AMORPHIS – Borderland

Trackliste:

01. The Circle
02. Bones
03. Dancing Shadow
04. Fog To Fog
05. The Strange
06. Tempest
07. Light And Shadow
08. The Lantern
09. Borderland
10. Despair

 

Spielzeit: 49:47 min – Genre: Melodic Metal – Label: Reigning Phoenix Music – VÖ: 26.09.2025 – Page: www.facebook.com/amorphis

 

Man hat als Band schon so einiges richtig gemacht, wenn irgendwo Dein neues Album aufgelegt wird und nach den ersten fünf Sekunden weiß jeder, dass es von Deiner Band sein muss.
Und ja, das müssen die aktuellen AMORPHIS sein, die hier mit einen geschmackvollen Synthesizer und Echo-Gitarren zuallererst mal den Melancholiegenerator anwerfen und dann in den dichten, ernst-schönen und wohlproduzierten klassischen AMORPHIS-Modus übergehen, mit den wunderbaren Vocals von Tomi Joutsen, die dann und wann in kraftvolle Growls ausbrechen. Dazu das immer wieder toll geschriebene Miteinander von Gesangs- und Instrumentalmelodien, die sich in den Refrains umspielen – die Finnen haben ihren Sound und Stil einfach in jeglicher Hinsicht perfektioniert.
Und dementsprechend ist auch ihr neustes Album, „Borderland“, das nun pünktlich zum 35jährigen Bandjubiläum als 15. Album erscheint. Produziert von Jacob Hansen, der nach seiner Arbeit am kürzlich erschienenen neuen Album von PRIMAL FEAR erneut einen Top-Job gemacht hat.
Eines der eingängigeren AMORPHIS-Alben ist die Platte geworden, mit viel Fokus auf Melodiewriting und deutlich mehr Klargesang als Growls, wobei letztere gefühlt in richtigem Maße eingesetzt sind und nicht zu kurz kommen. Mit Tracks wie „Dancing Shadow“ und „Light And Shadow“ ist man über Teile geradezu poppig unterwegs, aber neben melancholischer Finnendisco gibt es natürlich auch noch die härteren Bretter („Bones“), den fett-majestätischen Endtrack und viel klassisches AMORPHIS-Material – an dem ja das Gute ist, dass man genau weiß, welche Bestandteile drinstecken, ohne zu wissen, was einen nun wirklich erwartet, denn Melodien und Arrangements sind nun mal das, was diese Songs untereinander abgrenzt.
Der Härtegrad ist bei „Borderland“ ein Stück weit von der Decke entfernt. Ruhige Passagen, die ein oder andere Akustikgitarre und schöne Klaviersounds sind reichlich vertreten, aber genug Härte natürlich auch. Geht vom Härtelevel her in Richtung des Meisterwerks „Skyforger“.
Und ja, durch die Bank ist die Platte ein weiteres Mal AMORPHIS in Hochform. Zwar entspricht der Chorus von „The Strange“ in seinem antiklimaktischen Wesen teils seinem Namen und „The Lantern“ macht das Album hauptsächlich länger aber nicht besser aber der Großteil der Songs zündet voll.

Fazit:
„Nee, AMORPHIS mag ich nicht“ ist ein Satz, den ich glaube ich tatsächlich noch niemals von einem Metalfan gehört habe. Das hat gute Gründe und „Borderland“ ist der neuste. So einfach ist das.

Anspieltipps:
„Dancing Shadow“, „Borderland“, „Fog To Fog“ und „Light And Shadow“

Jannis

AMORPHIS – Halo

Trackliste:

01. Northwards
02. On The Dark Waters
03. The Moon
04. Windmane
05. A New Land
06. When The Gods Came
07. Seven Roads Come Together
08. War
09. Halo
10. The Wolf
11. My Name Is Night

Spielzeit: 55:42 min – Genre: Melodic Progressive Folk Death Metal – Label: Atomic Fire – VÖ: 11.02.2021 – Page: www.facebook.com/amorphis

 

Rezensionen sind in vielen Fällen eine gute Sache, um sich über Neuerscheinungen zu informieren und herauszufinden, ob man an ihnen potenziell Gefallen finden könnte. In einigen Fällen, beispielsweise bei U.D.O.- oder eben bei AMORPHIS-Alben, sind sie aber auch primär dafür da, dass der Redakteur das kommende Album einfach schon ein bisschen früher hören kann – und sekundär, damit vielleicht der letzte Mensch auf Erden, der die entsprechende Band noch nicht kennt, auf sie aufmerksam gemacht wird. Denn machen wir uns nichts vor: Niemand erwartet auch nur ansatzweise, dass diese Rezension zu dem Schluss kommt, „Halo“, das nunmehr 14. Album von AMORPHIS in ihrer 31 Jahre andauernden Geschichte, sei ein schwaches Album, das man eher nicht hören sollte. Warum auch, sind die Finnen doch seit eh und je ein absoluter Qualitätsgarant, der einen eigenen grandiosen Stil für sich geschaffen hat, aus höchst passionierten und talentierten Musikern besteht und Wert auf ein starkes Endresultat legt. Darum arbeitet man auch mit Produzent Jens Bogren zusammen, der einen bombastischen, druckvoll-klaren Sound für die Platte zusammengeschustert hat.
Musikalisch: Nun, der klassische AMORPHIS-Klaviersound ist vergleichsweise selten, aber damit endet die Kritik auch schon. „Halo“ findet einmal mehr einen sauberen Mittelweg zwischen düstereren Tönen, angetrieben durch Tomi Joutsens mächtige Growls, und wunderbaren getragenen Gesangsmelodien und Gitarrenmotiven vor druckvoll-schönen Arrangements, die die traumartige dichte Atmosphäre der Musik der Band so besonders machen. Ein Stück weit hat man den AMORPHIS-Sound dabei reduziert, ist insbesondere in der ersten Hälfte von Strophen mit Basic-Band-Instrumentierung und Growls relativ trocken unterwegs (was dank der Produktion aber bereits ordentlich knallt) und spielt teils mit unkonventionelleren Taktarten. Umso fetter sind damit die Parts, in denen so richtig ausgepackt werden kann. Orchestrale Elemente, Synthesizer, Orgeln, Chöre, eine starke Gastsängerin und ergänzende Percussion halten hier Einzug, ohne die Songs zu überladen. Und dazu kommen die wunderbaren, stimmungsvollen Melodien, das Zusammenspiel von Leadgitarre und Gesang, tronend auf einem schweren Rhythmusfraktion-Fundament. Und das bedeutet, wie erwartet:

Fazit:
„Halo“ ist ein weiterer Release von AMORPHIS, den man bedenkenlos blind kaufen kann, wenn man mit den letzten Veröffentlichungen der Truppe etwas anfangen konnte. Wer hätte das gedacht?

Anspieltipps:
„Northwards“, „On The Dark Waters“, „Seven Roads Come Together“ und „Halo“

Jannis