BLAZON STONE – Down In The Dark

Band: Blazon Stone
Album: Down In The Dark
Spielzeit: 43:35 min.
Stilrichtung: Pirate Metal
Plattenfirma: Stormspell Records
Veröffentlichung: 05.09.2017
Homepage: www.facebook.com/rockarollasmetal

True Somalian Power Metal made in Sweden. Das sind BLAZON STONE, eine der Bands von Cederick Forsberg, der seit einigen Jahren auf respektablem Niveau mit verschiedenen Bands im Underground umherschippert.
Der Bandname erinnert leicht an das sechste RUNNING-WILD-Album, das Artwork erinnert leicht an RUNNING WILD und schon das Intro des vierten Longplayers der Band bestätigt mit seinem redundanten, langsam intensiver werdenden und von einer wunderbaren W*chsgitarrenmelodie getriebenen Art diesen Einfluss. Die Produktion ebenso.
Störend ist das allerdings nicht, denn was BLAZON STONE auf “Down In The Dark” zum Besten geben, ist erstklassiger melodischer Pirate Metal mit einer derartigen Menge an Spielfreude, dass man davon ausgehen muss, dass diese von 90 Prozent aller aktuell veröffentlichenden Bands erbarmunglos geraubt wurde. Bereits “Into Victory”, der erste richtige Song, treibt sich gnadenlos in jeden Gehörgang, versinkt trotz verhältnismäßig viel Dur nicht in lauwarmen Power-Metal-Kitsch-Gewässern und macht, salopp formuliert, nur Bock.
“Hanged Drawn And Quartered” rudert in bangbarem Midtempo daher, inklusive klassischem Metal-Refrain, der zum Mitgrölen einlädt und göttlich in den anschließenden Gitarrenpart überzugehen weiß. Nach dem folgenden “Eagle Warriors” (Och Leute, bitte), bei dem sich Freude einstellt, weil selbst dieser Song als einer der schwächeren noch ordentlich Spaß macht, kommt dann der mit knapp sechs Minuten längete Track des Albums. “Tavern Of The Damned” ist für Metaller unter 30 zum Mitbangen geeignet und punktet vor allem durch seine Melodien. Wenn selbst der Prechorus schon potenzielles Chorus-Material darstellt, kann man eben nicht anders, als auf Kritik praktisch vollständig zu verzichten. Und sonst? “Merciless Pirate King” kommt im Speed-Metal-Gewand daher, ebenfalls äußerst melodiefixiert und mit herrlich schwachsinnigem “Merciless Merciless Pirate King, Öy”-Chorus, “Rock Out!” ist der obligatorische Rock-Huldigungs-Track und “Bloody Inquisition” wirft die Frage auf, seit wann Piratenschiffe mit Nitro ausgestattet sind. Zu guter Letzt gibt es dann mit “Captain Of The Wild” noch eine geschwinde Piratenversion von “Breaking The Law” in Dur. Inklusive promillekompatiblem Refrain. Inklusive geilem Solopart. Wer danach noch schlechte Laune hat, der sollte darüber nachdenken, sich die Kanonenkugel zu geben.

Anspieltipps:
“Into Victory”, “Hanged Drawn And Quartered”, “Tavern Of The Damned” und “Captain Of The Damned”

Fazit:
Zu viele Köche verderben den Brei. Das hinter diesem Sprichwort Wahrheit steckt, beweisen BLAZON STONE, wenn sie als Zwei-Mann-Crew ein Album auf den Markt werfen, das nicht nur gut produziert und mit Talent gespielt ist, sondern in sich so enorm plausibel klingt, wie es “Down In The Dark” nun einmal tut. Jedes Riff, jeder Fill-In, jede kleine Gitarrenspielerei fügt sich wunderbar in das Konzept des jeweiligen Songs ein. Zum Ende des Jahres haben es BLAZON STONE noch eben so mit Leichtigkeit fertig gebracht, sich dank ihres Gespürs für wunderbare Pirate-Metal-Melodien, ihres kompositorischen und spielerischen Talents und ihrer unüberhörbaren Freude an dem, was sie tun, als Pirate-Metal-Band des Jahres zu bewerben. Yo fuckin‘ ho!

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Galleon’s Departure
02. Into Victory
03. Down In The Dark
04. Hanged Drawn And Quartered
05. Eagle Warriors
06. Tavern Of The Damned
07. Merciless Pirate King
08. Watery Graves
09. Rock Out!
10. 1478
11. Bloody Inquisition
12. Captain Of The Wild

Jannis

 

THE PRIVATEER – The Goldensteen Lay

Band: The Privateer
Album: The Goldsteen Lay
Spielzeit: 53:17 min
Stilrichtung: Pirate Folk Metal
Plattenfirma: Noise Art Records
Veröffentlichung: 28.07.2017
Homepage: www.the-privateer.com


Warum können Seeräuber keinen Kreis berechnen? Die Antwort ist nicht, wie man vielleicht erwarten könnte, weil sie Pi raten. Nein, sie sind einfach zu beschäftigt mit der Arbeit an großartigen Alben, wie man an der dritten Veröffentlichung von THE PRIVATEER erkennen kann, die uns pünktlich zu ihrem zehnten Bandjubiläum „The Goldsteen Lay“ um die Ohren kanonen. Und man kann ohne Zögern sagen: Geklautes findet sich wider Erwarten auf dem Release kaum, obgleich man sich zwischendurch möglicherweise ein wenig an BLIND GUARDIAN, ORDEN OGAN, FALCONER oder RUNNING WILD erinnert fühlen mag. Die sechs Freibeuter(innen) halten einen aus Death, Power, Heavy, Pirate und Folk Metal bestehenden Schatz in ihrer Truhe bereit und segeln mit frischem Pirate-Metal-Wind in den Segeln direkt in die Herzen der Freunde kraftvollen Folk Metals. Doch genug der blöden Witze, werfen wir einen genaueren Blick auf die Songs.
Nach einem episch-orchestralen Intro weit über Standard-Intro-Niveau demonstrieren THE PRIVATEER mit „Where Fables Are Made“ direkt mal, was den Hörer erwartet. Dominante Violinen, ein angenehmes Wechselspiel von klaren und unklaren Vocals und Chorusarbeit auf hohem Niveau.
Musikalisch erweisen sich THE PRIVATEER als erstaunlich kreativ. Mal erwartet den Hörer moderne Riffarbeit („Wide In The Open“), mal ein Refrain, dessen Melodieführung man durchaus auch von einer 80er-Gothic-Band erwarten könnte („Arrival“). „Draft Of The Strange“ wartet mit einem feinen Mitschunkel-Chorus im Dreivierteltakt auf und die Violine verirrt sich zu keinem Zeitpunkt in belangloses Gefiedel. Keyboards werden sparsam eingesetzt, finden sich unter anderem im fetten Mittelteil von „Gunpowder Magic“ und im finalen Track, dem episch ausufernden  „The Island, It's Calling“. Aber keine Sorge: Neben ihrer Vorliebe für Violinen, ruhige Mittelteile und melodische Melodieführung erfreuen sich THE PRIVATEER auch immer daran, ihre Songs mit teilweise Black-Metalesken Vocals aufzufrischen, und haben keine Angst vor bösem Gedresche. Die Doppelbass-Maschine läuft wie geschmiert (hin und wieder auch im Blastbeat-Modus). Vielseitigkeit ist Programm bei den Freibeutern – Vielseitigkeit auf musikalisch hohem Niveau!

Anspieltipps:
„Where Fables Are Made“, „Arrival“, „Draft Of The Strange“, „Derelict“ und „The Island, It's Calling“

Fazit:
„The Goldsteen Bay“ ist fernab des normalen Piraten-Party-Humpa-Metals. THE PRIVATEER nehmen ihre Arbeit durchaus ernst, was jedoch nicht bedeutet, dass man ihnen die Spielfreude nicht jederzeit anhören würde. Die Mischung verschiedener Metal-Genres mit viel Violineneinsatz wirkt äußerst stimmig, und der kompositorische Ideenreichum sowie das musikalische Können der Band sorgt dafür, dass man „The Goldsteen Bay“ nicht mehr so schnell aus dem CD-Player nehmen möchte. THE PRIVATEER gehören zweifelsohne zum besten, was Pirate Metal seit langer Zeit hervorgebracht hat. Wir drehen, hart Backbord, in Richtung des nächsten Plattenladens!

WERTUNG: 

 

 

Trackliste:

01. Preamble
02. Where Fables Are Made
03. Draft Of The Strange
04. Wide In The Open
05. Arrival
06. As We Saw Some Path
07. Ocean Of Green
08. Survival Of The Quickest
09. Gunpowder Magic
10. Derelict
11.The Island, It's Calling

Jannis