ODD DIMENSION – The Last Embrace To Humanity

Band: Odd Dimension
Album: The Last Embrace To Humanity
Spielzeit: 52:03 min
Plattenfirma: Scarlet Records
Veröffentlichung: 26.03.2013
Homepage: www.odddimension.it

Mamma Mia, wenn es ein Sänger schafft mir nach nur einem einzigen gesungenen Satz ein Schweppes-Gesicht zu zaubern, dann steht die Freundschaft auf wackligen Füssen.

Die Italiener ODD DIMENSION machen, wie viele ihrer rockenden Landsleute, Progressive Metal. Die großen Vorbilder heißen, auch dies scheint landestypisch zu sein, Dream Theater. Leider ist das Debüt Album der Band („Symmetrical“ aus dem Jahr 2011) an mir vorüber gegangen, so dass ich nicht sagen kann ob das große Kritikerlob (laut Promo Text) gerechtfertigt war. Zurück zum aktuellen Release „The Last Embrace To Humanity“:

Ein Intro mit mystischen Keyboardsounds stimmt den Opener „The Unknown King“ ein, majestätische Gitarren übernehmen und werden von wuchtigen Drums flankiert, ein hypnotischer Groove wiegt den Hörer in Sicherheit … und dann springt er aus dem Dickicht, der hysterische Waldschrat. Sänger Manuel Candiotto schafft es tatsächlich einen einzigen Satz sowohl zu singen als auch zu schreien (und sich dabei noch einen Knoten in die Zunge zu zwirbeln). Hinzu kommt der Drang jede Linie (gerne auch mehrere Wörter eines Satzes) mit einem Vibrato zu beenden und fertig ist Nervfaktor 10. Die Texte (denen angeblich ein Konzept über die „Entfremdung der Menscheit“ zugrunde liegt) erschließen sich dank der über weite Strecken ziemlich unverständlichen Aussprache auch nach mehrmaligem Versuch nicht zur Gänze.

Während „Under My Creed“ und „Dissolving Into The Void“ typischen, bodenständigen Prog-Metal ohne Überraschungen bieten, schafft „It’s So Late“ dann endlich die Wende, denke ich mir, denn das Intro und die Strophe klingen vielversprechend. Das liegt möglichweise daran, dass hier Michele Luppi (u.a. Vision Divine und Secret Sphere) am Mikro aushilft und seine angenehme Stimme dem entspannten Song etwas Eleganz verleiht. Aber auch dieser Frieden währt nur kurz, denn ODD DIMENSION haben es sich nicht nehmen lassen meinen persönlichen Anwärter auf den „miesester Refrain des Jahres 2013“-Pokal einzubauen. Wie kann man einen wirklich brauchbaren Track nur dermaßen zerbröseln? Ich versteh’s nicht. Die restlichen Songs leiden allesamt an nur durchschnittlichem Songwriting und unausgegorenen Arrangements. Das mag dem Genre-Fan zuweilen gefallen und Alleskäufer mit Sammeltick können hier gerne zuschlagen, aber mir ist das zu wenig Substanz.

Das klingt jetzt alles ziemlich hart, aber was soll ich sagen? In dem unüberschaubaren Wust an ähnlichen Veröffentlichungen muss man schon etwas liefern um herauszustechen. Und damit meine ich nicht flinke Finger, vertrackte Rhythmen und fetten Sound (das bietet mittlerweile jede zweite Garagenband), sondern einfach gute Songs. Der Rest ist nettes Beiwerk. Beherrschen die Jungs Ihre Instrumente? Auf jeden Fall. Können sie gute, eigenständige Songs schreiben? Nö, meiner Meinung nach nicht die Bohne. Immer wieder werden richtig gute Ansätze im Keim erstickt. Die Band pappt völlig sinnfrei ein Riff an das nächste. Und weil 2 verschiedene Teile für sich genommen gut klingen, heißt das noch lange nicht, dass sie es auch hintereinander gespielt tun. Sobald der Gesang eine Auszeit nimmt, werden typische 08/15 Dream Theater Riffs aneinander geklatscht und ohne Fingerspitzengefühle durchexerziert („Fortune And Pain“). Das ist zwar alles ordentlich gespielt und klingt auch dank modernem Sound ansprechend, aber im Großen und Ganzen reicht das mir persönlich vorne und hinten nicht, denn die zwingenden Hooks fehlen einfach.

Ob’s daran liegt, dass ich in letzter Zeit einige bessere Italo-Progger zu besprechen hatte (Schyzma, Karnya) … ? Mit „The Last Embrace To Humanity“ bin ich jedenfalls leider nicht warm geworden. Das sollte aber den interessierten Fan nicht davon abhalten sich ein eigenes Bild zu machen und mal in bandtypische Tracks wie „Far From Desire“ oder „Under My Creed“ reinzuhören.

WERTUNG: 

Trackliste:

01. The Unknown King
02. Under My Creed
03. Dissolving Into The Void
04. It’s So Late
05. Another Time
06. Fortune And Pain
07. The New Line Of Times
08. Far From Desire

Mario

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