CRADLE OF FILTH – Cryptoriana – The Seductiveness Of Decay

Band: Cradle of Filth
Album: Cryptoriana – The Seductiveness Of Decay
Spielzeit: 52:58 min
Stilrichtung: Black Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 22.09.2017
Homepage: http://www.cradleoffilth.com

 

Was bei “Hammer of Witches” begann, wird mit dem neuesten CRADLE OF FILTH Werk „Cryptoriana – The Seductiveness Of Decay“ fortgeführt. Orchesterbegleitung und dazu große Chöre, Friedhofsromantik und Gothic-Horror gepaart mit für CRALDLE OF FILTHs ureigenem Black Metal-Stil. So präsentiert sich das mittlerweile 12. Studioalbum des umtriebigen und von Line-up Wechseln geplagten Sechsers. Bereits 1991 in England gegründet zeigt das Sextett mal wieder, in welcher anspruchsvollen Klasse man sich bereits seit Jahren bewegt. Allein schon das Artwork – eine Anlehnung an Botticellis „Geburt der Venus“ – ist viel zu gruselig-schön um wahr zu sein und zeigt, mit welcher Hingabe an jedem noch so kleinen Detail gearbeitet wird.
Auch wenn es sich bei „Cryptoriana“ nicht um ein Konzeptalbum handelt, so gibt es auch hier wieder einen roten Faden. Dieses Mal verschlägt es den geneigten Hörer in das düstere Viktorianische Zeitalter.
Und düster startet es sogleich mit „Exquisite Torments Await“. Dunkle Schläge lassen einen unwillkürlich erschauern bis Dani Filth mit seinen typischen Screams die Düsternis durchbricht und der Song nach 2 Minuten direkt zur ersten Singleauskopplung „Heartbreak And Seance“ übergeht. Black Metal Passagen wechseln sich hier mit Keyboardpassagen und Chorälen ab und bringen so die symphonischen Elemente ein.
Und viktorianisch obskur geht es sogleich mit „Achingly Beautiful“ weiter, eines der besten Stücke des Albums. Mit seinen Death Metal Parts, betörenden Melodien und dem gekonnten Einsatz von Lindsay Schoolcraft (Keyboard und Gesang) kann man den Song ohne weiteres auch als eines der besten CRADLE-Stücke der letzten Jahre bezeichnen. Bleibt zu hoffen, dass in Zukunft noch mehr von der talentierten Lindsay zu hören ist als auf diesem Album.
In die Extrem Metal Kerbe schlägt der vierte Song des Albums „Wesper Vertine“. Richard Shaw und Ashok an den Gitarren rasen zusammen mit Drummer Martin Škaroupa ohne Verschnaufpause durch die Thrash- und Death Metal Passagen. Allein der folgende Titeltrack „The Seductiveness Of Decay“ sorgt für eine kurze Verschnaufpause, bis auch dieser Song deutlich zeigt, aus welchem Hause er kommt. Der Track wird nur so nach vorne gepeitscht und reitet auf einer Welle aus Bassläufen, Schlagzeug und Gitarrenriffs.
Und wer nach den knapp 7 1/2 Minuten noch Luft zum Atmen hat, kann sich beim vergleichsweise kurzen „Vengeful Spirit“ etwas ausruhen. In erneuter Kooperation mit Liv Kristine wechselt der Song spielend leicht zwischen Screams und lieblichem Klargesang hin und her und sorgt durch den männlichen und weiblichen Part für angenehme Abwechslung. Und schon sind wir auch bei den beiden letzten Songs des mit Intro nur 8 Stücke umfassenden Werkes, welche sich aber locker auf 53 Minuten Spielzeit vergnügen. „You Will Know The Lion By His Claw“ passt sich ganz dem Stil von “Cryptoriana” an, fällt aber im direkten Vergleich zu den anderen wirklich starken Songs etwas ab. „Death And The Maiden“ dagegen – mit fast 9 Minuten das längste Stück auf der Scheibe, ist der passend düster-würdige Abschluss für den neuesten Kracher aus dem Hause FILTH. Auch nach mehr als einem Vierteljahrhundert haben CRADLE OF FILTH noch nichts von ihrem Können verloren. „Cryptoriana – The Seductiveness Of Decay“ ist eine stilistisch unverwechselbare Black Metal Oper, die vielleicht nicht immer eingängig ist, aber niemals langweilig wird. Bei jedem Durchgang lässt sich etwas Neues entdecken, aber dafür muss und sollte man sich Zeit nehmen. Ansonsten erschließt sich einem die düstere Schönheit von „Cryptoriana“ nicht. Defintiv ein Muss für alle Fans und alle, die es werden möchten.

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Exquisite Torments Await
02. Heartbreak And Seance
03. Achingly Beautiful
04. Wester Vespertine
05. The Seductiveness Of Decay
06. Vengeful Spirit
07. You Will Know The Lion By His Claw
08. Death And The Maiden

Tänski

COMEBACK KID – Outsider

Band: Comeback Kid
Album: Outsider
Spielzeit: 36:26 min
Stilrichtung: Hardcore
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 08.12.2017
Homepage: http://www.comeback-kid.com

 

Wer kennt sie nicht? Die kanadische Hardcore Ikone COMEBACK KID. Seit 17 Jahren spielt die Band aus Winnipeg Oldschool Hardcore-Punk und trotzdem klingt auch das neueste Werk „Outsider“ weder abgedroschen noch langweilig. Ganz im Gegenteil. Für das neueste Werk haben COMEBACK KID – bestehend aus Frontsau Andrew Neufeld, Jeremy Hiebert und Stu Ross an den Gitarren sowie Basser Ron Friesen und Drummer Loren Legare – anscheinend noch eine Schippe draufgelegt und klingen jung und frisch mit extrem viel Energie in den Texten und Songs.
Schon der Opener und Titeltrack „Outsider“ legt sich gleich mächtig ins Zeug und leitet energetisch ein COMEBACK KID Feuerwerk ein. Während der Anfang hier noch etwas A-typisch anmutet, entwickelt es sich zum Ende doch als astreiner COMEBACK KID Song mit enorm viel Wumms. Und Granate Nummer 2 „Surrender Control“ lässt keinen Zweifel aufkommen. „Outsider“ ist definitiv kein Außenseiter. Zum Vergnügen meinerseits lässt Sänger Andrew Neufeld beim Refrain von „Surrender Control“ mit astreiner Singstimme aufhorchen. Herrlich, wie nahtlos Schrei- und Singstimme ineinander übergehen und so gut passen. Ähnlich geile Abgeh-Refrains findet man auch in „Somewhere, Somehow“ oder „Recover“. Gepaart mit dem ureigenem Oldschool Hardcore ein Mix, der gefällt und auch zeigt, dass COMEBACK KID auch nach so langen Jahren noch nicht eingerostet sind. Klar, der Wiedererkennungswert ist immer da und man hört dem Album an, dass es ein COMEBACK KID Werk ist, aber es klingt eben nicht nach eingeschlafenen Füßen.
Freude kommt auch bei „Absolute“ auf, ein thrashig anmutendes Stück, für den man sich gesangliche Unterstützung bei Devin Townsend geholt hat. Eine Mischung, die aufgeht. Der Song hat absolutes Abgeh- und Mitsingpotenzial. Aber auch die Wutausbrüche wie bei „Hell of a Scene“ dürfen natürlich nicht fehlen, gewürzt mit einem ansteckenden Harcore-Chorus ist es einer der vielen Highlights von „Outsider“. Schade nur, dass dieses brachiale Teil nicht die 2 Minuten Marke knackt.
Überhaupt scheint das mittlerweile 6. Album nur aus Highlights zu bestehen. Neben den bereits genannten Stücken könnte ich locker noch fast alle weiteren Songs aufzählen. Auch die Gäste – neben Devin Townsend noch Chris Cresswell und Northcote – bescheren dem Werk besondere Momente. Vor allem Northcotes dunkle Stimme verleiht dem 13. und letzten Song „Moment in Time“ eine ganz besondere Atmosphäre und lässt das Gesamtkunstwerk würdig ausklingen.

COMEBACK KID klingen wild und unberechenbar, nicht wie eine bereits seit Jahren an der Hardcore Spitze etablierte Combo. Der bisher gesteckte Rahmen wird durchbrochen und neu gesteckt. Die metallischen Einflüsse haben spürbar zugenommen und doch werden die Hardcore Punk Wurzeln hier weder verleugnet noch in den Hintergrund gedrängt. Obwohl bereits alte Hasen versprühen COMEBACK KID frühkindlichen Charme ohne dabei wie eine neue Band zu klingen. Professionalität gepaart mit ursprünglicher Wildheit. „Outsider“ ist ein Werk, das sich auf alle Fälle lohnt. Also, ab in Pit und abgehen ist angesagt.

 

Wertung:

 

 

Trackliste:

01. Outsider
02. Surrender Control
03. Absolute feat. Devin Townsend
04. Hell Of A Scene
05. Somewhere, Somehow
06. Consumed The Vision feat. Chris Cresswell
07. I’ll Be That
08. Outrage ( Fresh Face, Stale Cause)
09. Blindspot
10. Livid, I’m Prime
11. Recover
12. Throw That Stone
13. Moment In Time feat. Northcote

Tänski

PARADISE LOST – Medusa

Band: Paradise Lost
Album: Medusa
Spielzeit: 42:41 min
Stilrichtung: Doom Metal
Plattenfirma: Nucelar Blast
Veröffentlichung: 01.09.2017
Homepage: www.paradiselost.co.uk

Die Schönheit der Traurigkeit, anders lässt sich das mittlerweile 15. Studioalbum der Doom Deather PARADISE LOST nicht beschreiben. Mit „Medusa“ begeben sich die Briten nach „The Plague Within“ noch weiter ‚back tot he roots‘ und das gefällt. Bereits 1988 entwickelte sich die in Halifax gegründete Band schnell zum Vorreiter und Genregründer des Gothic Metal und prägen den Doom Metal bis heute. Und das in fast unveränderter Besetzung, lediglich die Drumsticks wechselten einige Male den Besitzer. Jetzt ist dem Quintett von der Insel mit dem aktuellen Longplayer „Medusa“ ein weiteres Highlight in der knapp 30-jährigen Bandgeschichte gelungen.
Bereits der über 8 Minuten lange Opener „Fearless Sky“ growlt sich Deah Metal-lastig dahin und zeigt die Rückbesinnung auf die Doom Death Frühwerke der Band. Tiefgestimmte Gitarren und eine düstere Grundstimmung sind dabei die Zutaten für ein herausragendes PARADISE LOST 8-Gänge Menü bei dem Nick Holmes Stimme das herausstechende Merkmal ist. Er bewegt sich spielend leicht zwischen growls und Klargesang und drückt dabei jedem Song seinen Stempel auf. Nicht minder grandios kommen dabei die übrigen Bandmitglieder daher. Greg Mackintosch und Aaron Aedy an den Gitarren, die zusammen mit Basser Steve Edmondson für den genial-schwermütigen Sound der Band sorgen. Und mit dem erst 22-jährigen Waltteri Väyrynen wurde die Düster-Combo nach dem Ausstieg von Adrian Erlandsson 2016 wieder komplettiert.
Während das zweite Stück „Gods Of Ancient“ stilistisch in die gleiche Kerbe wie der Opener haut, gibt es auch durchaus flottere, aber dadurch nicht weniger düstere Momente wie „From The Gallows“ zeigt. Während der Opener „Fearless Sky“ mit Orgelmusik eröffnete, startet „The Longest Winter“ mit Krähen in Wind und Regen und lässt einen unvermutet im Winter des Lebens ankommen.
Ein Ausbund an Traurigkeit ist auch der Titeltrack „Medusa“, was vor allem der friedhofsartigen Anfangssequenz geschuldet ist. Zusammen mit Nick Holmes Klargesang entfaltet das Stück seine ganz eigene Melancholie und verzaubert die Zuhörer auf Anhieb. Wobei der Titeltrack nicht direkt die altgriechische Gorgone mit den todbringenden Augen besingt, sondern in PARADISE LOST Manier die nihilistische Bedeutung der Figur hervorhebt. Überhaupt geht es auf diesem Album viel um die Sinnlosigkeit des Lebens und die Bedeutungslosigkeit der Menschheit.
Während das stimmlich wieder tiefgelegte „No Passage For The Dead“ den blinden Glauben besingt, schimmert beim melodischeren „Blood and Chaos“ ein kleiner Funken Hoffnung in der Sinnlosigkeit allen Tuns durch. Aber nur um mit „Until The Grave“, dem würdigen Abschluss des 8-Songs umfassenden Werkes wieder zunichte gemacht zu werden.
Abschließend bleibt nur zu sagen, dass PARADISE LOST mit „Medusa“ ein herausragendes Werk gelungen ist. Stilistisch einwandfrei, mit der exakt richtig dosierten düsteren Schwermut versehen, dazu mit dem dazu passenden Anteil Death Metal angereichert, zeigen PARADISE LOST, warum sie auch nach fast 30 Jahren noch immer die Genregrößen sind. Die wuchtige Produktion dazu macht das Album perfekt, ein Hörgenuss nicht nur für Fans.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Fearless Sky
02. Gods Of Ancient
03. From The Gallows
04. The Longest Winter
05. Medusa
06. No Passage For The Dead
07. Blood And Chaos
08. Until The Grave

Tänski