COMMUNIC – Where Echoes Gather

Band: Communic
Album: Where Echoes Gather
Spielzeit: /
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 27.10.2017
Homepage: www.communic.org

Endlich liegt es vor: „Where Echoes gather“, das erste Album seit dem 2011er Kracher „The Bottom deep“ des überall hochgeschätzten Norwegischen Trios COMMUNIC (denen in Fan-Kreisen schon ein nahezu legendärer Ruf vorauseilt).

Um „Where Echoes gather“ (Album No. 5 seit Bandgründung Mitte der 2000er) schlussendlich fertig zu stellen, brauchte die Truppe um Gitarrist/Sänger Oddleif Stensland einige Anläufe. Zweimal kam die Geburt von Nachwuchs dazwischen, was die Band nötigte die Veröffentlichung zu verschieben, da man das Ganze nicht ohne Promotion durchziehen wollte. COMMUNIC bewegt sich halt in Grenzen, die es den Jungs erlauben die privaten/familiären Belange vor das Interesse der Band zu stellen. Das ist sympathisch und dem fertigen Produkt merkt man das jahrelange hin und her nicht an. Im Gegenteil, die Scheibe wirkt klar strukturiert, glänzend bis ins Detail ausgearbeitet und wartet mal wieder mit spielerisch hohem Niveau und, vor allem, sehr starken Tracks auf. COMMUNIC bewegen sich auch auf „Where Echoes gather“ wieder irgendwo zwischen den Welten, greifen aber, das wird manchen Fan der ersten Stunde freuen, auf teilweise schon sehr alte Songideen zurück. Das bedeutet, dass es stilistisch wieder etwas Richtung Frühwerk geht. Wie gehabt bauen COMMUNIC ihre Songs auf einem Thrash-Fundament auf, streuen gerne mal die ein oder andere Blackmetal Gitarrenlinie ein, setzen auf Gesang den man eher im geerdeten US-Metal verorten würde und scheuen sich nicht, progressive „Vibes“ zu versprühen. Das hat manchmal etwas von Queensryche spielen Thrash, auch wenn dies natürlich diese urwüchsig eigenwilligen Norweger nicht annähernd beschreibt. Der Großteil der Tracks besteht aus in jeweils 2 Teile gesplittete Songs, von denen vor allem das Eröffnungsdoppel „The Pulse of the Earth“ mit seinen Ohrwurmmelodien und dem geilen Riffing sofort hängen bleibt. Als Anspieltipp seien außerdem noch der (doppelte) Rausschmeißer „The Claws of the Sea“ mit seinen vertrackten Rhythmuswechseln und die (naja, nennen wir es mal in Ermangelung einer besseren Bezeichnung) Powerballade „Moondance“ genannt. Letzterer fährt ganz großes Kino auf und balanciert die Scheibe, die eine gesunde Portion Härte mitbringt (siehe das treffend betitelte „Black Flag of Hate“), gelungen aus. Der Rest der Songs ist ebenfalls starke Kost ohne nennenswerte Längen, die allerdings erarbeitet werden will und nix fürs Nebenbeihören ist. Man sollte also Zeit und ungeteilte Aufmerksamkeit mitbringen.

Da der Dreher von Eike Freese (u.a. Dark Age) in dessen Studio 3A/Chameleon Studios 1A abgemischt und gemastert wurde, das Artwork stimmig und der Inhalt weitestgehend über jeden Zweifel erhaben ist, bleibt es zu wünschen, dass diese großartige Band für Ihre Arbeit mit weiterer Aufmerksamkeit belohnt wird. Verdient hätten Sie es allemal. Beide Daumen hoch.

WERTUNG: 

 

 

Trackliste:

01. The Pulse of the Earth (Part 1 – The Magnetic Center)
02. The Pulse of the Earth (Part 2 – Impact Of The Wave)
03. Where Echoes Gather (Part 1 – Beneath The Giant)
04. Where Echoes Gather (Part 2 – The Underground Swine)
05. Moondance
06. Where History Lives
07. Black Flag Of Hate
08. The Claws Of The Sea (Part 1 – Journey Into The Source)
09. The Claws Of The Sea (Part 2 – The First Moment)

Mario

 

REVOLUTION SAINTS – Light in the Dark

Band: Revolution Saints
Album: Light in the Dark
Spielzeit: /
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 13.10.2017
Homepage: www.facebook.com/RevolutionSaints

Wenn ein Frontiers Projekt gut beim Kernpublikum ankommt und wohlwollendes Kopfnicken im Blätterwald einheimst, dann ist der Nachfolger schon so gut wie komponiert und eingetütet. Da findet sich bestimmt noch genug Restware aus den Songwriting Sessions zum ersten Album. Das Debüt der REVOLUTION SAINTS hat weitestgehend gute Kritiken eingeheimst und war in der Tat ein leckeres Stück Hardrock, eingespielt von einem handwerklich vollkommenen Trio. Die große Überraschung dabei war der starke Gesang von Schlagzeuger Dean Castronovo. In den 2 1/2 Jahren seit der ersten Scheibe ist nun einiges passiert (vor allem Negatives beim Herrn Castronovo, der unter anderem seinen Stuhl bei Journey räumen musste) und ich erwartete mit Spannung was dies am Sound der REVOLUTION SAINTS bewirken würde.

Nun, ich muss ernüchtert feststellen, dass die Antwort leider lautet: (so gut wie) Nichts. Ich hätte mir gewünscht, dass die Jungs die (Aus)Zeit genutzt hätten um die durchaus vorhandenen Baustellen des Debüts ein wenig auszubessern. Aber das wäre bei einem Frontiers „Produkt“ wohl auch etwas zu viel erwartet gewesen. Will sagen: wer die erste Scheibe mochte, kann hier blind zugreifen und sich dasselbe nochmals in grün ins Regal stellen. Never change a winning team, nicht wahr? Das bedeutet unter anderem, dass der formidable Jack Blades auch auf Album No. 2 nur den Bass und ein paar Nebenbei-Gesangsspuren einbringen durfte – auf sein übliches Melodiegespür wurde leider wieder dankend verzichtet. Auch Doug Aldrich macht genau das, was er auf dem Erstling bereits getan hat: Standard-Riffs im Mega-Breitwand Sound und blutleere Hochgeschwindigkeitssoli rausfeuern, als würde er nach Noten und nicht nach künstlerischem Gehalt bezahlt. Also muss auch diesmal der gute Herr Castronovo die Kohlen aus dem Feuer holen, was ihm, meiner bescheidenen Meinung nach, nicht ganz so gut gelingt wie eigentlich erwartet. Ob er nach seinen privaten Kapriolen einen Song wie die Journey-für-Arme Schmonzette „I Wouldn’t Change A Thing“ mit vor Selbstmitleid triefendem Pathos intonieren muss, ist ihm selbst überlassen. Ich möchte es mir allerdings nicht unbedingt anhören. Texte sind bei einer solchen Musik natürlich eh zweitrangig. Was sagen also die Kompositionen? Die Musik auf „Light in the Dark“ ist immer dann richtig gut, wenn die Jungs die ausgetretenen Pfade verlassen und etwas Neues wagen (natürlich nur in homöopathischen Dosen): während der Opener/Titeltrack „Light In The Dark “ noch gutes aber austauschbares Frontiers-Futter bietet, sind Tracks wie das angenehm „anders“ arrangierte „Freedom“ oder „Falling Apart“ tolle Highlights. Schlechte Songs gibt es hier natürlich nicht. Richtige Überflieger allerdings auch nicht. Der Aha-Effekt des Debüts bleibt weitestgehend aus, da vor allem in der zweiten Hälfte der Scheibe typisches Frontiers Material verarbeitet wird. Das sind alles gute Songs mit guten Musikern und einer okayen Produktion. Hier wurde nach dem Erfolg des Vorgängers aber einfach versucht das Ganze nochmals aufzuwärmen, anstatt das gesamte Potential auszuschöpfen. Schade.

Objektiv betrachtet ist „Light in the Dark“ nicht wirklich schwächer als „Revolution Saints“. Mangelnde Weiterentwicklung, eine austauschbare Produktion und marginal langweiligeres Songmaterial kratzen aber durchaus am Lack, so dass ich die Scheibe eigentlich nur demjenigen ans Herz legen kann, der beim Debüt seine Erfüllung gefunden hatte und davon nicht genug kriegen kann. Für alle anderen ist das Ganze relativ verzichtbar.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Light In The Dark
02. Freedom
03. Ride On
04. I Wouldn’t Change A Thing
05. Don’t Surrender
06. Take You Down
07. The Storm Inside
08. Can’t Run Away From Love
09. Running On The Edge
10. Another Chance
11. Falling Apart

Mario

 

SONS OF APOLLO – Psychotic Symphony

Band: Sons Of Apollo
Album: Psychotic Symphony
Spielzeit: 57:58 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Inside/Out Music
Veröffentlichung: 20.10.2017
Homepage: www.sonsofapollo.com

Portnoy! Sheehan! Sherinian! Soto! Bumblefoot! Wow, wenn das mal keine Supergroup ist, dann weiss sich es auch nicht. Was Inside/Out hier unter dem Banner SONS OF APOLLO an Land gezogen haben ist ein wahres Schwergewicht. Die Besetzung besteht ausnahmslos aus Kolossen in Ihrem Fachgebiet und die Erwartungen an das gemeinsame Projekt sind, trotz des nachweisslich recht durchwachsenen Output einiger Beteiligter (gut, hauptsächlich Vielspieler Portnoy), sehr hoch. Nun, soviel sei verraten, „Psychotic Symphony“ enttäuscht nicht. Portnoy und Sherinian, die das Projekt (ich nenne das jetzt mal so, auch wenn alle Beteiligten, wie üblich, beteuern dies sei „eine echte Band“) initiiert und federführend produziert haben, wollen augenscheinlich ihrer „alten“ Band nochmal zeigen was seit Ihrem Abgang fehlt. Und das Endergebnis spricht durchaus für sich.

Schon beim Opener „God of The Sun“ schieben die Jungs ein ordentliches Pfund nach vorne. Ein stimmiges Intro und ab geht sie, die Lucy. Ja, wie erwartet sind die Drums eine Tacken zu laut abgemischt. Aber ansonsten kann das wuchtige, fette Soundbild rundherum überzeugen. Sherinians geschmackvolle Sounds, die einen feinen Spagat zwischen Vintage/analog und Moderne schaffen, lassen nostalgisch an alte „Falling into Infinity“ Zeiten denken (die letzte, vielleicht sogar einzige, wirklich grossartig klingende DT Scheibe), Jeff Scott Soto, dieser Berg von einem Typen singt gewohnt einnehmend und kraftvoll. Überraschen kann aber vor allem Ron „Bumblefoot“ Thal, der den meisten wohl bislang nur als Guns N‘ Roses Sidekick aufgefallen sein dürfte. Während sich sein Riffing hauptsächlich in relativ gewohnten Metal-Gefilden bewegt, sind seine Soli tatsächlich ein Highlight der Scheibe. Nix da mit Petrucci Reminiszenzen und ähnlichem standardisierten Genre-Gefrickel. Der Mann hat eine ganz eigene Stimme auf seinem Instrument, die der Scheibe extrem gut tut. Weiter geht es mit den ebenfalls starken Riff-Monstern „Coming Home“ und „Signs of The Time“ (immer wieder von tollen Intrumentalpassagen aufgelockert) und bevor der Hörer sich fragt ob die Jungs nichts anderes können, als auf die 12 zu rocken, wird mit dem fein schwebenden, mit epischen Elementen garnierten „Labyrinth“ das erste kleinere stilistische (und gelungene) Experiment gewagt. „Alive“ ist ein feiner Melodic Rocker während „Lost In Oblivion“ leider nur Mittelmass ist. Gegen Ende der Scheibe hat man das Gefühl, dass den Jungs etwas die Luft ausgegangen ist denn mit dem kurzen (okayen) Instrumental „Figaro’s Whore“ sowie der abschliessenden (ebenfalls rein instrumental gehaltenen) verspielten Prog-Achterbahnfahrt „Opus Maximus“ sind zwar 2 nette Songs vertreten. Ich hätte mir hier aber durchaus noch einen weiteren Song mit Soto’s Gesang gewünscht. Das ändert aber nichts daran, dass „Psychotic Symphony“ eine extrem gute Platte geworden ist. Besser als man es wohl befürchten durfte allemal. Die Besetzung harmoniert prächtig, Jeff Scott Soto agiert angenehm untypisch für das Genre und vermeidet die üblichen kitschigen Powermetalanleihen konsequent.

Yo, passt. Ich werde aber das Gefühl nicht los, dass die Band noch zu weit mehr imstande ist als das, was hier auf diesem erstem Lebenszeichen zu hören ist. Ich würde mir wünschen, das die Jungs noch ein wenig zusammenwachsen, das Songmaterial etwas stringenter gestalten und ihr Profil schärfen. Dann kommt da noch ein grosses Ding auf uns zu. Prog-Metal Fans sollten sich das Debüt der Band auf jeden Fall auf den Zettel schreiben, Besseres hat man von den Beteiligten in diesem Genre schon seit geraumer Zeit nicht mehr gehört.

WERTUNG:

Trackliste:

01. God of The Sun
02. Coming Home
03. Signs of The Time
04. Labyrinth
05. Alive
06. Lost In Oblivion
07. Figaro’s Whore
08. Divine Addiction
09. Opus Maximus

Mario

THRESHOLD – Legends Of The Shires

Band: Threshold
Album: Legends Of The Shires
Spielzeit: 82:50 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast Records
Veröffentlichung: 08.09.2017
Homepage: www.thresh.net

Wenn eine Band den Abgang eines solch charismatischen Sängers wie Damian Wilson wegstecken muss, dann hat das immer auch einen Einfluss auf den zukünftigen musikalischen Output. Da können THRESHOLD noch so oft und vehement versichern, dass es im Endeffekt nicht ausschlaggebend ist wer bei den Briten das Mikro schwingt. Der (forcierte) Abgang des Ausnahmesängers, der maßgeblich am Erfolg der letzten beiden Scheiben beteiligt war („March of Progress„, 2012 und „For the Journey„, 2014), fand dann sogar im Laufe der Produktion des aktuellen Albums statt. Freundschaftlich wird das Ganze wohl nicht über die Bühne gegangen sein. Was zählt ist aber aufm Platz, und da liegt uns mit „Legends of the Shires“ aktuell ein fetter Doppel-CD Brocken auf dem Teller, versehen mit einem überaus netten Artwork und, soviel sei schon gesagt, einer wie üblich fetten, transparenten, zeitgemäßen Produktion. Dass der Sängerposten bei THRESHOLD einer nicht stillstehenden Drehtür gleicht, dürfte allgemein bekannt sein. Mit Glynn Morgan ist nun ein Ehemaliger zur Band zurückgekehrt, der das 1994er Album „Psychedelicatessen“ eingesungen hatte. Das war damals nicht schlecht, aber, sind wir mal ehrlich, dann doch nicht auf dem Niveau der letzten Alben.

Wie erwähnt wurde Morgan mitten in der Produktion zu „Legends Of The Shires“ ins Studio geholt – er musste also Gesangsspuren einsingen, die ursprünglich für Wilson vorgesehen waren. Auch wenn man das mitunter an der Melodieführung merkt, muss man sagen, dass Morgan einen exzellenten Job abgeliefert hat und mit seinem deutlich rockigeren Gesang den Songs einen eigenen Stempel aufdrücken kann. Aber, er ist kein Damian Wilson. So gut ich Morgan auch finde, so deutlich muss ich doch sagen, dass die Band durch diesen Tausch am Mikro für mich an Präsenz und Relevanz eingebüßt hat. Der Sänger ist halt doch immer das Aushängeschild einer Band – auch wenn der Rest der Musiker das nicht unbedingt wahrhaben will. Nichtsdestotrotz gelingt es THRESHOLD den unter Wilson angesetzten Höhenflug nur marginal beschadet fortzusetzen: Auf „Legends Of The Shires“ tummeln sich auch weiterhin Ohrwürmer der Extraklasse, die die Konkurrenz so einfach nicht auf die Kette bekommt. Frickeln kann heutzutage so ziemlich jeder, Melodien wie in dem grandiosen „Stars And Satellites“ oder dem flotten, straighten „Small Dark Lines“ sind Ausdruck von Songwriting in Perfektion, eingespielt von einer erstklassigen Band. Die immer wieder eingeflochtenen, von akustischen Gitarren getragenen „The Shire„-Parts verbinden die Songs auf elegante Weise, setzen eine stimmige Atmosphäre die sich durch das gesamte Album zieht. Einziger Wermutstropfen ist die für meinen Geschmack etwas zu üppige Spielzeit, die man gut und gerne hätte trimmen können ohne essentiellen Ballast über Bord zu werfen. Ein Longtrack wie „The Man Who Saw Through Time“ hat durchaus verzichtbare Passagen und der ein oder andere nicht so zwingende Füller ist ebenfalls vorhanden (zB das eher suboptimale „Subliminal Freeways“). Die oben genannten Highlights sowie das epische „Lost in Translation“ oder „Snowblind“ heben das Album aber dennoch auf ein Level, dass andere nur schwer erreichen.

Der Verlust von Sänger Wilson ist spürbar, ja, aber THRESHOLD machen das Beste aus der Situation und hauen ein weiteres, hochklassiges Album auf den Markt, das Fans und Kritiker erneut in Verzückung bringen dürfte. Dass es den Jungs gelingt trotz der widrigen Umstände kontinuierlich solch bockstarken Songs zu schreiben ist nicht selbstverständlich und gebührt Respekt und, vor allem, Eurer sauer verdientes Geld.

WERTUNG:

Trackliste:

01. The Shire (Part 1)
02. Small Dark Lines
03. The Man Who Saw Through Time
04. Trust The Process
05. Stars And Satellites
06. On The Edge
07. The Shire (Part 2)
08. Snowblind
09. Subliminal Freeways
10. State Of Independence
11. Superior Machine
12. The Shire (Part 3)
13. Lost In Translation
14. Swallowed

Mario

ROCK CANDY MAG / Ausgabe 1

Band: ROCK CANDY MAG
Album: Ausgabe 1
Spielzeit: /
Stilrichtung: /
Plattenfirma: /
Veröffentlichung: 04.2017
Homepage: www.rockcandymag.com

Die Macher des seit 2006 sehr aktiven und erfolgreichen Rock Candy Records Labels haben Ihr Angebot erweitert und versuchen sich nun ebenfalls im Bereich der Printmedien einen Platz zu erarbeiten. Das bietet sich natürlich an, wenn man die guten (oft im Hause erstellten) Linernotes Ihrer Re-Releases bedenkt, die manchmal gar unterhaltsamer sind als der musikalische Inhalt. Und dass die Herren Derek Oliver, Howard Johnson und Malcolm Dome ursprünglich für Magazine wie Kerrang! oder den britischen Metal Hammer geschrieben haben macht die Sache umso einleuchtender. Mit dem Rock Candy Mag (Ausgabe 1) liegt uns also die erste Ausgabe dieses neuen Heftes vor, und da haben es sich Oliver und Co. nicht lumpen lassen: neben amüsanten Anekdoten zu Richie Blackmoore gibt es ein von Sänger Joe Elliot kommentiertes Def Leppard Fotoarchiv zu bestaunen, ausgiebige und gut geschriebene Geschichten um den leider viel zu früh verstorbenen Warrant Frontmann Jani Lane und das britusche NWOBHM Urgestein Saxon, das aufschlussreiche Portrait über den früheren Kiss Manager Bill Aucoin, Features zu Frauen im Metal (sehr lesenswert), ein Feature über die Entstehung des Rush Klassikers „Hemispheres“, sowie viele andere Geschichten die das ansprechende und kompetent recherchierte Magazin abrunden.

Eines sollte dem interessierten Leser, bzw. Käufer allerdings bewusst sein: das Rock Candy Mag ist eine Nostalgie-Veranstaltung – hier wird gnadenlos den guten alten (leider vergangenen) Zeiten gehuldigt. Mit aktuellen Trends (oder Bands) hat diese Veröffentlichung absolut nichts am Hut. So weit gefächert das CD-Angebot des Labels ist, so breit aufgestellt ist auch die Themenauswahl zum Heft. Wer alle Booklets der entsprechenden RC CDs gelesen hat, wird vielleicht zum ein oder anderen Thema etwas lesen, das ihm schon bekannt vorkommt. Redundanzen sind natürlich unvermeidbar, wenn man im Heft die gleichen Themen, bzw., Bands behandelt wie in den Re-Releases und dazu wahrscheinlich auf dieselben Quellen zurückgreift. Die Texte sind durchweg gut geschrieben, gewissenhaft recherchiert und lassen vor allem eines durchscheinen: die absolute Hingabe der Macher des Heftes und die Leidenschaft zum Thema, ohne die man ein solch abwegiges Unterfangen wie in den heutigen Zeiten ausgerechnet ein Magazin (in Papierform!) zu veröffentlichen, eh gleich in die Tonne treten könnte.

Das 2-monatlich erscheinende Rock Candy Mag (es sind mittlerweile 2 weitere Ausgaben erhältlich) kann über die Homepage bezogen werden und liegt sowohl als print-Ausgabe, als auch in Digitaler Form zum Schmökern bereit. Für Fans des Genres oder des Labels eine absolute Empfehlung!

WERTUNG: (keine)

Mario

LEPROUS – Malina

Band: Leprous
Album: Malina
Spielzeit: 58:48 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Inside Out Music
Veröffentlichung: 25.08.2017
Homepage: www.leprous.net

Die Norwegische Ausnahmeband LEPROUS hat sich in den letzten Jahren zu einem kleinen Phänomen gemausert. Nur wenige im Prog Metal Bereich aktive Bands haben es geschafft sich ein solch eigentümliches Soundgewand zurecht zu schneidern wie das Quartett um Sänger/Keyboarder/Komponist Einar Solberg. Vor allem auf den beiden letzten Alben „Coal“ (2013) und „The Congregation“ (2015) wurde ein Stil/Sound (erst) gefunden und (dann) gepflegt, der sofort und eindeutig identifizierbar war. Als Kehrseite des Ganzen stellte sich eine gewisse Stagnation ein, die sich auf der letzten Scheibe bemerkbar machte – neue Songs in einem bereits gewohnten Klang. Nachdem der langjährige Gitarrist Øystein Landsverk sich vor den Arbeiten zum neuen Album ausgeklingt hatte, war es wohl an der Zeit die eigenen Klang-Parameter neu zu justieren. Während die Songs dank der unverkennbaren Stimme von Solberg (sowie seiner ganz eigenen Phrasierungen) auch weiterhin eindeutig LEPROUS zugeordnet werden können, dürfen Fans der Band sich auf ein neues Erlebnis in Sachen Klangästehtik einstellen.

Gleich mit „Bonneville“ wird klar, dass das bisher bekannte Schema nicht mehr ganz gilt. Die Klangpalette ist eindeutig erdiger geworden, die Gitarren klingen nicht mehr wie maschinell eingespielte Roboterspuren (was bisher seinen ganz eigenen Reiz hatte) sondern erinnern oftmals an die fabelhaften Billy Talent. Die bisher als Singles ausgekoppelten Tracks „Stuck“ und „From the Flame“ betören durch packende Hooklines, die sich im Gehörgang festbeissen. Allerdings bewegt sich die Band auch ein Stück weit weg vom Prog Metal der bisherigen Alben und lässt eine gewisse Portion Alternative Rock Attitude mit einfliessen. Das mag nicht jedem gefallen, ist aber definitiv ein Schritt in Richtung (nötiger) Weiterentwicklung. Wild und ungezügelt geht es aber auch weiterhin in Tracks wie „Mirage“ zu, der gewohnt verschachtelte Rhythmusfiguren mit energischen Melodieausbrüchen kombiniert. Mit dem starken Titeltrack und dem fordernd/fulminanten „The Weight of Disaster“ haben sich die (mutigen) Highlights des Albums weiter hinten versteckt. Es lohnt sich also, das Album als Ganzes zu erschliessen.

Leicht haben LEPROUS es dem Zuhörer noch nie gemacht, und das ist auch auf Album No. 5 nicht anders. Wer die Band bisher gut fand, wird auch diesmal wieder mit einem starken Album belohnt. Die, die sich bisher nicht mit LEPROUS anfreunden konnten, werden sich, trotz Feinjustierung im Klangteppich, auch weiterhin schwer tun. Erfreulich für Fans der Norweger ist auf jeden Fall, dass die Band um Weiterentwicklung bemüht ist. Herausragend bleiben auch auf der neuen (teilweise schwer zugänglichen) Scheibe die unfassbar starken Melodiebögen und das traumwandlerische Zusammenspiel der Truppe.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Bonneville
02. Stuck
03. From the Flame
04. Captive
05. Illuminate
06. Leashes
07. Mirage
08. Malina
09. Coma
10. The Weight of Disaster
11. The Last Milestone

Mario

BAD ENGLISH – Bad English (Re-Release)

Band: Bad English
Album: Bad English (Re-Release
Spielzeit: /
Stilrichtung: Melodic Rock, Hardrock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: 14.06.2017
Homepage: www.rockcandyrecords.com

Bei der heutigen Flut an Supergroups verliert man schon mal gerne aus den Augen, dass es einmal eine Zeit gegeben hat, als solche Bands tatsächlich ein Grund zur Freude und zum Jubeln waren. Ja, es gab mal eine Zeit, da wurden solche Bands nicht nur von Plattenfirmen im Kniffelbecher wöchentlich neu zusammengewürfelt um den monatlichen Auswurf an Plastik-Produktionen am Laufen zu halten (sowie einer Handvoll unter Vertrag stehender Songschreiber das Einkommen zu sichern). Nein, Bands wie Cream oder Damn Yankees hatten tatsächlich einen künstlerischen Anspruch und qualitative Substanz. Ich weiß, das ist heute, wo auf jedem 2ten Album einschlägiger Labels der Sticker „Supergroup“ draufpappt, nur noch schwer vorstellbar. Aber, so war das damals. Auch die aus ehemaligen Musikern von Journey und The Babys bestehende Band BAD ENGLISH lieferte, (zumindest mit Ihrem Debüt) einen bärenstarken Brocken Melodic Rock ab, der dem geneigten Fan auch heute noch Freudentränen in die Augen treiben kann. An der Gitarre Neal Schon, die Tasten bediente Jonathan Cain und das Mikro in den Händen von John Waite – da schnalzt der Eingeweihte bereits mit der Zunge. Und die hohen Erwartungen wurden erfüllt, denn neben dem Hit „When I see you smile“ hatte die Platte mit den grandiosen Breitwand-Rockern „Forget Me Not“ oder „Price of Love“ noch weitere Hochkaräter in der Hinterhand. Schon konnte (auch dank „schlag“kräftiger Unterstützung von Powerbolzen Deen Castronovo) bei BAD ENGLISH seine Affinität zu härteren Klängen mit einbringen (was er nach dem leider nur kurzen Gefecht bei BAD ENGLISH, dann noch bei Hardline und später bei den neu formierten Journey auch unterbringen konnte). Cain hatte bereits bei Journey für das Quäntchen Zuckerguss gesorgt, der Alben wie „Escape“ zu Multi Millionen-Sellern machten. Und John Waite hat(te) nun mal eine Stimme, wie es sie nur einmal gibt. Dass der Gute sich in dem glitzernden Melodic Rock Genre nicht ganz so wohl fühlte hört man der Platte nicht an. Im Gegenteil, Waite singt wie ein junger Gott und veredelt die Songs aufs Vortrefflichste.

Leider war bei BAD ENGLISH schon nach dieser einen, grandiosen Platte die Luft raus. Zwar gab es 2 Jahre später mit „Backlash“ noch ein weiteres Album (in gleicher Besetzung) zu hören, der Lack war aber ab und Cain sowie Schon fügten sich wieder in die Reihen Ihrer alten Stammformation ein. Das mit ursprünglich mit 13 Tracks schon üppig bestückte Album wurde in der vorliegenden Neufassung nochmals um 2 Bonustracks (leider keine neuen Songs, sondern lediglich Remixe) erweitert, was den Mehrwert der CD nochmals steigert. Das Remastering ist ebenfalls gelungen und die informativen Linernotes laden wie immer zum Schmökern und Abtauchen in die guten alten Zeiten ein. Ein rundherum gelungenes und essentielles Paket also für den Melodic Rock Fan.

WERTUNG:

Trackliste:

01. Best of What I Got
02. Heaven Is a 4 Letter Word
03. Possession
04. Forget Me Not
05. When I See You Smile
06. Tough Times Don’t Last
07. Ghost in Your Heart
08. Price of Love
09. Ready When You Are
10. Lay Down
11. The Restless Ones
12. Rockin‘ Horse
13. Don’t Walk Away
14. Price of Love (Remix)
15. Forget Me Not (Remix)

Mario

ALANNAH MYLES – Alannah Myles (Re-Release)

Band: Alannah Myles
Album: Alannah Myles (Re-Release)
Spielzeit: 43:18 min
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: 14.06.2017
Homepage: www.rockcandyrecords.com

Manche Künstler schaffen es sich mit einem einzigen Smash-Hit auf Jahrzehnte ins Bewusstsein der Musikkonsumenten einzubrennen. Einem Hit, so groß, dass er auch noch lange nachdem der Künstler sich aufs Altenteil zurückgezogen hat regelmäßig im Radio gespielt wird und einfach „dazu gehört“. „Everything About You“ (Ugly Kid Joe) ist ein solcher Song, „More Than Words“ (Extreme) ebenfalls und auch „Black Velvet“, dieser mit einer bluesigen Akustikgitarre eingeleitete Slow-Rocker, der durch die eindringliche Stimme von ALANNAH MYLES auch heute nichts von seiner Eindringlichkeit verloren hat. Das Gleiche kann man eigentlich auch über die andere Songs auf dem Debüt der energischen Kanadierin sagen, das nun vom Rock Candy Records Label (inkl. neuem Mastering und einem schicken Booklet) neu aufgelegt wurde. Irgendwo zwischen damals angesagtem Hardrock, dezenten Blues Anleihen und heute wieder erstarktem Melodic Rock hatte ALANNAH MYLES sich mit Ihren Starrkopf, ihrem wilden Auftreten und natürlich Ihrer, mit hohem Wiedererkennungswert ausgestatteten, Stimme eine Nische erkämpft. Und die wollte sie mit Ihrem ersten Album auch gleich ganz in Beschlag nehmen. Ich kenne Leute, die heute noch von der Live-Show der Sängerin im Zuge Ihrer ersten Tournee zu diesem Album, (mit Nostalgie in den Augen) schwärmen. Und diese ungezügelte Energie konnte damals, trotz doch arg klinisch reiner Produktion eingefangen werden. Der Mix machte es wohl, denn während der Bass und Drums mitunter verdächtig nach Computer klingen, sorgten die effektiv eingesetzten Gitarrenlicks und – riffs sowie der Gesang für die nötige Bodenhaftung. So präsentieren sich auch heute noch Songs wie das leicht funkige „Love Is“, der flotte Rocker „Just One Kiss” oder die Ballade „ Lover of Mine” als nur minimal gealtert und immer noch auf der Höhe der Zeit.

Nein, ein veritable Klassiker ist das Debüt von ALANNAH MYLES nicht, aber auch beileibe keine mit Lückenfüllern aufgeblähtes Vehikel für den One-Hit-Wonder „Black Velvet“. Die Scheibe (der 1992 mit „Rockinghorse“ noch ein nicht minder starkes 2. Album folgte) sollte auch für Fans von straighten Hardrock-Klängen interessant sein, denn überzeugender und authentischer als Frau MYLES bringen nur ganz wenige Sängerinnen den Dreck und Rotz im Rock rüber. Und das ist schon Grund genug sich diese Platte nochmals zu Gemüte zu führen.

WERTUNG:

Trackliste:

01. Still Got This Thing
02. Love Is
03. Black Velvet
04. Rock This Joint
05. Lover of Mine
06. Kick Start My Heart
07. If You Want To
08. Just One Kiss
09. Who Loves You
10. Hurry Make Love

Mario

RIVERDOGS – California

Band: Riverdogs
Album: California
Spielzeit: /
Stilrichtung: (Hard) Rock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 07.07.2017
Homepage: /

Die Riverdogs sind zurück, und alleine diese Nachricht dürfte so manchem Fan von gepflegtem US-Rock die (nostalgiebedingten) Freudentränen in die Augen treiben. Das Debüt der Jungs genießt auch heute noch hohe Wertschätzung unter Fans des Genres und so wurde das neue Album der Truppe, in deren Reihen sich auch (wieder) der ehemalige Dio und Whitesnake (sowie heutige Def Leppard) Gitarrist Vivian Campbell wiederfindet, mit Spannung erwartet.

Während Campbell immer als so etwas wie der berühmte Lockvogel der Band genutzt wurde, lag von jeher das Hauptaugenmerk auf Sänger Rob Lamothe, der mit seiner eindrucksvollem Stimme die ersten beiden Platten der Band veredelte. An dieser Konstellation hat sich auch heute nichts geändert. Auf der nun vorliegenden 3. Scheibe der RIVERDOGS dreht sich eigentlich alles um die immer noch tolle Stimme des Frontmanns, der den Songs eine Intimität und Autorität verleiht, die man bei vielen andere Bands leider vergeblich sucht. Flankiert wird das Geschehen von einer (nennen wir es mal wohl wollend) „unauffällig“ aufspielenden Rhythmusgruppe und natürlich Campbell an der Gitarre, der einige gute Soli abliefert, ansonsten aber seltsam blass bleibt und dessen Beiträge sich im Laufe des Albums als wenig einfallsreich, oft klischeebeladen und redundant erweisen. Was (a) schade ist und (b) umso mehr den Blick auf das Songmaterial lenkt. Und hier sind der Albumtitel (und das passende Artwork) dann mal tatsächlich Programm: so gut wie alle Songs sind im langsamen bis Mid-Tempo gehalten, hart gerockt wird so gut wie nie, die Songs verbreiten lässiges US Feeling und leben in erster Linie von Lamothe´s  immer noch starkem Gesang: Tracks wie das (leicht) rockige, gute Laune versprühende „American Dream„, der lässige Ohrwurm „Something Inside“ oder der gekonnt intonierte Blueser „The Heart Is A Mindless Bird“ sind kompetent komponiert und routiniert gespielt. Vom Hocker hauen kann die Scheibe einen aber beim besten Willen nicht und bleibt hinter den (über die Jahre gewachsenen) Erwartungen deutlich zurück.

„California“ ist ein gutes, unspektakuläres Rockalbum geworden, daran gibt es nichts auszusetzen. Nach solch einer langen Wartezeit hatte ich mir aber ehrlich gesagt ein wenig mehr erhofft, als nur ein routiniertes, mitunter relativ tiefenentspanntes Album einer Band, die im Herbst Ihrer Karriere nochmal ein wenig die Bretter der Bühnen schnuppern will. Solide, aber leider nicht mehr.

WERTUNG:

Trackliste:

01. American Dream
02. The Revolution Starts Tonight
03. Something Inside
04. Golden Glow
05. You’re Too Rock And Roll
06. The Heart Is A Mindless Bird
07. Searching For A Signal
08. Welcome To The New Disaster
09. Ten Thousand Reasons
10. Catalina11. I Don’t Know Anything

Mario

SOUL SECRET – Babel

Band: Soul Secret
Album: Babel
Spielzeit: 67:53 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 28.07.2017
Homepage: www.soulsecret.net

Ich war lange nicht mehr so angenehm überrascht über die Entwicklung einer Prog-Metal Band wie im vorliegenden Fall der Italiener SOUL SECRET. Bewegten sich die Jungs auf dem Vorgänger „4“ noch hauptsächlich auf den (sicheren) Pfaden von etablierten Acts wie z.B. den omnipräsenten Dream Theater, so versucht die Band auf dem neuen Album „Babel“ einen stilistischen Befreiungsschlag, der grösstenteils ganz hervorragend gelingt. Zum ersten mal in der Bandgeschichte ist es dabei gelungen ein Album einzuspielen, dass dieselbe Mannschaft wie der Vorgänger aufweist. Und dieses neugewonnene „Wir“-Gefühl schlägt sich natürlich auch im Songwriting durch.

„Babel“ ist ein Konzeptalbum über, kurz gesagt, ein Projekt zur Suche nach Gott im weiten Weltraum … also, tief stapeln ist definitiv etwas anderes. Das bedeutet im Klartext erstmal, dass viel mit eingestreuten Sprechparts gearbeitet wird. Was auf dem Papier mal schnell aufstöhnen lässt, ist dann in der Praxis aber ziemlich clever umgesetzt. Die Songs fliessen gut ineinander, nichts wirkt störend oder erzwungen. Man merkt, dass SOUL SECRET sich einige Gedanken gemacht haben – nicht nur um das Thema selbst, sondern auch um die Umsetzung im Rahmen einer Platte. Noch wichtiger als Rahmenhandlung und Konzept sind allerdings die Songs selbst. Und hier gibt es fast nur Positives zu berichten: Die Band setzt auf eine angenehme Entschleunigung, lässt der Geschichte Raum und Zeit sich zu entfalten und verpackt das Ganze in entsprechend dynamisch aufbauende Songs. Die schon beim Vorgänger beobachteten Parallelen zu den Briten Haken scheinen auch auf „Babel“ weiterhin durch, vor allem im Gesang und den Arrangements sind sich beide Bands ähnlich. Aber SOUL SECRET haben genug eigene Stärken um sich zu profilieren. Schön sind z.B. die immer wieder eingestreuten Fusion-Schlenker (vor allem in den Gitarren-Soli), die der Erwartungshaltung einen netten Strich durch die Rechnung machen und Akzente setzen können. Anspieltipps sind das wundervolle, federleichte „What we’re all about“, der an die leider mittlerweile aufgelösten Amoral erinnernde Track „Awakened by the light“ mit seinen weit aufgefächerten Melodien sowie die beiden Longtracks „Entering the City of Gods“ und „In the Hardest of Times“ – wobei vor allem Letzterer alle Facetten eines zünftigen Prog-Epos mit sich bringt und von feinen akustischen Tönen, über jazzig verspielte Licks bis hin zu harten Frickelriffs alles gekonnt in sich vereint.

Was die Produktion und die handwerkliche Darbietung der Scheibe angeht bleibt zu vermelden, dass sich seit „4“ nichts zum Negativen Verändert hat. Jeder Musiker beherrscht sein Instrument blind und soundtechnisch hat man die Neugewonnen Leichtigkeit und Transparenz, die das Songmaterial liefert, perfekt eingefangen. Die Akustikgitarren haben Raum zum atmen, wenn es mal kerniger zur Sache geht, wird man zu keinem Moment von einer Soundwand überfahren und die Balance der Instrumente und der Stimme von Sänger ist wunderbar.

Trotz des Mangels an wirklichen „Hits“, also Songs die sich aufgrund eines Ohrwurms gleich im Gehörgang festsetzen, ist SOUL SECRET mit „Babel“ ein bärenstarkes Album gelungen, dass ich den Jungs nach dem bisherigen, auf Nummer sicher gehenden, Output nicht zugetraut hatte. Mut zahlt sich aus, so dass Fans von anspruchsvollem, fordernden melodischem Prog-Metal auf jeden Fall ein Ohr riskieren sollten.

WERTUNG:

Trackliste:

01. Prologue
02. What we’re all about
03. A Shadow on the surface
04. Will they?
05. LogOS
06. Awakened by the light
07. Entering the City of Gods
08. The cuckoo’s nest
09. Newton’s Law
10. In the Hardest of Times

Mario