NIGHT RANGER – Don’t Let Up

Band: Night Ranger
Album: Don't Let Up
Spielzeit: 50:52 min
Stilrichtung: AOR / Melodic Rock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 24.03.2017
Homepage: www.nightranger.com

NIGHT RANGER, die Band um den singenden Drummer Kelly Keagy und den Bass spielenden Sänger Jack Blades (oder umgekehrt) stehen exemplarisch für das in Musik verpackte Gute-Laune-Gefühl der US Westküste, dem heutzutage leider etwas Nostalgisches anhängt. Wer sich die zwar mittlerweile durchaus ollen, wenn auch immer noch dollen Kamellen der Marke „Don’t tell me you love me„, „Sister Christian“ oder „(You can still) Rock in America“ anhört, fühlt sich wie in einer Zeit Maschine zurück versetzt in die goldenen 80er, als die Klamotten noch bunt, die Harre lang und die via MTV zur Schau gestellte Laune quietschfidel war. Das ist eine der wundervollsten Arten des Eskapismus, die man gerade in den heutigen Zeiten gut gebrauchen kann. Aber auch im Hause NIGHT RANGER stehen die Uhren nicht still. Blades und Co. gehen stramm auf die 60 zu (oder sind schon drüber) und auch wenn die Band nie wirklich ganz weg war, so kann man seit Ihrem Wechsel zum italienischen Melodie-Spezi Frontiers Records von einem kleinen Comeback reden. Das gipfelte in der starken 2014er Scheibe „High Road“, die nun mit „Don't Let Up“ einen mehr als würdigen Nachfolger an die Seite gestellt bekommt.

Neben den Urmitgliedern Blades, Keagy, Brad Gillis (Gitarre) und Eric Levy (Keyboards) wurde der Posten an der zweiten Gitarre durch Keri Kelly besetzt, der den Richtung Whitesnake abgewanderten Joel Hoekstra mehr als adäquat ersetzt. Der Einstieg ins Geschehen mit dem wuchtigen Doppelpack „Somehow Someway“ und „Running out of Time“ (ein Ohrwurm vor dem Herrn) gelingt bestens – bis unter die Haarspitzen mit messerscharfen Gitarrenlicks und passgenau sitzenden Vocals ausgerüstet hauen uns NIGHT RANGER zwei hochenergische Power Tracks um die Ohren, wobei der Opener dann doch recht offensichtliche Parallelen zu den AOR Kollegen von Journey durchscheinen lässt. Und auf diesem hohen Niveau geht weiter: der in eine ähnliche Kerbe schlagenden Titeltrack oder die Halbballade „We Can Work It Out“ sind nicht minder starke Tracks, die (nicht nur, aber vor allem) von der tollen Gitarrenarbeit leben. Mit Kelly hat Gillis einen kongenialen Partner gefunden, der die Band perfekt ergänzt. Und dass NIGHT RANGER nicht nur Chart-taugliche Hooklines fabriziert bekommt, sondern diese dann auch noch in perfektem mehrstimmigen Gesang verpackt ist schon seit Beginn an eines der untrüglichen Trademarks der Band. Mit dem kompositorisch doch schwächelnden, auf einem bluesigen Riff basierenden „(Won't Be Your) Fool Again“ sowie dem 08/15 Song „Day and Night“ gibt es zwar auch den ein oder anderen Durchhänger zu vermelden. Im Grossen und Ganzen ist „Don't Let Up” aber eine der besten Scheiben in der langen Diskographie der Jungs aus San Francisco.

NIGHT RANGER liefern uns mit Ihrem neuesten Opus einen weiteren Knaller ab: noch stärker als der Vorg$anger, sterckenweise gar auf Augenhöhe mit den Klassikern aus dem eigenen Katalog, ist „Don't Let Up“ ein echter Leckerbissen für qualitätsbewusste Melodic Rock Freunde. Eine klare Empfehlung!

WERTUNG

 

 

Trackliste:

01. Somehow Someway
02. Running out of Time
03. Truth
04. Day and Night
05. Don't Let Up
06. (Won't Be Your) Fool Again
07. Say What You Want
08. We Can Work It Out
09. Comfort Me
10. Jamie
11. Nothing Left of Yesterday

Mario

 

THE VICIOUS HEAD SOCIETY – Abject Tomorrow

Band: The Vicious Head Society
Album: Abject Tomorrow
Spielzeit: 73:56 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: (Eigenveröffentlichung)
Veröffentlichung: 24.03.2017
Homepage: www.facebook.com/theviciousheadsociety

THE VICIOUS HEAD SOCIETY ist das Baby des Irischen Gitarristen Graham Keane der in jahrelanger (Heim)Arbeit das nun vorliegend Debüt zusammengebastelt hat. Die Aufnahmen des Gesangs (Wilmer Waarbroek, u.a. Ayreon), der Keyboards (Derek Sherinian, u.a. Billy Idol, Dream Theater) und der Drums (Kevin Talley, u.a. Suffocation, Misery Index) wurden outgesourced, der Rest im Studio von Keane aufgenommen, arrangiert und produziert. Wenn man sich vor Augen hält, welch lange Zeitspann die Produktion in Anspruch genommen hat und wie weit die einzelnen Beiträge über die Welt verstreut wurden (Mix und Mastering wurden in Mexiko vorgenommen), muss man sich wundern wie homogen und gelungen das Endergebnis klingt. Da hat man schon billigere Produktionen zu hören bekommen. Für den Sound daher vorab bereits ein großes Plus.

Genre-typisch handelt es sich bei „Abject Tomorrow“ um ein Konzept-Album, das mit beiden Beinen fest im klassischen Prog Metal der Dream Theater Schule steht. Jetzt mag Keane sich zwar im Promo Text auf dieselben Einflüsse wie Dream Theater beziehen (Yes, Rush, Meshuggah). Da er dabei aber zum exakt selben Ergebnis wie Petrucci und Co. kommt, scheint es aber eher wahrscheinlich, dass er direkt bei den großen Vorbildern aus Boston abgeguckt hat. Das wird dann auch sofort beim Opener deutlich, bei dem man sich ständig fragt auf welcher DT Scheibe man diesen oder jenen Part schon einmal gehört hat. Glücklicherweise ist dies aber der einzige Song, bei dem man das Gefühlt hat, es eher mit einem Tribute Album denn mit einem eigenständigen Werk zu tun zu haben. Der Titeltrack kommt da schon selbstbewusster um die Ecke und kann mit fetten Drums, aggressiven Gitarren, natürlich jeder Menge Frickelei und gutem Gesang gefallen. Das gleiche gilt für den mit etwas über 6 Minuten beinahe schon knackig kurz gehaltenen, mit massiven Riffs veredelten Song „Gods Of The New Age“. Und dann wird im Laufe des Albums natürlich jedes Must-Have eines Prog Metal Konzept Albums abgehakt: Frickeliger Instrumental Track? „Psychedelic Torture Trip“ – check. Als Rausschmeißer den epischen Longtrack? „Analogue Spectre“ – check. Nun mag man sich an dieser Anhäufung von Klischees und schon tausendmal gehörten Formeln stören. Originell ist das alles beileibe nicht. Man kann aber auch ganz einfach die Kopfhörer aufsetzen, die verrückte Welt da draußen ausklammen und einem ziemlich starken Album lauschen, das, trotz der häufigen Deja-Vus, über die meisten Strecken zu gefallen weiß. Schwachpunkte gibt es durchaus: die hier und da eingestreuten Growls („Downfall”) sind völlig deplatziert und wirken lächerlich und das bereits erwähnte, knapp 19 Minuten dauernde „Analogue Spectre“ ist ein klares Opfer für die Skip Taste weil hier ein mittelmäßiger Song künstlich auf Extremlänge gezogen wird. Die Highlights aber überwiegen: weitgehend gutes Songwriting, Keane‘s tolle Fähigkeiten auf die Gitarre (die er nie zum Selbstzweck missbraucht) und eine stimmige Produktion.

Prog Metal Fans, die auf Bands wie Dream Theater oder Haken stehen, sollten „Abject Tomorrow“ auf jeden Fall beim nächsten Einkaufsanfall in Erwägung ziehen. Hier stimmt so ziemlich alles, auch wenn es mit der Originalität nicht weit her ist. Gut produziertes, handwerklich einwandfreies Genre-Futter gibt es hier aber allemal.

WERTUNG

 


Trackliste:

01. The Sycophants
02. Abject Tomorrow
03. Downfall
04. Agenda
05. The 11th Hour
06. Psychedelic Torture Trip
07. Gods Of The New Age
08. Analogue Spectre

Mario

 

THE MUTE GODS – Tardigrades Will Inherit The Earth

Band: The Mute Gods
Album: Tardigrades Will Inherit The Earth
Spielzeit: 52:22 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Inside/Out Records
Veröffentlichung: 24.02.2017
Homepage: www.TheMuteGods.com

Als Schlagzeuger Marco Minnemann (u.a. H-Blockx, Paul Gilbert, Steven Wilson) und Bassist / Sänger Nick Beggs (u.a. Steve Hackett und Steven Wilson) 2016 mit Ihrem neuen Projekt THE MUTE GODS um die Ecke kamen, war die Freude über dieses Prog-Rock Rhythmusgruppen-Traumpaar erstmal groß. Zusammen mit Gitarrist/Keyboarder Roger King (Steve Hackett) und einer illustren Schar an Studiogästen wurde das gutklassige Debüt „do nothing till you hear from me“ 2016 zu einem heimlichen Highlight im Prog Bereich.

Irgendwie scheinen die Beteiligten durch Ihre zahlreichen anderen Engagements noch nicht so richtig ausgelastet zu sein, denn, man höre und staune, heuer liegt bereits das zweite Album der Band vor – diesmal allerdings im Trio erarbeitet und eingespielt. „Tardigrades Will Inherit The Earth”, so viel sei schon verraten, steht dem Vorgänger in nichts nach. Im Gegenteil, das neue Album ist ein dermaßen frisches, unterhaltsames und beeindruckendes Werk, dass dem Prog Fan die Ohren glühen werden. Noch mehr als auf dem Erstling gelingt es Beggs durch seinen Gesang und die Melodielinien ein perfektes Gegenstück zu den oftmals recht düsteren Kompositionen zu positionieren: das frühe Highlight, mit einem starken Refrain ausgestattete „Animal Army“ oder der nicht minder flotte „We Can’t Carry On“ sind wunderbare Beispiele für die Verzahnung von klassisch britischen Prog Sounds und unbändiger, oftmals wahnwitziger Spielfreude. Wenn dann Minnemann in „The Dumbing Of The Stupid” von der Leine gelassen wird und die Sau rauslässt, bleibt kein Auge trocken (was hätte der Mann beim Traum Theater doch für interessante Akzente setzen können). „Tardigrades Will Inherit The Earth” ist aber in erster Linie ein Album, das durch toll arrangierte Songs zu überzeugen sucht und das über jeden Zweifel erhabene handwerkliche Geschick nur so ganz nebenbei in die Waagschale wirft. Auch wenn die Platte eine geschlossene Mannschaftsleistung ist wie aus einem Guss klingt, so ist der Held der Scheibe eindeutig Nick Beggs der nicht nur spielerisch sondern vor allem auch als Sänger eine überzeugende Leistung abliefert und keineswegs wie eine Notlösung klingt. Die Scheibe ist von Anfang bis Ende ein homogenes Erlebnis, oftmals überraschend, stetig fordernd und im Vergleich zum Vorgänger ein angenehm hartes Album. Neben den erwähnten Tracks sind noch der leicht poppig ohrwurmige Titeltrack und das psychedelisch/epische „The Singing Fish Of Batticaloa“ zusätzliche Anspieltipps auf diesem feinen Genre-Release.

Prog-Fans jedweder Ausrichtung sollten sich das neue Album um den Ausnahmekünstler Nick Beggs (der neben dem Gesang und den Basspuren auch noch einige Gitarren und den Chapman-Stick eingespielt hat) auf den Zettel schreiben. Fernab von festgetretenen (Prog) Pfaden und mit einem ansteckenden Spaß an der eigenen Kunst servieren uns THE MUTE GODS ein weiteres Highlight in der noch jungen Karriere.

WERTUNG:

 


Trackliste:

01. Saltatio Mortis
02. Animal Army
03. We Can’t Carry On
04. The Dumbing Of The Stupid
05. Early Warning
06. Tardigrades Will Inherit The Earth
07. Window Onto The Sun
08. Lament
09. The Singing Fish Of Batticaloa
10. The Andromeda Strain
11. Stranger Than Fiction

Mario

 

KNIGHT AREA – Heaven And Beyond

Band: Knight Area
Album: Heaven And Beyond
Spielzeit: 62:32 min
Stilrichtung: Progressive Metal / Neo-Prog
Plattenfirma: Butler Records
Veröffentlichung: 10.02.2017
Homepage: www.knightarea.com

Die bereits seit 2004 aktiven Niederländer KNIGHT AREA waren mir bisher kein Begriff – umso erfreuter bin ich die Band nun durch Ihr mittlerweile 6. reguläres Studioalbum entdeckt zu haben. Mag der recht oberflächliche Promo-Zettel noch hauptsächlich von Neo-Prog und entsprechenden Einflüssen wie Camel oder Genesis sprechen, so passen die Jungs auf „Heaven And Beyond“ doch am ehesten in die (seichtere) Prog Metal Ecke. Was wohl vor allem an Gitarrist Mark Bogert liegt, der der Band seit seinem Einstieg 2012 eine etwas härtere Kante verpasst hat. Soviel vorweg: KNIGHT AREA liefern mit dem in zweijähriger Arbeit entstandenen Album einen echtes Highlight ab.

Gleich zu Beginn lässt der ungemein fette und transparente Sound der Platte aufhorchen. Der Opener „Unbroken“, flankiert von luftigen Gitarrenriffs und in ein fettes Drum/Bass Fundament eingebettet, bietet Sänger Mark Smit gleich die besten Voraussetzungen seine hochmelodischen Parts zu intonieren. Weiter geht es mit dem nicht minder starken, durch eine maßgeschneiderte Hookline veredelten „Dreamworld“, bevor in „The Reaper“ die ersten Dream Theater Parallelen auszumachen sind. Zur modernen Inkarnation von DT allerdings. Diese sind in dem eleganten Titeltrack noch stärker vertreten, vor allem in der Melodieführung. Was soll ich sagen? Mir gefällt die Interpretation dessen, was DT seit 4 Alben versuchen, bei KNIGHT AREA um einiges besser. Denn die Jungs verstehen es einfach, melodische Songs in rockigere Arrangements zu packen (was den großen US Paten im Gegenzug leider ein ums andere Mal misslingt). Dass „Heaven And Beyond“ dann auch noch eine viel bessere Produktion hat, hilft natürlich auch … Wir wollen es mit den Vergleichen aber nicht übertreiben, denn KNIGHT AREA haben durchaus Ihren ganz eigenen Sound. In diesem sind zwar auch Menge Saga oder traditionell britische Neo-Prog herauszuhören. Doch es klingt zu keinem Moment wie ein blasser Abklatsch. Nicht alles auf „Heaven And Beyond“ hat das Niveau der angesprochenen Tracks: das durchschnittliche „Saviour Of Sinners“ sowie das belanglose, beinahe schon nervige Instrumental „Eternal Light“ hatte man sich sparen können. Besonders löblich ist allerdings, dass nicht wie üblich das Ende des Albums mit Füllmaterial gestreckt wird. Mit dem abwechslungsreichen Prog Spektakel „Twins Of Sins” und der klasse Ballade „Memories“ (in der die Band ganz dezente Journey Referenzen einflechtet) sind einige der stärksten Tracks sogar ganz ans Ende gestellt.

Wer auf „entspannten“ Prog Metal/Rock irgendwo zwischen den allgegenwärtigen Dream Theater, Saga und Marillion steht, sollte sich das neue Album von KNIGHT AREA definitiv auf dem Einkaufszettel schreiben. Bei „Heaven And Beyond“ handelt es sich zwar um keinen Meilenstein des Genres, aber die Platte macht dennoch mehr Spaß als das Gros der Veröffentlichungen in diesem Sektor der letzten Jahre (zumal sich auch die Produktion mehr als hören lassen kann). Ein Prog Highlight des noch jungen Jahres.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Unbroken
02. Dreamworld
03. The Reaper
04. Box Of Toys
05. Starlight
06. Heaven And Beyond
07. Saviour Of Sinners
08. Eternal Light
09. Twins Of Sins
10. Tree Of Life
11. Memories

Mario

 

JACK RUSSELL’S GREAT WHITE – He Saw it Coming

Band: Jack Russell's Great White
Album: He Saw it Coming
Spielzeit: 40:53 min
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 27.01.2017
Homepage: www.jackrussellsgreatwhite.com

Es ist eine Schande mit ansehen zu müssen wie die einstigen Helden meiner Jugend sich zerfleischen und ihr eigenes Erbe in die Tonne treten. Neben Queensryche und Ratt sind leider auch Great White mittlerweile doppelt unterwegs – und keines der beiden Lager ist wirklich ein legitimer Vertreter der lieb gewonnen und geschätzten Band der Vergangenheit. Dem einen fehlt der charismatische Sänger, dem anderen das charakteristische Songwriting des jahrelangen Partner in Crime. Während Great White unter der Ägide von Original Gitarrist und Songschreiber Mark Kendall (sowie Langzeit Schlagzeuger Audie Desbrow und Gitarrist/Keyboarder Michael Lardie) zurzeit an einem Nachfolger zu dem okayen „Elation“ (2012) werkeln, legt Sänger Jack Russell schon mal das Debüt seiner Formation JACK RUSSELL'S GREAT WHITE vor …

Der etatmäßige Frontmann von Great White (Terry Ilous, ehemals XYZ) ist beileibe kein schlechter Sänger. Das Format und die einmalige Stimmfarbe eines Jack Russell gehen ihm allerdings völlig ab. Und genau das ist es, was der geneigte Fan von „He Saw it Coming“ erwarten kann: die geschätzte markante Stimme des Sängers, der in seinem Leben schon so manche Hochs und Tiefs mitgemacht hat und dank Gevatter Alkohol dem Tod schon recht nah auf die Schippe gehüpft ist. Auf „He Saw it Coming“ klingt der Gute aber als wäre nichts geschehen – die Stimme ist immer noch da und das treibt dem Fan bereits die Freudentränen in die Augen. Mit Herzblut und unbändiger Energie tut Russell das, was er (neben saufen) immer noch am besten kann: singen. Da schadet es nichts, dass die Songs weitestgehend gut bis sehr gut gelungen sind: der flotte Opener „Sign of the Times“ (ein echtes Highlight), das elegant swingende „She Moves Me“ oder das autobiographische „My Addiction“ können voll überzeugen – nicht nur als Vehikel für den Frontmann, sondern auch als gelungene Band-Leistung. Ein Problem ist, dass die gebotene stilistische Bandbreite vielleicht etwas zu weit gefächert ist. Man hat eher dein Eindruck einer Ansammlung von Songs, denn einem homogenen Album zu lauschen. Und auf dem Cover prangert definitiv der falsche Bandname: mit dem klassischen Great White Sound hat „He Saw it Coming“ nicht viel zu tun. Es handelt sich eher um ein JACK RUSSELL Solo-Album. Allerdings um ein recht starkes. Eine Anmerkung aber noch: Die Gitarren sind, wenn auch technisch brilliant eingespielt und gut produziert (wie der Rest des Albums auch), leider vor allem in den Soli von Robby Lochner leidenschaftslos und den charakteristischen Licks eines Mark Kendall meilenweit unterlegen.

Licht und Schatten – wie JACK RUSSELLs Leben, so auch sein Schaffen. Wenn man mal vom debilen Artwork und dem in die Irre führenden Bandnamen absieht, legt uns der Ausnahmesänger hier aber ein durchaus beachtliches Album vor, an dem sich seine ehemaligen Band Kollegen messen lassen müssen. Die alten Klassiker der Ur-Band lassen wir hier mal nicht als Referenz zu, denn da wird keine der beiden Formationen mehr herankommen. Daher kann ich der Platte, auch wenn sie den einen oder anderen Durchhänger (wie die verzichtbare Ballade „Anything for You“) hat, eine klare Kaufempfehlung aussprechen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Sign of the Times
02. She Moves Me
03. Crazy
04. Love Don't Live Here
05. My Addiction
06. Anything for You
07. He Saw it Coming
08. Don't Let Me Go
09. Spy vs Spy
10. Blame it on the Night
11. Godspeed

Mario

 

SOEN – Lykaia

Band: Soen
Album: Lykaia
Spielzeit: 49:42 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: UDR
Veröffentlichung: 03.02.2017
Homepage: www.facebook.com/SoenMusic

Nach dem bereits starken Debüt aus dem Jahr 2012 („Cognitive“) und dem nicht minder überzeugenden 2014er Nachfolger „Tellurian“ legen die Schweden SOEN nun ihr drittes Langeisen vor. Und „Lykaia“ ist ein weiteres Schwergewicht im Prog/Düster Sektor, ein Album, das den aktuellen Status der Jungs um den ehemaligen Opeth Schlagzeuger Martin Lopez auch weiterhin festigen wird. Mit einem schnieken Atwork versehen und dank einer wunderbar erdigen Produktion von Gitarrist Marcus Jidell (Mix: Stefan Boman, u.a. The Hellacopters) bleibt die Truppe sich weitestgehend treu und schmiedet neuerlich ein hypnotisierendes Monster aus Tool, Opeth und Katatonia Einflüssen.

Der Opener "Sectarian" walzt mit tonnenschweren Riffs nach vorne, gepaart mit gefangennehmenden Gesangsmelodien. "Orison" zitiert erst verschmitzt Tool mit seinen typischen verschobenen Riffs um dann in einen ganz eigenen Klangkodmos abzudrehen – hier macht sich dann auch sofort das wirklich gelungene Sounddesign der Scheibe bemerkbar: Breitwandsound in Reinkultur, jedes Instrument hat genug Raum zum atmen und keine Frequenz stört das warme Klangbild. Über allem thront Sänger Joel Ekelöf mit seinen ausgeklügelten Melodien. Insgesamt wirkt „Lykaia“ nachdenklicher, introvertierter als seine Vorgänger, bei denen die Band merklich bemüht war ein eigenes Profil herauszuarbeiten. Anno 2017 scheint man angekommen zu sein und stellt ganz selbstverständlich völlig tiefenentspanntes wie "Lucidity", Pink Floyd artige Prog/Psych-Experimente ("Paragon"), hymnische Epen ("Jinn") und Opeth-typische Wundertüten ("Sister") nebeneinander. Und das Beste ist: es funktioniert Alles ganz wunderprächtig. Das Zusammenspiel der Band offenbart, dass sich hier eine Truppe gefunden hat die mehr als nur der Spass am gemeinsamen Musizieren verbindet. Der Weg scheint das Ziel zu sein, und auf diesem Weg schaffen as SOEN immer wieder packende, zutiefst berührende Songs zu schreiben.

Ja, auch „Lykaia“ ist mal wieder ein Festschmaus für Prog Fans jedweder Coleur geworden. Hier stimmt wirklich so ziemlich alles. SOEN schwimmen mal mit dem Strom (die Einflüsse der Jungs sind weiterhin deutlich herauszuhören) und mal gegen den Strom (die erfreulich saftige Produktion ist nicht alltäglich). Dass dabei manches wie schonmal gehört anmutet ist nicht weiter tragisch, denn SOEN gelingt es aus dem Ganzen ein homogenes Gebräu zu mischen, dass einfach nur Freude macht. Wem die ersten beiden Platten gefallen haben greife bitte ohne zu zögern zu. Alle anderen Interessierten sollten sich mal den ein oder anderen Song zu Gemüte führen – vielleicht wartet hier die neue Lieblingsband darauf entdeckt zu werden.

WERTUNG:

 


Trackliste:

01. Sectarian
02. Orison
03. Lucidity
04. Opal
05. Jinn
06. Sister
07. Stray
08. Paragon

Mario

PAIN OF SALVATION – In the Passing Light of Day

Band: Pain of Salvation
Album: In the Passing Light of Day
Spielzeit: 72:10 min
Stilrichtung: Progressive Rock
Plattenfirma: Inside/Out Records
Veröffentlichung: 13.01.2017
Homepage: www.painofsalvation.com

Das Schwedische Prog-Flagschiff PAIN OF SALVATION hat über die Jahre die ein oder andere Turbulenz durch- bzw. überlebt, und ist dank Kapitän und Bandchef Daniel Gildenlöw immer auf Kurs geblieben. Es ist aber wohl anzunehmen, dass die nun 2 Jahre zurückliegende lebensbedrohende Erkrankung des Ausnahmesängers und Gitarristen die bisher schwerste Prüfung für die Band und Ihren starrsinnigen Vordenker war. Nur haarscharf am Tod vorbeigeschrammt, verarbeitet Gildenlöw auf „In the Passing Light of Day“ die wohl dunkelste Phase seines Lebens. Es ist daher kaum verwunderlich, dass auf dem neuesten Werk seiner Band vor allem düstere Töne und introvertierte Texte zu finden sind. Wer die Karriere von PAIN OF SALVATION ein wenig verfolgt hat weiß, dass die Band sich nie in die künstlerische Ausrichtung Ihrer Musik hat hereinreden oder diese an irgendwelchen Erwartungen orientiert hat. Und das unterstreicht das neue Album aufs Neueste.

Ein erster Blick auf die Songtitel von „In the Passing Light of Day“ lässt bereits die thematische Marschrichtung der Platte erkennen. Der Opener „On a Tuesday” beginnt vielversprechend, mit verschobenen harten Rhythmusgitarren und einer zwar recht trockenen, aber auch modern ausgerichteten Produktion. Nach knapp 80 Sekunden ist es mit der Spannung aber auch schon vorbei und der Song entpuppt sich als äußerst schroffer Brocken, der trotz des starken Ohrwurmrefrains seine Längen hat. Und an diesem Prinzip wird sich im weiteren Verlauf der Scheibe auch nicht mehr allzu viel ändern: Tracks wie „Tongue of God“ oder „The Taming of a Beast“ pendeln zwischen angenehmer Härte, immer wieder aufblitzenden Melodiehighlights und Belanglosigkeiten und langatmigen Durchhängern hin und her. Zwischendurch gibt es mit dem rundum gelungenen „Meaningless” und dem überlangen, epischen Titeltrack zwar auch starke Lichtblicke. Ein Song wie „Reasons” klingt allerdings wie eine nicht zu Ende gedachte Single B-Seite. Das Hauptproblem für mich persönlich ist allerdings, neben dem immer wieder aufkommenden kompositorischen Leerlauf, der zumeist regelrecht jammernde Gesang und die mitunter unspektakulären Gitarrenparts, die das Hörvergnügen irgendwo im Mittelfeld halten. Mir ist klar, dass es dramaturgisch absoluten Sinn macht, den von Gildenlöw durchlittenen Krankheitsverlauf in den Songs mehr oder minder chronologisch aufzuarbeiten – ein Garant für eine gute Platte ist das aber noch lange nicht. Auf der positiven Seite verbuche ich jetzt mal die mutige Produktion (fernab vom modernen Hochglanz/Homestudio Brei), die oftmals schmerzhafte Offenheit der Texte und die immer wieder aufblitzenden Energieschübe im Gesang und die Gildenlöw-typischen Melodien. Bei einer (sehr langen) Gesamtspielzeit von über 70 Minuten reicht das alles aber nicht für ein richtig starkes Album.

So sehr ich es auch begrüße, dass PAIN OF SALVATION wieder härtere Töne anschlägt und somit einen Schritt weg vom Retro Rock der letzten Alben hin zu den älteren Platten gehen, so zwiespältig ist der Eindruck den „In the Passing Light of Day“ hinterlässt. PAIN OF SALVATION haben nie einfache oder leicht verdauliche Musik gemacht und bleiben sich auch Anno 2017 treu – allerdings vermisse ich die richtig durchschlagenden Highlights. „In the Passing Light of Day” ist kein wirklich schlechtes Album, sondern eines, das seine durchaus vorhandenen Stärken erst nach mehrmaliger konzentrierter Einfuhr preisgibt. Aber auch dann reicht es nicht für Begeisterungsstürme. Für Fans ist die Scheibe daher durchaus empfehlenswert. Alle anderen sollten sich erst einmal die Klassiker des Backkatalog anhören.

WERTUNG

 

 

Trackliste:

01. On a Tuesday
02. Tongue of God
03. Meaningless
04. Silent Gold
05. Full Throttle Tribe
06. Reasons
07. Angels of Broken Things
08. The Taming of a Beast
09. If This Is the End
10. The Passing Light of Day

Mario

 

SALTY DOG – Every Dog Has Its Day (Re-Release)

Band: Salty Dog
Album: Every Dog Has Its Day
Spielzeit: /
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: 18.11.2016
Homepage: www.rockcandyrecords.co.uk

Ich kann mich noch sehr gut an meine erste Reaktion erinnern nachdem ich das Debüt von SALTY DOG in meinen Kassettenspieler gezwängt und den ersten Tönen gelauscht hatte. Das klang aber so gar nicht wie das übliche Futter von LA Bands der Langhaar/Cowboy-Stiefel/Toupet Frisuren Fraktion. Viel eher verströmte der raue, absolut trockene Sound der Instrumente einen ungewohnten Proberaum Flair. Man war halt relativ glatt gebügeltes der Marke Def Leppard oder von mir aus Mötley Crüe gewöhnt (siehe auch das heute ebenfalls vorgestellte Debüt von TYKETTO) und selbst die relativ ungehobelten Guns N‘ Roses klangen im Vergleich zu „Every Dog Has Its Day“ wie mit zentimeterdickem Hochglanz Lack überzogen. Ich habe mich damals zwar in die Songs der verrückten Truppe vernarrt, mit dem Klang der Scheibe hatte ich allerdings immer meine Probleme. Nachdem ich mir die Platte nun schon seit Jahren (in Ermangelung eines funktionstüchtigen Kassettendecks) nicht mehr angehört hatte, war die Freude groß, dass Rock Candy Records sich dem Kleinod angenommen und es nun neu auflegt hat.

Tja, mit etwas Abstand und vor allem nach dem absoluten Overkill an überproduziertem Computer-Gewäsch der letzten Jahre erleuchtet das immer noch furztrocken tönende Album in neuem Glanz. Wobei Glanz hier definitiv das falsche Wort ist. Wer wissen will wie ein echtes Schlagzeug oder ein knarzig crunchender Gitarrenamp wirklich klingt, also, wenn man daneben steht und alles schön sauber hören kann, der sollte sich „Every Dog Has Its Day“ mal anhören. Meine damalige Einschätzung, dass hier so gut wie nichts wirklich produziert wurde, revidiere ich heute gerne, denn Produzent und Knöpfchendreher Peter Collins (der kurz zuvor Queensryches „Operation: Mindcrime“ betreut hatte) schneiderte der Band einen Sound auf den Leib, den man damals (und heute leider auch) weit und breit mit der Lupe suchen musste: echt, warm, räumlich und sympathisch unperfekt (und tatsächlich nahe am ursprünglichen AC/DC Sound). Da passt das herrlich schräge Organ von Sänger … , der ständig wie Axl Rose kurz vor dem Kollaps klingt, bestens ins Bild. Ob in dem Guns N‘ Roses-meets-Led Zeppelin Opener „Come Along”, dem beschwingten „Just Like A Woman”, den beiden tollen Balladen “Sacrifice Me“ und „Just Like A Woman” oder den straighten Rockern wie „Heave Hard (She Comes Easy)” oder “ Lonesome Fool” (dieses Banjo!) – SALTY DOG hatten eine Menge richtig guter Songs in der Hinterhand, die aber leider nie zum großen Durchbruch gereicht haben. Zum wie, was und vor allem warum gibt es wie bei Rock Candy Re-Releases üblich ein schön bebildertes und sehr informatives Booklet nebst Linernotes und O-Tönen, ein gutes Remastering und vor allem eine Handvoll toller Bonustracks hinzu.

Wer abseits der bekannten Helden der 80er noch Bands entdecken möchte, die aus den verschiedensten Gründen den wohlverdienten Erfolg dann doch nicht einheimsen konnten, der sollte bei SALTY DOG Station machen. „Every Dog Has Its Day” ist ein auch heute noch ungewöhnlich klingendes Statement, randvoll mit starken Hooklines und dem ein oder anderen Augenzwinkern. Immer noch eine (zeitlose) Perle.

WERTUNG:

 


Trackliste:

01. Come Along
02. Cat’s Got Nine
03. Ring My Bell
04. Where The Sun Don’t Shine
05. Spoonful
06. Just Like A Woman
07. Sim Sala Bim
08. Keep Me Down
09. Heave Hard (She Comes Easy)
10. Lonesome Fool
11. Slow Daze
12. Sacrifice Me
13. Nothin’ But A Dream
14. Keep Me Down (Demo)
15. Come Along (Demo)
16. The Bucket Song (Unreleased Demo)
17. Ring My Bell (Demo)

Mario

TYKETTO – Don’t Come Easy (Re-Release)

Band: Tyketto
Album: Don’t Come Easy
Spielzeit: /
Stilrichtung: Melodic Hard Rock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: 18.11.2016
Homepage: www.rockcandyrecords.co.uk

Der Stefan hatte das Debüt der (nach einer längeren Auszeit heutzutage wieder recht aktiven) US Amerikaner TYKETTO aus dem Jahr 1991 bereits in der Rubrik „Klassiker der Woche“ eingehend vorgestellt und verdientermaßen gewürdigt (und zwar genau hier). An dieser Stelle gehe ich daher vor allem auf die Besonderheiten des nun neu aufgelegten Re-Releases ein, der vom feinen Rock Candy Records Label unters Volk gebracht wird.

Dass Danny Vaughn und Co. ein Skandal- und vor allem Drogenfreies Leben führten schlug sich nicht nur in dem relativ schnellen und unkomplizierten Aufstieg der Newcomer nieder sondern auch hörbar in der handwerklichen Leistung der Musiker: der ehemalige White Lion Schlagzeuger Michael Clayton liefert, zusammen mit Bassist Jamie Scott eine mehr als solide Vorstellung ab und Sänger Vaughn setzt mit seiner bärenstarken Stimme widerholt Glanzpunkte. Aber auch Gitarrist Brooke St. James gelingt es, sich immer wieder aus dem Schatten der übermächten Konkurrenz des Genres herauszuspielen. Seine Riffs und Soli (allen voran der Paradetrack „Forever Young“) sind Referenzklasse. Das alles hat Produzent Richie Zito soundtechnisch perfekt eingefangen. Das erklärte Ziel Stadionhymnen im Stile von Def Leppard oder Bon Jovi zu verwirklichen ist tatsächlich gelungen., Das neue Rock Candy Remaster setzt das Ganze nochmals ein wenig auf Hochglanz poliert, in helles Licht. Die eh schon pumpende Soundwand der Originalaufnahmen schiebt nochmal einen Tacken druckvoller aus den Boxen. Das ist schon hart an der Grenze zur Übertreibung, denn so klingen natürliche Instrumente nun mal leider nicht im wahren Leben (wer wissen möchte wie echte Gitarren oder Drums klingen, sollte sich das heute ebenfalls vorgestellte Debüt der Sleazer Salty Dog zu Gemüte führen). Aber da die Original Vorgabe bereits auf fetten Sound und dicke Hose machte ist es wohl nur legitim, wenn das Remaster in dieselbe Kerbe haut. Jedenfalls passt hier kein Blatt mehr zwischen die Wände aus mächtigen Drums, deftigen Gitarrenriffs und vielschichtigen Chören. Dazu gibt es noch das gewohnt runde Package aus tollen, bzw. raren Fotos und Liner-Notes mit jeder Menge O-Tönen und Hintergrund Infos.

„Don’t Come Easy“ war und ist ein Highlight der 80er Hard Rock Phase und gehört in jedes gut sortierte Melodic Regal, gleich neben die üblichen Verdächtigen. Der nun vorliegende Release ist der beste Anlass eventuell Versäumtes nachzuholen. Punkt.

WERTUNG: (Keine Wertung)

Trackliste:

01. Forever Young
02. Wings
03. Burning Down Inside
04. Seasons
05. Standing Alone
06. Lay Your Body Down
07. Walk On Fire
08. Nothing But Love
09. Strip Me Down
10. Sail Away
11. Walk Away (Bonus Track)

Mario

 

 

GLENN HUGHES – Resonate

folderBand: Glenn Hughes
Album: Resonate
Spielzeit: 51:20 min
Stilrichtung: Heavy Blues Rock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 04.11.2016
Homepage: www.glennhughes.com

Hach ja, GLENN HUGHES – es wurde ja auch langsam nochmal Zeit, dass der Rock-Opa der keiner sein will, ein neues Album raushaut. Die letzten Platten sind ja nun auch schon wieder 1 (Waterfall (2015)), bzw. 2 Jahre alt (California Breed (2014)). Und dazwischen gab es mit schöner Regelmäßigkeit noch zahllose Gastbeiträge für Gott und die Welt. Mal ernsthaft, wer soll bei dem inflationären Überschuss an (unter Beteiligung von HUGHES entstandenen) Veröffentlichungen noch den Überblick behalten? Und, unter uns, da ist auch lange nicht alles Gold was den glänzenden Namen GLENN HUGHES auf dem Cover (oder in den Linernotes) trägt. Das letzte echte Solo Album von HUGHES liegt immerhin schon 8 Jahre zurück (First Underground Nuclear Kitchen (2008)) – Zeit also mal wieder etwas unter dem eigenem Namen nachzureichen, bevor das unter großem öffentlichem Getöse zwischenzeitlich begrabene Black Country Communion Schiff kommendes Jahr wieder in See sticht. Außerdem hat GLENN noch etwas gut zu machen, denn seit dem erstklassigen "Soul Mover" aus dem Jahre 2005 waren die Alleingänge des singenden Bassisten seitdem nicht mehr wirklich der Rede wert.

Was hat der kleine Mann mit der großen Stimme also 2016 zu bieten? So einiges wie ich erstaunt feststellen durfte. Mit ordentlich Schmackes und einer ungewohnt fetten Produktion ausgestattet zaubern GLENN und seine Backingband (wieder mit dabei das Red Hot Chili Peppers Ass Chad Smith an den Drums sowie Produzent und Gitarrist Soren Andersen) gleich vorneweg eine Handvoll mächtiger Blues-Rock Kracher aus dem Hut, die vor Energie und Eingängigkeit strotzen. Mit ersterem hatte der Brite, der, und das muss man ihm zugute halten, immer 120% gibt ja eh noch nie ein Problem. Aber endlich stimmen nun auch wieder die Kompositionen, ohne die selbst die emotionalste Performance nichts wert ist. Natürlich hat man die Songs auf "Resonate", so oder so ähnlich schon in vielfältiger Form von HUGHES in der Vergangenheit zu hören bekommen. Aber Tracks wie die groovenden "Flow" oder "My Town", das mit wunderbaren melodischen Wendungen versehene "When I Fall" oder der locker flockig groovende Blueser „Landmines" sind halt unterm Strich einfach richtig geiler (Hard)rock Stoff, von einer extrem starken Backingband mit einer Menge Wumms einwandfrei eingespielt. Die Drums schieben wie Sau, die Rhythmusgitarren sind eine Wucht und des Meisters Bass ist einfach eine Wand. Und wenn HUGHES eine einzelne Bassnote anreißt um diese ewig rumpelnd im Raum stehen zu lassen, bekommt man ein Gefühl für die urwüchsige Gewalt, die echter, handgemachter Rock immer noch erzeugen kann. Ich bin ziemlich begeistert von "Resonate", denn zum einen klingt das Album wie ein reinrassiges Bandwerk und nicht wie eine typische Soloalbum Produktion, und zum anderen sind die Songs tatsächlich allesamt von allererster Güte.

Nein, ein klassisches Meisterwerk für die Ewigkeit ist "Resonate" nicht unbedingt geworden. Das darf man bei einem Mann wie GLENN HUGHES auch nicht mehr erwarten. Und welche Band erschafft heute schon noch solche Alben für die Ewigkeit? Aber ein bärenstarkes, unerhört vitales Album ist es auf jeden Fall. Die Power und Unbekümmertheit, mit der HUGHES hier einen Kracher nach dem anderen raushaut, keiner schwächer als der andere, ist ansteckend. Da bin ich aber mal gespannt ob die nächste Black Country Communion Scheibe dieses Niveau halten kann? Wer auf den bisherigen Output, und hier vor allem auf die Solo-Exkursionen des Zeremonienmeisters, steht, sollte auf jeden Fall ein Ohr riskieren. Fettes Ding.

WERTUNG:

9

 

 

Trackliste:

01. Heavy
02. My Town
03. Flow
04. Let It Shine
05. Steady
06. God Of Money
07. How Long
08. When I Fall
09. Landmines
10. Stumble And Go
11. Long Time Gone

Mario