LAMB OF GOD – Lamb Of God

Band: Lamb of God
Album: Lamb Of God
Spielzeit: 44:50 min
Stilrichtung: Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 19.06.2020
Homepage: www.lamb-of-god.com

Wie kann es sich eine Band in der heutigen Zeit erlauben, sich einfach mal 5 Jahre Zeit für ein Album zu lassen? Geht das? Darf man das?
Ja,das geht und LAMB OF GOD dürfen und können das. Die PANTERA-Nachlassverwalter haben in ihrer 5-jährige Albumpause die Thrash-Götter SLAYER auf der Abschiedstour begleitet und mit dem selbstbetitelten „Lamb Of God“ wieder ein richtig geiles Teil rausgehauen. „Lamb Of God“ beinhaltet alles, was LAMB OF GOD ausmachen. Der Name ist absolut Programm und haut einem alles um die Ohren, was je das Label LAMB OF GOD getragen hat. Keine Experimente, keine Schnörkel, keine Mainstreamattitüden um Radiotauglich zu sein und ganz einfach, keine Kompromisse!
Schon der hymnische Opener „Memento Mori“, welcher verhalten beginnt und mit den ersten Takten schon für wohlige Gänsehaut sorgt um dann unvermittelt das Blutbad einzuleiten, zeigen, wofür das Album steht. Und LAMB OF GOD wären nicht LAMB OF GOD, wenn es das schon gewesen wäre. Die Singleauskopplung „Checkmate“ donnert nicht nur musikalisch rein, auch die Lyrics nehmen an Schärfe zu und weisen mit einem mehr als deutlichen Seitenhieb auf die politischen Missstände in den USA hin („Make america hate again and bleed the sheep to sleep“).
Und auch im weiteren Verlauf des Albums wird nicht gekleckert, sondern derbe geklotzt. „Gears“, „Reality Bath“ (welcher die Amokläufe thematisiert) oder auch „New Colossal Hate“, dessen brachial gebrüllte Aussage einem im Ohr bleibt, sind die besten Zeugen dafür.
Auch die Gäste sind wohlfeil ausgesucht. In „Poison Dream“ hat sich Sänger Randy Blythe Unterstützung von HATEBREEDs Jamey Jasta geholt, während sich bei „Routes“ Chuck Billy von TESTAMENT tummelt. Die beiden hauen dabei mal locker flockig den schnellsten und absolut thrashigsten Song auf „Lamb Of God“ raus.
Mit „Bloodshot Eyes“ zeigen LAMB OF GOD mal wieder ihre Wandelbarkeit, der Song variiert zwischen Hardrock, Metal und cleanen Einlagen. Eher eine seltene Seite der Band, aber auch hier wieder sehr, sehr gut umgesetzt. Der neue Drummer Art Cruz kann sich hier zudem von seiner besten Seite zeigen.
Mit „On the hook“ wird die amtliche Abrissbirne nochmal hervorgeholt um das mittlerweile achte Studioalbum mehr als würdig enden zu lassen.
Man kann von der fehlenden Experimentierfreue halten, was man will, aber LAMB OF GOD sind einfach eine Größe, so wie sie sind. Was die Jungs seit ihrer Gründung 1990 – damals noch als BURN THE PRIEST – musikalisch für den Metal geleistet haben, ist eine Klasse für sich. Nicht umsonst nennt das Magazin Loudwire die erst seit 2000 als LAMB OF GOD auftretende Band eine der 50 wichtigsten Metalbands des 21. Jahrhunderts. Die in Richmond, Virginia als Studentencombo aus der Taufe gehobene Band, hat sich in den letzten Jahren, ja sogar schon Jahrzehnte nicht beirren lassen und dem Metal, insbesondere dem Metalcore, Thrash und Death durch ihre einzigartige Mischung einen Stempel der besonderen Art aufgedrückt.
Das wird auch auf dem aktuellen Dreher „Lamb Of God“ mehr als deutlich Wie anders sollte ein selbstbetiteltes Album auch klingen, wenn nicht nach den echten LAMB OF GOD.

Fazit: Schwächen… kaum bis keine. Natürlich kann man immer irgendwo noch an der Performance schrauben oder ein Riff noch ekstatischer spielen, aber bis auf kleine Aussetzer oder besser gesagt, etwas im Vergleich zu den zahlreichen Highlights auf dem Album abfallenden Songs gibt es kaum etwas zu bemängeln. Wo LAMB OF GOD draufsteht, ist auch LAMB OF GOD drin. Und das neueste Werk des Richmond 5ers ist so viel LAMB OF GOD, dass es auch keinen anderen Titel verdient hätte. Die Fans werden es lieben und das tue ich auch.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Memento Mori
02. Checkmate
03. Gears
04. Reality Bath
05. New Colossal Hate
06. Resurrection Man
07. Poison Dream
08. Routes
09. Bloodshot Eyes
10. On The Hook

Tänski

Um die brachiale Schönheit des Albums verstehen zu können, klickt hier mal rein:

WICKED DISCIPLE – Rules In Debris

Band: Wicked Disciple
Album: Rules In Debris
Spielzeit: 57:02 min (inkl. Bonustracks)
Stilrichtung: Modern Progressive Thrash Heavy Metal (oder so)
Plattenfirma: Eigenveröffentlichung
Veröffentlichung: 07.07.2020
Homepage: www.facebook.com/wicked.disciple.de

Prolog: Was man WICKED DISCIPLE direkt zu Anfang erstmal lassen muss, ist, dass sie echt sympathische Leidenschaft an den Tag legen, ihren Promotext als überwältigtes Dankeschön für den bisherigen Support formuliert haben und engagiert undergroundig persönlich ihr Material promoten. Falls das Album scheiße sein sollte, gibt’s dafür auf jeden Fall schonmal ’nen Bonuspunkt.
Hauptteil: Aber gibt’s nicht, denn WICKED DISCIPLE haben mit “Rules In Debris” so eine dieser Untergrundperlen geschaffen, die man halt nur dann findet, wenn sie sich einem über die Talentschmiede vorstellen. Das zweite Album der Truppe aus Bottrop ist eine stark produzierte Mischung aus Heavy, Thrash, Modern, Progressive und Power Metal, dazu noch eine Prise Groove Metal, Hard Rock und Power Metal, die in ihrer Unfähigkeit, sich für ein Genre zu entscheiden, fast schon lächerlich professionell harmonisch ausfällt. Es gibt keinen, wirklich keinen Track, bei dem der Stilmix nicht funktionieren würde (wobei natürlich nicht jedes Subgenre in jedem Song vertreten ist). Arbeit mit unterschiedlichen Taktarten fällt praktisch nicht auf, ist aber vorhanden (was meiner Meinung nach von guter Umsetzung zeugt), die Vocals pendeln zwischen cleanen, sehr reinen Vocals und Shouts und sonstigem unklaren Gesang. Die Gitarren sind bei heftig asozialen Lines genau so überzeugend wie bei ruhigen Akustik-Parts, der Rest der Instrumente fügt sich diesem Wahnsinn und adaptiert ihn.
Und als wäre das nicht genug, kann (ebenfalls ausnahmslos) jeder Track mit besonderem Charakter, kleinen intelligenten und stimmig eingesetzten Akzenten punkten (exemplarisch hier einfach mal der Frauenchor in “When I Die”, das ansonsten verhältnismäßig aggressiv straight und im Chorus ordentlich fett ausfällt; geile Chorus-Melodien ham die Jungs eh drauf). Wenn man sich zwischendurch eine kleine Atempause wünscht, kommt verlässlich ein eher balladiger Track daher, angereichert mit Streicher-Keyboards, der mit Sicherheit nicht kitschig ausfallen wird, oder ein Instrumental oder ein Power-Metal-Track zum Ende.
Titelgebende in Trümmern liegende Regeln sind auf diesem Album in Trümmern liegend, weil sich schlicht nicht an sie gehalten wird. Wenn es geil ist, lass es umsetzten – das scheint das Motto dieses Albums zu sein, das moderne Metal-Töne ebenso wie Thrash mit grandioser Intensität und durchaus auch Emotionen umzusetzen weiß.
Nein, ich wurde nicht von WICKED DISCIPLE bestochen, auch wenn das unglaubwürdig anmuten mag, weil ich außer dem etwas peinlichen deutschen Part auf “Through Cellphone Plane” keine nennenswerte Kritik habe. Bitte vertraut mir.

Fazit:
Und so ist “Rules In Debris” nicht nur ein saustarkes Album dafür, dass es erste das zweite Album einer kleinen Undergroundband ist – es ist ganz einfach ein saustarkes Album. Von vorne bis hinten (auch die Bonustracks) ist das Ding einfach nur hörenswert: roh, durchdacht, unverbraucht, aggressiv, emotional, knüppelnd, balladig, progressiv, fett, dissonant asozial, konsonant schön, gut produziert, top intoniert. Das Geld, das man momentan nicht in Konzerte investieren kann, sollte man zumindest teilweise durch einen Albumkauf in das Fortbestehen von WICKED DISCIPLE investieren.

Anspieltipps:
“Salvation Or Decline”, “Tumbleweed Lullabies”, “When I Die”, “Rollercoaster To Hell” und “…And Jaundiced The King Was Slained”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. …And Jaundiced The King Was Slained
02. Salvation Or Decline
03. Through Cellphone Pane (Pessimist)
04. Bite On My Tongue
05. Tumbleweed Lullabies
06. Rollercoaster Into Hell
07. All Love Steel
08. Never Surrender
09. When I Die (2020)
10. Neither Astronaut Nor Viking
11. Blind Parrot’s Opinion (2020, Bonus Track)
12. Tumbleweed Acoustic Lullabies (Bonus Track)
13. Theia Collides With Planet Earth (Bonus Track)
14. Waiting For Redemption (Bonus Track)

Jannis

VOLTURIAN – Crimson

Band: Volturian
Album: Crimson
Spielzeit: 36:53 min
Stilrichtung: Modern Metal
Plattenfirma: Scarlet Records
Veröffentlichung: 24.04.2020
Homepage: www.facebook.com/volturian

VOLTURIAN ist eine neue Band die von Sängerin Federica Lanna (SLEEPING ROMANCE) und Federico Mondelli (FROZEN CROWN) ins Leben gerufen wurde und den Geist der 90iger Modern Metalbands gewürzt mit Gothic, Pop und Symphonic Elementen lebt.
Fans von NIGTHWISH, LACUNA COIL oder auch AMARANTHE sollten nun genauer lesen, denn da nicht viel mehr Infos über die Band bekannt sind geht es direkt mit dem Openerintro „Crimson Dust“ in die Tiefen der Debütscheibe.
Mit dem ersten richtigen Track „New Life“ beginnt das Album dann so richtig. Hier hört man dann direkt den Pop geschwängerten Modern Metal der der Truppe allerdings sehr gut zu Gesicht steht.
Sängern Federica hat ein angenehmes Organ und auch der männliche Gegenpart mit den Growls ist gut dosiert eingesetzt.
Ein starker Beginn der auf jeden Fall Lust auf mehr macht.
Auch das anschließende „Haunting Symphony“ sowie „Broken“ können sich absolut hören lassen und begeistern auf Anhieb.
Der Mittelteil wird dann vom Synthie und Groove dominierten „The Killing Joke“ eingeleitet bevor dann mit „In A Heartbeat“ der nächste Hit auf uns wartet.
Über das ordentliche „Between the Sleepers“ geht es in den letzten Abschnitt der insgesamt doch recht kurzen Platte.
Hier kann auf jeden Fall noch „Forevermore“ überzeugen bevor es mit „Fading Like A Flower“ eine Huldigung in Richtung ROXETTE gibt die zwar ganz ordentlich gemacht ist, ich aber nicht gebraucht hätte. Dafür hätte ich lieber noch einen eigenen Track gehabt, wo die Spielzeit doch eh schon so kurz ist!

Anspieltipps:

„New Life“, „Hauntin Symphony“, „Broken“, „In A Heartbeat“ und „Forevermore“

Fazit:

Beinahe hätte ich das Debütalbum von VOLTURIAN vom Rezitisch fallen lassen, gut das ich dann doch noch die Zeit dafür gefunden habe!
Mit einem sehr ordentlichen Debüt spricht die Band definitiv die Zielgruppe der AMARANTHE Anhänger an und bieten größtenteils starke Songs.
An der Spielzeit muss man aber definitiv noch arbeiten beim nächsten Mal!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Crimson Dust
02. New Life
03. Haunting Symphony
04. Broken
05. The Killing Joke
06. In a Heartbeat
07. Between the Sleepers
08. Days before you Died
09. Forevermore
10. Fading Like a Flower

Video zu „Broken“:

Julian

TRIVIUM – What The Dead Men Say

Band: Trivium
Album: What The Dead Men Say
Spielzeit: 46:27 min
Stilrichtung: Modern Metal, Metalcore
Plattenfirma: Roadrunner Records
Veröffentlichung: 24.04.2020
Homepage: www.trivium.org

Die Erwartungen an TRIVIUM nach dem großartigen „The Sin And The Sentence“ sind enorm hoch und fordernd. Durch den Einstieg von Alex Bent an den Drums hat die Band um Sänger Matt Heafy eine wunderbare und inspirierende Frischezellenkur erfahren. Jetzt wird „What The Dead Men Say“ zeigen, ob sich die neuen Impulse halten und sogar weiterentwickeln konnten.

Schon das Intro „IX“, welches die akustische Spannung aufbaut um dann unversehens in den Titeltrack „What The Dead Man Say“ übergeht, weiß zu überzeugen. „What The Dead Man Say“ haut mächtig aufs Gaspedal und Matt Heafys Stimme ist das i-Tüpfelchen dabei. Schon ein mächtig starkes Teil, dem das abgerundete „Catastrophist“ folgt. Der Song kann mit einem extrem knackigen Mittelteil aufwarten. Abgelöst wird er durch „Amongs The Shadows & The Stone“. Hier wird einem gleich von Anfang an die Thrashkeule um die Ohren gehauen, Verschnaufpausen sind hier nicht vorgesehen. Kantig, aggressiv, bellend. Perfekt inszeniert mit geilen Riffs, die auch schon beim Vorgänger zu überzeugen wussten. Überhaupt haben TRIVIUM viel Energie aus „The Sin and The Sentence“ mitgebracht. Befürchtungen, der Vorgänger könnte bloß ein laues Lüftchen gewesen sein, bestätigen sich bei „What The Dead Men Say“ absolut nicht. Einzig mehr Mut für Experimente oder neue Stile einfließen zu lassen, fehlt für meine Begriffe noch etwas. Mit „Bleed Into Me“ zeigen TRIVIUM ja wunderbar, dass es geht. Der Song schlägt eine andere Richtung als zuvor ein. Grooviger mit einem Hauch Alternative und einem grungigem Refrain. Freudig unerwartet, aber irgendwie schunkelig, melodisch und mitreißend. Hier wird auch die neue Reife in Matt Heafys deutlich hörbar, die sich jetzt noch besser mit Cory Beaulieus Growls verbindet.

Deutlich härter und thrashiger wird es dann im hinteren Teil der Platte. „The Defiant“, „Sickness Unto You“ oder auch das MACHINE HEADige „Bending The Arc To Fear” klotzen Schwermetallmäßig rein und können kompositorisch mehr als überzeugen. Mit „The Ones We Leave Behind“ holen TRIVIUM am Ende nochmal den Vorschlaghammer raus und hauen zum Abschluss alles komplett kurz und klein. Ein megapackender Abschluss für ein absolut überzeugendes 9. Studioalbum. Überzeugend auch vor allem durch die neu entdeckte und hier noch weiter ausgelebte Liebe zum Riffing, die Spielfreude und nicht zuletzt das perfekte Zusammenspiel zwischen Sänger Matt Heafy, Gitarrist und Growler Cory Beaulieu, Basser Paolo Gregoletto und nicht zuletzt Drummer und Frischmacher Alex Bent. TRIVIUM werden den Anforderungen gerecht, aber durch „The Sin And The Sentence“ haben die Jungs aus Orlando einen Geist gerufen, den sie jetzt auch nicht mehr loswerden. Viel wird sich damit messen müssen, aber der neueste Dreher kann sehr gut mithalten. Denn, was der Florida-Vierer hier in 10 Songs und knapp 47 Minuten abliefert, ist fast perfekt.

Fazit: Mit „What The Dead Men Say” bleiben TRIVIUM weiter auf der Erfolgsspur und auch der frische Wind durch die Neubesetzung an den Drums ist noch nicht verweht. Das Album bleibt kaum hinter den viel zu hoch geschraubten Erwartungen zurück, es sind nur kleine hinnehmbare Wackler in einem sonst sehr gut durchdachten und dabei trotzdem so mitreißenden Album. Die Band vereint auf ihrem 9. Studioalbum alles, was TRIVIUM ausmacht und das ist in der mittlerweile über 20-jährigen Bandgeschichte eine ganze Menge. Hart und zugleich melodisch, aufregend, vielseitig, kompositorisch stimmig und dazu die die unglaublich spürbare Spielfreude. TRIVIUM haben sich gefunden und ich hoffe, es bleibt noch eine ganze lange Weile so.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. IX
02. What The Dead Men Say
03. Catastrophist
04. Amongs The Shadow & The Stone
05. Bleed Into Me
06. The Defiant
07. Sickness UntoYou
08. Scattering The Ashes
09. Bending The Arc To Fear
10. The Ones We Leave Behind

Tänski

Kleine Kostprobe gefällig? Dann hört euch den Titeltrack „What The Dead Men Say“ an:

 

NIGHTGLOW – Rage Of A Bleedin‘ Society

Band: Nightglow
Album: Rage Of A Bleedin‘ Society
Spielzeit: 56:12 min
Stilrichtung: Modern Metal vielleicht
Plattenfirma: Logic Il Logic Records
Veröffentlichung: 25.10.2019
Homepage: www.facebook.com/nightglow

Es gibt so Alben, die bekommt man zum Rezensieren, dann hört man kurz mal in die ersten Tracks rein, um ein ungefähres Bild davon zu bekommen, was einen so erwartet, und dann hat man eigentlich schon gar keinen Bock mehr auf die Rezension. So ging mir das mit NIGHTGLOW. Das dritte Album der Italiener ist das erste, das mir von ihnen in die Hände kam, klingt recht roh in die Fresse produziert, mit einer Mischung aus klaren, oftmals verfremdeten und unklaren Vocals, mal im Wechsel und mal übereinander.
Sind NIGHTGLOW offiziell Heavy Metal, so sind sie doch eigentlich die modernere Art, die auch DISTURBED, ROB ZOMBIE und 5FDP (hat nach Thüringen noch eine andere Bedeutung) spielen, nur eben in etwas unpolierter und mehr nach Underground klingend. Und dazu in streckenweise relativ seltsam unkonventionell, aber auf eine smarte gewollte Weise, was mir, der ich mit besagten Bands eigentlich wenig anfangen kann, das Album um einiges versüßt hat.
Das beginnt bereits bei “Circus Of The Damned”, dessen Mix aus höchst asozial röhrenden Gitarren, einem obskuren Einbau von Horror-Zirkus-Elementen in der Strophe und gemeinen, die Chorusmelodie begleitenden Gitarren doch ziemlich Spaß macht. Fuck@looza beginnt schwer ROB-ZOMBIE-beeinflusst, knallt im Refrain ungleich heftiger und offenbart plötzlich seine echt schöne melodische Seite. Unvorhersehbares Ding, ziemlicher Hit auch.
Trocken und knackig erfreut “On Your Own” anschließend mit Telefon-Dialogpartnerin im Prechorus (coole Idee und gut umgesetzt) und “Overlord” überzeugt nicht nur durch sein edeles Midtempo-Riff sondern auch durch seinen Charakter als einmal durch den Aggrowolf gedrehter harmonischer Power-Metal-Track.
“Alive” packt den Humpa-Thrash-Beat aus, “Gone” ist eine Ballade aus cleanen Gitarren, Gesang und ein paar Streichern (aber halt ganz ganz anders als man sich das anhand dieser Beschreibung vorstellt), “The Last One” mutet DISTURBEDig an, mit einem Synth im Hintergrund, das so tut, als solle es episch wirken, und einer plötzlich reinkommenden Gesangsline auf einer Frequenz (?!), die man nicht erwartet. Und auch der Bonustrack “Daenerys” lohnt im Kontext des Albums mit seinem vergleichsweise melodiösen Refrain und dem seltsamen gesprochenen Prechorus, das finale “Erzsébet”, dessen Ende fast sentimental ausfällt, ebenso.

Fazit:
Nee, eigentlich ist das nicht so meine Musik. Aber unabhängig dessen ist “Rage Of A Bleedin‘ Society” eine Platte, die aggressiv wie melodisch, böse wie humorvoll, angepisst wie klug ist. Und mit Sicherheit keine, die einmal gehört irgendwo in den Tiefen meines Musikordners verrotten wird.

Anspieltipps:
“Fuck@looza”, “Gone”, “Daenerys” und “Erzsébet”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Thy Flesh Consumed
02. X
03. Circus Of The Damned
04. Fuck@looza
05. On Your Own
06. Overlord
07. Alive
08. Gone
09. Mofo Social Club
10. The Last One
11. Feed My Demon
12. Daenerys (Bonus Track)
13. Erzsébet

Jannis

STORMHAMMER – Seven Seals

Band: Stormhammer
Album: Seven Seals
Spielzeit: 51:58 min
Stilrichtung: Modern Power Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 24.05.2019
Homepage: www.stormhammer.de

Um das gleich von Anfang an klarzustellen: “Seven Seals” ist ein gutes Album als das, was es ist. Als Rezensent versuche ich, Kritik möglichst unabhängig von meinem eigenen Geschmack zu äußern (was in der Umsetzung natürlich ein Ding der Unmöglichkeit ist) beziehungsweise zu differenzieren zwischen meinem persönlichen subjektiven Geschmack und der musikalischen Qualität des gebotenen Contents, die von ersterem losgelöst ausschlaggebend für die letztendliche Bewertung sein sollte. Beim neuen STORMHAMMER-Album fällt mir das etwas schwer. Daher auch der gewählte Fokus, der sich von dem anderer Rezensionen des Albums etwas unterscheidet (Ergänzende Review-Recherche zur Meinungsbildung wird empfohlen). Nun, Ihr wisst Bescheid.
STORMHAMMER. Seit kurzem sieben Alben draußen, deutsche Power-Metal-Band, hat auf ihrem letzten Album bewiesen, dass sie Power Metal und Härte einwandfrei zu kombinieren weiß und mit Matthias Kupka nun einen neuen Sänger, der auf “Seven Seals” minimal kraftloser und weniger roh klingt als sein Vorgänger, nichtsdestotrotz aber einen starken Job macht, insbesondere in höheren Sphären und gegrowlten Parts. Unter einem ordentlichen Niveau wird man halt auch nicht Sänger von STORMHAMMER.
Dann der Knackpunkt, der Fans der älteren Releases tangieren dürfte: Laut Promosheet “präsentieren sich STORMHAMMER in Sachen Sound und Songwriting viel moderner als zuvor! Nach dem Einstieg des aktuellen Sängers Matthias Kupka war klar, dass es zu Veränderungen beim Konzept, Sound und Image der Band kommen muss.” Im Klartext bedeutet das: Die unklar gesungenen Parts sind reinste Growls, die in ausnahmslos jedem Lied (auch in der Ballade) zum Einsatz kommen, und ein hörbarer Modern-Metal- und Metalcore-Faktor haben Einzug in den Stil der Band gehalten. Das amtlich produzierte Resultat klingt innerhalb der Songs auch harmonisch, wenn man akzeptiert, dass nun eben nicht mehr nur nach power-metallischen Regeln gespielt wird. Die Breaks kommen da, wo man sie sich wünschen würde, ruhige melodische und brutal-knüppelige Abschnitte werden kompetent zusammengefügt.
(Jetzt der Part, bei dem die Objektivität raus bleibt) Aber ehrlich: Die Modernisierung wirkt in meinen Ohren gezwungen, als müsse man mit der Zeit gehen und in jedes Lied zwanghaft entsprechende Parts packen, ohne registriert zu haben, dass gerade Metalcore weder der aktuellste Trend noch unbedingt notwendig für ein aggressives Power-Metal-Album mit uncleanen Vocals ist, ebenso wenig wie gelutschtere Modern-Metal-Parts mit einer zugegebenermaßen dem Stil äußerst angemessenen Drumarbeit. Und nennt mich konservativen Metaller ohne Bereitschaft für Innovation, aber Modern Metal und Metalcore in dieser Form sind für den klassischen Power Metal, der “Seven Seals” über weite Teile immer noch ist, ungefähr das, was Horst Seehofers Account für Twitter ist: Man hätte sich diese Aktualisierung genau genommen sparen können, denn zeitgemäß handeln allein ist eben kein Garant für die Richtigkeit der Sache. STORMHAMMER haben ein Händchen dafür, Power Metal mit Härte zu spielen, aber die Art der Härte auf “Seven Seals” ist mir persönlich – in dieses Grundgenre integriert – unangenehm und wirkt deplatziert, ganz im Gegensatz zu böseren Passagen auf Vorgängeralben.
So, hätten wir das geklärt. Erwähnt werden muss natürlich auch, dass die (überwiegenden) Power-Metal-Parts stark ausfallen (Die Rezension wird zu lang, also sei einfach hier mal exemplarisch der Titeltrack mit seinem höchst unterhaltsamen Gitarrenmotiv, das gekonnt und bereichernd auch während des Refrains auftaucht, genannt) und mich auch der Modern-Metal-Faktor zeitweise gut entertaint. Genossen hab ich es schon über weitere Teile und kompositorisch ist die Platte dem gewählten Genremix absolut angemessen. Der Rest ist eben Geschmackssache.

Anspieltipps

Fazit:
Wie gesagt, “Seven Seals” ist ein gutes Album, das aus gut geschriebenen Parts besteht, daran gibt es nichts zu rütteln. Nur ist Fortschritt um des Fortschritts Willen nicht immer die beste Option. Wer allerdings daran interessiert ist, wie Power Metal mit dieser Art von Frischzellenkur klingt und den beschriebenen Elementen in starkem Power Metal etwas abgewinnen kann, der ist mit “Seven Seals” bestens bedient. Nicht mein Geschmack auf hohem Niveau.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Sleepwalker
02. Prevail
03. Under The Spell
04. Taken By The Devil
05. Seven Seals
06. Your Nemesis
07. Keep Me Safe
08. One More Way
09. Downfall
10. Deal With The Dead
11. Old Coals

Jannis

HOPELEZZ geben Ihre Auflösung bekannt

Wie die Band soeben via Facebook verkündet, haben sich HOPELEZZ aus Zeitmangel aufgelöst. Tour, Konzerte, Alben unter einen Hut zu bringen, wenn man die Musik als Hobby betreibt, war dann doch letzendlich zuviel für die Jungs – sowohl zeilich als auch aus Kostengründen. Sehr schade, gehörte die Combo doch zu den talentierteren deutschen Bands des Genres.

Wir wünschen Euch alles gute, Jungs. Und vielen Dank für Eure

https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=2090470614381626&id=109779442450763

Review des letzten Albums:

https://www.rock-garage.com/hopelezz-stories-of-a-war-long-forgotten/

LANCE KING – ReProgram

Band: Lance King
Album: ReProgram
Spielzeit: 59:53 min
Stilrichtung: Modern Progressive Power Metal
Plattenfirma: Nightmare Records
Veröffentlichung: 29.03.2019
Homepage: lancekingvox.com

Dass es sich lohnt, neben den äußeren Eigenschaften eines Albums auch auf das Innere zu schauen und nicht vorschnell zu urteilen, das hat sich in den letzten Wochen bereits bei SKELETOON gezeigt, hinter deren seltsamem “Nerd Metal”-Label sich Power Metal der herrlichsten Sorte verbirgt. Mit LANCE KING ist das ähnlich. Der Mann heißt LANCE KING, seine Band heißt LANCE KING, auf dem Cover ist DREIMAL (!) LANCE KING zu sehen und auf “Reprogram” verbindet LANCE KING nach eigenen Angaben Progressive Metal mit philosophischen Texten, was ihn dazu veranlasst hat, seiner Musik direkt noch ’ne eigene Genrebezeichnung, “Celestial Metal” zu verpassen, und man fragt sich, ob da nicht jemand ein bisschen egozentrisch und sehr selbstherrlich unterwegs in den Fußstapfen von DEVIN TOWNSEND ist. Zur Klärung: LANCE KING hat offensichtlich ein ordentliches Ego, er kann es sich aber auch leisten. “ReProgram” ist professionellster moderner Progressive Power Metal von einem Typen mit tüchtig Ahnung, die er sich unter anderem bei PYRAMAZE erarbeitet hat.
Zuerst zur Produktion und Band/Gesangsleistung: Junge Junge. Die Stimme von Lance macht’s absolut, bezüglich der Restband kann ich keinerlei Kritik finden und die Produktion knallt ja mal sowas von hart, dass einem selbst balladigere Parts noch mit einer Todeswucht um die Ohren fliegen. Die Platte ist ein einziger Hörgenuss und selbst wenn sie kompositorisch der letzte Rotz wäre hätte man allein dank der Produktion noch einen Heidenspaß an ihr. Tatsächlich ist sie allerdings auch kompositorisch stark ausgefallen. Lance verfolgt einen Stil, der weniger auf ganz originell ausgearbeitete Melodien aus ist, sondern seine Faszination aus einem Zusammenspiel von gut eingestreuten progressiven Elementen und hervorragenden Synthesizern unter nicht ganz spektakulären aber smart geschriebenen Melodien zieht. Ruhige Parts und mieses Gedresche geben sich auf seinen Songs die Hand, dementsprechend gibt es auch keine komplette Ballade, sondern nur einige balladeske Parts, die als willkommene Abwechslung zum schnelleren und härteren Material dienen. Und auch wenn man melodisch nicht ganz die Qualität von Progressive-Metal-Überfliegern wie HAKEN erreicht, sind Ohrwurm-Lines und interessante Passagen in Masse vorhanden, allen voran im Hit “Pointing Fingers”. Der Verdacht, man sei mit seinem spirituell-philosophischen Progressive-Kram groß DEVIN-influenced, bestätigt sich auch nicht. Zwar ist davon auszugehen, dass Lance beim Refrain von “Technology” gerne Anneke van Giersbergen am Start gehabt hätte, aber allgemein ist der Spirit von “ReProgram” viel Modern-Melodic-Metal-lastiger und obendrein nahezu kitschfrei. Den einen Punkt muss ich lediglich abziehen, weil einige Songs eine geringere Menge an Alleinstellungsmerkmalen haben, zwar einwandfrei im Stil von LANCE gehalten sind, dabei aber ein wenig Kreativität missen lassen. Totalausfälle sucht man allerdings vergeblich.

Anspieltipps:
“Pointing Fingers”, “Perfect World”, “A Mind At War” und “Limitless”

Fazit:
Eine Produktion, die erbarmungslos das Schmalz aus den Ohren drischt, eine Top-Gesamtleistung, was Gesang und Instrumente angeht, eine sehr gelungene Kombination aus progressiven Elementen und modernem Power Metal mit zeitgemäßem Synth-Einsatz, Melodien, die ins Ohr gehen – Man kann mit “ReProgram” quasi nichts falsch machen, wenn einem diese Attribute zusagen. So klingt guter Progressive Power Metal im Jahr 2019.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. ReProgram
02. Pointing Fingers
03. Stand Your Ground
04. Technology
05. Reaction Formation
06. Limitless
07. Wide Open
08. Chaotica
09. Spell Of Domestication
10. Perfect World
11. A Mind At War

Jannis

HORSEMAN – Of Hope, Freedom And Future

Band: Horseman
Album: Of Hope, Freedom And Future
Spielzeit: 48:00 min
Stilrichtung: Modern Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 21.09.2018
Homepage: www.horseman.de

Was genau stellt man sich unter einer Band namens HORSEMAN vor? Mein erster Gedanke war „Country“ und ich hatte einen Boss Hoss-Abklatsch mit Banjo auf Heuballen vor meinem inneren Auge. Nun, einmal kurz reingehört und da hatte sich das Banjo genauso schnell in Luft aufgelöst wie auch die Heuballen. Von diversen imaginären Cowboyhüten ganz zu schweigen. HORSEMAN machen Metal. Und zwar Modern Metal. Und das – soviel sei gesagt – gar nicht mal schlecht. Mit „Of Hope, Freedom And Future“ haben die Bielefelder ihr drittes Studioalbum in nun doch schon 8 Jahren seit dem Debüt „Centaurus“ und ganze 7 Jahre nach dem zweiten Werk „Distortion of Liberty“ herausgebracht. Gute Alben brauchen Zeit, wie gutes Bier kann man die nicht einfach hinhuddeln. Die Jungs haben diese 7 Jahre gut genutzt und uns ein feines Stöffchen gebraut. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängeralben wird hier weniger brachial draufgehauen, die Band zeigt sich spielfreudiger und deutlich variabler.
Während der Titeltrack und Song Nummer zwei „A Thousand Wars“ noch etwas leicht dahindümpeln, wird man ab dem dritten Stück „Hunters“ dann doch richtig wach. Melodiös und knackig, ein Ohrenschmaus. Und damit erst gar keine Langeweile aufkommt, lässt Drummer Michael Kolar bei „See Me Hanging“ erstmal den Doublebass ordentlich krachen, während Fronter Stefan Böhm sich beinahe die Seele aus dem Leib growlt. Der Mix aus aus harten Gitarren, gekonnt von Malte Edinger und Gregor Panic in Szene gesetzt, wummernden Drums und einem brüllenden Fronter harmonieren in diesem Stück nahezu perfekt. Und es wird einfach nicht mehr schlechter. Mit „The Monsters, I Feed“ wird es sehr groovig und die Monster wollen tanzen. Einfach nur noch tanzen. Hardcore meets Metalcore meets Punk. Genial und und mehr als eine Pferdelänge weit weg davon, in die Modern Metal Beliebigkeit abzudriften.
Das instrumentale „An Open Mind Breaks Down Walls” ist ein eher ruhiges Stück, welches durch seine sehr gute Umsetzung für schöne Abwechslung auf dem Album sorgt. Und während man noch groovend in ebenjenem Song hängt, kommt mit „The Giant“ der nächste Klopper und haut dir schicht und ergreifend in die Fresse. Wer da jetzt denkt, da kommt nix mehr, hat sich mehr als getäuscht. Ein echter Kracher ist „Fools Keep Marching“. Stefan gibt den Brüllwürfel mehr als überzeugend und lässt mit einer derart rotzig punkigen Attitüde die Narren laufen, das es eine wahre Freude ist. Das Gitarrensolo rundet „Fools Keep Marching“ gekonnt und ab, das exakt auf den Punkt gebrachte Zusammenspiel des Fünfers macht den Song zu einem Highlight des Albums. Während wir uns mit „The Final Dance“ dann doch so langsam dem letzten Tanz auf „Of Hope, Frreedom And Future“ nähern, bildet „Shellshock“ den würdigen Abschluss für ein ganz und gar nicht neurotisches Album. Krachig, laut, einprägsam.
Mit „Of Hope, Freedom And Future“ ist das Quintett aus Bielefeld ganz nahe dran am großen Wurf. Was die Jungs hier abliefern, kann sich definitiv hören lassen. Die Mischung aus knallharten Kompositionen, groovigen Riffs, einprägsamen Melodien und Gesangslinien überzeugt auf ganzer Linie. Einzig Kleinigkeiten schmälern den Hörgenuss minimalst. Etwas lautere Gitarren, etwas mehr Rotz in den Songs und es wäre das perfekte Album geworden. Die Jungs haben ihr Potenzial aber definitiv noch nicht ausgeschöpft und ich denke, HORSEMAN werden ihren Weg stetig weiter gehen. Ich hoffe nur, dass das nächste Album nicht wieder 7 Jahre auf sich warten lässt. Dafür sind die Jungs einfach zu gut.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Of Hope, Freedom And Future
02. A Thousand Wars
03. Hunters
04. See Me Hanging
05. The Monsters I Feed
06. Die Gedanken Sind Frei
07. Teach Them To Question
08. An Open Mind Breaks Down Walls
09. The Giant
10. Fools Keep Marching
11. The Final Dance
12. Shellshock

Täsnki

DYNAZTY – Firesign

Band: Dynazty
Album: Firesign
Spielzeit: 49:36 min.
Stilrichtung: Modern Melodic Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 28.09.2018
Homepage: www.dynazty.com

Die Schweden von DYNAZTY sind wieder da. Im Gepäck: ihr sechstes Werk “Firesign”, Nachfolger des 2016er Releases “Titanic Mass” und das Album, das zwangsläufig erscheinen muss, wenn vorher bei Ikea alle Synthesizer 40% reduziert waren. Innerhalb von elf Jahren Bandgeschichte haben sich die fünf Stockholmer bereits einen respektablen Namen und die damit einhergehende Fangemeinde erspielt und somit die Gelegenheit gehabt, ihren Sound von Größen wie Jonas Kjellgren (Ex-Gitarrist von SCAR SYMMETRY, Mastering bei AMORPHIS, IMMORTAL und anderen) und Peter Tägtgren (kennt man) polieren zu lassen. Das Ergebnis ist erwartungsgemäß einwandfrei produziert – einwandfrei produzierter moderner Melodic Metal, sehr melodieorientiert, oft cheesy und angereichert mit zahlreichen Synth-Spielereien. An der Bandleistung gibt es ebenfalls nichts zu meckern. Die Instrumente sitzen, Sänger Nils Molin überzeugt mit einer klaren Power-Metal-kompatiblen Stimme, die den elf Tracks auf „Firesign“ dienlich ist, auch in hohen Sphären funktioniert und durchaus Charakter hat.
Mit den Songs ist das hingegen so eine Sache. Der typische DYNAZTY-Song funktioniert folgendermaßen: Auf ein Synth-Arpeggio-Intro folgt der fett klingende Einstieg der Band, ab dem feststeht, dass die Synthesizer aus dem Songintro nun das komplette Lied unterlegen werden. Plus ein paar mehr Synthesizer. Anschließend die erste Strophe, die bis zum Anfang ihrer zweiten Hälfte im tyischen STRATOVARIUS-Klischeestyle gitarrenfrei gehalten ist. Im anschließenden Prechorus werden dann die Melodien etwas aufgefröhlicht, bevor ein dicker Refrain mit großer Melodie, die sich manchmal ins Ohr zu graben vermag, aufgefahren wird. Dann wieder Strophe, Prechorus, Chorus, ein semispektakulärer Mittelteil und zu guter Letzt noch zwei- oder dreimal der Chorus, das letzte Mal in einer anderen Tonlage.
Bei einigen Songs ist der Discofaktor etwas höher („My Darkest Hour“ oder „Let Me Dream Forever“), bei einigen wird’s etwas böser („Starfall“) oder dramatisch-melancholischer („Closing Doors“) und ab und an bringt man kleine neoklassisch („The Grey“) oder folkig-piratig anmutende („Ascension“) Motive mit ins Spiel. Ach ja, oder man zieht sich die Keyboards von RAMMSTEIN, wie im Falle von „Firesign“ (original: „Du hast“) geschehen. Das Ganze wirkt oft doch sehr poppig, einigermaßen glattgelutscht und ist vergleichbar mit DRAGONFORCE, wenn man ihnen THC ins Speed mischen würde.
Versteht das nicht falsch: „Firesign“ wird jedem Freund von modernem Melodic Metal mit einer guten Portion delikat gewählter Synthesizer Spaß machen, jedenfalls die einzelnen Lieder für sich. Über die Dauer eines kompletten Albums stellen sich bei DYNAZTYs Konzept jedoch gewisse Ermüdungserscheinungen ein, denn bei derart ähnlichen Songstrukturen kommt schon beim fünfen Track das Gefühl auf, man habe ihn auf „Firesign“ schon einmal gehört. Und so fett die Melodien auch sein mögen, die die Jungs gerade in ihren Refrains auffahren: Die ganz großen Knaller, die sich über Stunden ins Hirn zu brennen vermögen, sind nicht dabei. Die Scheibe ist letztendlich doch eher ein spaßig-poppiges Partymetalalbum ohne viel Tiefgang.

Anspieltipps:
„My Darkest Hour“, „The Light Inside The Tunnel“, „Let Me Dream Forever“ und „The Grey“

Fazit:
„Firesign“ ist ein wenig das Guinness unter den Power-Metal-Alben; schön dick und mild, aber nichts, womit man ein herbes Pils auf Dauer ersetzen könnte. Ist aber nicht schlimm, denn als fett produziertes melodisches Metalalbum wird es vielen von Euch doch ein paar schöne Stunden bescheren können. Hört mal rein!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Breathe With Me
02. The Grey
03. In The Arms Of A Devil
04. My Darkest Hour
05. Ascension
06. Firesign
07. Closing Doors
08. Follow Me
09. Let Me Dream Forever
10. Starfall
11. The Light Inside The Tunnel

Jannis