SPREAD EAGLE – Subway To The Stars

Band: Spread Eagle
Album: Subway To The Stars
Spielzeit: 45:31 min
Stilrichtung: Street Metal
Plattenfirma: Frontiers Music S.r..l.
Veröffentlichung: 09.08.2019
Homepage: www.spreadeagle.us

Mit SPREAD EAGLE haben Frontiers eine weitere Band aus der zweiten, bzw. dritten Reihe vergangener Tage unter Vertrag genommen. Die ursprünglich aus New York stammende Band, die im Jahr 1990 ihr selbst-betiteltes Debüt und dann 1993 das einzige Nachfolgewerk („Open to the Public“) vorlegte, war lange Zeit beinahe komplett von der Bildfläche verschwunden und machte nur gelegentlich gemeinsam von sich hören. Nun also liegt Album Nummer 3 vor, das von Frontiers mit dem kernigen Label „Street Metal“ kategorisiert wird. Mir sind die beiden ersten Scheiben der Truppe leider nicht bekannt. In alten Rezensionen wurde allerdings immer wieder die stilistische Nähe zu Acts wie Skid Row oder Aerosmith betont. Davon ist auf „Subway to the Stars“ allerdings so gut wie nichts zu hören. Mag ja sein, dass dies vor beinahe 30 Jahren zutreffen mochte. Heute musizieren SPREAD EAGLE allerdings viel näher an Bands wie Alice in Chains. Daher sollte der geneigte Hörer sowohl die Genrebezeichnung des Labels als auch das grottige Albumcover möglichst ignorieren und sich nur der gebotenen Musik widmen – die hat es nämlich durchaus, trotz einiger Hänger, in sich …

Mit Sänger Ray West sowie Bassist Rob De Luca sind immerhin noch 50% der Originalbesetzung der Truppe am Start. Verstärkt werden die beiden von einem gewissen Ziv Shalev an den 6 Saiten und Drummer Rik De Luca. Und die Jungs machen mit dem flotten, nicht gleich zugänglichen Titeltrack schonmal viel richtig. Ray West gibt ordentlich Gas legt über die trocken und relaxt gehaltenen Riffs packende Melodien hin, die nach einiger Zeit richtig gut zünden und auch länger im Ohr bleiben. Richig überzeugend ist das neue Material immer dann, wenn Gas gegeben wird und eine leicht punkige Attitüde durchscheint, wie in dem geilen „Sound Of Speed“ oder dem mit Alternative-typischen Elementen rockenden „Dead Air“. Die Jungs verzocken sich auch ab und an (wie in den belangosen „Little Serpentina“ und „More Wolf Than Lamb“). Insgesamt überwiegen aber die positiven Eindrücke und Interessierte sollten sich die genannten Tracks mal zu Gemüte führen – damit dürften SPREAD EAGLE bestimmt neue Freunde finden.

„Subway to the Stars“ ist in vielerlei Hinsicht ein Lichtblick im Einheitsbrei der heutigen Musiklandschaft im Allgemeinen, und dem üblichen Frontiers Ausschuss im Besonderen. Die ungewöhnliche Mischung aus punkiger Attitüde, moderner Produktion und Alice in Cains Gedächtnis-Melodieführung lassen aufhorchen. Zwar hapert es hier und da am Songwriting und nicht jeder der 11 Songs ist ein Treffer ins Schwarze, aber eine Handvoll starker Songs sollten Argument genug sein neue Hörer zu gewinnen. Es sei den Jungs, im Herbst ihrer Karriere, gegönnt.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Subway To The Stars
02. 29Th Of February
03. Sound Of Speed
04. Dead Air
05. Grand Scam
06. More Wolf Than Lamb
07. Cut Through
08. Little Serpentina
09. Antisocial Butterfly
10. Gutter Rhymes For Valentines
11. Solitaire

Mario

BATON ROUGE – Shake Your Soul (Re-Release)

Band: Baton Rouge
Album: Shake Your Soul (Re-Release)
Spielzeit: 42:36 min
Stilrichtung: Melodic Hard Rock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: (bereits erschienen)
Homepage: www.rockcandyrecords.com

Es ist schon der Wahnsinn, wie viele Hardrock und Hairmetal Bands in den 80ern einen Plattendeal bekamen und Scheiben unters Volk bringen durften (damals war eine DIY Veröffentlichung für die meisten ein Ding der Unmöglichkeit). Vieles davon ist heute (glücklicherweise) in Vergessenheit geraten. Aber unter diesen verschütt gegangenen Platten findet sich ab und zu auch eine übersehene Perle, die damals keine richtige Chance mehr bekam und heute natürlich nur noch Trüffelschweinen mit dem entsprechenden Näschen (und einer gehörigen Portion Ausdauer) ins Netz gehen. Dem Rock Candy Label sei Dank erfahren solche Veröffentlichungen oft einen zweite Chance. Dem Debüt der Amerikaner BATON ROUGE zum Beispiel sollte jeder geneigte Fan des Genres, so denn noch nicht mit den Jungs vertraut, ein Ohr schenken. Zu der Vorgeschichte der Band sowie eine „Kritik“ gibt es in der Lobhuldigung vom Stefan im Rahmen seiner „Klassiker der Woche“ Kolumne. Heute geht es daher eher um die Besonderheiten der aktuellen Neuauflage der Scheibe …

Da BATON ROUGE mit Kelly Keeling über einen Sänger mit einer massentauglichen Stimme und Präsenz am Mikro verfügten und das Songwriting von Produzent Jack Ponti nicht nur unterstützt, sondern maßgeblich beeinflusst wurde, hatte die Truppe eigentlich alle Trümpfe in der Hand. Der Vergleich mit „Poison“ von Alice Cooper, den der Stefan in seiner Besprechung zog, ist mehr als zutreffend. In einem Track wie „Bad time Comin’ Down“ ist die Handschrift von Ponti mehr als deutlich herauszuhören. Das schlug sich dann ebenfalls im Sounddesign der Platte nieder, die auch für die damaligen Verhältnisse ausgesprochen gut klang. Von daher wäre ein Remaster eigentlich nicht unbedingt nötig gewesen, denn lauter kann man auch an der Stereoanlage drehen. Glücklicherweise ist beim vorliegenden Remaster nicht alles plattgewalzt worden, so dass die Platte immer noch dynamisch und majestätisch aus den Boxen perlt. Damals wie heute ist „Shake Your Soul“ eine fett und transparaent tönende Platte, die (eine entsprechende Anlage vorausgesetzt) klar macht, was ein gutes/teures Studio, ein fähiges Team, gute Musiker und genügend Studiozeit für den Gesamtklang eines Albums bedeuten können. Da der Neuauflage leider keine Bonustracks spendiert wurden, liegt das Hauptkaufargument wohl bei den, wie gewohnt, vorzüglichen Linernotes, die dem Hörer/Leser parallel zum Album noch eine Menge interessante Hintergrundinfo und spannende Fotos bieten.

Das 1991 nachgeschobene Zweitwerk („Lights Out on the Playground“) ist zwar auch nicht übel, kann dem Erstling der Truppe aber nicht das Wasser reichen. Fans von „poliertem“ Hardrock amerikanischer Schule im Geiste von dem erwähnten Alice Cooper, Firehouse oder Britny Fox sollten, nein, müssen beim aktuellen Re-Release von „Shake your Soul“ zugreifen. Dieses essentielle Genre Exemplar gehört in jede gepflegte Sammlung.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Doctor
02. Walks Like A Woman
03. Big Trouble
04. It’s About Time
05. Bad time Comin’ Down
06. The Midge (Instrumental)
07. Baby’s So Cool
08. Young Hearts
09. Melenie
10. There Was A Time (The Storm)
11. Hot Blood Movin’
12. Spread Like Fire

Mario

MIND KEY – MK III – Aliens In Wonderland

Band: Mind Key
Album: MK III – Aliens In Wonderland
Spielzeit: 57:50 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Frontiers Music S.r..l.
Veröffentlichung: 12.07.2019
Homepage: www.mindkey.it

Die Italo-Progger MIND KEY möchten uns nach längerer Abstinenz Ihr neuestes (drittes) Werk „MK III – Aliens in Wonderland“ ans Herz legen. Ein Blick auf das unfassbar trashig/absurde Cover lässt erstmal Schräges vermuten, ebenso der wirre Titel des Albums. Wer hier aber Humor oder gar latent subversives Gutue bei einem üblicherweise prinzipientreuen Label wie Frontiers befürchtet, dem kann Entwarnung gegeben werden. Denn hat man sich die Scheibe aber erstmal zur Gänze angehört, so zeigt sich: MIND KEY spielen lupenreinen, angeproggten Powermetal der Italienischen Schule. Aber das bedeutet halt auch, das es auf der Scheibe Licht und Schatten zu bekunden gibt …

Der Opener „Alien In Wonderland“ kann gleich zu Beginn auf ganzer Linie überzeigen: eine gute Melodieführung, packende Riffs, geile Leadgitarren, geschmackssichere 80’s-Keyboards und über allem thront Sänger Aurelio Fierro Jr., der eine energiereiche Darbietung hinlegt und den Song zu tragen weiss. Absolut geschlacksicher auch die über das Album berteilten 80er Reminiszenzen in den Keyboard Sounds und feinen cleanen Gitarrensounds. Im weiteren Verlauf der Tracks zeigt sich aber immer wieder, dass die Jungs es in Sachen vetrackten Arrangements und unvorhersehbaren Akkorwechslen dann doch ein wenig übertreiben. Wie viele Kollegen verzetteln sich auch MIND KEY desöfteren bei dem Versuch besonders klever klingen zu wollen in Songstrukturen, die es dem Zuhörer so gut wie unmöglich machen der Melodie/Hookline zu folgen. Das geht nicht immer schief, aber leider doch hier und da („Psycho World“, „Be-Polar“). Erwähnenswerte Hinhörer sind das teilweise brettharte „Hank (The Blazing Eyes)“ sowie die eingängigen Melodietüten „Hands Off Cain“, „Hate At First Sight“. Hier sollte der geneigte Hörer sich ein gutes Bild machen können, ob er das aufgerufene Geld locker machen möchte oder nicht.

„MK III – Aliens In Wonderland“ wird seine Fans finden, da bin ich mir sicher. Aber um von einem grösseren Publikum beachtet zu werden feht es einfach noch an einem geschliffenen Songwriting und einer eigenen Handschrift. Knapp über solidem Durchschnitt.

WERTUNG:

 

 

Tracks:
01. Alien In Wonderland
02. Hank (The Blazing Eyes)
03. Hate At First Sight
04. Angry Men
05. Hands Off Cain
06. Be-Polar
07. Oblivion
08. Psycho World
09. Vertigo (Where The Cold Wind Blows)
10. Pure He/Art
11. Non-Existence

STRAY CATS – 40

Band: Stray Cats
Album: 40
Spielzeit: 35:43 min
Genre: Rockabilly
Plattenfirma: Surfdog
Veröffentlichung: 24.05.2019
Homepage: www.straycats.com/home

Als die STRAY CATS vor nunmehr 40 Jahren auf der Bildfläche erschienen und (zuerst in Europa) wie eine Bombe einschlugen, war der Stil, den das verrückte Trio spielte, bereits ein Ding aus einer anderen Zeit. Mit jugendlichem Elan, einer latent punkigen Attitude und hoher spielerischer Fertigkeit huldigten Brian Setzer (Gitarre und Gesang), Lee Rocker (Bass) und Slim Jim Phantom (Drums) ihren Rockabilly Idolen wie Elvis Presley, Gene Vincent oder Bill Haley. Die Musik der STRAY CATS orientierte sich damals recht nahe an den Originalen und an dieser (Erfolgs-)Rezeptur hat sich im Laufe der Jahre nie wirklich etwas geändert. Das mag wohl auch der Grund sein, warum die Jungs in regelmässigen Abständen die gemeinsame Band ruhen liessen und sich anderen Projekten widmeten – man kann das bewährte, recht rigide Genre-Konzept ja schliesslich nicht bis über die Grenzen hinaus überstrapazieren ohne sich der Kritik der ewigen Eigenkopie auszusetzen. Nach sporadischen Live-Auftritten legen die STRAY CATS nun aber pünktlich zum 40 jährigen Bandjubiläum und 25 Jahre (!) nach der letzten Veröffentlichung ein Album mit 12 neuen Tracks vor.

Auf dem passend betitelten „40“ fahren Setzer & Co. alle bewährten Ingredienzen auf, die ein zünftiges Rockabilly Album ausmachen: Elvis Huldigung? Check („That’s messed up“), Geradliniger, dreckiger Rock & Roll? Check („Cat Fight (over a dog like me)“, „Rock it off“), swingender Film Noir Flair? Check („Cry Danger“), Country-schwangere Cowboy Licks? Check („Desperado“). Damals wie heute verleihen Brian Setzer’s Signature Licks den Songs das besondere Extra und sorgen immer wieder für grossartige Aha-Momente. Der Mann hat die alten Meister einfach bis ins kleinste Detail aufgesogen und vermengt das Ganze, unter Zuhilfenahme von jazzigen Linien und einer Starssenköter-Attitüde, auf eine ureigene Art und Weise. Setzer ist ein absolutes Unikat und einer der begnadetsten (und einflussreichsten) Gitarristen der letzten Dekaden. Aber was seine beiden Mitstreiter für den Gesamtsound der STRAY CATS ausmachen sollte ebenfalls nicht unter den Tisch gekehrt werden, denn nur im Trio sind die Jungs unschlagbar. „40“ bietet in etwas über einer halben Stunde Spielzeit alles was das Rockabilly Herz begehrt, ungekünstelt, wie immer aufs Nötigste Reduziert, ohne irgendwelche Sperenzchen, knochentrocken eingefangen und produziert. Ein solch starkes neues Lebenszeichen hätte ich den Jungs eigentlich gar nicht mehr zugetraut und bin daher doppelt überrascht und begeistert.

Nichts Neues bei den STRAY CATS. Und das ist auch verdammt gut so. Ja, das ist alles verdammt vorhersehbar, aber das ist in diesem Genre nicht wirklich etwas Schlechtes. Selbst nach 4 Jahrzehnten klingt die Rockabilly Truppe noch hungrig und verschworen wie am ersten Tag. Fans des Genres und/oder der Band können hier bedenkenlos zugreifen, denn dem bisherigen (überschaubaren) Output der Band steht „40“ in Nichts nach und kann dank der kraftvollen, authetischen Produktion noch zusätzlich punkten.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Cat Fight (over a dog like me)
02. Rock it off
03. I’ve got Love if you want it
04. Cry Danger
05. I attract trouble
06. Three time’s a charm
07. That’s messed up
08. When nothing’s going right
09. Desperado
10. Mean pickin‘ mama
11. I’ll be looking out for you
12. Devil Train

Mario

IDLE HANDS – Mana

Band: Idle Hands
Album: Mana
Spielzeit: 36:47 min
Genre: Gothic Metal, Heavy Metal
Plattenfirma: Eisenwald Tonschmiede
Veröffentlichung: 10.05.2019
Homepage: www.facebook.com/idlehandsband

Aus Portland in den USA melden sich IDLE HANDS nach einer vielversprechenden und vielbeachteten EP aus dem letzten Jahr nun mit dem full-length Debüt auf der Bildfläche. Die Truppe wird zur Zeit allerorts mächtig gehyped, und ich muss sagen, zurecht. Die packende Michung aus sinistrem Gothic Rock im Stile der Sisters of Mercy, niemals langweilig werdenden Jingle-Jangle Gitarren und treibenden Riffs (hier und da sind z.B. auch Vertreter der Depri-Schule à la Katatonia im Sound der Truppe auszumachen) ist relativ ungewöhnlich und damit scheint das Quartett einen Nerv getroffen zu haben.

Von den 11 vertretenen Songs ist tatsächlich so gut wie jeder ein Volltreffer. Besonders die ersten 5 Songs lassen den Hörer ungläugbig zurück, denn man wird von einem Hit nach dem nächsten überfahren. Ob in dem mit wunderbar ineinander verzahnten Gitarren versehenden Überhit „Jackie“, dem an Paradise Lost erinnernden „Don`t Waste Your Time“ oder dem an flotte High Spirits („Full Power“) angelehnten hymnischen Rocker „Give Me To The Night“ – die Nummern und Hooklines sitzen wie eine Eins und gehen nicht mehr aus den Gehörgängen. Ja, die Songs gleichen sich auf den ersten Blick relativ stark (das Patentrezept wird bis an die Grenzen ausgelotet) und die immer wieder eingestreuten „Huargh“ Shouts können mitunter für die ein oder andere hochgezogene Augenbraue sorgen. Das ändert aber nichts daran, dass es IDLE HANDS hier gelungen ist eine Wundertüte an eingängen Hochkarätern einzurocken, die eine verdammte Menge an Fans verdient hat. Neben den bereits genannten Tracks sei hier noch der Titeltrack (und Rausschmeisser) „Mana“ genannt, der zum Ende raus nochmal das ganz grosse Kino auffährt.

Zur vollen Punktzahl reicht es aufgrund marginaler kleiner Punkte zwar noch nicht. Aber wenn Opeth im September nicht noch ein absolutes Schwergewicht vorliegen (was ich doch mal ganz schwer hoffe), dann ist „Mana“ ohne wenn und aber bereits jetzt mein Album des Jahres 2019. Huargh!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Nightfall
02. Jackie
03. Cosmic Overdrive
04. Don`t Waste Your Time
05. Give Me To The Night
06. Blade And The Will
07. Dragon, Why Do You Cry
08. Double Negative
09. It`ll Be Over Before You Know It
10. A Single Solemn Rose
11. Mana

Mario

D.A.D – A Prayer for the Loud

Band: D.A.D
Album: A Prayer for the Loud
Spielzeit: 44:32 min
Genre: Hardrock, Melodic Heavy Rock
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 31.05.2019
Homepage: www.d-a-d.dk

Nachdem ich manuell die Tags der Promo mp3 files korrigiert hatte (die waren Kraut und Rüben), konnte der Spass  losgehen und, jepp, die Dänen enttäuschen auch auf Album Nummer 12 nicht. Im Gegenteil. Nach einer für den eingefleischten Fan doch recht lang andauernden Durststrecke, das letzte Album „DIC·NII·LAN·DAFT·ERD·ARK“ liegt nun schon fast satte 8 Jahre zurück, legen D.A.D mit „A Prayer for the Loud“ einen souveränen Kracher vor.

Drumherum scheint schonmal alles zu passen: das „geschmackvolle“ Artwork ist ’n Hingucker und soundtechnisch ist auf „A Prayer for the Loud“ alles im grünen Bereich. Die Scheibe schiebt schön ordentlich aus den Boxen und, ein nicht zu unterschätzender Aspekt, Jesper Binzer (immerhin Baujahr 1965) ist stimmlich immer noch absolut auf der Höhe. Wo Kollegen ab einem gewissen Alter langsam aber sicher abbauen, haut der Frontman seine Hooklines mit einer umwerfenden Selbstverständlichkeit raus. Ein Musterbeispiel hierfür ist der locker lässige Titeltrack. Die typischen Country/Gretsch Gitarren, die „No Fuel left for the Pilgrims“ und „Riskin‘ it all“ zu ihrem eigenständigen Sound verholfen hatten, waren zwar schon bei „helpyourselfish“ (leider) so gut wie verschwunden, tauchen aber hin und wieder, wie in der schönen Ballade „The Sky is made of Blues“, wieder auf und setzen die gewohnten Akzente. Und wenn man sich einen Track wie „Time is a Train“ anhört, könnten einem die Tränen angesichts der heutzutage üblichen selbstgedrechselten Computer-Produktionen kommen. D.A.D stehen auch 37 Jahre nach Ihrer Gründung noch wie ein Fels in der Brandung und zeigen den Möchtegern-Rockern von heute wie handgemachter ROCK geht.

Wer auf das bisherige Oeuvre der Jungs steht, kann hier bedenkenlos zugreifen. Auch wenn D.A.D zwischendurch mal geschwächelt haben, so ist bisher noch kein richtiger Rohrkrepierer auf Ihr Konto gegangen. Und daran ändert sich auch mit der neuesten Scheibe der Truppe nichts. Der plakative, mancher mag sagen infantile, Humor der alten Tage ist einer gewissen subtileren Ironie gewichen. Die Songs auf „A Prayer for the Loud“ können zwar an die absoluten Klassiker der Band nicht ganz heranreichen, sind aber weiterhin ziemlich starker Stoff. Beide Daumen hoch.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Burning Star
02. A Prayer for the Loud
03. Nothing ever changes
04. The Sky is made of Blues
05. The real me
06. No Doubt about it
07. A Drug for the Heart
08. Musical Chairs
09. Time is a Train
10. Happy Days in Hell
11. If the world just

Mario

SOTO – Origami

Band: SOTO
Album: Origami
Spielzeit: 44:21 min
Genre: Power/Progressive Metal
Plattenfirma: Inside/Out Music
Veröffentlichung: 24.05.2019
Homepage: www.sototheband.com

Jeff Scott SOTO dürfte wohl jedem auch nur annähernd an Metal Interessierten ein Begriff sein. Der Amerikaner hat im Laufe seiner nun schon ziemlich langen Karriere unzählige Alben von u.a. Yngwie J. Malmsteen, Talisman oder W.E.T. veredelt. Die bisherige Diskographie des Sängers mit der Bärenstimme (zu finden z.B. bei Wikipedia) ist wirklich unglaublich. Nebenbei hat der Hühne noch kurz bei Journey ausgeholfen, Solo-Alben herausgebracht und, seit 2015, schon 2 Platten mit der nach ihm benannten Band SOTO eingespielt. Nachdem das Debüt der All-Star-Prog-Metal Formation Sons of Apollo vor 1 1/2 Jahren bei dem Genre Spezialisten von Inside/Out veröffentlicht wurde, sind nun auch SOTO und seine Begleitband dort heimisch geworden. Album Nummero 3 trägt den Titel „Origami“ und kann schonmal mit einem äusserst geschmackvollen Artwork punkten.

SOTO haben sich melodischen und zeitgleich (Brett)harten Rock und Metal auf die Fahnen geschrieben. Kollege Stefan hatte dem Debüt der Truppe („Inside the Vertigo„, 2015) schon eine gesunde Protion Härte attestiert und daran hat sich auch auf dem neuen Werk nichts geändert. Trotz dem eigentlich auf Prog in seinen zahlreichen Varianten verschriebenen Label sind die Songs auf „Origami“ zudem sehr straight und hooklastig ausgefallen. Gut, das extrem tiefergelegte Riffing muss man mögen und im Vergleich z.B. zum Label-Kollegen James LaBrie, dessen extrem starke letzte Solo Scheibe ja ebenfalls um einige Härtegrade über dem lag was man eigentlich von ihm gewohnt war, hält sich SOTOs‘ Hintermannschaft aber doch spürbar zurück. Ja, das ist alles moderner, knallharter Modern-Metal. Aber dank des doch recht tief im Melodischen Metal verankerten Gespürs von Mr. Soto gelingt es SOTO zumeist eine gute Balance aus Riffing, Speed-Soli und Hooklines hinzubekommen. Als Anspieltipps möchte ich die Ohrwürmer „BeLie“ und „Vanity Lane“, das herrlich swingende (und stark aus dem gewohnten Rahmen fallende) „AfterGlow“ sowie den starken Opener „Hypermania“ hervorheben. Lediglich das völlig überflüssige Michael Jackson Cover „Give in to me“, das nie und nimmer an die Intensität des Originals heranreicht, hätte man sich (höchstens) als Bonus-Track aufsparen können.

Unterm Strich legen SOTO mit „Origami“ ein starkes Album vor, das allerdings nicht sofort zündet sondern ein wenig Zeit braucht um seine fein gesponnenen Melodien in den Gehörgängen entfalten zu können. Aber das ist ja nun wirklich nichts Schlechtes in einer Zeit, die immer schnelllebiger und beliebiger wird.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Hypermania
02. Origami
03. BeLie
04. World gone colder
05. Detonate
06. Torn
07. Dance with the Devil
08. AfterGlow
09. Vanity Lane
10. Give in to me

Mario

DOGFACE – From the End to the Beginning

Band: Dogface
Album: From the End to the Beginning
Spielzeit: 65:27 min
Genre: Hardock
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 17.05.2019
Homepage: /

Mit „From the End to the Beginning“ veröffentlichen DOGFACE, eines der zahllosen Nebenprojekte von Sänger Mats Levén (Candlemass, Krux, Swedish Erotica, …) und Martin Kronlund (Gypsy Rose, …) Ihren Schwanengesang. Die Scheibe versammelt die besten Tracks ihrer bisher veröffentlichten 3 Studioalben. Ein schneller Blick ins Rock-Garage Archiv fördert dann auch prompt eine Besprechung vom geschätzen Kollegen Stefan aus dem Jahr 2013 zum letzten Werk der Truppe („Back on the Street„) zutage. Und in besagtem Review hatte der Stefan es geschafft nicht nur das zu besprechende Album trocken abzuwatschen, sondern auch gleich noch die beiden Vorgänger als, nun ja, nicht wirklich zwingend zu outen.

Mir waren DOGFACE bisher kein Begriff und so war ich von den hier vertretenen 15 Tracks ebenfalls zwar nicht vom Hocker gehauen, aber ganz so übel wie dem Stefan ist mir das Alles nicht aufgestossen. Aber im Kern pflichte ich seiner Kritik auch heute noch bei: DOGFACE spielten von Deep Purple oder Rainbow beeinflussten Hardrock, der in erster Linie von Levén’s starkem Gesang und den kernigen Gitarren lebte. Das war/ist alles stilecht umgesetzt, kompetent eingespielt und auch noch ganz ordentich produziert. Und bei den Beteiligten kann da auch nichts wirklich Schlechtes bei rauskommen. Leider ist es DOGFACE aber auch nicht gelungen Umwerfendes zu verewigen. Wenn ich mir die 15 Songs so anhöre, dann sind da durchaus ein paar gute Songs dabei (u.a. „Don’t“ oder „Right between your Lies“), aber wenn das das Beste von 3 Alben ist, verstehe ich warum es nicht zur grossen Karriere gereicht hat. Denn ein veritabler Hit ist nicht in der Auslese auszumachen.

Muss man diese Werkschau der Schweden in der Sammlung haben? Nicht wirklich und es erschliesst sich mir auch nicht ganz wer das denn eigentlich kaufen soll? Fans werden die Scheiben eh im Schrank stehen haben und da es keinerlei Bonustracks gibt, gibt es auch kein zusätzliches Kaufargument. Hörer, die die Band erst entdecken sollen, werden meiner Meinung nach mit zuviel Information überschüttet, denn 15 Songs in über einer Stunde Spielzeit ist auch zuviel des Guten. Fans des Genres können gerne ein Ohr riskieren. Einen Pflichtkauf stellt „From the End to the Beginning“ aber nicht dar.

WERTUNG:

(keine Wertung)

Trackliste:

01. Don’t
02. Not wanted
03. A single Reason
04. I will be there
05. Sleeping with the Enemy
06. Footsteps on the Moon
07. Right between your Lies
08. Alone again
09. Can’t face tomorrow
10. You’re taken me down
11. I don’t care
12. Leave this war
13. Spit it out
14. Rule the Night
15. Let it out

Mario

MICHAEL THOMPSON BAND – Love & Beyond

Band: Michael Thompson Band
Album: Love & Beyond
Spielzeit: 60:59 min
Genre: Melodic Rock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 26.04.2019
Homepage: www.facebook.com/MichaelThompsonBand

Tim Pierce, Steve Lukather, Dan Huff, Michael Landau. Der geneigte AOR und Rock Hörer schnalzt wissend mit der Zunge wenn er diese Namen hört, sind diese Herren doch in Ihrer Haupttätigkeit als Studiogitarristen für einen Grossteil der Gitarrenparts auf unzähligen Veröffentlichungen der letzten Jahrzente verantwortlich. Zu diesem illustren Kreis zählt ohne Zweifel auch der US Gitarrist Michael Thompson, der im Laufe seiner nunmehr langen Karriere Alben von (u.a.) Madonna, Shania Twain und Michael McDonald mit seinem unglaublich geschmackvollen Spiel verdelet hat. Gut, das sind jetzt alles nicht wirklich Rock-Garage kompatible Referenzen, aber wie viele seiner Kollegen hat MICHAEL THOMPSON auch immer wieder Alben unter eigenem Namen, veröffentlicht. Das selbstbetitelte Debüt der MICHAEL THOMPSON BAND aus dem Jahre 1989 gilt auch heute noch als Perle im AOR Bereich und ist ziemlich gut gealtert. 30 Jahre nach diesem Hochkaräter legt uns die MICHAEL THOMPSON BAND nun mit „Love & Beyond“ ihr zweites Album vor.

Soviel vorweg: der Härtegrad bewegt sich zumeist auf Kuschelwohlfühlniveau, sprich, hart gerockt wird hier nie. Aber ein paar knackige Gitarren gibts schon und dazu noch einige richtig starke Songs. da kann man dann auch mal über den gewohnten Tellerrand hinausschauen. Zwischen rockigeren Tönen wie „Love & Beyond“ und „Passengers“ sind immer wieder kleine, als „Interlude“ gekennzeichnete, Tracks eingeflochten die als stimmungsvolle Überleitungen dienen und in denen MICHAEL THOMPSON sein Können unter Beweis stellt. Die Kombination aus absolut traumhaften Gitarrensounds und einer schwer zu toppenden Eleganz im Spiel des Gitarristen waren schon immer der Grund für die gute Auftragslage von Herrn THOMPSON. Und damit wird auf „Love & Beyond“ selbstverständlich auch nicht gegeizt. Wer auf gute, handgemachten AOR mit Westcoast-Feeling und professioneller Produktion steht, kommt hier voll auf seine Kosten. Dank der starken Begleitmannschaft (u.a. Larry Antonio am Bass und Leadgesang, sowie den Sängern Larry King und Mark Spiro) gelingt es MICHAEL THOMPSON einen würdigen Nachfolger zum Debüt zu liefern, der die AOR Sounds vergangener Tage gekonnt ins Hier und Jetzt herüberrettet.

„Love & Beyond“ ist einmal mehr der Beweis, dass Studiocracks weit mehr als langweilige Erfüllungsgehilfen sind. In knapp einer Stunde bekommt der geneigte Hörer eine breite Palette an tollen Sounds und Songs geboten, die auch nach mehrmaliger Einfuhr nicht blass werden. Ein gelungnes Album.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Opening
02. Love & Beyond
03. Save yourself
04. Passengers
05. Red Sun (Interlude)
06. Supersonic
07. La Perouse (Interlude)
08. Don’t look down
09. Far away
10. Penny laughed (Interlude)
11. Love was never blind
12. Black Moon (Interlude)
13. Flying without Wings
14. Forbidden City (Interlude)
15. Just Stardust
16. What will I be without you
17. Starting over
18.’til we meet again

Mario

WHITESNAKE – Flesh & Blood

Band: Whitesnake
Album: Flesh & Blood
Spielzeit: 59.25 min
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 10.05.2019
Homepage: https://whitesnake.com

Lassen wir einmal das „Purple Album“ außen vor, liegt nach langen acht Jahren mit „Flesh & Blood“ das von vielen Fans sehnsüchtig erwartete zwölfte Studioalbum der weißen Schlange im Ausgabegerät.

Nach dem Ausstieg Brian Tichys und dem auf „Forevermore“ noch hauptverantwortlichen Gitarristen Doug Aldrich, geben mit Altmeister Aldridge am Schlagzeug und dem Neuen an der Klampfe, Joel Hoekstra, zwei entscheidende Neuzugänge ihre Arbeitsbescheinigung ab und es sei vorweggenommen, das machen sie in beeindruckender Manier. Wobei man eigentlich auch Reb Beach als weiteren Neuzugang sehen darf, hat der Chef ihm doch einen wesentlich größeren Verantwortungsbereich beim Songwriting zugesprochen, und der aus seinem Dornröschenschlaf wachgeküsste zahlt es mit brillant verknüpften Noten eindrucksvoll zurück.

Das sich WHITESNAKE nach dieser Pause nicht komplett neu erfinden würden, stand außer Frage, trotzdem durfte man gespannt sein, welchen musikalischen Anstrich David Coverdale seinem Vehikel verpassen würde. Traditioneller, knackiger mit viel Blues durchzogener Hardrock, wie es der stark verehrte Klassiker „Slide it in“ zum Besten gab, oder doch eher die etwas mainstreamigere, erfolgversprechendere „1987“ Variante? Vielleicht auch die etwas moderner klingende Ausgabe von „Slip of the tongue“ ? Coverdale und seine Mannen haben sich nicht mit weniger als einfach allem zufriedengegeben, „Flesh & Blood“ ist die perfekte Schnittmenge aus vergangenen Tagen.

Bezeichnenderweise wird der Vorhang mit „Good to see you again“ und „Gonna be alright“ aufgezogen und der Hardrock Fünfer zeigt keine Anlaufschwierigkeiten, offenbart direkt, was in ihm steckt. Gradlinig und sehr druckvoll geht es gleich von Anfang an zur Sache. Coverdales unverwechselbare Stimme ist nicht nur dermaßen Song prägend, dass er Michael Jackson „Beat It“ singen könnte, es würde nach Whitesnake klingen, nein, er weiß auch ganz genau, was er sich zutrauen kann, oder besser lassen sollte. Überraschend unverbraucht und frisch drückt er den weiterhin klischeehaften Texten seiner Songs den Stempel auf. Das vorweg ins Haifischbecken geworfenen „Shut up & kiss me„ brilliert durch sein ebenso einfaches wie geniales Gitarrenriff. Dem Ganzen wird noch ein passender Mitgöhlrefrain verpasst und fertig ist ein dreieinhalbminütiges Hardrock Kleinod. Ein wenig Schema F, aber extrem spassbringend. „Hey you“ schlägt in die gleiche Kerbe und macht nichts anderes, als in der Klammer steht (You make me rock). Nicht ganz überspringen kann der Funke bei „Always&Forever“, einem der wenigen schwächeren Momente des Albums. Auch im Titeltrack des Albums treibt der mittlerweile 67-jährige Bandleader mit einer unbeschreiblichen Power durchs Geschehen, wie es sicherlich die wenigsten noch für möglich gehalten hätten. Etwas ruhiger und getragener geht es in einem weiteren Highlight des Albums zu Werke. „Heart of Stone“ besitzt das typische Whitesnake Feeling, zeigt aber den Facettenreichtum der Band. Ein beeindruckendes Beispiel für einfach gutes Songwriting. Eine akustisch gehaltene Pause vom Griffbrettgewitter bietet das dezente, aber nicht weniger die Gehörgänge streichelnde „After All“ bevor das orientalisch, monumentale „Sands of Time“, welches eigentlich auf einem zweiten Coverdale/Page Album zu Ehren kommen sollte, zum krönenden Abschluss avanciert. Erwähnenswert auch die nicht zu unterschätzende Keyboardarbeit von Luppi, er ist nie vordergründig, sorgt aber für einen satten vollen Sound und bereitet das Spielfeld für die beiden Sechssaiter.

Man merkt der Band zu jedem Zeitpunkt des Albums an, dass sie zurecht mehr als zufriedenen ist, mit dem geschriebenen und darzubietenden Material. Whitesnake nehmen das Beste aus allen Jahrzehnten ihrer Karriere und dieses Gemenge klingt beeindruckend frisch und zeitgemäß.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Good To See You Again
02. Gonna Be Alright
03. Shut up & Kiss Me
04. Hey You ( You Make Me Rock)
05. Always & Forever
06. When I Think Of You ( Color Me Blue)
07. Trouble is Your Middle Name
08. Flesh & Blood
09. Well I Never
10. Heart Of Stone
11. Get Up
12. After All
13. Sands Of Time

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Rüdiger König