SHOW-YA – Showdown

Band: Show-Ya
Album: Showdown
Spielzeit: 50:11 min
Stilrichtung: Melodic Metal
Plattenfirma: Metalville
Veröffentlichung: 12.11.2021
Homepage: www.facebook.com/showyaofficial/

 

Tot geglaubte kommen lauter den je zurück, wie im Fall SHOW-YA bei denen ich dachte sie gäbe es nicht mehr. Aber die Power und Lautstärke mit der die Damen zurück sind ist unüberhörbar. Zum Lineup gehören Keiko Terada am Mikrofon, Miki Igarashi an Gitarren, Satomi Senba am Bass, Miki Nakamura an Keyboards und Miki Tsunoda am Schlagzeug.

Mich erinnerten die Nippon Ladys immer an weibliche VOW WOW, allein das japenglisch ist ein Markenzeichen beider Bands. Wie schon geschrieben Tot geglaubte kommen lauter zurück den je, was die Mädels hier abliefern kann sich hören lassen, geboten wird Melodic Metal mit einem leichtem Hang zur Dramatik inszeniert. Die Songs besitzen alle eingängige Melodien die von den Gitarren und Keys sehr gut umgesetzt wurden. Die Taktgeber Bass und Drums machen auch gewaltig Druck, der durch die kraftvolle Produktion verstärkt wird. Ab und zu leisten sich Gitarre und Keyboard ein regelrechtes Duell, bei dem es keinen Verlierer gibt. Die Stimme von Keiko erinnert an ein Kreuzung aus LEE AARON, JAIME KYLE und JANET GARDNER und passt wie angegossen zu den Songs. Vielleicht nimmt das Label sich den Backkatalog der Damen auch vor, den die älteren Scheiben sind nicht gerade im Sonderangebot zu erwerben, teils Sauteuer als Nipponimport Gebraucht werden die recht hoch gehandelt.

Mit “Eye To Eye” geht die Hatz unter Volldampf los, ein geiler Brecher, “Never” kommt in den Strophen mit viel Dramatik- und im Refrain mit Epicelementen bestens aus den Boxen. “Heavy Metal Feminity” mit keiner geringeren als DORO ganz großes Melodic Kino, “Tokyo, I Scream” erinnert ein wenig an die Popmetaler von MEMOREMAINS. “Kiss In The Riot” wieder mit viel Dramatik geboten, “Wind” ein Melodic Highlight. Bei “Thunder” geht der Blinker links und Lumpi ist unaufhaltsam auf der Autobahn unterwegs, “Hold Me” ein eingängiger Song. “Don’t Runaway” besitzt wieder viel Drama, “Rocks” setzt noch mal ein Ausrufezeichen.

Die Nippon Ladys haben es nach 35-Jahren im Geschäft immer noch drauf und zeigen der Jugend mal eben wo zu die gereifte Abteilung noch im Stande ist. Sehr guter Popmetal der an MEMOREMAINS, WARLOCK, DORO und dem SIX FOOT SIX Debüt erinnert. Ich vergebe eine sehr gut 8,5 Bewertung für dieses Album.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Eye To Eye
02. Never
03. Heavy Metal Feminity
04. Tokyo, I Scream
05. Kiss In The Riot
06. Wind
07. Thunder
08. Hold Me
09. Don’t Runaway
10. Rocks
11. So

Balle

TAO – Prophecy

Band: TAO
Album: Prophecy
Spielzeit: 49:40 min
Stilrichtung: Melodic Hard Rock
Plattenfirma: Tarot Label Media
Veröffentlichung: 15.10.2021
Homepage: www.facebook.com/officialtaoband

 

TAO eine mir bis jetzt völlig unbekannte britische Melodic Rock Band mit Shouterin, macht sich auf um ihr Debüt in die Regale zu bringen. Die Truppe besteht aus Sängerin Karen Fell, Chis Gould an Gitarren, Dave Rosingana an Bass, als Gäste dabei waren Brian Webster am Schlagzeug und Gary Hughes an Backing Vocals und Keyboards bei zwei Songs zusätzlich noch Songwriting und Produktion, gemischt wurde von Dennis Ward.

Als erstes ein kleiner Kritikpunkt, die Produktion von Gary könnte mehr Dynamik und Transparenz vertragen, wie bei TEN und Solo. Nun zur Auslegung des Sounds, die Stimme von Karen ist sehr gut, erinnert mich ein wenig an ISSA oder Sue Willetts von DANTE FOX, passt sehr gut zu den Titeln. Der Sound ist etwa zwischen DARE, TEN, FM, STRANGEWAYS, 7HARD YEARS, GLASGOW und PRIDE angesiedelt, typisch britisch, sehr catchy und cool kommen die Songs aus der Anlage. Die Gitarrenarbeit ist sehr gut geworden, Keys sind Stilgerecht eingesetzt, Der Bass kommt schön durch und die Drums sind eher zurückhaltend aber dennoch sehr gut wahrnehmbar. Die Songs sind mit guten Melodieläufen ausgestattet, wie von Gary gewohnt, mit leichten Progelementen wie auch bei TEN wohldosiert eingesetzt.

“Nobody But You” legt gleich mal einen vor genialer Groover, “Rock Brigade” mit leichten Progelementen versehen. “Angels And Clandestine Fools” sorgt für nasse Taschentücher eine Mischung aus TEN und DARE, “Breathe In, Breathe Out” erinnert an DANTE FOX. “Fire In The Sky” ein sehr guter Rocker eine Mischung aus FM und STRANGEWAYS mit GLASGOW Genen. “Night Just Break Your Heart” trägt das FM Gen in sich, “Prophecy” ein wenig stärker angeproggt mit Orient Touch und verdammt geil. “Fight Club” eine Mischung aus DANTE FOX und FM, “Nazarene” ein typischer Gary TEN Song stark umgesetzt, “Gone Forever” lässt es zum Schluß noch mal richtig dramatisch werden.

Fazit:

Ein sehr gutes Album von TAO, manschmal mit zu viel TEN im Sound, was jetzt kein Beinbruch ist. Ich vergebe eine gute 7,5 als Bewertung, bei ein bischen weniger TEN im Sound hätte ich höher bewertet. Aber trotzdem ein sehr gutes Debütalbum welches TAO vorlegen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Nobody But You
02. Rock Brigade
03. Angels And Clandestine Fools
04. Breathe In, Breathe Out
05. Fire In The Sky
06. Might Just Break Your Heart
07. Prophecy
08. Fight Club
09. Nazarene
10. Gone Forever

Balle

LORDS OF BLACK – Alchemy Of Souls, Pt. II

Band: Lords Of Black
Album: Alchemy Of Souls, Pt. II
Spielzeit: 66:07 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Frontiers Music srl
Veröffentlichung: 15.10.2021
Homepage: www.lordsofblack.com

Es hat immer seinen Reiz, ein Album zu hören, das einen mit auf eine emotionale Reise nimmt, verschiedene Stimmungen abdeckt und damit eine spannende Unvorhersehbarkeit erzeugt. Es kann im Vergleich aber genauso reizvoll sein, ein Album zu hören, das sich einer Grundstimmung verschrieben hat und diese über seine Spieldauer weitestgehend aufrecht erhält, um seine Hörer intensiver in diese Stimmung hineinzuziehen. “Alchemy Of Souls, Pt. II” ist eines der letzteren Alben und macht seine Sache dabei, so viel sei schon einmal gesagt, echt gut.
Das fünfte Album der Spanier um Oral-Virtuosen Ronnie Romero (Ruhe in der letzten Reihe!) wurde auf dem Mischpult von Roland Grapow geformt, und das aus gutem Grund. Klingt einfach geil, in leiseren wie in lauteren Momenten, klar, heavy, knallend. Das, plus die Vocals von Ronnie und das tighte aber durchaus detailreiche Spiel der restlichen Lords, ist schonmal die halbe Miete.
Und die andere Hälfte? Nun, wie gesagt, die Atmosphäre des Albums manifestiert sich im grundlegenden Stil des Quartetts: düster, nachdenklich, leicht hoffnungslos verzweifelt, all das in heavy gespielt und produziert. Der Stil zündet, sei es bei riff-orientierten, böseren Tracks wie “Fate To Be Destroyed” oder “No Hero Is Homeless” (die beide melodieverliebtere Ansätze im Chorus zeigen) oder etwas “freundlicheren” Tracks wie “What’s Become Of Us” oder “Prayers Turned To Whispers”.
Ergänzt wird das Konzept um progressive Ansätze, die sich jedoch angenehm hintergründig zeigen und nur selten (zum Beispiel im 7/8el-Part von “In A Different Light”) mal so richtig rausgehängt werden.
Ebenfalls kommen Synthesizer zum Einsatz, die normal gut gewählt sind und nicht zu penetrant ausfallen, ebenso Klavier- und Orchestersounds, letztere zum Teil ein wenig zu unauthentisch für die restliche Qualität der Produktion.
Kritik gibt es ein wenig, inkonsequenterweise hinsichtlich der Aspekte, die bis hierhin bereits gelobt wurden. So erfreulich ein eigener Stil und eine dichte Atmosphäre über ein komplettes Album hinweg ist, ist “Alchemy Of Souls, Pt. II” halt auch 66 Minuten lang und so kommen Wiederholungen in relevanteren Harmoniefolgen durchaus vor. Hier wäre noch ein letzter entscheidender Schritt gewesen, seinen Stil und die gewünschte Stimmung des Albums zu definieren, um anschließend hin und wieder kontrolliert ein wenig damit zu brechen. Ich rede nicht von einer cheesy Klavierballade oder einem plötzlichen Saxophon-Solo, aber die Muster der LORDS OF BLACK scheinen hier ein wenig zu gefestigt zu sein, um über eine so lange Spieldauer durchgängig unterhalten zu können. Drei Songs weniger oder ein wenig mehr Mut zur Erweiterung des eigenen Stils, gerade hinsichtlich so einiger Melodieführungen und Harmoniefolgen, hätte der Platte noch gut getan.

Fazit:
So, wie sie ist, kann man “Alchemy Of Souls, Pt. II” vielleicht noch ein Stück mehr abgewinnen, wenn man zwischendurch mal eine Pause einlegt oder nach den ersten drei Hördurchgängen seine Skip-Kandidaten unter den Songs gefunden hat. Aber abseits dessen weiß das Ding mitzureißen, mit toller Produktion, starken Interpreten und stabilem Songwriting.

Anspieltipps:
“Mind Killer”, “Fate To Be Destroyed”, “Before That Time Can Come” und “No Hero Is Homeless”

WERTUNG:

 

 

 

Trackliste:

01. Prelude (Alchimia Confessio 1458 A.D.)
02. Maker Of Nothingness
03. What’s Become Of Us
04. Bound To You
05. Before That Time Can Come
06. Mind Killer
07. Death Dealer
08. Prayers Turned To Whispers
09. In A Different Light
10. How Long Do I Have Now
11. Fated To Be Destroyed
12. No Hero Is Homeless
13. Sympathy

Jannis

GROUNDBREAKER – Soul To Soul

Band: Groundbreaker
Album: Soul To Soul
Spielzeit: 50:28 min
Stilrichtung: AOR / Melodic Rock
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 12.11.2021
Homepage: www.facebook.com/Groundbreakerband

 

Groundbreaker gehen in die zweite Runde, mit im Ring stehen Steve Overland an Mikro und Gitarren, Sven Larsson an Gitarren, Nalle Pahlsson am Bass, Alessandro Del Vecchio an Keyboards und Herman Furin an den Drums. Von den Namen eine Supergroup, die mehr verspricht als sie halten kann, das klären wir in den folgenden Zeilen. Für das Songwriting haben sich Steve und Alessandro die Unterstützung von Stefano Lionetti (LIONVILLE), Pete Alpenborg (ARCTIC RAIN), Jan Akesson (INFINITE & DIVINE), and Kristian Fyhr (SEVENTH CRYSTAL) gesichert, dies kommt den Songs ohne wenn und aber zu gute.

Die Songs sind irgendwo zwischen den Bands der mitwirkenden Songschreiber und FM der Stammband von Steve angesiedelt, irgendwo zwischen AOR und Melodic Rock. Die Songs haben allein schon Steves Stimme auf der Habenseite, durch die Mitwirkung der Schweden kommt eine besondere Stimmung und Catchyness in die Kompositionen. Die Stimme von Steve ist über jeden Zweifel erhaben, die Gitarren kommen ordentlich durch und bilden mit den Keys ein feines Melodiefeuerwerk. Bass und Drums machen Druck aus der zweiten Reihe und die kraftvolle Produktion runden das Gesamtbild ab. Steve hat im laufe der Jahre nichts von der Faszination in seiner Stimme verloren, vielmehr meint man von Jahr zu Jahr das diese weiterreift wie ein würziger Käse oder ein kräftiger Scotch Single Malt, der Brennereien Caol Ila oder Kilchoman bei der Lagerung im Holzfass während der Reifung an Fülle und Geschmack zunimmt.

Ein Groovemonster mit “Standing On The Edge Of A Broken Dream” gleich am Anfang, “Soul To Soul” ist keinen Deut schwächer. Mit “Captain Of Our Love” kommt ein Schmachtfetzen der für feuchte Taschentücher sorgen sollte, “Evermore” eine typische FM Nummer. “Wild World” ein Rocker für den FM berühmt sind, “Carrie” bestes Radiofutter. “Fighting For Love” bester Melodic Rock, “It Don’t Get Better Than This” trägt die Gene von FM. “There’s No Tomorrow” wieder bestens für das Radio geeignet, “When Lighting Strikes” rockt was die sechs Saitige hergibt ein Highlight. “Til The End Of Time” Steve in Bestform, “Leap Of Faith” noch ein Highlight zum Abschluß.

Fazit:
Ein Album mit Genen von FM und Skandinavien das vom ersten bis letztem Takt Spaß macht. Wer einen Shouter wie Steve hinterm Mikro hat, hat schon die halbe Miete engeheimst, ich vergebe eine 9.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Standing On The Edge Of A Broken Dream
02. Soul To Soul
03. Captain Of Our Love
04. Evermore
05. Wild World
06. Carrie
07. Fighting For Love
08. It Don’t Get Better Than This
09. There’s No Tomorrow
10. When Lighting Strikes
11. Til The End Of Time
12. Leap Of Faith

Balle

CRAZY LIXX – Street Lethal

Band: Crazy Lixx
Album: Street Lethal
Spielzeit: 44:33 min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 05.11.2021
Homepage: www.crazylixx.com

Gut 16 Jahre ist es jetzt her, dass CRAZY LIXX ihre Debüt-EP „Do Or Die“ aufgenommen haben. Vieles ist bisher geschehen im Universum der schwedischen Hardrocker, die die New Wave Of Swedish Sleaze zusammen mit anderen Kollegen wie CRASHDIET gewaltig angeschoben haben und seit jeher zur Speerspitze dieser Bewegung zählen. Oben genannte EP entdeckte ich zufällig auf einer Internetplattform für skandinavische Bands aus dem tiefsten Underground, die wahnsinnig viel Demokram beinhaltete, aber auch eben solche Juwelen wie CRAZY LIXX zu Tage förderte. Spätestens seit der Single „Heroes Are Forever“ war klar, dass die Mannen um Sänger Danny Rexon zu mehr fähig waren als die meisten ihrer Kollegen. Schon am Anfang ihrer Karriere hatte das Gespann unglaubliche Fähigkeiten bewiesen, gutes Songwriting, grandiose Melodien und einen ansprechenden Sound in Einklang zu bringen – und das alles mit einem tollen 80´s Flair. Dementsprechend großartig fiel dann im Jahre 2007 auch die Debütscheibe „Loud Minority“ aus. Kurz darauf dockten die Schweden bei Frontiers Records an, wo sie 2010 mit „New Religion“ ein weiteres Kapitel aufschlagen konnten. Als Fan der allerersten Stunde war der wohl schlimmste Schlag der Weggang von Gitarrist Vic Zino im Jahr 2008, der nun wirklich schwer zu ersetzen war. Dennoch hat er bei HARDCORE SUPERSTAR schnell seinen Platz gefunden und ist dort schon lange nicht mehr wegzudenken. So richtig ersetzen konnte ihn trotz konstant guter Platten erst so richtig das Duo Chrisse Olsson/Jens Lundgren, das 2016 zur Band stieß. Spätestens seitdem ist die Band wieder ein gut geölte Rock´n Roll-Maschine und Stück für Stück tasten sich die Schweden einen Schritt näher heran an die perfekte Reinkarnation einer Achtziger-Vorzeigeband.

Das ist ihnen mit dem 2019 erschienen „Forever Wild“ eindrucksvoll gelungen. Hits wie „Break Out“, der heimliche Top Gun 2 Soundtrack „Silent Thunder“ oder das AOR lastige „Eagle“ sowie der Titeltrack lassen absolut keine Wünsche offen. Ein Meisterwerk. Doch können Danny Rexon und seine Jungs das auf dem neuen Langspieler „Street Lethal“ wiederholen oder gar toppen? Zwischenzeitlich vergnügte sich der Sänger, Produzent und Songschreiber mit dem Projekt der britischen Rockröhre CHEZ KANE, für deren selbstbetiteltes Debüt – ein 80´s Kracher vor dem Herrn, da wird selbst die gute ROBIN BECK blass – er die Songs (mit)geschrieben hat und auch für die Produktion verantwortlich war. Den Produzentenstuhl belegte Mr. Rexon auch beim aktuellen Output von CRAZY LIXX, für den Mix wurde Tobias Lindell verpflichtet.

Im August knallte mit „Anthem For America“ die erste Single in die Umlaufbahn. Hymnisch wie eh und je, herrlicher 80´s Sound und ein erfrischendes Video dazu. Was will man mehr? Vielleicht noch mehr neue Hits?! Bitteschön – der neue Appetizer „Rise Above“ ist abermals ein Volltreffer und schraubt die Erwartungshaltung für das neue Album in oberste Dimensionen. Dazwischen hat man mit „Reach Out“ einen etwas schwächeren Song in die Menge geworfen. Damit wir uns aber richtig verstehen, das Ding ist immer noch eine sehr gute 8.

Schon das Album Cover ist angelehnt an einen der größten Videogame-Hits der Achtziger: Street Fighter! Was haben wir damals an den Automaten gehangen und stundenlang dieses Ding gezockt? Oh Mann, die Kohle möchte ich heute vor mir aufgehäuft haben. OK, die US Cars auf dem Artwork sind allesamt nicht aus den Achtzigern, aber ich wäre sehr happy, diese Sammlung in meiner Garage stehen zu haben. Den Anfang des Albums macht also folgerichtig das Intro „Enter The Dojo“, gefolgt von den beiden erwähnten Singles „Rise Above“ und „Anthem For America“. Das sorgt schon mal für leicht feuchten Feinripp. Mit dem folgenden Midtempo-Stampfer „The Power“ zeigen CRAZY LIXX, dass sie in den vergangenen Jahren gelernt haben, sehr viel variabler agieren zu können. Weg von der Sleaze/Street Rock Attitüde, hier wird reinster Hardrock mit eingängigen Melodien zelebriert.

„Reach Out“ schließt da nahezu nahtlos an, bevor „Final Fury“ eine weitere neue Vorliebe der Schweden zu Tage fördert. Hier haben wir es mit einem SynthWave Instrumental zu tun. In der jüngeren Vergangenheit wurden bereits zwei Songs des Vorgängeralbums im SynthWave Gewand remixed und als Single B-Seite vorgestellt. Der Titelsong nimmt wieder mehr Fahrt auf – ein klassischer CRAZY LIXX Rocker sozusagen. „Caught Between The Rock´N Roll“ ist ein gutgelaunter Hardrocker. Auf eine reinrassige Ballade verzichten die Schweden dieses Mal komplett, mit „In The Middle Of Nothing“ haben sie aber einen an DEP LEPPARD angelehnten, hochmelodischen Tanzflächenfüller am Start. Mit der AOR Nummer „One Fire – One Goal“ und dem siebeneinhalb minütigen „Thief In The Night“ beschließen CRAZY LIXX ihr siebtes Studiowerk durchaus überraschend. Denn noch nie war eine Platte der Schweden über weite Teile derart locker leicht.

CRAZY LIXX anno 2021 sind variabler, professioneller und aufgeräumter. Die Wildheit ihrer Anfangstage vermisst man schon das ein oder andere Mal. Dennoch haben Danny Rexon und seine Jungs für viele Fans das richtige im Gepäck. Angefangen von melodiösen, perfekt in Szene gesetzten Hymnen irgendwo zwischen Sleaze und Hardrock bis hin zu DEF LEPPARD-verwandten Melodiebomben liefern CRAZY LIXX mit „Street Lethal“ eine Platte ab, die viele vielleicht überraschen wird. Das Image ist bis ins Detail ausgearbeitet, genau wie die Songs. Der Sound ist gut – nur manchmal fehlt die rohe Street Credibillity früherer Tage. Dennoch ist mir „Street Lethal“ ne fette 9 wert!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1. Enter The Dojo (Intro)
2. Rise Above
3. Anthem For America
4. The Power
5. Reach Out
6. Final Fury
7. Street Lethal
8. Caught Between The Rock´n Roll
9. In The Middle Of Nothing
10. One Fire – One Goal
11. Thief In The Night

Stefan

MEMORIA AVENUE – Memoria Avenue

Band: Memoria Avenue
Album: Memoria Avenue
Spielzeit: 54:55 min
Stilrichtung: AOR
Plattenfirma: Frontiers Music s.r.l.
Veröffentlichung: 05.11.2021
Homepage: www.facebook.com/memoriaavenue

 

Die neue Formation MEMORIA AVENUE macht sich von Norwegen aus auf den Weg in die Welt um mit ihrem Album die Hörer zu erfreuen. Zur Band gehören der talentierte Sänger Jan Le’Brandt, Tor Talle an Gitarren, Keyboard und Bass, Swenn Huneide am Bass, Dag Selboskar an Keyboard und Björn Olav Lauvdal an den Drums. Tor der schon mit Größen wie JOE LYNN TURNER, FERGIE FREDERIKSEN, ROB MORATTI, STEVE OVERLAND und TONY MILLS Songs geschrieben hat und/oder als Musiker unterstützt. Zu den anderen Musikern liegen mir keine Informationen vor.

Geboten wird gute Laune Mucke, verpackt in AOR oder auch softeren Melodic Rock. Vergleichen könnte man mit WORK OF ART, PERFECT PLAN, LIONVILLE und CLIFF MAGNESS mit zuckersüßen Melodien für den Hörer gebacken. Immer den Song im Mittelpunkt, die Gitarren kommen angenehm zur Geltung, und mit den Keyboards die Songs regelrecht wie auf einer Senfte tragen. Der Bass ist unspektakulär, die Drums machen im Gegensatz zum Bass mächtig Druck. Über all dem schwebt Jans angenehme Stimme die für diese Spielart des Rock geradezu ideal ist. Der härtegrad der E-Gitarre wird auf keinem der Songs übertrieben und stellt somit den AOR in den Vordergrund, der sich hören lassen kann.

Man hört entspannte Rockmusik die im AOR angesiedelt ist, nichts für Krawallbrüder aber auch nicht für Softis. Es gibt zum Entspannen geeignete Rockmusik auf die Ohren, das richtige für Stunden vor dem Kaminfeuer. Oder einfach wenn man mal eine Auszeit vom Alltagsstress, und die Hektik um einen rum entschleunigen möchte. Für solche Momente ist diese Musik genau richtig aber auch geeignet für eine längere Autofahrt. Oder wenn man im Stau steht und das Stresslevel runterfahren will, genau dafür ist diese Musik wie gemacht.

Mit “Stuck” stellen sich MEMORIA AVENUE mal eben kurz als neue AOR Kombo vor, bei “Standed” komm zum ersten mal Taschentücher zum Einsatz. “Can’t Blame It On The Rain” zeigt wie gut sich AOR anhören kann, “The Air That I Breath” macht Laune. “Waiting Forever” geht es ein wenig langsamer an, “Nathalia” geht gut in Ohr. “Sometimes” kann was, “Run With Me” bestes Radiofutter. “If You Fall” AOR in Reinkultur, “Someday” ein flotter Song fürs Radio. “High As A Kite” obercooler AOR, “Picket Fence” geht nicht so gut ins Ohr wie die Vorgänger.

Fazit:
Keine Hektik, kein Stress all das vergisst man wenn man sich das Album anhört, nicht zu hart, nicht zu soft, genau richtig für eine knappe Stunde Entspannung und mit skandinavischer coolnis vorgetragen. Von mir gibt es eine 8 als Bewertung.

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Stuck
02. Stranded
03. Can’t Blame It On The Rain
04. The Air That I Breath
05. Waiting Forever
06. Nathalia
07. Sometimes
08. Run With Me
09. If You Fall
10. Someday
11. High A Kite
12. Picket Fence

Balle

WONDERS – The Fragments of Wonder

Band: Wonders
Album: The Fragments of Wonder
Spielzeit: 48:37 min
Stilrichtung: Power Melodic Metal
Plattenfirma: Limb Music
Veröffentlichung: 12.11.2021
Homepage: www.facebook.com/wondersfragment

2020 entschieden sich die beiden EVEN FLOW Musiker Giorgio Lunesu und sein Bruder Pietro Paolo eine neue Band zu gründen. Ziemlich schnell fand man mit Bob Katsionis (Ex FIREWIND) einen ersten geeigneten Mitmusiker.
Die Melodic Power Metalband WONDERS war geboren.
Mit TEMPERANCE Sänger Marco Pastorino fand man den passenden Sänger und mit TEMPERANCE Basser Luca Negro komplettierte man dann die Band.
Ziemlich schnell wurde mit dem etablierten deutschen Label Limb Music der passende Veröffentlichungspartner gefunden und nun steht uns also das Debütalbum „The Fragments of Wonder“ ins Haus, auf dem uns die Truppe ihren Melodic Power Metal in der Schnittmenge von STRATOVARIUS oder BEAST IN BLACK mit einem Touch Prog präsentieren möchte.
Die Produktion bliebt natürlich innerhalb der Band und in den bewährten Händen von Bob Katsionis.

Als Opener wird uns auch gleich die erste Videosingle „Good & Bad“ um die Ohren geballert. Flott, melodisch und mit ordentlich Power ballert die Nummer los. Irgendwie schwingt hier ein bisschen BEAST IN BLACK Feeling mit, was auch an der stimmlichen Nähe von Fronter Marco zu Gesangswunderknabe Yannis Papadopoulos liegt.
Ein mega Opener und definitiv der erste Hit der Scheibe!
Das folgende „Pretender“ geht dann irgendwie los wie ein 80iger Song, ich kann mir da irgendwie nicht helfen ; ).
Es entwickelt sich ein toller, Melodic Metalsong der vor allem wieder von dem ausdrucksstarken Gesang von Marco lebt der vor allem im Refrain und in den roughen Stellen wieder extrem an Yannis erinnert. Ein geiler Track!
Sehr schön groovig und frisch kommt dann das folgende „Losing the Dream“ aus den Boxen und entwickelt sich so zu dem nächsten Anspieltipp.
Und die wilde Bombastfahrt geht auch bei den folgenden Songs weiter, nicht immer so zielsicher und gut wie bei den bisherigen Hits, aber richtig schlechte Songs findet man auch im Mittelteil nicht wirklich.
Ein wenig hervorstechen tun hier auf jeden Fall „Beyond Redemption“ und „Indigo World“.
Auch im letzten Abschnitt der Scheibe macht man nicht wirklich viel falsch und hat mit dem Titeltrack „Fragments of Wonder” noch einen waschechten Hit im Gepäck!

Anspieltipps:

„Good & Bad“, „Pretender“, „Losing the Dream“, „Indigo World“ und „Fragments of Wonder”

Fazit :

WONDERS sind mit ihrer Art von Mucke genau beim richtigen Label! Limb Music waren schon immer ein gutes Sprungbrett für Melodic Power Metalbands. Und genau das ist es auch für diese Jungs.
Wer auf diese Art von Mucke steht, mit der notwendigen Portion Keyboardunterstützung, ist mit dem Debütalbum bestens bedient und findet den ein oder anderen Hit auf der Platte.
Ein starkes Debüt, auf dem auf jeden Fall aufgebaut werden kann!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Good & Bad
02. Pretender
03. Losing the Dream
04. Beyond Redemption
05. Freedom
06. Where the Sun doesn`t shine
07. Indigo World
08. Sacrifice
09. Miracle of Life
10. Fragments of Wonder
11. Empire (CD Bonus Track)

Video zu “Pretender”:

Julian

DREAM OCEAN – The Missing Stone

Band: Dream Ocean
Album: The Missing Stone
Spielzeit: 53:57 min
Stilrichtung: Symphonic Metal
Plattenfirma: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 24.09.2021
Homepage: www.dreamocean.net

Die türkisch-deutschen Symphonic Metaller von DREAM OCEAN waren mir bislang vollkommen unbekannt! Dabei hauen die Jungs rund um Frontfrau Basak Ylva mit „The Missing Stone“ schon ihr zweites Album raus, welches sie über eine Crowdfunding Kampagne mitfinanziert haben.
Symphonic Metal mit aufwendigen orchestralen Elementen wird uns ankündigt und man spricht vom bisher komplexesten Werk der Truppe.
Na, da heißt es wohl gut die Ohren aufsperren bei den nun folgenden Rezensionshördurchläufen!
Ach ja, auch die Musikkollegen sind wohl voll des Lobes über die Band und das neue Album, so spricht Tommy Johannsson (SABATON) davon das die Truppe bald zu den ganz Großen des Genres gehören wird, na warten wir das mal ab.

Mit dem Opener „Nightmare“ wird die Scheibe eröffnet und es erklingt, wie im Genre so üblich, eine Einleitung die typischer nicht sein könnte.
Mit „Dark Miracles“ haben wir dann den ersten „richtigen“ Track vor der Brust. Eingängig, bombastisch und symphonisch bahnt sich die Nummer ihren Weg durch die Boxen direkt in die Gehörgänge der interessierten Hörerschaft.
Direkt also mal ein waschechter Hit und Anspieltipp für euch!
Sängerin Basak ist tief im opernhaften Gesang unterwegs, was man mögen muss, aber auch häufig in diesem Gerne ja anzutreffen ist.
Die nächste Nummer „Pendulum of Time“ mutet zu Beginn noch nicht so eingängig an wie sein Vorgänger und bietet auch einige männliche Growls, aber mit dem Refrain ist dann wieder alles in Ordnung und auch diese Nummer findet relativ schnell ihren Weg auf unsere Hitliste.
Über das ordentliche „The Great Silence“ geht es in den Mittelteil der Scheibe wo uns mit dem symphonice Bombastknaller „As I Die“ und dem epischen „Eterna Espera“ zwei weitere Hits begegnen.
Den Abschluss dieses extrem starken Plattenabschnitts bildet dann das ebenfalls sehr gelungene „Daydreamer“.
Das letzte Drittel wird dann vom kurzen Zwischenstück „Song to the Ocean“ eröffnet was irgendwie zu viel des Operngeträllers ist, dafür hat man dann mit dem überlangen Titeltrack „The Missing Stone“ und dem auf türkisch gesungenen Abschlussong „Uyan“ zwei weitere sehr ordentliche Nummern im Gepäck!

Anspieltipps:

„Dark Miracles“, „Pendulum of Time“, „As I Die“, „The Missing Stone“ und „Uyan“

Fazit :

Bis zu den ganz Großen Acts des Genre fehlt DREAM OCEAN noch ein bisschen was, aber insgesamt kann man bei ihrem zweiten Album von einem starken, gelungenen Auftritt sprechen.
Man erfindet das Rad nicht wirklich neu, hat ordentlich Bombast dabei und leider auch den ein oder anderen Standardsong, was für ein zweites Album nicht weiter schlimm ist und auf denen man ja für das dritte Album gut aufbauen kann.
Genrefans mit einem Hang zum opernhaften Gesang und Bombast sollten hier aber auf jeden Fall mal mehr als ein Ohr riskieren!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Nightmare
02. Dark Miracles
03. Pendulum of Time
04. The Great Silence
05. Lucid Air
06. As I Die
07. Eterna Espera
08. Daydreamer
09. Song to the Ocean
10. The Missing Stone
11. Uyan

Video zu „As I Die“:

Julian

SOBER TRUTH – Laissez Faire, Lucifer! [ lɛseˈfɛʀ, ˈluːsɪfə(r)!]

Band: Sober Truth
Album: Laissez Faire, Lucifer! [ lɛseˈfɛʀ, ˈluːsɪfə(r)!]
Spielzeit: 50:47 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: ACFM Records
Veröffentlichung: 10.09.2021
Homepage: www.facebook.com/sobertruthband

Die VÖ der aktuellen SOBER TRUTH Scheibe „Laissez Faire, Lucifer!“ liegt mittlerweile schon einige Tage zurück, trotzdem möchte ich euch das geile Teil nicht vorenthalten. (Und schonmal ein großes Sorry an die Band, dass es so lange gedauert hat).
Wie ich im letzten Review zum Vorgänger-Album „Psychosis“ (https://www.rock-garage.com/sober-truth-psychosis/) schon habe verlauten lassen, Progressive Metal ist nicht so meine bevorzugte Stilrichtung. Tatsächlich bilden SOBER TRUTH da eine sehr gute Ausnahme dieser Regel, da die Jungs es für meinen Geschmack wirklich super schaffen, sich nicht in endlosen Schwurbeleien zu verlieren, die dann keiner mehr nachvollziehen kann (entspricht dann ungefähr diesem Schachtelsatz).
Für die-hard Prog-Fans könnte das zu wenig sein, aber die schreiben ja dieses Review nicht.
Die Reise in die menschlichen Abgründe startet schon direkt mit dem authentisch finsteren Intro „Début diable“ um dann direkt mit „Distinctive“ durchzustarten. Dunkel, aber mit einem deutlich thrashigen Härtegrad und einem gutturalen Grundton und das alles in angemessenem Tempo. Starker Einstieg, gefällt sehr gut und das auf Anhieb.
Bei „Dizygotic Twins“ wird zwischen englischer und deutscher Sprache gewechselt, interessant, neu und irgendwie geil. Der Genremix wird dabei weiter auf die Spitze getrieben, es klingt als hätten die Siegburger ein Teil der Neuen Deutschen Härte in ihr Repertoire aufgenommen. Das zeigt wieder sehr deutlich, wie eigenständig und selbstbewusst SOBER TRUTH mittlerweile agieren. Überhaupt haben die Jungens mit Album #6 wiederholt gezeigt, dass sie auf Genregrenzen pfeifen und konsequent an ihrem Stilmix festhalten. Für ausreichend Abwechslung ist auf „Laissez Faire, Lucifer!“ mit seinem starken 50 Minuten für 12 Songs auf alle Fälle gesorgt.
Aber auch schwer konsumierbar Stücke fehlen nicht, „Imperfection“ ist im Gegensatz zu den vorherigen Songs dann doch eher schwer verdaulich, was dem Können der Band aber keinen Abbruch tut.
„DNA“ ist nicht ganz rund und fällt etwas zu den Vorgängersongs ab, was im Falle von „Laissez Faire, Lucifer!“ immer noch jammern auf extrem hohem Niveau ist. Denn schon direkt nach „DNA“ knallen die Granaten „Planted Brains“ und „Rebirth“ rein. SOBER TRUTH zeigen hier pár excellence ihr Können und ihre wahnsinnig gereifte Eigenständigkeit. Und mit den beiden genannten Songs hört es auch nicht auf. Das basslastige „Hope, Enjoy & Death“ groovt so richtig durch und wechselt auch hier wieder die Sprache gekonnt von Englisch zu Deutsch. Dadurch kommt wieder ein leichter NDH Touch in den Song, der der Band wirklich gut steht. Sänger und Mastermind Torsten Schramm hat echt die perfekte Stimme hierfür. Und vor allem Basserin Jules Rockwell hat sich hier mehr als perfekt in Szene gesetzt. Super.
Bevor sich die Band mit „Taste Unplugged“, einer gefühlvollen akustischen Neuauflage des Songs „Taste“ verabschiedet, gibt es mit „Limbus“ noch eine Dark Metal Bombe vom Feinsten. Auch hier passt Torstens Stimme irgendwie wieder perfekt rein. Gerne mehr davon, die Wandelbarkeit ist genial geil.

Fazit: Die 2007 gegründete Band stellt uns auf Album #6 einen wild anmutenden Metal-Mix vor, der Genregrenzen mühelos überwindet und dabei nicht den roten Faden verliert. Inhaltlich durchforsten wir wieder die menschliche Psyche in all ihren Facetten und das stellenweise in gekonnten Wechseln zwischen deutsch und englisch, Metal, Groove, Dark und sogar Akustik. Den Namen SOBER TRUTH sollte man sich unbedingt merken, wenn man Eigenständigkeit und Individualität sucht, die sich nicht mit Belanglosigkeiten aufhält und so richtig abgeht. Dafür sind die Siegburger definitiv ein Garant. Vielleicht werde ich jetzt doch noch Prog-Fan, wenn alle Bands so geil sind. Für die klasse Leistung auf „Laissez Faire, Lucifer!” kann man SOBER TRUTH nur Tribut zollen und das tue ich mit knackigen 9 Sternen. Klasse gemacht und unbedingt weiter so!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Début Diable
02. Distinctive
03. Dizygotic Twins
04. Imperfection
05. Entre les Chansons I
06. DNA
07. Planted Brains
08. Rebirth
09. Hope, Enjoy & Death
10. Entre les Chansons II
11. Limbus
12. Taste Unplugged

Tänski

Hört mal rein:

SONS OF SOUNDS – Soundphonia

Band: Sons Of Sounds
Album: Soundphonia
Spielzeit: 49:26 min
Stilrichtung: Progressive Rock
Plattenfirma: El Puerto Records
Veröffentlichung: 05.11.2021
Homepage: www.sonsofsounds.com

Dass Musik, die von Geschwistern zusammen gemacht wird, häufig einen ganz eigenen Zauber hat, bestätigte sich für mich vor einiger Zeit bereits durch die großartigen R.U.S.T.X – und auch durch das letzte Album der SONS OF SOUNDS. Drei Brüder aus Rheinland-Pfalz, alle wohl ähnlich bis gleich musikalisch grundsozialisiert und damit auf einem sehr eigenen gemeinsamen Level von Einflüssen und Vorlieben. Zu denen ist nun Marc Maurer gestoßen und gemeinsam hat die nun zum Quartett angewachsene Truppe jüngst “Soundphonia” veröffentlicht. Kurz zu Beginn: Nein, die Produktion ist nicht perfekt, vor allem die Rhythmusgitarren fallen etwas platt aus, das sollte jedoch keineswegs vom intensiveren Reinhören in den neuen Longplayer abhalten. Denn musikalisch ist das Ding umso – nun, spezieller?
SONS OF SOUNDS machen eigenen Angaben zufolge Progressive Heavy Rock. Wer nun an ausgeprägtere Taktwechsel und ausufernde Synth- und Gitarrensoli denkt, liegt allerdings daneben. Im Gegenteil, die meisten Songs sind kurz und nach klassischem Schema vergleichsweise simpel anmutend aufgebaut. Doch über die ersten paar Tracks ist man gewillt, seinen Boxen so manches Mal laut “So macht man das nicht, was ist das?” entgegenzurufen, bevor man früher oder später erkennt, dass man einfach absolut unterhalten ist von dem, was die Kollegen da machen, und sich eingestehen muss, dass man das vielleicht doch so macht, wenn man entsprechende und ziemlich gute Beweggründe hat.
“Soundphonia”s Songs sind nicht so komponiert, weil man das in dem Genre so macht. Viel mehr macht es den Eindruck, dass sie häufig so komponiert sind, weil man das nicht so macht, obwohl es eigentlich geil wäre. Und das macht Progressivität im Sinne eines Weiterdenkens und (bei Bedarf) Überwindens von Normen aus.
So ist die neuste SONS OF SOUNDS ein Sammelbecken von Ideen, die den Hörer aufhorchen lassen: der seltsame Start und der (unkonventionell) stampfende Chorus von “Frequency Of Life” in dieser Kombination? Das Riff des powerballadig anfangenden “Let It Go”? Der Partychorus von “Streetmutt” nach dem straight abgehenden ersten Teil? Der plötzliche Septakkord und seine Auswirkungen auf die Melodieführung in “Reset”? Nee, all das macht man eigentlich nicht so; umso besser, dass SONS OF SOUNDS es machen und dabei ein krankes Maß an Individual- und Kreativität beweisen. Ganz abgesehen davon, dass auch die “normaleren” Parts des Albums musikalisch einfach Laune machen und ohne die ganzen Experimente noch starke Songs wären.
Um nicht nur zu hypen: “Wolfskind” ist eines der Beispiele, warum man deutsche Texte vermeiden sollte und “Here I Am” ist auf jeden Fall eine nette Ballade, trifft aber nicht ganz den Spirit des restlichen Albums. Dazu eben leichte Soundprobleme und ein paar kleine Ideen, die nicht so ganz zünden.

Fazit:
Ändert aber alles nichts daran, dass man bei der Musik der SONS nur mit expliziter Mühe darum herum kommt, gute Laune zu entwickeln.  Aber das ist einfach oft erfrischend unkonventionell, neugierig, kreativ, voller Liebe zur Musik und mit ordentlich Spaß hinter den Backen entstanden. Oh, und gut gespielt und gesungen. Klarer Fall eines Albums, das man am besten bewusst und aufmerksam – im mindesten aber hören sollte.

Anspieltipps:
“Forever”, “Frequency Of Life”, “Reset” und “Streetmutt”. Ach komm, und “Let It Go”. Und “Time Machine”.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Forever
02. Over
03. Frequency Of Life
04. Let It Go
05. Peace Be With You
06. Wolfskind
07. Streetmutt
08. Time Machine
09. The Dark
10. Flowers On My Grave
11. Reset
12. Here I Am

Jannis