SAIGON KICK – Saigon Kick / The Lizard / Water (Re-Releases)

Band: Saigon Kick
Album: Saigon Kick / The Lizard / Water (Re-Releases)
Spielzeit: /
Stilrichtung: Groove / Alternative Metal
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: 31.08.2018
Homepage: www.rockcandyrecords.com

In mancherlei Hinsicht saß die aus dem sonnigen Miami stammende Band SAIGON KICK immer irgendwie zwischen allen Stühlen: gegründet um 1988, als sich die 80er Hair-Metal und Sleaze-Szene auf Ihrem Zenit befand, dauerte es bis 1991 bis das Debüt eingetütet war – da zog auch schon von Seattle der Grunge am Horizont auf. Aber die Truppe um Sänger Matt Kramer und Gitarrist Jason Bieler (sowie Bassist Tom Defile und Drummer Phil Varone) hatte sich schon seit Ihrer Gründung eine ganz eigene musikalische Identität erarbeitet, die 1991 auf das Publikum losgelassen wurde …

Saigon Kick (1991)

Das von niemand geringerem als Produzenten-Legende Michael Wagener (u.a. Extreme, Dokken) produzierte Debüt der Band schlug zwar nicht ein wie eine Bombe – das klangliche Gerüst dafür brachte die Scheibe aber allemal mit, ebenso wie die Qualität der Songs. Sänger Kramer und Gitarrist Bieler, der zuvor noch seine Brötchen bei den schwedischen Melodic-Rockern Talisman, an der Seite von Jeff Scott Soto, verdient hatte, zeigten als Songschreiber ein gutes Händchen für packende Melodien (man höre sich nur mal „What You Say“ an) die von wuchtigen Riff-Wänden flankiert mächtig nach vorne schieben. Die perfekt produzierte Scheibe forcierte die Stärken der Band und setzte die mehrstimmigen Gesänge wunderbar in Szene. „Saigon Kick“ war etwas ziemlich Eigenständiges, das zu dem damaligen Zweitpunkt weder zu dem gerade im Niedergang befindlichen Poser-Metal, noch zu dem langsam salonfähig werdenden Seattle Sound passte. Zwar sind gewissen Parallelen im Konzept zu den wunderbaren Alice in Chains nicht zu übersehen, bzw. -hören. SAIGON KICK hatten aber immer einen gewissen „positiven“ Touch in Ihrem Sound. Leider war der Scheibe nicht das große Publikumsinteresse beschieden, das es verdient gehabt hätte. Mit Tracks wie dem schweren Groover „Down By The Ocean“, der Ballade „Come Take Me Now “ oder dem flotten Opener „New World“ gibt es aber genug Argumente der Platte heute nochmals eine Chance zu geben. Ein mehr als starkes erstes Lebenszeichen einer Band, die schon auf dem Erstling ihren ganz eigenen Sound gefunden und perfektioniert hatte.

The Lizard (1992)

Gitarrist Jason Bieler nahm nun die Zügel fester in die Hand und produzierte die zweite Platte der Band einfach selber (Michael Wagener musste aufgrund von terminlichen Problemen passen). Grundsätzlich ist der Sound der Band auf „The Lizard“ ähnlich wie auf dem Erstling. Allerdings hat Bieler den Gitarren einen noch voluminöseren Klang verpasst. Daher schiebt das Ganze dann nochmal eine Ecke pfundiger aus den Speakern. Am Songwriting brauchte die Band eh nicht viel zu ändern – das war auch schon auf dem Vorgänger über alle Zweifel erhaben. So gibt es auch hier heavy Hits der Sonderklasse, wie z.B. „Hostile Youth“, das mit einem herrlichen Riff versehene „Body Bags“ oder die Hookwundertüte „Feel The Same Way“. Tja, und dann gibt es da noch „Love Is On The Way“, quasi das „More than words“ von SAIGON KICK. Nicht nur weil der Track eine (ziemlich gute) Ballade im Akustikgitarrengewand war und den einzigen veritablen Hit der Band darstellte, sondern vor allem weil dem Florida-Quartett genau wie Nuno Bettencourt & Co. dieser, im Vergleich zum restlichen Songmaterial, so unpassende Song, ein gänzlich falsches Bild beim Publikum bescherte. Fans, die nur aufgrund dieses Songs in ein Konzert gingen, kamen ziemlich verstört wieder heraus, denn mit dem harten, groovenden Metal der Jungs (gespickt mit Beatlesken Gesängen und psychedelischen Farbtupfern) hatte diese Single so absolut gar nichts zu tun. Jedenfalls haben SAIGON KICK durch diesen Song ihre 5 Minuten Ruhm geniessen können. Wer weiss ob es ohne diesen Achtungserfolg überhaupt das Geld für ein drittes Album vom Label gegeben hätte? „The Lizard“ ist, ebenso wie sein Vorgänger, eine saustarke Platte, die scheukappenfreie Metal-Fans unbedingt entdecken sollten.

Water (1994)

Nachdem kurz vor Veröffentlichung von „The Lizard“ bereits der langjährige Bassist Tom Defile gegangen wurde, krachte es vor den Aufnahmen zu „Water“ wieder mächtig im Gebälk. Allerdings diesmal zwischen den beiden Kreativköpfen und Aushängeschildern Kramer und Bieler. Die Atmosphäre war wohl so toxisch, dass es hiess „er oder ich“, woraufhin der Sänger/Frontmann seinen Hut nahm und SAIGON KICK als Trio zurückließ. Bieler, der von Beginn an für die 2te/Harmoniestimme zuständig gewesen war, verzichtete auf einen Ersatz und übernahm das Mikro kurzer Hand einfach selbst. Das hört man der dritten Scheibe der Truppe nicht mal wirklich an – ein Indiz dafür, dass der Gitarrist auch schon auf den vorangegangenen Alben nicht nur die Musik sondern wohl auch zu großen Teilen die Gesänge komponiert hatte. Da der Gute auch diesmal wieder die Produktion Übernahm, ist der Übergang von „The Lizard“ zu „Water“ ein fliessender. Zwar haben die Jungs auch auf dieser Scheibe wieder mal ein paar Experimente in Petto (wie zum Beispiel das hevorragend gelungene David Bowie-Cover „Space Oddity“), aber das Klanguniversum der Band ist unverändert geblieben. Ähnlich wie z.B. King’s X hört man immer heraus um welche Band es sich handelt, egal wie die Sachen produziert sind. Insgesamt kommt „Water“ dennoch nicht an die beiden überragenden Vorgänger heran. Das Songwriting ist weiterhin besser als Vieles von der Konkurrenz veröffentlichte. „Water“ erscheint aber weniger homogen, etwas zerfahren und in sich weniger schlüssig. Anspieltipps sind der Opener „One Step Closer“, der tolle Titeltrack oder das verträumte „Fields Of Rape“. Nachdem die Platte hinter den Erwartungen vom Label zurück blieb, wurde SAIGON KICK der Stecker gezogen und die Jungs vor die Tür gesetzt. „Water“ war aber ein würdiger Abschluss der ersten Karrierephase der Band und ist nur unwesentlich schwächer als die ersten beiden Scheiben (auch wenn der Weggang von Sänger Kramer hier und da durchscheint).

Zumindest die ersten beiden Alben des Florida-Vierers sollten in jedem gut sortierten Metal-Haushalt vertreten sein. Es handlt sich weder um Power, noch Prog oder klassischem Tru-Metal, aber die Farbtupfer, die die Jungs der Szene hinzufügen konnten sind bisher ziemlich einzigartig geblieben. Wer also mit Querköpfen wie Kingßs X oder den fantastsichen Galactic Cowboys etwas anfangen kann, der sollte auch bei SAIGON KICK mal ein Ohr riskieren. Und das kann man nun am besten mit den vorliegenden Re-releass tun, die neben einem sehr gutenm Remastring auch die gewohnten toll geschriebenen Linernotes sowie auf jeder Scheibe mindestens einen Bonus-Track bereit halten. Wie meistens bei Rock Candy Records: ein verlockendes und wertiges Angebot.

WERTUNG:

Saigon Kick

 

 

The Lizard

 

 

Water

 

 

Trackliste:

Saigon Kick (1991)

01. New World
02. What You Say
03. What Do You Do
04. Suzy
05. Colors
06. Coming Home
07. Love Of God
08. Down By The Ocean
09. Acid Rain
10. My Life
11. Month Of Sundays
12. Ugly
13. Come Take Me Now
14. I.c.u.
15. Hey Hey Hey (Bonus Track)
16. Colours (Accoustic) (Bonus Track)

The Lizard (1992)

01. Cruelty
02. Hostile Youth
03. Feel The Same Way
04. Freedom
05. God Of 42nd Street
06. My Dog
07. Peppermint Tribe
08. Love Is On The Way
09. The Lizard
10. All Alright
11. Sleep
12. All I Want
13. Body Bags
14. Miss Jones
15. World Goes Around
16. Dear Prudence (Bonus Track)

Water (1994)

01. One Step Closer
02. Space Oddity
03. Water
04. Torture
05. Fields Of Rape
06. I Love You
07. Sgt. Steve
08. My Heart
09. On And On
10. The Way
11. Sentimental Girl
12. Close To You
13. When You Were Mine
14. Reprise
15. Not Enough (Bonus Track)

Mario

RIVERSIDE – Wasteland

Band: Riverside
Album: Wasteland
Spielzeit: 50:58 min
Stilrichtung: Progressive Rock
Plattenfirma: Inside/Out
Veröffentlichung: 28.09.2018
Homepage: www.riversideband.pl

Nach dem absoluten Tiefschlag, den die polnischen Prog-Rocker RIVERSIDE mit dem viel zu frühen Tod Ihres Gründungsmitglieds und Gitarristen Piotr Grudzinski einstecken mussten, meldet sich die auf Trio-Größe geschrumpfte Band nun wieder mit einem neuen Album zurück. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn der Verlust von Grudzinski war für das eingespielte Team natürlich nicht nur musikalisch sondern auch vor allem auf persönlicher Ebene schwer zu verkraften. Das Erlebte hat entsprechend auch Spuren in der Musik der Band hinterlassen. „Wasteland“ wurde im Kern von den verbleibenden Bandmitgliedern eingespielt, wobei Sänger/Bassist Mariusz Duda dann auch die Gitarrenspuren übernommen hat und einige Soli vom Live-Gitarristen Maciej Meller übernommen wurden. Die Produktion der neuen Scheibe, die als Ltd. Mediabook CD, einfache CD, Doppel-LP und Digitales Album seit dem 28. September 2018 erhältlich ist, wurde von Robert Srzednicki übernommen, der dem Ganzen einen schön warm, organischen und verträumten Sound verpasst hat.

In die Heavy-Prog-Sparte haben RIVERSIDE nie gepasst, auch wenn es auf Alben wie „Second Life Syndrome“ oder „Anno Domini High Definition“ durchaus harte Passagen gegeben hat. Der Sound der Truppe hat sich vielmehr zumeist im gemächlichen Artrock und Neo-Prog Bereich abgespielt und auch auf „Wasteland“ sind die härter rockenden Momente nur sporadisch vertreten, wie z.B. in den mit feinen Riffs gespickten „Acid Rain“ oder „Vale of Tears“. Als Eckpfeiler dieses mitunter sehr düsteren und introvertiert anmutenden Werkes sind die beiden längeren Tracks auszumachen: das Instrumental „The Struggle for Survival“ kann mit dezenten Film-Noir Spielereien und einer mächtig groovenden Rhythmusfraktion überzeugen, der Titelsong „Wasteland“ fasst dann gegen Ende der Scheibe nochmal alles zusammen wofür RIVERSIDE eigentlich stehen: entschleunigter Gesang, Breitwand Klangkulissen, zumeist gute Hooklines und überzeugendes Handwerk (das nie zum Selbstzweck verkommt). Wer einen Titel zum Antesten sucht, ist mit diesem Track bestens bedient. Die restlichen Songs tun niemandem weh, lassen sich gut anhören und, das ist leider auch ein wenig die Krux, plätschern mitunter am Hörer vorbei, es sei denn man widmet dem Ganzen seine gesamte Aufmerksamkeit. So richtig packen tut das Songmaterial aber nicht und echte kompositorische Highlights kann ich keine ausmachen. Ebenso wenig fesselt mich der doch immer sehr zurückhaltende Gesang von Duda. Das ist aber alles nun beileibe nichts Neues im RIVERSIDE Universum, weshalb die zahlreichen Fans der Band hiermit wahrscheinlich kein Problem haben werden.

Mit „Wasteland“ ist RIVERSIDE zwar nicht das beste Album Ihrer Karriere gelungen, aber es ist immerhin als großer Erfolg zu bewerten, dass die Band es überhaupt geschafft hat neues Material zu erarbeiten und aufzunehmen. Mir fehlt es ein wenig an kompositorischer Finesse und dem gewissen Schmackes, auch wenn ich die sehr persönliche Athmosphäre der Scheibe mit jedem Durchlauf mehr zu schätzen lerne. Fans von melancholischem Prog à la Katatonia sollten aber auf jeden Fall ein Ohr riskieren (und die RIVERSIDE Fans sowieso). Wer noch unbedarft ist und RIVERSIDE für sich entdecken möchte, sollte aber erstmal zum Highlight der Diskographie („Anno Domini High Definition“) greifen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Day After
02. Acid Rain
03. Vale Of Tears
04. Guardian Angel
05. Lament
06. The Struggle For Survival
07. River Down Below
08. Wasteland
09. The Night Before

Mario

Y&T – Earthshaker / Black Tiger / Mean Streak (Re-Releases)

Band: Y&T
Album: Earthshaker / Black Tiger / Mean Streak (Re-Releases)
Spielzeit: /
Stilrichtung: Hard Rock, Melodic Rock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: 06.07.2018
Homepage: www.rockcandyrecords.com

Die anfangs als YESTERDAY AND TODAY gestarteten Hardrocker aus der Bay Area (San Francisco) gelten auch heute noch als Garant für erstklassigen, handgemachten Hardrock mit Ecken und Kanten sowie einer gehörigen Portion Schmutz und Blues in den Adern. Was die Truppe um Ausnahmegitarrist/Sänger Dave Meniketti aber von der Konkurrenz ein gutes Stück absetzte war ihr untrügliches Gespür für packende Melodien, die immer kitschfrei und in hart zupackenden und dabei nie kitschigen Rocksongs verpackt waren. Nach 2 eher unspektakulären Alben, auf denen die Band noch (unter altem Namen) Ihren Stil suchte, ging es dann auf dem von Bob Shulman and David Sieff produzierten Album „Earthshaker“ aus dem Jahr 1981 relativ grade ab durch die Decke …

Earthshaker (1981)

Den alten Namen hatte die Band mittlerweile abgelegt und gegen da kürzere/griffigere Y&T eingetauscht. Und auch der Rest wurde auf höchstmögliche Effizienz getrimmt. Und wer sich Hardrocker schimpft und noch nie die Überhymnen „Rescue me“ und „I Believe In You“ gehört hat, bei dem ist irgendetwas in der Erziehung falsch gelaufen. Zwischen diesen beiden Bandklassikern, die auch heute noch in keiner Setlist der Truppe fehlen dürfen, tummelten sich weitere Hochkaräter wie der Opener „Hungry For Rock“ oder „Let Me Go“. „Earthshaker“ war der einschneidende Wendepunkt in der Karriere von Y&T – ein Album gespickt mit starken Songs, eingespielt von einer jungen, hungrigen Gruppe, dass die Herzen der Fans weltweit im Sturm eroberte. Aber auch ein Meilenstein, an dem sich die folgenden Alben der Jungs messen lassen mussten. Wer nur Geld und/oder Platz für ein einziges Y&T Album in seiner Sammlung hat, der muss sich dieses quasi-Debüt besorgen. Besser wurde es eigentlich nie wieder …

Black Tiger (1982)

Für das nächste Album holte man sich dann mit Max Norman einen ausgesprochenen Fachmann in Sachen kraftvolle Metalsounds ans Mischpult. Der Herr hatte bereits die beiden ersten Ozzy Osbourne Soloscheiben betreut und schaffte es, der Band ein noch kernigeres Soundgewand zu verpassen. „Black Tiger“ kann auch heute noch mit seinem wuchtigen, fetten Sound überzeugen und hat, ähnlich wie sein Vorgänger, dem Zahn der Zeit widerstanden. So richtig konnten Y&T aber das hohe Niveau des Überfliegers aus dem Jahr 1981 nicht halten. Auch wenn „Black Tiger“ mit „Open Fire“, „Winds of Change“ oder dem schmissigen, hitverdächtgen „Don’t Wanna Lose“ wieder einige hochkarätige Kracher im Programm hatte, war die Scheibe einfach nicht so kompakt und durchschlagend wie „Earthshaker“ – vielleicht fehlte auch einfach der Überraschungsmoment der die vorherige Scheibe so urplötzlich in die Landschaft gehieft hatte. Denn die für die Band so enorm wichtigen Zutaten (allen voran Menikettis fantastisches Gespühr für grandiose Gitarrensoli und packende Melodielinien) waren natürlich immer noch in hohem Maße vorhanden. Auch hier gilt also: wer diese Scheibe nicht kennt, hat definitiv etwas verpasst. Geht quasi als „Earthshaker 2.0“ durch …

Mean Streak (1983)

Nun durfte auch mal die damals sehr angesagte Koryphäe Chris Tsangarides (u.a. Judas Priest, Thin Lizzy, Yngwie Malmsteen) als Produzent ran, der den Jungs abermals einen leicht anderen Klang zurechtzimmerte. Sowohl in den Songs, als auch im Klang hielt nun langsam aber sicher eine (noch sehr dezente) Politur Einzug ins Y&T-Universum. Die Tracks wurden nun hörbar aufs Radio zugeschnitten („Down And Dirty“) und die Ecken und Kanten abgeschliffen. „Mean Streak“ bildet zusammen mit „Earthshaker“ und „Black Tiger“ zwar so etwas wie die heilige Trinität in der Y&T Diskographie, hinkt im Vergleich zu den beiden anderen Platten aber dann schon etwas deutlicher hinterher. Während die Band weiterhin spieltechnisch alles gab, musste man wohl dem heftigen Arbeitspensum und den Erwartungen der Labelbosse Tribut zollen. Schlecht ist die Platte beileibe nicht, und für Songs wie den Titelsong „Mean Streak“ oder das geniale „Midnight In Tokyo“ hätten andere Bands ihr letztes Hemd gegeben. Aber es zeichnete sich bereits ab, was in den Folgejahren mit Scheiben wie „Down for the Count“ auf die Spitze getrieben wurde: der Tausch vom erdigen, kernigen blues-beeinflussten Heavy Rock zugunsten Keyboardlastiger AOR Massenware. „Mean Streak“ geht aber dennoch als echter Klassiker der Band durch und hat auch heute noch eine Menge richtig guter Rockmusik zu bieten.

Nach diesen 3 wirklich formidablen Platten, die jeder Hardrocker der etwas auf seine Plattensammlung zählt im Regal stehen haben sollte, veröffentlichte die Truppe zwar weiterhin in regelmässigen Abständen Alben, das Niveau bekam aber eine merkliche Delle. Den Drive und Biss, sowie die Hitdichte, bekamen die Jungs einfach nicht mehr auf Albumlänge eingetütet. Und auch das Comeback Album „Facmelter“ (2010) auf dem Frontiers Label konnte nicht, wie bei den Kollegen Pretty Maids, für einen zweiten Frühling sorgen. Empfehlenswert ist aber auf jeden Fall das vom Stefan besprochene Live-Album „Live at the Mystic“ (2012), das die Stärken der Band nochmal perfekt einfängt. Kurz und bündig: wer die hier vorgestellten Scheiben noch nicht hat, hat echt was verpasst. Also keine Ausreden mehr, vor allem weil die vorliegenden Rock Candy Re-Releases wie immer neben einem guten Remastering, den ein oder anderen Bonustrack (leider nicht auf „Earthshaker“) sowie sehr interessante Linernotes zu bieten haben.

WERTUNG:

Earthshaker

 

 

Black Tiger

 

 

Mean Streak

 

 

Trackliste:

Earthshaker (1981)

01. Hungry For Rock
02. Dirty Girl
03. Shake It Loose
04. Squeeze
05. Rescue Me
06. Young And Tough
07. Hurricane
08. Let Me Go
09. Knock You Out
10. I Believe In You

Black Tiger (1982)

01. From The Moon
02. Open Fire
03. Don’t Wanna Lose
04. Hell Or High Water
05. Forever
06. Black Tiger
07. Barroom Boogie
08. My Way Or The Highway
09. Winds of Change
10. Somebody For Me (Bonus Track)

Mean Streak (1983)

01. Mean Streak
02. Straight Thru The Heart
03. Lonely Side of Town
04. Midnight In Tokyo
05. Breaking Away
06. Hang ‘E, High
07. Take You To The Limit
08. Sentimental Fool
09. Down And Dirty
10. I’m Not Sorry (Bonus Track)

Mario

MARILLION – All One Tonight (BluRay)

Band: Marillion
Album: All One Tonight (BluRay)
Spielzeit: / min
Stilrichtung: Progressive Rock
Plattenfirma: e.a.r Music
Veröffentlichung: 27.07.2018
Homepage: www.marillion.com

Nur wenige Bands können sich auf eine solch treue Fanbasis verlassen, wie die britischen Neo-Prog Götter MARILLION, die mittlerweile ihren zigsten Frühling erleben. Das zeigte sich mal wieder eindrucksvoll, als die Band ihre ambitionierten Pläne in Angriff nahm ein exklusives Konzert in der altehrwürdigen Royal Albert Hall zu spielen. Ob man den Konzertsaal würde füllen können? Alleine die Tatsache, dass die Band sich solche Fragen im Vorfeld überhaupt stellte zeugt von der Bodenständigkeit der Truppe. Natürlich waren jegliche Zweifel überflüssig. Das Event war binnen kürzester Zeit ausverkauft, und was das Publikum da zu sehen bekam liegt uns nun auch für den privaten Genuss am heimischen Fernseher auf Blu-ray vor.

Was man auf 2 prall gefüllten Scheiben, die in ein schickes Digipack, nebst schönem Booklet, verpackt sind, hier geboten bekommt ist tatsächlich eine audio-visuelle Vollbedienung. Die Klangqualität der Aufnahmen ist beeindruckend und die mit eindrucksvollen und geschmacksicheren Kameraeinstellungen eingefangenen Bilder zumeist atemberaubend. Man ist der Band, diesmal verstärkt durch ein 4-köpfiges Streichquartett (In Praise of Folly) und weitere Gäste , immer ganz nah. Sei es weil man, dank der geschickten Kameraeinstellungen, mal Teil des innig lauschenden Publikums ist, dann wieder das Gefühl mit Steve Hogarth und Co auf der Bühne zu stehen und die ehrwürdigen Bretter der Royal Albert Hall zu betreten. Selten hat mich eine Konzert-DVD/Blu-ray dermaßen gefangen genommen wie „All One Tonight“. Zu bestaunen sind in Teil 1 des Konzertes die Aufführung des letzten Studioalbums „F.E.A.R.“, was hier, auch dank dem tollen Drumherum nochmal um einiges imposanter wirkt, und in Teil 2 werden dann noch einige Highlights aus dem Bandkatalog (u.a. eine grandiose Version von „Easter“) serviert bevor bei den letzten Tracks „Neverland“ und „The Leavers: V. One Tonight“ optisch nochmal alles gegeben wird und der Gig in einem fulminanten Finale endet. Es ist eine Freude Sänger Hogarth zuzuschauen wie er seine Texte nicht nur singt, sondern lebt und wie alle Musiker, trotz Ihrer über die vergangenen Dekaden gesammelten Erfahrungen, vor Freude und Stolz beinahe zu platzen scheinen. Wer mit MARILLION bisher nichts am Hut hatte, aber prinzipiell dem Prog im Allgemeinen nicht abgeneigt ist, der sollte spätestens mit „All One Tonight“ mal ein Auge/Ohr riskieren. Die Band lässt den Zuschauer in dem Konzertmitschnitt (sowie in dem sehr unterhaltsamen Backstage Bericht auf der Bonus Scheibe) so nah an sich heran wie nur selten. Und musikalisch ist des Gebotene eh vom allerfeinsten.

Ja, ich bin begeistert. Nicht nur weil das Setting dieses außergewöhnlichen Auftritts ein ganz besonderes ist, sondern vor allem weil es MARILLION gelungen ist dem auch ein gewichtiges Konzert entgegen zu setzen. Während Opeth zB an gleicher Stelle („In Live Concert At The Royal Albert Hall“) wie eingeschüchterte Jungs manchmal deplatziert und eingeschüchtert wirkten, machen die Engländer aus der Bühne Ihr Zuhause und laden gleich noch alle Freunde mit ein. Technisch ist das vorliegende Produkt ebenfalls zum mit der Zunge schnalzen. Beide Daumen hoch und eine absolute Kaufempfehlung!

WERTUNG:

(keine Wertung)

Trackliste:

Disc: 1

01. El Dorado
02. Living in F E A R
03. The Leavers
04. White Paper
05. The New Kings
06. Tomorrow’s New Country
07. The Space
08. Afraid Of Sunlight
09. The Great Escape
10. Easter
11. Go!
12. Man Of A Thousand Faces
13. Waiting To Happen
14. Neverland
15. The Leavers: V. One Tonight

Disc: 2

01. Documentary Film
02. Intermission (Audio/Video)
Screen Media
03. Screen Media:The Space
04. Afraid Of Sunlight
05. The Great Escape
06. Easter
07. Go!
08. Man Of A Thousand Faces
09. Waiting To Happen
10. Neverland
11. The Leavers vs. One Tonight

Mario

WONDERWORLD – III

Band: Wonderworld
Album: III
Spielzeit: 49:58 min
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Sliptrick Records
Veröffentlichung: 19.06.2018
Homepage: www.wonderworld.no

Mit „III“ legt uns das Trio WONDERWORLD ihr, na, genau 3tes Album vor. Gut, so kreativarm bei der Namengebung Ihrer Alben sind auch andere. Konzentrieren wir uns lieber darauf, was musikalisch auf dem dritten Langspieler der Truppe um den Labyrinth-Bassisten Roberto Tiranti sowie seine beiden Sidekicks Ken Ingwersen an der Gitarre (Street Legal) und Drummer Tom Fossheim (Live Fire) passiert. Da sich besetzungstechnisch nichts seit der letzten Scheibe („II„, 2016) getan hat, sind keine allzu großen Veränderungen im Bandsound zu erwarten, vor allem, da wir es hier grundlegend mit schnörkellosem, klassischen Hardrock zu tun haben. Dementsprechend knüpft „III“ auch relativ nahtlos den Vorgänger an.

Auf einzelnen Songs einzugehen ist hier ein wenig müßig – wie bei den vorangegangenen Veröffentlichungen haben die Jungs ein paar gut geschriebene und kompetent eingespielte Tracks auf die Platte gepackt. Aber auch weiterhin fehlt das gewisse Quäntchen, dass aus einer guten eine herausragende Scheibe macht. Im Vergleich zum Vorgänger fehlen mir auf dem aktuellen Album vor allem 2 Dinge: die Energie, die auf dem von mir noch hochgelobten und immer wieder gerne gehörten „II“ aus quasi jeder virtuellen Rille tropfte, sowie der absolut geile Gitarrensound, den 6-Saiter Ingwersen aufgefahren hatte. Auf „III“ geht es insgesamt eine Spur gemächlicher zu, es wird nicht mehr so geradeheraus gerockt sondern das Songmaterial ist mehr im bluesigen Midtempo angelegt und soundtechnisch ist mir die Chose ebenfalls einen Ticken zu trocken ausgefallen. Auf der Haben-Seite sind weiterhin die gnadenlos geilen Gitarrensoli zu verbuchen, irgendwo zwischen Nuno Bettencourt und Vito Bratta. Songs wie der flotte Rocker „Background Noises“, das schwer groovende „A Mountain Left To Climb“ oder das an Glenn Hughes erinnernde „Brand New Man“ können Freude bereiten und das Zusammenspiel der Truppe ist auf ebenfalls hohem Niveau. Dennoch kann mich „III“ nicht auf die gesamte Spielzeit so packen bzw. überzeugen wie der Vorgänger.

WONDERWORLD machen weiterhin ihr eigenes Ding und schaffen es dabei eigenständig zu klingen und dem ausgelutschten Genre des bluesigen Hardrocks eine eigene Facette hinzuzumischen. Im direkten Vergleich zum starken Vorgänger kann die neue Platte aber nicht ganz mithalten. Das mag für Fans des Genres meckern auf hohem Niveau sein. Ich wünsche mir für die nächste Scheibe der Jungs aber wieder ein wenig mehr Feuer unterm Popo sowie eine schmackhaftere Produktion.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Background Noises
02. Stormy Night
03. Big Word
04. Crying Out For Freedom
05. A Mountain Left To Climb
06. Brand New Man
07. Rebellion
08. The Last Frontier
09. Stay Away From Me
10. There Must Be More

Mario

THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA – Sometimes the World ain’t enough

Band: The Night Flight Orchestra
Album: Sometimes the World ain’t enough
Spielzeit: /
Stilrichtung: Melodic Rock, AOR
Plattenfirma: Nuclear Blast Records
Veröffentlichung: 29.06.2018
Homepage: www.facebook.com/thenightflightorchestra

In schöner Regelmäßigkeit legen die Schwedischen Paradiesvögel THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA ein hochkarätiges Album nach dem anderen vor. Seit dem formidablen „Amber Galactic“ sind gerade mal 14 Monate ins Land gezogen, da liegt mit „Sometimes the World ain’t enough“ auch schon der 4te Streich in den Läden. Und auch in einer anderen Disziplin sind die Jungs sich treu geblieben: klingt alles auf den ersten Hör wie gewohnt, so hat man doch wieder dezent an den Stellschrauben gedreht und die neuen Tracks ein wenig mehr Richtung Disco-Pop verschoben. Natürlich bilden auch weiterhin die Riffs von Gitarrist und Songschreiber David Andersson das Fundament der Kompositionen. Allerdings wurde auf „Sometimes the World ain’t enough“ das Sounddesign eindeutig noch mehr Richtung Keyboards geföhnt. Und das muss beileibe nichts Schlechtes sein, vor allem wenn es so gekonnt und geschmacksicher umgesetzt wird wie bei THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA.

Ich habe es schon angedeutet: die Keyboards dürfen auf „Sometimes the World ain’t enough“ stärker farbliche Akzente setzen als bisher und das hebt Songs wie den TV-Serien verdächtigen Smasher „Moments of Thunder“ oder Disco-lastige „Pretty Thing Closing In“ dann mal gleich auf eine neue, bzw. andere Stufe. Ob man mit dem Zusatz an Kitsch auskommt („Lovers in the Rain“ ist mir schon ne Schüppe zu süsslich, bleibt aber die Ausnahme) ist Geschmackssache. Es ist aber keine Frage, dass die Jungs es auch weiterhin verstehehen den Charme und Spirit der bunten 80er zu kanalisieren und ins Heute zu übertragen. Hier klingt weiterhin nichts künstlich oder aufgesetzt – die meinen das tatsächlich genau so und spielen Musik die aus dem Herzen kommt. Weitere Anspieltipps sind das flockige „Turn to Miami“, der leicht proggige Rausschmeisser „The last of the independent Romantics“ sowie der an Journey erinnernde Rocker „Speedwagon“. Auch auf „Sometimes the World ain’t enough“ gibts wieder Hitverdächtige Songs im Mega-pack. Insgesamt setzt aber schon ein wenig Routine ein, denn THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA haben schon 3 tolle Scheiben vorgelegt und können mit Album No. 4 „nur“ noch mithalten, lassen zwischendurch sogar ein klein wenig die Luft raus. Aber, das ist bei den Schweden meckern auf hohem Niveau, denn das Wasser kann der Truppe im Moment auf ihrem Gebiet keiner reichen.

Mein persönlicher Favorit bleibt weiterhin die 2017er Platte „Amber Galactic„, an deren Hitdichte „Sometimes the World ain’t enough“ nicht ganz herankommen. Besser als die Konkurrenz bleiben THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA aber auch mit Album No. 4 allemal. Fans des bisherigen Oeuvres der Jungs können auch hier also wieder bedenkenlos zugreifen und ich bin mir sicher, dass die Truppe auch weiterhin noch (verdienten) Zuwachs in der Fangemeinde verbuchen kann.

WERTUNG:

 

 

Trackliste

01. This Time
02. Turn to Miami
03. Paralyzed
04. Sometimes the World ain’t enough
05. Moments of Thunder
06. Speedwagon
07. Lovers in the Rain
08. Can’t be that bad
09. Pretty thing closing in
10. Barcelona
11. Winged and Serpentine
12. The last of the independent Romantics

Mario

HAKEN – L-1VE

Band: Haken
Album: L-1VE
Spielzeit: /
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Inside/Out Music
Veröffentlichung: 22.06.2018
Homepage: www.hakenmusic.com

Wer das Glück hatte HAKEN auf Ihrer letzten Tour bestaunen zu können, wurde Zeuge einer Band, die zwar (leider) immer noch in kleinen Räumen auftritt, aber zumindest was Songmaterial und Darbietung angeht mittlerweile dem ein oder anderen gestandenen Platzhirsch den Rang abzulaufen droht. Da die Band zudem Ihr 10 jähriges Bestehen feierte, bot es sich an die bisherige Karriere Revue passieren zu lassen und den Status Quo zu dokumentieren. Hierzu wurde ein Auftritt im niederländischen Amsterdam in Bild und Ton aufgezeichnet und das Ergebnis wurde, neben einigem Bonusmaterial (u.a. 4 Bonus Tracks die beim 2016 ProgPower USA Festival gefilmt wurden, sowie die offiziellen Videos zum letzten Studioalbum), zu unser aller Freude auf 4 Silberlinge (2xCD und 2x DVD) gebannt und in ein schickes Digipack gepackt.

Neben Krachern von der letzten Überfliegerscheibe „Affinity“ („1985“, „The Architect“) zelebrieren die Briten auf „L-1VE“ die zahlreichen Highlights quer durch das bisherige Schaffen. Natürlich darf dabei der (umjubelte) Fan-Fave „Cockroach King“ nicht fehlen, ebenso wie ein fein durchdachtes Aquarius-Medley, dass die besten Parts des Debüts der Truppe gekonnt zusammen fasst. Beachtlich ist mit welcher traumwandlerischer Sicherheit die Truppe sich durch die oftmals waghalsigen Arrangements und Instrumentalpassagen kniffelt. Da der Klang der CDs (und DVD) eine gute Balance aus Detailreichtum, Klangwand und Live-Atmosphäre bietet, kann der Fan von Prog im Allgemeinen und HAKEN im Besonderen, sich das vorliegende Paket guten Gewissens in den Einkaufswagen klicken. Einige höchst unterhaltsame Stunden sind garantiert. Zumal das Bonusmaterial tatsächlich einen Mehrwert bietet und auch dem letzten Zweifler klar werden dürfte, dass nur wenige Bands solch ein Potential (und den Willen es umzusetzen) in die Waagschale werfen wie die sympatischen Briten.

Nicht nur als Überbrückung bis zum nächsten, heiss erwarteten Studioalbum, sondern auch als gelungene Momentaufnahme nach einer Reihe starker Studioreleases taugt „L-1VE“ hervorragend. Neben dem nun ebenfalls erschienenen Live-Doppeldecker der Label-Kollegen FATES WARNING also ein weiterer Pflichtkauf für den Prog Metal Fan.

WERTUNG: (keine Wertung)

Trackliste:

01. affinity.exe/Initiate
02. In Memoriam
03. 1985
04. Red Giant
05. Aquamedley
06. As Death Embraces
07. Atlas Stone
08. Cockroach King
09. The Architect
10. The Endless Knot
11. Visions

Mario

FATES WARNING – Live over Europe

Band: Fates Warning
Album: Live over Europe
Spielzeit: /
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Inside/Out Music
Veröffentlichung: 29.06.2018
Homepage: www.fateswarning.com

Nachdem die Nostalgiker unter den FATES WARNING Fans im vergangenen Jahr bereits mit dem Live-Mitschnitt der Komplettaufführung des Bandklassikers „Awaken the Guardian LIVE“ (in Originalbesetzung!) ihre Vollbedienung bekommen haben, gibt es nun mit „Live over Europe“ gleich noch das zeitgemäße Gegenstück zu bestaunen: auf 2 wirklich randvoll gepackten CDs kann man die Live-Auslese der letzten Europa-Tour der lebenden Prog-Legende bestaunen. Und FATES WARNING zeigen sich hier wirklich von Ihrer Schokoladenseite.

Die Setlist berücksichtigt ausschließlich Material aus der Ray Alder Phase und da können die Jungs ja nun wirklich mittlerweile aus dem Vollen schöpfen. Man hat das Gefühl die euphorischen Reaktionen auf fantastischen den letzten Studiodreher „Theories of Flight“ (2016) hätten die Truppe nochmals zusätzlich angespornt. Von der unglaublich tight und wuchtig aufspielenden Instrumentalfraktion mal angesehen, glänzt vor allem Sänger Ray Alder mit einer brillanten Vorstellung. Der Kerl hat anscheinend tatsächlich endlich seine Position in der Band gefunden und singt mit solcher Autorität und Inbrunst, dass die Begeisterung sofort auf den Hörer überspringt. Da schadet es natürlich auch nicht, dass FATES WARNING Ihre Setlist aus einem bärenstarken Katalog zusammenstellen können: Zwischen energisch vorangepeitschten Tracks des letzten Hammeralbums gibt es eine erfrischende Auswahl aus allen Schaffensphasen. Als Anspieltipps seien an dieser Stelle The Light And Shade Of Things vom letzten Album, das famose „The Eleventh Hour“ sowie „Life In Still Water“ genannt. Wer sich die beeindruckende Setlist mal anschaut bekommt aber auch schon so feuchte Augen. Da die Scheibe dann auch noch von Jens Bogren fett und transparent produziert/gemixt wurde (da klingt „Awaken the Guardian LIVE“ dann wie eine billige Low-Budget Produktion gegen), kann man mit Fug und Recht behaupten, dass FATES WARNING mit „Live over Europe“ die (vorerst) definitive Live-Platte Ihrer Karriere vorgelegt haben.

Für die Fans: essentiell, also unbedingt kaufen! Alle noch nicht infizierten können hier eine Prog-Metal Institution auf Ihrem Zenit für sich entdecken. Tolles Paket.

WERTUNG: (keine Wertung)

Trackliste:

01. From The Rooftops
02. Life In Still Water
03. One
04. Pale Fire
05. Seven Stars
06. SOS
07. Pieces Of Me
08. Firefly
09. The Light And Shade Of Things
10. Wish
11. Another Perfect Day
12. Silent Cries
13. And Yet It Moves
14. Still Remains
15. Nothing Left To Say
16. Acquiescene
17. The Eleventh Hour
18. Point Of View
19. Falling
20. A Pleasant Shade Of Grey, Pt. IX
21. Through Different Eyes
22. Monument
23. Eye To Eye

Mario

ERIC CLAPTON – Life in 12 Bars

Band: Eric Clapton
Album: Eric Clapton: Life in 12 Bars
Spielzeit: min
Stilrichtung: Blues / Rock
Plattenfirma: Universal (Universal Music)
Veröffentlichung: 08.06.2018
Homepage: www.ericclapton.com

Eines vorweg: wer sich bewusst ist, dass es sich bei dem hier vorliegenden Soundtrack zum gleichnamigen Film über das kreative Schaffen des ersten echten Gitarrengotts aller Zeiten, nicht um eine Best-Of Scheibe oder gar eine allumfassende Retrospektive zur gesamten Karriere von ERIC CLAPTON handelt, sondern um eine sehr selektive Auswahl aus der nun bereits 5 Jahrzehnte andauernden Schaffensphase, der wird mit den beiden Discs ein paar nette Stunden haben. ERIC CLAPTON muss wohl nicht mehr gesondert vorgestellt werden, denke ich. Wer auch nur ansatzsweise etwas mit Gitarrenmusik am Hut hat weiss, dass sich vor allem die Gitarrenhelden der 80er massiv von dem englischen Blues/Rock Musiker beeinflussen liessen und viele der Licks die uns auch heute noch um die Ohren gehauen werden, ohne den mittlerweile 73jährigenb CLAPTON so wohl nicht zu hören wären. Dabei ist immer wieder kontrovers darüber diskutiert worden, ob CLAPTON handwerklich tatsächlich solchen Genies wie Hendrix oder Jeff Beck das Wasser reichen konnte. Das war aber bei CLAPTON, der selber nie etwas mit höher, schneller, weiter anfangen konnte, auch immer völlig am Thema vorbei. Fakt ist, ohne CLAPTON klängen die Gitarristen heute gewiss anders.

Ja, eine ERIC CLAPTON Compilation ohne „Cocaine“ oder „Wonderful tonight“ ist schon gewagt und zielt ganz klar auf ein anderes als das übliche Best-Of-Käufer-Publikum ab. Das ist auch löblich und prinzipiell gut so. Auch dass hier das Schaffen von CLAPTON als Sideman anderer Künstler viel Beachtung findet (in dieser Rolle scheint der introvertierte Brite sich eh immer am wohlsten gefühlt zu haben) ist auch interessant. Leider wurden bei der Songauswahl komplette Jahrzente, in denen CLAPTON durchaus sehr aktiv und kreativ war, völlig ignoriert. Sowohl die Filmemacher, als vielleicht auch CLAPTON selber scheinen mit dieser Schaffensphase ein Problem zu haben. So gibt es dann auf „Eric Clapton: Life in 12 Bars“ frühe Aufnahmen mit den Yardbirds, Cream, Blind Faith und natürlich Derek and The Dominos zu hören. Für Fans vor allem ein Ohr wert sind dabei die unveröffentlichten Songs (zB die live aufgenommene Chuck Berry Nummer „Little Queenie“ und extended Versionen („I Shot The Sheriff“ wird hier nochmal um einiges geiler). Wahrscheinlich machen diese CDs um einiges mehr Sinn, wenn man sich den dazugehörigen Film angeschaut hat (was ich nach Möglichkeit demnächst bestimmt nachholen werde).

„Eric Clapton: Life in 12 Bars“ bietet vor allem dem schon gut eingedeckten Fan von ERIC CLAPTON Interessantes und hier und da sogar Neues zu entdecken. Die Songs sind toll, die Gitarrenarbeit natürlich ebenso. Dass bei der Songauswahl aber ganze Karrierephasen dieser lebenden Legende komplett unter den Teppich geklehrt wurden, kommt aber schon einer Geschichtsverklärung gleich. Wer also ERIC CLAPTON für sich neu entdecken möchte, der fängt am besten vorne an und arbeitet sich durch den Backkatalog. Denn die hier völlig ignorierten Alben aus den 80er Jahren sowie die blueslastigen Alben der letzten Jahre tragen ebenfalls viel bei zur (anhaltenden) Legendenbildung und sind somit ebenfalls essentiell. Für Fans (wie mich) daher ein starkes Album, das durchweg hervorragende Laune macht und zudem auch noch richtig gut produziert ist. Für Neueinsteiger allerdings nur bediongt zu empfehlen.

WERTUNG:

(keine Wertung)

Trackliste:

Disc: 1

01. Big Bill Broonzy: Backwater Blues
02. Muddy Waters: My Life Is Ruined
03. Muddy Waters: I Got Mojo Working
04. The Yardbirds: I Wish You Would
05. The Yardbirds: For Your Love
06. John Mayall & The Bluesbreakers: Steppin’ Out
07. John Mayall & The Bluesbreakers: All Your Love
08. Cream: I Feel Free
09. Cream: Strange Brew
10. Cream: Sunshine of Your Love
11. Aretha Franklin: Good to Me As I Am To You
12. Cream: Crossroads live
13. The Beatles: While My Guitar Gently Weeps
14. Cream: Badge
15. Cream: White Room live
16. Cream: Spoonful
17. Blind Faith: Presence Of The Lord

Disc: 2

1. Delaney & Bonnie & Friends featuring Eric Clapton: Comin’ Home
2. Eric Clapton: After Midnight
3. Eric Clapton: Let It Rain
4. Derek and The Dominos: High
5. George Harrison: My Sweet Lord
6. Derek and The Dominos: Thorn Tree In The Garden
7. Derek and The Dominos: Nobody Knows You When You’re Down And Out
8. Derek and The Dominos: Bell Bottom Blues
9. Derek and The Dominos: Layla
10. Derek and The Dominos: Little Wing
11. Derek and The Dominos: Got To Get Better In A Little While
12. Eric Clapton: I Shot The Sheriff
13. Eric Clapton: Little Queenie live
14. Eric Clapton: Mainline Florida
15. Eric Clapton: Tears In Heaven

Mario

TNT – XIII

Band: TNT
Album: XIII
Spielzeit: 46:10 min
Stilrichtung: Hard Rock, Melodic Rock
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 08.06.2018
Homepage: www.tnttheband.com

Die Norweger TNT haben in den 80ern mit „Knights of the New Thunder“ (1984) und „Tell No Tales“ (1987) starke Alben vorgelegt und mit „10,000 Lovers (In One)“ einen kleinen Genre-Hit für die Ewigkeit geschrieben. Die Jungs haben sich schon immer von der Konkurrenz durch ein eigenwilliges Songwriting sowie die kreative Gitarrenarbeit von Ronni Le Tekro abgesetzt. Umso gespannter war ich als das neue Album der Truppe über Frontiers Records angekündigt wurde – ein Label, das eigentlich für gleichförmige Massenware bekannt ist und weniger für Bands die aus der Reihe fallen. Das von Tommy Hansen abgemischte „XIII“ ist, wer hätte das gedacht, das 13. Album der Band und zeigt mal wieder wie wichtig TNT für die Szene sind.

Das Doppel aus „We’re Gonna Make It“ und „Not Feeling Anything“ eröffnet das Album mit unorthodoxen Arrangements, fetten Chören, einer kreativen Produktion und geilen Hooklines. Man weiss sofort, dass man es mit TNT zu tun hat und nicht mit der x-ten Aufwärmung des üblichen Hardrock Breis den man sonst immer vorgelegt bekommt. Neuentdeckung Baol Bardot Bulsara aus Spanien am Mikrofon (der den kürzlich ausgeschiedenen Tony Harnell ersetzt) macht seine Sache hervorragend, beherrscht sowohl die hohen Töne (ohne jemals nervig zu werden) als auch die tieferen Register und packt eine gute Melodie nach der anderen raus (Anspieltipp „People, Come Together“). Bei „It’s Electric“ wird dann das Experimentieren mit Queen-beeinflussten Chören und beschwingten Rhythmen auf die Spitze getrieben. Dieses Verspielte bringt der Platte eine Menge Abwechslung ein, kann aber auch mal in die Hose gehen wie z.B. bei dem langweiligen Rocker „Fair Warning“. Die gute-Laune „Hits“ („Get Ready For Some Hard Rock“) überwiegen aber in der Summe und machen aus „XIII“ zwar nicht das beste Album in der Karriere der Norweger, aber immerhin ein Album, dass der Hardrock Fan auf dem Zettel (bzw. im Regal) stehen haben sollte.

Fett und zeitgemäss produziert, eine Menge guter Songs, tolle (ungewohnte) Arrangements, eine frische/hungrige Stimme und die nach wie vor einzigartige Gitarrenspuren von Bandgründer von Ronni Le Tekro machen aus „XIII“ ein gutes Stück zeitlosen Hardrocks. Zwar kein Überfliger, aber Genrefans zum Antesten empfohlen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. We’re Gonna Make It
02. Not Feeling Anything
03. Fair Warning
04. It’s Electric
05. Where You Belong
06. Can’t Breathe Anymore
07. Get Ready For Some Hard Rock
08. People, Come Together
09. Tears In My Eyes
10. 17th Of May
11. Catch A Wave
12. Sunshine

Mario