LAMB OF GOD – Lamb Of God

Band: Lamb of God
Album: Lamb Of God
Spielzeit: 44:50 min
Stilrichtung: Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 19.06.2020
Homepage: www.lamb-of-god.com

Wie kann es sich eine Band in der heutigen Zeit erlauben, sich einfach mal 5 Jahre Zeit für ein Album zu lassen? Geht das? Darf man das?
Ja,das geht und LAMB OF GOD dürfen und können das. Die PANTERA-Nachlassverwalter haben in ihrer 5-jährige Albumpause die Thrash-Götter SLAYER auf der Abschiedstour begleitet und mit dem selbstbetitelten „Lamb Of God“ wieder ein richtig geiles Teil rausgehauen. „Lamb Of God“ beinhaltet alles, was LAMB OF GOD ausmachen. Der Name ist absolut Programm und haut einem alles um die Ohren, was je das Label LAMB OF GOD getragen hat. Keine Experimente, keine Schnörkel, keine Mainstreamattitüden um Radiotauglich zu sein und ganz einfach, keine Kompromisse!
Schon der hymnische Opener „Memento Mori“, welcher verhalten beginnt und mit den ersten Takten schon für wohlige Gänsehaut sorgt um dann unvermittelt das Blutbad einzuleiten, zeigen, wofür das Album steht. Und LAMB OF GOD wären nicht LAMB OF GOD, wenn es das schon gewesen wäre. Die Singleauskopplung „Checkmate“ donnert nicht nur musikalisch rein, auch die Lyrics nehmen an Schärfe zu und weisen mit einem mehr als deutlichen Seitenhieb auf die politischen Missstände in den USA hin („Make america hate again and bleed the sheep to sleep“).
Und auch im weiteren Verlauf des Albums wird nicht gekleckert, sondern derbe geklotzt. „Gears“, „Reality Bath“ (welcher die Amokläufe thematisiert) oder auch „New Colossal Hate“, dessen brachial gebrüllte Aussage einem im Ohr bleibt, sind die besten Zeugen dafür.
Auch die Gäste sind wohlfeil ausgesucht. In „Poison Dream“ hat sich Sänger Randy Blythe Unterstützung von HATEBREEDs Jamey Jasta geholt, während sich bei „Routes“ Chuck Billy von TESTAMENT tummelt. Die beiden hauen dabei mal locker flockig den schnellsten und absolut thrashigsten Song auf „Lamb Of God“ raus.
Mit „Bloodshot Eyes“ zeigen LAMB OF GOD mal wieder ihre Wandelbarkeit, der Song variiert zwischen Hardrock, Metal und cleanen Einlagen. Eher eine seltene Seite der Band, aber auch hier wieder sehr, sehr gut umgesetzt. Der neue Drummer Art Cruz kann sich hier zudem von seiner besten Seite zeigen.
Mit „On the hook“ wird die amtliche Abrissbirne nochmal hervorgeholt um das mittlerweile achte Studioalbum mehr als würdig enden zu lassen.
Man kann von der fehlenden Experimentierfreue halten, was man will, aber LAMB OF GOD sind einfach eine Größe, so wie sie sind. Was die Jungs seit ihrer Gründung 1990 – damals noch als BURN THE PRIEST – musikalisch für den Metal geleistet haben, ist eine Klasse für sich. Nicht umsonst nennt das Magazin Loudwire die erst seit 2000 als LAMB OF GOD auftretende Band eine der 50 wichtigsten Metalbands des 21. Jahrhunderts. Die in Richmond, Virginia als Studentencombo aus der Taufe gehobene Band, hat sich in den letzten Jahren, ja sogar schon Jahrzehnte nicht beirren lassen und dem Metal, insbesondere dem Metalcore, Thrash und Death durch ihre einzigartige Mischung einen Stempel der besonderen Art aufgedrückt.
Das wird auch auf dem aktuellen Dreher „Lamb Of God“ mehr als deutlich Wie anders sollte ein selbstbetiteltes Album auch klingen, wenn nicht nach den echten LAMB OF GOD.

Fazit: Schwächen… kaum bis keine. Natürlich kann man immer irgendwo noch an der Performance schrauben oder ein Riff noch ekstatischer spielen, aber bis auf kleine Aussetzer oder besser gesagt, etwas im Vergleich zu den zahlreichen Highlights auf dem Album abfallenden Songs gibt es kaum etwas zu bemängeln. Wo LAMB OF GOD draufsteht, ist auch LAMB OF GOD drin. Und das neueste Werk des Richmond 5ers ist so viel LAMB OF GOD, dass es auch keinen anderen Titel verdient hätte. Die Fans werden es lieben und das tue ich auch.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Memento Mori
02. Checkmate
03. Gears
04. Reality Bath
05. New Colossal Hate
06. Resurrection Man
07. Poison Dream
08. Routes
09. Bloodshot Eyes
10. On The Hook

Tänski

Um die brachiale Schönheit des Albums verstehen zu können, klickt hier mal rein:

BLEED FROM WITHIN – Fracture

Band: Bleed From Within
Album: Fracture
Spielzeit: 42:17 min
Stilrichtung: Metalcore, Deathcore
Plattenfirma: Century Media Records
Veröffentlichung: 29.05.2020
Homepage: www.facebook.com/bleedfromwithinband, www.bleedfromwithin.com

Manche Brüche sind einfach notwendig, so auch im Fall von BLEED FROM WITHIN. Mit dem namensgebenden Album „Fracture“ brechen die Jungs aus Glasgow mit ihrer Vergangenheit: ‘Fracture’ is a reference to breaking away from the negative, leaving a poisonous past behind us‘.
Und um dem allem vorzugreifen…Das ist den Schotten auch definitiv gelungen. Was sich mit dem Vorgänger „Era“ bereits ankündigte, können BLEED FROM WITHIN mit „Fracture“ fortsetzen und legen dabei sogar noch eine Schippe drauf. Beschaulich klingt jedenfalls anders.
Schon der Opener „The End Of All We Know” weiß mit seinen Stakkato-Drums zu gefallen. Hier gibt es kein einfühlsames Intro oder sanftes Gedudel, dass die Spannung in die Länge ziehen soll. Nein, der Schotten-5er zieht direkt blank und macht absolut keine Kompromisse. Pure Aggression, rauh und wild, der Track donnert sich direkt in den Gehörgang. Der Einstieg hätte nicht besser sein können.
Ruhe wird einem im weiteren Verlauf des immerhin knapp 43minütigen Werkes nicht vergönnt sein. „Pathfinder“ legt nochmal einen drauf und Scott Kennedys derb-rotzige Stimme gibt dem Ganzen nochmal einen extra-dicken metalligen Anstrich. Überhaupt hat sich die Qualität der Band um Sänger Scott Kennedy seit den Anfangstagen enorm gesteigert. Dazu mag auch perfekte Line-up beigetragen haben. Seit der Bandgründung 2005 sind Sänger Scott Kennedy, Riffmeister Graig Gowans (bis 2009 Bass) und Mister Stakkato Ali Richardson an den Drums dabei, komplettiert werden BLEED FROM WITHIN seit 2009 von Basser Davie Provan und seit 2017 von Gitarrist Steven Jones. Vor allem letztgenannter Steven Jones hat sich in den letzten 3 Jahren wunderbar in die Band eingefügt. Den einzelnen Songs merkt man das perfekte Zusammenspiel der Langhaarfraktion um Scott Kennedy jedenfalls deutlich an.
Groovig wird es mit „Into Nothing“, dabei verliert der Song nie den Fokus Metal
oder Metalcore und man ist direkt versucht, wild durch die Gegen zu hüpfen. Schon allein die hervorragende Gitarrenarbeit macht Lust und versprüht gute Laune. Deutlich wird diese Wildheit das auch im Hardcore-lastigen „Fall Away“, starker Sound, geile Gitarren. Was will man mehr? Denn eigentlich ist man schon glücklich. Aber „Fracture“ lässt einfach nicht nach, Verschnaufpausen Fehlanzeige.
Mit dem Titeltrack wähnt man sich zwar schon auf der ruhigeren Seite, beginnt es doch sehr atmosphärisch. Aber der erste Eindruck ist trügerische. Rotzige Vocals, dunkler Metalcore-Refrain, es rappelt im Karton. Ein klasse Song auf einem klasse Album.
Mein Highlight, vor allem Videotechnisch, ist „Night Crossing“. Unterstützung bekommen die Jungens hier von Matt Heafy (Richtig, TRIVIUMs Matt Heafy, dürfte euch allen ja noch vom letzten TRIVIUM Review ein Begriff sein), der Martyn und Graig mit dem Sechssaiter unterstützt.
Mit „A Depth That No One Dares” wird zum Schluss nochmal ganz auf Abriss gesetzt, mit den Opener zusammen eine absolut Runde Sache.
Überhaupt ist das ganze Album eine Runde Sache. Mit „Fracture“ haben BLEED FROM WITHIN ihre Kinderkrankheiten ausgemerzt, die kontinuierliche Weiterentwicklung mit jedem Album ist deutlich hör- und spürbar. Gitarrenlastig und mit fettem Sound lässt es das Herz eines jeden Fans höher schlagen.
Für den Olymp fehlt noch einiges, aber die Schotten haben sich mit ihrem mittlerweile 5. Studioalbum ein ganzes Stück nach vorne katapultiert. Zu häuslich sollte es sich BLEED FROM WITHIN dort allerdings nicht machen, denn es ist definitiv Potenzial für mehr vorhanden und ich würde mir wünschen, wenn es in den nächsten Alben abgerufen wird. Aber für den Moment, für das aktuelle Album „Fracture“ ist es absolut ausreichend und immerhin fette 9 Sterne wert.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The End Of All We Know
02. Pathfinder
03. Into Nothing
04. Fall Away
05. Fracture
06. Night Crossing
07. For All To See
08. Ascend
09. Utopia
10. A Depth That No One Dares

Tänski

 

Und hier noch das Highlight „Night Crossing“ mit freundlicher Unterstützung von Matt Heafy 😉

TRIVIUM – What The Dead Men Say

Band: Trivium
Album: What The Dead Men Say
Spielzeit: 46:27 min
Stilrichtung: Modern Metal, Metalcore
Plattenfirma: Roadrunner Records
Veröffentlichung: 24.04.2020
Homepage: www.trivium.org

Die Erwartungen an TRIVIUM nach dem großartigen „The Sin And The Sentence“ sind enorm hoch und fordernd. Durch den Einstieg von Alex Bent an den Drums hat die Band um Sänger Matt Heafy eine wunderbare und inspirierende Frischezellenkur erfahren. Jetzt wird „What The Dead Men Say“ zeigen, ob sich die neuen Impulse halten und sogar weiterentwickeln konnten.

Schon das Intro „IX“, welches die akustische Spannung aufbaut um dann unversehens in den Titeltrack „What The Dead Man Say“ übergeht, weiß zu überzeugen. „What The Dead Man Say“ haut mächtig aufs Gaspedal und Matt Heafys Stimme ist das i-Tüpfelchen dabei. Schon ein mächtig starkes Teil, dem das abgerundete „Catastrophist“ folgt. Der Song kann mit einem extrem knackigen Mittelteil aufwarten. Abgelöst wird er durch „Amongs The Shadows & The Stone“. Hier wird einem gleich von Anfang an die Thrashkeule um die Ohren gehauen, Verschnaufpausen sind hier nicht vorgesehen. Kantig, aggressiv, bellend. Perfekt inszeniert mit geilen Riffs, die auch schon beim Vorgänger zu überzeugen wussten. Überhaupt haben TRIVIUM viel Energie aus „The Sin and The Sentence“ mitgebracht. Befürchtungen, der Vorgänger könnte bloß ein laues Lüftchen gewesen sein, bestätigen sich bei „What The Dead Men Say“ absolut nicht. Einzig mehr Mut für Experimente oder neue Stile einfließen zu lassen, fehlt für meine Begriffe noch etwas. Mit „Bleed Into Me“ zeigen TRIVIUM ja wunderbar, dass es geht. Der Song schlägt eine andere Richtung als zuvor ein. Grooviger mit einem Hauch Alternative und einem grungigem Refrain. Freudig unerwartet, aber irgendwie schunkelig, melodisch und mitreißend. Hier wird auch die neue Reife in Matt Heafys deutlich hörbar, die sich jetzt noch besser mit Cory Beaulieus Growls verbindet.

Deutlich härter und thrashiger wird es dann im hinteren Teil der Platte. „The Defiant“, „Sickness Unto You“ oder auch das MACHINE HEADige „Bending The Arc To Fear” klotzen Schwermetallmäßig rein und können kompositorisch mehr als überzeugen. Mit „The Ones We Leave Behind“ holen TRIVIUM am Ende nochmal den Vorschlaghammer raus und hauen zum Abschluss alles komplett kurz und klein. Ein megapackender Abschluss für ein absolut überzeugendes 9. Studioalbum. Überzeugend auch vor allem durch die neu entdeckte und hier noch weiter ausgelebte Liebe zum Riffing, die Spielfreude und nicht zuletzt das perfekte Zusammenspiel zwischen Sänger Matt Heafy, Gitarrist und Growler Cory Beaulieu, Basser Paolo Gregoletto und nicht zuletzt Drummer und Frischmacher Alex Bent. TRIVIUM werden den Anforderungen gerecht, aber durch „The Sin And The Sentence“ haben die Jungs aus Orlando einen Geist gerufen, den sie jetzt auch nicht mehr loswerden. Viel wird sich damit messen müssen, aber der neueste Dreher kann sehr gut mithalten. Denn, was der Florida-Vierer hier in 10 Songs und knapp 47 Minuten abliefert, ist fast perfekt.

Fazit: Mit „What The Dead Men Say” bleiben TRIVIUM weiter auf der Erfolgsspur und auch der frische Wind durch die Neubesetzung an den Drums ist noch nicht verweht. Das Album bleibt kaum hinter den viel zu hoch geschraubten Erwartungen zurück, es sind nur kleine hinnehmbare Wackler in einem sonst sehr gut durchdachten und dabei trotzdem so mitreißenden Album. Die Band vereint auf ihrem 9. Studioalbum alles, was TRIVIUM ausmacht und das ist in der mittlerweile über 20-jährigen Bandgeschichte eine ganze Menge. Hart und zugleich melodisch, aufregend, vielseitig, kompositorisch stimmig und dazu die die unglaublich spürbare Spielfreude. TRIVIUM haben sich gefunden und ich hoffe, es bleibt noch eine ganze lange Weile so.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. IX
02. What The Dead Men Say
03. Catastrophist
04. Amongs The Shadow & The Stone
05. Bleed Into Me
06. The Defiant
07. Sickness UntoYou
08. Scattering The Ashes
09. Bending The Arc To Fear
10. The Ones We Leave Behind

Tänski

Kleine Kostprobe gefällig? Dann hört euch den Titeltrack „What The Dead Men Say“ an:

 

REACTORY – Collapse To Come

Band: Reactory
Album: Collapse To Come
Spielzeit: 33:34 min
Stilrichtung: Thrash Metal
Plattenfirma: Iron Shield Records
Veröffentlichung: 27.03.2020
Homepage: www.reactory-thrash.com

Holla, die Waldfee… REACTORY hauen mit ihrem dritten Album „Collapse To Come“ aber mal so richtig einen raus. Hier wird nicht lange gefackelt, sondern einfach mal locker flockig gezeigt, was den Charme einer in einem Berliner Hinterhof gegründeten Thrash Metal Band ausmacht. Neun absolute Kracher, die einem sofort das Hirn wegballern.
Und wer REACTORY nicht kennt, wird sie nach diesem Album nicht nur kennen, sondern auch zu schätzen wissen. Aber wer ist das eigentlich genau? REACTORY sind neben Sänger Hans Hornung noch Gitarrist Jerome ‚Jerry‘ Düren, Basser Ulli Hoffmann und Caue Dos Santos an den Drums. Im Jahr 2010 tatsächlich in einem finsteren Kellergewölbe eines Berliner Hinterhofs gegründet, hat das Quartett im Jahr 2013 bereits die EP „Killed by Thrash“ veröffentlicht. Im Februar 2014 kam dann das erste Album „High on Radiation“ auf den Markt, im Jahr 2016 folgte das kantige und experimentellere Album „Heavy“. Mit „Collapse To Come“ haben sich die Jungs jedoch wieder auf reinsten Thrash besonnen und das ist auch gut so. Obwohl die einzelnen Bandmitglieder vor REACTORY musikalisch bereits in vielen verschiedenen Genres unterwegs waren, liegen sie hier musikalisch definitiv auf einer Wellenlänge. Und das hört man.
Schon der Opener „Space Hex“ lässt jedes Thrash Metal Herz höherschlagen. Unvorbereitet trifft einen die Abrissbirne und lässt schon beim ersten Song keinen Stein auf dem anderen. Und dafür braucht „Space Hex“ bloß schlappe 2 ½ Minuten.
Ähnlich gewaltig kommt auch Track Nummer zwei daher. „Speedboat Piracy“ ballert genau wie Song Nummer drei „Graves Of Concrete“ mit mehrstimmigen Shouts rein und lässt die Wände wackeln, wobei „Graves Of Concrete“ ein paar geschickte Bremsen eingebaut bekommen hat. Kleine, aber passende Entschleunigungen, bevor sich der Schnellzug REACTORY wieder in Bewegung setzt. Mit „Misantropical Island“ kommt der vermutlich beste Song auf „Collapse To Come“, auch hier legen die Berliner sehr viel wert auf Spaß verbreitende Riffs und Finesse. „Drone Commander“ läuft in die ähnliche groovig-thrashig Schiene, bevor es mit „Evolving Hate“ und „Born From Sorrow“ etwas leicht abfällt. Aber auch nur leicht, denn handwerklich sind die beiden genannten Songs perfekt, aber bleiben nicht ganz so fluffig im Ohr, wie der Rest des Albums.
Zum Finale hin haben die Jungs aber wieder ihre Schiene gefunden und legen mit „Galactic Ghosts“ und „Enemy“ nochmal zwei amtliche Bretter nach. Und leider ist dann nach einer guten halben Stunde der ganze Spaß schon vorbei. Es hilft nix, da muss dann der zweite Durchgang starten. Oder auch ein dritter oder ein vierter….

Fazit: Alles in allem ist „Collapse To Come” von REACTORY ein durchdacht gutes Thrash Metal Album. Die zwei kleinen Hänger kann man der Band ruhig verzeihen, denn richtige Ausreißer nach unten sind auch das nicht. Was vor 10 Jahren in einem Berliner Hinterhof begann, ist es absolut wert, jetzt ans Tageslicht zu treten. REACTORY haben den Thrash zwar nicht neu erfunden, aber es dennoch geschafft, neuen Wind ein verstaubendes Genre zu bringen. Danke Jungs und immer weiter so!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Space Hex
02. Speedboat Piracy
03. Graves Of Concrete
04. Misantropical Island
05. Drone Commander
06. Evolving Hate
07. Born From Sorrow
08. Galactic Ghosts
09. Enemy

Tänski

HEAVEN SHALL BURN – Of Truth And Sacrifice

Band: Heaven Shall Burn
Album: Of Truth And Sacrifice
Spielzeit: 97:35 min
Stilrichtung: Metalcore / Melodic Death Metal
Plattenfirma: Century Media
Veröffentlichung: 20.03.2020
Homepage: www.facebook.com/officialheavenshallburn/

HEAVEN SHALL BURN lassen mit ihrem Doppelalbum „Of Truth And Sacrifice” den Himmel nicht nur brennen, die Jungs fackeln ihn komplett ab. Unsere liebsten Thüringer – dass sind neben Sänger Markus Bischoff noch sein Cousin Eric Bischoff am Bass, die Gitarristen Maik Weichert und Alexander Dietz sowie Drummer Christian Bass – zeigen mit ihrem neuesten Dreher der geneigten Hörerschaft, wo der Frosch die Locken hat und warum Metalcore noch lange nicht tot ist. In 19 starken Tracks ballern uns HEAVEN SHALL BURN ihre Sicht der Dinge um die Ohren und lassen ihren Gefühlen in knapp 100 Minuten freien Lauf. Und das so herrlich laut und genial, dass es eine wahre Ohrenfreude ist. Mit „Of Truth And Sacrifice“ setzen HEAVEN SHALL BURN ihren seit der Gründung 1996 erfolgreich eingeschlagenen Weg weiter fort und schaffen es, auch nach über 20 Jahren noch einen drauf zu setzen.
Schon das endzeitstimmungsvolle Intro „March of Retribution“ ist ein kleines Glanzstück für sich, welches mit dem unverkennbaren Scream von Markus Bischoff ins wuchtige und mit der Waffenlobby abrechnende „Thoughts and Prayers“ übergeht. Direkt bei diesem ersten wichtigen und HEAVEN SHALL BURN-typischen Statement bleibt kein Auge trocken. Und so geht es auf Teil 1 „Of Truth“ auch direkt weiter. Auf das hardcorlastige „Eradicate“ folgt das nicht minder schwergewichtige „Protector“. Hier ist der schwedische Einfluss wieder deutlich hörbar, aber so gut dosiert, dass es den persönlichen Stil nicht überlappt. Die in die Jahre gekommene Götborger Schule kann sich hier mal ein Stückchen abschneiden.
Ein unerwartetes Sahnestückchen der „Truth“-Seite aber ist „Übermacht“. Mit nach RAMMSTEIN klingenden Industrial-Einschlag schaffen HEAVEN SHALL BURN hier sehr spielerisch den Wechsel zwischen den Stilen. Ein sehr geiler Track, der mittlerweile auch als Videosingle veröffentlicht wurde. Ich sag ja nur „Es zwingt dich auf die KNIIIIEEEEEE“. Genial. Ein Track für jeden, der HEAVEN SHALL BURN, BEHEMOTH und LAMB OF GOD gleichzeitig hören will.
Und CD1 wird auch mit keinem der nachfolgenden Songs schlechter. Davon kann man sich mit dem bereits vor einiger Zeit veröffentlichten „My Heart And The Ocean“ (starker Tobak für alle Tierschützer) oder das mit den Minsker Philharmonikern aufgenommene Gänsehautstück „Expatriate“ überzeugen. So unterschiedlicher die beiden Songs nicht sein können, erkennt man in Beiden HEAVEN SHALL BURN wieder. Die Trademarks sind einfach gesetzt. Den Abschluss von CD1 bildet „The Ashes Of My Enemies“, ein düsteres atmosphärisches Instrumentalstück für einen Abschluss und Übergang perfekt gewählt. Damit endet „Of Truth“, ein Album, welches Zuversicht und Kampfbereitschaft signlisiert und zu „And Sacrifice“ überleitet, das sich mit den Opfern und den Kämpfen befasst, die man für die Wahrheit auf sich genommen hat und auch künftig nicht scheuen wird, so Gitarrist Maik Wichert.
Und auch CD2 enttäuscht keineswegs. Die Jungs gehen hier experimentierfreudiger mit ihrer Musik um und hauen dann auch mal solche Tracks wie die Doom-Death Ballade „The Sorrows Of Victory“ raus oder das genial arrangierte „La Resistance“, eine Mischung aus Techno/Trance Hardcore und Death Metal und dazu noch mit Disco-Grooves unterlegt. Auf so eine geniale Idee können ja nur die Thüringer kommen. „Stateless“ wiederum hat seine Heimat im Black Metal (ja, auch das können die Jungs) und thrashig wird es mit „Critical Mass“. Den Abschluss des „Sacrifice“-Teils bildet das mit Streichern unterlegte „Weakness Leaving My Heart”. Der Besuch bei den Minsker Philharmoniker hat sich definitiv gelohnt. Dazu tummeln sich noch Freunde der Band auf dem Album, so sind zum Beispiel Chris Harms von LORD OF THE LOST, Andreas Dörner von CALIBAN oder auch Matthi von NASTY zu hören.
Auf „Of Truth And Sacrifice“ ist für jeden etwas dabei und dabei verlieren HEAVEN SHALL BURN niemals ihren eigenen Stil oder werden zu einer Parodie des jeweiligen Genres. Auch ihre politischen Statements kommen auf dem neuesten Album nicht zu kurz und das ist auch gut so, macht die politische Einstellung doch einen Großteil des Sounds der Band aus und sind in der heutigen Zeit aktueller und wichtiger denn je. 19 geniale Songs, bei denen es bei keinem einzelnen Stück langweilig wird. Man spürt regelrecht die Spielfreude und Liebe zum Detail in jedem einzelnen Song, das mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass die Musik bewusst als Hobby ausgelegt ist. Alle Bandmitglieder haben neben der Band noch ein berufliches und privates Leben. So studiert der promovierte Staatsrechtler Maik aktuell noch Kulturgeschichte, Markus Bischoff ist Krankenpfleger, sein Cousin Eric Ergotherapeut, Schlagzeuger Chris ist Pädagoge und entwickelt Lernspielzeug und Alex betreibt sein Studio. Ihre bürgerlichen Berufe üben die Jungs nicht aus wirtschaftlichen Gründen aus, sondern um sich zu erden und etwas Normalität zu behalten. „Wir haben mal auf dem Summer Breeze gespielt und wurden von 30.000 Leuten abgefeiert“, erinnert sich Maik. „Danach haben wir unseren Sänger direkt zur Frühschicht im Krankenhaus abgeliefert, waren aber fünf Minuten zu spät. Der hat sofort einen Riesenanranzer von der Oberschwester bekommen, da hat man dann gar keine Zeit, auf Wolke sieben zu schweben, sondern ist sofort wieder in der Realität. Das finden wir gesund.“ Und genau dies spürt man bei jedem Album der Band.

Fazit: HEAVEN SHALL BURN haben sich und den Fans mit „Of Truth And Sacrifice” ein wundervolles Geschenk gemacht. Man merkt deutlich, das die längere Vorbereitung auf das Album der Band und dem Sound gut getan haben. Gewohnt kämpferisch und mit einer starken Meinung, die sie in den einzelnen Songs klar und deutlich zum Ausdruck bringen, ist „Of Truth And Sacrifice“ eines der besten Alben der Band. Auch wenn 100 Minuten schwer verdaulich wirken, lohnt es sich auf jeden Fall, das Album in einem durchzuhören. Einige Songs sind experimentell und bewegen sich auf ungewohntem Terrain, aber in jedem einzelnen Stück hört man deutlich HEAVEN SHALL BURN heraus. Die Band vereint auf „Of Truth And Sacrifice“ die Jahrzehnte Ihrer Bandgeschichte zu einem monumentalen Meisterwerk, was schwer zu toppen sein wird. Chapeau, meine Herren. Das Teil ist genial geil und ich freue mich schon wie ein Keks auf eine hoffentlich baldige Liveinterpretation.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

CD 1
01. March of Retribution
02. Thoughts And Prayers
03. Eradicate
04. Protector
05. Übermacht
06. My Heart And The Ocean
07. Expatriate
08. What War Means
09. Terminate The Unconcern
10. The Ashes Of My Enemies

CD 2
11. Children Of A Lesser God
12. La Resistance
13. The Sorrows Of Victory
14. Stateless
15. Tirpitz
16. Truther
17. Critical Mass
18. Eagles Among Vultures
19. Weakness Leaving My Heart

Tänski

Wer sich von der Qualität und der Wandelbarkeit der Band überzeugen möchte, sollte hier mal reinhören:

BODY COUNT – Carnivore

Band: Body Count
Album: Carnivore
Spielzeit: 47:56 min
Stilrichtung: Crossover / Rap Metal
Plattenfirma: Century Media
Veröffentlichung: 06.03.2020
Homepage: www.bodycountband.com

BODY COUNT melden sich nach 3-jähriger Pause lautstark zurück und zeigen mit „Carnivore“, dass ihr Appetit auch nach 30 Jahren immer noch ungezügelt ist. Mit ihren Texten treffen die Jungs aus L.A. immer noch genau auf den Punkt und legen den Finger in Wunden, die sich nie schließen werden. Und genauso soll es auch sein.
Nicht erst seit ihrer überaus erfolgreichen Reunion im Jahr 2014 und den gefeierten Alben „Manslaughter“ (2014) und „Bloodlust“ (2017) stehen BODY COUNT für wütende, gesellschaftskritische Musik gepaart mit kraftvollen Gitarren und der genialen Verknüpfung von Rap und Metal. Bereits seit 1990 brüllen BODY COUNT ihre sozialkritischen Texte in die Welt und sind dabei kein bisschen leiser geworden.
Auch „Carnivore“ ist wieder laut und lauter geworden, BODY COUNT bleiben hier ihrem heftigeren neuen Stil treu, herrlich politisch unkorrekt und stets mit derbem Humor ausgestattet.
Schon der Titeltrack und auch die erste Singleauskopplung „Carnivore“ zeigt, wo der Frosch die Locken hat. Dicke Riffs, fette Breaks und der dominante Sprechgesang eines immer noch wütenden Ice-T. Ein klasse Einstieg, der auch die zweite Singleauskopplung „Bum Rush“ in nichts nachsteht. Das Hardcore-Fundament wird noch etwas deutlicher untermauert und auch inhaltlich zeigen BODY COUNT hier ganz klare Kante. Und natürlich dürfen auf „Carnivore“ weder die hochkarätigen Gastsänger noch das den Vorbildern huldigende Cover fehlen. Als Gaststars setzen Riley Gale (POWER TRIP) und HATEBREEDs Jamey Jasta ihre Duftmarken. Während Riley Gale sich im thrahslastigen Polizeiklopper „„Point the Finger“ austoben darf, haucht Jamey Jasta im deultich melodischeren „Another Level“ Leben ein. Im ruhigsten Song des Albums „When I’m gone“, der den Tod des Rappers Nipsey Hustle betrauert, darf die unsägliche Amy Lee (EVANENSCECE) mitheulen. Obwohl Amy alles gibt, verkommt der Song trotz der bekannten Heulboje nicht zum Kitsch-Schluchz-Heulsong, sondern besticht durch seine traurig-melancholische Grundstimmung.
Eines der vielen Highlights auf „Carnivore“ ist auch das MOTÖRHEAD-Cover „Ace of Spades“, mit dem BODY COUNT sich tief vor ihren Helden verneigen. Abgerundet wird das 7. Studioalbum durch das bisher unveröffentlichte Demo „6 in tha morning“ und Liveversionen der Kracher „No lives Matter“ und „Black Hoodie“ vom 2017er Album „Bloodlust“.

Fazit: Alles in allem bleiben sich BODY COUNT auch auf „Carnivore“ treu. Das Album vereint alle Stärken der Band und zeigt dabei trotzdem eine größere Bandbreite. Der metallische Einschlag kommt noch deutlicher hervor, jedoch ohne den unverkennbaren BODY COUNT Stil zu überdecken. Auch im 30. Jubiläumsjahr haben die Kalifornier viel zu sagen und das tun sie auch auf „Carnivore“ mehr als laut und deutlich und auf beeindruckende Art und Weise. Die fette Produktion unterstreicht dabei den frischen Modern-Metal Einschlag, ohne dass der so typische BODY COUNT Charakter verloren geht.
BODY COUNT sind und bleiben weiterhin die Messlatte im Rap-Metal, und das ist auch gut so.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Carnivore
02. Point the Finger feat. Riley Gale
03. Bum-Rush
04. Ace of Spades
05. Another Level (feat. Jamey Jasta)
06. Colors
07. No Remorse
08. When I’m Gone (feat. Amy Lee)
09. Thee Critical Beatdown
10. The Hate Is Real
11. 6 In tha Morning (Unreleased Demo)
12. No Lives Matter (Live in Australia 2017)
13. Black Hoodie (Live in Australia 2017)

Tänski

Wer noch nicht genug hat, hier gehts zur Singleauskopplung „Bum-Rush“:

THE DESTROYING LASER – ORACLE

Band: The Destroying Laser
Album: Oracle
Spielzeit: 25:51 min
Stilrichtung: Post-Hardcore
Plattenfirma: ROCKSHOTS Records
Veröffentlichung: 14.02.2020
Homepage: www.facebook.com/thedestroyinglaser

Ein Album zum Valentinstag? Eigentlich kann nichts kitschiger sein, als wenn eine junge Band ihr Debüt, ihr Baby an einem solchen Tag raushaut. Aber mit „Oracle“ haben THE DESTROYING LASER an diesem, für viele Verliebte sehr bedeutungsvollen, Tag nichts verkehrt gemacht. Es ist weder schnulzig oder kitschig, noch rosarot, noch überladen mit Herzchen. Es ist einfach gut geworden.

Aber zu den Anfängen. Im Oktober 2016 haben sich vier Jungs aus Mantua in der Lombardei gefunden und damit THE DESTROYING LASER aus der Taufe gehoben. Die vier Jungs sind Thon (Lead-Gesang / Bass), Kaioh (Gitarren / Backing-Gesang), Elios (Gitarren / Backing-Gesang) und Magno (Schlagzeug).
Ein Jahr später kam dann schon die erste EP auf den Markt. Mit „Weird like you“ hat die Band recht eindrucksvoll auf sich aufmerksam gemacht. Und endlich, im Februar 2020 haben die Italiener ihr Debüt auf den Markt gebracht. Mit sieben Tracks und einer knackigen Spielzeit von knapp 26 Minuten lässt uns das Quartett auf „Oracle“ in Licht und Schatten der Existenz eintauchen.
Das Album selbst startet mit „Encounters“, einem Song, der zugleich bedrohlich und federleicht wirkt. Ein wunderbarer Einstieg in den Erstling. Auch der zweite Song, „Unbeatable“ ist nicht von schlechten Eltern. Post-Hardcore in Reinkultur.
Auch die nachfolgenden Tracks können den positiven Eindruck bewahren. „Hostile“ ist etwas schneller geraten und wird vom düster-launigen „Dead Sailor“ abgelöst. Ein sehr energetischer Song mit atmosphärischen Gitarren. Ohne Stillstand entführen uns „Foxhole“ und „Another You“ in eine diabolische und surreale Welt. Die Songs sind Zeugnisse der bereits sehr starken Qualität von THE DESTROYING LASER. „Arcane Ashes“ rundet das Debüt stimmungsvoll und atmosphärisch dicht ab, ein würdiger Abschluss für ein großartiges Album.

Fazit: Mit „Oracle“ legen THE DESTROYING LASER ein beachtliches Debüt hin. Die Jungs wissen schon jetzt, wohin der Weg gehen soll. Die Songstrukturen sind ausgereift, die Songs selbst sind mit ihren metaphorischen Texten und dunklen Klängen eine Klasse für sich. Kraftvoll und harmonisch, dabei atmosphärisch dicht und mit einem romantischen Einschlag versehen und dazu noch mit großer Leichtigkeit gespielt. Eingängig und hörenswert. Für das perfekte Album fehlt zwar noch ein wenig mehr Unverwechselbarkeit, ein Hauch mehr Individualität, aber was THE DESTROYING LASER mit „Oracle“ bereits jetzt schon bewerkstelligt haben, klingt schon mal sehr sehr gut und macht Laune auf mehr.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Encounters
02. Unbeatable
03. Hostile
04. Dead Sailor
05. Foxhole
06. Another You
07. Arcane Ashes

Tänski

Und wer jetzt richtig Bock auf THE DESTROYING LASER bekommen hat, hört mal rein:

SOUL DRAGGER – Soul Dragger

Band: Soul Dragger
Album: Soul Dragger
Spielzeit: 47:18 min
Stilrichtung: Thrash Metal
Plattenfirma: Time To Kill Records
Veröffentlichung: 07.02.2020
Homepage: www.facebook.com/soul.dragger

 

Mit “Soul Dragger” legen die Jungs von SOUL DRAGGER ihr selbstbetiteltes Debüt vor. Ihre Richtung bezeichnet das 2017 gegründete Quartett selbst als Kombination aus Old School Heavy und Thrash Metal Sounds mit modernen Einflüssen wie Metalcore, inspiriert von Bands wie Iron Maiden, Metallica, Trivium.
Ein bunter Mischmasch aus vielen Stilen also. Genau so klingt es auch, ein farbenfroher Cocktail verschiedener großartiger Musikstile. Doch das allein lässt ein Album nicht großartig werden.
Aber von Anfang an. Die Band selbst hat sich 2017 durch Fronter Alessio “Alex” Pompedda in Rom gegründet. Der Sänger und Gitarrist hat mit seinen Mitstreitern Davide “Spol” Spoletini, ebenfalls Gitarrist, sowie Basser Jacopo “Jake” Gennaro und
Flavio “Imperatore” Leone an den Drums bereits im Februar 2018 ihr erste selbstproduzierte EP „Before Chaos“ veröffentlicht. Zwei Jahre später hauen SOUL DRAGGER ihr Debüt „Soul Dragger“ raus.
Laut der Beschreibung des Labels handelt das Album von den typischen Emotionen wie Wut, Angst und Schmerz, hier allerdings aus der Sicht einer aus einem Menschen entstandenen übernatürlichen Kreatur, welche aber dann reduziert wurde, um sich in eine zeitgenössische Gesellschaft hineinzuziehen, die auf Zusammenbruch und Selbstzerstörung ausgerichtet ist. Ja, auch ich musste es mehrfach lesen, um es zu verstehen.
Der Opener „Rise“ fängt mit den rhythmischen Drums vielversprechend an, verliert aber im Mittelteil etwas von der Eingangsspannung. Dennoch ist er – sicherlich auch durch den durchdachten Refrain – sehr eingängig. Ein ganz anderes Kaliber dagegen ist die nachfolgende Thrashkanone „Damnatio Memoriae“. Laut und aggressiv folgt es einer deutlicheren Richtung und ist einer der besseren Songs des Albums. Auch die typische Ballade darf auf „Soul Dragger“ nicht fehlen. „Maid and the Beast“ wirkt als ruhiger Song an vordererster Front allerdings leicht deplatziert, eventuell wäre er im hinteren Drittel wirkungsvoller aufgehoben gewesen.
Sogar ein rein instrumentales Stück findet sich auf dem Debüt. Mit „Before Chaos“ haben SOUL DRAGGER eine sehr gute Mischung aus Thrash und Modern Metal gefunden, die definitiv ohne Gesang auskommt. Ein echtes Highlight auf dem sonst eher durchschnittlichen Album.
Auch „War Nightmare“ fällt in die Kategorie Highlight. Der Song klingt sowohl stimmlich als auch musikalisch auf einer Wellenlänge und wurde mit altbekannt klingenden Riffs klingen sehr passend arrangiert. Die Instrumente harmonieren hier sehr gut mit dem Gesang. Die nachfolgenden Songs, darunter auch der Titeltrack „Soul Dragger“ können nur als Füllsongs beschrieben werden, bis „Collapse“, der letzte und mit über 6 Minuten auch längste Track auf das Album abschließt. Leider kann auch „Collapse“ nicht über die Schwächen auf „Soul Dragger“ hinwegtäuschen.

Fazit: SOUL DRAGGER wollten viel, haben aber aufgrund der vielen Stile gefühlt den Überblick verloren. Es fehlt der rote Faden und ein paar mehr Songs, die sich festsetzen können. Dennoch darf man nicht vergessen, dass es sich um ein Debüt handelt und die Römer sich erst vor knapp drei Jahren gefunden haben. Es fehlt noch etwas an Reife und Erfahrung, handwerklich sind sie aber auf einem guten Weg. Im Moment kann die junge Band noch nicht vollends überzeugen, aber Potenzial ist vorhanden, es muss nur noch kanalisiert werden.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Rise
02. Damnatio Memoriae
03. Angel
04. Maid and the Beast
05. Everyday
06. Before Chaos
07. Alone
08. War Nightmare
09. Soul Dragger
10. Death ’n‘ Destruction
11. Collapse

Tänski

Zum Reinschnuppern findet ihr hier das Video zu „Rise“

SUICIDE SILENCE – Become The Hunter

Band: Suicide Silence
Album: Become The Hunter
Spielzeit: 39:47 min
Stilrichtung: Deathcore
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 14.02.2020
Homepage: www.suicidesilence.net

 

Nachdem das letzte selbstbetitelte Album mehr verrissen als geliebt wurde, starten SUICIDE SILENCE einen neuen Versuch, ihre Dämonen loszuwerden. Ein Dämon heißt dabei immer noch Mitch Lucker, der 2012 leider viel zu früh verstorbene und legendäre Sänger ist für viele immer noch das Maß aller Dinge. Das macht es für die Band und vor allem für Sänger Hernan „Eddie“ Hermida natürlich nicht einfacher, aber viel mehr noch standen sich die Jungs aus Kalifornien meistens selbst im Weg.

So scheint es auch beinahe bei ihrem neuesten Werk zu sein, dem mittlerweile 8. Studioalbum der bereits 2002 gegründeten Band. Die Songs selbst sind astreine Deathcore Kracher, aber scheinbar wollte das Quintett nach dem Vorgängeralbum stellenweise zu sehr auf Nummer sicher gehen. Deutlich merkt man dies bei „Two Steps“ oder auch „In Hiding“. Die beiden Nummern kommen doch recht eintönig daher und klingen nicht nur, wie schon mehrfach gehört, sondern auch zu sehr gewollt.
Aber zum Glück besteht „Become The Hunter“ aus 11 und nicht nur zwei Songs und der Rest kann sich durchaus hören lassen. Die Kalifornier verströmen wieder die gewohnte Aggressivität, Eddie Hermida schreit und brüllt sich durch die Songs, dass es eine wahre Ohrenfreude ist. Und neben den genannten flacheren Nummern finden sich auch viele Lichtblicke, wie z.b. die Highlights „Skin Tight“ und „Love Me To Death“. Die Songs sind echte Kracher und zeigen deutlich, dass SUICIDE SILENCE immer noch Ideen entwickeln und umsetzen können. Was Eddie Hermida bei „Love Me To Death“ da stimmlich noch raushauen kann, ist absoluter Wahnsinn. Nicht unerwähnt bleiben sollten die genialen Riffs und das komplexere Songwriting, welche nicht nur bei „Feel Alive“ oder „Death`s Anxiety“ deutlich hervorstechen.
Selbst der titelgebende und das Album abschließende Track „Become The Hunter“ kann die Rückkehr der Band nur unterschreiben. Der Song klingt noch eine Spur härter und schneller und ist ein perfekter Abschluss für die Auferstehung von SUICIDE SILENCE.

Fazit: Der erneute Kurswechsel hin zu den Wurzeln ist den California Boys gut geglückt, mit „Become The Hunter“ bewegen sich SUICIDE SILENCE wieder auf gewohntem Terrain. Die Jungs finden zu alter Stärke zurück und können diese – mit kleinen Ausnahmen – auch perfekt umsetzen und mit ein wenig Pfeffer würzen. Das Album strotzt nur so von Wut, Hass, Aggression und überzeugt dabei mit Können, Raffinesse und einem klanglich mehr als überzeugenden Eddie Hermida.
Vergessen wir „Suicide Silence“, es lebe SUICIDE SILENCE!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Meltdown
02. Two Steps
03. Feel Alive
04. Love Me To Death
05. In Hiding
06. Death’s Anxiety
07. Skin Tight
08. The Scythe
09. Serene Obscene
10. Disaster Valley
11. Become The Hunter

Tänski

Wer jetzt Lust auf SUICIDE SILENCE bekommen hat, sollte auf alle Fälle mal bei „Feel Alive“ reinhören: