ARRAYAN PATH – Dawn Of Aquarius

Band: Arrayan Path
Album: Dawn Of Aquarius
Spielzeit: 63:38 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Pitchblack Records
Veröffentlichung: 17.11.2017
Homepage: www.facebook.com/arrayanpath

Es stellt sich ein trauriges “Alter was?”-Gefühl ein, wenn man ARRAYAN PATH auf Facebook sucht und feststellen muss, dass diese fantastische Band nicht einmal auf dreitausend Likes kommt. In stiller Hoffnung, dass sich dies mit dem neusten Release der Herren aus Sizilien ändern möge, hier ein paar lobende Worte (kritisierende sind aber auch verdammt schwer zu finden):
1997 gegründet haben ARRAYAN PATH inzwischen drei Alben und zwei Demos veröffentlicht. “Age of Aquarius” kommt mit einer beachtlichen Spielzeit von über einer Stunde, verteilt auf 13 Songs daher, sauber produziert, mit unkonventioneller Hinduthematik und einer Prise Humor – und ist nicht wirklich als Standard-Power-Metal-Album identifizierbar.
Ein leicht progressiver Charakter ist den Songs nicht abzusprechen, offenbart sich jedoch nicht in wilden Taktwechseln und überdominanten Synths, sondern schlicht in der musikalischen Kreativität dieses auf ganz eigene Weise absolut großartigen Werks. Schon der Opener, der nach einem ruhigen Intro direkt mal eine ihresgleichen suchende Strophe auffährt und seinen Höhepunkt im ganz leicht schlageresken Refrain findet, zieht akut in seinen Bann.
Der folgende Track, “The Flower Born Of Itself”, kann diesen Refrain sogar noch überbieten (Ohrwurmgarantie) und punktet zudem mit seiner Rock’n’Roll-Attitüde während der Strophen. Derweil macht sich, so könnte man meinen, das anschließende “Dark Daughter Of The Snake” dezent über DISTURBED lustig.
“The Hundred Names Of Kali Ma” entpuppt sich als das absolute Highlight der Platte. Dieser Refrain, der zum Teil absolut, zum Teil so gar nicht powermetallig erscheint, die tolle Strophenmelodie, der übergänsehautige leicht gesprochen wirkende Gesang im Mittelteil, der unglaublich gekonnt in den überaus dramatischen Endpart übergeht… Was soll’s, hört Euch das selber an, man kann es eh nicht angemessen beschreiben.
Weiter geht’s mit “So It Shall Be Written”, einem verhältnismäßig klassischen Power-Metal-Song, der ebenfalls ins Ohr geht und im Solo fröhlich den letzten Basic-Synth-Sound auspackt, und mit “Dawn Of Aquarius”, dessen Refrain man am liebsten auf Dauerschleife stellen möchte.
Ist zumindest die zweite Hälfte des Albums etwas schwächer? Nein, auch nicht. Alleine der ruhige Anfangspart von “Cremation Ground” mit den hervorragenden Sangeskünsten von Frontmann Nicholas Leptos ist ein Grund, das Album blind zu kaufen, ebenso wie der orientalisch anmutende Chorus. Und auch die übergute Halbballade “Guardian Angel” (Erkennt da am Anfang noch jemand BRITNEYs “Hit Me Baby One More Time” wieder?) sowie das hurtige “The Eleventh Mantra” mit seinem in den Vocals überraschend tief angelegten Chorus und seinem schönen Solopart halten das Niveau des Albums ohne Probleme. Weitere euphorische Ausführungen fehlen nur deshalb, weil sie leider den Rahmen dieser Rezension sprengen würden.

Anspieltipps: “The Hundred Names Of Kali Ma”, “Guardian Angel”, “The Eleventh Mantra”, “The Flower Born Of Itself” – anschließend eigentlich der ganze Rest.

Fazit: Bands wie ARRAYAN PATH braucht der Metal. Die Truppe aus Zypern vereint toll komponierte, unkonventionelle Power-Metal-Melodien mit einer enormen Liebe zum Detail und Können auf spielerischer sowie kompositorischer Ebene. “Dawn Of Aquarius” bietet nicht das, was man erwartet, wenn man nach traditioneller Power-Metal-Kost sucht. Es bietet mehr, ein ungeheuer facettenreiches kleines Gesamtkunstwerk mit sehr eigenem Sound ohne erkennbare Makel, das von vorne bis hinten einfach nur Spaß macht. Gebt dieser Band ein wenig Aufmerksamkeit!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Equilibrium
02. The Flower Born Of Itself
03. Dark Daughter Of The Snake
04. The Hundred Names Of Kali Ma
05. So It Shall Be Written
06. She Who Is Primordial Wisdom
07. Dawn Of Aquarius
08. Cremation Grounds
09. Empress (Reality Of All The Threes)
10. Lotus Eyes
11. The Eleventh Mantra
12. Guardian Angel
13. Garland Of Skulls

Jannis

BLAZON STONE – Down In The Dark

Band: Blazon Stone
Album: Down In The Dark
Spielzeit: 43:35 min.
Stilrichtung: Pirate Metal
Plattenfirma: Stormspell Records
Veröffentlichung: 05.09.2017
Homepage: www.facebook.com/rockarollasmetal

True Somalian Power Metal made in Sweden. Das sind BLAZON STONE, eine der Bands von Cederick Forsberg, der seit einigen Jahren auf respektablem Niveau mit verschiedenen Bands im Underground umherschippert.
Der Bandname erinnert leicht an das sechste RUNNING-WILD-Album, das Artwork erinnert leicht an RUNNING WILD und schon das Intro des vierten Longplayers der Band bestätigt mit seinem redundanten, langsam intensiver werdenden und von einer wunderbaren W*chsgitarrenmelodie getriebenen Art diesen Einfluss. Die Produktion ebenso.
Störend ist das allerdings nicht, denn was BLAZON STONE auf “Down In The Dark” zum Besten geben, ist erstklassiger melodischer Pirate Metal mit einer derartigen Menge an Spielfreude, dass man davon ausgehen muss, dass diese von 90 Prozent aller aktuell veröffentlichenden Bands erbarmunglos geraubt wurde. Bereits “Into Victory”, der erste richtige Song, treibt sich gnadenlos in jeden Gehörgang, versinkt trotz verhältnismäßig viel Dur nicht in lauwarmen Power-Metal-Kitsch-Gewässern und macht, salopp formuliert, nur Bock.
“Hanged Drawn And Quartered” rudert in bangbarem Midtempo daher, inklusive klassischem Metal-Refrain, der zum Mitgrölen einlädt und göttlich in den anschließenden Gitarrenpart überzugehen weiß. Nach dem folgenden “Eagle Warriors” (Och Leute, bitte), bei dem sich Freude einstellt, weil selbst dieser Song als einer der schwächeren noch ordentlich Spaß macht, kommt dann der mit knapp sechs Minuten längete Track des Albums. “Tavern Of The Damned” ist für Metaller unter 30 zum Mitbangen geeignet und punktet vor allem durch seine Melodien. Wenn selbst der Prechorus schon potenzielles Chorus-Material darstellt, kann man eben nicht anders, als auf Kritik praktisch vollständig zu verzichten. Und sonst? “Merciless Pirate King” kommt im Speed-Metal-Gewand daher, ebenfalls äußerst melodiefixiert und mit herrlich schwachsinnigem “Merciless Merciless Pirate King, Öy”-Chorus, “Rock Out!” ist der obligatorische Rock-Huldigungs-Track und “Bloody Inquisition” wirft die Frage auf, seit wann Piratenschiffe mit Nitro ausgestattet sind. Zu guter Letzt gibt es dann mit “Captain Of The Wild” noch eine geschwinde Piratenversion von “Breaking The Law” in Dur. Inklusive promillekompatiblem Refrain. Inklusive geilem Solopart. Wer danach noch schlechte Laune hat, der sollte darüber nachdenken, sich die Kanonenkugel zu geben.

Anspieltipps:
“Into Victory”, “Hanged Drawn And Quartered”, “Tavern Of The Damned” und “Captain Of The Damned”

Fazit:
Zu viele Köche verderben den Brei. Das hinter diesem Sprichwort Wahrheit steckt, beweisen BLAZON STONE, wenn sie als Zwei-Mann-Crew ein Album auf den Markt werfen, das nicht nur gut produziert und mit Talent gespielt ist, sondern in sich so enorm plausibel klingt, wie es “Down In The Dark” nun einmal tut. Jedes Riff, jeder Fill-In, jede kleine Gitarrenspielerei fügt sich wunderbar in das Konzept des jeweiligen Songs ein. Zum Ende des Jahres haben es BLAZON STONE noch eben so mit Leichtigkeit fertig gebracht, sich dank ihres Gespürs für wunderbare Pirate-Metal-Melodien, ihres kompositorischen und spielerischen Talents und ihrer unüberhörbaren Freude an dem, was sie tun, als Pirate-Metal-Band des Jahres zu bewerben. Yo fuckin‘ ho!

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Galleon’s Departure
02. Into Victory
03. Down In The Dark
04. Hanged Drawn And Quartered
05. Eagle Warriors
06. Tavern Of The Damned
07. Merciless Pirate King
08. Watery Graves
09. Rock Out!
10. 1478
11. Bloody Inquisition
12. Captain Of The Wild

Jannis

 

STARBLIND – Never Seen Again

Band: Starblind
Album: Never Seen Again
Spielzeit: 51:50 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Pure Steel Records
Veröffentlichung: 24.11.2017
Homepage: www.starblind.se

Wo ist Eddy? Ein MAIDEN-Album ohne Eddy auf dem Cover? Wo gibt es denn sowas? Ach richtig, das sind nicht MAIDEN, das sind STARBLIND, die im Promotext ihres dritten Longplayers “Never Seen Again” hemmungslos mit der Aussage untertreiben, sie würden sich “nicht allzu fern auf den Spuren von IRON MAIDEN” bewegen.
Klingt das nach wenig innovativer Stil-Kopiererei? Vielleicht. Denn wirklich neu erfinden die fünf Schweden das eiserne Rad nicht. Aber im Ernst, das ist keineswegs verwerflich, denn das, was die Stockholmer Jungs da auf Platte gepresst haben, ist einwandfreier Heavy Metal auf extrem hohem Niveau und braucht sich vor den Alben seiner britischen Vorbilder nicht zu verstecken.
Über zehn klar und druckvoll produzierte Songs liefern STARBLIND ohne nennenswerte Tiefpunkte genau das, was man von einem MAIDEN-Album erwartet. Schon der erste Track kommt mit “Number Of The Beast”-Tempo, melodischen Gitarrenlines, souveränen Soli, und Melodien, in denen sich jeder Metalfan wohlig vertraut und zuhause fühlt, dahergaloppiert. Nebenbei beweist er gleich noch das spielerische wie kompositorische Talent der Band sowie die stimmlichen Qualitäten von Sänger Marcus Sannefjord Olkerud, der sich perfekt in den Klang der Instrumentalfraktion einfügt und nur in höchsten Höhen ab und an mal zum Quietschen tendiert.
Auch sonst lässt “Never Seen Again” keine Wünsche offen. Da ist die emotionale Halbballade “Eternally Bound”, die sehr ruhig beginnt, zwischendurch sehr episch wird und schließlich mit einer Reprise ihres Intros endet (Überraschung). Da ist “Tears Of A Soldier”, das mit einem schönen getragenen Refrain aufwartet und im Solopart das Temo noch einmal anzieht, und da ist natürlich auch der 6/8el-Track “Never Seen Again”, der den rheinländischen Rezensenten zu leichtem Mitschunkeln bewegt und ein tolles Zusammenspiel von Gesangs- und Gitarrenmelodien bietet.
Und klar, auch ein langer Track am Ende darf nicht fehlen, der ebenso vielseitig wie musikalisch überzeugend ausfällt.
Die einzelnen Bestandteile hat man wohl alle so oder ähnlich bereits gehört, aber STARBLIND wissen sie hervorragend anzuwenden. Jedes Mitglied der Band hat den Stil, mit dem man arbeitet, zu einhundert Prozent verinnerlicht und trägt somit zu einem Gesamtkonzept bei, das herrlich schlüssig wirkt und trotz seiner deutlich erkennbaren Einflüsse absolut überzeugen kann. Von den praktisch durchgängig geilen Melodien fangen wir hier gar nicht erst an. “Never Seen Again” ist zweifelsohne eine der besten Möglichkeiten, sich die (vermutlich eher lange) Wartezeit auf die nächsten Ergüsse von Bruce und seinen Kollegen zu verschönern.
Reinhören ist Pflicht!

Anspieltipps:
“Never Seen Again”, “Tears Of A Soldier”, “Eternally Bound”, “The Everlasting Dream Of Flight” und “Demon Rider”

Fazit:
STARBLIND machen Heavy Metal in seiner klassischsten Form und haben mit “Never Seen Again” ein Abum veröffentlicht, das trotz seiner deutlich erkennbaren Einflüsse nicht nur genug Eigenständigkeit aufweist, sondern auch ein durchgehend unterhaltsames und toll umgesetztes Hörerlebnis liefert. Falsch machen kann man mit einem Kauf des Albus wohl nichts. Für Fans von… Ach, Ihr wisst schon.

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. The Everlasting Dream Of Flight
02. The Shadow Out Of Time
03. Pride And Glory
04. Eternall Bound
05. Tears Of A Soldier
06. Never Seen Again
07. Avarice (The Fourth Circle)
08. Demon Rider
09. Insanity And Genius
10. The Last Stand

Jannis

 

SILVER WIND – Legion Of The Exiled

No Remorse records 2017

Band: Silver Wind
Album: Legion Of The Exiled
Spielzeit: 39:02 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: No Remorse Records
Veröffentlichung: 13.11.2017
Homepage: www.facebook.com/pg/silverwind.groupemetal

Jedes Mal, wenn man als Rezensent liest, dass das nächste zu besprechende Album ein Debutalbum sein wird, gerät man in eine Art Wechselbad der Gefühle. Betend, dass man hier als einer der ersten ein Werk rezensiert, das in zwanzig Jahren mal Legendenstatus hat, aber eher davon ausgehend, dass man am Ende des sicherlich interessanten aber wohl eher schwach produzierten und noch nicht wirklich ausgereigt klingenden Machwerks wohl vorschlagen muss, die Band auf Dauer mal im Auge zu behalten, legt man, in diesem Fall, SILVER WINDs “Legion Of The Exiled” auf – und hat über 40 Minuten eine beachtlich gute Zeit.
Gut, Legendenstatus wird das Ding vermutlich auch nicht erreichen. Doch auf ihrem ersten Longplayer hauen SILVER WIND sehr selbstbewusst gar nicht üblen Heavy Metal mit leichter Folk/Pirate- und stärkerer Power-Schlagseite heraus, der nun wirklich nicht schlecht produziert und dazu musikalisch keinesfalls belanglos ist. Die Franzosen sind allerdings nun auch wahrlich keine Anfänger mehr, erschien ihre erste EP doch bereits 2005. Sänger Antoine trifft seine Töne und passt mit seiner leicht rauen Art sehr gut zum Rest der Musik. Auch die anderen Mitglieder der Band machen ihren Job ziemlich gut und beherrschen weit mehr als nur die nötigen Standardskills, die man für ein Heavy-Metal-Album mindestens haben sollte.
Das wird bereits beim RUNNING-WILDigen Opener und Titeltrack deutlich, dessen Strophe leicht an HAMMERFALL erinnert und dessen Chorus partytauglich und spaßig komponiert ist. Einziger Kritikunkt: Wer ist Lee Burty? Falls Ihr “Liberty” sagen wollt – das spricht man so nicht aus.
Mit “Miracle Steel” geht es dann direkt stark weiter, geschwinder Doppelbass, ein Chorus, der klingt wie Power Metal mit leichten Stoner-Anleihen, nur schneller. Dazu ein Mittelteil mit runtergeschraubtem Tempo vor solidem Uptempo-Solo – macht Spaß, wird wohl nicht zum letzten Mal aus des Rezensenten Sperrmülboxen tönen. Während das anschließende “Fight For Glory” auf CD eher unspektakulär nett ausfällt, live dafür aber vermutlich umso stärker, gibt es am folgenden fixen True-Metal-Song “ Steel Against Steel” wieder kaum etwas aussetzen, genauso wie am ebenfalls flotten Folgetrack.
“Revenge” ist schnell und ballert, wie man das von einem Track mit diesem Namen erwartet, legt aber aber auch Wert auf Melodien außerhalb des 08/15-Spektrums (und auf die falsche Aussprache von “Revenge”). Dazu ein kleiner 5/4el-Part im Solo – läuft, macht Laune, und das nicht zu knapp. Damit sind wir auch schon beim vorletzten Track, einem Cover von MEDIEVAL STEEL, das anstelle einer Ballade zwar gemäßigt und miminmal melancholisch daherkommt, aber stets genug Druck macht und ebenfalls überzeugen kann. Und “Sword Of The Snow”? Joah, auch voll im Rahmen, mit ein bisschen zu viel Leerlauf zwischen den einzelnen Textzeilen, dafür aber coolem 5/4el-Chorus. Kann man gut machen.

Anspietipps:
“Revenge”, “”Medieval Steel”, “Legion Of The Exiled”, “Miracle Steel” und “Steel Against Steel”

Fazit:
“Legion Of The Exiled” ist erfreulicherweise ein Album, dem man kaum anmerkt, dass es das Debut der Band ist. Über etwas zu kurze 40 Minuten hinweg gibt es hier für den Freund guten, erdig produzierten Heavy/Power-Metals einen kleinen Leckerbissen, dem man durchaus mal eine Chance geben sollte. Und ja, SILVER WIND sollte man definitiv im Auge behalten.

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Intro
02. Legion Of The Exiled
03. Miracle Steel
04. Fight For Glory
05. Steel Against Steel
06. Lord Of The Last Rampart
07. Revenge
08. Medieval Steel (MEDIEVAL STEEL Cover)
09. Sword Of The Snow

Jannis

 

SOULDRINKER – War is coming

Band: Souldrinker
Album: War is coming
Spielzeit: 43:23 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: El Puerto Records
Veröffentlichung: 03.11.2017
Homepage: www.souldrinker.org

Als Markus Pohl (MYSTIC PROPHECY) und Rockröhre Iris Boanta im Fruhjahr 2013 SOULDRINKER formierten, erschufen sie eine aufregende
Mixtur aus massiven Riffs, drückenden Grooves und der Power-Stimme von Ausnahmesängerin Iris. Eine Dosis PANTERA, eine Prise AMON AMARTH, harter Metal und große Melodien – das sind SOULDRINKER!!!
Nach fast hundert Shows quer durch Europa, nach einer Europa Tour mit SERENITY und VISIONS OF ATLANTIS sowie zwei selbst-veroffentlichten EP’s, die letzte findet ihr hier auch bei uns als Rezi, legt die Band nun nach. Am 03.November 2017 erscheint endlich das lang erwartete erste Album ‚War is
coming‘ über El Puerto-Records/Soulfood Music. Man verspricht uns eine Weiterentwicklung des EP Sounds, da war vor allem ich als alter Iris Boanta Fan sehr gespannt.
Gestartet wird die Scheibe mit dem, schon vorab veröffentlichten, „Let the King bleed“. Krafvolle, tiefer gestimmte Riffs direkt zu Beginn und schon nach kurzem der geniale Gesang von Iris. Dazu der treibende Beat der Rythmusfraktion und ein eingängiger Chorus mehr braucht es nicht um das Fan und Redakteurherz zu erfreuen!
Die Bandhymmne „Souldrinker“, das gesanglich sehr abwechslungsreiche „Promised Land“ und das mit einem Klavier gewürzte „To the Tick“ schließen sich dann qualitativ erstklassig an, hier bekommt man als Fan die volle Dröhnung ab.
Und auch die nächsten Nummern sind definitiv nicht von schlechten Eltern, kommen zwar nicht ganz an die ersten absoluten Überflieger heran, aber „Like Rain“ und auch „Raise the Flag“ ballern richtig fett aus den Boxen und wissen absolut zu gefallen!
Und auch bei den beiden abschließenden Songs „Voices“ und „The Final Stand“ gibt man sich absolut keine Blöße und somit haben wir eine Platte die so gut wie keine Filler beinhaltet und rundherum begeistert und Spaß macht!
Was will das Fanherz denn mehr?

Anspieltipps:

Auf jeden Fall solltet ihr euch „Let the King bleed“, „Souldrinker“, „Promised Land“, „Tot he Tick“ sowie „Raise the Flag“ direkt zu Gemüte führen.

Fazit :

Die EPs deuteten das Potential von SOULDRINKER ja schon an und nun, auf ihrem Debütalbum, kommt es so richtig zur Entfaltung! Ich habe lange kein so starkes Debüt mehr in den Fingern gehabt!
Wer sich einigermaßen für female fronted Heavy Metal interessiert MUSS sich diese Scheibe definitiv zulegen, ohne Wenn und Aber! So und nicht anders müsste eigentlich die Blaupause für modern, female fronted Heavy Metal heutzutage aussehen.
Also nicht rumsitzen, ab zum CD Dealer des Vertrauens und sich die Scheibe gesichert, zack zack.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Let the King bleed
02. Souldrinker
03. Promised Land
04. To the Tick
05. Take my Pain
06. Like Rain
07. Raise the Flag
08. Fire Raiser
09. Voices
10. Final Stand

Julian

NOTURNALL – 9

Band: Noturnall
Album: 9
Spielzeit: 41:37 min
Stilrichtung: Progressive Power Metal
Plattenfirma: Voice Music
Veröffentlichung:
Homepage: www.facebook.com/noturnallband

Ist doch immer schön, wenn zwischendurch mal eine Band rezensiert werden muss, die nicht aus Deutschland, Skandinavien oder den USA kommt. Zum Beispiel NOTURNALL aus Brasilien, genauer gesagt, Sao Paulo. Eigenen Angaben zufolge bekommt man von denen Heavy und Progressive Metal zu hören was so auch weitestgehend unterschrieben werden kann.
“9”, das dritte Album der Jungs, kommt unter dem Deckmantel der Progressivität mit ganz schön vielen Einflüssen daher. Moderner technischer Metal, klassischer Power Metal, Rock, gerne mit unkonventionellem Synth-Einsatz, und in den Soloparts gibt’s auch mal Ausflüge in Richtung Jazz.
Das ist an sich löblich und klingt nach Abwechslung, doch leider meinen NOTURNALL es ein wenig zu gut. Viele der Songs leiden darunter, dass man Kurzweiligkeit und den Prog-Faktor durch etliche verschiedene Ideen, Stilbrüche und Klangspielereien zu erstreiten suchte, letztendlich damit aber nur erreicht hat, dass die Songs in sich nicht ganz schlüssig und ein wenig willkürlich zusammengesetzt erscheinen. Als habe man in der Progressive-Metal-Zutatenkiste gekramt und viele coole Sachen gefunden, die dann irgendwie zusammengesetzt wurden. Ja, die jazzige E-Orgel im Mittelteil von “Hey!” ist cool, die Synths im Solo von “Change” auch interessant, die Roboterstimme am Ende des Solos von “Shadows” nett umgesetzt, genau wie das Klaviersolo auf “What Are You Waiting For”, aber in sich harmonisch ist das ganze nicht wirklich. Zudem lässt “9” die für powerlichen Progressive Metal so unumgänglichen kreativen Melodien doch eher schleifen, arbeitet mit generell recht modern klingenden aber schon häufiger gehörten Melodien und legt darauf dann Texte, die ebenfalls nicht die Klasse größerer Prog-Metal-Bands erreichen können, da sie eher “Wach‘ endlich auf und kämpfe für deine Träume”-Niveau aufweisen.
Das klingt jetzt so, als ließe sich für “9” kein gutes Wort finden. Doch tatsächlich machen NOTURNALL auch Einiges richtig, gerade auf den mittleren Tracks, bei denen man sich anscheinend etwas stärker festgelegt hat, was man da eigentlich machen will. “Moving On” macht Spaß mit seinem 6/8el-Takt-Gesang auf der 4/4tel-Strophe und dem druckvollen Chorus. “Mysterious” ist ein fast lupenreiner Power-Metal-Track, der mit dem zeitweise sehr Sammetig klingenden Sänger in fixem Tempo und mit sehr guter Laune daher-AVANTASIAt. Das anschließende “Hearts As One” ist zwar sehr radiokompatibel und klingt, als sollte es bei einem viralen Gänsehaut verursachenden Werbespot als Soundtrack eingesetzt werden, ist aber auf Guilty-Pleasure-Ebene wirklich gelungen.
Im Endeffekt hinterlässt “9” einen gemischten Eindruck; Mit einigen Songs, die durchweg Hörvergnügen bereiten und einigen, die in der einen Sekunde mit tollen Ideen glänzen, in der nächsten jedoch verwirren.
Ein wenig smarter ausgearbeitete Texte und Melodien, ein bisschen weniger erzwungene Vielseitigkeit, die auf Kosten der Schlüssigkeit des Gesamten geht, ein paar mehr Songs wie 4-6 – das sollte für die Zukunft möglich sein. Und dass NOTURNALL geile Sachen schreiben können, haben sie auf Teilen von “9” bereits unbestreitbar bewiesen.

Anspieltipps: Mit Track vier bis sieben, eigentlich bis acht, seid Ihr gut bedient!

Fazit: Von eher schwachen bis hin zu sehr starken Songs ist auf “9” alles vertreten. Während die erste Hälfte, grob gesagt, eher das Monster Frankensteins in Musikform repräsentiert (Zusammengesetzt aus viel Kram, funktioniert irgendwie), geht die Songqualität auf der zweiten Hälfte steil bergauf. Reinhören lohnt sich allemal und über einen Albumkauf könnte man angesichts des Spaßfaktors einiger Songs durchaus mal nachdenken!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Hey!
02. Change
03. Wake Up!
04. Moving On
05. Mysterious
06. Hearts As One
07. What You Waiting For
08. Shadows
09. Pain

Jannis

ARIDA VORTEX – Wild Beast Show

Band: Arida Vortex
Album: Wild Beast Show
Spielzeit: 53:39 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: IceWarrior Records
Veröffentlichung: 10.06.2017
Homepage: www.facebook.com/ARIDA.VORTEX.BAND

Ein Blick auf das Coverartwork lässt vermuten: ARIDA VORTEX sind so etwas wie Deine Mutter in Bandform, die Dir damals immer gesagt hat, dass Du zu oft am Handy hängst. Doch lassen wir diese 08/15-Gesellschaftskritik mal außer acht, wir wollen uns ja schließlich nicht über gute Bands lustig machen. Von vorne: Die Band existiert bereits seit 1998, hat inzwischen sieben Alben veröffentlicht und kommt aus Moskau. Ihr Name bedeutet meinen traurigen Übersetzungsversuchen nach “Trockener Wirbel” (belehrt mich gerne eines Besseren), geht aber immerhin leicht von der Zunge. Nachdem das an dieser Stelle rezensierte Werk in Russland bereits 2016 erschienen war, entschloss man sich 2017, auch den Rest von Europa mit “Wild Beast Show” zu beehren, mit immerhin stolzen 300 veröffentlichten Exemplaren.
Entgegen der Erwartungen, die angesichts der Selbstbeschreibung der Band als “Moscow’s Melodic Power Metal Band Nr. 1” eher niedrig ausfielen (klingt halt so ein wenig nach lokaler Berühmtheit mit limitiertem Können), haben die fünf Jungs durchaus was auf dem Kasten.
Der kleinste gemeinsame Nenner der zwölf Songs des Albums ist, dass sie allesamt gut produziert sind und ordentlich rocken – korrekter Heavy Metal mit ordentlichen Power-Metal-Anleihen.
Doch tatsächlich sind die meisten davon echt nicht von schlechten Eltern. So ist schon das dudelsacklastige Intro zwar redundant, redundant und redundant, setzt sich aber irgendwie trotzdem fest und erhöht die Vorfreude auf das, was da noch kommen möge. Und tatsächlich: “Ghost Rider”, das erste richtige Lied des Albums, gibt gut Gas, demonsirtiert das Können der Band und des okay aber nicht überragend produzierten Sängers und punktet mit seiner musikalischen GRAVE-DIGGER-Attitüde. “Strangers In Space” klingt vom Namen her nach GAMMA RAY und erfüllt diese Erwartung, gerade im Refrain mit seiner liebevoll eingebrachten Dur-Kadenz. Das anschließende “Tons Of Metal” jagt auf textlicher Ebene zwar Kitschschauer über Rücken von Metallern mit Niveau, macht aber musikalisch so unendlich viel Spaß mit seinem HELLOWEEN-”Asshole”-Spirit, dass man versucht ist, es einfach auf Dauerschleife zu schalten.
Als mit über sechs Minuten Spieldauer längster Track weiß auch “Wild Beast Show” zu begeistern, dessen Vorzüge klar im Intro, Outro, Taktwechsel im Chorus und der bösen Riffarbeit liegen. “The World Is Ours” bringt im Intro leicht folkige Ansätze ins Spiel, die im Refrain sehr gut vom Sänger umgesetzt werden und leicht an DREAMTALE oder STRATOVARIUS erinnern. Das Niveau können auch “I Am The Law” und der im Refrain äußerst massive Bonustrack “Hail To Rock” ohne Probleme halten. Und auch die an dieser Stelle nicht erwähnten Tracks machen Spaß und bieten souverän gespielten und qualitativen, leicht deutsch powermetallisch angehauchten Metal, der auf Festivalcampingplätzen auf keinen Fall für Beschwerden vonseiten der Nachbarn sorgen würde. “Wild Beast Show” mag kein Klassiker werden – aber mit Sicherheit auch in zehn Jahren nicht in Vergessenheit geraten sein.

Anspieltipps:
“Tons Of Metal”, “”Strangers In Space”, “The World Is Ours” und “”Wild Beast Show”

Fazit:
Deutscher Power Metal made in Russia, mit sparsamem Keyboard-Einsatz, ein paar Klischees, beachtlicher Professionalität und großer Spielfreude. “Wild Beast Show” braucht sich hinter bekannteren Bands nicht zu verstecken und sollte eure nächste Metalparty auf jeden Fall bereichern. Und jetzt weg vom Bildschirm und raus an die frische Luft. Hört auf Mama ARIDA.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Escaping From Hell
02. Ghost Rider
03. Dance Of The Walking Dead
04. Strangers In Space
05. Tons Of Metal
06. Higher
07. Raise Your Head
08. Gambler With The Fortune
09. Wild Beast Show
10. The World Is Ours
11. I Am The Law
12. Hail To Rock (Re-Recording 2017, Bonustrack)

Jannis

 

RAGE – Execution Guaranteed

Band: Rage
Album: Execution Guaranteed
Spielzeit: 113:55 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Dr. Bones Lethal Recordings
Veröffentlichung: 30.06.2017
Homepage: www.rage-official.com

RAGE, die dritte. Aufmerksame Leser unserer neuen Reviews dürften bereits informiert sein. Für alle anderen hier nochmal die Kurzform: Die Herren aus Herne haben sich entschieden, ihre drei ersten Alben noch einmal zu veröffentlichen, jeweils mit Bonus-Disc und neuem Mastering durch die aktuelle Gitarrenfachkraft Marcos Rodriguez. Dieser beweist auch auf dem dritten Longplayer „Execution Guaranteed“, dass sich ein zeitgemäßes Mastering und gleichzeitige Beibehaltung des doch eher rohen und unpolierten Sounds des Originals nicht ausschließen und kleidet den RAGE-Klassiker in ein ihm absolut angemessenes Soundkostüm.
Zum Vergleich bietet die Bonus-CD die Originalaufnahme des Albums (und einen über 23 Minuten langen bislang unveröffentlichten Jam), die auch die Authentik-Oldschool-Sound-Anhänger zufrieden stellen dürfte.
Musikalisch hat man im Vergleich zum Vorgänger „Reign Of Fear“ den Härtegrad minimal (also wirklich minimal) zurückgefahren, legt verstärkt Wert auf Melodien. Dennoch ballert „Execution Guaranteed“ mit Schmackes aus den Boxen. Das Ganze astrein auf den Punkt gespielt mit Oberklasse-Soli und einer Menge Abwechslung. Insgesamt klingt das schon ein bisschen mehr nach den aktuellen RAGE, beinhaltet düster-atmosphärisches Material inklusive dezent unterstützendem Keyboardeinsatz („Streetwolf“), erfreulich fix holzende Uptempo-Tracks mit seltsamen Soundeffekten („Deadly Error“), hohe Speed-Metal-Vocals („Hatred“) und sogar einen Instrumental-Track („Grapes Of Wrath“).
Peavy beglückt abermals mit stimmlicher Vielseitigkeit, die Instrumentalfraktion wurde, wie erwähnt, um einige Synths erweitert, die „Execution Guaranteed“ durchaus aufwerten und Gott sei Dank an keiner Stelle für kitschige Versoftung sorgen.
Die Hitdichte des ursprünglich 1987 veröffentlichten Albums ist enorm. „Execution Guaranteed“ sollte eigentlich bei keinem Konzert ungespielt bleiben und auch die restlichen Songs werden wohl gerade bei langjährigen Fans nostalgische Erinnerungen an Nackenschmerzen in den Achtzigern hervorrufen. Jüngere Fans klassischen speedig angehauchten Heavy Metals bekommen hier das geboten, was so viele Bands der aktuellen Retro-Metal-Welle mal mehr, mal weniger erfolgreich praktizieren: guten alten echten Ruhrpott-Metal, der in keiner ernstzunehmenden Plattensammlung fehlen sollte.

Anspieltipps:
„Down By Law“, „Execution Guaranteed“, „Streetwolf“, „When You’re Dead“

Fazit:
Kurz und knapp auf den Punkt: „Execution Guaranteed“ ist das bis dato musikalisch ausgefeilteste Werk der Kollegen um Peavy Wagner. Musikalisch vielseitig, ohne nennenswerte Lückenfüller und dann jetzt auch noch hervorragend remastered. Ohne Frage ein exzellenter Zeitvertreib bis zum nächsten RAGE-Album, das, wie man es von der Truppe gewohnt ist, vermutlich in nicht allzu ferner Zukunft erscheinen dürfte.

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

Disc 1:
01. Down By Law
02. Execution Guaranteed
03. Before The Storm (The Secret Affair)
04. Streetwolf
05. Deadly Energy
06. Hatred
07. Grapes Of Wrath
08. Mental Decay
09. When You’re Dead

Disc 2:
Beinhaltet die Originalaufnahme des Albums sowie den Bonustrack „The Execution Jam“

 

Jannis

 

NECRYTIS – COUNTERSIGhNS

Band: Necrytis
Album: COUNTERSIGhNS
Spielzeit: 46:19 min
Stilrichtung: US Power Metal
Plattenfirma: Pure Steel Publishing
Veröffentlichung: 22.09.2017
Homepage: www.facebook.com/Necrytis

NECRYTIS – ein neuer Name im amerikanischen Heavy/Power Metal. Die Herren um Tony Knapp (ehemals ONWARD, falls das jemandem was sagt) haben Ende September ihr Debut auf die Welt losgelassen, ausgestattet mit einem sehr guten modern anmutenden Artwork. Für das Mastering hat man sich mit Jens Borgren direkt mal einen Vollprofi organisiert, der unter anderem auch für das Mastering von Bands wie HAKEN und DRAGONFORCE verantwortlich war. Für seine Verhältnisse fällt der Sound extrem roh und leider auch etwas halbgar aus, ist jedoch erträglich, wenn er auch nicht wirklich das Potenzial der heutigen Technik ausreizt.
Musikalisch bewegen sich NECRYTIS auf einem angemessenen Standard, liefern jedoch wenig Melodien, die einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen würden. Am ehesten schafft dies wohl noch die Ballade “Dawn’s Aurora”, die mit Unterstützung des NEPHILIM BAROQUE ENSEMBLEs aufgenommen wurde. Sänger Toby Knapp erweist sich dabei als fähiger Fronter, der nicht zuletzt dank der guten Vocal-Produktion ein wenig nach Ozzy klingt.
“Palace Of Agony” punktet mit schöner Riffarbeit und flottem Doppelbass, bevor mit “Nova Meridian” eine etwas gemäßigtere Nummer mit interessant gestalteter Strophe folgt, deren Refrain hervorragend von Lemmy hätte gesungen werden können. Auch “Sentry’s Scream” weiß, gerade aufgrund seines Tempowechsels im Mittelteil und des coolen dissonanten Soloparts, zu überzeugen. Während der Titeltrack “Countersighns” für seine Position eher unspektakulär ausfällt, sorgen “In Ascent” mit seinen sägenden Gitarren und der schönen Melodieführung sowie “My Asylum”, dessen Refrain tüchtig Gas gibt und der Qualität der ansprechend gestalteten Strophen in nichts nachsteht, für gute Laune.
“Praetorian X” und “God As Electric” hingegen – Alter, was ist da denn los? Während die Intros beider Songs (Atmosphärisches Krähengekrächze bei ersterem und ein GHOSTiger Part inklusive Orgel und an Papa E. erinnernden Vocals bei letzterem) durchaus als gelungen bezeichnet werden können, sorgt der Gesang, zumindest beim Rezensenten, für Verwirrung. Er scheint hier in keinster Weise zum Rest der Songs zu passen, ist bei “Praetorian X” dauerhaft schätzungsweise einen Viertelton zu hoch und bei “God As Electric” kaum mit der Instrumentalfraktion im Einklang. Sollte dies tatsächlich beabsichtigt sein, so verfehlt es seine Wirkung komplett und funktioniert diese Songs, die an sich durchaus Potenzial hätten, zu schwer hörbaren Ohrschmerzerzeugern um. Das ist schade, denn viele der restlichen Tracks machen durchaus Spaß und lassen hoffen, dass dieses Manko der Produktion anzurechnen ist und sich auf zukünftigen Veröffentlichungen nicht wiederholt. Insgesamt liefern NECRYTIS auf ihrem ersten Album sehr solide US-Metal-Kost, die leider durch das deutlich unter dem Niveau anderer Jens-Bogren-Produktionen liegende Mastering und die Vocals des eigentlich talentierten Sängers auf einigen Tracks enttäuscht.

Anspieltipps:
“My Asylum”, “Dawn’s Aurora”, “Nova Meridian” und “Sentry’s Scream” – und zum Vergleich “God As Electric”

Fazit:
NECRYTIS sind eine der Bands, bei deren Debut man vorschlagen sollte, sie weiterhin im Auge zu behalten. So ganz ausgereift ist “COUNTERSIGhNS” nicht, beinhaltet viele nette Parts, lässt allerdings in Hinsicht auf Produktion und Vocals (bei einigen Songs) doch noch sehr zu wünschen übrig. Aber was nicht ist, kann ja noch werden (“God As Electric” verzeihe ich ihnen trotzdem nicht).

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Praetorian X
02. Palace Of Agony
03. Nova Meridian
04. Sentry’s Scream
05. God As Electric
06. My Asylum
07. Dawn’s Aurora
08. Daemon Angelus
09. In Ascent
10. Countersighns

Jannis

 

RAGE – Reign Of Fear

Band: Rage
Album: Reign Of Fear
Spielzeit: 106:12 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Dr. Bones Lethal Recordings
Veröffentlichung: 30.06.2017
Homepage: www.rage-official.com

Nachdem der RAGE-interessierte Metaller hier vor einigen Tagen bereits die Rezension zum Re-Release von „Prayers Of Steel“ lesen durfte (damals noch unter dem Bandnamen AVENGER veröffentlicht), folgt nun Album Nr. 2 der Herner. Ebenfalls remastered von Marco Rodriguez, dem aktuellen Gitarristen von RAGE und ebenfalls als Doppel-CD mit massig Bonusmaterial in Form von Pre-Production-Liveaufnahmen und einigen Demosongs.
Der Sound überzeugt, wie schon bei „Prayers Of Steel“, auf voller Länge und schafft ein weiteres Mal den Spagat zwischen authentischem Gerumpel und Geschrammel und druckvoller Klarheit. Das klingt dann natürlich nicht hundertprozentig zeitgemäß, passt aber zu den 1985er RAGE exorbitant gut.
Während so weit alles von der AVENGER-Veröffentlichung recht vertraut anmutet, kann man das von den Songs nur begrenzt behaupten. Dass RAGE zu Anfang ihrer Karriere noch auf musikalischem Selbstfindungskurs waren, wird ab Track 1 deutlich. War das Debutalbum über weite Teile melodischer und leicht klischeehafter Glory-and-Satan-Heavy-Metal, wagt man sich bei „Reign Of Fear“ über die Genregrenzen ein Stück weit hinaus. Vom Midtempo-Banger („Raw Energy“) über gnadenlosen Vollspeed („Echoes Of Evil“) bis hin zum bösen Titeltrack wird dem Hörer eine breite Palette an Facetten geboten. Auch Elemente aus dem Thrash oder frühen Black Metal finden hier Einzug (Keiner kann sagen, dass „Reign Of Fear“ nicht von VENOM und MERCYFUL FATE beeinflusst sei) und werden gekonnt mit dem klassischen Heavy Metal des Vorgängeralbums kombiniert, der natürlich nach wie vor die Grundlage des Longplayers ausmacht. Zur Härte des Albums trägt gerade Peavy seinen Teil bei. Der hat es sich vor Beginn der Aufnahmen scheinbar zur Aufgabe gemacht, aus seiner Stimme das Allerletzte herauszuholen und hat seitdem selten eine solche stimmliche Vielfalt an den Tag gelegt. Roh, aber jederzeit auf den Punkt und Ton getroffen KING-DIAMONDet sich Herr Wagner durch „Reign Of Fear“ und wertet das musikalisch ohnehin schon von Grund auf gelungene Album nochmal ein gutes Stück auf.
Die Bonusdisk dient auch an dieser Stelle wieder als kleines Schmankerl, das wohl vor allem den Fans Freude bereitet, die „Reign Of Fear“ sowieso bereits im Regal haben. High-End-Sound ist das eher nicht, dafür aber ein schönes Relikt aus der Zeit, als RAGE noch keine der größten deutschen Metalbands waren. Und die zwei bislang unveröffentlichten Tracks will man auch nicht von der CD-Player-Kante stoßen.

Anspieltipps:
„Reign Of Fear“, „Raw Energy“, „The Scaffold“ und „Deceiver“

Fazit:
„Reign Of Fear“ ist generell eines der Alben, die man anmacht, nachdem man (das ebenfalls großartige) „Ghosts“ durchgehört hat und sich zur Abwechslung wieder mal ein wenig auf die Fresse wünscht. Abgesehen davon ist es auch eins der Alben von RAGE, die man aufgrund ihrer musikalischen Qualität und Vielseitigkeit ohne Einschränkung empfehlen kann – gerade den Fans der Band, die bislang keinen klareren Einblick in die frühe Schaffensphase der Jungs hatten.

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

Disc 1:
01. Scared To Death
02. Deceiver
03. Reign Of Fear
04. Hand Of Glory
05. Raw Energy
06. Echoes Of Evil
07. Chaste Flesh
08. Suicide
09. Machinery
10. The Scaffold

Disc 2:
01. Echoes Of Evil
02. Scared To Death
03. Raw Energy
04. Suicide
05. Tough Like Leather
06. Hand Of Glory
07. Reign Of Fear
08. Chaste Flesh
09. Stay Wild
10. Mirror
11. The Scaffold
12. Down To The Bone
13. Depraved To Black

Jannis