DIE APOKALYPTISCHEN REITER – Freie Republik Reitermania

Trackliste:

01. Der Freiheit Vaterland
02. Rache an der Wirklichkeit
03. Weiße Pferde
04. Ich bin dein Freund
05. wir sind, weil ihr seid
06. Danke
07. Die Sonne scheint (Remix)
08. Das kleine Spießerlein
09. Erhelle meine Seele (Akustik)
10. Komm (Akustik)
11. Es wird schlimmer (Live in Hamburg)
12. Terre Nola (Live Akustik)
13. Es wird schlimmer (Live Akustik)
14. Wo es dich gibt (Live Akustik)
15. Die Leidenschaft (Live Akustik)
16. Ein liebes Lied (Live Akustik)
17. Ein leichtes Mädchen (Live Akustik)
18. Das Paradies (Live Akustik)
19. Friede sei mit dir (Live Akustik)
20. Ghostriders In The Sky (Live Akustik)
21. Dschingis Khan (Live Akustik)

Spielzeit: 87:09 min – Genre: Folk Metal – Label: Eigenveröffentlichung – VÖ: 31.10.2025 – Page: www.facebook.com/Reitermania/

 

Um DIE APOKALYPTISCHEN REITER hatte ich bis jetzt immer einen weiten Bogen gemacht, vielleicht aus dem Grund das ich nicht wusste wie ich Folk Metal einzuordnen habe. Seit ich mir ein paar Scheibletten aus diesem Genre angehört und auch reviewt habe muss ich gestehen das Folk Metal ein sehr interessanter Stil ist und sich auch gut hören lässt. Also habe ich mich für das Jubiläums-Album „Freie Republik Reitermania“ von DIE APOKALYPTISCHEN REITER eingetragen um mir die mal genauer anzuhören.

Im Infoflyer steht folgendes zum Album: „30 Jahre Die Apokalyptischen Reiter – Freie Republik Reitermania. Vier Kapitel. Eine Republik. 100 % Reiter. „Freie Republik Reitermania“ ist mehr als ein Jubiläum – es ist ein Manifest. Mit epischen neuen Hymnen, verschollenen Archivjuwelen, einem intimen Akustikset und dem längsten Track ihrer Geschichte feiern DIE APOKALYPTISCHEN REITER im Sturmritt durch ihr erschaffenes Universum. Die streng limitierte Fanbox (500 Exemplare) ist ein Gesamtkunstwerk: 4 LPs mit ausfaltbarem XXL-Artwork, das sich zu einem monumentalen Brettspiel entfaltet – inklusive handgefertigter Zinnfiguren der biblischen Reiter“! Na das hört sich doch hervorragend an und lässt die Ohren spitzen.

Zu den REITERn gehören Fuchs am Mikrofon, Titus Maximus an Gitarren und Keyboards, Volk-Man an Bass und Rohgarr an den Drums. Fuchs‘ Stimme hat ein Timbre das mit seiner Rauheit sehr gut zum Metal passt aber auch Deutsch / Hard Rock passen würde, die holt den Hörer voll ab der ersten Silbe ab. Kann eine Stimme besser matchen, sicher gibt es viele die perfekt zur Mucke der jeweiligen Band in ihrem Genre passen, aber Fuchs haut mit seinem Organ eine Schneise in die Trommelfelle, die sich nach einmaligem Genuss nicht so schnell wieder schließt. Die Gitarren fahren entweder auf einem Gleis mit viel Gefühl und Dezent, oder hauen volles Riffbrett mit gnadenlosen Salven raus. Je nach Bedarf geht die Gitti zu werke und hinterlässt einen Eindruck der nicht besser sein könnte. Die Keyboards halten sich zwei Schritte hinter den Gitarren auf und kommen den 6-Saiten nicht in die Quere, wenn mal Piano Klänge angeschlagen werden kommt die Tastenfraktion ein Stück näher ans Rampenlicht. Der Bass steht gut im Hörraum, geht beim vollen Brett allerdings leicht gegen die Gittis unter. Die Drums setzen dem Ganzen die Krone auf und sind in der perfekten Dosis ausgeführt um den großen Zampano zu geben und alles zu bügeln was nicht rechtzeitig in Deckung gehen kann. Die Produktion bläst alles weg was vor den Membranen rumtanzt, mit Volldampf in allen Pegelbereichen und Frequenzen haut der Sound voll rein.

Schon allein der Opener „Der Freiheit Vaterland“ geht mit knapp 11 Minuten und einer eindrucksvollen Botschaft an den Start, und wird während der gesamten Zeit nicht einen Moment Langweilig. Die Tempo- und Härtewechsel sowie die Gefühlvollen, Metal und Epic Passagen im Wechsel verbreiten sehr viel Charme der beim ersten Hören sitzt. Was auffällt ist die Ausführung der Vocals, die sehr oft episch wird, mit dem Einsatz des Pianos wirkt das Ganze dann noch größer und breiter, dass sich eine gigantische Bühne vor dem Hörer aufbaut. Die Songs sind ohne Ausnahme Ohrwürmer die sofort zünden und den Hörer nicht mehr so schnell loslassen. Es kommen Songs mit Gefühl oder mit vollem Metalbrett zum Einsatz, oder es wechseln sich eben die genannten Passagen in den Songs ab, dieses Wechselspiel bringt Abwechslung ins Spiel und lässt zu keinem Zeitpunkt auch nur den kleinsten Anflug an Öde aufkeimen. Auch wenn Fuchs mal fast ins Growling abschweift überzeugt er mit seinem Organ. „Weiße Pferde“ erinnert mich an ACHIM REICHELs „Aloha Heja He“ nur epischer und härter, mit dem gleichen Gespür für Melodie und Drama entstand mit „Weiße Pferde“ ein Hit. Bei „Ich bin dein Freund“ werden sogar Saxophon ähnliche Töne angeschlagen die sich sehr gut als Kontrast machen. „Danke“ erinnert mich an eine sehr Funky Version von SPLIFF, ich musste beim ersten Hören an die 70er Krimi Serie „Auf Den Straßen von San Francisco“ denken, Die Gitti ist genauso angefunkt. „Die Sonne scheint“ könnte mit ihrem Trance-Beat deplatziert sein. „Das kleine Spießerlein“ entschädigt für den Vorgänger und erinnert an Kindervers 10 kleine Jägermeister. Die Akustik Songs im 3. Kapitel haben was das überzeugt. Das 4. Kapitel mit dem Acoustic Set machen sich prächtig in der Vita der Band.

Ein überzeugendes Feierwerk zum 30-Jubiläum der Band mit einer beachtlichen Laufzeit, Aufmachung, Bonus Material und Hits on Board.

Balle

FEUERSCHWANZ und LORDS OF THE LOST auf ihrer Lords Of Fyre Tour am 17.10.2025 im Zenith in München

Nachdem ich das aktuelle Album „Knightsclub“ von FEUERSCHWANZ reviewt hatte, dachte ich mir eine Live Show der fränkischen Haudrauf Truppe könnte durchaus interessant sein. Und ich stellte mir die Frage ob es die Band schafft den Charme und die Magie des Albums auf die Bühne zu bringen. Am 17.10.2025 waren FEUERSCHWANZ und LORDS OF THE LOST im Zuge ihrer „Lords Of Fyre“ Co-Headliner Tour im Zenith in München zu Gast. Diesen Anlass ließ ich mir nicht nehmen und nahm die Gelegenheit wahr um mir beide Bands in Action anzusehen. Leider kam ich verkehrsbedingt ein paar Minuten zu Spät am Zenith an das ich keine Fotos mehr von LORDS OF THE LOST machen konnte, weil das Zeitfenster für Fotografen geschlossen war.

Als ich ankam waren die LORDS OF THE LOST schon warm gespielt und das sehr volle Zenith war bei bester Stimmung. Um ehrlich zu sein kannte ich die Band erst seitdem sie beim ESC Vorentscheid mitwirkten, vorher waren mir LORDS OF THE LOST nicht bekannt. Als ich sie im TV sah war ich zwiegespalten, auf der einen Seite sahen die Bühnenkostüme aus als ob sie aus einem Domina Studio ausgebrochen wären, auf der anderen Seite dachte ich mir das die Mucke nicht mal schlecht wäre und die Band mit Chris Harms einen Sänger mit Sau guter Stimme hat. Irgendwie bin ich noch nicht dazu gekommen mir das gesamte Schaffen von LORDS OF THE LOST anzuhören, aber was ich da Live gesehen und gehört habe spricht eigentlich nur die Sprache unbedingt mal die Alben durch zu hören. Ohne große Spielerein rockten sich die Jungs durch ihr Set und boten Heavy Dark Rock der feinsten Sorte. Chris war sehr gut bei Stimme und die Gitarren machten Dampf ohne Ende. Der Rest der Band war genauso gut drauf wie auch das Publikum. Mich als THE SISTERS OF MERCY Hörer konnten LORDS OF THE LOST Live überzeugen und dazu animieren die Songs der Band mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

www.facebook.com/lordofthelost

Setlist LORDS OF THE LOST

Moonstruck
I Will Die In It
Damage
Drag Me To Hell
Small Town Boy
Destruction Manual
Die Tomorrow
Blood For Blood
La Bomba
Children Of The Damned
Loreley
The Curtain Falls
Bazaar Bizarre
Six Feet Underground
Light Can Only Shine In The Dark
Cha Cha Cha
Schrei nach Liebe
Blood & Glitter

Nach der Umbauphase traffen zwei bayrische Giganten aufeinander, und das waren erstens die fränkische Truppe von FEUERSCHWANZ und zweitens meine Wenigkeit, ob ich nun so ein Gigant bin sei dahingestellt aber trotzdem kam es zum Date. Die Mädels und Jungens von FEUERSCHWANZ machen mit ihren Walküren-, Babaren-, Wikinger-, Ritter-, Magier- und Mad Max-Kostümen was her, üben so eine gewisse Faszination und Effekt auf die Bühnenpräsenz der Band aus. Dabei ist es egal ob man die Musiker oder die beiden Nebendarstellerinnen ansah, man wurde unweigerlich an Serien wie Vikings oder Historien- sowie Ritter-Filme erinnert. Wie ich schon in meiner Rezi zu „Knightsclub“ bemerkte passen die klassischen Instrumente wie Geige, Flöte und Dudelsack sehr gut zum Folk Metal von FEUERSCHWANZ. Beide Sänger bewiesen das sie Live genauso wie auf Konserve überzeugende Leistungen bringen können. An den Instrumenten wurde auch geklotzt und nicht gekleckert, der Sound war druckvoll und hatte Dampf, obwohl das Zenith nicht dafür bekannt ist eine gute Akustik zu besitzen. Die Gitarre erzeugte mächtige Riffgewitter, der Bass konnte sich sehr gut behaupten und die Drums trieben alles vor sich her. So entwickelte die Band eine beeindruckende Soundkulisse die es in sich hatte. Egal wie man zu Folk Metal steht muss man neidlos anerkennen das FEUERSCHWANZ eine geile Show spielten und jeder im Publikum glücklich den Heimweg angetreten sein sollte. Der Einsatz von Pyro-Technik und Flammenwerfern bei den Tänzerinnen hat auch einen positiven Effekt auf die Show. Ich war während der Show überrascht wie cool Folk Metal Live auf der Bühne wirkt und war bestimmt nicht das letzte Mal bei einem FEUERSCHWANZ Gig.

www.facebook.com/feuerschwanz

Setlist FEUERSCHWANZ

SGFRD Dragonslayer
Memento Mori
Untot im Drachenboot
Bastard von Asgard
Knightsclub
Ultima Nocte
Schubsetanz
Kampfzwerg
Berzerkermode
Sam The Brave
Uruk-Hai
Dragostea din tei
Die Hörner hoch
Valhalla
Das elfte Gebot
Lords Of Fyre

Text und Bilder: Balle

FEUERSCHWANZ – Knightclub

Trackliste:

01. Knightsclub (feat. Dag / SDP)
02. Tanz der Teufel
03. Avalon
04. Drunken Dragon
05. Eisenfaust
06. Name der Rose
07. Valhalla (feat. DORO)
08. The Tale Of Sam The Brave
09. Testament
10. Lords Of Fyre (feat. LORDS OF THE LOST)
11. Gangnam Style

Spielzeit: 40:10 min – Genre: Folk Metal – Label: Napalm Records / SPV – VÖ: 22.08.2025 – Page: www.facebook.com/feuerschwanz/

 

FEUERSCHWANZ ist mir vom Namen schon sehr lange ein Begriff, an ein Album ran getraut habe ich mich bis jetzt aus Unwissenheit noch nie. Irgendwie machte ich immer eine weiten Bogen um Mittelalter / Folk / Rock / Metal allerdings aus Unwissenheit, weil ich mir nicht vorstellen konnte das mich diese Art von Musik überzeugen und interessieren würde. Erst als ich ein Paar Songs von SALTATIO MORTIS hörte ging mit ein Licht auf und ich fing langsam an mich für diese Art Rock / Metal zu interessieren. FEUERSCHWANZ bilden da keine Ausnahme, vorher von mir nicht beachtet kommt jetzt der Zeitpunkt für uns beide für ein Rendezvous ob es eine längere Beziehung wird zeigt sich in den kommenden 40 Minuten. Spätestens seit FEUERSCHWANZ beim Vorendscheit zum ESC 2025 mitwirkten sollten sie dem breiten TV Publikum und ESC Fans geläufig sein, genau wie auch schon Tobias Sammet mit AVANTASIA oder auch LORDS OF THE LOST dafür sorgten das die härteren Klänge einem Millionenpublikum zugänglich gemacht werden. Aus den Mainstream Medien schon seit Jahrzehnten verbannt, werden die Acts aus dem Rock bis Metal Bereich sehr kurz gehalten und müssen immer noch ein Schattendasein fristen, obwohl das eine oder andere Album sehr hoch in den Albumcharts gehandelt wird.

Zu Feuerschwanz gehören Hauptmann Gesang und Akustik-Gitarre; Hodi ebenfalls Gesang, Akustik-Gitarre, Dudelsack und Flöte; Johanna an Geige und Drehleier; Hans an der E-Gitarre; Jane an Bass und Roll am Schlagzeug. Beide Stimmen überzeugen und vertonen die Geschichten hinter den Texten auf einem sehr hohem Niveau. Fette Chöre gibt es auch in ausreichender Anzahl und lassen keine Wünsche offen. Hodi ist auch die Stimme der ebenfalls aus Mittelfranken stammenden DARTAGNAN konnte schon mit diesen überzeugen, dass gleiche gilt für FEUERSCHWANZ. Die E-Gitti fährt teilweise volles Metalbrett oder wurde ein wenig weiter nach hinten gemischt was sehr gut mit den weiteren Instrumenten harmoniert. Wie ich schon in der Rezi von MYSTOPERA schrieb passen alte Instrumente wie Drehleier oder auch der Dudelsack sehr gut zum Folk Rock / Metal und bedarf keiner weiteren Worte, diese ein Match in dem Genre darstellen. Der Bass und das Schlagzeug spielen die Antreiber vor dem Herren und machen Druck ohne Ende.

Die Songs sind ausnahmslos mit wunderschönen Melodien ausgestattet, die Umsetzung und Texte sind auch hervorragend umgesetzt ohne dabei auch nur einmal den Korrekturstift ansetzen zu müssen. Mal softer mal intensiver und härter gehen FEUERSCHWANZ im positiven Sinn auf den Hörer los, legen eine überzeugende Leistung hin und bestätigen nur den sehr guten Eindruck den sie beim ESC Vorendscheit hinterlassen haben. Aber nicht nur der Vorendscheit sondern auch die in reichlicher Anzahl existenten Fans zeigen die Qualität die FEUERSCHWANZ besitzt. In manchen Momenten wie beim epischen „Valhalla“ muss ich immer an ALL FOR METAL denken, das Dingens geht in den melodischen Power Metal. Manche Songtitel kommen mir von Filmen oder Historischen Personen bekannt vor, wer kennt nicht den Horrorklassiker aus den frühen 80ern der eine Ewigkeit auf dem Index stand „Tanz der Teufel“ oder „Der Name der Rose“, bei „Eisenfaust“ könnte der ollen Götz von Berlichingen Pate gestanden haben, mit „The Tale Of Sam The Brave“ wandeln FEUERSCHWANZ auf Tolkiens Spuren vom Lord Of The Rings Epos.

„Knightsclub“ der ideale Song für die Discos und Radiofutter mit poppigen Grundtönen, „Tanz der Teufel“ macht und hinterlässt einen mehr als anständigen Eindruck. „Avalon“ ein Melodic Schmankerl mit geiler Melodieführung und Refrain, „Drunken Dragon“ eine Mixtur aus Shanty Metal und Kelten Einfluss, gepaart mit einem unwiderstehlichem Refrain. „Eisenfaust“ sehr flott und intensiv mit Charme, „Name der Rose“ ein Hybrid aus Folk Rock und Metal der mit seiner simplen und eingängigen Melodie und Refrain überzeugen kann. „Valhalla“ das Ding geht sofort ins Ohr und bleibt eine Ewigkeit dort festgeklammert – besticht mit Melodie und dem göttlichen Refrain, „The Tale Of Sam The Brave“ wird von einem gesprochen Text eingeleitet bis das Ganze zum epochalen Brecher mutiert. „Testament“ hier treffen starke Vocals und Melodie erneut auf einen geilen Refrain, „Lords Of Fyre“ kommt mit modernen Industrial Spuren, dem Charme von FEUERSCHWANZ und Piano Klänge, LORDS OF THE LOST bringen eine gewisse Faszination mit, „Gangnam Style“ das Original war für mich ein Grund den Radio zu zerdeppern, diese Version kommt besser an, allerdings ist der Song immer noch Schwachsinn im Hyperquadrat.

Balle

MYSTOPERA – Das Lied Der Steinernen Engel

MTrackliste:

01. Ouverture
02. Land in Sicht
03. Rückkehr nach Solveis Ruh
04. Schwarze Flammen
05. Aufbruch
06. Am Rand der Welt
07. Herrscher des Meeres
08. Bis nach Valhalla
09. Ankunft
10. Asche zu Asche
11. Die Welt soll brennen
12. Saga

Spielzeit: 58:58 min – Genre: Folk Metal – Label: Metalville Records – VÖ: 01.08.2025 – Page: www.facebook.com/Mystopera/

 

Ich hatte mal wieder Lust auf Krawall gebürsteten Metal, ob da Folk Metal das Richtige ist bleibt abzuwarten. Bei „Das Lied Der Steinernen Engel“ handelt es sich um das Debütalbum von MYSTOPERA, das von Komponistin / Violinistin Meike Katrin Stein und Songwriter / Sänger Markus Engelfried ins Leben gerufen wurde. Unterstützt von zahlreichen Gastmusikern aus der deutschen Folk, Rock und Metal Szene, erzählt das Konzeptalbum Wikingergeschichten voller Mystik, Drama und Hingabe.

Noch zu hören sind Rolf Munkes an Gitarre, Frank „Mampf“ Herold an Bass, Bernd Heining an den Drums. Als Sänger/in sind Ralf Scheepers, Pinto von Frohsinn, Alina Lesnik, Mr. Hurley, Norbert „Nori“ Drescher, Katja Moslehner und Aello sowie einige mehr an den Instrumenten. Die Stimmen werden sehr oft mit fetten Chören unterstützt und dem Ganzen sehr viel Dramatik und Tiefe verleiht. Instrumente wie Drehleier, Dudelsack, historische Instrumente, Cello usw. gehören von Haus aus zum Folk Metal wie das Auge auf die Faust und bedarf keiner weiteren Worte. Gitarren, Bass und Drums bilden eine unüberwindbare Einheit die nie zu extrem rüberkommen, sondern perfekt ins Folk Gesamtbild passen ohne zu dominant zu wirken. Den Texten mit ihren Geschichten sollte man Aufmerksamkeit schenken, sonst entgeht dem Hörer ein Detail im Konzept und Geschichten.

Die beiden Hauptakteure Meike und Markus haben ein verdammt geiles Album geschaffen, jeder Song besitzt unwiderstehliche Melodieführungen, Hooks ohne Ende die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album ziehen. Egal ob balladesk mit dem puren Drama oder mal mit voller Power, jeder Song ist ein Treffer und überzeugt ohne einen kritischen Punkt zu finden. Es gibt mit Sicherheit einige mit denen man MYSTOPERA vergleichen kann, ich spare mir eine Aufzählung, wer auf geilen Folk Metal mit Dramatik, Höhen und Tiefen steht, die epische Geschichten erzählen, mit sehr guten Musikern realisiert wurde sollte es Pflichtprogramm sein.

Eine überzeugende erste Vorstellung von MYSTPERA, so kann es weitergehen, so und nur so.

„Ouverture“ ein Instrumental, fängt orchestral an bis zu Minute 1:58 dann kommen die Gitarren die volles Brett fahren um sich wieder zu verziehen und wieder zu kommen, „Land in Sicht“ ein sehr starker Brecher mit wunderschöner Melodieführung. „Rückkehr nach Solveis Ruh“ eine Folk Ballade wie man sie sich vorstellt und sein sollte, „Schwarze Flammen“ ein epochaler Song vom feinsten. „Aufbruch“ wow der Song sorgt allein schon von seiner Stimmung für Gänsehautmomente, „Am Rand der Welt“ hier wird es mal heftiger und es kommen Power Metal Passagen zum Zug. „Herrscher des Meeres“ was für ein Song, Melodie, Ausführung alles fehlerfrei und genial umgesetzt, „Bis nach Valhalla“ eine atmosphärische Gänsehaut Ballade mit der richtigen Portion Drama. „Ankunft“ entweder ist hier Sid aus Ice Age oder HELGE SCHNEIDER als zweite Stimme zu hören oder ich hab was an den Lauschern – sehr cooler Rocker mit Humor, „Asche zu Asche“ es wird wieder metallischer – macht Laune. „Die Welt soll brennen“ geile Vocals treffen auf Folk Melodie und Metal Riffing, „Saga“ wildert bei den Piraten von RUNNING WILD auf dem Folk Trip.

Balle

ELVENKING – Reader Of The Runes – Luna

Trackliste:

01. Season Of The Owl
02. Luna
03. Gone Epoch
04. Stormcarrier
05. Starbath
06. On These Haunted Shores
07. The Ghosting
08. Throes Of Atonement
09. The Weeping
10. Reader Of The Runes – Book II

 

Spielzeit: 54:52 min – Genre: Folk Power Metal – Label: Reaper Entertainment – VÖ: 11.04.2025 – Page: www.facebook.com/elvenking.official

 

Wisst Ihr noch bei Jurassic World? Ging los mit einem akzeptablen ersten Teil, einem schwachen zweiten, und im dritten ging es dann vorrangig um Probleme mit großen Käfern. Ja, der dritte Teil von Trilogien erweist sich immer wieder als Reinfall.
Kommen wir damit zu „Luna“, dem dritten Teil der „Reader Of The Runes“-Reihe von ELVENKING, und beruhigen wir direkt mal: So schlimm ist es bei weitem nicht.
Das schwerst ambitionierte Konzeptalben-Projekt der Italiener geht in die dritte Runde und findet mit „Luna“ seinen Abschluss.
Wir erinnern uns: Teil 1 der Reihe war wirklich, wirklich stark. Teil 2 konnte größtenteils überzeugen. Mit „Luna“ bleiben wir ungefähr auf dem Niveau von Teil 2.
Soundtechnisch ist die Sache mal wieder stabil, wobei die ein oder anderen Vocals (beispielsweise im Chorus des Openers) ein bisschen matschig wirken und beim ansonsten sehr geilen „The Ghosting“ zeitweise das Gefühl entsteht, im Hintergrund hört jemand leise noch einen anderen Song.
Klargesang steht im Vergleich zum Vorgänger wieder wesentlich stärker im Vordergrund, Growls finden sich nur sporadisch auf einer kleinen Handvoll Songs.
Und musikalisch ist man zwar nicht auf dem Ohrwurm- und Qualitätslevel des ersten Teils unterwegs, aber durchaus kurzweilig.
Der erste Song wechselt in 5:20 Minuten locker dreimal das Tempo und den Vibe, auch „Luna“ und „Gone Epoch“ vergehen wie im Flug. Growls werden dann in „Stormcarrier“ ausgepackt, mit schöner Chorusmelodie im Kontrast, und „On These Haunted Shores“ kommt was melancholischer mit Streichern und ganz fettem , langsam stampfendem Refrain. Starkes Stück, dem das anschließende „The Ghosting“ aber in nichts nachsteht.
„The Weeping“ startet balladig düster, darf sich aber fix intensivieren, und mit „Reader Of The Runes – Book II“ serviert man uns zum krönenden Abschluss einen 11:30-Minüter, der jetzt nicht der beste lange Power-Metal-Album-Endsong ist, aber ohne Frage seinen Job macht.
Ja, „Luna“ ist schon ein Ritt, über ganz schnelle Passagen, geisterhafte Streicher, folkige Melodien, fette Refrains und jede Menge gute Grooves. Klassiker-Material gibt es hier aber weniger und die meisten Songs dürfte man dann nach einiger Zeit auch vergessen haben. Aber yo, es ist der dritte Teil einer Trilogie. Und nicht nur gibt es bei „Luna“ keine Probleme mit großen Käfern, es gibt auch viel unterhaltsamen Shit und guten Folk Power Metal.

Fazit:
Fans der ersten zwei Teile brauchen natürlich auch „Reader Of The Runes – Luna“. Wer mit der Reihe noch keinen Kontakt hatte, aber bei „guter Folk Power Metal“ aufhorcht, der starte am besten mit „Divination“, dem ersten Teil, und arbeite sich dann nach vorne!

Anspieltipps:
„Stormcarrier“, „On These Haunted Shores“ und „The Ghosting“

Jannis

ELVENKING – Reader of the Runes – Rapture

Trackliste:

01. Rapture
02. The Hanging Tree
03. Bride of Night
04. Herdchant
05. The Cursed Cavalier
06. To the North
07. Covenant
08. Red Mist
09. Incantations
10. An Autumn Reverie
11. The Repentant

Spielzeit: 54:42 min – Genre: Power Metal – Label: AFM Records – VÖ: 28.04.2023 – Page: www.elvenking.net

 

Die Folk Power Metaller von ELVENKING haben sich in den letzten Jahren echt zu einem Hit Garanten gemausert und sind einer DER Vertreter des Folk Power Metals!
Nach dem 2019 erschienenen „Readers of the Runes – Divination, der erste Teil der Readers of the Runes Trilogie folgt nun also nach Adam Riese der zweite Teil mit dem Titel „Reader of the Runes – Rapture“.
Laut Promoaussage soll das neue Album aufgrund des Konzeptes düsterer als der erste Teil ausfallen, was vermutlich einher geht mit einem höheren Anteil von Growls und Death Metaleinflüssen.
Schauen wir mal, ob das so ist, die ersten Vorabsingles ließen auf jeden Fall schon mal wieder Großes erahnen!

Starten wir mit dem Titelstück „Rapture“ welcher direkt mal der längste Track der Scheibe ist. Es ist immer ein Wagnis finde ich mit einem Longtrack einzusteigen, aber die Jungs machen das gut und kreieren hier einen abwechslungsreichen Ritt durch den Folk und Power Metalbereich welcher immer schön aufgelockert wird und im Refrain wieder schön melodisch daherkommt.
Die vorab veröffentlichte Videosingle „The Hanging Tree“ und „Bride of Night“ folgen dann als Nächstes und zeigen sehr eindrucksvoll wie gereift die Band mittlerweile ist und einfach ihren eigenen unverkennbaren Stil zelebriert. Immer schwingt eine gewisse Düsternis mit, die mit Growls schön unterstützt und sinnvoll ergänzt wird.
Sehr schön!
Mehr Folk gibt es bei „Herdchant“ zu bestaunen, bevor es dann im Mittelteil wieder die schon gewohnte Mischung aus Power und Folkmetal gibt. Glanzpunkt ist hier auf jeden Fall „To the North“.
„Covenant“ als Überleitung ins letzte Drittel holt mich dann aber leider so gar nicht ab, „Red Mist“ macht das aber umso mehr!
Hier ist man etwas songdienlicher und schön melodisch unterwegs.
Im letzten Drittel kann man dann die Qualität des sehr starken Mittelteils nicht ganz halten, ist aber auch weit entfernt von kompletten Ausfällen.

Auf jeden Fall ist das neue ELVENKING Album wieder eine sehr lohnenswerte Anschaffung für den geneigten Power und Folk Metalfan geworden. Welche aber auf jeden Fall etwas komplexer ist und nichts fürs eben Mal nebenbei hören!
Zwar kann man die Songqualität nicht ganz bis zum Schluss halten, aber welche Band kann das schon?
Insgesamt haben wir so oder so eine empfehlenswerte Leistung für die angesprochene Zielgruppe!

Julian

 

FER DE LANCE – The Hyperborean

Trackliste:

01. Aurora Borealis
02. The Mariner
03. Ad Bestias
04. Sirens
05. Northern Skies
06. Arctic Winds
07. The Hyperborean

 

 

 

Spielzeit: 52:45 min – Genre: Epic Heavy Metal – Label: Cruz Del Sur Music – VÖ: 22.04.2022 – Page: www.facebook.com/FerdeLanceMetal

 

Wäre man spöttisch, könnte man behaupten, dass manche Alben versuchen, das Label „Underground“ als Kaufgrund darzustellen, wobei mit „Underground“ meist eine schlechte unpolierte Produktion und 08/15-Songwriting gemeint ist. „Hier, es klingt nach Kelleraufnahme, kauf die Version mit dem Patch dabei!“
„The Hyperborean“ passt hinsichtlich des Sounds erst einmal in diese Kategorie, mit einer weitestgehend von Höhen befreiten Snare und generell recht kraftlosen Drums in einer ziemlich verwaschenen Produktion. Großes Aber.
Das Debutalbum der Amerikaner von FER DE LANCE ist in Sachen Sound und Songwriting alles andere als aktuell, wobei diese spezifische Mischung der Art des Sounds und des Songwritings aber einen ziemlich krassen musikalischen Brocken inszeniert, den man keineswegs nur hört, weil er undergroundig klingt. Die Platte umfasst sieben Songs auf 52 Minuten Laufzeit (der letzte davon elf Minuten lang), man nimmt sich also Zeit, und das zurecht.
Das Konzept des Albums: Man nehme eine präsente Akustikgitarre und die übliche Metal-Besetzung, füge Hall und ein bisschen unaktuelles Sounddesign hinzu, das man eher auf einem 90er-Jahre-Black-Metal-Album erwarten würde. Und dann mache man damit eine atmosphärische, klangwandige Mischung aus Heavy, Power, Folk, Epic und Black Metal. Spannend dabei, dass tatsächliche Black-Metal-Parts inklusive der dazu passenden Vocals sehr rar sind (hauptsächlich vorhanden auf „Arctic Winds“, dem straightesten und aggressivsten Song des Albums), dafür aber Black-Metal-Elemente wie Blastbeats, klirrende Gitarrenwände in entsprechender Produktion und sorgfältig ausgearbeitete Riffs gerne mit ansonsten melodischem Metal kombiniert werden und all das wahnsinnig breit aus den Boxen schwillt.
Damit erledigen sich dann anfängliche Kritikpunkte am Klang, denn als mächtige, heißkalte Klangwand funktioniert die Produktion sehr gut. MPs Gesang (ja, so wird sein Name offiziell geführt) ist paradoxerweise gleichzeitig roh und operesk und passt zur Musik und die Kompositionen sind äußerst individuell charakterstark – keine Ohrwürmer, aber das will „The Hyperborean“ natürlich auch nicht liefern.
Qualitativ bleibt lediglich „Northern Skies“ etwas zurück, mit seinem Versuch, Heavy Metal mit Akustik- statt E-Gitarren umzusetzen. Der Rest der Songs überzeugt hingegen durch extreme Intensität, gute Aufbauten sowie ein interessantes und stimmiges Klangbild. Man befindet sich im schwer erreichbaren Raum zwischen BATHORY und RAINBOW, sagt der Promotext dazu. Das trifft es irgendwie ziemlich gut auf den Punkt, und FER DE LANCE wissen diesen Raum unkonventionell geil einzurichten.

Fazit:
„The Hyperborean“ hat all das, was „Underground“-Metal attraktiv macht: Songwriting, dass sich vom Mainstream abhebt, Ideen, die für die breite Masse nicht funktionieren mögen, für Liebhaber aber eben bestens, Mut, Freiraum zur eigenen Entfaltung und zweifelsohne Gesamtqualität, die das mühevolle Graben nach wertvollen Schätzen unter der Erdoberfläche doch absolut rechtfertigt!

Anspietipps:
„Ad Bestias“, „Sirens“ und „Arctic Winds“

Jannis

AMORPHIS – Halo

Trackliste:

01. Northwards
02. On The Dark Waters
03. The Moon
04. Windmane
05. A New Land
06. When The Gods Came
07. Seven Roads Come Together
08. War
09. Halo
10. The Wolf
11. My Name Is Night

Spielzeit: 55:42 min – Genre: Melodic Progressive Folk Death Metal – Label: Atomic Fire – VÖ: 11.02.2021 – Page: www.facebook.com/amorphis

 

Rezensionen sind in vielen Fällen eine gute Sache, um sich über Neuerscheinungen zu informieren und herauszufinden, ob man an ihnen potenziell Gefallen finden könnte. In einigen Fällen, beispielsweise bei U.D.O.- oder eben bei AMORPHIS-Alben, sind sie aber auch primär dafür da, dass der Redakteur das kommende Album einfach schon ein bisschen früher hören kann – und sekundär, damit vielleicht der letzte Mensch auf Erden, der die entsprechende Band noch nicht kennt, auf sie aufmerksam gemacht wird. Denn machen wir uns nichts vor: Niemand erwartet auch nur ansatzweise, dass diese Rezension zu dem Schluss kommt, „Halo“, das nunmehr 14. Album von AMORPHIS in ihrer 31 Jahre andauernden Geschichte, sei ein schwaches Album, das man eher nicht hören sollte. Warum auch, sind die Finnen doch seit eh und je ein absoluter Qualitätsgarant, der einen eigenen grandiosen Stil für sich geschaffen hat, aus höchst passionierten und talentierten Musikern besteht und Wert auf ein starkes Endresultat legt. Darum arbeitet man auch mit Produzent Jens Bogren zusammen, der einen bombastischen, druckvoll-klaren Sound für die Platte zusammengeschustert hat.
Musikalisch: Nun, der klassische AMORPHIS-Klaviersound ist vergleichsweise selten, aber damit endet die Kritik auch schon. „Halo“ findet einmal mehr einen sauberen Mittelweg zwischen düstereren Tönen, angetrieben durch Tomi Joutsens mächtige Growls, und wunderbaren getragenen Gesangsmelodien und Gitarrenmotiven vor druckvoll-schönen Arrangements, die die traumartige dichte Atmosphäre der Musik der Band so besonders machen. Ein Stück weit hat man den AMORPHIS-Sound dabei reduziert, ist insbesondere in der ersten Hälfte von Strophen mit Basic-Band-Instrumentierung und Growls relativ trocken unterwegs (was dank der Produktion aber bereits ordentlich knallt) und spielt teils mit unkonventionelleren Taktarten. Umso fetter sind damit die Parts, in denen so richtig ausgepackt werden kann. Orchestrale Elemente, Synthesizer, Orgeln, Chöre, eine starke Gastsängerin und ergänzende Percussion halten hier Einzug, ohne die Songs zu überladen. Und dazu kommen die wunderbaren, stimmungsvollen Melodien, das Zusammenspiel von Leadgitarre und Gesang, tronend auf einem schweren Rhythmusfraktion-Fundament. Und das bedeutet, wie erwartet:

Fazit:
„Halo“ ist ein weiterer Release von AMORPHIS, den man bedenkenlos blind kaufen kann, wenn man mit den letzten Veröffentlichungen der Truppe etwas anfangen konnte. Wer hätte das gedacht?

Anspieltipps:
„Northwards“, „On The Dark Waters“, „Seven Roads Come Together“ und „Halo“

Jannis

SUIDAKRA – Wolfbite

Band: Suidakra
Album: Wolfbite
Spielzeit: 45:52 min
Stilrichtung: Melodic Folk Death Metal
Plattenfirma: MDD
Veröffentlichung: 25.06.2021
Homepage: www.facebook.com/Official.SuidAkrA

Ich bin immer noch beeindruckt, wie ich SUIDAKRA vor ca. sechs Jahren als Vorband von irgendwem das erste Mal sah und fest davon überzeugt war, dass das eine frische und aufstrebende “neue” Band ist, die nicht mehr als, sagen wir drei Alben veröffentlicht hat. Well… 1994 gegründet, also beinahe so alt wie ich, mit “Wolfbite” nun insgesamt 15 Alben auf dem Markt und allgemein so eine der Truppen, denen man ihr Alter anhand von Ermüdungserscheinungen überhaupt nicht anmerkt.
So auch auf dem aktuellen Longplayer, der unter anderem von Aljoscha Sieg gemixt und gemastert wurde, den man eigentlich eher in der ESKIMO-CALLBOY-Ecke verortet. Auf den Stil von SUIDAKRA hatte das glücklicherweise keinen Einfluss (mal abgesehen von der trailersoundtrack-artigen und von einem Rise-Sound unterlegten Eskalation in der Mitte von “Crossing Over”, die absolut geil ist), und der Sound der Platte ist von vorne bis hinten Brett.
Erster der neun Tracks auf “Wolfbite” ist “A Life In Chains”, gefolgt von “The Inner Wolf”. Beide sehr sauber, durchgängig gut gemacht und knallend, aber verhältnismäßig höhepunktarm bei durchgängig soweit stabiler Grundqualität. Beide bestechen eher durch Groove, Härte und Umsetzung als durch herausragende Melodien und wirkliche Eigenständigkeitsmerkmale, was sich aber ab Track drei (“Darcanian Slave”) mit der wunderbaren Gaststimme von Tina Stabel und einem ausgewogenen Mix aus Härte und verstärkt folkigen Tönen ändert. “Faoladh” fährt einen Dudelsack, beeindruckende Instrumentalarbeit und viel Druck auf, bevor mit “Crossing Over” ein +6-Minüter daherkommt, der bis auf ein bisschen Geflüster rein instrumental gehalten und äußerst vielseitig gestaltet ist, mit atmosphärischen, harten, voll eskalierenden, moderneren, düsteren und folkigen Parts, der aber nicht zusammengefrankensteint wirkt, sondern im Gegenteil voll zündet. Anschließend wieder Raw Power mit “Vortex Of Carnage”, Folk und Geknüppel mit “Resurgence” und ein tendenziell ruhiger-feierliches Finale mit vielen Clean Vocals, 6er-Takt und Emotion.
Insgesamt ist das Folk-Level auf “Wolfbite” ein wenig in den Hintergrund gerückt, SUIDAKRA klingen etwas moderner, dazu verstärkt Death- und ein wenig Black-Metal-lastig, Präsente Folk-Elemente werden auf einen Teil der Songs reduziert, wo sie dann aber auch ein gutes Maß an Präsenz haben. Mag man als Fan gut oder weniger gut finden, ich finde die verschiedenen Anteile persönlich recht gut gesetzt, auch wenn ein bisschen mehr Folkigkeit bei den ersten beiden Tracks nicht geschadet hätte.

Fazit:
Mächtig Druck hinter der Binde, schön aggressiv und doch auch immer mal gut atmosphärisch, mit ordentlich Testosteron, Virtuosität und Freude an der Sache dargeboten und soundtechnisch äußerst fett – und für Freunde der folkigen/celtigen wie der deathigen SUIDAKRA ist was dabei. Feine Sache mit etwas die Erwartungen senkendem Anfang!

Anspieltipps:
“Darcanian Slave”, “Crossing Over”, “Vortex Of Carnage” und “A Shrine For The Ages”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. A Life In Chains
02. The Inner Wolf
03. Darcanian Slave
04. Faoladh
05. Crossing Over
06. Vortex Of Carnage
07. Resurgence
08. Redemption
09. A Shrine For The Ages

Jannis

WINTERAGE – The Inherence Of Beauty

Band: Winterage
Album: The Inherence Of Beauty
Spielzeit: 63:21 min
Stilrichtung: Symphonic Power Metal
Plattenfirma: Scarlet Records
Veröffentlichung: 15.01.2021
Homepage: www.facebook.com/winterage

Es gibt, grob vereinfacht ausgedrückt, zwei Arten von Symphonic-Power-Metal-Bands: die, die auf mehr oder weniger realistische Orchester-Samples zurückgreifen und am Mischpult einen Gänsehaut-Button haben, und die, die in ihre Alben massiv mehr Arbeit hineinstecken, um ein besseres Resultat zu erzielen, obgleich das zusätzliche Maß an Arbeit sich in den Augen des ein oder anderen vielleicht nicht lohnen würde. Damit mag der ein oder andere jedoch falsch liegen, wie an Alben wie WINTERAGEs “The Inherence Of Beauty” deutlich wird.
Daher erstmal zu dem, was am zweiten Longplayer der Italiener objektiv geil ist. Das ist zuallererst der nicht bemängelbare Sound. Das ist des weiteren die Bedienung der Instrumente und der Einsatz der Solo-Vocals: Sänger Daniele Barbossa hat eine klare und powermetallige Stimme, die wie angegossen zur Musik passt. Vittoria Leoni kommt als Solo-Sopranistin dazu und klingt schwer nach professioneller Ausbildung, lediglich die unklaren Vocals im letzten Track wirken deplatziert.
Dann ist da die Truppe an Beteiligten: Neben der Band wäre da ein 21köpfiges Orchester, drei Folk-Musiker und um die 15 Chorleute. Gut, man hat in der Vergangenheit auch schon wesentlich dickere Orchester und Chöre auf Metalalben gehört, aber gerade die Übersichtlichkeit macht einen absoluten Reiz auf “TIOB” aus. Denn die Platte klingt trotz absoluter Symphonic-Power-Metalligkeit kaum überladen, rückt stattdessen immer wieder einzelne klassische Instrumente in den Vordergrund und verwendet Orchester und Chor letztendlich so, wie man es tun sollte: nicht nur als Klangteppich und unter Ausreizung aller Facetten (alleine schon ein paralleler Einsatz eines kleinen Männer- und eines kleinen Frauenchors mit Lyrics abseits von pseudo-lateinischen Lautäußerungen ist auch im Symphonic Power Metal eher die Ausnahme, obwohl es echt scheißgut kommt). Auch die Melodien, so genrekompatibel sie doch sein mögen, entsprechen nicht dem Klischee-Standard, versuchen sich oft erfolgreich an Eigenständigkeit. Und damit ist “TIOB” schonmal ein Album, das bei mir harte Sympathiepunkte einfährt, denn mit starken und außergewöhnlichen Kompositionen und liebevollen Arrangements steht und fällt ein solcher Release.
Wichtig zu erwähnen: die deutliche Folk-Schlagseite des Albums. Das kann man mögen oder nicht mögen, insbesondere den Einsatz einer Geige als festen Bandbestandteil. Ich mag’s weniger, würde es aber mögen, wenn ich weniger Folk-Abneigungen hätte, denn auch die folkigeren Parts fallen an sich sehr überzeugend und nicht allzu Thekenmädchen-lastig aus. Kein Abzug dafür, ebenfalls kein Abzug für die kitschige Thematik des Albums, die man im Power Metal halt erwarten muss (The inheritance of real beauty is hidden in the essence of human beings und so – Kübel bereitstellen, wer auf sowas allergisch reagiert). Punkteabzug allerdings guten Gewissens für “The Toymaker”. Als 16minüter wirkt das Ding erstmal verlockend, besteht aber aus minutenlangem Disney-Narrator-Gerede der übelsten Sorte, aus leichtgängig-nervigem Musical-Gedönse und einigen anderen Fehlgriffen. Lobenswert daran ist hauptsächlich, dass man es geschafft hat, 95% aller schlechten Ideen in einem Lied zu konzentrieren, das hält das hohe Niveau der restlichen immerhin mehr als 45 Minuten Spieldauer hoch.

Fazit:
Abgesehen von dem Track ist “TIOB” ein Album, das man Freunden orchestralen Power Metals mit Folk-Faible bedenkenlos empfehlen kann, denn in dieser Genre-Kombination machen WINTERAGE echt alles richtig; angefangen schon beim liebevoll komponierten Intro, das tatsächlich mal seine Existenzberechtigung im Kontext des restlichen Albums hat. WNTERAGE demonstrieren jedenfalls eindrucksvoll, was für ein Ergebnis man auch (und vielleicht gerade) mit einem kleineren, aber dafür echten Orchester erzielen kann, wenn man ambitioniert ist, auch in Sachen Songwriting nicht immer nur die selben ausgelatschten Pfade zu betreten. Kleine Band, großes Ding!

Anspieltipps:
“Chain Of Heaven”, “Oblivion Day” und “Orpheus And Eurydice”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Ouverture
02. The Inheritance Of Beauty
03. The Wisdom Of Us
04. Of Heroes And Wonders
05. The Mutineers
06. Orpheus And Eurydice
07. Chain Of Heaven
08. La Morte Di Venere
09. Oblivion Day
10. The Amazing Toymaker

Jannis