KEE MARCELLO – Scaling Up

folderBand: Kee Marcello
Album: Scaling Up
Spielzeit: 59:52 min
Stilrichtung: Melodic Rock
Plattenfirma: Frontiers Music
Veröffentlichung: 14.10.2016
Homepage: www.facebook.com/keemarcellorocks

Der schwedische Gitarrist KEE MARCELLO dürfte den meisten wohl durch seine Arbeit bei seinen Landsleuten Europe im Gedächtnis geblieben sein. Dort hatte er bei seinem Debüt auf dem Bandhighlight „Out Of This World“ (1988) gleich einen dermaßen tollen Einstand gehabt, dass er seinen Vorgänger John Norum schnell vergessen machte. Mit aberwitzigen Soli und schön erdigen Riffs gelang es dem Neuling eigene Duftmarken zu setzen und Hits wie "Superstitious" oder "Let the Good Times Rock" nachhaltig seinen Stempel aufzudrücken. Leider war bereits ein Album später („Prisoners in Paradise“, 1991) schon wieder Schluss und MARCELLO musste sich eine andere Beschäftigung suchen. Seither ist er als Gastmusiker, Songschreiber und Produzent nicht nur gefragt sondern auch äußerst erfolgreich. Und ganz nebenbei veröffentlicht der gute auch als Solokünstler Platten, so wie das nun vorliegende „Scaling Up“, auf dem er den Sound und Stil seines früheren Arbeitgebers aufgreift und das Ganze passenderweise über das Label Frontiers Records unters Volk bringt.

Dass mit dem fabelhaften, typischen 80er Stampfer „Wild Child“ und dem kernigen „Don't Know How To Love No More“ zwei neu arrangierte (und damals vom Management verworfene) Überbleibsel aus den Vorbereitungssessions für das Europe Album „Prisoners in Paradise“ an Bord sind, ist für Europe Fans wahrscheinlich schon ein Kaufgrund. MARCELLO weiss allerdings auch heute noch wie man einen vernünftigen Hardrock Song zusammenschraubt, was Tracks wie „Fix Me“ und das flotte „Soldier Down“ eindrucksvoll unter Beweis stellen. Und dass er immer noch einer der begnadetsten Flitzefinger im Genre ist, der Tempo und immer interessante Melodielinien auf seine ganz eigene Art miteinander verzahnt, beweist er ein ums andere Mal in den Solospots – hier wird der Song durch das Solo veredelt, und nicht einfach nur in die Länge gezogen (Anspieltipp für alle Gitarristen: das zusammen mit Gastmusiker Mathias IA Eklundh eingetütete „Good Men Gone Bad“, das Übematerial en masse zu bieten hat). Ich persönlich habe lediglich ein Problem mit MARCELLO’s etwas knödeligem Gesang – der nicht mehr ganz taufrische junge Mann kann zwar durchaus gut und richtig singen, ein Sänger mit Charisma und einer Powerröhre hätte aus dem Material aber definitiv noch mehr rausholen können.

So bleibt unterm Strich ein richtig starkes Album, das sowohl vom Songwriting als auch von der Produktion und der handwerklichen Darbietung höchsten Ansprüchen genügen dürfte. KEE MARCELLO erfindet zwar weder das Rad noch sich selbst auf „Scaling Up“ neu, aber er stellt eindrucksvoll unter Beweis, warum sein Beitrag auf den beiden unter seiner Mithilfe entstandenen Europe Platten auch heute noch unter Gitarristen und Fans einen ausgezeichneten Ruf genießt. Starke, zeitlose Platte.

WERTUNG:

8

 

 

Trackliste:

01. Black Hole Star.
02. On The Radio
03. Don't Miss You Much
04. Fix Me
05. Wild Child
06. Finger On The Trigger
07. Soldier Down
08. Scandinavia
09. Good Men Gone Bad
10. Scaling Up
11. Don't Know How To Love No More
12. Blow By Blow

Mario

NTH ASCENCION – In Fine Initium

folderBand: Nth Ascension
Album: In Fine Initium
Spielzeit: 68:09 min
Stilrichtung: Progressive Rock
Plattenfirma: Melodic Revolution Records
Veröffentlichung: /
Homepage: www.nthascension.com

Das 2015er Debüt der britischen (Prog) Rocker NTH ASCENCION war ein feines Kleinod inmitten der üblichen Prügel-Orgien der hart und heftig Fraktion auf der einen und den quälend langweiligen pseudointellektuellen "Schuh-Guck"-Sceancen auf der anderen Seite des Prog Bereichs. Völlig unaufgeregt und selbstsicher steuerten die 5 nicht mehr ganz taufrischen Briten um den TEN-Keyboarder Darrel Treece-Birch ihr Schiff durch das weite Feld des mit leichten progressiven Elementen angereicherten Rocks. Und genau in dieselbe Kerbe schlägt auch das nun vorliegende 2te Album der Band, die sich nun mit dem amerikanischen Label Melodic Revolution Records Verstärkung bei der Promotion bzw. des Vertriebs Ihrer Musik gesucht hat. Das ändert freilich nichts daran, dass sich auch diesmal wieder Herr Treece-Birch persönlich um die Bemusterung der Platte bemüht hat – ungewöhnlich und sympathisch.

Musikalisch geben sich NTH ASCENCION auch auf "In Fine Initium" keine Blöße und – was vielleicht noch viel wichtiger ist – sie vermeiden (zumindest die meisten der) Fallstricke, in die andere Bands nur allzu gerne hineintappen: die Jungs spielen ihre Instrumente, das hört man. Da ist nichts künstlich zusammengefügt, was in der Natur nur schwerlich handwerklich zu realisieren ist. Der Hörer wird nicht mit musikalisch wertlosen technischen Sperenzchen geblendet. Nein, auf "In Fine Initium" wird eine gute Stunde lang guter Rock serviert. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Soweit alles bestens. Allerdings überschätzen NTH ASCENCION die Effektivität Ihrer Songs/Kompositionen hier und da doch ein wenig: so gut Tracks wie der Opener "Kingdom Keys" oder "The Cage" auch sein mögen, über die gesamte Dauer von jeweils 15 bzw. 17 Minuten geht den Tracks dann doch die Luft aus. Da hätte der Rotstift durchaus gut getan. Das ändert aber unterm Strich nichts daran, dass sich der geneigte Fan an Songs wie dem spannenden Instrumental "So, That Was The Apocalypse", dem mit tollen Melodien gespickten Titeltrack oder den weiterführenden Tracks des schon vom Debüt bekannten, groß angelegten "Clanaan"-Zyklus durchaus die ein oder andere Stunde froh und aus dem stressigen Alltag weg hören können.

Was ich anlässlich des guten Debüts hier an gleicher Stelle gesagt habe, lässt sich quasi 1zu1 auch auf die neue Platte von NTH ASCENCION übertragen. „In Fine Initium“ ist ein grundsolides, über weite Strecken spannendes und ab und zu etwas langatmiges Prog Rock Album, das gehört gehört. Fans der Stilrichtung können bedenkenlos zugreifen.

WERTUNG:

8

 

 

Trackliste:

01. Kingdom Keys
02. End Of Days
03. So, That Was The Apocalypse
04. The Cage
05. In Search Of The Rider (Clanaan Pt4)
06. Forever (Clanaan Pt5)
07. When The Rain Falls (Clanaan Pt6)

Mario

 

THE ANSWER – Solas

folderBand: The Answer
Album: Solas
Spielzeit: 49:33 min
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Napalm Records
Veröffentlichung: 28.10.2016
Homepage: www.theanswer.ie

Ja, THE ANSWER haben auf den letzten Alben mehr oder weniger ein bewährtes Rezept zu Genüge durchexerziert und ja, der neue Mut zur Selbstreflexion und dem Austesten alternativer Sounds und Richtungen ist definitiv zu begrüßen. Der Band blieb aufgrund der unüberhörbaren Stagnation, bzw. dem Ausbleiben eines wirklichen Durchbruchs wohl auch nichts anderes übrig. Leider geht der Schuss auf dem neuen, mittlerweile 6. Album der Band relativ ernüchternd nach hinten los. Deutlich zurückhaltender haben THE ANSWER sich diesmal verstärkt auf Ihre Irisch/Keltischen Wurzeln besonnen und den Hardrock-Hammer zu weiten Teilen im Schuppen gelassen. Das mag an und für sich eine gute Idee sein um den Fans auch eine andere Seite der Band präsentieren zu können und womöglich auch ein nötiges Vehikel um die streckenweise düsteren vergangenen Monate im privaten Bereich der Bandmitglieder adäquat zu vertonen. Aber die Band schafft es (meiner Meinung nach jedenfalls) nicht aus eigenen Stücken einen überzeugenden Weg aus dem Trott zu finden.

Auf "Solas" bricht die Band gleich mit mehreren ihrer lieb gewonnen Trademarks und präsentiert sich nachdenklicher, düsterer und oftmals bis aufs Nötigste reduziert. Ich persönlich bin ein großer Fan von akustischen Instrumenten und heruntergebrochenen Arrangements und Instrumentierungen. Auf "Solas" klingt aber leider nur wenig transparent sondern das Album tönt sonderbar platt und leidenschaftslos aus den Speakern. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass Sänger Cormac Neeson, der der einzige ist, der mit seiner Hammerstimme auf "Solas" seine gewohnte Leistung abliefert und einige energische Lichtpunkte setzen kann, von 3 ihm deutlich unterlegenen Durchschnittsmusikern umgeben ist. Wenn man den Klangkosmos einer Band, die bisher auf laute Gitarren und energische Sounds gesetzt hat, so konsequent runterbricht, dann zählt umso mehr der Song/ die Komposition, die das Album tragen muss. Und hier schwächeln THE ANSWER mit ihrem neuen Output leider deutlich. Ein Song wie "Being Begotten" gibt 4 1/2 Minuten lang ein Versprechen, dass es bis zum Ende nicht einhalten kann – vergeblich wartet man auf den Ausbruch, das angedeutete, aber niemals umgesetzte Highlight. Selbst ein traditioneller Rocker wie "Left Me Standing" (zudem auch noch mit ausgelutschten Thin Lizzy Referenzen gespickt) kommt hüftsteif und blutarm daher. Einzig der mit einem stoischen Groove schwer walzende Titeltrack hat einen cleveren, effektiven Refrain, erzeugt einen lange anhaltenden Sog und kann sich länger im Gehörgang festsetzen. Das mit einem feinem Refrain ausgestattete „Untrue Colour“ oder das flockige „Battle Cry“ sind ebenfalls Anspieltipps mit einem gewissen Flair. Die echten Höhepunkte sind aber recht rar gesät. Ich weiß wirklich nicht, was hier schief gelaufen ist. Aber zu mehr als nettem Nebenbei hören taugt die Platte leider nicht.

Trotz mehrmaliger Einfuhr von „Solas“ stellte sich bei mir zu keinem Zeitpunkt auch nur ein Hauch von Begeisterung ein. Das ist besonders schade, da ich die Band über die letzten Alben sehr zu schätzen gelernt habe und nun feststellen muss, dass die Jungs sich in einer recht ausweglose Ecke manövriert haben. Wenn ich mir die bisher erschienenen Besprechungen der Scheibe anschaue, dann scheine ich etwas alleine mit meiner enttäuschten Einschätzung zu sein, denn vielerorts wird die Scheibe über den grünen Klee gelobt. Aber ich bleibe dabei: "Solas" ist für mich bisher DIE Enttäuschung des Jahres 2016 und ich hoffe, dass die Band mit dem nächsten Album nochmal die Kurve kriegt.

WERTUNG

6

 

 

Trackliste:

01. Solas
02. Beautiful World
03. Battle Cry
04. Untrue Colour
05. In This Land
06. Thief of Light
07. Being Begotten
08. Left Me Standing
09. Demon Driven Man
10. Real Life Dreamers
11. Tunnel

Mario

WRATHCHILD AMERICA – Climbin‘ the Walls (Re-Release)

wrathchildus_walls_sleeveBand: Wrathchild America
Album: Climbin' the Walls (Re-Release)
Spielzeit: 43:44 min
Stilrichtung: Thrash Metal, Power Metal, Heavy Metal
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: 02.09.2016
Homepage: www.rockcandyrecords.com

Ein feines Cover Artwork von Ed Repka (u.a. Death, Megadeth), gleich das Debüt beim Branchenriesen Atlantic Records und an den Tonreglern der erfahrene Mark Dearnley (AC/DC, Krokus) – die Zeichen standen auf Sturm, als WRATHCHILD AMERICA ihre erste Platte 1989 auf die hungrige Metal Szene los liessen. War die Band ursprünglich eher im Heavy Metal verortet, so hatten neue Thrash Bands wie z.B. Metallica, mit Ihren heftigen Sounds einen bleibenden auf das Quartett aus Baltimore in Maryland hinterlassen. Nach einigen Besetzungswechseln konzentrierte sich die Truppe um den singenden Bassisten Brad Divens darauf den mittlerweile etablierten Thrash Acts etwas Gehaltvolles entgegen zu setzen. Aus heutiger Sicht fällt es schwer nachzuvollziehen warum "Climbin' the Walls" nicht den Erfolg hatte, den es fraglos verdient gehabt hätte: WRATHCHILD AMERICA hatten handwerkliche Einiges zu bieten (die Gitarrenarbeit ist erstklassig), die Produktion ist top (auch wenn die Classic Rock Vergangenheit von Dearnley klar herauszuhören ist) und die Songs hatten allesamt Substanz.

Bereits das Eröffnungsdoppel aus den beiden speedigen "Climbin' the Walls" und "Hell's Gate" macht keine Gefangenen und funktioniert auch heute noch ganz hervorragend. Neben weiteren hochwertigen, schmissigen Thrash Metal Tracks wie "Candy from a Madman" oder "No Deposit, No Return" gibt es mit "Hernia" ein feines Instrumental und mit "Time" eine gar gelungene Pink Floyd Coverversion auf die Ohren. Letzterer Track, ebenso wie das deutlich im Powermetal verwurzelte "Day of the Thunder" lassen dann auch die Vergangenheit der Band erahnen, die sich in unzähligen Clubgigs als Coverband Ihre Hörner abgestossen, ihr ganz eigenes Profil hart erarbeitet haben und auf ihrem Debüt als ernstzunehmender Gegner in den Ring gestiegen sind. Warum aus der ganz grossen Karriere dann leider doch nichts geworden ist, kann man in den gewohnt guten Linernotes nachlesen. Und als i-Tüpfelchen gibt es noch ein gutes Re-Mastering obendrauf.

"Climbin' the Walls" kann sich jeder Metal Jünger völlig zweifelsfrei ins Regal stellen. WRATHCHILD AMERICA stellten tatsächlich so was wie eine Konsens-Band dar, die das beste aus dem klassischen Metal als auch den (damals) nuern und extremeren Spielarten wie Thrash vereinten. Da das nun vorliegenden Rundum-Sorglos Packet aus dem Hause Rock Candy Records das Album in einer wertigen Neuausgabe umso interessanter macht ist persönliches Antesten dringend empfohlen.

WERTUNG:

8

 

 

Trackliste

01. Climbin' the Walls
02. Hell's Gate
03. No Deposit, No Return
04. Hernia
05. London After Midnight
06. Candy from a Madman
07. Silent Darkness (Smothered Life)
08. Time
09. Day of the Thunder

Mario

OPETH – Sorceress

folderBand: Opeth
Album: Sorceress
Spielzeit: 57:04 min
Stilrichtung: Progressive Rock/Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast Records
Veröffentlichung: 30.09.2016
Homepage: www.opeth.com

Der Wechsel von Roadrunner Records zu Nuclear Blast Records hat sich zumindest in Sachen Promotion für die Schweden OPETH gelohnt – bereits seit Wochen wird die interessierte Öffentlichkeit auf das neue, mittlerweile 12. Album, der Band medial aufmerksam gemacht. Da hört es aber auch schon auf, mit der Mainstream Anbiederung, die so mancher Alt-Fan der band schon seit 20 Jahren vorwirft. "Sorceress" ist, das dürfte niemanden mehr wirklich überraschen, wieder völlig anders als alles was die Band bisher gemacht hat und zementiert auf eindrucksvolle Weise den Status der band als wahre Progressive Rocker, im echten Sinne des Wortes. Wo Bands wie Dream Theater der Queensryche das Genre nur noch zum Selbstzweck missbrauchen, lassen Michael Åkerfeldt und seine Begleitmannschaft keinen Zweifel daran, dass bei dieser Band alles Möglich ist, nur keine Stillstand.

Zu sagen, dass "Sorceress" wie „Heritage“ oder „Pale Communion“ klingt, lediglich auf Grund der Tatsache, dass keine Death Metal Growls vorhanden sind und als Basis wieder der 70er Jahre Prog Rock Pate gestanden hat, ist etwas kurz gegriffen. Schon der als erstes Video vorgestellte Track "Sorceress" lässt mit seinem doomigen, stoischen Riff eine gewisse Nähe zu Black Sabbath durchscheinen und noch nie haben OPETH so locker und befreit aufgespielt wie in den beinahe jammigen durchgeknallten Parts in „Strange Brew“ (auch wenn die Scheibe mal wieder von Åkerfeldt. im Vorfeld bis ins kleinste Detail vorproduziert wurde). Neben den durchaus mitunter gewagten Kompositionen wird auch die Produktion von "Sorceress" (wieder von Tom Dalgety) wieder hier und da auf Kritik stoßen: mitunter etwas dumpf und mit einer extremen Dynamik ausgestattet, muss man mitunter schon den Lautstärkeregler der Anlage bemühen um die kleinen ruhigen Details heraushören zu können. Der Mix, bzw. das Mastering der Scheibe ist das entgegensetzte Extrem des in den letzten Jahre so ausgeuferten Loudness-War – aber man kann es ja nie allen recht machen. Ich persönlich finde den Klang der Scheibe phänomenal – vor allem wenn man sich das ganze unter einem guten Kopfhörer gönnt: ganz großes Kino! Die Gitarren sind fett, erdig und strotzen vor Vitalität – in Fredrik Åkesson hat Åkerfeldt den Sidekick gefunden, der all das umsetzt wozu ihm selbst die technischen Fähigkeiten fehlen. Das Rhythmus-Rückgrat aus Schlagzeuger Martin Axenrot und Bassist Martín Méndez ist eine Bank und der Mann an den Tasten Joakim Svalberg setzt die echten Fender Rhodes, Hammond C3 etc. Sounds perfekt in Szene. Und so ganz nebenbei dokumentiert "Sorceress" auch einen interessanten Shift im Bandgefüge: haben sich Fans und "Kritiker" der Band bisher eigentlich ausschließlich am Bandkopf abgearbeitet, seinen Gesangsstil und das Songwriting mal vergöttert, mal verrissen, wie es gerade ins eigenen Weltbild passte, so ist aus OPETH, still und heimlich, eine bärenstarkes Einheit geworden in der Åkerfeldt mittlerweile gar nicht mehr wie der Alleinherrscher sondern als Teil eines Ganzen wirkt. Tatsächlich hat man das Gefühl er müsse sich mittlerweile doppelt anstrengen um das Level seiner Mitstreiter halten zu können – was sich in den fein herausgearbeiteten Gesangsmelodien in "Will O The Wisp" oder „The Wilde Flowers“ besonders bemerkbar macht. "Sorceress" wirkt als Gesamtwerk, auch wenn die Songs relativ eigenständig wirken und Abwechslung Trumpf ist: "Chrysalis" erinnert an selige "Still Life" Zeiten, "A Fleeting Glance" hätte auch auf "Damnation" eine gute Figur gemacht und das orientalisch angehauchte Instrumental "The Seventh Sojourn" legt nahe, dass Opeth Anno 2016 keine ernstzunehmende Konkurrenz mehr im Prog Rock Genre hat. In dem treibenden "Era" zeigen OPETH zum Abschluss noch den fabelhaften Night Flight Orchestra ganz nebenbei wo der Classic Rock Frosch die Locken hat. Mein absoluter Lieblingstrack auf der Platte.

OPETH liefern mit "Sorceress" den Beweis ab, dass sie in einer völlig eigenen Liga agieren: zum einen hat Åkerfeldt Musiker um sich geschart die handwerklich über jeden Zweifel erhaben sind und wie eine perfekt geölte Maschine einen unwiderstehlichen Drive entwickelt haben. Zum anderen bietet die Scheibe zu weiten Strecken mal wieder formidables Songwriting, das den Totalausfall "Heritage" endlich vergessen lässt. Das Album versprüht eine unbändige Spielfreude und Detailversessenheit – es macht einfach Spaß der Truppe beim Spielen zuzuhören, denn der Spaß am eignen Schaffen perlt aus jeder Rille der Platte. Kurz, "Sorceress" ist ein wunderliches, verspieltes, herrliches und durchweg unterhaltsames Album geworden. Es geht auch gar nicht darum, ob man als Fan nun Akerfeld's Mut und/oder Stursinn immer zur Seite steht oder nicht. Was zählt ist die Frage ob er weiterhin gehaltvolle Musik schreiben kann. Und ein Sahnealbum wie "Sorceress" ist da wohl das beste Argument.

WERTUNG:

9

 

 

Trackliste:

01. Persephone
02. Sorceress
03. The Wilde Flowers
04. Will O The Wisp
05. Chrysalis
06. Sorceress 2
07. The Seventh Sojourn
08. Strange Brew
09. A Fleeting Glance
10. Era
11. Persephone (Slight Return)

Mario

 

MARILLION – Fuck Everyone and Run (F.E.A.R.)

0_marillion_fear_albumcover_500Band: Marillion
Album: Fuck Everyone and Run (F.E.A.R.)
Spielzeit: 68:02 min
Stilrichtung: Neo-progressive rock
Plattenfirma: earMUSIC
Veröffentlichung: 23.09.2016
Homepage: www.marillion.com

Die britische Neo Prog Institution MARILLION hat in ihrer langen und ereignisreichen Karriere so einige Höhepunkte erleben dürfen. Von den Highlights der Fish-Ära (mit dem unkaputtbaren Klassiker "Kayleigh"), über den nahtlosen und auch kommerziell weiterhin erfolgreichen Übergang zum "neuen" Sänger Steve Hogarth ("Easter"), den wegweisenden Konzeptalben wie "Marbles" bis zu der konsequenten und ebenfalls erstaunlich gut funktionierenden autonomen Crowdfunding Finanzierung Ihrer Alben wie z.B. bei "Anoraknophobia". Mit "F.E.A.R." haben die eigensinnigen Briten nun Ihr bereits 18. (!) Studioalbum eingespielt (das letzte, "Sounds That Can't Be Made", liegt auch schon wieder 4 Jahre zurück), das seit dem 23. September als CD, limitierte SuperAudio-CD und in allen Digitalen Formaten zu erwerben ist.

Auf MARILLION ist Verlass, das wissen natürlich vor allem die langjährigen und äußerst treuen Fans der Band schon lange zu schätzen. Und daher wärmt das Quintett nicht immer und immer wieder schon erprobte Ideen auf, sondern geht konsequent alternative Wege. "Fuck Everyone and Run (F.E.A.R.)" ist zwar nicht als reinrassiges Konzeptalbum anzusehen, aber als eines mit einem übergreifenden textlichen Aufbau, einer durchgehend melancholischen bis düsteren Stimmung und einem durchaus eigensinnigen Aufbau: die insgesamt 5 Songs sind in 17 einzelnen Tracks unterteilt, die man auch locker als individuell funktionierende Parts ansehen kann. Denn erfreulicherweise ist hier, wie bei ähnlichen Konzepten leider oft zu bemängeln, nie irgendein pseudocineastisches Füller-Material dabei. Das sehr früh positionierte "The Gold" ist mit seinem kraftvollen, effektiven Refrain einer der echten Höhepunkte der Scheibe. Dem folgen mit "Vapour Trails in the Sky", dem emotionalen Ohrwurm "Fuck Everyone and Run" oder dem rockig/unheilvollen " F E A R" noch weitere Hochkaräter, die auch Album No. 18 zu einem wert-, bzw. gehaltvollen Beitrag im Bandkatalog machen. 

Auch "F.E.A.R." kann das traditionell hohe Niveau der Band locker halten und bringt einige der stärksten Tracks der jüngeren Vergangenheit von MARILLION auf die Tapete. Da das Album auch hervorragend produziert ist und klanglich ein wahrer Ohrenschmaus ist, dürfte eigentlich alles in Butter sein, oder? Nun, 17 Songs bei einer Gesamtspielzeit von satten 68 Minuten ist einfach zu viel des Guten. Bloß weil die CD eine Spielzeit von bis zu 80 Minuten erlaubt heißt das nicht, dass man dies auch ausnutzen muss. So bleibt unterm Strich ein gewohnt erstklassiges neues MARILLION Album, dem ein strafferes Korsett durchaus gut getan hätte.

WERTUNG: 

7,5

 

 

Trackliste:

01. El Dorado: I. Long-Shadowed Sun
02. El Dorado: II. The Gold
03. El Dorado: III. Demolished Lives
04. El Dorado: IV. F E A R
05. El Dorado: V. The Grandchildren of Apes
06. Living in F E A R
07. The Leavers: I. Wake Up in Music
08. The Leavers: II. The Remainers
09. The Leavers: III. Vapour Trails in the Sky
10. The Leavers: IV. The Jumble of Days
11. The Leavers: V. One Tonight
12. White Paper
13. The New Kings: I. Fuck Everyone and Run
14. The New Kings: II. Russia's Locked Doors
15. The New Kings: III. A Scary Sky
16. The New Kings: IV. Why Is Nothing Ever True?
17. Tomorrow's New Country

Mario

VOLA – Inmazes

folderBand: Vola
Album: Inmazes
Spielzeit: 52:04 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Mascot Records
Veröffentlichung: 16.09.2016
Homepage: www.volaband.com

Aus Dänemark erreicht uns das Debüt des Quartetts VOLA nun über das Mascot Records Label. Über die Bandcamp-Page der Band ist das Album bereits seit 2015 erhältlich – nun kann man das feine Ding also auch als digitalen Download, auf CD oder sogar, ganz klassisch, als Doppel-LP erwerben (bei dem schnieken Cover ein ganz besonderes Schmankerl). Wenn das Label mit der Beschreibung "Pink Floyd meets Meshugga" wirbt, so ist das erst einmal ebenso verwirrend wie nichtssagend. Und doch kann man diese beiden Extreme durchaus in der Musik der Band wiederfinden – neben zahlreichen weiteren Reminiszenzen an Schwergewichte der Musikgeschichte. Im Grunde setzen die Jungs Ihre Musik aus den beiden Zutaten (extrem) tiefergelegte Rhythmusfiguren (ja, da ist viel Meshugga mit drin), bei denen einem schon beim Zuhören schwindelig wird, und weit ausgefahrene Breitwand Refrains mit absolutem Ohrwurm-Charakter zusammen. Das haben auch schon andere versucht, VOLA gelingt es auf diesem Erstwerk aber schon auf beeinduckend schlüssige Weise das Ganze nicht zu einem Stil-Puzzle ausarten zu lassen.

Das Album startet mit den beiden Highlights "The Same War" und "Stray The Skies" sehr vielversprechend – es sind gleich alle Stärken der Band ins rechte Licht gerückt: übelst schiebende Rhythmusgitarren, fette Drums, vertrackte Beats und die starke Stimme von Sänger/Gitarrist Asger Mygind, der in den Refrains dann gleich die ganz grosse Hookline-Keule auspackt. Ein ähnliches Prinzip wird dann auch für den Rest des Albums gefahren – mal mit mehr, mal mit weniger Variation und Geschick in der Treffsicherheit. "Your Mind Is A Helpless Dreamer" besipielsweise kann bei mir nicht richtig zünden, ebenso "Starburn", das das Niveau des Eröffnungsdoppels nicht ganz halten kann. Mit dem entspannten "Emily" setzen die Jungs aber den nötigen ruhigen Gegenakzent zum sonstigen Gewitter, mit "Owls" und "Gutter Moon" (in dem die Verwandschaft zu den Kollegen von Haken zutage tritt) sind noch weitere starke Heavy/Melodiöse Perlen vertreten, die aus "Inmazes" einen ernstzunehmenden Konkurrenten im Genre machen. Alles in Allem überwiegen auf VOLA's Debüt die Lichtmomente, die wenigen Schönheitsfehler können den absolut positiven Gesamteindruck nicht trüben.

Natürlich ist das, was VOLA hier vorlegen Geschmacksache. Wer seine Songs klar strukturiert, mit simpel nachvollziehbaren Rhythmen und sich sofort erschliessenden Arrangements braucht, der wird den Zugang zu "Inmazes" wahrscheinlich nicht finden. Muss man ja auch nicht – es gibt genügend Musik heutzutage für alles und jeden Bedarf. Wer aber prinzipiell mit den verschiedenen Arten des Extrem-Metal (und bei VOLA bezieht sich diese Bezeichnung ausschliesslich auf die instrumentale Grundierung, nicht auf den fast schon poppigen Gesang) etwas anfangen kann, der sollte hier auf jeden Fall ein Ohr riskieren. Von dieser Band dürfen wir noch Grosses erwachten.

WERTUNG

8

 

 

Trackliste:

01. The Same War
02. Stray The Skies
03. Starburn
04. Owls
05. Your Mind Is A Helpless Dreamer
06. Emily
07. Gutter Moon
08. A Stare Without Eyes
09. Feed The Creatures
10. Inmazes

Mario

PALACE – Master Of The Universe

folderBand: Palace 

Album: Master Of The Universe

Spielzeit: 46:41 min.

Stilrichtung: AOR / Melodic Rock

Plattenfirma: Frontiers Records

Veröffentlichung: 26.08.2016

Homepage: www.de-de.facebook.com/palacesweden

Retortenprodukt hin oder her, wenn bei einer der zahlreichen zusammengewürfelten Frontiers „Bands“ mal zwischendruch ein wirklich starkes Album abfällt, dann sollte man das auch entsprechend würdigen. Mit PALACE, benannt nach dem Sänger Michael Palace, steht nun eine solche Formation in den Startlöchern, die mit Ihrem Debüt „Master Of The Universe“ ein richtig gutes Album abliefert. Das Cover der Scheibe (so gelungen es an und für sich auch ist), passt übrigends nullinger zur Musik und sollte interessierte Melodic Rock und AOR Freunde keinesfalls abschrecken: Hier gibt es waschechten Melodic Rock auf die Ohren, fernab von irgendwelchen Fantasy Powermetal Klischees. Michael Palace, der sich bisher im Frontiers Haus als Songschreiber für u.a. First Signal und Toby Hitchcock Anerkennung und letztendlich den eigenen Vertrag erarbeiten konnte, hat mit Gitarrist Rick Digorio, Bassist Soufian Ma’Aoui und Schlagzeuger Marcus Johansson eine noch recht junge aber schon erfahrene und vor allem schlagkräftige Truppe um sich geschart.

Ob eine solche Melodic Scheibe, die ja bei Frontiers am Fliessband produziert und rausgehauen werden, letrztendlich funktioniert hängt von vielen Faktoren ab: Klingt das Ganze wie eine vernünftige (Band)Produktion oder hört man, dass du nur digitale Files hin und her geschickt wurden? Ist das Songwriting homogen ohne offensichtliche Stil Sprünge (was auf zahlreiche unterschriedliche Songwriter schliessen lässt)? Sind alle Musiker mit Energie und Enthusiasmus dabei oder klingt’s nicht doch wie eine typische Auftragsarbeit? Alle diese Fragen kann man ohne wenn und aber positiv beantworten. „Master Of The Universe“ klingt wie aus einem Guss, nirgends sind die leider viel verbreiteten Plastik-Sounds zu hören und das Album funktioniert in einem Rutsch. Zu sagen, dass PALACE auf dem Debüt Musik bieten wie man sie voher noch nicht gehört hat (Promo Sprech) ist natürlich, gerade in diesem Genre, der absolute Knaller. Im Gegenteil, die Musik auf „Master Of The Universe“ klingt angenehm zeitlos und hat zahlreiche direkte und indirekte Querverweise auf diverse Klassiker des Genres zu bieten. Das Album als lieblosen Abklatsch abzutun würde der tatsächlich guten Produktion und dem streckenweise hohen Hit-Potential des Materials aber nicht gerecht. Besonders der erste Teil der Scheibe kann überzeugen: der Opener und Titeltrack ist ein Ohrwurm ersten Grades, der Melodic Rocker „Cool Running“ erinnert an Grosstaten aus der Hit-Schmiede von W.E.T. und ein Song wie „Part Of Me“ hätte auch auf Heart’s „Brigade“ eine gute Figur gemacht. Dabei fangen PALACE die klangliche Essenz der klassischen Vorbilder äusserst überzeugend ein (vor allem die geilen, typischen 80er Keyboard Sounds) und transportieren diese ins Hier und Jetzt. Leider stellt sich ab dem nur halbgaren „Path To Light“ etwas Routine ein, so dass sich in der 2ten Hälfte (z.B. bei dem 08/15 Track „She Said It’s Over“) etwas Ernüchterung einstellt. Das wird dann glücklicherweise mit dem Volltreffer und Rausschmeisser „Young, Wild, Free“ nochmal aufgefangen.

„Master Of The Universe“ ist nicht unbedingt ein Klassiker für die Ewigkeit geworden, aber ein verdammt gutes Melodic Rock Album, das in dem Wust an ähnlichen Veröffentlichungen schon deshalb Eure Aufmerksamkeit verdient, weil es von vorne bis hinten homogen und schlüssig, sowie zu keinem Moment lieblos zusammengeschustert rüberkommt. Vor allem der erste Teil der Platte macht richtig Laune. Wer auf guten, handgemachten Melodic Rock mit starker Stimme, luftiger Produktion und grossen Medlodien steht, macht hier definitiv nichts falsch. Gutes Album mit einer guten, hochwertigen Produktion.

WERTUNG:

8

 

 

Trackliste:

01. Master Of The Universe

02. Cool Running

03. Man Behind The Gun

04. Part Of Me

05. No Exit

06. Matter In Hand

07. Path To Light

08. Rules Of The Game

09. She Said It’s Over

10. Strangers Eyes

11. Young, Wild, Free

Mario

DGM – The Passage

folderBand: DGM
Album: The Passage
Spielzeit: 60:22 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Frontiers Music
Veröffentlichung: 26.08.2016
Homepage: www.dgmsite.com

DGM sind schon viel zu lange im Geschäft um noch irgendjemandem, der sich für progressive Metal interessiert, kein Begriff zu sein. Seit der Bandgründung im Jahr 1997 hat die von zahlreichen Musikerwechseln gebeutelte und oft ausgebremste Band immerhin 7 Studioalben Alben vorgelegt und auf unzähligen Tourneen, oft im Vorprogramm so namhafter Acts wie Symphony X oder auf Festivals wie dem Prog Power USA, die Welt bespielt. Die Jungs geniessen einen exzellenten Ruf und schicken sich an diesen auch mit ihrem mittlerweile 8. Werk zu untermauern.

Die neue Scheibe der italienischen Power Progger in die Nähe solcher etablierten Acts wie z.B. Symphony X zu stellen ist zwar auf der einen Seite hilfreich wenn es darum geht die generelle Richtung für Interessierte zu beschreiben. Zumeist gehen solche Vergleiche aber zugunsten der grossen Namen aus. Tatsächlich halten DGM mit dem letzten Album der Amerikaner im direkten Vergleich aber locker mit. DGM hauen ähnlich wie die Band um Wundergitarrist Michael Michael Romeo (der auf „The Passage“ ein Gast-Solo spielen darf) volle Lotte ins Met und bauen Ihre Songs in der Regel auf abgefahrene Frickelriffs auf, bei denen es einem beim Zuhören ganz schön schwindelig wird. Von angezogener Handbremse kann hier nun wirklich nicht die Rede sein, und man ist hier und da ein wenig an das fabelhafte letzte Solo Album von James Labrie erinnert, an dem Gitarrist/Produzent Simone Mularoni ja ebenfalls massgeblich beteiligt war. Gleich das Eröffnungsdoppel "The Secret" (Parts 1 und 2) ist eines der absoluten Highlights des Albums: DGM schaffen hier den perfekten Mix aus vertrackt proggigem Material, grossflächigen Arrangements und packenden Melodien die nie ins Kitschige abdriften. Ein bärenstarker Einstieg, dem dann auch gleich mit "Animal" einer jener Songs folgt, der den dezenten rockigen 80er Einfluss der Band aufs Beste präsentiert. Nicht jeder Track der Scheibe ist der absolute Volltreffer, Komplettausfälle gibt es keine zu vermelden und mit dem kurzen akustisch gehaltenen Intermezzo „Disguise“ und dem balladesken Rausschmeisser „In Sorrow“ haben DGM dann auch noch die nötige Gegenbalance zu dem ganzen hochintensiven Geballer im Köcher um die Hektik ein wenig herauszunehmen. Weitere Highlights sind das mitreissend hook-lastige „Fallen“ sowie der von Gastsänger Tom Englund (Evergrey) veredelte Song „Ghosts Of Insanity“. Neben Gitarrist Simone Mularoni kann vor allem Sänger Marco Basile überzeugen : seine immer wieder packenden Melodien werden stets songdienlich vorgetragen und nie zum Selbstzweck misbraucht – die Gesangsleistung auf „The Passage“ ist wirklich mehr als lobenswert.

Tja, was soll ich sagen? „The Passage“ ist ein verdammt geiles Album geworden, das zu den absoluten Highlights im Prog Genre des Jahres gerechnet werden kann. Die jahrelange harte Arbeit an sich selbst und dem Songmaterial haben sich definitiv ausgezeichnet. Mit einem solch starken Album in der Hinterhand sollte es DGM auch weiterhin gelingen sich an der Spitze neben den bekannten Acts zu etablieren.

WERTUNG

9

 

 

Trackliste:

01. The Secret (Part I)
02. The Secret (Part II)
03. Animal
04. Ghosts Of Insanity
05. Fallen
06. The Passage
07. Disguise
08. Portrait
09. Daydreamer
10. Dogma
11. In Sorrow

Mario

DEVIN TOWNSEND PROJECT – Transcendence

folderBand: Devin Townsend Project
Album: Transcendence
Spielzeit: 64:16 min
Stilrichtung: Progressive Metal, Symphonic metal
Plattenfirma: Inside/Out Records
Veröffentlichung: 09.09.2016
Homepage: www.hevydevy.com

Er kann es einfach nicht lassen, der gute HevyDevy – mit "Transcendence" legt der umtriebige und masslos talentierte Kanadier sein mittlerweile 17. Studioalbum, bzw. das 7. welches er im Rahmen seines DEVIN TOWNSEND PROJECT eingespielt hat, vor. Bei dieser Menge an Material, die zahlreichen Gastspiele/Nebenprojekte oder die überaus ambitionierte Veröffentlichung des Live Spektakels "Ziltoid Live at the Royal Albert Hall" mal ganz ausser Acht gelassen, ist es eigentlich verwunderlich, das TOWNSEND es immer wieder gelingt qualitativ hochwertige Songs abzuliefern. Dies bedeutet allerdings auch, dass sich eine gewisse Routine in seinen "Solo" Werken eingeschlichen hat – der Junge weiss halt mittlerweile ganz genau was er zu erreichen versucht und wie er sein Ziel am besten umsetzt. Er gibt sich zwar Mühe seine Zuhörerschaft mit unerwarteten Genre-Schlenkern zu überraschen (und wahrscheinlich sich selbst zu fordern) wie z.B. mit dem fabelhaften 2014er Country Album Casualties of Cool geschehen. Seinen "regulären" Alben haftet mittlerweile dennoch ein wenig der Hauch des schon oft gehörten an. Das ist im Falle des sympathischen Unikums natürlich "meckern" auf extrem hohen Niveau. Sein Gespür für Melodien und knackiges Songwriting sind eine Klasse für sich. Auch wenn alle Mitmusiker des DEVIN TOWNSEND PROJECT beim Songwriting von "Transcendence" beteiligt waren (ein Novum für den Bandleader, der es gewohnt ist die Zügel feste in der Hand zu halten), so klingt das Endergebnis dann doch zu 100% nach DEVIN TOWNSEND.

Los geht's mit "Truth", einer Neueinspielung des Openers seines Solo Albums "Infinity" aus dem Jahr 1998. Ein guter Song bleibt ein guter Song, warum man den aber quasi deckungsgleich nochmals an ebenso exponierter Stelle auf einem weiteren Album platzieren muss ist mir ein wenig schleierhaft. Allerdings setzt der Track ganz gut den Ton des weiteren Albums, denn TOWNSEND & Co. haben mit "Transcendence" in gewisser Weise ein Konsens-Album eingespielt, dass die extremen Ausrichtungen die unser Held manchmal an den Tag legt links liegen lässt und vielmehr die erprobten Stärken ausspielt: "Stormbending", "Secret Sciences" oder der verwinkelte Titeltrack sind typische Breitwand Melodiewundertüten die man von DEVIN TOWNSEND (aber auch eben nur von Ihm) gewohnt ist. Das kurze und knackige Highlight des Albums ist für mich persönlich der schnelle, gradlinige Rocker „Offer Your Light“ der alle Register zieht und die vielfältigen Stärken des DEVIN TOWNSEND PROJECT äusserst effektiv bündelt. Auch hörenswert das Ween-Cover „Transdermal Celebration“, das dem Album zum Schluss noch eine interessante Note verleiht (ebenso wie die üblichen Gastmusiker wie z.B. die gewohnt starke Anneke van Giersbergen (u.a. The Gathering)).

Das von TOWNSEND auch soundtechnisch erstklassig umgesetzte „Transcendence“ ist ein (ja schon erwartungsgemäss) starkes, durchweg überzeugendes Album geworden, das Fans des DEVIN TOWNSEND PROJECT voll bedienen wird und hoffentlich auch noch den ein der anderen bekehren wird. Die Band hätte es auf jeden Fall verdient.

WERTUNG:

8,5

 

 

Track listing

01. Truth
02. Stormbending
03. Failure
04. Secret Sciences
05. Higher
06. Stars
07. Transcendence
08. Offer Your Light
09. From the Heart
10. Transdermal Celebration

Mario