KÄRBHOLZ – Kontra.

Band: Kärbholz
Album: Kontra.
Spielzeit: 45:57 min
Stilrichtung: Deutschrock
Plattenfirma: Metalville
Veröffentlichung: 26.03.2021
Homepage: www.facebook.com/Kaerbholzoffiziell

Da is er endlich wieder, der rockige Sound aus dem Hinterwald. Zwei Jahre nach dem stellenweise gemischt aufgenommenen „Herz & Verstand“ (das Review dazu findet ihr hier: www.rock-garage.com/kaerbholz-herz-verstand/) legen unsere Jungens von KÄRBHOLZ mit „Kontra.“ (Kontra Punkt) ordentlich einen nach.
Während der Vorgänger einen dermaßen heftigen Seelenstriptease hingelegt hat, dass man den Schmerz fast körperlich fühlen konnte, scheinen die Wunden nun endgültig geheilt zu sein.
Für die ganz leisen Töne waren die Rheinländer ja noch nie wirklich bekannt, aber bei „Kontra.“ (Leute, was ein genialer Albumtitel) legen sie jetzt doch nochmal einen drauf. Laut, rockig, abwechslungsreich werden die letzten Jahre beleuchtet und einige Stücke auf „Kontra.“ hätten auch problemlos auf vorherigen Alben ihren berechtigten Platz gefunden. Was aber nicht heißen soll, dass KÄRBHOLZ irgendwelchen altbackenen Scheiß einfach nur aufgemotzt haben. Sie sind sich und ihrem Stil treu geblieben und verbinden auch auf ihrem neuesten Werk wieder Deutschrock mit Punk und Metal. Auch etwas Folk ist zu finden, ein genreübergreifendes Gesamtkunstwerk. Dabei nicht die Authentizität zu verlieren schaffen KÄRBHOLZ dabei so dermaßen locker flockig, dass es eine wahre Freude ist. Ich bin jedes Mal aufs Neue begeistert, wie die Jungs es schaffen in regelmäßigen Abständen so gute und qualitativ hochwertige Alben rauszuhauen. Und dann machen die auch noch Spaß. Unfassbar krass geiler Scheiß.
Schon der Opener knallt rein. Nicht nur musikalisch, sondern auch textlich. Mit „Nie Wieder“ zeigen die Jungs, was ihnen wichtig ist: „Nie wieder Führer, nie wieder Krieg“ sind deutliche Worte, denn es geht um die „Freiheit, und das was zählt“. Das der Song direkt als erstes kommt, scheint nicht ungewöhnlich zu sein. Auf so ziemlich jedem Album findet sich ein Song, der den Finger mahnend aber nicht moralisch aufspielend hebt. Und „Nie Wieder“ ist nicht nur textlich ein gut gewählter Einstieg, der Herzschlag steigt schon direkt mit den ersten Akkorden und wir freuen uns auf mehr (da ist er, der Spaßfaktor).
Und mehr gibt es auch sofort mit der Singleauskopplung „Ewig Leben“. Der Song strotzt nur so vor Energie und wer jetzt noch nicht auf den Beinen ist, ist eigentlich schon tot. Jeder, der die Live Interpretation von „Ewig Leben“ beim KÄRBHOLZ Trostpflaster (www.rock-garage.com/kaerbholz-live-konzert-am-26-02-2021/) gesehen hat, weiß was ich meine.
Auch „Niemals Fallen“ – ebenfalls vorab als Single veröffentlicht – ist pure Energie und donnert direkt in den Gehörgang, ganz zu schweigen solche Songs wie „Laternenlicht“ oder der Crossover Knüppel „Leben und Tod“ mit Matthi von den genialen NASTY. Aber es gibt auch ruhige und nachdenkliche Töne auf „Kontra.“ wie z.B. das von Gitarrist und Hauptsongwriter Adrian wunderbar eingesungene „Voran“. Das alles wechselt sich mit Folk („Roter Wein“ – ganz frech bei den DROPKICK MURPHYS entliehen 😉) ab und bietet auch noch Platz für düsterschweres wie „Der Schwarze Schwan“, der uns zeigt, was Ausgrenzung und Intoleranz mit einem macht und wie daraus Hass entsteht. Dunkel zeigt sich die vierte Singleauskopplung und nicht nur der Song, auch das Video dazu sorgen für Gänsehaut pur.
Nach 13 wirklich starken Songs und knapp 46 Minuten tanzen, toben und schwitzen ist auch „Kontra.“ am Ende angekommen. Ich könnte hier ein Loblied auf jeden einzelnen Song singen, Schwachpunkte gibt es hier nicht. Zum Glück gibt es die Repeat Taste, denn ein Durchgang reicht hier definitiv nicht. Bei jedem Durchlauf gibt es Neues zu entdecken und es kribbelt noch mehr in den Füßen, die nicht stillstehen wollen. Auch nach fast 20 Jahren klingen Kärbholz frisch. Gereift, aber nicht alt. Das schafft nicht jede Band und vor allem nicht in dem Genre, in dem wir uns hier bewegen. Ich freue mich jetzt schon auf die Live Interpretation (oder wie Familie Holz sagen würde: Ich bin heiß wie Frittenfett). Einen kleinen Vorgeschmack gab es ja schon beim KÄRBHOLZ Trostpflaster und das hat schon ordentlich geknallt.
Und als wäre die Mucke nicht schon genug, haben KÄRBHOLZ ihrer Fanbox auch noch eine kleine Herzensangelegenheit in Form eines Pflanzsets für einen Baum beigelegt. Ein kleiner Liebesbeweis an die Heimat und eine tolle Geste für unsere kranken Wälder.
Mein einziges Manko auf „Kontra.“ ist, dass ein Kölsches Trinkerlied wie „Alle Systeme auf Vollgas“ fehlt. Da will ich auf’m nächsten Album aber mal wieder was von euch hören, Jungs! Ansonsten kann ich nur sagen, chapeau die Herren, ihr habt mein musikalisches Leben wieder enormst bereichert und ich hoffe, euch bald wieder live und in voller Action zu sehen. 9,5 verliebte Sterne gehen heute nach Ruppichteroth zu den Hölzern.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Nie Wieder
02. Ewig Leben
03. Niemals Fallen
04. Laternelicht
05. Ein Einsamer Ort
06. Voran
07. Schlaflos
08. Roter Wein
09. Rückenwind
10. Der Schwarze Schwan
11. Easy
12. Leben und Tod
13. Vollgas

Tänski

Und damit ihr wisst, was ich meine:

Betontod – 1000x Live

Band: Betontod
Album: 1000x live
Spielzeit: 66:34 min
Stilrichtung: Punkrock, Deutschrock
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 17.11.2017
Homepage: www.betontod.de

„Der Mainstream wird uns niemals mögen weil wir anders sind. Anders als dieser Einheitsbrei, den sie täglich servieren. Nicht Aalglatt, mit Ecken und Kanten… und das ist auch gut so!“ Mit diesem Statement beschreibt Songwriter und Gitarrist Frank Vohwinkel die mehr als 25-jährige Bandgeschichte von BETONTOD. Und er hat nicht Unrecht. BETONTOD passen in eine keine Schublade, wechseln spielerisch zwischen Punk, Metal und Rock und haben auch nach einem Vierteljahrhundert noch lange nicht genug. Unter Beweis gestellt wird dies mit dem Live-Album „1000x live“, welches am 17.12.2016 beim 1.000 Konzert in der Mitsubishi Electric Hall aufgenommen und ein knappes Jahr später veröffentlicht wurde. Randvoll gepackt mit 23 Songs in knapp 89 Minuten Spielzeit kommt beim Hören wahres Konzertfeeling auf. Das Album enthält die Essenz von 7 Studioalben und ist ein perfekter Querschnitt der Bandgeschichte. Angefangen hat diese 1990, als 5 Freunde aus dem nordrhein-westfälischen Rheinberg beschlossen, eine Band zu gründen. Nach einigen Umbenennungen war dann schließlich BETONTOD geboren, bereit Deutschland zu erobern. Oliver Meisters unverwechselbare Stimme gibt der Band dabei ihren eigenen Charakter. Unterstützt von den Gitarrenjongleuren Frank Vohwinkel und Mario Schmelz sowie Basser Adam Dera und dem Trommelwirbler Maik Feldmann ist der Fünfer aktuell perfekt besetzt. In Eigenregie wurden über 1.000 Konzerte organisiert, 7 Studio- und 3 Live-Alben produziert. Auftritte in Wacken, beim With Full Force oder Rockharz Open Air folgten. Mit „1000x Live“ wurde zwar nicht das erste Live-Album aufgelegt, aber das vollständigste Werk. Alle kleinen und großen Hits sind auf dem Dreher zu finden und begeistern die Fan-Welt. Schon das Intro aus dem Vorgänger Album „Revolution“ wird von den anwesenden 3.500 Fans abgefeiert. Und Abfeiern ist das richtige Stichwort. Jeder Song wird frenetisch mitgesungen, mitgegröhlt, mitgemacht. Die Scheibe erzeugt Gänsehautmomente, wenn die Fans mitsingen („Viva Punk!“, „Glück auf“) und es ist für jeden BETONTOD-Geschmack und -Fan etwas dabei. Obwohl es vor allem Stücke der neueren Alben gibt, ist die Auswahl nahezu perfekt. Eines der Highlights ist für mich „Kinder des Zorns“. Dramatisch eingeleitet werden die Fäuste geballt um nach einem wirklich passenden Statement der Band (welches wieder einmal zeigt, wofür BETONTOD stehen und welches zum Glück nicht der Schere zum Opfer fiel) geht es direkt passenderweise mit „Dagegenstehen“ weiter. Einer der vielen Höhepunkte auf „1000x live“. Und natürlich dürfen auch Spaßsongs wie „Glück Auf“ nicht fehlen. Unter Aufhören-Rufen wird den Massen befohlen, ja nicht weniger zu trinken (was auch gerne lautstark umgesetzt wird).
Mit „Im Himmel“ – dem letzten Song – gibt es noch einen sehr schönen ruhigen Moment mit der Band, ein wirklich schöner Abschluss eines tollen Konzerts und eines tollen Live-Albums.
„1000x Live“ ist ein absolut stimmiges Werk, welches ein gelungenes Konzert und einen tollen Abend perfekt zusammenfasst. Die Produktion ist astrein und das Live-Gefühl ist nicht verloren gegangen. Energie, Leidenschaft, Liebe, es ist alles vorhanden. Ergänzt um die Spielfreude und Natürlichkeit der Band – die den Jungs auch nach 26 Jahren nicht abhanden gekommen ist – ein wunderbares Album zum Abfeiern und Genießen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Intro
02. Keine Popsongs
03. Flügel aus Stahl
04. Küss mich
05. Nacht im Ghetto
06. Generation X
07. Alles
08. Schwarzes Blut
09. Feuer frei!
10. Nebel
11. 7 Schuss
12. Mein letzter Tag
13. Freiheit in Ketten
14. Kinder des Zorns
15. Dagegenstehen
16. Ihr könnt mich!
17. Halt mich
18. Traum von Freiheit
19. Glück auf
20. Ich nehme dich mit
21. Freunde
22. Viva Punk!
23. Im Himmel

Tänski

RAGING DEAD – When The Night Falls

Band: Raging Dead
Album: When The Night Falls
Spielzeit: 42 min
Stilrichtung: Horror Punk Metal
Plattenfirma: Pavement Entertainment
Veröffentlichung: 26.05.2017
Homepage: www.facebook.com/RagingDead/ 


RAGING DEAD ist eine italienische Horror Punk Metal Band, gegründet 2014 von Sänger Cloud Shade und Lead Gitarrist Matt Void; das Line-Up wird komplettiert von Tracii Decadence (Schlagzeug) und Simon Nightmare (Bass). Tourerfahrung konnte die Band schon sammeln, unter anderem mit italienischen Horror Bands SUPERHORRORFUCK und SCREAM BOY SCREAM, SISTER und VCPS, sowie einigen weiteren Sleaze/Glam Bands. 
Da passen sie auch ganz gut dazu, vor allem Fans von SISTER dürften mit RAGING DEAD als Vorband wohl sehr zufrieden gewesen sein. Nun liegt das Debutalbum „When The Night Falls“ vor, dass von Riccardo Parenti von Elephant Mastering (MICHAEL ANGELO BATIO) gemastert und von Francesco Altare produziert wurde. Vertrieben wird das Ganze vom amerikanischen Label Pavement Entertainment. 
RAGING DEAD hätte mich vor einigen Jahren noch sehr begeistert, gleich der Einsteiger „Streets Of Rage“ ist ein toller Song für angepisste Teenager. „When The Night Falls“ ist überraschend Melodisch, vor allem im Chorus, „Within Shadows“ beginnt mit einem ansatzweise fetten Riff, bevor „Army Of The Restless“ ruhig, aber heavy losgeht und eine Art Frage-Antwort-Spiel zwischen Gesang und Gangshouts beinhaltet. „Nightstalker“ hört, anders wie der Name vermuten lässt, ziemlich aufgeweckt an, der Text ist aber erwartungsgemäß eher creepy. Zu „Crimson Garden“ gibt es schon ein Musikvideo, es überrascht mit etwas cleanerem Gesang. Natürlich darf auch eine Ballade nicht fehlen, die in Form von „Ballad Of The Storm“ geliefert wird und so balladenmäßig ist, wie man es auf einem Horror Punk Metal Album eben vermuten würde – also eher weniger, aber im Vergleich zu den anderen Songs kann man es doch als Ballade durchgehen lassen. 

Fazit: Ein paar coole Dinger beinhaltet das Album mit „When The Night Falls“ und „Crimson Garden“ auf jeden Fall. Sehr abwechslungsreich ist es nicht, man sollte schon gezielt gefallen an diesem Genre haben. Alles in allem ein solides Album für Genrefanatiker. 


WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Streets Of Rage 
02. When The Night Falls
03. Within Shadow
04. Army Of The Restless
05. Nightstalker
06. Bloodlust
07. Crimson Garden
08. Stratch Me
09. Doomsday
10. Ballad Of The Storm

Lotta