CONFESS – Haunters

Band: Confess
Album: Haunters
Spielzeit: 58:15 min.
Stilrichtung: Hair Metal, Hardrock, Heavy Metal
Plattenfirma: –
Veröffentlichung: 01.03.2017
Homepage: www.confess.se 

Ziemlich genau drei Jahre ist es her, seitdem das Debüt von CONFESS in die Hairmetal Szene ziemlich tief eingeschlagen hat. Mit grandiosen Hymnen wie „Relationshit“ oder „Setting Sails“ knüpfte die Band aus Stockholm nahtlos an frühe CRASHDIET an. Für die neue Platte „Haunters“ zeichnen sich neben den bekannten Mitgliedern John Elliot (vocals), Blomman (guitars) und Samuel (drums) zwei neue Männer verantwortlich: Bassist Van Noice und Gitarrist Richie ersetzen Lucky und Daniel. 

Für ihr neues Coverartwork haben CONFESS eine recht klassische Zeichnung gewählt, die perfekt zum Sound passt und auch die Zeit nicht verleugnet, in der die Jungs leben: die glorreichen Achtziger. Und ganz nebenbei greift es mit „Rats“ einen Song des neuen Albums auf. Dieser steht aber erst an vierter Stelle – und bis er erklingt, haben CONFESS nach dem Intro „Irony“ bereits zwei Hochkaräter abgefeuert. Schon „Strange Kind Of Affection“ ist ein Knüller. Etwas metallischer angelegt als das restliche Material, zeigt er gleich neue Facetten im Sound der Schweden. Die Nummer hat alles, was ein Hit braucht und wurde nicht umsonst zur ersten Single auserkoren. „Stand Our Ground“ ist etwas klassischer gehalten und ein richtiger Midtempostampfer – abermals großartig. Das eben schon erwähnte „Rats“ macht das Lächeln im Gesicht dann abermals breit. Wer denkt, CONFESS gehen nach diesem nahezu perfekten Einstieg die Ideen aus, der hat das Debüt nicht gehört. Denn schon auf „Jail“ tummeln sich enorm viele geile Songs. Auch auf „Haunters“ ist das so: neben den bereits erwähnten solltet Ihr Euch unbedingt das schleppende „Haunting You“, das herrlich altmodische „Talia“ oder Songs wie „Animal Attraction“ oder das in Landessprache gesungene „Vittring“ reinziehen.

Variabler und ausgefeilter, aber auch einen Tick mehr „cheesy“ legen CONFESS mit ihrem zweiten Longplayer „Haunters“ ein ordentliches Brikett nach. Zwar ist der Überraschungseffekt von „Jail“ lange verblasst, das schmälert die Klasse der Songs aber nicht im geringsten. Lassen wir uns überraschen, wie sich die neuen Songs auch live umsetzen lassen. „Haunters“ ist abermals ein Highlight und sollte den Weg in Euren Plattenschrank finden. Apropos: natürlich gibt es das Zweitwerk der Schweden auf Vinyl. 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1.    Irony (Intro)
2.    Strange Kind Of Affection
3.    Stand Our Ground
4.    Rats
5.    Haunting You
6.    Talia
7.    How Could I Let You Go
8.    Animal Attraction
9.    I Won´t Die 
10.    Lady Of The Night
11.    Tonight
12.    Let The Show Go On
13.    Eye To Eye
14.    Vittring

Stefan

SHAMELESS – The Filthy 7

Band: Shameless
Album: The Filthy 7
Spielzeit: 38:32 min.
Stilrichtung: Hardrock, Hair Metal
Plattenfirma: RSR Music
Veröffentlichung: 04.2017
Homepage: www.shamelessrock.com

In lockerer Reihenfolge trudeln immer wieder neue Tonträger eines Bandprojektes in den Plattenläden der Republik ein, das so wohl niemand für möglich gehalten hätte. Ein Bassist aus der bayrischen Landeshauptstadt schart die Größen der US-amerikanischen Glamszene der Achtziger um sich und legt mit SHAMELESS eine flotte Sohle aufs Parkett. Bereits seit 1989 existiert dieses lockere Tet-á-tet, ihre Frühwerke „Backstreet Anthems“ (1989) und vor allem das nach einem langen Break veröffentlichte „Queen 4 A Day“ (2000) konnten begeistern. Aber auch die restlichen vier Platten boten kurzweiligen Sleaze- bzw. Hardrock mit Szenegrößen wie Steve Summers (PRETTY BOY FLOYD), Stevie Rachelle (TUFF), Eric Singer (KISS), Chris Holmes (W.A.S.P.), um nur einige zu nennen. 

Für die neue Scheibe „The Filthy 7“, die siebte in der Diskographie, wie sich unschwer erkennen lässt, hat Mr. Alexx Michael wieder viele seiner Freunde angerufen, um ihn zu unterstützen. Das wären neben Stammgitarrist B.C. auch Tracii Guns (L.A. GUNS), Steve Summers (PRETTY BOY FLOYD), Frankie Muriel (KING OF THE HILL) und Stevie Rachelle (TUFF). Ein illustrer Haufen also, der sich durch elf neue Songs rockt. OK, „Get Out Of My Dreams, Get Into My Car“ ist ne Coverversion. 

An erster Stelle aber steht die lässige KISS-Nummer „How The Story Goes“. Alexx Michael lebt nicht nur seine Musik, er ist auch einer der größten KISS-Maniacs auf diesem Planeten. Das zeigt sich natürlich auch in seiner Musik. Aber es wäre unfair, den Opener als Kopie abzutun, denn zumindest der Chorus ist um Längen sleaziger als es KISS je sein könnten. Somit spannen SHAMELESS schon zu Beginn der Scheibe den Bogen gekonnt mit allen Hauptzutaten auf „The Filthy 7“. 

Schon an zweiter, sehr prominenter Stelle steht der alte BILLY OCEAN Hit „Get Out Of My Dreams, Get Into My Car“, dem die Jungs einen ordentlichen Rockanstrich verpasst haben. Highlights von „The Filthy 7“ sind neben dem Öffner „How The Story Goes“ wunderbar klassische Rocker wie „Can´t Get Enough“, „Serial Cheater“ oder „Love Game“ sowie das punkige „WTF R U“. 

Die Leistungskurve zeigt leicht nach oben bei SHAMELESS. „The Filthy 7“ gehört schon aufgrund seiner Lockerheit zu den besten Releases der Band. Auf dieser Platte geht der Weg etwas weg vom eher klassischen Sleaze vergangener Tage und nimmt die Siebziger mit ins Boot. Eine willkommene Abwechslung. 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1.    How The Story Goes
2.    Get Out Of My Dreams, Get Into My Car
3.    I Don´t Wanna Know
4.    Can´t Get Enough
5.    It Can´t Be That Bad
6.    Serial Cheater
7.    WTF R U
8.    Love Game
9.    Getaway
10.    Wild In The Night
11.    Change Your World

Stefan

CYANIDE – Lethal Dose

Band: Cyanide
Album: Lethal Dose
Spielzeit: 44:52 min.
Stilrichtung: Hair Metal
Plattenfirma: Eigenvertrieb
Veröffentlichung: bereits veröffentlicht
Homepage: www.cyanideband.com

Früher rannte man mit feuchten Augen, wild fuchtelnd und ähem tanzend um den Weihnachtsbaum, wenn darunter eine neue (oder alte) Platte von Heroen wie AC/DC, IRON MAIDEN, KISS oder in meinem Falle MÖTLEY CRÜE lag. Diese wurde dann aber auch höchstens einmal auf der elterlichen Stereoanlage ausprobiert, da sonst der Frieden dahin gewesen wäre. Aber ein Funktionstest musste eben sein. Außerdem legten danach sämtliche Familienmitglieder zusammen, um einem zum nächsten Geburtstag einen eigenen Plattenspieler zu schenken, damit ein derartiges Szenario im nächsten Jahr zur besinnlichen Zeit unterbunden werden konnte. Täuscht es mich, oder waren wir als Kinder mit weniger zufrieden? Anyway – es war schon eine tolle Zeit in den Achtzigern. Das denken sich auch unzählige Bands auf dem gesamten Globus heute noch und machen kurzerhand Musik, wie sie damals angesagt war. CYANIDE aus den vereinigten Staaten, genauer aus der Zockermetropole Las Vegas, haben ebenfalls enormen Spaß daran, sich der Retrobewegung im eigenen Land anzuschließen. 

Dabei haben sie sich Kapellen wie MÖTLEY CRÜE, KISS, RATT oder W.A.S.P. auf die Fahne geschrieben. Das ist zwar nicht gerade ein Einzelfall, aber die Umsetzung lässt doch aufhorchen. Denn zum Einen ist Sänger Rob Hussey stimmlich sehr nah bei Vince Neil und zum Anderen sind die elf Songs auf ihrem Album „Lethal Dose“ durchaus mit Eigenleben versehen. Im Grunde machen CYANIDE eine Mischung aus Street Rock und Hair Metal. Dass „Lethal Dose“ schon über zwei Jahre auf dem Buckel hat und hier jetzt noch besprochen wird, ist also kein Zufall. 

Der räudige Öffner „Bitches To Blame“ ist wohl das beste Beispiel, wie man alten Bands huldigen kann, ohne sie zu kopieren. Aber auch Songs wie „What Comes Around Goes Around“ (nein, keine Coverversion von TUFF), das lässige „Drinkin´“ oder die Ballade „It´s A Long Road“ sind mehr als hörenswert und erinnern an bessere Zeiten, als die Haare noch lang und die Nächte noch länger waren. „Lethal Dose“ ist kein Meisterwerk, kein auf dem Reißbrett entworfenes Hochglanzprodukt, aber eine äußerst liebenswerte Platte von einer Band, die hörbar Spaß an dem hat, was sie macht. Auch wenn es das schon Jahrzehnte davor gegeben hat und heutzutage wohl weitaus weniger Fans mit dieser Musik gewonnen werden können. Daumen nach oben Jungs! So hat guter Rock´n Roll schon vor dreißig Jahren klingen müssen…

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1.    Bitches To Blame
2.    Drinkin´
3.    Pump It To Me
4.    Flying Free
5.    Nikki Sixx In Disguise
6.    Devil Inside Me
7.    Groovin´
8.    Lookin´For A Good Time
9.    What Comes Around Goes Around
10.    It´s A Long Road
11.    Whole Lotta Trouble

Stefan

THUNDER – Rip It Up

Band: Thunder
Album: Rip It Up
Spielzeit: 51:13 min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: ear Music
Veröffentlichung: 10.02.2017
Homepage: www.thunderonline.com

THUNDER sind nicht totzukriegen. Und das ist auch gut so. Denn die britischen Hardrocker haben nicht nur mit den ersten beiden Alben „Backstreet Symphony“ 1990 und „Laughing On Judgement Day“ zwei Jahre später überzeugen können. Danny Bowes, Luke Morley, Ben Matthews, Gary „Harry“ James und Chris Childs – so das aktuelle Line-Up – konnten sich über die Jahrzehnte immer wieder neu erfinden. Zumindest im eigenen musikalischen Kreis. Im Grunde waren THUNDER aber schon immer eine Bluesband, auch wenn die Frühwerke durch ihre Hochglanzproduktionen eine gewisse Einfachheit vermissen ließen. Aber der Blues kristallisiert sich auf ihrem elften Studioalbum, das ebenso elf neue Tracks enthält, wohl so stark heraus wie selten zuvor. 

Dabei geben die Briten beim Opener „No One Gets Out Alive“ noch die waschechten Hardrocker. Mit viel Energie und Engagement machen sie klar, dass sie quicklebendig im Jahr 2017 angekommen sind. Denn das neue Album ist nicht nur ein Ausflug in die Siebziger und dessen bluesgetränkten Classic Rock, sondern lebt eindeutig auch im Hier und Jetzt. Nach dem relativ harten Öffner zeigen THUNDER mit dem Titeltrack samt seinem rhythmischen Groove eine ganz andere Seite. Dass beides Schokoladenseiten sein können, haben die Briten schon oft bewiesen. Und so ist es auch auf dem neuen Werk. Egal, ob die bereits erwähnten Stücke, betont rockiges wie „She Likes The Cocaine, ruhige Momente wie bei „Right From The Start“ oder der lässige Rausschmeißer „There´s Always A Loser“ – THUNDER musizieren immer mit Hingabe. 

Dass THUNDER live immer überzeugen konnten, ist wirklich kein Geheimnis. Einige ihrer Alben wurden in der Vergangenheit allerdings nicht mit genügend Aufmerksamkeit bedacht. Wollen wir hoffen, dass „Rip It Up“ da besser wegkommt. Und auch wenn es darauf keine Gassenhauer der alten THUNDER-Schule zu bestaunen gibt: die Klasse ist vorhanden – immer noch. 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1.    No One Gets Out Alive
2.    Rip It Up
3.    She Likes The Cocaine
4.    Right From The Start
5.    Shakedown
6.    Heartbreak Hurricane
7.    In Another Life
8.    The Chosen One
9.    The Enemy Inside
10.    Tumbling Down
11.    There´s Always A Loser

Stefan

TOKYO MOTOR FIST – Tokyo Motor Fist

Band: Tokyo Motor Fist
Album: Tokyo Motor Fist
Spielzeit: ? min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 24.02.2017
Homepage: –

Unlängst beglückten uns THE DEFIANTS mit ihrem selbstbetitelten Erstling, auf dem sie erstklassigen Hardrock in einer sehr erfrischenden Variante gespielt haben. Die Mitwirkenden waren u.a. Bruno Ravel von DANGER DANGER, Rob Marcello (MARCELLO/VESTRY) und der einstweilige DANGER DANGER Vokalist Paul Laine. Nun schieben die Verantwortlichen von Frontiers Records einen ziemlich ähnlichen Projektballon hinterher. Mit DANGER DANGER Sänger Ted Poley und TRIXTER Gitarrero Steve Brown sowie Greg Smith (bass, TED NUGENT etc.) und Chuck Burgi (drums, JOE LYNN TURNER etc.). Das Rezept ist exakt das gleiche. Große Hooks, ein richtig fetter Sound und mit Ted Poley natürlich eine perfekte Besetzung am Mikrofon. 

Alle Fans der rockigen Achtziger bekommen von der ersten Minute an ein feuchtes Höschen, wahrscheinlich schon beim Lesen der involvierten Künstler. Und das dürfen sie auch. TOKYO MOTOR FIST ist eine Mischung aus neuen TRIXTER (die ja ebenfalls labelintern mit „Human Era“ 2015 ein starkes Comeback hingelegt haben) und DANGER DANGER bzw. THE DEFIANTS. Der Kreis schließt sich also. 

Zwar ist das eröffnende „Pickin´Up The Pieces“ auf den ersten Blick etwas zu einfach gestrickt, aber der Fuß wippt. Und das ist doch ein gutes Zeichen, oder? Doch es wird (noch) besser: „Love Me Insane“, „Shameless“ oder „Put Me To Shame“ sind echte Kracher. Fans der Achtziger machen hier absolut nix verkehrt, und Anhänger der oben genannten Kapellen sowieso nicht. 

Merke: wenn Du die richtigen Leute unter Vertrag hast, kannst Du Unmengen guter Projekte raushauen. Und im Falle von TOKYO MOTOR FIST ist das – wie schon bei THE DEFIANTS – echt eine Sünde wert. Kaufen!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1.    Pickin´Up The Pieces
2.    Love Me Insane
3.    Shameless
4.    Love
5.    Black And Blue
6.    You´re My Revolution
7.    Don´t Let Me Go
8.    Put Me To Shame
9.    Done To Me
10.    Get You Off My Mind
11.    Fallin´Apart

Stefan

UNRULY CHILD – Can´t Go Home

Band: Unruly Child
Album: Can´t Go Home
Spielzeit: ? min.
Stilrichtung: AOR, Melodic Rock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 24.02.2017
Homepage: www.unrulychild.net 

Viel wurde unter dem Namen UNRULY CHILD veröffentlicht. Aber nur das 1992 erschienene Debüt dürfte diesen Schriftzug tragen. Denn entweder war Sänger(in) Mark bzw. Marcie Free nicht mit an Bord oder diverse andere Musiker. Doch jetzt wurde das Original Line-Up mit Marcie Free (vocals), Bruce Gowdy (guitars), Guy Allison (keyboards), Larry Antonio (bass) und Jay Schellen (drums) wieder zusammengetrommelt. 

Alles beim alten ist nach 25 Jahren aber dann doch nicht. Wurde der Erstling von Starproduzent Beau Hill betreut, wurde dieses Mal labelüblich alles in eigene Hände gelegt. Der Sound ist zwar AOR-like aber ziemlich dünn. Fans von TOTO, JOURNEY und Kollegen dürfte das nicht weiter stören. Fans von „Unruly Child“ jedoch werden etwas enttäuscht sein. Sofern sie seit dem Debüt keine Platte von UNRULY CHILD mehr in die Hand genommen haben. Denn auch in der Vergangenheit haben sich die Amis nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. 

AOR mit Westcoasteinschlag ist es dann auch, was UNRULY CHILD auf „Can´t Go Home“ zelebrieren. Die Qualität der Songs ist größtenteils über alle Zweifel erhaben. Jedoch plätschert die Platte einfach so dahin. Zum Abschluss zeigen die Jungs mit „Someday Somehow“ zwar kurz, was möglich gewesen wäre, wenn sie mehr Bock auf Rock gehabt hätten. So bleibt aber nur eines von vielen AOR-Alben, die es in dieser Form schon (viel zu) oft gegeben hat. Originalbesetzung hin oder her.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1.    The Only One
2.    Four Eleven
3.    Driving Into The Future
4.    Get On Top
5.    See If She Floats
6.    She Can´t Go Home
7.    Point Of View
8.    Ice Cold Sunshine
9.    When Love Is Here
10.    Sunlit Sky
11.    Someday Somehow

Stefan

BATTLE BEAST – Bringer Of Pain

Band: Battle Beast
Album: Bringer Of Pain
Spielzeit: 39:46 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 17.02.2017
Homepage: www.battlebeast.fi

Gut zwei Jahre sind seit dem letzten Album „Unholy Savior“ ins Land gezogen. Seitdem waren BATTLE BEAST nicht faul. Es ging natürlich auf Tour und in den letzten Monaten hat man sich zurückgezogen, um das mittlerweile vierte Langeisen einzutüten. Bereits das dritte Mal befindet sich dabei Frontsängerin Noora Louhimo an der Front des Sextetts. Mit ihrer gewaltigen, variablen und vor allem leicht wiederzuerkennenden Stimme prägt sie damit das Gros des Schaffens BATTLE BEAST´s. Diese haben sich von Anfang an melodischen, pompösen Power Metal viel großem Keyboardanteil auf die Fahnen geschrieben. Mit „Bringer Of Pain“ leuten sie aber dennoch eine neue Ära in der Geschichte der Band ein. 

Denn mitten auf der Tour zu „Unholy Savior“ trennten sich BATTLE BEAST von Gitarrist und Hauptsongschreiber Anton Kabanen. Neu an Bord ist Joona Björkroth, der schon längere Zeit im unmittelbaren Umfeld der Band zu finden ist. Dass er nun fest eingestiegen ist, hat einige Neuerungen zur Folge: die Songs sind um Längen poppiger ausgefallen. Das wird alte Anhänger zumindest auf-, wenn nicht abschrecken. Aber auch schon in der Vergangenheit hatten die Finnen melodische Rocksongs im Gepäck, wie z.B. „Out On The Streets“ vom 2013er Album „Battle Beast“.

Der Opener „Straight To The Heart“ hätte allerdings auch auf einem der beiden Vorgängeralben stehen können. Ein guter Start also. Der folgende Titeltrack ist eine wahre Abrissbirne, JUDAS PRIEST und ihr „Painkiller“ lassen grüßen. Das vorab ausgekoppelte „King For A Day“ warf ja schon seine Schatten voraus und präsentiert BATTLE BEAST im Längen poppiger. Dennoch ist die Nummer ein Hit – oder vielleicht auch gerade deswegen. Mit „Beyond The Burning Skies“ nimmt das Sextett wieder etwas Fahrt auf, ohne jedoch das Hitpotential abzulegen. Das ebenfalls im Vorfeld zu hörende „Familar Hell“ ist abermals mit einer gehörigen Popschlagseite versehen. Mit „Lost In Wars“ versucht man für meine Begriffe etwas krampfhaft, sich an Kollegen wie WITHIN TEMPTATION anzunähern. Alleine der „cleane“ und elfenhafte Gesang von Frontfrau Noora zeugt davon. Das Stück ist dramatischer als das komplette restliche Album und zum Glück auch der einzige Versuch in diese Richtung.

Das rockende „Bastard Son Of Odin“ bringt noch einmal Leben in die Bude. Die Midtemponummer „We Will Fight“ hat überlebensgroße Hooks, will aber anfangs so gar nicht zu BATTLE BEAST passen. Dennoch ein Gewinner. Aber es geht noch poppiger: „Dancing With The Beast“ hat allenfalls untermalende Gitarren und die abschließende Ballade „Far From Heaven“ beschließt ein höchst überraschendes Album.

„Bringer Of Pain“ ist das „Turbo“ von BATTLE BEAST, wenn man es so bezeichnen will. Was mussten JUDAS PRIEST seinerzeit für Prügel einstecken – heute ist es eines der wichtigsten Stationen der Briten. Ob das für BATTLE BEAST ähnlich läuft, wird die Zeit zeigen. Böse Zungen werden behaupten, vom BATTLE bzw. METAL BEAST ist nur noch ein schnurrendes Kätzchen übrig. Aber mit neuen Songwritern entstehen nunmal andere Songs. „Bringer Of Pain“ ist weniger Heavy Metal, nimmt dafür aber jede Menge Hitpotential mit ins Programm. Das wird viele neue Fans dazugewinnen, auch wenn ein paar alte auf der Strecke bleiben. So ist es immer, stark ist die Platte allemal. 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1.    Straight To The Heart
2.    Bringer Of Pain
3.    King For A Day
4.    Beyond The Burning Skies
5.    Familiar Hell
6.    Lost In Wars
7.    Bastard Son Of Odin
8.    We Will Fight
9.    Dancing With The Beast
10.    Far From Heaven

Stefan

BONAFIDE – Flames

Band: Bonafide
Album: Flames
Spielzeit: 43:06 min.
Stilrichtung: Hardrock, Rock´n Roll
Plattenfirma: Off Yer Rocka Records
Veröffentlichung: 24.02.2017
Homepage: www.bonafiderocks.com

Es gibt Leute, die behaupten, es gibt nur DIE eine Riff Rock Band und innerhalb dieses Genres gibt es keinerlei Möglichkeiten, in irgendeiner Weise zu variieren. Doch eine Band, die Riff Rock zockt, muss nicht zwingend nach AC/DC klingen. Das haben in der Vergangenheit schon einige Kapellen gezeigt und auch die Schweden BONAFIDE haben sich schon lange vom Klon-Sound der Anfangstage losgelöst. Mit „Flames“ soll ein weiterer Schritt in Richtung Eigenständigkeit gelingen. Zum 10-jährigen Bandjubiläum haben Vorturner Pontus Snibb und seine Mannen zehn neue Songs komponiert. 

Wie eingangs schon erwähnt, haben BONAFIDE ihren Horizont im Laufe ihrer ersten fünf Langspieler Stück für Stück erweitert und sind bei Album Nummer sechs dort angekommen, wo nicht jede „neue“ Band hinkommt. Sie haben sich im zugegebenermaßen recht eng gesteckten Kosmos des Riff Rock ihre eigene kleine Ecke eingerichtet – irgendwo zwischen Blues, Boogie und dreckigen Drei-Akkorde-Riffs. Aber auch die Melodien sind ausgefeilter, die Arrangements würziger und hier und da haben BONAFIDE auch anno 2017 eine kleine Überraschung im Gepäck. 

Bestes Beispiel hierfür ist das lockere „Bottle Of Jack“. Im Herzen zwar ein einfacher Riff-Rocker, aber einfach ein bisschen ausgebuffter als viele andere. Auch das herzallerliebste „Smoke & Fire“ ist äußerst gelungen. Natürlich auch erwähnen sollte man den Opener „Back In Flames“ oder das fast schon poppige „Like It Now“ müsst Ihr Euch geben. Genauso wie „Keep A Safe Distance“. 

Wer innovatives Kraftfutter fürs Gehirn sucht, ist bei BONAFIDE (zum wiederholten Male) falsch. Wer ausgefeilten und satten Riff Rock zu seinem Steckenpferd erkoren hat, sollte, nein muss auch mit „Flames“ etwas anfangen können. Die Schweden BONAFIDE gehen ihren Weg konsequent weiter und entwickeln sich in eine sehr erfreuliche Richtung. 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1.    Back In Flames
2.    Smoke & Fire
3.    Power Down
4.    Bottle Of Jack
5.    Written In Stone
6.    Like It Now
7.    Keep A Safe Distance
8.    Gotta Go
9.    Flipside Groovin´
10.    Under Your Spell

Stefan

AGE OF REFLECTION – In The Heat Of The Night

Band: Age Of Reflection
Album: In The Heat Of The Night
Spielzeit: 56:27 min.
Stilrichtung: AOR, Melodic Rock
Plattenfirma: AOR Heaven
Veröffentlichung: 24.02.2017
Homepage: www.ageofreflection.com 

Dass es sich bei AGE OF REFLECTION um eine schwedische Band handelt, ist jedem ab der ersten Note ihres Debüts „In The Heat Of The Night“ klar. Auch der Mix aus den Händen von Erik Martensson (ECLIPSE, W.E.T. etc.) ist sofort hörbar. Dementsprechend gerüstet ist die Band um Quereinsteiger Carl Berglund, der das Projekt ins Leben rief, als er seine alte Wirkungsstätte ONE BY ONE 2013 verließ. Quereinsteiger deswegen, weil er bei ONE BY ONE Industrial Metal gezockt hat. Aber irgendwann zieht es jeden Nordmann zum melodischen Hardrock alter Schule. So eben auch Berglund (guitars), der sich mit den beiden Kumpanen von ONE BY ONE (Bassist Jan Skärming und Drummer Michael Sjöö) sowie Gitarrist Jonas Nordqvist und Sänger Lars Nygren verstärkt hat. 

Und so ist „In The Heat Of The Night“ ein klassisches AOR/Melodic Rock Album neuer schwedischer Schule. Leider gibt es in diesem Genre nur noch selten richtig gute Releases, zu inflationär wird hier gesigned oder einfach zusammengewürfelt. Wenn man den Erstling von AGE OF REFLECTION mit aktuellen Kapellen vergleichen möchte, fallen mir da auf Anhieb natürlich ECLIPSE ein, allerdings zu ihren Anfangszeiten oder auch die amerikanische Komponente eines Projektes wie THE DEFIANTS. Im Grunde kann eine Band wie AGE OF REFLECTION nur mit großartigen Songs punkten – der Weg, auf dem das Quintett wandelt, ist so ausgelatscht wie ein Siedlerpfad im Wilden Westen. 

Und tatsächlich präsentieren die Schweden mit dem Eingangsduo „Borderline“ und „The Mirror Never Lies“ richtig gute Kost. Leider können die beiden folgenden Songs „Every Time“ sowie das Titellied (außer beim knackigen Riffing) überhaupt nicht mithalten. Erst nach der viel zu lang geratenen Ballade „Always“ kommt wieder Stimmung auf. „Evelyn“ ist nicht nur genre-typisch mit einem Mädchennamen ausgestattet, sondern auch richtig gelungen. Damit sind die Highlights aber auch schon aufgezählt. Der Rest des Materials pendelt sich zwar nicht unbedingt im unteren Drittel der Qualitätsskala ein, kann den drei herausragenden Songs aber auch nicht mehr das Wasser reichen.

Somit tritt leider ein, was befürchtet wurde. „In The Heat Of The Night“ ist zwar ein gestandenes und durchaus gelungenes Melodic Rock Album, das es aber schon viel zu oft gegeben hat. Immerhin – drei grandiose Songs haben AGE OF REFLECTION darauf hervorgebracht. 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1.    Borderline
2.    The Mirror Never Lies
3.    Every Time
4.    In The Heat Of The Night
5.    Always
6.    Evelyn
7.    Blame It On My Heart
8.    You Are My Light
9.    Now And Forever
10.    Dying For Your Love
11.    Every Time (Alternative Version)

Stefan

JIMI ANDERSON GROUP – Longtime Comin´

Band: Jimi Anderson Group
Album: Longtime Comin´
Spielzeit: 47:37 min.
Stilrichtung: Melodic Rock
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 24.02.2017
Homepage: www.facebook.com/jimi.anderson.7 

So richtig bekannt ist der Name JIMI ANDERSON bis heute nicht. Und das obwohl der gebürtige Schotte bereits 1978 seine erste Band gründete. Am meisten Aufsehen konnte er wohl mit Tribute Bands erregen. Sowohl bei A FOREIGNER´S JOURNEY als auch bei LEGENDS OF AOR war der mittlerweile in York lebende Sänger aktiv. Jetzt kommt mit „Longtime Comin´“ der erste Longplayer seiner JIMI ANDERSON GROUP in die Läden, der genau das Klientel ansprechen soll, die auf die Musik der o.g. Tribute Bands stehen. Zusammen mit Gitarrist Greame Duffin und Sandy Jones (bass, guitars, drums) hat er ein Dutzend Songs in den FML Studios in Schottland eingespielt. 

Die Strategie ist also klar – und mit „Same Old Song“ scheint sie auch aufzugehen. Der Opener kommt recht locker aus der Hüfte. Rhythmisch, melodisch und frisch – soundtechnisch auf der Höhe der Zeit – rockt das Trio los. Ähnlich gestrickt, aber nicht weniger gelungen geht es weiter mit „Let´s Get Serious“. Das fröhliche „Spread It All Around“ ist um einiges poppiger, aber auch oberflächlicher. Weitaus besser gefallen mir Stücke wie „Best For Me“ oder der Titeltrack. Oder „Welcome To The Revolution“, das an älteres Material der LITTLE ANGELS erinnert. „Necessary People“ hat ebenfalls einen tollen, funkigen Groove. 

Dass „Longtime Comin´“ nicht das Album des Jahres werden würde, war wohl von vorneherein klar. Aber der Großteil der zwölf Songs ist zeitloser, grundsolider und ehrlicher Melodic Rock. Schon viele Male gehört, aber auch nicht ausgelutscht. Die JIMI ANDERSON GROUP kann hier und da eigene Akzente setzen und hat unterm Strich sehr gutes Material vertont. Schöne Scheibe!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1.    Same Old Song
2.    Let´s Get Serious
3.    Spread It All Around
4.    Feel Like Letting Go
5.    Better This Way
6.    Welcome To The Revolution
7.    Higher Than Higher
8.    Longtime Comin´
9.    Where Do We Go From Here
10.    Necessary People
11.    Best For Me
12.    Oh Why

Stefan