BAD ENGLISH – Bad English (Re-Release)

Band: Bad English
Album: Bad English (Re-Release
Spielzeit: /
Stilrichtung: Melodic Rock, Hardrock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: 14.06.2017
Homepage: www.rockcandyrecords.com

Bei der heutigen Flut an Supergroups verliert man schon mal gerne aus den Augen, dass es einmal eine Zeit gegeben hat, als solche Bands tatsächlich ein Grund zur Freude und zum Jubeln waren. Ja, es gab mal eine Zeit, da wurden solche Bands nicht nur von Plattenfirmen im Kniffelbecher wöchentlich neu zusammengewürfelt um den monatlichen Auswurf an Plastik-Produktionen am Laufen zu halten (sowie einer Handvoll unter Vertrag stehender Songschreiber das Einkommen zu sichern). Nein, Bands wie Cream oder Damn Yankees hatten tatsächlich einen künstlerischen Anspruch und qualitative Substanz. Ich weiß, das ist heute, wo auf jedem 2ten Album einschlägiger Labels der Sticker „Supergroup“ draufpappt, nur noch schwer vorstellbar. Aber, so war das damals. Auch die aus ehemaligen Musikern von Journey und The Babys bestehende Band BAD ENGLISH lieferte, (zumindest mit Ihrem Debüt) einen bärenstarken Brocken Melodic Rock ab, der dem geneigten Fan auch heute noch Freudentränen in die Augen treiben kann. An der Gitarre Neal Schon, die Tasten bediente Jonathan Cain und das Mikro in den Händen von John Waite – da schnalzt der Eingeweihte bereits mit der Zunge. Und die hohen Erwartungen wurden erfüllt, denn neben dem Hit „When I see you smile“ hatte die Platte mit den grandiosen Breitwand-Rockern „Forget Me Not“ oder „Price of Love“ noch weitere Hochkaräter in der Hinterhand. Schon konnte (auch dank „schlag“kräftiger Unterstützung von Powerbolzen Deen Castronovo) bei BAD ENGLISH seine Affinität zu härteren Klängen mit einbringen (was er nach dem leider nur kurzen Gefecht bei BAD ENGLISH, dann noch bei Hardline und später bei den neu formierten Journey auch unterbringen konnte). Cain hatte bereits bei Journey für das Quäntchen Zuckerguss gesorgt, der Alben wie „Escape“ zu Multi Millionen-Sellern machten. Und John Waite hat(te) nun mal eine Stimme, wie es sie nur einmal gibt. Dass der Gute sich in dem glitzernden Melodic Rock Genre nicht ganz so wohl fühlte hört man der Platte nicht an. Im Gegenteil, Waite singt wie ein junger Gott und veredelt die Songs aufs Vortrefflichste.

Leider war bei BAD ENGLISH schon nach dieser einen, grandiosen Platte die Luft raus. Zwar gab es 2 Jahre später mit „Backlash“ noch ein weiteres Album (in gleicher Besetzung) zu hören, der Lack war aber ab und Cain sowie Schon fügten sich wieder in die Reihen Ihrer alten Stammformation ein. Das mit ursprünglich mit 13 Tracks schon üppig bestückte Album wurde in der vorliegenden Neufassung nochmals um 2 Bonustracks (leider keine neuen Songs, sondern lediglich Remixe) erweitert, was den Mehrwert der CD nochmals steigert. Das Remastering ist ebenfalls gelungen und die informativen Linernotes laden wie immer zum Schmökern und Abtauchen in die guten alten Zeiten ein. Ein rundherum gelungenes und essentielles Paket also für den Melodic Rock Fan.

WERTUNG:

Trackliste:

01. Best of What I Got
02. Heaven Is a 4 Letter Word
03. Possession
04. Forget Me Not
05. When I See You Smile
06. Tough Times Don’t Last
07. Ghost in Your Heart
08. Price of Love
09. Ready When You Are
10. Lay Down
11. The Restless Ones
12. Rockin‘ Horse
13. Don’t Walk Away
14. Price of Love (Remix)
15. Forget Me Not (Remix)

Mario

ALANNAH MYLES – Alannah Myles (Re-Release)

Band: Alannah Myles
Album: Alannah Myles (Re-Release)
Spielzeit: 43:18 min
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: 14.06.2017
Homepage: www.rockcandyrecords.com

Manche Künstler schaffen es sich mit einem einzigen Smash-Hit auf Jahrzehnte ins Bewusstsein der Musikkonsumenten einzubrennen. Einem Hit, so groß, dass er auch noch lange nachdem der Künstler sich aufs Altenteil zurückgezogen hat regelmäßig im Radio gespielt wird und einfach „dazu gehört“. „Everything About You“ (Ugly Kid Joe) ist ein solcher Song, „More Than Words“ (Extreme) ebenfalls und auch „Black Velvet“, dieser mit einer bluesigen Akustikgitarre eingeleitete Slow-Rocker, der durch die eindringliche Stimme von ALANNAH MYLES auch heute nichts von seiner Eindringlichkeit verloren hat. Das Gleiche kann man eigentlich auch über die andere Songs auf dem Debüt der energischen Kanadierin sagen, das nun vom Rock Candy Records Label (inkl. neuem Mastering und einem schicken Booklet) neu aufgelegt wurde. Irgendwo zwischen damals angesagtem Hardrock, dezenten Blues Anleihen und heute wieder erstarktem Melodic Rock hatte ALANNAH MYLES sich mit Ihren Starrkopf, ihrem wilden Auftreten und natürlich Ihrer, mit hohem Wiedererkennungswert ausgestatteten, Stimme eine Nische erkämpft. Und die wollte sie mit Ihrem ersten Album auch gleich ganz in Beschlag nehmen. Ich kenne Leute, die heute noch von der Live-Show der Sängerin im Zuge Ihrer ersten Tournee zu diesem Album, (mit Nostalgie in den Augen) schwärmen. Und diese ungezügelte Energie konnte damals, trotz doch arg klinisch reiner Produktion eingefangen werden. Der Mix machte es wohl, denn während der Bass und Drums mitunter verdächtig nach Computer klingen, sorgten die effektiv eingesetzten Gitarrenlicks und – riffs sowie der Gesang für die nötige Bodenhaftung. So präsentieren sich auch heute noch Songs wie das leicht funkige „Love Is“, der flotte Rocker „Just One Kiss” oder die Ballade „ Lover of Mine” als nur minimal gealtert und immer noch auf der Höhe der Zeit.

Nein, ein veritable Klassiker ist das Debüt von ALANNAH MYLES nicht, aber auch beileibe keine mit Lückenfüllern aufgeblähtes Vehikel für den One-Hit-Wonder „Black Velvet“. Die Scheibe (der 1992 mit „Rockinghorse“ noch ein nicht minder starkes 2. Album folgte) sollte auch für Fans von straighten Hardrock-Klängen interessant sein, denn überzeugender und authentischer als Frau MYLES bringen nur ganz wenige Sängerinnen den Dreck und Rotz im Rock rüber. Und das ist schon Grund genug sich diese Platte nochmals zu Gemüte zu führen.

WERTUNG:

Trackliste:

01. Still Got This Thing
02. Love Is
03. Black Velvet
04. Rock This Joint
05. Lover of Mine
06. Kick Start My Heart
07. If You Want To
08. Just One Kiss
09. Who Loves You
10. Hurry Make Love

Mario

RIVERDOGS – California

Band: Riverdogs
Album: California
Spielzeit: /
Stilrichtung: (Hard) Rock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 07.07.2017
Homepage: /

Die Riverdogs sind zurück, und alleine diese Nachricht dürfte so manchem Fan von gepflegtem US-Rock die (nostalgiebedingten) Freudentränen in die Augen treiben. Das Debüt der Jungs genießt auch heute noch hohe Wertschätzung unter Fans des Genres und so wurde das neue Album der Truppe, in deren Reihen sich auch (wieder) der ehemalige Dio und Whitesnake (sowie heutige Def Leppard) Gitarrist Vivian Campbell wiederfindet, mit Spannung erwartet.

Während Campbell immer als so etwas wie der berühmte Lockvogel der Band genutzt wurde, lag von jeher das Hauptaugenmerk auf Sänger Rob Lamothe, der mit seiner eindrucksvollem Stimme die ersten beiden Platten der Band veredelte. An dieser Konstellation hat sich auch heute nichts geändert. Auf der nun vorliegenden 3. Scheibe der RIVERDOGS dreht sich eigentlich alles um die immer noch tolle Stimme des Frontmanns, der den Songs eine Intimität und Autorität verleiht, die man bei vielen andere Bands leider vergeblich sucht. Flankiert wird das Geschehen von einer (nennen wir es mal wohl wollend) „unauffällig“ aufspielenden Rhythmusgruppe und natürlich Campbell an der Gitarre, der einige gute Soli abliefert, ansonsten aber seltsam blass bleibt und dessen Beiträge sich im Laufe des Albums als wenig einfallsreich, oft klischeebeladen und redundant erweisen. Was (a) schade ist und (b) umso mehr den Blick auf das Songmaterial lenkt. Und hier sind der Albumtitel (und das passende Artwork) dann mal tatsächlich Programm: so gut wie alle Songs sind im langsamen bis Mid-Tempo gehalten, hart gerockt wird so gut wie nie, die Songs verbreiten lässiges US Feeling und leben in erster Linie von Lamothe´s  immer noch starkem Gesang: Tracks wie das (leicht) rockige, gute Laune versprühende „American Dream„, der lässige Ohrwurm „Something Inside“ oder der gekonnt intonierte Blueser „The Heart Is A Mindless Bird“ sind kompetent komponiert und routiniert gespielt. Vom Hocker hauen kann die Scheibe einen aber beim besten Willen nicht und bleibt hinter den (über die Jahre gewachsenen) Erwartungen deutlich zurück.

„California“ ist ein gutes, unspektakuläres Rockalbum geworden, daran gibt es nichts auszusetzen. Nach solch einer langen Wartezeit hatte ich mir aber ehrlich gesagt ein wenig mehr erhofft, als nur ein routiniertes, mitunter relativ tiefenentspanntes Album einer Band, die im Herbst Ihrer Karriere nochmal ein wenig die Bretter der Bühnen schnuppern will. Solide, aber leider nicht mehr.

WERTUNG:

Trackliste:

01. American Dream
02. The Revolution Starts Tonight
03. Something Inside
04. Golden Glow
05. You’re Too Rock And Roll
06. The Heart Is A Mindless Bird
07. Searching For A Signal
08. Welcome To The New Disaster
09. Ten Thousand Reasons
10. Catalina11. I Don’t Know Anything

Mario

SOUL SECRET – Babel

Band: Soul Secret
Album: Babel
Spielzeit: 67:53 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 28.07.2017
Homepage: www.soulsecret.net

Ich war lange nicht mehr so angenehm überrascht über die Entwicklung einer Prog-Metal Band wie im vorliegenden Fall der Italiener SOUL SECRET. Bewegten sich die Jungs auf dem Vorgänger „4“ noch hauptsächlich auf den (sicheren) Pfaden von etablierten Acts wie z.B. den omnipräsenten Dream Theater, so versucht die Band auf dem neuen Album „Babel“ einen stilistischen Befreiungsschlag, der grösstenteils ganz hervorragend gelingt. Zum ersten mal in der Bandgeschichte ist es dabei gelungen ein Album einzuspielen, dass dieselbe Mannschaft wie der Vorgänger aufweist. Und dieses neugewonnene „Wir“-Gefühl schlägt sich natürlich auch im Songwriting durch.

„Babel“ ist ein Konzeptalbum über, kurz gesagt, ein Projekt zur Suche nach Gott im weiten Weltraum … also, tief stapeln ist definitiv etwas anderes. Das bedeutet im Klartext erstmal, dass viel mit eingestreuten Sprechparts gearbeitet wird. Was auf dem Papier mal schnell aufstöhnen lässt, ist dann in der Praxis aber ziemlich clever umgesetzt. Die Songs fliessen gut ineinander, nichts wirkt störend oder erzwungen. Man merkt, dass SOUL SECRET sich einige Gedanken gemacht haben – nicht nur um das Thema selbst, sondern auch um die Umsetzung im Rahmen einer Platte. Noch wichtiger als Rahmenhandlung und Konzept sind allerdings die Songs selbst. Und hier gibt es fast nur Positives zu berichten: Die Band setzt auf eine angenehme Entschleunigung, lässt der Geschichte Raum und Zeit sich zu entfalten und verpackt das Ganze in entsprechend dynamisch aufbauende Songs. Die schon beim Vorgänger beobachteten Parallelen zu den Briten Haken scheinen auch auf „Babel“ weiterhin durch, vor allem im Gesang und den Arrangements sind sich beide Bands ähnlich. Aber SOUL SECRET haben genug eigene Stärken um sich zu profilieren. Schön sind z.B. die immer wieder eingestreuten Fusion-Schlenker (vor allem in den Gitarren-Soli), die der Erwartungshaltung einen netten Strich durch die Rechnung machen und Akzente setzen können. Anspieltipps sind das wundervolle, federleichte „What we’re all about“, der an die leider mittlerweile aufgelösten Amoral erinnernde Track „Awakened by the light“ mit seinen weit aufgefächerten Melodien sowie die beiden Longtracks „Entering the City of Gods“ und „In the Hardest of Times“ – wobei vor allem Letzterer alle Facetten eines zünftigen Prog-Epos mit sich bringt und von feinen akustischen Tönen, über jazzig verspielte Licks bis hin zu harten Frickelriffs alles gekonnt in sich vereint.

Was die Produktion und die handwerkliche Darbietung der Scheibe angeht bleibt zu vermelden, dass sich seit „4“ nichts zum Negativen Verändert hat. Jeder Musiker beherrscht sein Instrument blind und soundtechnisch hat man die Neugewonnen Leichtigkeit und Transparenz, die das Songmaterial liefert, perfekt eingefangen. Die Akustikgitarren haben Raum zum atmen, wenn es mal kerniger zur Sache geht, wird man zu keinem Moment von einer Soundwand überfahren und die Balance der Instrumente und der Stimme von Sänger ist wunderbar.

Trotz des Mangels an wirklichen „Hits“, also Songs die sich aufgrund eines Ohrwurms gleich im Gehörgang festsetzen, ist SOUL SECRET mit „Babel“ ein bärenstarkes Album gelungen, dass ich den Jungs nach dem bisherigen, auf Nummer sicher gehenden, Output nicht zugetraut hatte. Mut zahlt sich aus, so dass Fans von anspruchsvollem, fordernden melodischem Prog-Metal auf jeden Fall ein Ohr riskieren sollten.

WERTUNG:

Trackliste:

01. Prologue
02. What we’re all about
03. A Shadow on the surface
04. Will they?
05. LogOS
06. Awakened by the light
07. Entering the City of Gods
08. The cuckoo’s nest
09. Newton’s Law
10. In the Hardest of Times

Mario

NEXT TO NONE – Phases

Band: Next to None
Album: Phases
Spielzeit: 78:46 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: InsideOut Records
Veröffentlichung: 07.07.2017
Homepage: www.nexttonone.net

Was macht eine Band, deren Debüt zwar recht wohlwollend aufgenommen, aber nicht wirklich mit Begeisterung empfangen wurde? Jepp, eine der ersten Entscheidungen ist natürlich den Produzenten zu wechseln, schliesslich muss beim Fussball ja auch erst einmal der Trainer gehen … Im Falle der US Amerikaner NEXT TO NONE, rund um den Mike Portnoy Sohn Max am Schlagzeug, wollte die Band dann auch gleichzeitig den Vorwurf aus dem Werg räumen, dass die erste Scheibe, die vom Daddy produziert wurde, nur aufgrund des Promi-Bonus die Chance auf eine Veröffentlichung bekam. So weit, so nachvollziehbar. Ob es eine kluge Entscheidung war, die Produktion der 2. Scheibe, nicht an einen anderen Externen abzugeben, sondern gleich das Ganze selbst in die Hand zu nehmen darf im Fall der noch sehr jungen Band bezweifelt werden …

Durch Neuzugang Derrick Schneider an der Gitarre hat das neue Material eine deutlich härtere Ecke hinzugewonnen. Dies konnte man bereits bei den Konzerten konstatieren, die die Jungs im Vorprogramm der jüngst abgeschlossenen Tour mit den formidablen Haken absolviert haben. In einem solchen Live Kontext konnte die Band auch weitestgehend aufgrund der offensichtlichen Spielfreude überzeugen. Auf Platte kommen NEXT TO NONE leider immer noch ein wenig holprig daher: In „Answer Me“ knüppelt der junge Portnoy, ganz wie sein Papa, auf Deibel komm raus über DT typische Piano Passagen, Klargesang wechselt sich mit Metalcore Gegrunze ab. Das alles hat man schon vielfach (besser) gehört. Zumal das alles nicht immer ganz flüssig wirkt. Aber, anders herum, das ist Gemecker auf hohem Niveau: die Konkurrenz, gegen die NEXT TO NONE heutzutage ins Rennen gehen, ist nunmal technisch so versiert, dass es beinahe ausgeschlossen ist da noch Ausrufezeichen zu setzen. Und das kann man eigentlich nur noch durch einen extrem eigenständigen Sound (siehe z.B. Leprous) oder eben herausragendes Songwriting. In beiden Bereichen müssen die Jungs noch arbeiten. Das heisst aber nicht, dass es auf „Phases“ keine starken Momente zu bestaunen gibt: „The Apple„ (die erste Single des Albums), „Mr. Mime“ und „Denial“ fahren einige gute Melodien, gesunde Härte und schräge Einfälle auf und das abschließende, beinahe 20 minütige „The Wanderer” ist ein mutiger Versuch ein Prog Epos zu schreiben (was teilweise sogar gelingt). Leider bleibt aber selbst nach mehrmaliger Einfuhr des (zudem viel zu langen) Werks, nicht wirklich viel im Gedächtnis hängen.

Auch mit “Phases” können NEXT TO NONE noch nicht richtig überzeugen. Immer noch hapert es am Songwriting, unausgegorenen Arrangements und streckenweise schwachem Gesang. Beim nächsten Versuch sollte die Band vielleicht unvoreingenommene Hilfe von aussen zulassen. Die Basis ist jedenfalls definitiv vorhanden, auch wenn der grosse Wurf noch auf sich warten lässt.

WERTUNG: 

 


Trackliste:

01. 13
02. Answer Me
03. The Apple
04. Beg
05. Alone
06. Kek
07. Clarity
08. Pause
09. Mr. Mime
10. Isolation
11. Denial
12. The Wanderer

Mario

ABSTRACTION – Nightmare

Band: Abstraction
Album: Nightmare (EP)
Spielzeit: 23:50 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: (Eigenveröffentlichung)
Veröffentlichung: 26.06.2017
Homepage: www.abstractionband.com

2014 hatte ich an das Debüt der bulgarischen Prog Formation ABSTRACTION besprochen (und zwar hier), nun liegt uns als Lebenszeichen der Jungs die neue 3 Track EP „ Nightmare“ vor. Näheres zur Band kann man meinem eben angesprochenen Review entnehmen, zum neuen Release gibt es jedenfalls keine personellen Änderungen von Seiten der Band zu vermelden. Gehen wir also mal davon aus, dass ABSTRACTION noch in derselben Formation wie vor 3 Jahren unterwegs sind.

Nennen wir das Kind gleich beim Namen, dann haben wir das aus den Füßen: ja, an dem was ich zum Vorgänger gesagt habe muss nicht viel geändert werden. Auch heute klingen bei ABSTRACTION vor allem DREAM THEATER durch – der Titeltrack spricht da Bände. Das macht die Sache in der Flut von ähnlichen Einflüssen getriebenen, handwerklich starken Bands aus der Szene natürlich nicht leichter. Der wirklich einzige Weg sich da Gehör zu verschaffen und eine eigene solide Fanbasis aufzubauen geht über das Songwriting. Es wird immer eine andere Band geben die noch frickeliger ist, die noch schneller spielt und bei der der Sänger noch durchgeknallter und/oder höher singt. Leider vernachlässigen die meisten Bands grade dieses Thema sträflich und beackern Felder, auf denen eh nix mehr wächst. ABSTRACTION treten zum Glück nicht in diesen Fettnapf, tun sich auf der anderen Seite aber auch ein wenig schwer Hooklines der Marke "Wow" im Gedächtnis zu platzieren. Dennoch kann das mit einer leicht an frühe Therapy? Hits erinnernden Strophe nach vorne rockende „Steam Machine” sowie das mit schönen Clean Gitarren im Stile von Fates Warning oder Queensryche aufgepeppte “Sand In The Hand” überzeugen. Es sind vor allem die immer wieder gut platzierten Satzgesänge, die die Band ein wenig herausheben und für Aha-Erlebnisse sorgen. Im Großen und Ganzen mangelt es wie bereits gesagt etwas an Ohrwurm-Melodien (die solch eine Musik unweigerlich braucht um im Gedächtnis zu bleiben). Appetit auf ein komplettes neues Album der Band macht die EP aber allemal.

Aus den bekannten klassischen Zutaten versuchen ABSTRACTION etwas Eigenes zu schaffen und ziehen sich dabei achtbar aus der Affäre. Charmant ist die Eigenproduktion, die auf der einen Seite nicht billig, auf der andern Seite aber immer noch modern genug und fast schon ein wenig retro klingt. Nimmt man dann noch den eigenständigen Gesang des Fronters hinzu (der sich seit dem Debüt eindeutig verbessert und mit seiner leicht gepressten Stimme Wiedererkennungswert hat), dann sollten für Prog Fans der alten Schule genug Argumente für ein Probehören vorhanden sein. An der Hooklines sollten die Jungs aber noch feilen.

WERTUNG: 

 


Trackliste:

01. Steam Machine
02. Nightmare
03. Sand In The Hand

Mario

LILLIAN AXE – Lillian Axe / Love + War (Re-Releases)

Band: Lillian Axe
Album: Lillian Axe / Love + War (Re-Releases)
Spielzeit: /
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: /
Homepage: www.lillianaxe.com

Die US Amerikaner LILLIAN AXE haben mit Ihrem eigenständigen (Melodic) Metal / Hard Rock schon immer zwischen allen Stühlen gesessen. Warum sie es, trotz starker Songs, handwerklichem Können und einem ansprechenden Drum Herum nie wirklich geschafft haben eine internationale Karriere zu starten, kann der geneigte Hörer anhand der nun vorliegenden Neuveröffentlichungen Ihrer ersten beiden Alben vielleicht selber nachprüfen. Denn den Hairmetal Fans war das Ganze wohl nicht poppig/kitschig genug, den harten Jungs nicht dreckig genug und überhaupt hat man bei der Truppe ständig das Gefühl, dass sie sich nicht wirklich viel um Erwartungshaltungen und Genrekonventionen scher(t)en …

Lillian Axe (1988)

Das Debüt der Truppe um den Mastermind Steve Blaze (Gitarre) wurde immerhin von keinem geringeren als dem Ratt Gitarristen Robbin Crosby produziert. Und obschon dies Crosby´s erste Platte als Produzent war und er in diesen Dingen noch reichlich grün hinter den Ohren war, hat er mit dem selbstbetitelten Erstling von LILLIAN AXE eine mehr als ordentliche Arbeit abgeliefert. Immerhin hatte er einem gewissen Beau Hill beim Aufnehmen der eigenen Ratt Glanzleistungen auf die Finger schauen können, und, gemessen am Klang von „Lillian Axe“, hatte Crosby seine Hausaufgaben gemacht. Ob es an der Heimat von LILLIAN AXE in New Orleans lag, der speziellen Vision von Blaze für seine Musik oder was auch immer der Grund gewesen sein mag – die Songs, die allesamt aus der Feder von Steve Blaze stammten, waren durch die Bank weg hochklassig und ungewöhnlich zugleich. Ob das durch ein Intro eingeleitete „Dream of a Lifetime“, der bärenstarke Track und Bandklassiker „Vision in the Night“ oder das rockige „Misery Loves Company“ – richtige Lückenfüller sucht man vergeblich. Leider fehlte ein echter, massenkompatibler Hit. Und so wurden LILLIAN AXE von ihrer Plattenfirma schnell auf Seite geschoben (wohl auch weil man keinen richtigen Zugriff auf das Songmaterial hatte und nicht wusste wie die Band zu vermarkten war) um das Glück mit dem nächsten Album zu versuchen. Es ist eine Schande, dass ein solch gutes Album, das zudem zur richtigen Zeit und am richtigen Ort (Los Angeles) auf die Szene losgelassen wurde, nicht mehr Beachtung erhielt.

Love + War (1989)

Das sollte mit dem nur ein Jahr später nachgeschobenen Album „Love + War“ nachgeholt werden. Dass Management und Label noch optimistisch waren, zeigt sich an der Auswahl des Produzenten: Veteran Tony Platt hatte zu diesem Zeitpunkt immerhin bereits an AC/DC´s „Back in Black“ und „4“ von Foreigner mitgewerkelt. Der Engländer wusste also was (zumindest soundtechnisch) zu tun war, und so klingt „Love + War“ erkennbar erwachsener. Auffallend zudem die Tatsache, dass die Band sich noch mehr als schon auf Ihrem streckenweise nicht um Experimente verlegenen Erstling, Mühe gab „anders“ zu klingen. Der Opener und absolute Ohrwurm „All's Fair in Love and War“ geht gleich zu Beginn mit knapp 6 Minuten über die Ziellinie und die Band ist sich nicht zu schade so richtig cheesy zu klingen, wenn der Song es denn verlangt („She Likes It on Top“). Auf „Love + War“ gelang den Jungs ein ziemlich einmaliger Mix aus ruhigen Tracks und Rockern und in beiden Metiers konnte man überzeugen. Dass LILLIAN AXE dabei nie seicht oder wirklich kommerziell klangen, war unter anderem dem sowohl eigenwilligen wie auch gewieften Songwriting von Steve Blaze geschuldet. Mit dem Song "My Number" von der britischen Combo Girl sollte womöglich noch ein Hit erzwungen werden. Aber auch Album Nummero 2, das zumindest heute, nach all den Jahren, einen regelrechten Kultstatus unter Genrefans erreicht hat, wurde das Schicksal des Vorgängers zuteil und ging ohne viel Erfolg unter.

Hard Rock Freunden, die bisher noch nicht das Vergnügen hatten sich mit dieser hervorragenden Band auseinander zu setzen, seien diese beiden Rock Candy Records Neuveröffentlichungen ans Herz gelegt. Vor allem „Love + War“ ist ein unterschätzter Klassiker, dessen Hymnen auch heute noch ganz vortrefflich funktionieren. Das Remastering beider Scheiben ist gut, Bonustracks gibt es leider keine. Aber die Fotos und Linernotes (mit Interviews) sind wie immer eine echte Bereicherung.

WERTUNG:

Lillian Axe

 

 

Love + War

 

 

Trackliste:

Lillian Axe

01. Dream of a Lifetime
02. Inside Out
03. Vision in the Night
04. Picture Perfect
05. The More That You Get
06. Misery Loves Company
07. Nobody Knows
08. Hard Luck
09. Waiting in the Dark
10. Laughing in Your Face

Love + War

01. All's Fair in Love and War
02. She Likes It on Top
03. Diana
04. Down on You
05. The World Stopped Turning
06. Ghost of Winter
07. My Number
08. Show a Little Love
09. Fool's Paradise
10. Letters in the Rain

Mario

 

 WARRANT – Dirty Rotten Filthy Stinking Rich / Cherry Pie (Re-Releases)

Band: Warrant
Album: Dirty Rotten Filthy Stinking Rich / Cherry Pie (Re-Releases)
Spielzeit: /
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: /
Homepage: www.warrantrocks.com

Es wäre ja ein Leichtes, das Oeuvre der Amerikaner WARRANT zu belächeln – zumindest aufgrund der vor Klischees triefenden Videos, mitunter reichlich kitschigen Texte und dem bälgerhaften Gebaren der Jungs rund um den leider viel zu früh verstorbenen Sänger Jani Lane. Allerdings lenkte dieses ganze (aufgesetzte) Brimborium dann letzten Endes auch davon ab, dass die Band ein Ausnahmetalent am Mikrofon hatte, der im Alleingang sämtliche Songs schrieb und auch vor kritischen Texten und musikalischen Experimenten nicht zurückschreckte. Und dieses grundlegende Un-, bzw. Missverständnis, dass Lane gegenüber von allen Seiten entgegen gebracht wurde, war wohl auch einer der Gründe für die tiefsitzende Frustration des talentierten Fronters und Mitantrieb seiner letztendlos tödlich endenden Alkoholsucht.

Bis zu diesem bitteren Ende war es aber ein weiter Weg. Ein Weg, den die Band mit 2 absoluten Megasellern ebnete, welche auch heute noch einen sehr guten Ruf genießen und daher einen würdigen Re-Release von Rock Candy Records spendiert bekommen haben:

Dirty Rotten Filthy Stinking Rich (1989)

Das von Star Produzent Beau Hill (u.a. Ratt und Winger) produzierte Debüt des Quintetts macht auch heute noch eine gute Figur, nicht zuletzt dank der Smash-Hits „Down Boys“, „Sometimes She Cries“ und natürlich allen voran „Heaven“. Dabei sind WARRANT immer näher an den poppigen Klängen von Kollegen wie Poison und ziemlich weit weg vom aggressiven Sound einer Band wie Mötley Crüe oder Guns N Roses. Die Jungs gingen mit absoluter Naivität an die Sache ran, was nicht nur ihrem jungen Alter, sondern auch dem relativen Unvermögen (vor allem der beiden Gitarristen) geschuldet war. Das hört man dank der guten Produktion und der hier und da tatkräftigen Unterstützung von Studiomusikern, aber nur wenig heraus. „Dirty Rotten Filthy Stinking Rich“ ist ein freches, charmantes und herrlich lautes Stück Musik, dass die vergangenen 80er vortrefflich wider aufleben lässt.

Cherry Pie (1990)

Während die Erfolgswelle noch über die völlig unerfahrenen Bandmitglieder herüber schwappte und diese unzählige Monate an den Tourbus und die Bühnen quer durch die Welt fesselte, begann die Band an den Songs für den Nachfolger zu arbeiten. Und dabei sind einige der besten Tracks der Bandgeschichte (und des Genres) herausgekommen: das von einer leicht schrägen Akustikgitarre eingeleitete „Uncle Tom's Cabin“ rockte härter und düsterer als man es von WARRANT bisher gewohnt war, das melancholische „I Saw Red“ schlug ebenfalls recht ungewohnte Töne (auch in den persönlichen Texten) an. In erster Linie lieferte die Band aber natürlich wieder Party Hymnen für die Ewigkeit wie „Love in Stereo“ und der unkaputtbare Titeltrack, der auch heute noch unweigerlich als Erstes in den Sinn kommt, wenn man von WARRANT spricht. Dieser Song, in letzter Minute auf Druck der Plattenfirma noch schnell eingetütet, steht in einer Reihe mit Hardrock Stampf-Hymnen wie Def Leppards „Pour some sugar on me“, Slaughters „Up all Night“ oder „I live Rock & Roll“ von Joan Jett.

Ob einem der etwas basischere, dreckigere Erstling oder der aalglatt polierte Nachfolger besser gefällt ist Geschmacksache – die beiden ersten Scheiben der Band um Sänger Jani Lane gehören in jede gut sortierte Hardrock Sammlung und sind so etwas wie essentielle Klassiker des Genres. Wer hier also noch etwas nachzuholen hat, der kann das mit den beiden vorliegenden exquisiten Neuauflagen aus dem Hause Rock Candy Records nun in hochwertiger Form nachholen. (Immer noch) geile Scheiben.

WERTUNG:

Dirty Rotten Filthy Stinking Rich :

 


Cherry Pie:

 


Trackliste:

Dirty Rotten Filthy Stinking Rich (1989)

01. 32 Pennies
02. Down Boys
03. Big Talk
04. Sometimes She Cries
05. So Damn Pretty (Should Be Against the Law)
06. D.R.F.S.R.
07. In the Sticks
08. Heaven
09. Ridin' High
10. Cold Sweat

Cherry Pie (1990)

01. Cherry Pie
02. Uncle Tom's Cabin
03. I Saw Red
04. Bed of Roses
05. Sure Feels Good to Me
06. Love in Stereo
07. Blind Faith
08. Song and Dance Man
09. You're the Only Hell Your Mama Ever Raised
10. Mr. Rainmaker
11. Train, Train
12. Ode to Tipper Gore

Mario

 

707 – 707 / The Second Album / Mega Force (Re-Releases)

Band: 707
Album: 707 / The Second Album / Mega Force (Re-Releases)
Spielzeit: /
Stilrichtung: Melodic Rock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: /
Homepage: www.rockcandyrecords.com

Mit der Band “707” aus Michigan (USA) hat das Rock Candy Records Label mal wieder eine interessante, weitestgehend vergessene Perle des typisch amerikanischen AOR ausgegraben, die es wert ist (wieder) entdeckt zu werden. Gegründet im Jahre 1977 von Phil Bryant (Bass, Gesang), Jim McClarty (Drums), Duke McFadden (Keyboards, Gesang) und Kevin Russell (Gitarren, Gesang) legten die Jungs von Anfang an starken Wert auf den unter 3 Musikern aufgeteilten Gesang sowie einer gekonnten Balance aus einer eher flockiger AOR-Basis und vereinzelten rockigeren Tönen. Wie immer bei Rock Candy Records sind die nun vorliegenden Neuauflagen vorbildlich remastert und mit informativen Linernotes ausgestattet.

„707“ (1980)

Das Debüt der Truppe, erschienen auf dem damals ziemlich angesagten Casablanca Label (die u.a. Kiss unter Vertrag hatten), steht und fällt mit dem Opener "I Could Be Good for You" aus der Feder von Keyboarder McFadden und Schlagzeuger McClarty. Der Song entwickelte sich, ohne dass Band oder das Label davon Wind bekamen, zu einem veritablen Radio-Hit. Nicht zu Unrecht, denn der Song ragte meterhoch über den restlichen Tracks der Scheibe heraus. Ein absoluter Homerun, dessen Momentum weder Band noch Management so richtig zu fassen wussten und somit die Chance auf einen großen Durchbruch verpassten. Das Problem ist natürlich auch, dass die Scheibe mit besagtem Song bärenstark anfängt, das damit gegebene Versprechen aber dann im Fortlauf kein einziges mal einhalten kann. Das restliche Material kann da einfach nicht mithalten, was noch dadurch erschwert wird, dass gleich 3 verschiedenen Sänger ein kohärentes Soundbild verhindern. Songs wie das launige „You Who Needs To Know“ oder „Let Me Live My Live“ vermögen allerdings durchaus auch heute noch Laune zu machen.

„ The Second Album“ (1981)

Nach den ernüchternden Erfahrungen mit dem (trotz Hits) untergegangenen Debüt, wurde der Band mit Jai Winding (u.a. Le Roux) ein neuer Produzent an die Seite gestellt. Mit dem kamen die Jungs aber nicht wirklich klar, so dass die Arbeit an dem Nachfolger unter keinem allzu guten Stern standen. Im Endergebnis leidet „The Second Album“ unter dem Abgang von Keyboarder und Songschreiber Duke McFadden, einer gewachsenen Erwachtungshaltung von Seiten der Labelbosse, Unschlüssigkeit bei den Musikern wo die Reise denn hingehen sollte sowie einer Produktion die sich nicht entscheiden kann ob man den (hard)rockigen Tendenzen in der Band mehr Freiraum lassen oder aber den gepflegten AOR Sound der frühen Tage weiterverfolgen soll. So tönen Sogs wie „Millionaire“ oder „Strings Around My Heart“ wie mit angezogener Handbremse, bis dann in „Live With The Girl“ endlich der Knoten ein wenig platzt, die Band Ihre Trademarks unterbringen kann und ein paar Treffer landet. Alles in allem ist „The Second Album“ aber nur okayer Durchschnitt ohne wirkliche Highlights oder zwingenden Hits.

„ Mega Force“ (1982)

Nach 2 Alben für das Casablanca Label wechselten 707 zu Boardwalk Records und wurden dort prompt vor die Wahl gestellt entweder einen festen Frontmann/Sänger zu engagieren oder aber die Karriereambitionen zu begraben. Der Band blieb nichts anderes übrig als den zwar durchaus talentierten aber auch nicht zur Gänze als Bandmitglied akzeptierten Kevin Chalfant in Ihre Reihen aufzunehmen. In dieser Konstellation wurde mit „Mega Force“ das härteste und, im Rückblick, stärkste Album der Band eingespielt. Die Parallelen zu Journey sind dank Chalfant nicht von der Hand zu weisen, auch wenn 707 weniger R&B Elemente verarbeiteten. Ähnlich wie beim Erstling wird die Platte vom größten (und einzigen Hit) der Scheibe eröffnet (der Titeltrack war für den gleichnamigen Film aus dem gleichen Jahr verfasst worden). Neben diesem Kracher sind mit „Get To You“ und „Can't Hold Back“ noch weitere Songs enthalten, die das Album auch heute noch zu einer hörenswerten Angelegenheit machen. Aber, wie so oft, aus dem großen Erfolg wurde dann doch nichts und die Band löste sich nach einigen Touren im Vorprogramm von Schwergewichten wie Scorpions, Rainbow oder REO Speedwagon entmutigt auf.

Muss man die Diskographie von 707 im Schrank stehen haben? Nein, wohl eher nicht. Essentiell ist keine der Scheiben, Spaß machen aber vor allem das gute 3. Album der Band sowie des schön naive Debüt. Fans von nicht allzu herb zupackendem AOR/Rock sollten aber auf jeden Fall mal ein Ohr riskieren. Wer auf diese Musik steht ist mit den neuen, wertigen Auflagen aus dem Haus Rock Candy Records natürlich wie gewohnt bestens bedient.

WERTUNG:

„707“ 

 


„ The Second Album“

 


„ Mega Force“

 


Trackliste:

„707“

01. I Could Be Good For You
02. Let Me Live My Live
03. One Way Highway
04. Save Me
05. You Who Needs To Know
06. Slow Down
07. Feel This Way
08. Waste Of Time
09. Whole Lot Better

„ The Second Album“

01. Tonite's Your Nite
02. Millionaire
03. Live With The Girl
04. Strings Around My Heart
05. Pressure Rise
06. Rockin' Is Easy
07. City Life
08. Live Without Her
09. Love On The Run
10. The Party's Over

„ Mega Force“

01. Mega Force
02. Can't Hold Back
03. Get To You
04. Out Of The Dark
05. Hell Or High Water
06. We Will Last
07. Hello Girl
08. Write Again
09. No Better Feeling
10. Heartbeat
11. Eagle One (Bonus Track)
12. Mega Stomp (Bonus Track)
13. Mega Force (Alt Version)
14. Eagle One (Instrumental)
15. The Float (Bonus Track)
16. Mega Force (Live)

Mario

 

THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA – Amber Galactic

Band: The Night Flight Orchestra
Album: Amber Galactic
Spielzeit: 50:35 min
Stilrichtung: AOR / Melodic Rock
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 19.05.2017
Homepage: www.de-de.facebook.com/thenightflightorchestraofficial

“Internal Affairs” (2012) und „Skyline Whispers“ (2015) waren wunderbare Perlen in der Diskographie der ansonsten eher im Hartwurstsektor beschäftigten Björn "Speed" Strid (Soilwork), David Andersson (ebenfalls Soilwork) oder Sharlee D'Angelo (Arch Enemy). Ohne Zwänge oder Konzessionen lebten vor allem Sänger Strid sowie sein Bruder im Geiste, Gitarrist Andersson, Ihre Faible für den klassischen Rock und Disco/Pop der späten 70er/frühen 80er Jahre ungehindert aus. Dass dabei äußerst unterhaltsame Alben entstanden, ist nicht lange ein Geheimtipp geblieben, vor allem weil sich hier zur Abwechslung mal die Kritik und das Publikum einig waren und die Platten allerorts abfeierten. Wie es scheint waren die beiden Platten aber nur Fingerübungen für den neuesten Streich der Jungs, was bereits nach den ersten Tracks von „Amber Galactic“ deutlich wird. Die puren Classic Rock Reminiszenzen sind weitestgehend aus dem Sound des NIGHT FLIGHT ORCHESTRA verschwunden (was bei der Schwämme an Retro Bands die irgendwie alle gleich klingen kein großer Verlust ist). Dafür wurde der Fokus mit Präzision auf eingängige, tanzbare und mit hohem Suchtpotential versehene Hooklines gelegt. Die Hitdichte auf „Amber Galactic” ist eine Wucht und auch wenn die ein oder andere Strophe etwas beliebig erscheinen mag, so kann man sich doch sicher sein, dass der Refrain das Ganze wieder hell erstrahlen lässt.

Die Anspieltipps sind hier recht schnell abgefrühstückt, denn eigentlich ist so gut wie jeder Song ein Volltreffer. Besonders erwähnen sollte man aber auf jeden Fall das locker entspannte Melodie-Feuerwerk „Jennie“, den flotten Westcoast Kracher „Josephine“, die höllisch groovenden „Domino“ und „Gemini“ sowie den von einem himmlischen Refrain veredelten Rocker „Space Whisperer“. So sehr sich die einzelnen Tracks auch voneinander unterscheiden, als Ganzes funktionieren sie hervorragend und machen „Amber Galactic“, auf dem mit "Sad State of Affairs" wirklich nur ein schwächerer Track vertreten ist, zu einem absoluten Sahnestück im Melodic Rock Sektor.

Sonnenbrille auf, Cabrio aus der Garage (Fenster runter tut’s auch) und an der (imaginären) Küste dem Sonnenuntergang und der nächsten ausgelassenen 80er Party entgegen fahren – die perfekte Filmmusik zu diesem Tagtraum könnt ihr Euch mit „Amber Galactic“ in die Anlage schieben. Was die Jungs um Soilwork Brüllwürfel Björn "Speed" Strid auf ihren beiden ersten beiden (ebenfalls formidablen) Alben schon angedeutet haben, erblüht nun zu voller Reife. Hier wird nicht alter Kaffee lauwarm neu aufgewärmt, sondern die Qualität der Kompositionen lässt so manches Vorbild im direkten Vergleich ganz schön blass dastehen. Die Songs sind tatsächlich SO gut. Wer auch nur ansatzweise etwas mit AOR, Melodic Rock oder Westcoast Musik anfangen kann, sollte hier unbedingt zugreifen. Ihr werdet es nicht bereuen. Für mich schon jetzt DAS Highlight des Jahres 2017.

WERTUNG

 


Trackliste:

01. Midnight Flyer
02. Star Of Rio
03. Gemini
04. Sad State Of Affairs
05. Jennie
06. Domino
07. Josephine
08. Space Whisperer
09. Something Mysterious
10. Saturn In Velvet

Mario