One Hit Rockerz: WAR BABIES

WAR BABIES (USA)

Besetzung:
Brad Sinsel (vocals)
Tommy McMullin (guitars)
Guy Lacey (guitars)
Shawn Trotter (bass)
Richard Stuverud (drums)

Es war die Zeit der letzten Atemzüge der Hair Metal Ära. In Los Angeles quoll der Sunset Strip schier über vor unbekannten Combos der dritten und letzten Generation und auch andernorts formierten sich immer noch Bands, die sich irgendwie in das Korsett der Big Seller quetschen wollten. In Seattle kochte man da schon sein eigenes Süppchen und die Rede ist ausnahmsweise nicht von Karohemden-Kurt und seiner Truppe NIRVANA. Der ehemalige FASTBACKS-Drummer Richard Stuverud hatte kurz zuvor mit Ex-TKO Shouter Brad Siinsel ein recht kurzlebiges Projekt namens SUICIDE SQUAD am Start, bevor es ihn zurück nach Seattle zog. Dort angekommen gründete er die WAR BABIES. Leider konnte er keinen Sänger finden und erinnerte sich an seinen alten Kumpel, der sich natürlich nicht lange bitten ließ.

Und so entstand das einzige und selbstbetitlte Album der WAR BABIES im Jahre 1991, das ein Jahr darauf sogar noch beim Major Columbia veröffentlicht wurde. Großer Erfolg war dem dreckigen, bluesigen Hardrock allerdings nicht beschert. Einzig die Single „Hang Me Up“ konnte herausstechen. Mit jeder Menge Dreck unter den Fingernägeln punktete der von Paul Stanley mitverfasste Song aber nur in überschaubaren Kreisen. Dabei hatte die Nummer alles, was zumindest einen kleinen Hit daraus wachsen lassen sollte. Drive, Melodie, einen großartigen Sänger und der Sound der Platte war dank der Produktion von Thom Panunzio kein Einheitsbrei.

Der Rest ist Geschichte, die WAR BABIES trennten sich nach nur einem Album im Jahr 1993 und „Hang Me Up“ blieb das einzige Vermächtnis der Amis.

Stefan

One-Hit-Rockerz: TROUBLE TRIBE

TROUBLE TRIBE (USA)

Besetzung:
Jimmy Discroll (vocals)
Steve Durrell (drums)
Eric Klaastad (bass)
Adam Wacht (guitars)

Herzlich willkommen in unserer neue Rubrik „One-Hit-Rockerz“! Hier wollen wir Euch im Wechsel mit unserem „Klassiker der Woche“ Bands vorstellen, die immer wieder über ihren größten und einzigen „Hit“ gestolpert sind, der in kommerzieller Hinsicht zudem nicht mal viel Staub aufgewirbelt hat. Viele Mainstreamer werden vielleicht Kapellen wie EUROPE dazu zählen. Das ist zwar nicht ganz falsch, wir möchten aber sehr viel tiefer graben und Songs zu Tage fördern, an die sich viele eventuell noch erinnern, die aber schon länger aufgrund ihrer Alleinstellung auf dem vielleicht einzigen Album einer Band aus dem Gedächtnis gefallen sind.

Bei meiner Suche nach unseren „Klassikern der Woche“ bin ich auf viele solcher „One-Hit-Rockerz“ gestoßen. Ein Beispiel dafür sind die Amis TROUBLE TRIBE, die 1990 ihr gleichnamiges Debüt bei Chrysalis Records veröffentlicht haben und und deren Ruhm sich auf nur einen Song beschränkte. Obwohl ihr Erstling tadellos produziert daherkommt und mit damals zeitgemäßem Hardrock aufwartet. Dreckig und trotzdem poliert tönen die 13 Stücke aus den Boxen, die von Michael Thomas Young produziert wurden, von denen lediglich der Opener „Tattoo“ und ihr einziger Minihit „Here Comes Trouble“ herausstechen.

Mit seinem markanten Riff trifft er genau den Zeitgeist und das dazugehörige Video ist vollgepackt mit Klischees. Eine langhaarige Band, eine hübsche Lady und jede Menge Stage-Acting machen daraus einen Clip, den es in ähnlicher Form schon hundert mal gegeben hat. Leider kommen TROUBLE TRIBE mit ihrem Album nicht über einen Insider-Status hinaus, woraufhin sich die Band auflöst.

„Here Comes Trouble“ aber bietet erstklassigen Hair Metal mit Kick Ass Attitüde und bezaubert mit wirklich gutem Songwriting und einem klasse Sound. Es gibt auch einen Clip zum Song, einfach mal bei Youtube schauen und die Zeitmaschine anwerfen 😉

Stefan

TREAT – Coup De Grace

Band: Treat
Album: Coup De Grace
Spielzeit: 57:13 min.
Plattenfirma/Vertrieb: Frontiers Records/Soulfood
Veröffentlichung: 26.03.2010
Homepage: www.facebook.com/treatofficial

Was wären die 80ger ohne Bands wie TREAT gewesen? Kult-Alben wie “Dreamhunter” oder “The Pleasure Principle” rotierten damals überall – Party everywhere, eine geile Zeit! Ein Vierteljahrhundert nach ihrem Debüt “Scratch And Bite” kommen die Schweden nach ihrer Re-Union 2006 mit ihrem sechsten Album aus den Puschen. Und das fast in der damaligen Besetzung, nur Bassist Joe Larsson wurde durch Nalle Pahlsson ersetzt. Die Compilation “Weapons Of Choice” beinhaltete 2006 auch schon 2 neue Songs (“I Burn For You” und “Go!”), die erahnen ließen, wozu TREAT im neuen Jahrtausend fähig sind.

Aber ganz tief im Inneren hatte man wohl noch den Sound der 80ger in Erinnerung. Was uns die Schweden aber mit “Coup De Grace” auftischen, hätte wohl keiner für möglich gehalten. Schreiende Gitarren, pumpender Bass, Riffs wie von einem anderen Stern und Melodien vom Feinsten. Und über allem thront der Gesang von Robert Ernlund. Die Gitarren nehmen den Hauptteil des neuen TREAT-Sounds ein, Keyboards untermalen den Sound “nur” und geben Songs wie “Skies Of Mongolia” oder “Papertiger” einen epischen Touch. Aber keine Angst, TREAT eifern nicht ihren Kollegen AXXIS nach und wollen eine von tausenden Powermetal-Kapellen sein. Ganz entfernt erinnert mich dieser Stil z.B. an den Song “Arabia” von VENGEANCE. Eine weitere Überraschung ist das Riff von “All In” – AC/DC könnten es nicht besser. Ihr seht, Abwechslung ist geboten, “Coup De Grace” wird nicht im Geringsten langweilig, natürlich gibt es auch ruhigere Töne, dafür sorgt “A Life To Die For”.

„Das ist das Album, das wir mit Stolz unseren Enkeln zeigen möchten” sagt Gitarrist und Hauptsongschreiber Anders Wickstrom nicht ohne Grund. Auf der einen Seite gar nicht mit den schon bestehenden Klassikern der Band zu vergleichen und doch wird die Einmaligkeit dieser Band mit dem neuen Album noch einmal unterstrichen. Leute, diese Scheibe ist Pflicht und ich muss schon wieder einen Eintrag in meine Favouritenliste für 2010 machen, jetzt sind erst gut 2 Monate um und die Liste füllt sich beängstigend schnell. Der Rock´n Roll Gott meint es echt gut mit uns – auch in diesem Jahr. Da sagt noch mal einer, Rock ist tot.

WERTUNG:


Trackliste:

1. Prelude – Coup De Grace
2. The War Is Over
3. All In
4. Paper Tiger
5. Roar
6. A Life To Die For
7. Tangled Up
8. Skies Of Mongolia
9. Heaven Can Wait
10. I´m Not Runnin´
11. No Way Without You
12. We Own The Night
13. All For Love
14. Breathless

Stefan

AXE – Offering (Klassiker der Woche)

Band: Axe
Album: Offering
Spielzeit: 35:48 min.
Stilrichtung: AOR, Hardrock
Plattenfirma: Atco Records
Veröffentlichung: 1982
Homepage: –

Viel zu selten widmen wir uns in dieser Rubrik den frühen Achtzigern. Das muss anders werden – heute drehen wir die Zeit zurück in das Jahr 1978. In diesem Jahr wurde mit der Gründung der Band AXE der Grundstein gelegt für eine Reihe erstklassiger Rock-Alben und ein für eine Karriere, die so abrupt ihr Ende finden sollte, wie sie begonnen hatte. Tragischer Mittelpunkt ist ein Autounfall im Sommer 1984, bei denen Sänger und Gitarrist Bobby Barth und Gitarrist Michael Osborne verunglücken. Während der eine mit nur wenigen Kratzern aus dem Wrack klettert, ist der andere sofort tot. Doch dazu später mehr…

In besagtem Gründungsjahr entstand die Band aus BABYFACE. Eigentlich war es lediglich eine Umbenennung und Umverteilung der Zuständigkeiten. Stand Edgar Riley bei BABYFACE am Mikrofon, übernahm das jetzt Gitarrist Bobby Barth. Riley konzentrierte sich auf die Keyboards. Neben den beiden anderen BABYFACE-Musikern Michael Turpin (bass) und Ted Mueller (drums) kam mit Michael Osborne ein zweiter Gitarrist in die Band. AXE waren geboren. Schnell war ein erstes Album aufgenommen. Das schlicht betitelte „Axe“ erschien noch 1979, mit „Battles“ enthielt es den ersten kleinen Hit. Nur ein Jahr darauf kam bereits der Zweitlling „Living On The Edge“ in die Läden.

Ab 1979 befanden sich AXE praktisch ununterbrochen auf Tournee. Nur für die Aufnahmen der Alben machten sie eine Pause. Schon 1982 stand mit „Offering“ ein weiteres an. Dieses Mal auch mit durchschlagendem Erfolg. Die Single „Rock´n Roll Party In The Streets“ landete zwar nur auf Platz 59 der Billboard Charts, wurde aber einer der meistgespielten Songs des Jahres 1982. Neben diesem Hit enthielt die Platte noch eine Coverversion des MONTROSE-Stücks „I Got The Fire“, die kurioserweise ebenfalls Erfolge feierte. Herzstück ist und bleibt aber das abschließende „Silent Soldiers“. Mit seiner Erhabenheit und musikalischen wie songschreiberischen Brillianz strahlt „Silent Soldiers“ sogar noch heller als der erfolgreiche Opener. Neben den Paukenschlägen zu Anfang und am Ende gibt es mit dem „modernen“ „Video Inspiration“, dem grandiosen „Steal Another Fantasy“ oder dem hart rockenden „Holdin´ On“ weitere Hochkaräter.

Nach den Aufnahmen gingen AXE sofort wieder auf Tour – ganze 19 Monate lang. Nur um für ihr viertes Album „Nemesis“, das 1983 herauskam, eine kurze Unterbrechung zu machen. Kurz darauf waren AXE wieder On The Road. Im Sommer 1984 kam es dann zu einem folgenschweren Verkehrsunfall, bei dem Gitarrist Michael Osborne tödlich verletzt wurde. AXE lösten sich in Windeseile auf, Bobby Barth stieg für Ken Hensley bei BLACKFOOT ein und blieb dort bis zu deren Auflösung 1986. Ein Jahr zuvor veröffentlichte Barth als Tribut an Osborne sein Soloalbum „Two Hearts One Beat“.

AXE reformierten sich erst 1996 wieder, um mit „Five“ ein neues Album für MTM Records einzuspielen. Kurz darauf stieg Barth erneut aus, er wurde ersetzt von Bob Harris – somit ist niemand mehr von der Originalbesetzung geblieben. Dennoch geben AXE immer noch Live-Konzerte. „Offering“ ist ein herausragendes Album in der kurzen Zeit, in der AXE in den Achtzigern existierten. Aufgrund der meisten Hits haben wir dieses Werk herausgehoben, Klasse sind indes alle der vier Silberscheiben.

Trackliste:

1. Rock´n Roll Party In The Streets
2. Video Inspiration
3. Steal Another Fantasy
4. Jennifer
5. I Got The Fire
6. Burn The City Down
7. Now Or Never
8. Holdin´ On
9. Silent Soldiers

Stefan

Hier findet Ihr weitere:

CRIMES OF PASSION – Crimes Of Passion

Band: Crimes Of Passion
Album: Crimes Of Passion
Spielzeit: 47:01 min.
Plattenfirma/Vertrieb: Vigilante/Universal
Homepage: www.myspace.com/crimesofpassionrock

Fast ein Jahr ist das selbstbetitelte Debüt der Briten CRIMES OF PASSION nun schon im Umlauf. Leider ohne, dass die breite Masse der Rocker hierzulande Notiz davon genommen hat. Auch ich bin nur durch eine Freundesanfrage der Band auf Myspace darauf aufmerksam geworden. Dabei konnte der Vierer aus Rotherham in der Nähe von Sheffield schon Größen wie GREAT WHITE, WHITE LION, DANNY VAUGHN, JEFF SCOTT SOTO oder STATETROOPER live supporten und TNT-Shouter Tony Mills hat bei vier Tracks die Backingvocals eingesungen.

Das alles zeugt für die Qualität der Engländer. Der ursprüngliche Bassist Kris Hudson-Lee wurde mittlerweile durch Simon Fearn ersetzt, Hudson-Lee hat aber noch das komplette Album eingespielt. 11 Songs (incl. Intro) hat „Crimes Of Passion“ zu bieten.

Und die sind geprägt von einer ganz eigenen Mischung aus Melodie und Härte. CRIMES OF PASSION verbinden alte Einflüsse mit der Moderne und über allem thront der Gesang von Dale Radcliffe, der mich nicht selten an PAUL SHORTINO erinnert. Ein rundum gelungenes Package, das in Songs wie „God Made Me Your Angel“, „Unbreakable“, „Die Alone“ oder „Pretty In Blood“ gipfelt. Bei CRIMES OF PASSION gibt es also nicht den x-ten Abklatsch irgendeiner Band, denn der Crime´sche Sound ist schon was besonderes und bietet eine gehörige Portion Eigenständigkeit. Was ich auch ziemlich cool finde, ist das Cover inclusive Booklet, das rüberkommt, wie ein trashiges Comic aus meiner Jugendzeit (was übrigens auch auf der Myspace-Seite gut umgesetzt wurde).

Was will ich mit diesem ganzen Roman eigentlich sagen? Ganz einfach: das Debüt von CRIMES OF PASSION sollte es auf jeden Fall in Euren Player schaffen, denn hier gibt es mal wieder Futter, das nicht wie jedes andere schmeckt aber trotzdem für jeden Rock-Gourmet (der sich nicht jeder Neuerung seit 1991 verschließt) ein Hochgenuss ist.

WERTUNG:

Trackliste:

1. A Thousand Strong
2. The Me I Lost
3. God Made Me Your Angel
4. Unbreakable
5. Fight You on My Own
6. Die Alone
7. Pretty In Blood
8. Breathless and Beautiful
9. Where No One Speaks Your Name
10. Exit Wound
11. Dream of Me
Stefan

BROTHER FIRETRIBE – Heart Full Of Fire

Band: Brother Firetribe
Album: Heart Full Of Fire
Spielzeit: 44:22 min.
Stilrichtung: AOR, Melodic Rock
Plattenfirma: Spinefarm Records
Veröffentlichung: 17.04.2008
Homepage: www.brotherfiretribe.com

Sie sind zurück, die „Kings Of Tennis-Metal“. Nach zwei schier unendlich anmutenden Jahren, stehen die Finnen mit ihrer neuen Granate „Heart Full Of Fire“ in den Startlöchern um ein weiteres Mal die Zeitmaschine anzuschmeißen und Euch in die gute alte Zeit zu katapultieren. Eine Zeit, in der die Welt noch in Ordnung war, die Sonne heißer denn je vom Himmel brannte, die Haare länger (und dichter) waren und noch keiner der ganzen DSDS Pfeifen tagtäglich die gesamte Medienlandschaft verseuchte. „Heart Full Of Fire“, das sind elf gewaltige Songs, die erneut ihresgleichen suchen und Vorbilder wie JOURNEY oder BOSTON vor Neid erblassen lassen. Bereits das zuvor als Single ausgekoppelte „I Am Rock“ hat eindrucksvoll bewiesen, dass das Debüt „False Metal“ kein Zufallsprodukt war.

Songs wie „I Heard It On The Radio“ (zurück ins glorreiche Jahrzehnt, ihr wisst schon welches ich meine), das mega-geniale MIKE RENO-Cover „Chasing The Angels“ vom Soundtrack-Klassiker IRON EAGLE 2 oder der Titeltrack zaubern ein Dauergrinsen auf Dein Gesicht und sorgen einfach für eine gute Zeit und viele Erinnerungen an die Jugend. Der Rest der elf Songs reiht sich nahtlos ein und beschert auch im tiefsten Winter pures Sommerfeeling. Für alle, die mit der Band noch nicht so vertraut sind, sei gesagt, dass sich neben NIGHTWISH-Gittarero Emppu Vuorinen auch LEVERAGE-Fronter Pekka Ansio Heino bei BROTHER FIRETRIBE vergnügen. Und das ist durchaus wörtlich gemeint, denn man merkt den Jungs die pure Freude an der Sache an, wie ich es selten erlebt habe. Die Gebrüder Feuerstamm haben daher auch nur leichte Modifikationen am Gesamtkonzept vorgenommen und dadurch ist der neue Silberling eindeutig als logischer Nachfolger von „False Metal“ zuzuordnen.

Wie auch schon beim Vorgänger gilt: 11 mal Granate, 11 mal Punkt (obwohl bei uns mit 10 Punkten die Obergrenze bereits erreicht ist). Da „Heart Full Of Fire“ aber noch einen Tick besser ausgefallen ist als der Erstling und dieser schon die Höchstpunktzahl bekam, bleibt mir keine Wahl, noch einen Bonuspunkt draufzupacken (und das wird sicherlich einmalig sein). Ich weiß allerdings nicht, was ich machen soll, wenn die nächste Platte 14 solche Hammersongs enthalten sollte . Zum Abschluss möchte ich noch gerne einen Satz aus dem Info übernehmen, den ich ausnahmsweise blind unterschreiben würde: „Mark my words: -Heart Full Of Fire- is an instant Melodic Rock Classic.“

WERTUNG:

(11 von 10)

Trackliste:

01. Who Will You Run To Now
02. Wildest Dreams
03. Runaways
04. Game They Call Love
05. Play It From The Heart
06. Heart Full Of Fire
07. Heard It On My Radio
08. Going Out With A Bang
09. Out Of My Head
10. Chasing The Angels
11. I Am Rock

Stefan