VALENTINE – Valentine (Re-Release)

Band: Valentine
Album: Valentine (Re-Release)
Spielzeit: /
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: 18.09.2017
Homepage: www.rockcandyrecords.com

Keine Ahnung warum mir die US Band VALENTINE bisher nicht bekannt war. Vielleicht habe ich instinktiv um das kitschige Cover einen Bogen gemacht, womöglich hat mich der ebenfalls grenzwertige Bandname davon abgehalten mich näher mit dem Output (diesem einen hier vorliegenden Debüt) der Jungs auseinander zu setzen. Glücklicherweise hatte ich nun doch noch, dank dem Rock Candy Label, die Chance die Scheibe zu hören. Und ich bin verdammt froh das getan zu haben. Was die Band aus New York auf Ihrem ersten und einzigen Album fabriziert hat gehört definitiv zum besseren Erbe, dass die bunten, partyfreundlichen 80er Hardrock Jahre uns hinterlassen haben.

Geboten wurde auf „Valentine“ (dank dem erfahrenen Produzenten Neil Kernon, u.a. Queensryche und Dokken) kernig produzierter Hardrock der damals angesagten Schule. Will sagen: Plüsch wo er hingehört, fette Gitarren (nebst einiger, heisser erstklassiger Soli), pakende Melodien und rundherum stimmiges Ambiente. An dieser Aufgabenstellung sind schon einige Aspiranten gescheitert. VALENTINE machten so ziemlich alles richtig und sind dann doch nach diesem Album wieder in der Versenkung verschwunden. Das lag aber kaum am handwerklichen Können oder dem Songwriting. Tracks wie der starke Ohrwurm „No Way“, die wie eine Mischung aus Journey und Foreigner klingende Mega-Ballade „Never said it was gonna be easy“ oder die nicht minder guten Rocker „Tears in the Night“ und „Where are you now“ funktionieren auch heute noch ganz prächtig. Auch wenn Sänger Hugo optisch dem Journey Goldkehlchen Steve Perry verdammt ähnlich sieht und auch eine verwandte Stimmlage hat, so sind die Unterschiede zum berühmten Kollegen doch klar erkennbar. Der Junge hatte eine bärenstarke Stimme der es einzig ein wenig an Wiedererkennungswert mangelte – was vielleicht eine Erklärung dafür ist, dass VALENTINE sich nicht gegen die (manchmal objektiv betrachtet) schwächere Konkurenz durchsetzen konnte.

Wie üblich (muss man das noch erwähnen?) ist das vorliegende Produkt von Rock Candy amtlich remastered worden und bekam ein nettes Booklet spendiert, dass den positiven Gesamteindruck der Platte nochmal aufwertet. Freunde von gesittetem Eighties Hardrock im Stile von Firehouse, Winger oder Foreigner sollten auf jeden Fall zugreifen, denn „Valentine“ macht sich in jeder Genre-Sammlung ganz hervorrragend.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Runnin‘ on Luck again
02. No Way
03. Tears in the Night
04. Too much is never enough
05. Never said it was gonna be easy
06. Where are you now
07. Naughty Girl
08. Once in a Lifetime
09. Someday
10. We run
11. You’ll always have me

Mario

BABYLON A.D. – Revelation Highway

Band: Babylon A.D.
Album: Revelation Highway
Spielzeit: 43:24 min
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 10.11.2017
Homepage: www.babylonad.com

28 Jahre nach Ihrem fantastischen Debüt legen die Amerikaner BABYLON A.D. endlich ein neues Album mit (zumindest teilweise) frischem Material vor. Das es noch einmal so weit kommen hätte ich, als beinharter Fan der ersten Stunde, beileibe nicht mehr zu träumen gewagt. Denn was die Jungs seit Ihrem letzten richtigen Studioalbum („American Blitzkrieg“, 2000) so an Veröffentlichungen rausgehauen haben, bestand zum Großteil aus aufgewärmten Archivmaterial und (verzichtbaren) Live-Aufnahmen. Den meisten Hard Rock Fans der 80er dürften die Jungs, wenn überhaupt, aufgrund Ihres absolut genialen Erstlings bekannt sein, der bei mir z.B. auch heute noch beinahe wöchentlich in den Player kommt, so verdammt gut ist diese zeitlose Scheibe. „Babylon A.D.“ gehört in jede halbwegs gut sortierte Hard Rock Sammlung. Punkt. Um so grösser das Aha als angekündigt wurde, dass die Band auf dem Frontiers Label ein neues Studioalbum herausbringen würde.

Nun, so viel sei schon verraten, absolut taufrisch ist nicht alles auf „Revelation Highway“. Einige der Songs sind tatsächlich Neuaufnahmen von Songs die bereits 2008 auf der Demo-Compilation „In The Beginning…„ verbraten wurden. Was bedeutet, dass diese Tracks für das Debüt damals nicht verwendet wurden … man fragt sich warum. Nun gut, wollen wir nicht unken. Immerhin sind die Jungs für die neue Scheibe tatsächlich wieder in der Originalbesetzung unterwegs. Butter bei die Fische – wie klingt die neue Scheiblette? Die Produktion klingt, wohlwollend ausgedrückt roh und ungeschminkt, man könnte auch sagen, etwas billig, viel zu heiss komprimiert und gleichzeitig ungeschliffen. Das hat allerdings einen gewissen Proberaum Charme, der im klaren Kontrast zu den polierten beiden ersten Studioalben steht. Aber damit setzt die Band sich auch wieder von dem geleckten Frontiers Kram ab, den man sonst so zu hören bekommt – kurz, über die Produktion kann man gerne streiten. Das Aushängeschild von BABYLON A.D. war, neben den absolut geilen 2 Gitarren, immer schon Sänger Derek Davis, der heute noch genau so absolut klasse klingt wie damals. Die Stimme hat nichts von ihrer Faszination verloren. Und so treibt die Band Songs wie den flotten Opener „Crash And Burn”, das schon als Demo bekannte melodische “Tears” oder den B.A.D. typischen Rocker “Rags To Riches” mit gewohnter Verve durch die Speaker.

Mit “Revelation Highway” melden sich BABYLON A.D. eindrucksvoll zurück. Zwar gibts in der B-Note klare Abzüge wegen der doch recht dürftigen, matschigen Produktion und der offensichtlichen Resteverwertung. Allerdings bleibt unterm Strich immer noch ein starkes Album mit einer Menge feiner Songs einer immer noch einzigartigen Band. Gute Scheibe.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Crash And Burn
02. Fool On Fire
03. One Million Miles
04. Tears
05. She Likes To Give It
06. Rags To Riches
07. Last Time For Love
08. I´m No Good For You
09. Saturday Night
10. Don´t Tell Me Tonight

Mario

SWEET & LYNCH – Unified

Band: Sweet & Lynch
Album: Unified
Spielzeit: 50:45 min
Stilrichtung: Hard Rock/Heavy Metal
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 10.11.2017
Homepage: www.sweetandlynch.com

Das Stryper Goldkehlchen Michael Sweet und Gitarren-Ikone George Lynch geben sich (2 Jahre nach Ihrem Debüt) erneut die Ehre und legen über Frontiers ein weiteres Album vor. Die erste Veröffentlichung der beiden konnte durchweg gute Kritiken einheimsen und dass hier 2 Könner ihres Fachs am Werk sind ist unbestreitbar. Ebensowenig gab es am Songwriting auf „Only To Rise“ zu meckern. Nun haben die beiden mit Unterstützung von Bassist James Lomenzo (u.a. White Lion, Black Label Society) und Schlagzeuger Brian Tichy (alle) „Unified“ eingetütet und bringen das ganze schnell unters Volk, bevor das nächste Stryper Album in trockene Tücher kommt und George Lynch sich einem seiner gefühlten 500 anderen Projekten/Bands widmet.

Dass die Jungs wissen was sie tun ist klar. Das hört man Scheibe No. 2 natürlich ebenfalls an – schlecht ist hier so gut wie nichts. Überragend allerdings auch nicht. Die Produktion ist ok, Industriestandard quasi, mehr nicht. Und wie bei dem begrenzten Zeitrahmen in dem solche Unternehmungen angegangen werden nicht anders zu vermuten ist das Songwriting, nun ja, etwas Kraut und Rüben. Da wird locker die obligatorische bluesige Ballade („Tried & True“) mit typischem Hard n‘ Heavy („Make your Mark“) gemischt, jeder bekommt genügend Spots um seine Fähigkeiten ins Rampenlicht zu stellen. Und manchmal wird sogar so richtig ins Geschmacksklo gegriffen, wenn z.B. in dem wirren, funkigen „Walk“ die Queenanleihen so derb übertrieben werden, dass man sich mitten in der neuen The Darkness Scheibe wähnt und nicht in den Händen von SWEET & LYNCH. Dieser Mut ist zwar zu begrüssen, verhindert in diesem Fall aber, dass bei „Unified“ so etwas wie Stringenz zustande kommt. Das klingt alles wie eine Ansammlung von Songs, die die Jungs anderweitig nirgends unter bekommen haben. Eine Mixtur aus hit and miss. Die Freude, die der Erstling noch entfachen konnte will sich bei „Unified“ nicht so richtig einstellen, auch wenn objektiv betrachtet alles im grünen Bereich ist. Verstehen wir uns bitte nicht falsch: bei starken Tracks wie das kernige „Promised Land“ oder das gitarrenlastige „Heart Of Fire“ kommt durchaus gute Laune auf. Der Gesang und auch die oftmals von Gospel beeinflussten Chöre sind durchweg erstklassig. Leider ist aber auch einiges an Füllermaterial dabei (wie die beiden verzichtbaren, an Ende der Platte gepackten Songs „Better Man“ und „Live To Die“) die das Album nur als ganz ok durchgehen lassen und eine höhere Wertung verhindern.

SWEET & LYNCH bieten auf Ihrem zweiten gemeinsamen Album Business as usual. Das mag den Freund des gepflegte und vorhersehbaren Melodic Rock freuen. Alle anderen, vor allem Fans von Lynchs heissem Gitarrenspiel, sollten aber erst malvorsichtig reinhören. Lynch ist hier zu weiten Teilen nur Erfüllungsgehilfe der relativ selten glänzt – die Scheibe ist zum Grossteil auf Sänger Michael Sweet zugeschnitten.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Promised Land
02. Walk
03. Afterlife
04. Make Your Mark
05. Tried & True
06. Unified
07. Find Your Way
08. Heart Of Fire
09. Bridge Of Broken Lies
10. Better Man
11. Live To Die

Mario

EASTERN HIGH – Garden of Heathens

Band:  Eastern High
Album: Garden of Heathens
Spielzeit: 38:45 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Rock‘N‘Growl Promotion
Veröffentlichung: 25.09.2017
Homepage:  www.facebook.com/easternhighofficial 

Bei EASTERN HIGH handelt es sich um eine 2-Mann Truppe (die Brüder Ola und Johan Svensson), aus dem schönen Schweden, die Ihr 8-Track Debüt unter dem Banner „Progressive Metal“ unters Volk schmeißt. Garniert ist das „Produkt“ mit einem netten Cover von Christian Wallin (mehr bekommt man ja heutzutage im Voraus nicht mehr zu begutachten), ist fett produziert (Mix von Erik „Wissard“ Wiss (u.a. Creye, Cruzh, Eleine, Grand Slam) Mastering von Thomas Plec Johansson (u.a. Soilwork, Onslaught, Armageddon, Degradead, Dynazty) ). Eine Menge Name-Dropping also, um die Band schon mal nach vorne zu kicken.

Geboten wird auf „Garden of Heathens“ relativ zahmer Metal im Stile von Genre-Mischern wie AMORAL, bei dem die sparsam eingesetzten Growls auch nicht wehtun. Das klingt alles brav und bieder, und lehnt sich zuweilen auch bei den Landsmännern Katatonia an, deren Level im Bereich Songwriting aber Lichtjahre entfernt ist. Das soll aber nicht heißen, dass EASTERN HIGH nicht doch ein paar nette Ideen und Songparts hätten. Unterm Strich ist das alles allerdings viel zu stromlinienförmig um Aufsehen zu erregen. Da bietet jede neue Iron Maiden Platte mehr Überraschungen als die hier vorliegenden 8 Songs, die man schon nach dem ersten Durchlauf wieder vergessen hat, weil es einfach keine Aha-Effekte gibt. Gut geschrieben und gespielt ist das alles, ja. Klingen tut’s auch amtlich, durchaus. Aber sag ich mir als Hörer „wow, das war so ein geiler Einfall, den Track muss ich mir gleich nochmal anhören“? Leider nein. Hinzu kommt, dass das Ganze wohl auch aufgrund der technischen Hilfsmittel (Drumcomputer?) einfach viel zu wenig Bandseele versprüht und mich seltsam unbeeindruckt hinterlässt. Daher ist die Bezeichnung „progressiv“ hier tatsächlich nicht mehr als Mittel zum Zweck – nämlich interessierte Genre-Liebhaber zu locken, die vielleicht Futter für zwischendurch brauchen, bis die nächste wirklich gehaltvolle Veröffentlichung vorliegt. Als Anspieltipps seien an dieser Stelle der gute Opener „Bottled Insanity“, der abwechslungsreiche Titeltrack oder die schön melancholische Ballade „Ghost of the Sea“ oder das harte „Evil Inc.“ genannt. Wer mit Musik ohne jegliche Haken und Ösen gut klarkommt, sollte auf jeden Fall mal ein Ohr riskieren. Dass die Jungs aber zu mehr imstande sind hört man der Platte zu jedem Moment an.

Tut mir leid, das klingt jetzt vielleicht ein bisschen hart. Aber bei der Fülle an Alben, die von den Labels mittlerweile unters Volk geworfen werden, muss die natürlich Auslese irgendwo auch mal einsetzen. Ich wünsche den beiden Musikern hinter EASTERN HIGH, dass sie sich auf Ihre sehr wohl vorhandenen Qualitäten besinnen und vielleicht ein wenig mehr Mut zum Risiko zeigen. Dann gelingt mit der nächsten Scheibe vielleicht doch noch etwas mit einem Hauch von Mut und Eigensinnigkeit.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Bottled Insanity
02. Eyes of Heaven
03. Evil Inc.
04. Ghost of the Sea
05. Garden of Heathens
06. Clandestine Hunger
70. The Pretender
08. Afterglow

Mario

 

AUTOGRAPH – Get Off Your Ass

Band: Autograph
Album: Get Off Your Ass
Spielzeit: 43:14 min
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: EMP Label Group
Veröffentlichung: 06.10.2017
Homepage: www.autographband.com

Die US Amerikaner AUTOGRAPH dürften eingefleischten Melodic Rock Fans vielleicht aufgrund des okayen Debüts „Sign In Please“ aus dem Jahre 1984 ein Begriff sein. Wem die Band bisher aber kein Begriff war, der muss nicht verzweifeln – das ist eine durchaus entschuldbare Bildungslücke. Mit dem moderaten Hit „Turn Up the Radio“ warf der Erstling einen ganz netten Song ab. Aber schon die zweite Scheibe der Truppe („That’s the Stuff“, 1985) verschwand sang und klanglos wieder in der Versenkung – und mit Ihr die Band um Gitarrist und Aushängeschild Steve Lynch. Zwar haben die Jungs über die Jahre hinweg immer mal wieder Alben veröffentlicht. Aber von einer echten Karriere kann man hier kaum sprechen. Die letzte Platte („Louder“) hat gerade mal ein Jahr auf dem Buckel und nun liegt uns mit „Get Off Your Ass“ schon Album No. 9 der Truppe vor.

Auf „Get Off Your Ass“ bieten die Jungs 10 Tracks, von denen einer eine Live Version Ihres größten Hits „Turn Up the Radio“ ist. Das sagt ja eigentlich schon alles. Aber wir wollen die Scheibe dann doch etwas eingehender betrachten: der Opener/Titeltrack ist ein typischer Mitsingsong in der Tradition der 80er. Zwar kann man mit „Get Off Your Ass“ den Klassikern des Genres kein Paroli bieten, aber der Song ist amtlich. Was dann zwischen diesen guten Einstieg und dem ans Ende der Platte gesetzten Aufguss des Nummer-Sicher-Tracks „Turn Up the Radio“ gepackt wurde ist leider nur ordentlicher Durchschnitt. Ein Song wie „All Emotions“ bewegt sich in typischem Hauruck-Hardrock, den man an jeder Dorfecke zu hören bekommt. Auch die restlichen Songs (wie das locker flockige „You Are Us, We Are You“ oder der leicht funkige Track „Watch It Now“) sind Allerwelts-Hardrock, den man schon tausendmal besser gehört hat. Mit Sänger Simon Daniels haben AUTOGRAPH zudem einen Fronter in Ihren Reihen, der die Töne zwar trifft, der aber ebenfalls nur über eine mittelmäßig interessante Stimme verfügt. Zusammen mit der 08/15 Produktion, die Transparenz und Hörgenuss zugunsten von einem übermäßig fetten, platt komprimierten Drumsound opfert, ergibt das in der Summe leider nur soliden Durchschnitt.

Die Frage ist natürlich ob die Welt wirklich ein weiteres Album einer Band braucht, die Ihren kreativen Zenit schon lange überschritten hat und ganz offensichtlich auch nicht über die finanziellen Mittel verfügt in der Oberliga des Genres mitspielen zu können? Ich habe ja keinen Zweifel daran, dass die Jungs immer noch eine Menge Spaß an Ihrer Musik und am Musizieren haben. Und handwerklich sind AUTOGRAPH auch heute noch ganz solide unterwegs. Aber gibt es tatsächlich einen Markt für solche Alben? Wenn man sich die Flut an ähnlichen, gleichförmigen Veröffentlichungen anschaut, scheint die Antwort wohl „ja“ zu lauten. Aber wer kauft das alles? „Get Off Your Ass“ bietet durchschnittliche Standardware, ganz gut gespielt aber billig produziert. Das braucht eigentlich kein Mensch, aber Fans der Band oder gnadenlose Alleskäufer können natürlich bedenkenlos zugreifen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Get Off Your Ass
02. Every Generation
03. All I Own
04. You Are Us, We Are You
05. Meet Me Halfway
06. I Lost My Mind In America
07. All Emotions
08. Watch It Now
09. Ready To Get Down
10. Turn Up The Radio (Live)

Mario

COMMUNIC – Where Echoes Gather

Band: Communic
Album: Where Echoes Gather
Spielzeit: /
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 27.10.2017
Homepage: www.communic.org

Endlich liegt es vor: „Where Echoes gather“, das erste Album seit dem 2011er Kracher „The Bottom deep“ des überall hochgeschätzten Norwegischen Trios COMMUNIC (denen in Fan-Kreisen schon ein nahezu legendärer Ruf vorauseilt).

Um „Where Echoes gather“ (Album No. 5 seit Bandgründung Mitte der 2000er) schlussendlich fertig zu stellen, brauchte die Truppe um Gitarrist/Sänger Oddleif Stensland einige Anläufe. Zweimal kam die Geburt von Nachwuchs dazwischen, was die Band nötigte die Veröffentlichung zu verschieben, da man das Ganze nicht ohne Promotion durchziehen wollte. COMMUNIC bewegt sich halt in Grenzen, die es den Jungs erlauben die privaten/familiären Belange vor das Interesse der Band zu stellen. Das ist sympathisch und dem fertigen Produkt merkt man das jahrelange hin und her nicht an. Im Gegenteil, die Scheibe wirkt klar strukturiert, glänzend bis ins Detail ausgearbeitet und wartet mal wieder mit spielerisch hohem Niveau und, vor allem, sehr starken Tracks auf. COMMUNIC bewegen sich auch auf „Where Echoes gather“ wieder irgendwo zwischen den Welten, greifen aber, das wird manchen Fan der ersten Stunde freuen, auf teilweise schon sehr alte Songideen zurück. Das bedeutet, dass es stilistisch wieder etwas Richtung Frühwerk geht. Wie gehabt bauen COMMUNIC ihre Songs auf einem Thrash-Fundament auf, streuen gerne mal die ein oder andere Blackmetal Gitarrenlinie ein, setzen auf Gesang den man eher im geerdeten US-Metal verorten würde und scheuen sich nicht, progressive „Vibes“ zu versprühen. Das hat manchmal etwas von Queensryche spielen Thrash, auch wenn dies natürlich diese urwüchsig eigenwilligen Norweger nicht annähernd beschreibt. Der Großteil der Tracks besteht aus in jeweils 2 Teile gesplittete Songs, von denen vor allem das Eröffnungsdoppel „The Pulse of the Earth“ mit seinen Ohrwurmmelodien und dem geilen Riffing sofort hängen bleibt. Als Anspieltipp seien außerdem noch der (doppelte) Rausschmeißer „The Claws of the Sea“ mit seinen vertrackten Rhythmuswechseln und die (naja, nennen wir es mal in Ermangelung einer besseren Bezeichnung) Powerballade „Moondance“ genannt. Letzterer fährt ganz großes Kino auf und balanciert die Scheibe, die eine gesunde Portion Härte mitbringt (siehe das treffend betitelte „Black Flag of Hate“), gelungen aus. Der Rest der Songs ist ebenfalls starke Kost ohne nennenswerte Längen, die allerdings erarbeitet werden will und nix fürs Nebenbeihören ist. Man sollte also Zeit und ungeteilte Aufmerksamkeit mitbringen.

Da der Dreher von Eike Freese (u.a. Dark Age) in dessen Studio 3A/Chameleon Studios 1A abgemischt und gemastert wurde, das Artwork stimmig und der Inhalt weitestgehend über jeden Zweifel erhaben ist, bleibt es zu wünschen, dass diese großartige Band für Ihre Arbeit mit weiterer Aufmerksamkeit belohnt wird. Verdient hätten Sie es allemal. Beide Daumen hoch.

WERTUNG: 

 

 

Trackliste:

01. The Pulse of the Earth (Part 1 – The Magnetic Center)
02. The Pulse of the Earth (Part 2 – Impact Of The Wave)
03. Where Echoes Gather (Part 1 – Beneath The Giant)
04. Where Echoes Gather (Part 2 – The Underground Swine)
05. Moondance
06. Where History Lives
07. Black Flag Of Hate
08. The Claws Of The Sea (Part 1 – Journey Into The Source)
09. The Claws Of The Sea (Part 2 – The First Moment)

Mario

 

REVOLUTION SAINTS – Light in the Dark

Band: Revolution Saints
Album: Light in the Dark
Spielzeit: /
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 13.10.2017
Homepage: www.facebook.com/RevolutionSaints

Wenn ein Frontiers Projekt gut beim Kernpublikum ankommt und wohlwollendes Kopfnicken im Blätterwald einheimst, dann ist der Nachfolger schon so gut wie komponiert und eingetütet. Da findet sich bestimmt noch genug Restware aus den Songwriting Sessions zum ersten Album. Das Debüt der REVOLUTION SAINTS hat weitestgehend gute Kritiken eingeheimst und war in der Tat ein leckeres Stück Hardrock, eingespielt von einem handwerklich vollkommenen Trio. Die große Überraschung dabei war der starke Gesang von Schlagzeuger Dean Castronovo. In den 2 1/2 Jahren seit der ersten Scheibe ist nun einiges passiert (vor allem Negatives beim Herrn Castronovo, der unter anderem seinen Stuhl bei Journey räumen musste) und ich erwartete mit Spannung was dies am Sound der REVOLUTION SAINTS bewirken würde.

Nun, ich muss ernüchtert feststellen, dass die Antwort leider lautet: (so gut wie) Nichts. Ich hätte mir gewünscht, dass die Jungs die (Aus)Zeit genutzt hätten um die durchaus vorhandenen Baustellen des Debüts ein wenig auszubessern. Aber das wäre bei einem Frontiers „Produkt“ wohl auch etwas zu viel erwartet gewesen. Will sagen: wer die erste Scheibe mochte, kann hier blind zugreifen und sich dasselbe nochmals in grün ins Regal stellen. Never change a winning team, nicht wahr? Das bedeutet unter anderem, dass der formidable Jack Blades auch auf Album No. 2 nur den Bass und ein paar Nebenbei-Gesangsspuren einbringen durfte – auf sein übliches Melodiegespür wurde leider wieder dankend verzichtet. Auch Doug Aldrich macht genau das, was er auf dem Erstling bereits getan hat: Standard-Riffs im Mega-Breitwand Sound und blutleere Hochgeschwindigkeitssoli rausfeuern, als würde er nach Noten und nicht nach künstlerischem Gehalt bezahlt. Also muss auch diesmal der gute Herr Castronovo die Kohlen aus dem Feuer holen, was ihm, meiner bescheidenen Meinung nach, nicht ganz so gut gelingt wie eigentlich erwartet. Ob er nach seinen privaten Kapriolen einen Song wie die Journey-für-Arme Schmonzette „I Wouldn’t Change A Thing“ mit vor Selbstmitleid triefendem Pathos intonieren muss, ist ihm selbst überlassen. Ich möchte es mir allerdings nicht unbedingt anhören. Texte sind bei einer solchen Musik natürlich eh zweitrangig. Was sagen also die Kompositionen? Die Musik auf „Light in the Dark“ ist immer dann richtig gut, wenn die Jungs die ausgetretenen Pfade verlassen und etwas Neues wagen (natürlich nur in homöopathischen Dosen): während der Opener/Titeltrack „Light In The Dark “ noch gutes aber austauschbares Frontiers-Futter bietet, sind Tracks wie das angenehm „anders“ arrangierte „Freedom“ oder „Falling Apart“ tolle Highlights. Schlechte Songs gibt es hier natürlich nicht. Richtige Überflieger allerdings auch nicht. Der Aha-Effekt des Debüts bleibt weitestgehend aus, da vor allem in der zweiten Hälfte der Scheibe typisches Frontiers Material verarbeitet wird. Das sind alles gute Songs mit guten Musikern und einer okayen Produktion. Hier wurde nach dem Erfolg des Vorgängers aber einfach versucht das Ganze nochmals aufzuwärmen, anstatt das gesamte Potential auszuschöpfen. Schade.

Objektiv betrachtet ist „Light in the Dark“ nicht wirklich schwächer als „Revolution Saints“. Mangelnde Weiterentwicklung, eine austauschbare Produktion und marginal langweiligeres Songmaterial kratzen aber durchaus am Lack, so dass ich die Scheibe eigentlich nur demjenigen ans Herz legen kann, der beim Debüt seine Erfüllung gefunden hatte und davon nicht genug kriegen kann. Für alle anderen ist das Ganze relativ verzichtbar.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Light In The Dark
02. Freedom
03. Ride On
04. I Wouldn’t Change A Thing
05. Don’t Surrender
06. Take You Down
07. The Storm Inside
08. Can’t Run Away From Love
09. Running On The Edge
10. Another Chance
11. Falling Apart

Mario

 

SONS OF APOLLO – Psychotic Symphony

Band: Sons Of Apollo
Album: Psychotic Symphony
Spielzeit: 57:58 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Inside/Out Music
Veröffentlichung: 20.10.2017
Homepage: www.sonsofapollo.com

Portnoy! Sheehan! Sherinian! Soto! Bumblefoot! Wow, wenn das mal keine Supergroup ist, dann weiss sich es auch nicht. Was Inside/Out hier unter dem Banner SONS OF APOLLO an Land gezogen haben ist ein wahres Schwergewicht. Die Besetzung besteht ausnahmslos aus Kolossen in Ihrem Fachgebiet und die Erwartungen an das gemeinsame Projekt sind, trotz des nachweisslich recht durchwachsenen Output einiger Beteiligter (gut, hauptsächlich Vielspieler Portnoy), sehr hoch. Nun, soviel sei verraten, „Psychotic Symphony“ enttäuscht nicht. Portnoy und Sherinian, die das Projekt (ich nenne das jetzt mal so, auch wenn alle Beteiligten, wie üblich, beteuern dies sei „eine echte Band“) initiiert und federführend produziert haben, wollen augenscheinlich ihrer „alten“ Band nochmal zeigen was seit Ihrem Abgang fehlt. Und das Endergebnis spricht durchaus für sich.

Schon beim Opener „God of The Sun“ schieben die Jungs ein ordentliches Pfund nach vorne. Ein stimmiges Intro und ab geht sie, die Lucy. Ja, wie erwartet sind die Drums eine Tacken zu laut abgemischt. Aber ansonsten kann das wuchtige, fette Soundbild rundherum überzeugen. Sherinians geschmackvolle Sounds, die einen feinen Spagat zwischen Vintage/analog und Moderne schaffen, lassen nostalgisch an alte „Falling into Infinity“ Zeiten denken (die letzte, vielleicht sogar einzige, wirklich grossartig klingende DT Scheibe), Jeff Scott Soto, dieser Berg von einem Typen singt gewohnt einnehmend und kraftvoll. Überraschen kann aber vor allem Ron „Bumblefoot“ Thal, der den meisten wohl bislang nur als Guns N‘ Roses Sidekick aufgefallen sein dürfte. Während sich sein Riffing hauptsächlich in relativ gewohnten Metal-Gefilden bewegt, sind seine Soli tatsächlich ein Highlight der Scheibe. Nix da mit Petrucci Reminiszenzen und ähnlichem standardisierten Genre-Gefrickel. Der Mann hat eine ganz eigene Stimme auf seinem Instrument, die der Scheibe extrem gut tut. Weiter geht es mit den ebenfalls starken Riff-Monstern „Coming Home“ und „Signs of The Time“ (immer wieder von tollen Intrumentalpassagen aufgelockert) und bevor der Hörer sich fragt ob die Jungs nichts anderes können, als auf die 12 zu rocken, wird mit dem fein schwebenden, mit epischen Elementen garnierten „Labyrinth“ das erste kleinere stilistische (und gelungene) Experiment gewagt. „Alive“ ist ein feiner Melodic Rocker während „Lost In Oblivion“ leider nur Mittelmass ist. Gegen Ende der Scheibe hat man das Gefühl, dass den Jungs etwas die Luft ausgegangen ist denn mit dem kurzen (okayen) Instrumental „Figaro’s Whore“ sowie der abschliessenden (ebenfalls rein instrumental gehaltenen) verspielten Prog-Achterbahnfahrt „Opus Maximus“ sind zwar 2 nette Songs vertreten. Ich hätte mir hier aber durchaus noch einen weiteren Song mit Soto’s Gesang gewünscht. Das ändert aber nichts daran, dass „Psychotic Symphony“ eine extrem gute Platte geworden ist. Besser als man es wohl befürchten durfte allemal. Die Besetzung harmoniert prächtig, Jeff Scott Soto agiert angenehm untypisch für das Genre und vermeidet die üblichen kitschigen Powermetalanleihen konsequent.

Yo, passt. Ich werde aber das Gefühl nicht los, dass die Band noch zu weit mehr imstande ist als das, was hier auf diesem erstem Lebenszeichen zu hören ist. Ich würde mir wünschen, das die Jungs noch ein wenig zusammenwachsen, das Songmaterial etwas stringenter gestalten und ihr Profil schärfen. Dann kommt da noch ein grosses Ding auf uns zu. Prog-Metal Fans sollten sich das Debüt der Band auf jeden Fall auf den Zettel schreiben, Besseres hat man von den Beteiligten in diesem Genre schon seit geraumer Zeit nicht mehr gehört.

WERTUNG:

Trackliste:

01. God of The Sun
02. Coming Home
03. Signs of The Time
04. Labyrinth
05. Alive
06. Lost In Oblivion
07. Figaro’s Whore
08. Divine Addiction
09. Opus Maximus

Mario

THRESHOLD – Legends Of The Shires

Band: Threshold
Album: Legends Of The Shires
Spielzeit: 82:50 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast Records
Veröffentlichung: 08.09.2017
Homepage: www.thresh.net

Wenn eine Band den Abgang eines solch charismatischen Sängers wie Damian Wilson wegstecken muss, dann hat das immer auch einen Einfluss auf den zukünftigen musikalischen Output. Da können THRESHOLD noch so oft und vehement versichern, dass es im Endeffekt nicht ausschlaggebend ist wer bei den Briten das Mikro schwingt. Der (forcierte) Abgang des Ausnahmesängers, der maßgeblich am Erfolg der letzten beiden Scheiben beteiligt war („March of Progress„, 2012 und „For the Journey„, 2014), fand dann sogar im Laufe der Produktion des aktuellen Albums statt. Freundschaftlich wird das Ganze wohl nicht über die Bühne gegangen sein. Was zählt ist aber aufm Platz, und da liegt uns mit „Legends of the Shires“ aktuell ein fetter Doppel-CD Brocken auf dem Teller, versehen mit einem überaus netten Artwork und, soviel sei schon gesagt, einer wie üblich fetten, transparenten, zeitgemäßen Produktion. Dass der Sängerposten bei THRESHOLD einer nicht stillstehenden Drehtür gleicht, dürfte allgemein bekannt sein. Mit Glynn Morgan ist nun ein Ehemaliger zur Band zurückgekehrt, der das 1994er Album „Psychedelicatessen“ eingesungen hatte. Das war damals nicht schlecht, aber, sind wir mal ehrlich, dann doch nicht auf dem Niveau der letzten Alben.

Wie erwähnt wurde Morgan mitten in der Produktion zu „Legends Of The Shires“ ins Studio geholt – er musste also Gesangsspuren einsingen, die ursprünglich für Wilson vorgesehen waren. Auch wenn man das mitunter an der Melodieführung merkt, muss man sagen, dass Morgan einen exzellenten Job abgeliefert hat und mit seinem deutlich rockigeren Gesang den Songs einen eigenen Stempel aufdrücken kann. Aber, er ist kein Damian Wilson. So gut ich Morgan auch finde, so deutlich muss ich doch sagen, dass die Band durch diesen Tausch am Mikro für mich an Präsenz und Relevanz eingebüßt hat. Der Sänger ist halt doch immer das Aushängeschild einer Band – auch wenn der Rest der Musiker das nicht unbedingt wahrhaben will. Nichtsdestotrotz gelingt es THRESHOLD den unter Wilson angesetzten Höhenflug nur marginal beschadet fortzusetzen: Auf „Legends Of The Shires“ tummeln sich auch weiterhin Ohrwürmer der Extraklasse, die die Konkurrenz so einfach nicht auf die Kette bekommt. Frickeln kann heutzutage so ziemlich jeder, Melodien wie in dem grandiosen „Stars And Satellites“ oder dem flotten, straighten „Small Dark Lines“ sind Ausdruck von Songwriting in Perfektion, eingespielt von einer erstklassigen Band. Die immer wieder eingeflochtenen, von akustischen Gitarren getragenen „The Shire„-Parts verbinden die Songs auf elegante Weise, setzen eine stimmige Atmosphäre die sich durch das gesamte Album zieht. Einziger Wermutstropfen ist die für meinen Geschmack etwas zu üppige Spielzeit, die man gut und gerne hätte trimmen können ohne essentiellen Ballast über Bord zu werfen. Ein Longtrack wie „The Man Who Saw Through Time“ hat durchaus verzichtbare Passagen und der ein oder andere nicht so zwingende Füller ist ebenfalls vorhanden (zB das eher suboptimale „Subliminal Freeways“). Die oben genannten Highlights sowie das epische „Lost in Translation“ oder „Snowblind“ heben das Album aber dennoch auf ein Level, dass andere nur schwer erreichen.

Der Verlust von Sänger Wilson ist spürbar, ja, aber THRESHOLD machen das Beste aus der Situation und hauen ein weiteres, hochklassiges Album auf den Markt, das Fans und Kritiker erneut in Verzückung bringen dürfte. Dass es den Jungs gelingt trotz der widrigen Umstände kontinuierlich solch bockstarken Songs zu schreiben ist nicht selbstverständlich und gebührt Respekt und, vor allem, Eurer sauer verdientes Geld.

WERTUNG:

Trackliste:

01. The Shire (Part 1)
02. Small Dark Lines
03. The Man Who Saw Through Time
04. Trust The Process
05. Stars And Satellites
06. On The Edge
07. The Shire (Part 2)
08. Snowblind
09. Subliminal Freeways
10. State Of Independence
11. Superior Machine
12. The Shire (Part 3)
13. Lost In Translation
14. Swallowed

Mario

ROCK CANDY MAG / Ausgabe 1

Band: ROCK CANDY MAG
Album: Ausgabe 1
Spielzeit: /
Stilrichtung: /
Plattenfirma: /
Veröffentlichung: 04.2017
Homepage: www.rockcandymag.com

Die Macher des seit 2006 sehr aktiven und erfolgreichen Rock Candy Records Labels haben Ihr Angebot erweitert und versuchen sich nun ebenfalls im Bereich der Printmedien einen Platz zu erarbeiten. Das bietet sich natürlich an, wenn man die guten (oft im Hause erstellten) Linernotes Ihrer Re-Releases bedenkt, die manchmal gar unterhaltsamer sind als der musikalische Inhalt. Und dass die Herren Derek Oliver, Howard Johnson und Malcolm Dome ursprünglich für Magazine wie Kerrang! oder den britischen Metal Hammer geschrieben haben macht die Sache umso einleuchtender. Mit dem Rock Candy Mag (Ausgabe 1) liegt uns also die erste Ausgabe dieses neuen Heftes vor, und da haben es sich Oliver und Co. nicht lumpen lassen: neben amüsanten Anekdoten zu Richie Blackmoore gibt es ein von Sänger Joe Elliot kommentiertes Def Leppard Fotoarchiv zu bestaunen, ausgiebige und gut geschriebene Geschichten um den leider viel zu früh verstorbenen Warrant Frontmann Jani Lane und das britusche NWOBHM Urgestein Saxon, das aufschlussreiche Portrait über den früheren Kiss Manager Bill Aucoin, Features zu Frauen im Metal (sehr lesenswert), ein Feature über die Entstehung des Rush Klassikers „Hemispheres“, sowie viele andere Geschichten die das ansprechende und kompetent recherchierte Magazin abrunden.

Eines sollte dem interessierten Leser, bzw. Käufer allerdings bewusst sein: das Rock Candy Mag ist eine Nostalgie-Veranstaltung – hier wird gnadenlos den guten alten (leider vergangenen) Zeiten gehuldigt. Mit aktuellen Trends (oder Bands) hat diese Veröffentlichung absolut nichts am Hut. So weit gefächert das CD-Angebot des Labels ist, so breit aufgestellt ist auch die Themenauswahl zum Heft. Wer alle Booklets der entsprechenden RC CDs gelesen hat, wird vielleicht zum ein oder anderen Thema etwas lesen, das ihm schon bekannt vorkommt. Redundanzen sind natürlich unvermeidbar, wenn man im Heft die gleichen Themen, bzw., Bands behandelt wie in den Re-Releases und dazu wahrscheinlich auf dieselben Quellen zurückgreift. Die Texte sind durchweg gut geschrieben, gewissenhaft recherchiert und lassen vor allem eines durchscheinen: die absolute Hingabe der Macher des Heftes und die Leidenschaft zum Thema, ohne die man ein solch abwegiges Unterfangen wie in den heutigen Zeiten ausgerechnet ein Magazin (in Papierform!) zu veröffentlichen, eh gleich in die Tonne treten könnte.

Das 2-monatlich erscheinende Rock Candy Mag (es sind mittlerweile 2 weitere Ausgaben erhältlich) kann über die Homepage bezogen werden und liegt sowohl als print-Ausgabe, als auch in Digitaler Form zum Schmökern bereit. Für Fans des Genres oder des Labels eine absolute Empfehlung!

WERTUNG: (keine)

Mario