BRITNY FOX – Boys In Heat (Klassiker der Woche)

Band: Britny Fox
Album: Boys In Heat
Spielzeit: 51:19 min.
Veröffentlichungsjahr: 1989
Plattenfirma/Vertrieb: Columbia/CBS
Stilrichtung: Hardrock/Sleaze

So schwer ist mir die Auswahl eines Albums für diese Rubrik noch nie gefallen. War BLACK´N BLUE schon eine schwere Geburt, schwankte ich bei BRINTY FOX wochenlang zwischen dem Debüt und dem zweiten Album „Boys In Heat“. Nun hat es tatsächlich die 1989 erschienene Langrille „Boys In Heat“ geschafft, nicht zuletzt wegen ihres Überhits „Stevie“ und der Tatsache, dass diese Nummer früher zum Standard unserer Rockdisco gehörte. Aber mal der Reihe nach, denn zuerst wollen wir ein wenig auf die Anfangstage dieser Band aus Philadelphia eingehen.

Im Sommer 1985 fiel der Startschuß für die Jungs, indem Sänger Dean Davidson Mitglieder für eine neue Band sucht und dabei auf die ehemaligen CINDERELLA-Mucker Michael Kelly Smith (g.) und Tony Destra (d.) trifft und zusammen mit Bassist Billy Childs die Runde komplett macht. Nach einem vielversprechenden Demo „In America“ krallt sich CBS Ableger Columbia die Combo und bringt 1988 die selbstbetitelte Premiere auf den Markt. Leider nicht mehr mit Tony Destra an den Drums, denn dieser hatte im Februar 1987 einen tödlichen Autounfall. Für ihn wurde Johnny Dee von WAYSTED verpflichtet.

Nach Heavy Rotation von „Girlschool“ und „Long Way To Love“ auf MTV verkaufte sich die Platte ca. eine Million Mal und war damit auch die kommerziell erfolgreichste von BRITNY FOX. Dass der im Jahr darauf folgende zweite Streich „Boys In Heat“ mit ungefähr der Hälfte verkaufter Einheiten zumindest in der Rubrik Absatzzahlen eine herbe Enttäuschung war, täuscht aber nicht darüber hinweg, dass der Sound der Jungs sichtlich gereifter und ausgefeilter aus den Boxen quoll und in Sachen Qualität durchaus gegen den Erstling anstinken kann. Allen voran natürlich das göttliche „Stevie“, aber auch der flotte Opener „In Motion“, das supermelodiöse „Long Way From Home“, das straighte „Standing In The Shadows“ oder die sehr gelungene NAZARETH Adaption „Hair Of The Dog“ zeichnen das Bild eines aufsteigendes Sterns.

Auch die Produktion von Neil Kernon ist allererste Sahne und up to date. Anschließend geht es mit ALICE COOPER und GREAT WHITE auf große Europatour, aber es kommt, wie es kommen muss. Nach einem Bandmeeting gibt es eine handgreifliche Auseinandersetzung zwischen Shouter Dean Davidson und Gitarrist Michael Kelly Smith, die darin gipfelt, dass Davidson seine 7 Sachen zusammenkramt und die Band verlässt. Neuer Sänger wird Tommy Paris, mit dem noch die echt gute Platte „Bite Down Hard“ eingezimmert wird, aber danach verstreuen sich die Bandmitglieder in sämtliche Winde.

Damit hätte das Kapitel BRITNY FOX auch besser geschlossen werden sollen, denn alles, was danach kam, war nur noch irgendein aufgewärmtes Gebräu, das mit dem Spirit der Zeit zwischen 1987 und 1991 rein gar nichts mehr zu tun hatte. „Boys In Heat“ ist neben dem Debüt eine der geilsten Platten dieser Ära und spricht für eine Band, die alles hatte, um so groß wie MÖTLEY CRÜE oder POISON zu werden.

Stefan

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STYX – Paradise Theater (Klassiker der Woche)

Band: Styx
Album: Paradise Theater
Spielzeit: 40:43 min.
Stilrichtung: AOR, Rock
Plattenfirma: A&M Records
Veröffentlichung: 19.01.1981
Homepage: www.styxworld.com

Die US-Amerikaner STYX sind eine der erfolgreichsten Rockbands der späten Siebziger und frühen Achtziger mit vier Platin-Alben in Folge. Den Anfang machte das am 7.7.77 veröffentlichte „The Grand Illusion“, gefolgt von „Pieces Of Eight“ (1978), „Cornerstone“ (1979) und „Paradise Theater“ 1981. Letzteres stellt bereits das zehnte Studiowerk der in den späten Sechziger als THE TRADE WINDS gegründeten Combo dar. Ab 1972 firmierte man als STYX, nachdem die Band einen Plattenvertrag bei Wooden Nickel Recordings unterschrieb. Schon damals hatte die Band aus Chicago ihre legendäre Besetzung mit James Young (vocals, guitars), Dennis DeYoung (guitars, keyboards) sowie den Brüdern Chuck (bass) und John Panozzo (drums). Mit Tommy Shaw stieß 1975 ein zweiter Sänger und Gitarrist zu STYX, der John Curulewski ersetzte.

Kurz zuvor wechselten STYX zu A&M Records. Nach zwei eher durchschnittlich erfolgreichen Alben kam es mit „The Grand Illusion“ zum großen Knall und die Band wurde über Nacht bekannt. Das ein Jahr später erschienene „Pieces Of Eight“ knüpfte qualitativ nahtlos an und nur ein Jahr später hatten STYX mit den beiden Singles „Boat On The River“ und „Babe“ aus dem dazugehörigen Longplayer „Cornerstone“ zwei weitere große Hits. Für das im Januar 1981 veröffentlichte Folgealbum „Paradise Theater“ ging man wieder dazu über, eine Geschichte um die komplette Platte zu bauen und so ein weiteres Konzeptwerk aufzunehmen.

Im Mittelpunkt steht ein fiktives Theater, dessen Geschichte von der pompösen Eröffnung bis hin zum Niedergang 30 Jahre später vertont wurde. Nach dem Intro „A.D. 1928“ startet „Rockin´ The Paradise“ wahrlich furios und herrlich frisch. Noch heute beginnen STYX ihre Konzerte mit diesem tollen Rocksong. „Too Much Time On My Hands“ bedient sich etwas bei der damals bereits im Sterben liegenden Discowelle, nicht ohne eigene Elemente einzubringen. Die Ballade „The Best Of Times“ war der erfolgreichste Song des Albums und wurde als letzte von 5 Singles ausgekoppelt. Der Anti-Drogen-Botschaft in „Snowblind“ wurde von der damals schon aktiven Präsidentengattin Tipper Gore unterstellt, teuflische Backward-Botschaften zu enthalten. Nur eines von vielen Hirngespinsten der anscheinend stark gelangweilten First Lady. Ein weiteres Meisterstück lieferten STYX mit „Half-Penny, Two-Penny“ ab, einem richtig starken Rocksong, der durchaus progressive Elemente in den Vordergrund stellte. Dieser geht nahtlos in das Outro „A.D. 1958“ über und ist für mich der stärkste Track, obgleich er nicht als Single ausgekoppelt wurde.

Viele wundern sich vielleicht, warum ausgerechnet „Paradise Theater“ zu der Ehre kommt, Klassiker der Woche zu werden und sehen sowohl „The Grand Illusion“ und „Pieces Of Eight“ als die stärkeren Alben an. Hier entschied einmal mehr die persönliche Bindung des Schreibers zu dieser Scheibe. Wenn eine Band so viele potentielle Klassiker vorweisen kann, wird es eben schwierig.

Trackliste:

01. A.D. 1928
02. Rockin´ The Paradise
03. Too Much Time On My Hands
04. Nothing Ever Goes As Planned
05. The Best Of Times
06. Lonely People
07. She Cares
08. Snowblind
09. Half-Penny, Two-Penny
10. A.D. 1958
11. State Street Sadie (CD-Bonus)

Stefan

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OVERKILL – The Years Of Decay (Klassiker der Woche)

Band: Overkill
Album: The Years Of Decay
Spielzeit: 56:24 min.
Stilrichtung: Thrash Metal, Heavy Metal
Plattenfirma: Megaforce Records
Veröffentlichung: 13.10.1989
Homepage: www.wreckingcrew.com

Jedes Mal, wenn die Retrospektive in den eigenen CD-Regalen gestartet wird und nach langer Zeit wieder das ein oder andere Schmuckstück aus den Reihen „fällt“, muss man sich eingestehen, dass heute alles gut, vieles aber früher noch besser war. Dieser Gedanke kreiste schon beim ersten Blick auf das großartige Coverartwork in den Gehirnwindungen. Im heutigen Fall weichen wir sogar ziemlich von der üblichen Schiene unseres „Klassiker´s der Woche“ ab. Nicht, weil das hier kein Klassiker wäre, aber doch um Längen härter ist als 99% aller bisher besprochenen Platten in dieser Rubrik.

OVERKILL´s Meisterwerk „The Years Of Decay“ muss heute herhalten und sich meiner Sezierung unterziehen. Dabei ist diese Scheibe von 1989 bei Leibe nicht der einzige Klassiker im Repertoire der Kapelle aus New York die bereits seit 1980 ihr Unwesen treibt. Schon das 1985er Debüt „Feel The Fire“ wird seinem Ruf als Klassiker gerecht. Mit melodischer, aber dennoch roher Gewalt erheben sich nicht zuletzt aufgrund von Bobby „Blitz“ Elsworth´s einzigartigem Gesang neun Granaten, die aber vor allem auch durch Bobby Gustavson´s variablem Gitarrenspiel geprägt werden. „Rotten To The Core“ ist auch der erste Hit der Band.

Danach gesellen sich mit „Taking Over“ 1987 und „Under The Influence“ 1988 noch zwei weitere bärenstarke Alben hinzu. Was die Amis aber 1989 mit „The Years Of Decay“ aufs Parkett zaubern, hat die Welt noch nicht gehört. Generell könnte man die Songs auf „The Years Of Decay“ in drei wesentliche Stile unterteilen: Thrash Metal, Punk und Doom Metal, jedoch nicht ohne den allgegenwärtigen OVERKILL Stil zu untergraben.

Da hätten wir das noch mit relativ klassischem Bandsound versehene Eröffnungsstück „Time To Kill“. Die Gitarren braten tief vor sich hin, der Bass summt hell darüber, die Drums strotzen nur so vor Kraft und Bobby´s Stimme ist das Bindeglied für diesen Wahnsinn. Auch „Elimination“ könnte auf einem der vergangenen Alben stehen und schlägt leicht punkige Töne an. Diesen Weg führt „I Hate“ noch konsequenter fort – ein Punksong vor dem Herrn.

Mit „Nothing To Die For“ streuen die Amis wieder einen Song ein, der an die bisherigen Alben erinnert, aber vor Spielfreude nur so strotzt. Das nächste richtige Highlight folgt mit „Playing With Spiders/Skullcrusher“. Der erste Teil ist instrumental gehalten. Mit schnellen Läufen beschwören OVERKILL eine Stimmung herauf, die auch aus „Arachnophobia“ oder ähnlichen Horrorstreifen stammen könnte, der von achtbeinigen Tierchen handelt. Die beklemmende Stimmung wird aber durch den doomigen zweiten Part „Skullcrusher“ noch verstärkt. Tiefer die Gitarren nie klingen ist hier das Motto und die Amis machen allen Kollegen, die sich dem Slowmotion-Metal verschrieben haben, alle Ehre. Der kraftvolle Sound tut sein übriges – die Drums klingen, als wären sie in einem riesigen Flugzeughangar aufgenommen worden.

Nach diesen intensiven gut zehn Minuten muss man sich erstmal abschütteln. Das funktioniert am Besten mit dem flotten „Birth Of Tension“, bei dem das erste Mal überhaupt Double-Bass Einlagen zu hören sind. Mit „Who Tends The Fire“ folgt schon der nächste Höhepunkt – eine weitere Nummer, die tief im Doom verwurzelt ist. Langsam baut sich eine klaustrophobische Atmosphäre auf um dann stoisch vor sich hin zu walzen. Ein weiterer Song, der seine Dauer spielend über acht Minuten hievt – und das ohne eine Sekunde langweilig zu werden. Das ist wahrhaft große Kunst.

Mit einer annähernd langen Spielzeit kommt der darauf folgende Titeltrack daher. Ein Protoyp einer Ballade, die aber dennoch alle Zutaten von OVERKILL beinhaltet. Zu guter Letzt gibt es mit „E.vil N.ever D.ies“ einen Nackenbrecher erster Güte, bei sich alle Bandmitglieder so richtig schön austoben können. Nicht ohne natürlich ein weiteres schwarzgefärbtes Intro bzw. einen langsamen Mittelteil einzubauen, der ein Riff zugegebenermaßen beim eigenen Stück „Who Tends The Fire“ klaut und am Schluß mitten im Schrei von Bobby Elsworth abgeschnitten wurde. Ein promptes Ende (jaja – ACCEPT´s „Princess Of The Dawn“ lässt grüßen), das den Hörer nach einer knappen Stunde einzigartigen Heavy Metals nach mehr lechzen lässt.

Mit „The Years Of Decay“ ist OVERKILL damals ein wichtiges Statement gelungen, das sie zumindest für kurze Zeit in die Nähe des Heavy Metal Throns katapultiert hat. Bedrohlich düster und heavy zeigt es eine auch heute noch großartige Band auf dem kommerziellen Höhepunkt ihrer rastlosen Karriere. In den folgenden Jahren bauten die Amis den düsteren Sound noch aus und veröffentlichten viele hochwertige Heavy Metal Alben. Live sind und waren Blitz und seine Mannen immer eine Bank – OVERKILL gehören nach wie vor zur ersten Liga des Thrash Metal.

Trackliste:

01. Time To Kill
02. Elimination
03. I Hate
04. Nothing To Die For
05. Playing With Spiders/Skullcrusher
06. Birth Of Tension
07. Who Tends The Fire
08. The Years Of Decay
09. E.vil N.ever. D.ies

Stefan

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BRYAN ADAMS – Reckless (Klassiker der Woche)

Band: Bryan Adams
Album: Reckless (30th Anniversary)
Spielzeit: 64:18 min.
Stilrichtung: AOR, Rock
Plattenfirma: Universal
Veröffentlichung: 07.11.2014
Homepage: www.bryanadams.com

An BRYAN ADAMS´ 25. Geburtstag erschien mit “Reckless” ein Album, das einerseits den endgültigen weltweiten Durchbruch des Kanadiers bedeutete und ganz nebenbei die komplette Musikwelt auf den Kopf stellte. Vielen Metallern und Rockfans mag die inflationäre Verwendung des Superhits „Summer Of ´69“ ein Dorn im Auge sein – immerhin tönen die Mainstream-Formatradiosender immer wieder damit, dass sie jetzt für alle Rockfreunde genau diesen Song spielen – als wäre es das kompromissloseste Lied auf diesem Planeten. Aber wer diese Radiosender hört, ist selber schuld. Da kann weder BRYAN ADAMS was dafür noch sein Titel, der zugegebenermaßen ein Welthit ist. Davon versammeln sich aber einige auf dem am 05.11.1984 veröffentlichten Album. 30 Jahre ist das her und jetzt kommt mit der 30th Anniversary Edition ein ganz pralles Package auf den Markt.

Das ursprüngliche Album wurde natürlich remastered, hinzu kommt noch eine zweite CD mit sieben bis dato unveröffentlichten Songs. Selbstverständlich kommt alles wunderschön verpackt als gebundenes Buch im DVD-Format. Da hat man sich aber schon die Super Deluxe Edition ins Haus geholt, die auch eine DVD mit dem im April 1985 von der BBC aufgezeichneten Konzert im Hammersmith Odeon und den Film „Reckless – The Movie“ enthält. Außerdem liegt eine Audio Blu-Ray des Originalalbums und des neuen Stereomixes bei.

Das ist alles wunderbares Beiwerk, aber im Fokus sollte das ursprüngliche Album stehen. Und das ist ein Hit-Feuerwerk par excellence. Ganze sechs Singles wurden seinerzeit ausgekoppelt und alle landeten sie in den USA in den Top 15. Das im Vorfeld aufgenommene „Heaven“ konnte sich sogar bis auf Platz 1 vorkämpfen. Das komplette Werk erklomm ebenfalls die Spitze der US-Charts und sogar in Deutschland notierte man Platz 19. Songs wie „One Night Love Affair“, „Somebody“ oder das Duett mit TINA TURNER „It´s Only Love” werden heute noch rauf und runter gespielt – egal ob Formatradio oder nicht. Noch rockiger kam der Kanadier bei „Kids Wanna Rock“ rüber und auch „Run To You“ ist ein echtes Husarenstück. Mindestens acht der zehn enthaltenen Songs sind Welthits. Das soll mal einer nachmachen.

Natürlich wollen wir uns auch um die bisher unveröffentlichten Bonusstücke kümmern. Da gibt es zum Beispiel den eigentlichen Titeltrack „Reckless“, der damals aufgrund von Zeitproblemen nicht fertig gestellt werden konnte. Warum es „Let Me Down Easy“ oder „Teacher, Teacher“ nicht auf die Platte schafften, ist indes klar. Das kongeniale Songwriterduo Bryan Adams/Jim Vallance hat auch mal durchschnittliche Ideen oder einzelne Fragmente klingen ähnlich wie schon bei den verwendeten Stücken. Dennoch ist diese Übersicht an bisher zurückgehaltenen Songs interessant. Denn mit „Draw The Line“ oder eben „Reckless“ gibt es noch ein paar verborgene Schätze zu entdecken. Und bei „Play To Win“ rockt sich der gute Bryan den Allerwertesten ab.

“Reckless“ ist zweifelsohne eines der größten Alben der Rockgeschichte. Nach sage und schreibe 30 Jahren bekommt es noch einmal eine Neuauflage spendiert, die aller Ehren wert ist. Egal ob die einfache Doppel-CD oder das Super Deluxe Paket: auch für Fans, die „Reckless“ in seiner ursprünglichen Version schon im Regal stehen haben (das sollten wohl 98% der Menschen sein, die auf Rockmusik stehen) ist das hier eine echte Überlegung wert. Ein wahrhaft großer Klassiker der Woche!

Trackliste:

CD 1:
01. One Night Love Affair
02. She´s Only Happy When She´s Dancin´
03. Run To You
04. Heaven
05. Somebody
06. Summer Of ´69
07. Kids Wanna Rock
08. It´s Only Love
09. Long Gone
10. Ain´t Gonna Cry

CD 2:
01. Let Me Down Easy (Unreleased)
02. Teacher, Teacher (Unreleased)
03. The Boys Night Out (Unreleased)
04. Draw The Line (Unreleased)
05. Play To Win (Unreleased)
06. Too Hot To Handle (Unreleased)
07. Reckless (Unreleased)

Stefan

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PINK CREAM 69 – Electrified (Klassiker der Woche)

Band: Pink Cream 69
Album: Electrified
Spielzeit: 54:00 min   
Plattenfirma: High Gain Records
Veröffentlichung: 18.03.1998
Homepage: www.pinkcream69.com

Nachdem sich Ex-Pinkie Sänger Andi Deris 1994 Richtung Helloween verabschiedet hatte, befanden sich PC’69 eine Weile lang im musikalischen Niemandsland ohne so genau zu wissen wohin die Reise eigentlich gehen soll. Schon das letzte, mit Andi Deris eingespielte Album „Games People Play“ war um einiges düsterer und ernster als seine beiden Vorgänger ausgefallen. Ein Zustand der sich 1995 mit dem Album „Change“ (ab sofort mit dem Engländer David Readman am Mic ) sogar nochmal um einiges verstärken sollte.

Vorbei waren die Zeiten als PINK CREAM 69 für sehr eingängigen und melodischen Hardrock standen, auf dieser Scheibe gings sehr alternativ-like und grungig zu. Von Seiten der Fans kam es wie es kommen musste – das Werk floppte bei einem Großteil der Anhängerschaft (und an den Verkaufskassen) monumental. Zu allem Überfluss verlor die Band dann auch noch den Majorvertrag mit Epic/Sony und nicht wenige (mich mit eingeschlossen) gaben auf der Band keinen Pfifferling mehr.

1997 dann die kommerzielle und vor allem künstlerische Wende. Ausgestattet mit einem neuen Plattenvertrag nahmen die Jungs das gute bis sehr gute „Food For Thought“ – Album auf. Genretechnisch war das Material auf der Scheibe immer noch ein wenig in modernere Rockgefilde anzusiedeln, allerdings gab es nun auch wieder verstärkt die zwingenden Melodien und Hooklines die man vor allem auf „Change“ noch so vermisst hatte. Ein Jahr später dann der ganz große Knall in Form von „Electrified“.

Was auf diesen Album gezockt wird, ist kaum zu fassen. Allerbester Heavy Rock, vom Härtegrad her oft an der Grenze zum Metal, ganz große Melodien, arschgeile Soli, göttlicher Gesang von David Readman (Andi Deris? Kennsch net!) und Hits,Hits,Hits! Tut euch einen Gefallen und hört einfach mal rein!

Anspieltipps:
„Shame“, „Break The Silence“, „Burn Your Soul“

Lineup:

David Readman : Vocals
Alfred Koffler : Gitarre
Dennis Ward : Bass
Kosta Zafiriou : Drums

Trackliste:

 1.Shame
 2. Stranger In Time
 3. Break The Silence
 4. Electrified
 5. Over The Fire
 6. Losing My Faith
 7. Higher Kind Of Life
 8. Burn Your Soul
 9. Rocket Ride
 10. Best For You
 11. Gone Again

Marco

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KROKUS – One Vice At A Time (Klassiker der Woche)

Band: Krokus
Album: One Vice At A Time
Spielzeit: 36:36 min.
Veröffentlichungsjahr: 1982
Plattenfirma/Vertrieb: Arista/BMG Ariola
Stilrichtung: Hardrock

Riffbetonter Rock der Marke AC/DC, das ist das Steckenpferd der Schweizer Vorzeigerocker von KROKUS. Viele werden sie als pure Klone hinstellen, aber wer sich ein wenig mit der Musik der „Gewürgten“ beschäftigt, wird auch einige eigene Trademarks herausfinden. Der Bandname entstand zum einen daraus, dass natürlich in den Schweizer Alpen viele dieser Pflanzen blühen, zum anderen besteht der Name aus „Krok“ und „us“, was übersetzt soviel bedeutet wie würgt uns oder gewürgt.

Der Zickzack-Kurs in der Karriere der Eidgenossen ist nicht zuletzt auf die schier unzähligen Besetzungswechsel zurückzuführen. Schon aus aktuellem Anlaß, nämlich ihrem gegenwärtigen Hammeralbum „Dirty Dynamite“ (Rezi HIER) muss jetzt auch ein Feature in unserer Klassiker der Woche-Abteilung her. Zu den Zeiten, als „One Vice At A Time“ erschien, war aber der Stern der Gruppe aus Solothurn bereits hell erleuchtet und hoch oben am Rock´n Roll-Firmament.

Das Line-Up liest sich wie folgt: Marc Storace (v.), Fernando Von Arb (g.), Chris Von Rohr (b.), Freddy Steady (d.) und Mark Kohler (g.). Für die meisten ist das DIE Besetzung schlechthin. 1982 erscheint also eine Platte, die neben „Metal Rendezvous“, „Hardware“ oder „Headhunter“ – dem magischen KROKUS Kleeblatt – ganz oben auf dem KROKUS-Thron steht. Neun Songs haben sich darauf versammelt, und es ist nicht ein Füller dabei. „Long Stick Goes Boom“, „Bad Boys, Rag Dolls“, „American Women“ oder „Save Me“ sind auch heute noch im Live-Programm vertreten, was bei einem derartigen Backkatalog schon automatisch für die Qualität der Songs sprechen dürfte. Zudem war mit „I´m On The Run“ ein geiles Duett mit IRON MAIDEN Shouter Bruce Dickinson am Start. Das GUESS WHO-Cover „American Women“ ist bis heute auf zahlreichen Rock-Compilations zu sehen und zählt zu den bekanntesten Nummern von KROKUS. Übrigens haben die Eidgenossen auch auf „Hoodoo“ versucht, diesen Erfolg zu wiederholen indem sie die STEPPENWOLF-Nummer „Born To Be Wild“ gecovert haben, aber das ging doch etwas in die Hose während der neuerliche Griff in die Mottenkiste mit „Help“ von den BEATLES schon mehr hergegeben hat.

„One Vice At A Time“ zeichnet sich die hohe Hitdichte und die scheinbare Unbekümmertheit von 5 Rockern aus, die auch ein Stück vom Ruhm abhaben wollten. Und eines bin ich mir sicher: wären solch grandiose Stücke wie „Playin The Outlaw“ oder die o.g. unter dem AC/DC-Banner erschienen, würden heute regelmässig 50.000 tosende Fans in ausverkauften Stadien dazu abgehen. Aber KROKUS müssen leider etwas kleinere Brötchen backen, an der Qualität der Songs oder an ihrem musikalischen Können rüttelt dieser Umstand aber nicht. Und nach der Quasi-Reunion zum „Hoodoo“-Album und dem seitdem stetigen Qualitätslevel bin ich auch sehr zuversichtlich, was den nächsten Streich der „Gewürgten“ angeht.

Trackliste:

1.Long Stick Goes Boom
2.Bad Boys, Rag Dolls
3.Playin´The Outlaw
4.To The Top
5.Down The Drain
6.American Woman
7.I´m On The Run
8.Save Me
9.Rock´n Roll

Stefan 

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DARE – Out Of The Silence (Klassiker der Woche)

Band: Dare
Album: Out Of The Silence
Spielzeit: 47:55 min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: A&M Records
Veröffentlichung: 1988
Homepage: www.dare-music.com

Als Darren Wharton 1985 seine Band DARE zusammen mit Flitzefinger Vinny Burns aus der Taufe hob, ahnte er wohl nicht, wie schwer es seine Band im Musikbusiness haben würde. Der ehemalige Keyboarder von THIN LIZZY und der bis dahin noch recht unbekannte Gitarrist fanden in James Ross (drums) und Martin „Shelley“ Shelton (bass) die geeigneten Mitstreiter. Wer jetzt denkt, die Keyboards gehen auf die Kappe von Wharton selbst, der irrt gewaltig, denn für die nächste Zeit konzentrierte er sich auf den Gesang und tritt alle Tasten-Pflichten an Brian Cox ab.

Dabei sieht es am Anfang von DARE danach aus, als hätten die Briten eine rosige Zukunft vor sich. Nach relativ kurzer Zeit unterschrieb man einen Kontrakt bei A&M Records und so konnte das Projekt Debütalbum starten. „Out Of The Silence“ nannte sich der Silberling und die später viel stärker vertretenen Celtic-Einflüsse sind auch hier schon zu spüren. Wenngleich auch nur sehr spärlich. Aber die Melodieführungen der Songs haben sich über die Jahrzehnte kaum verändert. Auch in den 10 Stücken des Debüts schimmert diese Melancholie durch, obwohl zu dieser Zeit noch die AOR Wurzeln am meisten hervorstechen.

Der Opener „Abandon“ wurde auch als Single ausgekoppelt und landete auf Platz 71 der UK Single Charts. Ebenso „The Raindance“, das es sogar bis auch Platz 62 schafft. Diese Platzierungen hören sich jetzt nicht spektakulär an, aber für eine neue Band und noch dazu in der britischen Heimat, wo DARE nicht gerade einen leichten Stand hatten, war das schon ein großer Erfolg. Aber mit äußerst starkem Liedgut wie „Abandon“, „Into The Fire“, „Heartbreaker“ oder eben „The Raindance“ im Gepäck ist es ein Leichtes, überall auf der Welt gute Kritiken einzuheimsen. Aber natürlich nicht nur die Journalisten haben die Klasse des 10-Trackers erkannt und so mausert sich DARE zu einer gefragten Rockband.

Trotzdem verlassen Schlagzeuger James Ross und Bassist Martin Shelton die Band, sodass für das nachfolgende zweite Album „Blood From Stone“ (1991) die Mannschaft neu komplettiert werden muss. „Blood From Stone“ fällt um Längen härter aus, behält aber das Grundrezept des Debüts bei. Erneut gelingt den Briten ein Killeralbum, die Loyaliät der Fans indes schwindet, sodass die Band bald vor dem Aus steht. In der weiteren Geschichte findet sich Bandgründer Darren Wharton oft in der Situation, ein Einzelkämpfer zu sein und sein Baby DARE nicht sterben zu lassen.

Schon mit dem nächsten Album „Calm Before The Storm“ im Jahre 1998 führt Wharton einen rigorosen Wandel im Sound von DARE durch. Die Gitarren wurden extrem ausgedünnt, die keltischen Einflüsse werden enorm verstärkt und die Melancholie der Songs steigert sich ebenso. Auch die weiteren Scheiben „Belief“ (2001), „Beneath The Shining Water“ (2004) und „Arc Of The Dawn“ (2009) schippern in ähnlichen Gewässern, wobei DARE dabei eine besondere Aura umgibt. 2012 legt der Chef noch einmal Hand an das 1998er Album „Calm Before The Storm“ an und bringt mit die mit einer „2“ versehene Neuaufnahme in den Umlauf. Eine klasse Aufarbeitung des schon nicht schwachen Originals.

Doch noch einmal zurück zu „Out Of The Silence“. Die beiden Singles „Abandon“ und „The Raindance“ werden in verschiedenen Varianten mit jeder Menge unveröffentlichten Songs angereichert. „If Looks Could Kill“, „No Strings Attached“, „Love Is The Price“, „The Last Time“, „Precious“ und „Valentino“ sind eine fette Beute für alle Liebhaber des ursprünglichen Sounds, wenn auch nicht alle B-Seiten die große Klasse der 10 Songs auf dem Album haben.

Aber auch ohne die ziemlich schwer zu bekommenden B-Titel hat „Out Of The Silence“ ein einmaliges Feeling und gehört ganz klar zu den ewigen Klassikern des AOR und melodischen Hardrocks.

Trackliste:

01. Abandon
02. Into The Fire
03. Nothing Is Stronger Than Love
04. Runaway
05. Under The Sun
06. The Raindance
07. King Of Spades
08. Heartbreaker
09. Return The Heart
10. Don´t Let Go

Stefan

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STEELHEART – Steelheart (Klassiker der Woche)

Band: Steelheart
Album: Steelheart
Spielzeit: 55:51 min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: MCA Records
Veröffentlichung: 10.05.1990
Homepage: www.steelheart.com

Die US-amerikanische Hardrockband aus Norwalk in Conneticut ist der beste Beweis dafür, dass man sind  mit Look und Image nicht abzusetzen muss, um einzigartig zu sein. Denn das Aussehen von Michael (Miljenko) Matijevic (vocals), Chris Risola (lead guitar), Frank DiCostanzo (guitar), James Ward (bass) und John Fowler (drums) war wie das fast jeder Band dieses Genres Ende der 1980er. Lange Mähnen, bunte Klamotten und halboffene Hemden. So zumindest posen sie im Booklet ihres 1990 erschienenen Debüt-Albums, das ebenfalls den Bandnamen trägt.

Dabei startete die Karriere der Combo als RED ALERT. Zur ersten Besetzung gehörten neben Risola und Ward auch schon Sänger Matijevic. Etwas später gesellte sich Frank DiCostanzo hinzu und John Fowler ersetzte Jack Wilkenson an den Drums. Damit war das Line-Up für die ersten beiden Scheiben schon gefunden. Aber das Schicksal setzte der Band übel zu – dazu später mehr.

Nachdem die Jungs realisierten, dass der Name RED ALERT bereits von einer britischen OI!-Punkband verwendet wurde, benannten sie sich in STEELHEART um und ergatterten einen Plattenvertrag bei MCA Records. Die lange Suche war endlich zu Ende. Doch kommen wir zu meinem anfänglichen Einwurf, die Band sei einzigartig. Schon alleine die hohe, falsettartige Stimme von Michael Matijevic war DAS Erkennungszeichen der Band, aber auch der Sound auf „Steelheart“ war komplett anders als 99% der Konkurrenz. Allem voran sollte hier der Drumsound genannt werden. Dieser dürfte wohl in einem riesigen Flugzeughangar aufgenommen worden sein. Zumindest hört er sich so an. Solch einen wuchtigen aber auch hallenden Schlagzeugsound habe ich bisher nicht noch ein zweites Mal gehört. Die toughen Gitarren tun ihr übriges und sägen teilweise mit dem Organ des Frontmanns um die Wette. Verantwortlich für dieses außerordentliche Gebräu waren Mark Opitz und ein gewisser Bruce Dickinson. Gemeint ist hier aber nicht der Frontmann der Briten IRON MAIDEN sondern ein amerikanischer Produzent gleichen Namens.

Auch in Sachen Songwriting war der Erstling von STEELHEART etwas Besonderes. Denn die Amis wussten ihr Publikum zu unterhalten aber nicht mit dem x-ten Aufguß anderer Bands zu langweilen. Soll heißen, dass die Songs auf der einen Seite eingängig waren, sich aber von leicht nachvollziehbaren 0815-Melodien meilenweit entfernt hielten. Sie hatten etwas magisches, das den Hörer teilweise nicht beim ersten Hören gefangen nahm, sobald man sich aber etwas intensiver mit der Platte beschäftigte, ließ sie einen nicht mehr los.

Der erste große Erfolg war die Ballade „She´s Gone“, die ein perfektes Beispiel für das war, was ich oben beschrieben hatte. Der Song hatte genügend MTV-Potential, stach aber aus dem oft gespeilten Einheitsbrei des gerade überlaufenden Hairmetal- und Hardrockbeckens heraus. Die markerschütternde Stimme von Michael Matijevic war und ist Geschmackssache, aber alleine 33000 verkaufte Einheiten des Longplayers am ersten Tag – alleine in Japan – zeugten davon, dass die Jungs einiges richtig gemacht haben mussten. Das Album erreichte Platz 40 in den amerikanischen Billboard Charts und brachte mit „I´ll Never Let You Go“ eine zweite Ballade als Single und mit dem megageilen „Everybody Loves Eileen“ einen Rocksong als Single Nr. 3 hervor.

Damit waren die Zugpferde zwar quasi verbraten, aber das Pulver von STEELHEART war noch lange nicht verschossen. Denn mit dem Opener „Love Ain´t Easy“ oder Songs wie „Can´t Stop Me Lovin´ You“, „Gimme Gimme“ oder dem eigensinnigen „Sheila“ sowie dem klasse Abschlusstrack „Down´n Dirty“ war noch jede Menge Material zu hören, für das viele Bands wohl getötet hätten.

Die Singles beleuchteten den massenkompatiblen Teil von „Steelheart“, wer aber etwas unter die Oberfläche schaute, entdeckte ein Album, das auf ewig einen Klassiker abgeben würde. Nach dem zweiten Album „Tangled In Reins“ legten die Amis 1992 einen mehr als formidablen Nachfolger vor, der allerdings kommerziell bei Weitem nicht an den Erstling heranreichen sollte. Platz 144 notierte „Tangled In Reins“ in den USA, was aber der Beliebtheit speziell in Japan und ganz Asien keinen Abbruch tat. Nach einer dementsprechenden Asientour im September 1992 fragten die Landsmänner SLAUGHTER an, ob sie nicht mit ihnen zusammen noch eine Tour durch die USA anhängen wollten. Gegen Ende der Tour während des Gigs in Denver – es war die Halloween Nacht – kletterte Sänger Matijevic auf eine nicht befestigte Lichttraverse und zog sich beim Sturz schwerste Kopfverletzungen zu. Die Tour musste natürlich sofort abgebrochen werden, Matijevic´s Genesung dauerte einige Monate und die Band drohte auseinanderzubrechen.
Mit diesem tragischen Vorfall endete die Erfolgsstory von STEELHEART. 1996 unternahm der Sänger einen neuen Versuch mit neuen Musikern, woraus das Album „Wait“ resultierte. Ebenso lieh er Mark Wahlberg seine Stimme im Hollywoodstreifen „Rock Star“. Aber die Karriere von STEELHEART kam nie mehr ins Laufen, ihr selbstbetiteltes Debüt ist und bleibt ein Meisterwerk des melodischen Hardrocks und die Band STEELHEART damit etwas einzigartiges.

Trackliste:

1.Love Ain´t Easy
2.Can´t Stop Me Lovin´ You
3.Like Never Before
4.I´ll Never Let You Go
5.Everybody Loves Eileen
6.Sheila
7.Gimme Gimme
8.Rock´n Roll (I Just Wanna)
9.She´s Gone
10.Down´n Dirty

Stefan

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BONFIRE – Fireworks (Klassiker der Woche)

Band: Bonfire
Album: Fireworks
Spielzeit: 42:22 min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: MCA
Veröffentlichung: 1987
Homepage: www.bonfire.de

Heute gibt es einmal die Besprechung eines Klassikers aus meiner wunderschönen oberbayrischen Heimat Oberbayern. Denn warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe liegt? Das zweite Album der Ingolstädter Hardrocker BONFIRE war in vielerlei Hinsicht ihr Meisterwerk. Nach einem zugegebenermaßen hochkarätigen Debüt im Jahre 1986 („Don´t Touch The Light“ mit Hits wie „SDI“, „Starin Eyes“, „Hot To Rock“, dem Titeltrack oder natürlich der Ballade „You Make Me Feel“), bei dem man sich allerdings noch sehr an den SCORPIONS orientierte, mussten die Jungs zwar schon den ersten Besetzungswechsel unter dem Banner BONFIRE verkraften, dennoch befand man sich auf dem vorläufigen Zenit der eigenen Schaffenskraft. Doch mal der Reihe nach, denn bis zum 1987er Zweitling „Fireworks“ hatten Claus Lessmann (vocals) und Hans Ziller (guitars) mit CACUMEN bereits drei Longplayer auf dem Kerbholz, die zwar eher im Underground bekannt waren, dennoch trotz ihres rohen Charms die Vorstufe von BONFIRE andeuteten.

CACUMEN wurden bereits 1972 als Schülerband von Hans Ziller gegründet und 1978 schloss sich Claus Lessmann an. Auch der spätere BONFIRE Gitarrist Horst Meier-Thorn war bereits beim 1981er Debüt mit an Bord, es folgten zwei weitere Alben („Bad Widow“ 1983 und „Down To Hell“ 1984). Danach war es Zeit für neue Horizonte und so formten die drei zusammen mit Dominik Hülshorst (drums) und Jörg Deisinger (bass) eine neue Band namens BONFIRE. Mit einem geschliffenen Sound und ausgefeilten Songs konnte „Don´t Touch The Light“ erste Erfolge verbuchen, nicht zuletzt wegen der großartigen Ballade „You Make Me Feel“, die es sogar auf die populäre Compilaton „Kuschelrock“ schaffte.

Der eingangs schon erwähnte Wechsel von Drummer Dominik Hülshorst (er wurde für die Aufnahmen zum zweiten Album durch Sessionmusiker Ken Mary ersetzt) wurde die Bande der übrigen vier zum Glück nicht beschädigt – zumindest in kreativer Hinsicht. Aufgenommen in den USA war die Zeit gekommen für vier bayrische Musiker, die Welt zu erobern. Unter den Fittichen von Starproduzent Michael Wagener wurden 25 Songs aufgenommen von denen es schlussendlich 11 auf das Album „Fireworks“ schafften.

Schon der Opener „Ready 4 Reaction“ ist frisch und actiongeladen. Desweiteren zeugen Songs wie das etwas schleppende „Sleeping All Alone“, das megageile „Sweet Obsession“ oder das druckvolle „American Nights“ von der tollen Zusammenarbeit innerhalb des Bandgefüges. Aber auch die Balladenfans kommen mit „Give It A Try“ erneut voll auf ihre Kosten. Zudem ist das übrige Liedgut – allem voran „Champion“ und „Don´t Get Me Wrong“ – ebenfalls erstklassig.

Was das Debüt “Don´t Touch The Light” schon angedeutet hat, haben BONFIRE auf “Fireworks” perfekt in Szene gesetzt. Die Platte präsentiert eine Band in Höchstform und ist auch nach so vielen Jahren immer wieder einen Durchgang wert. Noch vor dem ebenfalls tollen Album “Point Blank” stieg der langjährige Freund und Gitarrist Hans Ziller aus und wurde durch Angel Schleifer, der von „“ kam, ersetzt. Danach feuerten die Ingolstädter noch das recht lieblose „Knock Out“ raus, bevor die Band das erste Mal zu Grabe getragen werden musste. Nach einem gemeinsamen Projekt Anfang der 90er (LESSMANN/ZILLER) fanden die beiden Namensgeber wieder zusammen und reaktivierten BONFIRE neu. Erst mit recht durchschnittlichem Erfolg, spätestens mit Alben wie „Fuel To The Flames“ (1999) und „Strike X“ (2001) aber erneut auf höchstem Niveau. Seitdem veröffentlicht man formidable Alben, die mal etwas moderner angehaucht sind („Free“ 2003) oder diverse Live-Alben, darunter auch eine komplette Livedarbietung des hier besprochenen Drehers („Fireworks – Still Alive!“ 2011). Die größte Begeisterung hat seitdem aber wohl die Adaption von Schiller´s „Die Räuber“ hervorgerufen, die am Ingolstädter Theater in zahlreichen ausverkauften Shows aufwendig in Szene gesetzt wurde.

„Fireworks“ ist und bleibt eines der besten – wenn nicht das beste – Album der Ingolstädter Rock-Institution. Auch nach 27 Jahren!

Trackliste:

01. Ready 4 Reaction
02. Never Mind
03. Sleeping All Alone
04. Champion
05. Don´t Get Me Wrong
06. Sweet Obsession
07. Rock Me Now
08. American Nights
09. Fantasy
10. Give It A Try
11. Cold Days

Stefan

Hier findet Ihr weitere:

BLACKEYED SUSAN – Electric Rattlebone (Klassiker der Woche)

Band: Blackeyed Susan
Album: Electric Rattlebone
Spielzeit: 57:22 min.
Stilrichtung: Hair Metal
Plattenfirma: Mercury/Polygram Records
Veröffentlichung: 1991
Homepage: www.deandavidson.com

Nachdem Jerod (Dizzy Dean) Davidson bei BRITNY FOX 1989 ausgestiegen war (die Klassiker-Rezi zu „Boys In Heat“ findet Ihr HIER), formte er mit BLACKEYED SUSAN eine weitere Band. Dieses Mal allerdings packte der Sänger aus Philadelphia eine ordentliche Schippe Blues und Country oben drauf, und das war genau der Grund warum er BRITNY FOX verlassen hatte. Er wollte genau diesen Sound machen. Einiges dazu beigetragen hat wohl auch CINDERELLA-Keyboarder Rick Criniti, der zusammen mit Erik Levy (bass), Tony Santoro (guitars) und Chris Branco (drums) das Line-Up bildete. Und so wilderte das Debüt „Electric Rattlebone“ in den Revieren von CINDERELLA, den QUIREBOYS und den frühen BLACK CROWES. Dean´s Gesang war gemäßigter als bei seiner alten Combo und der Sound war trocken und staubig. Trotzdem konnte dieses Debüt den Zeitgeist der frühen 90er nicht verleugnen.

Die Ballade „Ride With Me“ fand Verwendung im Hollywood Streifen „Harley Davidson And The Marlboro Man“, just als einer der Filmhelden (Mickey Rourke) mit seiner Harley in den Sonnenuntergang gedüst ist. Das war zwar das Ende des Films, aber natürlich wartet auch noch eine hübsche blonde Anhalterin am Straßenrand, die kein bestimmtes Ziel hat – und genau da bringt Mr. Rourke sie auch hin. Neben dem Beitrag von BLACKEYED SUSAN hat der Soundtrack – wie üblich zu dieser Zeit – auch noch weitere coole Kapellen wie die SCREAMING JETS oder die L.A. GUNS, Countryhelden wie WAYLON JENNINGS oder Künstler wie VANESSA WILLIAMS zu bieten, die in der Rolle der „Lulu Daniels“ auch im Film mitgewirkt hat. Der bekannteste Song ist aber wohl BON JOVI´s „Wanted Dead Or Alive“.

Natürlich bekamen BLACKEYED SUSAN mit diesem Feature einen ordentlichen Schub in Sachen Bekanntheit. Trotzdem bleib der große Erfolg aus, was allerdings nicht an den Songs auf „Electric Rattlebone“ liegen kann. Der Titeltrack ist allerdings ein Intro, das den Weg für das lässige „Satisfaction“ ebnet Hier regieren die oben genannten Bands gepaart mit wirklich gutem Songwriting. Das folgende „None Of It Matters“ ist etwas glatter produziert und besticht mit mehr Melodie und mehr Hardrock. Doch schon im nächsten Stück „Sympathy“ wähnt man sich schon wieder in einem Neuzeitwestern mit einem Saloon voller Langhaariger Burschen, die sich an der Theke einen ansaufen. Vor der Kneipe stehen die Stahlrösser und jeden Moment könnte ein Fremder durch die Schwingtür kommen, der nur auf Stress aus ist. Was ich damit sagen möchte ist, dass „Sympathy“ ein Highlight der Scheibe ist.

Danach folgt das schon zitierte „Ride With Me“, welches ganz nebenbei ein echter Konkurrent zu BON JOVI´s „Wanted Dead Or Alive“ ist. Klasse! Aber auch Nummern wie das kantige „Old Lady Snow“, das langsamere „Don´t Bring Me Down“ oder abermals mit Mundharmonika und Honky Tonk Piano verzierte „How Long“ sind stark. Ganz zu schweigen vom orientalisch anmutenden Instrumental „Indica“ samt dem folgenden Song „She´s So Fine“ oder der superben Ballade „Best Of Friends“.

Mit „Electric Rattlebone“ ist BLACKEYED SUSAN einfach ein tolles und zeitloses Werk gelungen, das die perfekte Mischung aus Hardrock, Blues und Country-Sehnsucht hergibt. Der große Erfolg stellte sich aber trotzdem nicht ein und so blieben die Demos für en zweites Album in den Schubladen der Label-Verantwortlichen liegen. Selbst in den Weiten des Internets ist „Just A Taste“ kaum zu finden und es wäre interessant, diese 10 Songs in seiner Sammlung zu haben.

Trackliste:

01.    Electric Rattlebone
02.    Satisfaction
03.    None Of It Matters
04.    Sympathy
05.    Ride With Me
06.    Old Lady Snow
07.    Don´t Bring Me Down
08.    Indica
09.    She´s So Fine
10.    How Long
11.    Best Of Friends
12.    Holiday
13.    Heart Of The City

Stefan

Hier findet Ihr weitere:
http://rock-garage-magazine.blogspot.de/p/klassiker-der-woche_22.html