THE SCREAM – Let It Scream (Klassiker der Woche)

Band: The Scream
Album: Let It Scream
Spielzeit: 50:54 min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Hollywood Records
Veröffentlichung: 1991
Homepage: www.johncorabimusic.com

Momentan ist John Corabi wieder im Gespräch. Sein Beitrag zum aktuellen Album von THE DEAD DAISIES (Rezi HIER) hat für einen Schub beim Bekanntheitsgrad des schon immer unterbewerteten Vokalisten gesorgt. Dabei hatte Corabi in der Vergangenheit schon einige Möglichkeiten, so richtig groß raus zu kommen. So ersetzte er 1992 den geschassten Vince Neil bei MÖTLEY CRÜE und nahm mit ihnen das selbstbetitelte Album auf, das 1994 erschien. Auch hier wurde die Leistung völlig falsch bewertet. Zwar legten die Skandalrocker ein betont modernes Werk vor, das Songwriting indes war so ausgefeilt und interessant wie nie zuvor. Das alles interessierte die Fans überhaupt nicht. Nicht nur, dass Mitte der Neunziger mit Rockmusik nicht sonderlich viel zu reißen war, Frontsirene Neil war nun mal Gründungsmitglied und Gallionsfigur der CRÜE. Anyway, nach nur diesem einen Album setzte man Corabi wieder vor die Tür und bandelte erneut mit dem blonden Showman Vince Neil an. Es lief also alles andere als gut für John Corabi. Für seinen Einstieg bei MÖTLEY CRÜE hatte er seine eigene Band THE SCREAM verlassen. Mit ihnen hat er ebenfalls nur eine Platte aufgenommen. „Let It Scream“ nennt sich das gute Stück. Das war 1991, also kurz vor seinem Weggang.

Gegründet wurden THE SCREAM 1989 unter dem Namen SAINTS OR SINNERS. John Corabi, der von ANGORA kam machte dabei gemeinsame Sache mit Ex-RACER-X Gitarrist Bruce Bouillet, Bassist Juan Alderete und Schlagzeuger Scott Travis, der schon nach kurzer Zeit zu JUDAS PRIEST wechselte. Nachfolger wurde Walt Woodward III. Für „Let It Scream“ verpflichtete man Produzent Eddie Kramer, der vorher schon für PRETTY MAIDS, ANTHRAX, FASTWAY oder KISS gearbeitet hatte. Die zwölf Songs boten eine wunderbare Mischung aus Hardrock, Blues und Country.

Als Single wurde das extrem melodiöse „I Believe In Me“ ausgekoppelt. Kein schlechter Schachzug, denn der Song ist wohl am kommerziellsten von allen. Aber auch das prägnante „Man On The Moon“, die wundervolle Ballade „Father, Mother, Son“ oder das soulige „Loves Got A Hold On Me“ haben höchsten Unterhaltungswert. Und „Outlaw“ ist eine Riffgranate, „Every Inch A Woman“ ein schlüpfriges Statement und „Never Loved Her Anyway“ eine akustische Nummer, die CINDERELLA zu „Heartbreak Station“-Zeiten gut zu Gesicht gestanden hätte.

THE SCREAM waren auf dem besten Wege, ihr Stück vom Kuchen abzubekommen. „Young & Dumb“, ein Song, den sie zum Soundtrack zu „Encino Man“ (dt. „Steinzeit Junior“) beisteuerten, war ein weiteres Standbein. Pikanterweise war für den Hauptsong ein gewisser Vince Neil zuständig. Er brachte seinen wohl größten Solo-Hit „You´re Invited, But Your Friend Can´t Come“ ebenfalls auf dieser Filmmusik unter. Aber es half alles nichts, Corabi war zu MÖTLEY CRÜE abgewandert und ein Versuch, mit dem neuen Sänger Billy Fogarty weiter zu machen, scheiterte. Zwar nahm man mit „Takin´ It To The Next Level“ ein zweites Album mit Fogarty am Mikrofon auf, veröffentlicht wurde es aber nie. Die Band trennte sich daraufhin. John Corabi wanderte danach von Band zu Band. Unter anderem sang er bei UNION, einem Projekt von KISS Gitarrist Bruce Kulick. Er war Teil der BRIDES OF DESTRUCTION mit MÖTLEY CRÜE Bassist Nikki Sixx und verdingte sich als Ersatzmann für Stephen Pearcy bei RATT. So richtig in Fahrt scheint seine Karriere aber erst jetzt mit dem neuen Silberling des Rock´n Roll Kollektivs THE DEAD DAISIES aufzunehmen. Ich wünsche John Corabi von ganzem Herzen, dass er endlich die Anerkennung bekommt, die er schon lange verdient hat. „Let It Scream“ ist ein kongeniales Werk, das sich nicht einmal vor „Mötley Crüe“ oder „Revolucion“ verstecken muss.

Trackliste:

1. Outlaw
2. I Believe In Me
3. Man On The Moon
4. Father, Mother, Son
5. Give It Up
6. Never Loved Her Anyway
7. Tell Me Why
8. Love´s Got A Hold On Me
9. I Don´t Care
10. Every Inch A Woman
11. You Are All I Need
12. Catch Me If You Can

Stefan

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BLUE TEARS – Blue Tears (Klassiker der Woche)

Band: Blue Tears
Album: Blue Tears
Spielzeit: 43:50 min.
Stilrichtung: AOR/Hardrock
Plattenfirma: MCA
Veröffentlichung: 07.07.1990

BLUE TEARS waren wohl die skandinavischsten Hardrocker aus den USA, die es je gegeben hat. Ihr gleichnamiges Debüt war ein Vorzeigealbum in Sachen AOR und melodischem Hardrock. Irgendwo zwischen DEF LEPPARD, BON JOVI zu „Slippery When Wet“-Zeiten und Scandi Rock hat die Band aus Tennessee ein Monument des Genres erschaffen.

Gegründet bereits 1983 von Frontmann Gregg Fulkerson mit erst 17 Jahren waren die ersten Stationen wie üblich Coverversionen und Gigs in rund um die Heimatstadt Henderson, Tennessee. Nachdem sie von MCA Records gesignt wurden, nahm man die Arbeiten zu diesem 10-Tracker in Angriff. Doch trotz guter Promotion wurde die Band als weitere Glammetalband verheizt, was dem Standard des  Vierers natürlich überhaupt nicht gerecht wurde. Neben Fulkerson (vocals, guitars) gehörten noch Bryan Hall (guitars), Michael Spears (bass) und Charlie Lauderdale (drums) zur Band.

Im Sommer 1990 war die Hardrock-Welt scheinbar noch in Ordnung und mit einem solchen Album im Gepäck hätte eigentlich nichts schief gehen können. Die Produktion von „Blue Tears“ ist zwar etwas schwach auf der Brust, andererseits aber auch mit einem einzigartigen Sound ausgestattet, der große Chöre, noch größere Melodien mit Gregg´s tollen Gesang perfekt verbunden hat.

Hymnen wie „Rockin´ With The Radio“, „Crush“, „Innocent Kiss“ oder „Racing With The Moon“ sucht man in dieser Dichte meist vergebens. Hier reiht sich ein Hit an den anderen und wird mit der Überballade „Blue Tears“ sowie weiteren Vertretern für die persönliche Kuschelrock-CD („Halfway To Heaven“ und „True Romance“) angereichert. Das mit Bläsereinsätzen veredelte „Kiss Me Goodbye“ ist ein Gute-Laune-Hit erster Güte und das rockige „Thunder In The Night“ rundet ein selten starkes Juwel ab.

Leider blieb es bei diesem einen Longplayer, denn der Kurt mit seinen Depressionen und den Karohemden schielte schon um die Ecke. Der Rest ist Geschichte. Mitte der 2000er wurden noch zwei CD´s mit Demoversionen nachgereicht sowie mit „The Innocent Ones“ ein weiteres neues Album über AOR Heaven veröffentlicht. Unter den Demos finden sich mit „Long Way Home“ „Summer Girl“ oder „Rock You To Heaven“ einige verborgenen Schätze, während das 2006er Comeback Album weitgehend hinter den Erwartungen zurück blieb und höchstens als gutklassig bezeichnet werden kann. Keine dieser CD´s kann auch nur annähernd gegen dieses geniale Debüt anstinken.

„Blue Tears“ gehört schon lange in meine ewige Bestenliste und es wurde höchste Zeit, dieses Ausnahmealbum mal wieder zu hören und Euch gleich einmal näher bringen zu können. Ein Must Have!

Trackliste:

1.Rockin´ With The Radio
2.Crush
3.Blue Tears
4.Take This Heart
5.Halfway To Heaven
6.Innocent Kiss
7.Racing With The Moon
8.Kiss Me Goodbye
9.True Romance
10.Thunder In The Night

Stefan

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MUD SLICK – Keep Crawlin In The Mud (Klassiker der Woche)

Band: Mud Slick
Album: Keep Crawlin In The Mud
Spielzeit: 45:12 min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Blue Martin Records
Veröffentlichung: 1993

Für powervollen Heavyrock scheinen unsere Nachbarn in der Schweiz einen besonderen Schlüssel zu haben, denn es gibt wohl kaum Bands, die einen ähnlichen Stil spielen, jedoch nicht aus der Schweiz kommen. Leider gibt es nicht nur Big Player wie SHAKRA oder die frühen GOTTHARD sondern auch viele Beispiele, die leider in Vergessenheit geraten sind. Eine solche Band sind MUD SLICK, die 1993 mit ihrem Debüt „Keep Crawlin In The Mud“ ein unbändig geiles Album auf die Beine gestellt haben.

Und für klassischen Hardrock mit Metalanstrich war wohl der denkbar schlechteste Zeitpunkt, sogar die großen Bands überall auf der Welt mussten die Segel streichen, die Musiklandschaft hatte sich komplett geändert – zumindest was den Rockbereich anging. Für Bands wie GOTTHARD hat sich das Durchhalten gelohnt, sie begannen nur ein Jahr zuvor mit ihrem selbstbetitelten Debüt und legten ein Jahr später mit „Dial Hard“ eine ähnliche Granate vor. In ähnlichem Fahrwasser bewegen sich auch ihre Landsmänner MUD SLICK, ohne die bluesige Gitarrenarbeit von Leo Leoni zu kopieren. Hier gehen die Riffs eher in die Metal-Ecke. Der Drums klingen, als wären sie in einem Flugzeughangar aufgenommen worden. Unglaublich wuchtig ist aber auch der Gitarrensound und die Basslines auf „Keep Crawlin In The Mud“. Unterstrichen wird alles von einem äußerst dreckigen Gesang von Ronnie Fontana, der manchmal an Sammy Hagar erinnert, während Serge Christen (guitars), Dan Lee (bass) und Buddy Knox (drums) die Band komplettieren.

Aufgenommen wurde das Album in Los Angeles, wo Gitarrist Serge vorher 2 Jahre Gitarre studierte und für GOTTHARD einige Gitarrenspuren des Debüts einspielte. Eine Dreiviertel Stunde lang rocken uns die Jungs in die Hölle und wieder zurück, das alles verteilt auf 10 Songs.

Schon das eröffnende „Licence To Touch“ macht keine Gefangenen. Streng nach vorne marschierend groovt sich der Song ganz tief nicht nur in die Gehörgänge. „Girls Are On Fire“ ist ähnlich gestrickt und nicht weniger geil. Mit dem bedrohlich schleppenden „Manhunt“ folgt gleich noch einmal ein dickes Highlight. Und wer denkt, „Slow Down“ wäre eine Verschnaufpause, der irrt gewaltig. Hier ist abermals Power Hardrock vom Feinsten angesagt. Das Intro zu „Little Girl Don´t Talk Too Much“ hat wohl jeder schon mal von seiner Liebsten zu hören bekommen, wenn der Ausgang mal wieder zu lange gedauert hat und das Bier zu gut geschmeckt hat. Der Song ist erneut erste Sahne. „Inside Pressure“ nimmt das erste Mal Tempo aus der Achterbahnfahrt heraus. Die Schweizer können auch Balladen. „Money“ rüstet aber gleich wieder auf in Sachen Härte und wird flankiert von dem Doublebass Monster „Back On Track“ – HELLOWEEN lassen grüßen. Bei „Blood Justice“ ist man aber wieder in gewohnten Gewässern unterwegs. Kick Ass Rock´n Roll at its best, genau wie der letzte Song der Platte. Bei „Rain“ wird es etwas rock´n rolliger – ein schöner Abschluß!

Leider sind die Jungs dann dem grassierenden Wandel verfallen, denn ihre 1995 erschienene EP „Mud Slick“ ist geprägt von zeitgenössischem Rock – eine herbe Enttäuschung für alle Fans der ersten Stunde, die am besten mit dem Opener „It´s Scarin Me“ umschrieben werden kann. Die Gitarren sind zwar noch ähnlich heavy wie auf dem Debüt, aber insgesamt sind die Songs ziemlich modern angehaucht. Einzig die Powerballade „I Don´t Wanna Be Your Fool“ hatte die Klasse des alten Liedguts. Nach dem 1998er Album, das treffenderweise „Into The Nowhere“ getauft wurde, trennten sich die Wege der Band.

Wer auf die ersten beiden Scheiben von GOTTHARD steht, frühen SHAKRA nicht abgeneigt ist und eine Prise SINNER verträgt, für den ist „Keep Crawlin In The Mud“ ein Festmahl – und zwar von vorne bis hinten. 10 Powersongs lang geben MUD SLICK alles.

Trackliste:

1. Licence To Touch
2. Girls Are On Fire
3. Manhunt
4. Slow Down
5. Little Girl Don´t Talk Too Much
6. Insde Pressure
7. Money
8. Back On Track
9. Blood Justice
10. Rain

Stefan

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ANGRY ANDERSON – Blood From Stone (Klassiker der Woche)

Band: Angry Anderson
Album: Blood From Stone
Spielzeit: 48:46 min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Mushroom
Veröffentlichung: 1990

Nachdem 1987 das endgültige – wenn auch vorübergehende – Aus für seine Band ROSE TATTOO nicht mehr aufzuhalten war, stürzte sich der nur 1,56 m große dafür aber schwerst tätowierte Sänger ANGRY ANDERSON in das Abenteuer Solokarriere. Bereits 1986, als er bereits vor den Scherben seiner einst so erfolgreichen Combo stand, stellte er seinen ersten Alleingang „Beats From A Single Drum“ fertig. Die darauf befindliche Single „Suddenly“ wurde in der Fernsehserie „Neighbours“ verwendet und auch so fuhr der einst so rebellische Rocker eine eindeutig softere Schiene, die fast schon als poppig zu bezeichnen wäre. Einzig die Coverversion von STEPPENWOLF´s „Born To Be Wild“ rockte amtlich.

Als er sich mit Mike Slamer (STREETS, CITY BOY etc.) zusammengetan hat, um weiter an seiner Solokarriere zu arbeiten, konzentrierte man sich zwar immer noch auf eine gewisse Politur im Sound, die Songs waren aber um einiges härter und vor allem besser. Das dürfte zum großen Teil Mike Slamer zuzuschreiben sein, der sich für weite Teile des Liedguts verantwortlich zeigt. Dennoch war es auch ANGRY´s Stimme, die aus diesem 10-Tracker ein ganz besonderes Album gemacht hat. Immer noch kommerzieller ausgerichtet als noch zu ROSE TATTOO Zeiten, aber nicht weniger fesselnd zeigt er eindrucksvoll, dass in ihm weit mehr steckt als bisher angenommen.

Der Opener „Bound For Glory“ ging derart durch die Decke, dass er in den australischen Single-Charts gar bis auf Platz 11 marschierte, aber auch der Rest des Albums war hochklassig. Nachdem diese Hymne alle Hörer positiv aufgeschreckt hat, legt der gute ANGRY mit „Wild Boys“ dementsprechend nach. Treibende Riffs, glattpolierter Sound und große Hooks sind hier an der Tagesordnung. „Heaven“ und „Stone Cold“ schlagen in die gleiche Kerbe, jeder Song ein Treffer. Eine kurze Verschnaufpause gönnt die schöne Semi-Ballade „Fire & Water“ – zumindest am Anfang. Aber auch „Born Survivor“, „Motorbike Song“ oder „Love From Ashes“ sind Stücke, bei denen sich jeder Hardrocker die Finger abschlecken würde, könnte er solch geile Nummern auf seinem eigenen Album unterbringen. Als nächstes folgt die zweite Version von STEPPENWOLF´s „Born To Be Wild“, welches ja auch schon auf dem Vorgänger „Beats From A Single Drum“ Verwendung fand. Hier ist allerdings die bessere Version vertreten, weil noch rotziger, noch frecher, noch großartiger in bester ANGRY ANDERSON Manier dargeboten. Ein echtes Highlight, auch wenn das Thema Coverversionen ein umstrittenes Thema ist. Das abschließende „Bad Days“ ist ein langsamer und dennoch rockiger Track, der schon fast in die AOR Richtung tendiert und einen perfekten Schlußpunkt setzt.

„Blood From Stone“ ist eine rundum gelungene Arbeit eines Mannes, der so viel mehr drauf hat, als um sich zu plärren. Neben seiner Karriere als Rocksänger, war er in Musicals vertreten, hat sich als Schauspieler versucht und ist nicht zuletzt für seine Wohltätigkeitsarbeit bekannt. Allerdings muss nochmals betont werden, dass auch ein großer Teil der Ehre Mr. Mike Slamer gebührt, der einen nicht unerheblichen Teil dazu beigetragen hat, das Unternehmen „Blood From Stone“ so erstklassig umzusetzen. Ganz großes Kino!

Trackliste:

1. Bound For Glory
2. Wild Boys
3. Heaven
4. Stone Cold
5. Fire & Water
6. Born Survivor
7. Motorbike Song
8. Love From Ashes
9. Born To Be Wild
10. Bad Days

Stefan

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FAIR WARNING – The Box (Klassiker der Woche)

Band: Fair Warning
Album: The Box
Spielzeit: siehe unten
Stilrichtung: Hardrock, Melodic Rock
Plattenfirma: SPV Steamhammer
Veröffentlichung: 13.06.2014
Homepage: www.fair-warning.de

Das gabs noch nie: eine ganze Box als „Klassiker der Woche“. In Zukunft wollen wir Euch in dieser Rubrik nicht nur selbst ausgegrabene Scheiben präsentieren sondern auch aktuelle Re-Releases vorstellen.

Und da FAIR WARNING zu den besten deutschen Melodic Rock Bands gehören, möchten wir ihnen damit huldigen. Wenn auch die äußerst starken Alben wie das selbstbetitelte Debüt sowie „Rainmaker“ nicht in dieser Box enthalten sind (was sehr schade ist). Aber ab dem dritten Album „Go“ bis hin zum letzten Streich „Aura“ sind bis auf den aktuellen Longplayer „Sundancer“ (Rezi HIER) alle vier regulären Alben zwischen 1997 und 2006 vorhanden. Außerdem gibt es noch die 2000 erschienene Livescheibe „Live And More“, die als Bonus-CD noch ein Sammelsurium an Different Versions sowie 3 bis dato neuen Tracks enthielt.

So viel also zur trockenen Theorie. Zwar wurde an der Aufmachung etwas gespart, aber hier wird die Musik für sich sprechen. Alle fünf CD´s kommen in einer einfachen Papphülle und auch sonst gibt es keinerlei Extras wie Bonustracks. Schade…doch kommen wir erstmal zur Geschichte der Band:

FAIR WARNING entstanden aus der Asche von ZENO (mit Gitarrist und Namensgeber Zeno Roth), wo Ule W. Ritgen den Bass zupfte und den Überresten von V2, jener Band, in der Sänger Tommy Heart seine ersten professionellen Sporen verdiente. Zuvor war er ja bekanntermaßen zusammen mit Chris Lyne (SOUL DOCTOR, MOTHER ROAD) in einer Band namens HEARTLYNE (Rezi HIER). Das Line-Up wurde komplettiert von Helge Engelke (guitars), CC Behrens (drums) und Andy Malecek (guitars).

„The Box“ bietet einige Stunden tollsten Melodic Rock. Angefangen vom 1997er „Go!“, das die Band in Japan zu noch größeren Stars machte als die beiden vorangegangenen Meisterwerke. Kein Wunder, denn mit „Angels Of Heaven“, „Save Me“ oder „Follow Your Heart“ waren wohl mit die stärksten Songs ihrer Karriere vertreten. Und überhaupt konnte man in Sachen Sound ordentlich einen draufsetzen. War dieser auf dem Erstling noch etwas verwaschen und auf „Rainmaker“ ein bisschen drucklos, konnten die Hannoveraner dieses Mal eine Punktlandung verbuchen.

Nach einer weiteren umjubelten Tournee durch das Land der aufgehenden Sonne wurde „Live And More“ veröffentlicht. 1998 in Japan als reines Livealbum auf den Markt geworden, sah man auch in Europa, dass die Jungs um Ausnahmesänger Tommy Heart eine Veröffentlichung wert war. Hier packten die Labelverantwortlichen noch eine zweite CD mit drei neuen Songs sowie einigen „Different Versions“ dazu. Leider kam nicht ein einziger Song des Debüts zum Zuge – Nummern wie „Longing For Love“, „One Step Closer“ oder „Long Gone“ hätten es verdient gehabt. Der Grund dafür war, dass in Japan bereits schon zwei Live-Alben von FAIR WARNING erschienen sind. Und so bleibt „Live And More“ ein gut anzuhörendes Dokument, das allerdings nicht einmal die damals noch sehr übersichtliche Diskographie abdeckt.

Das 2000 veröffentlichte „Four“ glänzte abermals mit erstklassigen Songs wie „Heart On The Run“ oder „Time Will Tell“ und orientierte sich etwas mehr am Debüt.

Danach wurde es etwas ruhiger um die Band, erst 2006 erschien mit „Brother´s Keeper“ ein neuer Longplayer – und was für einer. Alleine „Generation Jedi“ war ein Hammer vor dem Herrn und zeigte den Mut der Band, auch neue, moderne Elemente in ihren Sound einzuflechten. Aber auch „Don´t Keep Me Waiting“ oder „Tell Me Lies“ hatten die Klasse, die man von FAIR WARNING gewohnt war und auch erwartete. Leider verlor man weiter hinten erstmals den Faden und packte nur mittelmäßiges Material auf die Platte.

Die letzte Silberscheibe in dieser Box ist das ursprünglich 2009 erschienene „Aura“. HIER könnt Ihr Euch ein etwas ausführlicheres Bild davon machen, wir haben das Album bereits zum VÖ besprochen.

Fassen wir doch einmal zusammen: wer die einzelnen Alben der Hannoveraner noch nicht im Schrank stehen hat, sollte dies schleunigst nachholen, zumal nicht nur die Musik herausragend ist, sondern es diese zugegebenermaßen sehr einfach gehaltene Box für einen unschlagbar günstigen Kurs von nicht mal 20 Euronen gibt. Und wer FAIR WARNING kennt, dem dürfte klar sein, dass es hier neben der Masse von fünf Alben auch die Klasse gibt, wie es sie wohl nur selten bei einer deutschen Band gegeben hat. Die Japaner haben das schon sehr schnell kapiert, in der Heimat lässt diese Erkenntnis leider immer noch auf sich warten. KAUFEN!

Trackliste:

„Go!“ (Spielzeit: 58:13 min.)

01. Angels of heaven
02. Save me
03. All on your own
04. I’ll be there
05. Man on the moon
06. Without you
07. Follow my heart
08. Rivers of love
09. Somewhere
10. Eyes of a stranger
11. Sailing home
12. The way you want it
13. The Love song

OHNE WERTUNG: „Live And More“ (Spielzeit: 100:37 min.)

01. Angels of heaven
02. I’ll be there
03. Man on the moon
04. Don’t give up
05. Desert song
06. We used to be friends
07. Follow my heart
08. Intro Bach for more/Come on
09. Keyboard Solo/Save me
10. Guitar Solo/ Burning heart
11. Get a little closer
12. Stars and the moon
13. Like a rock
14. Meant to be
15. Out of the night

„Four“ (Spielzeit: 59:07 min.)

01. Heart on the run
02. Through the fire
03. Break free
04. Forever
05. Tell me I‘ m wrong
06. Dream
07. I fight
08. Time will tell
09. Eyes of love
10. Find my way
11. Night falls
12. Wait
13. For the young

„Brother`s Keeper“ (Spielzeit: 70:49 min.)

01. Don’t keep me waiting
02. Generation Jedi
03. All of my love
04. Rainbow eyes
05. Push me on
06. Wasted time
07. The cry
08. The way
09. Once bitten, twice shy
10. Tell me lies
11. In the dark
12. All I wanna do

„Aura“ (Spielzeit: 48:18 min.)

01. Fighting for your love
02. Here comes the heartache
03. Hey girl
04. Don’t count on me
05. Falling
06. Walking on smiles
07. Walking on smiles
08. Someday
09. It takes more
10. As snow white found out
11. Station to station

Stefan

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IDLE TEARS – Idle Tears (Klassiker der Woche)

Band: Idle Tears
Album: Idle Tears (Re-Release)
Spielzeit: 41:01 min.
Stilrichtung: AOR, Melodic Rock
Plattenfirma: Yesterrock
Veröffentlichung: 12.09.2014
Homepage: www.yesterrock.com

Vergessene Juwelen gibt es wie Sand am Meer. Zumindest wenn man auf AOR und Melodic Rock aus den Achtzigern steht. Jedoch wurde auch vieles unnötig in den Himmel gelobt und mit horrenden Preisen aufgerufen. Sei es in Second Hand Shops, bei verschiedenen Mailordern oder einfach bei Ebay, oft führte nur der Umstand zu diesen Preisen, weil die Aufnahmen schlicht und ergreifend nicht mehr zu haben waren. So mancher Sammler wird ein Lied davon singen können. Mit dem gleichnamigen Album von IDLE TEARS dürfte das wenigstens im Falle dieser 1986 erschienenen Platte der Vergangenheit angehören. Das einzige Lebenszeichen von Liz Constantine (vocals), Dan Pritzker (guitars), David Resnik (guitars), Erik Scott (bass), Gregg Rich (keyboards) und Tom Crowley (Percussion) unter obigem Banner gibt es nämlich jetzt wieder ganz regulär zu erstehen.

Bonussongs gibt es wie üblich leider keine, dafür wurde die Scheibe natürlich remastered. Vielleicht erinnert sich noch jemand an Highlights wie „Oh No“ oder „Love In The Dark“?! Nicht? Dann mal der Reihe nach: mit „Fingers On The Pulse“ starten die Amis recht schräg. Ihre Nationalhymne „Star Spangled Banner“ mal anders muss quasi als Intro herhalten, bevor der eigentliche Song in typischer Manier a´la HEART oder PAT BENATAR los legt. Herrlich altmodischer AOR mit weiblichem Gesang.

Nach dem gutklassigen „Take Me Home“ gibt es mit „Oh No“ einen waschechten Diskothekenhit. Megastark! Das abgedrehte und kurze Instrumental „Hysterical Broads In Space“ stört ziemlich, denn „Paradise“ ist ein wunderbar relaxter und sonniger Song mit lockeren Percussions, da will dieses Instrumental so gar nicht passen. Die Halbballade „Love In The Dark“ ist ein weiteres Schmankerl, bevor es mit „F.B.I.“ ziemlich bieder wird. Das abschließende „Heroes Never Cry“ sollte aber versöhnlich wirken. Eine tolle Ballade.

Warum „Idle Tears“ eine einmalige Sache blieb, weiß nur der Wind. Mitte der Achtziger wuselten unzählige ähnlich gelagerte Bands durch die Szene, aufgrund seiner handvoll herausragender Nummern bleibt dieser Tonträger aber ein echter Klassiker, wenngleich man auch nicht über die komplette, ohnehin schon kurze, Spielzeit überzeugen konnte. Für Genrefans dennoch ein Muss.

Trackliste:

01. Fingers On The Pulse
02. Take Me Home
03. Oh No
04. Hysterical Broads In Space
05. Paradise
06. Until You´re Down
07. Love In The Dark
08. F.B.I.
09. Heroes Never Cry

Stefan

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CHRISSY STEELE – Magnet To Steele (Klassiker der Woche)

Band: Chrissy Steele
Album: Magnet To Steele
Spielzeit: 52:41 min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Chrysalis
Veröffentlichung: 1991
Homepage: –

Das Leben schreibt nicht immer nur schöne Geschichten. Und so ist die des 1991 veröffentlichten Debüts der kanadischen Rockröhre CHRISSY STEELE eine eher tragische. Als sie 1989 bei den HEADPINS einsteigt und Sängerin Darby Mills ersetzt, ist eine eigene Solokarriere noch in weiter Ferne. Als HEADPINS-Gründer und Bandkopf Brian MacLeod allerdings Anfang der Neunziger seine Krebsdiagnose bekommt, ist an eine Weiterführung der HEADPINS nicht mehr zu denken. Ein bereits angefangenes, neues HEADPINS Album wird kurzerhand zum Soloprojekt von CHRISSY STEELE umfunktioniert, als klar ist, dass MacLeod nicht weitermachen kann und die HEADPINS auf Eis liegen.

Für „Magnet To Steele“ spielt MacLeod allerdings noch alle Gitarren- und Bassspuren ein. Auch für die Produktion und als Engineer zeichnet sich der Kanadier verantwortlich. Für die Keyboards ist Tim Feehan zuständig und am Drumhocker sitzt Pat Stewart. Und ein gewisser Mark Slaughter hat einige Background Vocals eingesungen. Die Songs stammen aus der Feder von Brian MacLeod, Tim Feehan, Jeff Paris, Mike Reno und Mutt Lange. Wenn das kein strammes Line-Up hinter den Kulissen ist, dann weiß ich auch nicht mehr. Dementsprechend fällt auch das Songmaterial aus.

Egal, ob das AOR-lastige „Cry Myself To Sleep“, die Ballade „Love Don´t Last Forever” oder Dampframmen a ´la “Murder In The First Degree” oder “Love You Til It Hurts” – die Platte bietet wirklich feinsten Hardrock der Marke HEADPINS (klar oder?), LEE AARON oder harte HEART (Achtung: Wortspiel). Dazwischen lockern Nummern wie „Armed And Dangerous“ oder „Two Lips (Don´t Make A Kiss)“ enorm auf und zeigen, wie vielfältig ein Album sein kann, das dennoch wie aus einem Guss klingt.

Zwar geht CHRISSY STEELE mit Joe Wowk (guitars), Rick Fedyk (drums), Tony Vogt (bass) und Tim Webster (keyboards) zusammen mit JETHRO TULL auf Tournee, der Rückhalt seitens des Labels könnte dennoch größer sein. Nach einer weiteren Tour 1992 schließt sich das Kapitel CHRISSY STEELE schön langsam. Sämtliche weiteren Aktivitäten verlaufen im Sand, ein zweites Album gibt es nicht und so bleibt „Magnet To Steele“ nicht nur ein großartiges Vermächtnis sondern auch ein Gedenken an Brian MacLeod und seine Band HEADPINS.

Trackliste:

1. Love You Til It Hurts
2. Armed And Dangerous
3. Move Over
4. Love Don´t Last Forever
5. Try me
6. Two Bodies
7. Murder In The First Degree
8. Kin Of Hearts
9. Magnet To Steel
10. Two Lips (Don´t Make A Kiss)
11. Cry Myself To Sleep

Stefan

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GIANT – Last Of The Runaways (Klassiker der Woche)

Band: Giant
Album: Last Of The Runaways
Spielzeit: 55:00 min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: A & M Records
Veröffentlichung: 1989
Homepage: www.gianttheband.com

Nashville/Tennessee ist seit jeher das Zentrum der Countrymusik. An jeder Ecke gibt es bedeutende Aufnahmetempel und bekannte Plattenfirmen des Genres und es wimmelt vor Musikern mit dicken Hüten auf dem Kopf, die hier ihr Glück suchen. Schon seit 1961 existiert dort die Country Music Hall Of Fame und auch so atmet diese Stadt den Spirit der Countrymusik – auch heute noch. Das war natürlich in den 80ern nicht anders, aber aus Nashville kommen auch Rockbands – und mit einer wollen wir uns heute beschäftigen. Deren Kopf war Dann Huff (vocals, guitars), der zusammen mit Alan Pasqua (keyboards), Mike Brignardello (bass) und seinem Bruder David Huff (drums) 1987 die Band GIANT gründete. Zuvor waren die Huff-Brüder Gründungsmitglieder der Christenrocker WHITE HEART. Dann verließ die Band nach nur zwei gemeinsamen Alben, David folgte ihm nach einem weiteren Longplayer 1985. Heute ist Dann Huff ein gefragter Produzent und Songschreiber in der Country-Szene. Er hat bereits einige Auszeichnungen eingeheimst und an Hits von CELINE DION, TAYLOR SWIFT, KENNY LOGGINS oder MICHAEL BOLTON gearbeitet.

In einer Zeit, in der MTV eines der wichtigsten Medien war, schafften es GIANT, gleich zwei Videos auf Heavy Rotation zu haben. Neben der Powerballade „I´ll See You In My Dreams“, die Alan Pasqua zusammen mit Mark Spiro verfasst hatte, lief auch noch das Video des Openers „I´m A Believer“ rauf und runter und kam so in die Wohnzimmer der Kids. Schon das Intro des Songs ist noch heute eine Offenbarung. Dann Huff hat sein ganzes Können auf Band gepackt und „I´m A Believer“ einen Anfang spendiert, der auf der einen Seite spektakulär aber dennoch songdienlich ist. Versehen mit einem voluminösen, kraftvollen Sound beginnt das eigentliche Stück nach gut einer Minute. Nach der etwas ruhigeren Strophe zünden GIANT einen wahrlich meisterlichen Refrain, der perfekt zur Stimmung passt. Welch großartiger Beginn eines Albums, das aber noch viel mehr zu bieten hat.

Den folgenden Song „Innocent Days“ zum Beispiel. Mit noch mehr Melodie im Gepäck ist er ein perfektes Beispiel für Rockmusik der späten 80er aus den USA. Ohrwurmmelodien und dicke Chöre lassen einen nicht mehr los. Ähnlich gelagert ist „I Can´t Get Close Enough“, wobei die gleich im Anschluss folgende Ballade „I´ll See You In My Dreams“ wohl der größte Hit der Amis ist. Zu Recht – hier passt einfach alles. Im weiteren Verlauf gibt es mit „Shake Me Up“, „The Big Pitch“ oder „It Takes Two“ erneut tolle Kost bevor mit „Hold Back The Night“ ein Juwel des melodischen Hardrocks dargeboten wird. Ich kann mich noch heute sehen, wie ich diesen Song bei einem Freund das erste Mal gehört habe. Erstklassiges Riffing und die lockere Atmosphäre machen daraus ein Highlight. Das gilt eigentlich für das komplette Album. GIANT haben mit „Last Of The Runaways“ einen Longplayer kreiert, der einen eigenen Stil verfolgt hat. Natürlich ist der 11-Tracker ein zutiefst amerikanisches Hardrockalbum, aber die Lockerheit im Sound sucht wohl noch heute ihresgleichen.

1992 legte die Band mit dem ebenfalls sehr guten „Time To Burn“ nach, bevor sich alles im Sande verlief. Der klassische Hardrock war wieder einmal für viele Jahre tot. Erst 2002 wagten die Huff-Brüder zusammen mit Mike Brignarello und dem schlicht „III“ betitelten Album eine Re-Union. Diese hielt leider nicht allzu lang, denn schon kurz darauf verließ Dann Huff erneut die Band. Das bis dato letzte Lebenszeichen „Promise Land“ wurde- bis auf ein paar Soli – ohne ihn verwirklicht.

1989 traf „Last Of The Runaways“ mitten ins Schwarze – und auch noch heute ist das Debüt von GIANT ein echter Zungenschnalzer, der es beim Schreiber dieser Zeilen schon gut und gerne auf einige hundert Durchläufe gebracht hat.

Trackliste:

01. I´m A Believer
02. Innocent Days
03. I Can´t Get Close Enough
04. I´ll See You In My Dreams
05. No Way Out
06. Shake Me Up
07. It Takes Two
08. Stranger To Me
09. Hold Back The Night
10. Love Welcome Home
11. The Big Pitch

Stefan

Hier findet Ihr weitere:

MANOWAR – Kings Of Metal (Klassiker der Woche)

Band: Manowar
Album: Kings Of Metal
Spielzeit: 48:11 min.
Stilrichtung: Heavy Metal, True Metal
Plattenfirma: Atlantic Records
Veröffentlichung: 18.11.1988
Homepage: www.manowar.com

Es gibt nur wenige Bands, die so polarisieren wie die amerikanischen True Metaller MANOWAR. Allerdings nicht von Anfang an, denn in den Achtzigern gehörten die Alben von Eric Adams (vocals), Joey DeMaio (bass), Scott Columbus (drums) und Ross The Boss (guitars) in jede Metalsammlung. Angefangen vom erstklassigen Debüt „Battle Hymns“ (1982) – noch mit Donnie Hamzik am Schlagzeug, der seit 2008 wieder zum Line-Up gehört – über die beiden Nachfolger „Into Glory Ride“ (1983) und „Hail To England“ (1984) sowie das im gleichen Jahr erschienene „Sign Of The Hammer“ bis hin zu den beiden erfolgreichsten Platten „Fighting The World“ (1987) und „Kings Of Metal“ (1988) war das Gesamtwerk von MANOWAR Pflicht.

Die ungestüme Frühphase, in der der Sound noch nicht so auf Hochglanz poliert wurde und der Charakter der Aufnahmen seines Gleichen suchte, enthielt wohl die interessantesten Veröffentlichungen. Kommerziell allerdings gingen die Amis mit ihrem Hit „Carry On“ durch die Decke. Es war die Zeit von MTV und der Hair Metal Bewegung und auch MANOWAR sahen sich genötigt, den Sound glatter und polierter zu gestalten. Neben dem erwähnten Hit enthielt „Fighting The World“ mit „Defender“, „Blow Your Speakers“ oder dem Titeltrack aber noch genügend hochwertigen Edelstahl, um als Ganzes erfolgreich sein zu können.

Das wohl stimmigste Album erscheint ein Jahr später und wird kleinlaut auf den Namen „Kings Of Metal“ getauft. Die Platte präsentiert eine außergewöhnliche Band auf dem Höhepunkt ihres Schaffens. Mit Eric Adams hat man seit Anfang an einen herausragenden Vokalisten in den eigenen Reihen, der sein Organ über vier Oktaven beherrscht und ordentlich Pfeffer in der Stimme hat. Scott Columbus treibt die Maschine mit seinem kraftvollen Drumming an und Joey DeMaio ist nicht nur ein begeisterter Selbstdarsteller sondern auch ein respektabler Bassist. Ross The Boss hat die nötige Eleganz und Power auf der Sechssaitigen und schnürt das Ganze zu einem vor Kraft nur so strotzenden Paket.

Alleine der Opener „Wheels Of Fire“ bricht alle Geschwindigkeitsrekorde bisheriger MANOWAR Songs und glänzt mit einem einfachen aber hochmelodischen Chorus. Das folgende „Kings Of Metal“ ist – wie soll es anders sein – Selbstdarstellung pur und hat bezeichnende Zeilen wie „Other Bands Play – Manowar Kill!“ oder „We Don´t Attract Whimps – Cause We´re Too Loud“ im Text. Die Ballade „Heart Of Steel“ ist ein kleines Meisterwerk, das erst auch auf Deutsch und später in weiteren Sprachen veröffentlicht wird. Bei der Adaption von Rimsky-Korsakov´s „Hummelflug“ zeigt Joey DeMaio, dass er nicht nur ein schnelles Mundwerk hat sondern auch einen recht flotten Anschlag auf seinem Instrument. Das orchestrale „The Crown And The Ring (Lament Of The Kings)“ ist eine Heldenballade erster Güte und „Kingdom Come“ ein Kracher vor dem Herrn – wenngleich der Song auch ziemlich kommerziell gehalten ist. Das kriegsverherrlichende „Hail And Kill“ sorgte für einige Querelen, ist in musikalischer Hinsicht aber ein echtes Highlight. Nach der Erzählung „The Warriors Prayer“ nehmen MANOWAR noch einmal volle Fahrt auf und setzen mit „Blood Of The Kings“ einen knallenden Schlusspunkt.

Da der Schreiber dieser Zeilen seinerzeit die Vinylversion dieses Albums bis zum Umfallen gehört hat, hat er den CD-Bonustrack „Pleasure Slave“ bisher außen vor gelassen. Bis auf die Tatsache, dass die Nummer bis heute den gepflegten Ablauf dieser Ausnahmescheibe stört, ist zu diesem Stück frauenverachtenden Mist eigentlich nicht viel zu sagen. In musikalischer Sicht kann es überhaupt nicht mit dem Rest des Albums mithalten.

Nach „Kings Of Metal“ legte die Band erst mal eine vierjährige Schaffenspause ein, die in der Folgezeit als Maßstab für kommende Platten mindestens herangezogen wurde. Nach dem soliden „The Triumph Of Steel“ verzettelte man sich allerdings immer mehr im eigenen Image und konnte höchstens noch einzelne Songs mit dem Potential früherer Tage schreiben. Bestes Beispiel ist wahrscheinlich der späte Hit „Warriors Of The World United“. Danach beraubte man sich mit halbgaren Neueinspielungen („Battle Hymns MMXI“ oder „Kings Of Metal MMXIV“), immer länger werdenden Monologen bei den oft unterirdischen Konzerten und fehlender Kritikfähigkeit immer mehr der Beliebtheit bei den eigenen Fans. Heute ist das ehemalige Schlachtschiff des True Metal nur noch ein abgewracktes Ebenbild seiner selbst – „Kings Of Metal“ aber ist und bleibt ein Juwel des Heavy Metal.

Trackliste:

1. Wheels Of Fire
2. Kings Of Metal
3. Heart Of Steel
4. Sting Of The Bumblebee
5. The Crown And The Ring (Lament Of The Kings)
6. Kingdom Come
7. Pleasure Slave
8. Hail And Kill
9. The Warriors Prayer
10. Blood Of The Kings

Stefan

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SLEEZE BEEZ – Powertool (Klassiker der Woche)

Band: Sleeze Beez
Album: Powertool
Spielzeit: 43:48 min.
Veröffentlichungsjahr: 1992
Plattenfirma/Vertrieb: Atlantic Records/Warner
Stilrichtung: Hardrock, Sleaze

Denkt man an qualitativ hochwertigen Hardrock von unseren Nachbarn aus Holland, fällt spontan der Name VENGEANCE. Aber was war da noch? Recht viel mehr gab es nicht, oder doch? Ja klar, da gab es doch noch die SLEEZE BEEZ, die zu Hochzeiten des melodischen Hardrocks, also zwischen 1988 und 1991 (bzw. teilweise 1992) ja auch mit zwei Hochkarätern vertreten waren.

Das 1989 international erschienene „Screwed, Blued And Tattooed“ (das Album war ja eigentlich schon ´88 veröffentlicht worden) war ein Knaller vor dem Herrn. Jedoch möchte ich heute dem dritten Album der Band, also dem 1992er Nachfolger „Powertool“ huldigen. Nach langen Verzögerungen und endlosen Querelen zwischen Band und Plattenfirma erschien nach satten drei Jahren endlich das lang ersehnte Werk.

Und das poltert auch gleich richtig schön los, nach dem Intro „Appetizer“ folgt mit „Raise A Little Hell“ gleich einer der Hits dieser Langrille. Derer gibt es auf „Powertool“ aber noch mehr: „Watch That Video“ (mein Lieblingssong der Beez), „Bring Out The Rebel“ oder „Pray For A Mircacle“ bringen ordentlichen Schwung in die Bude und zeugen vom Gespür der Band für kraftvolle Songs mit wunderschönen Melodien.

Der Stil der Beez auf diesem Album könnte sehr gut als Mischung aus RATT und DEF LEPPARD umschrieben werden. Leider war damals für diese Art von Musik der Zug schon lange abgefahren, worauf sich die Wege von Band und Label trennten, da auch keinerlei Unterstützung seitens der Plattenfirma mehr kam.

So landete dieses tolle Scheibchen irgendwo im Nirvana (cooles Wortspiel, gelle?) und nicht da, wo es eigentlich hingehört, nämlich in die Hall Of Fame gleich neben die Vorgängerscheibe „Screwed, Blued & Tattooed“. Die anderen beiden Veröffentlichungen „Look Like Hell“ (Debüt) und „Insanity Beach“ kann man in dieser Hinsicht gerne vernachlässigen.

Stefan

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