SIN69 – Sin69

Trackliste:

01. Guardian Angel
02. Around The World
03. Hang It Up
04. Angels Cryin‘
05. Cowboy
06. Evil’s Place
07. Circle Of Rock
08. Stop Fighting

 

 

Spielzeit: 33:59 min – Genre: Hard Rock – Label: Rock Of Angels Records – VÖ: 20.05.2022 – Page: www.facebook.com/sin69rock

 

Die nächsten Eidgenossen kommen mit ihrem Debüt aus der Schweiz, und dreimal darf geraten werden was für Mucke die Eidgenossen machen. Eben genau diesen, wie bei Bands aus der Schweiz typisch, kommt Riff Rock auf den Tisch. Zum Lineup gehören Marina und Thomas Schaller am Gesang und Thomas noch zusätzlich Akustikgitarre, Michael Vaucher (ein Kumpel von Ben Sollberger) und Beat Hefti an den Gitarren, Pesche Liechti am Bass und Charles Mönroe an den Drums.

Vier von den Protagonisten haben eine gemeinsame Vergangenheit, Marina und Thomas Schaller, Beat Hefti und Pesche Liechti waren schon in der Band CIRCLE aktiv. Michael Vaucher hingegen ist mehr auf der Heavy Schiene unterwegs und ist Gitarrist bei der Band EMERALD, Charles Mönroe ist seit geraumer Zeit für die Drumsticks bei KING LOUIS verantwortlich.

Was bietet SIN69, was für ein sündig versauter Bandname, diese Bilder im Kopf oder ist es nur die Anspielung auf das Geburtsjahr 1969? Es kommt Riff betonter Hard Rock auf den Gabentisch, mit dem Blick auf eingängige Melodien. Riff Einlagen wechseln sich ab und es wird wie für Schweizer bekannt ist ordentlich und kräftig drauf los gerockt.

Mit Marina und Thomas hat die Band zwei Stimmen zur Verfügung, diese machen ihren Job ordentlich aber die Stimmfärbungen beider sind nichts Besonderes. Ich will damit nicht aussagen das beide schlecht wären, beide sind Gut aber man findet solche Stimmen fast an jeder Ecke oder auch DSDS Veranstaltung, für mich zu wenig um aus der Flut der Veröffentlichungen heraus zu strahlen. Die Gitarren sind dafür cool und geil, die Keys legen einen roten Teppich unter die Gitarren, der Bass tritt mit den Drums in den Hintern das es nur so Raucht. Die Songs sind auch nicht von schlechten Eltern und können überzeugen.

Am meisten Ähnlichkeit hat der Sound wenn der Axt Auslauf gewährt wird mit KROKUS, SIDEBURN oder wenn die Keys deutlich mit spielen den ebenfalls aus der Schweiz stammenden Band SATROX. Mit dem Unterschied das diese mit Marc Storace, Roland Pierrehumbert und Werner Schweizer bessere Sänger hatten oder noch haben. Ansonsten gibt es fast keinen Grund lange rum zu nörgeln, mit besseren Stimmen wäre deutlich mehr drin gewesen. Abzug gibt es auch in der B-Note nur acht Songs und nur knappe 34 Minuten Spielzeit sind heute nicht mehr zeitgemäß und fast schon Unterunterhaltung. Aber das sind nur zwei Kritikpunkte, die Songs sind cool und die Instrumente wurden anständig eingesetzt. Was meine beiden Kritikpunkte betrifft das muss jeder für sich entscheiden was er von den beiden Stimmen oder der kurzen Spielzeit hält.

„Guardian Angel“ fängt mit einem fast schon Metal Riff an und geht dann in eine coole Melodie über, „Around The World“ ein sehr guter Rocker mit majestätischen Keyboards. „Hang It Up“ eröffnet mit einem AC DC, KROKUS oder SIDEBURN Riffgewitter, „Angels Cryin‘“ ein kräftiger Rocker mit fast Metal Riffing. „Cowboy“ erinnert am Anfang ein wenig an die Komerzsongs von METALLICA ist eine gute Ballade, „Evil’s Place“ geht wieder voll ab und müsste ein Livebrecher werden. „Circle Of Rock“ für mich in den Strophen der schwächste Song auf dem Album, der Refrain ist cool, „Stop Fighting“ der beste Song am Schluß, geile Drums, noch geilere Riffs und Melodieführungen ein fettes Highlight.

Balle

BEN SOLLBERGER PROJECT – Down Here On Earth

Trackliste:

01. Warrior
02. Down Here On Earth
03. I Think Of You
04. Crying Out For Love
05. Back Into Your Heart
06. All My Love
07. The Birds Are Singing Too Early
08. Until We Meet Again
09. Help Is On The Way
10. Fire
11. I Have Only Sent You Angels

Spielzeit: 48:43 min – Genre: Hard Rock – Label: igroovemusic – VÖ: 03.06.2022 – Page: www.facebook.com/bernhard.sollberger

 

Das BEN SOLLBERGER PROJECT meldet sich nur ein Jahr nach dem viel beachteten Debüt „I Hate To Say“ mit dem zweiten Langeisen zurück. Mainman hinter diesem Projekt ist der aus Bern in der Schweiz stammenden BEN SOLLBERGER. Wie auch schon auf seinem Debüt übernahm BEN SOLLBERGER angefangen beim Komponieren, dass Texte schreiben, alle Instrumente und Drum Programmen bis zur Produktion als Einmannarmee selbst. Gemixt wurde das Album diesmal nicht von Fabrizio Egger sondern im Tide Studio in London, welches einen guten Job abgeliefert hat und den Songs einen amtlichen Sound verpasst hat.

Das Cover-Artwork zeigt die Augenpartie von Ben, es wird immer behauptet die Augen sind das Fenster zur Seele. Ben lässt auf diesem Album teilweise tief in sein inneres Blicken, den Song „Down Here On Earth“ widmete Ben seinem im letzten Jahr verstorbenen Vater. Ich habe das Glück Ben in stundenlangen Chatverläufen kennen gelernt zu haben, in diesen Chatsessions geht es um alles und nichts, Musik, Politik, der Umgang der Medien mit Corona und um Studien die er während seines Tagesjobs auswertet und sich seine Gedanken darüber macht.

Teilweise wird sein Songwriting von diesen Themen beeinflusst oder auch von einem Film den er klasse findet, einfach von seiner Umwelt oder Erfahrungen. Teilweise lässt er sich auch von seinen Vorbildern wie EURYTHMICS, DEPECHE MODE, THE BEATLES, H.I.M., LED ZEPPELIN, VAN HALEN, KISS, QUEENSRYCHE, FATES WARNING, LIVING COLOUR und noch ein paar mehr inspirieren. Vielleicht auch ein klein wenig von den beiden Bands DISTANT PAST und SKRYLLS in denen er Gitarrist ist.

Dafür das Ben kein Profisänger ist macht er seine Sache ordentlich und sauber ausgeführt, die Gitarren fangen in seinen Händen regelrecht an zu leben, geile Riffenlagen und sehr gut platzierte Akkorde wechseln sich ab und ergeben ein stimmiges Gesamtbild. Die Keys kommen mal 80s typisch Fanfarenhaft, zeitgemäß oder auch mal spacig auf die Lauscher. Der Bass kommt durch den gelungenen Mix gut durch, die Drums kommen aus der Konserve, dadurch fehlt ein wenig Dynamik und Power. Ich habe öfter mit Ben über das Thema Drums diskutiert, da er alle Instrumente in seinem Wohnzimmer aufnimmt, ein realer Drummer mit mehr Aufwand und Kosten verbunden ist, er dies selber erledigt.

Der Härtegrad geht in Ordnung und ist sicher für Weichspüler zu hart und für Banger zu soft. Aber für mich gerade richtig und perfekt in etwa so wie VAN HALEN oder KISS und teilweise erinnern mich manche Riffeinlagen an AXEL RUDI PELL.

Als Fazit kann man schreiben, sehr gut in Szene gesetzter melodischer und harmonischer Hard Rock mit sehr gutem Gitarrenspiel im Wechselspiel zwischen diesen und den Keyboards. Die Stimme von Ben ist was besonderes da man diese kein zweites Mal findet und sehr gut zu seinen Songs passt und weit weg vom Mainstream ist.

„Warrior“ ein geiler Song mit Melodie, Harmonie, Licks und Gesangsharmonien einfach ein Brecher gleich am Anfang ein Highlight und Radiofutter, „Down Here On Earth“ fängt mit plätscherndem Wasser an und zeigt Ben von seiner verletzlichen Seite und stellt ein nachdenkliches Highlight dar. „I Think Of You“ der nächste Brecher geile Licks mit Melodie und Harmonie, „Crying Out For Love“ ein Rocker wie er sein sollte. „Back Into Your Heart“ fängt mit einer Art weißem Rauschen und spacigem Keyboard an und geht dann in einen geilen Harten Rocker mit spacigem Keyboard über, „All My Love“ in den Strophen balladesk im Refrain ein geiler Rocker. „The Birds Are Singing Too Early“ mit Pianoeinlagen und saustarken Riffs, „Until We Meet Again“ Powerriffing mit 80s Like Keys ein weiteres Highlight. „Help Is On The Way“ erinnert mich ein wenig an einen Mix aus TESLA, DEF LEPPARD, VAN HALEN und AXEL RUDI PELL. Bei „Fire“ wird sehr flott gerockt und gerollt und dabei mit dem Kopf durch die Wand gebrochen, „I Have Only Sent You Angels“ eine melancholische Akustik Ballade.

Balle

SIDEBURN – Fired Up

Trackliste:

01. Feel The Heat
02. Free Ride
03. Sweet Obsession (Ride On)
04. Bad Side Of Town
05. Standing In The Headlines
06. Heading Down The Road 69
07. Devil In Me
08. Restless Call
09. Mystical Lady
10. Die A Million Times
11. Paid My Dues
12. Tired Of The Road

Spielzeit: 40:47 min – Genre: Ass Kickin‘ Riff Rock – Label: Massacre Records – VÖ: 10.06.2022 – Page: www.facebook.com/sideburnrock

 

Die Schweizer SIDEBURN sind nach fünf jähriger Pause mit ihrem achtem Studioalbum zurück. Zur aktuellen Besetzung zählen Roland Pierrehubert am Mikro und Harmonica, Mikael Riffart und Sickyy Lyo an Gitarren und Backing Vocals, Thierry Nydegger an Bass und Backing Vocals und an den Drums und Backing Vocals Lionel Blanc.

Zum Glück hat sich am Sound nichts geändert, die Boys aus dem Neutralland machen immer noch den Riffbetonten Arschtritt Hard Rock wie zu deren Anfangstagen als sie sich noch GENOCIDE nannten.

Die Vocals sind wie von Bands dieser Machart gewohnt Whiskey geschwängert, rau und saufrech eben Arschtrtt Mucke. Die Gitarren kommen weder dezent noch zurückhaltend aus den Boxen, genau das Gegenteil ist der Fall diese kommen mit vorlauten Licks aus dem Äther das selbst AC DC, AIREBOURNE, RHINO BUCKET, KROKUS, die deutschen SIN CITY und SKIP ROCK große Ohren bekommen sollten. Die Gitarren riffen um die Wette und sorgen für Alarm beim Nachbarn. Der Bass und die Drums treiben eine Horde Büffel durch die Prärie.

Der Härtegrad geht vollkommen in Ordnung und ist nichts für Weichspüler. Mal mehr oder weniger bluesig rocken sich die Mannen den Arsch wund. Die Produktion hat Druck und bläst ohne Ende aus den Membranen, und sorgt so für saubere Gehörgänge. Das Album ist das Richtige für jede Bikerparty und sollte dort für gehörig Stimmung sorgen können.

Der Riff Rock ist weder neu noch innovativ, aber trotzdem attraktiv und gute Laune verbreitend und ein paar Songs wären für die Tanzflächen bestens geeignet, dass gesamte Album ist ein gute Stimmungsmacher auf jeder Party.

Jungs wenn ihr das lesen solltet, ich bin seit Jahren auf der Suche nach dem GENOCIDE Album „Show Time“ also wenn ihr noch eine CD haben solltet bitte bei mir melden.

Mit „Feel The Heat“ starten die Schweizer ein Feuerwerk und legen einen Stampfer vor, mit „Free Ride“ rocken sich die Jungs den Arsch ab, glänzt mit geilem Refrain. „Sweet Obsession (Ride On)“ geht als Rockerhighlight durch mit eingängigem Riffing, „Bad Side Of Town“ ein starker Blues Rotzer. „Standing In The Headlines“ absolut Radiotauglich. „Heading Down The Road 69“ bestes Discofutter mit Bluestouch, „Devil In Me“ ein Highlight einzig die verzehrte Stimme in den Strophen stört ein wenig. Mit „Restless Call“ folgt ein flottes Riffmonster, „Mystical Lady“ ein Rocker für alle Lagen. „Die A Million Times“ noch so ein Schweinegeiler Riffrocker. „Paid My Dues“ will mit dem Kopf durch die Wand, „Tired Of The Road“ ein würdiges Schlusslicht.

Balle

PILOTS OF THE DAYDREAMS – Angels Are Real

Trackliste:

01. Angels Are Real
02. Lost In Brotherhood
03. Picture Of My Sin
04. That’s What We Are
05. Calling The Gods
06. Closer To The Sky
07. God’s Fire
08. Starlight
09. Haunted By Love
10. Walk On Water

Spielzeit: 43:05 min – Genre: Alternative Rock – Label: Recordjet – VÖ: 01.03.2021 – Page: www.facebook.com/potdrock

 

Die Schweizer PILOTS OF THE DAYDREAMS haben sich über die Talentschmiede gemeldet, wurden am 23.03.2022 HIER bei uns in dieser eingehend Vorgestellt. Deshalb alles nur am Rand.

Zum Trio gehören Marco Predicatori am Mikro und Gitarren, Walo Boroletto am Bass und Biagio Anania am Schlagzeug.

Die drei Eidgenossen sorgen für einen Sound, da wackelt die Bude und es werden sämtliche Regale abgeräumt. Wie von Schweizer Rockern gewohnt wird gewaltig gerockt und gute bis sehr gute Mucke geboten. Angelehnt an THE TEA PARTY, THE CULT, STONE TEMPLE PILOTS, KINGS X oder MILES KENNEDY aber auch eine gewaltige Portion U2 rocken die Drei sich durch das Album.

Die Vocals sind sehr gut ausgeführt und erinnern öfter mal an Bono von U2, die Gitarren erinnern öfters an THE CULT oder auch an U2 und kommen Cool rüber und sehr gut zur Geltung, Bass und Drums sind immer vorhanden und wahrnehmbar.

Normal bin ich kein Fan von Alternative oder zu Moderner Ausrichtung des Sounds, wurde aber z. B. bei DYMYTRY positiv überrascht und genau so verhält es sich auch hier. Das Trio versteht es energiegeladene Songs attraktiv zu verpacken und gut bis sehr gut aus der Hüfte zu Zocken. Noch kein Top Niveau aber wenn die Reise so weiter geht auf einem guten Weg dorthin, der Ansatz und Potential sind vorhanden. Boys ich behalte euch im Auge.

Beim Opener „Angels Are Real“ gehen Prog, Alternative und ein wenig Stoner eine gekonnte Fusion ein, „Lost In Brotherhood“ ein starker Rocker mit viel Melodie und Drama inszeniert. „Picture Of My Sin“ kommt im THE CULT Stil einfach nur geil. „That’s What We Are“ ein langsamer Rocker, „Calling The Gods“ ein nachdenklich stimmender Rocker im Fahrwasser des Vorgängers. „Closer To The Sky“ macht was her, „God’s Fire“ ein cooler Rocker. „Starlight“ kommt mit leichten Stoner Vibes, „Haunted By Love“ so ein eingängiger Symbiont aus THE CULT und U2 geiles Zeugs, „Walk On Water“ noch so ein geiler Rocker die Fusion aus U2 und THE CULT.

Balle

ROYAL DESOLATION – Puppet Dance

Trackliste:

01. Killer And Monster
02. Schizophrenia
03. Puppet Dance
04. Dead Inside
05. Army Of Desolation
06. Runaway
07. Memories Of Pain
08. Unbreakable
09. One Of A Kind
10. No One Will Survive
11. We Will Not Fall
12. Downfall

Spielzeit: 34:51 min – Genre: Metalcore, Modern Metal – Label: Sonic Attack Records – : 22.04.2022 – Page: www.facebook.com/royaldesolationswitzerland

 

Die Schweiz hat deutlich mehr zur bieten als „Dunkle Tannen und grüne Wiesen im Sonnenschein“ und Kinder, die auf einer Alm Ziegen hüten. Tatsächlich gibt es in der Schweiz eine sehr aktive Metalszene, die aktuell mehr als 500 Metalbands ihr eigen nennt. Der heutige Kandidat, die Band ROYAL DESOLATION sind ein noch recht junger Teil dieser Szene. Erst Ende 2019 haben die fünf Musiker, die aus der ganzen Schweiz stammen, ihre EP „Lost“ auf die Menschheit losgelassen. Jetzt folgt das Debüt „Puppet Dance“. Die musikalische Heimat der Eidgenossen liegt irgendwo zwischen Metalcore und Modern Metal mit recht poppigem Einschlag, was sich durch Vorbilder wie PARKWAY DRIVE, SUICIDE SILENCE mit Sänger Mitch Lucker (R.I.P.) oder auch COREY TAYLOR zeigt. Die Band trennt zwar noch einiges von den genannten Genregrößen, aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Und ja, es ist auch nicht gerade einfach, in dem überfrachteten Genre Metalcore überhaupt noch Akzente zu setzen. Viele scheitern daran und selbst die gesetzten Bands verlieren sich häufig in irgendwelchen Klischees oder werden einfach nur komplett langweilig.
Soweit sind ROYAL DESOLATION noch nicht. Aber immerhin finden sich auf „Puppet Dance“ die Grundvoraussetzungen. Tiefes Growling, dazwischen Klargesang, Breakdowns, Refrains zum Mitsingen und ab und zu sorgt ein Keyboard für etwas 80er Jahre Flair. Theoretisch klingt das schonmal gut. Auch die knackige Spielzeit von knapp 35 Minuten für 12 Songs spricht für sich.
Allerdings sind ROYAL DESOLATION dann doch etwas zu einfallslos und bewegen sich zu stark in den Genregrenzen, ohne sie zu überschreiten oder mit innovativen Einfällen zu punkten. Ein richtiges Highlight findet sich auf „Puppet Dance“ nicht, dafür aber einige Totalausfälle. Z.B. die unsägliche Ballade „Memories Of Pain“. Der Gastgesang von Grace Willis von STAY ILLUSION und der cleane Part machen aus „Memories Of Pain“ einen Pop-Song mit hartem Einschlag. Umgekehrt wäre besser und würde dem Album gut zu Gesicht stehen. Da gibt es deutlich besseres auf „Puppet Dance“ („Killer And Monster“, „Army Of Desolation“ oder auch „Schizophrenia“).

Als Fazit bleibt leider ein etwas fader Beigeschmack, aber wir sprechen hier über ein Debüt. ROYAL DESOLATION sind bei „Puppet Dance“ den sicheren Weg gegangen, der nur etwas zu sicher war. Ich schreibe die Jungs nicht ab, sondern vertraue darauf, dass mit mehr Erfahrung auch die Innovationen, Experimente und das „über den Tellerrand“ hinaus denken noch deutlich zunehmen werden. Von daher, 6 verdiente Sterne für „Puppet Dance“ und die Option auf mehr beim nächsten Album.

Tänski

 

BLACK DIAMONDS – Floor 13

Trackliste:

01. Out In The Fields (Gary Moore Cover)
02. No-Tell Hotel (Live)
03. Turn To Dust (Live)
04. My Fate (Live)
05. Rainbow In The Dark (Dio Cover Live)
06. Reaching For The Stars (Akkustik)
07. Black Thunder
08. Jumpin‘ Jack Flash
09. Do-Tell Hotel

 

 

Spielzeit: 39:29 min – Genre: Melodic Hard Rock – Label: Metalapolis Records – VÖ: 25.02.2022 – Page: www.facebook.com/BlackDiamondsRock

Um den Fans die Wartezeit bis zum nächsten Studioalbum von BLACK DIAMONDS zu verkürzen haben die Schweizer Jungs „Floor 13“ zusammengestellt. Darauf zu entdecken gibt es Livesongs, Coverversionen, Akustiksongs und ein „Do-Tell Hotel“ in dem die Band zum Entstehungsprozess des letzten Albums „No-Tell Hotel“ ihren Senf dazu geben.

Die 2004 von Bassist Andy Barrels und Sänger Mich Kehl gegründeten BLACK DIAMONDS haben bis jetzt vier Alben am Start. Mit dem letztjährigen „No-Tell Hotel“ sind die Schweizer an der Spitze des Melodic Hard Rock mit leichtem Glam- und Sleazefaktor angekommen.

Auf Album #1 „First Strike“ aus 2008 konnte man den Wahnsinn und das Potential der Vier schon erahnen, voll mit guten Ansätzen und ein paar kleine Hits allerdings trübt der Sound den Hörgenuss dieser Eigenprodukton ein wenig.

Dann folgte 2013 das Album „Perfect Sin“ das schon fast das Niveau der jetzigen Diamanten bereithält. Die Band befand sich da quasi im Finalen Endschliff zum jetzigen Edeljuwel. Schlecht waren Alben #1 und #2 auf keinen Fall vielmehr war es ein Werdegang der Steil nach oben ging und im Ansatz schon die heutigen Qualitäten durchblitzen ließ.

2017 kam Album #3 „Once Upon A Time“ mit Label im Rücken zur Welt. Das war der Moment in dem ich auf die Boys aufmerksam wurde, als ich das Album das erste Mal hörte dachte ich mir Jawohl genauso sollte sich Harte Mucke anhören. Das Album befand sich lange auf Dauerrotation in meinem Player und wird auch heute noch gerne von mir gehört.

Im letzten Jahr gipfelte der Schweizer Wahnsinn in dem Kracheralbum „No-Tell Hotel“ mit dem sie sich an die Spitze gespielt haben. Voll mit Geilen Hits, Melodien, Harmonien und Vocals waren sie über Nacht mit Überschall an die Spitze gerast.

Um die Wartezeit bis zum nächsten Studioalbum so kurz wie möglich für die Fans zu halten wird dieses Bonusschmankerl am 25. Februar zur Welt gebracht. In Bezug auf die Vergangenheit, Gegenwart, Zukunftspläne, einige Titel und noch so ein paar Themen könnt ihr im Interview mit Manu Peng dem Biest an den Drumsticks nachlesen. Auf eine sympathische Art und Weise führten wir ein sehr nettes und lockeres Gespräch, ich hoffe wir können so eine Gesprächsrunde nochmal wiederholen.

Nun aber zu den Songs auf „Floor 13“, gleich am Anfang kommt mir die Pure Energie aus den Boxen entgegen geblasen, mit dem Cover „Out In The Fields“ spielen sich die Jungs in Rage. Auf alle Fälle haben die Vier mächtige Klöten um den Klassiker zu Covern ohne dabei erbärmlich zu versagen. Nein ganz im Gegentum das Ding knallt und kracht wie Sau und könnte so ohne Probleme auch in der Disco oder im Radio laufen.

Dann kommt „No-Tell Hotel“ in einer Liveversion. Endlich wieder mal Live Sound, kommt Live genauso stark rüber wie im Studio. Menno ich will mehr Live Shows aber real und nicht auf Konserve.

Für „Turn To Dust“ gilt das Gleiche wie beim Vorgänger, der ideale Livekracher mit so einem Song hat man das Publikum schnell soweit das es der Band aus der Hand ihr wisst was ich meine.

Mit „My Fate“ wird eine Granate gezündet das Monster bringt meine Boxen zum Rauchen, wenn ich meine Endstufe nicht gezügelt hätte wären die Membranen meiner Boxen über den Jordan gehopst. Geiler Live Song.

Dann beweisen die Jungs das sie Männer sind und gewaltig dicke Eier bis zum Boden besitzen. Von DIO „Rainbow In The Dark“ zu Covern, wenn sie mich vorher gefragt hätten ob sie den Titel sollten oder nicht. Ich hätte sie von den Großen Typen in den Turnschuhen mit den Hemden die hinten zugebunden werden abholen lassen. Doch weit gefehlt da hätte ich einen Riesen Fehler gemacht. Der Song kommt stark rüber, stärker als man vermuten würde. Die Stimme ist natürlich anders den an DIO kann keiner, aber der Song ist trotzdem geil geworden.

Dann kommt „Reaching For The Stars“ in Akustik, und selbst in dieser Version kann der Song mehr wie so manche Möchtegern Konkurrenz. Durch die Akustikgitarre erinnert mich der Song ein klein wenig an DAD mit „Laugh And A ½“ stark umgesetzt.

Mit „Black Thunder“ folgt ein Bikersong, schon ein paar Jahre auf dem Buckel aber trotzdem nicht übel, groovt ganz schön.

Das nächste Cover folgt mit „Jumpin‘ Jack Flash“ in einer Diamanten Version, kam man machen, kommt auch gut aber der Song gefällt mir nicht im Original oder Cover.

Zum Abschluss kommt noch ein knapp unter 8 Minuten langer Erklärbärtrack bei dem die Bandmitglieder Fakten zum letzte Album für die Hörer bereitstellen.

Ein Schmankerl für alle die auf gute Rockmucke stehen

Balle

BEN SOLLBERGER PROJECT Interview

 

Der Schweizer Ben Sollberger hat mit seinem Debütalbum bewiesen, dass er sehr gute Mucke schreiben und auch einspielen kann. Er stand mir für eine Fragestunde zur Verfügung. Ich hatte das Glück Ben recht gut kennengelernt zu haben, durch meinen Review seines Albums entstand ein sehr netter dauerhafter Kontakt der in Stundenlangen Chatverläufen bis spät in die Nacht gehen kann. In all den Stunden Chatten konnte ich feststellen, dass Ben ein bodenständiger netter Typ und Musiker ist der sogar dabei ist ein Buch zum Thema Glücklichsein zu schreiben. Er besitzt einen Doktor-Titel der Psychologie, den er aber aus dem privaten Umfeld fast raus hält außer wir kommen auf ein Thema z. B. über eine Studie, die er im Oktober an der Uni Bern durchgeführt hat. Er ist auch ein sehr netter Gesprächspartner da wir fast im gleichen Alter sind haben wir doch sehr viel Gemeinsamkeiten, wie etwa die Erinnerungen an die 1970er bei mir noch ausgeprägter da ich ein wenig älter bin. Und das vollständige Miterleben der 1980er mit allem was das Jahrzehnt brachte angefangen bei dem Aufstieg der Melodic Heroes DEF LEPPARD, BON JOVI, EUROPE, DOKKEN, VAN HALEN und IRON MAIDEN um nur einige zu nennen, und dem nicht so prickelndem Gau in Tschernobyl 1986. Aber was uns beiden am meisten verbindet ist doch die Liebe zur Rock Musik. Ben ist Mitglied von zwei Bands DISTANT PAST und SKRYLLS als Gitarrist und er spielt mit dem Gedanken, gerade aus seinem Soloprojekt eine Band zu formen. Er verfolgt das politische Geschehen und deren Berichterstattung, genau wie den Umgang mit Corona in den Medien und Politik mit offenen und durchaus kritischen Augen, aber Hauptsache er ist ein sehr sympathischer Zeitgenosse und angenehmer Gesprächs- und Chatpartner. Also wurde es Zeit ihn zu löchern wie einen Schweizer Käse.

BS: Hallo, wie geht’s bei Euch?

RG: Hallo Ben, danke gut stell dich doch bitte mal kurz vor.

BS: Ich bin Ben Sollberger aus Bern, mache seit knapp 30 Jahren Musik. Ich habe in dieser Zeit in verschiedenen Bands gespielt, aktuell bin ich ein Mitglied der beiden Bands SKRYLLS und DISTANT PAST. Mein eigenes Ding das BEN SOLLBERGER PROJEKT hat sich im Laufe der Zeit ergeben, ich denke so vor ca. zwei Jahren hatte ich die Inspiration Songs zu schreiben. Ich habe einfach mal angefangen Zuhause in meinem kleinen Homestudio Songs zu machen und es hat sich dann ergeben, dass im ich Laufe der Zeit genug Songs für ein Album zusammen hatte.

RG: War das ein Plan von dir oder einfach Just For Fun „Ich schau mal, was ich auf die Beine stellen kann?“

BS: Keins von beiden, mit der Zeit wurden es immer mehr Songs. Bei mir ist es so, wie wahrscheinlich bei den meisten Künstlern das ich kreative Phasen habe, dann gibt es auch wieder Phasen in denen ich nicht kreativ bin. Ich mache mir da aber auch keinen Stress dann schreibt man halt in dieser Phase keine Songs, sondern macht etwas anderes. Als ich dann merkte das das Material wirklich gut ist, habe ich mit den Aufnahmen begonnen, und dann war auch Fabrizio Egger von Glowsound Productions sehr wichtig. Er hat die Aufnahmen gemastert und gemischt.

RG: Also ich für meinen Teil kann sagen, dass Fabrizio bei deinem Album einen Top Job gemacht hat, das Ding hat dafür, dass du es Zuhause eingespielt hast einen guten Sound. Ich habe schon Material gehört das unterste Schublade war und die Songs wurden in einem Studio aufgenommen, was mit erheblichen Kosten verbunden waren.

BS: Ja ich sehe es selber auch so, weißt du das spielt eben auch eine Rolle, dass ich menschlich einen guten Draht zu Fabrizio habe, die Chemie stimmt einfach. Es kam bei einzelnen Songs vor, dass er mir drei Mixe geschickt hat bis ich damit zufrieden war. Wir haben uns auch schon öfter persönlich getroffen, ich war bei ihm im Studio oder wir haben uns in Bern zum Essen getroffen. Ich habe mit ihm darüber gesprochen, dass es bestimmt Leute gibt denen er zehn oder zwanzig Mixe anbieten muss, er meinte ja das kann unter Umständen vorkommen. Von daher passt das sehr gut, ich denke wir haben ähnliche Vorstellungen wie sich das Endprodukt im Idealfall anhören soll.

RG: Ehrlich Fabrizio hat einen Sau guten Job gemacht.

BS: Ja ich denke auch das er einen sehr guten Job gemacht hat. Neben Gitarren, Bass den programmierten Drums kommen noch die anderen Midi Sachen wie die Keyboards und Streicher und solche Dinge bei denen ich denke, dass es sich qualitativ auf einem guten Level befindet. Ich habe ein günstiges Mikrofon für die Vocals, dass ich aber durchaus sehr gut finde. Für die Technikcracks zu den Gitarren und Bässen, für die verschiedenen Profile benutze ich einen Kemper Profiler. Es gibt für Gitarren und Bässe auch Plugins, die man im Aufnahmeprogramm nutzen kann, die hören sich fett an und funktionieren sehr gut. besser als das Schlagzeug.

RG: Die Keys, Gitarren und Bässe kommen amtlich aus den Lautsprechern.

BS: Das denke ich auch, aber ich denke auch, dass Fabrizio da eine wichtige Rolle gespielt hat, er meinte zu mir: „Du hast jetzt sieben oder acht Songs, eigentlich könntest du ein ganzes Album daraus machen.“ Zuerst habe ich die Songs auf YouTube hochgeladen und somit weltweit veröffentlicht, ich war auch anfangs sehr zufrieden damit. Da hat er schon auch in gewisser Weise eine Rolle gespielt, dass es zu diesem Album gekommen ist.

RG: Gut, dass Du die Songs veröffentlicht hast, die wären zu schade um in einer Schublade zu verstauben.

BS: Oh danke für die Blumen. Wir beide haben schon öfter darüber diskutiert, ich habe einen Job und das ist auch gut so, aber es ist schön, wenn man selber Freude an dem Produkt hat, wie weit man damit kommt und wie andere Leute darüber denken oder wie viele man damit erreichen kann. Vielleicht wird dieses Einmann-Projekt früher oder später zu einer Band heranwachsen, da sich mit Band mehr Möglichkeiten bieten, vor allem wenn ich an Liveauftritte denke und um mehr Leute zu erreichen.

RG: Eine Band im Rücken kann beim Aufnahmeprozess bestimmt auch von Vorteil sein, wenn jeder einen Gedanken oder Idee „Das könnte so oder so besser klappen“ hat, kann sich damit einbringen, allerdings alleine bist du Dein eigener Herr und mit Band kann es zu Konflikten kommen.

BS: Ja da hast du vollkommen recht, ich bekomme das bei DISTANT PAST und SKRYLLS mit. Es ist dort so, wenn man im Übungsraum einen neuen Song angeht, dass ich dort als Gitarrist meinen Input einbringe. Aber ich denke jetzt bei meinem Projekt, dass es geplant ist, dass ich das zweite Album noch im Alleingang machen werde. Und dass die Band Live Songs des ersten und vielleicht auch des zweiten Albums spielt und hört, wie meine Vorstellung ist. Mir schwebt auch vor, dass wenn wir zusammen im Übungsraum jammen ich den Leuten sage „Bringt auch eure persönliche Note mit ein“.

RG: Was sagen Deine möglichen zukünftigen Bandkollegen über Dein Debüt, oder wie denken sie darüber, dies würde mich interessieren. Das Feedback, welches du bis jetzt erhalten hast ist durch die Bank positiv.

BS: Zum Beispiel der Schlagzeuger mit dem wir in Zukunft vielleicht jammen wollen, er ist auch der Drummer von SKRYLLS, der findet das Debüt super, er kommt auch mit einem Aber, ihm gefällt nicht jeder Song gleich gut. Vielleicht bin ich der einzige Mensch auf der Welt, aber mir gefallen alle Songs (Anm. Balle das wäre schlimm, wenn Dir selber nicht alle gefallen würden), aber ich sage auch aus der Sicht des Künstlers was manchmal das Problem ist: Ich veröffentliche als Künstler nur die Songs die mir extrem gut gefallen. Nicht weil sie meinem persönlichen Geschmack treffen, was auch der Fall ist, sondern aus Sicht des Künstlers.

RG: Stell Dir mal vor du veröffentlichst Songs die dir nicht gefallen, Du musst ja zu 100% hinter den Songs stehen und als Künstler auch zufrieden mit dem Endprodukt sein.

BS: Ja klar, so ist es ja auch. Der andere ist der zweite Gitarrist mit dem ich früher schon in anderen Bands zusammengespielt habe. Der ist cool, als ich ihn letztens getroffen habe meinte er, er habe das Album jetzt mehrmals gehört. Und er kann mir nicht sagen, was er in Bezug auf Arrangements und Instrumentierung anders gemacht hätte. Das finde ich ist ein schönes Kompliment, es zeigt aber auch zwei Meinungen, und dass die Geschmäcker eben verschieden sind.

RG: Ich muss jetzt Deine beiden Kollegen unterstützen, denk mal an das positive Feedback was du bekommen hast. Das Feedback muss Dir als Musiker doch Recht geben, dass du soweit alles richtig gemacht hast?

BS: Ja sicher, natürlich da ist man mit einer Band im Vorteil, da kann man im Übungsraum in die Runde fragen „Was meint ihr, wie denkt ihr darüber?“ Ich habe die Demos meines Debüts verschiedenen Leuten geschickt, um deren Feedback zu erhalten, was man noch optimieren kann.

RG: Ich für meinen Teil sage mal so, außer den Drums und die Refrains die mit fetteren Chören ausgeführt werden könnten und die Drums nicht mit Computer, sondern real fehlt nicht wirklich viel beim Material. Dies ist meine Meinung.

BS: Ja, bei AGE OF DISCLOSURE habe ich die Gitarren zuhause aufgenommen, der Bassist von DISTANT PAST hat die Bässe auch bei sich im Studio eingespielt. Die Gesangsspuren wurden dann auch bei ihm im Studio aufgenommen. Das Schlagzeug wurde bei einem anderen Kollegen aufgenommen, das Material wurde dann zum Mixen nach Deutschland geschickt. Einerseits kann es sich lohnen, die Drums live im Studio einzuspielen, aber dies ist dann für mich wieder mit Aufwand und natürlich auch mit Kosten verbunden.

RG: Das ist sicherlich so, aber das würde Deinem Sound noch eine richtig fette Note verleihen. Der Gesamtsound wäre voller und hätte mehr Dampf.

BS: Ich sage mal so, ich kann es mir ja noch überlegen. Ich weiß genau was Du meinst, wir haben schon über das Thema gechattet. Jeder hat seinen ureigenen Musikgeschmack und hört dadurch auch die Songs und den Sound anders. Ich glaube ich habe die Tendenz Musik relativ Gesamtheitlich zu hören. Ich höre mir einen Song an und überlege mir ist es ein guter Song. Mir ist auch bewusst, sei es bei dem Drum- oder Gitarrensound, jeder hat seine eigene Art wie er das Instrument spielt und es klingen soll. Ich benutze einen Kemper Profiler für den es mittlerweile um die 18000 Soundprofile gibt, die frei und legal abrufbar sind. Ein Kollege meinte als ich mir den Kemper zugelegt habe, so etwas kommt für ihn nicht in Frage. Er meinte dann, dass er Jahre damit verbringen würde den Sound zu testen, um irgendwie etwas Gutes zu finden. Da habe ich einen anderen Ansatz, ich sage mir der Song ist das Wichtige, wenn ich den Grundcharakter des Songs definiert habe weiß ich auch ungefähr, was ich Sound mäßig suche. Mit dem Kemper hast du über das Internet in einer Suchleiste die verschiedenen Profile wie Marshall, Orange, Vox und was das Herz noch begehrt. Innerhalb von ein paar Minuten hast du Profile, mit denen sich die Gitarren anhören wie mit deinem Lieblingsverstärker oder mit dem du meinst, dass sich deine Songs am besten anhören. Bei manchen Songs – nicht bei allen, aber zum Beispiel bei „Beautiful Dream“ – hören sich die Gitarren an, als ob sie aus einem Verstärker kommen würden der in etwa 5000 Euro kostet. Oder der genutzte Amp beim rockigen Zwischenteil von MICHAEL JACKSONS „Black Or White“ kostet ca. 4000 Euro, und da kauft man sich so einen Kemper und hat das Glück, dass sich mal jemand die Muhe gemacht hat, diese Soundprofile zu erstellen und zur Verfügung zu stellen. Und ich kann dann Zuhause das Profil ganz legal abrufen, und ab geht’s.

RG: Wie willst Du da in Bezug Verstärker Live vorgehen? Die Songs hören sich doch Live dann nicht so sagen wir mal Fett an da die dafür nötige Hardware nicht vorhanden ist?

BS: Das ist eine spannende Frage, ich habe darüber schon mit Kollegen gesprochen und ich bin auch der Meinung, das könnte man jetzt vielleicht falsch auffassen, aber ich glaube Live ist der Sound nicht sooo wichtig, oder sagen wir mal, den Gitarren- oder Basssound sollte man als Musiker selbst nicht überbewerten. Wenn du Zuhause ein Album auf einer vernünftigen Anlage hörst und wenn du auf einem Konzert bist, gibt es eine perfekt gemischte Band? Du hast die Leute im Publikum die zum Teil miteinander reden. Nicht falsch verstehen, ich habe coole Amps die ich spiele, aber es war für mich immer klar, dass ich den Kemper niemals als Verstärker benutzen werde, und deshalb von Anfang an nur die Head Unit ohne Verstärker genutzt. So dass mir rein nur die Technologie zur Verfügung steht, damit man Studioaufnahmen machen kann. Ich sehe es von dem Aspekt, dass ich einen Laney Ironheart Verstärker habe, der jetzt nicht gerade teuer, aber trotzdem ein sehr guter Verstärker ist. Oder ich nutze auch noch einen kleinen Randall Diavlo, weil ich ja in zwei Bands spiele und in zwei Übungsräumen Verstärker benötige. Das sind zwei Top Amps und die sind gut genug. Ich habe mir nie lange Gedanken darüber gemacht was ist das Beste. Wenn ich etwas gefunden habe was mir gut genug war, war es auch OK. Für mich ist der Song der Hauptdarsteller somit das zentrale Element des Ganzen.

RG: Wirken die Songs mit entsprechendem teurerem Equipment und somit der Sound nicht ganz anders als mit einem preisgünstigeren?

BS: Ja natürlich, das meine ich auch. Es gibt eine Schwelle oder Level, wenn man diese erreicht hat, dann ist auch für einen selbst der Sound Ok. Es gibt auch Amps die ein Bruchteil eines teuren Gerätes kosten und die haben auch einen sehr guten Sound. Und was auch noch einen weiteren Punkt darstellt ist der des persönlichen Geschmackes. Was ich damit sagen will, ich schreibe die Songs nicht nur sondern spiele die Instrumente selber ein und arrangiere sie, deshalb brauche ich nicht so viel mit Effekten arbeiten. Oder wenn ich da an den zweiten Gitarristen bei DISTANT PAST denke, der ein super Typ und Musiker ist, wenn er im Übungsraum an seinen Effekten herumschraubt, hier und dort noch ein wenig verstellt, und ich habe einfach meinen Amp und der wird einfach benutzt.

RG: Also bist Du eher mit weniger zufrieden und der zweite Gitarrist quetscht das letzte Müh aus den Reglern?

BS: Ja, ich habe dort im Übungsraum einfach meinen Laney Amp mit einem Cleanen Kanal und dann noch einen zweiten verzerrten Lead Kanal wo ich die Lautstärke ca. 3 Dezibel anheben kann. Der zweite Kanal ist für Auftritte, wenn das Solo an der Reihe ist. Zusätzlich habe ich noch einen Hall drin und ein Delaypedal, und der Bandkollege hat eine Rieseneffekttechink und da kommt das von weiter oben zum Ansatz wie der persönliche Anspruch aussieht. Braucht man viel Technik oder kommt man auch mit weniger Technik aus. Ich bin zufrieden mit meinen beiden Kanälen, dem Hall und dem Delaypedal.

RG: Also bist Du eher puristisch veranlagt, kein Hightech Freak?

BS: Genauso ist es. Was ich damit ausdrücken möchte ist, wenn ich meine Ansprüche höher ansetzten würde, hätte ich die elf Songs nicht in eindreiviertel Jahre aufnehmen, zum mastern und mixen geben können, sondern würde die kommenden zwei Jahre noch mit den Songs beschäftigt sein. Wenn ich der Meinung bin der Song ist gut, dann reicht das für mich auch im Normalfall.

RG: Die Songs sind wirklich sehr gut geworden, angefangen beim Einspielen bis zum finalen Mix, die Songs haben ein sagen wir mal so riesiges 80er Feeling.

BS: Danke, das freut mich natürlich zu hören. Ich denke, wir haben auch schon darüber gechattet, wenn man das Album anhört gibt es gewisse Songs die stilistisch einen Kontrast darstellen. Und bei der Reihenfolge hat mir Fabrizio Egger sehr geholfen. Ich denke was die Tracklist betrifft, dass die Reihenfolge der Songs funktioniert. Man könnte mit guten Songs auch eine Tracklist so auswählen, dass das Album als Ganzes nicht mehr so gut funktioniert. Das ist auch so ein Punkt, den man nicht unterschätzen darf.

RG: Mir fällt vermehrt auf, dass auf Alben am Schluss noch mal ein bis zwei richtige Hits rausgehauen werden, meiner Meinung nach war das früher nicht der Fall. Da kamen am Anfang gleich mal ein bis zwei und dann noch so ab Titel fünf bis sechs noch mal zwei Hits und zum Schluss kamen die Songs dran, die nicht ganz mit den Brechern mithalten konnten.

BS: Zum Thema Tracklist, wie denkst Du über meine Tracklist? Wie findest du die Anordnung der Songs? Hättest Du da eine andere Reihenfolge verwendet? Das ist für mich ein spannendes Feedback von Deiner Seite.

RG: Das ist jetzt schlecht zu beantworten, ich finde es vom Gesamtbild, wenn man es komplett durchhört sehr gut geraten. So wie es aufgenommen, gemixt, gemastert, die Reihenfolge der Songs, der Grundstimmung des Sounds und die stilistischen Eigenschaften der Titel ist es in meinen Augen sehr gut geworden. Schon allein der Ohrwurm „I Hate To Say“, das ist einfach ein echter Hit. Der Titel ist zwar düster aber dennoch ein Ohrwurm. Der Song gehört mit zu den stärksten die ich seit langem gehört habe.

BS: Das freut mich. Das ist dann auch immer die Frage, du kennst ja den Hintergrund von dem Song. Aber ich hatte von DEPECHE MODE den Song „Enjoy The Silence“ im Kopf und die Idee, davon eine härtere Version zu machen. Und ich denke auch, dass bei diesem Song der Einfluss von QUEENSRYCHE zu hören ist. Und wenn du die beiden miteinander Vermählst und dann noch das Glück hast wie die Gitarrenmelodie am Anfang des Songs als Einfall zu haben, schon ist der Song fertig. Es ist auch so, wenn du schreiben willst, dir aber nichts wirklich Gutes einfällt, dann hörst du deinen absoluten Lieblingssong an, und nimmst dir da ein kleines Element raus das dir (gerade) gefällt. Das nimmst du dann als Ansatz und modifizierst es nach deiner Vorstellung, so dass niemand mehr hört, was das Original war. Und dann hast du eine gute Basis, auf die man aufbauen kann. Es hört sich zwar so an aber es ist nicht geklaut, sondern einfach als Ansatz genommen und dann modifiziert.

RG: Ich finde, dass du bei dem Song mit Deiner Stimme fast schon eine hypnotisierende Wirkung auf den Hörer hast. War das beabsichtigt von dir oder Zufall, oder siehst du das anders?

BS: Nun, ich habe natürlich schon versucht, mich wie immer beim Einsingen in die Rolle desjenigen hineinzuversetzen, der eine Geschichte erzählt. Dass dies bei diesem Song einen speziellen Effekt bewirkte, kann schon so beurteilt werden.

RG: Ich will mir da jetzt kein Urteil bilden, denn wenn man ehrlich ist, kann man in der Musik das Rad nicht neu erfinden. Ich höre bei „I Hate To Say“ auch noch ein wenig die Stimmung von THE SISTERS OF MERCY und THE HUMAN LEAGUE, wie denkst du darüber?

BS: Ja, es hat auch diesen Beat, wie drücke ich es am besten aus, der Song besitzt einfach die 80er Jahre Gene.

RG: Zu viel 80er?

BS: Für Deinen Geschmack oder wie meinst Du das jetzt?

RG: Ich habe nichts gegen die 80er. Ich meine überhaupt das Gesamtbild des Albums hat doch eine sehr starke 80er Färbung. Da ich dieses Jahrzehnt in vollen Zügen genossen habe, höre ich da starke 80er Vibes raus.

BS: Ich merke es immer wieder, wenn ich von dir einen Link geschickt bekomme, das war eine schöne oder sagen wir geile Zeit. Du bist ziemlich von diesem Jahrzehnt geprägt, genau wie ich auch, da wir ja fast gleich alt sind. Aber ich finde eben auch die 70er richtig geil. Auf den Demos, die ich dir für mein zweites Album geschickt habe, schwingen die 80er mit, aber auch zum Teil die 70er. Ich finde, dass das auch eine ganz coole und geile Zeit war. Ich denke da jetzt an die Hammondorgel Sounds und die zum Teil verschachtelte Songstrukturen.

RG: Da gebe ich dir vollkommen recht, aber die Produktionen von damals klingen auch dem entsprechend ziemlich Retro.

BS: Meinst du jetzt bei mir?

RG: Nein ich meine die Produktionen aus den 70ern. Wenn ich jetzt die Produktion von LED ZEPPLIN oder KISS, SLADE und auch NAZARETH anhöre, stehen Welten von der Klangqualität zwischen den 70er und 80er Jahren.

BS: Ja natürlich.

RG: Wenn ich jetzt mal als Beispiel das Gleichnamige Album von DIRE STRAITS nennen darf, der Song „Sultuns Of Swing“ hat ja wohl einen Bomben Sound bekommen, ganz im Gegensatz zu anderen Produktionen aus dieser Zeit.

BS: Da hast Du zu 100% recht, es gibt große Unterschiede. Die BEATLES sind auch interessant, wenn man sich mal auch die älteren Songs anhört. Da könnte man auch argumentieren die Produktion sei nicht so toll, aber es spielt keine Rolle, weil die Songs derart zeitlos gut sind.

RG: Ja die BEATLES waren einmalig und waren, wenn man genauer hinsieht der Wegbereiter für die ganzen anderen Rockbands, sei es DEEP PURPLE, DEF LEPPARD, URIAH HEEP und die schon weiter oben von mir erwähnten Bands. Zwar haben den Rock eigentlich BILL HALEY und ELVIS ins Rollen gebracht, die Pilzköpfe haben das noch perfektioniert und waren so Wegbereiter für Hard Rock und Heavy Metal in all seinen Variationen.

BS: Wenn wir gerade bei den BEATLES sind: Bei meinem Song „Beautiful Dream“ ab dem zweiten Refrain hört man im Backround „La La La La“ und das finde ich hört sich sehr nach BEATLES an. Ich denke die BEATLES sind eine Band, die auch heute noch irgendwie in viele Sounds hineinfließen, wenn es um Gesänge und Chöre geht.

RG: Ich sage jetzt mal so, die BEATLES werden häufiger im Radio gespielt als alles andere. Ich meine damit LED ZEPPLIN oder BLACK SABBATH und Co.

BS: Die BEATLES sind kommerzieller als LED ZEPPLIN und CO, was ich gerade zum Ausdruck bringen wollte ist, dass die BEATLES mit dem was sie geschaffen haben, was die Leute heute noch im Radio oder auf Tonträger hören können, noch sehr viele Künstler beeinflussen und inspirieren. Aber nicht nur das.

RG: Mir fällt da zum Beispiel von den BEATLES beeinflussten Künstlern der leider nicht mehr lebende TOM PETTY ein. Meiner Meinung nach hat TOM viel von den BEATLES gehabt. Oder auch die Traveling Wilberys, wo kein geringerer als George Harrison ein Mitglied war.

BS: Ja natürlich, ich sag jetzt mal im härteren Sound es ist nicht bei jeder Band so, z. B. KINGS X oder GALACTIC COWBOYS hört man meiner Meinung nach den Einfluss der BEATLES extrem raus. Obwohl sie vom Sound her härter sind, gerade bei den mehrstimmigen Vocallines, da swingen die BEATLES mit.

RG: Aber nun wieder zu dir, was kannst du mit über die Songs des Albums erzählen, welche Geschichte steckt dahinter?

BS:
Titel 01 „Too Hot To Hold“:
Auf die Idee bin ich durch YouTube gekommen, und da findet man so manchen Schatz. Ich habe mir da ein paar ältere Videos von Fußballspielen aus den 60er und 70er Jahren der englischen Cup-Finalspiele angesehen. Und in einem Video sieht man einen sehr harten und platzierten Torschuss und der Torhüter wehrt diesen Schuss ab, fangen war bei dem nicht möglich. Und dann sagt der englische Kommentator trocken „That Was Too Hot To Hold“ und ich habe mir gedacht das ist ein cooler Songtitel. Ich hatte dann die Melodie im Kopf, ich habe dann um die Akkorde den Refrain geschrieben, man braucht natürlich auch eine Geschichte darum. Das ist eine fiktive Geschichte, dass ich schon als Kind ein Draufgänger war und auf nichts Rücksicht genommen habe, habe aber im Leben irgendwann mal festgestellt das ist „Too Hot To Hold“, das Risiko ist zu groß, und hab da gelernt die Dinge vorsichtiger an zu gehen. Das ist die Text-Idee hinter dem Song.

Titel 02 „Whenever There Is Love“:
Hier ist es ähnlich, ich hatte zuerst den Titel „Whenever There Is Love“, und von H.I.M. den Song „You Are The One“ als Refrain im Hinterkopf. Wenn man sich die beiden Songs anhört, kann man eine gewisse Ähnlichkeit feststellen. Und ich würde sagen beim Refrain drücken H.I.M. durch und in den Strophen und Prechorus hört man viel QUEENSRYCHE heraus gerade bei den Gitarren. Der Synthysound den man hier hören kann ist derselbe wie bei „I Hate To Say“, den ich vorher geschrieben habe, ich fand den Synthysound geil und hab den nochmal übernommen. Vom Text geht es um einen Menschen, der die große Liebe sucht aber nicht finden kann. Der Text ist fiktiv aber auch real, wieviel suchen vergeblich die große Liebe, die ich um den Refrain geschrieben habe?

Titel 03 „I Hate To Say“:
Wer beim Text genau hinhört, kann sich vielleicht ausmalen, worum es da ging. Und musikalisch dachte ich an meine Vision des DEPECHE MODE Titels „Enjoy The Silence“.

Titel 04 „Legends Never Really Die“:
Das war definitiv als ich die Nachricht von Eddy Van Halens Tot bekommen habe, was mich emotional ziemlich stark berührt hat. Und daraus ist dann der Song entstanden, hier hatte ich auch wieder zuerst den Refrain im Kopf und habe erst dann die Gitarre genommen und den Rest des Songs darum geschrieben.

Titel 05 „I Couldn’t Care Less“:
Ist wie „Information War“ relativ spät entstanden. Und beide haben sehr viel mit Corona zu tun, was während Corona passiert ist, gerade auch zwischenmenschlich. Ich habe seit dem der Mist so richtig ins Rollen kam mit mehreren Leuten aus meinem Umfeld, die mir eigentlich sehr wichtig sind, keinen Kontakt mehr. Das Gute daran ist, dass es so auch zu keinem Streit kommen kann. Ich bin der Meinung wir brauchen mehr Klarheit, wir leben gerade in einer Zeit in der sich die Ereignisse regelrecht überschlagen, es komisch läuft und irgendwie sehr Vieles unklar ist.

Titel 06 „Information War“:
Thematisch geht es um die Zeit in der wir jetzt leben. Was ich hier noch spannend finde ist musikalisch hat mich BAD COMPANY beeinflusst. Ich hatte da den Song „No Smoke Without A Fire“ im Kopf. Die haben meines Erachtens zwei Grundkategorien von Songs: Die Songs mit einer fröhlichen Stimmung und die mit dramatischer Stimmung, wie „Smoke Without A Fire“, und der Song hat mich inspiriert.

Titel 07 „Lost In Translation“:
Ist in dem Sinn lustig, dass ist der erste Song bei dem ich wieder die Idee hatte ein paar Songs zu schreiben. Ohne Zwänge in welche Richtung es gehen soll, ob nun Metal, Hard Rock oder wie auch immer. Dies war der erste Song, den ich für das Album gemacht habe, und da geht es um eine zwischenmenschliche Begegnung, auch um Fiktion und ein wenig autobiographisch. Es gibt den Film mit dem Titel „Lost In Translation“, in dem sich eine Frau und ein Mann begegnen. Er ist viel älter als sie und es steht von Anfang an fest, dass da nichts daraus werden kann. Beide sind unglücklich verheiratet, ich finde den Film super spannend und mit dem Motiv des Films in dem Song zu spielen. Im Chorus kommt ja „Catch Me If You Can“ vor, was ein weiterer Filmtitel ist.

Titel 08: „Breaking Free“:
Da hat mich LED ZEPPELIN mit dem Song „Heartbreaker“, den ich in einer Disco gehört hatte und vorher nicht kannte, mir aber verdammt gut gefiel, und auch LENNY KRAVITZ beeinflusst. Einige Leute haben mich aber darauf angesprochen, dass Breaking Free nach LIVING COLOUR klingt.

Titel 09 „Beautiful Dream“:
Der Song ist schon 10 Jahre alt, aber es war noch eine andere Phase. Es gab früher noch eine Art Unplugged Version von dem Song. Fast schon poppig und jetzt ist es eine Version geworden, bei der ich sagen könnte, dass man viel VAN HALEN und die BEATLES hört. Vom Text her finde ich es noch witzig, damals vor rund 10 Jahren ging eine Beziehung auseinander und dann habe ich einige mal geträumt, dass ich mit dieser Frau nochmal zusammenkomme, und das war die Inspiration für den Titel. Und was soll ich sagen, wir sind nochmal zusammengekommen, zwar nur kurz aber dieser „Beautiful Dream“ wurde kurz nochmal wahr.

Titel 10 „It’s A Sunny Day“:
Hinter dem Titel steckt, dass als ich eines morgens das Fenster geöffnet habe, habe ich gesehen, dass es ein sonniger Tag ist. Und da habe ich mir gedacht, dass dies ein cooler Songtitel wäre, und dies ist ein Song bei dem ich erst den Refrain geschrieben habe und dann den restlichen fiktiven Text um diesen herum schrieb. Die harmonische Veränderung von den Strophen zum Refrain hin ist von MÖTLEY CRÜE mit „Home Sweet Home“ inspiriert, ich hatte die Idee zu dieser Modulation, die nicht geklaut, sondern modifiziert wurde. Manche behaupten der Übergang zum Refrain ist super, aber keiner stellt fest, dass es von „Home Sweet Home“ inspiriert ist.

Titel 11 „Wish“:
Ist auch wieder ein älterer Song, auch so etwa vor 10 Jahren entstanden. Der Song wurde erst mal richtig für das Projekt AGE OF DISCLOSURE aufgenommen, erst habe ich noch einen Sänger für diesen Song gesucht, dann habe ich selber versucht ihn einzusingen. Und vor ein paar Monaten dachte ich, ich nehme den nochmal für mein Debütalbum auf. Es war schon alles aufgenommen, ich spiele auch schon lange genug Gitarre und auch auf der Bühne. Aber ich schätze es sehr, Zuhause alles einspielen und singen zu können und es so einzuspielen, dass ich damit zufrieden bin. Ich bin ja im eigentlichen kein Sänger, und wenn man dann im Studio eines anderen ist, ist es auch wenn man diesen anderen sehr gut kennt ein wenig komisch. Deshalb bin ich froh, dass ich das selber Zuhause machen kann.
Wir haben ja auch schon darüber gesprochen, man hat dann nicht das Feedback oder das sich einbringen von Bandmitgliedern. Aber ich kann mir meine Aufnahmen ja so oft ich will anhören und beurteilen, ob es passt.

RG: Interessante Fakten, wie manche Dinge im Leben assoziiert werden, und was hinter mancher Idee steckt.

BS: Ja das ist es, und das faszinierende daran ist, dass die Ideen entweder auf der Musik, der Ausdrucksweise, Stimmung, dem Text oder eben auf allen genannten Aspekten basieren.

RG: Du bist dein eigener Herr?

BS: Genau, sicher ist Feedback ob nun positiv oder negativ wichtig, aber so kann ich es so machen wie ich meine, dass es für mich Ok ist. Andererseits hat man mit einer Band so einen gewissen Druck, wenn es gerade überhaupt nicht läuft. Und ich kann einfach Zuhause alles machen, wann ich will und wie ich will.

RG: Es gibt auch die Möglichkeit, auch in einer Band, seinen Part für sich einzuspielen und diesen dann über das Internet mit der Band zu teilen und zu hören, was die anderen Mitglieder dazu zu sagen haben.

BS: Ja sicher kann man das auch. Da hast du vollkommen recht. Meinst du damit Songs, die zum Mischen und mixen gemacht wurden, die dann veröffentlicht werden?

RG: Nein nicht nur, du hast eine Idee die spielst du ein und Bandmitglieder geben ihren Senf dazu.

BS: Das ginge schon, aber weißt du, ich meine jetzt eine Gesangsspur die gut genug ist, dass man diese mischen lässt. Ich bin der Meinung, dass ich hier für mich alleine bin, da kann ich mir alles leisten, selbst die kleinsten Fehler. Und niemand bekommt etwas mit, wie ich einsinge, vollkommen egal. Ich kann so lange einsingen, bis ich damit zufrieden bin. Ich denke gerade an den Gesang, dass ist das persönlichste Instrument von allen. Und vor anderen zu Singen könnte eine hemmende Wirkung haben.

RG: Unter persönliches Instrument würde ich jetzt nicht nur den Gesang meinen, sondern auch den Text noch dazu nehmen, denn mit dem Text verarbeitest du Themen, die dir persönlich am Herzen liegen.

BS: Das ist schon richtig, aber der Text ist kein Instrument. Was ich meine ist, was in das Aufnahmegerät reingeht, das kann die Gitarre, der Bass oder die Stimme sein.

RG: Was sagen deine Familienmitglieder zu deinem Album?

BS Ich war letztens mit meiner Schwester Essen und ihr gefällt das Album auch sehr gut. Da habe ich zu ihr gesagt, ich finde das faszinierend, manche Malen oder machen wie ich Musik, und wenn man einen Punkt gefunden hat, an dem sich fast alles wie von alleine ergibt, ist das eine schöne Sache. Aber es ist auch nicht einfach alles in Worte fassen zu können, aber wenn man mal diesen Punkt gefunden hat, tut man sich leicht mit dem, was man macht.

RG: Was ist, wenn ich jetzt nicht Punkt, sondern Stil behaupte. Stell die mal vor KISS würden Musik machen die sich nach U2 anhört oder anders herum. Das würde doch vorne und hinten nicht zusammenpassen, weil eben jeder seinen Stil hat. Nur so funktionieren diese Künstler und sind erfolgreich.

BS: Um Gottes Willen, bloß nicht. Damit hast du vollkommen recht. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, was du meinst. Ich habe das auf einer Ebene angeschaut die zu dem passt wie du es meinst. Aber es hat auch verschiedene Ebenen, ich sage jetzt mal auf der Ebene der Akkordfolgen. Wie komme ich von einer Strophe in einen Prechorus, und von da in den Chorus, wenn ich erst die Strophe habe. Manchmal frage ich mich, wie bin ich jetzt darauf gekommen bin. Ab und zu habe ich das Gefühl, dass es so sein muss und so funktioniert. Du sagst wahrscheinlich dazu das ist mein Ausdruck als kreatives Wesen oder mein Stil, Talent wie auch immer man das nennen mag, am Ende läuft es auf dasselbe hinaus.

RG: In welcher Stilrichtung fühlst du dich als Musiker, Musikschaffender und natürlich als Hörer am wohlsten, im Heavy Metal, im gemäßigtem Hard Rock oder im Progressive Rock?

BS: Ich würde meinen eher im gemäßigtem Hard Rock, falls du DISTANT PAST kennst das ist traditioneller Heavy Metal und ich bin gerne dort Mitglied der Band. Aber wenn ich meine eigenen Songs mache, bewege ich mich im Hard Rock, der Grund dafür könnte sein, dass meine Wurzeln bei KISS, VAN HALEN etc. liegen, und mein älterer Bruder hat BEATLES, QUEEN, SAGA, U2 und noch viele mehr gehört. Das hat meinen Musikgeschmack sehr geprägt.

RG: Ich denke mal die ganzen Sachen die ich auch gehört habe.

BS: So gesehen fühle ich mich in der Musik, was fast logisch ist, die ich mache Zuhause. Aber DISTANT PAST als Beispiel finde ich cool, dort spielen wir Songs die ich im Moment nicht selber schreiben möchte, aber ich mag die Band und auch die Bandmitglieder sind coole Leute. Demnächst stehen wir mit DISTANT PAST wieder Live auf der Bühne.

RG: Wie findest du die Sache, dass GOTTHARD nach Steve Lees tragischem Tot mit neuem Sänger weitergemacht haben, er war doch schon ein deutliches Aushängeschild der Band? Es ist klar das Leben geht weiter, egal wer oder was stirbt, die Zeit bleibt deshalb nicht stehen, sondern geht weiter.

BS: Das ist so eine Geschichte, Steve Lee ist eigentlich nicht ersetzbar, aber auf der anderen Seite finde ich es super, dass die Band weiter gemacht hat. Ich besitze keine Alben von GOTTHARD, diese Art Hard Rock ist nicht so mein Ding, obwohl er Saugut gemacht ist. Von daher kann ich gut nachvollziehen, dass sie nach diesem tragischen Unfall weiter gemacht haben, und der Erfolg gibt ihnen Recht.

RG: Wie denkst du über meine Aussage, dass Ronnie Romero die bessere Alternative für GOTTHARD als sagen wir mal Nachfolger, denn ersetzen kann Steve niemand, für Steve wäre? Nic Maeder ist kein schlechter Frontmann, aber Ronnie wäre für mich die bessere Wahl.

BS: Das will ich nicht beurteilen, das müssen GOTTHARD selber für sich entscheiden, mit wem sie als Frontmann weiter machen. Aber ich muss sagen, dass Ronnie eine Bomben Stimme hat und ich ihm gerne zuhöre. Ronnie erinnert durch seine Stimmfärbung an zwei große des Rock, zum einen DIO und zum anderen an Steve. Im Hard Rock bis hin zum Melodic Metal ist es grandios, wenn man so eine geniale Stimme wie Ronnie besitzt und als Band so einen Sänger in der Band hat.

RG: Ronnie hat für mich drei Stimmen vereint, DIO, Steve Lee und Johnny Gioeli und diese Stimme weiß er einzusetzen, um überzeugen zu können. Für mich bringt Ronnie alle drei starken Stimmen in einer zusammen.

BS: Wenn wir gerade bei Frontmännern sind, fällt mir da DREAM THEATER ein, ich bin schon lange der Meinung, dass Ray Alder von FATES WARNING die bessere Wahl für DREAM THEATER wäre. Ich habe vor einiger Zeit einen Liveauschnitt von denen gesehen und muss sagen, dass LaBrie stimmlich am Ende ist, oder er hatte einen verdammt schlechten Tag erwischt.

RG: Interessanter schwenk, LaBrie ist kein schlechter Sänger aber nicht wirklich mein Favorit, Ray wäre da schon eher mein Fall. Ich habe von beiden Alben und muss dir recht geben, Ray ist auch für mich der angenehmere Sänger.

BS: FATES WARNING gehen zwar in dieselbe Richtung aber nicht ganz so Progressive wie DREAM THEATER, und meiner Meinung nach würde Ray als Sänger beim Theater deren Sound aufwerten. Wie gefällt dir Ray Alder?

RG: Normal sollte ich dir die Fragen stellen (Grins). Ich finde Ray sehr gut, bin persönlich jetzt nicht der Fan von so hohen Stimmen, obwohl Ray geht. Wenn ich jetzt an YES, REO SPEEDWAGON, RUSH, die BEE GEES oder PETER CETERA denke finde ich die hohen Stimmen sind nicht mein Ding. Es gehen ein bis zwei Songs am Stück, danach brauch ich wieder eine dunklere Stimme. Ich finde Stimmen wie die von Ronnie, DIO, Johnny Gioeli, Steve Lee, aber auch Kenny McGee und vor allem David Kincaid von den BRANDOS und Gary Jeffries vom ASPHALT BALLET Debüt, ALLIGATOR STEW, THE STICHTPIG REVIVAL und Solo, die für mich zu den besten Sängern im Geschäft zählen. Es gibt viele sehr gute Sänger, aber David und Gary gehören mit den ersten drei aufgezählten zu meinen Lieblingen. Um wieder zum Thema FATES WARNING zurückzukommen: Für mich sind die näher an QUEENSRYCHE als an DREAM THEATER dran, nicht so proggy und kompliziert verschachtelt.

BS: Gary kenne ich durch dich und da muss ich dir recht geben, der Mann hat was Besonderes in der Stimme. Diejenigen die ich nicht kenne, muss ich mir mal anhören. QUEENSRYCHE gehen ja auch in eine Progressive Richtung.

RG: Sicher, aber eben nicht so kompliziert wie das Traum Theater.

BS: Da hast du Recht. Ich meine einfach wegen LaBrie und Alder haben eine ähnliche Stimme und ich finde es eigentlich schade, dass Ray nicht beim Theater singt. Das ist mir spontan eingefallen, als du wegen Steve gefragt hast.

RG: LaBrie gefällt mir bei WINTER ROSE, falls du die kennst ein Melodic Hard Rock Band / Projekt aus dem Jahr 1989, besser als bei DREAM THEATER. Wie gefallen dir die beiden Bands BEYOND THE MIRROR und TINDRUM die ich dir empfohlen habe?

BS: Die gefielen mir recht gut, obwohl ich bei TINDRUM mit dem Sänger meine Probleme hatte.

RG: Das wundert mich jetzt, beim zweiten TINDRUM Album steht kein geringerer als Dag Ingebrigtsen hinterm Mikro. Ich helfe dir jetzt mal auf die Sprünge, der gute Dag war mal der Sänger von TNT auf deren Debüt. Und der Drummer von TINDRUM ist kein geringerer als Diesel Dahl von ja auch TNT.

BS: Ach jetzt verarscht du mich aber, ist das wirklich wahr? Das ist wirklich funny.

RG: Das erste Album von TINDRUM wurde noch von der Sängerin Tove eingesungen, das zweite Album und die Best Of wurden dann von Dag gesungen.

BS: Das ist wirklich spannend, was du mir jetzt gesagt hast.

RG: Um nochmal auf dein Album zu kommen, mir viel Mal im Zusammenhang mit deinem Synthysound von „I Hate To Say“ der Filmemacher und Komponist John Carpenter mit seiner selbst geschriebenen Filmmusik zu „Assault On Precinct 13“ und „Die Klapperschlange“ ein.

BS: Wow das ist mir neu, hat bis jetzt noch niemand bemerkt.

RG: Moment, ich spiele dir mal ein paar Noten vor.

BS: Das ist der typische 80s Sound der auf meinem Album sehr präsent ist, bei „Beautiful Dream“ habe ich von VAN HALENs „Jump“ den Synthysound als Vorlage verwendet. Ich habe aber auch noch gegooglet und mit meiner Soundsoftware verschiedene Sounds miteinander kombiniert. Das ist schon erstaunlich, wie schnell man etwas im Internet gefunden hat und wie schnell man in Bezug auf Musik verschiedene Dinge vermischen kann.

RG: Verstehst du nun was ich mit der Ähnlichkeit zu John Carpenter meine?

BS: Ja, weil es sich um einen typischen 80er Jahre Synthysound handelt. Eben genau wie bei „Jump“ und aus derselben Zeit aus Anfang der 80er stammt. Das ist auch irgendwie wieder lustig, wenn man die Sache genauer betrachtet. Beim Synthysound ist es bei mir wie bei der Gitarre mit dem Kemper, ich probiere nicht tausende Einstellungen durch, sondern habe eine Vorstellung von dem was ich suche. Irgendwann findet man mal ein Profil das genau dem entspricht, was man sich selber vorstellt, und schon hat man den Sound, den man unbedingt verwenden möchte.

RG: Oder es erinnert mich auch ein wenig an eine 80er Ikone RUSS BALLARD, der es auch wie kein zweiter verstand starke Songs zu schreiben, und diese mit viel Gitarren und Keyboard oder Synthysounds einzuspielen. Nebenbei hat der gute Mann einige der besten Rocksongs verfasst und eingespielt.

BS: Das sind eben die 80er, die sind nicht spurlos an uns beiden vorbei gegangen. Es war einfach eine tolle Zeit.

RG: Das ist fast ein sehr schönes Schlusswort, es ist jetzt knapp drei Uhr morgens, was steht für dich als Nächstes an, was können wir von dir noch erwarten?

BS: Das Buch demnächst veröffentlichen, dann mein zweites Album und aus dem Soloprojekt vielleicht eine Band formen. Aber wann das oder das sein wird weiß ich noch nicht, das lasse ich auf mich zukommen. Aber das mindeste wäre, dass die Songs für das zweite Album genauso gut werden wie auf meinem Debütalbum.

RG: Besteht auch die Möglichkeit dich mit Band Live auf der Bühne in Deutschland zu sehen, sobald es die Corona Lage erlaubt?

BS: Das ist jetzt ein wenig Zukunftsmusik, wenn wir mal als Band spielen würden, dann zuerst im Raum Bern und dann könnte man mal schauen, wie oder wo man noch Live spielen könnte. Aber im Grunde würde ich jetzt mal sagen warum nicht.

RG: Hast du noch irgendetwas was du den Hörern sagen möchtest?

BS: Ja, ich bin mir bewusst, dass der Musikmarkt extrem mit sehr gutem aber auch sehr viel Mist übersättigt ist, da es so viel Auswahl gibt. Aber ich sage auch für Leute, die sich für härtere Rockmusik interessieren, die meiner Meinung nach auch tanzbar ist: Hört doch mal in mein Album rein!

RG: Ich danke dir für dieses nette Gespräch und wünsche dir viel Erfolg mit dem Debüt, aber auch mit dem kommenden Album und natürlich mit deinem Buch.

 

 

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Balle