HEAVEN SHALL BURN – Of Truth And Sacrifice

Band: Heaven Shall Burn
Album: Of Truth And Sacrifice
Spielzeit: 97:35 min
Stilrichtung: Metalcore / Melodic Death Metal
Plattenfirma: Century Media
Veröffentlichung: 20.03.2020
Homepage: www.facebook.com/officialheavenshallburn/

HEAVEN SHALL BURN lassen mit ihrem Doppelalbum „Of Truth And Sacrifice” den Himmel nicht nur brennen, die Jungs fackeln ihn komplett ab. Unsere liebsten Thüringer – dass sind neben Sänger Markus Bischoff noch sein Cousin Eric Bischoff am Bass, die Gitarristen Maik Weichert und Alexander Dietz sowie Drummer Christian Bass – zeigen mit ihrem neuesten Dreher der geneigten Hörerschaft, wo der Frosch die Locken hat und warum Metalcore noch lange nicht tot ist. In 19 starken Tracks ballern uns HEAVEN SHALL BURN ihre Sicht der Dinge um die Ohren und lassen ihren Gefühlen in knapp 100 Minuten freien Lauf. Und das so herrlich laut und genial, dass es eine wahre Ohrenfreude ist. Mit „Of Truth And Sacrifice“ setzen HEAVEN SHALL BURN ihren seit der Gründung 1996 erfolgreich eingeschlagenen Weg weiter fort und schaffen es, auch nach über 20 Jahren noch einen drauf zu setzen.
Schon das endzeitstimmungsvolle Intro „March of Retribution“ ist ein kleines Glanzstück für sich, welches mit dem unverkennbaren Scream von Markus Bischoff ins wuchtige und mit der Waffenlobby abrechnende „Thoughts and Prayers“ übergeht. Direkt bei diesem ersten wichtigen und HEAVEN SHALL BURN-typischen Statement bleibt kein Auge trocken. Und so geht es auf Teil 1 „Of Truth“ auch direkt weiter. Auf das hardcorlastige „Eradicate“ folgt das nicht minder schwergewichtige „Protector“. Hier ist der schwedische Einfluss wieder deutlich hörbar, aber so gut dosiert, dass es den persönlichen Stil nicht überlappt. Die in die Jahre gekommene Götborger Schule kann sich hier mal ein Stückchen abschneiden.
Ein unerwartetes Sahnestückchen der „Truth“-Seite aber ist „Übermacht“. Mit nach RAMMSTEIN klingenden Industrial-Einschlag schaffen HEAVEN SHALL BURN hier sehr spielerisch den Wechsel zwischen den Stilen. Ein sehr geiler Track, der mittlerweile auch als Videosingle veröffentlicht wurde. Ich sag ja nur „Es zwingt dich auf die KNIIIIEEEEEE“. Genial. Ein Track für jeden, der HEAVEN SHALL BURN, BEHEMOTH und LAMB OF GOD gleichzeitig hören will.
Und CD1 wird auch mit keinem der nachfolgenden Songs schlechter. Davon kann man sich mit dem bereits vor einiger Zeit veröffentlichten „My Heart And The Ocean“ (starker Tobak für alle Tierschützer) oder das mit den Minsker Philharmonikern aufgenommene Gänsehautstück „Expatriate“ überzeugen. So unterschiedlicher die beiden Songs nicht sein können, erkennt man in Beiden HEAVEN SHALL BURN wieder. Die Trademarks sind einfach gesetzt. Den Abschluss von CD1 bildet „The Ashes Of My Enemies“, ein düsteres atmosphärisches Instrumentalstück für einen Abschluss und Übergang perfekt gewählt. Damit endet „Of Truth“, ein Album, welches Zuversicht und Kampfbereitschaft signlisiert und zu „And Sacrifice“ überleitet, das sich mit den Opfern und den Kämpfen befasst, die man für die Wahrheit auf sich genommen hat und auch künftig nicht scheuen wird, so Gitarrist Maik Wichert.
Und auch CD2 enttäuscht keineswegs. Die Jungs gehen hier experimentierfreudiger mit ihrer Musik um und hauen dann auch mal solche Tracks wie die Doom-Death Ballade „The Sorrows Of Victory“ raus oder das genial arrangierte „La Resistance“, eine Mischung aus Techno/Trance Hardcore und Death Metal und dazu noch mit Disco-Grooves unterlegt. Auf so eine geniale Idee können ja nur die Thüringer kommen. „Stateless“ wiederum hat seine Heimat im Black Metal (ja, auch das können die Jungs) und thrashig wird es mit „Critical Mass“. Den Abschluss des „Sacrifice“-Teils bildet das mit Streichern unterlegte „Weakness Leaving My Heart”. Der Besuch bei den Minsker Philharmoniker hat sich definitiv gelohnt. Dazu tummeln sich noch Freunde der Band auf dem Album, so sind zum Beispiel Chris Harms von LORD OF THE LOST, Andreas Dörner von CALIBAN oder auch Matthi von NASTY zu hören.
Auf „Of Truth And Sacrifice“ ist für jeden etwas dabei und dabei verlieren HEAVEN SHALL BURN niemals ihren eigenen Stil oder werden zu einer Parodie des jeweiligen Genres. Auch ihre politischen Statements kommen auf dem neuesten Album nicht zu kurz und das ist auch gut so, macht die politische Einstellung doch einen Großteil des Sounds der Band aus und sind in der heutigen Zeit aktueller und wichtiger denn je. 19 geniale Songs, bei denen es bei keinem einzelnen Stück langweilig wird. Man spürt regelrecht die Spielfreude und Liebe zum Detail in jedem einzelnen Song, das mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass die Musik bewusst als Hobby ausgelegt ist. Alle Bandmitglieder haben neben der Band noch ein berufliches und privates Leben. So studiert der promovierte Staatsrechtler Maik aktuell noch Kulturgeschichte, Markus Bischoff ist Krankenpfleger, sein Cousin Eric Ergotherapeut, Schlagzeuger Chris ist Pädagoge und entwickelt Lernspielzeug und Alex betreibt sein Studio. Ihre bürgerlichen Berufe üben die Jungs nicht aus wirtschaftlichen Gründen aus, sondern um sich zu erden und etwas Normalität zu behalten. „Wir haben mal auf dem Summer Breeze gespielt und wurden von 30.000 Leuten abgefeiert“, erinnert sich Maik. „Danach haben wir unseren Sänger direkt zur Frühschicht im Krankenhaus abgeliefert, waren aber fünf Minuten zu spät. Der hat sofort einen Riesenanranzer von der Oberschwester bekommen, da hat man dann gar keine Zeit, auf Wolke sieben zu schweben, sondern ist sofort wieder in der Realität. Das finden wir gesund.“ Und genau dies spürt man bei jedem Album der Band.

Fazit: HEAVEN SHALL BURN haben sich und den Fans mit „Of Truth And Sacrifice” ein wundervolles Geschenk gemacht. Man merkt deutlich, das die längere Vorbereitung auf das Album der Band und dem Sound gut getan haben. Gewohnt kämpferisch und mit einer starken Meinung, die sie in den einzelnen Songs klar und deutlich zum Ausdruck bringen, ist „Of Truth And Sacrifice“ eines der besten Alben der Band. Auch wenn 100 Minuten schwer verdaulich wirken, lohnt es sich auf jeden Fall, das Album in einem durchzuhören. Einige Songs sind experimentell und bewegen sich auf ungewohntem Terrain, aber in jedem einzelnen Stück hört man deutlich HEAVEN SHALL BURN heraus. Die Band vereint auf „Of Truth And Sacrifice“ die Jahrzehnte Ihrer Bandgeschichte zu einem monumentalen Meisterwerk, was schwer zu toppen sein wird. Chapeau, meine Herren. Das Teil ist genial geil und ich freue mich schon wie ein Keks auf eine hoffentlich baldige Liveinterpretation.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

CD 1
01. March of Retribution
02. Thoughts And Prayers
03. Eradicate
04. Protector
05. Übermacht
06. My Heart And The Ocean
07. Expatriate
08. What War Means
09. Terminate The Unconcern
10. The Ashes Of My Enemies

CD 2
11. Children Of A Lesser God
12. La Resistance
13. The Sorrows Of Victory
14. Stateless
15. Tirpitz
16. Truther
17. Critical Mass
18. Eagles Among Vultures
19. Weakness Leaving My Heart

Tänski

Wer sich von der Qualität und der Wandelbarkeit der Band überzeugen möchte, sollte hier mal reinhören:

BODY COUNT – Carnivore

Band: Body Count
Album: Carnivore
Spielzeit: 47:56 min
Stilrichtung: Crossover / Rap Metal
Plattenfirma: Century Media
Veröffentlichung: 06.03.2020
Homepage: www.bodycountband.com

BODY COUNT melden sich nach 3-jähriger Pause lautstark zurück und zeigen mit „Carnivore“, dass ihr Appetit auch nach 30 Jahren immer noch ungezügelt ist. Mit ihren Texten treffen die Jungs aus L.A. immer noch genau auf den Punkt und legen den Finger in Wunden, die sich nie schließen werden. Und genauso soll es auch sein.
Nicht erst seit ihrer überaus erfolgreichen Reunion im Jahr 2014 und den gefeierten Alben „Manslaughter“ (2014) und „Bloodlust“ (2017) stehen BODY COUNT für wütende, gesellschaftskritische Musik gepaart mit kraftvollen Gitarren und der genialen Verknüpfung von Rap und Metal. Bereits seit 1990 brüllen BODY COUNT ihre sozialkritischen Texte in die Welt und sind dabei kein bisschen leiser geworden.
Auch „Carnivore“ ist wieder laut und lauter geworden, BODY COUNT bleiben hier ihrem heftigeren neuen Stil treu, herrlich politisch unkorrekt und stets mit derbem Humor ausgestattet.
Schon der Titeltrack und auch die erste Singleauskopplung „Carnivore“ zeigt, wo der Frosch die Locken hat. Dicke Riffs, fette Breaks und der dominante Sprechgesang eines immer noch wütenden Ice-T. Ein klasse Einstieg, der auch die zweite Singleauskopplung „Bum Rush“ in nichts nachsteht. Das Hardcore-Fundament wird noch etwas deutlicher untermauert und auch inhaltlich zeigen BODY COUNT hier ganz klare Kante. Und natürlich dürfen auf „Carnivore“ weder die hochkarätigen Gastsänger noch das den Vorbildern huldigende Cover fehlen. Als Gaststars setzen Riley Gale (POWER TRIP) und HATEBREEDs Jamey Jasta ihre Duftmarken. Während Riley Gale sich im thrahslastigen Polizeiklopper „„Point the Finger“ austoben darf, haucht Jamey Jasta im deultich melodischeren „Another Level“ Leben ein. Im ruhigsten Song des Albums „When I’m gone“, der den Tod des Rappers Nipsey Hustle betrauert, darf die unsägliche Amy Lee (EVANENSCECE) mitheulen. Obwohl Amy alles gibt, verkommt der Song trotz der bekannten Heulboje nicht zum Kitsch-Schluchz-Heulsong, sondern besticht durch seine traurig-melancholische Grundstimmung.
Eines der vielen Highlights auf „Carnivore“ ist auch das MOTÖRHEAD-Cover „Ace of Spades“, mit dem BODY COUNT sich tief vor ihren Helden verneigen. Abgerundet wird das 7. Studioalbum durch das bisher unveröffentlichte Demo „6 in tha morning“ und Liveversionen der Kracher „No lives Matter“ und „Black Hoodie“ vom 2017er Album „Bloodlust“.

Fazit: Alles in allem bleiben sich BODY COUNT auch auf „Carnivore“ treu. Das Album vereint alle Stärken der Band und zeigt dabei trotzdem eine größere Bandbreite. Der metallische Einschlag kommt noch deutlicher hervor, jedoch ohne den unverkennbaren BODY COUNT Stil zu überdecken. Auch im 30. Jubiläumsjahr haben die Kalifornier viel zu sagen und das tun sie auch auf „Carnivore“ mehr als laut und deutlich und auf beeindruckende Art und Weise. Die fette Produktion unterstreicht dabei den frischen Modern-Metal Einschlag, ohne dass der so typische BODY COUNT Charakter verloren geht.
BODY COUNT sind und bleiben weiterhin die Messlatte im Rap-Metal, und das ist auch gut so.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Carnivore
02. Point the Finger feat. Riley Gale
03. Bum-Rush
04. Ace of Spades
05. Another Level (feat. Jamey Jasta)
06. Colors
07. No Remorse
08. When I’m Gone (feat. Amy Lee)
09. Thee Critical Beatdown
10. The Hate Is Real
11. 6 In tha Morning (Unreleased Demo)
12. No Lives Matter (Live in Australia 2017)
13. Black Hoodie (Live in Australia 2017)

Tänski

Wer noch nicht genug hat, hier gehts zur Singleauskopplung „Bum-Rush“:

THE DESTROYING LASER – ORACLE

Band: The Destroying Laser
Album: Oracle
Spielzeit: 25:51 min
Stilrichtung: Post-Hardcore
Plattenfirma: ROCKSHOTS Records
Veröffentlichung: 14.02.2020
Homepage: www.facebook.com/thedestroyinglaser

Ein Album zum Valentinstag? Eigentlich kann nichts kitschiger sein, als wenn eine junge Band ihr Debüt, ihr Baby an einem solchen Tag raushaut. Aber mit „Oracle“ haben THE DESTROYING LASER an diesem, für viele Verliebte sehr bedeutungsvollen, Tag nichts verkehrt gemacht. Es ist weder schnulzig oder kitschig, noch rosarot, noch überladen mit Herzchen. Es ist einfach gut geworden.

Aber zu den Anfängen. Im Oktober 2016 haben sich vier Jungs aus Mantua in der Lombardei gefunden und damit THE DESTROYING LASER aus der Taufe gehoben. Die vier Jungs sind Thon (Lead-Gesang / Bass), Kaioh (Gitarren / Backing-Gesang), Elios (Gitarren / Backing-Gesang) und Magno (Schlagzeug).
Ein Jahr später kam dann schon die erste EP auf den Markt. Mit „Weird like you“ hat die Band recht eindrucksvoll auf sich aufmerksam gemacht. Und endlich, im Februar 2020 haben die Italiener ihr Debüt auf den Markt gebracht. Mit sieben Tracks und einer knackigen Spielzeit von knapp 26 Minuten lässt uns das Quartett auf „Oracle“ in Licht und Schatten der Existenz eintauchen.
Das Album selbst startet mit „Encounters“, einem Song, der zugleich bedrohlich und federleicht wirkt. Ein wunderbarer Einstieg in den Erstling. Auch der zweite Song, „Unbeatable“ ist nicht von schlechten Eltern. Post-Hardcore in Reinkultur.
Auch die nachfolgenden Tracks können den positiven Eindruck bewahren. „Hostile“ ist etwas schneller geraten und wird vom düster-launigen „Dead Sailor“ abgelöst. Ein sehr energetischer Song mit atmosphärischen Gitarren. Ohne Stillstand entführen uns „Foxhole“ und „Another You“ in eine diabolische und surreale Welt. Die Songs sind Zeugnisse der bereits sehr starken Qualität von THE DESTROYING LASER. „Arcane Ashes“ rundet das Debüt stimmungsvoll und atmosphärisch dicht ab, ein würdiger Abschluss für ein großartiges Album.

Fazit: Mit „Oracle“ legen THE DESTROYING LASER ein beachtliches Debüt hin. Die Jungs wissen schon jetzt, wohin der Weg gehen soll. Die Songstrukturen sind ausgereift, die Songs selbst sind mit ihren metaphorischen Texten und dunklen Klängen eine Klasse für sich. Kraftvoll und harmonisch, dabei atmosphärisch dicht und mit einem romantischen Einschlag versehen und dazu noch mit großer Leichtigkeit gespielt. Eingängig und hörenswert. Für das perfekte Album fehlt zwar noch ein wenig mehr Unverwechselbarkeit, ein Hauch mehr Individualität, aber was THE DESTROYING LASER mit „Oracle“ bereits jetzt schon bewerkstelligt haben, klingt schon mal sehr sehr gut und macht Laune auf mehr.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Encounters
02. Unbeatable
03. Hostile
04. Dead Sailor
05. Foxhole
06. Another You
07. Arcane Ashes

Tänski

Und wer jetzt richtig Bock auf THE DESTROYING LASER bekommen hat, hört mal rein:

SOUL DRAGGER – Soul Dragger

Band: Soul Dragger
Album: Soul Dragger
Spielzeit: 47:18 min
Stilrichtung: Thrash Metal
Plattenfirma: Time To Kill Records
Veröffentlichung: 07.02.2020
Homepage: www.facebook.com/soul.dragger

 

Mit “Soul Dragger” legen die Jungs von SOUL DRAGGER ihr selbstbetiteltes Debüt vor. Ihre Richtung bezeichnet das 2017 gegründete Quartett selbst als Kombination aus Old School Heavy und Thrash Metal Sounds mit modernen Einflüssen wie Metalcore, inspiriert von Bands wie Iron Maiden, Metallica, Trivium.
Ein bunter Mischmasch aus vielen Stilen also. Genau so klingt es auch, ein farbenfroher Cocktail verschiedener großartiger Musikstile. Doch das allein lässt ein Album nicht großartig werden.
Aber von Anfang an. Die Band selbst hat sich 2017 durch Fronter Alessio “Alex” Pompedda in Rom gegründet. Der Sänger und Gitarrist hat mit seinen Mitstreitern Davide “Spol” Spoletini, ebenfalls Gitarrist, sowie Basser Jacopo “Jake” Gennaro und
Flavio “Imperatore” Leone an den Drums bereits im Februar 2018 ihr erste selbstproduzierte EP „Before Chaos“ veröffentlicht. Zwei Jahre später hauen SOUL DRAGGER ihr Debüt „Soul Dragger“ raus.
Laut der Beschreibung des Labels handelt das Album von den typischen Emotionen wie Wut, Angst und Schmerz, hier allerdings aus der Sicht einer aus einem Menschen entstandenen übernatürlichen Kreatur, welche aber dann reduziert wurde, um sich in eine zeitgenössische Gesellschaft hineinzuziehen, die auf Zusammenbruch und Selbstzerstörung ausgerichtet ist. Ja, auch ich musste es mehrfach lesen, um es zu verstehen.
Der Opener „Rise“ fängt mit den rhythmischen Drums vielversprechend an, verliert aber im Mittelteil etwas von der Eingangsspannung. Dennoch ist er – sicherlich auch durch den durchdachten Refrain – sehr eingängig. Ein ganz anderes Kaliber dagegen ist die nachfolgende Thrashkanone „Damnatio Memoriae“. Laut und aggressiv folgt es einer deutlicheren Richtung und ist einer der besseren Songs des Albums. Auch die typische Ballade darf auf „Soul Dragger“ nicht fehlen. „Maid and the Beast“ wirkt als ruhiger Song an vordererster Front allerdings leicht deplatziert, eventuell wäre er im hinteren Drittel wirkungsvoller aufgehoben gewesen.
Sogar ein rein instrumentales Stück findet sich auf dem Debüt. Mit „Before Chaos“ haben SOUL DRAGGER eine sehr gute Mischung aus Thrash und Modern Metal gefunden, die definitiv ohne Gesang auskommt. Ein echtes Highlight auf dem sonst eher durchschnittlichen Album.
Auch „War Nightmare“ fällt in die Kategorie Highlight. Der Song klingt sowohl stimmlich als auch musikalisch auf einer Wellenlänge und wurde mit altbekannt klingenden Riffs klingen sehr passend arrangiert. Die Instrumente harmonieren hier sehr gut mit dem Gesang. Die nachfolgenden Songs, darunter auch der Titeltrack „Soul Dragger“ können nur als Füllsongs beschrieben werden, bis „Collapse“, der letzte und mit über 6 Minuten auch längste Track auf das Album abschließt. Leider kann auch „Collapse“ nicht über die Schwächen auf „Soul Dragger“ hinwegtäuschen.

Fazit: SOUL DRAGGER wollten viel, haben aber aufgrund der vielen Stile gefühlt den Überblick verloren. Es fehlt der rote Faden und ein paar mehr Songs, die sich festsetzen können. Dennoch darf man nicht vergessen, dass es sich um ein Debüt handelt und die Römer sich erst vor knapp drei Jahren gefunden haben. Es fehlt noch etwas an Reife und Erfahrung, handwerklich sind sie aber auf einem guten Weg. Im Moment kann die junge Band noch nicht vollends überzeugen, aber Potenzial ist vorhanden, es muss nur noch kanalisiert werden.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Rise
02. Damnatio Memoriae
03. Angel
04. Maid and the Beast
05. Everyday
06. Before Chaos
07. Alone
08. War Nightmare
09. Soul Dragger
10. Death ’n‘ Destruction
11. Collapse

Tänski

Zum Reinschnuppern findet ihr hier das Video zu „Rise“

SUICIDE SILENCE – Become The Hunter

Band: Suicide Silence
Album: Become The Hunter
Spielzeit: 39:47 min
Stilrichtung: Deathcore
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 14.02.2020
Homepage: www.suicidesilence.net

 

Nachdem das letzte selbstbetitelte Album mehr verrissen als geliebt wurde, starten SUICIDE SILENCE einen neuen Versuch, ihre Dämonen loszuwerden. Ein Dämon heißt dabei immer noch Mitch Lucker, der 2012 leider viel zu früh verstorbene und legendäre Sänger ist für viele immer noch das Maß aller Dinge. Das macht es für die Band und vor allem für Sänger Hernan „Eddie“ Hermida natürlich nicht einfacher, aber viel mehr noch standen sich die Jungs aus Kalifornien meistens selbst im Weg.

So scheint es auch beinahe bei ihrem neuesten Werk zu sein, dem mittlerweile 8. Studioalbum der bereits 2002 gegründeten Band. Die Songs selbst sind astreine Deathcore Kracher, aber scheinbar wollte das Quintett nach dem Vorgängeralbum stellenweise zu sehr auf Nummer sicher gehen. Deutlich merkt man dies bei „Two Steps“ oder auch „In Hiding“. Die beiden Nummern kommen doch recht eintönig daher und klingen nicht nur, wie schon mehrfach gehört, sondern auch zu sehr gewollt.
Aber zum Glück besteht „Become The Hunter“ aus 11 und nicht nur zwei Songs und der Rest kann sich durchaus hören lassen. Die Kalifornier verströmen wieder die gewohnte Aggressivität, Eddie Hermida schreit und brüllt sich durch die Songs, dass es eine wahre Ohrenfreude ist. Und neben den genannten flacheren Nummern finden sich auch viele Lichtblicke, wie z.b. die Highlights „Skin Tight“ und „Love Me To Death“. Die Songs sind echte Kracher und zeigen deutlich, dass SUICIDE SILENCE immer noch Ideen entwickeln und umsetzen können. Was Eddie Hermida bei „Love Me To Death“ da stimmlich noch raushauen kann, ist absoluter Wahnsinn. Nicht unerwähnt bleiben sollten die genialen Riffs und das komplexere Songwriting, welche nicht nur bei „Feel Alive“ oder „Death`s Anxiety“ deutlich hervorstechen.
Selbst der titelgebende und das Album abschließende Track „Become The Hunter“ kann die Rückkehr der Band nur unterschreiben. Der Song klingt noch eine Spur härter und schneller und ist ein perfekter Abschluss für die Auferstehung von SUICIDE SILENCE.

Fazit: Der erneute Kurswechsel hin zu den Wurzeln ist den California Boys gut geglückt, mit „Become The Hunter“ bewegen sich SUICIDE SILENCE wieder auf gewohntem Terrain. Die Jungs finden zu alter Stärke zurück und können diese – mit kleinen Ausnahmen – auch perfekt umsetzen und mit ein wenig Pfeffer würzen. Das Album strotzt nur so von Wut, Hass, Aggression und überzeugt dabei mit Können, Raffinesse und einem klanglich mehr als überzeugenden Eddie Hermida.
Vergessen wir „Suicide Silence“, es lebe SUICIDE SILENCE!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Meltdown
02. Two Steps
03. Feel Alive
04. Love Me To Death
05. In Hiding
06. Death’s Anxiety
07. Skin Tight
08. The Scythe
09. Serene Obscene
10. Disaster Valley
11. Become The Hunter

Tänski

Wer jetzt Lust auf SUICIDE SILENCE bekommen hat, sollte auf alle Fälle mal bei „Feel Alive“ reinhören:

GREAT AMERICAN GHOST – Power Through Terror

Band: Great American Ghost
Album: Power Through Terror
Spielzeit: 32:58 min
Stilrichtung: Hardcore/Metalcore
Plattenfirma: eOne
Veröffentlichung: 14.02.2020
Homepage: www.facebook.com/GreatAmericanGhost/

Es kommt mehr aus Boston als DROPKICK MURPHYS oder SLAPSHOT, nämlich auch die noch relativ junge Band GREAT AMERICAN GHOST. Stilistisch tritt die Combo eher in die Fußstapfen der Hardcore Legende SLAPSHOT, ist aber nicht nur musikalisch einige Jahrzehnte jünger als die Bostoner Urgesteine. Während SLAPSHOT bereits seit mehr als 30 Jahren die Szene positiv beeinflussen, machen sich GREAT AMERICAN GHOST gerade erst auf ihren Weg dorthin.

„Power Through Terror“ heißt der neueste Dreher der Band und ist das magische dritte Album. Jetzt heißt es „make it or break it“, weitermachen oder aufhören. Und was das Bostoner Quartett hier abliefert, kann sich durchaus sehen lassen. Schon der Opener „Rat King“ kommt brachial und mit leichten NuMetal Einschlägen daher, gefolgt von dem sogar noch etwas brachialeren „Prison of Hate“, die erste Videosingle des aktuellen Albums (den Link zum Video findet ihr am Ende des Reviews).
Zusammen mit „Altar of Snakes“ bildet dieses Songtrio den perfekten Einstieg in „Power Through Terror“. Düster, brachial und knüppelhart. Doch auch die nachfolgenden Songs müssen sich hier nicht verstecken. Zwischen Wut, Frustration und manchmal auch Hass etablieren sich Songs wie der Titeltrack „Power Through Terror“, „Socialized Animals“ oder auch das mit Death Metal Granaten unterlegte „Rivers of Blood“.
GREAT AMERICAN GHOST hört man ihre Gefühlslage deutlich an. Was die 2012 in Boston, Massachusettes gegründete Band hier lautstark rausbrüllt, hat Metal Injection tatsächlich sehr gut auf den Punkt gebracht „always hateful, always pissed“. Genauso wirkt das Album. Roh und nicht immer kanalisiert, aber genau das macht die Energie auf „Power Through Terror“ aus. Extrem und fies und dabei doch gut arrangiert und mit gutem Gespür für klassisches Songwriting. Die Jungs erfinden das Genre nicht neu, aber sie interpretieren es auf sehr gute und vor allem lautstarke Art und Weise.

Fazit: Mit „Power Through Terror” werden sich GREAT AMERICAN GHOST nicht in den Hard- oder Metalcore Olymp katapultieren, aber es ist dennoch ein sehr gutes Album dabei herausgekommen. Einziges Manko ist für mich, dass der Boston 4er sein Potenzial immer noch nicht ausreichend ausschöpfen konnte oder wollte. Es fehlt das Highlight, der herausragende Track. Alle Songs sind richtig, richtig gut geworden, aber das kleine Tüpfelchen auf dem „i“ fehlt (noch). Trotz der kleinen Kritik, „Power Through Terror“ ist ein wirklich sehr gutes, lautes, extremes Album geworden, das nichts für zart besaitete Gemüter ist aber trotzdem eine Menge Spaß bietet.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Rat King
02. Prison of Hate
03. Altar of Snakes
04. Power Through Terror
05. Rivers of Blood
06. Socialized Animals
07. Black Winter
08. Scorched Earth
09. WarBorn
10. No More

Tänski

Wer die Band kennenlernen möchte, hier findet ihr das Video zu „Prison of Hate”

HEAVEN SHALL BURN – My Heart And The Ocean (Video)

Unsere liebsten Thüringer unterstützen schon seit Jahren die Meeresschutzorganisation „Sea Shepherd“, daher möchten wir Euch natürlich auch nicht das aktuelle Video „My Heart And The Ocean“ vorenthalten, welches sich mit dem Thema „Schutz der Meere“ beschäftigt. Aber Achtung, das ist nichts für zarte Gemüter!

Das neue HSB Album erscheint übrigens am 20.03. bei Century Media, das Review dazu findet ihr natürlich bei Eurer Rock-Garage!

 

UNHERZ – Mainstream

Band: Unherz
Album: Mainstream
Spielzeit: 65:52 min
Stilrichtung: Deutschrock / Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 10.01.2020
Homepage: www.unherz.com

UNHERZ veröffentlichen ihr mittlerweile 8. Studioalbum mit dem bezeichnenden Titel „Mainstream“. Wollen die Jungs aus Worms jetzt sichergehen, dass jeder den Inhalt des Albums versteht oder soll es sich doch um versteckte Gesellschaftskritik handeln? Wir werden sehen.
Musikalisch ist das Quartett zwar um einiges härter als die Urgesteine BOEHSE ONKELZ oder die unsäglichen FREI.WILD, aber textlich unterscheidet sich – bis auf die stellenweisen eingeschobenen englischsprachigen Passagen – nicht viel. Schon der Titeltrack „Mainstream“ lässt den geneigten Hörer nicht unbedingt aufhorchen, eher gefällig als nachdenklich stimmend. In diesem Stil geht es dann auch weiter. Mit „Beichtstuhl oder Sündenpfahl“ wird die x-te Version von Religionskritik vorgetragen, ein Song, der leider auch musikalisch nicht wirklich hängen bleibt. „König ohne Krone“ ist da schon eingängiger, aber auch hier fehlt die Tiefe für einen wirklich guten Song.
Wie auf jedem UNHERZ-Album darf eine Ballade nicht fehlen. Die Ballade diesen Albums ist „Leben am Limit“, ein doch eher radiotaugliches Stück und daher genau dem entsprechend, was man nicht sein will – „Mainstream“. Die eingeschobenen englischen Zeilen nerven hier etwas und der Text lässt mich innerlich dann doch eher aufheulen. „Leben am Limit – this is my way of life. My fucking way of life…” Mehr muss ich dazu wohl nicht sagen. Doro kann die Verknüpfung von Deutsch und Englisch definitiv besser.
Was mir auf „Mainstream“ fehlt, ist ein kleiner Lichtblick, irgendetwas positives. Und wenn es nur mal ein richtiges Trinklied ist. Denn auch der nächste Song „Ihr wisst es nicht“ versucht wieder kritisch zu sein, aber textlich ist es einfach platt. Leider wird es auch in der zweiten Hälfte nicht wirklich besser. „Hornhaut am Arsch“ hätte wunderbar auch von den ONKELZ kommen können, was es jetzt nicht unbedingt besser macht. Vor 25 Jahren wäre so ein Song noch ein Novum gewesen, 2020 ist es eher banal.
Mit „F.I.F.A.“ sprechen UNHERZ mal ein Thema an, welches doch eher selten den Weg auf eine Deutschrock-Platte finden. Ein kleiner Lichtblick immerhin.
Den Abschluss bilden das rockige „Fluch der Zeit“, welches einen schon leicht versöhnlich stimmen kann. Vor allem musikalisch geht es mal wieder voran und auch textlich klingt es schon optimistischer als die vorherigen düsteren Songs. Mit „Marie“ gibt es dann endlich mal eine richtig geile Mitgröhl-Hymmne, die einen zum abfeiern einlädt und bei dem endlich mal so richtig fett angestoßen werden kann. Leider kommt dieser Song zu spät und es hätte mehr davon geben sollen.

Fazit: Fans der Band werden auf Ihre Kosten kommen, denn UNHERZ haben sich nicht viel verändert. Live werden sie vermutlich auch wieder auf die Kacke hauen und eine mitgehende Performance abliefern, aber für mich fehlt auf „Mainstream“ einfach zu viel, um hier eine gute Bewertung abzugeben. Die Texte sind stellenweise zu platt und klingen so, als hätte man es so oder so ähnlich schon bei x-beliebigen anderen Bands gehört. Vielleicht haben sich UNHERZ mit 8 Alben in nur 11 Jahren nicht unbedingt einen Gefallen getan. Auch die unzähligen Gastmusiker (z.B. Steffen Kiederer von KING KONGS DEOROLLER oder Jörn Rüter von den KNEIPENTERRORISTEN) als Verstärkung hauen es nicht mehr raus.
Sorry Jungs, mehr als 5 gut gemeinte Sterne von 10 sind hier leider nicht drin.

WERTUNG:

 

 

 

Trackliste:

01. Intro
02. Mainstream
03. Beichtstuhl oder Sündenpfuhl
04. König ohne Krone
05. Schreie in der Nacht
06. Hänsel und der Nachbar
07. Leben am Limit
08. Ihr wisst es nicht
09. Unsere Art
10. Hornhaut am Arsch
11. F.I.F.A.
12. Eigene Legende
13. Drachenflügel
14. Fluch der Zeit
15. Marie

Tänski

LIONHEART – Valley Of Death

Band: Lionheart
Album: Valley Of Death
Spielzeit: 24:40 min
Stilrichtung: Hardcore
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 15.11.2019
Homepage: www.facebook.com/lionheartca

Nach gut zwei Jahren heißen uns LIONHEART wieder an der Westküste willkommen. Mit „Valley Of Death“ schließt der Bay Area Fünfer nahtlos an „Welcome To The Westcoast“ an und zeigen uns auch hier deutlich, warum LIONHEART die Könige des Bay Area Hardcore sind. Immer schön in die Fresse rein und die Leute mal so gar nicht zu Atem kommen lassen. LIONHEART halt. Und mit Album #6 werden die Jungs sogar noch einen Ticken lauter und härter, auf Verschnaufpausen kann man hier lange warten.
Schon der Opener und Titeltrack „Valley of Death” lässt so manches Fanherz höher hüpfen. In typischer LIONHEART-Manier wütet sich Fronter Rob Watson durch den knüppelnden Song. Überhaupt scheint Wut eines der hervorstechenden Merkmale der 2004 in der Bay Area gegründeten Band zu sein, das hat auch mit dem neuesten Dreher nicht nachgelassen. Vor allem Kritiker des LHHC bleiben davon nicht verschont, wie im Song „For The Record“ deutlich zu hören ist.
Ein kleines Schmankerl ist „Rock Bottom“, werden die Jungs um Rob Watson doch glatt von STICK TO YOUR GUNS Frontsau Jesse Barnett unterstützt. Es ist eine Freude, die zwei Jungens sich durch den Song brüllen zu hören. Definitiv eines der Highlights auf „Valley Of Death“. Ein weiterer Gast findet sich dann mit Rapper JET BLACK „Before I Wake“. Eine durchaus gelungene Mischung, die auf Anhieb zündet.
Mit dem kleinen Doublebass-Gimmick in „When I Get Out” hat sich der Kalifornien-Fünferpack eine nette Überraschung ausgedacht. Der Song strotzt so sehr vor Kraft, dass er schon fast nicht mehr laufen kann.
Ein richtiger Circlepit-Kracher findet sich mit „Stories Form The Gutter“, bei dem man einfach atemlos und geschafft zurückbleibt. Obwohl extrem schnell, verliert er doch nicht die LIONHEART-typische Handschrift. Geschickt haben die Jungs noch ein paar geniale Breakdowns eingebaut und ab geht die wilde Fahrt.
Und dann ist es passiert. Nach knapp 25 Minuten und 10 richtig geilen Songs endet „Valley Of Death“ auch schon. Mit dem schon fast entspannenden „Dragging Heaven“ und einem Auszug aus TOM PETTYs „Free Fallin‘“ als Outro haben die Jungs aber einen mehr als passenden Abschluss gefunden.

Fazit: LIONHEART liefern mit „Valley Of Death” ein starkes sechstes Album mit 10 starken Songs ab. Aggressive 25 Minuten, die ordentlich reinknüppeln. Hier wird nicht lange gefackelt, hier wird losgelegt. Kann man mehr verlangen? Ja, man kann. Wie schon bei vielen eingespielten Bands hätte ich mir auch hier mehr Mut zu Innovationen gewünscht. Dennoch, die Songs strotzen nur so vor Energie und purer Aggression und „Valley Of Death“ lässt einen trotz kleiner Schwächen mehr als zufrieden und ausgepowert zurück.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01.Valley Of Death
02. Burn
03. For the Record
04. Rock Bottom
05. When I Get Out
06. Born Feet First
07. Stories From The Gutter
08. Before I Wake
09. In My Skin
10. Dragging Heaven

Tänski