HATEBREED – Weight Of The False Self

Band: Hatebreed
Album: Weight Of The False Self
Spielzeit: 34:46 min
Stilrichtung: Hardcore
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 27.11.2020
Homepage: www.hatebreed.com, www.facebook.com/hatebreed

 

Denkt man an Hardcore, wird man unweigerlich auf HATEBREED stoßen. Bereits seit 1994 treiben die Jungs aus Connecticut ihr Unwesen und hauen mit „Weight Of The False Self“ ihr mittlerweile achtes Album raus. Musikalisch werden kaum bis keine neuen Wege bestritten, HATEBREED gehen auf Nummer sicher. Das ist bei dem Quintett aus Übersee aber keineswegs ein Verbrechen, denn auf Nummer sicher heißt bei den Amis auch immer hart, wütend, brachial. So wie man die Jungs eben kennt und in den meisten Fällen auch liebt.
In Zeiten von Covid-19 und den damit verbundenen Einschränkungen ist die Kontinuität, welche HATEBREED verbreiten, wohltuender Balsam für die nicht nur musikalisch geschundene Seele. Frontsau Jamey Jasta brüllt und geifert sich durch die 12 Songs, dass es eine wahre Freude ist. Die Gitarrenfront mit Wayne Lozinak und Frank Novinec untermalen alles mit ihren krachenden Slayer-Gedächntnisriffs und perfektioniert wird das alles mit Tieftöner Chris Beattie und Matt Byrne am Drehteller.
Dass die Mit-Leib-und-Seele-Hardcore-Metaller nichts von ihrer Aggessivität verloren haben, zeigen Sie auch gleich mit „Instinctive (Slaughterlust)“ und dem darauffolgenden „Let Them All Rot“. Irgendwie erwartet und keine Überraschung, aber mit einer derart überzeugenden Leistung dargebracht, dass ich beim ersten Reinhören schon direkt meine Faust gen Himmel gereckt und fröhlich mitgegrunzt habe. Genauso soll es auch sein.
Auch der Titeltrack „Weight Of The False Self” haut in die gleiche Kerbe. Brachiales Riffing trifft auf Jamey Jastas kräftige und unverkennbare Vocals. Textlich mag einiges auf dem Album etwas plump daherkommen (“If you wanna make a difference in the world it means/ you have to be different from the world you see“”), aber hey, wer das so griffig und eingängig in die Welt hinausschreit, darf auch mal plump sein. Den Spaß an der Musik nimmt einem sowas überhaupt nicht. Und mit seinen knackigen 35 Minuten Spielzeit kommt keine Langeweile auf, und ein wenig Abwechslung gibt es auch noch auf „Weight Of The False Self“. Mit „Clinge To Life“ und seinem melodisch epischen Mittelteil oder auch dem punkig-flotten „Dig Out Your Way“ wurde dezent Neues eingebracht. Steht den Jungs aber auch gut zu Gesicht.
Thrashig wird es zum Ende hin auch nochmal mit den Songs „The Herd Will Scatter“ oder auch dem Abschlusstrack „Invoking Dominance“.

Fazit: Alles in Allem zeigen sich HATEBREED auf „Weight Of The False Self“ brachial wie eh und je, qualitativ muss man da keine Abstriche machen. Viel geändert hat sich nicht, die wilde Attitüde der Band ist ungebrochen, die Message wird auch dieses Mal wieder lautstark unters Volk gebracht. Auch das Cover des bekannten Heavy Metal Künstlers Eliran Kantor passt in die musikalische Aussage von „Weight Of The False Self“. HATEBREED haben viel richtig und wenig falsch gemacht. Ich bin jetzt schon heiß wie Frittenfett, die Jungs endlich wieder live zu sehen (hätte eigentlich in diesem vermaledeiten Jahr schon passieren sollen). Und mit den weisen Worten eines Jamey Jasta schließe ich nun dieses Review, das immerhin fette 8 Sterne verdient vergeben hat.

„Sichtbar oder unsichtbar, jeder trägt eine Last. Die Musik, die wir lieben, hilft uns, das Gewicht zu tragen“,

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Instinctive (Slaugtherlust)
02. Let Them All Rot
03. Set It Right (Start With Yourself)
04. Weight Of The False Self
05. Cling To Life
06. A Stroke Of Red
07. Dig Your Way Out
08. This I Earned
09. Wings Of The Vulture
10. The Herd Will Scatter
11. From Gold To Gray
12. Invoking Dominance

Tänski

Wer noch überzeugt werden muss, hört hier bitte rein 😉

 

AGNOSTIC FRONT – Neues Video

Zu Ihrem bereits im Dezember 2019 veröffentlichten Album „Get Loud!“ hauen die Hardcore Pioniere AGNOSTIC FRONT das Video zu „Urban Decay“ raus. Powervoll wie eh und je und kein bisschen leise.

Weiter so, Jungs \m/

Und wer das Review zu „Get Loud!“ verpasst haben sollte (shame on you), kann es hier nochmal nachlesen: https://www.rock-garage.com/agnostic-front-get-loud/

 

NASTY – Menace

Band: Nasty
Album: Menace
Spielzeit: 29:14 min
Stilrichtung: Hardcore
Plattenfirma: Century Media
Veröffentlichung: 25.09.2020
Homepage: www.facebook.com/getnasty

Das Jahr 2020 ist immerhin für jegliche Core-lastige Musik ein gutes Jahr. Mit „Menace“ gibt es jetzt mal wieder einen wunderbar brachial guten Output aus dem Hause NASTY. Die Belgier treiben nun schon seit 16 Jahren ihr Unwesen in der Hardcore-Welt und hauen mit „Menace“ ihr mittlerweile siebtes Album raus.
Und was für ein geiles Teil das ist. Sänger Matthi, Gitarrist Paddy, Drummer Nash und Bassist Berri servieren uns mit “Menace” einen wilden, rohen Bastard, der von Anfang bis Ende einfach nur durchrockt und allen Weichspüler-Freunden ganz klar zeigt, wo der Frosch die Locken hat.
Schon der Opener „Ultimate“ zeigt ganz deutlich, wohin die Jungs wollen. Roh, hart, brachial. In 2 ½ Minuten bekommt man hier schon die ganze Härte und den ganzen Hass um die Ohren gehauen. Als wäre das noch nicht genug, donnert uns im 45-sekündigen „Bulletrain“ eine Thrash-Kanone entgegen. Überhaupt wird hier viel gepoltert, geschrien, gehasst und draufgehauen. Auch der Titeltrack lässt keine Wünsche offen, während das mit klaren Refrains aufwartende „Be Careful“ für einige Abwechslung sorgt. Hier zeigt sich Matthis wunderbare stimmliche Vielfalt, er kann tatsächlich deutlich mehr als nur growlen kann. Der Song ist definitiv eines der Hightlights des Albums. Überhaupt besteht die Platte aus mehr High- als Lowlights. Was das Quartett aus Belgien hier abliefert, ist eine der besten „NASTY“-Platten überhaupt. „Menace“ entstand während der Corona-Pandemie und man hört deutlich raus, wie hart die Pandemie auch die Band getroffen hat. “When the pandemic started it hit us all pretty bad during the recording and writing process. We wanted to write about the craziness in this world. This world is a menace for you, but you are also in danger of becoming a menace to this world through the input given by it.” Besser kann man “Menace” gar nicht beschreiben. Wütend und hasserfüllt kommt jeder einzelne Track daher, roh und brachial. Es ist eine wahre Freude, sich das nur knapp 30 Minuten lange Album reinzuziehen. Jedes Mal aufs Neue. Die Jungs schaffen es, jeden der 14 Songs in ein knackig knappes Gewand zu stecken, ohne dass etwas auf der Strecke bleibt oder zu kurz kommt. „Menace“ ist pure Energie, die mit Ballad Of Bullets“ schließlich ihr großes Finale erreicht. Immerhin ist der letzte Song mit über drei Minuten auch der längste des ganzen Albums und ein würdiger Abschluss für „Menace“.
In den vergangenen 16 Jahren haben NASTY schon einige geile Teile hingelegt und legen mit Album Nummer Sieben nochmal ne Schippe drauf. Der nächste logische Schritt in der persönlichen und musikalischen Weiterentwicklung, dafür spricht auch der Wechsel zum neuen Label Century Media. Auf „Menace“ zeigen sich die Belgier vielseitig und ausgereift, einziges Manko sind die fehlenden Feature-Gäste, die sonst auf keinem Album fehlten.

Fazit: Mit „Menace“ sind NASTY wieder Back to the Roots und trotzdem so vielseitig wie nie zuvor. Nackenbrechende brachiale Songs vereint mit ausgefeiltem Songwriting ergeben ein beinahe makelloses Album, das trotzdem rauh, wild und unberechenbar daherkommt. „Menace“ ist ein Muss für alle Fans roher ehrlicher Musik und ein Geschenk für alle NASTY-Fans.

“Four dudes doing fucked up music for a fucked up world.”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Ultimate
02. Bulletrain
03. Menace
04. Be Careful
05. 666AM
06. Tricky Plays
07. Betrayer
08. You Will Know My Name
09. Inhale/Exhale
10. Blood Crop
11. Addicted
12. Table Of Kings
13. The End Of The World
14. Ballad Of Bullets

Tänski

BODY COUNT – Carnivore

Band: Body Count
Album: Carnivore
Spielzeit: 47:56 min
Stilrichtung: Crossover / Rap Metal
Plattenfirma: Century Media
Veröffentlichung: 06.03.2020
Homepage: www.bodycountband.com

BODY COUNT melden sich nach 3-jähriger Pause lautstark zurück und zeigen mit „Carnivore“, dass ihr Appetit auch nach 30 Jahren immer noch ungezügelt ist. Mit ihren Texten treffen die Jungs aus L.A. immer noch genau auf den Punkt und legen den Finger in Wunden, die sich nie schließen werden. Und genauso soll es auch sein.
Nicht erst seit ihrer überaus erfolgreichen Reunion im Jahr 2014 und den gefeierten Alben „Manslaughter“ (2014) und „Bloodlust“ (2017) stehen BODY COUNT für wütende, gesellschaftskritische Musik gepaart mit kraftvollen Gitarren und der genialen Verknüpfung von Rap und Metal. Bereits seit 1990 brüllen BODY COUNT ihre sozialkritischen Texte in die Welt und sind dabei kein bisschen leiser geworden.
Auch „Carnivore“ ist wieder laut und lauter geworden, BODY COUNT bleiben hier ihrem heftigeren neuen Stil treu, herrlich politisch unkorrekt und stets mit derbem Humor ausgestattet.
Schon der Titeltrack und auch die erste Singleauskopplung „Carnivore“ zeigt, wo der Frosch die Locken hat. Dicke Riffs, fette Breaks und der dominante Sprechgesang eines immer noch wütenden Ice-T. Ein klasse Einstieg, der auch die zweite Singleauskopplung „Bum Rush“ in nichts nachsteht. Das Hardcore-Fundament wird noch etwas deutlicher untermauert und auch inhaltlich zeigen BODY COUNT hier ganz klare Kante. Und natürlich dürfen auf „Carnivore“ weder die hochkarätigen Gastsänger noch das den Vorbildern huldigende Cover fehlen. Als Gaststars setzen Riley Gale (POWER TRIP) und HATEBREEDs Jamey Jasta ihre Duftmarken. Während Riley Gale sich im thrahslastigen Polizeiklopper „„Point the Finger“ austoben darf, haucht Jamey Jasta im deultich melodischeren „Another Level“ Leben ein. Im ruhigsten Song des Albums „When I’m gone“, der den Tod des Rappers Nipsey Hustle betrauert, darf die unsägliche Amy Lee (EVANENSCECE) mitheulen. Obwohl Amy alles gibt, verkommt der Song trotz der bekannten Heulboje nicht zum Kitsch-Schluchz-Heulsong, sondern besticht durch seine traurig-melancholische Grundstimmung.
Eines der vielen Highlights auf „Carnivore“ ist auch das MOTÖRHEAD-Cover „Ace of Spades“, mit dem BODY COUNT sich tief vor ihren Helden verneigen. Abgerundet wird das 7. Studioalbum durch das bisher unveröffentlichte Demo „6 in tha morning“ und Liveversionen der Kracher „No lives Matter“ und „Black Hoodie“ vom 2017er Album „Bloodlust“.

Fazit: Alles in allem bleiben sich BODY COUNT auch auf „Carnivore“ treu. Das Album vereint alle Stärken der Band und zeigt dabei trotzdem eine größere Bandbreite. Der metallische Einschlag kommt noch deutlicher hervor, jedoch ohne den unverkennbaren BODY COUNT Stil zu überdecken. Auch im 30. Jubiläumsjahr haben die Kalifornier viel zu sagen und das tun sie auch auf „Carnivore“ mehr als laut und deutlich und auf beeindruckende Art und Weise. Die fette Produktion unterstreicht dabei den frischen Modern-Metal Einschlag, ohne dass der so typische BODY COUNT Charakter verloren geht.
BODY COUNT sind und bleiben weiterhin die Messlatte im Rap-Metal, und das ist auch gut so.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Carnivore
02. Point the Finger feat. Riley Gale
03. Bum-Rush
04. Ace of Spades
05. Another Level (feat. Jamey Jasta)
06. Colors
07. No Remorse
08. When I’m Gone (feat. Amy Lee)
09. Thee Critical Beatdown
10. The Hate Is Real
11. 6 In tha Morning (Unreleased Demo)
12. No Lives Matter (Live in Australia 2017)
13. Black Hoodie (Live in Australia 2017)

Tänski

Wer noch nicht genug hat, hier gehts zur Singleauskopplung „Bum-Rush“:

LIONHEART – Valley Of Death

Band: Lionheart
Album: Valley Of Death
Spielzeit: 24:40 min
Stilrichtung: Hardcore
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 15.11.2019
Homepage: www.facebook.com/lionheartca

Nach gut zwei Jahren heißen uns LIONHEART wieder an der Westküste willkommen. Mit „Valley Of Death“ schließt der Bay Area Fünfer nahtlos an „Welcome To The Westcoast“ an und zeigen uns auch hier deutlich, warum LIONHEART die Könige des Bay Area Hardcore sind. Immer schön in die Fresse rein und die Leute mal so gar nicht zu Atem kommen lassen. LIONHEART halt. Und mit Album #6 werden die Jungs sogar noch einen Ticken lauter und härter, auf Verschnaufpausen kann man hier lange warten.
Schon der Opener und Titeltrack „Valley of Death” lässt so manches Fanherz höher hüpfen. In typischer LIONHEART-Manier wütet sich Fronter Rob Watson durch den knüppelnden Song. Überhaupt scheint Wut eines der hervorstechenden Merkmale der 2004 in der Bay Area gegründeten Band zu sein, das hat auch mit dem neuesten Dreher nicht nachgelassen. Vor allem Kritiker des LHHC bleiben davon nicht verschont, wie im Song „For The Record“ deutlich zu hören ist.
Ein kleines Schmankerl ist „Rock Bottom“, werden die Jungs um Rob Watson doch glatt von STICK TO YOUR GUNS Frontsau Jesse Barnett unterstützt. Es ist eine Freude, die zwei Jungens sich durch den Song brüllen zu hören. Definitiv eines der Highlights auf „Valley Of Death“. Ein weiterer Gast findet sich dann mit Rapper JET BLACK „Before I Wake“. Eine durchaus gelungene Mischung, die auf Anhieb zündet.
Mit dem kleinen Doublebass-Gimmick in „When I Get Out” hat sich der Kalifornien-Fünferpack eine nette Überraschung ausgedacht. Der Song strotzt so sehr vor Kraft, dass er schon fast nicht mehr laufen kann.
Ein richtiger Circlepit-Kracher findet sich mit „Stories Form The Gutter“, bei dem man einfach atemlos und geschafft zurückbleibt. Obwohl extrem schnell, verliert er doch nicht die LIONHEART-typische Handschrift. Geschickt haben die Jungs noch ein paar geniale Breakdowns eingebaut und ab geht die wilde Fahrt.
Und dann ist es passiert. Nach knapp 25 Minuten und 10 richtig geilen Songs endet „Valley Of Death“ auch schon. Mit dem schon fast entspannenden „Dragging Heaven“ und einem Auszug aus TOM PETTYs „Free Fallin‘“ als Outro haben die Jungs aber einen mehr als passenden Abschluss gefunden.

Fazit: LIONHEART liefern mit „Valley Of Death” ein starkes sechstes Album mit 10 starken Songs ab. Aggressive 25 Minuten, die ordentlich reinknüppeln. Hier wird nicht lange gefackelt, hier wird losgelegt. Kann man mehr verlangen? Ja, man kann. Wie schon bei vielen eingespielten Bands hätte ich mir auch hier mehr Mut zu Innovationen gewünscht. Dennoch, die Songs strotzen nur so vor Energie und purer Aggression und „Valley Of Death“ lässt einen trotz kleiner Schwächen mehr als zufrieden und ausgepowert zurück.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01.Valley Of Death
02. Burn
03. For the Record
04. Rock Bottom
05. When I Get Out
06. Born Feet First
07. Stories From The Gutter
08. Before I Wake
09. In My Skin
10. Dragging Heaven

Tänski

AGNOSTIC FRONT – Get Loud!

Band: Agnostic Front
Album: Get Loud!
Spielzeit: 30:08 min
Stilrichtung: Hardcore
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 09.11.2019
Homepage: www.facebook.com/agnosticfront

AGNOSTIC FRONT holen die Hardcore-Keule wieder raus. Und das so gewohnt genial-gut, dass man gar nicht anders kann als im NYHC-Rausch durch die Gegend zu springen. Was die Jungs aus New York mit „Get Loud!“ hier wieder auf die Beine gestellt haben, wirkt anscheinend wie ein Jungbrunnen. Denn auch nach über drei Jahrzehnten wirkt die Band frisch, laut und immer noch wütend.
Das alles spürt man auch schon direkt im passend gewählten Opener „Spray Painted Walls“, gefolgt vom thrashartigen „Anti Social“. Zwei Kracher, die schon die Richtung vorgeben und deutlich machen, wie jung die alten Hasen auch heute noch sind. Aber wer denkt, AGNOSTIC FRONT können nur altbekanntes, irrt sich. Der Titeltrack „Get Loud!“ sticht positiv heraus und in den Songs sind wieder mehr Hardcorepunk Einflüsse eingewoben worden. Aber auch der NYHC-typische Sound fehlt hier natürlich nicht. „Urban Decay“ und „Isolated“ seien hier genannt, zwei astreine Hardcore-Perlen, die deutlich zeigen, warum Agnostic Front auch nach 35 Jahren immer noch zu den Besten ihres Faches gehören. Roger Miret am Mikro ist immer noch ein Garant für feinsten NYHC und liefert mit Bandgründer und Gitarrist Vinnie Stigma ein knackig kurzes, gerade mal 30 Minuten dauerndes Album mit 14 Songs, ab, Abfeiergarantie inklusive..Unterstützt werden die beiden Herren durch Basser Mike Gallo, Drummer Pokey Mo und den erst 2014 eingestiegenen Gitarrero Craig Silverman.
„Get Loud!“ besticht auch durch sein grandioses Coverartwork, dass ein wenig an das AGNOSTIC FRONT Meisterwerk „Cause For Alarm“ erinnert. Kein Wunder, stammt es doch von Sean Taggart, der auch schon das 86er Album gekonnt in Szene gesetzt hat.
AGNOSTIC FRONT haben mit „Get Loud!“ viel richtig und gar nichts falsch gemacht. Die Band hat auch nach 35 Jahren noch viel zu sagen und geben allen eine Stimme, die keine haben. Dabei ist die Band authentisch wie eh und je und gerade diese Authentizität hat dafür gesorgt, dass es AGNOSTIC FRONT auch nach Jahrzehnten noch gibt. Auch wenn der New Yorker 5er keine Stadien füllt, sind die mittlerweile ergrauten Herren immer noch die wichtigsten Wegbereiter und das Aushängeschild für Hardcore.

Fazit: In die Jahre gekommen? Nein, nur älter und besser. AGNOSTIC FRONT zeigen mit „Get Loud!“ wo der Frosch die Locken hat und warum Hardcore nicht unterzukriegen ist. Wer mit AGNOSTIC FRONT und Roger Mirets spezieller Stimme bisher nichts am Hut hatte, sollte sich „Get Loud!“ nicht zulegen, aber für Fans der Band ist das mittlerweile 12. Album ein absolutes Muss und ein genialer Leckerbissen.

It’s time to Get Loud!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Spray Painted Walls
02. Anti Social
03. Get Loud
04. Conquer And Divide
05. I Remember
06. Dead Silence
07. AF Stomp
08. Urban Decay
09. Snitches Get Stitches
10. Isolated
11. In My Blood
12. Attention
13. Pull The Trigger
14. Devastated

Tänski

BASHDOWN – A New Set Of Problems

Band: Bashdown
Album: A New Set Of Problems
Spielzeit: 33:37 min
Stilrichtung: Hardcore
Plattenfirma: Nurecords / CoreTex
Veröffentlichung: 13.09.2019
Homepage: www.bashdown.de

BASHDOWN? Noch nie gehört… Aber das wird sich in der nächsten Zeit wohl deutlich ändern. Was die Jungs da mit ihrem Debüt raushauen, kann sich durchaus hören lassen. Und zwar mehrfach. Hintereinander.

Aber mal von vorne. BASHDOWN sind fünf Musiker aus Hannover, die sich vor einem Jahr gedacht haben, gründen wir mal ne Band und machen ein bisschen Hardcore. Gesagt, getan und nur ein Jahr später steht das erste Album in den Startlöchern. Schon das Bandlogo zeigt die Richtung an, auch wenn es etwas zu deutlich von HATEBREED abgekupfert wurde. Musikalisch haben die Jungs das Rad zwar nicht unbedingt neu erfunden, aber die Hardcore Szene aufmischen können sie allemal. Jeder der 11 Songs auf „A New Set Of Problems“ (kurz A.N.S.O.P.) geht eher mehr als weniger ins Ohr. Auch wenn die Songs noch häufig nach den Großen der Szene (Madball, Hatebreed, und wie sie alle heißen) klingen, ist eines nicht zu vergessen: Wir reden hier immerhin von einem Debütalbum einer noch sehr jungen Band.
Und schon der erste Song „To The T“ kann überzeugen. Zusammen mit „Anger MGMT“, „No Way“ (Madball lassen grüßen), „Life’s Short“ kommt richtiges Hardcore-Feeling auf und die Songs gehen mächtig ab. Der Kracher „To The T“ wurde auch als Videosingle veröffentlicht.
Textlich bewegen sich die Hannoveraner auf der persönlichen Ebene. So handelt der Song „Life’s Short“ von der Pro Skateboard Zeit von Sänger Helge Haß und ist eine Skateboardhymmne für gute Freunde, die leider schon zu früh aus dem Leben gegangen sind. Titel wie „Karma“, „Relationshit“ oder „Bad News“ rechnen mit der Welt ab oder gehen gegen Vorurteile an. Und wenn man sich Sänger Helge Haß so anschaut, ist es kein Wunder, dass „Bad News“ mit den Vorurteilen gegen Tätowierungen und dem Lifestyle der Band aufräumen möchte.
„A.N.S.O.P.“ hat so gut wie keine Hänger, selbst die vermeintlich schlechteren Songs wie „Netdevil“ oder „Clusterfuck“ haben definitiv ihre Daseinsberechtigung, fallen gegen die stärkeren Songs aber einfach ab.

Alles in Allem liefern BASHDOWN ein erstaunlich gutes Erstlingswerk ab. Obwohl die Band erst seit einem Jahr den gemeinsamen Weg bestreitt, ist das Zusammenspiel von Sänger und Frontsau Helge Haß mit den beiden Gitarreros Martin Blankenburg und Thomas Steinert, dem groovigen Bass von Flo Kraus und den hämmernden Drums von Helge Dolgener nahezu perfekt. Mir fehlt jedoch noch die Eigenständigkeit, der eigene Stil, denn auf „A.N.S.O.P.“ sind die Szenegrößen noch sehr deutlich raushörbar. Aber ich bin positiv gestimmt, dass die Hannover-Gang mit den nächsten Alben ihren individuellen Stil noch besser herausarbeiten können und ihren eigenen Weg gehen werden. Und natürlich muss es auch noch Luft nach oben geben, das Potenzial ist aber auf alle Fälle vorhanden.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. A.N.S.O.P.
02. To The T
03. Anger MGMT
04. No Way
05. Karma
06. Don’t Waste My Time
07. Netdevil
08. Clusterfuck
09. Bad News
10. Life’s Short
11. Relationshit

Tänski

MADBALL – For The Cause

Band: Madball
Album: For The Cause
Spielzeit: 34:27 min
Stilrichtung: Hardcore
Plattenfirma: Nuclear Blast Records
Veröffentlichung: 15.06.2018
Homepage: www.madballhc.com

Bei dem Begriff New York Hardcore (NYHC) denkt man unweigerlich an Bands wie AGNOSTIC FRONT, SICK OF IT ALL, PRO-PAIN und eine der wichtigsten Bands dieses Genres ist eben MADBALL. 1988 als Nebenprojekt von AGNOSTIC FRONT gegründet, ist MADBALL längst aus dem Schatten des großen Bruders herausgetreten. Und aus dem damals 12-jährigen Grünschnabel Freddy Cricien ist einer der besten Sänger des NYHC geworden. Energetisch wie eh und je merkt man ihm und seinen Mannen das stolze Alter der Band auch auf „For The Cause“ nicht an. Kompromisslos, ausdrucksstark, Hardcore vom Feinsten. MADBALL haben bisher noch kein wirklich schwaches Album in den vergangenen 25 Jahren herausgebracht und auch der neueste Dreher kann sich nahtlos in die Top-Alben der Band einreihen.
13 knackige Kracher auf denen sich MADBALL in knapp 35 Minuten Spielzeit austoben und dabei so ungekünstelt und unbedingt glaubwürdig rüberkommen, wie schon die Jahre zuvor. Dazu passt auch die klare Ansage von Fronter Freddy Cricien „Wenn du nicht für eine bestimmte Sache kämpfst, nimmst du nicht am Leben teil. So einfach ist das. Sag was du denkst, kämpfe, bilde dich weiter, trage zu Veränderungen bei und bringe Opfer für das, was dir wichtig ist.“ Zu dieser knackigen Aussage passen auch die Songs auf „For The Cause“. Bis auf den Titeltrack sind diese durchschnittlich zwei- bis dreieinhalb Minuten lang. Die passende Länge für die Dynamik und Energie des Albums und der Tracks ohne dass alles zu lang oder müde wirkt. Von Müdigkeit ist auch der erste Song des 9. Studioalbums weit entfernt. „Smile Now Pay Later“ ist wie „Old-Fashioned“, “Lone Wolf” und “For The Cause” ein lupenreiner Hardcore-Kracher, der groovig abgeht und einen schon beim ersten Song nicht stillstehen lässt. Granatenmäßig, ein perfekter Einstieg.
Aber warum darauf ausruhen? Schon geht es weiter mit „Rev Up“. Ein geiler – mit einem Gangsta-Intro eingeleiteter – Speedster. Und sofort schließt sich mit „Freight Train“ ein etwas rockigerer Song an, der von der mit Ice-T eingesungenen Granate „Evil Ways“ abgelöst wird. Und während „The Fog“ noch mit einer fetten Punkattitüde glänzt, wird mit „Confessions“ und seiner thrashigen Art eher der Metalhead angesprochen. Absolut erwähnenswert ist „Es Tu Vida“. Ein astreiner NYHC Song, der zeigt, dass krachende Gitarren und brachialer Double Bass-Einsatz auch in Spanisch mehr als gut funktioniert.
Das Besondere auf „For The Cause” sind jedoch die zahlreichen Gastauftritte befreundeter Musiker. Das bereits erwähnte „Evil Ways“ mit dem legendären Ice-T ist nicht der einzige Song, der musikalische Unterstützung bekommt. Bei „Rev-up“ hört man PSYCHO REALMs Sick Jacken, Steve Whale (THE BUSINESS) und Produzent Tim Armstrong (RANCID) bei „The Fog“ und eben der legendäre Ice-T bei „Evil Ways“. Fronter Freddy offenbart dazu: „Jacken ist unser Homie. Er kam bei uns vorbei, einfach nur um zu fragen was bei uns so abgeht, und ich nahm gerade ‚Rev Up‘ auf. Er war direkt voll im Song drin und begann zu freestylen, was die Message von diesem Song wirklich auf den Punkt brachte. Was Ice-T angeht, er hat ‚Evil Ways‘ eine echt gute Note verpasst. Es war eine große Ehre, mit jemandem zu arbeiten, dem ich seit meiner Kindheit treu bin. Er unterstützt unsere Band und die Szene, aus der wir kommen. Tim und Steve wurden ebenso natürlich Teil von ‚The Fog‘ wie alles andere auf dieser Platte.“ Darüber hinaus lieferte die britische Legende Oi! das gesprochene Intro und den Gitarrenpart zu dieser Straßenpunk-gefärbten Hymne.
Als Fazit bleibt nur: Mit „For The Cause“ haben es MADBALL mal wieder geschafft, ein geiles Hardcore-Paket mit allerlei groovigen Finessen und granatenmäßigen Songs abzuliefern. NYHC in seiner besten Form, gemischt mit ein paar neuen Stilmitteln ergeben einen süchtig machenden MADBALL Cocktail. Einfach ein Muss für alle Fans von MADBALL und Hardcore.

WERTUNG: 

 

 

Trackliste:

01. Smile Now Pay Later
02. Rev Up
03. Freight Train
04. Tempest
05. Old Fashioned
06. Evil Ways feat. Ice-T
07. Lone Wolf
08. Damaged Goods
09. The Fog feat. Tim Timebomb
10. Es Tu Vida
11. For You
12. For The Cause
13. Confessions

Tänski

COMEBACK KID – Outsider

Band: Comeback Kid
Album: Outsider
Spielzeit: 36:26 min
Stilrichtung: Hardcore
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 08.12.2017
Homepage: http://www.comeback-kid.com

 

Wer kennt sie nicht? Die kanadische Hardcore Ikone COMEBACK KID. Seit 17 Jahren spielt die Band aus Winnipeg Oldschool Hardcore-Punk und trotzdem klingt auch das neueste Werk „Outsider“ weder abgedroschen noch langweilig. Ganz im Gegenteil. Für das neueste Werk haben COMEBACK KID – bestehend aus Frontsau Andrew Neufeld, Jeremy Hiebert und Stu Ross an den Gitarren sowie Basser Ron Friesen und Drummer Loren Legare – anscheinend noch eine Schippe draufgelegt und klingen jung und frisch mit extrem viel Energie in den Texten und Songs.
Schon der Opener und Titeltrack „Outsider“ legt sich gleich mächtig ins Zeug und leitet energetisch ein COMEBACK KID Feuerwerk ein. Während der Anfang hier noch etwas A-typisch anmutet, entwickelt es sich zum Ende doch als astreiner COMEBACK KID Song mit enorm viel Wumms. Und Granate Nummer 2 „Surrender Control“ lässt keinen Zweifel aufkommen. „Outsider“ ist definitiv kein Außenseiter. Zum Vergnügen meinerseits lässt Sänger Andrew Neufeld beim Refrain von „Surrender Control“ mit astreiner Singstimme aufhorchen. Herrlich, wie nahtlos Schrei- und Singstimme ineinander übergehen und so gut passen. Ähnlich geile Abgeh-Refrains findet man auch in „Somewhere, Somehow“ oder „Recover“. Gepaart mit dem ureigenem Oldschool Hardcore ein Mix, der gefällt und auch zeigt, dass COMEBACK KID auch nach so langen Jahren noch nicht eingerostet sind. Klar, der Wiedererkennungswert ist immer da und man hört dem Album an, dass es ein COMEBACK KID Werk ist, aber es klingt eben nicht nach eingeschlafenen Füßen.
Freude kommt auch bei „Absolute“ auf, ein thrashig anmutendes Stück, für den man sich gesangliche Unterstützung bei Devin Townsend geholt hat. Eine Mischung, die aufgeht. Der Song hat absolutes Abgeh- und Mitsingpotenzial. Aber auch die Wutausbrüche wie bei „Hell of a Scene“ dürfen natürlich nicht fehlen, gewürzt mit einem ansteckenden Harcore-Chorus ist es einer der vielen Highlights von „Outsider“. Schade nur, dass dieses brachiale Teil nicht die 2 Minuten Marke knackt.
Überhaupt scheint das mittlerweile 6. Album nur aus Highlights zu bestehen. Neben den bereits genannten Stücken könnte ich locker noch fast alle weiteren Songs aufzählen. Auch die Gäste – neben Devin Townsend noch Chris Cresswell und Northcote – bescheren dem Werk besondere Momente. Vor allem Northcotes dunkle Stimme verleiht dem 13. und letzten Song „Moment in Time“ eine ganz besondere Atmosphäre und lässt das Gesamtkunstwerk würdig ausklingen.

COMEBACK KID klingen wild und unberechenbar, nicht wie eine bereits seit Jahren an der Hardcore Spitze etablierte Combo. Der bisher gesteckte Rahmen wird durchbrochen und neu gesteckt. Die metallischen Einflüsse haben spürbar zugenommen und doch werden die Hardcore Punk Wurzeln hier weder verleugnet noch in den Hintergrund gedrängt. Obwohl bereits alte Hasen versprühen COMEBACK KID frühkindlichen Charme ohne dabei wie eine neue Band zu klingen. Professionalität gepaart mit ursprünglicher Wildheit. „Outsider“ ist ein Werk, das sich auf alle Fälle lohnt. Also, ab in Pit und abgehen ist angesagt.

 

Wertung:

 

 

Trackliste:

01. Outsider
02. Surrender Control
03. Absolute feat. Devin Townsend
04. Hell Of A Scene
05. Somewhere, Somehow
06. Consumed The Vision feat. Chris Cresswell
07. I’ll Be That
08. Outrage ( Fresh Face, Stale Cause)
09. Blindspot
10. Livid, I’m Prime
11. Recover
12. Throw That Stone
13. Moment In Time feat. Northcote

Tänski