RUNNING WILD – Black Hand Inn (Klassiker der Woche)

Band: Running Wild
Album: Black Hand Inn
Spielzeit: 65:50 min.
Stilrichtung: Pirate Metal, Heavy Metal
Plattenfirma: EMI
Veröffentlichung: 1994
Homepage: www.runningwild.de

Die Piraten Metaller RUNNING WILD sind ein wichtiger Eckpfeiler der deutschen Metallandschaft. Auch wenn sich die einstige Institution nach und nach immer mehr selbst demontiert hat. Alleine die Nennung des Namens Angelo Sasso hat sich zum Running Gag entwickelt. Wie passend…
Allerdings sollte nicht übersehen werden, dass Bandgründer und Alleinherrscher Rolf „Rock´n Rolf“ Kasparek viele großartige Alben mit unterschiedlichen Musikern zu verantworten hat. Bereits 1976 gründete er zusammen mit Uwe Bendig (guitars), Michael Hoffmann (bass) und Wolfgang Hagemann (drums) die Kapelle GRANTE HEARTS. Das waren sozusagen die Vorreiter von RUNNING WILD, Hoffmann wurde durch Matthias Kaufmann ersetzt und so nannte man sich ab Anfang der Achtziger nach einem Song der Vorbilder JUDAS PRIEST.

Nach dem ersten offziellen Album “Gates To Purgatory” lastete dem Gespann allerdings eine okkulte Aura an, die sie so gar nicht wollten. Ab dem dritten Longplayer “Under Jolly Roger” bauten RUNNING WILD ihr Piraten-Image immer weiter aus und waren so praktisch einzigartig. Wichtige Alben gab es im Laufe der Jahre genug – angefangen vom bereits erwähnten „Under Jolly Roger“ mit Highlights wie dem Titeltrack oder der Hymne „Raise Your Fist“ über „Death Or Glory“ (incl. „Riding The Storm“) oder der etwas in Vergessenheit geratenen EP „Wild Animal“, auf der eine hitverdächtige Neueinspielung von „Chains & Leather“ vom Zweitwerk „Branded And Exiled“ enthalten ist haben die Piraten Metaller in den ersten fünfzehn Jahren ihrer Karriere nicht ein schwaches Album aufgenommen.

Den Höhepunkt allerdings erreichen sie 1994 mit dem Konzeptalbum „Black Hand Inn“. Dieses handelt von der Inquisition und verbindet vielschichtig weitere Erzählungen bis hin zu den Prophezeiungen des Nostradamus. Musikalisch präsentieren sich RUNNING WILD – obwohl schon fast ein Soloprojekt Rock´n Rolf´s – extrem kompakt. Das wird unter anderem dem Neuzugang am Drumkit Jörg Michael zu Gute gehalten. Ebenfalls neu an der Gitarre ist Thilo Hermann. Bassist Thomas Smuszynski ist schon seit dem Vorgänger „Pile Of Skulls“ von 1992 dabei.

Während gut 65 Minuten werden 11 Geschichten vertont, die Band und somit auch Rock´n Rolf auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft zeigt. Leitet das Intro „The Curse“ den Hörer geschickt in die folgenden Geschichten ein, bläst der Titetltrack sobald zum Angriff. „Black Hand Inn“ ist eine Vollgasnummer mit Doublebass Salven und schnellen Gitarrenleads. Eingängiger kommt das schon „Mr. Deadhead“ um die Ecke. Nach dem rockigen „Soulless“ folgt die einzige Singleauskopplung „The Privateer“ – abermals ein schneller Nackenbrecher.

Mit „Fight The Fire Of Hate“ haben RUNNING WILD dann eine weitere großartige Hymne im Gepäck, die den älteren Hits in nichts nachsteht. „The Phantom Of Black Hand Inn“ ist eher wieder eine typische Piratennummer bevor es bei „Freewind Rider“ erstaunlich rockig zugeht. Auch die verbleibenden beiden Stücke „Powder & Iron“ und „Dragonmen“ können das enorm hohe Nivau halten. Zu guter Letzt warten Rock´n Rolf und seine Mannen mit „Genesis (The Making And Fall Of Man)“ mit einem wahrlich epischen Kunstwerk auf. Ganz nebenbei mit über einer viertel Stunde Spielzeit das längste Lied überhaupt im Repertoire der Band.

Auf „Black Hand Inn“ passt einfach alles: die Geschichte, die Songs, das Cover (abermals von Andreas Marschall). RUNNING WILD haben ihr Meisterstück abgeliefert. Auch wenn der Sound von Charlie Bauernfeind etwas druckvoller aus den Boxen kommen könnte.

In der Folge hatte Rock´n Rolf noch größere Pläne, denn mit der als Trilogie angelegten Geschichte der nächsten drei Alben „The Masquerade“, „The Rivalry“ und „Victory“ hat er sich dann doch etwas überschätzt. Zwar enthält speziell das Folgealbum tolle Songs, jedoch entwickelt sich der Sound der Piraten Metaller immer weiter in eine Richtung, die einfach zu klinisch war. Auch viele Songs waren nicht stark genug, um gegen das Bollwerk der eigenen Vergangenheit anzukommen.

„Black Hand Inn“ ist und bleibt das kompletteste Werk in der langen Diskographie von RUNNING WILD. Auch wenn es zu einer Zeit veröffentlicht wurde, als der Heavy Metal am Boden lag, genießt es bis heute höchsten Respekt – sowohl von den Fans als auch von der Presse!

Trackliste:

01. The Curse
02. Black Hand Inn
03. Mr. Deadhead
04. Soulless
05. The Privateer
06. Fight The Fire Of Hate
07. The Phantom Of Black Hand Hill
08. Freewind Rider
09. Powder & Iron
10. Dragonmen
11. Genesis (The Making And The Fall Of Man)

Stefan

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VAIN – No Respect (Klassiker der Woche)

Band: Vain
Album: No Respect
Spielzeit: 52:55 min.
Stilrichtung: Hair Metal
Plattenfirma: Island Records
Veröffentlichung: 1989
Homepage: www.davyvain.com

Die Hair-Metal-Szene förderte so manche Paradiesvogel-Kapelle zu Tage. Oft fehlte es ihnen aber anfangs am technischen Know How – man denke nur mal an die Anfänge von MÖTLEY CRÜE. Der Einzige, der sein Instrument beherrschte, war Gitarrist Mick Mars. Dass es aber auch in dieser vermeintlich oberflächlichen Szene auch Combos gab, die echtes Talent mitbrachten, wird gerne übersehen. Aushängeschild der Jungs aus der für Sleazerock unwirtlichen Umgebung der San Francisco Bay Area war quasi-Namensgeber Davy VAIN. Er war zuerst – und auch das ist relativ ungewöhnlich – als Produzent unterwegs und war u.a. für DEATH ANGEL´s „The Ultra-Violence“ verantwortlich. Nachdem er ein Demo mit METALLICA´s Gitarrist Kirk Hammett aufgenommen hatte, beschloss er, selbst eine Band zu gründen. So fand das Kapitel VAIN seinen Anfang – eine Band, die heute wieder aktiv ist und in ihrer Karriere einige großartige Genreklassiker fabrizierte.

Zum ersten (und aktuellen) Line-Up gehörten neben Bandgründer, Namensgeber und Sänger Davy Vain noch Ashley Mitchell (bass), Jamie Scott (guitars), Danny West (guitars) und Tom Rickard (drums). Einzig Rickard zählt nicht mehr zur momentan Besetzung, bereits 1994 wurde er von Louie Senor ersetzt, der auch heute noch/wieder hinter der Schießbude sitzt.

1988 unterschrieb die Band einen Kontrakt bei Island Records und begann zusammen mit Produzent Paul Northfield ihr Erstlingswerk aufzunehmen, das auf den Namen „No Respect“ getauft wurde. Der Titel spiegelte den Sound dieses 12 Songs starken Albums erstklassig wieder. Die räudige Strassenköter-Attitüde gepaart mit Vain´s prägnanten Gesang ließ „No Respect“ aus der Vielzahl ähnlich platzierter Produkte zu dieser Zeit herausstechen. Dennoch kletterte die Platte nur auf Platz 154 der Billboard 200.

Stücke wie der Einsteiger „Secrets“, das lässige „Going Down For The 3rd Time“ oder der Midtempo Stampfer „1000 Degrees“ sind Kleinode damaligen Zeitgeists. Allen voran ist aber der Mini-Hit „Beat The Bullet“ zu nennen, der einigen sicher noch vertraut sein dürfte. Dass aber auch noch weitere Songs wie „Who´s Watching You“ oder„Aces“ sowie der Titeltrack unbedingt gehört werden sollten, zeugt von der überragenden Qualität dieser Scheibe.

Doch schon ein zweites geplantes Album wurde zum Fiasko. „All Those Strangers“ wurde 1991 fix und fertig aufgenommen einfach in die Schublade gesteckt. Stattdessen folgte 1994 auf einem anderen Label das Album „Move On It“. Ein Jahr darauf folgte „Fade“ – beide ernteten sehr wenig Beifall, wobei sie nicht einmal schlecht waren. Erst 2005 konnten VAIN mit „On The Line“ ihr Comeback einigermaßen geglückt feiern. 2010 sah dann endlich die Veröffentlichung des ursprünglich zweiten Werks „All Those Strangers“ – einem weiteren feinen Rundling im Übrigen. Auch das 2011 erschienene „Enough Rope“ (Rezi HIER) konnte überzeugen. Ein wirklich schlechtes Album haben die Amis nie veröffentlicht, wie so oft kommt aber nichts an das Debüt heran – und so bleibt „No Respect“ mit seiner Frische und seinem dreckigen Charme unerreicht!

Trackliste:

1. Secrets
2. Beat The Bullet
3. Who´s Watching You
4. 1000 Degrees
5. Aces
6. Smoke And Shadows
7. No Respect
8. Laws Against Love
9. Down For The 3rd Time
10. Icy
11. Without You
12. Ready

Stefan

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DEF LEPPARD – Adrenalize (Klassiker der Woche)

Band: Def Leppard
Album: Adrenalize
Spielzeit: 54:00 min
Plattenfirma: Mercury
Veröffentlichung: 31.03.1992
Homepage: www.defleppard.com

„Adrenalize“ markierte 1992 sowas wie einen Wendepunkt – nicht nur in der Karriere von DEF LEPPARD, die mit diesem Album ihren letzten großen Megaseller landen konnten, sondern auch im Hardrock allgemein – der Longplayer gehört nämlich mit zu den letzten Genrevertretern, die es in den US Billboard Charts bis ganz an die Spitze schafften, bevor noch im selben Jahr Schrotkurti, Vedder-Eddie und Co. von Seattle aus den großen Grunge-Aufstand probten und damit ein ganzes Genre für den Rest des Jahrzehnts fast komplett in den Abgrund rissen.

Die Produktion des Albums , die sich von 1989 bis 1991 dahin streckte, stand von Anfang an unter keinem besonders gutem Stern. Die beiden Vorgänger „Pyromania“ und „Hysteria“ verkauften zusammen weit über 30 Millionen Tonträger und zählen selbst heute noch zu den meistverkauften Alben aller Zeiten. Also ein schier fast unmögliches Unterfangen da nochmal einen draufzusetzen. Für die Aufnahmen kam noch erschwerend hinzu, dass Gitarrist Steve Clarke bereits seit einiger Zeit an der Flasche hing, mehrere abgebrochene Entziehungskuren hinter sich hatte und dann letzten Endes Anfang Januar 91 von seiner Freundin tot in seinem Haus in London aufgefunden wurde.

Umso erstaunlicher ist es das sich „Adrenalize“ im Endresultat musikalisch kaum hinter „Hysteria“ verstecken muss. Es gab damals zwar nicht wenige Musikkritiker, die der Band beginnende musikalische Einfallslosigkeit attestierten, weil sich der Longplayer nur in Nuancen von seinen Vorgängern unterscheiden würde, aber das war damals einen Großteil der DEF LEPPARD Fans vollkommen egal. Über 7 Millionen verkaufte Exemplare weltweit sprechen da eine ganz klare Sprache.

Songs wie „Let’s Get Rocked“ , „White Lightning“ oder „Personal Property“ sind Leppard Uptempo Hymnen allererster Güte und balladentechnisch konnten die Jungs mit „Have You Ever Needed Someone So Bad” und „Miss You in A Heartbeat“ ebenfalls komplett punkten. Alles in allem also ein typisches, verdammt starkes DEF LEPPARD Album.

Lineup:

Joey Elliott : Vocals
Phil Collen : Gitarre
Rick Savage : Bass
Rick Allen : Drums

Trackliste:

 1. Let’s Get Rocked
 2. Heaven Is
 3. Make Love Like A Man
 4. Tonight
 5. White Lightning
 6. Stand Up (Kick Love Into Motion)
 7. Personal Property
 8. Have You Ever Needed Someone So Bad
 9. I Wanna Touch U
 10. Tear It Down
 11. Miss You In A Heartbeat
 12. She’s Too Tough

Marco

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EYES – Eyes (Klassiker der Woche)

Band: Eyes
Album: Eyes
Spielzeit: 46:58 min.
Stilrichtung: Melodic Rock, Hardrock
Plattenfirma: Curb Records
Veröffentlichung: 1990
Homepage: www.jeffscottsoto.com

Das Jahr 1990 war nicht nur ein bewegtes für die Hard´n Heavy Szene weltweit. Es war auch ein besonderes in der Laufbahn von Jeff Scott Soto. Denn der Tausendsassa mit der unverkennbaren Stimme hat just in diesem Jahr zwei Juwelen des melodischen Hardrocks veröffentlicht. Zum einen natürlich das großartige Debüt von TALISMAN, aber auch der Erstling von EYES steht hier in den Geschichtsbüchern. Nun kann man ja zum Geschäftsgebaren von Herrn Soto sagen, was man will. Manchen hat er schon immer auf zu vielen Hochzeiten getanzt, mit seiner rauen Rockstimme mit dem besonderen souligen Unterton war er aber schon immer etwas Besonderes. Erste Erfolge konnte er mit niemand Geringeren als dem Saitenhexer YNGWIE MALMSTEEN feiern, der ihn für 2 Alben engagierte. Des Weiteren verdiente sich Soto seine Sporen bei Bands wie KUNI (dessen Album „Lookin For Action“ noch immer eine gesuchte Rarität ist), PANTHER oder ALEX MASI. Bereits in den 80ern hat Soto bei über 15 Projekten seine Stimmbänder strapaziert.

In den 90ern wurde das sogar noch mehr, speziell am Anfang, wo er zu AXEL RUDI PELL stieß und mit TAKARA, SKRAPP METTLE oder eben TALISMAN bzw. EYES wegweisende Alben veröffentlichte. Konzentrieren wir uns aber heute auf das erste Werk der US-Amerikaner. Um ein Haar wäre es gar nicht zu dieser Kollaboration gekommen, denn die Ur-Version von EYES bestand neben Gitarrist Steve Dougherty (BURNING ROME, BERLIN) und Aldy Damian (drums) aus Bassist Chuck Wright (GIUFFRIA) und Sänger Kelly Hansen. Diese Konstellation brach allerdings auseinander. Chuck Wright wanderte zu HOUSE OF LORDS und QUIET RIOT ab während Kelly Hansen seine Band HURRICANE gründete. Etwas später kamen der neue Bassist Jimmy O´Shea und eben Jeff Scott Soto ins Boot und mit dieser Besetzung namen EYES auch ihr Debüt auf.

Mit einem Budget, das gleich Null war, gingen die Jungs in das Pasha Music House von Labelboss Spencer Proffer, der die Band wiederum an Curb Records weiterreichte – einem Countrylabel, das auch in anderen Sparten Fuß fassen wollte. Und da Hardrock noch immer die Musik der Stunde war, hatten Bands wie EYES natürlich gute Chancen. Zumindest theoretisch, denn das Label steckte so gut wie kein Geld in die Promotion und so wurden EYES einfach übersehen.

Allerdings wurde aus kleinem Geld, das für die Produktion zur Verfügung stand, ein ziemlich guter Sound. Denn er ist äußerst druckvoll und kantig. Jeff Scott Soto hat vor einigen Jahren gesagt, dass er gerne die Drums etwas mehr in den Hintergrund gerückt hätte, aber ob das der Power dieser 11 Songs gut getan hätte? So startet der Silberling mit „Calling All Girls“ dermaßen fett, dass man sich auch heute noch die Augen reibt. Mit einem rockig-funkigen Riffing, das schon mal an TALISMAN erinnert, windet sich der Song über die eingängige Bridge hin zu einem Refrain, der jeden Fan zum Niederknien zwingt. Etwas straighter und noch eine Ecke rockiger geht es bei „Every Single Minute“ zu, einem weiteren Killertrack. Was folgt ist eine gnadenlos gute Coverversion von DIANE WARREN´s Hit „Don´t Turn Around“, der schon von vielen anderen Kapellen wie TINA TURNER oder ASWAD gecovert wurde. EYES aber haben dem Song den perfekten Anzug verpasst.

Was für ein Song-Trio, mit dem die Jungs hier einsteigen. Für jeden einzelnen Song würden tausende andere Bands viel opfern, um ihn auf ihrer Scheibe zu haben. EYES haben gleich alle drei, und damit nicht genug, denn das war erst der Anfang. Zugegebenermaßen hat man es schon verstanden, die richtig großen Hits nach vorne zu stellen, aber auch der Rest des Materials ist zum großen Teil einfach geil. Nehmen wir doch mal „Miss Demeanor“: abermals mit dicken Chören ausgestattet rockt das Teil nur nach vorne. Oder „Young And Innocent“: ein Ohrwurm vor dem Herrn. Dann haben wir da noch „Wired 4 Love“, das mit jeder Note DEF LEPPARD atmet oder die tolle Ballade „Nobody Said It Was Easy“.

Was soll ich sagen? Dieses Debüt hat(te) es in sich. Leider staubte es schon kurze Zeit später ganz ordentlich im Bandgefüge und so wurden die beiden anderen Scheiben “Windows Of The Soul” und “Full Moon (The Lost Studio Sessions)“ praktisch erst posthum veröffentlicht. „Eyes“ bleibt mit Abstand das stärkste Werk des Vierers, weil es eine Band repräsentiert. Die beiden anderen Alben – übrigens beide 1994 veröffentlicht – haben immerhin einige Hämmer zu bieten, sind aber bei Weitem nicht mehr so kompakt und zielsicher wie dieses Teil. Eine Platte, die immer wieder seinen Weg in den Player findet – ein echter Klassiker eben.

Trackliste:

01. Calling All Girls
02. Every Single Minute
03. Don´t Turn Around
04. Miss Demeanor
05. Young And Innocent
06. Walkin´ Fire
07. Wired 4 Love
08. Nobody Said It Was Easy
09. Can´t Get Enough
10. Start Livin´
11. Somebody To Love

Stefan

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FASTWAY – Trick Or Treat (Klassiker der Woche)

Band: Fastway
Album: Trick Or Treat
Spielzeit: 33:49 min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: CBS
Veröffentlichung: 1986
Homepage: www.fastwayofficial.com

Halloween steht vor der Tür. Und während die einen diesen heidnischen Brauch, der in den USA seit jeher ausufernd gefeiert wird, hierzulande missbilligend beäugen, machen andere den Spaß mit und haben eine gute Zeit. Egal, wie Ihr dazu steht – wir wollen es uns nicht nehmen lassen, zu diesem „Anlass“ einen ganz besonderen Klassiker auszugraben. Die britische Hardrockband FASTWAY schrieb 1986 den Soundtrack für den US-amerikanischen Horrorstreifen „Trick Or Treat“ – oder „Ragman“, wie er in Deutschland hieß. „Eddie Weinbauer vergöttert Heavy-Metal-Star Sammi Curr und gilt an seiner Schule als Loser. Mit dem Tod seines Idols bricht für ihn eine Welt zusammen. Bis zu dem Tag, an dem ihm der Radio-DJ Nuke (gespielt von Gene Simmons) Sammis letzte unveröffentlichte Platte schenkt und er mysteriöse Botschaften aus dem Jenseits erhält. Mit Hilfe des auferstandenen Rockstars rächt sich Eddie an seinen Peinigern. Doch schon bald entzieht sich der Racheakt seiner Kontrolle und der Horror breitet sich aus.“ Ein Kult B-Movie, dessen Showdown an Halloween spielt – passend oder?

„Trick Or Treat“ war bereits das vierte Album von FASTWAY. 1982 von MOTÖRHEAD Gitarrist Fast Eddie Clarke und UFO Bassist Pete Way gegründet, erschien bereits ein Jahr darauf das selbstbetitelte Debüt, jedoch ohne Way, dessen Anwälte ihm aufgrund eines bestehenden Vertrages mit einer anderen Plattenfirma einen Strich durch die Rechnung machen. Nach zwei weiteren Alben („All Fired Up“ 1984 und „Waiting For The Roar“ 1985) und vielversprechenden Tourneen mit den SCORPIONS und RUSH hatte sich die Band zwischenzeitlich sogar aufgelöst. „Trick Or Treat“ – der Satz, den die Kids rufen, wenn sie Haus zu Haus ziehen um von den Leuten Süßigkeiten zu bekommen – ist natürlich der perfekte Titel für ein Hardrockalbum. Der Sound ist zugegebenermaßen grottenschlecht. Das erste mal wagte sich Eddie Clarke bei FASTWAY selbst an die Regler und heraus kam prompt ein Album, das einfach keine Power hat, die Drums klingen fürchterlich. Wenn da nicht die kultigen Songs wären.

Alleine der Titeltrack ist ein Hit. Dave King´s Stimme ist wie immer grandios und das Riffing erstklassig. Die Melodien bleiben im Kopf, was will man mehr? Mit dem stampfenden „Stand Up“ (der Song läuft im Film passenderweise, als Eddie vom Tod seines Idols erfährt) oder „After Midnight“ (dem Song des Halloween Auftritts Sammi Curr´s) finden sich noch weitere geile Nummern auf diesem Soundtrack. Leider können FASTWAY dieses hohe Level nicht über die gesamte Spielzeit, die ohnehin recht kurz ist, halten. Mit „Don´t Stop The Fight“ und „If You Could See“ gibt es aber doch noch zwei weitere richtig gute Stücke.

Der Film bekommt natürlich sein Happy-End, was man von FASTWAY nicht behaupten kann. Nach dieser Filmmusik verlässt Sänger Dave King die Band und gründet KATMANDU (siehe unser Beitrag „One Hit Rockerz„) und ist heute Frontmann der Folkrocker FLOGGING MOLLY. Nach zwei weiteren Alben („On Target“ 1988 und „Bad Bad Girls“ 1990) mit wechselnder Besetzung legte Fast Eddie Clarke das Kapitel FASTWAY erstmal bei Seite. 2011 erschien mit „Eat Dog Eat“ eine Comebackscheibe.

Trackliste:

1. Trick Or Treat
2. After Midnight
3. Don´t Stop The Fight
4. Stand Up
5. Tear Down The Walls
6. Get Tough
7. Hold On To The Night
8. Heft
9. If You Could See

Stefan

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GORKY PARK – Gorky Park (Klassiker der Woche)

Band: Gorky Park
Album: Gorky Park
Spielzeit: 52:00 min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Mercury Records
Veröffentlichung: 1989
Homepage: www.gorkyparkmusic.ru

Ich weiß nicht, wie es Euch geht: es gibt so Songs, die kann man irgendwann nicht mehr hören. Sie werden totgenudelt, überall sind sie zu hören und schon bei den ersten Takten möchte man sich am liebsten verziehen. Aber irgendwann, wenn sie nicht mehr so oft zu hören sind, entwickelt man wieder einen Draht dazu, denn es sind einfach Hits, die großartig sind und zeitlos dazu. So ging es mir z.B. mit „The Final Countdown“ von EUROPE lange Zeit. Und obwohl es sicher noch bessere Songs bzw. Alben von den Schweden gibt, kann ich das Lied heute wieder genießen. Ein anderes Beispiel war „Bang“ von GORKY PARK. Mindestens einmal am Abend in der heimischen Diskothek gespielt (bei einigen Besuchen wöchtenlich hat sich das summiert), entwickelte ich irgendwann eine Abneigung gegen den Song. Vor kurzem ist mir das Debüt der Russen wieder in die Hände gefallen und hat gleich einen kompletten Durchlauf spendiert bekommen. Und siehe da: nicht nur „Bang“ konnte wieder gefallen, auch der Rest des Albums bescherte mir großen Hörgenuss. Zugegeben: es sind nicht mehr die ganz großen Hits auf „Gorky Park“ vertreten, aber trotzdem hat der Großteil dieser 11 Songs viel Potential.

GORKY PARK wurden 1987 von Gitarrist Alexey Belov (der mit der berühmten Balalaika-Gitarre), Bassist Alexander Minkow, Gitarrist Jan Ianenkov und Drummer Alexander Lvov gegründet. Etwas später stieß Sänger Nikolai Noskov dazu und komplettierte die Band. Benannt wurde die Combo natürlich nach dem berühmten Vergnügungspark in Moskau, nur das „i“ am Ende wurde durch ein „y“ ersetzt. In einer Zeit in der der eiserne Vorhang langsam zu bröckeln begann und die Reisefreiheit Stück für Stück eingeführt wurde, packten die Jungs die Gelegenheit beim Schopfe und jetteten in die USA, um dort Kontakte zu knüpfen. Tatsächlich gelang es dem Fünfer, unter anderem die Aufmerksamkeit von Jon Bon Jovi und Richie Sambora zu erregen und unterschrieben mit deren Hilfe nicht nur einen Plattenvertrag bei Mercury Records sondern schleppten die BON JOVI Jungs auch gleich noch mit ins Studio (oder andersherum ).

Das Markenzeichen von GORKY PARK waren die russischen Elemente, die sie optisch wie musikalisch in ihren doch recht westlichen Stil integrierten. So bestand das Bandlogo aus Hammer und Sichel und die Klamotten der Band waren leicht folkloristisch angehaucht. Die Musik war bis auf einige Ausnahmen allerdings sehr an amerikanische Verhältnisse angepasst. Kein Wunder, saßen Leute wie Bruce Fairbairn sowie das Gespann Bon Jovi/Sambora in der Produzentenkabine in den Little Mountain Studios in Vancouver. Außerdem war man noch den Warehouse Studios in Philadelphia und den Sanctuary Sound Studios in New Jersey zu Gange. Das merkt man auch am Sound, die Platte klingt nicht wie aus einem Guss, but who cares?

Die Songs selbst stammen aus der Feder von GORKY PARK, außer der Coverversion „My Generation“ von THE WHO und der dritten Singleauskopplung „Piece In Our Time“, das von Sambora und Bon Jovi beigesteuert wurde. Der Opener „Bang“ überstrahlt allerdings fast alle anderen Stücke, denn das ist DER Hit der Scheibe und der erste Song einer russischen Band, der bei MTV auf Heavy Rotation lief. Beim näheren hinhören gibt es aber noch weit mehr zu entdecken: etwas ungewöhnlich ist der sehr ruhige Song „Try To Find Me“, der gleich nach „Bang“ an die zweite Stelle platziert wurde. In den USA erreichte die Single immerhin Platz 81 in den Billboard Hot 100 während „Bang“ nicht notiert wurde. Aber auch „Hit Me With The News“ mit seinem stampfenden Beat und den Ambossschlägen, das sehr AOR-lastige „Sometimes At Night“ oder „Within My Eyes“, das abermals in AOR Gefilden wildert. „Child Of The Wind“ experimentiert erstmals mit russischen Elementen, die natürlich auch bei der eigenen Version von „My Generation“ zum Tragen kommen. Der Song wird kurzerhand mit dem traditionellen sowie patriotischen Stück „Alexander Nevsky“ von Sergei Prokofiev gekreuzt wurde. „Peace In Our Time“ trägt klar die Handschrift der Herren Bon Jovi und Sambora. Danach geht GORKY PARK allerdings ganz schlimm die Puste aus, denn die letzten 3 Songs sind nur noch schwer zu ertragen.

Der Rest von „Gorky Park“ ist allerdings große Klasse und zeigt die Band der Stunde, die etwas später beim legendären Moscow Peace & Music Festival zusammen mit Größen wie BON JOVI, den SCORPIONS, MÖTLEY CRÜE, CINDERELLA, OZZY OSBOURNE oder SKID ROW auftreten durfte, in bestechender Form. Natürlich nahmen BON JOVI sie noch zu einer weiteren Tournee mit, danach ebbte das Interesse an GORKY PARK allerdings ziemlich schnell ab. Schon kurze Zeit später verließ Sänger Nikolai Noskov die Band und erst 1993 nahmen sie mit dem neuen Mann am Mikro – ihrem eigenen Bassisten Alexander Minkov – in „Moscow Calling“ ein zweites Album auf, das wiederum einige Hits enthielt, die allerdings an nicht mal einer Hand abgezählt werden konnten. Zwei weitere Alben folgten 1996 und 1998, die allerdings nur noch in Russland veröffentlicht wurden.

Aufgelöst haben sich GORKY PARK offiziell nie, seit 2001 kehrte allerdings Ruhe ein im Lager der ehemaligen Megaseller und der wohl bekanntesten Hardrockband aus Russland. Erst 2012 raffte sich das Original Line-Up (allerdings ohne Sänger Noskov) wieder zusammen und spielte einige ausgewählte Gigs.

Das Debüt der Russen ist ein Zeichen dafür, wie man mit der richtigen Marketingstrategie, ein bisschen Glück und natürlich dem richtigen Gespür praktisch über Nacht zu Ruhm und Ehre kommen kann. GORKY PARK hatten ihre Viertel Stunde Ruhm, mussten aber bald erfahren, wie hart der Aufprall am Boden der Tatsachen sein kann, wenn man von den Mächtigen fallen gelassen wird wie eine heiße Kartoffel. Business Sucks! Aber „Gorky Park“ bleibt eine schöne Erinnerung an gute Zeiten!

Trackliste:

01. Bang
02. Try To Find Me
03. Hit Me With The News
04. Sometimes At Night
05. Peace In Our Time
06. My Generation
07. Within Your Eyes
08. Child Of The Wind
09. Fortress
10. Danger
11. Action

Stefan

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CRIME – Hard Times (Klassiker der Woche)

Band: Crime
Album: Hard Times
Spielzeit: 50:13 min.
Stilrichtung: (Progressive) Hardrock
Plattenfirma: Long Island Records
Veröffentlichung: 1993

Erinnert sich noch wer an das glorreiche Plattenlabel aus dem Süden der Republik, das Anfang der 1990er so manchen Leckerbissen in den CD-Player gezaubert hat?! Die Rede ist natürlich von Long Island Records aus Kissing. FRONTLINE, TAKARA, THE HEAT (mit Mat Sinner), JADED HEART, STEEL DAWN , IF ONLY, GUNSHY oder SABU sowie das göttliche „Stick It In Your Ear“ von PAUL LAINE (mit Bonus Tracks) gingen auf das Konto der bayrischen Überzeugungstäter. Dabei gab es natürlich auch viele Lizenzprodukte, Re-Releases etc.

Aber auch gute eigene Signings konnte man vorweisen. z.B. die deutschen Hardrocker CRIME, die neben dem 1993er Debüt „Hard Times“ zwei Jahre später noch „No Cure“ nachreichten. Danach war allerdings Schluß mit der Band um den griechischen Sänger Stavros Moutzoglou. Des weiteren musizierten bei CRIME Matthias Ehrhardt (guitars), Ulrich Kottke (bass), Gunter Kierstein (keyboards) und Alex P. Meli (drums).

Leider ist im den Weiten des Internets nicht viel über diese Band zu erfahren. Nur, dass die Band bei allen beteiligten Musikern wohl das einzig nennenswerte Engagement geblieben ist. Beim Öffnen der CD-Box springt einen ein Bandfoto an, das einen gleich erschaudern lässt. So, genau so, konnte man sich das Publikum in der lokalen Rock Discothek vorstellen. Zu dem Zeitpunkt existierten noch einige dieser Schuppen, speziell im eher ländlichen Bayern. Und dort kamen auch die Songs von CRIME zum Einsatz. Sogar bis in die altehrwürdige Rock Fabrik zu Augsburg hat sich dieser Silberling rumgesprochen. Denn dort hörte der Schreiber dieser Zeilen zum ersten Mal den Song „Get Out Of This Jail“ und lenkte seine Augen sofort auf den kleinen Bildschirm, wo das Cover der CD zu sehen war (eine echt geile Idee, die mir so manchen CD-Kauf ermöglichte, auf der anderen Seite aber viel Geld kostete).

Die 11 Songs auf dem Album könnte man generell als Hardrock bezeichnen – typisch deutschen Hardrock – der sich hin und wieder progressiven Tendenzen hingibt. Das eröffnende „Writings On The Wall“ beginnt frisch und rockig, was allerdings gleich zu Beginn auffällt ist, dass der Sound des Silberlings etwas schwach auf der Brust ist. Auf der anderen Seite hat er Wiedererkennungswert. Das folgende „Fire Walk With Me“ ist dann ein Song von der progressiven Sorte, für mich allerdings nicht dazu prädestiniert, um schon jetzt zum Zug zu kommen. Dafür hat er nicht genügend Durchschlagkraft. Das macht das melodische „Running With The Storm“ aber wieder wett. Die Piano-Ballade „Open Your Eyes“ ist herzzerreißend schön und „Kiss My Ass“ reckt deutlich den Mittelfinger in die Höhe. Die richtigen Highlight kommen aber noch. „Isolation“ macht den Anfang bevor der große Discothekenhit „Get Out Of This Jail“ alle Register zieht. Im Midtempo beheimatet mit Keyboarduntermalung schraubt sich das Stück langsam hin bis zum großartigen Refrain – göttlich. Abermals eine Ballade haben die Jungs mit „I Don´t Wanna Lose This Feeling“ im Programm – abermals ein tolles Stück Musik. Der Titeltrack „Hard Times“ behandelt Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und startet auch mit einem dementsprechenden Intro. Es scheint, als würde der griechische Sänger Stavros seine Erfahrungen in dem Song verarbeiten. „LSD Airways“ kann leider nur noch bedingt überzeugen aber die abschließende dritte Ballade des Albums namens „Angel“ zeigt noch einmal das starke Songwriting über weite Teile des Albums. Nicht zuletzt auch im Balladensektor.

Natürlich ist das Debüt von CRIME eher ein Exot und vielleicht auch ein gesuchtes Teil. Aber deshalb wird „Hard Times“ hier nicht vorgestellt, es geht einfach um tolle Musik, die tief aus dem Herzen kommt und für jeden Hardrocker Pflichtprogramm sein sollte. Leider fand die Scheibe damals zu wenig Beachtung und auch die Zeit war wohl nicht auf der Seite von CRIME. Umso mehr hätte sie eine Neuauflage verdient.

Trackliste:

1.Writing On The Wall
2.Fire Walk With Me
3.Running With The Storm
4.Open Your Eyes
5.Kiss My Ass
6.Isolation
7.Get Out Of This Jail
8.I Don´t Wanna Lose This Feeling
9.Hard Times
10.LSD Airways
11.Angel

Stefan

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UNREST – By The Light Of The Moon (Klassiker der Woche)

Band: Unrest
Album: By The Light Of The Moon   
Spielzeit: 46:51 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Blue Merle
Veröffentlichung: 1995

Ihr wisst ja, wie das ist. Die Alben einer Band, die man zuerst und vielleicht noch in früher Jungend entdeckt hat, sind meist die persönlichen Faves. Die Liebe zu dieser Metalband aus Bremen begann für mich mit dem 1995 erschienenen Zweitwerk „By The Light Of The Moon“. Damals hatte ich gerade in begonnen, in einem Plattenladen zu arbeiten und da entging einem natürlich nichts an neugeschmiedetem Stahl. Zumal Mitte der 1990er nicht gerade viel geboten war auf diesem Sektor. Erst zwei lange Jahre später sollten die Schweden HAMMERFALL mit ihrem umjubelten Debüt „Glory To The Brave“ der Szene wieder einen großen Impuls geben und sie damit wieder nach oben ziehen.

1995 aber zappelte jeder auf die Überreste der Grungebewegung, elektronisches Zeug oder die alten Hits der 1980er. Dabei wurden UNREST schon 1988 in Bremen gegründet, zum Original Line-Up zählten Sönke Lau (vocals), Guido Hettwer (drums), Henryk Niedbalka und Claus Wiechert (beide guitars) sowie Gerd Nawrocki (bass). Diese Besetzung blieb stabil bis 1999.

Nach zwei selbstvertriebenen Demos hieß es für die Jungs dann erstmal vom Regen in die Traufe, denn ihr offizielles Debüt „Taste It“ wurde von einem kleinen Label vertrieben, wenn man das so nennen darf. Auch der Nachfolger „By The Light Of The Moon“ stand trotz neuem Deals unter keinem besseren Stern. Nach einigen Labelwechseln, einer 3-jährigen Pause (2001-2004) schien man bei Massacre Records gut aufgehoben gewesen zu sein, die das 2006er Album „Back To The Roots“ herausbrachten. Dann allerdings machte die Gesundheit von Sänger Sönke Lau einen Strich durch die Rechnung, woraufhin sich die Band 2009 auflöste, weil kein geeigneter Ersatz gefunden werden konnte.

War das Debüt „Taste It“ noch etwas steif, konnten die Bremer Musikanten auf „By The Light Of The Moon“ ein ordentliches Brett fahren. Die Nähe zu ACCEPT hat dabei nie gestört, was haben die Solinger nach dem glatt polierten „Objection Overruled“ (mir hats gefallen) zu der Zeit denn schon abgeliefert. Weder das 94er „Death Row“ noch das zwei Jahre spätere „Predator“ konnten punkten. Wer UNREST aber als schnöden Abklatsch von ACCEPT hingestellt hat, hat die Band einfach nur unterschätzt. Erstens war Sönke Lau´s Gesang variabler als die von Mr. Metal Dirkschneider und zweitens – und das sieht man auf diesem Album besonders schön – gingen die Bremer viel abwechslungsreicher zu Werke.

Der Opener „Still Alive“ knallte ohne Vorwarnung mitten in die Magengrube. Der knochentrockene Gitarrensound, die kraftvollen Drums und Sönke´s unwiderstehliches Organ machte spätestens beim Chorus keine Gefangenen. Da lief es mir schon beim ersten Hören eiskalt den Rücken runter. Das schnelle „By The Light Of The Moon“ mit seinen Doublebass Attacken und der flotten und trotzdem filigranen Gitarrenarbeit war ein Headbanger erster Güte. Das eingängige „Going In“, das dreckige „Kick´n Ass“ oder das grimmige „I Hate You“ sind gute Beispiele für das breitgefächerte Songwriting. Klar, „Lay Down And Die“ erinnert in den Strophen arg an „Princess Of The Dawn“ und auch so können sich Einflüsse wie W.A.S.P. nicht verstecken. Wenn man sich aber einen Song wie „Sweet Christine“ anhört, dessen funkiger Einstieg in einen reinrassigen, harter Rock´n Roller übergeht, muss man die Jungs einfach lieben. Das abschließende „Moskva“ ist mehr als eine Parodie auf den berühmtesten Songs der Kollegen aus Hannover. Größtenteils von Gitarrist Klaus Wiechert auf russisch gesungen hat das Stück etwas eindringliches. Wobei man schon erwähnen muss, dass die Gesangsleistung eher zweitrangig bewertet werden muss. Nebenbei sollte man auch erwähnen, dass die restlichen Songs „Testtube“ und „Time To Go“ ebenfalls gutklassig sind und das Album perfekt abrunden.

Kommen wir zum Anfang dieser Rezension zurück: in meiner Jugend habe ich diese Scheibe zwar nicht entdeckt (wie auch, bin Jahrgang 1975), aber „By The Light Of The Moon“ war mein Erstkontakt mit UNREST – und der war ziemlich eindrucksvoll. Die Jungs haben im weiteren Verlauf ihrer Karriere noch so manches Album eingespielt, das qualitativ ähnlich hochwertig war, aber das anfangs geschilderte Szenario hat mich dazu bewogen, diese Platte für die Rubrik „Klassiker der Woche“ auszuwählen.

Leider ist das gute Stück mittlerweile sehr rar, vielleicht ergibt sich aber mal die Gelegenheit, es irgendwo zu ergattern – Ihr werdet es nicht bereuen. UNREST waren amtlicher als so manche hochgezüchtete Combo der Plattenmultis und „By The Light Of The Moon“ ein geniales Album.

Trackliste:

1.Still Alive
2.By The Light Of The Moon   
3.Going In   
4.Kick´n Ass   
5.Time To Go
6.Lay Down And Die
7.I Hate You
8.Sweet Christine
9.Testtube
10.Moskva

Stefan

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WILDSIDE – Under The Influence (Klassiker der Woche)

Band: Wildside
Album: Under The Influence
Spielzeit: 52:09 min.
Veröffentlichungsjahr: 1992
Plattenfirma/Vertrieb: Capitol Records/EMI
Stilrichtung: Hardrock/Sleaze

WILDSIDE schreiben ein weiteres, trauriges Kapitel in der schier endlosen Liste der „Too Late“-Kandidaten, denn als im Mai 1992 dieses nahezu perfekte Album erschien, erfasste die Grunge-Welle Amerika bereits mit voller Breitseite.

Dabei fing 1988 alles so viel versprechend an, als die Jungs noch unter dem Banner YOUNG GUNNS segelten und sich in L.A. einen guten Namen machten. Das rief natürlich einige Labels auf den Plan, wobei sich Capitol Records und Polygram einige Zeit um das Signing stritten. Letzten Endes hatte dann Capitol die Nase vorn und bescherte WILDSIDE mit 2 Millionen Dollar Gage und der Option auf 7 Alben den dicksten Deal einer Rockband aus Hollywood seit W.A.S.P. 1984.

Mit diesem Vertrag in der Tasche machten sich die Jungs fast das komplette Jahr 1991 daran, ihr Debüt zusammen mit Produzent Andy Johns, Steve Thompson und Michael Barbierio (beide verantwortlich für den Mix) im privaten Heimstudio von Eddie VAN HALEN sowie auch im A&M Studio in Hollywood fertigzustellen. Und mit „Under The Influence“, wie sich das gute Stück nannte, hatte der Fünfer ein echtes Killer-Album geschaffen.

Auf diesem Langeisen befinden sich 12 Stücke, und nicht eines davon könnte als Füller bezeichnet werden. Das ist der Stoff aus dem die Träume dieser Ära sind, denn Songs wie „Hang On Lucy“, „So Far Away“, „Kiss This Love Goodbye“ oder „Clock Strikes“, an dem sich auch Paul Stanley beteiligte, sind fast nicht mit Worten zu umschreiben. Kein Wunder, dass WILDSIDE von den Plattenbossen als die nächsten POISON gehandelt wurden. Aber wie so oft in diesem Business wurde die Band fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel, als ein gewisser Kurt Cobain mit seinem Geschrammel um die Ecke kam.

Und damit war der Traum unserer Helden ausgeträumt, denn der Vertrag, der über 7 Alben hätte gehen sollen, war von einem Tag auf den anderen nicht mehr existent. Nach diesem Schock versuchte sich die Band 1995 noch einmal mit einem musikalisch merklich der Neuzeit angepassten, selbstbetitelten Longplayer Fuß zu fassen, was aber gehörig in die Hose ging. Ein Lichtblick folgte einige Zeit später, als WILDSIDE 2004 sich noch einmal für ein paar Gigs zusammenfand, um die Demo-Compilation „The Wasted Years“, die einmal mehr superbe Songs enthielt, zu promoten. Seitdem ist es sehr still geworden um eine der am meisten unterschätzten Hairbands aller Zeiten. Gott sei es gedankt, dass diese silberne Scheibe namens CD doch länger haltbar ist als anfangs erwartet 

Stefan

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GUNS N ROSES – Appetite For Destruction (Klassiker der Woche)

Band: Guns N‘ Roses
Album: Appetite For Destruction
Spielzeit: 53:51 min
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Geffen Records
Veröffentlichung: 21.07.1987
Homepage: www.gunsnroses.com

Es wird ja gerne von der ein oder anderen Band behauptet, dass sie, mit etwas mehr Glück oder ökonomischem Verstand, auch so groß hätte werden können wie GUNS N‘ ROSES. Was dabei aber oft übersehen wird, ist das GUNS N‘ ROSES nicht einfach die glücklichen Nutznießer inmitten Gleicher waren die nur zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort waren. Vielmehr kamen bei W. Axl Rose & Co. spielerisches Talent, 150%ige Entschlossenheit und perfektes Songwriting zusammen – der Erfolg war nur das logische Endergebnis und „Appetite For Destruction“ ist bis heute ein unumstössliches Manifest in Sachen Rock-Musik.

Von Mike Clink (u.a. UFO, Megadeth ) in ein fantastisch erdiges, umwerfend direktes Soundkleid verpackt schroteten sich die 5 Irren durch 12 Klassiker die allesamt heute noch genauso gut funktionieren wie damals. Keiner der unzähligen Möchtegern-Psychopaten die heutzutage in Extrem-Metal Kapellen wie die Bekloppten ins Mikro kreischen und grunzen hat nur annähernd den Wahnsinn in der Stimme wie Mr. Rose himself, der sich wie ein Getriebener durch „Welcome To The Jungle“ und „Out ta Get Me“ hetzt, in „Anything Goes“ seine später auch gerne mal vor Gericht beleuchteten sexuellen Vorlieben thematisiert, in „Rocket Queen“ gleich im Studio die Hand an die Frau legt oder in dem wunderbaren Kleinod „Think About You“ sein innerstes nach Aussen kehrt. GUNS N‘ ROSES erzählten dunkle Geschichten von der Straße, er- und gelebt in den verlorenen Vorstädtchen aus denen die Jungs in die verranzten Gassen der Riesenmetropole Los Angeles gezogen waren. Geschichten die eben auch deshalb so unter die Haut gehen, weil sie echt waren („My Michelle“, „Mr. Brownstone“) und beim Hörer kein Zweifel daran besteht, dass diese dreckigen Jungs keine am Reisbrett ersponnenen Lügengeschichten servierten, sondern ihr eigenes, durch und durch verrücktes Leben vor aller Welt ausbreiteten. Steven Adler war sicherlich nicht der technisch versierteste Drummer der Welt, aber die Songs haben nie wieder den unvergleichlichen Drive gehabt den er ihnen auf der Debüt Scheibe einprügelte und so schluderig Slash auch spielen mag, auf „Appetite For Destruction“ sind Soli zu hören die so originell und clever ausgearbeitet sind, dass die Konkurrenz nur wie ein Haufen Blindgänger dastand. 12 Songs – kein einziger Ausfall! Das kriegen selbst die ganz Großen nur selten hin. Dabei sind es noch nicht mal die Jahrhundertklassiker  „Paradise City“ und das unkaputtbare „Sweet Child O’Mine“ die die Scheibe bis heute so relevant machen, sondern die Tatsache, dass „Appetite For Destruction“ ein von vorne bis hinten makelloses Album ist. Was leider auch bedeutete, dass der Band nichts andres übrig blieb als sich in der Folge selbst niederzurichten und dem Größenwahn zu verfallen. Die „Use Your Illusion“ Doppeldecker hatten ihre starken Momente, aber da war die Band schon längst zu einer Karikatur Ihrer selbst verkommen, fernab der ungeschminkten Authentizität des Debüts und dem naiven Ignorieren von Erwartungshaltungen von Seiten der Fans, des Labels und wohl der einzelnen Musiker selber.

Es ist eine Schande, dass „Appetite For Destruction“ bis heute noch keinerlei Würdigung in Form einer Deluxe Ausgabe oder Ähnlichem zuteil geworden ist. Vielmehr gibt sich der verbliebene Nachlassverwalter Rose alle Mühe das große Erbe mit etlichem Getöse und lächerlichen Sidekicks unwürdig zu Grabe zu tragen. Das ändert aber nichts daran, dass „Appetite For Destruction”, damals wie heute, eines der besten Alben aller Zeiten ist und auch die Bestnote der Qualität dieser zeitlosen Scheibe in keinster Weise gerecht wird. Ein Klassiker der in keinem Musik Regal fehlen darf.

Trackliste:

01. Welcome to the Jungle
02. t’s So Easy
03.Nightrain
04.Out ta Get Me
05.Mr. Brownstone
06.Paradise City
07.My Michelle
08.Think About You
09.Sweet Child o‘ Mine
10. You’re Crazy
11. Anything Goes
12. Rocket Queen

Mario

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