STEVE JONES – Mercy / Fire and Gasoline (Re-Releases)

Band: Steve Jones
Album: Mercy / Fire and Gasoline (Re-Releases)
Spielzeit: 46:44 min / 49:37 min
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: /
Homepage: www.rockcandyrecords.com

Als die Sex Pistols im Jahr 1978 das Handtuch warfen und sich nach nur einem regulären Album („Never mind the Bollocks“, 1977) wieder von der musikalischen Bildfläche verabschiedeten, hatte die Band nachhaltig dafür gesorgt, dass ein Umbruch in Rollen kam. Die Punkbewegung in England fegte (nicht nur) über die Insel hinweg und brachte frischen Wind in die sich selbst viel zu ernst nehmende, verknöchErte Musiklandschaft. Einen nicht unerheblichen (musikalischen) Anteil am Erfolg der Sex Pistols hatte dabei Gitarrist STEVE JONES, der immerhin als relativ (im Vergleich zu seinen Bandkollegen) versiert an seinem Instrument galt und einige unvergessliche Riffs den Annalen des Rock beigesteuert hat. Nach dem Ende der Sex Pistols zog es JONES nach Amerika, wo er erst mal einige Jahre seiner Drogensucht frönte bevor er sich eines Besseren besann und sein musikalisches (und berufliches) Glück in einer Solo-Karriere suchte. Herausgekommen sind damals, Ende der 80er Jahre, 2 Alben, die nun über das englische Rock Candy Records Label, wie immer neu gemastert und mit informativen Linernotes versehen, neu aufgelegt werden.

Mercy (1987)

JONES‘ Debüt Album unter eigenem Namen wurde von Bob Rose produziert, der sich zuvor Meriten als Produzent des Miami Vice Soundtracks verdient hatte und auch prompt einen Track des Albums in einer Folge der Serie sowie auf dem Miami Vice II Soundtrack unterbrachte. Indes, diese Schützenhilfe änderte auch nichts daran, dass der erste Gehversuch des Riff-Rockers eher unbeachtet blieb. Für viele Interesseirte dürfte die stilistische Ausrichtung der Scheibe einem kleinen Kulturschock gleichgekommen sein, insgesondere wenn man die Veregangheit von JONES‘ im Hinterkopf hatte. Gleich der Opener und Titeltrack schlurft derart lässig und pop-affin durch die Lautsprecher, dass man sich schwer tut dahinter den langhaarigen Punk aus UK vorzustellen. Auch im weiteren Verlauf klingt das Material oft nach einer Mischung aus Billy Idol und The Cult, allerdings ohne die zwingenden Hooks oder wirklich packende Arrangements. Hier und da wird auch mal etwas kerniger gerockt („Give it up“, „That’s enough“), aber unterm Strich krankt „Mercy“ aber daran, dass JONES keine Hits im Köcher hat sowie weder ein guter Sänger, noch ein wirklich starker Gitarrist ist. Daher wirkt das Ganze dann musikalisch schon recht fade und stellt heute wie damals eine okaye Platte dar, aber kein Must-Have.

Fire and Gasoline (1989)

Für Anlauf Nummero Zwo wurde dann geklotzt und nicht gekleckert. Auf dem Produzentenstuhl nahm diesmal Mark Dearnley Platz, der sich diesen Job mit dem The Cult Sänger Ian Astbury teilte. Vor allem Letzterem ist der nicht zu überhörende Einfluss der britischen Goth Rocker auf „Fire and Gasoline“ zu verdanken, denn Tracks wie der Opener „Freedom Fighter“ hätten auch gut zu Astbury’s Stammband gepasst. Weitere prominente Unterstützung gab es im Studio von Guns N‘ Roses Kreischhals Axl Rose (im Sex Pistols Cover „I did you no wrong“), der dann nochmals eindringlich aufzeigt, wo die stimmlichen Defizite von JONES liegen. Insgesamt ist „Fire and Gasoline“ aber um einiges effektiver geraten als der Vorgänger, was vor allem an der energischen Produktion und der Tatsache liegt, dass hier keine Experimente gemacht, sondern sehr gradelinig die Biker-Rocker Klientel bedient wurde. JONES war in den 2 Jahren seit der ersten Platte immer noch kein besserer Sänger geworden, lies sich aber stimmlich mehr gehen und konnte mangelnde gesangliche Fertigkeiten durch erhöhten Einsatz wett machen. Mit (u.a.) „We’re Not Saints“, dem von einem Billy Duffy (The Cult) angereicherten „Get ready“ oder dem starken „“God in Louisiana“ hat „Fire and Gasoline“ genügend gute Argumente um als starkes (Biker) Rock Album zu bestehen.

Während es bei „Mercy“ nicht wirklich zur uneingeschränkten Kaufempfehlung reicht, sei Freunden von dreckigem Hardrock der Marke The Cult oder Little Caesar der zweite Streich „Fire and Gasoline“ wärmstens ans Herz gelegt. Die vorliegenden Neuauflagen sind wie immer beim Rock Candy Label, mit viel Liebe zum Detail aufbereitet worden – Fans des genres sollten daher zumindest bei der 1989er Scheibe zugreifen.

WERTUNG:

Mercy (1987)

 

 

Fire and Gasoline (1989)

 

 

Trackliste:

Mercy (1987)

01. Mercy
02. Give it up
03. That’s enough
04. Raining in my Heart
05. With you or without you
06. Pleasure and Pain
07. Pretty Baby
08. Drugs suck
09. Through the Night
10. Love Letters

Fire and Gasoline (1989)

01. Freedom Fighter
02. We’re not Saints
03. God in Louisiana
04. Fire and Gasoline
05. Trouble Maker
06. I did you no wrong
07. Get ready
08. Gimme Love
09. Wild Wheels
10. Hold on
11. Leave your shoes on
12. Suffragette City (Bonus Track)

Mario

GHOST SHIP OCTAVIUS – Delirium

Band: Ghost Ship Octavius
Album: Delirium
Spielzeit: 60:50 min
Stilrichtung: Progressive Power Metal
Plattenfirma: Mighty Music
Veröffentlichung: 22.02.2019
Homepage: www.ghostshipoctavius.com

Der Begriff „Progressive“ Metal ist mittlerweile zu einem Sticker geworden, der auf alles mögliche gepappt wird, solange irgendwo auf der Platte ein schräger Rhythmus plaziert ist. Vor allem die Überschneidungen mit dem Power Metal Genre sind vielfältig. Die Amerikaner GHOST SHIP OCTAVIUS (mit Van Williams, Ex-Nevermore, an den Drums und Matthew Wicklund, Ex-God Forbid, an der Gitarre) schippern ebenfalls in diesen Gewässern und legen mit „Delirium“ ihr zweites Album nach dem selbstbetitelten 2013er Debüt vor. Stilistisch erinnert das Ganze an die Schweden Evergrey oder auch mal an das Schaffen von Devin Townsend. Vor allem der Gesang vom zweiten Gitarristen Adon Fanion erinnert oftmals an hevy Devy, ohne aber jemals dessen Genialität zu erreichen …

Ich versuche mich mal kurz zu fassen. Mir persönlich krankt diese Scheibe an den in diesem Genre oftmals anzutreffenden Problemen: die spielerische Leistung ist über jeden Zweifel erhaben (die Gitarrensoli sind z.B. sehr stark, allerdings bekommt man sowas mittlerweile auf jedem 2ten youtube-Gitarren-Kanal Ähnliches geboten), die Produktion ballert ordentlich und macht keine Gefangenen, das Fehlen eines externen Produzenten schlägt sich in teilweise unausgegorenen Idden nieder und es fehlen einfach die packenden Hooklines. Wer mal ein Ohr risikieren will, der sollte sich den überzeugenden Opener „Turned to Ice“ oder den nicht minder starken Titeltrack anhören. Dem geneigten Hörer werden zwar die Gehörgänge ordentlich freigepustet, leider bleibt aber nach der reinigenden Prozedur nicht allzu viel nahrhaftes Neues hängen. Es tut mir leid, aber trotz mehrerer Versuche ist die Scheibe einfach nicht bei mir „angekommen“. Ganz nett aber nichts Besonderes.

Es gibt bestimmt Genre-Fans die „Delirium“ abfeiern werden. Mir persönlich ist die Sache aber leider zu austauschbar und ohne wirklichen Wiedererkennungswert. Fett produziert, mit einigen netten Ideen ausgestattete Prog-Power Metal Durchschnittsware. Nur der persönliche Test kann zeigen ob es gefällt – eine allgemeine Empfehlung kann ich nicht geben.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Turned to Ice
02. Ocean of Memories
03. Saturnine
04. Delirium
05. Ghost in the Well
06. Chosen
07. Edge of Time
08. Far below
09. The Maze
10. Bleeding on the Horns
11. Burn this Ladder

Mario

THE QUILL – The Quill / Silver Haze (Re-Releases)

Band: The Quill
Album: The Quill / Silver Haze (Re-Releases)
Spielzeit: 62:14 min / 72:59 min
Stilrichtung: Retro Rock
Plattenfirma: Metalville
Veröffentlichung: 22.02.2019
Homepage: www.thequill.se

Die schwedische Retro/Stoner Band THE QUILL haben seit 1995 in unregelmässigen Abständen insgesamt 8 Alben veröffentlicht, und sich dabei einen guten Namen in der Szene erarbeitet. Das mag zum einen daran liegen, dass sie innerhalb der schwedischen Szene, die eine ganze Reihe ähnlich orientierter Bands (wie z.B. den Spiritual Beggars) aufzuweisen hat, als eine der Initiatoren der Bewegung waren. Es liegt aber wohl auch ganz einfach daran, dass die Truppe konstant gute bis sehr gute Alben veröffentlicht hat. Den guten Ruf haben sich THE QUILL schon früh, will sagen, mit den ersten beiden Alben erspielt. Und genau diese beiden Leckerbissen legen nun in einer feinen Neuauflage, mit Remastering, Bonustracks und in schönen Digipacks vor.

The Quill (1995)

Gleich das Debüt der Jungs ist in der Szene eingeschlagen wie eine Bombe. Und das zurecht, denn hier ist wirklich mit das Beste aus dem harten Rock der 80er vertreten: in „Gleam“ erinnert da ganze mal latent an frühe Alice in Chains, der Opener „Jet Of Water“ fegt wie ein ungestümer Love/Hate Song aus den Boxen und immer wieder wird man an die ersten Pearl Jam oder gar Mother Love Bone Scheiben erinnert. Dreh- und Angelpunkt der Scheibe ist Sänger Magnus Ekwall, der mit vollem Elan und einem feinen Gefühl für Melodien den relativ simpel gehaltenen Groove-Tracks den nötigen Dreh gibt. Wer den Werdegang der Berliner Selig etwas mitverfolgt hat, der mag hier durchaus Parallelen erkennen. Beide Bands zelebrierten auf ihren Erstlingswerken recht zügellosen, oft pure Spontanität atmenden Groove-Rock, mit tief liegenden bluesigen Einflüssen und einer wunderbaren Affinität zu grossen Melodien die man in den Fuzz-Riffs beinahe nicht vermuten würde. Ein herrliches Beispiel auf „The Quill“ ist hierfür „From Where I Am“ bei dem der Refrain den Song auf ein völlig neues Level hebt. Und immer wieder diese geniale Stimme von Fronter Ekwall, an dem ich mich auf dieser Scheibe einfach nicht satt hören kann. Ganz grosses Kino was der Herr hier an Emotionen und Energie freisetzte.

Silver Haze (1999)

Dass THE QUILL nicht zu den Bands gehören würden, die im Jahrestakt Alben raushauen wurde dem geneigten Fan bereits früh klar gemacht. Ganze 4 Jahre dauerte die Pause zwischen dem Debüt und dem nicht minder starken Zweitwerk „Silver Haze“. Personell gb es lediglich den Verlust von Keyboarder Anders Haglund zu vermelden, dessen Posten dann auch gleich ganz gestrichen wurde. Da auf dem Erstling das Keyboard gegen die fetten Gitarren eh keinen wirklichen Stich bekommen hatte, war diese Entscheidung nur konsequent. Entsprechend fokussiert und um einiges fuzziger riffen sich THE QUILL dann auch durch Tracks wie „Evermore“ oder „Under A Vow“. Das klingt öfters nach Black Sabbath als noch auf dem Debüt, was der Band ebenfalls gut steht. Denn über allem thront auch auf „Silver Haze“ die eindringliche Stimme von Sänger Ekwall. Es dauerte nach diesem überzeugenden 2ten Album dann weitere 3 Jahre bis 2002 mit „Voodoo Caravan“ das nächste Album in die Läden kam …

Wer in den 90ern musikalisch sozialisiert wurde, der wird bei der erstmaligen Einfuhr dieser beiden Perlen das Gefühl haben, sich in eine Zeitmaschiene gesetzt zu haben. Da sind sie wieder, diese Momente die man genoss als man zum ersten Mal Alice in Chains, Black Sabbath oder Pearl Jam hören konnte. Mir persönlich waren THE QUILL bisher tatsächlich durch die Lappen gegangen und ich bin heilfroh das Versäumte anhand dieser feinen Re-Releases (vor allem „Silver Haze“ wurde mit einigen interessanten Bonustracks aufgewertet) nachgeholt zu haben. Beide Alben sind auch heute noch eine Entdeckung wert. Beide Daumen hoch.

WERTUNG: (keine Wertung)

Trackliste:

The Quill

01. Jet Of Water
02. Dry
03. Lodestar
04. Homespun
05. From Where I Am
06. The Flood
07. In My Shed
08. Gleam
09. Not A Single Soul
10. In The Sunlight I Drown
11. I Lost A World Today
12. Sweetly
13. Shovel Goal (Bonus Track)

Silver Haze

01. Evermore
02. Grand Canyon
03. Freedom Mountain
04. Under A Vow
05. Stirring Times Ahead
06. Mercury
07. Into The Volcano (I Fly)
08. Universal Treehouse
09. Who’s Crying
10. Aeroplane
11. Rockets Collide
12. Unbroken (Bonus Track)
13. Silver Haze (Bonus Track)
14. Sparrow (Bonus Track)
15. Where The Lovelight Shines (Bonus Track)

Mario

CATS IN SPACE – Daytrip To Narnia

Band: Cats in Space
Album: Daytrip To Narnia
Spielzeit: 56:10 min
Stilrichtung: Classic Rock, AOR
Plattenfirma: Harmony Factory / Cargo Records UKVeröffentlichung: 01.03.2019
Homepage: www.catsinspace.co.uk

Ja, was ist das denn? Ich muss gestehen, dass ich die ersten beiden Scheiben der britischen Classic Rock Formation CATS IN SPACE („Too Many Gods“ (2015) und „Scarecrow“ (2017)) bisher nicht gehört habe. Aber wenn das neue Album die Qualität des bisherigen Outputs widerspiegelt, dann wird es höchste Zeit, dass ich das Versäumte nachhole. Was die Truppe uns hier in Form eines, naja, irgendwie schon, Konzept-Albums vorlegt ist wirklich der Kracher. Egal wo man auf der virtuellen Scheibe die Nadel platziert, man kann gewiss sein mitten in eine Monsterhookline geraten zu sein.

Ich will es kurz machen. CATS IN SPACE servieren uns in einer knappen Stunde Spielzeit ein auf 2 Vinyl-Seiten verteiltes Album (gibt es natürlich auch auf CD und digital, aber dann ist der Effekt natürlich ein bisserl hin) das auf der ersten Seite 7 reguläre Songs und auf der zweiten Seite mit der „The Story Of Johnny Rocket“-Suite eine kleine Rock-Oper bietet. Unterschiede im Songwriting oder der Dramaturgie beider Seiten sind aber marginal, denn auch auf Seite Nummero Zwo haben wir es im Grunde mit eigenständigen Songs zu tun, die locker für sich selbst stehen können und keines übergeordneten Konzepts bedürfen um zu funktionieren. Tja, und was die Jungs da zusammengezimmert haben hat wirklich Hand und Fuss. Klar, einen Originalitätspreis werden CATS IN SPACE nimmer gewinnen. Man bedient sich im Fundus von härteren Queen, Disco-Kiss und allem was an AOR in den 70er und frühen 80er Jahren schön und gut war. Dass dabei eigentlich immer ein kompositorisches Highlight herausgekommen ist, stellt die grosse Stärke dieses Albums dar. Ebenso wie der wirklich bärenstarke Gesang von Paul Manzi und die songdienliche Leistung aller Instrumentalisten. Während viele aktuelle Bands versuchen auf den trendigen Retro-Zug aufzuspringen, haben wir es hier mit Musikern zu tun, die diese Musik bis in den Kern verinnerlicht haben und ausleben. Und das hört man. Lauscht mal in Tracks wie den Instant-Ohrwurm „Narnia“, das flockige „Hologram Man“, das bombastische „Unicorn“ oder die nicht minder oppulente Ballade „The Story Of Johnny Rocket – Twilight“ an.

Für Fans von Jellyfish, Queen, Kiss, The Darkness oder the Night Flight Orchestra ist das hier ganz klar eine Pflichtveranstaltung. Was die Produktion angeht möchte ich nicht gross rummeckern. Es klingt nicht nach einer Millionen Dollar, aber hier wurde das Beste aus den finanziellen Möglichkeiten gemacht und klanglich gibt es nichts auszusetzen. Die Platte versprüht ein wenig den Charme einer bis zum Rand mit Herzblut gefüllten (Underground) Produktion im Stile von Heart of Cygnus und macht einfach beste Laune. Absolute Kaufempfehlung!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Narnia
02. She Talks Too Much
03. Hologram Man
04. Tragic Alter Ego
05. Silver & Gold
06. Chasing Diamonds
07. Unicorn
08. The Story Of Johnny Rocket – Space Overture
09. The Story Of Johnny Rocket – Johnny Rocket
10. The Story Of Johnny Rocket – Thunder In The Night
11. The Story Of Johnny Rocket – One Small Step
12. The Story Of Johnny Rocket – Twilight
13. The Story Of Johnny Rocket – Yesterday’s News
14. The Story Of Johnny Rocket – Destination Unknown

Mario

TESLA – Shock

Band: Tesla
Album: Shock
Spielzeit: 44:19 min
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Universal
Veröffentlichung: 08.03.2019
Homepage: www.teslabandshop.com

Nicht wenige Fans dürften sich irritiert am Kopf gekratzt haben als die Neuigkeit die Runde machte, dass das neue TESLA Album vom Def Leppard Gitarristen Phil Collen produziert würde. Dass beide Bands seit Ewigkeiten freundschaftlich verbunden sind und schon mehrere gemeinsame Tourneen absolviert haben ist bekannt. Ob eine solche Allianz aber auch auf kreativer Ebene funktioneren würde war fraglich. Nun, jetzt wissen wir es immerhin. Meine ganz persönliche Meinung zumindest lautet „nur bedingt“. Aber ganz so krass wie es sich liesst ist das Endergebnis dann doch nicht ausgefallen.

Wenn man mal von den inflationär vorhandenen balladesken Tönen absieht, dann haben TESLA auf „Shock“ tatsächlich ein paar gute Songs versteckt. Die beiden Rocker „You won’t take my alive“ und „Taste like“ machen schonmal aufgrund des breitwandig angelegten Sounds schnell klar, dass „Shock“ als die komplette Anti-These zu dem 2014er Album „Simplicity“ zu verstehen ist. Im Gegensetz zu dem auf dem mauen Vorgänger zelebrierten backtotheroots-Ansatz schlägt das Produktionspendel also diesmal bedrohlich in den Kitsch-Bereich. Will sagen: es gibt das ein oder andere Elektro-Drums Sperenzchen („Shock“) und mega-fette Chöre zu bestaunen. Besagte Chöre klingen dabei so verdammt nach „Hysteria“, dass es einem schon manchmal die Sprache verschlägt. Allerdings wurde die Platte nicht damit zugekleistert sondern das Ganze eher dezent als Stilmittel eingesetzt. Aber alles klingt halt schon relativ „produziert“. Immerhin ist es Collen nicht gelungen auch die Gitarren komplett glattzubügeln. Die rocken bei Tracks wie „The Mission“ oder „Tied to the Tracks“ immer noch schön dreckig aus den Boxen. Ob man auf einer TESLA Scheibe aber typische Def Leppard/Mutt Lange Chöre wie bei „Comfort Zone“ braucht sei mal dahingestellt. Nicht jeder Song ist ein zwingender Volltreffer. Besonders im Mittelteil der Platte gibt es mit „California Summer Song“ und „Forever loving you“ absolut verzichtbare Belangslosigkeiten zu hören. Unterm Strich macht mir „Shock“ tatsächlich aber mehr Laune als der hüftsteife Vorgänger. Das bereits erwähnte „You won’t take my alive“ z.B. ist ein feiner, straighter Gute-Laune Kracher, der knackig aus dem Autoradio kracht. Bei einer Spielzeit von knapp unter einer Dreiviertelstunde und insgesamt 12 Songs haben wir es einfach mit einer ordentlich produzierten, am Reisbrett entworfenen und (TESLA-typisch) kompetent eingespielten Rockplatte zu tun, die niemandem weh tut und wahrscheinlich auch recht schnell wieder vergessen ist.

Ganz so übel wie es zu befürchten stand ist „Shock“ zum Glück nicht geworden. Im Gegenteil, über weite Strecken können TESLA (wieder) überzeugen, auch wenn ich mir etwas mehr eigenes Profil und weniger Def Leppard Puderzucker gewünscht hätte. Da liegt wohl dann auch die Krux für die meisten Fans, denn es gibt auf „Shock“ durchaus Pasagen bei denen man schwören könnte Phil Collen’s Stammband zu hören … Ob man gewillt ist sich darauf einzulassen sollte jeder selbst entscheiden. An die ersten drei Klassiker der Band reicht das hier zwar nicht heran. Nach einigen Durchläufen findet man aber genügend gute Tracks die sich lohnen in die Playlist zu schaufeln.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. You won’t take my alive
02. Taste like
03. We can rule the World
04. Shock
05. Love is a Fire
06. California Summer Song
07. Forever loving you
08. The Mission
09. Tied to the Tracks
10. Afterlife
11. I want everything
12. Comfort Zone

Mario

DREAM THEATER – Distance over Time

Band: Dream Theater
Album: Distance over Time
Spielzeit: 60:57 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Inside Out Music
Veröffentlichung: 22.02.2019
Homepage: dreamtheater.net

Metal Fans, und jene des Progressive Metal Genres im Besonderen, sind eine undankbare Meute. Da schließe ich mich jetzt mal ganz explizit nicht aus. Nimmt eine Band die Bedeutung der Stilistik beim Wort und gibt sich Mühe im Laufe Ihrer Karriere eine spürbare Evolution an den Tag zu legen, kann sie sicher sein, dass die Hälfte der Anhängerschaft aufschreit und Stein und Bein schwört, dass nur der alte Kram die einzige Ware Version der „Lieblingsband“ ist und alles was nach den diversen Stilwechseln kam nur Mist ist. Opeth sind hier wohl das perfekte Beispiel. Auf der anderen Seite der Medaille hat man eine Band wie Dream Theater, die ihrem (selbst ins Leben gerufenen Stil!) seit Jahrzehnten treu geblieben ist und nur innerhalb bestimmter Grenzen Experimente zulässt. Und da schreit sie dann auch wieder auf, die Szene-Polizei, und moniert, dass das alles doch gar nichts mehr mit „progressive“ Metal zu tun hat weil keine konstante Entwicklung stattfindet. Recht machen können es beide Bands ihrer Fan Basis eigentlich nie, und es muss ein zermürbendes Gefühl sein immer und ewig gegen diese Erwartungshaltungen anrennen zu müssen. Bei DREAM THEATER, die in Ihrer langen Karriere einen verdammt sturen Kopf haben bewahren müssen um gegen diverse Widrigkeiten zu bestehen, hatte dies mit der Zeit dazu geführt, dass die Band spätestens seit „Systematic Chaos“ dazu übergegangen ist mantra-mässig bei jeder neuen Platte zu wiederholen, dass man eine typische DREAM THEATER Platte hat einspielen wollen. Und mit jeder Platte der jüngeren Geschichte hatte man das Gefühl, dass die Jungs auf Hau-Ruck versuchten etwas zu bedienen, von dem sie selber nicht genau wussten was das eigentlich sein soll. Nicht erst seit dem Einstieg von Mike Mangini klang jede Platte verkopft und erzwungen, was durch die komprimierten, künstlichen Produktionen nicht wirklich verbessert wurde.

Die Erwartung an das nunmehr 14. Album der Titanen war zumindest bei mir daher etwas gedämpft. Umso überraschter bin ich über das Ergebnis, das die Jungs nach ihrem Wechsel zu Inside/Out nun vorlegen. Petrucci & Co. liefern mit „Distance over Time“ ein Album ab, das (Obacht!) keinerlei zugrundeliegendes Konzept, kein Instrumental, keinen Longtrack enthält und doch wie die perfekte Visitenkarte der Band klingt. Und endlich, ENDLICH, ist es gelungen Mike Mangini auch klangtechnisch in das Licht zu rücken, in das er zweifellos gehört. Die Drums klingen einfach grandios (wie auch der Rest der Musiker). Dass die Band sich in ein abgelegenes Haus zurückgezogen und dort nicht nur das Material gemeinsam geschrieben, sondern auch gleich in einem großen Raum aufgenommen hat, mag auf dem Papier wie einer dieser typischen Promo-Twists klingen. Das Endergebnis spricht allerdings Bände. Wenn eine Band es sich zum Ziel setzt eine Platte zu machen, die die eigenen Stärken bündelt, dann funktioniert das halt auch nur wenn die Band es gemeinsam angeht und nicht 2 Musiker alleine … Startet die Scheibe mit „Untethered Angel“ und „Paralyzed“ noch relativ gewohnt (mal davon abgesehen, dass es aufgrund der geilen Produktion gleich zu Beginn einfach eine reine Freude ist dem Ganzen zu lauschen), so bieten DREAM THEATER im weiteren Verlauf eine abwechslungsreiche Schau Ihrer Stärken: „Fall into the Light“ rifft in schöner Metallica-Tradition nach vorne, das luftige „Barstool Warrior“ lässt die klassischen Einflüsse wie Kansas oder Genesis durchscheinen und die beiden frickeligeren Songs „S2N“ und „Pale Blue Dot“ sprühen vor relaxter Spielfreude, die hörbar keinerlei kompositorischen Zwängen folgen. „At Wit’s End“ ist ebenfalls ganz grosses Kino und mein perönliches Hilight, inkl. epischem Gitarrensolo. Bei einer Spieldauer von knapp einer Stunde gibt es eigentlich keinen Ausfall zu vermelden.

Noch ein Wort zum Klang der Scheibe: da die Gitarren und die Drums mit einem klar vernehmbaren Raumsound versehen sind, hat man als Hörer immer das Gefühl mitten drin im grossen Aufnahmeraum zu stehen. Obschon es zeitweise ganz schön heftig rifft, transportiert der Mix eine extrem luftige Klangkulisse. Eine wirklich geile Produktion, wenn nicht gar die beste seit „Falling into Infinity“.

„Distance over Time“ ist vielleicht kein Klassiker in der Band-Diskographie geworden. Aber meiner persönlichen Meinung nach das stärkste Album der Truppe seit „Scenes from a Memory“. Die Songs kommen auf den Punkt (sind also nicht künstlich auf Länge gestreckt), von dem üblichen Kitsch und Pathos ist weit und breit nichts zu hören und aus jeder Passage ist der Spass herauszuhören, den die Jungs anscheinend hatten. Erfreulich auch, dass so gut wie kein Füller zu finden ist und dass jene Tracks, die nicht die absoluten Überflieger sind (der ziemlich straighte Rocker „Room 137“ und die nur okaye Ballade „Out of Reach“), aufgrund der realistisch bemessenen Spielzeit dennoch nicht zum Skippen verleiten. Dass ich die Platte nun binnen einer Woche bereits öfters gehört habe als die letzten 3 zusammen seit deren Veröffentlichung, zeigt wohl am besten wie begeistert ich bin. Ich bin happy, denn das ist alles weitaus mehr als ich zu hoffen gewagt hatte. Starke Scheibe.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1. Untethered Angel
2. Paralyzed
3. Fall into the Light
4. Barstool Warrior
5. Room 137
6. S2N
7. At Wit’s End
8. Out of Reach
9. Pale Blue Dot
10. Viper King (Bonus Track)

Mario

KANE ROBERTS – The New Normal

Band: Kane Roberts
Album: The New Normal
Spielzeit: 41:56 min
Stilrichtung: Hard Rock, Heavy Metal
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 25.01.2019
Homepage: www.facebook.com/kane.roberts2

KANE ROBERTS ist nicht gerade das, was man eine Koryphäe auf seinem Instrument nennt. Das, was der ehemalige Alice Cooper Gitarrist spielt ist solide, aber nie beeindruckend. Dieses Adjektiv war schon immer für die imposante physische Präsenz des Bodybuilders reserviert. Dennoch haben mir seine vergangenen Soloalben, allen voran „Saints and Sinners“ (1991) gut gefallen. Als im Vorfeld der neuen Veröffentichung die Info die Runde machte, dass ROBERTS alter Kumpel Kip Winger beim Songwriting seine Hände mit im Spiel hatte (und davon versteht der gute Herr Winger bekanntermassen einiges), so war die Vorfreude gross.

Leider kann „The New Normal“ die Erwartungen nicht ganz erfüllen. Als erstes schlägt mir der Klang der Scheibe sauer auf: Erzwungen auf modern getrimmt, bollern vor allem die Drums reichlich gewöhnungsbedürftig durch die Produktion. Auch an anderen Stellen hat man das Gefühl, die Suche nach dem Gesamtsound des Albums wäre nie ganz bis zu Ende gekommen. Dass Roberts in den Jahren seiner Abstinenz von der Musik wie durch ein Wunder nun zum begnadeten Saitenakrobaten gewachsen wäre hat wohl niemand erwartet. Entsprechend hölzern tönen die Soli wie z.B. in „Wrong“ aus den Boxen. Richtig gut sind ROBERTS und seine zahlreichen Mitstreiter meistens dann, wenn relativ straight nach vorne gerockt wird. So ist das von einem Nita Strauss Solo veredelte „King Of The World“ ein klassischer Rocker der alten Schue. Auch der Opener „Above And Beyond“, welcher zusammen mit Kip Winger, Paul Taylor (Winger) and Ken Mary (u.a. Fifth Angel, House of Lords) eingespielt wurde ist ein brauchbarer Song. Leider gibt es auf „The New Normal“ aber zuviele Experimente zu hören. Während „Beginning Of The End“ mit Alica Cooper und Alissa White-Gluz (Arch Enemy) noch seine Momente hat (wenn das Ganze auch etwas verwooren daher kommt), so hat man bei Tracks wie „Leave Me In The Dark“ oder „Who We Are“ immer das Gefühl als wenn vergessen wurde die Handbremse zu lösen. Aber, und das nötigt mir bei einem solch „alten“ Haudegen Respekt ab, die Scheibe ist abwechslungsreich und traut sich was. Was unterm Strich dann doch noch einiges rausreisst.

Tja. Das grösste Problem an „The New Normal“ ist die ziemlich wirre Stilitsik des Materials. Auch wenn es mich eigentlich freut festzustellen, dass auf dem Frontiers Label mal endlich eine Scheibe erscheint, die so was von gar nicht ins typische Frontiers Muster passt, so ist das Resultat doch ernüchternd. Man kann sich die Scheibe durchaus schönhören. Das braucht aber einige Umdrehungen und leider sind die starken Tracks zwischen zuviel Füllern versteckt. Schade, da wäre noch mehr drin gewesen

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Above And Beyond
02. Beginning Of The End
03. Who We Are
04. Wrong
05. Forever Out Of Place
06. King Of The World
07. Leave Me In The Dark
08. Wonderful
09. Leave This World Behind
10. The Lion’s Share

Mario

METAL INQUISITOR – Panopticon

Band: Metal Inquisitor
Album: Panopticon
Spielzeit: 42:30 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Massacre
Veröffentlichung: 18.01.2019
Homepage: www.metalinquisitor.de

Die Musikszene ist bunt gemischt: auf der einen Seite gibt es Acts die wie am Fliessband ein Album nach dem anderen raushauen (nach jemandem wie dem guten alten Axel Rudi kannst Du die Eieruhr stellen). Auf der anderen Seite sind dann solche Bands wie METAL INQUISITOR, die eine Scheibe erst dann rausbringen, nun ja, wenn sie halt fertig ist. Gut Ding will Weile haben. Wahrscheinlich spielt da die Tatsache, dass Genre Bands wie die Koblenzer das Ganze nur nebenbei machen können eine gewichtuge Rolle und da hat das Leben und der reguläre Job nun mal die Priorität. Seit der letzten (starken) Scheibe der Jungs („Ultima Ratio Regis„, 2014) sind nun auch schon wieder sage und schreibe 5 Jahre ins Land gezogen. Zeit also für neues Futter von den Traditionsmetallern.

„Panopticon“ bietet, das im Einklang mit den letzten Artworks gehaltene Cover lässt es bereits erahnen, im Großen und Ganzen das, was man von der Band gewöhnt ist und was man schätzen gelernt hat: zeitlosen Heavy Metal, der bei den neuen Songs überraschend deutlich mit deftigem Iron Maiden Einschlag daherkommt. Das war mir bei den vorangegangenen beiden Platten gar nicht so aufgefallen. Bei Tracks wie dem flotten Riffer „Change Of Front“ oder dem progressiv/episch angelegten „Re-Sworn The Oath“ wird sich mal an Iron Maiden der alten Schule (ersterer Track) mal an der neuzeitliche Ausrichtung der eisernen Jungfrauen orientiert. Die Kompositionen des Albums sind weitestgehend stark. Lediglich gegen Ende fällt die Qualität ein wenig ab. Produktionstechnisch gibt es nichts zu meckern, auch wenn der Sound nicht die Klasse das Vorgängers erreicht. Es klingt halt ein wenig schepprig und Sänger El Rojo kommt oftmals nicht gegen die restlichen Instrumente zur Geltung – was bei der prägnanten Stimme durchaus schade ist. Es klingt aber allemal authentischer als viele der üblichen Heimproduktionen (fettes Lob auf jeden Fall für den knurrigen Bass, der eine Menge Punch transportiert). Auch wenn nicht jeder Song auf „Panopticon“ ein absoluter Volltreffer ist und man sich das ein oder andere Gitarrensolo ruhig hätte sparen können, ist unterm Strich ein weiteres gutklassiges Album der Truppe zu verbuchen, die hier gelungene Imagepflege betreiben. Als Anspieltipps seien neben den bereits erwähnten Songs der Ohrwurm-Opener „Free Fire Zone“ sowie das straight nach vorne preschende „Beyond Nightmares“ ans Herz gelegt.

METAL INQUISITOR stehen für Qualitätsstahl made in Germany. Die Jungs zelebrieren Ihre Musik mit einer ansteckendenKonsequenz und sympatischen Augenzwinkern, was eine gelungene Mischung ergibt. Daher sollte der geneigte Heavy Metal Fan hier auch gar nicht lange zögern und die heimische Szene unterstützen. Euer Geld kann definitiv mieser angelegt werden.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Free Fire Zone
02. Change Of Front
03. Beyond Nightmares
04. Trial By Combat
05. Shock Tactics
06. Re-Sworn The Oath
07. Scent Of Fear
08. War Of The Priests
09. Discipline And Punish

Mario

THE SCREAM – Let it scream (Re-Release)

Band: The Scream
Album: Let it scream (Re-Release)
Spielzeit: 79:54 min
Stilrichtung: Hard Rock, Sleaze Rock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: 07.12.2018
Homepage: www.rockcandyrecords.com

Die „Unplugged“ Scheibe von Sänger John Corabi war eine der ersten Platten, die ich für die Rock Garage besprechen durfte. Gücklicherweise sind seitdem noch ein paar weitere gute Scheiben hinzugekommen, auf denen Corabi seine Stimmbänder schwingt und die ich mir intesiv anhören konnte (von der neuen Heimat des Barden, den Dead Daisies, siehe hier und hier). In meiner Besprechnung von „Unplugged“ erwähnte ich damals (das ist bereits über 6 Jahre her), dass eine Neuauflage des Debüt Albums der Corabi Band THE SCREAM in der Mache sei, inklusive Live-Bonus Tracks … man sollte die Hoffnung nie aufgeben, denn was lange währt wird endlich gut: Nun liegt er also vor, der erwähnte Re-Release dieses Klassikers, den der Stefan bereits im Zuge seiner „Klassiker der Woche“ Kolumne ausführlich vergestellt und angepriesen hatte (nachzulesen hier).

Daher möchte ich an dieser Stelle nicht nochmals auf die Vorgeschichte und den wirklich erstklassigen musikalischen Inhalt der Scheibe eingehen. Daran hat sich natürlich auch auf der aktuellen Rock Candy Neuveröffentlichung nichts geändert. Als Kaufargument lockt, wie bei diesem feinen Label üblich, zum einen das gewohnt informative Booklet, in dem Corabi ausführlich zu Worte klommt und die Platte reflektiert. Zum anderen sind die Bonus Tracks und das Remastering zu erwähnen. Während letzteres durchaus Geschmacksache ist und ziemlich laut ausgefallen ist, stellen die Live Songs einen wirklichen Mehrwert dar, der es Fans der Truppe eigentlich unmöglich machen dürfte hier nicht zuzugreifen. Neben dem okayen Non-Album Track „Yound and Dumb“, welches der Betrag der Jungs zum Hollywood Streifen „Encino Man“ (deutscher Titel: „Steinzeit Junior“) war, sind da noch 6 Live Aufnahmen aus dem Jahr 1992 zu bestaunen. Die Aufnahmen sind keine audiophile Offenbarung, haben aber den Vorteil die Band ungeschminckt und ungekünstelt zu präsentieren. Hier klingen THE SCREAM schön rauh und hungrig und Hammer wie das treibende „Catch Me If You Can“ gewinnen in der Live Darbietung nochmals ungeheuren Charme. Es ist wirklich eine Schande, dass Corabi von Mötley Crüe angeheuert wurde. Wer weiss, was aus dieser vielversprechenden Truppe noch hätte werden können?

Wer „Let it scream“ noch nicht im CD-Regal stehen hat, sollte, nein, muss hier zugreifen. Selten wurden handwerkliches Können, starkes Songwriting und eine zeitlose, kraftvolle Produktion (dank Mischpult-Legende Eddie Kramer, Kiss, Jimi hemdric und Led Zeppelin) so eindrucksvoll in Szene gesetzt wie hier.

WERTUNG: (Keine Wertung)

Trackliste:

01. Outlaw
02. I Believe In Me
03. Man In The Moon
04. Father, Mother, Son
05. Give It Up
06. Never Loved Her Anyway
07. Tell Me Why
08. Loves Got A Hold On Me
09. I Don’t Care
10. Every Inch A Woman
11. You Are All I Need
12. Catch Me If You Can
13. Young And Dumb (Bonus Track)
14. Outlaw (live 1992) (Bonus Track)
15. Give It Up (live 1992) (Bonus Track)
16. I Believe In Me (live 1992) (Bonus Track)
17. Father, Mother, Son (live 1992) (Bonus Track)
18. Catch Me If You Can (live 1992) (Bonus Track)
19. Lick And A Promise (live 1992) (Bonus Track)

Mario

EUROPE – Out of this World (Re-Release)

Band: Europe
Album: Out of this World (Re-Release)
Spielzeit: 47:55 min
Stilrichtung: Hard Rock, Melodic Metal
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: /
Homepage: www.europetheband.com

Als John Norum, ein in Kollegen- und Fankreisen hoch geschätzter Gitarrist, nach dem phänomenalen Erfolg der 3. Scheibe „The Final Countdown“ bei den schwedischen Hardrockern EUROPE seinen Platz räumte war das schon ein beachtlicher Schritt. Die Differenzen bezüglich der musikalischen Ausrichtung waren angeblich zu gross. Während Norum einen rockigeren Sound verfolgte, hatten Sänger Joey Tempest und der Rest der Mannschaft kein Problem damit sich noch mehr an seichterem Mainstream zu orientieren. Die Lücke, die Norum hinterließ war nicht gerade klein. Mit der Verpflichtung des Landsmanns Kee Marcello machten EUROPE aber genau den richtigen Griff zur richtigen Zeit. So grundlegend essentiell Norums Riffs und Licks auch für den Erfolg der Truppe bis dahin waren. Was Marchello auf seinem Einstand „Out of this World“ abfeuerte war schlichtweg grandios und gilt auch heute noch als Meilenstein des melodischen Solospiels im Rock-Genre (man höre sich nur mal das wahnwitzige Solo in „Just The Beginning“ oder die geschmacksicheren Moldiefeuerwerke in Superstitious“ an).

Die Marschrichtung war klar: den gewohnten/bekannten Hardrock der Band durch ein Optimum an massenkompatiblen Glitzer für die Weltherrschaft herausputzen. Das ist den Jungs, mit tatkräftiger Unterstützung Ron Nevison (u.a. UFO und Survivor) an den Reglern, auch verdammt gut gelungen. Ohrwürmer der Marke „Superstitious“, „Let the Good Times Rock“ oder die aufpolierte Neufassung der Power-Ballade „Open Your Heart“ (ursprünglich auf der Scheibe „Wings of Tomorrow“ vertreten) klingen auch heute noch, dank der fantastischen Produktion, räumlich, druckvoll und referenzverdächtig. Ganze 6 Singles wurden aus „Out of this world“ ausgekoppelt und doch schnitt die Platte nicht so gut ab wie der übermächtige Vorgänger. Auf dem nachfolgenden „Prisoners in Paradise“ wurde der Bombast etwas heruntergefahren, was den Abstieg der Band aber auch nicht retten konnte und in der zeitweisen Auflösung von EUROPE endete. Aber das ist eine andere Geschichte …

Jepp, „Out of the world“ ist definitiv das poppigste Album der Schweden im Gesamtkatalog der Jungs. Allerdings ist die Scheibe auch sehr gut gealtert und kann sich auch heute noch hören lassen. Die Fangemeinde mag ein wenig gespalten sein ob der glattgebügelten Ausrichtung und seit der Reunion fährt die Truppe ja einen konsequent entgegengesetzten Weg. Das ändert aber nichts daran, dass wir es hier mit einer tolle Scheibe zu tun haben, die in der vorliegenden Rock Candy Fassung (inkl. einem ordentlichen Remastering und tollen Linernotes) eine wertige Investition in die CD Sammlung darstellt.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Superstitious
02. Let The Good Times Rock
03. Open Your Heart
04. More Than Meets The Eye
05. Coast To Coast
06. Ready Or Not
07. Sign Of The Times
08. Just The Beginning
09. Never Say Die
10. Lights And Shadows
11. Tower’s Calling
12. Tomorrow

Mario