SLIPKNOT – We Are Not Your Kind

Band: Slipknot
Album: We Are Not Your Kind
Spielzeit: 60:03 min
Stilrichtung: Nu Metal
Plattenfirma: Roardrunner
Veröffentlichung: 09.08.2019
Homepage: www.slipknot1.com

Endlich, nach fünf langen Jahren kommt der brandaktuelle Dreher aus dem Hause SLIPKNOT. Was waren wir alle gespannt, werden die Neun aus Iowa den Erwartungen gerecht? Sind die Jungs wieder in der alten Härte zurück?
Ich kann da nur mit einem entschiedenen „Vielleicht“ antworten. Deutlich besser als der Vorgänger „5: The Gray Chapter“ ist es auf alle Fälle, aber es reicht nicht an die ersten Alben heran.
Mit ihrem sechsten Album „We Are Not Your Kind“, welches exakt zwanzig Jahre nach ihrem selbstbetitelten Debüt veröffentlicht wurde, scheinen SLIPKNOT gefühlt auf Nummer sicher gehen zu wollen um weder die Mainstream-Fans noch die alteingesessenen Fans verschrecken zu wollen. Hier geht definitiv viel Potenzial verloren, das können auch die neuen – durchaus furchteinflößenden – Masken nicht mehr zurückholen. Dabei fängt „We Are Not Your Kind“ noch sehr hoffungsvoll an…
Das Intro „Insert Coin“ erzeugt durch seine verzerrten Synthesizer einen großen Spannungsbogen und ist ein perfekter Einstieg in die verquere Welt von SLIPKNOT. Leider kann sich dieser Spannungsbogen nicht über über das komplette Album halten.
Mit „Unsainted“ folgt dann direkt schon die erste Videoauskopplung und die Trademark der Band, so unglaublich nach SLIPKNOT klingt der Song. Hier kommt auch einiges der alten Aggressivität zurück, die auf den letzten Alben etwas verloren gegangen ist. Ein erster Silberstreif am Horizont und sofort eingängig.
Leider schiebt sich im Anschluss das doch etwas tranige „Birth Of The Cruel“ rein, dass im Vergleich zu „Unsainted“ sehr stark abfällt, obwohl der leicht psychedelische Einschlag zumindest interessant klingt. Das nachfolgende Interlude „Death Because Of Death“ hat eine ähnliche Zielrichtung wie „Insert Coin“, kann aber nicht vollends überzeugen. Das groovige „Nero Forte“ ist vor allem dank Sänger Corey Taylor und seiner durchaus großen gesanglichen Bandbreite ein Highlight, von höllisch-derb zu poppig ist hier alles dabei. Danach tauchen wir mit „Critical Darling“ in eine SLIPKNOTsche Frühphase ein, der glatte Refrain bringt den Song allerdings etwas aus dem Konzept. Trotzdem ein sehr guter Song, dem sich das balladeske „Liars Funeral“ anschließt. Ein ruhiger Titel, der durch seine stimmigen Gitarren, verhaltenen Drums und aggressiven Passagen überzeugen kann.
Ordentlich zur Sache geht es dann bei „Red Flag“, einem der härten Songs auf „We Are Not Your Kind“. Diese Härte und Aggressivität hätte ich mir bei deutlich mehr Songs gewünscht. Kompromisslos hart, ein klasse Metalsong auf den das dritte und letzte Interlude folgt. Eingeleitet mit einem leichten Glockenspiel bildet „What‘s Next“ den perfekten Übergang zu „Spiders“, einem ziemlich überraschenden und experimentellen Song. Prog Rock hätte ich hier jetzt nicht unbedingt erwartet, dadurch sticht er aber positiv heraus.
Während „Orphan“ die Death Metal Keule rausholt, ist „My Pain“ das komplette Gegenteil. Sehr emotional mit einem interessanten Soundgefüge, aber für mich dennoch kein herausragender Track auf „We Are Not Your Kind“.
Mit „Not Long For This World” und “Solway Firth” hauen SLIPKNOT nochmal zwei Kracher raus, von denen „Solway Firth“ nur so von Aggressivität und Zwang strotzt. Ein echtes Highlight des Albums, von dem es leider zu wenig auf „We Are Not Your Kind“ gibt.
Auch wenn die „Maggots“, die SLIPKNOT Fanbase, es abfeiern werden, mir fehlt trotz aller Professionalität und Trademarks das letzte Quentchen für ein großartiges Album. SLIPKNOT scheinen gealtert zu sein, möglicherweise sind die diversen Besetzungswechsel und bandinternen Streitereien nicht spurlos am Iowa-Neuner vorbeigegangen, vielleicht ist es auch der immer noch schwerwiegende Verlust von Paul Gray. Wohlgemerkt, „We Are Not Your Kind“ ist nicht schlecht. Im Gegenteil. Würde ich SLIPKNOT zum ersten Mal hören, wäre die Punktzahl deutlich besser ausgefallen. Aber für jemanden der SLIPKNOT – eine so erfahrene und schon so viele Jahre erfolgreiche Band – bereits einige Jahre begleitet, reicht es nicht aus und ich hoffe, das Album läutet nicht den Abgesang ein, denn das wäre sehr schade und ein großer Verlust für die Musikwelt.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Insert Coin
02. Unsainted
03. Birth Of The Cruel
04. Death Because Of Death
05. Nero Forte
06. Critical Darling
07. Liar’s Funeral
08. Red Flag
09. What’s Next
10. Spiders
11. Orphan
12. My Pain
13. Not Long For This World
14. Solway Firth

Tänski

EQUILIBRIUM – Renegades

Band: Equilibrium
Album: Renegades
Spielzeit: 42:28 min
Stilrichtung: Symphonic Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 23.08.2019
Homepage: www.equilibrium-metal.net

Alles neu macht der August? Im Falle von EQUILIBRIUM scheint das jedenfalls so zu sein, denn in ihrem neuesten Werk – passenderweise mit „Renegades“ (Abtrünnige) betitelt, machen die Bayern ganz viel Neues. Dazu kommen noch zwei Neuzugänge – der Norweger Martin „Skar“ Berger Enerstved (zuständig für Bass und Clean Gesang) sowie Skadi Rosehurst (Keyboard und Synthesizer). Und nicht zu vergessen, ein neues Logo, ein neues Cover-Design und nur noch ein deutschsprachiger Text.
Liebe Die-Hard-EQUILIBRIUM-Fans, seid jetzt bitte tapfer und hört es euch einfach an. Es lohnt sich auf alle Fälle, vertraut mir.
Schon der Opener „Renegades – A Lost Generation“ macht Spaß. Leicht anfangend wird hier dann doch recht schnell Gas gegeben. Absoluter Bang-Faktor und dazu Robses Growls… besser kann ein EQUILIBRIUM Album nicht starten.
Der nächste Song „Tornado“ kommt für die Band dann doch eher sehr ungewöhnlich daher. Die düster angehauchten Strophen klingen nicht EQUILIBRIUM-typisch, ist der Song doch sehr hymnisch. Mit Skars Klargesang im Wechsel mit Robses tiefer Stimme dennoch absolut eingängig und sehr gefällig und vor allem richtungsweisend. „Himmel Und Feuer“ dagegen, der tatsächlich einzige deutschsprachige Song auf „Renegades“ ist eine absolut Gute-Laune-Nummer. Er klingt vertraut und nach EQUILIBRIUM, aber dennoch irgendwie anders anders und vor allem richtig geil.
Völlig unerwartet erwischt einen dann doch der „Path Of Destiny“. Während Robse sich durch den Song growlt und Skar geniale Clear-Parts beisteuert, tauchen im Mittelteil tatsächlich THE BUTCHER SISTERS auf. Eine deutsche Hardcore-Rap-Band bei EQUILIBRIUM? Jawoll, sie haben es getan und es klingt gut. Verdammt gut.
Wer sich von dem Rap-Schreck erstmal erholen muss, kann sich bei „Moonlight“ entspannen. Auch hier dominiert das gesangliche Zusammenspiel von Robse und Skar, vor allem Skars Gesangsteile scheinen ihm auf den Leib geschneidert zu sein. Und wer die alten EQUILIBRIUM vermisst, kann sich zumindest ein wenig davon bei „Kawaakari – The Periphery Of The Mind“ zurückholen. Der Song ist der beste Kompromiss zwischen alter und neuer Welt. Harte Growls und dämpfende Clean-Parts, aufgepeppt mit leicht fernöstlichem Flair.
Zum Ende hin ballert uns „Final Tear“ dann nochmal so richtig einen vor den Latz. Hart, vor Zorn strotzend und absolut kompromisslos. Ein ultraschneller Kracher, der das aktuelle wichtige Thema des Klimawandels aufgreift. Ein absoluter Brecher, der vor nichts Halt macht.
Das darauffolgende trancelastige „Hype Train“ kann wie „Path of Destiny“ mit einem Gast aufwarten. Julie Elven teilt sich den Gesangspart mit Robse, der Song geht musikalisch aber wieder in eine komplette andere Richtung als das krachende „Final Tear“. Schwungvoll und tanzbar mit leichtem Pagan-Folk Einschlag wirkt er luftig und leicht und macht absolut Spaß.
Den epischen Abschluss des neun Tracks umfassenden Werkes bildet das siebenminütige „Rise of the Phoenix“. Ein gelungener Abschluss, bei dem auch wieder Skars Klargesang überzeugen kann. Ein perfektes Ende für das mittlerweile sechste Studioalbum.
Mit „Renegades“ haben sich EQUILIBRIUM deutlich weiterentwickelt, auch wenn dies vermutlich vielen Fans nicht unbedingt gefallen wird. Es ist ein Neustart, der die Brücken der Vergangenheit aber nicht einreißen möchte, sondern auch die Wurzeln, die Anfänge hochleben lässt.
Was sich Hauptsongwriter und Gitarrist René Berthiaume mit seinen Mannen ausgedacht hat, ist wirklich genial und eine konsequente Weiterentwicklung der Band. EQUILIBRIUM experimentieren schon seit ihrer Bandgründung vor rund 18 Jahren und das ist auch gut so. Wie René Berthiaume so passend sagt „Stillstand wäre für uns der innere Tod“ und Recht hat er damit.
Schade nur, dass die Platte schon nach 42 Minuten endet.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Renegades – A Lost Generation
02. Tornado
03. Himmel Und Feuer
04. Path Of Destiny (feat. The Butcher Sisters)
05. Moonlight
06. Kawaakari – The Periphery Of The Mind
07. Final Tear
08. Hype Train (feat. Julie Elven)
09. Rise Of The Phoenix

Tänski

SUICIDAL ANGELS – Years Of Aggression

Band: Sucidal Angels
Album: Years Of Aggression
Spielzeit: 41:14 min
Stilrichtung: Thrash Metal
Plattenfirma: Noise Art Records
Veröffentlichung: 09.08.2019
Homepage: www.suicidalangels.net

Tja, wer denkt, es käme nichts Neues aus Griechenland, hat sich definitiv geirrt. Nach 3-jähriger Pause legen SUICIDAL ANGELS endlich wieder los und hauen mit „Years Of Aggression“ ihr siebtes Studioalbum raus. Sehr schön, darauf haben wir jetzt auch lange genug gewartet.
Obwohl das Cover-Artwork auch dieses Mal von Ed Repka erstellt wurde, ist das wohl auch die einzige Konstante des aktuellen Drehers. Na klar, klanglich ist es immer noch SUCIDAL ANGELS, keine Frage. Aber dennoch wurden hier und da einige stilistische Neuheiten und Einflüsse eingebaut, die dafür sorgen, dass sich SUICIDAL ANGELS im Jahr 2019 doch etwas anders anhören wie die Combo, die sich 2001 auf den Weg gemacht hatte, die Welt zu erobern.
Während der Opener „Endless War“ noch zeigen will, dass man sich treu geblieben ist, ist er alles andere als langweilig. Stakkato-Riffs hämmern sich ins Hirn, während Sänger Nick Melissourgos sich durch die knapp vier Minuten brüllt. Ein klasse Einstieg. Allerdings ist es schon mit dem nachfolgenden „Born of Hate“ vorbei mit der Gewohnheit. Ungewöhnlich melodisch und mit ungestümer Energie heftet sich der Song ans Langzeitgedächtnis an. Und melodisch geht es auch direkt mit dem Titeltrack „Years of Aggression“ weiter. Ein Song, der mit seinem melodischen Riffing einfach nur Spaß macht. Und selbst damit hört die Experimentierfreude des Quartetts nicht auf. Das Intro und die genialen Heavy Metal-Riffs von „Bloody Ground“ erinnern leicht an ICED EARTH und wird mit der thrashigen Härte der griechischen Engel perfekt kombiniert. Mit über sechs Minuten Spielzeit ist „Bloody Ground“ einfach nur wow.
Auch „From all the One” mit seinen starken Slayer-Anleihen groovt sich mächtig und düster in die „Years Of Aggression“ ein. Ebenfalls eines der Highlights der Band und absolut hörenswert.
Völlig aus der Rolle zu fallen scheint das siebenminütige Düster-Epos „The Sacred Dance with Chaos“, welches den Abschluss des knapp 41-minütigen Drehers bildet. In Kombination mit dem Rest des Albums fügt sich „The Sacred Dance with Chaos“ jedoch perfekt ein und ist die logische Weiterentwicklung der Experimente auf „Years Of Aggression“. Die dreijährige Pause und das mittlerweile beständige Line-up scheinen sich ausgezahlt zu haben.
Für eingefleischte SUICIDAL ANGELS Fans, die auf das thrashige Geknüppel der Anfangstage hoffen, wird „Years Of Aggression“ beim ersten Durchgang vermutlich nicht gleich gefallen, aber nach 18 Jahren Bandgeschichte darf man sich auch mal was Neues einfallen lassen. Und im Falle der Griechen war es nur logisch und konsequent, will man nicht in der Belanglosigkeit der Thrash Metal Szene verschwinden. Facettenreich und doch krachend holen SUCIDALS ANGELS mehr als einmal die Abrissbirne raus. Dennoch ist alles klar, strukturiert und dabei doch so gnadenlos kompromissbefreit.
Auch inhaltlich sind die Lyrics einen zweiten Blick wert. Sänger Nick Melissourgos betrachtet darin viele Aspekte des aktuellen Weltgeschehens aus einer persönlichen Perspektive und verleiht dem Album dadurch eine ganz eigene Note.
Mit „Years Of Aggression“ haben SUICIDAL ANGELS vielleicht nicht das Rad neu erfunden, aber sie haben das vielleicht spannendste Album ihrer bisherigen Karriere geschaffen. Allein der Mut, sich auf neues Terrain zu wagen und dabei den Spagat zwischen Härte und Melodie, alt und neu nahezu perfekt hinzubekommen, hat auf alle Fälle Lob und Anerkennung verdient. Und wenn das alles dann soviel Spaß macht, wie es hier der Fall ist, haben SUCIDAL ANGELS alles richtig gemacht.
Ich hoffe, dass die Jungs ihren Weg weiter beschreiten, den sie mit „Years Of Aggression“ so gut begonnen haben.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Endless War
02. Born of Hate
03. Years of Aggression
04. Bloody Ground
05. D.I.V.A.
06. From all the One
07. Order of Death
08. The Roof of Rats
09. The Sacred Dance with Chaos

Tänski

THY ART IS MURDER – Human Target

Band: Thy Art Is Murder
Album: Human Target
Spielzeit: 38:28 min
Stilrichtung: Deathcore
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 26.07.2019
Homepage: www.thyartismurder.net

THY ART IS MURDER ist – laut meinem Chefredakteur – ja eher die Kategorie „Ochsengekloppe“. Allerdings irrt er sich da gewaltig. THY ART IS MURDER ist kein Ochsengekloppe, es ist Fratzengeballere der heftigsten Art. Knapp zwei Jahre nach „Dear Desolation“ (siehe Review bei Rock Garage https://www.rock-garage.com/?s=Thy+Art) hauen uns die Australier ihr neuestes, vor Wut strotzendes, Werk um die Ohren. Und wie wütend die 5 Jungs aus Sidney sind, zeigen sie eindrucksvoll mit ihrem fünften Studioalbum „Human Target“. Sänger Chris „CJ“ Mahon schreit sich hier eindrucksvoll den Frust von der Seele während die Double-Bass-Drum von Neuzugang Jesse Beahler dazu wummert. Erstaunlicherweise gehen bei dem Gehämmere sowohl der Bass von Kevin Butler als auch die Gitarren von Sean Delander und Songwriter Andy Marsh nicht unter, sondern fügen sich perfekt ein. Für Deathcore eher ungewöhnlich, aber hier perfekt umgesetzt. Überhaupt bewegen sich THY ART IS MURDER mit „Human Target“ nahezu immer an der Perfektion. Das Songwriting ist ausgefeilter und wie gewohnt kritisch auf die aktuelle politische Lage gemünzt. Schon der Titeltrack und Opener begibt sich auf dieses Terrain, handelt der Song doch von den dubiosen Organspendepraktiken in China, „New Gods“ prangert die Rolle der Sozialen Medien an, die zur Verstümmelung der Gesellschaft beitragen und „Make America hate Again“ hat den Inhalt schon im Titel. Und das alles in knallharte Riffs und tosende Trommelwirbeln verpackt, dass es nur so kracht.
Schon der angesprochene Opener „Human Target“ legt gleich übelst los und überrollt einen mit seinem kompromisslosen, rohen Sound. Geschickt wird hier mit den Tempowechseln gespielt, Uptemopo-Geballer wechselt sich mit groovenden Midtempo-Parts ab, ein Groovehammer als perfekte Einstimmung auf den Rest des Albums.
Und wer THY ART IS MURDER kennt, weiß, dass es nicht nachlässt. Ein Riff jagt das nächste, die Double-Bass-Drum ballert und Chris „CJ“ Mahon zeigt allen, wo der Frosch die Locken hat. Und wer es schafft, die von vielen Bands verkackten Breakdowns so genial wie bei z.B. „New Gods“ einzusetzen, gehört einfach auf den Deathcore Olymp (oder mindestens als Presslufthammer auf die nächste Baustelle).
„Make America Hate Again“ ist wieder ein astreiner Deathcore-Kracher mit abartig geilen Breakdowns, eines der vielen Highlights des Albums. Und Highlights hat das Album viele. Es ist die gelungene Abwechslung zwischen groovigen Nummern wie „Human Target“, „Welcome Oblivion“ oder auch „Voyeurs into Death“ (welches mit einem Double-Bass Gewitter seine Aufwartung macht) und den genretypischen Core-Krachern. Nicht zu vergessen, dass fast schon melodische „Chemical Christ“, das den perfekten Abschluss für das knapp 40-minütige Knallerteil bildet.
THY ART IS MURDER haben mit „Human Target“ das Genre nicht umgekrempelt oder neu erfunden, aber sie haben ihre Trademark gesetzt und sind aus der Szene einfach nicht mehr wegzudenken. Mit dem mittlerweilen fünften Dreher zeigt sich aber, dass das Quintett gelernt und sich weiterentwickelt hat. Die Songs zeigen mehr Tiefe und gehen ins Eingemachte, die Band weiß souveräner mit Melodie und atmosphärischen Details umzugehen.
Ein rundum gelungenes Teil mit geschickt platzierten Botschaften, die in der heutigen Zeit wichtiger denn je sind. Chapeau, THY ART IS MURDER, ihr gehört für mich jetzt schon zu den ganz Großen!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Human Target
02. New Gods
03. Death Squad Anthem
04. Make America Hate Again
05. Eternal Suffering
06. Welcome Oblivion
07. Atonement
08. Voyeurs Into Death
09. Eye For An Eye
10. Chemical Christ

Tänski

SABATON – The Great War

Band: Sabaton
Album: The Great War
Spielzeit: 38:24 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 19.07.2019
Homepage: www.sabaton.net

Mit „The Great War“ schicken uns SABATON in ihren neuesten Bombenhagel. Dieses Mal geht es musikalisch um den Ersten Weltkrieg, ein Thema, welches aus dem Hause SABATON eigentlich schon längst überfällig ist. Was uns die Jungs aus dem schwedischen Falun mit „The Great War“ um die Ohren ballern, ist wieder typisch SABATON. Power Metal vom Feinsten im SABATON-eigenen Stil. Wiedererkennungswert 1A. Allerdings ist genau das stellenweise auch etwas das Problem des mittlerweile 9. Studioalbums. Wie schon so oft muss sich SABATON auch hier die Kritik gefallen lassen, dass wenig Neues kommt. Der Balanceakt, Neues einzubringen und sich dabei nicht zu verlieren, schon viele Bands scheitern lassen, trotzdem würde es SABATON ganz gut zu Gesicht stehen. Nichtsdestotrotz haben die Schweden mit „The Great War“ stimmiges Stück Musik geschaffen, dem eben nur etwas mehr Abwechslung fehlt.
Auch wenn der Opener „The Future Of Warfare“, der sich mit der Entwicklung und zunehmenden Bedeutung von Panzern beschäftigt, doch etwas anders und Joakim Brodéns Stimme in den Strophen deutlich tiefer klingt, trägt der Refrain wieder das eindeutige SABATON-Signature. Auch „Seven Pillars Of Wisdom“ klingt wieder so derart nach SABATON, dass er schon fast in der x-Beliebigkeit verschwindet, wäre da nicht der überaus ohrwurmtaugliche Refrain. Gerade nochmal so die Kurve gekriegt, Jungs. „Devil Dogs“ ist dann wieder so übertrieben SABATON-klebrig, dass man direkt beim ersten Durchgang mitgröhlen möchte. Hier kann man sich schon die Live-Performance vorstellen, Kleber hin oder her.
Tatsächlich eines meines Highlights ist „The Red Baron“, wie der Name schon sagt, dem legendären Flieger Manfred von Richthofen gewidmet. Die schrägen Hammond-Akkorde im Intro des Liedes leiten es sehr schön passend ein und das langgezogene ‚Higheeeer‘ im Refrain passt perfekt zu Joakims Stimme. Obwohl auch hier wieder hundertprozentig SABATON drin steckt, ist der Song ein kleiner positiver Ausreißer. Gerne mehr davon!
Der Titeltrack „Great War“ ist wieder mitreißend episch und wird mit Sicherheit auch live überzeugen. Das Riffing ist ein echter Hinhörer und man will sofort die Luftgitarre auspacken. Während „A Ghost In The Trenches“ und „Fields Of Verdun“ nicht viel Neues zu bieten haben, aber durchaus mitreißend und mit ausreichend Ohrwurmcharakter ausgestattet sind, wird mit dem balladesken „The End Of The War To End All Wars“ tatsächlich mal was wirklich neues ausprobiert. Opulent ausgestattet, mit Chorgesängen und Streichern unterlegt, ist den Schweden hier ein kleines Meisterwerk gelungen. Einer der Besten Songs des Albums und mit knapp 5 Minuten das längste Stück auf „The Great War“. Den Abschluss des knapp 39-minütigen Werkes bildet „In Flanders Fields“. Ein vertontes Gedicht, welches durch einen geschulten Chor einen fast sakralen Moment des Innehaltens bietet. SABATON haben nicht zuviel versprochen, als Joakim verkündete, dass ‚am Ende des Albums ein ganz besonderer Song steht‘. Ein toller Abschluss für ein sehr gutes Album.
SABATON bieten luftigen Power Metal zu nicht immer leicht verdaulichen Themen. Dies gilt ganz besonders für das Thema des Ersten Weltkriegs. Aber auch hier schaffen die Schweden einen einzigartigen Geschichtsunterricht, stellen hier und da provokante Fragen (z.B. „Seven Pillars Of Wisdom“) und betreiben Geschichtspflege gegen das Vergessen.
Und wem es noch nicht geschichtlich genug in „The Great War“ zugeht, kann sich die „History Edition“ zulegen. In der ca. 4 Minuten längeren Limited Edition wird jeder Titel mit gesprochenen Passagen zu den entsprechenden historischen Begebenheiten eingeleitet.
Ansonsten bietet „The Great War“ alles, was das SABATON-Fanherz begeistert. Auch wenn es für mich ruhig noch ein paar mehr Spielereien mit neuen Stilen sein enthalten könnte, haben SABATON ein gelungenes und in sich stimmiges Werk geschaffen. Auf die Live-Interpretation freue ich mich jetzt schon und verbleibe bis dahin mit einem fröhlichen „… noch ein Bier!“.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Future of Warfare
02. Seven Pillars of Wisdom
03. 82 nd All the Way
04. The Attack of the Dead Men
05. Devil Dogs
06. The Red Baron
07. Great War
08. A Ghost in the Trenches
09. Fields of Verdun
10. The End of the War to End All Wars
11. In Flanders Fields

Tänski

SOBER TRUTH – Psychosis

Band: Sober Truth
Album: Psychosis
Spielzeit: 42:58 min
Stilrichtung: Progressive Groove Metal
Plattenfirma: Eigen (TaktArt Records)
Veröffentlichung: 24.02.2019
Homepage: www.sober-truth.com

Da kam doch so mir nichts, dir nichts SOBER TRUTH über die Talentschmiede bei der Rock Garage eingetrudelt und ich dachte mir…. ‚Progressive Metal? Oooooch nööööööö….‘ Aber schon nach dem ersten Durchgang war ich nicht nur positiv überrascht, ich war begeistert!
Was die Siegburger mit „Psychosis“ raushauen, ist spannend, interessant, abwechslungsreich und mitreißend. Es werden so viele Genres gekonnt zusammengesetzt, das man bei jedem Lied in eine neue Stimmung bangt. Und genau das macht das mittlerweile 5. Studioalbum von SOBER TRUTH aus. Nicht umsonst handelt „Psychosis“ von der eigenen Realität, der Wahrnehmung des eigenen Umfelds und der Hinterfragung des eigenen Handelns. Das Album ist wie eine aufregende Achterbahnfahrt der Seele.
Schon der Opener „Solitude“ startet die rasante Fahrt. Düster-aggressiv kann sich Sänger und Gitarrist Torsten Schramm hier stimmlich schon direkt austoben. Und nicht nur er, auch die Basslines von Bassistin Jules Rockwell, das hämmernde Schlagzeug von Sam Baw und die Gitarre von Aaron Vogelsberg, der trotz seines jungen Alters wie ein erfahrener Gitarrero in die Saiten haut, kommen hier nicht zu kurz.
Schon der nächste Song „Arkados“ geht in eine andere Richtung und reißt einen mit seinem Groove, Double-Bass-Gehämmere, Gitarrensolis mit. Vorwärts immer, Rückwärts nimmer ist hier die Devise. „Dark Valley“ dagegen startet schon fast besinnlich melodisch und mausert sich während seiner Spielzeit schon fast zu einer epischen Hymne. Und es wird nicht einfach nicht schlechter. Während „Ode to Reality“ ebenso wie „Dying Dreams“ eher als Intermezzo und Wegbereiter für die nächsten Songs zu sehen ist, haut „Riven“ einen vollkommen um. Für mich einer der besten Songs auf „Psychosis“. Ein eingängiger Refrain zwischen dem sich der Rest der Band eindrucksvoll austoben kann.
Auch die nächsten Songs verlieren nichts von ihrer Intensität. Das basslastige Monster „Utopia“ löst das treibende „Horizon“ ab und leitet direkt zum nüchternen „Sober“ (Achtung Wortspiel) über. Es ist eine Re-Arranged Version aus dem Album „Locust ▽ Lunatic Asylum“. Eine gehörige Portion Dark Wave/Gothic mit regelrechten Ausbrüchen gibt es dann mit dem Titeltrack „Psychosis“. SOBER TRUTH haben hier ein kleines Meisterwerk geschaffen, dass man am liebsten nur noch rauf und runter spielen möchte, mit über 6 Minuten auch der längste Track des Albums. Einzigartig und einzigartig unberechenbar.
Den Abschluss bildet das bluesrockige „Collapsed“. Unplugged und energetisch bildet es den perfekten Abschluss für ein Album, das mit den Genres spielt ohne zu überstrapazieren. Alles scheint perfekt aufeinander abgestimmt, der variantenreiche Gesang kombiniert mit jugendlicher Frische und raffinierten Finessen, die das neueste Werk des Quartetts zu einem absoluten Hörerlebnis machen.
Was 2007 begann wird nun mit „Psychosis“ gekrönt, denn mit diesen 11 Songs haben die Siegburger ein deutliches Zeichen gesetzt. Experimentierfreudig, genreübergreifend, unkonventionell. So beschreiben sich SOBER TRUTH selbst und nichts davon ist übertrieben. Weit weg vom Mainstream, was es für die Band vermutlich schwerer macht, wird hier eine Eigenständigkeit gezeigt, die so viele andere Bands einfach vermissen lassen. Und genau dies ist die Stärke von „Psychosis“. Vielleicht nicht immer gefällig, aber mit Ohrwurmgarantie für alle, die keine Angst vor Stil- und Genremixes haben. Kompromisslos und kompromisslos gut. Hut ab, das habt ihr klasse gemacht!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Solitude
02. Akardos
03. Dark Valley
04. Ode To Reality (Instrumental)
05. Riven
06. Horizon
07. Utopia
08. Sober (ReArranged)
09. Dying Dreams (Instrumental)
10. Psychosis
11. Collapse Unplugged

Tänski

SEELENWALZER – totgeglaubt

Band: SeelenWalzer
Album: totgeglaubt
Spielzeit: 58:41 min
Stilrichtung: NDH / Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 24.05.2019
Homepage: www.seelenwalzer.com

 

Mit „totgeglaubt“ werfen die Jungs von SEELENWALZER quasi ein Debüt in die Menge. Quasi, da SEELENWALZER Einigen vermutlich noch als RICHTHOFEN bekannt sein dürfte. RICHTHOFEN wurden 1997 gegründet und haben sich 1999 nach nur 2 Alben wieder aufgelöst. 20 Jahre später haben sich die Jungs wieder zusammengetan und haben mit dem Album „SeelenWalzer“ (Re-Release Ex-Richthofen) den Startschuss für das Projekt SEELENWALZER gegeben. Lediglich Sänger Dirk Weiss ist aufgrund der WARPATH Reunion nicht mehr dabei, mit Alexander Schmied wurde aber der perfekte Ersatz gefunden. Mit Gitarrist Andy Classen, Gernort Leinert am Bass und Sanjai Shah Hausschild an den Drums ist das Quartett komplettiert und bittet zum Tanz.
Dieses Mal gibt es aufgrund des Bandnamens auch keine Erklärungsnöte mehr, sorgte der Name RICHTHOFEN damals trotz eindeutiger Lyrics mehrfach für die Zuordnung ins rechte Lager. Nun also endlich der Neustart als SEELENWALZER. Und was für ein Neustart. Mit „totgeglaubt“ knüpft das Quartett direkt an das RICHTHOFEN Debüt „SeelenWalzer“ an. Brachial hart und mit bitterbösen Texten werden die Hörer in die dunklen Abgründe der Seele geführt. „Die Zeit ist gekommen es wieder zu tun, den SeelenWalzer mit uns zu tanzen!“
Das Intro „Hereinspaziert“ eröffnet mit Jahrmarktklängen hinterlegt den dunklen Reigen. Wer den Weg weiter beschreitet, wird dafür schon direkt mit „Gott ist tot“ belohnt. Leichte Reggaeklänge untermalen den Song, der mit einem enorm brachialen Refrain aufwarten kann. „SeelenWalzer“ dagegen ist durch und durch ein typischer NDH-Song, Marschrhythmus und extrem viel Bass. „Grabesstille“ hat nicht die Härte des Vorgängersongs, kommt aber beschwingt leicht und tanzbar daher.
Die musikalische Abwechslung der ersten drei Lieder zieht sich durch das ganze Album. Auf 18 Songs die mit einer knackigen Gesamtspielzeit von knapp 59 Minuten eher ein Hardcore-Album vermuten lassen, tanzen sich SEELENWALZER durch Leben und Tod, Schuld und Sühne, Leid und Mitleid, Freude und Religion, Missbrauch und Grabesglück. So gegensätzlich die Inhalte der Songs, so gegensätzlich erscheint der Stilmix der einzelnen Stücke. So klingt „Seelenscherben“ ein wenig nach Countrymusik, während „Das Dorf“ den Touch eines Italo-Westerns in sich trägt. Bei „Kinderkrieger“ sind orientalische Klänge zu hören und „Der Feind sind wir“ scheint mit seinem doomigen Rhythmus so irgendwie gar nicht reinzupassen. Aber eben nur scheint. SEELENWALZER zeigen sich abwechslungsreich und trotz der dunklen Künste in Spiellaune und mischen gekonnt verschiedene Stile. Und gerade die Abwechslung macht „totgeglaubt“ so einzigartig und lässt das Album sich von anderen NDH-Scheiben deutlich absetzen. Wo bei vielen anderen NDH-Bands der stumpfe links-rechts-Marsch dominiert, setzen SEELENWALZER eigene Akzente und schaffen es durch ihr Vielseitigkeit, sich gekonnt in Szene zu setzen. Das macht den Unterschied zu NDH-Genregrößen aus und SEELENWALZER brauchen sich nicht hinter namhaften Bands der Szene zu verstecken. Viele Songs haben absoluten Ohrwurmcharakter und sind tanzbar, also alles, wie es sein soll.
Wer schon Fan von RICHTHOFEN war, wird auch SEELENWALZER und „totgeglaubt“ lieben. Ein Hammerteil, das absolut hörenswert ist.

Ihr werdet die Stimme des Blutes hören und dabei die Freuden der Mutter verspüren!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Hereinspaziert
02. Gott ist tot
03. SeelenWalzer
04. GrabesStille
05. Das Weib ist tot
06. MeeresBlut
07. Ihr Kinderlein kommet
08. Freund Tod
09. Seele in Scherben
10. Harlekin
11. Veganerlied
12. Tanzdiktator (Nachtmahr Cover)
13. KinderKrieger
14. Falscher Freund
15. Das Dorf
16. Totgeglaubt
17. Der Feind sind Wir
18. Ich würd’ so gern’ nach Hause gehen

Tänski

IMMINENCE – Turn The Light On

Band: Imminence
Album: Turn The Light On
Spielzeit: 51:35 min
Stilrichtung: Metalcore
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 03.05.2019
Homepage: www.facebook.com/imminenceswe

 

Da hüpft man mal locker flockig über die Seite von Nuclear Blast und stolpert dabei über eine Band namens IMMINENCE. War mir bis dato tatsächlich unbekannt, obwohl die Schweden mit „Turn The Light On“ ihr bereits drittes Studioalbum herausgebracht haben. Aber egal, dann eben eine von Vorgängeralben unbeeinflusste Rezi.
Bereits 2009 von Gitarrist Harald Barret in Malmö gegründet, dauerte es dann noch bis 2012, bis die Besetzung von IMMINENCE komplett war. Die Reifezeit hat die Band anscheinend auch gebraucht, denn die ersten beiden Alben („I“ 2014, „This Is Goodbye“ 2017) sind direkt positiv aufgenommen worden.
Nun also kommt mit „Turn The Light On“ Album Nummer Drei auf den Markt. Ein passender Titel für ein Werk, in dem es darum geht, ‚Licht in die Dunkelheit zu bringen, die wir in uns tragen‘. Die Lyrics beschreiben den inneren Konflikt, die Selbstzweifel und Selbstzerstörung und das auf eine melancholisch leichte und doch düstere Art und Weise. Musik ist das einzige Heilmittel für die inneren Kämpfe und das zeigen die Schweden mit Ihrem neuesten Werk auf recht eindrucksvolle Art und Weise. Geschrieben wurden die textlich starken Songs von Gitarrist Harald Barrett und Vocalist Eddie Berg, zusätzliche Schlagzeug-Parts und Arrangements hat Drummer Peter Harnström beigesteuert.
Schon der Opener „Erase“ zeigt mit eingängigen Lyrics und leichten Shouts, wohin die Reise des Albums geht. Gefühlvoller Metalcore, stellenweise leicht poppig, etwas nah am Mainstream, aber qualitativ durchaus hochwertig und klangvoll. Und höre ich da eine Violine? Tatsächlich, Sänger Eddie Berg spielt Violine. Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal und – wie ich finde – die passende Untermalung für die emotional starken Songs.
Das folgende „Paralyzed“, die erste Singleauskopplung, überzeugt durch kräftige Shouts und bildet mit den weiteren Vorabveröffentlichungen „Saturated Souls“, „Infectious“ und „Lighthouse“ einen wunderbaren Querschnitt der Schweden. Wobei „Saturated Souls“ nicht restlos überzeugen kann, der Song ist für eine Metalcore-Band etwas zu poppig, zu elektrolastig geraten. Der Qualität des restlichen Albums schadet es nicht wirklich, zeigt aber auch, dass IMMINENCE gerne experimentieren bzw. ihre Findungsphase noch nicht abgeschlossen haben. Hoffen wir mal, dass die Jungs sich nicht gänzlich in diese Richtung verlieren.
Eines der Highlights auf „Turn The Light On” ist ganz klar das bereits 2015 herausgebrachte „The Sickness“. Intensives Geknüppel, perfekt ergänzt um tiefe Growls und einem eingängigen Refrain. Bitte, bitte mehr davon!
Natürlich fehlt auch der Gänsehaut Moment nicht. Die Ballade „Death Of You” mit seiner melancholischen Untermalung durch Eddies Violine überzeugt auf ganzer Linie. Ein wundervoll trauriger Song, der einem sofort ins Herz geht.
Auch die nächsten Songs können absolut überzeugen. Während „Scars“ mit einem lockeren Refrain aufwartet, gibt es bei „Disconnected“ hochmelodisch zu. Auch die Violine bekommt ihr Solo und fügt sich wunderbar in den Song ein. „Wake Me Up“ dagegen macht seinem Namen alle Ehre, sorgt der Song mit seinen Shouts und Growls für ein doch sehr heftiges Erwachen. Ein klasse Song, der vor Härte nur so strotzt. Ein ganz anderes Kaliber dagegen ist der letzte Song des Albums. „Love And Grace“ ist eine Pianoballade, welche auch hier wieder die Wandelbarkeit der doch recht jungen Band IMMINENCE zeigt. Wenn auch etwas gewöhnungsbedürftig und noch nicht komplett ausgearbeitet, zeigt der Song aber jetzt schon, was in der Band steckt.
Abschließend bleibt nur zu sagen, dass IMMINENCE mit „Turn The Light On“ noch nicht der ganz große Wurf gelungen ist. Aber das Potenzial ist definitiv da und ich hoffe auf mehr Alben der Schweden. Gerade der Mix zwischen Krachern wie „Room To Breathe“ oder „The Sickness“ und den ausgeglicheneren Songs wie „Death Of You“, dazu der gezielte Einsatz der Violine sind so derart ansprechend, dass man unbedingt von einem durchaus gelungenen Album sprechen kann. Einziges Manko ist für mich die gewollte Nähe zum Mainstream und poppige Ausflüge á la „Saturated Soul“ (aber selbst dieser Song hat irgendwie etwas Besonderes). Lassen wir uns überraschen, wohin die Reise von IMMINENCE mit den nächsten Alben geht. Ich freue mich jedenfalls darauf und werde die Schweden definitiv im Auge behalten.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Erase
02. Paralyzed
03. Room To Breathe
04. Saturated Soul
05. Infectious
06. The Sickness
07. Death of You
08. Scars
09. Disconnected
10. Wake Me Up
11. Don’t Tell a Soul
12. Lighthouse
13. Love & Grace

Tänski