SMOULDER – Dream Quest Ends EP (Kurzrezension)

Band: Smoulder
Album: Dream Quest Ends EP
Spielzeit: 36:59 min
Stilrichtung: Doom Metal
Plattenfirma: Cruz Del Sur Music
Veröffentlichung: 13.03.2020
Homepage: www.facebook.com/SmoulderDoom

2013 gegründet, ein positiv rezipiertes Album und jetzt auch eine EP – bei SMOULDER geht es aber nicht nur outputtechnisch schleppend voran, denn musikalisch ist man tief in den dunklen Gefilden klassischen Doom Metals verankert. Die neue EP mit dem power-metallisch anmutenden Namen “Dream Quest Ends” kommt mit sechs Tracks und souveränen 37 Minuten Spieldauer. Darauf zu finden zuerst einmal zwei neue Kompositionen. Der Titeltrack überzeugt dabei schonmal. Die Produktion ist auf undergroundigem Niveau ziemlich gut, voll, warm und organisch, lediglich die Drums hätten etwas mehr Lautstärke verkraftet. Nichtsdestotrotz positiv. Sängerin Sarah Ann hat eine leicht belegte Stimme mit klagendem Unterton und gutem Doom-Vibrato. In tieferen Sphären vielleicht ein wenig wackelig, in mittleren und höheren aber gut bis sehr gut. Unterstützt wird sie selten von männlichen Vocals, beispielsweise beim ruhigen Mittelteil des Openers, der etwas weniger Drive hat als der zweite Track “Warrior Witch Of Hell”. Gelungen sind beide, letzterer mit seinem doomig-bösen Refrain noch etwas mehr. Schöne Gitarrenmelodien hinter dem Gesang haben sie beide.

Track drei ist ein Cover von MANILLA ROADs “Cage Of Mirrors”. Wurde ich mit der Truppe nie ganz warm, so gefällt mir das Cover doch echt gut, alleine aufgrund seines im Vergleich zum Original weniger abgespeckten Sounds. Dazu ist es allemal liebevoll umgesetzt. Danach gibt es noch drei Demos von Songs des Debutalbums. Auch wenn ich Demos generell für einen uninspirierten Weg halte, eine EP zu verlängern, kann man sich über sie als Nicht-Kenner der Band doch durchaus freuen. Der Sound ist etwas dumpfer, die Snare wesentlich ploppiger, aber anhören kann man sich die Dinger auf jeden Fall. Wertung entfällt, bei nur drei „richtigen“ Tracks., Dennoch sollten Doom-Fans und Underground-Supporter mit Anspruch insbesondere der Warrior Witch und dem MANILLA-ROAD-Cover mal ein Ohr leihen!

Trackliste:

01. Dream Quest Ends
02. Warrior Witch Of Hell
03. Cage Of Mirrors (Manilla Road Cover)
04. Sword Woman (Demo)
05. Voyage Of The Sunchaser (Demo)
06. The Queen Is Gone (Demo)

Jannis

ATLANTEAN KODEX – The Course Of Empire

Band: Atlantean Kodex
Album: The Course Of Empire
Spielzeit: 62:33 min
Stilrichtung: Epic Metal
Plattenfirma: Ván Records
Veröffentlichung: 13.09.2019
Homepage: www.atlanteankodex.de

Poah. Es gibt so Alben, da reicht schon ein Blick drauf, um zu wissen, dass es sich bei ihnen nicht um leichte Kost handeln wird. Beim Band- und Albumnamen angefangen über das großartige düster-kraftvolle Artwork bis hin zu den einzelnen Songtiteln (fünf Wörter pro Titel sind Minimum). Dazu weiß der, der vorher schonmal in ATLANTEAN KODEX reingehört hat, dass die fünf Bayern einen bombastisch-darken Mix aus True Heavy Metal und schwerem Doom Metal machen, man kann guten Gewissens sagen: Die Aufmachung stimmt.
Die Songs sind allesamt unter vier oder über acht Minuten lang, abgesehen vom knapp siebenminütigen “Lion Of Chaldea”, die kurzen Tracks dienen alle mehr oder weniger als Intro, Outro oder Zwischentrack. Die Produktion ist eine zwiespätige Angelegenheit. Irgendwie ein bisschen dumpf und verwaschen, dann wiederum gehört diese Undefiniertheit aber auch zum Sound der Truppe (wobei man lobend erwähnen muss, dass die Snare auf “He Who Walks Behind The Years” klingt, als würde man einen Zehn-Meter-Baumstamm auf einen Container hauen – amtlich!). Klingt halt ein wenig so, als würde man das Ganze auf einem riesigen dunklen prähistorischen Feld über dicke Lautsprecher anmachen und dann von eher weiter hinten hören. Ob das gut oder schlecht ist, kann ich noch nicht sagen, Charakter und Eigenständigkeit und gewisse Oldschool-Doom-Vibes verleiht es der Platte schon auf gewisse Weise, das täte aber auch eine reine 8-Bit-Produktion.
Die längeren Songs auf “The Course Of Empire” sind oft im Midtempo gehalten, mit anfangs oder zwischendurch ein bisschen Ruhe und kontrastierend einem miesen Batzen episch-hymnischer Düsterkeitsfeierlichkeit. Sehr schwer, sehr schleppend, ab und an mit krassen Ausbrüchen in obere Midtempogefilde garniert (“Chariots” zum Beispiel mit seinem Wechsel aus langsamem und seltsam-gutem Chorus und schnellerem Rest, oder auch der über zehn Minuten lange Titeltrack).
Obgleich man die Platte technisch gesehen richtung Power Metal ansiedeln müsste, ist der Discofaktor erwartungsgemäß gleich null. Sie ist ganz im Gegenteil sehr ernsthaft, sehr erwachsen und nicht das, was die niederen Power-Metal-Bedürfnisse erfüllen möchte. Ein wenig erinnert mich der Stil an ARRAYAN PATH, nur eben mit mehr leicht verwaschenem Bombast und geringerem Grundtempo.
Klar, dass dabei die Eingängigkeit auf der Strecke bleibt. Das wäre allein nicht schlimm, aber dazu kommt für meinen Geschmack etwas zu viel Redundanz. Bereits erwähntes “He Who Walks…” hat innerhalb der längeren Tracks des Albums noch den höchsten Individualitätsfaktor, aber generell geht die Reise für meinen Geschmack ein wenig zu sehr nach “Komm, Midtempo, düster-epischer Gesamtsound, neun Minuten durchziehen, dann läuft die Kiste”. Kann sein, dass ich dem Album damit Unrecht tue und einfach noch ein paar mehr Hördurchgänge benötige. In meinen Ohren ist es eher Meditationssoundtrack für truere Leute, beim genaueren Hinhören beeindruckend und nicht ganz leicht verdaulich. Und in seiner Gesamtheit auf jeden Fall ein wuchtiges Ding, dem ab und an etwas mehr Abwechslungsreichtum und Individualität innerhalb der einzelnen Songs gut getan hätte.

Anspieltipps:
“He Who Walks Behind The Years”, “Chariots” und “The Course Of Empire”

Fazit:
Nein, das ist nicht die EQUILIBRIUM-Art von “Epic Metal”, das ist düster, auf gute Weise anstrengend, ein bisschen true, mehr Doom und irgendwie hypnotisch-fesselnd. Es lohnt sich auf jeden Fall, mal in “The Course Of Empire” reinzuhören, denn trotz leichter Abstriche wegen etwas zu wenig Abwechslung ist das Ding ein Mammut von einem Album!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Alpha And The Occident (Rising From Atlantean Tombs)
02. People Of The Moon (Dawn Of Creation)
03. Lion Of Chaldea (The Heroes‘ Journey)
04. Chariots (Descending From Zagros)
05. The Innermost Light (Sensus Fidei)
06. A Secret Byzantium (Numbered As Sand And The Stars)
07. He Who Walks Behind The Years (The Place Of Sounding Drums)
08. Spell Of The Western Sea (Among Wolves And Thieves)
09. The Course Of Empire (All Thrones In Earth And Heaven)
10. Die Welt Von Gestern (Abendland)

Jannis

PARADISE LOST – Medusa

Band: Paradise Lost
Album: Medusa
Spielzeit: 42:41 min
Stilrichtung: Doom Metal
Plattenfirma: Nucelar Blast
Veröffentlichung: 01.09.2017
Homepage: www.paradiselost.co.uk

Die Schönheit der Traurigkeit, anders lässt sich das mittlerweile 15. Studioalbum der Doom Deather PARADISE LOST nicht beschreiben. Mit „Medusa“ begeben sich die Briten nach „The Plague Within“ noch weiter ‚back tot he roots‘ und das gefällt. Bereits 1988 entwickelte sich die in Halifax gegründete Band schnell zum Vorreiter und Genregründer des Gothic Metal und prägen den Doom Metal bis heute. Und das in fast unveränderter Besetzung, lediglich die Drumsticks wechselten einige Male den Besitzer. Jetzt ist dem Quintett von der Insel mit dem aktuellen Longplayer „Medusa“ ein weiteres Highlight in der knapp 30-jährigen Bandgeschichte gelungen.
Bereits der über 8 Minuten lange Opener „Fearless Sky“ growlt sich Deah Metal-lastig dahin und zeigt die Rückbesinnung auf die Doom Death Frühwerke der Band. Tiefgestimmte Gitarren und eine düstere Grundstimmung sind dabei die Zutaten für ein herausragendes PARADISE LOST 8-Gänge Menü bei dem Nick Holmes Stimme das herausstechende Merkmal ist. Er bewegt sich spielend leicht zwischen growls und Klargesang und drückt dabei jedem Song seinen Stempel auf. Nicht minder grandios kommen dabei die übrigen Bandmitglieder daher. Greg Mackintosch und Aaron Aedy an den Gitarren, die zusammen mit Basser Steve Edmondson für den genial-schwermütigen Sound der Band sorgen. Und mit dem erst 22-jährigen Waltteri Väyrynen wurde die Düster-Combo nach dem Ausstieg von Adrian Erlandsson 2016 wieder komplettiert.
Während das zweite Stück „Gods Of Ancient“ stilistisch in die gleiche Kerbe wie der Opener haut, gibt es auch durchaus flottere, aber dadurch nicht weniger düstere Momente wie „From The Gallows“ zeigt. Während der Opener „Fearless Sky“ mit Orgelmusik eröffnete, startet „The Longest Winter“ mit Krähen in Wind und Regen und lässt einen unvermutet im Winter des Lebens ankommen.
Ein Ausbund an Traurigkeit ist auch der Titeltrack „Medusa“, was vor allem der friedhofsartigen Anfangssequenz geschuldet ist. Zusammen mit Nick Holmes Klargesang entfaltet das Stück seine ganz eigene Melancholie und verzaubert die Zuhörer auf Anhieb. Wobei der Titeltrack nicht direkt die altgriechische Gorgone mit den todbringenden Augen besingt, sondern in PARADISE LOST Manier die nihilistische Bedeutung der Figur hervorhebt. Überhaupt geht es auf diesem Album viel um die Sinnlosigkeit des Lebens und die Bedeutungslosigkeit der Menschheit.
Während das stimmlich wieder tiefgelegte „No Passage For The Dead“ den blinden Glauben besingt, schimmert beim melodischeren „Blood and Chaos“ ein kleiner Funken Hoffnung in der Sinnlosigkeit allen Tuns durch. Aber nur um mit „Until The Grave“, dem würdigen Abschluss des 8-Songs umfassenden Werkes wieder zunichte gemacht zu werden.
Abschließend bleibt nur zu sagen, dass PARADISE LOST mit „Medusa“ ein herausragendes Werk gelungen ist. Stilistisch einwandfrei, mit der exakt richtig dosierten düsteren Schwermut versehen, dazu mit dem dazu passenden Anteil Death Metal angereichert, zeigen PARADISE LOST, warum sie auch nach fast 30 Jahren noch immer die Genregrößen sind. Die wuchtige Produktion dazu macht das Album perfekt, ein Hörgenuss nicht nur für Fans.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Fearless Sky
02. Gods Of Ancient
03. From The Gallows
04. The Longest Winter
05. Medusa
06. No Passage For The Dead
07. Blood And Chaos
08. Until The Grave

Tänski

ARGUS – From Fields Of Fire

Band: Argus
Album: From Fields Of Fire
Spielzeit: 55:03 min
Stilrichtung: Heavy/Doom Metal
Plattenfirma: Cruz Del Sur Music
Veröffentlichung: 08.09.2017
Homepage: www.facebook.com/argusmetal

„From Fields Of Fire“, der vierte Langspieler der fünf Herren von ARGUS aus Pennsylvania ist, lapidar ausgedrückt, schon etwas Besonderes. Irgendwo zwischen Heavy und Doom Metal angesiedelt ist es fast unmöglich, dieses Album vernünftig zu bewerten, denn „From Fields Of Fire“ kombiniert diese beiden Genres nicht nur, es durchläuft sie gewissermaßen, und das mit deutlichen Qualitätsschwankungen.
Die Produktion des Albums ist sehr authentisch ausgefallen. Kaum etwas wurde im Nachhinein digital zurechtgerückt, und so findet sich auch schonmal ein Ton oder Drumschlag, der ein klein wenig zu früh oder zu spät erklingt. Darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein, doch zum Sound von Argus passt diese Produktionsweise viel besser, als digital glattgelutschte Perfektion.
Zu den Songs: Man kann wohl behaupten, dass „From Fields Of Fire“ in seinem Verlauf einen schleichenden Wechsel von Heavy zu Doom Metal vollzieht, obgleich sich natürlich auch in den ersten Tracks bereits deutlich doomige Elemente finden lassen, allen voran der schwere langsame Anfang des ersten richtigen Songs, „Devil Of Your Time“.
Leider, so scheint es, können ARGUS Doom Metal wesentlich besser als Heavy Metal. Die ersten vier (Intro nicht eingerechnet) Tracks sind solider Heavy Metal im unteren bis oberen Midtempo mit einigen Doom-Einflüssen, der ohne sonderliche Höhen oder Tiefen, und somit eben auch ohne viel Hitpotenzial oder Wiedererkennungswert am Hörer vorbeiholzt. Hat ein paar schöne Momente, kann man sich geben, ist aber realistisch betrachtet eher im sechs- bis sieben-Punkte-Bereich, auch wenn im Laufe der Lieder eine kleine Qualitätssteigerung stattfindet. So kann „You Are The Curse“, der fünfte Track, mit seinem schönen Mitsingrefrain, dem coolen Solopart und seiner Uptempo-Bangbarkeit durchaus überzeugen und wäre ein klarer Kandidat für eine Live-Darbietung. Pluspunkt ist hier wie beim Rest des Albums vor allem der Sänger, der nach einer Mischung aus CANDLEMASS, SYMPHONY X und POWERWOLF zu „Return In Blood Red“-Zeiten klingt und einen wirklich guten Job macht.
Dann kommt „Infinite Lives Infinite Doors“, und ab diesem Zeitpunkt geht es hinsichtlich der musikalischen Kreativität radikal aufwärts. Das über elf Minuten lange Werk liefert sehr gute Arbeit in den Strophen und im Refrain, einen leicht hypnotischen ruhigen Mittelteil und allgemein hohe Vielseitigkeit im Vergleich zu den Songs davor. „Hour Of Longing“ kommt mit Texten aus dem Doom-Lehrbuch und einem getragenen, wunderbar gefühlvollen Solo im Mittelteil. Vielleicht hätte der Song langsamer noch mehr Wirkung entfaltet, kann sich aber auf jeden Fall auch so hören lassen, wie er ist.
„No Right To Grieve“ kann getrost als krönender Abschluss des Albums gewertet werden. Balladesk mit leichten Streicherkeyboards im Hintergrund anfangend steigert sich dieses kleine Doom-Meisterwerk immer mehr, gewinnt an Druck, Tempo und Intensität. Der Sänger leidet auf ganzer Linie überzeugend und kurbelt den Gänsehautfaktor noch einmal hoch. Großartig! Genau so muss das.

Anspieltipps:
Ab „You Are The Curse“ eigentlich alles, insbesondere „Infinite Lives Infinite Doors“ und „No Right To Grieve“.

Fazit:
Bedingungslos empfehlen lässt sich „From Fields Of Fire“ nicht. Es ist wohl ratsam, vor dem Kauf des Albums in „Devil Of Your Time“ und „No Right To Grieve“ reinzuhören, um sich über das musikalische Spektrum bewusst zu werden, in dem sich ARGUS‘ neuster Streich bewegt. Der weniger starken ersten Albumhälfte steht eine wirklich starke zweite gegenüber, womit die Wertung hier eher eine Art Kompromiss darstellt. „From Fields Of Fire“ hat einige Songs in petto, die weit mehr als 7,5 Punkte verdient hätten – aber eben auch einige, die eher auf sechs-Punkte-Niveau herumdümpeln. Reinhören ist Pflicht! Nicht nur, weil eine Rezension immer eine subjektive Einschätzung ist, sondern auch, weil dem einen oder anderen, der dieser Rezension zustimmt, die absolut gelungene zweite Hälfte des Albums Kaufgrund genug sein dürfte.

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Into The Fields Of Fire
02. Devil Of Your Time
03. As A Thousand Thieves
04. 216
05. You Are The Curse
06. Infinite Lives Infinite Doors
07. Hour Of Longing
08. No Right To Grieve
09. From The Fields Of Fire

Jannis