CRIME – Hard Times (Zeitmaschine – Re-Release)

Trackliste:

1.Writing On The Wall
2.Fire Walk With Me
3.Running With The Storm
4.Open Your Eyes
5.Kiss My Ass
6.Isolation
7.Get Out Of This Jail
8.I Don´t Wanna Lose This Feeling
9.Hard Times
10.LSD Airways
11.Angel

Spielzeit: 50:13 min – Genre: (Progressive) Hardrock – Label: Metalapolis Records – VÖ: 1993/2023 – Page: www.crime-band.de

Erinnert sich noch wer an das glorreiche Plattenlabel aus dem Süden der Republik, das Anfang der 1990er so manchen Leckerbissen in den CD-Player gezaubert hat?! Die Rede ist natürlich von Long Island Records aus Kissing. FRONTLINE, TAKARA, THE HEAT (mit Mat Sinner), JADED HEART, STEEL DAWN , IF ONLY, GUNSHY oder SABU sowie das göttliche „Stick It In Your Ear“ von PAUL LAINE (mit Bonus Tracks) gingen auf das Konto der bayrischen Überzeugungstäter. Dabei gab es natürlich auch viele Lizenzprodukte, Re-Releases etc.
Aber auch gute eigene Signings konnte man vorweisen. z.B. die deutschen Hardrocker CRIME, die neben dem 1993er Debüt „Hard Times“ zwei Jahre später noch „No Cure“ nachreichten. Danach war allerdings Schluß mit der Band um den griechischen Sänger Stavros Moutzoglou. Des weiteren musizierten bei CRIME Matthias Ehrhardt (guitars), Ulrich Kottke (bass), Gunter Kierstein (keyboards) und Alex P. Meli (drums).

Jetzt erfährt dieser Rohdiamant endlich eine offizielle Wiederveröffentlichung, allerdings vorerst nur digital, dafür aber Remastered.

Leider ist in den Weiten des Internets nicht viel über diese Band zu erfahren. Nur, dass die Band bei allen beteiligten Musikern wohl das einzig nennenswerte Engagement geblieben ist. Beim Öffnen der CD-Box springt einen ein Bandfoto an, das einen gleich erschaudern lässt. So, genau so, konnte man sich das Publikum in der lokalen Rock Discothek vorstellen. Zu dem Zeitpunkt existierten noch einige dieser Schuppen, speziell im eher ländlichen Bayern. Und dort kamen auch die Songs von CRIME zum Einsatz. Sogar bis in die altehrwürdige Rock Fabrik zu Augsburg hat sich dieser Silberling rumgesprochen. Denn dort hörte der Schreiber dieser Zeilen zum ersten Mal den Song „Get Out Of This Jail“ und lenkte seine Augen sofort auf den kleinen Bildschirm, wo das Cover der CD zu sehen war (eine echt geile Idee, die mir so manchen CD-Kauf ermöglichte, auf der anderen Seite aber viel Geld kostete). Der jetzt vorliegende digitale Re-Release kommt nicht von ungefähr über das Label jenes Mannes, der seinerzeit in der RoFa hinter der DJ-Kanzel residierte.

Die 11 Songs auf dem Album könnte man generell als Hardrock bezeichnen – typisch deutschen Hardrock – der sich hin und wieder progressiven Tendenzen hingibt. Das eröffnende „Writings On The Wall“ beginnt frisch und rockig, was allerdings gleich zu Beginn auffällt ist, dass der Sound des Silberlings etwas schwach auf der Brust ist. Das hat sich hoffentlich mit dem Remastering geändert. Auf der anderen Seite hat er Wiedererkennungswert. Das folgende „Fire Walk With Me“ ist dann ein Song von der progressiven Sorte, für mich allerdings nicht dazu prädestiniert, um schon jetzt zum Zug zu kommen. Dafür hat er nicht genügend Durchschlagkraft. Das macht das melodische „Running With The Storm“ aber wieder wett. Die Piano-Ballade „Open Your Eyes“ ist herzzerreißend schön und „Kiss My Ass“ reckt deutlich den Mittelfinger in die Höhe. Die richtigen Highlight kommen aber noch. „Isolation“ macht den Anfang bevor der große Discothekenhit „Get Out Of This Jail“ alle Register zieht. Im Midtempo beheimatet mit Keyboarduntermalung schraubt sich das Stück langsam hin bis zum großartigen Refrain – göttlich. Abermals eine Ballade haben die Jungs mit „I Don´t Wanna Lose This Feeling“ im Programm – abermals ein tolles Stück Musik. Der Titeltrack „Hard Times“ behandelt Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und startet auch mit einem dementsprechenden Intro. Es scheint, als würde der griechische Sänger Stavros seine Erfahrungen in dem Song verarbeiten. „LSD Airways“ kann leider nur noch bedingt überzeugen aber die abschließende dritte Ballade des Albums namens „Angel“ zeigt noch einmal das starke Songwriting über weite Teile des Albums. Nicht zuletzt auch im Balladensektor.

Natürlich ist das Debüt von CRIME eher ein Exot und vielleicht auch ein gesuchtes Teil. Aber deshalb wird „Hard Times“ hier nicht vorgestellt, es geht einfach um tolle Musik, die tief aus dem Herzen kommt und für jeden Hardrocker Pflichtprogramm sein sollte. Leider fand die Scheibe damals zu wenig Beachtung und auch die Zeit war wohl nicht auf der Seite von CRIME. Umso mehr ist dieser Re-Release, dem hoffentlich auch ein physischer folgt, mehr als verdient. Da heißt es zuschlagen!

Stefan

HOTWIRE – The Story So Far 1993-2023

Trackliste:

01. Slam!
02. Crying In The Night
03. Stay In Motion
04. Take Me To Your Heart
05. Midnight Romeo
06. Sometimes She Cries
07. Talk To Me
08. Under Your Skin
09. Heart Of The Young
10. Lovin´ Kind
11. Danger Is Calling
12. Alone
13. Waiting For A Sign
14. Waterfalls
15. Once In My Life

Spielzeit: 69:38 min – Genre: Hardrock, Melodic Rock – Label: Yellow Muffin Records – VÖ: 28.042023 – Page: www.facebook.com/hotwiregang

 

Die Ingolstädter Regionalhelden HOTWIRE sind zurück! Das ist eine der besten Nachrichten des noch relativ jungen Jahres. Angebahnt hatte sich dieses Spektakel bereits vor einiger Zeit, HOTWIRE spielten in Regensburg ein Reunionkonzert in der Besetzung der allerersten Maxi-CD, doch wie so oft kam u.a. die Pandemie dazwischen, die Kontakte sind wieder eingeschlafen und so steht die Band jetzt mit runderneuerter Mannschaft in den Startlöchern. Neben den beiden Originalmitgliedern Tom Glas (drums) und Michael Werner (vocals) sind Hans Heid (ebenfalls bei den deutschen Hardrockern MASS aktiv), Daniel Gumo Reiss (beide guitars) sowie Alexander Schott (bass) mit an Bord.

Der Titel „The Story So Far 1993-2023“ macht auch gleich deutlich, warum es ausgerechnet jetzt sein muss. Vor 30 Jahren stiegen die Ingolstädter ins Geschehen ein, 1994 erschien die erste 3-Track Maxi, ein Jahr später schließlich der erste Longplayer. Insgesamt drei weitere Alben folgten. Zwischenzeitlich trennten sich 2001 die Wege von Michael Werner und HOTWIRE, die mit Andy Urbeck alias Andy Scott das bis dato letzte Werk „Devil In Disguise“ aufnahmen. Jetzt bündeln HOTWIRE sämtliche Highlights aus zwölf Jahren und wagen mit dieser Compilation zumindest einen zaghaften Neuanfang.

Für Kenner ist mit „Slam!“ zwar lediglich ein neuer Song zu hören, der aus der Feder von Sänger Michael Werner stammt. Er hatte die Nummer bereits bei seinem Projekt JUST SAY WEST umgesetzt, im Rahmen mit HOTWIRE klingt das Stück aber erst jetzt fertiggestellt und professionell ausgearbeitet. Sehr stark und ein echter Anreiz, sich diese Compilation auch als Besitzer des Gesamtwerks zu krallen. Denn des weiteren wurden zwei Nummern komplett neu aufgenommen („Midnight Romeo“ und „Danger Is Calling“) und dem übrigen Material wurde ein neues Mastering spendiert. Und so drehen Highlights wie die oben genannten nebst „Alone“ oder „Crying In The Night“ vom LP-Debüt oder „Lovin´Kind“ von der ersten Maxi eine Ehrenrunde. Insgesamt sind hier also fünfzehn Songs aus zwölf Jahren versammelt.

Für alle, die HOTWIRE bisher nicht kannten, ist „The Story So Far 1993 – 2023“ die perfekte Gelegenheit, äußerst hörenswerten, traditionellen Achtziger-Hardrock aus dem Süden der Republik in geballter Form zu entdecken. Eigentlich vergeben wir bei Compilations keine Wertung, in diesem speziellen Fall, der auch dem Umstand geschuldet ist, dass viele HOTWIRE noch nicht kannten, möchte ich dennoch starke 8,5 Punkte auf die Tafel schreiben. Rock on guys – we need you!

Stefan

BAI BANG – Sha Na Na Na

Trackliste:

01. Sha Na Na Na
02. My Favourite Enemy
03. I Don´t Know
04. I Know All The Hits
05. I Wanna Rock´n Roll
06. Motivated
07. All Alone
08. It´s Enough
09. Rock Me
10. That´s All I Need (Wha Wao Wa)


Spielzeit:
35:50 min – Genre: Hardrock, Glam/Sleaze – Label: Pride & Joy Music – VÖ: 24.03.2023 – Page: www.baibang.se

 

Zu den großen Namen der skandinavischen Hardrockwelt haben nie gezählt. Und doch halten BAI BANG seit 1988 durch und produzieren in gewissen Abständen Alben die – seit dem Neuanfang 2009 – einiges an Melodie und Eingängigkeit hinzugewonnen haben. Die alten Releases zwischen 1988 und 2000 sind weitaus gesuchter, die Unbekümmertheit hat Sänger Diddi Kastenholt als einziges verbliebenes Originalmtiglied aber erst in der zweiten Hälfte ihrer Karriere ausgespielt. Zwar polarisieren die Schweden mit ihrer Einfachheit, für Fans melodischer Klänge haben BAI BANG allerdings schon so manchen Partyhit auf dem Gewissen.

Das Besetzungskarussell hat sich wieder einmal kräftig gedreht und so stehen mit Pelle Eliasson und Christian Lindberg (guitars) sowie Tobbe Skogh (bass) und Micke Rosengren (drums) vier neue Mitstreiter auf der Liste. Auch der Wechsel zu Pride & Joy Music ist eine Neuigkeit, wurden doch nahezu sämtliche Alben seit dem Neustart bei AOR- bzw. Metal Heaven veröffentlicht. Doch die Geschäftsaufgabe von Georg Siegl machte eine Neuausrichtung notwendig. Lediglich für die Compilation „Best Of 4“ stand man kurzzeitig bei Lions Pride unter Vertrag. Und so schließt sich der Kreis, wieder bei einem deutschen Label in Lohn und Brot zu stehen. Schon in der ersten Schaffensphase arbeiteten die Schweden sehr gerne mit Partnern aus Germany zusammen.

Jetzt hat das Quartett aus Helsingborg also eine neue Platte unterm Arm – „endlich“ dürften viele Fans frohlocken. Der Start in Form des Titeltracks „Sha Na Na Na“ gestaltet sich allerdings etwas holprig. Deutlich besseres Material hat man in der Vergangenheit von BAI BANG vernommen. Erst mit „I Don´t Know“ liegt das Quartett wieder in der Spur und damit genau da, wo sich die Highlights der Vergangenheit befinden. „I Know All The Hits“ ist sicher eine Art Selbstreflektion, bevor sich mit „I Wanna Rock´n Roll“ der bisher beste Song in Schale wirft. Die AOR Packung „Motivated“ ist eine schöne Abwechslung, die etwas an DEF LEPPARD´s „Hysteria“ erinnert. „All Alone“ nimmt noch mehr Tempo raus, bevor „It´s Enough“ genau die Melodiebögen inne hat, die BAI BANG ausmachen. Das etwas schwächere ABBA-Cover „Rock Me“ kann nicht darüber hinweg täuschen, dass mit „Having A Show“ und „That´s All I Need“ noch zwei Nummern folgen, die auch auf den älteren Platten der Schweden stehen könnten.

Der Titel „Sha Na Na Na“ lässt nichts Gutes erahnen. Aber BAI BANG machen das, was sie am besten können: hochmelodischen Hardrock, der manchmal nah an der Grenze zum Kitsch liegt. Ein ganz klassisches Love/Hate-Ding eben. „Sha Na Na Na“ ist nicht das beste Werk der Band, das liegt außer Frage, aber dennoch ein gutes. Schön, dass Diddi Kastenholt niemals aufgibt und allen Widrigkeiten trotzt. Solche Leute braucht die Szene – er ist mit Leib und Seele dem Rock´n Roll verschrieben!

Stefan

NEWS: Neues Album von SERGEANT STEEL und aktuelle Single

Friday February 24th, 2023 the first video single, taken from the upcoming SERGEANT STEEL album MISTER SIPPI, saw the light of day. PLEASE ME, TEASE ME delivers all of the band’s trademarks and is a perfect start to present the new album! The follow-up to their hit album TRUCK TALES will be released June 30th, 2023!

Austria‘s Hard Rock band #1 has released four studio albums and a best of compilation yet. In the studio the band worked together with musical legends like Michael Wagener, Beau Hill, Peter Mew at Abbey Road Studios, Mark Slaughter and Kane Roberts. Live-wise they played several top-notch open air festival and club shows throughout Austria, Germany and Czech Republic. They shared the stage with Deep Purple, Hollywood Vampires, The Darkness, Scorpions, Europe, The Sweet, to name a few!

On their fifth studio album you can once again expect a hit firework, spiced up with the band‘s very own sense of humor.

SERGEANT STEEL are:
Phil Vanderkill: Lead vocals
Jack Power: Guitars, vocals
Chuck Boom: Guitars, vocals
Ben Bateman: Keyboards
Ronny Roxx: Bass
Cøsy Cøxx: Drums

Tracklist:
01 Down To Mississippi
02 Please Me, Tease Me
03 Mama Didn’t Raise No Fool
04 Alive
05 My Way
06 Knight‘s Tale
07 One Way Ticket From Hell
08 Caught In The Web
09 My Girl
10 Rock Your Pants Off

WEB:
www.sergeant-steel.com

TRENCH DOGS – Stockholmiana

Trackliste:

01. A Little Overdressed
02. Skulldug And Headsick
03. Bridges
04. Wine Stained Eyes
05. Pumpkin Soup
06. Georgian Red
07. Colorful
08. Silver (You´ll Be Gold)
09. Flatliners
10. Maroon
11. Shapeshifter

Spielzeit: 40:51 min – Genre: Glam, Sleaze – Label: Wild Kingdom – VÖ: 03.03.2023 – Page: www.facebook.com/trenchdogs

 

Bereits die 2015 veröffentlichte EP „Fashionably Late“ schlug in der Szene hohe Wellen. Mit ihrem Mix aus HANOI ROCKS, FASTER PUSSYCAT, ENUFF Z´NUFF und den DOGS D´AMOUR waren die TRENCH DOGS aus Stockholm zwar nicht sonderlich eigenständig unterwegs, dennoch wurden die Schweden mit offenen Armen von den Fans empfangen. Immerhin sind die alten Ikonen oft nicht mehr oder in kuriosen Besetzungen samt noch kurioseren neuen Alben unterwegs. Die TRENCH DOGS indes brachten frischen Wind in den zugegebenermaßen etwas eingerosteten Sleaze Rock der alten Helden. 2018 erschien mit „Year Of The Dog“ ihr langersehntes Debütalbum. Lange fünf Jahre mussten die Fans (auch pandemiebedingt) auf ein zweites Langeisen warten. Selbiges steht nun in Form von „Stockholmiana“ endlich in den Läden.

Abermals in den Tilt Studios im schwedischen Strömstad zusammen mit Max Dahlby aufgenommen, von Harry Darling in der Schweiz gemischt und von Al Scott gemastert, gibt es elf neue Songs mit einer Spielzeit von gut vierzig Minuten zu entdecken. Haben die TRENCH DOGS ihr Debüt noch in Eigenregie auf den Markt geworfen, haben sie für diese Platte bei Wild Kingdom (Sound Pollution) unterschrieben.

Schon die erste Single „A Little Overdressed“ klingt hitverdächtig. Der in Australien geborene Sänger Andy Hekkandi hat seine Vorbilder mit Leib und Seele verinnerlicht, bringt aber genug eigenen Flair mit (checkt dazu gerne das Video weiter unten). Das spiegelt sich speziell in melancholischen Nummern wie „Maroon“ oder „Pumpin Soup“ wider, wie sie wohl nur skandinavische Bands schreiben können. Dem stehen straighte, teils schnoddrige Rock´n Roller wie „Skulldug And Headsick“, „Colorful“ oder eben „A Little Overdressed“ gegenüber. Mal Höhenflug und dekadente Partystimmung, mal zutiefst emotionale Momente – das ist „Stockholmiana“.

Der schwedische Fünfer hat mit seinem Zweitwerk gezeigt, dass sie keineswegs eine Eintagsfliege sind, auch wenn die Fans lange auf die neue Platte warten mussten. Freuen wir uns also auch auf hoffentlich zahlreich anstehende Live-Dates in Germany, vielleicht wieder im Package mit MICHAEL MONROE o.ä., denn mit einer Flasche Wein in der Hand und unmittelbar vor der Bühne lässt sich die Musik der TRENCH DOGS immer noch am besten feiern – bisher ist nur ein Date auf dem Hard Rock Hell Sleaze in Sheffield bestätigt.

Stefan

TOMMY LONDON – Emotional Fuse

Trackliste:

01. Runaround
02. Boom Boom Boom
03. Sugar Red
04. Wicked Ways
05. Make You Love Me
06. Love Overdose
07. Vampira
08. You Belong To Me
09. Infatuation
10. Say Whoa

 

Spielzeit: 32:42 min – Genre: Rock/Pop – Label: x – VÖ: 31.01.2023 – Page: www.tommylondon.com/

 

„Who The Fuck Is Tommy London?“ Diese Frage taucht seit Anfang 2018 unweigerlich auf. Da erschien die Debüt-Single „Sugar Red“. Ein grandioser Power Pop Song, geschrieben von einem Mann aus New York City, der DJ, Musiker, Sänger, Songschreiber sowie vielseitiger Entertainer ist und mit Größen wie dem Jazzmusiker Brian Newman oder der Pop-Diva Lady Gaga regelmäßig die Bühne teilt. Er nennt es liebevoll „Modern Rat Pack, Baby!“. Aber auch seine Band DIRTY PEARLS soll nicht ungenannt bleiben, mit der er 2012 das Album „Whether You Like It Or Not“ aufgenommen hat.

Seit 2018 ist der kultige New Yorker also auch Solo unterwegs. Seine erste Single „Sugar Red“ war dann auch gleich ein kleiner Hit, der vor allem eines hat: Ohrwurmmelodien und einen megacoolen Groove. Mit einem solchen Appetizer lässt sich gut auf Stimmenfang gehen. Leider tröpfelten weitere neue Songs nur sehr langsam nach, allerdings in Form von z.B. „Make You Love Me“ wirklich grandios. „Boom Boom Boom“ als nächste Single war eher im Pop zu verorten während „You Belong To Me“ in Teilen an BILLY IDOL´s „Rebel Yell“ angelehnt ist.

Angekündigt bereits 2018 ist es jetzt endlich so weit: das Album „Emotional Fuse“ steht in den Läden. Und mit ihm die aktuelle Auskopplung „Vampira“. Ein schöner Popsong, der ins Jahr 2023 passt und durchaus bei den Hit-Stations laufen könnte. Während TOMMY LONDON also als DJ bei SiriusXM´s Hair Nation mit Sendungen wie „Ozzy´s Boneyard“ oder „Classic Rewind“ eher in Erinnerungen schwelgt, bewegt sich der Künstler TOMMY LONDON im Hier und Jetzt. Seine Mischung auf „Emotional Fuse“ ist überhaupt nicht nostalgisch, sondern frisch und jung. Coole Platte!

Stefan

WIG WAM – Out Of The Dark

Trackliste:

01. Out Of The Dark
02. High´n Dry
03. Forevermore
04. Bad Luck Chuck
05. Uppercut Shazam
06. Ghosting You
07. The Porpose
08. The American Dream
09. 79
10. God By Your Side
11. Sailor And The Desert Sun

Spielzeit: 44:02 min – Genre: Hardrock – Label: Frontiers Records – VÖ: 10.02.2023 – Page: www.facebook.com/wigwam.official

 

Vor über 20 Jahren, zu einer absoluten Unzeit für Glam und Sleazerock, fanden sich im norwegischen Halden vier unerschrockene Musikanten zusammen, um ihrer Version von 70ger Glam und 80ger Sleaze zu frönen. Das war im Jahre 2001. Es dauerte zwar bis 2004, bis Sänger Glam (Age Sten Nilsen), Gitarrist Teeny (Trond Holter), Bassist Flash (Bernt Jansen) und Schlagzeuger Sporty (Oystein Andersen) mit ihrem nur in Norwegen erschienen Debüt „667 – The Neigbour Of The Beast“ ein erstes Album vorweisen konnten, dennoch schlug die Platte große Wellen – zuerst natürlich in Insiderkreisen, aber sie wurde recht schnell von einschlägigen Mailordern hierzulande feilgeboten. Darauf folgte die überarbeitete Version „Hard Ro Be A Rock´n Roller“, die neben dem namensgebenden Hit noch coole Nummern wie „Mine All Mine“, „Bless The Night“ oder das leicht verrückte „The Best Song In The World“ zu bieten hatte. Aufhänger der neuen Version war aber das eigens für den Eurovision Song Contest verfasste „In My Dreams“. Der Rest ist Geschichte – samt den 5 bisher erschienenen Platten. Seit 2010 sind die Norweger bereits bei Frontiers Records unter Vertrag – samt einiger Side-Projekten von Age Sten Nilsen und Trond Holter. Dafür nahmen sich WIG WAM zwischen 2014 und 2019 auch eine schöpferische Pause. Mitten in der Pandemie im Jahr 2021 erschien mit „Never Say Die“ das bis dato letzte Werk des Vierers. Eine Platte, die diese dunkle Zeit reflektierte, mit Songs wie „Kilimanjaro“ aber auch typisches WIG WAM Futter zu bieten hatte.

Jetzt haben sich die kultigen Norweger für ein weiteres Album zusammengetan. „Out Of The Dark“ heißt es – und mit gleichnamigen Vorabsingle spannen die Jungs den Bogen vom letzten Album zu den Anfangstagen, was die Melodien angeht. Mit dem majestätischen „Forevermore“ schlagen WIG WAM ein neues Kapitel auf – einen derart erhabenen Song hat der Vierer wohl noch nicht aufgenommen. Aber auch harte Kost – wie schon auf dem Vorgängeralbum – gibt es z.B. mit „Uppercut Shazam“. Zum Glück rocken und rollen die Herrschaften bei „The American Dream“, „Bad Luck Chuck“ oder „High´n Dry“ so frei von der Leber weg, wie man es sich eben wünscht. Nach dem Instrumental „79“ haben bei „God By Your Side“ wieder die fetten Gitarren das Sagen. Abschließend hat das Quartett mit „Sailor And The Desert Sun“ noch eine kleine Überraschung parat, denn hier werden die Bandtrademarks mit lässigem Groove und leicht orientalischem Einschlag vermengt.

„Out Of The Dark“ macht Spaß – soviel steht fest. Aber WIG WAM sind erwachsen geworden, das hat bereits der Vorgänger „Never Say Die“ gezeigt. Auf ihrem sechsten Longplayer geben uns die Norweger eine gute Mischung aus alten und neuen Elementen des Bandsounds, was eine schöne Werkschau darstellt, wenngleich auch nicht jeder Song zündet.

Stefan

STONE FURY – Best Of (RG Zeitmaschine)

Trackliste:

01. Break Down The Walls
02. Lies On The Run
03. Too Late
04. Life Is Too Lonely
05. Mama´s Love
06. Babe
07. Let Them Talk
08. Eye Of The Storm
09. I Hate To Sleep Alone
10. Shannon You Lose


Spielzeit:
42:33 min – Genre: AOR, Melodic Rock – Label: MCA Records – VÖ: 1988 – Page:

Eine Best-Of Scheibe aus nur zwei regulären Platten zu basteln ist schon etwas dreist. Die Plattenindustrie in den Achtzigern war halt etwas ganz Besonderes (*lach*). Aber für diesen Beitrag macht es diese Zusammenstellung aus dem Jahr 1988 ein gutes Stück leichter, die gute alte Zeit mit dieser großartigen Kollaboration aus Lenny Wolf (später Gründer von KINGDOM COME) und Bruce Gowdy (u.a. UNRULY CHILD) noch einmal in Gänze Revue passieren zu lassen.

Im Rückspiegel mag Lenny Wolf diese Jahre verfluchen, denn nach eigener Aussage war es nicht gerade leicht, nach zwei derart soften Platten eine wild rockende Kapelle wie KINGDOM COME aufziehen zu können, aus Fan-Sicht aber haben speziell das 1984er Debüt „Burns Like A Star“, aber auch das softere, sehr AOR-lastige „Let Them Talk“ von 1986 heute noch Kultstatus.

Und überhaupt war es alles andere als üblich, dass ein Deutscher – Lenny Wolf stammt aus Hamburg Rock City – in den Vereinigten Staaten einen Plattenvertrag ergattern konnte. Die Connection ging zurück auf einen früheren Bandkollegen, der gute Kontakte in die USA hatte, u.a. zu Marty Wolffe, der mit den DOOBIE BROTHERS arbeitete. Durch ihn lernte Lenny Wolf seinen späteren Komplizen Bruce Gowdy kennen. 1983 bekam die auf STONE FURY getaufte Band einen Vertrag bei MCA Records und konnte für ihr Debüt mit dem hochdotierten Andy Johns im Studio zusammenarbeiten. Die Platte enthielt den Überflieger „Break Down The Walls“ sowie weitere großartige Nummern wie „I Hate To Sleep Alone“ oder die beiden Balladen „Life Is Too Lonely“ bzw. „Shannon You Lose“. Für „Break Down The Walls“ wurde ein Videoclip gedreht (Siehe unten).

Doch der erhoffte Erfolg blieb aus – und so mussten STONE FURY für ihre zweite Scheibe kleinere Brötchen backen und mit dem weitaus unbekannteren Produzenten Richard Landis begnügen, der noch dazu eigentlich aus der Country-Ecke kam und lediglich zwei Releases von DESMOND CHILD & ROUGE auf der Rock-Habenseite hatte. Und es kommt, wie es kommen musste: Produzent und Lenny Wolf können so gar nicht miteinander. Der Streit geht so weit, dass Wolf das Studio verlassen musste. Dass aus diesen katastrophalen Umständen AOR Perlen wie „Too Late“, „Lies On The Run“ oder „Stay“ entstehen konnten, grenzt an ein Wunder.

Dennoch ist Lenny Wolf aufgrund des praktisch nicht vorhandenen Mitspracherechts dermaßen angepisst, dass das Kapitel STONE FURY ad acta gelegt und mit KINGDOM COME kurze Zeit später schon ein neuer Anlauf gewagt wird, der in dem grandiosen selbstbetitelten Debüt mündet, das 1988 das Licht der Welt erblickt. Die Erfolgsgeschichte von KINGDOM COME wird an anderer Stelle behandelt werden, für STONE FURY bleibt nur so viel zu sagen, dass es sich um vom Künstler nicht sonderlich geliebte, von den Fans aber immer noch verehrte Alben handelt. Und auch aus diesem Grund ist die 1988 erschienene „Best-Of“ Compilation ein schöner Anlass, um das frühe Schaffen das Ausnahmekünstlers Lenny Wolf noch einmal neu zu entdecken.

Stefan

CROWNE – Operation Phoenix

Trackliste:

01. Operation Phoenix
02. Champions
03. In The Name Of The Fallen
04. Super Trooper
05. Ready To Run
06. Juliette
07. The Last Of Us
08. Just Believe
09. Roar
10. Victorious
11. Northern Lights

Spielzeit: 45:26 min – Genre: Hardrock – Label: Frontiers Records – VÖ: 27.01.2023 – Page: www.facebook.com/officialcrowne

 

Sie haben es also wieder getan! Die schwedische Supergroup CROWNE schickt sich an, Album Nummero zwo in den Ring zu werfen. Der Erstling „Kings Of The North“ ist gerade einmal 1 ½ Jahre alt und hat eine richtig gute Figur gemacht. Aber Arbeitstiere wie Keyboarder und Produzent Jona Tee (H.E.A.T.), Sänger Alexander Strandell (ART NATION), Bassist John Levén (EUROPE), Drummer Christian Lundqvist (THE POODLES) und Love Magnusson (DYNAZTY) sind immer für neue Songs gut. „Operation Phoenix“ ist der Titel des neuen Werks, das nahtlos an das Debüt anknüpft, aber leicht an der Härteschraube dreht.

Geboten wir abermals Hochglanz-Hardrock erster Güte, der weder handwerklich noch in Sachen Songwriting Anlass zum Meckern gibt. Das hier ist genau das, was sich Fans der Band bzw. der Stammcombos der einzelnen Mitwirkenden wünschen. Die ersten vier Songs des Albums sind mittlerweile als Single ausgekoppelt, wobei speziell über den Titel „Super Trooper“ (die aktuellste Auskopplung) diskutiert werden wird. Aber es handelt sich mitnichten um eine Coverversion ihrer Landsleute sondern um ein weiteres Melodiefeuerwerk im Rockgewand. Das hat die Nummer natürlich mit den ersten drei starken Appetithappen gemein. Aber dabei bleibt es natürlich nicht. Songs wie „Ready To Run“ oder „Juliette“ wären auf Alben anderer Künstler das absolute Highlight. Bei CROWNE ist es nur ein Stück von vielen. Die Hitmaschine scheint niemals stillzustehen bei Jona Tee und Co. Einiges erinnert zwar an das unlängst mit Höchstnoten ausgezeichnete „Force Majeure“ seiner Stammband H.E.A.T., aber ganz so einfach ist der Vergleich dann doch nicht, denn CROWNE gehen musikalisch schon ein bisschen härter zu Werke, quasi irgendwo zwischen H.E.A.T. und aktuellen DYNAZTY könnte man sagen.

Wenn das mal kein Ansporn zum Antesten dieses Silberlings ist, weiß ich auch nicht mehr. Dazu kommen noch das atmosphärische „The Last Of Us“ oder das überraschende „Northern Lights“, das auch gut und gerne von ECLIPSE stammen könnte (und das ist durchaus als Kompliment gedacht) – genau wie „Just Believe“.

„Operation Phoenix“ ist erneut eine rundum gelungene Sache, ein starkes Statement von Ausnahmemusikern, dem man als Genrefan definitiv nicht aus dem Weg gehen kann.

Stefan

SAINTS & SINNERS – Same (RG Zeitmaschine)

Trackliste:

01. Shake
02. Rip It Up
03. Walk That Walk
04. Takin´ My Chances
05. Kiss The Bastards
06. Wheels Of Fire
07. Lesson Of Love
08. We Belong
09. Intro – Frankenstein
10. Frankenstein
11. Slippin´ Into Darkness

Spielzeit: 51:11 min – Genre: Hardrock – Label: Aquarius Records – VÖ: 1992 – Page:

Es war vorbei, bevor es richtig angefangen hat. Dieses Schicksal ereilte unzählige Hardrockbands zu Beginn der Neunziger. Eine davon war SAINTS & SINNERS, die 1991 von SWORD-Sänger Rick Hughes gegründet wurde und die ein Jahr darauf mit ihrem gleichnamigen Debüt herauskam. Dieses wurde von ALDO NOVA produziert, den Draht zu ihm hatte Keyboarder Jesse Bradman, der schon mit dem Gitarrenvirtuosen gespielt hatte und auch sonst mit Bands wie NIGHT RANGER oder UFO die Welt gesehen hatte.

Auf „Saints´n Sinners“ frönte der Fünfer aus Montreal einer Mischung aus SKID ROW , TYKETTO, dem HARDLINE-Debüt und XYZ – es wurden mit „Walk That Walk“, „We Belong“ und „Takin´ My Chances“ drei Singles ausgekoppelt, von denen keine etwas reißen konnte. Kein Wunder, denn die Zeit für derartige Musik war einfach abgelaufen. Auf MTV – dem immer noch einflussreichsten Kanal, um von der breiten Masse wahrgenommen zu werden – fand diese Musikrichtung nur noch sporadisch statt.  Zudem machte man den Fehler, einen der besten Songs sträflicherweise an das Ende des Albums zu stellen und ihn auch nicht auszukoppeln. „Slippin´ Into Darkness“ hatte alles, was ein Hit haben musste: unwiderstehliche Melodien, tolle Arrangements, große Chöre und natürlich – wie das ganze Album – einen erstklassigen, kraftvollen Sound. Und doch ist die Essenz der Kanadier so viel mehr als nur dieser eine Song.

Nach diesem einen Album löste sich die Band 1993 aufgrund der grassierenden Grungewelle frustriert auf. Sowohl Rick Hughes als auch Stephane Dufour veröffentlichten im Laufe der 2000er einige Soloalben während Martn Bolduc und Jeff Salem komplett aus der Szene verschwanden. Jesse Bradmann versuchte mit Bands wie JESSE´s POWERTRIP oder INNOCENT sein Glück – dieses war aber ebenso von kurzer Dauer wie das von SAINTS & SINNERS. Deren Vermächtnis ist und bleibt das superbe, selbstbetitelte 1992er Album, das bis dato auf einen Re-Release wartet. Schade eigentlich…

Stefan