MARYANN COTTON – Free Falling Angels

Band: Maryann Cotton
Album: Free Falling Angels
Spielzeit: 41:29 min
Plattenfirma: Pure Rock Records
Veröffentlichung: 15.06.2012
Homepage: www.maryannecotton.net

Maryann Cotton war wohl nicht die sympathischste Frau Großbritanniens, nämlich eine Serienmörderin, die mehr als 20 Personen (alles Mitglieder ihrer Familie bzw. ihre Liebhaber) mit Arsen vergiftete und dann selbst gehenkt wurde. Aber aus Schlechtem wird Gutes, denn sie inspirierte einen jungen Dänen zu seinem Künstlernamen. MARYANN COTTON, bürgerlich Jackie Patino, engagierte in seiner Band vier namhafte Musiker – Hal Patino (Bass), Pete Blakk (Gitarre), Sebastian Sly (Gitarre) und Snowy Shaw (Schlagzeug).

MARYANN COTTON’s Cover zu „Free Falling Angels“ zeigt deutlich, dass Jackie/MARYANN sich als Solokünstler sieht. Im Hintergrund eine Art Kathedrale. Das Ganze ist in Schwarz-Grau gehalten und wirkt düster.

Stimmlich reicht MARYANN COTTON beinahe an Alice Cooper heran, der ebenfalls jemand war, der ihn zu seiner Idee inspirierte. Seine Musiker sind sehr gut und mit Bedacht gewählt. Diese geben natürlich ihr Bestes, ist doch Jackie Patino der Sohn von Hal Patino und sie alle jahrelange Kollegen bei King Diamond. Die Routiniers legen sich richtig ins Zeug.

„Heaven Send For Me“ könnte am Anfang original Alice Cooper sein. Klingt stimmlich sehr gut und zu den restlichen Instrumenten spielt ein Klavier, was sehr passend ist. „Never Waste Land“ hat einen guten Bass- und Drum-Beginn. Auch hier guter Schock-Rock-Sound. Eingängig. Ab dann wird es weicher und ruhiger: „Crazy“ ist eine Ballade und Jackie Patino hat seine typisch knarzige Stimmlage nicht. Hört sich auch sehr gut an, stellenweise allerdings ein wenig, als hätte er eine verstopfte Nase. Tut aber keinen Abbruch. Auch „Get It On“ ist ein Song, den man, wenn man ihn zwei- bis dreimal gehört hat, mitsingen kann. „Night Train To Paris“ hat einen schönen Anfang mit Klavierklängen. Es wäre interessant zu wissen, wer es spielt. Auch dieses Lied ist ein wenig ruhiger und eine schöne Ballade. „Die In Britain“ und „Miss Misery“ werden wieder etwas schneller und knackiger. Danach folgt der Ohrwurm „Shock Me“, welches die erste Single-Auskopplung des Albums war. Hier kommen die Gitarren und der Bass sehr gut zur Geltung. Und natürlich steht der Gesang bei MARYANN COTTON im Vordergrund. Eine sehr gute passende Stimme zu dem Song! Bei „The One“ hat der Hörer das Gefühl, diesen Song schon hundertmal gehört zu haben. Kommt einem sehr bekannt vor. Ist nicht schlecht, sondern erscheint einfach vertraut. Bei diesem spielt Jackie/MARYANN ein wenig mit seiner Stimme, die z. T. professionell verzerrt wird und zusätzlich als Backgroundstimme eingespielt wurde. Zwischendrin ein schöner musikalischer Part. „Maryann“ ist eine schmusige Ballade, bei der einem das Herz aufgeht und hier kommen Bass, Gitarren und Schlagzeug sowie das ominöse Klavier herrlich zur Geltung.

Eine sehr gute Scheibe, die erfreut und knackig-rockige Klänge hat.

Anspieltipps: „Heaven Send For Me“, „Never Waste Land“, „Get It On“, „Night Train To Paris“, „Shock Me“, “Maryann”

Fazit :  Alles war schon mal, alles kommt mal wieder. Insgesamt ein würdiger Nachfolger für unseren hochverehrten Schockrocker Alice Cooper!

WERTUNG:

Trackliste:

1. Heaven Send For Me 3:55
2. Never ”Waste”Land 2:36   
3. Crazy 4:24
4. Get It On 3:39
5. Free Falling Angels 4:32
6. Night Train To Paris 4:48
7. Die In Britain 3:05
8. Miss Misery 3:19
9. Shock Me 3:17
10. The One 4:00
11. “Maryann“ 3:50

Sandra

AMERICAN DOG – Poison Smile

Band: American Dog
Album: Poison Smile
Spielzeit: 40:15 min
Plattenfirma: Bad Reputation
Veröffentlichung: 08.06.2012
Homepage: www.americandog.us

AMERICAN DOG gehören eindeutig zu der Gattung „Bad Ass Southern Rock´n Roll Bands“, die im Fahrwasser ihrer etwas bekannteren Gesinnungskollegen NASHVILLE PUSSY unterwegs sind und auch irgenwie wie eine Mischung aus MOTÖRHEAD und TED NUGENT klingen. Untätig war das Trio aus Columbus/Ohio seit ihrer Gründung 1999 nicht, denn sowohl fünf Studioalben, eine EP und drei Liveplatten gehen auf ihr Konto. Jetzt ist Album Nummer sechs an der Reihe, und das wurde auf den Namen „Poison Smile“ getauft. Zwei Jahre sind seit dem letzten Studiodreher „Mean“ ins Land gezogen, höchste Zeit also, um 10 neue Songs plus Instrumental nachzulegen. AMERICAN DOG sind seinerzeit von Ex-SALTY DOG und Ex-DANGEROUS TOYS Bassist Michael Hannon (b., v.) gegründet worden. Außerdem gehören noch Steve Theade (g.) und Michael Harris (d.) zur Band.

Mit „Devil Dog“ legen die Jungs gleich eine flotte Sohle aufs Parkett, hier werden die MOTÖRHEAD-Anleihen mehr als nur einmal deutlich, nur mit dem Unterschied, dass Shouter Michael Hannon eher in Richtung Blaine Cartwright (NASHVILLE PUSSY) tendiert. „Just Like Charlie Sheen“ ist ein cooler Rocker ganz in Southern Rock Tradition. „Old Dog, New Tricks“ markiert ganz klar ein weiteres Highlight, hier riffen die Jungs mit der Coolness alter ZZ-TOP, nur eben härter. Für mich der beste Song auf „Posion Smile“. „The Real Nitty Gritty“ ist aber auch nicht zu verachten, und so fällt mein Fazit nach den ersten vier Stücken äußerst positiv aus. Das anschließende Instrumental „2012 A.D.“ hätte ich den Amis so gar nicht zugetraut, denn obwohl sie ihre Trademarks freisetzen, agieren sie hier ziemlich einfühlsam. Mit der tickenden Uhr endet dieses Instrumental und beginnt gleichzeitig der Titelsong. Hier haben AMERICAN DOG wohl ein bisschen den illegalen, lustigen und bunten Substanzen gehuldigt, denn hier ist der Name Programm. „Lust And Greed“ kann nicht an die vergangenen Songs anstinken aber schon mit „Bathroom Romance“ ist man wieder voll auf Kurs. Das flotte „Splinterin Sally“ kann wieder getrost unter der Rubrik Füller abgeheftet werden bevor man mit den beiden letzten Songs „Off The Chain“ und der CRAMPS Coverversion„Can Your Pussy Do The Dog?“ einen versöhnlichen Abschluß hinbekommt.

Das sechste Album der Südstaatler AMERICAN DOG glänzt in weiten Teilen mit richtig cooler Mucke, die man getrost zur nächsten Grillparty auflegen kann. Und sogar einen richtigen Hit hat das Trio anno 2012 komponiert, denn „Old Dog, New Tricks“ ist wohl ein Reßer, der sowohl aus der heimischen Anlage als auch auf der Bühne den Schweiß tropfen lassen wird. „Poison Smile“ ist auf jeden Fall eines der konstantesten Alben der Band und macht nicht nur zur Grillsaison Spaß.

WERTUNG:

Trackliste:

1.Devil Dog
2.Just Like Charlie Sheen
3.Old Dog, New Tricks
4.The Real Nitty Gritty
5.2012 A.D.
6.Poison Smile
7.Lust And Greed
8.Bathroom Romance
9.Splinterin Sally
10.Off The Chain
11.Can Your Pussy Do The Dog?

Stefan

BURNING CROWS – Never Had It So Good (EP)

Band: The Burning Crows
Album: Never Had It So Good
Plattenfirma: Eigenvertrieb
Veröffentlichung: 2012
Homepage: www.theburningcrows.com

Die britische Formation THE BURNING CROWS verbindet die Vergangenheit so gekonnt mit dem Hier und Jetzt, dass man meint, hier können nur alte Hasen am Werk sein. Dass der Vierer aber erst jüngst seine erste EP aufgenommen hat, scheint schier unmöglich. Ich habe keine Ahnung mehr, wie ich auf die Band aufmerksam wurde, aber seitdem laufen diese 5 Songs bei mir auf Dauerrotation und ich möchte fast behaupten, dass diese Band mit ihren Kollegen wie z.B. JETTBLACK die Insel in Sachen Rock´n Roll wieder ganz weit nach vorne bringen kann. Aber zäumen wir das Pferd nicht von hinten auf.

THE BURNING CROWS bestehen aus Sänger Whippz, Gitarrist Lance Daniels, Bassist Will Lockett und Drummer Chris Chapman. „Never Had It So Good“ wurde von Nick Brine (THE DARKNESS, BRUCE SPRINGSTEEN) in den Rockfield Studios in Wales aufgenommen und der hat dem Quartett einen ordentlichen Sound verpasst, der keine Wünsche offen lässt.

Mit „Slow Up, Get Down“ beginnen die Jungs fast schon sleazig und geben ein Wahnsinnstempo vor. Eher weniger, was den Speed des Songs selbst angeht, aber die Nummer geht sofort ins Blut und will einem nicht mehr aus dem Kopf. Gleiches gilt für das coole „You, Me, Tonight“, das noch mehr in die Gute-Laune Richtung tendiert. Hier ist Party angesagt. Dass es die Band aber auch draufhat, einen Gang zurückzuschalten, ohne dabei langweilig zu werden, beweist „Time“, das auch mit QUIREBOYS-Tastenmann Keith Weir aufgepeppt wurde. Hier werden auch die Parallelen zu Manager Matt Goom klar, denn er ist auch Drummer der QUIREBOYS. „Going Down“ ist etwas härter ausgefallen was die Gitarren angeht, wartet aber dennoch mit jeder Menge Melodie auf. Das abschließende „Best Damn Everything“ packt dann noch eine Schippe Metal drauf und ist die härteste Nummer auf der EP.

„Never Had It So Good“ kann man nicht in eine Schublade stecken, denn von lässigen Rock´n Roll Songs bis hin zu relativ modernem Heavy Metal ist hier alles vertreten. Das unterstreicht die Vielseitigkeit der Briten und ich bin gespannt, wie sich das in Zukunft herauskristallisieren wird. Wohin der musikalische Weg von THE BURNING CROWS auch gehen wird, ich bin mir sicher dass der Erfolg die Band ganz sicher bergauf begleiten wird. „Never Had It So Good“ ist eine sehr abwechslungsreiche und zutiefst professionelle EP von einer Band mit massig Potential. Denkt an meine Worte!

WERTUNG:

Trackliste:

1.Slow Up, Get Down
2.You, Me, Tonight
3.Time
4.Going Down
5.Best Damn Everything

Stefan

THE POOR – Round 1&2

Band: The Poor
Album: Round 1&2
Spielzeit: 73:10 min
Plattenfirma: Bad Reputation
Veröffentlichung: 19.11.2011
Homepage: www.thepoor.com.au

Das nenne ich Value for money, was die THE POOR hier bieten. Eine CD prall gefüllt mit 22 Songs und einer Laufzeit von 73 Minuten – das ist doch was. Aber was hier als pralles Package angeboten wird, hat eigentlich eine eigene Geschichte, denn die Australier haben sowohl „Round 1“ als auch „Round 2“ ursprünglich in den Jahren 2009 und 2010 einzeln veröffentlicht. Allerdings waren die Platten in Europa bisher nicht erhältlich und so hat sich das französische Label Bad Reputation die Rechte dafür geschnappt und bringt jetzt das volle Brett für alle POOR-Jünger in die Läden.

THE POOR waren bis 1993 unter THE POOR BOYS unterwegs und haben ihren Namen erst zum Release ihres Debüts „Who Cares“ verkürzt. Dieses Album – zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt veröffentlicht, wenn es um Hardrock geht – brachte nicht nur ihren Hit „More Wine Waiter Please“ hervor sondern noch eine ganze Anzahl an coolen Songs zu denen ich z.B. „Man Of War“ oder „“ zähle. Aber nach diesem einen Album war leider auch schon wieder Schluß, denn die Jungs lösten sich nach der Single „Simple Livin“, bevor es erst 2008 wieder die ersten Aktivitäten gab. Schlagzeuger James Young wurde durch Gavin Hansen ersetzt und der Rest der Bande ist mit Anthony „Skenie“ Skene (v.), Julian Grynglas (g.) und Matt Whitby (b.) in Orignalbesetzung am Start.

Eigentlich müsste dieser Tonträger „Round 2 & 1“ heißen, denn die ersten 11 Stücke darauf stammen vom neueren „Round 2“ Album. THE POOR haben sich schon immer von ihren Landsleuten AC/DC, ROSE TATTOO und sonstigen Riff-Rockern abgegrenzt, denn sie haben nichts und niemanden kopiert sondern sind mit ihrer ungestümen Power einfach nach vorne geprescht. Sänger Anthony „Skenie“ Skene hebt sich dabei auch schön vom Einheitsbrei ab und ist mit seiner energischen aber doch abwechslungsreichen Stimme ein Markenzeichen der Band.

„Black´n Blue“ bereitet dem Hörer einen Kavalierstart in die Scheibe, denn hier wird alles plattgemacht, ohne auf zuviel Eingängigkeit zu achten. Ganz anders kommen da schon die folgenden Nummern „Blood“ oder „Trouble“ daher, denn hier verbinden die Aussies Power mit Melodie und der unvergleichlichen Gelassenheit aus Down Under. Weitere Anspieltipps auf „Round 2“ sind das lässige „Rock´n Roll Survivor“ oder das Rock´n Roll Gewitter „Anna´s Old Man“. Zwischenfazit nach ca. der Hälfte der Stücke: neben einigen Songs, bei denen der Gaul mit den Jungs etwas durchgeht kann der Silberling mit durchaus hochwertigem Material glänzen.

„Round 1“ beginnt ähnlich wie sein Nachfolger mit räudigem Liedgut, denn „Kill My Faith“ rockt ohne Rücksicht auf Verluste los, bevor man mit „Last Laugh“ oder „House“ wieder etwas die Zügel anzieht – zumindest für die Verhältnisse von THE POOR. Was auffällt ist, dass der Sound noch etwas härter und zeitgemässer ausgefallen ist wie beim neueren Release. Was ich Euch noch empfehlen möchte, sind Nummern wie „Don´t Know What You´re Missing“ oder Demoversion von „Can´t Feel A Thing“ (das eigentlich schon kurz nach dem „Who Cares“-Album aufgenommen wurde), die ich als Highlights der zweiten Hälfte der Scheibe ansehen würde.

Rückblickend kann man also feststellen, dass THE POOR bei der zweiten Runde wieder mehr in die Vergangenheit tendieren und mehr Platz für Hardrock im eigentlichen Sinne lassen. Aber auch die erste Runde hat ihre starken Momente und somit möchte ich dieses prall gefüllte Scheibchen allen Liebhabern von gepflegter Leck-Arsch-Attiiüde, deftigen Bratgitarren und whiskeygetränkten Stimmen ans Herz legen. Tolle Sache!

WERTUNG: 

Trackliste:

1.Black´n Blue
2.Blood
3.Trouble
4.Bad Taste
5.Anna´s Old Man
6.Rock´n Roll Survivor
7.Jesus
8.Kiss My Arse
9.Nothin To Say
10.Grave
11.Which Part Of No Don´t You Understand
12.Kill My Faith
13.Death Of Me
14.Last Laugh
15.House
16.No One´s Home
17.Prisoner Of Fools
18.Don´t Know What You´re Missing
19.Love Isn´t On Again
20.Guardian Angel (Demo)
21.Can´t Feel A Thing (Demo)
22.Goodbye (Demo)

Stefan

JORN – Bring Heavy Rock To The Land

Band: Jorn
Album: Bring Heavy Rock To The Land
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 01.06.2012
Homepage: www.jornlande.com

Es gibt einige Konstanten im Metal-Business, auf die kann man sich einfach verlassen. Da hätten wir den guten AXEL RUDI PELL, der in relativ kurzen Abständen immer wieder neue Hämmer vor den Latz knallt, dabei wenige Experimente macht und immer wieder aufs Neue überzeugen kann. Ähnlich verhält es sich mit dem Norweger JORN LANDE, der wohl zu den markantesten Sängern der Neuzeit zählt. Auch er hat das Talent, obwohl er am Grundsound überhaupt gar nichts verändert, immer wieder fesseln zu können. Und obwohl mir Platten wie eine Best Of („Dukebox“), eine Live-Scheibe („Live In Black“) oder ein Tribute-Album („Dio“) eher übel aufgestoßen sind, besinnt sich der Gute anno 2012 wieder auf seine Stärken und präsentiert ein neues Studioalbum mit dem pathetischen Titel „Bring Heavy Rock To The Land“.

Nach einem Intro walzt der Titelsong den Hörer mit seinen fast 7 Minuten gnadenlos nieder. Hier werden gleich Parallelen zu „Spirit Black“ klar, auch hier bediente man sich an einem ähnlichen Rezept. Dennoch ist dies ein Einstieg nach Maß. Der Anfang von „A Thousand Cuts“  lässt gleich Vergleiche zu MANOWAR´s „The Power Of Thy Sword“ auf deren 1992er Album „The Triumph Of Steel“ wachwerden. Auch hier wetzt der Meister seine heiße Klinge, bevor es stampfend in den Song geht. Auch hier hängen Gitarren tief und das Riffing ist ein Killer. Über die stimmlichen Künste des Meisters brauche ich wohl keine Worte verlieren. Wo JORN drauf steht, ist auch JORN drin. Bei der Cover-Version von CHRISTOPHER CROSS´ „Ride Like The Wind“ hat man sich aber etwas verzettelt. Denn an die Version von SAXON kommt man hier mitnichten heran. „Cahins Around You“ gibt ordentlich Gas und lädt zum amtlichen Kopfschütteln ein. Das fast schon balladeske „The World I See“ bietet einen willkommenen Ruhepol dazu. „Time To Be King“ mutet zumindest textlich fast schon an, als wären die Lyrics von Joey DeMaio himself verfasst worden. Und hätte JORN nicht seinen relativ eigenen Sound, könnte der Song wirklich als einer der ehemaligen Kings Of Metal durchgehen. Auch die folgenden Nummern „Ride To The Guns“ und „I Came To Rock“ sind ähnlich gehalten. Möchte ja jemand am bröckelnden Thron der Amis kratzen?

Nach dem Motto „Never change a winning team“ wurde das neue Werk zusammen mit Tommy Hansen in den dänischen Jailhouse Studios realisiert.

JORN beweist auf seinem neuen Album, dass er nach dem ganzen Brimborium der letzten Jahre in der Lage ist, ein tolles Rock/Metal Album zu kreieren. Dass er dabei mit erhobenem Zeigefinger in missionarischer Manier versucht, die Leute zumindest textlich zum Rock´n Roll Livestyle zu bekehren, ist eine Gradwanderung, die schnell in die Hose gehen kann – siehe MANOWAR. Musikalisch und stimmlich aber wird hier einiges geboten und somit ist mir dieses Werk doch satte 8,5 Punkte wert.  

WERTUNG:

Trackliste:

1.My Road
2.Bring Heavy Rock To The Land
3.A Thousand Cuts
4.Ride Like The Wind
5.Chains Around You
6.The World I See
7.Time To Be King
8.Ride To The Guns
9.Black Morning
10.I Came To Rock

Stefan

SEPTEMBER MOURNING – Melancholia

Band: September Mourning
Album: Melancholia
Spielzeit: 35:30 min
Plattenfirma: Repo Records
Veröffentlichung: 18.05.2012
Homepage: www.septembermourning.com

Emily Lazard, die sich hinter SEPTEMBER MOURNING verbirgt,  ist eine phantasievolle Frau. Gemeinsam mit Comic-Zeichner Marc Silvestri hat sie SEPTEMBER MOURNING entwickelt. Die Musik erzählt ganze Märchen und diese werden auch in Comics verpackt. SEPTEMBER ist in der Zwischenwelt zwischen Lebenden und Toten gefangen. Diese „Erfahrungen“ hat sie vertont. Immerhin stand SEPTEMBER MOURNING bereits mit Marylin Manson auf einer Bühne.
Auf dem Cover ist SEPTEMBER MOURNING, also Emily Lazard, zu sehen. Da Emily/SEPTEMBER eine hübsche Frau ist, ist es natürlich ansprechend. Emily hat einen roten Schmetterling auf der Hand, der im Abflug inbegriffen ist.

Eine gute Stimme hat sie, die Lazard. Kräftig und volltönend. Ihre Musiker scheinen auch etwas von ihrem Handwerk zu verstehen. Klingen sehr melodisch.

Das erste Lied ist eine Einladung, sich von der Geschichte verführen zu lassen. Zarte Klänge und eine liebliche Stimme sind gemischt mit kräftigem Schlagzeug und harten Gitarrenriffs. Nummer 3 („Always“) startet mit Keyboardklängen und Drum-/Bass-Section. Lazard dagegen singt lieblich mit hoher Stimme. „Fallen“ ist eine nette Fortsetzung der Liederserie. Sehr melodisch und mit Erinnerungswert. Eine musikalische Einlage von Keyboard und Gitarren versüßt den Song. Keyboardbeginn bei „Love Is War“. Hier singt Emily Lazard etwas derber und zeigt, dass sie auch anders klingen kann als nur lieblich. Ihre eigene liebliche Stimme wurde bei diesem Song mit ihrer eigenen derben Stimme unterlegt. „Lost Angels“ – die verlorenen Engel. Sie dürfen auf einem solchen Album natürlich nicht fehlen! Lazards Stimme wird stark hervorgehoben. Ein ruhiger Gitarrenbeginn bei „Crimson Skies“. Dann steigt Emily Lazard mit ihrer sanften Stimme ein. Schließlich hämmernde Drums, Lazards Stimme steigert sich bis zur Röhre. Dazu dröhnende Bassriffs. Das Konzept wiederholt sich während des Liedes immer wieder.  Bei „Seal Your Fate“ wechselt sich Lazard mit jemandem ab – sanfte Stimme/derbe Stimme. Bei „Beyound The Graveyard“ wieder sehr melodische Klänge. Ein harmonisches Stück, bei dem Instrumente und Stimme gut miteinander auskommen.

Ein Album, bei dem Stimme und Musik gut zueinander passen. Fantasy-Fans werden sicherlich begeistert sein. Die Texte sind einfach romantische Märchen.

Anspieltipps: „Lost Angels“, „Crimson Skies“, „Seal Your Fate“

Fazit :  Wer etwas für Phantasiereisen übrig hat und sich gern in die Zwischenwelt entführen lassen möchte, der ist mit diesem Album sehr gut bedient. Mir persönlich ist es ein wenig zu poppig, zuviel zartes Stimmchen und zuwenig authentisch. Für Hörer, die ehrlichen Rock n’ Roll zu schätzen wissen, ist das Album weniger interessant.

WERTUNG: 


Trackliste:

1.    Go For The Throat 4:04
2.    A Place To Call Your Own 3:08
3.    Always 3:55
4.    Fallen 3:53
5.    Love Is War 3:07
6.    Lost Angels 3:50
7.    Crimson Skies 4:54
8.    Seal Your Fate 3:25
9.    Beound The Grave 3:51
10.     Lost Embrace 3:23

Sandra

RATTLESHAKE – Rattleshake

Band: Rattleshake
Album: Rattleshake
Plattenfirma: Eönian Records
Veröffentlichung: 10.04.2012
Homepage: www.rattleshakemusic.com

RATTLESHAKE waren eine weitere Band aus dem Großraum San Francisco, die es Ende der Achtziger bzw. Anfang der Neunziger nicht geschafft haben, einen der vielen Plattenverträge an Land zu ziehen. Und das obwohl die Jungs um Shouter Don McBee für Größen wie WINGER, TESLA oder WARRANT den Anheizer spielen durften. Am Songmaterial sollte es nicht gelegen haben, was jetzt der Release eines 7-Trackers beweist.

Natürlich gab es speziell zu dieser Zeit unzählige Combos, die ähnliche Mucke machten, zudem tönt Don McBee wie der Klon von Axl Rose und Konsorten. Aber schon der Opener „Shootin´ Whiskey“ lässt die Power von RATTLESHAKE aus dem Sack. Die perfekte Mischung aus Sleaze und Power. Die Jungs waren bei Leibe keine reinen Poser, dafür war ihre Musik zu hart. Auch „Gypsy Queen“ hat ein gewissen Hitpotenzial, zumindest wenn man auf die Hairspray-Ära steht. Mit „Take Me Down“ fallen die Jungs etwas ab und auch „Mudbone Delight“ kann den Standard nicht halten. „Jump On Me“ lässt aber wieder richtig schön den Dreck spritzen, bevor es mit „Never Say Goodbye“ in die Balladenabteilung geht. Der abschließende „Rattleshake Boogie“ ist auf Party getrimmt, kann mich aber nicht so ganz überzeugen.

Was bleibt, ist ein schöner Trip zurück in die goldene Zeit des Hairspray-Rock auf dem Rücken einer unverbrauchten Band, die durchaus den ein oder anderen Hit vorzuweisen gehabt hätte. Der Sound ist für die übliche Demoaufbereitung ganz ok, denn manche Produktionen dieser Tage sind auch nicht viel besser. Natürlich kann man bei gerade mal 7 Songs nicht davon sprechen, dass der Platz auf dieser CD gut ausgenutzt wurde, somit dürfte auch der Preis dieses Silberlings darüber entscheiden, ob Ihr Euch RATTLESHAKE ins Regal stellt.

WERTUNG:

Trackliste:

1.Shootin´ Whiskey
2.Gypsy Queen
3.Take Me Down
4.Mudbone Delight
5.Jump On Me
6.Never Say Goodbye
7.Rattleshake Boogie

Stefan

RICHARD MARX – Inside My Head

Band: Richard Marx
Album: Inside My Head
Spielzeit: 49:75 min
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 01.06.2012
Homepage: www.richardmarx.com

Schmuserocker RICHARD MARX ist kein Unbekannter. Die meisten werden ihn schon mal gehört haben – im Radio, im Supermarkt… Ganz unbewusst. Oder eben auch ganz bewusst auf dem eigenen CD-Spieler oder, früher, Plattenteller. Denn sein erstes Studioalbum hat RICHARD MARX 1987 veröffentlicht. Und seitdem in schönster Regelmäßigkeit. Das letzte 2010. Geboren wurde MARX in Chicago als Sohn eines musikalischen Künstlerpaares. 
Auf dem Cover seines neuen Albums ist RICHARD MARX selbst zu sehen, in Foto-Pose stehend und ernst blickend.

Stimmlich gesehen ist an „Inside My Head“ nichts auszusetzen. Auch die musikalische Untermalung ist von Profihänden, das hört man. Natürlich ist das gesamte Album sehr schmusig. Dem Stil ist er treu geblieben, die Marke „Schmuserocker“ ist geblieben. Die Alben, bei denen Kinder gezeugt werden, sterben eben nie aus.

Es beginnt mit „Inside My Head“ und der Opener (und Titelsong) stimmt auf das Album ein. Ist einfach bezeichnend, dass sich in all den Jahren nichts groß geändert hat. „Wouldn’t Let Me Love You Now“ klingt zum Teil wie ein großes Orchester, fast schon mit Hymnencharakter. Das dritte Lied des Albums „Like Heaven“ ist ebenfalls sehr eingängig und reizt zum Mitsingen. „On The Inside“ werden etwas flottere Töne angeschlagen. Schöne Gitarrenklänge werden gespielt. Bei „Through My Veins“ ein Piano-Beginn, sehr gekonnt. Dazu trauriger Gesang, der unter die Haut geht – oder durch die Venen… Auch bei „Loved“ zuerst Klavier und dazu sanfter Gesang. In dem Song verfällt RICHARD MARX zum Teil in äußerst hohe Stimmlagen. Man fühlt sich ein wenig „weggetragen“ von der Musik. „Come On Running“ hat einen schaurigen Anfang, der sehr an Durchschnitts-Pop-Mucke erinnert. Leider geht es die ganze Zeit bei dem Lied so weiter. „All Over Me“ ist glücklicherweise schon wieder rockiger. Es spielen Gitarren und Drums und auch der Gesang klingt überzeugend. Leider auch wieder ein Pop-Ausfall bei „Scars“. Erholsamer dann wieder „Done To Me“. Flotter, rockiger, typischer… „Part Of Me“ schließt dann auch wieder mit einem schmuserockenden MARX.

Klassische RICHARD MARX-Scheibe. Die Pop-Rhythmen bei den beiden genannten Songs hätten meiner Meinung nach nicht auf das Album gemusst. Ansonsten „der alte MARX“, da beisst die Maus keinen Faden ab.

Anspieltipps: „Wouldn’ Let Me Love You Now“, „Like Heaven“, „On The Inside“, „Through My Veins“, “Loved”

Fazit :  Fans und Freunde von RICHARD MARX oder ähnlicher Schmuserocker werden das Album bestimmt mögen. Für die Begeisterten härterer Gangart zu weich. Ist eben Geschmackssache. Hat sicherlich auch gute Charts-Chancen.

WERTUNG:

Trackliste:

1.    Inside My Head 3:55
2.    Wouldn’t Let Me Love You Now 4:07
3.    Like Heaven 3:27
4.    On The Inside 3:21
5.    Through My Veins 4:54
6.    Always On Your Mind 5:10
7.    Loved 3:47
8.    Come Running 4:28
9.    All Over Me 3:30
10.     Scars 3:14
11.     Done To Me 3:55
12.     Over My Head 4:03
13.     Part Of Me 4:24

Sandra

THE SUICIDER – Four Reasons To Die

Band: The Suicider
Album: Four Reasons To Die
Spielzeit: 27:34 min
Plattenfirma: RDM Studios
Veröffentlichung: 2011
Homepage: www. suicider.ru

Die Band THE SUICIDER besteht aus  Michail „Veincutter“ Tatarinov (Gesang), Anton „Poisondrinker“ Brovkin (Gitarre), Ilya „Selfhanger“ MorozOFF (Gitarre),  Artem „Deepdrowner“ Averin (Bass) und Pavel „Selfshooter“ Polyanskiy (Schlagzeug). Die Gruppe kommt aus Russland.

Ein faszinierendes Cover haben sie geliefert mit den Schatten und ihren persönlichen vier Gründen zu sterben (nämlich vier bekannten Whiskey-Sorten). Diese vier Gründe zu sterben würden viele andere vermutlich eher als vier Gründe für eine Party ansehen. Es scheint, als hätten THE SUICIDER nicht die positivste Lebenseinstellung. Aber auch ihre selbstgewählten Nicknamen sagen ja schon viel aus.

Die Stimme von Michail „Veincutter“ Tatarinov hört sich sehr gut an. Von Zeit zu Zeit auch herrlich rau. Die Instrumente klingen insgesamt gut. Allerdings scheint es, als ob sich noch irgendwo zwischendrin ein weiteres versteckt, dass die Töne nicht richtig trifft und auch teilweise sehr schrill klingt. Das mysteriöse Instrument könnte durchaus etwas wie ein Synthesizer sein, der in dieser Musik wenig zu suchen hätte. Auch ein Keyboard wäre eine Option. Ansonsten klingt alles recht gut.

„The Sky“ zieht richtig rein, das ist ein geiler Opener. Das ist Rock n’ Roll! Die Stimme von Tatarinov röhrt sehr gut während des Songs. „Away“ fängt stark an. Nach einer Weile beginnt das „mysteriöse“ Instrument sehr schrill zu spielen und reisst etwas am Trommelfell, aber das ist nur eine kurze Zeit. Ein tolles Gitarrensolo schließt sich auch an. „These Days“ ist ein ruhiger Song und die Instrumente hört man schön raus (aber auch das „mysteriöse wieder, dass stellenweise begleitet). Einen tollen Bass- und Gitarrenbeginn hat „Empty Shell“. Der Bass haut machohaft rein und dröhnt wunderbar. Bei „The Suicider“ spielt Tatarinov mit seiner Stimme und probiert eine weitere Stimmlage aus, was gut gelingt. Beim letzten Song „ Cross My Heart And Hope To Die” klingt am Anfang stark das mysteriöse Instrument durch. Klingt für mich ein wenig wie eine Mischung aus DEPECHE MODE oder THE CURE. Trotzdem ist er durchaus ein Ohrwurm.

Etwas origineller und weniger depressiv darf es ja schon mal sein – hey, so schlimm ist das Leben doch gar nicht (!), aber ein guter Anfang ist es auf jeden Fall! Zu der Stimme und den Instrumenten würden Rock n’ Rolligere Texte besser passen als nur Depri.

Anspieltipps: „The Sky“, „Empty Shell“, „The Suicider“, „Cross My Heart And Hope To Die“

Fazit :  Eine gute und solide Scheibe. Trotz alledem wäre es interessant, was sich hinter dem  mysteriösen Instrument verbirgt und wer es spielt.

WERTUNG:

Trackliste:

1.    To The Sky 3:41
2.    Away 5:33
3.    These Days 6:06
4.    Empty Shell 5:01
5.    The Suicider 3:36
6.    Cross My Heart And Hope To Die 4:17

Sandra

CIRCUS MAXIMUS – Nine

Band: Circus Maximus
Album: Nine
Spielzeit:  59min
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 01.06.2011
Homepage: www.circusmaximussite.com

Lange Zeit wartet die Fangemeinde nun schon auf eine Neuerscheinung von den fünf Herren von CIRCUS MAXIMUS, doch das Warten hat sich gelohnt! Die lange Pause war wohl vor allem durch die Verletzungspause von Gittarist Mats Haugen bedingt, der unter einer krankhaften Sehnenentzündung beider Arme litt, dennoch zeigt sich, dass es dem Hörgenuss eines Albums durchaus entgegen kommt, wenn die Band ausreichend Zeit zur Verfügung hat. Allzu oft beobachtet man bei Bands mit Major – Lable – Deals einbußen bei der musikalischen Qualität, die dem Druck durch Releasezwang mit Neuerscheinungen teilweise im Zweijahresrhythmus geschuldet sind.
Die Jungs um Frontmann Michael Eriksen konnten sich jedenfalls ausreichend Zeit nehmen, um ihr drittes Album zu perfektionieren. Wer da rätselt, warum die Scheibe ausgerechnet den Titel „Nine“ trägt, ist mit Sicherheit nicht alleine. Was hinter dieser Namensgebung steckt, wird leider nicht klar.
Trotz einiger kleiner Veränderungen bleibt der durchaus charakteristische Sound von CIRCUS MAXIMUS auch auf diesem Album erhalten. Sphärische  Keyboardflächen treffen auf druckvolle Gitarrenriffs, die immer wieder mit diversen rhythmischen Raffinessen aufwarten. Und auch Michael Eriksen trägt mit seiner für Metalverhältnisse ungewöhnlich cleanen Balladenstimme einen großen Teil zum Wiedererkennungswert der Band bei.
„Nine“ beginnt nach einem kurzen Intro, dass von seiner düsteren sphärischen Art her sehr an THRESHOLD erinnert, direkt mit dem ersten Höhepunkt. „Architect of Fortune“ startet mit einem Instrumentalpart, der Erinnerungen an OPETH weckt. Düstere dissonante Gitarrenriffs werden von Mellotronstreichern begleitet, ehe der Song in einem sehr melodischen Gitarrensolo aufgeht. Progmetalfans kommen hier voll auf ihre Kosten: „AoF“ bietet selbst nach 10 – fachem Hören immer noch eine Menge Überraschungen.
Ein weiterer Song der heraussticht ist Song 5 mit dem Titel „Reach Within“ Auf einem nominellen Progalbum muss dieser Song auffallen, wartet er doch mit fast schon poppigen Melodieläufen auf. Ein ausgezeichneter Song fürs Radio, zu dem der gerne etwas kitschige Gesang von Eriksen hervorragend passt. Sicherlich Geschmacksache aber auch dieser Song kann besonders durch seine Gradlinigkeit punkten, die einen guten Kontrast zu eher komplexen Songs darstellt.
Der abschließende Song des Albums, „Last Goodbye“, beginnt mit einem Keyboardintro, dass eher einen Elektro/Trance Song erwarten lässt. Doch die Auflösung folg prompt durch das einsetzen der Akustikgitarre, gefolgt von einem Gitarrensolo, das es in Sachen Kitsch mit jeder BON JOVI Ballade aufnehmen kann. Wen das jetzt abgeschreckt hat, der lasse sich bitte nicht täuschen. Dieser Song ist die größte Wundertüte auf dem Album und bietet bei 10:22 Minuten Spielzeit eine Vielzahl von Wendungen.  
Auf dem ganzen Album  sind immer wieder diverse musikalische Einflüsse der Band zu erkennen. So sind speziell die Gitarrenriffs sehr stark aus der Zeit geprägt, als CM noch vorwiegend als Coverband unterwegs war und man hört wie schon auf den ersten beiden Alben immer wieder den Einfluss von DREAM THEATER heraus. Das äußert sich zum Beispiel in DT – typischen Unsisonoläufen von Keyboard und Gitarre. Das Anfangsriff von Song 7, „Used“, klingt wiederum leicht nach „Stockholm Syndrom“ von MUSE. Der Opetheinschlag wurde ja bereits erwähnt. Doch alle diese Einflüsse nutzt CM hervorragend, um einen sehr eigenen Sound daraus zu Basteln, ohne die anderen Bands zu kopieren. Sehr positiv ist hierbei anzumerken, dass CM sehr gut die Waage hält, zwischen ausladenden komplexen Instrumentalparts, die dem geneigten Ohr jede Menge zu Entdecken bieten und melodiösen Auflösungen, die eine Pause vom angestrengten Zuhören ermöglichen und einen einladen, die Musik einfach auf sich wirken zu lassen. Das trägt dazu bei, dass das Album jederzeit, zu jeder Gelegenheit auch gut im Hintergrund hörbar ist.

Fazit: Nach vielen Enttäuschungen seitens meiner Lieblingsbands kommt hier von Circus CIRCUS MAXIMUS ein Album, dass mich einfach umgehauen hat. Fans kommen auf ihre Kosten und Neulinge auf den Geschmack. Virtuose Soli folgen auf feine Melodieläufe und werden getragen von treibenden Gitarrenriffs. „Nine“ bietet vielen unterschiedlichen Musikgeschmäckern etwas. Und in allem steckt eine ausgewogene Portion progressiver Elemente. Spieltechnisch sind die Norweger ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Ich werde meine Ohren jetzt wieder in meinen Kopfhörern verstecken. Wer reinhören möchte sollte sich auf jeden Fall „Architect of Fortune“, „Reach Within“ und „Last Goodbye“ vornehmen.

WERTUNG: 

Trackliste:

1.„Forging“
2.„Architect Of Fortune“
3.„Namaste“
4.„Game Of Life“
5.„Reach Within“
6.„I Am“
7.„Used“
8.„The One“
9.„Burn After Reading“
10.„Last Goodbye“

Volker