REINFORCER Interview

Nahe meiner alten Heimat, genauer aus Paderborn kommen die Power Metaller von REINFORCER! Dieser Umstand und das Fullenght Debütalbum waren für mich Grund genug dem Lead Gitarristen der Band Niclas Stappert ein paar Fragen zu stellen.

J.P: Hallo Niclas, vielen Dank das du mir ein paar Fragen zu euch und zu eurem Debütalbum beantwortest. Zuerst, für die Leute die euch vielleicht noch nicht so kennen, stell dich und die Band doch einmal kurz vor und erzähle ein bisschen was zu eurem Werdegang?

N.S: Hallo Julian, nichts zu danken, wir stehen natürlich gerne Rede und Antwort. Wir, das sind fünf Jungs aus dem schönen Ostwestfalen-Lippe. Der Grundstein für die Band wurde 2015 von unserem Basser Marvin und mir gelegt. 2017 hatten wir allerdings erst das komplette Line-Up zusammen. Ein relativ langer Zeitraum also, bis wir nach Lasse am Schlagzeug und Tobias an der zweiten Gitarre mit Logan letztendlich auch noch den perfekt passenden Sänger gefunden hatten. Seitdem hat sich am Line-Up nichts mehr verändert, man könnte also sagen, dass sich die Geduld bei der Musikersuche ausgezahlt hat. 2018 haben wir dann auch relativ zügig unsere erste EP „The Wanderer“ rausgebracht, die schon sehr guten Zuspruch bekommen hat und ein halbes Jahr später dementsprechend vom Schweizer Label „Doc Gator Records“ nochmals auf Vinyl und Tape aufgelegt wurde.

J.P: Nach eurer Debüt EP, nun euer erstes komplettes Album. Dieses erscheint auf dem italienischen Label Scarlet Records. Gab es keine guten Angebote von deutschen Labels oder haben sie euch einfach das beste Angebot gemacht? Erzähl vielleicht mal etwas zur Labelsuche und eurer Wahl.

N.S: Unsre Labelsuche ist tatsächlich so abgelaufen, wie sich das vermutlich viele Leute so vorstellen. Nachdem das komplette Album aufgenommen, gemixt und gemastert war, haben wir die Scheibe digital oder per Post an die verschiedensten Labels in ganz Europa verschickt. Da war von den ganz Großen bis zu den ganz Kleinen alles dabei. Wir wollten einfach mal schauen, was so möglich ist und keine Optionen von vornherein ausschließen. Angebote gab es dann auch aus verschiedenen Ländern, wobei aus Deutschland tatsächlich weniger Feedback kam als aus Ländern wie Italien oder Griechenland. Bei Scarlet Records hat das Gesamtpaket dann einfach am besten gepasst. Das Label hat schon eine gewisse Strahlkraft und zeigt mit Bands wie Frozen Crown, dass sie in der Lage sind, aufstrebende Acts wirklich nach vorne zu bringen. So ist beispielsweise der Auftritt im Social Media Bereich super professionell, was nicht zuletzt ihr Youtube-Channel mit 125.000 Followern unter Beweis stellt. Zudem arbeiten sie mit den größten Distributionen zusammen und haben unzählige Kontakte. Neben all diesen Aspekten hat man auch gemerkt, dass die Jungs von Scarlet sich wirklich mit unserem Album befasst haben. In der Begründung, warum sie uns gern signen möchten, war unter anderem ein Kommentar zu jedem Song. In den weiteren Gesprächen hat sich dann auch gezeigt, dass wir eine ähnliche Philosophie verfolgen und so sind wir uns dann relativ schnell einig geworden.

J.P: Wie sind denn die Aufnahmen zu der Platte abgelaufen? Wann habt ihr damit angefangen und wie ist sie entstanden?

N.S: Nachdem Songwriting und Pre-Production abgeschlossen waren, sind wir im Mai 2020 zunächst ins Room89 Studio im heimischen Paderborn, um Gitarren, Bass und Gesang aufzunehmen. Im Room 89 hatten wir schon die EP eingespielt und produzieren lassen. Für Drums, Gitarren-Reamping, Mix und Mastering haben wir uns dann diesmal aber für das renommierte Kohlekeller Studio in Seeheim entschieden. Hier sind regelmäßig Größen wie Powerwolf oder Aborted zu Gast. Vor allem im Death Metal Bereich zählt der Kohlekeller zu einer der besten Adressen. Da hat unser Drummer Lasse dann im August fleißig bei der Arbeit mit Produzent Kai Stahlenberg geschwitzt, während Tobi und ich uns vor allem um den Grill und die Getränke gekümmert haben. Augen auf bei der Instrumentenwahl! 😀 Im September war dann schließlich alles fertig und die bereits erwähnte Labelsuche konnte losgehen. Zwischen Beginn der Recordings und Releasedate liegt also schon ein gutes Jahr.

J.P: Ist bei euch das Songwriting ein Thema für alle in der Band, oder wer übernimmt diesen Job bei euch?

N.S: Bei uns entstehen die Songs grundsätzlich nicht im Proberaum. Überhaupt proben wir gar nicht regelmäßig, sondern eher intensiv direkt vor Auftritten. Die meisten Ideen stammen in der Regel erstmal von mir, wobei sich Tobi mittlerweile mehr und mehr ins Songwriting mit einbringt. Meistens schicke ich dann die ersten Riffs rum und er schickt mir gegebenenfalls seine Ideen. Immer mal wieder treffen Tobi und ich uns aber auch bei mir im Home-Studio und wir arbeiten gemeinsam an Songs. Wenn ein Track weitestgehend fertig arrangiert ist, kommt dann Logan hinzu, der den Großteil der Texte schreibt. Der hat meistens schon irgendeine textliche Idee und ich die ein oder andere Gesangsmelodie im Kopf. Die beiden Teile bringen wir dann irgendwie zusammen und am Ende steht im besten Fall die fertige Songdemo. Lasse und Marvin müssen sich dann mit dem Zeug herumschlagen, das wir uns da wieder zusammengebastelt haben. 😀

J.P: Dazu passend die Frage, gibt es eine Hintergrundgeschichte oder eine Art roter Faden, der sich durch die Songs zieht? Ist das Ganze ein Konzeptalbum oder eher weniger?

N.S: Prince of the Tribes ist kein Konzeptalbum. Jeder Song ist eigenständig und erzählt in irgendeiner Form seine eigene Geschichte. Hierbei wandern wir quer durch die gesamte Historie der Menschheit und erzählen Storys aus verschiedenen Epochen. Das fängt bei der legendären Varusschlacht im Titletrack an, führt über den allseits bekannten Piraten Blackbeard in Black Sails bis hin zum modernen Luftkampf im Song Coup de Grâce. Meistens behandeln die Songinhalte wahre Ereignisse, bei Shieldmaiden oder Hand on Heart handelt es sich aber beispielsweise auch einfach um fiktionale Geschichten, wie sie vielleicht so oder so ähnlich in der Vergangenheit passiert sein könnten.

J.P: Kommen wir jetzt mal zum Album selbst. Einzelne Songs herauszupicken viel mir sehr schwer! Die Platte ist einfach saustark und erzählt eine wunderbare, schwermetallische Fantasy Geschichte. Gibt es für dich ein paar Songs die du vielleicht hervorheben würdest oder die du als besonders charakteristisch für REINFORCER siehst?

N.S: Erstmal danke für das Kompliment. Grundsätzlich setzen wir uns keine Vorgaben, wie ein Reinforcer-Song zu klingen hat, oder versuchen irgendwelchen Schemata zu folgen. Vielleicht trägt das auch ein wenig dazu bei, dass das Album doch schon ein recht abwechslungsreiches Gesamtpaket geworden ist. Als charakteristisch würde ich auf jeden Fall „Allegiance and Steel“ nennen, einfach weil man in ihm so ziemlich alles wiederfindet, was typisch für unsere Musik ist. Viele verschiedene Riffs, zweistimmige Gitarren, mehrere Soli und ein Refrain, der live durchaus zum Mitsingen einlädt. Mit „Black Sails“ bleiben wir uns treu und haben, wie auf der EP auch, wieder einen Piratensong auf die Scheibe gepackt. Mit „Shieldmaiden“ ist diesmal auch ein etwas melancholischeres Stück dabei und beim letzten Song „Z32“ spielen wir nochmal ein wenig mit verschiedenen Tempi und Dynamiken. Der hat irgendwie eine richtig interessante Atmosphäre und gefällt uns daher besonders gut, auch wenn er beim ersten Hören vielleicht ein wenig aus der Reihe fällt. Eine richtige Ballade sucht man auf dem Album allerdings vergeblich, alles in allem geht es schon ordentlich nach vorne würde ich sagen.

J.P: Ich erwähnte es schon, ihr kommt aus der Nähe meiner alten Heimat genauer aus Paderborn. Wie ist denn so die Metallandschaft da oben? Gibt es gute Auftrittsmöglichkeiten in der Nähe und eine gute Metalszene?

N.S: Also die Metalszene im Paderborner Raum ist durchaus intakt würde ich sagen. Sowohl was Fans als auch Bands betrifft. Das Wiederaufleben der Metal-Inferno Konzertreihe in Paderborn spiegelt das sehr gut wider. Aktuell fühlt sich das ganze natürlich sehr weit weg an, aber ich denke, dass das alles nach Corona wieder richtig aufleben wird. Wirklich gute Locations für Auftritte gibt es im direkten Umkreis leider eher wenige würde ich sagen, aber das ist heutzutage natürlich generell schwer, so etwas außerhalb der wirklich großen Städte zu etablieren.

J.P: Zurückblickend auf eure EP, wie zufrieden seid ihr denn damit auch bezüglich des Verkaufes der EP? Ich glaube sie kam damals auch über Doc Gator Records raus, oder? Wäre das nicht auch eine Labelwahl für euch gewesen?

N.S: Mit der EP waren wir auch im Hinblick auf den Verkauf sehr zufrieden. Sie war ursprünglich gar nicht mit einem kommerziellen Gedanken entstanden, sondern sollte einfach dazu dienen, der Metalwelt einen ersten Eindruck von unserer Musik zu verschaffen. Umso erfreuter waren wir natürlich, dass sich direkt ein Label für uns interessiert und die EP nochmal extra in zwei tollen Vinyl-Varianten aufgelegt hat. Die 100 farbigen Exemplare waren dann auch innerhalb eines Tages vergriffen, ein voller Erfolg also für Doc Gator Records und uns natürlich. Über die Jungs von Doc Gator lässt sich auch wirklich nur positives sagen. Eine Gruppe positiv Verrückter, die allesamt mit absolutem Herzblut dabei sind. Das merkt man dann auch in der tollen Aufmachung ihrer Releases. Während die Gators ihr Label ausdrücklich nur hobbymäßig betreiben, hat Scarlet da allerdings eine völlig andere Ausrichtung. Das spiegelt sich, wie schon erwähnt, natürlich auch in den Strukturen wider und wir haben uns nun bewusst für diese Herangehensweise entschieden.

J.P: Tja, Corona ist ja nach wie vor allgegenwertig, wie geht ihr denn damit um bzw. wie hat euch das in der Arbeit zum neuen Album beeinflusst? Können sich die Fans vielleicht noch auf das ein oder andere Video zur Scheibe freuen?

N.S: Besonders bei der Arbeit am Album war natürlich, dass man sich als Band nur sehr sporadisch und eher einzeln gesehen hat. Unsere Proben mit der gesamten Truppe kann man in der Zeit auch wirklich an einer Hand abzählen. Da zahlt sich natürlich aus, dass man in der heutigen Zeit wirklich alles digital austauschen kann und jeder Einzelne sich zu Hause auf die jeweiligen Recordings vorbereiten konnte. Am 11.06., also genau heute, wenn das Interview erscheint, wird auch das Musikvideo zu „Allegiance and Steel“ auf dem Kanal von Scarlet Records veröffentlicht. Also am besten direkt mal reinschauen. Aktuell laufen die Planungen für ein zweites Musikvideo auch noch, aber da müssen wir mal schauen. Ein Video mit ordentlicher Qualität ist immer mit hohen Kosten verbunden und wir wollen da keine Kompromisse eingehen und irgendwas veröffentlichen, was uns im Nachhinein vielleicht nicht mehr gefällt.

J.P: Niclas was steht denn aktuell und in der nächsten Zeit nun für REINFORCER an? Konzertpläne gibt es vermutlich viele, aber in die Glaskugel können wir ja leider nicht schauen!

N.S: Richtig, das ist momentan alles ein wenig schwierig. Wir hoffen natürlich, so schnell und oft wie möglich wieder auf die Bühne zu kommen, das ist doch das, was das Musikerdasein so schön macht. Zwei verschobene Shows stehen auf jeden Fall schon auf der Agenda. Am 27.11.2021 geht es nach Hamm zum Ragers Elite Festival und für April 2022 ist ein Nachholtermin der Heavy Stage Night in Osnabrück geplant.

J.P: Vielen Dank Niclas für deine Zeit und die interessanten Antworten! Ich wünsche euch alles Gute für die Zukunft. Die letzten Worte an die Fans da draußen gehören natürlich dir.

N.S.: Vielen Dank, es war mir eine Freude! Wir wünschen einfach allen Metalheads da draußen eine Menge Spaß mit unserem neuen Album. In der aktuellen Zeit ist es schöner denn je, einfach eine Platte aufzulegen und den Stress da draußen ein wenig zu vergessen. Wer Interesse an Vinyl, CD oder auch Merch von uns hat, schaut gerne mal auf www.reinforcer.de in unserem Shop vorbei. Schreibt uns auch gern auf Facebook, wenn ihr irgendetwas signiert haben möchtet oder es sonstige Sonderwünsche gibt. Und dann hoffe ich einfach, dass wir uns bald endlich wieder auf der Bühne oder vor der Theke sehen!

Julian

Within Temptation News

Within Temptation: The Aftermath – Eine Show in einer virtuellen Realität

Musik kombiniert mit modernster Technologie: eine Show, die nicht von dieser Welt ist. Buchstäblich!

Am 08.07.21 ab 20.00 Uhr

Die radikale Weiterentwicklung der Band durch ihren Genre-Crossover von Rock und Metal hat gezeigt, dass Within Temptation noch nie an Grenzen gebunden waren. Jetzt geht die Band noch einen Schritt weiter und kündigt die Details einer immersiven Show an, die nicht von dieser Welt ist – buchstäblich! Willkommen bei Within Temptation: The Aftermath – Eine Show in einer virtuellen Realität.

Sharon den Adel: „Während der ganzen Pandemie waren wir nicht scharf darauf, einen Livestream zu machen. Die Magie eine Band live spielen zu sehen und zu hören – kombiniert mit der Energie des Publikums – ist etwas, das man mit einem Livestream nicht einfach nachstellen kann. Also waren wir lange Zeit ratlos. Eines war uns klar: Wir würden keine Kompromisse bei einem Livestream eingehen, wenn wir etwas Außergewöhnliches bieten könnten, etwas, das den Atem stocken lässt, faszinierend, spektakulär und mythisch ist! Dann haben wir es gefunden: eine Welt, die wir nach unseren wildesten Fantasien gestalten konnten und in der wir als Band auftreten konnten, ohne die Dynamik und Magie unserer traditionellen Live-Show zu verlieren. Wir sind absolut begeistert unsere Fans zu Within Temptation live einzuladen: The Aftermath – Eine Show in einer virtuellen Realität. Eine Show, die in verschiedenen Szenen einer post-apokalyptischen Welt stattfindet, in der wir Zeuge der Nachwirkungen der Zerstörung der Menschheit sind. Eine Welt, in der nicht bekannt ist, ob irgendjemand der menschlichen Rasse überlebt hat. Es ist eine Suche nach Antworten sowohl über ihr Werden als auch über ihr Vermächtnis“ – Sharon den Adel.

The Aftermath ist eine Show, die von modernster Technologie angetrieben wird und der Band eine Performance ermöglicht, die buchstäblich nicht von dieser Welt ist ! In dieser einstündigen Show werden Within Temptation eine Vielzahl von neueren und älteren Songs in vier verschiedenen Welten spielen, die sowohl mit der Band als auch mit der Musik interagieren. Man kann ausserdem Gastsängerinnen und -sänger aus aller Welt erwarten, die sich der Band auf der Bühne anschließen, um eindrucksvolle Duette in den großartigen Kulissen zu spielen.

Mit dieser Show schlagen Within Temptation eine Brücke zwischen dem Jetzt und dem nächsten Zeitpunkt, an dem die Band wieder spielen kann. „Wir sind absolut entnervt, dass die Worlds Collide Tour wieder nach hinten verschoben wurde und wir nicht live in der gleichen Halle wie unsere Fans auftreten können. Mit dieser digitalen Show hoffen wir, dass die Fans trotzdem unsere Energie, unsere Liebe – und vor allem: unsere Leidenschaft für die Musik – spüren können. Passt auf euch auf und wir hoffen euch alle am 8. Juli zu sehen“.

Termin: 8. Juli 2021 um 20 Uhr deutsche Zeit.

Trailer zur Show: https://youtu.be/RHcysy8Sifs

Tickets gibt es unter: www.within-temptation.com

Die Tickets kosten: 24,99 €/Ticket und 29,99 € für zwei oder mehr Zuschauer in einem Raum

 

Eine brandneue Single ‚Shed My Skin‘

 

Zusammen mit dem immersiven Event kündigen Within Temptation die Veröffentlichung ihrer brandneuen Single ‚Shed My Skin‘ an, die zwei Wochen vor der Show am 25. Juni 2021 via Force Music Recordings erscheint. Für diesen Song hat sich die Band mit der deutschen Metalcore-Band Annisokay zusammengetan. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist eine herzergreifende, bombastische Metal-Hymne.

‚Shed My Skin‘ ist die dritte Single aus der Reihe der Independent-Veröffentlichungen von Within Temptation und wird am 25. Juni 2021 über alle Streaming-Dienste veröffentlicht. Das offizielle Musikvideo zu diesem Song wird während Within Temptation Premiere haben: The Aftermath – A Show In A Virtual Reality am 8. Juli 2021.

DAMN!ESCAPE – Bad Treatment (EP)

Band: damn!escape
Album: Bad Treatment (EP)
Spielzeit: 29:16 min
Stilrichtung: Rock ’n‘ Roll
Plattenfirma: Eigenveröffentlichung
Veröffentlichung: 30.04.2021
Homepage: www.damn-escape.de

Leider sitzen DAMN!ESCAPE zwar in Norddeutschland, aber in Lüneburg, und somit etwas zu weit weg vom Meer, um die nächste Deutschlandtour unter dem Namen Damm!Escape laufen lassen zu können. Nun, da ich mir das von der Seele geschrieben habe, schauen wir doch mal genauer auf die zweite EP des Quartetts, die Ende April erschien und auf den Namen “Bad Treatment” hört. Über sieben Tracks und eine halbe Stunde Spieldauer (was bei anderen Acts in letzter Zeit auch schonmal als Album durchging) wird der interessierte Zuhörer hier mit schön dreckigem Hard Rock/Rock ’n‘ Roll schlecht behandelt, eigenproduktionsbedingt nicht mit dem kompletten High-End-Sound aber allemal erfreulich. Breit und druckvoll klingt das Ding und soll bei dem Stil natürlich auch nicht allzu klinisch daherkommen. Bemüht man die Klischeekiste des direkten, etwas knurrigen aber letztendlich sehr herzensguten Norddeutschen, so trifft das die Musik der Truppe ganz gut. Die abgehenderen Songs klingen ebenso wie die Vocals von Frontmann Eddy schon anständig dreckig und das Feeling von einem Gig in einer ranzig-holzigen Kneipe mit kleiner Bühne, klebenden Tischen und schwitzendem Publikum mit 0,5er-Krügen in der Hand stellt sich in Windeseile ein. Dann wiederum sind DAMN!ESCAPE aber auch die Band, deren Namensgebung auf intensiveren Erfahrungen mit einer Maus basiert und die “the most positive of emotions” in ihren Hörern hervorrufen wollen und das hört man der Platte deutlich an. Bereits “Good Times” verpackt naiv-bierige Feelgood-Stimmung in ein gut rockendes Stück Musik, etwas Dur- und Harmonie-lastiger auch im Riff, als man von dieser Art von Musik vielleicht erwarten würde, zündet damit aber sehr gut und macht auch handwerklich alles richtig, mit schön eingesetzten Backing Vocals, Gute-Laune-Text ohne Anspruch und mit hörbar Laune gemacht. “Song For One” ist vorerst angenehm ausgedünnt, wird dann dichter und um eine der klassischen Rock-’n‘-Roll-Feierlichkeitsmelodien ergänzt. Melancholisch, vertraut, funktioniert. “Seasons” schlägt in die Gänsehautkerbe, “Leave Me Alone” ist ebenfalls emotionaler aber dabei natürlich anständig druckvoll. Im Kontrast dazu erweist sich “Bitter Pills” (Jever?) als harmonisch simpel und grundtonfixiert, was eine willkommene Abwechslung ist zu den Maßen an Melodien, die man vor dem ersten Hördurchgang vielleicht so nicht erwartet hätte – was nicht bedeutet, dass es zu viele, zu ausgearbeitete wären, aber in seiner Straightheit kommt “Bitter Pills” zur Abwechslung einfach gut.

Fazit:
Was gibt man DAMN!ESCAPE denn nun als Kritik mit auf den Weg? Eigentlich nichts Erwähnenswertes. “Bad Treatment” hat ’ne stabile Dosis Dreck in den Rillen, vernachlässigt das Songwriting dabei aber keinesfalls, nimmt sich Zeit für Emotionen und ruhigere Momente, ohne als Gesamtes an Schwung missen zu lassen und ist hörbar mit Liebe für die Sache entstanden. Nix, womit man bekannt wird, aber etwas, womit mein eine kleinere Hörerschaft, gerade live, umso glücklicher machen kann. Und wir sind uns einig, wie viel wert das ist!

Anspieltipps:
“Good Times”, “Song For One” und “Bitter Pills”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Good Times
02. Mirrors
03. Song For One
04. Seasons
05. Bad Treatment
06. Bitter Pills
07. Leave Me Alone

Jannis

MIDNITE CITY – Itch You Can’t Scratch

Band: Midnite City
Album: Itch You Can’t Scratch
Spielzeit: 42:19 min
Stilrichtung: Melodic Hard Rock
Plattenfirma: Roulette Media
Veröffentlichung: 28.05.2021
Homepage: www.facebook.com/midnitecityuk/

 

Mensch Leute, warum macht ihr es mir immer so schwer? Warum, ganz einfach, das Ding rockt ohne Ende und ich könnte schreiben “Ein dufte Album, besser geht nicht” aber dies wäre zu Einfach. Aber erst mal von Anfang an, MIDNITE CITY hauen ihr drittes Album unters Volk, und es gibt keine Überraschungen, schlägt den selben Weg ein wie die beiden Vorgänger. Zu den Übeltätern zählen Rob Wylde am Mikro, Miles Meakin an Gitarre, Josh Williams am Bass, Shawn Charvette an den Keys und Pete Newdeck an den Drums, seit dem Debüt in unveränderter Besetzung.

Zu bestaunen gibt es wie schon auf den beiden Vorgängern Melodic Hard Rock der besseren Sorte mit leichter Glamnote, nicht ganz so rotzfrech und vorlaut wie bei TIGERTAILZ und TEENAGE CASKETT COMPANY um nur zwei Bands zu nennen bei denen Rob Wylde mitgewirkt hat. Seit dem Debüt von MIDNITE CITY kamen die Vocals deutlich gereifter, und Wylde beweist das er zu den besten Stimmbandakrobaten zählt, und akzente setzen kann. Der Rest der Band ist ganau wie Wylde bestens aufgelegt, die Riffs feuern ohne Ende, die Keys kommen genau richtig und die Drums treiben und treiben.

Den Stil kann man genau wie die Vorgängern in etwa mit NITRATE, HEARTWIND, ECLIPSE, W.E.T. und all die anderen Hochkaräter der Dieszeit beschreiben. Ein Haar kann ich bei bestem Willen nicht entdecken, das Dingens rockt und das von Song #1 bis Song #10, mir bleibt eigentlich nur eine Kaufempfehlung auszusprechen. Leute lasst euch dieses Highlight nicht durch die Lappen gehen.

Fazit:

MIDNITE CITY melden sich eindrucksvoll mit einem dritten Album zurück auf der Spielwiese und zeigen wie gute Mucke zu klingen hat. Ich vergebe eine Bewertung von 9 Sternen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Crawlin‘ In The Dirt
02. Atomic
03. Fire Inside
04. Darkest Before The Dawn
05. I Don’t Need Another Heartache
06. Blame It On Your Lovin‘
07. They Only Come Out At Night
08. Chance Of A Lifetime
09. If It’s Over
10. Fall To Pieces

Balle

THUNDERMOTHER – Heat Wave Deluxe Edition

Band: Thundermother
Album: Heat Wave Deluxe Edition
Spielzeit: 1:025:01 min
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 21.05.2021
Homepage: www.facebook.com/thundermother/

Dass aus Schweden mehr kommt als Viking-Metal oder Fußballstars haben THUNDERMOTHER mit ihrem 2020er Album „Heat Wave“ deutlich bewiesen (wie gut das Album in der Rock Garage angekommen ist könnt ihr hier nachlesen). Meine 5 Doros, die eigentlich ein Quartett sind, haben damit nicht nur mein Herz vor Freude hüpfen lassen. Auch in Deutschland (Platz 6) und Schweden (Platz 8) haben THUNDERMOTHER mehr als einen Achtungserfolg erreicht. Ihrem selbstgesteckten Ziel einer Weltherrschaft des Rock’n’Rolls kam den High Voltage Girls aus dem schwedischen Växjo leider die unsägliche und alles ausschaltende Pandemie dazwischen und die Albumtour war eher schlecht bis gar nicht möglich. Was also liegt näher, als die Fans mit einer Deluxe Edition zu erfreuen? Im Falle der Donnermütter nicht viel und so hat die „Heat Wave Deluxe Edition“ im Mail 2021 das Licht der Welt erblickt. Und diese Edition hat einiges zu bieten. Neben den bereits 13 bekannten Songs von „Heat Wave“ haben THUNDERMOTHER noch einiges drauf gepackt. Die Deluxe Edition ist als 2-CD Digipak und zusätzlich mit verschiedenen limitierten farbigen Doppelvinyl-Versionen erhältlich. Darauf ist nicht nur das komplette Original-Album zu finden, sondern auch eine Bonus CD/Vinyl mit gleich 10 weiteren, bisher noch unveröffentlichten Tracks. 3 Tracks der Bonus-CD/Vinyl sind sogar brandneu. Da haben sich die Mädels nicht lumpen lassen.
Musikalisch bleiben sie ihrem Ziel und ihrem Stil treu, wie man an den vorab veröffentlichten Singles „The Road Is Ours“ und „You Can’t Handle Me“ deutlich heraushört. Und das ist auch gut so. Bei dem dritten neuen Song „Show Me What You Got“ höre ich so dermaßen MOTÖRHEAD raus, Lemmy würde hier mit Sicherheit im Video auftauchen, würde er noch leben.
Es macht einfach Spaß, den Schwedinnen zuzuhören. Auch die Neuauflagen aus „Heat Wave“ sind 1A gelungen. Mit den Akustikversionen der „Heat Wave“ Kracher „Driving In Style“, „Dog From Hell“ und „Sleep“ zeigen THUNDERMOTHER, dass sie auch die ruhigen Töne können. Normalerweise bin ich nicht so ganz ein Fan von Akustikversionen, ganz häufig werden es nur lahme Aufgüsse des Originals. Aber bei THUNDERMOTHER spürt man trotz der ruhigen und langsameren Version der Rockkracher die Energie und die Liebe zur Musik in jedem Ton. Und auch wenn ich „D-A-D“ im Gegensatz zu meinem Mann nicht viel abgewinnen kann, ist das Duett von „D-A-D“ Sänger Jesper Binzer und Sängerin Guernica Mancini ein echter Gänsehautsong, der mich sogar noch mehr packt als der Ursprungssong auf „Heat Wave“. Hammer!
Zu den beiden 3er Packs Neu und Akustik gesellt sich dann noch der Live 3er Pack bestehend aus „Give Me Some Lights“ („Roadfever“, 2015), „Thunderous („Rock’N’Roll Disaster“, 2014) und dem 2016er „Hellevator“.
Mit dem mehr als würdigen Abschluss „Rock’N’Roll Heaven“, für den sich wieder ein paar illustre Gäste eingefunden haben, nämlich kein Geringerer als Andreas Tyrone Dregen (BACKYARD BABIES, HELLACOPTERS) und BONAFIDE Sänger Pontus Snibb, ist das Album nach knapp eineinhalb Stunden und 23 knalligen Songs auch schon zu Ende. Eineinhalb Stunden Rock mit dem gewissen Extra.
Was Gitarristin und Bandgründerin Filippa Nässil seit der Neugründung 2017 mit Bassistin Majsan Lindberg, Drummerin Emlee Johansson und vor allem Sängerin Guernica Mancini, die mit ihrer bluesgetränkten Stimme jeden einzelnen Song veredelt, geschafft hat, ist wirklich einzigartig. Die Chemie zwischen den Bandmitgliedern ist so stimmig, das spürt und hört man sowohl live als auch auf den Studioalben. Das ist nur einer der vielen Gründe, warum die „Heat Wave Deluxe Edition“ eine absolute Empfehlung für alle THUNDERMOTHER Fans und solche, die es werden wollen, ist. Und eine klare Kaufempfehlung auch für diejenigen unter uns, die „Heat Wave“ bereits erworben haben. Zu den 9 Sternen von „Heat Wave“ schlage ich für die gelungene Deluxe Edition nochmal nen halben Stern drauf, einfach weil sich die Bonus-CD/Vinyl so richtig geil anhört und ich die Mädels einfach liebe.
Chapeau meine Damen und danke für die rockige Zeit.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

CD1
01. Loud And Alive
02. Dog From Hell
03. Back In ‘76
04. Into The Mud
05. Heat Wave
06. Sleep
07. Driving In Style
08. Free Ourselves
09. Mexico
10. Purple Sky
11. Ghosts
12. Somebody Love Me
13. Bad Habits

CD2
01. The Road Is Ours
02. Show Me What You Got
03. You Can’t Handle Me
04. Driving In Style (Acoustic)
05. Dog From Hell (Acoustic)
06. Sleep feat. Jesper Binzer (Acoustic)
07. Give Me Some Lights (Live)
08. Thunderous (Live)
09. Hellevator (Live)
10. Rock’n’Roll Heaven feat. Dregen & Pontus Snipp

Tänski

 

Nur ein kleiner Appetizer:

CONSTANCIA – Brave New World

Band: Constancia
Album: Brave New World
Spielzeit: 48:25 min
Stilrichtung: Melodic Hard Rock
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 18.06.2021
Homepage: www.facebook.com/ConstanciaSweden

Ab und zu geht man durch den Supermarkt, sieht eins von diesen abgepackten Sandwiches und denkt sich “Och, warum nicht, so als Snack für zwischendurch ist das doch immer ganz geil mit seiner Salami, seinem Käse und den Gürkchen”. Und dann merkt man beider zweiten Hälfte, dass man das doch im Vorfeld ein bisschen zu sehr romantisiert hat und genau so geht es mir oft mit AORigem Hard Rock. Synthesizer, große Melodien, kraftvoller Rock, klingt doch geil. Und dann kriegt man im Endeffekt doch die immer gleichen drei verschiedenen Synth-Sounds und eine von vier Harmoniefolgen, was gut ist, aber auch recht schnell ausgereizt ist.
Was soll ich sagen, ich hab mir die neue CONSTANCIA unter den Nagel gerissen und wurde in den ersten drei Tracks erstmal gefertigsandwicht. Jap, das vierte Album des 2007 gegründeten Quintetts aus Schweden markiert zuerst mal sein Revier. Heißt: fette Produktion, ausgeprägte Melodiösität, präsente Poly-Lead-Synths und tatsächlich angenehme Gitarrenlastigkeit auch in den Strophen, auf die viele Artgenossen ja zugunsten einer krasseren Steigerung gerne mal verzichten. Dazu ein definierter Rhythmus mit ordentlich Wumms, die klassischen Melodielines in nett gemacht; das ist keineswegs schlecht, alleine schon aufgrund des Sounds und der Professionalität aller Beteiligten, aber auch nicht herausragend.
Doch gerade, wenn man sich zu fragen beginnt, ob denn da noch irgendwas anderes kommt, beginnt “Brave New World” (Ich bin mir, nebenbei, nicht sicher, ob CONSTANCIA Huxleys “Brave New World” wirklich gelesen haben), seinen Ton (durchaus auch zum größeren Teil in meinem Hörverständnis) subtil zu ändern und entwickelt sich verstärkt zu einer Art QUEENSRYCHE/PRAYING-MANTIS-Kombination mit etwas vordergründigeren Synthesizern, die gerne mal ganz kleine Hörspiel-Einwürfe mit reinbringt, trotz cheesiger Tastenarbeit in den Gesangsmelodien vergleichsweise ernst ausfällt, den ein oder anderen dramatischen Unterton mit reinbringt und sich von den in den ersten drei Tracks praktizierten Standard-AOMHR-Standards (Adult Oriented Melodic Hard Rock – gut, oder?) ein Stück weit ablösen kann.
Das tut der Platte auf jeden Fall gut, bringt anfangs nicht unbedingt erwarteten Charakter ins Spiel und hebt (zumindest bei mir) das Hörgenuss-Level doch deutlich an. Selbst das ziemlich poppige “Stronger” behält sich in Sachen Gesangsmelodie so seine Seriosität. Und auch sonst tut sich noch was im relativ Midtempo-dominierten Album, mit dem schnellen, Spaß machenden “Titanium” oder mit der runtergebrochenen Strophe von “Open Your Heart”.

Fazit:
Nee, so ganz innovativ und musikalisch spektakulär ist “Brave New World” nicht. Das macht es jedoch wett durch eine starke Produktion, gute Bandleistung, eine souveräne Umsetzung der an sich ja doch auch Freude bereitenden AOR/Melodic-Hard-Rock-Trademarks und eine zeitweise Abkehr vom Cheese in etwas ernstere Gefilde. Reinhörempfehlung? Das auf jeden Fall. Denn wer die fröhlichere und die ernstere Seite dieses Genres gleichermaßen mag, der wird vermutlich nochmal etwas mehr Spaß an “Brave New World” haben als ich – und irgendetwas sagt mir, das Ding könnte mit der Zeit noch einen halben Punkt wachsen.

Anspieltipps:
“Stand Your Ground”, “Open Your Heart”, “Titanium” und “The Key”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Brave New World
02. Forget Me Not
03. Blame It On Love
04. Synchronistic
05. My Desease
06. The Key
07. Titanium
08. Stand Your Ground
09. Stronger
10. We Are Unbreakable
11. Open Your Heart

Jannis

TIMO TOLKKI’S AVALON – The Enigma Birth

Band: Timo Tolkki’s Avalon
Album: The Enigma Birth
Spielzeit: 58:43 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Frontiers Music srl
Veröffentlichung: 18.06.2021
Homepage: www.facebook.com/timotolkkisavalon

TIMO TOLKKI’S AVALON – Bereits 2013 wurde das Projekt um den Ex-STRATOVARIsten auf die Öffentlichkeit losgelassen und fuhr schon mit seinem Debut amtliche Charterfolge ein, die auf die Metal-Reputation Tolkkis einerseits und auf die Riege interessanter weiterer beteiligter Gesichter andererseits zurückzuführen war. Nun steht Album Nr. 4 vor der Tür, Gäste wie Fabio Leone und James LaBrie lassen abermals hoffen und die Regler stehen voll auf Glory.
Wie wir alle wissen, ist Tolkki ein absoluter Profi, der bei AVALON mit absoluten Profis zusammenarbeitet. Wie sieht nun das Endergebnis, “The Enigma Birth”, aus? Nun, professionell auf jeden Fall (Überraschung). Produktionstechnisch wäre allerdings tatsächlich ein bisschen mehr drin gewesen, das letzte Quäntchen Druck und Definiertheit fehlt und die Orchestersounds sind doch eine Nummer unter dem, was man von einem Projekt mit solchen Namen erwartet hätte. Nichtsdestotrotz kann man sich “The Enigma Birth” sehr gut anhören (und der geile STRATOVARIUS-Bass-Sound ist wieder dabei).
Musikalisch ist das Ding unbestreitbar orchestraler Power Metal mit dem ein oder anderen moderneren Synth (insbesondere bei “Beautiful Lie”), mit vergleichsweise hohem Anteil an weiblichen Vocals, die von Caterina Nix, Brittney Slayes und Marina La Torraca allesamt erfreulich un-pseudo-operesk und stark rübergebracht werden. Auch die Männerfraktion macht beim Gesang einen guten Job, wenngleich direkt der erste, ohnehin eher chaotisch-überladene Track “Enigma Birth” etwas unter den Vocals von YouTube-Sänger Pellek leidet, die in Lautstärke und Ausdruck ziemlich schwanken. Der äußerst amateurhafte Übergang vom Solo in den finalen Part (jeder Gitarrist sollte wissen, dass man nicht auf so einem Ton endet, wenn der Track anschließend so weitergeht) lässt jedoch darauf schließen, dass der Song eh unter Zeitdruck entstand und somit sein mögliches Potenzial letztendlich nicht erreicht hat. Mit “I Just Collapse” geht die Qualitätskurve dann aber gut nach oben, es stampft, macht Laune und Caterina lässt gesangstechnisch Nix anbrennen. Der weitere Verlauf des Albums erweist sich als souverän gemachter epischer Power Metal, zieht aber das Gefühl mit sich, man sei doch etwas zu routiniert ans Werk gegangen. Die Melodien sind effizient aber oft eher belangloser Standard, die Arrangements fett aber überraschend häufig nicht substanzvoll (als sei “fett” eigentlich das einzige Attribut gewesen, dass man bei ihrer Entwicklung im Sinn gehabt hätte). Vielleicht hat man sich bei “The Enigma Birth” zu sehr auf die erfolgsversprechende Formel “Bekannter Name im Bandnamen + bekannte Leute am Mic + fett + ein bisschen Disco + erste Hälfte der ersten Strophe in weniger dicht” verlassen und dabei immer mal wieder vergessen, dass all das Zutaten sind, die ein Album aufwerten, aber nicht alleinig tragen können.

Fazit:
Und so bleibt trotz und wegen der illustren Truppe der Beigeschmack, dass hier kompositorisch eigentlich mehr drin gewesen wäre als ein professionell klingendes Power-Metal-Album mit meist starken Vocals. Ja, die Bestandteile des Genres sind allesamt drin und souverän zu einem ordentlich epischen Ding zusammengebaut worden, aber Herzblut lässt sich in diesem Release doch weniger finden, als es gebraucht hätte, um musikalisch begeistern und nicht nur power-metallisch die Grundbedürfnisse befriedigen zu können.

Anspieltipps:
“I Just Collapse”, “Beautiful Lie” und “Master Of Hell”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Enigma Birth
02. I Just Collapse
03. Memories
04. Master Of Hell
05. Beautiful Lie
06. Truth
07. Another Day
08. Beauty And War
09. Dreaming
10. The Fire And The Sinner
11. Time
12. Without Fear

Jannis

DRAKKAR – Chaos Lord

Band: Drakkar
Album: Chaos Lord
Spielzeit: 50:36 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Punishment 18
Veröffentlichung: 26.03.2021
Homepage: www.facebook.com/drakkarmetal

DRAKKAR sind seit 1995 nicht mehr aus der italienischen Metalszene wegzudenken und haben bis heute 5 Alben und 4 EPs veröffentlicht. Eine stattliche Anzahl!
Leider sind mir die Italiener bis heute ziemlich durch die Lappen gegangen, was ich nun aber nachholen werden!
Nachdem man ein paar Jahre inaktiv war, von 2007 bis 2012, glückte das Comeback mit dem Album „When Lightning Strikes“.
Nun steht das neue, 6. Album „Chaos Lord“ in den Startlöchern und erneut haben die Jungs rund um die Masterminds Dario Beretta (Gitarre) und Davide Dell Orto (Gesang) extrem starke Power Metalsongs italienischer Prägung für die geneigte Hörerschaft zusammengestellt.
Mit dem Intro „The Dreaming City“ steigen wir in die neue Scheibe ein. Gut einleitend ebnet die Nummer den Weg zum ersten richtigen Song „Lords of a Dying Race“. Erdig und kraftvoll bahnt sich das Ganze seinen Weg und ist als Appetithappen bestens geeignet, um die Fans anzuspitzen.
Der Chorus sitzt perfekt, somit fräst sich das gute Stück direkt in die Gehirnwendungen!
Und apropos, auch die folgende, zukünftige Livegranate „Horns Up!“ und der Titteltrack „Chaos Lord“ sind ebenfalls direkt bestens konsumierbar.
Der Mittelteil wird dann ganz klar von „Through the Horsehead Nebula“ und „And he will Rise Again“ getragen. Vor allem letzterer ist eine episch und eingängige Power Metal Vollbedienung die Genrefans auf jeden Fall direkt zusagen sollte!
Über das flotte und eingängige „Firebird“ geht es dann schon in das letzte Drittel wo wir mit „The Pages of my Life“ einen eher nach Standardmetal tönenden Song und mit dem abschließenden, epischen „True to the End“ noch einen Anspieltipp finden.

Anspieltipps:

„Lords of A Dying Race”, “Horns Up!”, “Chaos Lord”, “And he will Rise Again” und “True to the End”

Fazit :

Na, da hat sich doch mein Ausflug in die Power Metalwelt von DRAKKAR auf jeden Fall gelohnt! Die Jungs spielen klassischen Power Metal der zwar nicht besonders innovativ ist, aber toll und klasse umgesetzt ist!
Die Produktion ist ebenfalls sehr ordentlich und alles tönt satt und kraftvoll aus den Boxen.
Von daher sollten Fans des Genres hier auf jeden Fall direkt Gefallen dran finden und sollten sich das Album nicht entgehen lassen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Dreaming City (Intro)
02. Lords of A Dying Race
03. Horns Up!
04. Chaos Lord
05. Through the Horsehead Nebula
06. The Battle
07. And he will Rise Again
08. Firebird
09. The Pages of my Life
10. True to the End

Video zu “Chaos Lord”:

Julian

SONIC HAVEN – Vagabond

Band: Sonic Haven
Album: Vagabond
Spielzeit: 54:28 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Frontiers Music S.r.l.
Veröffentlichung: 07.05.2021
Homepage: www.facebook.com/SonicHavenofficial

Inzwischen hat Langhans den Käfer als mein persönlicher Lieblings-Herbie abgelöst. Der Jung ist stimm- und kompositionstechnisch einfach eine Macht im Metal, präsent momentan natürlich vor allem durch seine Mitarbeit bei AVANTASIA, wo er perfekt aufgehoben und prägend ist. Allerdings ist Herbie auch ein Sänger, der zweifelsohne einen Platz an der Spitze einer eigenen guten Band mit Reichweite verdient hat. Den hat er momentan bei VOODOO CIRCLE inne, des weiteren bei FIREWIND und RADIANT und seit neustem bei SONIC HAVEN, zusammen mit Carsten Stepanowicz von RADIANT, Dominik Stotzem von BEYOND THE BRIDGE (wo Herbie ebenfalls vertreten war) und mit Andé Hilgers (RAGE). Klingt nach einem vielversprechenden Paket, insbesondere wenn man bedenkt, dass der Sound von Sascha Paeth gebaut wurde, wie in der Vergangenheit Sachen von AVANTASIA, KAMELOT und BEYOND THE BLACK.
Wie schon bei RADIANT ist auf “Vagabond”, dem ersten Album des Quartetts, vom ersten Song an klar, dass das hier ein Album aus dem Hause Langhans ist. Der Mann hat einen sehr charakteristischen Kompositionsstil, der auf große Emotionen mit musikalischem Tiefgang setzt, unterschiedliche Stimmungen vermitteln kann und dazu eben auch von einer grandiosen Stimme mit den klassisch AVANTASIAtischen breiten Backing Vocals getragen wird. Im Vergleich zu RADIANT stehen die Regler klar auf Power Metal – das macht Track 1 bereits unmissverständlich klar, ebenso Track zwei, “Back To Mad”, dessen Riff aber ein wenig mehr im Hard Rock verankert ist. “Keep The Flame Alive” ist warmer, orchester-angereicherter Uptempo-Power-Metal, der klingt, als sei er für den nächsten Wackentrailer geschrieben und mit seiner Feierlichkeit akut Bock macht, die Flame alive zu keepen. Düsterer kommt “The Darker Side” daher, mit einem Xylophon-Motiv, das aus irgendeinem CANDLEMASS-Song (ich glaube, von “Death Magic Doom“) entnommen sein könnte, als langsamer Stampfer mit Gehfehler beginnt und im zweiten Teil Fahrt aufnimmt. Wenig überraschend ist “I Believe” im Anschluss über weite Teile unbekümmerter Power-Metal-Wohlfühl-Spaß und “Save The Best For Last” verkackt einerseits in zweierlei Hinsicht (ist nämlich erstens Track acht von elf und zweitens ist Track elf auch nicht der beste des Albums), gewinnt aber als klassischer Feierlichkeitsfeuerzeugschwenker in bester AVANTASIA-Pomp-Gewandung.
“From White To Black” ist bis auf die Bridge primär Gute-Laune-Song und “Striking Back” holt den schwedischen Panzer aus der Garage und ist damit nicht der kreativste Song auf “Vagabond”, aber allemal live-tauglich!

Fazit:
Die Vermutung, dass man mit den Beteiligten kein schlechtes Album machen kann, hat sich bestätigt. “Vagabond” ist eine tolle erste Meldung, deren Songwriting erheblich von Langhans profitiert (so man seinen Stil denn mag), dabei je nach Song unterschiedliche Grundstimmungen zulässt und erwartungsgemäß stark gespielt ist. Power Metal von erlesener Qualität!

Anspieltipps:
“Back To Mad”, “Keep The Flame Alive”, “The Darker Side” und “Save The Best For Last”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Vagabond
02. Back To Mad
03. Nightmares
04. Keep The Flame Alive
05. End Of The World
06. The Darker Side
07. I Believe
08. Save The Best For Last
09. Blind The Enemy
10. From White To Black
11. Striking Back

Jannis

AUTUMN BRIDE – Undying

Band: Autumn Bride
Album: Undying
Spielzeit: 45:07 min
Stilrichtung: Symphonic Metal
Plattenfirma: Stamping Ground Rec
Veröffentlichung: 30.04.2021
Homepage: www.facebook.com/AutumnBrideBand

2016 eigentlich als Nebenprojekt gegründet bringen die deutschen Symphonic Metal Newcomer AUTUMN BRIDE nun ihr Debütalbum „Undying“ unter das dürstene Metalvolk.
Genretypisch steht hinter dem Mirko eine Frau, Sängerin Suzy die auch bei einer IRON MAIDEN Tribute Band aktiv ist, dies alleine ist ja schon Grund genug mal genauer rein zuhören, und auch der Rest der Band sind keine Unbekannte im Metalkosmos und sind in unterschiedlichen Thrash und Death Metalbands aktiv.
Ihre Version des Symphonic Metals wurde von so Größen wie PARADISE LOST, EVANESCENCE oder THE GATHERING beeinflusst was man bei der Debüt Single „Guardian Angels“, die schon 2019 erschien, direkt hören konnte.
Nun horchen wir aber mal in alle Songs des Debüts rein.
Angefangen beim Opener „The Path“. Und hier merkt man schnell das die angesprochenen Bandvergleiche ziemlich gut passen!
Eingängig und symphonisch geht es hier zur Sache ohne, dass es zu „trällerhaft“ wird!
Sängerin Suzy hat eine sehr angenehme Gesangsstimme die hier vielleicht noch etwas zu sanft rüberkommt, aber so ist der Song halt, sanft aber dennoch überzeugend.
Groovend und ebenfalls direkt sehr eingängig geht es dann beim anschließenden „Fear Devotion“ zur Sache. Vollkommen zu Recht wurde der Song als Videosingle ausgewählt!
Schnell weiter zum Titeltrack „Moonlit Waters“ der ebenfalls diesen Status zu Recht hat.
Beide kommen also direkt auf unsere Hitliste. Na so kann es doch weitergehen, oder?!
Joa, ganz kommen die nächsten Nummern nicht an die bisherigen Hits heran, aber man ist auch sehr weit weg von irgendwelchen Ausfällen. Guter Symphonic Metal halt der ordentlich hörbar ist, ohne großartig aufzufallen.
Auffallen tut dann wieder „Guardian Angels“ welches im Chorus wunderbar eingängig ist und sich metertief in die Gehörgänge frisst. So muss das sein!
Im letzten Drittel gibt es dann wieder guten Standard Symphonic Metal zu hören wo kein Song so richtig hervorsticht.

Anspieltipps:

„The Path“, „Fear Devotion“, „Moonlit Waters” so wie “Guardian Angels”

Fazit :

Na, da haben wir doch mal mit AUTUMN BRIDE einen hoffnungsvollen und erfrischenden Newcomer im Symphonic Metalgenre der dazu noch aus Deutschland kommt!
Versehen mit einem modernen Anstrich zockt sich die Truppe rund um Frontfrau Suzy ziemlich routiniert durch die Songs und hat insgesamt ein starkes Debütalbum abgeliefert welches sich Fans des Genres auf jeden Fall mal zu Gemüte führen sollten!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Path
02. Fear Devotion
03. Moonlit Waters
04. Shadows
05. Monsters
06. Ravenqueen
07. Guardian Angels
08. Undying
09. All of the Lights
10. Forelsket

Video zu “Moonlit Waters”:

Julian