DOKKEN – Return To The East Live 2016

Band: Dokken
Album: Return To The East Live 2016
Spielzeit: /
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 20.04.2018
Homepage: www.dokken.net

Mit „Beast from the East“ legten DOKKEN 1988, auf dem Zenith Ihrer Karriere, eine geile Live-Scheibe vor, die trotz einiger weitere Liveauslesen von den Jungs bisher nicht mehr getoppt werden konnte. Daran wird das nun vorliegende Album „Return To The East Live 2016“ wohl auch nichts grundlegend ändern. Da mir zur Besprechung nur das Album als mp3, nicht aber das Bildmaterial der zusätzlich erhältlichen DVD/Blu-Ray vorliegt, kann ich zum audio-visuellen Erlebnis nichts sagen und muss mich auf die Musik beschränken. Und hier weiss ich wirklich nicht, was ich von dem Package halten soll.

Zur Eröffnung gibt es mit „It’s Another Day“ erstmal einen neuen Studiotrack des Vierers zu begutachten. Der Song ist nicht schlecht, aber wer bitte schön möchte ein Livealbum mit einem Studiosong eröffnen? Da möchte ich mich doch in froher Erwatung ins Geschehen vertiefen – oder geniesst tatsächlich jemand die Songs die vor einem Konzert vom Band laufen? Ich jedenfalls nicht. Und ich habe die Befürchtung, dass diesem durfhaus netten Appetizer nicht viel weiteres neues Material in dieser Formation folgenden wird … Dann geht’s auch direkt in die Livesongs (die im Zuge der 2016 Tour durch Japan aufgenommen wurden) und denen wir mit Vorfreude lauschen. Und hier macht sich schnell Ernüchterung breit. So froh ich als alter Fan der Band auch über die Reunion bin und es einfach ein tolles Erlebnis ist Dokken-Lynch-Pilson-Brown nochmals zusammen zu erleben, so erschreckend zahnlos kommen solche Klassiker wie „Kiss of Death“, „Unchain the Night“ oder „In my Dreams“ aus den Speakern. Wenn man bedenkt, was heutzutage alles an Korrekturen im Nachhinein möglich ist, dann möchte ich wirklich nicht die Originalaufnahmen hören. Was Fronter und Lynch-Nemesis Don Dokken stimmlich abliefert ist (jedenfalls gegen Ende der Show) teilweise schwach („Alone again“ ist fast unhörbar). Und auch spielerisch fehlt weitestgehend das Feuer und der Hunger alter Tage. Wer hier mal „Beast from the East“ daneben laufen lässt, wird „Return To The East Live 2016“ schnell wieder in der Hülle verstauben lassen. Klar, George Lynch feuert immer noch ein geiles Solo nach dem anderen ab und das Rhythmusduo Pilson/Brown ist nach wie vor eines der tightesten, groovenden der Szene. Aber Freude kommt beim Durchhören der Platte nur bedingt auf. Das reissen dann die beiden im Unplugged-Gewand neu aufgedonnerten Neueinspielungen am Ende der Scheibe auch nicht mehr heraus. Schwierig auch der Sound der Live-Tracks, der zwar insgesamt fett und zeitgemäss aus den Boxen kracht, aber z.B. mit den penetrant zischenden Becken der Drums ganz schön auf den Zeiger gehen kann. Ich muss allerdings meinen Hut vor den Background Chören ziehen: wenn die tatsächlich live gesungen sind, dann haben die Jungs in all den Jahren nichts von Ihrem Handwerk verlernt.

Planlos zusammengewürfeltes Beizeuges aus der Auslesegrabbelkiste und ein nur bedingt überzeugender Live-Hauptteil (von gerade mal 11 Songs!) machen aus „Return To The East Live 2016“ eine mehr als zwiespältige Angelegenheit. Die Songs sind durch die Bank weg natürlich immer noch eine Klasse für sich. Stimmlich und konzeptionell wird hier aber Mittelmass geboten, das an die Glanzzeiten der Band nur noch erinnern, diese aber nicht mehr aufleben lassen kann. Für Fans sicherlich interessant, vor allem weil es eine Freude ist George Lynch seine alten Hits shreddern zu hören. Alle anderen sind mit den etablierten Klassikern der Band allerdings besser beraten. Schade.

WERTUNG : (keine Wertung)

Trackliste:

01. It’s Another Day (New Studio Track)
02. Kiss Of Death
03. The Hunter
04. Unchain The Night
05. When Heaven Comes Down
06. Breakin’ The Chains
07. Into The Fire
08. Dream Warriors
09. Tooth And Nail
10. Alone Again (Intro)
11. Alone Again
12. It’s Not Love
13. In My Dreams
14. Heaven Sent (Acoustic Studio Bonus Track)
15. Will The Sun Rise (Acoustic Studio Bonus Track)

Mario

LEE AARON – Diamond Baby Blues

Band: Lee Aaron
Album: Diamond Baby Blues
Spielzeit: 51:00 min
Stilrichtung: Blues Rock
Plattenfirma: Metalville
Veröffentlichung: 27.04.2018
Homepage: www.leeaaron.com

Man kann beim neuen Album der mittlerweile 56 jährigen LEE AARON nicht wirklich von einem Comeback reden, auch wenn die gute dem Rock-Publikum schon seit längerem aus dem Blickfeld entsprungen war. Die Schaffensphasen der in den 80ern als „Metal Queen“ bekannten Kanadierin haben aber durchaus den ein oder anderen Bruch gehabt, weshalb LEE AARON für Fans solcher frühen Hardrock-Perlen wie „Whatcha Do to My Body“ nach Ihrem Stil/Imagewechsel Richtung Jazz Mitte er 90er Jahre von der Bildfläche verschwand. Als die Powerdame dann 2016 mit „Fire and Gasoline“ nochmal ein richtiges Rock Album vorlegte, hatte sie in der Zwischenzeit nicht auf der faulen Haut gelegen sondern durchgehend (mehr oder weniger) erfolgreich Musik aufgenommen und veröffentlicht. Die Reaktionen auf das letzte Albumwaren durchaus positiv und LEE AARON scheint sich im Rock auch weiterhin wohlfühlen. Umso besser für uns, denn nun liegt mit „Diamond Baby Blues“ eine richtig gute, starke (Blues-lastige) Scheibe vor, die Fans von klassisch hardrockigem Stoff nicht verpassen sollten.

Flankiert von den altgedienten Szeneschwergewichten Sean Kelly (Gitarre), Dave Reimer (Bass) und Schlagzeuger John Cody legt LEE AARON mit dem Opener „Diamond Baby Blues“ mal gleich einen fulminanten Start aus Parkett. Die Produktion stimmt, der Sohn ist fett und wuchtig, in einem richtigen Studio von Fachleuten eingefangen und die Powerröhre der Frontlady hat nichts von Ihrer Kraft eingebüßt. Dieser Einstieg macht Spaß und das weitere Materialsteht dem in nichts nach. Zwischen die gelungenen Eigenkompositionen werden immer wieder geschmackvoll ausgewählte Cover-Versionen („Mistreated“ von Deep Purple oder „Black Cat“ von Janet Jackson) eingestreut, die wie die Faust aufs Auge passen. Was soll ich sagen, die Platte macht einfach Laune. Eben weil hier offensichtlich nicht an den falschen Ecken gespart wurde und alle Beteiligten mit Ehrgeiz und Herzblut dabei sind. Als Anspieltipps seien (neben den genannten Tracks) noch das rockige Eigengewächs „Hard Road“ und die Ballade „The Best Thing“ genannt, die eine Sängerin zeigen, die bereits eine Menge erlebt hat, deren Stimme wie guter Wein immer besserst werden scheint und die immer noch gehörigen Spaß an Ihrer Berufung hat. „Diamond Baby Blues“ ist ein Highlight im Blues-Rock Sektor in diesem Jahr und sollte in keiner entsprechenden Sammlung fehlen. Beide Daumen hoch.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Diamond Baby Blues
02. Mistreated
03. American High
04. I’m a Woman
05. Mercy
06. The Best Thing
07. Black Cat
08. Hard Road
09. In the Bedroom
10. Cut Way Back
11. You’re No Good
12. My Babe

Mario

SALTY DOG – Lost Treasure

Band: Salty Dog
Album: Lost Treasure
Spielzeit: / min
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Escape Music
Veröffentlichung: 23.03.2018
Homepage: www.Escape-Music.com

Ach, das ich das noch erleben darf – ein „neues“ Album von SALTY DOG. Der Erstling dieser verrückten Truppe („Every Dog Has Its Day„, 1990) ist immer noch einer meiner Faves. Ein absolut verkanntes Kleinod, schräg, dreckig und äusserst unterhaltsam. Mit „Lost Treasure“ erscheint nun posthum das damals nie veröffentlichte 2te Album der Band, die zum Zeitpunkt der Aufnahmen Ihr Aushängeschild verloren und durch einen neuen Mann ersetzt hatte: Sänger Jimmi Bleacher hatte das Schiff aufgrund von ausufernden Drogenproblemen verlassen (müssen), aber der neue am Mikro war nun auch nicht wirklich von schlechten Eltern. Im Gegenteil, Darrel Beach hatte eine bessere Stimme, einen enormen Enthusiasmus und konnte obendrein auch noch so klingen wie sein Vorgänger. Was, bitte schön, konnte da noch schiefgehen? Nun ja, die Platte heisst „Lost Treasure“ und wird über 20 Jahre nach Aufnahme veröffentlicht – offensichtlich also eine Menge …

Auffällig ist erstmal, dass der Klang der Aufnahmen mitunter variiert und im allgemeinen wie ein gutes Demo klingt. Ganz offensichtlich ist hier damals nicht mit grossem Besteck (Produzent, Tontechniker) gearbeitet worden und die finanzielle Unterstützung war nicht die, die einer Major Veröffentlichung zustand. Auch wenn das Debüt nicht gerade als audiophile Offenbarung durchgeht, so war der basische Sound der Trupper auf „Every Dog Has Its Day“ doch perfekt eingefangen. Auf „Lost Treasure“ rumpelt es immer noch wie auf dem Vorgänger, aber nicht mehr so klanglich packend in Szene gesetzt. Sänger Beach hatte eine beeindruckende Stimme, übertreibt es aber auch mitunter und strapaziert die Nerven weil er quasi immer volle Kanne gibt. Das ist aber unterm Strich relativ egal, denn die hier versammelten Tracks machen durchaus Laune und erinnern daran, warum SALTY DOG mit dem Erstling einen Achtungserfolg landen konnten. Tracks wie das stark an das Debüt erinnernde „Open Sezme“, die bluesige Ballade „When Fools Rush In“ oder knarzige Rocker der Marke „Damned If I Do“ und „Honeysuckle Wind“ (natürlich nur echt mit dem Banjo!) lassen kein (Fan)Auge trocken. Allerdings, das sollte man bei aller Freude auch nicht verschweigen, kommen die Songs nicht an die von „Every Dog Has Its Day“ heran. Vor allem in den Refrains fehtl einfach der letzte Kick der aus einem guten einen starken Song macht. Es fehlt immer wieder der letzte Feinschliff, den halt auch ein erstklassiges Album benötigt um überzeugen zu können. Es macht also durchaus ein wenig Sinn, dass die Platte damals (zumal der Musikmarkt sich in einem radikalen Wandel befand) in der Versenkung verschwand.

„Lost Treasure“ richtet sich also primär an Fans von SALTY DOG und davon wird es nicht mehr allzuviele geben. Die, die noch da sind, werden aber umso glücklicher sein, dass es noch zusätzlichen Stoff der Band gibt. Und diese Fans haben wahrscheinlich längst schon die CD in den Einkaufswagen geklickt. „Lost Treasure“ muss man nicht unbedingt haben. Fans der Band werden allerdings einige vergnügliche und ausgelassen nostaligische Stunden damit verbingen.

WERTUNG :

 

 

Trackliste:

01. Damned If I Do
02. I Need More
03. Walk Softly
04. Open Sezme
05. Mission On A Hill
06. All That Glitters
07. Woman Scorned
08. Honeysuckle Wind
09. Didju
10. Old Fashioned Love
11. When Fools Rush In

Mario

THUNDER – Stage

Band: Thunder
Album: Stage
Spielzeit: / min
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: earMUSIC
Veröffentlichung: 23.03.2014
Homepage: www.thunderonline.com

Die britischen (Hard)Rocker THUNDER sind so etwas wie eine Institution auf der Insel und haben sich im Laufe Ihrer langen Karriere als stand- und wehrhaft erwiesen. Die Jungs um den charismatischen Sänger Danny Bowes haben jedem Trend getrotzt, was Ihnen zwar eine Menge Sympathiepunkte eingebracht haben mag – der Karriere war das natürlich nur eingeschränkt hilfreich. Seit dem Debüt „Backstreet Symphony“ aus dem Jahr 1990 hat sich die Truppe dem bluesig angehauchten Hardrock verschrieben und an der eigenen Formel so gut wie nichts verändert. Ein vielleicht typisch englischer Charakterzug, der für die Fans der Band natürlich auch etwas Verlässliches und Gewohntes garantiert. Zum internationalen Durchbruch hat es für THUNDER nie so wirklich gereicht, und das obschon die Jungs den ein oder anderen konkurrenzfähigen Song im Repertoire haben. Und von diesen Karrierehighlights gibt es auf dem in Cardiff aufgenommen Live-Album „Stage“ eine Menge zu hören. Dieses Live-Dokument ist in einem schönen Digipack erhältlich und bietet neben 2 CDs auch das gesamte Konzert auf einer 3ten BluRay Disc. In Zeiten von Spotify & Co. sind Live-Konzerte für den Grossteil Bands so ziemlich der einzige Weg wenigstens ein paar Cent in die eigene Tasche zu bekommen (glauben die „Konsumenten“ eigentlich, dass die Musiker Ihre Songs ehrenamtlich zum Wohle der Allgemeinheit schreiben und aufnehmen???) und so ist das entsprechende Angebot in letzter Zeit entsprechend angewachsen. Wenn man an jedem Wochentag an allen Ecken und Enden Bands zu sehen bekommt, dann muss man natürlich auch etwas geboten bekommen um das Publikum zu locken.

Nun, THUNDER ist keine Band, die für ausschweifende Bühnenaction bekannt ist und auch die Deko der „Stage“ in der Motorpoint Arena in Cardiff war beim hier gefilmten Auftritt vom März 2017 nur sehr spärlich ausgeschmückt. Da liegt es in der Nature der Sache, dass die Band zumindest optisch nicht allzuviel hermacht. Was das hier vorliegende Live-Video aber dennoch sehr interessant und anschauenswert macht ist zum einen die Tatsache, dass der Gig von den vielen Kameras äusserst effektiv eingefangen und, noch wichtiger, im Schneideraum geschmackvoll und mit Bedacht zusammengefügt wurde. Es gibt keine hektischen Schnitte, sondern der Zuschauer hat immer einen tollen Blick auf die Bühne, die einzelnen Musiker, das Publikum und das aktuelle Geschehen. Da der Sound dieser Konserve (auf den CDs und der BD) schön rau, ungeschmickt und dennoch angenehm gemixt ist und, last but not least, mit Danny Bowes einer der geilsten Sänger der Szene solche Gassenhauer wie das emotionale „Don’t Wait for Me“, „Backstreet Symphony“ oder Songs neueren Datums wie die Titeltracks der letzten beiden Stuioalben „Wonder Days“ und „Rip It Up“ mit glaubhafter Inbrunst intoniert, sollte für Fans der Band ein Zugreifenhier Pflicht sein.

Auch wenn die Truppe mittlerweile ein klein wenig hüftsteif ist und mein persönlicher Thunder-Favorit fehlt („Life Life in high Places“), so ist „Stage“ dennoch ein rundum stimmiges Paket, das sowohl vom Inhalt als auch von der Aufmachung voll überzeugen kann. So sollte eine qualitativ hochwertige Live-Auslese an den Fan gebracht werden. Daumen hoch!

WERTUNG :

(keine)

Trackliste:

01. No One Gets out Alive
02. The Enemy Inside
03. River of Pain
04. Resurrection Day
05. Right from the Start
06. Backstreet Symphony
07. Higher Ground
08. In Another Life
09. The Thing I Want
10. Don’t Wait for Me
11. Rip It Up
12. Love Walked In
13. I Love You More Than Rock’n’roll
14. Wonder Days
15. She Likes the Cocaine
16. Dirty Love

Mario

W.E.T. – Earthrage

Band: W.E.T.
Album: Earthrage
Spielzeit: / min
Stilrichtung: Melodic Metal
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 23.03.2018
Homepage: www.jeffscottsoto.com

Das Debüt der Frontiers „Supergroup“ W.E.T. ist damals (2009) eingeschlagen wir eine Bombe und steht auch heute noch als wunderbares Zeichen dafür, dass solche zusammengewürfelten Projekte tatsächlich hervorragend funktionieren können (leider gibt es auch genügend Projekte, die diesem inflationären Treiben seinen verdienten schlechten Ruf eingebracht haben). Das zweite Werk der Jungs um den talentierten Vielschreiber und unermüdlichen Fremdkomponisten … schlug in die exakt gleiche Kerbe, konnte das Niveau (meiner bescheidenen Meinung nach) aber nicht ganz halten. Vielleicht war der erste Überraschungseffekt aber auch einfach nicht mehr gegeben und die Erwartungshaltung zu hoch? Nun legen W.E.T. das immer noch heiss erwartete dritte Album vor und eines kann man vorweg wohl schonmal guten Gewissens annehmen: handwerklich stimmt hier alles. Die Musiker sind alle auf einem absoluten Top-Level, die Songs absolut professionel geschrieben und auch was die Produktion anbelangt hat man natürlich nichts anbrennen lassen.

Nun ist natürlich die Frage berechtigt, ob man ein Album wirklich braucht, bei dem man schon vor dem ersten Durchgang genau weiss wie es klingen wird? Denn das ist bei „Earthrage“ definitiv gegeben. Der geneigte Hörer hat ein absolut klares Bild davon wie die Scheibe klingen wird (minimale Veränderungen in Details mal ausgenommen), ja selbst die Hooklines kann man schon während dem ersten Hören sofort mitsingen, denn die beteiligten Musiker haben das Ganze schon so oft in marginal veränderter Form auf CD gebannt, dass wir es hier einfach mit gut gemachter Fliessbandware zu tun haben. Tut mir leid, aber um nichts anderes handelt es sich hierbei. Meckermodus aus. Was bieten W.E.T, auf „Earthrage“? Einen fetten, auf die Glocke hauenden Opener mit „Watch the Fire“, eine Feuerzeugballade aller erster Güte („Elegantly Wasted“) die in den 80ern ein totsicherer Hit gewesen wäre, sowie massenkompatible Stadionrocker inkl. Mitsing-Refrains und die genau richtig dosierte Ansammlung an hook-geschwänderten Power-Pop-Rockern (z.B. „Urgent“ mit angenehm heftigem Riffing) – alles da und genau dort wo man es erwartet. Der Unterschied zur Konkurrenz ist einfach, dass so gut wie niemand das zur Zeit so überzeugend und professional hinbekommt wie W.E.T. Das ist, aufs Neue untermauert von der neuen Platte, ein Fakt der unterm Strich eigentlich jedes Gemaule nebensächlich macht. Ja, das ist alles geplant und durchgestylt, aber, verdammt, es ist auch verdammt geil gemacht.

Also, braucht man eine Scheibe, die haargenau wie die beiden Vorgänger daher kommt und eine Band wie Def Leppard wie wahre Innovations-Genies dastehen lässt unbedingt? Sagen wir mal so, die Jungs sind ja nicht doof und so gut die beiden Vorgänger auch waren, die Halbwertzeit dieser Platten ist durchaus begrenzt – von zeitlosen Klassikern möchte ich da nicht reden und genau deshalb, weil sich der schmackhafte Inhalt so schnell abnutzt, ist eine neue Platte dann doch auch wieder willkommen. Die alte Platte kann man abhaken, die neue bietet dasselbe, in leicht veränderter Form – bis zum nächsten Fix. Wer also mit „W.E.T.“ und „Rise up“ glücklich wurde, dem wird „Earthrage“ ebenfalls freudige Stunden bereiten.

WERTUNG :

 

 

Trackliste:

01. Watch the Fire
02. Burn
03. Kings on Thunder Road
04. Elegantly Wasted
05. Urgent
06. Dangerous
07. Calling out your Name
08. Heart is on the Line
09. I don’t wanna play that Game
10. The burning Pain of Love
11. The never-ending retraceable Dream

Mario

THE DEAD DAISIES – Burn It Down

Band: The Dead Daisies
Album: Burn It Down
Spielzeit: 42:00 min
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Spitfire Records/SPV
Veröffentlichung: 06.04.2018
Homepage: wwww.thedeaddaisies.com

Die DEAD DAISIES, das sich ständig häutende Musiker-Kollektiv um den Rhythmusgitarristen und Bandgründer David Lowy, legen schon wieder eine neue Studioscheibe vor. Das Tempo der Veröffentlichungen hat schon etwas atemberaubendes, aber man soll das Eisen ja schmieden solange es heiss ist. Und der Erfolg der DEAD DAISIES hat sich im Laufe der vergangenen Jahre kontinuierlich, mit jedem neuen Album, gesteigert. Nun liegt also mit „Burn It Down“ die bereits 4te Studioscheibe in nur 5 Jahren vor (letztes Jahr gab es zudem ja mit „Live & Louder“ auch noch eine starke Live-Platte auf die Ohren). Und wie jedesmal darf auch jetzt gefragt werden – wer ist denn der Neue im Bunde? Auf „Burn It Down“ hört der Neuzugang auf den Namen Deen Castronovo, seines Zeichens geschasster Ex-Drummer von Journey und ein Schlagwerker von Weltformat. John Corabi ist glücklicherweidse immer noch mit von der Partie, ebenso wie die beiden ehemaligen Whitesnake Söldner Doug Aldrich (g) und Marco Mendoza (b).

Stilistisch darf man von den DEAD DAISIES natürlich keine Wagnisse oder Überraschungen erwarten. Die Jungs zelebrieren und verfeinern mit jeder neuen Platte ihre eigene Interpretation des klassischen, staubtrockenen und mit feinen Hooklines gespickten Hardrocks. Auf 10 Songs, in knackigen 42 Minuten gibt es diesmal wieder hart rockende Kost, die in stampfend vorgetragenen, Blues-getränkten Riffs verwurzelt ist und augenblicklich an Hitze, BBQ und Bikerparties denken lässt. Das ruppige Cover des Rolling Stones Tracks „Bitch“ kommt zwar nicht an die Lockerheit des Originals heran, macht aber klar wo die DEAD DAISIES anno 2018 stehen: ein Verbund von altgedienten, mit reichlich Erfahrung gesegneten Haudegen die sich in den Dienst der gemeinsamen Sache stellen. Selbst Doug Aldrich verzichtet auf sein übliches, blutarmes HiSpeed-Geschredder und steuert einige richtig heisse Licks und Soli bei, die den Tracks eine scharfe Note hinzufügen. So versprühen Songs wie die Hook-lastigen Rocker „Rise Up“ und „Can´t Take It With You“, oder das mit Akustikgitarren variabel aufgebaute „Judgement Day“ eine ungehobelte, lässige Attitüde, die eher nach Preoberaum als nach Managerbüro riecht.

Das Besetzungskarusell dieser Arbeitsbeschaffungsmassnahme für Musiker auf der Suche nach einem neuen, festen Job dreht sich unweigerlich weiter. Als einzige Konstante im Gefüge hat David Lowy die Zügel aber offensichtlich fest in der Hand und auch auf dem von Marti Frederiksen (u.a. Aerosmith, Buckcherry, Ozzy Osbourne und Mötley Crüe) produzierten „Burn It Down“ geben die Jungs sich keine Blösse. Im Gegenteil, das Songmaterial ist durchgehend stark, die Spielfreude allgegenwärtig und der Härtegrad lässt diesmal auch keine Wünsche offen. Freunde von handfestem Hardrock ohne Schnörkel sollten, nein müssen hier zugreifen. Bockstarkes Album (auch wenn ein wirklich zwingender „Hit“ fehlt).

WERTUNG :

 

 

Tracklist:

01. Resurrected
02. Rise Up
03. Burn It Down
04. Judgement Day
05. What Goes Around
06. Bitch
07. Set Me Free
08. Dead And Gone
09. Can´t Take It With You
10. Leave Me Alone

Mario

SHADOW KING – Shadow King (Re-Release)

Band: Shadow King
Album: Shadow King (Re-Release)
Spielzeit: 45 min
Stilrichtung: Melodic Rock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: /
Homepage: www.rockcandyrecords.com

Mit SHADOW KING erschienen 1991 zwei nicht ganz Unbekannte auf der Bildfläche um Ihren Teil des Melodic Rock Kuchens abzubekommen: Ex-Foreigner Sänger Lou Gramm hatte bereits die ein oder andere Platin-Platte zuhause im Flur hängen und Gitarrist Vivian Campbell hatte sich einen exzellenten Ruf als Sidekick bei Dio und Whitesnake erspielt. Zusammen mit dem Songwriter/Keyboarder/Gitarristen/Bassisten Bruce Turgon und Schlagzeuger Kevin Valentine legten die Jungs unter dem selbstbetitelten Album „Shadow King“ eine sauber produzierte, auch aus heutiger Sicht starke Melodic Rock Scheibe vor. Rock Candy Records, die bereits die Lou Gramm Solo Scheibe „Long Hard Look“ sowie die unter Vivian Campbell’s Beteiligung entstandenen Alben von Sweet Savage und den Riverdogs wiederveröffentlicht haben, machen nun auch dieses Kleinod dem interessierten Publikum in aufpolierter Aufmachung zugänglich.

Wenn man sich die Linernotes so durchliest, dann ist es schon ein wenig Augenwischerei, wenn die Band mit Gramm und Campbell als Säulen vermarktet wurde – unterm Strich war der Gitarrist lediglich an einem Song als Songwriter beteiligt und die Rhythmusgitarren auf der Platte stammen ebenfalls nicht von ihm. Im Endeffekt hat „Viv“ hier nur die Gitarrenleads eingespielt. Da ist es schon ein wenig verwunderlich, wenn er sich im Rückblick darüber beschwert, dass Gramm aufgrund von Drogenproblemen des Öfteren im Studio gefehlt hat. Wie dem auch sei, diese und noch einige weitere unterhaltsame und erhellende Anekdoten findet man im prallen Booklet dieser Neuauflage. Wie immer wurde die CD auch neu gemastert und das Ergebnis kann sich hören lassen. Das mag auch daran liegen, dass Produzent Keith Olsen einen absolut perfekten Job und somit ein mehr als brauchbares Ausgangsprodukt abgeliefert hatte. Mancher mag auch sagen, dass das Ergebnis etwas zu sauber und glattpoliert klingt. Jedenfalls versprühen Tracks wie die hochmelodiösen Rocker „Once upon a Time“, „Don’t Even Know I’m Alive“ oder „What would it take“ typisch amerikanisches Flair und erinnern an Kollegen wie Bad English oder Giant. Aus dem Rahmen fällt die Ballade „Russia“, die auf schön reduzierte Art das Können von Gramm und Campbell in den Vordergrund stellt. Auch wenn die Platte keinen Hit abgeworfen hat, so gelang es der Band ein hohes Niveau auf Albumlänge einzuhalten – das ist heute auch nicht mehr alltäglich.

Mir persönlich gefällt die „Shadow King“ Scheibe noch einen Tacken besser als das artverwandte Riverdogs-Debüt. Lou Gramm, zum Zeitpuntk der Aufnahmen arg von persönlichen Problemen gebeutelt, lieferte dennoch eine gewohnt brilliante Leistung ab und die Soli von Vivian Campbell sind eh eine Klasse für sich. Wer die Rock Candy CDs kennt, weiss, dass wir es hier mal wieder mit einem Album zu tun haben, das trotz enormen Potentials aus diversen Gründen einfach damals untergangen ist. Wer auf handgemachten, mit fettem Geld in echten Tonstudios produzierten AOR Rock steht, der sollte hier auf jeden Fall zugreifen.

WERTUNG :

 

 

Trackliste:

01. What Would it Take
02. Anytime, Anywhere
03. Once Upon a Time
04. Don’t Even Know I’m Alive
05. Boy
06. I Want You
07. This Heart of Stone
08. Danger in the Dance of Love
09. No Man’s Land
10. Russia

Mario

KINO – Radio Voltaire

Band: KINO
Album: Radio Voltaire
Spielzeit: 56:10 min
Stilrichtung: Progressive Rock
Plattenfirma: Inside/Out Records
Veröffentlichung: 23.03.2018
Homepage: www.facebook.com/KINObandofficial/

Wohlfühl (Neo)Prog ist ja immer ein zweischneidiges Schwert. Da wird es dann mal ganz schnell unheimlich kitschig, seicht belanglos oder einfach nur sterbenslangweilig. Bei mir hat das formidable, keineswegs oberflächliche, Debüt der Briten KINO aus dem Jahr 2005 allerdings einen ganz besonderen Platz im Herzen. Auf dieser Scheibe zauberten die Jungs (Arena Sänger/Gitarrist John Mitchell, Marillion Bassist Pete Trewavas und Keyboarder John Beck von It Bites) einen leckeren Happen hochmelodischen, beinahe schon poppigen Progs, der auch heute noch zeitlos und unverbraucht klingt. Leider war es lange still um die Formation, da sich die Beteiligten nach Veröffentlichung des Erstlings wieder anderen Projekten/Bands widmeten. Umso überraschender nach 13 Jahren die Ankündigung, dass mit „Radio Voltaire“ tatsächlich ein Album mit neuem Material erscheint. Personell hat es lediglich leichte Veränderungen gegeben: Keyboarder John Beck ist heuer nur noch als Gastmusiker aufgeführt und an den Drums hat Craig Blundell die Stöcke von Chris Maitland übernommen.

Bereits der der Opener/Titeltrack „Radio Voltaire“ vermittelt mit seinen gefühlvollen Gitarrenleads, der packenden Melodieführung und einer perfekten Produktion das Gefühl als sei die Zeit stehengeblieben. Das Ganze knüpft recht nahtlos an den starken Vorgänger an und als Fan der Band kann man sich entspannt zurücklehnen und den restlichen, abwechslungsreichen Tracks lauschen. Da wird nicht unbeholfen auf Teufel-komm-raus ein nicht passendes Heavy-Riff passend gemacht, oder verkopft ohne Sinn und Zweck vor sich hin gefrickelt. Bei KINO stand und steht der Song im Vordergrund und über allem thront John Mitchell mit tollen Gesangsmelodien („Grey Shapes On Concrete Fields“) und starken Gitarren-Leads bei denen das Prinzip des „Weniger-ist-mehr“ auf die Spitze getrieben wird. Anspieltipps dieser sehr abwechslungsreichen Scheibe sind das leicht psychedelische „Out Of Time“, der Rocker „The Dead Club“, das beschwingte „I Don’t Know Why“ sowie der ruhige Rausschmeißer „The Silent Fighter Pilot“. Absolut begrüßenswert ist die positive, erbauende Grundstimmung, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album zieht und den Hörer von vorne bis hinten zu fesseln weiß. Hier haben KINO Einiges richtig gemacht und scheren sich nicht im Geringsten um Erwartungshaltungen oder Konventionen, was der Scheibe (mal wieder) einen ganz eignen Charme und etwas Zeitloses gibt.

Mit „Radio Voltaire“ legen die Routiniers von KINO einen weiteren Leckerbissen vor, der das lange Warten (beinahe) vergessen macht. Perfekt produziert, mit hohem Können komponiert und eingespielt gibt es ein Album zu hören, das auch nach dem x-ten Durchlauf nicht langweilig wird und mit zum Kompaktesten gehört was in letzter Zeit im Neo-Prog Sektor veröffentlicht wurde. Die Scheibe kann als Special Edition im CD Digipak, als Gatefold Vinyl (inkl. CD) oder Digitales Album erworben werden. Fans von gepflegten, kompetent eingespielten Pop/Neo-Prog können, nein sollten, hier bedenkenlos zugreifen.

WERTUNG :

 

 

Trackliste:

01. Radio Voltaire
02. The Dead Club
03. Idlewild
04. I Don’t Know Why
05. I Won’t Break So Easily Any More
06. Temple Tudor
07. Out Of Time
08. Warmth Of The Sun
09. Grey Shapes On Concrete Fields
10. Keep The Faith
11. The Silent Fighter Pilot

Mario

ANIMAL DRIVE – Bite!

Band: Animal Drive
Album: Bite!
Spielzeit: 53:00 min
Stilrichtung: Melodic Power Metal
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 23.02.2018
Homepage: www.animal-drive.com

Mit ANIMAL DRIVE steht eine Band aus Kroatien in den Startlöchern und nun bei Frontiers unter Vertrag. Die Band, deren Aushängeschild unzweifelhaft der kräftige Gesang des Fronters und Hauptsongwriters Dino Jelusic ist, existiert seit 2012 und legt nun, nach tatkräftiger Fürsprache von niemand geringerem als Jeff Scott Soto, ihr Debüt Album vor. Die beiden Sänger haben sich bei Ihrem gemeinsamen Engagement beim Trans-Siberian Orchestra kennen gelernt – in diesem Geschäft braucht’s halt Beziehungen, sonst wird’s ganz schwer mit dem Weiterkommen. Vom Label werden Parallelen zu Skid Row, Whitesnake und Dream Theater als Orientierungshilfe an die Hand gegeben. Schauen wir mal in wie fern die Musik auf „Bite!“ mit diesen Größen mithalten kann.

Vorab muss ich sagen, dass mir die Produktion der Platte ein wenig im Magen liegt – es ballert aus allen Rohren und vor allem die Drums lassen das Ohr bereits nach kürzester Zeit ermüden. Ich verstehe nicht, warum es bei Frontiers soundtechnisch immer nur „ab durch die Mitte“ geben muss. Da ist schon so manche richtig gute Scheibe klangtechnisch dem Erdboden gleichgemacht worden. Sei’s drum – in Zeiten von Streaming, Spotify und Handy-Hörgenuss scheint ein ausgewogener Klang wohl nur noch zu unnötigem Ballast geworden zu sein. Nach einem vielversprechenden, mit klassischer Orgel in Deep Purple Manier eingeleiteten Intro gibt die Band sofort Vollgas und knallt dem Hörer mit „Goddamn Marathon“ und „Tower Of Lies (I Walk Alone)“ ein starkes Doppelpack um die Ohren. Es regieren fette, modern-metallische Gitarrenriffs (Zakk Wylde lässt grüßen), das schon erwähnte Plastik-Drumkit sowie ein Dino Jelusic, der die Klaviatur des Powermetal-Gesangs perfekt beherrscht. Dynamik und Abwechslung sucht man auch in seiner Performance allerdings weitestgehend mit der Lupe (er gibt konstant Gummi), das passt aber gut zum Rest der Band. Mit dem betont schwülstigen „Father“ und der Halb-Ballade „Hands of Time“ nehmen die Jungs glücklicherweise auch ein wenig das Tempo raus und geben Jelusic die Gelegenheit seine variable Stimme doch ein wenig zu zeigen. Der Rest des Materials geht aber ordentlich nach vorne. Die Platte braucht ein paar Umdrehungen bis die Hooks sitzen, dann aber sollten Freunde gepflegten, hochmodischen Metals Ihre Freude haben. Als Anspieltipps seien das an Whitesnake (neueren Datums, ergo aus der Frontiers Phase) erinnernde „Lights Of The Damned“ und das groovige „Fade Away“ genannt sein.

Mit „Bite!“ erfinden ANIMAL DRIVE das Rad nicht neu, einen Stinker haben die Jungs aber auch nicht abgeliefert. Wer eine neue Dröhnung Power-Metal ohne Originalitätsanspruch braucht, kann hier gerne mal reinhören. Spieltechnisch ist die Band auf einem guten Niveau, auch wenn, außer dem Sänger, keiner wirklich hervorsticht. Das Songwriting ist solides Mittelmaß, da ist auf jeden Fall noch Luft nach oben und bei den gegebenen Vorraussetzungen ist da gewiss noch eine Menge mehr drin. Für Genre-Fans zum Anchecken absolut empfohlen, aber mit den genannten Vorbildern (mit Dream Theater hat das z.B. nicht im Entferntesten etwas zu tun) hat das alles (noch) wenig gemeinsam.

WERTUNG :

 

 

Trackliste:

01. Goddamn Marathon
02. Tower Of Lies (I Walk Alone)
03. Had Enough
04. Hands of Time
05. Lights Of The Damned
06. Time Machine
07. Father
08. Fade Away
09. Carry On
10. Devil Took My Beer Again
11. Deliver Me

Mario

REVERTIGO – Revertigo

Band: Revertigo
Album: Revertigo
Spielzeit: 49:00 min
Stilrichtung: Melodic Rock
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 23.02.2018
Homepage: www.facebook.com/ReVertigoOfficial/

Mit REVERTIGO stellt sich ein Joint-Venture der beiden Recken Mats Levén (u.a. Swedish Erotica, Yngwie Malmsteen, Krux) und Anders Wikström (Treat) der Öffentlichkeit vor. Da das Ganze beim Würfelkasten-Label Frontiers erscheint, darf gewisser Zweifel an der Langlebigkeit dieser Formation angemeldet werden. Aber wollen wir mal nicht den Teufel an die Wand malen, sondern den Klängen lauschen, die die beiden langjährigen Freunde und Multiinstrumentalisten (ausser den Drums haben die zwei sämtliche Instrumente selber eingespielt!) hier eingetütet haben.

Gleich beim Opener „Hoodwinked“ wird die Richtung vorgegeben: ein klassisches Gitarrenriff der alten Schule, ein schwerer Groove und ein hypnotischer Hook im Refrain. Jepp, alles richtig gemacht. So kann es weitergehen. Und die Jungs haben in der Tat noch einige weitere vergleichbare Highlights in Petto: bei „Sailing Stones“ zeigt sich, dass Levén und Wikström in ihrer Karriere schon den ein oder anderen Song geschrieben bzw. arrangiert haben – auf einen packenden Refrain wird noch locker eine unerwartete Steigerung drauf gesetzt. Sehr gelungen. Als weitere Anspieltipps möchte ich noch das epische, schön tiefergelegte „The Cause“, mit seiner guten Mischung aus Siebensaiter-Riffs und Levéns energischer Powerstimme, den straighten (dezent an Glenn Hughes erinnernden) Rocker „False Flag“ und den mit bissigen 80er Riffs kokettierenden Headbanger „Joan Of Arc“ ans Herz legen. Dazwischen gibt es auch den ein oder anderen nicht ganz so zwingenden Track (z.B. „Symphony Of Fallen Angels“) zu hören, die Highlights sind aber eindeutig in der Überzahl.

Tja, ich kann nur hoffen, dass uns REVERTIGO noch ein paar weitere solch gehaltvolle Scheiben auf den Teller legen werden. Auf diesem Debüt stimmt so ziemlich alles. Fette Gitarren, starke, hochmelodische aber niemals kitschige Songs und eine formidable Rock-Röhre. REVERTIGO haben Ihrer Scheibe zudem einen geilen, nicht überladenen Sound verpasst – modern zwar, aber immer mit beiden Beinen im Classic-Rock verwurzelt. Dabei klingen die Jungs aber nie so (gewollt) angestaubt und lofi wie zuletzt z.B. Europe. Freunde von modern aufgezogenem Classic Rock, der auf allzu müde Verweise auf alte Zeiten auskommt und einfach nur gute Songs bietet, sollten hier auf jeden Fall reinhören.

WERTUNG :

 

 

Trackliste:

01. Hoodwinked
02. Sailing Stones
03. Symphony Of Fallen Angels
04. The Cause
05. Gate Of The Gods
06. False Flag
07. Unobtainium
08. Luciferian Break Up
09. Joan Of Arc
10. Break Away
11. In Revertigo

Mario