CHRISTMAS – Hot Nights in Saint Vandal

Band: Christmas
Album: Hot Nights In Saint Vandal
Spielzeit: 21:49 min
Stilrichtung: Hardcore/Punk/Rock’n’Roll
Plattenfirma: Kidnap Music
Veröffentlichung: 28.02.2020
Homepage: https://christmas66606.bandcamp.com

11 Songs in knapp 22 Minuten. Dass uns hier kein episch, progressives Konzeptalbum erwartet, muss klar sein. CHRISTMAS knallen uns eine Mischung aus Hardcore, Punk und Rock’n’Roll vor den Latz. Und das machen CHRISTMAS schon seit Ewigkeit erfolgreich. 13 Veröffentlichungen in 10 Jahren und über 500 Shows in 13 Ländern sprechen Bände. Die Produktion wurde im Tonstudio 45 von Michael Wern gemacht und von Andi Young wurde gemastert. Und jetzt wird reingehört.
Den Anfang macht „Turn Me Lewd“ und gibt gleich heftig Gas. Turbonegro lassen grüßen, klasse Einstand. „Hey Mate“ ist tanzbar und man fühlt sich dazu berufen gleich mitzugrölen. „Hot Nights In Saint Vandal“ ist Party pur. Vor meinen Augen stehe ich in einem kleinen Club und das Bier fließt in Strömen. Das Stück „Push Fast“ muss man als Hit bezeichnen. Hier rotzen die Jungs in bester The Exploited Manier einen absoluten Treffer hin, wow. „Waterloo“ ist schnell, dreckig und hart. „Getting Away“ ist in Ordnung, aber fällt zum Rest etwas ab. Dafür entschädigt „Elvis Is Dead“ einen sofort wieder. Fetter Ohrwurm, der Punk’n’Roll der Marke Highride bietet. Oh yes, „Fuck It Up“ tritt sowas von Arsch. Da werde ich alter Sack nicht vor der Bühne stehen, wenn dieses Teil einsetzt und die Meute abgehen wird. „Born To Booze“ ist eine Hymne ans Saufen. Und das wird im schönsten Punk Stil angeboten. Oh, „Go Hard Or Go Home“ gefällt mir auch sehr gut. Hier wird dreckig und hart drauflos gerockt. Auch das Aggressivitäts-Level ist ganz weit oben. Mit „Candy Me“ wird das Album „fröhlich“ beendet und man denkt gleich an Danko Jones.

Fazit: Diese Platte schreit förmlich nach Live Auftritten. Absolut ehrlich und schnörkellos. Die Produktion ist druckvoll und lässt die Jungs glänzen. Ganz klar die beste Scheibe von CHRISTMAS bis jetzt. Das gibt fette 8,5 Punkte von mir.
P.S.: Ihr wundert euch sicherlich wegen dem Veröffentlichungsdatum? Ja, ich hatte die Burschen nicht auf dem Schirm. Schande, Schande, Schande.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Turn Me Lewd
02. Hey Mate
03. Hot Nights In Saint Vandal
04. Push Fast
05. Waterloo
06. Getting Away
07. Elvis Is Dead
08. Fuck It Up
09. Born To Booze
10. Go Hard Or Go Home
11. Candy Me

Sturmi

BASHDOWN News

Neue Videosingle „U“ veröffentlicht

BASHDOWN beglücken uns zum Start ihres neuen Album noch schnell mit einer neuer Videosingle. Album #2 „Pushing The Envelope“ steht ab heute in den Startlöchern, das Review dazu findet ihr hier: https://www.rock-garage.com/bashdown-pushing-the-envelope/

Mit den beiden vorab veröffentlichten Singles „Create A God“ und „Checkmate“ ergibt sich ein geiles Dreiergespann, welches „Pushing The Envelope“ perfekt beschreibt. Unbedingt reinhören, es lohnt sich \m/

BASHDOWN – Pushing The Envelope

Band: Bashdown
Album: Pushing The Envelope
Spielzeit: 41:15 min
Stilrichtung: Hardcore, Modern Metal
Plattenfirma: Nurecords
Veröffentlichung: 22.01.2021
Homepage: www.bashdown.de

 

Erstes Review im neuen Jahr und dafür habe ich mich für BASHDOWN entschieden. Und das aus gutem Grund. Schließlich geht es um Album #2 und hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Während nach der gängigen Meinung Album #3 über die weitere Zukunft einer Band entscheidet (aufhören oder weitermachen), zeigt ein zweites Album, wie gut es um die Musik einer Band bestimmt ist oder ob das Debüt doch nur ein kleines Strohfeuer war. Immerhin hat der Vorgänger „A New Set Of Problems“ (kurz A.N.S.O.P.) gute 7,5 Sterne bekommen (zum Nachlesen: www.rock-garage.com/bashdown-a-new-set-of-problems/) und das ist für ein Debüt in einem doch sehr gesättigten Genre schon eine Glanzleistung.
Die große Frage ist nun natürlich, konnten BASHDOWN ihr Niveau halten oder verschwinden sie jetzt doch in der Belanglosigkeit? Soviel sei schon verraten, der Name bleibt Programm.
BASHDOWN sind eine noch relativ junge Band, die sich erst 2018 in Hannover gegründet haben. Bereits im September 2019 wurde A.N.S.O.P veröffentlicht und von der geneigten Hörerschaft überwiegend positiv aufgenommen. Nachdem coronabedingt im letzten Jahr so ziemlich jedes Konzert ausgefallen ist, haben die Jungens die Chance und die ungeplant freie Zeit genutzt und so erscheint bereits am 22. Januar nun der A.N.S.O.P. Nachfolger „Pushing The Envelope“. In leicht verändertet Besetzung stehen Frontbrüller Helge Haß noch Neuzugang Martin Blankenburg am Sechssaiter, Tieftöner Florian Krause und Janis Haag an den Drums zur Seite. Das Martin Blankenburg stilistisch mehr aus dem Metal kommt, hört man dem Album deutlich an. Die Songs haben im Vergleich zum Vorgänger einen deutlich metallischeren Einschlag bekommen.
Und schon der Opener „Checkmate“ geht ordentlich nach vorne und legt die Messlatte für das Album sehr weit nach oben. Noch steiler nach oben geht es dann schon direkt mit Track #2, dem leicht nach Slipknot klingenden „Create A God“. Aber auch stilistische Ausreißer fehlen hier nicht und sorgen für angenehme Abwechslung, als Beispiel seien hier „U“ oder auch „Duplicity“ genannt. Auch textlich ist das Quartett gereifter als auf dem Vorgänger. Die ganz große Poesie ist es allerdings im Moment noch nicht, die Message aber kommt unmissverständlich an. „Jeder sollte sich Gedanken machen, ob wir mit der Natur, unserer Umwelt und dem sozialen Miteinander weiter so wie bisher verfahren dürfen“. Passend dazu wurde auch das Coverartwork gestaltet, das sich wunderbar in das Album einfügt. Das Bild einer komplett überbevölkerten Weltkugel, passender hätte Kai Seeliger es nicht gestalten können. „Unser Planet ist total überbevölkert, eine Folge davon, dass sich der Mensch zu wichtig nimmt. Es ist wirklich tragisch, wie sich die Menschheit rücksichtslos über die Gesetze der Natur hinwegsetzt.“ Diese Aussage von Helge Haß kann nicht treffender sein.

Fazit: BASHDOWN legen mit „Pushing The Envelope” einen würdigen Nachfolger ihres sehr guten Debüts „A New Set Of Problems“ nach. Es hakt zwar noch an ein paar wenigen Ecken, für mich könnte die Gitarre noch etwas dominanter sein und sich die Songs noch etwas mehr Originalität zutrauen. Die Messlatte einer Band wie HATEBREED ist noch nicht erreicht, aber das ist bei den Genregöttern auch schwierig zu schaffen. Trotz aller Kritik funktioniert „Pushing The Envelope“ mit seinem „dicke Hose Hardcore“ und kann sich deutlich von der Masse an 08/15 Bands hervorheben. Es sind nur ein paar kleinere Stellschrauben, an denen zu drehen wäre und das wird mit den nächsten Alben mit Sicherheit passieren. Potenzial ist auf alle Fälle vorhanden und ich bin jetzt schon sehr begeistert von dem Schritt, den BASHDOWN nach vorne gemacht haben. Absolut empfehlenswert!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Checkmate
02. Create A God
03. The Chosen One
04. U
05. Demonize
06 Hell-Bent
07. If I Were You
08. Right Off The Bat
09. Duplicity
10. Get A Grip
11. Truth Is
11. Cleaning House
12. Too Big (For My Britches)

Tänski

Unbedingt reinhören:

 

 

HATEBREED – Weight Of The False Self

Band: Hatebreed
Album: Weight Of The False Self
Spielzeit: 34:46 min
Stilrichtung: Hardcore
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 27.11.2020
Homepage: www.hatebreed.com, www.facebook.com/hatebreed

 

Denkt man an Hardcore, wird man unweigerlich auf HATEBREED stoßen. Bereits seit 1994 treiben die Jungs aus Connecticut ihr Unwesen und hauen mit „Weight Of The False Self“ ihr mittlerweile achtes Album raus. Musikalisch werden kaum bis keine neuen Wege bestritten, HATEBREED gehen auf Nummer sicher. Das ist bei dem Quintett aus Übersee aber keineswegs ein Verbrechen, denn auf Nummer sicher heißt bei den Amis auch immer hart, wütend, brachial. So wie man die Jungs eben kennt und in den meisten Fällen auch liebt.
In Zeiten von Covid-19 und den damit verbundenen Einschränkungen ist die Kontinuität, welche HATEBREED verbreiten, wohltuender Balsam für die nicht nur musikalisch geschundene Seele. Frontsau Jamey Jasta brüllt und geifert sich durch die 12 Songs, dass es eine wahre Freude ist. Die Gitarrenfront mit Wayne Lozinak und Frank Novinec untermalen alles mit ihren krachenden Slayer-Gedächntnisriffs und perfektioniert wird das alles mit Tieftöner Chris Beattie und Matt Byrne am Drehteller.
Dass die Mit-Leib-und-Seele-Hardcore-Metaller nichts von ihrer Aggessivität verloren haben, zeigen Sie auch gleich mit „Instinctive (Slaughterlust)“ und dem darauffolgenden „Let Them All Rot“. Irgendwie erwartet und keine Überraschung, aber mit einer derart überzeugenden Leistung dargebracht, dass ich beim ersten Reinhören schon direkt meine Faust gen Himmel gereckt und fröhlich mitgegrunzt habe. Genauso soll es auch sein.
Auch der Titeltrack „Weight Of The False Self” haut in die gleiche Kerbe. Brachiales Riffing trifft auf Jamey Jastas kräftige und unverkennbare Vocals. Textlich mag einiges auf dem Album etwas plump daherkommen (“If you wanna make a difference in the world it means/ you have to be different from the world you see“”), aber hey, wer das so griffig und eingängig in die Welt hinausschreit, darf auch mal plump sein. Den Spaß an der Musik nimmt einem sowas überhaupt nicht. Und mit seinen knackigen 35 Minuten Spielzeit kommt keine Langeweile auf, und ein wenig Abwechslung gibt es auch noch auf „Weight Of The False Self“. Mit „Clinge To Life“ und seinem melodisch epischen Mittelteil oder auch dem punkig-flotten „Dig Out Your Way“ wurde dezent Neues eingebracht. Steht den Jungs aber auch gut zu Gesicht.
Thrashig wird es zum Ende hin auch nochmal mit den Songs „The Herd Will Scatter“ oder auch dem Abschlusstrack „Invoking Dominance“.

Fazit: Alles in Allem zeigen sich HATEBREED auf „Weight Of The False Self“ brachial wie eh und je, qualitativ muss man da keine Abstriche machen. Viel geändert hat sich nicht, die wilde Attitüde der Band ist ungebrochen, die Message wird auch dieses Mal wieder lautstark unters Volk gebracht. Auch das Cover des bekannten Heavy Metal Künstlers Eliran Kantor passt in die musikalische Aussage von „Weight Of The False Self“. HATEBREED haben viel richtig und wenig falsch gemacht. Ich bin jetzt schon heiß wie Frittenfett, die Jungs endlich wieder live zu sehen (hätte eigentlich in diesem vermaledeiten Jahr schon passieren sollen). Und mit den weisen Worten eines Jamey Jasta schließe ich nun dieses Review, das immerhin fette 8 Sterne verdient vergeben hat.

„Sichtbar oder unsichtbar, jeder trägt eine Last. Die Musik, die wir lieben, hilft uns, das Gewicht zu tragen“,

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Instinctive (Slaugtherlust)
02. Let Them All Rot
03. Set It Right (Start With Yourself)
04. Weight Of The False Self
05. Cling To Life
06. A Stroke Of Red
07. Dig Your Way Out
08. This I Earned
09. Wings Of The Vulture
10. The Herd Will Scatter
11. From Gold To Gray
12. Invoking Dominance

Tänski

Wer noch überzeugt werden muss, hört hier bitte rein 😉

 

AGNOSTIC FRONT – Neues Video

Zu Ihrem bereits im Dezember 2019 veröffentlichten Album „Get Loud!“ hauen die Hardcore Pioniere AGNOSTIC FRONT das Video zu „Urban Decay“ raus. Powervoll wie eh und je und kein bisschen leise.

Weiter so, Jungs \m/

Und wer das Review zu „Get Loud!“ verpasst haben sollte (shame on you), kann es hier nochmal nachlesen: https://www.rock-garage.com/agnostic-front-get-loud/

 

NASTY – Menace

Band: Nasty
Album: Menace
Spielzeit: 29:14 min
Stilrichtung: Hardcore
Plattenfirma: Century Media
Veröffentlichung: 25.09.2020
Homepage: www.facebook.com/getnasty

Das Jahr 2020 ist immerhin für jegliche Core-lastige Musik ein gutes Jahr. Mit „Menace“ gibt es jetzt mal wieder einen wunderbar brachial guten Output aus dem Hause NASTY. Die Belgier treiben nun schon seit 16 Jahren ihr Unwesen in der Hardcore-Welt und hauen mit „Menace“ ihr mittlerweile siebtes Album raus.
Und was für ein geiles Teil das ist. Sänger Matthi, Gitarrist Paddy, Drummer Nash und Bassist Berri servieren uns mit “Menace” einen wilden, rohen Bastard, der von Anfang bis Ende einfach nur durchrockt und allen Weichspüler-Freunden ganz klar zeigt, wo der Frosch die Locken hat.
Schon der Opener „Ultimate“ zeigt ganz deutlich, wohin die Jungs wollen. Roh, hart, brachial. In 2 ½ Minuten bekommt man hier schon die ganze Härte und den ganzen Hass um die Ohren gehauen. Als wäre das noch nicht genug, donnert uns im 45-sekündigen „Bulletrain“ eine Thrash-Kanone entgegen. Überhaupt wird hier viel gepoltert, geschrien, gehasst und draufgehauen. Auch der Titeltrack lässt keine Wünsche offen, während das mit klaren Refrains aufwartende „Be Careful“ für einige Abwechslung sorgt. Hier zeigt sich Matthis wunderbare stimmliche Vielfalt, er kann tatsächlich deutlich mehr als nur growlen kann. Der Song ist definitiv eines der Hightlights des Albums. Überhaupt besteht die Platte aus mehr High- als Lowlights. Was das Quartett aus Belgien hier abliefert, ist eine der besten „NASTY“-Platten überhaupt. „Menace“ entstand während der Corona-Pandemie und man hört deutlich raus, wie hart die Pandemie auch die Band getroffen hat. “When the pandemic started it hit us all pretty bad during the recording and writing process. We wanted to write about the craziness in this world. This world is a menace for you, but you are also in danger of becoming a menace to this world through the input given by it.” Besser kann man “Menace” gar nicht beschreiben. Wütend und hasserfüllt kommt jeder einzelne Track daher, roh und brachial. Es ist eine wahre Freude, sich das nur knapp 30 Minuten lange Album reinzuziehen. Jedes Mal aufs Neue. Die Jungs schaffen es, jeden der 14 Songs in ein knackig knappes Gewand zu stecken, ohne dass etwas auf der Strecke bleibt oder zu kurz kommt. „Menace“ ist pure Energie, die mit Ballad Of Bullets“ schließlich ihr großes Finale erreicht. Immerhin ist der letzte Song mit über drei Minuten auch der längste des ganzen Albums und ein würdiger Abschluss für „Menace“.
In den vergangenen 16 Jahren haben NASTY schon einige geile Teile hingelegt und legen mit Album Nummer Sieben nochmal ne Schippe drauf. Der nächste logische Schritt in der persönlichen und musikalischen Weiterentwicklung, dafür spricht auch der Wechsel zum neuen Label Century Media. Auf „Menace“ zeigen sich die Belgier vielseitig und ausgereift, einziges Manko sind die fehlenden Feature-Gäste, die sonst auf keinem Album fehlten.

Fazit: Mit „Menace“ sind NASTY wieder Back to the Roots und trotzdem so vielseitig wie nie zuvor. Nackenbrechende brachiale Songs vereint mit ausgefeiltem Songwriting ergeben ein beinahe makelloses Album, das trotzdem rauh, wild und unberechenbar daherkommt. „Menace“ ist ein Muss für alle Fans roher ehrlicher Musik und ein Geschenk für alle NASTY-Fans.

“Four dudes doing fucked up music for a fucked up world.”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Ultimate
02. Bulletrain
03. Menace
04. Be Careful
05. 666AM
06. Tricky Plays
07. Betrayer
08. You Will Know My Name
09. Inhale/Exhale
10. Blood Crop
11. Addicted
12. Table Of Kings
13. The End Of The World
14. Ballad Of Bullets

Tänski

BODY COUNT – Carnivore

Band: Body Count
Album: Carnivore
Spielzeit: 47:56 min
Stilrichtung: Crossover / Rap Metal
Plattenfirma: Century Media
Veröffentlichung: 06.03.2020
Homepage: www.bodycountband.com

BODY COUNT melden sich nach 3-jähriger Pause lautstark zurück und zeigen mit „Carnivore“, dass ihr Appetit auch nach 30 Jahren immer noch ungezügelt ist. Mit ihren Texten treffen die Jungs aus L.A. immer noch genau auf den Punkt und legen den Finger in Wunden, die sich nie schließen werden. Und genauso soll es auch sein.
Nicht erst seit ihrer überaus erfolgreichen Reunion im Jahr 2014 und den gefeierten Alben „Manslaughter“ (2014) und „Bloodlust“ (2017) stehen BODY COUNT für wütende, gesellschaftskritische Musik gepaart mit kraftvollen Gitarren und der genialen Verknüpfung von Rap und Metal. Bereits seit 1990 brüllen BODY COUNT ihre sozialkritischen Texte in die Welt und sind dabei kein bisschen leiser geworden.
Auch „Carnivore“ ist wieder laut und lauter geworden, BODY COUNT bleiben hier ihrem heftigeren neuen Stil treu, herrlich politisch unkorrekt und stets mit derbem Humor ausgestattet.
Schon der Titeltrack und auch die erste Singleauskopplung „Carnivore“ zeigt, wo der Frosch die Locken hat. Dicke Riffs, fette Breaks und der dominante Sprechgesang eines immer noch wütenden Ice-T. Ein klasse Einstieg, der auch die zweite Singleauskopplung „Bum Rush“ in nichts nachsteht. Das Hardcore-Fundament wird noch etwas deutlicher untermauert und auch inhaltlich zeigen BODY COUNT hier ganz klare Kante. Und natürlich dürfen auf „Carnivore“ weder die hochkarätigen Gastsänger noch das den Vorbildern huldigende Cover fehlen. Als Gaststars setzen Riley Gale (POWER TRIP) und HATEBREEDs Jamey Jasta ihre Duftmarken. Während Riley Gale sich im thrahslastigen Polizeiklopper „„Point the Finger“ austoben darf, haucht Jamey Jasta im deultich melodischeren „Another Level“ Leben ein. Im ruhigsten Song des Albums „When I’m gone“, der den Tod des Rappers Nipsey Hustle betrauert, darf die unsägliche Amy Lee (EVANENSCECE) mitheulen. Obwohl Amy alles gibt, verkommt der Song trotz der bekannten Heulboje nicht zum Kitsch-Schluchz-Heulsong, sondern besticht durch seine traurig-melancholische Grundstimmung.
Eines der vielen Highlights auf „Carnivore“ ist auch das MOTÖRHEAD-Cover „Ace of Spades“, mit dem BODY COUNT sich tief vor ihren Helden verneigen. Abgerundet wird das 7. Studioalbum durch das bisher unveröffentlichte Demo „6 in tha morning“ und Liveversionen der Kracher „No lives Matter“ und „Black Hoodie“ vom 2017er Album „Bloodlust“.

Fazit: Alles in allem bleiben sich BODY COUNT auch auf „Carnivore“ treu. Das Album vereint alle Stärken der Band und zeigt dabei trotzdem eine größere Bandbreite. Der metallische Einschlag kommt noch deutlicher hervor, jedoch ohne den unverkennbaren BODY COUNT Stil zu überdecken. Auch im 30. Jubiläumsjahr haben die Kalifornier viel zu sagen und das tun sie auch auf „Carnivore“ mehr als laut und deutlich und auf beeindruckende Art und Weise. Die fette Produktion unterstreicht dabei den frischen Modern-Metal Einschlag, ohne dass der so typische BODY COUNT Charakter verloren geht.
BODY COUNT sind und bleiben weiterhin die Messlatte im Rap-Metal, und das ist auch gut so.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Carnivore
02. Point the Finger feat. Riley Gale
03. Bum-Rush
04. Ace of Spades
05. Another Level (feat. Jamey Jasta)
06. Colors
07. No Remorse
08. When I’m Gone (feat. Amy Lee)
09. Thee Critical Beatdown
10. The Hate Is Real
11. 6 In tha Morning (Unreleased Demo)
12. No Lives Matter (Live in Australia 2017)
13. Black Hoodie (Live in Australia 2017)

Tänski

Wer noch nicht genug hat, hier gehts zur Singleauskopplung „Bum-Rush“:

LIONHEART – Valley Of Death

Band: Lionheart
Album: Valley Of Death
Spielzeit: 24:40 min
Stilrichtung: Hardcore
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 15.11.2019
Homepage: www.facebook.com/lionheartca

Nach gut zwei Jahren heißen uns LIONHEART wieder an der Westküste willkommen. Mit „Valley Of Death“ schließt der Bay Area Fünfer nahtlos an „Welcome To The Westcoast“ an und zeigen uns auch hier deutlich, warum LIONHEART die Könige des Bay Area Hardcore sind. Immer schön in die Fresse rein und die Leute mal so gar nicht zu Atem kommen lassen. LIONHEART halt. Und mit Album #6 werden die Jungs sogar noch einen Ticken lauter und härter, auf Verschnaufpausen kann man hier lange warten.
Schon der Opener und Titeltrack „Valley of Death” lässt so manches Fanherz höher hüpfen. In typischer LIONHEART-Manier wütet sich Fronter Rob Watson durch den knüppelnden Song. Überhaupt scheint Wut eines der hervorstechenden Merkmale der 2004 in der Bay Area gegründeten Band zu sein, das hat auch mit dem neuesten Dreher nicht nachgelassen. Vor allem Kritiker des LHHC bleiben davon nicht verschont, wie im Song „For The Record“ deutlich zu hören ist.
Ein kleines Schmankerl ist „Rock Bottom“, werden die Jungs um Rob Watson doch glatt von STICK TO YOUR GUNS Frontsau Jesse Barnett unterstützt. Es ist eine Freude, die zwei Jungens sich durch den Song brüllen zu hören. Definitiv eines der Highlights auf „Valley Of Death“. Ein weiterer Gast findet sich dann mit Rapper JET BLACK „Before I Wake“. Eine durchaus gelungene Mischung, die auf Anhieb zündet.
Mit dem kleinen Doublebass-Gimmick in „When I Get Out” hat sich der Kalifornien-Fünferpack eine nette Überraschung ausgedacht. Der Song strotzt so sehr vor Kraft, dass er schon fast nicht mehr laufen kann.
Ein richtiger Circlepit-Kracher findet sich mit „Stories Form The Gutter“, bei dem man einfach atemlos und geschafft zurückbleibt. Obwohl extrem schnell, verliert er doch nicht die LIONHEART-typische Handschrift. Geschickt haben die Jungs noch ein paar geniale Breakdowns eingebaut und ab geht die wilde Fahrt.
Und dann ist es passiert. Nach knapp 25 Minuten und 10 richtig geilen Songs endet „Valley Of Death“ auch schon. Mit dem schon fast entspannenden „Dragging Heaven“ und einem Auszug aus TOM PETTYs „Free Fallin‘“ als Outro haben die Jungs aber einen mehr als passenden Abschluss gefunden.

Fazit: LIONHEART liefern mit „Valley Of Death” ein starkes sechstes Album mit 10 starken Songs ab. Aggressive 25 Minuten, die ordentlich reinknüppeln. Hier wird nicht lange gefackelt, hier wird losgelegt. Kann man mehr verlangen? Ja, man kann. Wie schon bei vielen eingespielten Bands hätte ich mir auch hier mehr Mut zu Innovationen gewünscht. Dennoch, die Songs strotzen nur so vor Energie und purer Aggression und „Valley Of Death“ lässt einen trotz kleiner Schwächen mehr als zufrieden und ausgepowert zurück.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01.Valley Of Death
02. Burn
03. For the Record
04. Rock Bottom
05. When I Get Out
06. Born Feet First
07. Stories From The Gutter
08. Before I Wake
09. In My Skin
10. Dragging Heaven

Tänski

AGNOSTIC FRONT – Get Loud!

Band: Agnostic Front
Album: Get Loud!
Spielzeit: 30:08 min
Stilrichtung: Hardcore
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 09.11.2019
Homepage: www.facebook.com/agnosticfront

AGNOSTIC FRONT holen die Hardcore-Keule wieder raus. Und das so gewohnt genial-gut, dass man gar nicht anders kann als im NYHC-Rausch durch die Gegend zu springen. Was die Jungs aus New York mit „Get Loud!“ hier wieder auf die Beine gestellt haben, wirkt anscheinend wie ein Jungbrunnen. Denn auch nach über drei Jahrzehnten wirkt die Band frisch, laut und immer noch wütend.
Das alles spürt man auch schon direkt im passend gewählten Opener „Spray Painted Walls“, gefolgt vom thrashartigen „Anti Social“. Zwei Kracher, die schon die Richtung vorgeben und deutlich machen, wie jung die alten Hasen auch heute noch sind. Aber wer denkt, AGNOSTIC FRONT können nur altbekanntes, irrt sich. Der Titeltrack „Get Loud!“ sticht positiv heraus und in den Songs sind wieder mehr Hardcorepunk Einflüsse eingewoben worden. Aber auch der NYHC-typische Sound fehlt hier natürlich nicht. „Urban Decay“ und „Isolated“ seien hier genannt, zwei astreine Hardcore-Perlen, die deutlich zeigen, warum Agnostic Front auch nach 35 Jahren immer noch zu den Besten ihres Faches gehören. Roger Miret am Mikro ist immer noch ein Garant für feinsten NYHC und liefert mit Bandgründer und Gitarrist Vinnie Stigma ein knackig kurzes, gerade mal 30 Minuten dauerndes Album mit 14 Songs, ab, Abfeiergarantie inklusive..Unterstützt werden die beiden Herren durch Basser Mike Gallo, Drummer Pokey Mo und den erst 2014 eingestiegenen Gitarrero Craig Silverman.
„Get Loud!“ besticht auch durch sein grandioses Coverartwork, dass ein wenig an das AGNOSTIC FRONT Meisterwerk „Cause For Alarm“ erinnert. Kein Wunder, stammt es doch von Sean Taggart, der auch schon das 86er Album gekonnt in Szene gesetzt hat.
AGNOSTIC FRONT haben mit „Get Loud!“ viel richtig und gar nichts falsch gemacht. Die Band hat auch nach 35 Jahren noch viel zu sagen und geben allen eine Stimme, die keine haben. Dabei ist die Band authentisch wie eh und je und gerade diese Authentizität hat dafür gesorgt, dass es AGNOSTIC FRONT auch nach Jahrzehnten noch gibt. Auch wenn der New Yorker 5er keine Stadien füllt, sind die mittlerweile ergrauten Herren immer noch die wichtigsten Wegbereiter und das Aushängeschild für Hardcore.

Fazit: In die Jahre gekommen? Nein, nur älter und besser. AGNOSTIC FRONT zeigen mit „Get Loud!“ wo der Frosch die Locken hat und warum Hardcore nicht unterzukriegen ist. Wer mit AGNOSTIC FRONT und Roger Mirets spezieller Stimme bisher nichts am Hut hatte, sollte sich „Get Loud!“ nicht zulegen, aber für Fans der Band ist das mittlerweile 12. Album ein absolutes Muss und ein genialer Leckerbissen.

It’s time to Get Loud!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Spray Painted Walls
02. Anti Social
03. Get Loud
04. Conquer And Divide
05. I Remember
06. Dead Silence
07. AF Stomp
08. Urban Decay
09. Snitches Get Stitches
10. Isolated
11. In My Blood
12. Attention
13. Pull The Trigger
14. Devastated

Tänski

BASHDOWN – A New Set Of Problems

Band: Bashdown
Album: A New Set Of Problems
Spielzeit: 33:37 min
Stilrichtung: Hardcore
Plattenfirma: Nurecords / CoreTex
Veröffentlichung: 13.09.2019
Homepage: www.bashdown.de

BASHDOWN? Noch nie gehört… Aber das wird sich in der nächsten Zeit wohl deutlich ändern. Was die Jungs da mit ihrem Debüt raushauen, kann sich durchaus hören lassen. Und zwar mehrfach. Hintereinander.

Aber mal von vorne. BASHDOWN sind fünf Musiker aus Hannover, die sich vor einem Jahr gedacht haben, gründen wir mal ne Band und machen ein bisschen Hardcore. Gesagt, getan und nur ein Jahr später steht das erste Album in den Startlöchern. Schon das Bandlogo zeigt die Richtung an, auch wenn es etwas zu deutlich von HATEBREED abgekupfert wurde. Musikalisch haben die Jungs das Rad zwar nicht unbedingt neu erfunden, aber die Hardcore Szene aufmischen können sie allemal. Jeder der 11 Songs auf „A New Set Of Problems“ (kurz A.N.S.O.P.) geht eher mehr als weniger ins Ohr. Auch wenn die Songs noch häufig nach den Großen der Szene (Madball, Hatebreed, und wie sie alle heißen) klingen, ist eines nicht zu vergessen: Wir reden hier immerhin von einem Debütalbum einer noch sehr jungen Band.
Und schon der erste Song „To The T“ kann überzeugen. Zusammen mit „Anger MGMT“, „No Way“ (Madball lassen grüßen), „Life’s Short“ kommt richtiges Hardcore-Feeling auf und die Songs gehen mächtig ab. Der Kracher „To The T“ wurde auch als Videosingle veröffentlicht.
Textlich bewegen sich die Hannoveraner auf der persönlichen Ebene. So handelt der Song „Life’s Short“ von der Pro Skateboard Zeit von Sänger Helge Haß und ist eine Skateboardhymmne für gute Freunde, die leider schon zu früh aus dem Leben gegangen sind. Titel wie „Karma“, „Relationshit“ oder „Bad News“ rechnen mit der Welt ab oder gehen gegen Vorurteile an. Und wenn man sich Sänger Helge Haß so anschaut, ist es kein Wunder, dass „Bad News“ mit den Vorurteilen gegen Tätowierungen und dem Lifestyle der Band aufräumen möchte.
„A.N.S.O.P.“ hat so gut wie keine Hänger, selbst die vermeintlich schlechteren Songs wie „Netdevil“ oder „Clusterfuck“ haben definitiv ihre Daseinsberechtigung, fallen gegen die stärkeren Songs aber einfach ab.

Alles in Allem liefern BASHDOWN ein erstaunlich gutes Erstlingswerk ab. Obwohl die Band erst seit einem Jahr den gemeinsamen Weg bestreitt, ist das Zusammenspiel von Sänger und Frontsau Helge Haß mit den beiden Gitarreros Martin Blankenburg und Thomas Steinert, dem groovigen Bass von Flo Kraus und den hämmernden Drums von Helge Dolgener nahezu perfekt. Mir fehlt jedoch noch die Eigenständigkeit, der eigene Stil, denn auf „A.N.S.O.P.“ sind die Szenegrößen noch sehr deutlich raushörbar. Aber ich bin positiv gestimmt, dass die Hannover-Gang mit den nächsten Alben ihren individuellen Stil noch besser herausarbeiten können und ihren eigenen Weg gehen werden. Und natürlich muss es auch noch Luft nach oben geben, das Potenzial ist aber auf alle Fälle vorhanden.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. A.N.S.O.P.
02. To The T
03. Anger MGMT
04. No Way
05. Karma
06. Don’t Waste My Time
07. Netdevil
08. Clusterfuck
09. Bad News
10. Life’s Short
11. Relationshit

Tänski