SOBER TRUTH – Psychosis

Band: Sober Truth
Album: Psychosis
Spielzeit: 42:58 min
Stilrichtung: Progressive Groove Metal
Plattenfirma: Eigen (TaktArt Records)
Veröffentlichung: 24.02.2019
Homepage: www.sober-truth.com

Da kam doch so mir nichts, dir nichts SOBER TRUTH über die Talentschmiede bei der Rock Garage eingetrudelt und ich dachte mir…. ‚Progressive Metal? Oooooch nööööööö….‘ Aber schon nach dem ersten Durchgang war ich nicht nur positiv überrascht, ich war begeistert!
Was die Siegburger mit „Psychosis“ raushauen, ist spannend, interessant, abwechslungsreich und mitreißend. Es werden so viele Genres gekonnt zusammengesetzt, das man bei jedem Lied in eine neue Stimmung bangt. Und genau das macht das mittlerweile 5. Studioalbum von SOBER TRUTH aus. Nicht umsonst handelt „Psychosis“ von der eigenen Realität, der Wahrnehmung des eigenen Umfelds und der Hinterfragung des eigenen Handelns. Das Album ist wie eine aufregende Achterbahnfahrt der Seele.
Schon der Opener „Solitude“ startet die rasante Fahrt. Düster-aggressiv kann sich Sänger und Gitarrist Torsten Schramm hier stimmlich schon direkt austoben. Und nicht nur er, auch die Basslines von Bassistin Jules Rockwell, das hämmernde Schlagzeug von Sam Baw und die Gitarre von Aaron Vogelsberg, der trotz seines jungen Alters wie ein erfahrener Gitarrero in die Saiten haut, kommen hier nicht zu kurz.
Schon der nächste Song „Arkados“ geht in eine andere Richtung und reißt einen mit seinem Groove, Double-Bass-Gehämmere, Gitarrensolis mit. Vorwärts immer, Rückwärts nimmer ist hier die Devise. „Dark Valley“ dagegen startet schon fast besinnlich melodisch und mausert sich während seiner Spielzeit schon fast zu einer epischen Hymne. Und es wird nicht einfach nicht schlechter. Während „Ode to Reality“ ebenso wie „Dying Dreams“ eher als Intermezzo und Wegbereiter für die nächsten Songs zu sehen ist, haut „Riven“ einen vollkommen um. Für mich einer der besten Songs auf „Psychosis“. Ein eingängiger Refrain zwischen dem sich der Rest der Band eindrucksvoll austoben kann.
Auch die nächsten Songs verlieren nichts von ihrer Intensität. Das basslastige Monster „Utopia“ löst das treibende „Horizon“ ab und leitet direkt zum nüchternen „Sober“ (Achtung Wortspiel) über. Es ist eine Re-Arranged Version aus dem Album „Locust ▽ Lunatic Asylum“. Eine gehörige Portion Dark Wave/Gothic mit regelrechten Ausbrüchen gibt es dann mit dem Titeltrack „Psychosis“. SOBER TRUTH haben hier ein kleines Meisterwerk geschaffen, dass man am liebsten nur noch rauf und runter spielen möchte, mit über 6 Minuten auch der längste Track des Albums. Einzigartig und einzigartig unberechenbar.
Den Abschluss bildet das bluesrockige „Collapsed“. Unplugged und energetisch bildet es den perfekten Abschluss für ein Album, das mit den Genres spielt ohne zu überstrapazieren. Alles scheint perfekt aufeinander abgestimmt, der variantenreiche Gesang kombiniert mit jugendlicher Frische und raffinierten Finessen, die das neueste Werk des Quartetts zu einem absoluten Hörerlebnis machen.
Was 2007 begann wird nun mit „Psychosis“ gekrönt, denn mit diesen 11 Songs haben die Siegburger ein deutliches Zeichen gesetzt. Experimentierfreudig, genreübergreifend, unkonventionell. So beschreiben sich SOBER TRUTH selbst und nichts davon ist übertrieben. Weit weg vom Mainstream, was es für die Band vermutlich schwerer macht, wird hier eine Eigenständigkeit gezeigt, die so viele andere Bands einfach vermissen lassen. Und genau dies ist die Stärke von „Psychosis“. Vielleicht nicht immer gefällig, aber mit Ohrwurmgarantie für alle, die keine Angst vor Stil- und Genremixes haben. Kompromisslos und kompromisslos gut. Hut ab, das habt ihr klasse gemacht!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Solitude
02. Akardos
03. Dark Valley
04. Ode To Reality (Instrumental)
05. Riven
06. Horizon
07. Utopia
08. Sober (ReArranged)
09. Dying Dreams (Instrumental)
10. Psychosis
11. Collapse Unplugged

Tänski

SEELENWALZER – totgeglaubt

Band: SeelenWalzer
Album: totgeglaubt
Spielzeit: 58:41 min
Stilrichtung: NDH / Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 24.05.2019
Homepage: www.seelenwalzer.com

 

Mit „totgeglaubt“ werfen die Jungs von SEELENWALZER quasi ein Debüt in die Menge. Quasi, da SEELENWALZER Einigen vermutlich noch als RICHTHOFEN bekannt sein dürfte. RICHTHOFEN wurden 1997 gegründet und haben sich 1999 nach nur 2 Alben wieder aufgelöst. 20 Jahre später haben sich die Jungs wieder zusammengetan und haben mit dem Album „SeelenWalzer“ (Re-Release Ex-Richthofen) den Startschuss für das Projekt SEELENWALZER gegeben. Lediglich Sänger Dirk Weiss ist aufgrund der WARPATH Reunion nicht mehr dabei, mit Alexander Schmied wurde aber der perfekte Ersatz gefunden. Mit Gitarrist Andy Classen, Gernort Leinert am Bass und Sanjai Shah Hausschild an den Drums ist das Quartett komplettiert und bittet zum Tanz.
Dieses Mal gibt es aufgrund des Bandnamens auch keine Erklärungsnöte mehr, sorgte der Name RICHTHOFEN damals trotz eindeutiger Lyrics mehrfach für die Zuordnung ins rechte Lager. Nun also endlich der Neustart als SEELENWALZER. Und was für ein Neustart. Mit „totgeglaubt“ knüpft das Quartett direkt an das RICHTHOFEN Debüt „SeelenWalzer“ an. Brachial hart und mit bitterbösen Texten werden die Hörer in die dunklen Abgründe der Seele geführt. „Die Zeit ist gekommen es wieder zu tun, den SeelenWalzer mit uns zu tanzen!“
Das Intro „Hereinspaziert“ eröffnet mit Jahrmarktklängen hinterlegt den dunklen Reigen. Wer den Weg weiter beschreitet, wird dafür schon direkt mit „Gott ist tot“ belohnt. Leichte Reggaeklänge untermalen den Song, der mit einem enorm brachialen Refrain aufwarten kann. „SeelenWalzer“ dagegen ist durch und durch ein typischer NDH-Song, Marschrhythmus und extrem viel Bass. „Grabesstille“ hat nicht die Härte des Vorgängersongs, kommt aber beschwingt leicht und tanzbar daher.
Die musikalische Abwechslung der ersten drei Lieder zieht sich durch das ganze Album. Auf 18 Songs die mit einer knackigen Gesamtspielzeit von knapp 59 Minuten eher ein Hardcore-Album vermuten lassen, tanzen sich SEELENWALZER durch Leben und Tod, Schuld und Sühne, Leid und Mitleid, Freude und Religion, Missbrauch und Grabesglück. So gegensätzlich die Inhalte der Songs, so gegensätzlich erscheint der Stilmix der einzelnen Stücke. So klingt „Seelenscherben“ ein wenig nach Countrymusik, während „Das Dorf“ den Touch eines Italo-Westerns in sich trägt. Bei „Kinderkrieger“ sind orientalische Klänge zu hören und „Der Feind sind wir“ scheint mit seinem doomigen Rhythmus so irgendwie gar nicht reinzupassen. Aber eben nur scheint. SEELENWALZER zeigen sich abwechslungsreich und trotz der dunklen Künste in Spiellaune und mischen gekonnt verschiedene Stile. Und gerade die Abwechslung macht „totgeglaubt“ so einzigartig und lässt das Album sich von anderen NDH-Scheiben deutlich absetzen. Wo bei vielen anderen NDH-Bands der stumpfe links-rechts-Marsch dominiert, setzen SEELENWALZER eigene Akzente und schaffen es durch ihr Vielseitigkeit, sich gekonnt in Szene zu setzen. Das macht den Unterschied zu NDH-Genregrößen aus und SEELENWALZER brauchen sich nicht hinter namhaften Bands der Szene zu verstecken. Viele Songs haben absoluten Ohrwurmcharakter und sind tanzbar, also alles, wie es sein soll.
Wer schon Fan von RICHTHOFEN war, wird auch SEELENWALZER und „totgeglaubt“ lieben. Ein Hammerteil, das absolut hörenswert ist.

Ihr werdet die Stimme des Blutes hören und dabei die Freuden der Mutter verspüren!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Hereinspaziert
02. Gott ist tot
03. SeelenWalzer
04. GrabesStille
05. Das Weib ist tot
06. MeeresBlut
07. Ihr Kinderlein kommet
08. Freund Tod
09. Seele in Scherben
10. Harlekin
11. Veganerlied
12. Tanzdiktator (Nachtmahr Cover)
13. KinderKrieger
14. Falscher Freund
15. Das Dorf
16. Totgeglaubt
17. Der Feind sind Wir
18. Ich würd’ so gern’ nach Hause gehen

Tänski

IMMINENCE – Turn The Light On

Band: Imminence
Album: Turn The Light On
Spielzeit: 51:35 min
Stilrichtung: Metalcore
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 03.05.2019
Homepage: www.facebook.com/imminenceswe

 

Da hüpft man mal locker flockig über die Seite von Nuclear Blast und stolpert dabei über eine Band namens IMMINENCE. War mir bis dato tatsächlich unbekannt, obwohl die Schweden mit „Turn The Light On“ ihr bereits drittes Studioalbum herausgebracht haben. Aber egal, dann eben eine von Vorgängeralben unbeeinflusste Rezi.
Bereits 2009 von Gitarrist Harald Barret in Malmö gegründet, dauerte es dann noch bis 2012, bis die Besetzung von IMMINENCE komplett war. Die Reifezeit hat die Band anscheinend auch gebraucht, denn die ersten beiden Alben („I“ 2014, „This Is Goodbye“ 2017) sind direkt positiv aufgenommen worden.
Nun also kommt mit „Turn The Light On“ Album Nummer Drei auf den Markt. Ein passender Titel für ein Werk, in dem es darum geht, ‚Licht in die Dunkelheit zu bringen, die wir in uns tragen‘. Die Lyrics beschreiben den inneren Konflikt, die Selbstzweifel und Selbstzerstörung und das auf eine melancholisch leichte und doch düstere Art und Weise. Musik ist das einzige Heilmittel für die inneren Kämpfe und das zeigen die Schweden mit Ihrem neuesten Werk auf recht eindrucksvolle Art und Weise. Geschrieben wurden die textlich starken Songs von Gitarrist Harald Barrett und Vocalist Eddie Berg, zusätzliche Schlagzeug-Parts und Arrangements hat Drummer Peter Harnström beigesteuert.
Schon der Opener „Erase“ zeigt mit eingängigen Lyrics und leichten Shouts, wohin die Reise des Albums geht. Gefühlvoller Metalcore, stellenweise leicht poppig, etwas nah am Mainstream, aber qualitativ durchaus hochwertig und klangvoll. Und höre ich da eine Violine? Tatsächlich, Sänger Eddie Berg spielt Violine. Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal und – wie ich finde – die passende Untermalung für die emotional starken Songs.
Das folgende „Paralyzed“, die erste Singleauskopplung, überzeugt durch kräftige Shouts und bildet mit den weiteren Vorabveröffentlichungen „Saturated Souls“, „Infectious“ und „Lighthouse“ einen wunderbaren Querschnitt der Schweden. Wobei „Saturated Souls“ nicht restlos überzeugen kann, der Song ist für eine Metalcore-Band etwas zu poppig, zu elektrolastig geraten. Der Qualität des restlichen Albums schadet es nicht wirklich, zeigt aber auch, dass IMMINENCE gerne experimentieren bzw. ihre Findungsphase noch nicht abgeschlossen haben. Hoffen wir mal, dass die Jungs sich nicht gänzlich in diese Richtung verlieren.
Eines der Highlights auf „Turn The Light On” ist ganz klar das bereits 2015 herausgebrachte „The Sickness“. Intensives Geknüppel, perfekt ergänzt um tiefe Growls und einem eingängigen Refrain. Bitte, bitte mehr davon!
Natürlich fehlt auch der Gänsehaut Moment nicht. Die Ballade „Death Of You” mit seiner melancholischen Untermalung durch Eddies Violine überzeugt auf ganzer Linie. Ein wundervoll trauriger Song, der einem sofort ins Herz geht.
Auch die nächsten Songs können absolut überzeugen. Während „Scars“ mit einem lockeren Refrain aufwartet, gibt es bei „Disconnected“ hochmelodisch zu. Auch die Violine bekommt ihr Solo und fügt sich wunderbar in den Song ein. „Wake Me Up“ dagegen macht seinem Namen alle Ehre, sorgt der Song mit seinen Shouts und Growls für ein doch sehr heftiges Erwachen. Ein klasse Song, der vor Härte nur so strotzt. Ein ganz anderes Kaliber dagegen ist der letzte Song des Albums. „Love And Grace“ ist eine Pianoballade, welche auch hier wieder die Wandelbarkeit der doch recht jungen Band IMMINENCE zeigt. Wenn auch etwas gewöhnungsbedürftig und noch nicht komplett ausgearbeitet, zeigt der Song aber jetzt schon, was in der Band steckt.
Abschließend bleibt nur zu sagen, dass IMMINENCE mit „Turn The Light On“ noch nicht der ganz große Wurf gelungen ist. Aber das Potenzial ist definitiv da und ich hoffe auf mehr Alben der Schweden. Gerade der Mix zwischen Krachern wie „Room To Breathe“ oder „The Sickness“ und den ausgeglicheneren Songs wie „Death Of You“, dazu der gezielte Einsatz der Violine sind so derart ansprechend, dass man unbedingt von einem durchaus gelungenen Album sprechen kann. Einziges Manko ist für mich die gewollte Nähe zum Mainstream und poppige Ausflüge á la „Saturated Soul“ (aber selbst dieser Song hat irgendwie etwas Besonderes). Lassen wir uns überraschen, wohin die Reise von IMMINENCE mit den nächsten Alben geht. Ich freue mich jedenfalls darauf und werde die Schweden definitiv im Auge behalten.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Erase
02. Paralyzed
03. Room To Breathe
04. Saturated Soul
05. Infectious
06. The Sickness
07. Death of You
08. Scars
09. Disconnected
10. Wake Me Up
11. Don’t Tell a Soul
12. Lighthouse
13. Love & Grace

Tänski

Konzertbericht Kärbholz

Kärbholz – Herz und Verstand Tour in Köln

Samstag, 20.04.2019 – KÄRBHOLZ haben nach Köln geladen und wir sind dem Aufruf gefolgt. Ursprünglich sollte es ins E-Werk gehen, aber nach dem rasanten Kartenvorverkauf wurde das Konzert ins nebenan gelegene Palladium hochverlegt. Trotz des Upgrades war es doch recht kuschelig, aber das ist man als Hölzer ja gewohnt.
Nach den ersten Bierchen ging es dann auch schon zackig los. MUSTASCH aus Schweden haben das Haus gerockt. Mir noch unbekannt, haben sich die Jungs aber sehr schnell in mein Herz gespielt. Mit ihrem Mix aus Metallica-lastigem Metal und Hard Rock, garniert mit einer Flasche Jacky, hat das Quartett aus Göteborg den perfekt rockigen Einheizer für KÄRBHOLZ gegeben. Ich freue mich, wenn ich MUSTASCH auf dem diesjährigen Summer Breeze wiedersehen darf.

Und dann ging es endlich los… Nach einem kurzen Intro wurde die Halle schon direkt mit „Keiner Befiehlt“ auf Betriebstemperatur gebracht. Die zweite Singleauskopplung mit dem mehr als genial Video leitete das Kölner „Heimspiel“ der Jungs aus Ruppichteroth ein. Jeder, der beim aktuellen Album „Herz und Verstand“ noch leichte Bauchschmerzen mit dem doch leicht leiseren Stil hatte, wird hier eines Besseren belehrt. Live geht das Ding ordentlich ab. Zudem ist KÄRBHOLZ immer ein Garant für Spaß, gute Laune, Bier und unendlich viel Rock. Direkt vor uns startete schon eine Pogo-Gruppe, der Rest – inklusive mir – hüpfte glücklich und laut mitsingend auf und ab.
Mit „Überdosis Leben“ vom Vorgängeralbum „Überdosis Leben“ kam dann direkt der nächste Kracher und es sollte fast den ganzen Abend nicht mehr ruhiger werden. Mit einer guten Mischung aus neuen und alten Songs haben KÄRBHOLZ das Palladium befeuert, also ob es kein Morgen mehr gäbe. Wer sich hier nicht hat austoben können, war an dem Abend definitiv auf dem falschen Konzert. Sogar mein all-time-favourite „Fallen & Fliegen“ hat wieder den Weg in die Setlist gefunden, ein guter Grund mal wieder eine Runde zu pogen.
Mittlerweile absolut nicht mehr wegzudenken ist die Dorfkind-Hymmne „Kind aus Hinterwald“. Der Mitgröhl-Faktor war hier definitiv am größten und ich bin mir sicher, auch die Stadtkinder kennen das Lied mittlerweile in- und auswendig.
Mit „Falsche Alternativen“ durfte natürlich auch die politische Ansage nicht fehlen und schon gings mit Hennings obligatorischen Drumsolo weiter. Untermalt von Lichtblitzen hat er auch dieses Mal zur Freude des Publikums wieder alles gegeben.
Während Henning sich an den Drums ausgetobt hat, haben sich Sänger Torben und Gitarrist Adrian heimlich in die Mitte des Saals geschlichen, um für den Gänsehaut-Moment des Abends zu sorgen. Zwischen den Mischpulten stehend und nur mit einer Gitarre bewaffnet, haben die zwei Jungs „Alle meine Narben“ und „Hier!“ als Akustik-Version dargeboten. Emotion pur, verstohlen wischt man sich das Pipi aus den Augen.
Doch die Verschnaufpause dauerte nicht lange und mit „Tabula Rasa“ wurde sofort wieder mit dem Abriss der Halle weiter gemacht. Auf das Trinkerlied „Nacht ohne Sterne“ folgte direkt das Karnevaleske „Alle Systeme auf Vollgas“, eine gute Gelegenheit sich nochmal zuzuprosten. Auch wenn ich nicht mit diesem Lied gerechnet hätte, gefreut hat es uns allemal.
Aber leider ist irgendwann auch die schönste Party vorbei und „Mein Weg“ hat – wie schon so oft – das Ende eingeläutet. Nach der aus vier Songs bestehenden Zugabe war es dann tatsächlich vorbei und leicht benommen, verschwitzt, etwas betrunken aber glücklich steht man dann im Palladium und freut sich schon auf das nächste Mal KÄRBHOLZ.

Fazit: KÄRBHOLZ-Konzerte fühlen sich immer wie Ankommen an. Es gibt hier keine auf hochglanzpolierten Bühnenshows oder an Seilen hängende und durch den Raum fliegende Menschen. Es gibt nur KÄRBHOLZ, eine Familie, eine Lebenseinstellung und unglaublich viel Spaß an Rock’n’Roll. Und auch der Gig in Köln hat genau das verkörpert. Vier bodenständige Jungs und ihre Liebe zur Musik und zu den Fans. KÄRBHOLZ haben sich durch ihre Ehrlichkeit und ihre Echtheit eine große Fangemeinde geschaffen. Und das diese verdient ist, hat der Abend in Köln nur noch untermauert.

Es war ein geiler Abend mit einer geilen Band und einem geilen Publikum. Danke dafür an Familie Holz und definitiv bis zum nächsten Mal!

Setlist Köln

01. Intro
02. Keiner befiehlt
03. Überdosis Leben
04. Ich kann es nicht ändern
05. Herztier
06. Fallen & Fliegen
07. Du bist König
08. Mutmacher
09. Musizin
10. Sink oder schwimm(Sink oder Spring)
11. Kind aus Hinterwald
12. Das hier ist ewig
13. Falsche Alternativen
14. Drum Solo
15. All meine Narben(Duett Adrian and Torben)
16. Hier!(nur Gesang und Gitarren Adrian und Torben)
17. Tabula Rasa
18. Nacht ohne Sterne
19. Alle Systeme auf Vollgas
20. Stein & Sand
21. Feuerräder
22. Mein Weg

Zugabe
24. Tiefflieger
25. Mein persönlicher Krieg
26. In Flammen stehen
27. Lauter!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text und Fotos: Tänski

SABATON – Erste Singleauskopplung „Fields Of Verdun“

SABATON veröffentlichen mit „Fields Of Verdun“ die erste Singleauskopplung des kommenden Albums „The Great War“.

Laut Bassist Pär Lundström verkörpert „Fields Of Verdun“ den typischen SABATON-Sound und wird zukünftig auch nicht mehr aus dem Live-Set wegzudenken sein.

Der neue SABATON-Dreher erscheint übrigens am 19. Juli bei Nuclear Blast, das Review dazu gibt es natürlich bei uns \m/

 

 

 

LEFUTRAY – Human Delusions

Band: Lefutray
Album: Human Delusions
Spielzeit: 41:01 min
Stilrichtung: Thrash Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 24.05.2019
Homepage: www.lefutray.cl

Wer denkt, das Leben in Südamerika wäre beschaulich, ruhig, eben südländisch chillig, wird von LEFUTRAY deutlich eines Besseren belehrt. Die Jungs aus Chile zeigen mit ihrem 4. Studioalbum deutlich, was es heißt in Südamerika zu leben und aufzuwachsen. „Human Delusions“ beschreibt auf eindringliche Weise, wie schizophren und erdrückend die südamerikanische Realität ist. Zum 4. Mal erheben LEFUTRAY die Fäuste gegen Gewalt, Ungleichheit und politische Korruption. Und das mit ordentlich Wumms, hart und schnell. Kein Wunder, kommt der Name „LEFUTRAY“ doch auch aus dem Mapudungun, der Sprache der Mapuche (ein indigenes Volk aus Chile/Argentinien) und bedeutet so viel wie „Fast Sound“. Und den „Fast Sound“ hat das Quartett aus Santiago de Chile allemal drauf. 9 harte Tracks bei knappen 40 Minuten Spielzeit, das kann den Kopf ordentlich durchschütteln. Ochsengekloppe, wie meine Redaktionskollegen diese Art der Musik manchmal mehr, manchmal weniger liebevoll nennen.
Schon der Opener „The Wrath“ knüppelt ordentlich los und zeigt, wohin die Reise geht. Yonattan Munoz an den Drums haut gehörig rein, dazu die harte Gitarre von Christian Olivares – der ganz nebenbei auch für die Produktion zuständig ist – ergänzt um Bassist Miguel Hernandes und Shouter Juan Vejar, der mit seiner rauen Stimme die Runde komplettiert. Ein geniales gutes Thrash-Quartett, das auch in den nächsten Songs nichts an Geschwindigkeit verliert.
Bei „The Wolves“ höre ich ein paar Anleihen an die frühen Sepultura heraus, aber nur leicht, dann geht es direkt mit der LEFUTRAY-Art weiter. „The Wolves“ ist ein Thrash-Groove-Metal Song vom Feinsten, für mich einer der stärksten Songs auf „Human Delusion“.
„The Wires“ startet mit leisen Drums, die sich kontinuierlich in ein Thrash Feuerwerk steigern. Diese Intensität verlässt „Human Delusions“ auch bei den nachfolgenden Stücken nicht. „Wild“ startet direkt mit einen thrashigen Intro, während „Labyrinth“ einen eher verschnörkelten Pfad geht. Abwechslung ist auf alle Fälle geboten, hier versinkt kein Song im Thrash-Metal Einheitsbrei. Im Gegenteil, die Chilenen verstehen ihr Handwerk.
Mit „The Mirage“ haben LEFUTRAY ihrem 4. Studioalbum einen würdigen (Instrumental-)Abschluss bereitet. Mit düsteren Drums und schweren Gitarren nehmen wir nach 9 Songs Abschied von den „Human Delusions“ in Südamerika und ich hoffe, ich höre noch mehr von der Band. Die Reise, auf die uns die 2005 gegründete Band geschickt hat, ist Metal vom Feinsten. Mit ihren wuchtigen Gitarren, hämmernde Drums und den dominanten Bässen sollte das Quartett nun auch endlich Europa erobern. Dennoch ist Luft nach oben, LEFUTRAY haben ihr Potenzial noch nicht völlig abgeschöpft, ich bin gespannt, was noch alles kommt. Dennoch gilt, ein Geheimtipp ist LEFUTRAY mit „Human Delusions“ definitiv nicht mehr.

WERTUNG: 

 

 

Trackliste:

01. The Wrath
02. The Wolves
03. Wires
04. The Mist
05. Wild
06. Labyrinth
07. The Waiting
08. New Blood
09. The Mirage

Tänski

HOPELEZZ geben Ihre Auflösung bekannt

Wie die Band soeben via Facebook verkündet, haben sich HOPELEZZ aus Zeitmangel aufgelöst. Tour, Konzerte, Alben unter einen Hut zu bringen, wenn man die Musik als Hobby betreibt, war dann doch letzendlich zuviel für die Jungs – sowohl zeilich als auch aus Kostengründen. Sehr schade, gehörte die Combo doch zu den talentierteren deutschen Bands des Genres.

Wir wünschen Euch alles gute, Jungs. Und vielen Dank für Eure

https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=2090470614381626&id=109779442450763

Review des letzten Albums:

https://www.rock-garage.com/hopelezz-stories-of-a-war-long-forgotten/

IN FLAMES – I, The Mask

Band: In Flames
Album: I, The Mask
Spielzeit: 50:48 min
Stilrichtung: Metal, Melodic Death Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 01.03.2019
Homepage: www.inflames.com

Mit “I, The Mask” bringen IN FLAMES ihr mittlerweile 13. Studioalbum raus. 13, die magische Zahl… aber Magie verbirgt sich leider hinter „I, The Mask“ nicht wirklich. Viele Fans der „alten“ IN FLAMES werden vermutlich auch mit dem neuesten Werk der Schweden nicht wirklich warm werden, was vielleicht auch Kalkül der Band ist. Sonst würde man nicht schon seit dem Ausstieg von Mastermind Jesper Strömblad im Jahr 2010 einen anderen Weg einschlagen. Was IN FLAMES seitdem produziert haben, war stellenweise gefällig, stellenweise auch seeehr gut, aber häufig gefühlt auf Radiotauglichkeit getrimmt. Dazu passte dann auch die Attitüde von Sänger und Growler Anders Fridén, der z.B. 2015 einige merkwürdige komplett in weiß gekleidete und Fans abwertende Auftritte hingelegt hat. Nun gut, da hat man sich mittlerweile wieder gefangen und bietet den Fans endlich wieder Shows, die IN FLAMES würdig sind.
Und auch der neueste Dreher „I, The Mask“ beginnt erstmal vielversprechend. Mit „Voices“ geht es direkt fulminant los, der geneigte Fan hat ein leichtes Lächeln im Gesicht und hofft… Zusammen mit dem Titeltrack und den beiden nachfolgenden Songs „Call My Name“ und „Above“ bildet es den harten Teil auf „I, The Mask“. Gewohnt hart, klingen auch diese 4 Songs verdammt gut nach IN FLAMES. Aber 4 Songs von 12? Das reicht einfach nicht.
Der zweite Teil der neuen IN FLAMES startet mit dem ruhigen „Follow Me“. Als Zuhörer des Untergangs möchte ich eigentlich gar nicht weiter folgen, sondern am liebsten nur die ersten 4 Songs in Dauerschleife hören. Auch wenn diese im Vergleich zu den älteren Werken (mit Jesper Strömblad) deutlich abfallen. Mit „Follow Me“ wird der US-amerikanische Weg der Musikalität eingeschlagen. Weg von dem, was schwedischen Melodic Death Metal ausmachen. Seichter Song mit poppig-hartem Mitsing-Refrain.
Das folgende „(This Is Our) House“ könnte auch dem 2016er Album „Battles“ entsprungen sein. Während des Intros schreit Anders Fridén mit einer Horde Kinder um die Wette und mein erster Gedanke war, wow, POD klingen wie IN FLAMES. Der Song hat zwar den erforderlichen Drive, aber ist nicht der wirklich große Reißer. Etwas mehr Bumms stünde ihm gut zu Gesicht.
Ein Totalausfall der gesanglichen Qualität ist „We Will Remember“. Anders Fridén kann einfach besser shouten als singen, das merkt man in diesem – ebenfalls sehr langsamen – Song deutlich. Zusammen mit „In This Life“ ein sehr radiotaugliches Pop-Duo. Einen Song dieser Art hätte ich IN FLAMES auch zugestanden, aber leider haben diese die musikalische Macht übernommen.
Erfreulich härter geht dann schon wieder „Burn“ ans Werk und man freut sich über die zurückgekehrten Shouts. Bis dann der Refrain gnadenlos zuschlägt und den guten Eindruck dann doch deutlich dämpft. Modern US Metal as its best, welcher aber bei den Schweden fehlplatziert wirkt. Ein kleines Experiment ist „Deep Inside“. Mit gekonnt ins Szene gesetzten orientalischen Rhythmen ein interessanter Start, der aber im weiteren Songverlauf leider doch nicht richtig zündet. Mit „All The Pain“ erfolgt ein weiterer Versuch von Anders Fridén, sich als Sänger zu etablieren. Dass er aber, wie zuvor schon angemerkt, einfach ein genialer Shouter aber kein wirklicher Sänger ist, hört man auch hier deutlich. Zumal „Deep Inside“ sehr seicht und belanglos dahindümpelt.
Den versöhnlichen Abschluss bildet „Stay With Me“, ein gar nicht mal so schlecht designter Song. Nicht so ganz IN FLAMES typisch, aber hier spürt man die schwedische Schule. Wehmütige Melodien die einen kleinen Rest Jesper beinhalten. Aber ich werde nicht bleiben, definitiv nicht. Ich weiß, dass die Schweden auch mit der geschrumpften Rumpfmannschaft deutlich mehr vollbringen kann. Auch wenn es Anders Fridén egal ist, was die „alten“ Fans über das neueste Werk denken, sollte er die Tür zur alten Welt nicht komplett verschließen. Denn diese haben IN FLAMES zu dem gemacht, was sie heute sind, auch wenn die einstigen Pioniere der Göteborger Schule ihre Wurzeln anscheinend lieber vergessen wollen. Ich glaube an Euch, daher gibt es auch liebevolle und gutgemeinte 5 Punkte, verbunden mit der Hoffnung auf ein klein bisschen mehr Metal im nächsten Album.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Voices
02. I, The Mask
03. Call My Name
04. I Am Above
05. Follow Me
06. (This Is Our) House
07. We Will Remember
08. In This Life
09. Burn
10. Deep Inside
11. All The Pain
12. Stay With Me

Tänski