BEN SOLLBERGER PROJECT Interview

 

Der Schweizer Ben Sollberger hat mit seinem Debütalbum bewiesen, dass er sehr gute Mucke schreiben und auch einspielen kann. Er stand mir für eine Fragestunde zur Verfügung. Ich hatte das Glück Ben recht gut kennengelernt zu haben, durch meinen Review seines Albums entstand ein sehr netter dauerhafter Kontakt der in Stundenlangen Chatverläufen bis spät in die Nacht gehen kann. In all den Stunden Chatten konnte ich feststellen, dass Ben ein bodenständiger netter Typ und Musiker ist der sogar dabei ist ein Buch zum Thema Glücklichsein zu schreiben. Er besitzt einen Doktor-Titel der Psychologie, den er aber aus dem privaten Umfeld fast raus hält außer wir kommen auf ein Thema z. B. über eine Studie, die er im Oktober an der Uni Bern durchgeführt hat. Er ist auch ein sehr netter Gesprächspartner da wir fast im gleichen Alter sind haben wir doch sehr viel Gemeinsamkeiten, wie etwa die Erinnerungen an die 1970er bei mir noch ausgeprägter da ich ein wenig älter bin. Und das vollständige Miterleben der 1980er mit allem was das Jahrzehnt brachte angefangen bei dem Aufstieg der Melodic Heroes DEF LEPPARD, BON JOVI, EUROPE, DOKKEN, VAN HALEN und IRON MAIDEN um nur einige zu nennen, und dem nicht so prickelndem Gau in Tschernobyl 1986. Aber was uns beiden am meisten verbindet ist doch die Liebe zur Rock Musik. Ben ist Mitglied von zwei Bands DISTANT PAST und SKRYLLS als Gitarrist und er spielt mit dem Gedanken, gerade aus seinem Soloprojekt eine Band zu formen. Er verfolgt das politische Geschehen und deren Berichterstattung, genau wie den Umgang mit Corona in den Medien und Politik mit offenen und durchaus kritischen Augen, aber Hauptsache er ist ein sehr sympathischer Zeitgenosse und angenehmer Gesprächs- und Chatpartner. Also wurde es Zeit ihn zu löchern wie einen Schweizer Käse.

BS: Hallo, wie geht’s bei Euch?

RG: Hallo Ben, danke gut stell dich doch bitte mal kurz vor.

BS: Ich bin Ben Sollberger aus Bern, mache seit knapp 30 Jahren Musik. Ich habe in dieser Zeit in verschiedenen Bands gespielt, aktuell bin ich ein Mitglied der beiden Bands SKRYLLS und DISTANT PAST. Mein eigenes Ding das BEN SOLLBERGER PROJEKT hat sich im Laufe der Zeit ergeben, ich denke so vor ca. zwei Jahren hatte ich die Inspiration Songs zu schreiben. Ich habe einfach mal angefangen Zuhause in meinem kleinen Homestudio Songs zu machen und es hat sich dann ergeben, dass im ich Laufe der Zeit genug Songs für ein Album zusammen hatte.

RG: War das ein Plan von dir oder einfach Just For Fun „Ich schau mal, was ich auf die Beine stellen kann?“

BS: Keins von beiden, mit der Zeit wurden es immer mehr Songs. Bei mir ist es so, wie wahrscheinlich bei den meisten Künstlern das ich kreative Phasen habe, dann gibt es auch wieder Phasen in denen ich nicht kreativ bin. Ich mache mir da aber auch keinen Stress dann schreibt man halt in dieser Phase keine Songs, sondern macht etwas anderes. Als ich dann merkte das das Material wirklich gut ist, habe ich mit den Aufnahmen begonnen, und dann war auch Fabrizio Egger von Glowsound Productions sehr wichtig. Er hat die Aufnahmen gemastert und gemischt.

RG: Also ich für meinen Teil kann sagen, dass Fabrizio bei deinem Album einen Top Job gemacht hat, das Ding hat dafür, dass du es Zuhause eingespielt hast einen guten Sound. Ich habe schon Material gehört das unterste Schublade war und die Songs wurden in einem Studio aufgenommen, was mit erheblichen Kosten verbunden waren.

BS: Ja ich sehe es selber auch so, weißt du das spielt eben auch eine Rolle, dass ich menschlich einen guten Draht zu Fabrizio habe, die Chemie stimmt einfach. Es kam bei einzelnen Songs vor, dass er mir drei Mixe geschickt hat bis ich damit zufrieden war. Wir haben uns auch schon öfter persönlich getroffen, ich war bei ihm im Studio oder wir haben uns in Bern zum Essen getroffen. Ich habe mit ihm darüber gesprochen, dass es bestimmt Leute gibt denen er zehn oder zwanzig Mixe anbieten muss, er meinte ja das kann unter Umständen vorkommen. Von daher passt das sehr gut, ich denke wir haben ähnliche Vorstellungen wie sich das Endprodukt im Idealfall anhören soll.

RG: Ehrlich Fabrizio hat einen Sau guten Job gemacht.

BS: Ja ich denke auch das er einen sehr guten Job gemacht hat. Neben Gitarren, Bass den programmierten Drums kommen noch die anderen Midi Sachen wie die Keyboards und Streicher und solche Dinge bei denen ich denke, dass es sich qualitativ auf einem guten Level befindet. Ich habe ein günstiges Mikrofon für die Vocals, dass ich aber durchaus sehr gut finde. Für die Technikcracks zu den Gitarren und Bässen, für die verschiedenen Profile benutze ich einen Kemper Profiler. Es gibt für Gitarren und Bässe auch Plugins, die man im Aufnahmeprogramm nutzen kann, die hören sich fett an und funktionieren sehr gut. besser als das Schlagzeug.

RG: Die Keys, Gitarren und Bässe kommen amtlich aus den Lautsprechern.

BS: Das denke ich auch, aber ich denke auch, dass Fabrizio da eine wichtige Rolle gespielt hat, er meinte zu mir: „Du hast jetzt sieben oder acht Songs, eigentlich könntest du ein ganzes Album daraus machen.“ Zuerst habe ich die Songs auf YouTube hochgeladen und somit weltweit veröffentlicht, ich war auch anfangs sehr zufrieden damit. Da hat er schon auch in gewisser Weise eine Rolle gespielt, dass es zu diesem Album gekommen ist.

RG: Gut, dass Du die Songs veröffentlicht hast, die wären zu schade um in einer Schublade zu verstauben.

BS: Oh danke für die Blumen. Wir beide haben schon öfter darüber diskutiert, ich habe einen Job und das ist auch gut so, aber es ist schön, wenn man selber Freude an dem Produkt hat, wie weit man damit kommt und wie andere Leute darüber denken oder wie viele man damit erreichen kann. Vielleicht wird dieses Einmann-Projekt früher oder später zu einer Band heranwachsen, da sich mit Band mehr Möglichkeiten bieten, vor allem wenn ich an Liveauftritte denke und um mehr Leute zu erreichen.

RG: Eine Band im Rücken kann beim Aufnahmeprozess bestimmt auch von Vorteil sein, wenn jeder einen Gedanken oder Idee „Das könnte so oder so besser klappen“ hat, kann sich damit einbringen, allerdings alleine bist du Dein eigener Herr und mit Band kann es zu Konflikten kommen.

BS: Ja da hast du vollkommen recht, ich bekomme das bei DISTANT PAST und SKRYLLS mit. Es ist dort so, wenn man im Übungsraum einen neuen Song angeht, dass ich dort als Gitarrist meinen Input einbringe. Aber ich denke jetzt bei meinem Projekt, dass es geplant ist, dass ich das zweite Album noch im Alleingang machen werde. Und dass die Band Live Songs des ersten und vielleicht auch des zweiten Albums spielt und hört, wie meine Vorstellung ist. Mir schwebt auch vor, dass wenn wir zusammen im Übungsraum jammen ich den Leuten sage „Bringt auch eure persönliche Note mit ein“.

RG: Was sagen Deine möglichen zukünftigen Bandkollegen über Dein Debüt, oder wie denken sie darüber, dies würde mich interessieren. Das Feedback, welches du bis jetzt erhalten hast ist durch die Bank positiv.

BS: Zum Beispiel der Schlagzeuger mit dem wir in Zukunft vielleicht jammen wollen, er ist auch der Drummer von SKRYLLS, der findet das Debüt super, er kommt auch mit einem Aber, ihm gefällt nicht jeder Song gleich gut. Vielleicht bin ich der einzige Mensch auf der Welt, aber mir gefallen alle Songs (Anm. Balle das wäre schlimm, wenn Dir selber nicht alle gefallen würden), aber ich sage auch aus der Sicht des Künstlers was manchmal das Problem ist: Ich veröffentliche als Künstler nur die Songs die mir extrem gut gefallen. Nicht weil sie meinem persönlichen Geschmack treffen, was auch der Fall ist, sondern aus Sicht des Künstlers.

RG: Stell Dir mal vor du veröffentlichst Songs die dir nicht gefallen, Du musst ja zu 100% hinter den Songs stehen und als Künstler auch zufrieden mit dem Endprodukt sein.

BS: Ja klar, so ist es ja auch. Der andere ist der zweite Gitarrist mit dem ich früher schon in anderen Bands zusammengespielt habe. Der ist cool, als ich ihn letztens getroffen habe meinte er, er habe das Album jetzt mehrmals gehört. Und er kann mir nicht sagen, was er in Bezug auf Arrangements und Instrumentierung anders gemacht hätte. Das finde ich ist ein schönes Kompliment, es zeigt aber auch zwei Meinungen, und dass die Geschmäcker eben verschieden sind.

RG: Ich muss jetzt Deine beiden Kollegen unterstützen, denk mal an das positive Feedback was du bekommen hast. Das Feedback muss Dir als Musiker doch Recht geben, dass du soweit alles richtig gemacht hast?

BS: Ja sicher, natürlich da ist man mit einer Band im Vorteil, da kann man im Übungsraum in die Runde fragen „Was meint ihr, wie denkt ihr darüber?“ Ich habe die Demos meines Debüts verschiedenen Leuten geschickt, um deren Feedback zu erhalten, was man noch optimieren kann.

RG: Ich für meinen Teil sage mal so, außer den Drums und die Refrains die mit fetteren Chören ausgeführt werden könnten und die Drums nicht mit Computer, sondern real fehlt nicht wirklich viel beim Material. Dies ist meine Meinung.

BS: Ja, bei AGE OF DISCLOSURE habe ich die Gitarren zuhause aufgenommen, der Bassist von DISTANT PAST hat die Bässe auch bei sich im Studio eingespielt. Die Gesangsspuren wurden dann auch bei ihm im Studio aufgenommen. Das Schlagzeug wurde bei einem anderen Kollegen aufgenommen, das Material wurde dann zum Mixen nach Deutschland geschickt. Einerseits kann es sich lohnen, die Drums live im Studio einzuspielen, aber dies ist dann für mich wieder mit Aufwand und natürlich auch mit Kosten verbunden.

RG: Das ist sicherlich so, aber das würde Deinem Sound noch eine richtig fette Note verleihen. Der Gesamtsound wäre voller und hätte mehr Dampf.

BS: Ich sage mal so, ich kann es mir ja noch überlegen. Ich weiß genau was Du meinst, wir haben schon über das Thema gechattet. Jeder hat seinen ureigenen Musikgeschmack und hört dadurch auch die Songs und den Sound anders. Ich glaube ich habe die Tendenz Musik relativ Gesamtheitlich zu hören. Ich höre mir einen Song an und überlege mir ist es ein guter Song. Mir ist auch bewusst, sei es bei dem Drum- oder Gitarrensound, jeder hat seine eigene Art wie er das Instrument spielt und es klingen soll. Ich benutze einen Kemper Profiler für den es mittlerweile um die 18000 Soundprofile gibt, die frei und legal abrufbar sind. Ein Kollege meinte als ich mir den Kemper zugelegt habe, so etwas kommt für ihn nicht in Frage. Er meinte dann, dass er Jahre damit verbringen würde den Sound zu testen, um irgendwie etwas Gutes zu finden. Da habe ich einen anderen Ansatz, ich sage mir der Song ist das Wichtige, wenn ich den Grundcharakter des Songs definiert habe weiß ich auch ungefähr, was ich Sound mäßig suche. Mit dem Kemper hast du über das Internet in einer Suchleiste die verschiedenen Profile wie Marshall, Orange, Vox und was das Herz noch begehrt. Innerhalb von ein paar Minuten hast du Profile, mit denen sich die Gitarren anhören wie mit deinem Lieblingsverstärker oder mit dem du meinst, dass sich deine Songs am besten anhören. Bei manchen Songs – nicht bei allen, aber zum Beispiel bei „Beautiful Dream“ – hören sich die Gitarren an, als ob sie aus einem Verstärker kommen würden der in etwa 5000 Euro kostet. Oder der genutzte Amp beim rockigen Zwischenteil von MICHAEL JACKSONS „Black Or White“ kostet ca. 4000 Euro, und da kauft man sich so einen Kemper und hat das Glück, dass sich mal jemand die Muhe gemacht hat, diese Soundprofile zu erstellen und zur Verfügung zu stellen. Und ich kann dann Zuhause das Profil ganz legal abrufen, und ab geht’s.

RG: Wie willst Du da in Bezug Verstärker Live vorgehen? Die Songs hören sich doch Live dann nicht so sagen wir mal Fett an da die dafür nötige Hardware nicht vorhanden ist?

BS: Das ist eine spannende Frage, ich habe darüber schon mit Kollegen gesprochen und ich bin auch der Meinung, das könnte man jetzt vielleicht falsch auffassen, aber ich glaube Live ist der Sound nicht sooo wichtig, oder sagen wir mal, den Gitarren- oder Basssound sollte man als Musiker selbst nicht überbewerten. Wenn du Zuhause ein Album auf einer vernünftigen Anlage hörst und wenn du auf einem Konzert bist, gibt es eine perfekt gemischte Band? Du hast die Leute im Publikum die zum Teil miteinander reden. Nicht falsch verstehen, ich habe coole Amps die ich spiele, aber es war für mich immer klar, dass ich den Kemper niemals als Verstärker benutzen werde, und deshalb von Anfang an nur die Head Unit ohne Verstärker genutzt. So dass mir rein nur die Technologie zur Verfügung steht, damit man Studioaufnahmen machen kann. Ich sehe es von dem Aspekt, dass ich einen Laney Ironheart Verstärker habe, der jetzt nicht gerade teuer, aber trotzdem ein sehr guter Verstärker ist. Oder ich nutze auch noch einen kleinen Randall Diavlo, weil ich ja in zwei Bands spiele und in zwei Übungsräumen Verstärker benötige. Das sind zwei Top Amps und die sind gut genug. Ich habe mir nie lange Gedanken darüber gemacht was ist das Beste. Wenn ich etwas gefunden habe was mir gut genug war, war es auch OK. Für mich ist der Song der Hauptdarsteller somit das zentrale Element des Ganzen.

RG: Wirken die Songs mit entsprechendem teurerem Equipment und somit der Sound nicht ganz anders als mit einem preisgünstigeren?

BS: Ja natürlich, das meine ich auch. Es gibt eine Schwelle oder Level, wenn man diese erreicht hat, dann ist auch für einen selbst der Sound Ok. Es gibt auch Amps die ein Bruchteil eines teuren Gerätes kosten und die haben auch einen sehr guten Sound. Und was auch noch einen weiteren Punkt darstellt ist der des persönlichen Geschmackes. Was ich damit sagen will, ich schreibe die Songs nicht nur sondern spiele die Instrumente selber ein und arrangiere sie, deshalb brauche ich nicht so viel mit Effekten arbeiten. Oder wenn ich da an den zweiten Gitarristen bei DISTANT PAST denke, der ein super Typ und Musiker ist, wenn er im Übungsraum an seinen Effekten herumschraubt, hier und dort noch ein wenig verstellt, und ich habe einfach meinen Amp und der wird einfach benutzt.

RG: Also bist Du eher mit weniger zufrieden und der zweite Gitarrist quetscht das letzte Müh aus den Reglern?

BS: Ja, ich habe dort im Übungsraum einfach meinen Laney Amp mit einem Cleanen Kanal und dann noch einen zweiten verzerrten Lead Kanal wo ich die Lautstärke ca. 3 Dezibel anheben kann. Der zweite Kanal ist für Auftritte, wenn das Solo an der Reihe ist. Zusätzlich habe ich noch einen Hall drin und ein Delaypedal, und der Bandkollege hat eine Rieseneffekttechink und da kommt das von weiter oben zum Ansatz wie der persönliche Anspruch aussieht. Braucht man viel Technik oder kommt man auch mit weniger Technik aus. Ich bin zufrieden mit meinen beiden Kanälen, dem Hall und dem Delaypedal.

RG: Also bist Du eher puristisch veranlagt, kein Hightech Freak?

BS: Genauso ist es. Was ich damit ausdrücken möchte ist, wenn ich meine Ansprüche höher ansetzten würde, hätte ich die elf Songs nicht in eindreiviertel Jahre aufnehmen, zum mastern und mixen geben können, sondern würde die kommenden zwei Jahre noch mit den Songs beschäftigt sein. Wenn ich der Meinung bin der Song ist gut, dann reicht das für mich auch im Normalfall.

RG: Die Songs sind wirklich sehr gut geworden, angefangen beim Einspielen bis zum finalen Mix, die Songs haben ein sagen wir mal so riesiges 80er Feeling.

BS: Danke, das freut mich natürlich zu hören. Ich denke, wir haben auch schon darüber gechattet, wenn man das Album anhört gibt es gewisse Songs die stilistisch einen Kontrast darstellen. Und bei der Reihenfolge hat mir Fabrizio Egger sehr geholfen. Ich denke was die Tracklist betrifft, dass die Reihenfolge der Songs funktioniert. Man könnte mit guten Songs auch eine Tracklist so auswählen, dass das Album als Ganzes nicht mehr so gut funktioniert. Das ist auch so ein Punkt, den man nicht unterschätzen darf.

RG: Mir fällt vermehrt auf, dass auf Alben am Schluss noch mal ein bis zwei richtige Hits rausgehauen werden, meiner Meinung nach war das früher nicht der Fall. Da kamen am Anfang gleich mal ein bis zwei und dann noch so ab Titel fünf bis sechs noch mal zwei Hits und zum Schluss kamen die Songs dran, die nicht ganz mit den Brechern mithalten konnten.

BS: Zum Thema Tracklist, wie denkst Du über meine Tracklist? Wie findest du die Anordnung der Songs? Hättest Du da eine andere Reihenfolge verwendet? Das ist für mich ein spannendes Feedback von Deiner Seite.

RG: Das ist jetzt schlecht zu beantworten, ich finde es vom Gesamtbild, wenn man es komplett durchhört sehr gut geraten. So wie es aufgenommen, gemixt, gemastert, die Reihenfolge der Songs, der Grundstimmung des Sounds und die stilistischen Eigenschaften der Titel ist es in meinen Augen sehr gut geworden. Schon allein der Ohrwurm „I Hate To Say“, das ist einfach ein echter Hit. Der Titel ist zwar düster aber dennoch ein Ohrwurm. Der Song gehört mit zu den stärksten die ich seit langem gehört habe.

BS: Das freut mich. Das ist dann auch immer die Frage, du kennst ja den Hintergrund von dem Song. Aber ich hatte von DEPECHE MODE den Song „Enjoy The Silence“ im Kopf und die Idee, davon eine härtere Version zu machen. Und ich denke auch, dass bei diesem Song der Einfluss von QUEENSRYCHE zu hören ist. Und wenn du die beiden miteinander Vermählst und dann noch das Glück hast wie die Gitarrenmelodie am Anfang des Songs als Einfall zu haben, schon ist der Song fertig. Es ist auch so, wenn du schreiben willst, dir aber nichts wirklich Gutes einfällt, dann hörst du deinen absoluten Lieblingssong an, und nimmst dir da ein kleines Element raus das dir (gerade) gefällt. Das nimmst du dann als Ansatz und modifizierst es nach deiner Vorstellung, so dass niemand mehr hört, was das Original war. Und dann hast du eine gute Basis, auf die man aufbauen kann. Es hört sich zwar so an aber es ist nicht geklaut, sondern einfach als Ansatz genommen und dann modifiziert.

RG: Ich finde, dass du bei dem Song mit Deiner Stimme fast schon eine hypnotisierende Wirkung auf den Hörer hast. War das beabsichtigt von dir oder Zufall, oder siehst du das anders?

BS: Nun, ich habe natürlich schon versucht, mich wie immer beim Einsingen in die Rolle desjenigen hineinzuversetzen, der eine Geschichte erzählt. Dass dies bei diesem Song einen speziellen Effekt bewirkte, kann schon so beurteilt werden.

RG: Ich will mir da jetzt kein Urteil bilden, denn wenn man ehrlich ist, kann man in der Musik das Rad nicht neu erfinden. Ich höre bei „I Hate To Say“ auch noch ein wenig die Stimmung von THE SISTERS OF MERCY und THE HUMAN LEAGUE, wie denkst du darüber?

BS: Ja, es hat auch diesen Beat, wie drücke ich es am besten aus, der Song besitzt einfach die 80er Jahre Gene.

RG: Zu viel 80er?

BS: Für Deinen Geschmack oder wie meinst Du das jetzt?

RG: Ich habe nichts gegen die 80er. Ich meine überhaupt das Gesamtbild des Albums hat doch eine sehr starke 80er Färbung. Da ich dieses Jahrzehnt in vollen Zügen genossen habe, höre ich da starke 80er Vibes raus.

BS: Ich merke es immer wieder, wenn ich von dir einen Link geschickt bekomme, das war eine schöne oder sagen wir geile Zeit. Du bist ziemlich von diesem Jahrzehnt geprägt, genau wie ich auch, da wir ja fast gleich alt sind. Aber ich finde eben auch die 70er richtig geil. Auf den Demos, die ich dir für mein zweites Album geschickt habe, schwingen die 80er mit, aber auch zum Teil die 70er. Ich finde, dass das auch eine ganz coole und geile Zeit war. Ich denke da jetzt an die Hammondorgel Sounds und die zum Teil verschachtelte Songstrukturen.

RG: Da gebe ich dir vollkommen recht, aber die Produktionen von damals klingen auch dem entsprechend ziemlich Retro.

BS: Meinst du jetzt bei mir?

RG: Nein ich meine die Produktionen aus den 70ern. Wenn ich jetzt die Produktion von LED ZEPPLIN oder KISS, SLADE und auch NAZARETH anhöre, stehen Welten von der Klangqualität zwischen den 70er und 80er Jahren.

BS: Ja natürlich.

RG: Wenn ich jetzt mal als Beispiel das Gleichnamige Album von DIRE STRAITS nennen darf, der Song „Sultuns Of Swing“ hat ja wohl einen Bomben Sound bekommen, ganz im Gegensatz zu anderen Produktionen aus dieser Zeit.

BS: Da hast Du zu 100% recht, es gibt große Unterschiede. Die BEATLES sind auch interessant, wenn man sich mal auch die älteren Songs anhört. Da könnte man auch argumentieren die Produktion sei nicht so toll, aber es spielt keine Rolle, weil die Songs derart zeitlos gut sind.

RG: Ja die BEATLES waren einmalig und waren, wenn man genauer hinsieht der Wegbereiter für die ganzen anderen Rockbands, sei es DEEP PURPLE, DEF LEPPARD, URIAH HEEP und die schon weiter oben von mir erwähnten Bands. Zwar haben den Rock eigentlich BILL HALEY und ELVIS ins Rollen gebracht, die Pilzköpfe haben das noch perfektioniert und waren so Wegbereiter für Hard Rock und Heavy Metal in all seinen Variationen.

BS: Wenn wir gerade bei den BEATLES sind: Bei meinem Song „Beautiful Dream“ ab dem zweiten Refrain hört man im Backround „La La La La“ und das finde ich hört sich sehr nach BEATLES an. Ich denke die BEATLES sind eine Band, die auch heute noch irgendwie in viele Sounds hineinfließen, wenn es um Gesänge und Chöre geht.

RG: Ich sage jetzt mal so, die BEATLES werden häufiger im Radio gespielt als alles andere. Ich meine damit LED ZEPPLIN oder BLACK SABBATH und Co.

BS: Die BEATLES sind kommerzieller als LED ZEPPLIN und CO, was ich gerade zum Ausdruck bringen wollte ist, dass die BEATLES mit dem was sie geschaffen haben, was die Leute heute noch im Radio oder auf Tonträger hören können, noch sehr viele Künstler beeinflussen und inspirieren. Aber nicht nur das.

RG: Mir fällt da zum Beispiel von den BEATLES beeinflussten Künstlern der leider nicht mehr lebende TOM PETTY ein. Meiner Meinung nach hat TOM viel von den BEATLES gehabt. Oder auch die Traveling Wilberys, wo kein geringerer als George Harrison ein Mitglied war.

BS: Ja natürlich, ich sag jetzt mal im härteren Sound es ist nicht bei jeder Band so, z. B. KINGS X oder GALACTIC COWBOYS hört man meiner Meinung nach den Einfluss der BEATLES extrem raus. Obwohl sie vom Sound her härter sind, gerade bei den mehrstimmigen Vocallines, da swingen die BEATLES mit.

RG: Aber nun wieder zu dir, was kannst du mit über die Songs des Albums erzählen, welche Geschichte steckt dahinter?

BS:
Titel 01 „Too Hot To Hold“:
Auf die Idee bin ich durch YouTube gekommen, und da findet man so manchen Schatz. Ich habe mir da ein paar ältere Videos von Fußballspielen aus den 60er und 70er Jahren der englischen Cup-Finalspiele angesehen. Und in einem Video sieht man einen sehr harten und platzierten Torschuss und der Torhüter wehrt diesen Schuss ab, fangen war bei dem nicht möglich. Und dann sagt der englische Kommentator trocken „That Was Too Hot To Hold“ und ich habe mir gedacht das ist ein cooler Songtitel. Ich hatte dann die Melodie im Kopf, ich habe dann um die Akkorde den Refrain geschrieben, man braucht natürlich auch eine Geschichte darum. Das ist eine fiktive Geschichte, dass ich schon als Kind ein Draufgänger war und auf nichts Rücksicht genommen habe, habe aber im Leben irgendwann mal festgestellt das ist „Too Hot To Hold“, das Risiko ist zu groß, und hab da gelernt die Dinge vorsichtiger an zu gehen. Das ist die Text-Idee hinter dem Song.

Titel 02 „Whenever There Is Love“:
Hier ist es ähnlich, ich hatte zuerst den Titel „Whenever There Is Love“, und von H.I.M. den Song „You Are The One“ als Refrain im Hinterkopf. Wenn man sich die beiden Songs anhört, kann man eine gewisse Ähnlichkeit feststellen. Und ich würde sagen beim Refrain drücken H.I.M. durch und in den Strophen und Prechorus hört man viel QUEENSRYCHE heraus gerade bei den Gitarren. Der Synthysound den man hier hören kann ist derselbe wie bei „I Hate To Say“, den ich vorher geschrieben habe, ich fand den Synthysound geil und hab den nochmal übernommen. Vom Text geht es um einen Menschen, der die große Liebe sucht aber nicht finden kann. Der Text ist fiktiv aber auch real, wieviel suchen vergeblich die große Liebe, die ich um den Refrain geschrieben habe?

Titel 03 „I Hate To Say“:
Wer beim Text genau hinhört, kann sich vielleicht ausmalen, worum es da ging. Und musikalisch dachte ich an meine Vision des DEPECHE MODE Titels „Enjoy The Silence“.

Titel 04 „Legends Never Really Die“:
Das war definitiv als ich die Nachricht von Eddy Van Halens Tot bekommen habe, was mich emotional ziemlich stark berührt hat. Und daraus ist dann der Song entstanden, hier hatte ich auch wieder zuerst den Refrain im Kopf und habe erst dann die Gitarre genommen und den Rest des Songs darum geschrieben.

Titel 05 „I Couldn’t Care Less“:
Ist wie „Information War“ relativ spät entstanden. Und beide haben sehr viel mit Corona zu tun, was während Corona passiert ist, gerade auch zwischenmenschlich. Ich habe seit dem der Mist so richtig ins Rollen kam mit mehreren Leuten aus meinem Umfeld, die mir eigentlich sehr wichtig sind, keinen Kontakt mehr. Das Gute daran ist, dass es so auch zu keinem Streit kommen kann. Ich bin der Meinung wir brauchen mehr Klarheit, wir leben gerade in einer Zeit in der sich die Ereignisse regelrecht überschlagen, es komisch läuft und irgendwie sehr Vieles unklar ist.

Titel 06 „Information War“:
Thematisch geht es um die Zeit in der wir jetzt leben. Was ich hier noch spannend finde ist musikalisch hat mich BAD COMPANY beeinflusst. Ich hatte da den Song „No Smoke Without A Fire“ im Kopf. Die haben meines Erachtens zwei Grundkategorien von Songs: Die Songs mit einer fröhlichen Stimmung und die mit dramatischer Stimmung, wie „Smoke Without A Fire“, und der Song hat mich inspiriert.

Titel 07 „Lost In Translation“:
Ist in dem Sinn lustig, dass ist der erste Song bei dem ich wieder die Idee hatte ein paar Songs zu schreiben. Ohne Zwänge in welche Richtung es gehen soll, ob nun Metal, Hard Rock oder wie auch immer. Dies war der erste Song, den ich für das Album gemacht habe, und da geht es um eine zwischenmenschliche Begegnung, auch um Fiktion und ein wenig autobiographisch. Es gibt den Film mit dem Titel „Lost In Translation“, in dem sich eine Frau und ein Mann begegnen. Er ist viel älter als sie und es steht von Anfang an fest, dass da nichts daraus werden kann. Beide sind unglücklich verheiratet, ich finde den Film super spannend und mit dem Motiv des Films in dem Song zu spielen. Im Chorus kommt ja „Catch Me If You Can“ vor, was ein weiterer Filmtitel ist.

Titel 08: „Breaking Free“:
Da hat mich LED ZEPPELIN mit dem Song „Heartbreaker“, den ich in einer Disco gehört hatte und vorher nicht kannte, mir aber verdammt gut gefiel, und auch LENNY KRAVITZ beeinflusst. Einige Leute haben mich aber darauf angesprochen, dass Breaking Free nach LIVING COLOUR klingt.

Titel 09 „Beautiful Dream“:
Der Song ist schon 10 Jahre alt, aber es war noch eine andere Phase. Es gab früher noch eine Art Unplugged Version von dem Song. Fast schon poppig und jetzt ist es eine Version geworden, bei der ich sagen könnte, dass man viel VAN HALEN und die BEATLES hört. Vom Text her finde ich es noch witzig, damals vor rund 10 Jahren ging eine Beziehung auseinander und dann habe ich einige mal geträumt, dass ich mit dieser Frau nochmal zusammenkomme, und das war die Inspiration für den Titel. Und was soll ich sagen, wir sind nochmal zusammengekommen, zwar nur kurz aber dieser „Beautiful Dream“ wurde kurz nochmal wahr.

Titel 10 „It’s A Sunny Day“:
Hinter dem Titel steckt, dass als ich eines morgens das Fenster geöffnet habe, habe ich gesehen, dass es ein sonniger Tag ist. Und da habe ich mir gedacht, dass dies ein cooler Songtitel wäre, und dies ist ein Song bei dem ich erst den Refrain geschrieben habe und dann den restlichen fiktiven Text um diesen herum schrieb. Die harmonische Veränderung von den Strophen zum Refrain hin ist von MÖTLEY CRÜE mit „Home Sweet Home“ inspiriert, ich hatte die Idee zu dieser Modulation, die nicht geklaut, sondern modifiziert wurde. Manche behaupten der Übergang zum Refrain ist super, aber keiner stellt fest, dass es von „Home Sweet Home“ inspiriert ist.

Titel 11 „Wish“:
Ist auch wieder ein älterer Song, auch so etwa vor 10 Jahren entstanden. Der Song wurde erst mal richtig für das Projekt AGE OF DISCLOSURE aufgenommen, erst habe ich noch einen Sänger für diesen Song gesucht, dann habe ich selber versucht ihn einzusingen. Und vor ein paar Monaten dachte ich, ich nehme den nochmal für mein Debütalbum auf. Es war schon alles aufgenommen, ich spiele auch schon lange genug Gitarre und auch auf der Bühne. Aber ich schätze es sehr, Zuhause alles einspielen und singen zu können und es so einzuspielen, dass ich damit zufrieden bin. Ich bin ja im eigentlichen kein Sänger, und wenn man dann im Studio eines anderen ist, ist es auch wenn man diesen anderen sehr gut kennt ein wenig komisch. Deshalb bin ich froh, dass ich das selber Zuhause machen kann.
Wir haben ja auch schon darüber gesprochen, man hat dann nicht das Feedback oder das sich einbringen von Bandmitgliedern. Aber ich kann mir meine Aufnahmen ja so oft ich will anhören und beurteilen, ob es passt.

RG: Interessante Fakten, wie manche Dinge im Leben assoziiert werden, und was hinter mancher Idee steckt.

BS: Ja das ist es, und das faszinierende daran ist, dass die Ideen entweder auf der Musik, der Ausdrucksweise, Stimmung, dem Text oder eben auf allen genannten Aspekten basieren.

RG: Du bist dein eigener Herr?

BS: Genau, sicher ist Feedback ob nun positiv oder negativ wichtig, aber so kann ich es so machen wie ich meine, dass es für mich Ok ist. Andererseits hat man mit einer Band so einen gewissen Druck, wenn es gerade überhaupt nicht läuft. Und ich kann einfach Zuhause alles machen, wann ich will und wie ich will.

RG: Es gibt auch die Möglichkeit, auch in einer Band, seinen Part für sich einzuspielen und diesen dann über das Internet mit der Band zu teilen und zu hören, was die anderen Mitglieder dazu zu sagen haben.

BS: Ja sicher kann man das auch. Da hast du vollkommen recht. Meinst du damit Songs, die zum Mischen und mixen gemacht wurden, die dann veröffentlicht werden?

RG: Nein nicht nur, du hast eine Idee die spielst du ein und Bandmitglieder geben ihren Senf dazu.

BS: Das ginge schon, aber weißt du, ich meine jetzt eine Gesangsspur die gut genug ist, dass man diese mischen lässt. Ich bin der Meinung, dass ich hier für mich alleine bin, da kann ich mir alles leisten, selbst die kleinsten Fehler. Und niemand bekommt etwas mit, wie ich einsinge, vollkommen egal. Ich kann so lange einsingen, bis ich damit zufrieden bin. Ich denke gerade an den Gesang, dass ist das persönlichste Instrument von allen. Und vor anderen zu Singen könnte eine hemmende Wirkung haben.

RG: Unter persönliches Instrument würde ich jetzt nicht nur den Gesang meinen, sondern auch den Text noch dazu nehmen, denn mit dem Text verarbeitest du Themen, die dir persönlich am Herzen liegen.

BS: Das ist schon richtig, aber der Text ist kein Instrument. Was ich meine ist, was in das Aufnahmegerät reingeht, das kann die Gitarre, der Bass oder die Stimme sein.

RG: Was sagen deine Familienmitglieder zu deinem Album?

BS Ich war letztens mit meiner Schwester Essen und ihr gefällt das Album auch sehr gut. Da habe ich zu ihr gesagt, ich finde das faszinierend, manche Malen oder machen wie ich Musik, und wenn man einen Punkt gefunden hat, an dem sich fast alles wie von alleine ergibt, ist das eine schöne Sache. Aber es ist auch nicht einfach alles in Worte fassen zu können, aber wenn man mal diesen Punkt gefunden hat, tut man sich leicht mit dem, was man macht.

RG: Was ist, wenn ich jetzt nicht Punkt, sondern Stil behaupte. Stell die mal vor KISS würden Musik machen die sich nach U2 anhört oder anders herum. Das würde doch vorne und hinten nicht zusammenpassen, weil eben jeder seinen Stil hat. Nur so funktionieren diese Künstler und sind erfolgreich.

BS: Um Gottes Willen, bloß nicht. Damit hast du vollkommen recht. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, was du meinst. Ich habe das auf einer Ebene angeschaut die zu dem passt wie du es meinst. Aber es hat auch verschiedene Ebenen, ich sage jetzt mal auf der Ebene der Akkordfolgen. Wie komme ich von einer Strophe in einen Prechorus, und von da in den Chorus, wenn ich erst die Strophe habe. Manchmal frage ich mich, wie bin ich jetzt darauf gekommen bin. Ab und zu habe ich das Gefühl, dass es so sein muss und so funktioniert. Du sagst wahrscheinlich dazu das ist mein Ausdruck als kreatives Wesen oder mein Stil, Talent wie auch immer man das nennen mag, am Ende läuft es auf dasselbe hinaus.

RG: In welcher Stilrichtung fühlst du dich als Musiker, Musikschaffender und natürlich als Hörer am wohlsten, im Heavy Metal, im gemäßigtem Hard Rock oder im Progressive Rock?

BS: Ich würde meinen eher im gemäßigtem Hard Rock, falls du DISTANT PAST kennst das ist traditioneller Heavy Metal und ich bin gerne dort Mitglied der Band. Aber wenn ich meine eigenen Songs mache, bewege ich mich im Hard Rock, der Grund dafür könnte sein, dass meine Wurzeln bei KISS, VAN HALEN etc. liegen, und mein älterer Bruder hat BEATLES, QUEEN, SAGA, U2 und noch viele mehr gehört. Das hat meinen Musikgeschmack sehr geprägt.

RG: Ich denke mal die ganzen Sachen die ich auch gehört habe.

BS: So gesehen fühle ich mich in der Musik, was fast logisch ist, die ich mache Zuhause. Aber DISTANT PAST als Beispiel finde ich cool, dort spielen wir Songs die ich im Moment nicht selber schreiben möchte, aber ich mag die Band und auch die Bandmitglieder sind coole Leute. Demnächst stehen wir mit DISTANT PAST wieder Live auf der Bühne.

RG: Wie findest du die Sache, dass GOTTHARD nach Steve Lees tragischem Tot mit neuem Sänger weitergemacht haben, er war doch schon ein deutliches Aushängeschild der Band? Es ist klar das Leben geht weiter, egal wer oder was stirbt, die Zeit bleibt deshalb nicht stehen, sondern geht weiter.

BS: Das ist so eine Geschichte, Steve Lee ist eigentlich nicht ersetzbar, aber auf der anderen Seite finde ich es super, dass die Band weiter gemacht hat. Ich besitze keine Alben von GOTTHARD, diese Art Hard Rock ist nicht so mein Ding, obwohl er Saugut gemacht ist. Von daher kann ich gut nachvollziehen, dass sie nach diesem tragischen Unfall weiter gemacht haben, und der Erfolg gibt ihnen Recht.

RG: Wie denkst du über meine Aussage, dass Ronnie Romero die bessere Alternative für GOTTHARD als sagen wir mal Nachfolger, denn ersetzen kann Steve niemand, für Steve wäre? Nic Maeder ist kein schlechter Frontmann, aber Ronnie wäre für mich die bessere Wahl.

BS: Das will ich nicht beurteilen, das müssen GOTTHARD selber für sich entscheiden, mit wem sie als Frontmann weiter machen. Aber ich muss sagen, dass Ronnie eine Bomben Stimme hat und ich ihm gerne zuhöre. Ronnie erinnert durch seine Stimmfärbung an zwei große des Rock, zum einen DIO und zum anderen an Steve. Im Hard Rock bis hin zum Melodic Metal ist es grandios, wenn man so eine geniale Stimme wie Ronnie besitzt und als Band so einen Sänger in der Band hat.

RG: Ronnie hat für mich drei Stimmen vereint, DIO, Steve Lee und Johnny Gioeli und diese Stimme weiß er einzusetzen, um überzeugen zu können. Für mich bringt Ronnie alle drei starken Stimmen in einer zusammen.

BS: Wenn wir gerade bei Frontmännern sind, fällt mir da DREAM THEATER ein, ich bin schon lange der Meinung, dass Ray Alder von FATES WARNING die bessere Wahl für DREAM THEATER wäre. Ich habe vor einiger Zeit einen Liveauschnitt von denen gesehen und muss sagen, dass LaBrie stimmlich am Ende ist, oder er hatte einen verdammt schlechten Tag erwischt.

RG: Interessanter schwenk, LaBrie ist kein schlechter Sänger aber nicht wirklich mein Favorit, Ray wäre da schon eher mein Fall. Ich habe von beiden Alben und muss dir recht geben, Ray ist auch für mich der angenehmere Sänger.

BS: FATES WARNING gehen zwar in dieselbe Richtung aber nicht ganz so Progressive wie DREAM THEATER, und meiner Meinung nach würde Ray als Sänger beim Theater deren Sound aufwerten. Wie gefällt dir Ray Alder?

RG: Normal sollte ich dir die Fragen stellen (Grins). Ich finde Ray sehr gut, bin persönlich jetzt nicht der Fan von so hohen Stimmen, obwohl Ray geht. Wenn ich jetzt an YES, REO SPEEDWAGON, RUSH, die BEE GEES oder PETER CETERA denke finde ich die hohen Stimmen sind nicht mein Ding. Es gehen ein bis zwei Songs am Stück, danach brauch ich wieder eine dunklere Stimme. Ich finde Stimmen wie die von Ronnie, DIO, Johnny Gioeli, Steve Lee, aber auch Kenny McGee und vor allem David Kincaid von den BRANDOS und Gary Jeffries vom ASPHALT BALLET Debüt, ALLIGATOR STEW, THE STICHTPIG REVIVAL und Solo, die für mich zu den besten Sängern im Geschäft zählen. Es gibt viele sehr gute Sänger, aber David und Gary gehören mit den ersten drei aufgezählten zu meinen Lieblingen. Um wieder zum Thema FATES WARNING zurückzukommen: Für mich sind die näher an QUEENSRYCHE als an DREAM THEATER dran, nicht so proggy und kompliziert verschachtelt.

BS: Gary kenne ich durch dich und da muss ich dir recht geben, der Mann hat was Besonderes in der Stimme. Diejenigen die ich nicht kenne, muss ich mir mal anhören. QUEENSRYCHE gehen ja auch in eine Progressive Richtung.

RG: Sicher, aber eben nicht so kompliziert wie das Traum Theater.

BS: Da hast du Recht. Ich meine einfach wegen LaBrie und Alder haben eine ähnliche Stimme und ich finde es eigentlich schade, dass Ray nicht beim Theater singt. Das ist mir spontan eingefallen, als du wegen Steve gefragt hast.

RG: LaBrie gefällt mir bei WINTER ROSE, falls du die kennst ein Melodic Hard Rock Band / Projekt aus dem Jahr 1989, besser als bei DREAM THEATER. Wie gefallen dir die beiden Bands BEYOND THE MIRROR und TINDRUM die ich dir empfohlen habe?

BS: Die gefielen mir recht gut, obwohl ich bei TINDRUM mit dem Sänger meine Probleme hatte.

RG: Das wundert mich jetzt, beim zweiten TINDRUM Album steht kein geringerer als Dag Ingebrigtsen hinterm Mikro. Ich helfe dir jetzt mal auf die Sprünge, der gute Dag war mal der Sänger von TNT auf deren Debüt. Und der Drummer von TINDRUM ist kein geringerer als Diesel Dahl von ja auch TNT.

BS: Ach jetzt verarscht du mich aber, ist das wirklich wahr? Das ist wirklich funny.

RG: Das erste Album von TINDRUM wurde noch von der Sängerin Tove eingesungen, das zweite Album und die Best Of wurden dann von Dag gesungen.

BS: Das ist wirklich spannend, was du mir jetzt gesagt hast.

RG: Um nochmal auf dein Album zu kommen, mir viel Mal im Zusammenhang mit deinem Synthysound von „I Hate To Say“ der Filmemacher und Komponist John Carpenter mit seiner selbst geschriebenen Filmmusik zu „Assault On Precinct 13“ und „Die Klapperschlange“ ein.

BS: Wow das ist mir neu, hat bis jetzt noch niemand bemerkt.

RG: Moment, ich spiele dir mal ein paar Noten vor.

BS: Das ist der typische 80s Sound der auf meinem Album sehr präsent ist, bei „Beautiful Dream“ habe ich von VAN HALENs „Jump“ den Synthysound als Vorlage verwendet. Ich habe aber auch noch gegooglet und mit meiner Soundsoftware verschiedene Sounds miteinander kombiniert. Das ist schon erstaunlich, wie schnell man etwas im Internet gefunden hat und wie schnell man in Bezug auf Musik verschiedene Dinge vermischen kann.

RG: Verstehst du nun was ich mit der Ähnlichkeit zu John Carpenter meine?

BS: Ja, weil es sich um einen typischen 80er Jahre Synthysound handelt. Eben genau wie bei „Jump“ und aus derselben Zeit aus Anfang der 80er stammt. Das ist auch irgendwie wieder lustig, wenn man die Sache genauer betrachtet. Beim Synthysound ist es bei mir wie bei der Gitarre mit dem Kemper, ich probiere nicht tausende Einstellungen durch, sondern habe eine Vorstellung von dem was ich suche. Irgendwann findet man mal ein Profil das genau dem entspricht, was man sich selber vorstellt, und schon hat man den Sound, den man unbedingt verwenden möchte.

RG: Oder es erinnert mich auch ein wenig an eine 80er Ikone RUSS BALLARD, der es auch wie kein zweiter verstand starke Songs zu schreiben, und diese mit viel Gitarren und Keyboard oder Synthysounds einzuspielen. Nebenbei hat der gute Mann einige der besten Rocksongs verfasst und eingespielt.

BS: Das sind eben die 80er, die sind nicht spurlos an uns beiden vorbei gegangen. Es war einfach eine tolle Zeit.

RG: Das ist fast ein sehr schönes Schlusswort, es ist jetzt knapp drei Uhr morgens, was steht für dich als Nächstes an, was können wir von dir noch erwarten?

BS: Das Buch demnächst veröffentlichen, dann mein zweites Album und aus dem Soloprojekt vielleicht eine Band formen. Aber wann das oder das sein wird weiß ich noch nicht, das lasse ich auf mich zukommen. Aber das mindeste wäre, dass die Songs für das zweite Album genauso gut werden wie auf meinem Debütalbum.

RG: Besteht auch die Möglichkeit dich mit Band Live auf der Bühne in Deutschland zu sehen, sobald es die Corona Lage erlaubt?

BS: Das ist jetzt ein wenig Zukunftsmusik, wenn wir mal als Band spielen würden, dann zuerst im Raum Bern und dann könnte man mal schauen, wie oder wo man noch Live spielen könnte. Aber im Grunde würde ich jetzt mal sagen warum nicht.

RG: Hast du noch irgendetwas was du den Hörern sagen möchtest?

BS: Ja, ich bin mir bewusst, dass der Musikmarkt extrem mit sehr gutem aber auch sehr viel Mist übersättigt ist, da es so viel Auswahl gibt. Aber ich sage auch für Leute, die sich für härtere Rockmusik interessieren, die meiner Meinung nach auch tanzbar ist: Hört doch mal in mein Album rein!

RG: Ich danke dir für dieses nette Gespräch und wünsche dir viel Erfolg mit dem Debüt, aber auch mit dem kommenden Album und natürlich mit deinem Buch.

 

 

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Balle

KÄRBHOLZ – Viel Herz, viel Verstand und viel Alkohol

An einem sonnigen Tag treffe ich die 4 Jungs von KÄRBHOLZ in bester Plauderlaune an…
Was Familie Holz mit Sänger Torben Höffgen (TH), Gitarrist Adrian Kühn (AK), Bassist Stefan Wirths (SW) und Schlagzeuger Henning Münch (HM) im tollsten Backstage-Bereich aller Zeiten zum aktuellen Album „Herz & Verstand“, zur Tour, zum Heimspiel und vom Spaß an KÄRBHOLZ zu sagen hatten, könnt ihr hier lesen:

Rockgarage (RG): Wie war die Zeit im Studio? Herz und Verstand wirkt viel gefühlvoller und hat mehr Seelenstriptease als die vorherigen Alben. Hat sich das auch so im Studio bemerkbar gemacht?
AK: Hat es. Also, ich habe die Texte geschrieben und tatsächlich ist es sehr autobiographisch. Großes Danke nochmal an die Jungs, dass sie es zulassen und ich mein Seelenleben so preisgebe. Aber du kamst ja auf die Arbeit im Studio.
Es geht ja nicht um das, was ich eigentlich dabei empfunden habe, als ich den Text geschrieben habe, sondern was derjenige, der es hört, daraus macht. So war es eigentlich schon immer und ich glaube, das ist auch eine gute Art und Weise bei Musik. Keinen interessiert, ob es jetzt meine Freundin ist, die da gemeint ist oder ob ich grad kein Geld habe und mir Sorgen mache. Es geht darum, was denkst DU dir denn dabei?
Und das war interessant, grad bei Torben (Höffgen, Sänger Anm.d.Red.). Wir sprechen natürlich darüber „Ey, ist das ein Thema wo du auch Zugang hast zu hast, weil du den Text nicht geschrieben hast?“. Und das ist wichtig, weil Torben derjenige ist, der es singt und es auch transportieren muss.
Im Studio kam dann oft raus, wenn wir über die Texte gesprochen haben, dass er eine ganz andere Idee davon hatte, worum es da geht. Also, ein ganz anderes Gefühl, aber es war ein Gefühl da. Und dann haben wir total viel Zeit darin investiert, dass das rüberkommt. Nämlich so: „Ey Torben, stell dir das mal vor… Ich habe doch das im Kopf und das ist total gut gesungen, aber jetzt mal mit dem Bild im Kopf…“. Und plötzlich geht da die Sonne auf, weil da auch so ein Gefühl rüberkommt.
Ja, und das war viel Zeit, viel Energie, die dieses Mal geflossen ist. Gerade im Gesang auch um diese Stimmung herauszukitzeln.
RG: War das bei euch anderen auch so?
Rest der Truppe. Jaaaaa, auf jeden Fall!!

RG: Frage an Adrian: Schreibst du die Songs immer alleine oder haben die anderen noch ein Mitspracherecht?
HM: Tja, Adrian ist halt einfach der Kreativste, was das angeht. Die Songs selber mit der Musik entwickeln wir zusammen im Proberaum. Wenn es dann irgendwo eine Melodie gibt, dann setzen wir uns zu zweit oder dritt oder auch zu viert zusammen und arbeiten dann die Musik aus.
Aber Texte schreiben darf jeder. Da haben wir nicht, nur der muss und die anderen dürfen nicht. Aber Adrian ist uns da halt immer schnell voraus, der kleine Schlingel.
AK: Aber wir sind da total demokratisch und alles muss mit 100%iger Zustimmung sein. Wenn einer sagt, „Nee, das gefällt mir nicht“, dann ist das raus. Es muss jeder seinen Zugang haben.
TH: Auch wenn man das nicht sieht auf einer Platte, man fühlt es aber extrem. Gerade beim Gesang ist das eine ganz gravierende Sache. Stell dir die Situation vor oder versuch mal in diesen Moment einzutauchen. Man selber merkt es nicht und wenn der Produzent dann sagt: „Ja, das ist alles geil, aber mach doch mal so und so…“ Und in dem Moment hörst du es ganz krasser und es klingt so anders. Das sind für mich wie 2 Welten in dem Moment. Das ist schon… ne… verrückt.
AK: Wir hatten einen Song hier „Ich möchte zurück ans Meer“ und ich nehm dich mit und will zurück…
Und ich fand das voll geil und hatte voll Fernweh. Und der Torben auf einmal so „Ich will nicht ans Meer.“.
Gelächter der Gruppe
TH: Das war so 08/15 (lacht)
HM: Und ich komme gerade aus dem Urlaub…
AK: Das war dann raus.. (lacht)

RG: Nach dem ersten Hören war mein erster Gedanke ‚Joar, is anders‘. Und ich wusste nicht, ob es noch Kärbholz ist, wie ich es kenne. Nach dem zweiten Durchgang war es schon anders und dann war ich Feuer und Flamme. Bei Facebook habe ich gesehen, dass die Resonanz auf das neue Album auch sehr unterschiedlich war. Wie habt ihr das so wahrgenommen?
TH: Ja, genauso. Und das ist auch gut so.
HM: Für uns war das eine logische Weiterentwicklung, der logische nächste Schritt der musikalischen Entwicklung. Wir haben irgendwann tatsächlich auch mal angefangen, an uns zu arbeiten, musikalisch.
TH: Wir könnten ja vielleicht noch besser werden.
HM: Noch besser? (lacht)
RG: Schwer… aber möglich!
HM: Wir haben es aber tatsächlich viel härter als die Vorherigen empfunden und dachten „Boah, das ist mal wieder richtig hart“. Dann kamen dann so Stimmen „Oh, voll weich….“ und so. Und wir alle so „Waaaaas?“
TH: Du hast es ganz gut auf den Punkt gebracht. Es kommt einem so vor, weil es aufgeräumter ist. Textlich ist es ne ganz andere Welt als die Alben davor. Und wir dachten, es ist richtig hart geworden. Aber so unterschiedlich nimmt man es auf.
AK: Aber die Schere ist auch viel weiter auseinandergegangen. Es gab viel mehr Stimmen, die gesagt haben „Ey, da find ich erstmal keinen Zugang zu“ oder „Boah, seid ihr scheiße“. Und ich bin da richtig gut drin, vorm Rechner zu sitzen und richtig wütend zu werden. Aber es gab auch viel mehr Stimmen, die gesagt haben „Ey, wahnsinn“ und uns über alles gelobt haben. Die gesagt haben „Ich finde mich in den Texten wieder“, die richtig emotional waren.
Es gab von beiden Seiten, also von beiden Extremen, viel mehr als vorher. Uns da merkt man, das es sehr viel mehr bewegt. Entweder pisst es dich richtig an und du bist wirklich sauer, wie scheiße wir sind oder du bist richtig glücklich und denkst ‚Boah, das geht mir richtig nah‘. Also, es bewegt irgendwas.
Zustimmendes Nicken und Gemurmel von allen.
TH: Und dass was du vorher gesagt hast, was bei den Alben vorher passiert ist. Nämlich, dass die Leute auch geschrieben haben. Es gab tatsächlich auch welche, die geschrieben haben und es auch online gestellt haben „ Boah, voll weich, voll der Kack“. Und dann kam wirklich so zwei Wochen später ‚bearbeiteter Beitrag‘: „Ich muss meine Meinung ändern, ist doch ganz geil.“ Ist ja auch häufig so, dass du manche Alben erst 2-3mal hören muss. Ging mir beim neuen Rammstein-Album genauso. Beim ersten Mal dachte ich noch ‚Ach du Scheiße, was ist das denn?‘. Beim zweiten Mal fand ich es schon sehr geil und jetzt höre ich es nur noch.
RG: Ja, ging mir beim ersten Durchgang auch so, das habt ihr ja bestimmt im Rock-Garage Review gelesen? Und ihr habt bestimmt die Facebook-Seite abonniert?
Alle ganz hastig: Natürlich (Gelächter)
RG: Und ich habe tatsächlich 9 von 10 Sternen gegeben (und einen Fanpunkt abgezogen, wäre sonst unfair), nachdem ich es mehrfach gehört hatte.
Alle: Kurzer Applaus und Gejohle.

RG: Um nochmal auf „Herz und Verstand“ zurückzukommen. Ihr habt da auch den Song „Falsche Alternativen“, damit zeigt ihr ja schon politisch klare Kante und das ist auch nicht das erste Mal, wenn ich da z.B. an „Timmy, halt‘s Maul“ denke (vom Album „100%“, Anm.d.Red.). Wie wichtig ist Politik für euch persönlich und als Band.
HM: Als Band ist es für eher unwichtig. Aber, und das hat Adrian auf der Tour auch immer wieder deutlich gemacht, es gibt halt einfach Sachen und Zustände, die dann so gravierend sind, dass du dann einfach nicht mehr die Fresse halten kannst. Vordergründig ist Musik für uns wirklich einfach nur ne gute Zeit, Spaß haben, Emotionen und all sowas. Es ist kein politisches Instrument, aber es gibt halt auch einfach manche Sachen, die sind es dann leider wert, angesprochen zu werden bzw. das man darauf aufmerksam macht oder halt darüber spricht. Nicht, dass wir uns mit dem Zeigefinger hinstellen oder oberlehrerhaft sagen „Du, du, du… Wir haben jetzt die Lösung“. Weil, die haben wir nicht. Aber halt einfach auch die Leute anzuregen, mal darüber nachzudenken und mal darüber zu sprechen.
AK: Und das war jetzt auch schon genug politisch. Wenn wir in den Texten politisch werden, dann geht es nicht darum zu sagen „So, DAS ist jetzt die Wahrheit und ihr liegt alle falsch. Macht das so und ihr seid alle richtig“. Das maßen wir uns gar nicht an. Wir sagen höchstens „Ey, nehmt das nicht für bare Münze und nehmt das nicht so kritiklos an. Schwimmt nicht mit den Leuten, die euch Angst machen und euch mit euren Ängsten und Sorgen triggern, um auf deren Karren mitzufahren. Das ist eben genau das, was solche Parteien machen, solche Verbände, die ne ganz klare politische Idee haben, die sie verfolgen, also eine Extreme und die ködern die Leute mit ihren Ängsten. Da ist es auch egal, ob es die Linken oder die Rechten sind, das ist genau die Masche. Wenn du am Ende des Tages in dich gehst und darüber nachdenkst, was dir auf dieser Welt wichtig ist, was für dich selber wichtig ist und du wählst dann die NPD dann bist du in meinen Augen ein Vollidiot. Aber du hast dir wenigstens Gedanken gemacht. Und ich glaube, dass 99 von 100, die sich tatsächlich Gedanken machen, dann nicht auf so einer Karre mitfahren. Und mehr würde ich nicht machen wollen an Politik. Das steht uns auch nicht.
HM: Wenn ich Politik machen wollen würde, würde ich in die Politik gehen. Deshalb bin ich ja in ner Band.

RG: Ihr habt bei „Herz und Verstand“ – wie auch schon bei „Überdosis Leben“ – die Ska- und Reggae-Elemente, die auf Karma noch deutlich zu hören waren, weggelassen. Gehört das auch zu eurer Weiterentwicklung oder gab es andere Gründe? Und wird es nochmal wiederkommen?
AK: Wir sind ja jetzt schon wieder sehr kreativ und wir können jetzt schon nur sagen, dass das nächste Album wieder ganz ganz ganz anders werden wird als „Herz & Verstand“. Und ich glaube auch ganz fest, dass solche Elemente auch wieder kommen werden. Also, 100%, weil die machen Spass zum Spielen.
TH: Aber es hat hier einfach nicht richtig gepasst.
AK: Und wir spielen es ja auch noch live und wir haben extrem viel Spaß, die Sachen auch live zu spielen.
HM: Und es war auch nicht so, dass wir gesagt haben „Oooch nö, damit wollen wir überhaupt nix zu tun haben“. Wir hören es selbst ja auch noch gern.
TH: Wir haben ja auch schon ganz früh angefangen, unsere Hörerschaft zu erziehen. Dahingehend, das wir alles machen können.
AK: Wir haben ja so ein bisschen Country da, so ein bisschen Ska da, ab und zu dann mal ein paar Rock’n’roll Nummern mit nur 3 Akkorden. Metal haben wir auch mal versucht. Und wir habend das von Anfang an gemacht, so dass uns nie einer böse sein konnte, wenn wir was versucht haben. Und jetzt haben wir es halt mal weggelassen – aber nicht böse sein (lacht).
TH: Im nächsten Album ist dann wieder alles offen.

RG: Eure Albumcover passen immer perfekt zu den Alben. Auch dieses Mal wieder, Herz (Hahn) und Verstand (Schlange), die sich gegenseitig umwinden und gegeneinander kämpfen um die Oberhand zu gewinnen. Wer zeichnet sich für die Cover verantwortlich, wer hat die Ideen?
Noch während ich die Frage stelle, zeigen schon alle auf Adrian…
TH: Wir haben da schon echt viel diskutiert über das letzte Albumcover.
AK: So emsig haben wir noch nie über ein Cover diskutiert.
HM: Und über den Titel.
AK: Ja, da kam auf einmal die Blitzidee… „Herz & Verstand“. Dann war einmal „Herztier“ ganz groß im Rennen.
HM: Also, bei 50%
Alle lachen.
AK: Wir beide (zeigt auf Torben und sich) bei „Herztier“ sofort „Ey, das ist voll geil, mega“ und gleich ne WhatsApp an die Jungs geschickt „Wir hatten gerade den Megaeinfall. „Herztier“!
SW: Hömma, du hast das gerade voll aus dem Kontext gerissen.
HM: Also es begab sich noch zu Studiozeiten, Stefan und ich waren schon zuhause, denn wir waren schon fertig und Torben war da gerade in Hamburg mit Adrian im Studio. Und dann kommt diese Nachricht und Stefan und ich so „Wir wissen ganz genau, wie das abgelaufen ist. Die waren fertig und haben sich einen gepitscht und dann „Alter, voll die geile Idee…“ Und wir beide so „Alter, voll kacke.“
Alle lachen.
TH: Naja, wenn du im Studio bist, biste halt in so einem Flow drin, in ner eigenen Welt und da kommen dir die geilsten Dinger. Und wir waren sowas von überzeugt davon (lacht). Nichts geht über diesen Namen. Und auch Eike unseren Produzenten voll mitgerissen, also alle im Studio „Boah, das ist echt voll geil“. Und dann gibt es da die Öffentlichkeit, die gerade so gar nicht im Studioflow ist. Und die kommen dann halt mit „Mhmhmhm, das ist voll Scheiße“. (lacht)
HM: Und wir haben da richtig, richtig diskutiert. Und ich bin echt voll happy und sehr, sehr zufrieden mit dem, was rausgekommen ist.
AK: Aber, wegen der Cover, die zum Inhalt passen. Ich finde es total wichtig. Ich meine, man hat nicht mehr soviel Platz wie bei Vinyl. Und zu Zeiten, wo es noch auf Vinyl war, ist es halt echt ne Kunstform gewesen. Du hast viel Platz auf so einem Plattencover. Und das ist ja auch nochmal ne Ebene drauf. Ein Cover ist ja etwas, was über der Musik steht. Das repräsentiert den Inhalt, aber kann ja auch nochmal eine Geschichte erzählen. Genau wie jetzt, es ist die Versinnbildlichung von Herz und Verstand, also diese zwei Tiere deren Eigenschaften so gut passen zu Herz und Verstand, die mit einander kämpfen. Und das so gut repräsentieren, was der Albumtitel eigentlich bedeutet und aussagt. Und das wiederum hat ja wieder Bezug auf die einzelnen Kapitel und Songs. D.h. du hast dann noch ne dritte Ebene drüber. Und ich finde es ganz spannend, wenn das funktioniert. Es sind ja nicht einfach nur Symbole, die überhaupt nichts zu sagen haben.
HM: Warum Adrian da überhaupt so kreativ ist, er ist gelernter Grafiker. Da hat man natürlich alles aus einer Hand und das ist für uns ein Riesenvorteil.
AK: Aber ich muss zugeben, ich habe das nicht selber gezeichnet. Ich bin da mit 2 Tätowierern ins Gespräch gekommen, weil das überhaupt nicht mein Stil iat. Dieses Mandala, das ist von einer Tätowiererin hier aus Rosbach und mein Freund Patrick, der uns schon ewig tätowiert, der macht so Old-School Sachen. Ja, und dann hab ich die beiden zusammengebracht. Herz und Verstand und Schlange und so weiter und gefragt, ob die da was zeichnen können. Und das war ne total coole Zusammenarbeit. Wir haben da so ein bisschen zusammen gebrainstormt.
HM: Und das wichtigste dabei, es muss tätowierbar sein (lacht). Das ist ganz entscheidend bei uns.
Alle lachen.
HM: Und die tätowieren sich das dann auch alle (lacht). Aber wir ja auch…
(Alle lachen)

RG: Nach „Herz und Verstand“ folgt die „Herbst und Verstand-Tour“, wie schafft ihr das alles? Ihr seid ja nicht hauptberuflich Musiker, ihr habt ja noch eure Jobs nebenher. Wie lässt sich das alles mit Familie und Beruf vereinbaren?
HM: Wir schlafen nicht und koksen viel.
Alle lachen.
HM: Noch lässt sich das alles sehr gut unter einen Hut bringen. Familiär gesehen hat natürlich Torben mit 4 Kids… und Frau und Haus und Hof und Hund. Das Pferd ist leider tot. Aber klar, manchmal ist es natürlich stressig. Ne, nicht stressig, es macht ja Spaß. Es ist fordernd. Aber es lässt sich alles noch vereinbaren.
TH: Es ist alles auch eine Sache der Organisation. Die Termine und Konzerte, das ist ja manchmal ein Jahr im Voraus. Dann weißt du, wann du wo bist. Dementsprechend lege ich mir dann meine Aufträge. Aber klar, wenn du ein Album rausbringst, dann musst du halt echt springen können. Dann kann es sein, dass du eben mal nach Köln musst oder mal kurz nach München, Interviews und sonstige Sachen machen. Dann ist es schonmal etwas stressig, aber irgendwie kriegen wir das bis jetzt alles noch ganz gut gemeistert.
AK: Und es ist ja auch viel Spaß. Sonst würden wir das alles gar nicht machen. Darum geht es ja doch. Und das wir mittlerweile Erfolg haben, bedeutet ja auch noch mehr Spaß. Und dann ist das natürlich eine sehr gute Art und Weise, seine Zeit zu verbringen.

RG: Apropos Spaß, wann wird die Live-DVD von Köln veröffentlicht? (Siehe Konzertbericht Köln, Anm.d.Red.)
TH: Das haben wir jeden Abend erzählt, damit die Stimmung immer perfekt ist. (lacht)
AK: Die Sachen sind schon gemischt, der Schnitt ist zugange. Und wenn alles gut geht, noch vor der Herbst & Verstand-Tour.
RG: Ist die VÖ dann auch wieder als Package mit netten Gimmicks geplant?
AK: Package weiß ich jetzt so gar nicht, aber es wird es auf alle Fälle auch als Vinyl geben.

Die Live-DVD wurde am 27.09. veröffentlicht (Anm.d.Red.)

RG: Nach dem Album ist vor dem Album… Macht ihr euch jetzt schon Gedanken um Album Nummer 11 oder lasst ihr es eher ruhig auf euch zukommen?
AK: Ich hab mir jetzt einen Verstärker für zuhause gekauft und hab da meine Gitarre liegen. Ich habe den vor drei Tagen aufgebaut und seitdem habe ich ungefähr 64 Aufnahmen gemacht.
HM: Die nächsten drei Alben hat er da schon gemacht.
AK: Und als wir hier geprobt haben, haben wir schon überlegt, ob wir nicht mal wieder was neues machen wollen. (lacht).
TH: Alles olle Kamellen. Für uns ist das Album ja auch schon älter, wir kennen das ja schon länger. Schon die letzten zwei Jahre haben wir ja damit zu tun. Durch die Zeit im Studio, das Proben sind das ja für uns olle Kamellen (lacht). Aber endlich können wir es ja mal jemandem zeigen.
RG: Wollt ihr dann auch wieder den 2-Jahres Rhythmus beibehalten? Oder haut ihr es einfach raus, wenn es fertig ist, auch wenn es vielleicht nur ein Jahr Abstand ist?
AK: Wir haben uns da keinen Zeitplan auferlegt. Das Einzige, was wir uns auferlegt haben, ist das wir damit zufrieden sind und sein müssen.
TH: Und wenn es dann 3 Jahre dauert, dann dauert es 3 Jahre. Soll ja vernünftig sein. Aber ich glaube nicht, dass es solange dauert.
HM: Das ist ja auch der Vorteil, dass wir alle nebenbei noch arbeiten und uns dann die Zeit dafür nehmen können. Wir haben den Druck nicht, dass wir sagen, wir müssen jetzt was rausbringen, sonst habe ich morgen kein Brot mehr unter der Butter.

RG: Torben, du sagtest vorhin, dass Rammstein eines der Alben ist, die du als letztes gehört hattest. Wie sieht es denn allgemein mit euren musikalischen Vorbildern aus? Ihr habt ja auch so als Coverband angefangen.
TH: Wir haben alles querbeet gecovert.
AK: Irgendwo musst du ja anfangen, Musik zu machen.
TH: Du hättest mal unsere Version von CRANBERRIES „Zombie“ oder „Warriors oft he World“ hören sollen.
RG: Liegen eure musikalischen Vorbilder eher im Deutschrock oder ist das auch eher Querbeet?
TH: Völlig querbeet.
AK: Ich persönlich höre gar keinen Deutschrock. Wenn du selber Deutschrock machst, musst du dir deine Inspiration nicht von anderen Deutschrock-Kapellen holen. Ich höre eigentlich nur Country und Metal.
AK: Jeder hat so seine eigenen Vorlieben. Wir vier haben auch eine große Schnittmenge was so die Musik angeht. Was, glaube ich auch wichtig ist, sonst würde das gar nicht so gut funktionieren.
Es gibt bei jedem aber auch so echte Extreme. Torben hört auch gerne Schlager.
TH: Ja, zum Feiern kann ich das gut, zum Partymachen brauch ich das.
AK: Ich höre gerne Country, Metal. Auch mal Techno.
TH: Ich steh im Moment total auf Parkway Drive. Das ist total verrück, Schlager und Parkway Drive (lacht).

RG: Wie ist die Idee zum Heimspiel entstanden, welches ja mittlerweile zum 14. Mal stattfindet? Was ist für euch aufregender/entspannter? Eine Tour oder 2 Tage Heimspiel?
(Es gibt Unstimmigkeiten, wann tatsächlich das erste Heimspiel stattfand. Die Jungs haben sich auf „das Heimspiel gibt es schon ewig“ geeinigt).
AK: Das erste Mal haben wir in Ruppichteroth bei einem Sportfest gespielt. In einem ganz kleinen Zelt, da waren so 40 Leute. Sportwoche, „Spiele ohne Grenzen“. Da gab es irgendwie lustige Spiele, wo du dich auf die Fresse legst und ein bisschen betrunken dabei bist. Und dann haben wir da gespielt. Und so hat das angefangen. Und dann haben wir gedacht, das können wir nochmal machen, ist ja unser Heimspiel.
TH: Hieß dann auch gleich Heimspiel.
AK: Ja, und dann ist das zu dem krassen Scheiß geworden, der es jetzt ist.
TH: Jo, ist dann noch ein bisschen weiter gewachsen, das ganze Ding.

RG: Wie finden das die Leute hier so, wenn 2 Tage laute Musik, viele Menschen und viel Krach ist? Gab es schon Probleme?
TH: Ist ein kleines Miniaturwacken geworden (lacht). Aber die ziehen hier echt alle mit im Dorf. Die ersten Jahre hatten wir immer so zwei Stänkerer im Dorf, die sich „über den Scheiß“ aufgeregt haben, aber seit vier Jahren oder so ist alles cool hier
AK: Ja, wir machen das mit dem SV Rosbach zusammen, dem Fußballverein hier und die Leute merken auch, dass das auch was total Gutes für den Ort ist. Man muss einfach sagen, dass die Spielvereinigung hier auch ne Menge Kohle macht, wo es bei den Sportvereinen ja immer dran mangelt. D.h. aber auch, dass die ganze Jugendarbeit hier funktioniert. Die müssen sich keine Gedanken machen, dass es mal keine neuen Trikots gibt, oder so. Das funktioniert hier alles. Die Leute haben ihre Kinder hier im Sportverein. Die merken halt, dass es nicht irgendeine Band aus dem Nachbardorf ist, die hier alles verdrängen und nur Geld machen wollen. Die Leute bringen sich ein, die helfen hier mit. Es bringt was für den örtlichen Verein. Eben auch für die eigenen Kinder und Enkelkinder. Die ganzen Pensionen sind ausgebucht, die Leute profitieren hier davon. Sie lernen sich kennen. Wir haben hier Leute im Dorf, die haben vor drei Jahren noch gedacht „Oh Mensch, die haben ja alle schwarze T-Shirts an. Oh ne, die Kinder“. Und stehen jetzt mittlerweile dabei, trinken ein Bier und freuen sich auf die Metaller, die jedes Jahr hierherkommen. Und die Geschäfte profitieren ja auch davon. Der Bäcker macht extra Kärbholz-Brötchen mit Äxten drauf oder Amerikaner mit Äxten drauf. Der Metzger macht eine Kärbholz-Wurst.
TH: Dann gibt es hier einen Klamottenladen, da steht vorne dran „Kärbholz-Fans, Herzlich Willkommen“ und so was alles. Total cool, die ziehen hier alle mit.
HM: Das hat sich total verselbständigt. Wir haben da auch keinen Einfluss drauf oder nehmen Einfluss, dass machen die Leute von alleine. Wir mussten gestern noch was besorgen und sind an dem Klamottenladen vorbeigefahren und da war dann die große Werbung da drauf. Total mega. Der Supermarkt stellt sein Sortiment um, es gibt dann natürlich mehr Bier, mehr Kohle, mehr Fleisch (lacht). Im ersten Jahr war das noch ein Problem, da war das Bier alle und wir mussten überlegen, wo wir noch Bier herbekommen.
TH: Oder die Apotheke, die hatten im ersten Jahr kein Aspirin mehr, keine Tabletten gegen Durchfall. Die haben selbst die Apotheke ausverkauft (lacht). Herrlich.

RG: Was war euer skurrilstes Erlebnis als Band? (Ich hatte da auf ein paar lustige Geschichten á la „Wir haben Torben mal an der Tanke vergessen“ oder sowas spekuliert, aber irgendwie drehte sich hier alles um Alkohol…)
AK: Bei uns ist jeder Tag skurril.
(alle lachen)
AK: Also, ich habe schonmal einen ganzen Song lang versucht, meine Gitarre aufzuheben. In Meinerzhagen. Ich weiß es noch ganz genau.
TH: Jahahaha, stimmt.
AK: Ich hab da mit der Band vorher Pfeffi getrunken. Und dann ist mir beim Auftritt der Gurt abgegangen und dann lag sie da. In meinem Kopf war ich noch ganz klar, ich wär noch Motocross gefahren. Ich war total fokussiert, mein Körper überhaupt nicht. Und ich habe tatsächlich einen ganzen Song lang versucht, diese Gitarre aufzuheben. Und das war mir sooo peinlich. Das war einer der peinlichsten Momente überhaupt.
RG: Und das ist dir dann nie wieder passiert?
AK: Nenene, nie wieder (lacht). Jeder von uns hatte schonmal so ne Zitronennummer. Du in München, du in Oberhausen. Haha, und du auch in Oberhausen.
(Alle lachen)
AK: Ja, in Meinerzhagen. Da haben wir dann gesagt „Du, da kommen Leute und bezahlen echt Geld um uns zu sehen. Das ist total peinlich.“
HM: Ja, vielleicht 3-4 Pfeffi weniger (lacht).
HM: Naja, und meine Nummer in Oberhausen fanden wir drei ja auch cool. Torben fand es nicht so gut (lacht).
AK: Ja, Torben so „Boah, habt ihr alle ne Macke, oder was?“.
TH: Haha, das weiß ich gar nicht mehr.
HM: Das war eines unserer ersten Konzerte. Und der Veranstalter, das war so eine Sau. Der hat mich abgefüllt mit Jägermeister vorher. Ich war ähnlich wie Adrian, im Kopf noch voll klar. Die Stützen vom Drumhocker haben sich nach oben geschoben und ich bin mitten im Konzert aufgestanden. Und dann ist der Drumhocker umgefallen. Und ich so „WOOOOOOOAH“. Und dann sind wir von der Bühne runter und wir alle so „Ja Mann, geiles Konzert und so“. Und Torben kommt von der Bühne runter „Was? Das war voll scheiße …“.
TH: Oh mann, das hab ich komplett verdrängt.
AK: Und in Oberhausen, das war auch das Konzert, da hat Stefan komplett nur A gespielt. 1 ½ Std. lang nur A gespielt. Und dann sind wir danach rausgegangen und haben Bier getrunken und der Stefan so „Ey, wann spielen wir?“
(alle lachen)
AK: Torben hat seine Nummer in München gehabt, da haben wir uns vorher mit ein paar Fans im Biergarten getroffen, das war voll super.
TH: Hirschgarten war das.
AK: Ja, Hirschgarten (lacht). Wir haben uns richtig den Arsch… Also, voll waren wir. Und Torben am meisten eigentlich. Der hat dann noch mit so einen St. Patrick Luftballon rumgeknutscht. Hat alles gegeben. Und dann auf der Bühne… aber er hat es durchgezogen.
TH: Ja, aber ich weiß nicht ob es gut war. Ich hab mich gefühlt… total beschissen. Und ich wusste gar nicht, was ich da tue. Hab mich gefühlt wie auf dem Präsentierteller und alle denken „Boah, guck mal, der Besoffski“. So kam ich mir da vor (lacht). Ich hab gedacht, lass es ganz schnell vorbei sein, ist gerade ganz schlimm was hier passiert. Das war, glaub ich, der erste Tourtag als es passierte.
AK: Torben ist dann ganz schnell von der Bühne verschwunden und wir alles so „Wo ist Torben denn hin?“ Dann haben wir dann irgendwann backstage gefunden, auf einer Couch. Komplett kaputt (lacht).

RG: Wie ich so rausgehört habe, ist euch Fannähe auch ganz wichtig. Und ihr seid ja anscheinend öfter mit euren Fans am Trinken. Dich (Adrian) habe ich ja vorhin ja auch schon in der Menge gesehen. Und ihr macht ja auch immer den Fassanstich beim Heimspiel. So ohne Fannähe könnt ihr ja auch nicht, oder?
Alle: Nö…
AK: Wir machen die Musik für uns quasi, weil wir Bock drauf haben, aber es sind ja die Fans, die das dann hören. Die Leute, die dann irgendwie so ein Festival ausverkaufen. Das können wir ja auch nur, weil uns die Leute hören. Klar, es gibt nervige Menschen, aber die hast du immer auch im alltäglichen Umgang miteinander. Aber ich verstehe auch manche Bands nicht, die sich dann für was besseres halten. Wir sind nichts besseres, wir machen einfach Musik und das Hören dann viele Leute. Wir schaffen es nicht, zu jedem hinzugehen und die Hand zu schütteln und Danke zu sagen. Dann könnten wir Heimspiel drei Wochen machen (lacht).
Aber, klar, das ist halt auch immer witzig. Es gibt Menschen, die begleiten uns seit Jahren, es gibt auch echt viele Menschen, die kommen zu extrem vielen Konzerten auf der Tour und so. Und ich bin für sowas extrem dankbar. Und ich find es auch einfach lustig. Gestern Abend haben wir auch schon schön uns mit den Fans einen gebechert. Erstmal haben wir den Alkohol ja umsonst (lacht), aber es macht auch extrem viel Spaß.
HM: Ja, und wenn wir das nicht so machen würden, hätte ich viele Freunde weniger. Ich lerne ja auch viele tolle Menschen dadurch kennen. Und das machst du nicht, wenn du in diesem unfassbar geilen Backstage Bereich hier abhängst und dir die ganze Zeit mantramäßig vorhältst, was für ein geiler Typ du bist.

RG: Was ist eigentlich so eure meistgehasste Interviewfrage? Gibt es da eine?
Alle schweigen…
HM: Naja, das ist schwierig. Es gibt Fragen, die sich häufig decken bei einem neuen Album oder einer neuen Tour. Es gibt aber auch immer wieder individuelle Fragen. Es gab mal ein Interview und die Interviewerin war dann so nach dem Motto unterwegs „Ah, ich spreche jetzt hier mit Stars“ und meinte, sie müsste einem dann erstmal einen vor den Latz knallen mit „Ich finde andere Bands ja eigentlich viel geiler und ihr seid ja eigentlich recht doof“ und so was. Ja, das fand ich dann auch komisch. Warum machst du das dann? Das war dann so nach dem Motto „Hi, du bist ein Arschloch. Darf ich dir ein paar Fragen stellen?“ „Nöö, lass mal irgendwie.“ (lacht).
Aber meistgehasste Frage, nö. Da fällt mir keine ein.

RG: Wenn ihr euch selbst interviewen würdet, was würde ihr euch mal für eine Frage stellen? Gibt es da eine Frage, auf die ihr immer schonmal gehofft habt, die aber nie gestellt wurde?
AK: Adrian, wo hast du dieses geile Hemd her? (Alle lachen)
AK: Das kann ich dir beantworten. Ich habe mit unserer großartigen Vorband Mustasch auf der Tour im Brausebrand mit David dem Gitarristen einen Shirttausch veranstaltet.
Aber schön, dass du gefragt hast (lacht). Er hat jetzt mein altes, geliebtes Motörhead T-Shirt und ich habe mein mittlerweile sehr liebgewonnenes Orangen-Shirt.
RG: Ja, das ist auch sehr stylisch (lacht)
AK: Und gut, dass ich das jetzt mal unterbringen konnte.
HM: Sowas kann auch nur Adrian tragen. Bei uns sähe das einfach scheiße aus. (lacht)
RG: Und wie ist das bei euch anderen so?
HM: Hm, naja. So Fragen, die halt einfach immer ausbleiben. Zum Beispiel, „warum seid ihr eigentlich so unfassbar attraktiv“ und sowas.
AK: Du wirst alt, du redest nur noch Schwachsinn.
(Alle lachen)
HM: Gebt mir nicht so eine Gelegenheit, ich ergreife sie (lacht).
AK: Vor unserem Kochstudio haben wir draußen gestanden und hatten natürlich schon 3 Flaschen Wein getrunken mit dem Koch. Und dann kommt er und meint zu mir, „Ich muss jetzt echt aufpassen, dass ich nicht zu läbsch werde“.
HM: Ja, und dann habe ich natürlich in den ersten 5 Minuten schon gleich einen so richtig bescheuerten Spruch rausgehauen, wo ich dann auch so dachte „Mhmmm… Woooow, das hat ja gut geklappt“. (lacht)
AK: Und er hat gehobelt wie ein Weltmeister.
HM: Süßkartoffelhobelmeisterschaft. Wer es nicht gesehen hat, MediaMarkt Kochshow. Wir wussten gar nicht, was uns da erwartet. Aber nach 3 Flaschen Wein war alles okay. Und dann gab es so einen Prominenten-Süßkartoffel-Hobel-Wettbewerb und ich habe uns auf einen stolzen 4. Platz gehobelt.
RG: Von wievielen? Von 4?
HM: Von 5.000 (lacht). Ne, wieviele waren das so? 15 oder?
AK: Ne, das waren schon 67.
HM: Siehste, da war ich mit 5.000 ja ganz nah dran.

RG: Ja, ich bin auch tatsächlich schon am Ende und habe alles, was ich wissen wollte, von euch beantwortet bekommen. Dafür erstmal vielen Dank. Vor allem, nach dem Desaster von gestern Nacht als euch Teile eures Equipments gestohlen wurde. Von daher doppelt und dreifach Danke, dass ihr euch trotzdem noch die Zeit für die Rock Garage genommen habt.
AK: Naja, als wir vorhin am Bierpilz standen und angezapft haben, kam auch einer und fragte, ob wir jetzt so richtig sauer sind. Ich mein, na klar, das ist halt echt scheiße. Aber hier sind 3.000 Fans und die haben halt Bock auf uns. Und ein, zwei oder drei Leute haben Scheiße gebaut, wenn das überhaupt Fans waren. Warum sollen wir uns davon jetzt die Laune verderben lassen? Und dass dann auch noch auf ein beschissenes Konzert übertragen? Das Festival läuft.
TH: Wir haben ja auch noch Gitarren da, können noch spielen.
AK: Ja, scheiße ist halt bei meiner Gitarre, die ist schon 12 oder 15 Jahre alt. Komplett abgehobelt. Aber das ist meine Klampfe. Die wollte ich in 30 Jahren immer noch haben. Die hätte ich nie weggetan. Und jetzt ist die bei irgendeinem Typ und liegt da rum und der weiß die nicht zu schätzen. Er oder sie kann die eh nicht verkaufen. Das Ding ist ein Einzelstück. Das ist keine teure Gitarre, das ist ne Gibson Standard, für 860 Euro. Aber die ist eingespielt. Und derjenige, der sie jetzt hat, hat da keinen Bezug zu und kriegt die für maximal 40 Euro los, weil er die ja sowieso nicht bei eBay reinstellen kann.
HM: Der ideelle Schaden ist halt echt groß. Aber davon lassen wir uns definitiv nicht die Laune verhobeln.
AK: Henning hobelt den Schmerz weg.
(Alle lachen)

RG: Danke für das tolle Schlusswort und die Zeit, die ihr euch genommen habt!

Kärbholzland…

Kärbholz und The Rebel Tell Band

Man beachte Adrians Shirt…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tänski

THE NEW ROSES Interview

Am 19.10. gaben sich The New Roses zusammen mit ihren beiden Supportbands Stinger und The Weight im Hirsch in Nürnberg die Ehre.
Was für ein spaßiger Abend das aber auch war! Gestartet wurde er mit einem Plauderstündchen mit Sänger Timmy Rough, der u.a. über das harte Leben im Rock’n’Roll, sowie den aufregenden Trip zu unseren Truppen nach Afghanistan berichtet.
Auch später bei der Show gaben Timmy, Norman, Hardy und Urban alles. Genau deshalb solltet ihr ihren letzten Deutschland-Auftritt dieses Jahr in Wiesbaden am 17.11. nicht verpassen! Auch ihre letzte Platte „One More For The Road“, welche im August erschien, sei euch wärmstens ans Herz gelegt.
Nun aber erstmal viel Spaß mit dem Interview!

L.C.: Im August kam euer neues Album raus, inwiefern unterscheidet es sich im Entstehungsprozess von den Vorgängern?

Timmy: Grundsätzlich ist es nach demselben Prinzip entstanden: ich habe einfach wieder Songs geschrieben, Ideen festgehalten, habe sie den Jungs gezeigt, wir haben ausgesucht und uns dann mehr mit den Ideen beschäftigt und Songs draus gemacht. Das haben wir bei den anderen Alben auch so gemacht. Was jetzt allerdings anders war, ist, dass wir konstant auf Tour waren mit dem „Dead Man’s Voice“-Album und ich eigentlich bei den Soundchecks oder in den Garderoben an den Songs gearbeitet habe. Deswegen klingt die Platte, finde ich, sehr aus einem Guss, weil sie eben die ganze Zeit on the road entstanden ist durch das ständige unterwegs sein. Das ist auch der Spirit der Platte. Ich habe den Eindruck, dass man hört, dass in dem Album durchgehend Bewegung drin ist, so eine Unruhe. Deswegen haben wir sie dann auch „One More For The Road“ genannt.

L.C.: Und bei den anderen Alben war das anders?

Timmy: Ja, beim ersten Album ist es natürlich so da hat man sein ganzes Leben Zeit. Auf dem ersten Album sind Songs drauf, die habe ich geschrieben da war ich 17, und ich war ja immerhin schon 27 als das Album rauskam. Deswegen war ich das beim zweiten Album dann überhaupt nicht gewöhnt so auf Druck zu schreiben. Da haben wir aber noch nicht viel getourt, weil wir noch eine ganz unbekannte Band waren. Erst durch das zweite Album dann, das „Dead Man’s Voice“-Album, da war dann „Thirsty“ drauf und das ging dann ins Radio und hat uns, sage ich mal, den Einstieg in die Profiliga ermöglicht. Ab dann haben wir nur noch gespielt. Wir sind jetzt nahtlos aus der „Dead Man’s Voice“-Tour in die „One More For The Road“-Tour übergegangen. Deswegen fanden wir auch „One More For The Road“ ganz passend, weil es ging dann so direkt noch einen weiter.

L.C.: Du hast gesagt, du schreibst die Songs, habt ihr eine bestimmte Rollenverteilung innerhalb der Band? Wer macht was?

Timmy: Es wurde nie so richtig kommuniziert, aber es ist so natürlich alles auf seinen Platz gefallen. Urban, unser Drummer, kümmert sich viel um diese ganzen Business-und Vernetzungsfragen mit dem Management und Plattenfirma. Die anderen haben viel hier on the road zu tun. Jeder macht das, was er am besten kann. Aber ich glaube, wenn alle alles machen, gibt es nur Gewusel.

L.C.: Ich hatte gerade schon nach den anderen Alben gefragt. Wenn ihr jetzt so zurückguckt, was hat sich seitdem verändert, habt ihr euch weiterentwickelt bzw. seid ihr anders geworden?

Timmy: Mit Sicherheit. Als wir das erste Album herausgebracht haben, da hatten wir eigentlich so null Ahnung von gar nichts. Wir haben zwar schon lange Musik gemacht, aber wir hatten noch keine eigenen Songs richtig auf die Straße gebracht. Also Urban und ich kennen uns schon ewig, haben eine Coverband zusammen gehabt, in Ami-Clubs für die ganzen Soldaten gespielt, aber wir hatten halt null Ahnung wie es auf Tour aussieht, wie viel Kraft das kostet und wie die Realität im Rock’n’Roll aussieht. Wenn man das nur aus dem Fernsehen kennt und sieht die DVD von seiner Lieblingsband oder irgendeinen coolen Film über Rockstars, dann stellt man sich das alles so unheimlich aufregend und wild vor – das ist es auch, aber es ist halt eine Komponente dabei, die man nicht so oft sieht, von der man nicht so gerne spricht und auch nicht so gerne was hören will. Es ist eine sehr sehr kraftraubende, langwierige Arbeit so eine Band nach vorne zu bringen und die dann auch dort wachsen zu lassen. Das haben wir so nicht gesehen. Jetzt mit diesem Wissen geht man schon anders ran, versucht natürlich auch gewisse Fehler nicht mehr zu machen. Manches wird leichter, weil man nun schon weiß wie es geht. Man schießt sich auch miteinander ein, das ist wirklich wie ein altes Ehepaar. Ich sehe die Jungs hier wesentlich mehr als meine Familie oder vor allem meine Freunde. Wir hängen ja ständig aufeinander, da lernt man auch viel über sich selbst, wie man den anderen auf den Sack geht mit gewissen Eigenschaften. Oder auch wie man mit Sachen, die einem selbst auf den Sack gehen dann umgehen kann um langfristig überhaupt ein Zusammenleben möglich zu machen.
Also ich glaube man entwickelt sich ständig weiter, wenn man das will. Sonst kracht es auch, und ich glaube, dass uns das von vielen Bands unterscheidet. Wir sind nicht die beste Band, die es gibt, obwohl man ja gerade sagt wir wären die neue Hoffnung des Hard Rock und so… ich glaube wir sind einfach eine Band, die länger durchhält als andere. Durch Geldmangel, Stress und zeitliche Probleme – du musst ja auch irgendwie erstmal zu Geld kommen und das verdient man nicht mit der Band. Die kostet erstmal Geld. Die ersten Jahre haben wir nur privates Geld reingesteckt. Ich habe nachts in einer Zeitungsfabrik gearbeitet, Getränke ausgeliefert, im Baumarkt Beton geschleppt und habe jeden Euro dann direkt in die Band gesteckt und nichts für mich behalten. Das muss man erstmal hinkriegen, dann geht man sich irgendwann auf den Sack, weil man ist ständig on the road, hat kein Geld und schläft im Auto, muss sich im Auto umziehen, weil dir keiner eine Garderobe gibt. Wenn du die letzte scheiß Vorband von der Vorband bist, dann interessiert sich überhaupt keiner. Du bekommst nichts zu essen, nichts zu trinken, das ist wirklich krass. Du musst dir das ganz hart erspielen. Jetzt bei einer Tour wie dieser, spielen wir in Läden, wo wir die ganze Zeit Vorgruppe waren und haben jetzt die Garderoben wo immer die Hauptgruppen drin waren, jetzt können wir was essen, Interviews in einem ruhigen Raum führen und nach der Show duschen, das ist schon was Besonderes. Also ich bin da sehr sehr dankbar, dass wir jetzt mittlerweile auf so einem Level sind.

L.C.: Gab es auf dem Weg so Schlüsselerlebnisse wo ihr gesagt habt „So habe ich mir das aber nicht vorgestellt“ ?

Timmy: Solche und solche. Es gab Momente wo man wirklich dachte „Komm‘, wir lassen es“. Wir haben wirklich mehrfach überlegt, ob wir es einfach sein lassen. Das waren Momente wie zum Beispiel, dass man mehrfach mit Businesspartnern in Streit geraten ist, musste sich vertraglich rausklagen mit Anwälten und vor Gericht usw. Das hat viel Geld, Nerven und Freundschaften gekostet. Da wurde Vertrauen gebrochen, das man in jemanden gesetzt hat und das war sehr schlimm. Es gab aber auch Sachen, die einfach nicht funktioniert haben. Du spielst und spielst und spielst und trotzdem will keine Plattenfirma etwas mit dir zu tun haben. Alle sagen „Ihr seid so geil, aber Rock’n’Roll ist tot und wir wissen nicht, was wir damit anfangen sollen“. Wir haben in den letzten Kellerkneipen gespielt, wo der Schimmel von der Decke hing und es waren nur sechs Leute da und du fragst dich wofür du sechs Stunden gefahren bist. Da gab es schon viel Negatives und Strapaziöses.
Aber es gab dann auch immer wieder Momente, die waren jetzt gar nicht so super glorreich, sondern Momente wo einer sagt, er sei acht Stunden gefahren um uns zu sehen, kommt aus Budapest her oder wenn jemand unser Album sehr bewegt hat. Auch der erste Festival-Gig, wo dann wirklich Party war und dann spielst du da vor 1000 Leuten. Oder der „Sons Of Anarchy“-Soundtrack war auch cool für uns.

L.C.: Wie seid ihr da drangekommen?

Timmy: Das hat sich über unser erstes Management ergeben. Das hat Wind davon bekommen, dass da noch ein Song fehlt.

L.C.: Also habt ihr den extra dafür geschrieben?

Timmy: Nein, ich hatte den schon und das Album war auch so gut wie draußen und hieß auch „Without A Trace“, also wie der Song. Ich wusste immer, dass der perfekt für einen Actionfilm wäre und wir haben den denen dann angeboten und das hat ein paar Wochen gedauert. Das war relativ umständlich, aus Amerika wollten die bei Century Fox dann erst wissen was das für ein Lied ist und dann kamen wir aber mit auf den Soundtrack, das hat uns viel gebracht. Und jetzt letztes Jahr der Gig auf dem Hellfest vor 10 000 Leuten, das war auch echt eine geile Aktion, vor allem weil da kurz danach Aerosmith gespielt hat, das war schon wirklich sehr geil. Auch die „One More For The Road“-Tour ist wirklich auch so ein Moment, wo man merkt, es tut sich etwas im Direktvergleich mit der Tour letztes Jahr. Man kann sagen, es entwickelt sich einfach viel. Es sind viel mehr Leute, viel größere Läden. Die Leute sind auch wesentlich euphorischer dabei, die kennen die Songs in- und auswendig. Ich hoffe mal, dass die Negativseiten jetzt weniger werden, als sie am Anfang waren, aber es wartet natürlich immer etwas.

L.C.: Du hast gerade schon gesagt, ihr habt für Truppen gespielt. War das schon vorher oder war das jetzt in Afghanistan das erste Mal?

Timmy: Ja wir waren in Afghanistan. Das war das erste Mal, dass The New Roses für die Bundeswehr gespielt hat. Urban war vor 15 Jahren mit Hardy schon zusammen in einer Band und die haben da auch schon einmal mit der Bundeswehr zu tun gehabt. Was wir aber früher gemacht haben war, dass wir in Wiesbaden, bei uns, wo die U.S. Army ihr Hauptquartier hat, in den umliegenden Clubs und Bars zu spielen, weil da die ganzen Soldaten hingegangen sind und weil das der einzige Ort im ganzen Rhein-Main-Gebiet war, wo man Rock’n’Roll spielen konnte, Country spielen konnte, Lynyrd Skynyrd spielen konnte und solche Sachen. Da habe ich dann auch die Sprache gelernt und viele viele gute Freunde kennengelernt.

L.C.: Wie seid ihr an den Auftritt in Afghanistan gekommen?

Timmy: Wir haben uns einfach angeboten. Wir haben gesagt, wir würden das gerne machen, haben uns mit der Bundeswehr in Verbindung gesetzt und gesagt „Wir sind The New Roses und wir würden gerne die Truppen besuchen und wenn ihr wollt auch gerne spielen.“. Dann sind wir da hingeflogen und haben ein Konzert gespielt. Das war dann so extatisch und intensiv, dass wir dann nochmal verlängert haben um noch eine zweite Show zu spielen. Wir waren insgesamt eine Woche da und hatten eine richtig coole Zeit. Es war sehr aufschlussreich und wir haben jetzt noch mehr Respekt als wir eh schon hatten bevor wir hingefahren sind, weil die Jungs und Mädels da machen schon einen echt krassen, harten Job in unserem Auftrag.

L.C.: Hattet ihr Angst während ihr da wart?

Timmy: Stellenweise schon. Komisch war es die meiste Zeit. Man ist mit einem mulmigen Gefühl hingereist. Den Flughafen dort kann man natürlich nicht vergleichen mit dem Flughafen hier. Da stehen bewaffnete Leute mit Maschinengewehren. Im Bus, mit dem du über das Flugfeld gefahren wirst, müssen die Lichter aus und Vorhänge zu sein, damit man kein erkennbares Ziel darstellt. Das war schon nervenaufreibend. Wenn man sich überlegt, dass die den ganzen Tag über Monate hinweg in diesem Risiko leben und dann auch noch rausfahren aus der Basis, wo ja noch ein verhältnismäßig großes Sicherheitskonzept besteht, muss man sagen, umso mehr Respekt für die Leute dort. Beim Abflug hatte ich dann nochmal richtig Schiss, muss ich sagen, weil wir da lange an dem Flughafen in Mazar-e Scharif warten mussten. Alle sind angespannt, man merkt, dass die Soldaten alle wirklich wachsam sind und die Waffen auf Anschlag haben und das ist man halt nicht gewohnt. Aber es hat sich gelohnt.

L.C.: Wann fällt dann die Anspannung ab? Erst wenn man mit dem Flugzeug über ruhigeren Ländern ist, oder schon vorher?

Timmy: So richtig entspannt war ich erst als wir in Istanbul abgeflogen sind. Wir hatten dort einen Zwischenstopp, sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückreise. Das war gerade zu dem Zeitpunkt als viele Deutsche in Untersuchungshaft genommen wurden und wir waren ja auch noch im Auftrag der Bundeswehr unterwegs. Da haben wir auch nochmal befürchtet Probleme zu bekommen. Als wir dann aber in Istanbul abgehoben sind Richtung Köln, da war ich dann selig.

L.C.: Wart ihr selbst in der Bundeswehr (Wehrdienst geleistet etc.)?

Timmy: Ich weiß gar nicht, wie das bei den anderen aussieht, aber ich wurde damals ausgemustert. Ich hatte damals gesundheitliche Probleme, deswegen hatte ich nicht die Gelegenheit mitzumachen.

L.C.: Ihr seid ja nicht nur in Afghanistan unterwegs, sondern generell viel auf Tour, wie bereitet ihr euch darauf vor?

Timmy: Wir proben. Viel weniger als wir müssten, weil wir eigentlich durchgehend auf Tour sind. Man kann halt im Moment noch nicht sagen, dass wir es so machen, wie man es sich vielleicht denkt, dass wir ein halbes Jahr zu Hause sind und proben, uns vorbereiten, die Ansagen vor dem Spiegel üben und dann auf Tour gehen und das präsentieren. Wir sind wirklich von der „Dead Man’s Voice“-Tour, die Ende Juli endete, in die „One More For The Road“, wo die Platte im August rauskam, übergegangen. Also eine richtige Vorbereitung gab es in dem Sinne nicht.

L.C.: Und die vorherige Tour?

Timmy: Das war unsere erste richtige Tour, da war natürlich alles zu tun. Man musste Equipment aufstocken, denn wenn die Läden größer werden, muss man mehr Zeug mitbringen. Man übt, dann haben wir eine Crew zusammengestellt, an der Show gearbeitet. Obwohl wir arbeiten in der Nachbereitung sehr viel. Wir sprechen nach der Show und da wir so viel spielen entwickeln wir das quasi von Gig zu Gig weiter.

L.C.: Gibt es irgendein Land in dem ihr besonders gerne mal spielen würdet?

Timmy: USA glaube ich. Da haben wir noch nicht gespielt. Ich bin zwar schon öfter da gewesen und habe auch viele Songs für die Alben dort geschrieben, aber wir haben jetzt noch nicht mit den Roses dort gespielt. Das ist auch logistisch gar nicht so einfach wie in Europa. Hier kann man überall hinfahren mit seinem Zeug und in die USA muss man das dann irgendwie verschiffen oder dort mieten. Die Entfernungen sind viel größer. Man glaubt das nicht wie viel größer die sind, man fährt da zwischen den Shows 13-14 Stunden hin und her, das muss man auch mit auf dem Schirm haben. Das muss geplant sein, aber es wird definitiv passieren, wir arbeiten schon an dem Plan. Ob nächstes oder übernächstes Jahr…wir sind dran. Und wenn wir uns was vornehmen, dann machen wir das auch.

L.C.: Wollt ihr eure Fans zu irgendwas inspirieren? Wenn sie zu euren Shows gehen, oder eure Alben hören…

Timmy: Ich weiß nicht, wie die anderen über gewissen Sachen denken und will da auch keinem über den Mund fahren, deswegen sag ich es mal wie ich es sehe. Ich finde unsere Message ist, dass man gut leben kann mit dem was man tut, wenn man das gerne macht. Wenn man daran glaubt und sich den Arsch für aufreißt natürlich. Wie gesagt, uns haben alle gesagt Rock’n‘Roll ist tot, lass‘ das einfach sein, mach‘ auf Deutsch, mach‘ bei „Voice Of Germany“ mit. Das waren immer diese typischen Reden und immer dieselben Gespräche. Wir haben es so gemacht, wie wir es wollten, haben alles selbst gemacht, selbst finanziert und jetzt sind wir hier. Man darf auch ruhig man selbst sein. Wir schminken uns ja nicht oder ziehen uns irgendwelche Verkleidungen an, was ja viele Bands mittlerweile machen. Wir sind einfach eine Rock’n’Roll Band, spielen Rock’n’Roll und fertig. Das ist wer wir sind und wenn man jetzt von einer Message reden kann oder irgendetwas Inspirierendem, dann wäre es: Wenn du eine Idee hast von etwas, das du gerne wärst, dann mach‘ das einfach und lass‘ dir nicht reinreden von irgendwelchen Leuten die sagen, es geht nicht. Seit ich 12 bin will ich das machen und bis vor kurzem hat jeder gesagt, dass das nichts bringt. Man darf sich nicht vor Kritik verschließen, man muss zuhören und für sich selbst entscheiden was stimmt und was Quatsch ist. Ich sage das jedem: Du willst eine Weltreise machen? Dann mach‘ es jetzt!

L.C.: Du hast „The Voice“ angesprochen, wäre das eine Option gewesen?

Timmy: Nein, das war noch nie eine Option für mich. Allein der Name hat mich schon immer total abgestoßen. Ich bin doch nicht einfach nur eine Stimme ohne Gesicht, ohne Nachricht, ohne Charakter! Ich bin doch nicht einfach „The Voice Of Irgendwas“, ich bin ich! Ich habe eine Message, ich habe Songs, ich bin, sage ich mal, ein Gesamtkunstwerk. Meine Songs, meine Alben, alles zusammen ergibt ja erstmal meinen Charakter. Und ich habe eine Band bzw. bin Teil einer Band. Die müsste man ja dann einfach da stehen lassen und das gehört auch nicht in meine Idee, zumindest nicht, wenn es mir jemand befiehlt. Dieser ganze Hocus Pocus da, das hat doch mit Musik nichts zu tun! Das ist einfach Quatsch. Und der alltägliche Konsument, der hockt sich doch jetzt auch nicht hin und sucht im Internet oder Plattenläden richtig geile Singer und Songwriter. Der schaltet den Fernseher an und sucht sich aus den fünf mittelmäßig guten Sängern, den raus, den er am schönsten findet. Der stellt das gar nicht in Frage, ob es da noch mehr gibt oder stellt das in Relation zum Rest der Musikwelt. Und wenn du dann noch diese Juroren siehst, das sind alles nette Kerle privat, ich möchte da keinem zu nahe treten, aber die machen sich da ja auch zum Affen im Fernsehen. Die profilieren sich nur selbst und machen Werbung für ihr neues Album. Das hat für mich mit dem Sprit vom Musik machen – also ich schreibe meine Gefühle auf und singe die – nichts zu tun.

L.C.: Gibt es ein bestimmten Gefühl, das du in einem Song verarbeitet hast, also hast du mal ein Beispiel?

Timmy: Alles, klar! „One More For The Road“, der Titelsong vom neuen Album, ist ein Song über das ständige unterwegs sein und diese Zerrissenheit zwischen „Ich finde es voll geil und will gar nicht mehr nach Hause“ und „ Ich muss unbedingt nach Hause, weil ich hier durchdrehe“. „My Own Worst Enemy“ auf dem neuen Album ist ein Song über ebendieses Zerrüttete, in dem man eigentlich innerlich rebellisch ist, bewegt sich aber automatisch in eigengebaute kleine Grenzen und Gefängnisse hinein indem man Beziehungen führt, Verträge unterschreibt, oder sonst irgendwas macht. Da ist man auch ständig hin-und hergerissen und deswegen geht „My Own Worst Enemy“ darüber, dass die eigenen Entscheidungen immer Konsequenzen haben und man damit klar kommen muss. Jedes Gut bringt immer ein Übel mit sich, man bekommt nichts umsonst, man muss immer etwas eintauschen. Auf dem ersten Album, „Without A Trace“, der Titelsong, ist ein Song über einen Soldatenfreund vom U.S. Militär. Der war in Afghanistan stationiert und als es da richtig rund ging, war ich sehr besorgt und habe ihm den Song geschrieben und geschenkt. Erst später – ich wollte den nie veröffentlichen – als die Band gesagt hat, das ist ein Hammer Song, habe ich meinen Kumpel um Erlaubnis gefragt, ob ich den Song benutzen darf. Ich schreibe nicht über pinke Einhörner oder irgendwelche Wikingergeschichten, wie das in manchen Sparten so üblich ist, sondern ich mache mir Gedanken über mein Leben oder Sachen, die ich sehe und schreibe das auf. Eigentlich hat jeder Song mit Sachen zu tun, die man erlebt, weil ich vom Songwriting her eigentlich eher aus der Countrymusik komme. Dieses Storytelling steht bei mir ganz oben, deswegen schreibe ich auch ganz wenig über Party, Women, Whisky and Wine, also diese typischen Rockthemen.

L.C.: …und mit „Life Ain’t Easy“ habt ihr ja einen Song geliefert, der eine Hymne für ungefähr jeden „Boy With Long Hair“ ist.

Timmy: Das ist ein Song über meine Schulzeit. Damals hatte ich aber, muss ich gestehen, nicht wirklich lange Haare, sondern Haare wie Elvis bis ich 15 oder 16 war und hatte auch immer den Kragen hoch gestellt. Als ich in die Grundschule kam, da hatte ich das auch schon so und da kamen gerade die Backstreet Boys raus. Dann ist da jeder so rumgelaufen mit Mittelscheitel und blond gefärbten Haaren. Dieses Milchbubi-Ding war voll in. Mit meiner Elvis-Frisur habe ich da jeden Tag auf die Fresse gekriegt. Aber ich fand das irgendwie cool und habe das weiter durchgezogen. Als ich dann meine erste Band gegründet habe, haben sich auch alle gefragt, ob ich noch ganz sauber bin, weil ich am Wochenende immer weg war. Ich war nie mit auf diesen ganzen Parties wo dann alle hingegangen sind. Ich stand im Proberaum und hatte einfach meinen eigenen Lebensrhythmus. Ich habe natürlich viel gefeiert, aber nicht auf irgendeiner Abi-Party oder sonst irgendwas. Und als dann alle studiert haben, habe ich auch Rock’n’Roll gemacht. Ich habe zwar auch Musik studiert, aber ich war nie auf irgendwelchen Studentenparties. Das was andere gemacht haben, habe ich grundsätzlich nie mitgemacht. Nicht weil ich cooler bin als die anderen, sondern weil ich einfach meinen eigenen Groove hatte. Ich habe immer live gespielt und habe mein Leben da drum gebaut und wurde dafür erstmal ausgelacht. Ich denke, „Life Ain’t Easy“ ist deswegen unser erfolgreichster Song, weil sich viele damit identifizieren können. Es ist nicht nur ein Lied für „Boys With Long Hair“, sondern für alle, die merken „es passt alles nicht so zu mir“ …einfach stumpf ein bestimmtes Smartphone zu holen, weil es alle haben, einfach etwas anzuziehen, weil es alle haben, oder irgendeine Musik zu hören, weil es jeder hört. Wenn man merkt „irgendetwas in mir sagt, ich bin anders“, sollte man sagen „scheiß‘ drauf, ich mach’s einfach“. Damit geht es dir tausend Mal besser, als wenn du mit allen zusammen etwas machst, was dir nicht gefällt. Das ist jetzt auch keine neue, super Erkenntnis, nur nochmal neu in Szene gesetzt und mit ein bisschen Humor (wie auch das Video).