
Bereits der Opener “Words Of Mine” überzeugt mit seinem hypnotisch-redundanten Riff (Die Riffarbeit ist auf “Weightless Waters” generell brutal) und verleitet zum Griff nach allen in der akuten Umgebung verfügbaren bewusstseinserweiternden Substanzen. “Worlds Collide” treibt anschließend wie Arsch, wechselt gekonnt zwischen harmonisch-melodischeren und fies-bösen Parts, bevor mit “Frog Palace” das Tempo runtergeschraubt wird. Das in Teilen punktiert gespielte Ding groovt nach allen Regeln der Kunst und stimmt auf “Desolator” ein, das partiell tempotechnisch nochmal runtergedoomed ist und auch ein paar ruhigere Passagen in petto hat. “Starbirling” zieht dagegen wieder ordentlich an, wärmt nochmal einen kleinen Riffpart aus Track 1 auf und bemüht obligatorischerweise den Schellenkranz. Dann noch “Yellow Snake King”, das ein weiteres Mal die Position der Band als letzte des Abends auf einem Festival als geeignet bestätigt und die Platte ist durch. Neben der rein subjektiven Tendenz, dass die letzten beiden Songs minimal weiniger herausragend sind als die ersten vier, habe ich keine Kritik. Krasse Sache, interessanter Stilmix toll umgesetzt!

Fazit:
Frisch, durchaus innovativ, heavy, hypnotisch, intelligent, stark komponiert und gespielt – KING OF NONE sind eine Bereicherung für jeden, der neben Heavy und Progressive Metal auch ein bisschen Staub in seiner Plattensammlung mag. Mit dem, was sie macht, ist die Truppe eine Ausnahmeerscheinung und “Weightless Waters” hat in jeder Hinsicht hohen Respekt verdient!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Words Of Mine
02. Worlds Collide
03. Frog Palace
04. Desolator
05. Starbirling
06. Yellow Snake King

Jannis

VOLSTER – Perfect Storm

Band: Volster
Album: Perfect Storm
Spielzeit: 52:20 min.
Stilrichtung: Melodic Hard Rock
Plattenfirma: ROAR Rock Of Angles
Veröffentlichung: 20.04.2018
Homepage: www.volsterband.com

Der Sommer steht vor der Tür, die Harley/Das Moped/Das Fahrrad in der Garage scharrt ungeduldig mit den runden Hufen, der Highway ruft. Der Soundtrack fehlt.
Stop. Der Soundtrack fehlt nicht mehr, denn VOLSTER haben ihr erstes Album “Perfect Storm” veröffentlicht, und das ist rock’n’rolliger Hard Rock in Reinform, dessen Wurzeln bestes Wasser aus dem stonigen Grund der Siebziger und Achtziger saugen.
Produziert wurde das Album von niemand Geringerem als Max Norman, der schon bei OZZYs “Bark At The Moon” seine Finger am Regler hatte. Dementsprechend klingt “Perfect Storm”, wie zu erwarten, recht tiefenlastig, gerade in den Gitarren, kompensiert dies jedoch durch den recht höhenlastigen Gesang. Der Sound ist somit für heutige Verhältnisse leicht gewöhnungsbedürftig, für das Konzept und in Anbetracht der Einflüsse von VOLSTER jedoch bestens geeignet – und leistet dem Album zweifelsohne einen guten Dienst.
Was die Schweden um den Ex-Gitarristen und Ex-Bassisten der Ex-MASQUERADE so machen, klingt erst einmal nach eingängigem Hard Rock mit Fokus auf eingängigen Melodien und hörbarer Rock’n’Roll-Ästhetik. “King Of The Hill” und “Heaven Or Hell”, die beiden ersten Tracks des Albums, ziehen gradlinig voran, sind nicht besonders komplex und halten ein paar feine Melodien parat, die, wie man es von derart erfahrenen Leuten im Biz erwarten darf, absolut angemessen umgesetzt wurden.
Dass VOLSTER auch anders können, zeigt sich im weiteren Verlauf der Platte, die in ihrem stilistischen Rahmen doch erfreulich vielseitig ist. “Easier Said Than Done”’s Drums arbeiten schön tom-orientiert und vervollständigen die Dur-durchzogene Gitarrenarbeit und die feine Melodieline zu einem stimmungsvollen Lagerfeuer’n’Leather-Song, Breathless kommt mit einem Killerrefrain, dessen Sahnehäubchen die Backing Vocals ausmachen, und der letzte Track, “Ends With Me” (schöne Idee), überzeugt mit amtlicher Härte, die dem melodischen Refrain seine Wirkung nicht nimmt.
Stark insbesondere auch “Drifting Away” und “Babylon”. Während erstgenannter Song mit loungiger E-Orgel, Rasseln und unkonventionellen Harmonien Freude bereitet, verteilt “Babylon” runde Sonnenbrillen und ein wenig Marihuana an seine Hörer. Der Track ist stark im Stoner Rock angesiedelt, ist sich Gott sei Dank auch nicht für ein Sitar-Solo zu schade und karrt extra für die letzten zehn Sekunden während des Ausfadens noch ein paar Bongos ran. So lobe ich mir das.
Sonst noch erwähnenswerte Songs? Ja, im Endeffekt hat jeder Song auf “Perfect Storm” seine Eigenart und Berechtigung, auch wenn einige subjektiv mehr als andere unterhalten. Aber ob “Games Of War”, das im Endeffekt eine Art “No More Tears” ist, oder “I Don’t Care” mit seinem krassen Kontrast zwischen dem wuchtigen Sound der Band und dem bewusst dünnen Riff – Spaß machen die Tracks alle. Insbesondere jedoch folgende…

Anspieltipps:
“Drifting Away”, “Easier Said Than Done”, “Babylon” und “Breathless”

Fazit:
Ich schäme mich schon etwas, in letzter Zeit immer nur so positive Rezensionen rauszuhauen. Aber was will man machen? VOLSTERs Debut ist ein geiles melodisches Hard-Rock-Album im Stil der Größen der Siebzieger/Achtziger geworden. Mein volster Respekt dafür.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. King Of The Hill
02. Heaven Or Hell
03. Perfect Storm
04. Breathless
05. Still In Love
06. Babylon
07. Hero
08. Games Of War
09. Easier Said Than Done
10. I Don’t Care
11. Drifting Away
12. Ends With Me

Jannis