WORK OF ART – Exhibits

Band: Work of Art
Album: Exhibits
Spielzeit: 46:35 min
Stilrichtung: AOR, Melodic Rock
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 08.11.2019
Homepage: https://de-de.facebook.com/musicofworkofart

Das schwedische Trio WORK OF ART hat mit seinen bisherigen 3 Alben eigentlich nur extrem hochwertige AOR Kost vorgelegt. Den Vorwurf, dass der Sound der Truppe allzu nahe an den offensichtlichen Vorbildern Toto klebt kann man durchgehen lassen. Allerdings gibt es nur wenige Bands, die in diesem Fahrwasser fahren und so konsequent Qualität abliefern wie WORK OF ART. Und da Toto ja auch nicht mehr die produktivste Band unter der Sonne ist, können Genre-Fans froh sein, dass jemand die Lücke so gekonnt schliesst. Auch auf Album Nummero 4 sind die bekannten Trademarks (edelstes Songwriting, treffsichere musikalische Beiträge, eine angenehm transparente Produktion) wieder zu Hauf vorhanden. Hinzu gekommen sind allerdings auch deutliche Verweise auf (härtere) Journey. Das ist alles nicht unbedingt spannend. Auf Ihrem Feld sind die Jungs allerdings mittlerweile beinahe unschlagbar.

Luftig produziert, mit einem Sound der nun wirklich niemandem weh tut, „rocken“ sich WORK OF ART durch eine Reihe mit süchtig machenenden Hooklines randvoll gefüllten Wundertüten wie „Misguided Love“, dem von Gast-Keyboarder Vince DiCola (von dem die „Training Montage“ auf dem Rocky IV Soundtrack stammt) veredelten Ohrwurm „This Isn’t Love“ oder „Be the Believer“. Ja, zugegeben, manchmal schrammen die Jungs auch mal zu nah am Kitsch bzw. der austauschbaren Belanglosigkeit vorbei („Come home“, „What you want from me“). Aber im Großen und Ganzen treffen Sänger Lars Säfsund und seine Jungs eigentlich immer verlässlich ins Schwarze und liefern mit „Exhibits“ eines der, wenn nicht das, Highlight 2019 im AOR Bereich ab.

WORK OF ART sind quasi der fluffige Counterpart zu den etwas forscher ans Werk gehehnden Kollegen von ECLIPSE: Songwriting Maschinen mit Hit-Garantie, bei denen man mit jeder neuen Platte die Gewissheit kauft genau das zu bekommen was man erwartet. Das mag leidlich spannend sein. Aber im Bereich AOR und Melodic Rock gibt es weit und breit nur ganz wenige, die an die kompositorische und handwerkliche Qualität von Robert Sall & Co. heranreichen. Klare Kaufempfehlung!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Misguided Love
02. Be the Believer
03. Another Night
04. This isn’t Love
05. Gotta get out
06. Come home
07. If I cold fly
08. Destined to survive
09. Scars to prove it
10. What you want from me
11. Let me dream

Mario

DEAF RAT – Ban the Light

Band: Deaf Reat
Album: Ban the Light
Spielzeit: 45:23 min
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 08.11.2019
Homepage: www.DeafRat.com

Bei DEAF RAT handelt es sich um eine neue schwedische Hardrock Formation, die laut Presse Bildern als Trio unterwegs ist – im Promotext werden allerdings 5 Bandmitglieder benannt. Wie dem auch sei, die Truppe legt mit „Ban the Light“ Ihr von Erik Berglund ziemlich fett und modern produziertes Debüt vor. Das athmospärische, gelungene Cover gibt die Marschrichtung schon ganz gut vor – die Songs sind schön düster gehalten, rocken hart nach vorne und werden vom charismatischen Gesang von Frankie Rich getragen. Alleine die kitschigen Promo-Fotos wollen nicht so recht ins Konzept passen – denn die Jungs sind geschminkt wie Poison anno dazumal – gruselig.

DEAF RAT spielen Hardrock der alten Schule. Durch die Tatsache, dass die beteiligten Musiker alle bereits viele Jahre in den Musikstudios dieser Welt auf dem Buckel haben, klingt das Ganze dann auch entsprechend routiniert und abgeklärt. Hier sind Profis am Werk die wissen wie der Hase hüpft. Die Gitarren riffen relativ modern nach vorne, die Produktion ist in die Fresse aber erfreulich echt und Songs wie der flotte Opener „Fallen Angels“, der nicht minder krachende Titeltrack oder die toll arrangierte Akustik-Ballade „Bad Blood“ sind empfehlenswerte Anspieltipps. Einzig, es mangelt den 10 Songs eigentlich durchweg an der wirklich zwingenden Hookline. Dieser Refrain den Du nicht mehr aus dem Ohr bekommst – der fehlt auf „Ban the Light“ leider völlig. Aber auch so macht die Dreiviertelstunde oredentlich Spass. Dass die Jungs es durchaus in sich haben einen entsprechenden Volltreffer zu landen steht für mich ausser Frage. So ist der Erstling der Truppe zwar ein hörenswertes erstes Lebens-, nicht aber das erhoffte Ausrufezeichen am aktuell doch stark stagnierenden Hardrock Firmament. Antesten dennoch empfohlen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Fallen Angels
02. Hail the End of Days
03. Tying you down
04. Save me from myself
05. Ban the Light
06. Bad Blood
07. Make you suffer
08. Say you love me
09. Wanted forever
10. Welcome to Hell

Mario

IF ONLY – No Bed of Roses (Re-Release)

Band: If Only
Album: No Bed of Roses (Re-Release)
Spielzeit: 78:13 min
Stilrichtung: Melodic Metal, Hard Rock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: (bereits erschienen)
Homepage: www.rockcandyrecords.com

Die britischen Hardrocker IF ONLY, um den Gitarristen und Songschreiber Greg Hart (aktuell z.B. Cats in Space), haben es in ihrer Karriere auf lediglich ein einziges Album gebracht. Die Entstehung dieses vergessenen Meilensteins aus dem Jahr 2011, die einer regelrechten Odysee glich, möchte ich hier nicht nochmals erzählen. Erstens wird dies bereits in so gut wie jeder Besprechung der Platte aufgewärmt und zweitens sollte der geneigte Fan sich die ganze Geschichte dann doch besser anhand der, wie bei Rock Candy gewohnt vorzüglichen Linernotes dieses Re-Releases, durchlesen. Resultat der diversen Rückschläge die die Truppe erleiden musste (vor allem der Verlust der Sängerin Lorraine Bennigton, die durch Jackie Bodimead ersetzt wurde, wog schwer), war aber eine bärenstarke Scheibe die auch heute noch mächtig schiebt.

Verorten kann man das Ganze irgendwo beim typischen 80er Stadionrock im Stile von Bon Jovi & Co. Da IF ONLY aber eine Sängerin in Ihren Reihen hatte, sind Paralelen zu Heart (zu „Brigade“ Zeiten) nicht von der Hand zu weisen. Was vor allem auffällt ist, dass die Londoner Truppe so dermassen nach USA klingt, dass man wohl nie auf die Idee käme es mit Engländern zu tun zu haben. Jackie Bodimead, die zuvor bei Girlschool tätig war, liefert auf Songs wie „Loaded Gun“ oder „Rock and a hard Place“ eine derart krachend überzeugende Vorstellung ab, dass einem die Spucke wegbleibt. Da blieb/bleibt mancher männliche Kollege ganz schön blass im Vergleich. Und Mastermind Hart lieferte mit Songs wie der Ballade wie „If Love could last forever“ den Beweis, dass er locker das Kompositionsniveau der grossen amerikanischen Vorbider halten konnte. Auf „No Bed of Roses“ gibt es keinen Aussetzer, jeder Songs ist perfekt geschrieben, gespielt und soundtechnisch zeitlos in Szene gesetzt.

Der Re-Release dieses absoluten Sahnealbums hat es wirklich in sich und sei jedem Hardrock Fan ans Herz gelegt. Ich feier Rock Candy Releases ja gerne mal ab, weil die vom Label neu aufgelegten Platten meine musikalische Sozialisation nochmals aufleben lassen und ich da vielleicht auch gerne mal die Rosarote Fanbrille auf habe. Bei „No Bed of Roses“ kann, ja darf es aber eigentlch keine 2 Meinungen geben. Die Scheibe ist ein essentielles Stück Hardrock Geschichte, das in keiner entsprechenden Plattensammlung fehlen darf. Da auch die Aufmachung (das originale, ziemlich üble Cover wurde durch ein geschmackvolles Neues ersetzt, das Remastering tut dem Abum hörbar gut und nicht zuletzt sind die Linernotes informativ und durchweg unterhaltsam) gewohnt hochwertig ist, ist diese Neuauflage ein rundum-Sorglospaket geworden. Zugreifen!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Loaded Gun
02. Tumblin‘ Dice
03. If Love could last forever
04. I’m no Angel
05. No Bed of Roses
06. Easy Lay
07. Rock and a hard Place
08. Red Hot Heaven
09. Ghost of you
10. Forever my Love
11. Long way from Home
12. Man against the world
13. All over
14. Stand like a Stone
15. Don’t let go
16. Shotdown
17. Tight Jeans (Live)

Mario

LEPROUS – Pitfalls

Band: Leprous
Album: Pitfalls
Spielzeit: 55:09 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: InsideOut Music
Veröffentlichung: 25.10.2019
Homepage: www.leprous.net

Leicht haben es die Norweger LEPROUS ihren Fans noch nie gemacht. Jedes Album war eine neue Herausforderung und entsprechend, im wahren Sinne des Wortes, progressiv gestaltete sich bisher die stete Neuorientierung. Es bleibt spannend zu beobachten wie sich die Band auf jedem Albem neu erfindet und doch von der ersten Note an sofort erkennbar bleibt. Dazu trägt natürlich in erster Linie Sänger/Keyboarder Einar Solberg bei, der mit seinem eigenwilligen Stil und den charakteristischen Phrasierungen wie ein Leuchtturm heraussticht. Auf „Pitfalls“, dem nunmehr 6. Album seit dem 2009er Debüt „Tall Poppy Syndrome“, gehen LEPROUS ihren Weg konsequent weiter, entledigen sich zunehmend dem „Metal“-Korsett und tauchen immer tiefer in Genrefremde Klänge ein. Dabei wird aber nicht wie z.B. bei Opeth quasi das bisherig Erschaffene über Bord geworfen, sondern vielmehr Instrumentierung und Arrangements angepasst. Leichte Kost ist „Pitfalls“ auch weiterhin nicht, einen Hit wird man von den Jungs in naher Zukunft nicht bekommen. Auch wenn, das ist das Neue im LEPROUS Sound, zunehmend Pop Einflüsse den Bandsound formen – selbstverständlich ohne dabei die eigenen Identität auf der Strecke zu lassen.

Mehr noch als auf den bisherigen Alben der Truppe zieht sich ein zutiefst melancholischer, ja depressiver Ton durch Songs wie den Opener „Below“ oder die Single „Alleviate“. Es ist und bleibt unverkennbar LEPROUS und dank einer homogenen, erdigen Produktion haben die Gitarren natürlich auch weiterhin ihren wichtigen Platz. Aber alles wirkt auf links gedreht, neu überdacht und wie ein Puzzle auseinandner und wieder neu zusammengesetzt. Wenn in „At the Bottom“ oder dem grandiosen abschliessenden Longtrack „The Sky is red“ Parallelen zu den vergangenen Grosstaten von Bands wie Tears for Fears, Depeche Mode und auch mal The Cult durchscheinen, dann kann ich nur begeistert feststellen, dass LEPROUS zwar nicht mehr ganz so eingängig zu Werke gehen wie noch auf „Coal“, dafür aber Ihre neuen Kompositionen in dermassen ausgefeilte Arrangements und geschmacksichere Sounds gesteckt haben, dass die Band eigentlich ausser Konkurrenz läuft.

Wer mit der bisherigen Entwicklung von LEPROUS mithalten wollte, der nimmt auch die neueste Volte mit Kusshand an. Die Jungs fordern auch weiterhin vom Hörer Einsatz und Mut sich auf Neues einzulassen, etwas was im weiten Spielfel des Prog zunehmend schwer zu finden ist. Episch, bombastisch, streckenweise poppig verspielt und immer fordernd – ich bin schwer beeindruckt von dem Mut, den die Jungs auf „Pitfalls“ zur Schau stellen und den beeindruckenden Songs, die eine gewisse Einarbeitung brauchen, dann aber eine enorme Langzeitwirkung entfalten. Bärenstarkes Album.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Below
02. I lose hope
03. Observe the Train
04. By my Throne
05. Alleviate
06. At the Bottom
07. Distant Bells
08. Foreigner
09. The Sky is red

Mario

WAYWARD SONS – The Truth ain’t what it used to be

Band: Wayward Sons
Album: The Truth ain’t what it used to be
Spielzeit: 47:50 min
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Frontiers Music
Veröffentlichung: 11.10.2019
Homepage: www.waywardsonsband.com

Den jung Gebliebenen unter uns ist der Name Toby Jepson vielleicht noch ein Begriff. Im Nachklang der von Guns N Roses losgetretenen Sleaze und Hardrock Welle versuchten die Briten ebenfalls ein Stück vom lukrativen Kuchen abzubekommen und legten mit Ihrem 2. Album „Young Gods“ (1991) ein starkes Stück Rock vor, das als Highlight des kernigen Rock von der Insel locker neben dem frühen Output ihrer Landsleute Thunder bestehen konnte/kann. Zum grossen internationalen Durchbruch hat es leider nicht gereicht, aber Jepson ist bis heute dem Genre und dem Business treu geblieben. Nach dem Ende der Littel Angels hat sich Jepson seine Brötchen u.a. als Sänger bei seinen Landsmännern Gun und Fastway verdient, bevor er 2017 mit den WAYWARD SONS zu seinen musikalischen Wurzeln zurückgekehrt ist („Ghosts Of Yet To Come“, 2017). Das Debüt ist bereits sehr gut angekommen, und der vorliegende Nachfolger steht dem in Nichts nach.

Auch diesmal bieten die WAYWARD SONS eine abwechslungsreiche Mischung aus rifflastigem Hardrock („Any other Way“, „Joke’s on you“, „Feel good Hit“), eleganten Queen-Referenzen („Long Line of Pretenders“, „Little white Lies“) und unprätentiösen Balldaden („Fade away“). Und da Jepson immer noch ein feines Händchen für perfekt passende Hooklines hat, dauert es nich tlange und man ertappt sich dabei den ein oder anderen Song vor sich hin zu singen. Handwerklich ist ebenfalls alles im Lot, wobei neben dem immer noch starken Gesang von Jepson vor allem Gitarrist Sam Wood einige tolle Parts beisteuern kann.

Jau, mit „The Truth ain’t what it used to be“ macht der qualitätsbewusste Hardrock-Jünger nichts falsch. Jepson und Co. liefern, und das war eigentlich auch gar nicht anders zu erwarten, eine überzeugende Sammlung alltagstauglicher Hymnen ab. Da auch die Produktion weder nach Plastik noch nach Fliessband klingt, kann man hier, insofern man diesem Genre etwas abgewinnen kann und den leidigen Einheitsbrei satt ist, bedenkenlos zugreifen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Any other Way
02. Black as Sin
03. Joke’s on you
04. Little white Lies
05. Feel good Hit
06. Fade away
07. Have it your own Way
08. Long Line of Pretenders
09. (If only) God was real
10. The Truth ain’t what it used to be
11. Punchline
12. Us against the World
13. Totally screwed (hidden Track)

Mario

RAY ALDER – What the Water wants

Band: Ray Alder
Album: What the Water wants
Spielzeit: 46:01 min
Stilrichtung: Progressive Rock/Metal
Plattenfirma: InsideOut Music
Veröffentlichung: 18.10.2019
Homepage: www.facebook.com/RayAlderOfficial

RAY ALDER, der seit seinem Einstieg (1987) bei den Prog Metal Pionieren Fates Warning mit dem (reichlich unfairen) Vergleich zu seinem Vorgänger John Arch regelmässig konfrontiert wird, hat einige bemerkenswerte Alben (sowohl mit seiner Hauptband, als auch mit den ähnlich gelagerten Veteranen Redemption) eingesungen. Es ist mir völlig unverständlich, warum der Hühne mit der Bärenstimme immer noch von vielen Fans als 2te Wahl gegenüber Arch gehandelt wird, dessen unnachvollziehbares Gejaule mir persönlch weiterhin mehr Zahnschmerzen als Freude an der Musik bereitet (jaja, ich weiss …). Nachdem Fates Warning mit „Theories of Flight“ im Herbst Ihrer Karriere ein absolutes Highlight abgeliefert haben, bei dem vielerorts vor allem ALDER’s Gesang gelobt wurde, ist es nun endlich an der Zeit, dass der mit den Jahren stimmlich enorm gereifte Sänger sein erstes Solo-Album vorlegt. Unterstützt wurde ALDER im Studio dabei von Fates Warning Tour-Gitarrist Mike Abdow, Bassist Tony Hernando (Lords Of Black) und Drummer Craig Anderson (Ignite, Crescent Shield).

Während der Opener „Lost“ noch Parallelen zu dem Fates Warning Hochglanz-Output der frühen 90er im Stile von „Parallels“ aufweisst, kommen bei dem von luftigen Basslinien und einem packenden Refrain getragenen „Crown Of Thorns“ eher unerwartete Töne ans Ohr. Auffällig im weiteren Verlauf der Platte (die mit einer knackigen Dreiviertelstunde übrigens genau die richtige Länge hat) ist ALDER’s treffsicheres Gespühr für passgenaue Hooklines. Das kommt Songs, bei denen der Gesang instrumental nur spärlich kreativ unterstützt wird, sehr zugute („Some Days“). Klanglich ist die von Simone Mularoni (Rhapsody, Michael Romeo, DGM) gemischte Scheibe ein angenehm transparantes Sahnestück. Hier laden die spährischen Tracks ebenso zum Schweben, wie die (leider etwas unterrepräsentierten) heftiger rockenden Songs zum, nun ja, rocken ein. Mit „Shine“ und dem formidablen „What The Water Wanted“ hat ALDER 2 krachende Volltreffer gelandet, die die Platte vor dem Abdriften in allzu seichte Gewässer bewahrt. Alles in allem ist “What The Water Wanted“ ein starkes Album geworden, dass ALDER von einer etwas anderen, introvertierteren Seite zeigt und verdeutlicht, dass der Sänger auch abseits seiner Stammband etwas Gehaltvolles zu sagen hat.

“What The Water Wanted“ kann als Digipak CD (mit einem Bonus Track) sowie als 180g LP (inkl. dem Album auf CD) abgegriffen werden. Fans von Fates Warning und Mr. ALDER können hier bedenkenlos zugreifen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Lost
02. Crown Of Thorns
03. Some Days
04. Shine
05. Under Dark Skies
06. A Beautiful Lie
07. The Road
08. Wait
09. What The Water Wanted
10. The Killing Floor

Mario

BLOCK BUSTER – Losing Gravity

Band: Block Buster
Album: Losing Gravity
Spielzeit: 40:15 min
Stilrichtung: Alternative/Hard Rock
Plattenfirma: Frontiers Music
Veröffentlichung: 13.09.2019
Homepage: www.facebook.com/blockbusterband

Aus Finland trudelt via Frontiers eine weitere Newcomer-Truppe auf den Plattenteller, die um Gehör bittet. Die vom Label in die Waagschale geworfenen Einflüsse AC/DC, Motörhead, Extreme und Bon Jovi kann man alle getrost als Kokolores abhaken – mit diesen Bands hat das bereits vor 10 Jahren gegeründete Quartett BLOCK BUSTER nun wirklich, zumindest klanglich, nicht viel am Hut. Es wird modern angerichteter harter Rock geboten, der mal aufs Radio und dann wieder auf die Rockarenen dieser Welt schielt. Ein Hauch Alternative Rock der 90er ist auch noch mit in der Mixtur.

Die Songs sind abwechslungsreich und mit viel Geschick komponiert. Tracks wie der cooler Opener „Out in the City“, das hymnische „Back from the Shadows“ oder die geile 80er Hardrock Reminiszenz „Sweet Mary Jane“ sind schwergewichtige Argumente für diese neue Truppe. Allerdings kommen die Jungs, trotz guter Hooks und handwerklichem Geschick, manchmal nicht so richtig aus dem Quark. Vielleicht ist hier manches einfach ein paar mal zu oft durchkalkuliert und auf Nummer sicher genäht worden? Spontan klingt hier nichts, etwas mehr Dreck unter den Fingernägeln würde den Jungs gut stehen. Laune macht die Platte aber dennoch und es erfreut eh, dass bei Frontiers auch mal eine „echte“ Band eine Bühne geboten bekommt und nicht das x-te Retortenprodukt.

Was BLOCK BUSTER hier auf Ihrem Debüt abliefern ist ziemlich abgebrüht und klingt eher nach einer Truppe von eingespielten Songwritern als nach einer Newcomer-Band. Das ist perfekte (Rock)Musik (auch) zum Nebenbei-Hören. Man legt „Losing Gravity“ auf und kann sich ungestört anderen Dingen widmen, die einzige Gefahr ist, dass man sich dabei ertappt hier und da die ungemein eingängigen Refrains mitzusummen. Die Hooklines sind in der Tat sehr effektiv und wer mit Alben von Bands wie Straight Frank, Crashdiet und High Spirits was anfangen kann, der wird auch mit BLOCK BUSTER glücklich. Ein starker Einstand, wenn auch alles andere als originell.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Out in the City
02. Gone by the Morning
03. Flammable
04. Back from the Shadows
05. Losing Gravity
06. Sweet Mary Jane
07. Somebody to shock me
08. Walking like a dog
09. Move
10. Would you do it again
11. Bulletproof

Mario

EUROPE – The Final Countdown (Re-Release)

Band: Europe
Album: The Final Countdown (Re-Release)
Spielzeit: 68:29 min
Stilrichtung: Hard Rock, Melodic Metal
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: (bereits erschienen)
Homepage: www.rockcandyrecords.com

Ein Song kann Segen und Fluch zugleich sein. Ein Song kann die gesamte Karriere einer Band für immer prägen und, manchmal, wie Kacke am Fuss kleben. Fragt mal Rex Guildo. Ich kann mich noch genau erinnern wie ich damals, auf einem kleinen Röhrenfernseher inmitten der vor der Hitparade versammelten Familie, Joey Tempest mit rosa Lipgloss und unfassbarer Pudelfrisur „The Final Countdown“ schmettern sah/ hörte. Die Eltern waren entsetzt und das war alles was ich brauchte um meinem Bauchgefühl zu folgen – das sah schon übel aus, keine Frage, aber die Musik war geil. Nun, „The final Countdown“ ist ein Klassiker, ein Rocktrack für die Ewigkeit und nur wenige Lieder vereinen so exemlarisch all die Dinge, ob derer man heute gerne naserümpfend auf die damalige Hairmetal Szene herabblickt. Die Sache war allerdings nicht ganz so simpel wie die Reduzierung auf unverzeihbare Modeausrutscher und cheesige Keyboardsounds suggerieren mögen. EUROPE waren eine an und für sich bodenständige Rockband, die ihr Handwerk mehr als verstand. Was Saitenhexer John Norum auf seiner Strat damals so zum Besten gab war eine edle Mischung aus angesagtem Neo-Klassik Gegniedel (das sein Landsmann Yngwie J. Malmsteen erst so richtig auf die Landkart geshreddert hatte), dunkelblauen Blueslicks und einem typisch schwedischen Melodiegespühr. Nicht umsonst fand Norum, der nach dem kometenhaften Aufstieg der Band und einer immer weiter Richtung Kommerz drifftenden Mannschaft fluchtartig das Schiff verliess, im Anschluss Engagements mit bzw. bei u.a. (erst Don) und später auch Dokken und Glenn Hughes anzunehmen.

Wer auf Hardrock steht und nicht unter einem Stein lebt, dem muss ich das Album wohl nicht wirklich weiter vorstellen, oder? Der Titeltrack ist eine Bank für sich. Hinzukommen noch die herzerweichende Ballade „Carrie“ sowie die Hymnen „Rock the Night“, „Danger On The Track“ und „Cherokee“, die allesamt zum gepflegten Kanon der Hardrockhistorie zählen sollten. Die Scheibe zementierte den Heldenstatus der Truppe und katapultierte die Schweden weit über die Landesgrenzen hinaus an die Stitzen der weltweiten Charts. Das Album hat diverse Neuauflagen spendiert bekommen, und wurde auch mehrmals mit neuen Mastern versehen. Einige dieser Remasters waren, nun ja, nicht das Gelbe vom Ei (um es mal vorsichtig auszudrücken) und konnten einem aufgrund extremer Loudness-Manie die Plomben aus den Zähnen hauen. Das vorliegende Rock Candy Records Remaster ist glücklicherweise nicht so extrem ausgefallen und lässt die Scheibe in schönem Glanz erstrahlen. Als Schmanckerl gibt es noch eine Handvoll guter Bonus-Tracks obendrauf und wie immer, sehr unterhatsame un informative Linernotes.

Der nach Norums Abgang eingespielte Nachfolder („Out of this World“) ist bereits bei Rock Candy Records in einer gepimpten Version erschienen und stand „The Final Countdown“ eigentlich in nichts nach. Dennoch ist das hier besprochene Album der definitive Klassiker der Bandgeschichte, der in keinem gut sortierten Hardroc-Haushalt fehlen sollte. Ein toller Re-Release eines essentiellen Albums.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Final Countdown
02. Rock The Night
03. Carrie
04. Danger On The Track
05. Ninja
06. Cherokee
07. Time Has Come
08. Heart of Stone
09. On The Loose
10. Chaser
11. The Final Countdown (live) (Bonus Track)
12. Danger On The Track (live) (Bonus Track)
13. Carrie (live) (Bonus Track)
14. Seven Doors Hotel (1986 version) (Bonus Track)
15. Rock The Night (B-side remix) (Bonus Track)
16. On Broken Wings (B-side) (Bonus Track)

Mario

OPETH – In Cauda Venenum

Band: Opeth
Album: In Cauda Venenum
Spielzeit: 67:56 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 27.09.2019
Homepage: www.opeth.com

2019 legen zwei der wohl wichtigsten und einflussreichsten Prog-Metal Bands der letzten 3 Dekaden neue Alben vor, und die Ergebnisse könnten nicht unterschiedlicher sein: während Dream Theater sich auf „Distance over Time“ ihrer alten Stärken besinnen und ein typisches, bis ins letzte Detail formelhaftes, Album vorgelegt haben (und sich damit so weit vom ursprünglichen Genre-Sinn entfernt haben wie es nur geht), zeigen die Schweden OPETH auf „In Cauda Venenum“, dass der Begriff „progressiv“ nicht nur als Schubladen Aufkleber, sondern auch als Karriere-Kompass dienen darf. Die Band um den Kreativkopf Mikael Åkerfeldt hat es ihren Fans und Kritikern noch nie leicht gemacht. Aber was die Jungs auf Album No. 13 abliefern, pulverisiert jegliche Erwartungshaltungen die man vielleicht noch gehabt haben könnte im Ansatz.

Die Platte erscheint sowohl auf Schwedisch als auch auf Englisch, wobei Åkerfeldt die Version in seiner Muttersprache als das Hauptwerk betrachtet. Und was zwischen dem atmosphärisch eindringlichen Instrumental/Opener „Garden Of Earthly Delights“ und dem abschliessenden, mit einer versöhnlichen Grundstimmung endenden „All Things Will Pass“ so alles passiert ist OPETH pur – unberechenbar, verflixt filigran, erhaben dunkel und thematisch brachial. Aber eben nicht heavy im herkömmlichen Prog-Metal Verständnis. Geht es zum Ende der Scheibe mit dem von Streichern unterstützten, mit mittelalterlichen Versatzstücken duchzogenen Epos „Universal Truth“ und dem beswingt angejazzten „The Garroter“ relativ entspannt Richtung Ausgang, so hat man bis dorthin einen Parforceritt hinter sich. Das schwer stampfende „Heart In Hand“ oder das durchgeknallte „Charlatan“, das auch auf „Watershed“ hätte stehen können, liefern Spannung und kompositorische Highlights am laufenden Band. Wer einen Moment nicht aufmerksam ist, hat wieder ein Detail verpasst. Nein, der Zugang zu „In Cauda Venenum“ ist alles andere als leicht. Was das Ganze zudem immer wieder entdeckenswert macht, ist auch die tolle Produktion (die Gitarren klingen fantastisch, jedes noch so kleinste Detail der wie immer anspruchvollen Basslinien ist herauszuhören), die durch zahlreiche eingestreute Sprachsamples alles zu einem grossen Ganzen festzurrt. Es muss für die Band ein Traum sein sich mit jedem Album neuen Herausforderungen stellen zu müssen. Entsprechend spielen alle Beteiligten wieder bärenstark auf und liefern wie gewohnt eine eindrucksvolle Leistung ab – allen voran Gitarrist Fredrik Åkesson, der mal wieder einige unfassbare Soli beisteuert (wie in der beinahe schon kommerziellen Ballade „Lovelorn Crime“).

Leider lag mir zur Besprechung nur die Englische Version des Albums vor. Ich hätte zu gerne die „Hauptversion“ mit den schwedischen Texten gehört. Ich vermute, dass die eindringliche, beschwörerische Stimmung der Songs durch den Schwedischen Gesang nochmals an Effektivität gewinnt. Aber auch in dieser Version, die wohl der Grossteil des Publikums hören wird, lässt „In Cauda Venenum“ den Zuhörer zunächst sprachlos und mit jedem weiteren Durchlauf betört zurück. Was man zum Geniessen dieser Platte auf jeden Fall mitbringen sollte: ein offenes Ohr, Zeit, Geduld und ein gutes Paar Kopfhörer. Gemütlich im Ohrensessel, ein paar Kerzen und „In Cauda Venenum“ auf die Ohren – selten kann man sich darat in einem düsteren, verwinkelten und dennoch überaus spannenden Labyrinth verirren. Ein weiteres Highlight in der Diskographie der Band, das ich ähnlich stark wie „Pale Communion“ einordne, und sowohl „Heritage“ als auf „Sorceress“ vorziehe. Bei dem man allerdings auch das Gefühl hat, dass die Jungs so langsam die mit „Heritage“ eingeschlagene Richtung ausgelotet und diese Phase der Band auf (einen weiteren) Zenith geführt hat.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Garden Of Earthly Delights
02. Dignity
03. Heart In Hand
04. Next Of Kin
05. Lovelorn Crime
06. Charlatan
07. Universal Truth
08. The Garroter
09. Continuum
10. All Things Will Pass

Mario

AVIATOR – Aviator (Re-Release)

Band: Aviator
Album: Aviator (Re-Release)
Spielzeit: 50:58 min
Stilrichtung: AOR / Melodic Rock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: (bereits erschienen)
Homepage: www.rockcandyrecords.com

Fans von frühen Bon Jovi und Heart in den späten 80ern (also zu „Brigade“ Zeiten) sollten an dem vorliegenden Re-Release des Debüts (und einzigen Albums) der US AOR Truppe AVIATOR ihr helle Freude haben. Das Rock Candy Label hat ja quasi einen Grossteil seines Geschäftsmodells auf den gescheiterten Karriereambitionen vergangener aufstrebender Bands aufgebaut. Und wenn es eine Band gibt, die exemplarisch für diese Gruppe an „knapp-vorbei-ist-auch-daneben“ Beispielen gibt, dann ist es wohl AVIATOR. Produziert von Neil Kernon (u.a. Autograph, Dokken) und in einem renommierten Studio (Electric Lady in New York) aufgenommen, hatte die Scheibe eigentlich alle Vorraussetzungen um ein Hit zu werden, denn das Quartett um Sänger Ernie White, Gitarrist Richie Cerniglia, Bassist Steve Vitale und den ebenfalls singenden Schlagzeuger Michael Ricciardella hatte durchgehend Hochkaräter in der Hinterhand.

Dass es trotz solcher Gassenhauer wie „Frontline“, „Back on the Street“ oder „Don’t Turn Away“ nicht zur Karriere gereicht hat ist, laut eigener Aussage der Beteiligten in dem diesem Re-relese beiliegenden und wie immer sehr lesenwerten Essay, der Label-Politik geschuldet, dank derer die Band weder ein Video, noch irgendeine Art der Live-Promotion zugedacht wurde. Das killt natürlich jede noch so starke Scheibe bevor sie überhaupt erst eine Chance bekommt sich auf dem Markt zu behaupten. No Airplay, no Chance – vor allem gegen die übermächtige Konkurrenz zur damaligen Zeit. Das ist besonders schade im Falle von „Aviator“, denn sowohl handwerklich, als auch vom Drum-Herum (der Sound der Platte ist auch heute noch konkurrenzfähig) war alles auf Kurs. Akzente kann nicht nur Sänger White setzen, der eine angenehm rockige Stimme mit genug rauhbeinigem Charme besitzt um die doch recht glatten Songs zu tragen, sondern auch Gitarrist Cerniglia, der schön bretzelige Riffs und eine Handvoll packender Leads in den Ring wirft. So gibt es für den interesseirten Fan wenigstens 33 Jahre später die Gelegenheit, dieses vergessene Kleinod wieder zu entdecken. Zum Originalalbum gibt es bei Rock Candy nun noch 2 starke Bonustracks oben drauf sowie die bereits erwähnten Infos im Booklet, die die Musik gleich nochmal interessanter werden lassen und zum parallelen Schmöckern und Zuhören einladen. Egal wo man reinhört (von dem etwas gezwungenen „Never Let The Rock Stop“ einmal abgesehen), eigentlich landet man immer bei einem potentiellen Hit, was die gesamte Platte zum Anspieltipp werden lässt.

„Aviator“ ist genau so gut wie sein Ruf und sollte jedem AOR Fan als Klassiker des Genres bekannt sein. Wer seine Sammlung komplettieren, bzw. das bisher Verpasste nachholen möchte, der kann dies nun mit dem aktuellen Rock Candy Re-release erledigen, dass neben einem (ziemlich lauten) Remaster, noch ein pralles Booklet und Bonustracks zu bieten hat. Beide Daumen hoch.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. FrontLine
02. Back On The Street
03. Don’t Turn Away
04. Wrong Place Wrong Time
05. Never Let The Rock Stop
06. Come Back
07. Magic
08. Can’t Stop
09. Too Young
10. Every Schoolboy Knows
11. Through The Night
12. Woman In Love (Bonus Track)
13. Holding On (Bonus Track)

Mario