ELVENKING – Reader of the Runes – Rapture

Trackliste:

01. Rapture
02. The Hanging Tree
03. Bride of Night
04. Herdchant
05. The Cursed Cavalier
06. To the North
07. Covenant
08. Red Mist
09. Incantations
10. An Autumn Reverie
11. The Repentant

Spielzeit: 54:42 min – Genre: Power Metal – Label: AFM Records – VÖ: 28.04.2023 – Page: www.elvenking.net

 

Die Folk Power Metaller von ELVENKING haben sich in den letzten Jahren echt zu einem Hit Garanten gemausert und sind einer DER Vertreter des Folk Power Metals!
Nach dem 2019 erschienenen „Readers of the Runes – Divination, der erste Teil der Readers of the Runes Trilogie folgt nun also nach Adam Riese der zweite Teil mit dem Titel „Reader of the Runes – Rapture“.
Laut Promoaussage soll das neue Album aufgrund des Konzeptes düsterer als der erste Teil ausfallen, was vermutlich einher geht mit einem höheren Anteil von Growls und Death Metaleinflüssen.
Schauen wir mal, ob das so ist, die ersten Vorabsingles ließen auf jeden Fall schon mal wieder Großes erahnen!

Starten wir mit dem Titelstück „Rapture“ welcher direkt mal der längste Track der Scheibe ist. Es ist immer ein Wagnis finde ich mit einem Longtrack einzusteigen, aber die Jungs machen das gut und kreieren hier einen abwechslungsreichen Ritt durch den Folk und Power Metalbereich welcher immer schön aufgelockert wird und im Refrain wieder schön melodisch daherkommt.
Die vorab veröffentlichte Videosingle „The Hanging Tree“ und „Bride of Night“ folgen dann als Nächstes und zeigen sehr eindrucksvoll wie gereift die Band mittlerweile ist und einfach ihren eigenen unverkennbaren Stil zelebriert. Immer schwingt eine gewisse Düsternis mit, die mit Growls schön unterstützt und sinnvoll ergänzt wird.
Sehr schön!
Mehr Folk gibt es bei „Herdchant“ zu bestaunen, bevor es dann im Mittelteil wieder die schon gewohnte Mischung aus Power und Folkmetal gibt. Glanzpunkt ist hier auf jeden Fall „To the North“.
„Covenant“ als Überleitung ins letzte Drittel holt mich dann aber leider so gar nicht ab, „Red Mist“ macht das aber umso mehr!
Hier ist man etwas songdienlicher und schön melodisch unterwegs.
Im letzten Drittel kann man dann die Qualität des sehr starken Mittelteils nicht ganz halten, ist aber auch weit entfernt von kompletten Ausfällen.

Auf jeden Fall ist das neue ELVENKING Album wieder eine sehr lohnenswerte Anschaffung für den geneigten Power und Folk Metalfan geworden. Welche aber auf jeden Fall etwas komplexer ist und nichts fürs eben Mal nebenbei hören!
Zwar kann man die Songqualität nicht ganz bis zum Schluss halten, aber welche Band kann das schon?
Insgesamt haben wir so oder so eine empfehlenswerte Leistung für die angesprochene Zielgruppe!

Julian

 

FER DE LANCE – The Hyperborean

Trackliste:

01. Aurora Borealis
02. The Mariner
03. Ad Bestias
04. Sirens
05. Northern Skies
06. Arctic Winds
07. The Hyperborean

 

 

 

Spielzeit: 52:45 min – Genre: Epic Heavy Metal – Label: Cruz Del Sur Music – VÖ: 22.04.2022 – Page: www.facebook.com/FerdeLanceMetal

 

Wäre man spöttisch, könnte man behaupten, dass manche Alben versuchen, das Label „Underground“ als Kaufgrund darzustellen, wobei mit „Underground“ meist eine schlechte unpolierte Produktion und 08/15-Songwriting gemeint ist. „Hier, es klingt nach Kelleraufnahme, kauf die Version mit dem Patch dabei!“
„The Hyperborean“ passt hinsichtlich des Sounds erst einmal in diese Kategorie, mit einer weitestgehend von Höhen befreiten Snare und generell recht kraftlosen Drums in einer ziemlich verwaschenen Produktion. Großes Aber.
Das Debutalbum der Amerikaner von FER DE LANCE ist in Sachen Sound und Songwriting alles andere als aktuell, wobei diese spezifische Mischung der Art des Sounds und des Songwritings aber einen ziemlich krassen musikalischen Brocken inszeniert, den man keineswegs nur hört, weil er undergroundig klingt. Die Platte umfasst sieben Songs auf 52 Minuten Laufzeit (der letzte davon elf Minuten lang), man nimmt sich also Zeit, und das zurecht.
Das Konzept des Albums: Man nehme eine präsente Akustikgitarre und die übliche Metal-Besetzung, füge Hall und ein bisschen unaktuelles Sounddesign hinzu, das man eher auf einem 90er-Jahre-Black-Metal-Album erwarten würde. Und dann mache man damit eine atmosphärische, klangwandige Mischung aus Heavy, Power, Folk, Epic und Black Metal. Spannend dabei, dass tatsächliche Black-Metal-Parts inklusive der dazu passenden Vocals sehr rar sind (hauptsächlich vorhanden auf „Arctic Winds“, dem straightesten und aggressivsten Song des Albums), dafür aber Black-Metal-Elemente wie Blastbeats, klirrende Gitarrenwände in entsprechender Produktion und sorgfältig ausgearbeitete Riffs gerne mit ansonsten melodischem Metal kombiniert werden und all das wahnsinnig breit aus den Boxen schwillt.
Damit erledigen sich dann anfängliche Kritikpunkte am Klang, denn als mächtige, heißkalte Klangwand funktioniert die Produktion sehr gut. MPs Gesang (ja, so wird sein Name offiziell geführt) ist paradoxerweise gleichzeitig roh und operesk und passt zur Musik und die Kompositionen sind äußerst individuell charakterstark – keine Ohrwürmer, aber das will „The Hyperborean“ natürlich auch nicht liefern.
Qualitativ bleibt lediglich „Northern Skies“ etwas zurück, mit seinem Versuch, Heavy Metal mit Akustik- statt E-Gitarren umzusetzen. Der Rest der Songs überzeugt hingegen durch extreme Intensität, gute Aufbauten sowie ein interessantes und stimmiges Klangbild. Man befindet sich im schwer erreichbaren Raum zwischen BATHORY und RAINBOW, sagt der Promotext dazu. Das trifft es irgendwie ziemlich gut auf den Punkt, und FER DE LANCE wissen diesen Raum unkonventionell geil einzurichten.

Fazit:
„The Hyperborean“ hat all das, was „Underground“-Metal attraktiv macht: Songwriting, dass sich vom Mainstream abhebt, Ideen, die für die breite Masse nicht funktionieren mögen, für Liebhaber aber eben bestens, Mut, Freiraum zur eigenen Entfaltung und zweifelsohne Gesamtqualität, die das mühevolle Graben nach wertvollen Schätzen unter der Erdoberfläche doch absolut rechtfertigt!

Anspietipps:
„Ad Bestias“, „Sirens“ und „Arctic Winds“

Jannis

AMORPHIS – Halo

Trackliste:

01. Northwards
02. On The Dark Waters
03. The Moon
04. Windmane
05. A New Land
06. When The Gods Came
07. Seven Roads Come Together
08. War
09. Halo
10. The Wolf
11. My Name Is Night

Spielzeit: 55:42 min – Genre: Melodic Progressive Folk Death Metal – Label: Atomic Fire – VÖ: 11.02.2021 – Page: www.facebook.com/amorphis

 

Rezensionen sind in vielen Fällen eine gute Sache, um sich über Neuerscheinungen zu informieren und herauszufinden, ob man an ihnen potenziell Gefallen finden könnte. In einigen Fällen, beispielsweise bei U.D.O.- oder eben bei AMORPHIS-Alben, sind sie aber auch primär dafür da, dass der Redakteur das kommende Album einfach schon ein bisschen früher hören kann – und sekundär, damit vielleicht der letzte Mensch auf Erden, der die entsprechende Band noch nicht kennt, auf sie aufmerksam gemacht wird. Denn machen wir uns nichts vor: Niemand erwartet auch nur ansatzweise, dass diese Rezension zu dem Schluss kommt, „Halo“, das nunmehr 14. Album von AMORPHIS in ihrer 31 Jahre andauernden Geschichte, sei ein schwaches Album, das man eher nicht hören sollte. Warum auch, sind die Finnen doch seit eh und je ein absoluter Qualitätsgarant, der einen eigenen grandiosen Stil für sich geschaffen hat, aus höchst passionierten und talentierten Musikern besteht und Wert auf ein starkes Endresultat legt. Darum arbeitet man auch mit Produzent Jens Bogren zusammen, der einen bombastischen, druckvoll-klaren Sound für die Platte zusammengeschustert hat.
Musikalisch: Nun, der klassische AMORPHIS-Klaviersound ist vergleichsweise selten, aber damit endet die Kritik auch schon. „Halo“ findet einmal mehr einen sauberen Mittelweg zwischen düstereren Tönen, angetrieben durch Tomi Joutsens mächtige Growls, und wunderbaren getragenen Gesangsmelodien und Gitarrenmotiven vor druckvoll-schönen Arrangements, die die traumartige dichte Atmosphäre der Musik der Band so besonders machen. Ein Stück weit hat man den AMORPHIS-Sound dabei reduziert, ist insbesondere in der ersten Hälfte von Strophen mit Basic-Band-Instrumentierung und Growls relativ trocken unterwegs (was dank der Produktion aber bereits ordentlich knallt) und spielt teils mit unkonventionelleren Taktarten. Umso fetter sind damit die Parts, in denen so richtig ausgepackt werden kann. Orchestrale Elemente, Synthesizer, Orgeln, Chöre, eine starke Gastsängerin und ergänzende Percussion halten hier Einzug, ohne die Songs zu überladen. Und dazu kommen die wunderbaren, stimmungsvollen Melodien, das Zusammenspiel von Leadgitarre und Gesang, tronend auf einem schweren Rhythmusfraktion-Fundament. Und das bedeutet, wie erwartet:

Fazit:
„Halo“ ist ein weiterer Release von AMORPHIS, den man bedenkenlos blind kaufen kann, wenn man mit den letzten Veröffentlichungen der Truppe etwas anfangen konnte. Wer hätte das gedacht?

Anspieltipps:
„Northwards“, „On The Dark Waters“, „Seven Roads Come Together“ und „Halo“

Jannis

SUIDAKRA – Wolfbite

Band: Suidakra
Album: Wolfbite
Spielzeit: 45:52 min
Stilrichtung: Melodic Folk Death Metal
Plattenfirma: MDD
Veröffentlichung: 25.06.2021
Homepage: www.facebook.com/Official.SuidAkrA

Ich bin immer noch beeindruckt, wie ich SUIDAKRA vor ca. sechs Jahren als Vorband von irgendwem das erste Mal sah und fest davon überzeugt war, dass das eine frische und aufstrebende “neue” Band ist, die nicht mehr als, sagen wir drei Alben veröffentlicht hat. Well… 1994 gegründet, also beinahe so alt wie ich, mit “Wolfbite” nun insgesamt 15 Alben auf dem Markt und allgemein so eine der Truppen, denen man ihr Alter anhand von Ermüdungserscheinungen überhaupt nicht anmerkt.
So auch auf dem aktuellen Longplayer, der unter anderem von Aljoscha Sieg gemixt und gemastert wurde, den man eigentlich eher in der ESKIMO-CALLBOY-Ecke verortet. Auf den Stil von SUIDAKRA hatte das glücklicherweise keinen Einfluss (mal abgesehen von der trailersoundtrack-artigen und von einem Rise-Sound unterlegten Eskalation in der Mitte von “Crossing Over”, die absolut geil ist), und der Sound der Platte ist von vorne bis hinten Brett.
Erster der neun Tracks auf “Wolfbite” ist “A Life In Chains”, gefolgt von “The Inner Wolf”. Beide sehr sauber, durchgängig gut gemacht und knallend, aber verhältnismäßig höhepunktarm bei durchgängig soweit stabiler Grundqualität. Beide bestechen eher durch Groove, Härte und Umsetzung als durch herausragende Melodien und wirkliche Eigenständigkeitsmerkmale, was sich aber ab Track drei (“Darcanian Slave”) mit der wunderbaren Gaststimme von Tina Stabel und einem ausgewogenen Mix aus Härte und verstärkt folkigen Tönen ändert. “Faoladh” fährt einen Dudelsack, beeindruckende Instrumentalarbeit und viel Druck auf, bevor mit “Crossing Over” ein +6-Minüter daherkommt, der bis auf ein bisschen Geflüster rein instrumental gehalten und äußerst vielseitig gestaltet ist, mit atmosphärischen, harten, voll eskalierenden, moderneren, düsteren und folkigen Parts, der aber nicht zusammengefrankensteint wirkt, sondern im Gegenteil voll zündet. Anschließend wieder Raw Power mit “Vortex Of Carnage”, Folk und Geknüppel mit “Resurgence” und ein tendenziell ruhiger-feierliches Finale mit vielen Clean Vocals, 6er-Takt und Emotion.
Insgesamt ist das Folk-Level auf “Wolfbite” ein wenig in den Hintergrund gerückt, SUIDAKRA klingen etwas moderner, dazu verstärkt Death- und ein wenig Black-Metal-lastig, Präsente Folk-Elemente werden auf einen Teil der Songs reduziert, wo sie dann aber auch ein gutes Maß an Präsenz haben. Mag man als Fan gut oder weniger gut finden, ich finde die verschiedenen Anteile persönlich recht gut gesetzt, auch wenn ein bisschen mehr Folkigkeit bei den ersten beiden Tracks nicht geschadet hätte.

Fazit:
Mächtig Druck hinter der Binde, schön aggressiv und doch auch immer mal gut atmosphärisch, mit ordentlich Testosteron, Virtuosität und Freude an der Sache dargeboten und soundtechnisch äußerst fett – und für Freunde der folkigen/celtigen wie der deathigen SUIDAKRA ist was dabei. Feine Sache mit etwas die Erwartungen senkendem Anfang!

Anspieltipps:
“Darcanian Slave”, “Crossing Over”, “Vortex Of Carnage” und “A Shrine For The Ages”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. A Life In Chains
02. The Inner Wolf
03. Darcanian Slave
04. Faoladh
05. Crossing Over
06. Vortex Of Carnage
07. Resurgence
08. Redemption
09. A Shrine For The Ages

Jannis

WINTERAGE – The Inherence Of Beauty

Band: Winterage
Album: The Inherence Of Beauty
Spielzeit: 63:21 min
Stilrichtung: Symphonic Power Metal
Plattenfirma: Scarlet Records
Veröffentlichung: 15.01.2021
Homepage: www.facebook.com/winterage

Es gibt, grob vereinfacht ausgedrückt, zwei Arten von Symphonic-Power-Metal-Bands: die, die auf mehr oder weniger realistische Orchester-Samples zurückgreifen und am Mischpult einen Gänsehaut-Button haben, und die, die in ihre Alben massiv mehr Arbeit hineinstecken, um ein besseres Resultat zu erzielen, obgleich das zusätzliche Maß an Arbeit sich in den Augen des ein oder anderen vielleicht nicht lohnen würde. Damit mag der ein oder andere jedoch falsch liegen, wie an Alben wie WINTERAGEs “The Inherence Of Beauty” deutlich wird.
Daher erstmal zu dem, was am zweiten Longplayer der Italiener objektiv geil ist. Das ist zuallererst der nicht bemängelbare Sound. Das ist des weiteren die Bedienung der Instrumente und der Einsatz der Solo-Vocals: Sänger Daniele Barbossa hat eine klare und powermetallige Stimme, die wie angegossen zur Musik passt. Vittoria Leoni kommt als Solo-Sopranistin dazu und klingt schwer nach professioneller Ausbildung, lediglich die unklaren Vocals im letzten Track wirken deplatziert.
Dann ist da die Truppe an Beteiligten: Neben der Band wäre da ein 21köpfiges Orchester, drei Folk-Musiker und um die 15 Chorleute. Gut, man hat in der Vergangenheit auch schon wesentlich dickere Orchester und Chöre auf Metalalben gehört, aber gerade die Übersichtlichkeit macht einen absoluten Reiz auf “TIOB” aus. Denn die Platte klingt trotz absoluter Symphonic-Power-Metalligkeit kaum überladen, rückt stattdessen immer wieder einzelne klassische Instrumente in den Vordergrund und verwendet Orchester und Chor letztendlich so, wie man es tun sollte: nicht nur als Klangteppich und unter Ausreizung aller Facetten (alleine schon ein paralleler Einsatz eines kleinen Männer- und eines kleinen Frauenchors mit Lyrics abseits von pseudo-lateinischen Lautäußerungen ist auch im Symphonic Power Metal eher die Ausnahme, obwohl es echt scheißgut kommt). Auch die Melodien, so genrekompatibel sie doch sein mögen, entsprechen nicht dem Klischee-Standard, versuchen sich oft erfolgreich an Eigenständigkeit. Und damit ist “TIOB” schonmal ein Album, das bei mir harte Sympathiepunkte einfährt, denn mit starken und außergewöhnlichen Kompositionen und liebevollen Arrangements steht und fällt ein solcher Release.
Wichtig zu erwähnen: die deutliche Folk-Schlagseite des Albums. Das kann man mögen oder nicht mögen, insbesondere den Einsatz einer Geige als festen Bandbestandteil. Ich mag’s weniger, würde es aber mögen, wenn ich weniger Folk-Abneigungen hätte, denn auch die folkigeren Parts fallen an sich sehr überzeugend und nicht allzu Thekenmädchen-lastig aus. Kein Abzug dafür, ebenfalls kein Abzug für die kitschige Thematik des Albums, die man im Power Metal halt erwarten muss (The inheritance of real beauty is hidden in the essence of human beings und so – Kübel bereitstellen, wer auf sowas allergisch reagiert). Punkteabzug allerdings guten Gewissens für “The Toymaker”. Als 16minüter wirkt das Ding erstmal verlockend, besteht aber aus minutenlangem Disney-Narrator-Gerede der übelsten Sorte, aus leichtgängig-nervigem Musical-Gedönse und einigen anderen Fehlgriffen. Lobenswert daran ist hauptsächlich, dass man es geschafft hat, 95% aller schlechten Ideen in einem Lied zu konzentrieren, das hält das hohe Niveau der restlichen immerhin mehr als 45 Minuten Spieldauer hoch.

Fazit:
Abgesehen von dem Track ist “TIOB” ein Album, das man Freunden orchestralen Power Metals mit Folk-Faible bedenkenlos empfehlen kann, denn in dieser Genre-Kombination machen WINTERAGE echt alles richtig; angefangen schon beim liebevoll komponierten Intro, das tatsächlich mal seine Existenzberechtigung im Kontext des restlichen Albums hat. WNTERAGE demonstrieren jedenfalls eindrucksvoll, was für ein Ergebnis man auch (und vielleicht gerade) mit einem kleineren, aber dafür echten Orchester erzielen kann, wenn man ambitioniert ist, auch in Sachen Songwriting nicht immer nur die selben ausgelatschten Pfade zu betreten. Kleine Band, großes Ding!

Anspieltipps:
“Chain Of Heaven”, “Oblivion Day” und “Orpheus And Eurydice”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Ouverture
02. The Inheritance Of Beauty
03. The Wisdom Of Us
04. Of Heroes And Wonders
05. The Mutineers
06. Orpheus And Eurydice
07. Chain Of Heaven
08. La Morte Di Venere
09. Oblivion Day
10. The Amazing Toymaker

Jannis

FINNTROLL – Vredesvävd

Band: Finntroll
Album: Vredesvävd
Spielzeit: 38:22 min
Stilrichtung: Folk Metal
Plattenfirma: Century Media Records
Veröffentlichung: 18.09.2020
Homepage: www.facebook.com/officialfinntroll

Die Trolle sind zurück – „böser, hungriger und gemeiner als jemals zuvor“. Ja, richtig, FINNTROLL sind damit gemeint. Bereits seit 1997 treiben die Finnen ihr Unwesen in den Wäldern dieser Welt. Wer die Jungs aus Helsinki schon mal live gesehen hat, der weiß was FINNTROLL für einen Alarm machen können. Und sie brauchen verdammt viel Platz. Die siebenköpfige Truppe rund um Trollhorn (Keyboard,Gitarre, Banjo), Tundra (b), Skrymer (g), Routa (g), Vreth (v), Virta (Keys) und MörkÖ (d) bieten was für das Auge. Auch von einigen großen Tragödien wurden sie leider nicht verschont. Der Mitbegründer Somnium fiel von einer Brücke herunter und verstarb. Und der ehemalige Sänger Katla verlor durch einen Tumor seine Stimme.

Doch FINNTROLL haben sich nicht unter kriegen lassen und sind bei ihrem siebten Studio Album „Vredesvävd“ angelangt. Der Titel bedeutet in etwa: „aus Zorn gewebt“. Song Nummer eins ist ein knapp 3minütiges Intro dass cineastisch, bedrohlich und heroisch zugleich klingt. Auf „Att Döda Med En Sten“ wechseln sich rasende Gitarren mit Keyboards und groovenden Parts ab. Über Allem stehen die starken Vocals von Vreth. Die Melodie singt regelrecht auf „Ormfolk“. Hier kommt das typische FINNTROLL „humppa“ voll zur Geltung. Die Party kann nun steigen.

Es fängt romantisch an auf „Grenars Väg“, wechselt dann aber gleich in ein „hey,hey,hey“. Ein Lächeln huscht in mein Gesicht und plötzlich tanzt man wild in der Wohnung herum. Definitiv live mit seinen Mitsingparts ein Hit. „Forsen“ stellt eine gute Mischung aus Folk und Black Metal dar. Hierzu wurde auch eine Videoauskopplung gemacht. „Vid Häxans Härd“ ist ein clever aufgebauter Track. Fiese Vocals, gekonnte Keyboard Einspielungen und ein eingängiger Rhythmus ziehen einen in den Bann. Sehr gut gemacht. Anschnallen, Gas geben und wieder das Tanzbein schwingen auf „Myren“. Holt euch hier am besten ein paar Kumpels zum Trinken dazu. Hurraa Hyvää (Prost). Jetzt geht die Sause richtig los. „Stärnors Mjöd“ hat alle typischen Trademarks. Härte, Party, Mitgrölen und Headbangen. „Mask“ galoppiert förmlich nach vorne. Die Metal Faust geht nach oben und die Haare fliegen. Und schon sind wir beim letzten Song „Ylaren“ angelangt. Dieser ist hauptsächlich im Midtempo Bereich angesiedelt, unterbrochen von kurzen rasenden Gitarren und klingt als wenn man mitten in einer Schlacht steckt. Guter Abschluss.

Anspieltipps: „Ormfolk“, „Grenars Väg“, „Vid Häxans Härd“, „Myren“ und „Stjärnors Mjöd“

Fazit: Das lange Warten hat sich gelohnt. „Vredesvävd“ gehört wieder zu den besseren Alben der Trolle. Es kombiniert alle essenziellen Elemente der Band und ist zwischen „Nattfödd“ (2004) und „Nifelvind“ (2010) einzuordnen. Dafür gibt es starke 8,5 Punkte von mir.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Väktaren
02. Att Döda Med En Sten
03. Ormfolk
04. Grenars Väg
05. Forsen
06. Vid Häxans Härd
07. Myren
08. Stjärnors Mjöd
09. Mask
10. Ylaren

Sturmi

ASGARD – Ragnarøkkr

Band: Asgard
Album: Ragnarøkkr
Spielzeit: 63:23 min
Stilrichtung: Progressive Folk Metal
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 15.05.2020
Homepage: www.facebook.com/AsgardFolkProgMetal

Inzwischen habe ich so viele Rezensionen mit der Aussage “Eigentlich mag ich ja keinen Folk Metal” begonnen und das Album im Anschluss dann trotzdem gefeiert, dass ich mich fragen muss, ob ich vielleicht einfach meinen Geschmack verleugne. Nach schlaflosen Nächten der Selbstfindung, Reflektion und Meditation kann ich nun sagen: Jap, ich mag tatsächlich keinen klassischen Folk Metal, aber wenn man ihm weitere Eigenschaften hinzufügt, geht’s. Somit geht auch ASGARDs “Ragnarøkkr”, italienischer Progressive Folk Metal. Jetzt weiß ich auch, dass dieses Genre existiert, hätte es mir aber vor dem Hören der sechsten Platte von ASGARD (die 20 Jahre nach ihrem Vorgänger erscheint) massivst anders vorgestellt.
Wir haken die Probleme schnell am Anfang ab. Erstens: Track acht bis zehn sind auf deutsch und im Vergleich zum Rest noch etwas folkiger. Ich bin gewillt, dafür Punkte abzuziehen, weil italienisch verdammt nochmal eine der schönsten Sprachen für melodischen Metal ist und deutschsprachiger Folk Metal in meinen Augen sehr grausam. Aber das ist Geschmackssache und es soll ja Leute geben, die sowas mögen. Zweitens, auch hinsichtlich der Texte: Die fallen insgesamt immer mal wieder als eher ungelenk auf, wurden an einigen Stellen etwas zu erbarmungslos in Melodien gepresst und hätten insgesamt etwas mehr sprachliche Schönheit vertragen. Kritik Ende, über die drei Tracks spreche ich jetzt nicht mehr.
Tatsächlich ist der Progressive Folk Metal von ASGARD in folkiger Hinsicht doch erfreulich wenig Geigen- und Flöten-Gedudel mit komischem “Edle Ritter und holde Maid”-Spirit, dafür etwas mythisch-schamanisch-heidnischer. Eher WARDRUNA als VERSENGOLD, sagen wir es so. Das wird aber kombiniert mit einer Prog-Seite, die schwer in Richtung von 70er-Prog-Rock-Legenden wie EMERSON LAKE & PALMER oder auch in 90er-Neo-Prog-Richtung der Marke MARILLION und IQ tendiert – wobei man halt auch sagen muss, dass fröhlich vor sich hin fließende Folkmelodien von fröhlichen Gitarrenmelodien der 90er-Fraktion gar nicht so weit weg sind. Ein bisschen modernere Prog-Auswüchse gibt es natürlich ebenso.
Diese Mischung funktioniert fantastisch, auch dank der guten Produktion und der stabilen Bandleistung. Gerne werden einzelne Parts von Songs auch mal als purer Prog oder purer Folk gewandet, was für angenehme Kontraste sorgt, und ansonsten alles mal getestet, was man mit diesen beiden Stilen so anstellen kann. Dann wird aus einem unkonventionellen Synth-Solo auch mal ein Doppelsolo mit hinzukommendem Dudelsack. Und ganz im Ernst, die Tracks in ihrer Gesamtheit sind größtenteils einfach nur geil: stimmungsvoll, vielseitig, mit toll komponierten Melodien. “The Night Of The Wild-Boar” ist ein totaler Hit, der sich Zeit für den Aufbau nimmt und dann geradezu explodiert in einen grandiosen Gänsehaut-Chorus, “Shaman” und “Ragnarøkkr” zwei überlange Tracks ohne ein Quäntchen Leerlauf, und der Rest (ausgenommen natürlich 8 bis 10) halten das Niveau easy.

Fazit.
Also im Ernst: Ich wusste nicht, dass solche Musik existiert (und ich glaube, Ihr wusstet es auch nicht). Doch sie tut nicht nur das, sie klingt in ihrem seltsamen Stilmix wie aus einem Guss, mit Skill und Hingabe geschrieben, ohne selbst auferlegte Grenzen und unterhaltsam wie mitnehmend. “Ragnarøkkr” sollte man auch dann eine Chance geben, wenn man keinen Folk oder keinen Prog Metal mag. Und am besten sollte man es als gesamtes Werk hören, bei Abneigung gegen deutschen Folk Rock halt ohne 8 bis 10 (Sind dann immer noch 52 Minuten). Spätestens beim dritten Track will man die Scheibe nicht mehr aus der Hand geben. Tolle Leistung, so geht innovativer und mitreißender Metal im Jahr 2020!

Anspieltipps:
Track 1-7 und Track 11. Insbesondere “The Night Of The Wild Boar”, “Visions” und “Shaman”

WERTUNG:

(unter Auslassung von Track 8 bis 10)

 

Trackliste:

01. Trance-Preparation
02. Rituals
03. The Night Of The Wild-Boar
04. Visions
05. Kali-Yuga
06. Shaman
07. Battle
08. Der Tod
09. Danse Macabre
10. Anrufung
11. Ragnarøkkr

Jannis

DARK FOREST – Oak, Ashes & Thorn

Band: Dark Forest
Album: Oak, Ashes & Thorn
Spielzeit: 52:46 min
Stilrichtung: Heavy/Power Metal
Plattenfirma: Cruz Del Sur Music
Veröffentlichung: 24.04.2020
Homepage: www.facebook.com/darkforestuk

Es ist doch immer ein herrliches Gefühl, ein Album zum Rezensieren zu bekommen, das sich schon beim ersten Hören als neun oder mehr Punkte wert erweist. Dann setzt man sich an die Rezension, beschreibt den Leuten, was man daran geil findet und wünscht ihnen, dass sie es hören und auch genießen können. Hin und wieder gibt es aber auch so 9+-Bands, bei denen sich eine Rezension nachher unweigerlich zu einem kleinen Plädoyer entwickelt, warum man dieser Band unbedingt eine Chance geben sollte – weil Leser wie Band es einfach verdient haben. DARK FOREST ist so ein Fall. Als Epic Metal bezeichnen sich die 2002 gegründeten Briten, die wie eine Mischung aus Heavy und Power Metal klingen. Dazu kommen leichte folkige Einflüsse in der Melodieschreibung, aber so dezent wie etwa bei frühen MOB RULES, sodass “Oak, Ashes & Thorn” niemals korrekt als Folk Metal bezeichnet werden könnte. Textlich orientiert man sich an Rudyard Kiplings “Puck On Pool’s Hill” verschreibt sich also der Geschichte des Heimatlandes inklusive seiner Mythen und Märchen. Und fuck, bringt die Musik dieses Feeling gut rüber.
Ein erstes heftiges Lob für die Produktion. Die ist kein bisschen klinisch, stattdessen organisch, voll und außerordentlich warm geworden und transportiert perfekt die Musik von DARK FOREST. Die musikalische Grundstimmung ist positiv, Dur verhältnismäßig häufig, mit wunderbaren melodischen Gitarrenmotiven an jeder Ecke irgendwo zwischen IRON MAIDEN und RUNNING WILD und mit Kompositionen, die so unbedarft fröhlich daher kommen, dass es nicht verwunderlich wäre, wenn die Scheibe plötzlich aus dem Player und dem Fenster springen würde, um glücklich über die nächste grüne Wiese zu laufen. Nein, heavy und böse ist “OA&T” nicht besonders, aber ungeheuer sympathisch und atmosphärisch in seiner Grundstimmung – und dazu noch großartig geschrieben. Mit massig eingängigen, gerne auch mal hymnischen Parts mit Wiedererkennungswert, die billigen Bombast zugunsten der Entfaltung der Melodien weglassen (Gott sei Dank) und auf Keyboards nur dann zurückgreifen, wenn sie wirklich angemessen sind. Gewisse Anleihen an bislang bereits genannte Bands (ebenso wie an AVANTASIA bei “Relics”) sind zwar erkennbar, doch bei all diesen Einflüssen ist der Stil der Platte sehr eigenständig, nicht einmal in der Nähe zu irgendwelcher Kopiererei.
Ansonsten noch, um auf die Tracks im einzelnen einzugehen: Track eins ist ein schönes Intro, Track zwei bis acht sind allesamt sehr schön, liefern immer dann noch ein schönes Motiv, wenn man denkt, das Schöne-Motive-Potenzial sei bereits ausgereizt, klingen schön, sind schön geschrieben. Schön schön schön.
Kritik? Nö. Warum auch?

Fazit:
Man merkt, wenn talentierte Musiker wirklich genau die Art von Musik machen, die sie zu 100 Prozent lieben. Dann ist das Resultat in sich im besten Fall äußerst harmonisch und fühlt sich in seiner Gesamtheit einfach ehrlich und richtig an – und das ist bei “OA&T” der Fall. Von der Produktion über die edlen Vocals bis hin zu den Kompositionen an sich – kaufen, Lichter dimmen, Album anmachen und ab geht die Reise ins alte mystische England, wie sie gelungener und schöner kaum sein könnte. Geheimtipp im allerbesten Sinne.

Anspieltipps:
“The Woodlander”, “Relics”, “Avalon Rising” und “Heart Of The Rose”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Ælfscýne
02. Wayfarer’s Eve
03. The Midnight Folk
04. Relics
05. Avalon Rising
06. Oak, Ash & Thorn
07. The Woodlander
08. Eadric’s Return
09. Heart Of The Rose

Jannis

TRIDDANA – Rising from Within

Band: Triddana
Album: Rising from Within
Spielzeit: 48:51 min
Stilrichtung: Folk Metal
Plattenfirma: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 26.06.2018
Homepage: www.triddana.net

Nachdem ich vor einiger Zeit schon das aktuelle Album, das Re Release des Debütalbums „Ripe for Rebellion“ besprochen habe, und uns irgendwie im letzten Jahr das letzte Studioalbum „Rising from Within“ der Folk Metaller von TRIDDANA durchgerutscht ist, holen wir dies nun natürlich noch nach!
Denn die Band hat sich in den letzten Jahren echt den Arsch aufgerissen um nach vorne zu kommen und so kann man dann auch mal eine Ausnahme machen und ein nicht mehr ganz so aktuelles Album noch besprechen.
Der typische Bandsound sollte uns auch auf diesem Album begegnen, finden wir es heraus indem wir den Opener „Dare to Tame Me“ starten. Wer das letzte Album gut fand wird hier direkt auch bestens bedient und mit der Nummer gleich warm werden! Ein sehr ordentlicher Einstieg.
Die nächsten Tracks „When Horizons Blaze“, „Raging Fire“, „Stray from the Path” und auch “Journey of the Rim” im Anschluss sind alles erstklassige Genreperlen die melodisch, folkig und absolut eingängig geraten sind! Hier greift man insgesamt absolut ins oberste Regal und beweist das man sich nochmal im Vergleich zum schon erstklassigen Vorgängeralbum beim Songwriting ordentlich gesteigert hat!
In die gleiche Kategorie fällt dann auch die anschließende Ballade „The Light you left Behind“ welche den zweiten Abschnitt der Scheibe einläutet.
Auch in der zweiten Hälfte gibt es jede Menge Licht zu vermelden und wenig Schatten! Klar der ein oder andere Standardtrack lässt sich nicht vermeiden, aber im Großen und Ganzen sind wir hier auch ohne Ausfälle unterwegs.
Absolute Glanzpunkte sind hier auf jeden Fall noch „Stages Falling“ und „Along the Crooked Road“ welches zwar nur ein Instrumental ist, aber sowas von genial gemacht ist das es auch ohne Gesang bestens zündet.
Zusammengefasst schließt man insgesamt eigentlich nahtlos an die starke Leistung auf dem Vorgängeralbum an.

Anspieltipps:

„When Horizons Blaze“, „Raging Fire“, „Stray from the Path”, “The Light you left Behind” und “Stages Falling”

Fazit :

Die Jungs von TRIDDANA ruhen sich auf jeden Fall nicht auf ihrer starken Leistung vom Vorgängeralbum aus, sondern machen auf „Rising from Within“ genau da weiter wo sie aufgehört haben!
Die erste Hälfte ist bärenstark und könnte besser nicht sein, in der zweiten Hälfte wird das Niveau ebenfalls sehr hochgehalten, mit ein zwei Einschränkungen, so dass man insgesamt mit der gleichen Note durchs Ziel geht wie auch schon beim letzten Diskus.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Dare to Tame Me
02. When Horizon Blaze
03. Raging Fire
04. Stray from the Path
05. Journey of the Rim
06. The Light you left Behind
07. Blind Hope
08. Pages in the Past
09. Stages Falling
10. Along the Crooked Road
11. OurTime`s Coming

Julian

ELVENKING – Reader Of The Runes – Divination

Band: Elvenking
Album: Reader Of The Runes – Divination
Spielzeit: 52:32 min
Stilrichtung: Folk Power Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 30.08.2019
Homepage: www.elvenking.net

Folk Metal ist auch so eine Sache, die man entweder liebt oder aus Selbstschutzgründen geflissentlich umgeht. Ich gehöre seit Beginn meiner Leidenschaft für Metal eigentlich zu denen, denen bei dieser Musik akut lustige Spielmannsleut auf Mittelaltermärkten in den Sinn kommen, die das Publikum mit “Seid gegrüßt, edle Knappen und Mägde” begrüßen und beim Bedienen ihrer dummen Fiedel zwanghaft grinsend in komischer Verkleidung von einem auf’s andere Bein treten, während über Met und holde Dirnen gesungen wird. Sprich, ich mag das nicht und halte mich von dem Stil normal fern, es sei denn, irgendwer muss halt noch die neue ELVENKING rezensieren und ich bin der, der dafür in Frage kommt. Dementsprechend habe ich auch noch keine früheren Alben der Truppe gehört und gehe mal naiv unbedarft an die Sache ran. Das zehnte Album der 1997 gegründeten italienischen Gruppe hört auf den Namen “Reader Of The Runes – Divination” und beinhaltet zwölf Songs, darunter zwei 1,5-Minüter (Das aus keltischem Frauengesang, Percussion und Streichern bestehende Intro und das Akustikgitarren-Gesangs-Intermezzo “Diamonds In The Night” und ein knapp elfminütiger Endtrack. Die Produktion ist auf der Höhe der Zeit, die Band stark und Sänger Damna erinnert mich mit seiner belegt klingenden Stimme leicht an eine männliche Version von DORO, was als Kompliment zu verstehen ist.
Der Folk Metal von ELVENKING ist auf “ROTR – D” sehr Power-Metal-lastig, je nach Track könnte man den Stil eher als Power Metal mit Folk-Elementen bezeichnen. Und diese Folk-Elemente sind von verdammt angenehmer Sorte. Klischee-Geigengedudel ist die Ausnahme, die Melodien sind praktisch nie auf stumpfes “Hauptsache es klingt nach Mittelalter” aus, der Dudelsackeinsatz ist smart. Dazu haben ELVENKING ein Händchen für Refrains, die im Ohr bleiben, sei es der vom drumtechnisch leicht BATTLE-BEASTigen Midtempo-Track “Silverseal”, der im vergleich zum Rest des Tracks zurückhaltende von “The Misfortune Of Virtue”, der folkige im fast puren Folk-Metal-Song “Eternal Eleanor”, oder der epische und mit fetten Drums ausgestattete von “Reader Of The Runes – Book 1”.
Und auch sonst ist man kreativ unterwegs: “Maleficia Doctrine” ist ein fünfminütiges Feuerwerk der Vielseitigkeit, in dem von lateinisch-okkulten Chören über Power-Metal-Gespeede bis hin zu Growls und Blastbeats die komplette Palette vertreten ist. “Divination” ist SABATON-Folk und “Warden Of The Bane” pendelt klug komponiert zwischen ruhigerer Strophe und erfreulichem Uptempo-Doublebass-Chorus.
Schwachstellen? Nun, “Diamonds In The Night” und “Sic Semper Tyrannis” sind etwas verzichtbarer als der Rest, aber ansonsten ist “ROTR – D” eine bestens gelungene Kombination aus Power- und Folk-Elementen, die es tatsächlich schafft, selbst dem Folk-Metal-resistenten Rezensenten ehrlichen Spaß zu bereiten.

Anspieltipps:
“Silverseal”, “Heathen Divine”, “The Misfortune Of Virtue” und “Maleficia Doctrine”

Fazit:
AFM sind ja generell ein Qualitätsgarant und das ist bei ELVENKING nicht anders. Die Platte klingt geil und die Komposition stimmt auch. Die Menge an Folk-Facetten ist angenehm, nicht zu dominant aber auch ohne Lupe sichtbar, und sehr gut eingesetzt. Dazu Ohrwurm-Refrains ohne Ende – In seiner Gesamtheit ist “ROTR – D” aller Wahrscheinlichkeit nach eine der stärksten Folk-Power-Metal-Platten des Jahres!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Perthro
02. Heathen Divine
03. Divination
04. Silverseal
05. The Misfortune Of Virtue
06. Eternal Eleanor
07. Diamonds In The Night
08. Under The Sign Of A Black Star
09. Maleficia Doctrine
10. Sic Semper Tyrannis
11. Warden Of The Bane
12. Reader Of The Runes – Book 1

Jannis