THEM -Manor Of The Se7en Gables“

Band: Them
Album: Manor Of The Se7en Gables
Spielzeit: 55:01 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Steamhammer / SPV
Veröffentlichung: 26.10.2018
Homepage: www.them666.com

Das Gefühl, als jahrelanger KING-DIAMOND-Fan THEM erst durch ihr neustes Album “Manor Of The Se7en Gables” kennenzulernen, ist in etwa mit dem vergleichbar, das einen als Altenpfleger während des Feierabends überkommt, wenn man merkt, dass man vergessen hat, Grandma aus ihrem Rollstuhl zu helfen, und deswegen extra nochmal zurück zum Heim fahren muss. Man bereut, es in der Vergangenheit nicht getan zu haben. Genug der holprigen Analogien. Die Bildungslücke wurde gefüllt, auf geht’s mit der Einschätzung!
Zuerst einmal das obligatorische Drumrum: Nachdem die Band ursprünglich als KING-DIAMOND-Tribute gegründet wurde, veröffentlichte man 2016 ein Konzeptalbum mit eigenen Songs, das dem Stil mehr oder weniger treu blieb, allerdings bereits mit einer ausreichenden Menge an eigenen stilistischen Merkmalen daherkam, um nicht als Kopie durchzugehen. Der aktuelle Release der deutsch-amerikanischen Truppe geht diesen Weg weiter. An der Produktion wurde geschraubt – das Ergebnis ist top – und man wurde härter, thrashiger, komplexer, ohne dabei das große musikalische Vorbild zu vergessen. Im Klartext: “Manor Of The Se7en Gables” hat alles, was ein KING-Fan auf Entzug braucht. Einen großartigen Sänger (KK Fossor), der Storytellingparts ebenso stimmungsvoll umsetzen kann wie hohe Falsetti, “Standard”gesang in mittleren Höhen und böses Gegrummel. Dazu sorgfältig ausgewählte Horrorsynths, die richtige Menge an Story-Parts, Friedhofsatmosphäre und ein wohliges Gänsehaut-Feeling, garniert mit einer coolen Bandoptik und einem fantastischen Cover. Auch die Melodielinien, die Backing Vocals, und die Songarrangements klingen gerne einmal, als sei das Album der schwarzen Feder von Herrn Petersen entsprungen. Hier schon einmal ein Zwischenfazit: Wer die Musik des Dänen mag, ist praktisch verpflichtet, hier zuzugreifen.
Doch wie schon beim Debutalbum bleibt es nicht bei stumpfer Stilkopiererei. Viel zu deutlich sind die US-Power- und die Thrash-Einflüsse, die in den alles andere als seltenen Doppelbass-Gewittern zutage treten. Und man glaube es oder nicht: Die Mischung funktioniert blendend.
Den unterschiedlichen Einflüssen entsprechend fallen auch die Songs auf “Manor” sehr vielseitig aus. Krönung des Albums sind wohl die Tracks vier bis sechs. “Witchfinder” könnte hinsichtlich seiner Komposition und Atmosphäre straight vom “Puppetmaster”-Album entsprungen sein, ebenso wie der Storyteller “A Scullery Maid”. Mit dem anschließenden “Ravna” werden ruhigere Töne angeschlagen, das Ding ist eine Halbballade in Bestform. An anderer Stelle wird mehr geballert. “Refuge In The Manor”, “Circuitous”, “As The Sage Burns” und “Seven Gables To Ash” demonstrieren die teils erbarmungslose Härte der Platte, ohne außergewöhnliche und eingängige Melodien zu vernachlässigen. Bei “Maleficium” wird auch mal ein Sechsertakt bemüht (muss.) und das schlussendliche “Punishment By Fire” erweist sich mit über acht Minuten Spieldauer als würdigster Endtrack, mit hypnotisch-redundanten Abschnitten, schnellem Geknüppel und starken Melodien. Von vorne bis hinten ein Level, das sich gewaschen hat – und spät im Jahr nochmal ein absoluter musikalischer Höhepunkt.

Anspieltipps:
“Witchfinder”, “Ravna”, “As The Sage Burns” und “Punishment By Fire”

Fazit:
Wie gesagt: KING-DIAMOND-Fans müssen hier eh zugreifen. Und alle, die Bock auf einen höchstwertigen Mix aus massiv produziertem Power und Thrash Metal mit jeder Menge Liebe zum Detail und haufenweise Atmosphäre plus eine stabile Dosis Theatralik haben, sollten diesem Gesamtkunstwerk dringend eine Chance geben.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Residuum
02. Circuitous
03. Refuge In The Manor
04. Witchfinder
05. A Scullery Maid
06. Ravna
07. As The Sage Burns
08. The Secret Stairs
09. Peine Forte Et Dure
10. Maleficium
11. Seven Gables To Ash
12. Punishment By Fire

Jannis

GUARDIANS OF TIME – Tearing Up The World

Band: Guardians Of Time
Album: Tearing Up The World
Spielzeit: 52:48 min.
Stilrichtung: Heavy/Power Metal
Plattenfirma: ROAR! Rock Of Angels Records
Veröffentlichung: 19.10.2018
Homepage: www.guardiansoftime.no

GUARDIANS OF TIME – Die Hüter der Zeit. Und die Zeit rennt, schaut man sich die Menge an Uptempo auf dem neusten Album der Norweger einmal genauer an. Zwölf, mit Bonustrack dreizehn Tracks beinhaltet die nunmehr fünfte Platte der 1997 gegründeten Formation, alle angemessen kurzweilig zwischen drei und fünfeinhalb Minuten gehalten und stilistisch im heavien Power Metal bzw. im powerlichen Heavy Metal zu verorten.
Die Produktion ist sauber und knallt anständig, Sänger Bernt agiert problemlos auch in hohen Bereichen und der Rest der Band weiß die Sache jederzeit mit auf den Punkt getroffener Untermalung nach vorne zu treiben.
Klingt bis dahin ganz gut, und tatsächlich: Beanstanden lässt sich an “Tearing Up The World” kaum etwas. Verkraftet man die War-und Eagle-Texte, so entpuppt sich die Scheibe als extrem spaßiges Stück Heavy Metal, das einen hohen Wert auf Melodien abseits der 08/15-Norm legt. Die ganz große Innovation findet sich hinsichtlich der Melodien dabei zwar seltener, doch bewegt sich das Niveau durchgängig in einem Rahmen, der das Interesse der Zuhörer an den jeweiligen Song zu binden weiß, gerade in den Refrains, für die die GUARDIANS OF TIME ein massives Händchen zu haben scheinen.
Das geht schon beim Titeltrack los. Mag sein, dass die erste Strophe mit ihrem wiederholt geäußerten “I fight!” etwas stumpf anmutet und nicht unbedingt das richtige Bild des Albums zeichnet, das ändert sich allerdings spätestens beim Instant-Ohrwurm-Refrain und der anschließenden Strophe, deren Vocals vom mächtigen ABBATH persönlich übernommen wurden – neben Tim “Ripper” Owens, der dem in den Strophen oldschool speedmetallischen “As I Burn” seine Stimme leiht, einer der zwei Gastsänger der Platte.
Keyboards finden sich auf “Tearing Up The World” kaum. Wenn sie dennoch zur Geltung kommen, dann bestens eingesetzt; im Power-Metal-Hit “Raise The Eagle” in Form eines modernen Synth-Riffs, beim Midtemposong “Drawn in Blood” als wahnsinnig geil klingende Orgel zu Anfang.
Weitere Höhepunkte: “Kingdom Come” mit seinem GAMMA-RAY-Chorus und “Brothers Of The North”, das beinahe ein älterer IRON-SAVIOR-Song hätte sein können (überhaupt klingt das Album ziemlich beeinflusst vom deutschen Power Metal). “Valhalla Rising” bringt ein wenig Pagan-Flair ins Biz, das rifftechnisch trocken-böse “Light Won’t Shine” in seinem melancholisch-intensiven Refrain gar einige AMORPHIS-Nuancen. Und ehrlich: Der Rest des Albums ist auch nicht schlechter. Einigen Songs hätte man den letzten Schliff geben können, indem man ihre Refrains nicht auf “Viermal die selbe Melodielinie”-Strukturen aufgebaut hätte, aber zu komplex soll es ja auch nicht sein. Der Spagat zwischen kräftiger Härte und eingängigen, individuellen aber für das Genre nicht zu unkonventionellen Melodien gelingt “Guardians Of Time” einwandfrei.

Anspieltipps:
“Tearing Up The World”, “Raise The Eagle”, “Kingdom Come” und “Brothers Of The North”

Fazit:
Für Freunde von härterem und oft schnellem Power Metal ohne Keyboards, ohne Kitsch, aber mit einer Menge Wucht hinter dem Cover – angereichert mit nicht nur einem Ohrwurmpart. Und das zweite Basspedal hat die Zeit seines Lebens.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Tearing Up The world
02. Raise The Eagle
03. We’ll Bring War
04. Burning Of Rome
05. Kingdom Come
06. Valhalla Awaits
07. Brothers Of The North
08. Light Won’t Shine
09. As I Burn
10. Drawn In Blood
11. Masters We Were
12. Empire – Live (Bonus Track)

Jannis

DRAGONY – Masters of the Multiverse

Band: Dragony
Album: Masters of the Multiverse
Spielzeit: 50:02 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Limb Music
Veröffentlichung: 12.10.2018
Homepage: www.dragony.net

3 lange Jahre haben uns die Symphonic Power Metaller von DRAGONY rund um Sänger und Mastermind Siegfried Samer nach dem letzten Album „Shadowplay“ warten lassen auf neuen Stoff! Und dieser Tage ist es endlich soweit und wir können uns dem neuen, dritten Album mit dem klangvollen Titel „Masters of the Multiverse“ widmen.
Laut Promoinfo soll es das abwechslungsreichste und detailreichste Album der Bandgeschichte sein. Nun die Jungs haben bislang nie wenig Instrumente und Klangspektakel in ihren Songs gehabt was zu einem starken Bombast und Cinematicfeeling führte. Daher sollten wir gespannt sein was uns nun erwartet, wenn man das Ganze nochmal gesteigert hat!
Auf dem neuen Album geben sich auch drei musikalische Gäste die Ehre. SABATON Gitarrist Tommy Johansson ist ebenso mit an Bord wie VAN CANTO Sänger Ross Thompson und die deutsche Sängerin Nora Bendzko.
Alles bereit? Gut, ab geht die wilde Power Metalfahrt mit dem Opener „Flame of Tar Valon“. Und hier wird gleich mal mächtig und dick aufgefahren! Bombast Power Metal mit ordentlich Cinematic Anteilen lassen einen direkt die Fäuste in die Luft recken und jedes Fanherz höherschlagen!
Ein einprägsamer Chorus gehört natürlich auch dazu, von daher können wir hier direkt vom ersten Hit sprechen.
Das schon vorab bekannte, wenn auch recht kitschige, „If it bleeds we can kill it“ nimmt dann den Qualitätsfaden direkt auf und ballert ebenfalls absolut eingängig aus den Boxen direkt in das Hirn.
Und die Qualität bleibt auch im Anschluss absolut hoch, egal ob beim klassisch, epischen „Grey Wardens“, dem Melodic Knaller „Defenders“ oder der ruhigen Halbballade „Fallen Star“. Alles ist hier absolut erstklassig und lässt für den geneigten Fan keine Wünsche offen!
Die zweite Hälfe beginnt dann mit dem Bombastepos „Angels of Neon Wings“ welches zu Beginn Anleihen des SABATON Sound beinhaltet, sich danach aber direkt wieder zu einem DRAGONY Ohrwurm erster Güte entwickelt.
Episch, emotional und erneut mega eingängig geht es dann beim anschließenden „Days of High Adventure“ zur Sache bevor dann im letzten Abschnitt der Platte erneut klassisch und bombastisch die ganz große Keule mit „Evermore“, „The Iron Price“ und dem abschließenden „Eternia Eternal“, ein Schelm der da direkt an die 80iger Hit Jungs Serie und Spielzeugreihe „Masters of the Universe“ denkt, geschwungen wird.
So endet das dritte DRAGONY Album wie es angefangen hat, bärenstark!

Anspieltipps:

Schlechte Tracks sucht ihr hier vergeblich, daher alles!

Fazit :

Mit Kritik wurde in meiner Rezi ja ordentlich gespart! Denn es gibt beim dritten Album der Jungs von DRAGONY auch nicht wirklich viel zu kritisieren.
Für Fans der Band sowie Melodic, Power und Bombast Metalanhänger dürfte der VÖ zum Feiertag werden und die Band bleibt sich ihrer bisherigen musikalischen Linie zu 100 % treu! Man setzt sogar noch mehr die Bombastkeule ein und zaubert einen proppenvollen Klangteppich der eingängig und klebrig aus den Boxen tönt.
Wer bisher nichts mit der Band und der Mucke anfangen konnte wird auch dieses Mal schreiend weglaufen, für allen anderen dürfte das Ganze zum Freudenfest werden!
Es gibt also abschließend mal wieder absolut verdient die Höchstpunktzahl.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Flame of Tar Valon
02. If it bleeds we can kill it
03. Grey Wardens
04. Defenders
05. Fallen Star
06. Angels on Neon Wings
07. Days of High Adventure
08. Evermore
09. The Iron Price
10. Eternia Eternal
11. The Touch (Bonustrack)

Julian

ORION’S REIGN – Scores Of War

Band: Orion’s Reign
Album: Scores Of War
Spielzeit: 58:34 min.
Stilrichtung: Symphonic Power Metal
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 19.10.2018
Homepage: www.orionsreign.com

ORION’S REIGN haben schon ziemlich viel richtig gemacht, immerhin wurde ihr zweites Album, “Scores Of War”, von Jens Bogren und Linus Corneliusson zusammengeschraubt, hat als Gäste unter anderem Tim Ripper Owens und Bob Katsionis von FIREWIND vorzuweisen und nicht zuletzt ein dickes Sinfonieorchester am Start. Dazu ein blau-oranges großartiges Artwork von Stan Decker, der bereits Platten von PRIMAL FEAR, ROSS THE BOSS und vielen anderen bemalte. Da kann eigentlich nicht viel schief gehen, denkt man – und behält damit recht.
Das Endergebnis der Zusammenarbeit dieses illustren Bundles mit den fünf Griechen von ORION’S REIGN ist bombastischster symphonischer Power Metal, der eine hörbare Nähe zu Werken von RHAPSODY (OF FIRE) aufweist, fett produziert und ganz nebenbei eine beachtliche Bandleistung. Sänger Dan klingt nach einer Mischung aus Fabio Leone und Joakim Brodén und verrichtet kaum schlechtere Arbeit als die beiden, zumal er gerade in höheren Sphären exzellente Mic-Arbeit leistet. Der Rest der Band sitzt on Point und setzt kraftvolle Balladen ebenso souverän um wie fixe Doppelbasstracks, stets mit der nötigen Härte und vor geschwindem Geholze nicht zurückschreckend. Dazu kommt das Orchester. Ist die Sorge, das Orchester auf einem Power-Metal-Album könne gegebenenfalls primär als imageaufbessernder Ersatz für lieblos in den Hintergrund gematschte Orchestral-Synths dienen, oftmals berechtigt, so stellt sie sich in diesem Fall als absolut unbegründet heraus. Die Orchestralarrangements von Keyboarder Kirk reizen die Möglichkeiten eines Orchesters wunderbar aus – von weichen Streichern über diverse Perkussionsinstrumente bis hin zu scharf-bedrohlichen Hörnern.
Dementsprechend ist “Scores Of War” fast immer sehr episch, fährt große Melodien auf und erinnert nicht zufällig an einen metallisierten Filmsoundtrack.
Je nach Song wird es düsterer-böser (“The Undefeated Gaul”, “Warrior’s Pride”) oder dramatisch-bombastischer (“The Gravewalker”), mal klassisch speedmetallisch.
All das auf hohem Niveau, innerhalb des Stils doch ziemlich divers, durchgängig massiv orchestriert und nach einiger Zeit den Wunsch nach etwas Pause, etwas weniger Überladenheit, hervorrufend – und hier liegt das Problem von “Scores Of War”. ORION’S REIGN gönnen ihren Fans ein paar ruhigere Momente, allerdings in Form von folkig anmutendem fröhlichem Gedudel (“An Adventure Song”) oder hartem Pathos, der die Kitschgrenze leider weit hinter sich lässt (Withering Heart”, “Ride To War”). Die drei bis vier Songs, die also aus dem “Harter Power Metal, bombastisches Orchester”-Raster fallen, sind größtenteils schwer zu verkraften, gerade “Ride To War” belastet mit MANOWARballadenfeeling der Heart-of-Steelsten Art. Pluspunkt: Nach einem solchen Song hat man direkt wieder Bock auf den nächsten Symphonic-Metal-Kracher auf “Scores Of War”. Kann man also mit leben.

Anspieltipps:
“The Gravewalker”, “Warrior’s Pride”, “Last Stand” und “Together We March”

Fazit:
Wurde in dieser Rezension schon das Wort “bombastisch” erwähnt? Egal, einmal muss halt noch. Geil produzierter, detailverliebter bombastischer Symphonic Power Metal der Marke RHAPSODY, top gesungen, fett ohne Ende, mit ein paar Schmalz/Folk-Parts, durch die man halt durch muss. Ab auf den MP3-Player damit und dann auf in den Battle.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Elder Blood
02. Together We March
03. The Gravewalker
04. The Undefeated Gaul
05. An Adventure Song
06. Freedom Is Not Negotiable
07. Nostos
08. Warrior’s Pride
09. Withering Heart
10. Last Stand
11. Ride To War

Jannis

BRAINSTORM – Midnight Ghost

Band: Brainstorm
Album: Midnight Ghost
Spielzeit: 51:38 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 28.09.2018
Homepage: www.brainstorm-web.net

Der Vollmond steht am Himmel, halb von Wolken verdeckt. Aus der Ferne die Laute eines Uhus, das Ticken deiner alten Standuhr hält dich vom Schlafen ab. Dann, exakt zur zwölften Stunde, geht der Spuk ohne Vorwarnung los, ohrenbetäubender Lärm jagt dich unter deine Decke. Erst schreist du vor Angst, dann beruhigst du dich. Dann fängst du langsam an, mitzunicken und ab dem Zeitpunkt hat der „Midnight Ghost“ dich bei den Eiern und lässt dich bis zum Ende der Scheibe nicht mehr los. Aber fliehen möchtest du genau genommen eh nicht mehr.
Schließlich ist “Midnight Ghost”, das mittlerweile zwölfte Album von BRAINSTORM, die wohl beste Scheibe der Gerstettener seit mindestens zehn, vielleicht noch mehr Jahren. Mit einem wunderschönen Cover versehen und ausgestattet mit zehn kurzweiligen Songs (Bis auf einen sind alle im Vier-bis-fünf-Minuten-Bereich gehalten) – und einem BRAINSTORM-Wecker im Boxset – erweist sich “Midnight Ghost” als absolutes Brett, angefangen schon bei der Produktion. Für die zeichnet sich ORDEN OGANs Seeb verantwortlich, und der hat zweifelsohne das Letzte aus den Songs herausproduziert. Druckvoll und definiert bis zum Gehtnichtmehr ist das Resultat seiner Arbeit, Kritik nicht möglich.
Doch nicht nur der Sound stimmt auf “Midnight Ghost”. Kam bei den letzten Releases der Herren um Meistersänger Andy B. Franck doch immer wieder das Gefühl auf, man orientiere sich hauptsächlich an typischen BRAINSTORM-Trademarks, sei dabei allerdings nicht besonders innovativ unterwegs, so ist ab dem ersten Track auf “Midnight Ghost” klar, wo die Reise hingeht. Die ersten vier Songs sind komplette Hits, angemessen aggressiv, dabei aber durchzogen von Ohrwurmmelodien und angereichert mit epischen Refrains (“Devil’s Eye”), zappelig-technischen Instrumentalergüssen (“Revealing The Darkness”) und hin und wieder mal ein paar ruhigeren Klängen (“Ravenous Minds”).
Das anschließende “Jeanne Boulet (1764)” ist trotz seiner knapp acht Minuten Spieldauer kurzweiligst, mit dezenten aber sehr wirksamen Orchestralkeyboards und einem gesummten Gesangspart, den man sich hätte sparen können. Und die Qualität lässt nicht nach. Mit “Divine Inner Ghost” gibt’s den nächsten heftig eingängigen Chorus und “When Pain Becomes Real” ist nicht weniger intensiv und trotz des im Vergleich zu den anderen Tracks des Albums etwas konventionelleren Refrains ein starkes Stück. Ebenso der äußerst bemerkenswerte Chorus von “Haunting Voices”, das ein klein wenig an ICED EARTHs “Horror Show” erinnert.
Die schwächsten Songs auf “Midnight Ghost” sind das stampfende und recht simple “Four Blessings” und die Ballade “The Path”. Und selbst die machen noch Laune. Ansonsten keine Lückenfüller – Mit ihrem neusten Release haben BRAINSTORM die Messlatte für ihre zukünftigen Releases brutal hoch gelegt.

Anspieltipps:
Eigentlich alles außer “When Pain Becomes Real”, “Four Blessings” und “The Path”

Fazit:
BRAINSTORM haben in ihrer Karriere noch nie ein wirklich schwaches Album abgeliefert. Das wird sich mit “Midnight Ghost” nicht ändern. Im Gegenteil, die Melodien und Arrangements der Jungs klingen so stimmig wie selten zuvor. Man sollte sich die anstehenden Release-Shows mit MOB RULES nicht entgehen lassen, schließlich finden sich dort insgesamt 19 von 20 Punkten auf der Bühne. Und man sollte “Midnight Ghost” kaufen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Devil’s Eye
02. Revealing The Darkness
03. Ravenous Minds
04. The Pyre
05. Jeanne Boulet (1764)
06. Divine Inner Ghost
07. When Pain Becomes Real
08. Four Blessings
09. Haunting Voices
10. The Path

Jannis

DYNAZTY – Firesign

Band: Dynazty
Album: Firesign
Spielzeit: 49:36 min.
Stilrichtung: Modern Melodic Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 28.09.2018
Homepage: www.dynazty.com

Die Schweden von DYNAZTY sind wieder da. Im Gepäck: ihr sechstes Werk “Firesign”, Nachfolger des 2016er Releases “Titanic Mass” und das Album, das zwangsläufig erscheinen muss, wenn vorher bei Ikea alle Synthesizer 40% reduziert waren. Innerhalb von elf Jahren Bandgeschichte haben sich die fünf Stockholmer bereits einen respektablen Namen und die damit einhergehende Fangemeinde erspielt und somit die Gelegenheit gehabt, ihren Sound von Größen wie Jonas Kjellgren (Ex-Gitarrist von SCAR SYMMETRY, Mastering bei AMORPHIS, IMMORTAL und anderen) und Peter Tägtgren (kennt man) polieren zu lassen. Das Ergebnis ist erwartungsgemäß einwandfrei produziert – einwandfrei produzierter moderner Melodic Metal, sehr melodieorientiert, oft cheesy und angereichert mit zahlreichen Synth-Spielereien. An der Bandleistung gibt es ebenfalls nichts zu meckern. Die Instrumente sitzen, Sänger Nils Molin überzeugt mit einer klaren Power-Metal-kompatiblen Stimme, die den elf Tracks auf „Firesign“ dienlich ist, auch in hohen Sphären funktioniert und durchaus Charakter hat.
Mit den Songs ist das hingegen so eine Sache. Der typische DYNAZTY-Song funktioniert folgendermaßen: Auf ein Synth-Arpeggio-Intro folgt der fett klingende Einstieg der Band, ab dem feststeht, dass die Synthesizer aus dem Songintro nun das komplette Lied unterlegen werden. Plus ein paar mehr Synthesizer. Anschließend die erste Strophe, die bis zum Anfang ihrer zweiten Hälfte im tyischen STRATOVARIUS-Klischeestyle gitarrenfrei gehalten ist. Im anschließenden Prechorus werden dann die Melodien etwas aufgefröhlicht, bevor ein dicker Refrain mit großer Melodie, die sich manchmal ins Ohr zu graben vermag, aufgefahren wird. Dann wieder Strophe, Prechorus, Chorus, ein semispektakulärer Mittelteil und zu guter Letzt noch zwei- oder dreimal der Chorus, das letzte Mal in einer anderen Tonlage.
Bei einigen Songs ist der Discofaktor etwas höher („My Darkest Hour“ oder „Let Me Dream Forever“), bei einigen wird’s etwas böser („Starfall“) oder dramatisch-melancholischer („Closing Doors“) und ab und an bringt man kleine neoklassisch („The Grey“) oder folkig-piratig anmutende („Ascension“) Motive mit ins Spiel. Ach ja, oder man zieht sich die Keyboards von RAMMSTEIN, wie im Falle von „Firesign“ (original: „Du hast“) geschehen. Das Ganze wirkt oft doch sehr poppig, einigermaßen glattgelutscht und ist vergleichbar mit DRAGONFORCE, wenn man ihnen THC ins Speed mischen würde.
Versteht das nicht falsch: „Firesign“ wird jedem Freund von modernem Melodic Metal mit einer guten Portion delikat gewählter Synthesizer Spaß machen, jedenfalls die einzelnen Lieder für sich. Über die Dauer eines kompletten Albums stellen sich bei DYNAZTYs Konzept jedoch gewisse Ermüdungserscheinungen ein, denn bei derart ähnlichen Songstrukturen kommt schon beim fünfen Track das Gefühl auf, man habe ihn auf „Firesign“ schon einmal gehört. Und so fett die Melodien auch sein mögen, die die Jungs gerade in ihren Refrains auffahren: Die ganz großen Knaller, die sich über Stunden ins Hirn zu brennen vermögen, sind nicht dabei. Die Scheibe ist letztendlich doch eher ein spaßig-poppiges Partymetalalbum ohne viel Tiefgang.

Anspieltipps:
„My Darkest Hour“, „The Light Inside The Tunnel“, „Let Me Dream Forever“ und „The Grey“

Fazit:
„Firesign“ ist ein wenig das Guinness unter den Power-Metal-Alben; schön dick und mild, aber nichts, womit man ein herbes Pils auf Dauer ersetzen könnte. Ist aber nicht schlimm, denn als fett produziertes melodisches Metalalbum wird es vielen von Euch doch ein paar schöne Stunden bescheren können. Hört mal rein!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Breathe With Me
02. The Grey
03. In The Arms Of A Devil
04. My Darkest Hour
05. Ascension
06. Firesign
07. Closing Doors
08. Follow Me
09. Let Me Dream Forever
10. Starfall
11. The Light Inside The Tunnel

Jannis

MANIMAL – Purgatorio

Band: Manimal
Album: Purgatorio
Spielzeit: 42:00 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 07.09.2018
Homepage: www.manimal.se

Ganz ehrlich: Alben, die über eine Stunde Spieldauer haben und sich pro Song auch mal sieben bis acht Minuten Zeit lassen, sind an sich ’ne feine Sache. Aber ein Album, das über 42 Minuten kurz und knackig neun Songs im Drei-bis-fünf-Minuten-Bereich raushaut, ist doch zwischendurch auch mal erfrischend und umgeht sogar noch die Gefahr, sich über die letzten zwanzig Minuten nur noch zu wiederholen.
MANIMAL haben mit “Purgatorio” ein ebensolches kurzweiliges Heavy-Metal-Album vom Stapel gelassen, das nach dem Erfolg gerade ihres zweiten und bis vor kurzem aktuellen Albums “Trapped In The Shadows” ziemlich hohen Erwartungen ausgesetzt war. Die Produktion des neusten Releases der Göteborger ist rund und kraftvoll, meckern kann man hier nicht. So sieht’s auch hinsichtlich der Leistung der Instrumentalfraktion aus, die gekonnt und professionell Samuel Nymans starke Gesangsleistung hinterlegt.
Stilistisch lässt sich die Scheibe ungefähr mit einer Kollaboration von JUDAS PRIEST und KAMELOT vergleichen. Sie legt ein paar mehr ruhige Momente an den Tag, als man es von PRIEST-Hitalben wie “Painkiller” kennt, orientiert sich in etwa zu gleichen Teilen an Alben dieser Zeit wie auch an solchen etwas “softer”-rockigen aus früheren Tagen der Briten und fügt dem ganzen dann eine angemessene Portion KAMELOT-Emotionen hinzu, inklusive dezent eingesetzter Synths.
Nach dem straighten “Black Plague”, das einen angemessenen Opener darstellt, folgt mit dem Titeltrack ein melodischer und tendenziell melancholischer Track, der sich akut ins Ohr zu fressen weiß und von vorne bis hinten einfach überragend geschrieben ist. Mit “Manimalized” wird es anschließend wieder klassischer, hier dominiert eindeutig wieder der NwoBHM-Anteil.
“Spreading The Dread” ist eine böse stampfende Angelegenheit und der kürzeste Song des Albums, weswegen man sich unnötigen Ballast in Form eines Prechorus souverän gespart hat. Kurzweilig, auch eher melodieorientiert, gut feierbar. Im Anschluss geht es mit “Traitor” zurück in etwas britischere Gefilde, mit zwei-oktavigen Vocals und einem klassischen Ein-Wort-Chorus, und “Behind Enemy Lines” marschiert wieder im Midtempo aus den Boxen und hat einen schweren, machtvollen Refrain im Gepäck. Richtig stark wird es dann noch einmal mit “Denial”, ebenfalls Midtempo, recht keyboardlastig. Nyman halfordet löblich und der Chorus leistet wieder mal ganze Ohrwurmarbeit.
Zum Schluss dann mit “Edge Of Darkness” und “The Fear Within” einmal mit einem etwas lästigen Keyboard-Teppich hinterlegte Power-Metal-Kost, die an irgendein spezielles Lied von KAMELOT erinnert, dabei aber gut Spaß macht, und einmal einen recht episch ausfallenden mit BATTLE-BEAST-”Out Of Control”-Gedenkriff versehenen Endtrack.
Wohl der größte Vorteil an “Purgatorio”: Auch die weniger starken Songs auf dem Album klingen in sich absolut harmonisch. Band und Sänger funktionieren bestens miteinander und der Stil der Schweden wirkt an keiner Stelle gezwungen innovativ zusammengeschustert. Dazu eine gute Portion Hitpotenzial; Wenn so das Fegefeuer klingt, darf man gespannt auf die Hölle sein.

Anspieltipps:
“Purgatorio”, “Denial”, “Traitor” und “Manimalized”

Fazit:
Die Einflüsse von MANIMAL sind unüberhörbar, doch ist “Purgatorio” alles andere als stumpfe Kopiererei. Den Jungs steht, so lässt sich vermuten, eine dicke musikalische Zukunft bevor und jeder, der Interesse an partytauglichem Heavy Metal der alten Schule mit neueren Power-Metal-Einflüssen hat, könnte an “Purgatorio” eine Menge Freude haben.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Black Plague
02. Purgatorio
03. Manimalized
04. Spreading The Dread
05. Traitor
06. Behind Enemy Lines
07. Denial
08. Edge Of Darkness
09. The Fear Within

Jannis

THE UNITY – Rise

Band: The Unity
Album: Rise
Spielzeit: 57:31 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Steamhammer/SPV
Veröffentlichung: 14.09.2018
Homepage: www.unity-rocks.com

Man muss immer kritisch abwägen, ob man ein Album einer Band kaufen sollte, das gerade einmal anderthalb Jahre nach ihrem letzten Release veröffentlicht wurde. Doch ein paar vorsichtige und misstrauische Hördurchläufe von THE UNITYs neuer Platte “Rise” (Daumen hoch für den kreativen Albumtitel) bestätigen: Man kann in einer so kurzen Zeit nicht nur gute Alben produzieren, sondern tatsächlich herausragende.
Kurz das obligatorische Drumherum: Der Sound sitzt bestens und bietet keinen Grund zur Kritik. Das Albumcover sieht großartig aus. Die Musiker haben ihr Talent bereits auf dem Debutalbum unter Beweis stellen können: Gianbattista Manenti hat eine vielseitige und zum Stil der Band hervorragend passende Stimme, die er dementsprechend einzusetzen weiß, und die Instrumentalfraktion um die Gründungs- und GAMMA-RAY-Mitglieder Michael und Henjo agiert ebenfalls auf amtlich hohem Niveau.
Viel Power Metal und eine ordentliche Prise Hard Rock dominieren “Rise”. Nach dem kurzen Intro folgt, wie sich das gehört, mit “Last Betrayal” eine starke Uptemponummer, deren Eingängigkeit von der des folgenden “You Got Me Wrong” noch einmal übertroffen wird. Mit “The Storm” dann direkt der nächste Hit, poppiger Hard Rock mit ganz dezenten Stadiongesängen im Refrain (oder irre ich mich?), bevor bei “Welcome Home” die totalen Feelgood-Vibes ausgepackt werden. Gut, der Text ist ziemlich platt, aber das Riff und die Melodien entschuldigen das. “All That Is Real” sympathisiert mit “Mad World”-Harmonien und fährt zudem eine sehr schöne E-Orgel und den nächsten Hammer-Chorus auf. Mit “No Hero” gibt es anschließend besten eingängigen fixeren Power Metal, ebenso mit “Children Of The Light”. Die Ballade “The Willow Tree” ist feierlich episch und erinnert in Teilen leicht an “Hotel California”, ist dabei allerdings keine Quotenballade sondern ein sehr schön geschriebenes Teil. Und obgleich der letzte Track “L.I.F.E.” auch nicht von schlechten Eltern ist, hätte man als finalen Song doch vielleicht “Better Day” genommen, ein weiteres Highlight auf “Rise” mit sehr positiver Grundstimmung und einem tollen Refrain. Irgendwie hätte ich gerne mal ein DEVIN-TOWNSEND-Cover davon.
“Rise” ist minimal zu spät dran, um als Sommeralbum gelten zu dürfen. Es wäre wohl empfehlenswert, es einfach schonmal als Sommeralbum für den Sommer 2019 vorzumerken, denn seien wir ehrlich: Jeder Song des Albums hat einen sehr eigenen Charakter, sehr individuelle Melodien und Stimmungen – und ausnahmslos jeder der Songs agiert auf verdammt hohem Niveau, generell sehr eingängig und, wie man das von einer Band erwartet, die zum Teil aus GAMMA-RAY-Mitgliedern besteht, zumeist eher fröhlich, optimistisch, gute Laune verbreitend. Kurz: „Rise“ ist eines der Alben, die man bei 34 Grad und schönstem Sonnenschein im Cabrio hören sollte.
Was soll man an der Scheibe kritisieren, meine Freunde? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht.

Anspieltipps:
“You Got Me Wrong”, The Storm”, “All That Is Real”, “Better Day” und “Welcome Home”

Fazit:
Ich wage zu behaupten, dass der allergrößte Teil des Rock-Garage-Zielpublikums auch zur Zielgruppe von THE UNITYs neustem Streich gehört. Sauber produziert, liebevoll komponiert, Ohrwurmpotenzial ohne Ende und fast jeder Song ein potenzieller Hit, gespielt von einer Truppe, die sich trotz ihrer kurzen Bandhistory komplett mit Recht als Unity bezeichnen kann – Viel besser war und wird es dieses Jahr wohl nicht!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Revenge
02. Last Betrayal
03. You Got Me Wrong
04. The Storm
05. Road To Nowhere
06. Welcome Home
07. All That Is Real
08. No Hero
09. The Willow Tree
10. Above Everything
11. Children Of The Light
12. Better Day
13. L.I.F.E.

Jannis

HELION PRIME – Terror of the Cybernetic Space Monster

Band: Helion Prime
Album: Terror of the Cybernetic Space Monster
Spielzeit: 59:11 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 31.08.2018
Homepage: www.helionprimemetal.com

Keine Frage einer der längsten Albumtitel in diesem Jahr trägt mit Sicherheit das zweite Album der Sci Fie Metaller von HELION PRIME! Auf dem neuen Album „Terror of the Cybernetic Space Monster“ fährt man eigentlich ganz klar die Spur weiter die man auch schon auf dem tollen Debütalbum eingeschlagen hatte, obwohl eine Sache ist anders! Die Band rund um Mastermind Jason Ashcraft hat sich was getraut! Denn man hatte ja zwischenzeitlich Sängerin Heather Michelle, die noch auf dem Debüt zu hören war, gegen Sängerin Kayla Dixon ausgetauscht. Aber Überraschung, ihre Stimme ist es nicht welche wir auf dem neuen Album hören, nein man hat nun anstatt einer Frau eine männliche Stimme und still und heimlich wieder gewechselt und den mir unbekannten Sozos Michael in die Band geholt.
Ob man damit einen Glücksgriff gelandet hat und wie das neue Material nun so klingt finden wir nun gemeinsam heraus indem wir mit dem Opener „Failed Hypothesis“ starten welches „nur“ ein stimmungsvolles Cinematic Intro ist. Richtig in die Vollen geht es dann erst beim anschließenden ersten richtigen Track „A King is Born“. Bombastisch und kraftvoll geht die Truppe hier zu Werke und schon nach kurzem erklingt der Gesang von Neufronter Sozos der sich absolut hören lassen kann und im angenehmen hohem Bereich daherkommt. Insgesamt ist der Track ein ordentlicher Midtempoopener.
Als Nächstes kommt der Doublebasshochgeschwindigkeitstrack „Bury the Sun“ welcher sich ebenfalls bestens in das bisherige musikalische Schaffen der Band einfügt und sich schön in die Gehörgänge einschmeichelt!
Das abwechslungsreiche „Atlas Obscura“ im Anschluss kann da leider nicht ganz mithalten, diesen Umstand gleicht man dann aber gleich wieder mit dem pfeilschnellen „Urth“ im direkten Anschluss aus.
Danach ist es mal Zeit für einen überlangen Track in Form von „The Human Condition“ der auch weit entfernt ist von einem Ausfall.
Im letzten Drittel, was nun schon anbricht, fahren die Jungs aber nochmal so richtig auf! Denn mit dem gefühlvollen „Spectrum“, dem abwechslungsreichen und eingängigen „Silent Skies“ sowie dem abschließenden Titeltrack „Terror of the Cybernetic Space Monster“, Achtung der Song hat mit 17 Minuten definitiv Überlänge und das ohne wirkliche Längen, hat man hier nochmal richtig erstklassige Songs und Hits auf der Pfanne!

Anspieltipps:

Auf jeden Fall „Bury the Sun“, „Urth“, „Spectrum“, „Silent Skies“ und „Terror of the Cybernetic Space Monster“.

Fazit :

Zu Beginn klingt das neue HELION PRIME Album noch recht gewöhnlich, aber im Laufe der Scheibe steigert man sich immer mehr bis hin zum erstklassigen letzten Drittel! Die neue Scheibe tönt insgesamt somit besser als das Debütalbum und das liegt nicht nur am neuen Sänger, sondern einfach auch an der Qualität der Songs die hier besser ist als auf dem Vorgänger.
Daher gibt es von mir eine klare Kaufempfehlung für die angesprochene Zielgruppe!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Failed Hypothesis
02. A King is Born
03. Bury the Sun
04. Atlas Obscura
05. Urth
06. The Human Condition
07. Spectrum
08. Silent Skies
09. Terror of the Cybernetic Space Monster

Julian

KILMARA – Across The Realm Of Time

Band: Kilmara
Album: Across The Realm Of Time
Spielzeit: 50:19 min.
Stilrichtung: Heavy/Power Metal
Plattenfirma: ROAR! Rock Of Angels Records
Veröffentlichung: 31.08.2018
Homepage: www.facebook.com/kilmaraofficial

Seien wir einmal ehrlich: Wer als Band seinen balladigsten Track auf dem Album mit einer Gastsängerin anreichert und den Track dann nicht nur als parallel gesungenes Duett gestaltet, sondern passagenweise auch noch Sänger und Sängerin je eine Zeile im Wechsel singen lässt, der rüttelt hart am Drei-Punkte-Baum. Nun, da das gesagt und “I Shall Rise Again” (dessen Kitschfaktor ab der zweiten Hälfte eigentlich doch recht erträglich ausfällt) zur Genüge besprochen wäre, widmen wir uns mal dem Rest von “Across The Realm Of Time”, dem vierten Album der Spanier von KILMARA. Zehn Songs, fünfzig Minuten, Produktion okay aber ausbaufähig, eben den Umständen einer kleineren Power/Heavy-Metal-Band entsprechend, die noch nicht den Sprung in die großen Studios geschafft hat. Soweit die äußeren Gegebenheiten.
Musikalisch ist “ATROT” qualitativ bunt gemischt. Neben dem oben erwähnten Halbballadentrack gibt es zuerst einmal ein Intro, das einmal mehr die Frage aufwirft, ob es nicht den Job des Power-Metal-Intro-Produzenten gibt, der gefühlt jeder kleineren Power-Metal-Band ein Trailer-Music-Intro entwirft, das mit dem Rest des Albums ganz und gar überhaupt nichts zu tun hat, dabei aber einen ganz anständigen Einstieg darstellt. Dem folgt der Rest des Albums, der mit dem Intro ganz und gar überhaupt nichts zu tun hat. “Purging Flames” ist, wie “The End Of The World”, klassischer Heavy Metal mit einem einigermaßen hymnischen Refrain, absolut okay, aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassend. Das tut auch das anschließende “The Silent Guide” nicht wirklich, jedenfalls in der Strophe. Im Refrain liefert es etwas mehr Wiedererkennungswert und ist als durchgängig episches Ding im 6er-Takt mit schöner Power-Metal-Melodieführung auf jeden Fall eine nette Angelegenheit.
“My Haven” und “Principles Of Hatred” fahren einige Arpeggio-Synths im Hintergrund auf. Während ersteres zeitweise recht cheesy anmutet, im Refrain aber durchaus noch etwas eingängiger hätte sein dürfen, entpuppt sich letzteres als einer der besten Tracks des Albums; mit leicht orientalischen Melodien, einem 1A-Refrain, einem feinen Synth-Solo – Das Ding ist stimmig und macht durchgehend ordentlich
Laune. So muss das.
Es folgt “The Forge” mit seinem hörenswerten Mittelteil und seinem vielseitigen Schlagzeugeinsatz, dessen Versuch böse zu klingen am Power-Metal-Spirit von KILMARA etwas scheitert, bevor mit “Disciples” ein weiterer Höhepunkt daherkommt: ein hochgradig fröhlicher Power-Metal-Track mit kurzen DRAGONFORCE-Eskalationen und Klischee-Lyrics. Lässt sich bestens feiern!

Anspieltipps:
“Disciples”, “My Haven”, “Principles Of Hatred” und “The Silent Guide”

Fazit:
“Across The Realm Of Time” sollte man als Freund klassischen Heavy/Power Metals durchaus mal ein Ohr leihen. Zwar schwankt die Qualität der einzelnen Songs, aber dementsprechend finden sich doch einige Tracks, die auf der Scheibe echt Spaß machen. Ein paar weniger belanglos-epische Melodien, ein paar mehr, die sich beim Hörer festsetzen können, und das nächste Album kriegt locker ein zwei Punkte mehr.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. …And Into The Realm
02. Purging Flames
03. The Silent Guide
04. The End Of The World
05. My Haven
06. Principles Of Hatred
07. The Forge
08. Disciples
09. I Shall Rise Again
10. Out From The Darkness

Jannis